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Leben in der Klimakrise

Full text: NaturFreundIn (Rights reserved) Issue2021,3 Leben in der Klimakrise (Rights reserved)

LEBEN IN DER KLIMAKRISE Warum Umweltpolitik jetzt Gesellschaftspolitik werden muss Ausgabe 3–2021 NATURFREUNDiN Zeitschrift für nachhaltige Entwicklung – sozial – ökologisch – demokratisch a Hilfe beim Einkauf: Tipps mit sieben Siegeln [Seite 13] a Fotos der Bewegung: 15.000 bei Friedens­ wanderung [Seite 17] a Naturfreundehäuser in ­Europa: Millionen­verluste durch Corona [Seite 20]  EIN STANDPUNKT VON REGINA SCHMIDT-KÜHNER, STELLVERTRETENDE BUNDESVORSITZENDE DER NATURFREUNDE DEUTSCHLANDS AUF EIN WORT Menschenfreunde auch im Anthropozän h Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck der vielen Toten und katastrophalen Zerstörungen der Juli-Unwetter. Auf schreckliche Weise bestätigen sich mittlerweile die vielen Warnungen vor den Folgen der Klimaerwärmung. So hat sich der nördliche Jetstream, der bisher für unser gemäßigtes mitteleuropäisches Klima sorgte, bereits verändert und bringt uns nun sowohl Hitzewellen als auch Flutkatastrophen. Forscher*innen weisen schon seit Jahrzehnten auf Wetterextreme als Folgen des Klimawandels hin. Es sind gerade die kleineren Flüsse, die auf einmal besonders gefährlich werden. Ihnen hat man oft genug ihr Bett genommen oder es verlegt. Um sie herum wurde massiv Boden versiegelt, der nun kein Wasser mehr aufnehmen kann. Und oft genug wurde auch in Gebieten gebaut, die hochwassergefährdet sind. Gewiss: Hochwasserereignisse wie in diesem Sommer sind extrem und bleiben hoffentlich auch die Ausnahme. Aber sie müssen der Orientierungspunkt für Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung werden. Gleichzeitig muss alles dafür getan werden, um die Erderwärmung noch aufzuhalten. Das wird auch ein Thema unseres 31. Bundeskongresses sein, der vom 8. bis 10. Oktober in Berlin unter dem Motto „Leben im Zeitalter des Menschen – Sozial. Ökologisch. Frei.“ stattfinden wird – coronabedingt eineinhalb Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. SEITE 2 Die Menschheit, vor allem in den Industrienationen, hat unseren Planeten grundlegend verändert. Die Stichworte dazu sind Treibhausgase, Zerstörung der Artenvielfalt und ein Rohstoffabbau, der zu immer stärkeren Eingriffen in Natur und Landschaft führt. Der Begriff Anthropozän beschreibt diese massiven Veränderungen im Industriezeitalter. Wir NaturFreunde weisen schon seit Jahren auf die Folgen hin und fordern, dass die planetarischen Grenzen beachtet und der ökologische Fußabdruck drastisch reduziert werden müssen. Wir verbinden diese Forderungen mit unserem Einsatz für globale und soziale Gerechtigkeit. Wir wissen, dass die Hauptverursacher*innen von Umweltzerstörung und Klimawandel nicht die Hauptbetroffenen sind. Wir glauben, dass die Leitidee der nachhaltigen Entwicklung durch die sozial-ökologische Transformation umgesetzt werden muss. „Wir NaturFreunde wollen Menschenfreunde sein und bleiben“, schrieb der NaturFreunde-Gründer Alois Rohrauer vor fast einem Jahrhundert an die badischen NaturFreunde. Genau darum geht es: Wir NaturFreunde wollen die Idee des guten Lebens durch die soziale Emanzipation des Menschen auf neuen nachhaltigen Pfaden verwirklichen. Unsere Vision in der Menschenzeit ist die sozial-ökologische Transformation: nachhaltig handeln, Wirtschaft und Technik sozial und ökologisch gestalten, Demokratie stärken. Berg frei! – Welt frei! – Mensch frei! 31. Bundeskongress der NaturFreunde Deutschlands 8. bis 10. Oktober 2021 · Berlin www.bundeskongress.naturfreunde.de h NATURFREUNDiN 3-2021  INHALT Ausgabe 3–2021 Kinderrechte „Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist ein grundlegender Baustein für die gesellschaftliche Zukunft“ SINA FRANZ (BUNDESLEITERIN DER NATURFREUNDEJUGEND DEUTSCHLANDS) [SEITE 15] TITEL THEMA NATURFREUNDE AKTIV FEST GESETZT Unser Leben im Jahr 2050.......... 4 Wetterkatastrophen werden wahrscheinlicher.......................... 7 Umweltpolitik muss Gesellschaftspolitik werden......... 8 Interview mit Frauke Gehrau von der Naturfreundejugend...... 10 Orientierung für die Bundestagswahl......................... 11 Wandern im Klimawandel......... 12 Nachhaltige Siegel..................... 13 Bürgerenergiegenossenschaften geraten unter Druck................... 14 Keine Kinderrechte im Grundgesetz.......................... 15 Ausbildungstermine................... 16 Wie 15.000 Menschen den Frieden in Bewegung brachten... 17 Wie Naturfreundehäuser in Europa von der Coronakrise getroffen wurden....................... 20 Rechte Angebote für Klimaleugner*innen................... 22 Neuer Stolperstein..................... 22 Rechte Kletterrouten.................. 23 Zeitsprung.................................. 24 Kalenderblatt............................. 25 Reisen ....................................... 26 Seminare................................... 27 Kleinanzeigen............................ 28 Leser*innenbriefe...................... 28 Medien...................................... 29 Impressum................................. 29 kurz notiert................................ 30 EDITORIAL die Auswahl des Titelbildes dieser Ausgabe hat mich lange beschäftigt. Bei der Produktion einer NATURFREUNDiN gibt es ja immer mehrere Titel­ optionen, aber meist kristallisieren sich sehr schnell ein, zwei Favoriten heraus. So war es auch bei der Brücke im rheinland-pfälzischen Walporzheim (rechts), die während der Hochwasserkatastrophe im Juli regelrecht zermalmt wurde. Ein Caritas-Fotograf hat diese eindrucksvolle Aufnahme gemacht. Ja, genau so sieht Klimakrise aus: Hier geht es nicht mehr wei3-2021 NATURFREUNDiN ter, unsere Gesellschaft muss sich radikal neu orientieren. „Die Natur schlägt mit aller Härte zurück, weil die Dimension der ökologischen Herausforderungen bis heute zu wenig verstanden wird“, schreibt Michael Müller dann auch ab Seite 8. Die Erde, wie sie zu unserer Heimat wurde, existiere heute immer weniger. Das stimmt. Mit meiner Schwester habe ich jüngst über unsere alte Heimat am Rande Ostfrieslands gesprochen; sie will dorthin zurück. Wir sind – obwohl noch eine Autostunde vom Meer entfernt – im Einzugsbereich der Tide aufgewachsen. Längst werden dort die Deiche erhöht und neue Flutpolder gebaut. Ob sie bei der Auswahl eines Wohnortes auf Höhenmodelle und Hochwasserrisiken achte, wegen Klimawandel und so? Nicht wirklich, das wäre doch alles noch weit weg und so etwas wie im Ahrtal könne dort nicht passieren. Ich glaube, das Starren auf Katastrophenbilder verstellt den Blick auf den Alltag in der Klimakrise. Das jetzige Titelbild – der andere Favorit – ist da viel näher dran. Nick Reimer zum Beispiel hat ganz undramatisch beim Deutschen Wetterdienst recherchiert, wie der Klimawandel unser Leben bis zum Jahr 2050 verändern wird. Sein Bericht ab Seite 4 betrifft verschiedenste Lebensbereiche und dürfte vielen Leser*innen die Augen öffnen. Eine Langversion in Buchform stürmt übrigens gerade die Bestsellerlisten. Mit einem herzlichen Berg frei! SEITE 3 TITEL spanische Pamplona. Gleichzeitig werden die Frosttage stark abnehmen: Die Zahl der Tage, an denen das Thermometer unter Null sinkt, wird im Schwarzwald, im Harz oder im Erzgebirge um bis zu einhundert Tage sinken. Die Winter werden milder und kürzer. Eiswein aus Deutschland wird es Mitte des Jahrhunderts nicht mehr geben – einfach weil in den deutschen Weingebieten die Frosttage fehlen. PROGNOSE LEBEN IN DER KLIMAKRISE Wie der Klimawandel unser Leben im Jahr 2050 verändern wird bDie Zeitmaschine steht in Offenbach, Frankfurter Straße 135. Hier hat der Deutsche Wetterdienst seinen Hauptsitz. Fast einen ganzen Häuserblock nimmt das moderne Bürogebäude ein, sechs Stockwerke hoch. Im Erdgeschoss arbeitet, aufwendig gesichert, der Zentralcomputer. Mit ihm kann man in die Zukunft schauen: für ein paar Tage, also auf das Wetter von übermorgen im Schwarzwald oder im Sauerland. Aber auch auf das Klima in Deutschland im Jahr 2050: Die NATURFREUNDiN bekam eine Audienz. Mit einer Chipkarte öffnet Pressesprecher Uwe Kirsche eine schwere Glastür. Ein paar Meter weiter eine Zweite. „Das hier ist Hochsicherheitsgebiet“, sagt Kirsche. Eine Zugangsberechtigung zum Deutschen Meteorologischen Rechenzentrum, so der offizielle Titel, bekommt man nur nach einer intensiven Überprüfung – unter anderem durch den Bundesnachrichtendienst. Gegen unseren Reporter lagen aber keine Bedenken vor. Die Erkenntnisse besprach er danach mit weiteren Experten. Aus Offenbach berichtet:c NICK REIMER dem ersten DürreBundesrepublik Heißland: Gemäß Waldsterben Nach sommer 2018 verschickder Klimamodellierung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird Deutschland te der Nationalpark Hainich eine PressemelMitte des Jahrhunderts zwei Grad wärmer sein dung. Darin erklärte Leiter Manfred Großmann, sein naturnaher Buchenwald käme mit dem als im 19. Jahrhundert. Sommertage mit Hitzestress viel besser zurecht als anmehr als 30 Grad werden dann völlig dere Forste. Zwei Jahre später sagte normal sein, die Spitzentemperaer: „Ich habe mich geirrt!“ Großturen 40 Grad überschreiten, die mann wollte damals seine AusZahl der tropischen Nächte wird sage als Aufmunterung zum sich verdoppeln – Nächte, in deWaldumbau verstanden wissen. nen die Temperatur nicht mehr Denn dass die Fichte, Deutschunter 20 Grad sinkt. lands häufigster Baum, verBesonders betroffen sein werschwindet, ist längst klar: Zu dursden laut der DWD-Berechnung der FLUT tig ist der „Tann“, der aus dem Norden Südwesten von Freiburg bis Mainz kommt und es kühl und feucht mag. entlang des Rheins, der Südosten von der Hitze, Dürre, Schädlinge wie der BorkenkäLausitz bis in die Leipziger Tieflandbucht, die Kölner Bucht und das Ruhrgebiet. In Köln wird fer: Die Veränderungen haben längst begonEnde des Jahrhunderts ein Klima herrschen wie nen: Forstexperte Joachim heute in San Marino. In Berlin wird es sich anfühlen wie heute im südfranzösischen Toulouse, München bekommt Trockenheit wird in Deutschland häufiger: klimatische Zustände wie heute in hier der Rhein – Deutschlands wichtigste Mailand, Hamburg wie derzeit das Wasserstraße – Ende Oktober 2018 in Bingen, wo der Fluss Nahe mündet. Hitze ↓ SEITE 4 NATURFREUNDiN 3-2021 → Malaria t überträg cke Die Asiatische Tigermü und Gelbfieber: Noch kommt sie nur im Südwesten Deutschlands vor, aber mit steigender Temperatur wird sie sich über ganz Deutschland ausbreiten. Rock vom Thünen-Institut sagt: „Bei 450 Litern Niederschlag pro Jahr gibt es eine Grenze für den Wald.“ Zumindest für den, den wir heute kennen. Eichen, Buchen oder Kiefern: In wenigen Jahrzehnten wird es für etliche Standorte zu trocken und zu heiß sein – im Süden Brandenburgs, jeweils im Norden von Sachsen und Sachsen-Anhalt, zudem im Norden und Süden von Bayern, im Süden von Hessen und Rheinland-Pfalz, in Baden-Württemberg. Aber irgendetwas wird doch auch künftig wachsen? Es wächst doch immer irgendetwas! Manfred Großmann sagt: „Jedenfalls wird Wald nicht mehr das produktive Biotop sein mit seinen 30, 40 Meter hohen Bäumen.“ Und Hans-Werner Schröck von der Forschungsanstalt für Waldökologie in Rheinland-Pfalz erklärt: „Die Zukunft unserer Wälder könnte so aussehen, wie Urlauber heute Wald im Süden Europas erleben.“ In Deutschland gibt es genug Wasser für alle – diese Gewissheit gilt in wenigen Jahren nicht mehr. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe warnt in einer Risikoanalyse, „lange Dürreperioden (insbesondere verbunden mit Hitzewellen) können zu Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser führen“. Michael Ebling, Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen: „Wir müssen uns wahrscheinlich auf regional harte Nutzungskonflikte einrichten.“ Wenn es heiß ist, verbrauchen die Menschen mehr Wasser. Neu im Verteilungskampf ist die Landwirtschaft. In der Vergangenheit mussten Bauern in Deutschland ihre Felder kaum bewässern. Dürre ist seit den Trockenjahren 2018, 2019, 2020 in Deutschland zur Gewissheit geworden: Laut dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sind aktuell Teile der Lausitz, des Fläming, die Magdeburger Börde, Oberbayern und rund um Usedom in der entscheidenden Bodentiefe von 1,80 Metern immer noch von extremer Dürre betroffen. Dürre Andererseits wird es 2050 zu viel Wasser geben. „Lokale Starkregenereignisse verbunden mit Sturzfluten sowie Dauerregen verbunden mit großflächigen Überschwemmungen werden intensiver und häufiger“, heißt Überschwemmung 3-2021 NATURFREUNDiN es in einer Studie des Potsdam-Instituts für Kli- Tage schwankt von Jahr zu Jahr sehr stark“, sagt mafolgenforschung. „Normaler Landregen, wie DWD-Meteorologe Thomas Deutschländer. Aber wir ihn heute noch kennen, wird in Zukunft die alles deute darauf hin, dass sie zunehmen. Ausnahme sein“, sagt Andreas Becker vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Sommerlicher Nieklingt paradox: derschlag geht Mitte des Jahrhunderts stattdesKälte / Schnee Das Die Klimaerhitzung sen als Sturzflut nieder, sanfte Bäche verwandeln sich dann in reißende Ströme, die ganze wird uns wärmere Winter bringen. Manchmal Ortschaften verwüsten – so wie beispielsweise aber wohl auch sehr viel Kältere mit sehr viel 2015 Tangerhütte im Norden Sachsen-Anhalts, Schnee. Grund für Ersteres ist der sich abschwächende Jetstream: Dieser Höhenwind mäan2016 das bayerische Simbach, 2017 Gosdert auf der Nordhalbkugel und belar in Niedersachsen, 2018 Dudeldorf stimmt so unser Wetter. Angetriein der Eifel, 2019 Kaufungen nahe ben wird der Jetstream durch die Kassel oder 2020 das fränkische Temperaturdifferenz zwischen Herzogenaurach und im Juli die Nordpol und Äquator. Allerdings Orte in Westdeutschland. erwärmen sich die Pole stärker Doch nicht nur lokale Starkals der Rest der Welt, die Temperegenereignisse nehmen zu. raturdifferenz sinkt und dadurch „Tief Mitteleuropa“ nennen Metedie Antriebskraft. Deshalb veränorologen eine Wetterlage, die großEISSCHMELZE dert der Klimawandel die Strömungsflächig lang anhaltende Regenfälle in verhältnisse der Nordhalbkugel, und zwar unser Land bringt. Seit den 1950er-Jahren ist diese Wetterlage bereits rund 20 Prozent häu- so, dass Kälteeinbrüche bei uns häufiger werden. Mehr Schnee beschert uns das tauende Eis figer geworden, bilanziert der Deutsche Wetterdienst. Bis zum Jahr 2100 wird ihre Zahl etwa im arktischen Ozean: Wie ein Deckel auf dem Ozean wirkt dieses Meereis und verhindert, dass noch einmal so stark steigen. Ein „Tief Mitteleuropa“ beschert Unwetter das Wasser darunter in die Atmosphäre verwie 2013 an der Donau und anderen Flüssen dunstet. Friert die Barentssee nördlich der russiein Jahrhunderthochwasser. In Passau stieg der schen und norwegischen Küste im Winter nicht Pegel auf 12,89 Meter, der höchste Stand seit mehr zu, fehlt dieser Deckel. Es verdunstet mehr 500 Jahren. „Tief Mitteleuropa“ löste die Unwet- Wasser und das führt bei uns zu extremen Wetter im Mai 2016 aus. Besonders betroffen war terereignissen. damals Süddeutschland, elf Menschen verloren ihr Leben. Ein Jahr später sorgte ein „Tief Mittelsteigenden Temperaeuropa“ im Harz und seinem Umland für schweGesundheit Mit turen werden in Deutschre Verwüstungen, Flüsschen wie die Oker und die Nette verzeichneten Jahrhunderthochwasser. land auch Krankheitserreger aus anderen ErdteiDerzeit droht „Tief Mitteleuropa“ durchschnitt- len heimisch: Dengue- oder West-Nil-Fieber werlich an neun bis 15 Tagen im Jahr. „Die Zahl der den Mitte des Jahrhunderts keine Seltenheit in SEITE 5 TITEL unseren Breiten mehr sein. Zecken, die Erreger wie Borreliose-Bakterien oder FSME-Viren übertragen, fühlen sich dann in unseren Wäldern sehr wohl. Auch die Asiatische Tigermücke findet hier dann beste Lebensbedingungen, ein Überträger tropischer Krankheiten. Doch es wird nicht nur mehr Infektionskrankheiten geben: Vor allem alte Menschen werden unter zunehmender Hitze leiden. Bereits im Hitzesommer 2003 starben hierzulande 7.000 Menschen zusätzlich an Hitze, in den Hitzesommern 2018 bis 2020 gab es mehr Opfer als im Straßenverkehr. Schon im jetzigen Klima gibt es im Sommer in Berlin durchschnittlich 1.400 Hitzetote. Zum Vergleich: Im Berliner Straßenverkehr kommen im Jahresschnitt rund 65 Menschen ums Leben – Hitze ist also etwa 22-mal tödlicher. Bäuer*in: Das ist im SomWirtschaft Dachdecker*in ein Beruf, der ausmer 2050? „Man spürt die stirbt. Die Kühe auf die Weide treiben? Mit dem Hitze sogar durch die Schuhsohlen“, sagte 2019 Traktor aufs Feld tuckern? 2050 wird es das so der Kölner Meister Martin Weihsweiler, 20 Leute nicht mehr geben. Einerseits ist daran die Kli- arbeiteten für seine Firma. Damals hatte er ein maerhitzung schuld: Sie treibt bereits heute Thermometer dabei, im Schatten zeigte es immer mehr Bäuer*innen in den Ru35 Grad. Direkt auf der schwarzen Biin. Andererseits sorgt die technitumen-Dachoberfläche sind es teils sche Antwort auf die Folgen der über 70 Grad. Mitte des Jahrhunveränderten Anbaubedingungen derts wird das keine Ausnahme für ein Aus des Berufsstandes: mehr sein: Schlechtwettergeld Der 300-PS-Diesel-Traktor ist im muss dann im Sommer gezahlt Jahr 2050 Geschichte. werden, weil viele Menschen ih„Stattdessen übernehmen parem Beruf dann nicht mehr nachketgroße mobile Geräte diesen gehen können (im Süden wurde TREIBHAUSGAS Dienst, 15 Stück im Schwarm mit jedeshalb die Siesta eingeführt). weils 20 PS, elektrisch betrieben mit SonDie deutsche Wirtschaft wird vor allem nenenergie vom Dach der Scheune“, erklärt der international leiden: Unwetterkatastrophen in Geoökologe Claas Nendel. 2050 müsse näm- anderen Teilen der Welt werden die Lieferketten lich viel kleinteiliger angebaut werden, so der durcheinanderwirbeln, Staaten die heute noch Forscher vom Zentrum für Agrarlandschaftsfor- „Made in Germany“ kaufen, werden derart geschung: „Auf den trockenen Kuppen werden beutelt, dass sie sich das nicht mehr leisten köntrockenresistentere Pflanzen ausgesät, in den nen. Und die Leichtbauhallen in den deutschen feuchteren Niederungen dagegen anspruchsvol- Gewerbegebieten heizen sich derart auf, dass lere Sorten.“ Also alles durcheinander auf einem Arbeiten darin im Sommer Mitte des JahrhunFeld: Die autonomen Erntemaschinen würden derts oft nicht mehr möglich sein wird. das jeweilige Getreide erkennen und sortieren. Milchkühe geraten bei mehr als 24 Grad Celsius unter Hitzestress, die Milchleistung sinkt Menschen sind traiDemokratie „Wir deutlich. Deshalb wird der voll klimatisierniert auf Wirkungen, die te Stall entwickelt, ein Glasbau, der zudem die hier und jetzt und gleich passieren“, sagt der RiMethangase auffängt, die Kühe ausscheiden. sikoforscher Ortwin Renn. Würden wir jetzt den Apps gegen die zunehmende Anzahl von Schäd- schärfsten Klimaschutz umsetzen, den Klimalingen, Sensoren, die die Bodenfeuchte messen wandel stoppte das nicht unverzüglich. Denn und großflächige Beregnung: Die Digitalisierung Treibhausgase brauchen in der Atmosphäre vieals Antwort auf den Klimawandel, aus Bäuer*in- le Jahrzehnte, bis sie sich zersetzen. „Da wird nen werden Agraringenieur*innen. ein Teil der Gesellschaft schnell ungeduldig.“ Landwirtschaft SEITE 6 ← Kühe fühlen sich am wohlsten bei 15 Grad: In den Hitzesommern 2018, 2019, 2020 mussten viele Bauern ihre Kühe kühlen. Wozu schließlich den ganzen Aufwand, wenn sich nichts bessert. Renn fürchtet, dass die politischen Ränder stärker werden. „Man kann sich sowohl einen Klima-Diktator vorstellen als auch einen, der Schluss macht mit Klimaschutz.“ Der Kampf um die Demokratie werde „mit Sicherheit kein einfacher Kampf.“ Andere Regionen der Welt werden stärker unter der Klimaerhitzung leiden. Renn befürchtet eine Zerreißprobe für Europa, „wie wir sie uns bisher nicht vorstellen können.“ Denn verglichen mit heute werde die Zahl der Flüchtlinge stark ansteigen. „Diese Kombination aus weltweiter Migration und Etablierung eines rechtspopulistischen Autoritarismus in wohlhabenderen Staaten – das ist, was mich am Klimawandel am meisten beängstigt.“ Früher hieß es: „In den Wald gehen ist gesund.“ Aus der Vergangenheit ließen sich Erfahrungen ableiten, die sinnvollerweise unser Handeln bestimmen. Doch der Klimawandel entwertet dieses über Jahrhunderte angesammelte Wissen. In den Wald zu gehen kann zum Beispiel sehr ungesund sein: Wegen der gestiegenen Temperaturen haben sich die Zecken in unseren Wäldern ausgebreitet. Zecken übertragen Erreger wie Borreliose-Bakterien oder FSME-Viren, letztere können zu gefährlichen Gehirnentzündungen führen. Im Jahr 2020 erreichte die Zahl der FSME-Fälle in Deutschland mit 704 einen Höchststand, das Robert-Koch-Institut hat bereits die Hälfte aller Landkreise zu Risikogebieten erklärt. Wann eine Landwirt*in aussät, wie und wo man sein Haus baut, wo eine Gesellschaft Städte ansiedelt und wie sie diese organisiert – der Klimawandel wird eine radikale Entwertung menschlichen Erfahrungswissens bringen. c Gewissheit T Viel ausführlichere Informationen darüber, „wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“, in: Toralf Staud, Nick Reimer: Deutschland 2050; 384 Seiten, Paperback; Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2021; ISBN 9783462000689; 18 Euro. NATURFREUNDiN 3-2021 TITEL wicklung selbst an: Denn helles Eis reflektiert viel Sonnenlicht zurück ins All. Ist das Eis jedoch geschmolzen, absorbiert der darunter zum EXTREME Vorschein kommende dunkle Ozean die Strahlungsenergie. Die Arktis wird wärmer, noch mehr Eis schmilzt, die Temperaturdifferenz sinkt immer weiter: ein Teufelskreis. Der uns extremeres Wetter beschert. „DieDie Klimaerhitzung und Physik machen Wetterkatastrophen wahrscheinlicher ses Starkwindband gilt eigentlich als Motor für die Hoch- und Tiefdruckgebiete“, sagt die Meteorologin Verena Leyendecker. Weil der Ansendjähriges Hochwasser aus, im Fachjargon „HQ b„Ist das noch Wetter oder doch schon der Klimawandel“, fragte der Bayerische Rund- 1000“. Derartige Wetter waren statistisch bislang trieb aber geringer wird, „kommen die Hochs funk Anfang Juli, als ein „Jahrhundertunwetter“ nur einmal in eintausend Jahren möglich. Aber und Tiefs nicht mehr voran“, erklärt die Expertin in Landshut schwere Schäden verursachte. Das nach dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 folgte vom Dienst WetterOnline. „Deshalb lag das Tief oberbayerische Wolfratshausen wurde von golf- im Elbtal 2013 schon die nächste Jahrhundertflut ‚Bernd‘ so lange bei uns und hat uns so lange diesen Niederschlag gebracht.“ ballgroßen Hagelkörnern verwüstet, in fast allen mit Pegelständen von bis zu zehn Metern. Das gemäßigte Klima in Deutschland Neben „mehr gespeichertem Wasser“ Regierungsbezirken des Freistaates gab es umgerät also aus den Fugen. Und weil gestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, gesperrte ist auch der Nordpol an unseren neusich das Schmelzen der Arktis imBahnstrecken. Dabei hatte Greenpeace 2002 in en Wetterextremen „Schuld“. Bemer weiter beschleunigt, sind einer Analyse bereits nachgewiesen: Ja, der Kli- ziehungsweise der Jetstream, ein die Bilder der UnwetterkatastroHöhenwind, der mit bis zu 540 mawandel ist in Deutschland angekommen. phe im Juli nur eine Vorahnung Damals hatte eine sogenannte Vb-Wetterla- Kilometern pro Stunde zwölf Kiauf das, was kommt. Denn der ge die Elbeflut ausgelöst. Und so ein Wetterer- lometer über unseren Köpfen durcheinandergeratene Jetstreeignis – im letzten Jahrhundert noch extrem sel- hinweg pfeift. Wie eine endloam sorgt nicht nur für mehr Reten – bestimmt nun immer häufiger unser Le- se Sinuskurve mäandert er von gen, sondern auch für mehr Hitze ben. Die katastrophalen Unwetter Mitte Juli in West nach Ost über die NordhalbKORALLENSTERBEN und Dürre. 2018 war der Höhenwind Westdeutschland, etwa an Ahr und Erft, koste- kugel. Die Wellenbewegung treibt für den ausbleibenden Regen in Deutschten mehr als 180 Menschen das Leben. Die Wis- Hoch- und Tiefdruckgebiete weiter und besenschaft erklärt zwar immer wieder, dass ein stimmt so unser Wetter. Angetrieben wird der land genauso verantwortlich wie 2019 für die Exeinzelnes Wetter nicht belegen kann, dass der Jetstream von der Temperaturdifferenz der Tro- tremtemperaturen. Der lahmende Jetstream hat Klimawandel längst da ist. Allerdings erklärt sie pen zur Arktis. Allerdings erhitzt sich der Nord- auch dafür gesorgt, „dass es in den USA so exauch, dass die Mechanismen einer veränderten polarraum viel stärker als die meisten anderen trem heiß war“, sagt Meteorologin Leyendecker. Erdatmosphäre dafür sorgen, dass sich Wetter Weltgegenden, das arktische Meereis schrumpft Im Südwesten wurden im Juli mehr als 50 Grad bei uns verändert. Physikalisch betrachtet sind dramatisch. Und inzwischen treibt sich die Ent- gemessen.c NICK REIMER die zunehmenden Starkregenereignisse logisch: Wärmere Luft kann mehr Wasser speichern, pro Grad zusätzlich saugt sie sieben Prozent mehr Feuchte auf. Deutschland hat sich nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes seit 1881 bereits um 1,6 Grad erhitzt. Die Zahl der Tage, an denen die Temperatur über 30 Grad Celsius steigt, hat sich im gleichen Zeitraum fast verdreifacht. Seit dem Jahr 2001 haben dann die Starkregenereignisse deutlich zugenommen. Mehr in der Luft gespeichertes Wasser bedeutet mehr Energie, mehr Zerstörungskraft: Anfang Juni 2016 löste in Simbach am Inn ein Extremregen ein tau- NACH DEM REGEN → Altenahr, acht Tage nach der Katastrophe: Allein in Rheinland-Pfalz wüteten die Fluten im Juli derart, dass mindestens 140 Menschen ihr Leben verloren. 3-2021 NATURFREUNDiN SEITE 7 TITEL ANTHROPOZÄN WARUM UMWELTPOLITIK JETZT ­Z UR ­G ESELLSCHAFTSPOLITIK WERDEN MUSS Michael Müller: Unser Wachstumsmodell ist unvereinbar mit dem Menschenschutz bDie Natur schlägt mit aller Härte zurück, sah die Naturverhältnisse lange Zeit als „Nebenwiweil die Dimension der ökologischen Herausfor- derspruch“ an, der hinter dem Konflikt zwischen derungen bis heute zu wenig verstanden wird. Kapital und Arbeit zurückzustehen hätte. Das änImmer noch wird stattdessen dem alten Schnel- derte sich mit der Auseinandersetzung um die ler, Höher und Weiter angehangen, immer noch Atomenergie, die Umweltbewegung begann eine werden Warnungen nicht ernst genommen, im- politische Rolle zu spielen. Dennoch wurde der mer noch wird das Notwendige nicht getan. Natur- und Umweltschutz nicht in erster Linie als Auch deshalb mussten bei der Hochwasserkata- Ausgangspunkt gesellschaftspolitischer Strukturreformen gesehen, sondern als Ergänzung. strophe im Juli so viele Menschen sterben. Obwohl die ökologischen HerausGroße Gefahren von neuer Tragforderungen weiter ins Zentrum weite bauen sich auf. Weil das rückten, werden die gesellschaftKlimasystem der Erde eine lanlichen Zusammenhänge immer ge Anpassungsfrist hat, können noch unzulänglich verstanden. die globalen Umweltgefahren in Dabei geht es mittlerweile um den nächsten Jahren nicht mehr nicht weniger als die Unvergestoppt, sondern höchstens einbarkeit des vorherrschenden verlangsamt werden. KipppunkWachstumsmodells mit dem Nate drohen, an denen sich die ErderANSTIEG DER MEERE tur- und Menschenschutz. Das zeigt hitzung verselbstständigt. Die Verbinbeispielsweise eine Studie, die zum UN-Erddung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme erzeugen neue Synergismen gipfel 1992 in Rio de Janeiro veröffentlicht wurmit unabsehbaren Folgen. Und weil die Natur- de. Danach entfielen von den globalen Schädizerstörungen in Ursachen und Auswirkungen gungen am Erdsystem in den letzten 500 Jahren tragisch ungerecht verteil sind, wird die soziale mindestens 50 Prozent auf die Zeit nach 1950, Spaltung zunehmen. Deshalb ist es allerhöchste also auf damals nur vier Jahrzehnte. In den 1950er-Jahren begann die groZeit für eine neue Politik der ökologischen Modernisierung, die zur Gesellschaftspolitik wird. ße Beschleunigung, die zu globalen Schädigungen im Erdsystem führte. Seitdem ist Ich möchte sie hier skizzieren. Die moderne Umweltpolitik nahm vor mehr der Mensch gleichsam zur stärksten Naturals 50 Jahre ihren Anfang. Sie begann mit „Der gewalt aufgestiegen. Denn in der Folge von stille Tod“ von Rachel Carson, die die weltwei- industrieller Produktion und modularem te Ausbreitung von DDT nachwies, der Studie zu Massenkonsum unterscheidet sich die heuden „Grenzen des Wachstums“, in der Dennis tige wirtschaftlich-technische Eingriffstiefe Meadows die Endlichkeit der Ressourcen auf- in das Ökosystem grundlegend von traditizeigte, dem Kongress zur Qualität des Lebens onellen Wirtschaftsformen. Heute liegt die der IG Metall und auch dem Manifest „Ende Beanspruchung um das Hundertfache oder Wende“ von Erhard Eppler, das die Mach- höher. Zudem ist in den Industrielänbarkeit des Notwendigen aufzeigte. Anfang der dern die Ressourcennutzung pro Kopf 1970er-Jahre wurden erste Umweltministerien um das Zwanzigfache angestiegen und gegründet, nahm das Umweltbüro der Vereinten die Weltbevölkerung hat sich in den Nationen seine Arbeit auf und verabschiedete letzten 250 Jahren nahezu verzehnfacht. die Bundesregierung unter Willy Brandt das erste Umweltschutzprogramm, in dem drei zentrale Grundprinzipien festgelegt wurden: Verursacher→ prinzip, Vorsorgeprinzip und Konsistenzprinzip. ­ ma Per r e: De Permanent gefrorene Erd Bis dahin wurde in Deutschland die Debatte geein e ausgas frost hat sehr viele Treibh über den Schutz der natürlichen Lebensgrundlan diese Gase rde we , auf er t schlossen. Tau gen überwiegend von konservativen NaturschütKlima. frei – und schädigen das zer*innen dominiert. Auch die politische Linke SEITE 8 Der Mainzer Atmosphärenforscher und Nobelpreisträger Paul Crutzen beschrieb die Eskalation der menschlichen Eingriffe in die Natur als „Geologie der Menschheit“. Seine Konsequenz war die Forderung, die heutige geologische Erdepoche Anthropozän zu nennen – Menschenzeit. So wollte er die Herausforderungen deutlich machen, vor denen wir heute stehen. Die Weltgesellschaft der Geologie stimmte dem Vorschlag zu. Das Anthropozän löst das Holozän ab, das in den letzten 12.000 Jahren mit seinem gemäßigten Klima die Entwicklung der menschlichen Zivilisation auf unserem Planeten gefördert hat. Aber die Erde, so wie sie zu unserer Heimat wurde, existiert heute immer weniger. Ich möchte einige Beispiele nennen: a Das Klimasystem verliert seine Stabilität. Die Konzentration von Kohlendioxid erreicht bereits 420 parts per million (ppm), sodass um das Jahr 2045 eine globale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius erreicht werden wird. Kipppunkte rücken näher, an denen sich die weitere Entwicklung dramatisch beschleunigt: Thermohaline Strömungen brechen zusammen, Permafrost-Gebiete, die Kohlenstoff gebunden haben, tauen auf, Regenwälder trocknen aus, Korallenriffe sterben ab. a In drei von neun Dimensionen des Erdsystems, die für das menschliche Leben eine essenzielle Bedeutung haben – Klimasystem, Stickstoffkreislauf und Biodiversität – werden planetarische Grenzen überschritten. Bei Süßwasserreserven, Oberflächenwasser und Bodenfruchtbarkeit sind diese Grenzen erreicht. NATURFREUNDiN 3-2021 TITEL ← Hitze und Dürre greifen unsere Böden an: hier ein Sandsturm in Friedensau, Rheinland-Pfalz. a 20.000 bis 50.000 Quadratkilometer frucht- barer Landfläche gehen jedes Jahr durch Bodenerosion verloren. Die Aussterberate von Tier- und Pflanzenarten liegt um das 100- bis 1.000-fache höher als im natürlichen Prozess. Der ökologische Fußabdruck des Menschen ist so tief, dass der Welterschöpfungstag, an dem die im Jahr reproduzierte Biomasse verbraucht ist, bereits Anfang August erreicht wird. Vor 20 Jahren lag er noch am 22. September. Im Anthropozän muss mit der Allgegenwart des technokratischen Wachstumsparadigmas gebrochen und die Verherrlichung des Marktes beendet werden. Andernfalls wird sich die soziale Spaltung in den Gesellschaften ebenso vertiefen wie zwischen dem globalen Norden und Süden. Während sich die Natur veränderten Bedingungen anpassen kann, ist der Mensch dazu nur begrenzt in der Lage. Und auch diese Anpassungsfähigkeit ist global höchst ungleich verteilt. Die Gefahr ist groß, dass die globale Umweltkrise die Spaltung zwischen Arm und Reich dramatisch vertieft und Gewalt auslöst. An dieser Weichenstellung reicht eine grüne Technokratie nicht aus. Notwendig sind tief greifende Strukturreformen in Wirtschaft und Gesellschaft, die von der Endlichkeit des Erdsystems für menschliches Leben ausgehen. Der Soziologe Norbert Elias hat den Prozess der Zivilisation als „soziale Verregelung von Gewalt“ beschrieben. Heute muss es zu einer sozial-ökologischen Verregelung von Gewalt kommen, da sich die Verteilungskonflikte sonst in den nächsten Jahrzehnten dramatisch zuspitzen werden. So verstanden stellt die Umwelt- und Naturzerstörung die Gestaltungs- und Verteilungsfrage. Gleichzeitig geht es um Friedenspolitik. Fünf Punkte empfinde ich dabei von zentraler Bedeutung: 3-2021 NATURFREUNDiN bauprozess nicht kompensatorisch sein, sondern muss strukturell und dauerhaft angelegt werden. Das erfordert eine gerechtere Verteilung in den Primärstrukturen, was vor allem die Einkommens-, Lohn- und Vermögensverteilung betrifft. 4. Notwendig ist eine neue Idee von Fortschritt für eine freie, gerechte und solidarische Welt, die von der Endlichkeit der Naturgüter für menschliches Leben ausgeht und die Einhaltung planetarischer Grenzen zum Maßstab macht. Das erfordert eine soziale und ökologische Weltinnenpolitik, die auch eine Regionalisierung der Globalisierung zum Ziel hat, um die politische Gestaltungsfähigkeit zu stärken und neue Gleichgewichte zu schaffen. 5. Wir brauchen mehr Demokratie und Partizipation in allen gesellschaftlichen Bereichen. Denn die Befreiung des Menschen aus Dogmen, Abhängigkeiten und Zwängen ist auch heute von zentraler Bedeutung, um den Menschen die Gestaltungsmacht über die Zukunft zu geben. 1. Die Natur muss als Mitwelt verstanden werden, wir sind auf die Stabilität der Ökosysteme angewiesen. Natur darf nicht länger zubereitet, isoliert oder selektiv gesehen werden, denn das Wachsen, Nutzen, Verbrauchen und Wegwerfen gerät an Grenzen. Aus Wachstum muss eine nachhaltige Entwicklung werden, die die Ökologie in die Wirtschaftsprozesse von Anfang an integriert. Aus Das Anthropozän muss nicht zum Niedergang dem bisherigen technischen Irrtumslernen der menschlichen Zivilisation führen. Was muss eine gezielte ökologische Innovationsder Mensch angerichtet hat, kann der Mensch und Infrastrukturpolitik werden, die dem wahrscheinlich auch wieder verändern. Aber Prinzip Verantwortung gerecht wird, wie es wir brauchen eine Weiterentwicklung der under Philosoph Hans Jonas definiert hat. vollendeten europäischen Moderne, deren Aus2. Die sozial-ökologische Gestaltung der Transgangs- und Zielpunkt die Emanzipationsidee formation heißt für uns, die analytische Spur war. Dafür haben im 16. Jahrhundert die eurowieder aufzunehmen, die der Wirtschaftspäischen Rationalisten die Weichen gestellt, inssoziologe Karl Polanyi einst legte, um die besondere durch die Hinwendung zu AufMenschheit aus der Geiselhaft der Profitklärung, Vernunft und den Naturwisund Expansionsinteressen offener senschaften. Märkte zu befreien. Deren neoliAllerdings war die Fortschrittberale Utopie sieht Arbeit, Nasidee auch geprägt von Naturtur und Geld nur als Waren, vergessenheit und Ungleichheit. die vom Markt geregelt werDiese Defizite wurden durch den, ohne Rückbindung an die soziale Emanzipation, für Lebenswelt und Öko-Systedie die Arbeiter*innenbewegung me. Die „Entbettung“ der Ökokämpft, einerseits abgemildert, annomie aus gesellschaftlichen ARTENSTERBEN dererseits aber auch auf die EntfalBindungen muss politisch gestoppt tung der Produktivkräfte zugespitzt, weil so werden, damit der Mensch nicht erniedder Verteilungsspielraum erweitert wurde. rigt, die Natur nicht zerstört und die WirtDas kann heute nicht mehr funktionieren. schaft nicht krisenanfällig wird. Die Grundidee der Befreiung und Emanzipation 3. Die Beendigung der Naturvergessenheit darf muss wieder ins Zentrum rücken und die Genicht zu einer neuer Menschenvergessenheit rechtigkeitsfrage regional, national und global führen. Um in Frieden und Freiheit zu überneu beantwortet werden, ohne die Fortschritte leben, darf es keine hochgesicherten grünen der europäischen Moderne zu verspielen.c Oasen des Wohlstands gegen eine zuneh mend unwirtliche Welt geben. Von daher darf MICHAEL MÜLLER BUNDESVORSITZENDER NATURFREUNDE DEUTSCHLANDS der soziale Ausgleich im ökologischen UmSEITE 9 ← Kohlekraft in Deutschland noch bis ins Jahr 2038? Dagegen wächst der Widerstand – hier im Rheinland. INTERVIEW „WIR WOLLEN DIE DEKARBONISIERUNG DER GESELLSCHAFT IN ALLEN SEKTOREN“ Frauke Gehrau von der Naturfreundejugend hofft auf einen Politikwechsel Über das Verbot von Privat-PKW haben wir daeNATURFREUNDiN: Diese Titelgeschichte mals lange diskutiert. Aber dann wollten wir skizziert, wie stark unser Leben in dreißig auch mal einen Punkt machen und zeigen, wie Jahren vom Klimawandel geprägt sein wird. dringend es in der Klimakrise ist. Seit gut 30 JahWas geht dir dabei durch den Kopf? Frauke Gehrau: Ich muss zugeben, ich beschäf- ren ist nun bekannt, dass die Menschheit etwas tige mich nicht so gerne mit den Details des Kli- gegen die Erderhitzung tun muss. Eine ganze Gemawandels. Zu wissen, dass die eigene Zukunft neration hatte also Zeit für Freiwilligkeit. Und so aussehen wird, drückt wahnsinnig aufs Ge- wir sehen, wohin uns das geführt hat. Ich möchte aber betonen, dass die großen Weichen müt. Das geht vielen jungen Menschen so. nur von Politik und Wirtschaft gestellt eSpätestens seit den Überschwemwerden können. Die Verantwortung mungen im Juli wird plötzlich auf die einzelne Person zu schieüberall mehr Klimaschutz geforben, ist ein Ablenkungsmanöver. dert. Was fordert die NatureGlaubst du, dass sich der freundejugend? Klimawandel noch stoppen Die Dekarbonisierung der Gelässt? Unser Bundesvorsitzensellschaft in allen Sektoren. Umder Michael Müller sagt, dass fassend. Wir glauben aber, dass wir heute erst die Effekte der das nur funktioniert, wenn sich die DÜRRE Emissionen von vor vier Jahrzehnten Gesellschaft auch sozial-ökologisch spüren. Geht es möglicherweise nur noch transformiert und es eine Abkehr vom ständigen Wirtschaftswachstum gibt. Für uns gehört um die Anpassung an die Folgen? dann auch dazu, dass die Demokratisierung vo- Nein, dann würden wir uns aus der Verantwortung rangetrieben wird, etwa durch mehr Mitsprache stehlen. Unsere Gesellschaft gehört ja zu den größin der Wirtschaft sowie – und das ist uns sehr ten Emittenten von Treibhausgasen. Wir müssen wichtig – mehr Jugendbeteiligung. Zum Beispiel, nach einer Anpassungsstrategie suchen und die indem das Wahlalter abgeschafft wird. Wenn Emissionen drastisch mindern. So hoffe ich, dass mehr Jugendliche wählen könnten, würde die wir das Schlimmste noch verhindern können. eBeim Klimastreik im September vor zwei Politik auch langfristiger denken. Jahren haben allein in Deutschland 1,4 MillioeIhr habt euch schon 2019 für ein stärkeres nen Menschen mitgemacht. Kohlendioxid reduOrdnungsrecht ausgesprochen und ein Verbot ziert hat dann aber Corona. Und das von Privat-PKW ab 2025 gefordert. War es das Klimaschutzgesetz wurde vom Bundesverfasjetzt mit der Freiwilligkeit im Klimaschutz? SEITE 10 sungsgericht kassiert. Was muss passieren, damit Forderungen der Jugend echte politische Faktoren werden? Richtig, was muss eigentlich noch alles passieren … Entwicklungen in der Gesellschaft verlaufen ja selten linear. Meine große Hoffnung ist, dass es bald zu einem Politikwechsel kommt und dass wir dann eine gesellschaftliche Hauruck-Aktion hinbekommen: alle zusammen fürs Klima. eMichael Müller fordert, dass die Umweltpolitik in die Mitte der Gesellschaft rücken muss. Klimaschutz muss definitiv eine Querschnittsaufgabe werden. Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen sollte ja eigentlich im Interesse jeder Person sein. Aber gleichzeitig finde ich, dass wir ehrlicher zueinander sein müssen. Immer wieder wird gesagt, man könne nicht einfach alles von heute auf morgen ändern. Corona hat dann aber gezeigt, dass wir ja doch alles ändern können, wenn wir nur wirklich wollen, sehr, sehr schnell sogar. Natürlich wäre es zum Beispiel hart, alle Autos bis 2025 abzuschaffen. Aber wir könnten es tun. Ich frage mich, ob wirklich allen die Dringlichkeit der Klimakrise bewusst ist und wirklich alle die Zukunft der jungen Generation retten wollen. eIhr helft wieder bei der Organisation des Klimastreiks am 24. September mit, der die Bundestagswahl zur Klimawahl machen möchte. Glaubst du, das kann funktionieren? Ich glaube, dass die Naturkatastrophen in diesem Jahr die Wahl prägen werden. Klimagerechtigkeit ist für mich allerdings nur ein – wenn auch ein sehr wichtiger – Teil meines Gerechtigkeitsverständnisses. Deswegen demonstrieren wir als Naturfreundejugend auch bei #unteilbar am 4. September mit. Ich glaube an den Einfluss von Demonstrationen und bleibe ein optimistischer Mensch.c INTERVIEW SAMUEL LEHMBERG Frauke Gehrau (26) ist Mitglied der Bundesleitung der Naturfreundejugend Deutschlands und arbeitet als Büroleiterin einer brandenburgischen Landtagsabgeordneten. frauke.gehrau@naturfreundejugend.de NATURFREUNDiN 3-2021 TITEL „bedingt“ geeignet. Sein Herausforderer von der Linkspartei – Udo Wolf – will sich im Falle seines Einzuges für 12 der 19 Maßnahmen einsetMITMACHEN zen. Die CDU-Kandidatin hatte sich bei Redaktionsschluss noch nicht beteiligt, genauso wenig wie die Kandidat*innen der Bündnisgrünen und der FDP. Mitgemacht hat dagegen Volker Finke, der Wo Bundestags-Kandidat*innen Stellung zum Klimaschutz beziehen müssen ehemalige Fußballtrainer, der den kleinen SC Freiburg einst ganz groß machte. „Es fehlt nicht Deshalb unterstützt Quaschning die Initiative am Wissen zur Bekämpfung der Klimakrise, sonb„Alle reden über Klimaschutz: Wir legen los!“ Dieser Spruch stammt von der SPD. #wählbar2021, mit der sich Wähler direkt an ih- dern am politischen Umsetzungswillen“, sagt Die FDP will einen „Neustart in der Klimapo- re Bundestagskandidat*innen wenden können. der Fußballlehrer. #wählbar2021 sei eine neue litik“. Innerhalb der CDU und CSU gibt es jetzt Dafür gibt man auf www.waehlbar2021.de seine Qualität für Wähler, sich zu orientieren, so Finsogar eine „Klima-Union“, die sich für eine Postleitzahl an und dann werden die jeweiligen ke. „Klimaschutz ist nicht ‚nice to have‘“, sagte auch Volker Quaschning. „Tun wir nichts, 1,5-Grad-Politik einsetzen will. Überall also Kli- Kandidat*innen dafür angezeigt. Jetzt kann drängen Ende des Jahrhunderts mehmaschutz. Es scheint, als ob sich die Parteien man sie auffordern, zum Klimaschutz Stellung zu beziehen. rere Milliarden Menschen als Klitatsächlich des Themas annehmen. „Es geht um konkrete Maßmaflüchtlinge nach Europa.“ Des„Das sind alles nur Lippenbekenntnisse“, behalb sei #wählbar2021 auch so hauptet Volker Quaschning, Professor für Rege- nahmenpakete zum Klimaunterstützenswert: „Wir braunerative Energiesysteme in Berlin. Keine Partei schutz, die von Expertinnen und chen ehrliche Politiker, die Farhandele wirklich angemessen. „Mit ihrem neuen Experten empfohlen werden“, be bekennen. #wählbar2021 ist Klimagesetz hat sich die Politik verpflichtet, den erklärt Jörg Lange vom Verein eine Chance, Transparenz herzuTreibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent ge- CO2-Abgabe. Beispielsweise wird stellen.“ genüber 2020 zu reduzieren“, so Quaschning, der eine „fahrleistungsbezogene PkwWALDSTERBEN Freilich nur, wenn viele Wähler* seine These mit dem Verkehrsbereich illustriert: Maut“ vorgeschlagen, eine „Steuerund Kandidat*innen mitmachen, wie Mitini„Ein Tempolimit könnte zwei Prozent Emissionen und Umlagenreform“, die klimaschädliche reduzieren, ein Verbot von Inlandsflügen weitere Subventionen abschafft, oder ein solidarisches tiator Jörg Lange einräumt. „Deshalb kann man zwei Prozent. Für die restlichen 36 Prozent gibt es Jahresticket, das alle Kosten des öffentlichen Kandidaten auch per E-Mail auffordern, sich Verkehrs sozial austariert und auf alle Bewoh- mit den konkreten Maßnahmenpaketen auseinweder Ideen noch politische Instrumente.“ ner*innen einer Region umlegt. anderzusetzen“, so Lange. Und falls die KandiNaturFreund Klaus Mindrup, dat*innen der Aufforderung nicht nachkommen, SPD-Kandidat im Norden Berlins, kann man sie an die Slogans erinnern, die ihre Von Sonnenbrand betroffener Riesling: Die Winzer findet beispielsweise 16 der 19 Partei so gern vor sich hertragen.cNICK REIMER in Deutschland spüren die Veränderungen längst, in Vorschläge der Initiative #wählT www.waehlbar2021.de den besten Lagen ist es für die heimischen Reben bar21 gut, lediglich drei findet er viel zu warm geworden. ↓ #WÄHLBAR2021 ZUR ORIENTIERUNG 3-2021 NATURFREUNDiN SEITE 11 THEMA SICHER UNTERWEGS „Das Wetter wird immer herausfordernder“ Lehrteamerin Sabine Müller erklärt den Einfluss des Klimawandels auf das Wandern eNATURFREUNDiN: Sabine, du bildest für die NaturFreunde Wanderleiter*innen aus. Wenn wir an das katastrophale Unwetter Mitte Juli in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zurückdenken: Wie stark wirkt sich der Klimawandel mittlerweile auch auf das Risiko bei Outdooraktivitäten aus? Sabine Müller: Lass mich zuerst betonen, dass bei Unwetterwarnung jegliche Natursport-Aktivität unterbleiben sollte, insbesondere mit Gruppen. Das Wetter wird grundsätzlich immer herausfordernder. Als Outdoorsportler*in muss man das Risiko von sehr heftigen Gewittern mit Orkanböen, Starkregen, Hagelstürmen, sogar Überflutungen und Erdrutschen heute immer irgendwo mitdenken. Auch Hitze und Trockenheit: Waldbrandwarnungen sollten genau beachtet werden. Das Waldgesetz verbietet offenes Feuer im Wald, teils ganzjährig. Bitte also auf keinen Fall im Wald rauchen und achtet auch auf weggeworfenes Glas und Plastik, es kann wie ein Brennglas wirken! eWas empfiehlst du Natursportler*innen, wenn es plötzlich blitzt? Bitte Wald und überhaupt Bäume meiden: Viele sind durch die vergangenen Trockenjahre geschädigt und haben abgestorbene Äste. Gewitterböen brechen diese leicht ab, wobei selbst ein kleiner Ast aus großer Höhe zu Verletzungen führen kann. Der wichtigste Tipp lautet: In die Hocke gehen und sich so klein wie möglich zusammenkauern. eIst das Risiko bei Unwettern in den Bergen eigentlich höher? Wir haben bei der Unwetterkastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gesehen, was große Wassermengen anrichten können, wenn sie aus der Höhe ins Tal fließen. In hohen Lagen kann es zudem sehr plötzlich zu Gewittern oder Kälteeinbrüchen mit sogar Schneefällen kommen. Auch im Herbst oder Frühling muss dabei mit Lawinen oder abgehenden Schneebrettern gerechnet werden. Und Nebel im Gebirge kann dir ganz plötzlich die Orientierung rauben. Ohne entsprechende Erfahrung, geeignete Ausrüstung und Planung sollte deshalb niemand in die Berge gehen. Viele Unfälle im alpinen Bereich entstehen aber letztlich durch Selbst- Sabine Müller aus Regensburg ist Mitglied des Bundeslehrteams Wandern sowie des Bundeslehrteams Sport und Natur. s.mueller@ naturfreunde.de überschätzung. Man kennt das Gelände nicht, ist nicht sicher auf steilem oder rutschigem Untergrund bis hin zu Klettersteigen und macht sich auch nicht sachkundig bei der Tourenplanung. Zudem ist das Raufgehen meist einfacher als der Abstieg, denn der erfordert mehr Konzentration. Und dann kann es auch bei gutem Wetter schnell zu Unfällen kommen. eKehren wir zurück ins Tal: Wie bereite ich mich auf eine einfache Wanderung vor? Je nachdem wo und wann ich wandern will, muss ich mich mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzen. Im Flachland habe ich andere Anforderungen als im Gebirge, im Winter brauche ich eine andere Ausrüstung als im Sommer. Auch die Tageszeit spielt eine Rolle, nachts zum Beispiel kann eine Taschenlampe sinnvoll sein. Muss ich für andere mitdenken und mitplanen? Gibt es Teilnehmer*innen, die nicht so gut zu Fuß sind? In jedem Fall ist es wichtig, einen ganz aktuellen Wetterbericht einzuholen und die entsprechende Ausrüstung mitzunehmen. eWas sollte in jeden Wanderrucksack? Ein Erste-Hilfe-Set muss mit. Auch die gute alte Wanderkarte ist immer sinnvoll, elektronische Geräte können ausfallen oder du hast keinen Empfang. Wetterabhängig dann wetterfeste Kleidung, Regenschutz, Kälteschutz und Sonnenschutz. Ausreichend Getränke sind auch wichtig, bei anstrengenden Strecken und Hitze steigt der Bedarf an Flüssigkeit. Eine individuelle Brotzeit, gegebenenfalls Teleskopstöcke, eine Sitzunterlage für die Rast und dann – ganz wichtig – ein Behältnis für individuelle Abfälle. Lass nichts im Wald zurück! eDie NaturFreunde haben einen großen Ausbildungsbetrieb im Bereich Wandern. Wird dort auch auf solche Fragen eingegangen? Na klar: Der NaturFreunde-Grundlehrgang zum*zur Wanderleiter*in“ behandelt genau solche Themen und befähigt zum sicheren Führen von Gruppenwanderungen. Da werden Wanderplanung, Methodik und Didaktik, Führungstechniken, Ausrüstungsfragen, Orientierung, Wetterkunde, Erste Hilfe und auch rechtliche Fragen behandelt, zudem in einem großen Themenkomplex der Schutz von Natur und Umwelt. Aufbauend und vertiefend bieten wir unseren Wanderleiter*innen zudem Fortbildungen im Schneeschuhwandern, Erlebnispädagogik oder zum Beispiel auch in Regionalkultur an, die sowohl lizenzverlängernd als auch wegbereitend zur Qualifikation Trainer*in C – Wandern sind. Und dann kann man sich von der Fachgruppe Bergsport auch im Bereich Bergwandern ausbilden lassen.c INTERVIEW MARITTA STRASSER T ŇDie Wanderleiter*in-Ausbildung, hier eine Lehrsituation mit Sabine Müller, klärt weitere Fragen. SEITE 12 NaturFreunde-Ausbildungsstruktur- und -termine im Wandern www.naturfreunde.de/ausbildung-wandern NATURFREUNDiN 3-2021 THEMA BESSER EINKAUFEN Tipps mit sieben Siegeln Ein kleiner Wegweiser durch das Labyrinth der Produktzertifikate bSie wollen beim Einkauf etwas Gutes tun? Mit ihrem Konsum nicht die Welt zerstören? Sie sind entschlossen, nicht zu jenen Menschen gehören zu wollen, die mit ihrem Kaufverhalten den Planeten plündern, schwere Umweltschäden verursachen und Arme oder sogar Kinder ausbeuten? Dann haben wir ein paar Tipps für Sie: sieben Siegel, die Produkte zieren, die besser sind als andere.cNICK REIMER Wofür es steht: Es gibt sieben „Bioland-Prinzipien“, nach denen die Mitglieder des größten ökologischen Landwirtschaftsverbandes Deutschlands ihr Siegel vergeben: Die Mitgliedsunternehmen müssen die Bodenfruchtbarkeit fördern, die natürliche Lebensgrundlagen erhalten genauso wie die Artenvielfalt, Tiere artgerecht halten, in Kreislaufwirtschaft arbeiten, „wertvolle“ Lebensmittel erzeugen, um so die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Was davon zu halten ist: Produkte, die das Bioland-Siegel tragen, gefährden garantiert nicht unsere Zukunft. Wofür es steht: Produkte mit dem BDIH-Logo enthalten kein Erdöl, Silikone, synthetischen Farb- oder Duftstoffe, Paraffine: Die pflanzlichen Zutaten dieser Naturkosmetik entstammen dem Ökolandbau. Außerdem garantiert dieses Siegel, dass bei der Entwicklung der Produkte auf Tierversuche komplett verzichtet wurde. Was davon zu halten ist: Gute Naturund Biokosmetik trägt dieses Siegel. 3-2021 NATURFREUNDiN Wofür es steht: Produkte mit diesem Siegel werden in „biologisch-dynamischer Anbauweise“ hergestellt – die strengste Form der ökologischen Landwirtschaft. Statt Chemie werden für Düngung und Tier- oder Pflanzenschutz spezielle Natur-Präparate eingesetzt. Nicht nur Lebensmittel, sondern auch andere Produkte wie etwa Kosmetika werden zertifiziert. Was davon zu halten ist: tolles Konzept, das allerdings im Landen oft kostspielig ist. Wofür es steht: Ökolebensmittel, die in der EU-produziert worden, tragen dieses EU-Bio-Siegel. Allerdings ist der Standard niedriger als bei den Siegeln zuvor: Produkte mit diesem Zertifikat können bis zu fünf Prozent Zutaten enthalten, die nicht aus ökologischem Anbau stammen. Was davon zu halten ist: eine gute Alternative für die kleineren Geldbeutel, denn „100 Prozent aus ökologischem Anbau“ ist oft viel teurer als Produkte mit diesem Siegel. Wofür es steht: Eingeführt, um Produkte zu kennzeichnen, deren Produktion andere Menschen nicht ausbeuten: Mittlerweile wird bei der Vergabe auch auf Öko-Standards geachtet. Was davon zu halten ist: sozial anspruchsvoll, ökologisch aber etwas schwächer; ein wichtiges Siegel vor allem für Produkte, die nicht lokal hergestellt werden können, wie beispielsweise Kaffee oder Bananen. Wofür es steht: Seit 1985 vergibt der Bundesverband ökologisch arbeitender Weingüter dieses Siegel: Nach dessen Richtlinien können nur Weine das Zertifikat tragen, die ohne chemische Herbizide, Insektizide und synthetischen Stickstoff-Dünger hergestellt wurden. Außerdem gelten Regeln wie „Mehrung der Artenvielfalt“ oder „Steigerung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit durch geeignete Kulturmaßnahmen“. Was davon zu halten ist: sehr gutes Siegel für den nachhaltigen Weingenuss. Wofür es steht: nachhaltig produzierte Lebensmittel: Naturland zertifiziert seit 1982, vergibt sein Siegel auch für Naturkosmetik, Fisch und Textilien, wenn sie den strengen Kriterien genügen. Was davon zu halten ist: sehr gutes Siegel mit hohen Standards. SEITE 13 THEMA ERNEUERBARE ENERGIEN Das sozial-ökologische Geschäftsmodell Warum Bürgerenergiegenossenschaften sehr sinnvoll sind, jetzt aber unter Druck geraten bEin Motor der Energiewende sind „Bürgerenergiegenossenschaften“: In der Regel sind dies Vor-Ort-Initiativen, zu denen sich Privatpersonen und kleine Unternehmen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam dezentrale Kraftwerke zu betreiben. Auf diese Weise sind regionale Projekte zur nachhaltigen Energieversorgung entstanden. Und zwar in unterschiedlicher Art und Größe: vom Bioenergiedorf, in dem Landwirt*innen aus der Umgebung die nachwachsenden Rohstoffe zur Energieproduktion liefern, bis hin zur „Bürger-Solarkraftwerke eG“, die möglichst viel Fotovoltaikanlagen in ihrer Gemeinde auf öffentlichen und privaten Dächern installieren will. Der Blick in Statistiken zeigt allerdings, dass der Boom stockt. Während die Anzahl der registrierten „Energiegenossenschaften“ zunächst anstieg und im Jahr 2015 jenseits von 900 lag, ist sie seitdem zurückgegangen. Derzeit gibt es 835 Energiegenossenschaften in Deutschland. Durch politische Entscheidungen kam es zu einer regelrechten Verdrängung der Energiegenossenschaften aus dem Strom- und Wärmemarkt. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise auf den Wegfall des Zuschusses nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zu verweisen. Für eine Energiegenossenschaft mit zwei älteren Windrädern tritt eine existenzbedrohende Situation ein, wenn ihre Anlagen jetzt nach 20 Jahren ihren Zuschuss aus der EEG-Förderung verlieren, obwohl ein Ende der Lebensdauer der Anlagen noch nicht erreicht ist. Denn die dann nötige Vermarktung des Stroms ist für kleinere Genossenschaften sowohl organisatorisch als auch wirtschaftlich nicht zu leisten. Bundesregierung setzt EU-Recht nicht um Eine andere Behinderung ist die mangelnde Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU durch die Bundesregierung. Diese Regelung eröffnet Bürger*innen die Möglichkeit, regional erzeugte erneuerbare Energie in Eigenregie zu nutzen – und zwar ohne große finanzielle Belastungen und bürokratische Hürden. Die Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht erfolgte aber zulasten von gemeinschaftlichen Lösungen. So erlaubt das EEG 2021 die Eigenversorgung weiterhin nur für Einzelpersonen. Gemeinsam handelnde Eigenversorger – wie Energiegenossenschaften – sind hingegen nicht vorgesehen. Auch eine energieeffizientere und auf Basis erneuerbarer Energien umzusetzende Wärmeversorgung muss in den Blick genommen werden. Genossenschaftliche Nahwärmenetze bekommen zum Beispiel Probleme, wenn die Hauptwärmequelle nach Ablauf der zwanzigjährigen EEG-Förderung wirtschaftlich nicht weiterbetrieben werden kann. Um diese Behinderungen zu überwinden und weitere Hemmnisse gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten Energiegenossenschaften und Kommunen ihre Kräfte stärker bündeln. Davon würden beide Seiten profitieren: Energiegenossenschaften verfügen bei allen Fragen der Bürgerbeteiligung über eine hohe Glaubwürdigkeit und Akzeptanz. Kommunen und Stadtwerke könnten ökonomisches Know-how, Zugang zu Fördermitteln, Flächen und viel verwaltungs- und abwicklungstechnisches Wissen bereitstellen. Durch eine gezielte Einbindung von Bürgerenergiegenossenschaften in die kommunale Energieversorgung würde zudem die Akteursvielfalt gefördert und es bliebe mehr Wertschöpfung in der Region. Nicht zuletzt darf auch der Beitrag von Bürgerenergiegenossenschaften zur Akzeptanz der Energiewende nicht unterschätzt werden: Bürgerenergiegenossenschaften sprechen interessierte Bürger*innen an und beteiligen diese an einer demokratischen und krisensicheren Organisationsform.c JOACHIM NIBBE ANZEIGE 75 km Sennerundweg 3 Naturerlebnisräume 10 Erlebnistouren 10 Wandermarken 40 Erlebnispunkte 5 Sinne erleben Sennewandern mit Sinneswandeln. www.sennefuerallesinne.de Gefördert durch: SEITE 14 NATURFREUNDiN 3-2021 THEMA PARTIZIPATION Ein fatales Signal an Kinder und Jugendliche Die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ist wieder einmal gescheitert bDie Kinderrechte werden auch in diesem Jahr nicht im Grundgesetz verankert. Zwar hatte die Regierungskoalition dieses Vorhaben bereits in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, doch dann scheiterte die Einigung zwischen den Bundestagsfraktionen. Für die Grundgesetzänderung wäre eine Zweidrittelmehrheit sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat nötig gewesen. Im Juni galt der Prozess dann als gescheitert. Dabei wird die Diskussion um die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz nun schon seit fast 30 Jahren geführt. 1992 war die UN-Kinderrechtskonvention auch in der Bundesrepublik in Kraft getreten. Die Kinderrechte folgen vier Grundprinzipien: dem Diskriminierungsverbot, dem Recht auf Leben und persönliche Entwicklung, dem Kindeswohlvorrang und dem Beteiligungsrecht. Sie haben in Deutschland bisher nur den Rang eines einfachen Bundesgesetzes und sollten durch die Verankerung im Grundgesetz weiter gestärkt werden. Es fehlt ein umfassendes Beteiligungsrecht Das Scheitern lag auch daran, dass der Vorschlag der Bundesregierung vielen nicht ausreichte. Zum Teil blieb er sogar hinter der UN-Kinderrechtskonvention zurück. So beschränkte sich der Vorschlag darauf, dass Kindern und Jugendlichen rechtliches Gehör geschenkt wird. Was hingegen fehlte, war die Verankerung eines umfassenden Beteiligungsrechtes, sodass die Meinung des Kindes auch in alltäglichen Bereichen und bei staatlichen Entscheidungen berücksichtigt werden muss. „Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist ein grundlegender Baustein für die gesellschaftliche Zukunft“, sagt Sina Franz, Bundesleiterin der Naturfreundejugend Deutschlands. „Wir fordern die sofortige Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz mit einer Verankerung umfassender Beteiligungsrechte.“ Insbesondere die Verankerung umfassender Beteiligungsrechte wäre ein wichtiges Signal an Kinder und Jugendliche gewesen, die an politischen Entscheidungen oft so gut wie gar nicht beteiligt werden. Dies zeigen die unfruchtbaren Debatten zur Absenkung des Wahlalters sowie die kaum vorhandene Beachtung der Interessen von jungen Menschen in der Corona-Pandemie. 3-2021 NATURFREUNDiN Allerdings findet die Naturfreundejugend Deutschlands, dass eine Änderung des Grundgesetzes allein nicht ausreicht, um eine Partizipation von Kindern und Jugendlichen zu ermögli- demokratische Strukturen und stärkt Kinder und Jugendliche für gesellschaftliche Mitbestimmung. Oder auf dem Kindergipfel der Naturfreundejugend: Dort wird die im Alltag erlebte Beziehung von Kindern und Jugendlichen zu Erwachsenen auf den Kopf gestellt. Denn es gilt das Motto „Kinder reden, Erwachsene hören zu“. Die jungen Menschen geben die richtungsweisenden Impulse, die Naturfreundejugend hilft nur bei der Umsetzung. Sie erhalten so die Möglichkeit, selbst politisch aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Politiker*innen, die als Gäste eingeladen werden, sind oft beeindruckt ŇHier ist ihre Meinung gefragt: junge Menschen beim Kindergipfel der Naturfreundejugend. chen. Politik, Verwaltung und Gesellschaft müssen Beteiligung auch in der Praxis organisieren. Dabei sollten Kinder so früh wie möglich an demokratische Strukturen herangeführt werden. Wie dies aussehen kann, lebt die Naturfreundejugend Deutschlands schon lange vor. Zum Beispiel bei Kinder- und Jugendfreizeiten: Hier schaffen die meist selbst noch jungen Teamer*innen erste Freiräume für Mitbestimmung. Die Teilnehmenden gestalten das Programm mit, organisieren eigene Aktivitäten und politische Aktionen. Sie stellen Regeln für den Umgang miteinander auf, unterstützen sich gegenseitig beim Kochen, Abwaschen oder beim Zeltaufbau und lernen, sich in der Gruppe zu organisieren. Diese Kommunikation und Entscheidungsfindung fördert ein Verständnis für davon, wie ernsthaft und engagiert sie sich für wichtige Zukunftsthemen einsetzten. Demokratie lebt vom Engagement aller, weshalb Mitbestimmung eine Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft ist. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sollte deshalb eine große Bedeutung haben. Es wird sich noch zeigen, ob die im September neu zu wählende Bundesregierung es endlich schafft, die Weichen umzustellen. Kinderrechte und Beteiligungsrechte müssen im Grundgesetz verankert, aber auch im Alltag gelebt und umgesetzt werden.c LINA MOMBAUER T Handbuch für Projekte der politischen Partizipation am Beispiel des Kindergipfels der Naturfreundejugend: www.naturfreundejugend.de/go/handbuch_kindergipfel SEITE 15 NATURFREUNDE AKTIV Wandern durch Winterlandschaften Aus- und Sportbildung Wichtig: PSA überprüfen Zur Ausübung des Klettersports ist eine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) nötig. Hierzu gehören Klettergurt, Helm, Karabiner, Schlingen, Seile und weitere Ausrüstungsgegenstände, die vor Absturz schützen sollen. Kurzfristig wurde vom 15.–17. Oktober 2021 die Ausbildung zum*zur Sachkundigen zur Prüfung der Persönlichen Schutzausrüstung im Bergsport ins Programm genommen. Hier werden Materialwart* und Trainer*innen sachkundig geschult, die PSA regelmäßig und ausführlich zu überprüfen und zu dokumentieren. Ortsgruppen, die Material verleihen, sind zu dieser Prüfung verpflichtet und haften für Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit.c  EVELINE STELLER T Die Fachgruppe Wandern bietet in diesem Jahr erstmals einen Ausbildungslehrgang zum*zur Wanderleiter*in im Winter an. Vom 4. bis 11. Dezember können sich Wanderbegeisterte in der Sächsischen Schweiz (Königstein) in einer eindrucksvollen Winterkulisse ausbilden lassen. Denn gewandert wird zu jeder Zeit.c  EVELINE STELLER T www.naturfreunde.de/w205a Immer weniger Schneetage Erstmals hat eine Studie für den gesamten Alpenraum beschrieben, wie stark die Schneebedeckung in den letzten 50 Jahren zurückgegangen ist. Die Ergebnisse in einem Satz: Unter 2.000 Metern Höhe hat sich die Schneesaison seit dem Jahr 1951 im Mittel um 22 bis 34 Tage verkürzt, dabei im ohnehin schneeärmeren Süden stärker als im Norden und überall gibt es weniger Schnee im Frühling.c  SAMUEL LEHMBERG T kurzelinks.de/studie-schneebedeckung www.naturfreunde.de/b333a Schneesport: keine Tätigkeitsberichte der letzten Saison Die Schneesportsaison 2020/21 ist wegen der Corona-Pandemie komplett ausgefallen, ein organisierter Schneesport war nicht möglich. Somit verschickt die Bundesgeschäftsstelle auch keine neuen Tätigkeitsberichte. Für einen neuen Schneesport-Ausweis reichen die Tätigkeitsberichte von 2019/20, sofern sie in der Bundesgeschäftsstelle vorliegen. Falls ihr also einen unausgefüllten oder nicht versendeten Bericht bei euch findet, schickt ihn schnellstmöglich an die Bundesgeschäftsstelle.c  CATRIN RIETHMÜLLER Ski alpin: zwei österreichische NaturFreunde in der Weltspitze Bei der Ski-Weltmeisterschaft im Februar in Cortina d’Ampezzo wurde der Österreicher Vincent Kriechmayr Doppelweltmeister mit Gold im Super-G sowie in der Abfahrt. Vincent wurde als Elfjähriger Mitglied bei den NaturFreunden im oberösterreichischen Wels. Bereits als Dreijähriger lernte der Kärntner Marco Schwarz das Skifahren bei den NaturFreunden Radenthein in Kärnten, wo er bei „Gugelhupfrennen“ erste Erfolge feierte. Bei der WM in Cortina gewann der heute 25-Jährige dann Gold in der Kombination sowie Bronze im Riesenslalom und holte im März in Kranjska Gora zusätzlich auch noch den Gesamtweltcup im Slalom. Herzliche Glückwünsche an beide Ski-Asse.c SAMUEL LEHMBERG SEITE 16 Neuwahlen im Kuratorium für alpine Sicherheit Der bayerische NaturFreund Wolfgang Spindler ist Mitte Juni erneut in den Vorstand des Bayerischen Kuratoriums für alpine Sicherheit gewählt worden. Diese Plattform bayerischer alpiner Fachverbände wurde 2012 gegründet, um Menschen besser vor kritischen Situationen im alpinen Raum zu schützen und mehr Bewusstsein für das Risiko im Bergsport zu schaffen. Weil es – auch Corona-bedingt – aktuell immer mehr Menschen in die Berge zieht, steigen die Einsätze der Bergwacht kontinuierlich an, denn „bei unterschiedlichem Können und Praxiserfahrung werden einzelne Situationen oftmals fehleingeschätzt“, so Wolfgang Spindler. Das Kuratorium arbeitet derzeit unter anderem an der überverbandlichen Abstimmung im Risikomanagement Lawinen, organisiert alpine Rechtsgespräche und optimiert die SOS-EU-ALP-Notfall-App (siehe auch NATURFREUNDiN 4–19, S. 17).c  SAMUEL LEHMBERG Grundlagenkurs Riverbug Auch ohne Vorkenntnisse können Interessierte am 17. und 18. September in diese Sportart hineinschnuppern und beim Grundlagenkurs in Klosterlechfeld erlernen, wie man mit Flossen an Händen und Füßen das Riverbug durch (vorerst seichtes) Wildwasser lenken kann. Interessant für Trainer*innen: Der Grundlagenkurs wird auch als Fortbildung anerkannt.c  CATRIN RIETHMÜLLER T www.naturfreunde.de/k158f Ausbildungstermine 4.–5.9.21Kanu Fortbildung Kanadiertechnik OrtKlosterlechfeld [K163F] 4.–11.9.21 Praxismodul Trainer*in C – Wildwasser &Touren OrtKlosterlechfeld Kanu [K160A] 5.–10.9.21 Berge Klettersteiglehrgang für Trainer*innen C – Bergwandern OrtGrainau [B299A] 5.–10.9.21 Berge Ausbildung- & Prüfung Trainer*in B – Klettersteig OrtGrainau [B324A] 9.–12.9.21 Kanu Ausbildung Teamer*in Kanusport OrtSömmerda [K156A] 10.–12.9.21 Fortbildung Nachhaltigkeit OrtNeuschönau Wandern [W228F] 11.–18.9.21 Berge Ausbildung Trainer*in C – Sportklettern, Mittelgebirge OrtTorbole (I) [B312A] 11.–18.9.21 Berge Ausbildung Trainer*in B – Sportklettern OrtFinale (I) [B293A] 11.–18.9.21 Berge Ausbildung & Prüfung Trainer*in B – Plaisirklettern OrtFinale (I) [B327A] 17.–18.9.21 Fortbildung Riverbug-Technik OrtKlosterlechfeld Kanu [K158F] 17.–19.9.21 Wandern Aufbaumodul Geschichte: Sudetenland OrtNFH Königstein (S 9) [W219A] 17.–19.9.21 Berge Fortbildung 55+ für Trainer*innen C/B OrtEbbs (A) [B272F] 18.–19.9.21 Berge Fortbildung für Trainer*innen C – Mountainbike OrtTöging [B308F] 18.–19.9.21 Kanu Fortbildung Wildwasser (auch Sichtung) OrtÖtztal (A) [K171F] 21.–22.9.21 Berge Theorielehrgang Mountainbike OrtNFH Bielefeld (D 1) [B310A] 22.–26.9.21 Berge MTB-Fahrtechnik (Aufbaulehrgang I) OrtLage [B296A] 24.–26.9.21 Kanu Fortbildung Kanadiertechnik & -sicherheit für Teamer*innen OrtLippstadt [K154F] 24.–26.9.21 Berge Fortbildung für Trainer*innen C – MTB OrtLage [B273F] 24.–26.9.21 Berge Ausbildung künstliche Kletteranlagen I OrtBayreuth/Selb [B294A] 24.–26.9.21 Wandern Fortbildung Natur & Umwelt (Südwest) OrtNFH Kniebis (M 54) [W211A] 25.–26.9.21 Kanu Fortbildung Freestyle (auch Sichtung) OrtPlattling [K155F] 25.9.–2.10.21 Berge Ausbildung- & Prüfung Bergwanderleiter*in OrtEbbs (A) [B298A] 7.–10.10.21 Teamer*in Radtouren OrtDetmold Wandern 8.–10.10.21 Aufbaumodul Radwandern OrtDetmold Wandern [W210A] [W215A] 17.–20.9.21 Berge Ausbildung Teamer*in Mountainbike OrtTöging [B303A] 8.–10.10.21 Berge Fortbildung Bergrettung für Trainer* innen C/B im Bergsteigen, Alpinklettern & Hochtouren OrtMittenwald [B274F] 17.–24.9.21 Kanu Trainer*in C – Riverbug, Praxismodul OrtKlosterlechfeld [K159A] 15.–17.10.21 Berge Ausbildung PSA-Sachkundige*r OrtGrainau [B333A] Anmelden für Lehrgänge der Bundesfachgruppen Bergsport & Wandern: Eveline Steller · (030) 29 77 32 -63 · steller@naturfreunde.de · für Lehrgänge der Bundesfachgruppen Kanu- und Schneesport: Catrin Riethmüller · (030) 29 77 32 -62 riethmueller@naturfreunde.de · www.naturfreunde.de/trainer-ausbildung NATURFREUNDiN 3-2021 NATURFREUNDE AKTIV KAMPAGNE Wie 15.000 Menschen den Frieden in Bewegung brachten Die große Friedenswanderung soll wiederholt werden b„Suchen Sie eine Werkstatt auf, das Fahrzeug stoppt bald!“ Die Anzeige im Display des Begleitfahrzeuges der großen Friedenswanderung war eindeutig. Doch der Mietwagen benötigte eine lizenzierte Fiat-Werkstatt und die muss man im tiefsten Schwarzwald erst einmal finden. Wenn dann gleich noch die nächste Etappe endet und im Kofferraum die Transparente für den Empfang beim Bürgermeister liegen, kann man schon ins Schwitzen kommen. Glücklicherweise gab es eine solche Werkstatt zwei Orte weiter und das Problem war schnell gelöst. Überhaupt lief „Frieden in Bewegung“, die große Friedenswanderung der NaturFreunde von Hannover bis zum Bodensee, ohne größere Zwischenfälle ab. Und was war das für eine großartige Wanderung: Auch wenn die Teilnehmenden wahlweise mit Hagelstürmen oder brütende Hitze kämpfen mussten, Kälteeinbrüchen und Sturmböen trotzten, eine Wanderleiterin gar die Orientierung verlor: Bei allen Teilnehmer*innen leuchteten am Ziel die Augen: so viele tolle Erfahrungen, so viele gute Gespräche, so viele neue Bekanntschaften. Mehr als 150 Friedensbewegte wurden bereits zum Auftakt in Hannover von Oberbürgermeister Belit Onay und dem NaturFreunde-Bundesvorsitzenden Michael Müller begrüßt. Rund 100 Teilnehmer*innen wanderten am 3. Ju- ŇFrieden in Bewegung, die große Friedenswanderung der NaturFreunde, hinterließ viele Spuren, hier auf der Etappe nach Bad Münder. 3-2021 NATURFREUNDiN SEITE 17 NATURFREUNDE AKTIV Ň42. Etappe: Berghausen – Naturfreundehaus Knittelberghaus – Bruchsal. Ň32. Etappe. Ň48. Etappe. ŇAuf der 12. Etappe wanderten viele Jusos mit. ŇWanderleiterin Constanze Brucker (im Foto vorne links mit Weste) war insgesamt zwei Wochen mit Frieden in Bewegung unterwegs. ŇVor der Etappe von Lemgo bis zum Naturfreundehaus In der Schnat (D 5) gab ­Wanderleiter Philipp Unger (im Foto mit der gelben Jacke) noch ein Radiointerview. Der Bochumer NaturFreund ging später am Bodensee weitere Etappen mit. SEITE 18 NATURFREUNDiN 3-2021 NATURFREUNDE AKTIV ŇAm 3. Juni nahmen knapp 400 Menschen an einer Friedenskundgebung auf dem Frankfurter Römer teil, die 16 Kilometer ab Bad Homburg waren rund 100 Friedensbewegte mitgelaufen. ŇHannover: Unterschriftenaktion zum Auftakt. Ň42. Etappe nach Bruchsal mit 65 Wandern­ den und großem Kulturprogramm. ni zum Frankfurter Römer – Etappenrekord –, wo dann knapp 400 Menschen für den Frieden demonstrierten (siehe auch großes Foto oben). Oder die große Abschlusskundgebung am 4. Juli im Konstanzer Stadtgarten mit dem Hauptredner Jürgen Grässlin und Besuchen von vielen Mitwanderer*innen der bisherigen Etappen: Die große NaturFreunde-Friedenswanderung fand an allen Orten große Aufmerksamkeit und viel Zuspruch. Insgesamt wurden in 55 Etappen mehr als 1.000 Kilometer erwandert. Es gab über 5.000 Mitwandernde – die Kundgebungen eingeschlossen sogar 15.000 Teilnehmer*innen – die ein deutliches Zeichen für Frieden und Abrüstung setzten. 35-mal wurden die Wanderung von Bürgermeister*innen empfangen und die Friedensresolution – mit den NaturFreunde-Forderungen Rüstungsexportverbot, globale Abrüstung, Entspannungspolitik sowie Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag – konnte übergeben werden. In knapp 50 Presseberichten wurde die Friedenswanderung thematisiert, lokal wie überregional. Dabei rückte auch die Arbeit der NaturFreunde wieder stärker in die Öffentlichkeit. Während der Etappen erfuhren die Teilnehmer*innen viel über die erwanderten Regionen, 3–2021 NATURFREUNDiN lernte andere Initiativen kennen und vernetzten sich. Es wurden Kunstprojekte geschaffen, Erinnerungsstücke gesammelt und Berichte geschrieben. Jede*r Teilnehmer*in nahm eigene Erfahrungen und Eindrücke mit, aber alle zusammen stärkten das Gemeinschaftsgefühl untereinander und die Friedensbewegung insgesamt. Frieden in Bewegung ist auch ein Erfolgsbeispiel für die innerverbandliche Zusammenarbeit bei der Organisation und Durchführung eines Großprojekts. Beteiligt waren neben dem Bundesverband auch Landesverbände, Ortsgruppen, Fachgruppen und Netzwerke. NaturFreund*innen aus unterschiedlichsten Regionen trafen sich und tauschten sich aus – zur Friedensthematik, aber auch zur Weiterentwicklung des Verbandes. Nicht zuletzt zeigten die NaturFreunde mit „Frieden in Bewegung“ auch wieder mehr Präsenz in der Friedensbewegung. Wir bleiben ein Bindeglied zwischen der Umwelt- und der Friedensbewegung. Die Friedenswanderung wird nun voraussichtlich alle zwei Jahre auf dann jeweils unterschiedlichen Routen wiederholt werden.c YANNICK KIESEL T Mehr Bilder & Berichte www.frieden-in-bewegung.de SEITE 19 NATURFREUNDE AKTIV PANDEMIE „Die Lage sieht nicht gut aus“ Wie Naturfreundehäuser in Europa von der Coronakrise getroffen wurden bDie Coronakrise hat die NaturFreunde-Arbeit in Deutschland stark beeinträchtigt: Vereinstätigkeiten waren behördlich untersagt, ebenso touristische Angebote, auch der gastronomische Betrieb. Besonders die Naturfreundehäuser litten darunter – und eine Besserung ist nicht wirklich in Sicht (siehe auch Seite 21). Han Verschuur, im niederländischen NaturFreunde-Vorstand für Internationalisierung zuständig, hat recherchiert, wie sich die Coronakrise in europäischen Nachbarländern auswirkt. Sein Bericht zeigt, wie unterschiedlich die Folgen sind. Während es zum Beispiel in Österreich umfangreiche Corona-Förderungen gibt, müssen die Naturfreundehäuser in der Schweiz ohne auskommen. Und während die italienischen NaturFreunde ein Viertel ihrer Mitglieder in der Pandemie verloren haben, verzeichnen die niederländischen NaturFreunde einen Zuwachs. Doch lies Hans Bericht am besten selbst.c SAMUEL LEHMBERG tungszahlen jedoch um etwa 30 Prozent eingebrochen, so Hrbek. Staatliche Corona-Hilfen helfen. Zum Beispiel profitieren Non-Profit-Organisationen in Österreich von einem nicht rückzahlbaren Lockdown-Zuschuss zur Deckung von Fixkosten. Dazu kann noch ein Struktursicherungsbeitrag beantragt werden in Höhe von sieben Prozent der üblichen Jahreseinnahmen, gedacht zum Beispiel für Wartungskosten. Eine zusätzliche Corona-Kurzarbeitregelung für Angestellte spart noch Personalkosten ein. Zudem werden Investitionen in Naturfreundehäuser mit bis zu 14 Prozent unterstützt. Und für selbstständige Hütten- in der Pandemie nie vollständig schließen mussten, war die Situation für viele Naturfreundehäuser eine grundsätzlich andere. Denn Schweizer Gruppenhäuser – dieser Haustyp dominiert bei den eidgenössischen NaturFreunden – durften lange Zeit nicht öffnen, später waren nur Buchungen von fünf Personen erlaubt. Deshalb hätten viele Naturfreundehäuser erhebliche Umsatzverluste erlitten, beklagte Philippe Pellaton au dem Vorstand der NaturFreunde Schweiz. Auch wenn Naturfreundehäuser mit Außengastronomie profitieren konnten – manche hätten noch nie so viele Wandernde bewirtet wie während der Pandemie – dominierten die Verluste, die in Einzelfällen enorm seien und sogar die Kontinuität einzelner Naturfreundehäuser gefährdeten, so Pellaton. Bisher habe kein Haus verkauft werden müssen, „die Lage sieht allerdings nicht gut aus“. Denn während es für gewerbliche Übernachtungsbetriebe staatliche Corona-Unterstützung gab, gingen die größtenteils ehrenamtlich geführten Schweizer Naturfreundehäusern leer aus. Mitte letzten Jahres mussten 23 Häuser Unterstützung beim Bundesverband der NaturFreunde Schweiz beantragen. Staatshilfen gab es nur für im Handelsregister eingetragene Häuser, was auf sehr wenige der rund 80 NaturFreunde-Objekte zutrifft. Und auch dort gibt es bürokratische Hürden: Anträge sind beim Kanton zu stel- ŇHaus „Rietig“ im Urner Schächental (CH). Ň„Padasterjochhaus“ im Gschnitztal (A). In Österreich mussten sämtliche der rund 160 Naturfreundhäuser während des Corona-Lockdowns schließen, berichtete mir Regina Hrbek, die auf Bundesebene für das Hüttenmanagement zuständig ist. Von Pächter*innen bewirtschaftete Naturfreundehäuser habe das allerdings nicht so hart getroffen. Denn diese öffnen meist nur in einer verlängerten Sommersaison und die war coronabedingt in den Jahren 2020 und 2021 „nur“ einen Monat kürzer. Während die Anzahl der Tagesgäste im Durchschnitt sogar gestiegen sei, seien die ÜbernachSEITE 20 wirte gibt es einen Härtefallfonds, der maximal 2.000 Euro pro Monat auszahlt sowie Fixkostenzuschüsse zur Liquiditätssicherung und steuerliche Erleichterungen. Und die Umsatzsteuer auf Speisen und Getränke wurde im Rahmen eines „Wirtshauspaketes“ auf fünf Prozent gesenkt. Allerdings nähmen viele Wandernde nun wieder eine eigene Brotzeit mit und kehrten nicht mehr so häufig ein, berichtete Regina Hrbek. Das hänge wohl damit zusammen, dass nur getestete, geimpfte oder genesene Personen Zutritt zu gastronomischen Einrichtungen haben. Das halte einige Gäste von einer Einkehr ab. Für Übernachtungen in Naturfreundehäusern müsse man nun zudem reservieren sowie eigene Bezüge mitbringen, bei Mehrtagesaufenthalten auch eigene Corona-Tests. Ein anderes Bild ergibt sich für die Schweiz: Während dort die meisten touristischen Betriebe Ň„Kirk Yetholm“ in Schottland (GB). len, in dem das Haus seinen Sitz hat. Stammt die besitzende Ortsgruppe aus einem anderen Kanton, wird es sehr schwierig. Bankkredite scheinen in vielen Fällen dann die einzige Option zu sein. Die Situation der Naturfreundehäuser in Großbritannien – sechs gibt es momentan – soll am Beispiel des Hauses Kirk Yetholm an der englisch-schottischen Grenze skizziert werden. Hausleiter Simon Neal, der auch als Sekretär der Friends of Nature UK fungiert, erzählte von einem schwierigen Jahr 2020, in dem nur zwischen Juli und Oktober geöffnet werden konnte, weil sich die obligatorisch 1,5-Meter-Abstandsregel in den Gemeinschaftsräumen nicht umsetzen ließ. Zudem mussten die Mehrbettzimmer im Zweifel als NATURFREUNDiN 3-2021 NATURFREUNDE AKTIV Einzelzimmer vermietet werden, denn Fremde durften sich kein Zimmer mehr teilen. Genau darauf aber basiere das günstige Preismodell des Naturfreundehauses, so Neal. Über den Verband der schottischen Hostels erhielt das Naturfreundehaus Kirk Yetholm staatliche Corona-Förderungen: im Jahr 2020 Soforthilfen in Höhe von 10.000 sowie 25.000 Pfund, 2021 nochmals 15.000 Pfund. Zusätzlich wurden monatlich 2.000 Pfund ausgezahlt, zudem wurden 80 Prozent der Gehaltskosten übernommen. Im Oktober allerdings endet die finanzielle Unterstützung. „Es ist fraglich, wie es dann weiter geht“, sorgt sich Neal. „Es gibt wieder ausreichend Buchungen, allerdings nur für ungeteilte Zimmer. Auf dieser Basis dürfte die wirtschaftliche Führung der britischen Naturfreundehäuser problematisch werden“, prognostiziert Simon Neal. In Italien habe sich die Situation der Naturfreundehäuser durch Corona nicht dramatisch verändert, berichtete Christian Facchetti, Vorsitzender der NaturFreunde Italien. Die sieben italienischen Naturfreundehäuser – es gibt noch In den Niederlanden sind die Naturfreundehäuser bisher vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen. Zum einen waren die Beschränkungen weniger zwingend: Wo anderswo touristische Übernachtungen verboten waren, blieb es in den Niederlanden den Beherbergungsbetrieben überlassen, ob sie Unterkünfte anbieten wollten. Allerdings durften die Naturfreundehäuser nicht als Gruppenunterkunft vermietet werden. Auf dem Höhepunkt der Pandemie wurden sie dann doch vom Zentralvorstand für kurze Zeit geschlossen. Man muss wissen, dass sich das Organisationsmodell des niederländischen NaturFreunde-Verbandes von anderen nationalen Verbänden unterscheidet: Alle 13 Häuser und fünf Campingplätze sind in einer zentralen Stiftung untergebracht. Sie werden von ehrenamtlichen Teams betreut, während zentrale administrative und finanzielle Aufgaben von der Bundesgeschäftsstelle in Amsterdam übernommen werden. Zu Beginn der Pandemie hatte der Zentralvorstand ein nationales Corona-Krisenteam zusammengestellt, das die staatlichen Vorgaben in einen Maßnahmenkatalog umsetzten sollte. Für die zusätzlichen Hygienemaßnahmen wurde zudem ein Zuschlag auf den Übernachtungspreis erhoben. Auch stell- DEUTSCHLAND Dritte Förderung kommt Nicht alle Naturfreundehäuser überleben bIn Deutschland haben bisher insgesamt rund 100 Naturfreundehäuser über das „Sonderprogramm Jugend“ (SPJ) 3,7 Millionen Euro Corona-Zuschüsse erhalten. Das war auch bitter nötig, denn ohne die Förderungen hätten viele Häuser die Krise nicht solange durchgestanden. Wie denn auch, wenn Touristik und Gastronomie behördlich untersagt sind, Einnahmen also fehlen, Fixkosten aber weiterlaufen und die gemeinnützige Struktur keine Rücklagen zulässt. Genau deshalb unterstützt das Bundesfamilienministerium gemeinnützige Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit mit Übernachtungsangeboten – wie zum Beispiel Naturfreundehäuser. Im ersten Förderzeitraum wurden mehr als 1,5 Millionen Euro an 64 Naturfreundehäuser Ň„Casa Recolt“ nördlich von Brescia (I). zwei Partner-Häuser sowie einen -Zeltplatz – werden bis auf zwei Ausnahmen ehrenamtlich geführt. Und die hauptamtlichen Arbeitskosten waren während der Lockdowns staatlich gefördert worden. So gebe es zwar einen Umsatzrückgang, sagte Facchetti, der aber verkraftbar sei. Die Belegung der Häuser konzentriert sich auf die Sommermonate, wo die Restriktionen nicht so hoch waren. Problematisch war die Situation allerdings um das Naturfreundehaus in Saviore, nordöstlich von Bergamo. Die Region wurde schwer von der Pandemie getroffen, das Haus war durchgehend geschlossen. Stornierungen gab es an vielen Orten, aber grundsätzlich gebe es keine Probleme, so Facchetti. Es müssten keine Naturfreundehäuser aufgegeben werden. Er verweist allerdings auf einen anderen negativen Effekt: Da die NaturFreunde-Mitgliedschaft in Italien traditionell stark mit dem Besuch der Häuser verbunden sei, hätten die italienischen NaturFreunde im Jahr 2020 mehr als ein Viertel ihrer vormals gut 1.000 Mitglieder verloren. 3-2021 NATURFREUNDiN Ň„Finsterbrunnertal“ in Rheinland-Pfalz. Ň„Banjaert“ in Wijk aan Zee (NL). T ausgezahlt, im zweiten Förderzeitraum schon fast 2,2 Millionen an 81 Naturfreundehäuser. Nun geht das SPJ in eine dritte Runde. Antragsfrist für den voraussichtlichen Förderzeitraum Juli bis Dezember 2021 wird vermutlich der 26. September 2021 sein. Naturfreundehäuser werden wieder von der in der Bundesgeschäftsstelle für die Programmabwicklung eingerichteten Zentralstelle Naturfreundehäuser beraten. Allerdings ist bereits klar, dass nicht jedes Haus die Krise überleben wird. In einigen Bundesländern sind Klassenfahrten auf unbestimmte Zeit verboten, es gibt weniger Buchungen und ehrenamtliche Hausdienste sind nun noch schwieriger zu finden.c SAMUEL LEHMBERG T T te das Team sicher, dass zentral kommunizierte Vorgaben lokal umgesetzt wurden, um Zwangsschließungen zu vermeiden. Natürlich ging auch in den Niederlanden der Umsatz zurück. Allerdings war die Häuserstiftung immer liquide. Zudem gleicht die niederländische Regierung bei Umsatzrückgängen die Fixkosten aus. Und dann gab es sogar noch einen großen Mitgliederzuwachs während der Pandemie, was die niederländischen NaturFreunde natürlich besonders freut.c HAN VERSCHUUR Han Verschuur ist im Vorstand der NaturFreunde Niederlande (NIVON) zuständig für Internationales. 700 Naturfreundehäuser in 15 Ländern finden: www.naturfreunde-haeuser.net Zentralstelle Naturfreundehäuser www.naturfreunde.de/zentralstelle-nfh SEITE 21 NATURFREUNDE AKTIV MITTE-STUDIE GEDENKARBEIT Wo die Atomenergie ein Ausweg ist Einer von 90.000 Rechte Parteien machen Klimaleugner*innen bewusst politische Angebote NaturFreunde verlegen Stolperstein bDie neue sogenannte „Mitte-Studie“ bEdgar Joachimsthal war 51 Jahre alt, als er im Mai 1942 im Vernichtungslager Chełmno im damals besetzten Polen ermordet wurde. Zuvor war er von Berlin in das Ghetto Lodz deportiert worden. Sein letzter frei gewählter Wohnort war die Warschauer Str. 86 in Berlin-Friedrichshain, heute ist dort die Hausnummer 85. Genau dort wurde am 3. Juni ein Stolperstein für Edgar Joachimsthal verlegt. Die Patenschaft hat die NaturFreunde-Bundesgeschäftsstelle übernommen, die ihren Sitz ebenfalls in der Warschauer Straße hat. der Friedrich-Ebert-Stiftung hat herausgefunden, dass jeweils etwa 70 Prozent der Bevölkerung im Rechtsextremismus sowie im Klimawandel die größte Bedrohungen für die Gesellschaft sehen. Diese relativ hohen Werte könnten für Zuversicht mit Blick auf die kommenden Jahre sorgen. Allerdings zeigt die Studie auch, dass demokratiefeindliche Ansichten, völkisches Denken und Verschwörungsglaube nach wie vor erschreckend weit verbreitet sind. Zudem weist die „Mitte-Studie“ die Ablehnung von Klimaschutzpolitik als explizit rechtes Propagandafeld aus. Klimaschutz und die Energiewende werden dabei einerseits aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes abgelehnt – Stichwort „Verspargelung der Landschaft“. Andererseits handele „es sich um Kontrollversuche des ‚Volks‘ durch die ‚Eliten‘“, so die rechte Argumentation. Eine solche lässt sich auch beim Bundestagswahlkampf beobachten: Während alle demokratischen Parteien mehr oder weniger sinnvolle Vorschläge in der Klimapolitik unterbreiten, lehnt die AfD diese als „ideologisch motiviert“ komplett ab. Dahinter steckt das wahltaktische Kalkül extrem rechter Kräfte, Klimaleugner*innen und Zweifler*innen an der Energiewende ein Angebot zu machen, genauso wie für Tätige im fossilen Energiesektor oder auch einfach nur Menschen in strukturschwachen Gebieten. Gleichzeitig sind die Leugnung des mensch­ gemachten Klimawandels und die antiökologische Rhetorik aber auch in der extremen Rechten durchaus umstritten. Viele Rechte fordern eine völkische „Ökologie von rechts“, welche ein wichtiger Teil ihrer Ideologie von vermeintlich „natürlichen Ordnungen“ und „Blut und Boden“ ist. Konsequent kann aber auch eine solche rechte Ökologie nicht sein, wenn dabei der Klimawandel ignoriert, verharmlost oder geleugnet wird. Aus diesem Spannungsfeld heraus scheint im rechten Spektrum immer stärker die Atomkraft als Kompromisslösung hervorzugehen. Die Gefahren werden heruntergespielt und neue Atomanlagen als umweltfreundlich und ressourcenschonend dargestellt. Ob das eine dauerhafte Position der rechten Energie- und Klimapolitik sein wird, muss sich noch herausstellen. Schließlich warnt die NPD schon seit Jahrzehnten vor der Atomenergie aus Sorge vor Schäden am deutschen Erbgut. In welche Richtung sich die inneren Auseinandersetzungen am rechten Rand entwickeln werden, vermögen auch die Autor*innen der Mitte-Studie nicht zu prognostizieren.c YANNICK PASSEICK T Download Studie „Die geforderte Mitte – Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2020/21“: www.kurzelinks.de/mitte-studie-20-21 Die gemeinsame Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) von NaturFreunden und Naturfreundejugend identifiziert rechtsextreme und menschenverachtende Ideologien und Denkmuster im Natur- und Umweltschutz und erarbeitet menschenbejahende und demokratiefördernde Gegenentwürfe. Mehr Informationen Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) ∙ www.nf-farn.de SEITE 22 ŇStolpersteine erinnern an Opfer der Nazis. Der Stolperstein aus Messing und Beton für Edgar Joachimsthal ist einer von inzwischen 90.000, die in ganz Europa an die Opfer der NSZeit erinnern. Das Kunstprojekt des Kölner Bildhauers Gunter Demnig entwickelt sich seit seinen Anfängen im Jahr 1993 mit jeder Verlegung weiter: „Nicht nur ist jeder Stein ein Kunstwerk, da er ästhetischen Ansprüchen genügen muss und per Hand von einem Bildhauer hergestellt wird, sondern auch alle Steine und involvierten Menschen bilden in ihrer Gesamtheit eine Soziale Skulptur.“ An dieser „Sozialen Skulptur“ sind auch viele NaturFreunde-Ortsgruppen und NaturFreund*innen beteiligt. Die NaturFreunde haben Gunter Demnigs Kampagne von Beginn an begleitet und Stolpersteinverlegungen sowohl für ermordete NaturFreund*innen als auch für andere Opfer initiiert. Damit Menschen wie Edgar Joachimsthal nicht vergessen werden.c MARION ANDERT T Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 120 Euro: www.stolpersteine.eu NATURFREUNDiN 3-2021 NATURFREUNDE AKTIV AUFKLÄRUNG Rechte Kletterrouten NaturFreunde warnen Öffentlichkeit bMal eine „Riefenstahl“ klettern oder die „Festung Europa“? Oder „Ewiges Reich“? Im Wiener Umland gibt es Kletterrouten, deren Namen offen oder verdeckt dem Nationalsozialismus huldigen oder Liedtexten von rechtsextremen Metalbands entnommen sind. Zufälle sind das wohl nicht. Die NaturFreunde Österreich haben deshalb Mitte Juli die Öffentlichkeit informiert, dass „die Benamung von Kletterrouten mit einschlägigen nationalsozialistischen Codes nicht tragbar ist“, so Andreas Schieder, Vorsitzender der österreichischen NaturFreunde. Entsprechende Routen müssten umbenannt und aus jeglichen Kletterführern genommen werden, der Klettersport dürfe nicht für rechte Propaganda benutzt werden. Problematisch an der Sache ist unter anderem, dass die Namen in Kletterforen verwendet werden und so in den Kletteralltag gelangen. Entsprechende Namen wurden auch schon in Schweden kritisiert – hießen dort aber gleich „Kristallnacht“, „Zyklon B“ oder „Drittes Reich“. In Australien und in Deutschland ging es eher um rassistische oder sexistische Namen. Bereits vor gut zehn Jahren schlug ein einschlägiger Kletterführer (Keltenkalk) für das Wiener Umland hohe Wellen. Schon damals gingen die NaturFreunde an die Öffentlichkeit. Der Urheber bestritt allerdings jegliche Nähe zum Nationalsozialismus und erklärte sich bereit, die Routennamen zu ändern. Man muss wissen, dass in der Kletterszene Erstbegeher*innen ihre Route selbst benennen und solche Namen oft einen ironischen Charakter haben. Das geht sicherlich nicht immer gut. Dass aber in jüngster Zeit neue Routen mit Vokabular des völkischen Nationalismus benannt wurden und auch eine Neuauflage des Kletterführers Keltenkalk geplant ist, lässt nicht nur bei den österreichischen NaturFreunden die Alarmglocken klingeln. „Sprache hat immer auch etwas mit gesellschaftlichen Prozessen zu tun“, sagt Matthias Grell, Bundesfachgruppenleiter Bergsport der NaturFreunde Deutschlands, und bittet, entsprechende Kletterrouten in Deutschland zu melden. c SAMUEL LEHMBERG ŇWer möchte schon eine Route mit völki­ schem Namen klettern? NaturFreund*innen sicher nicht! T Melde rechte oder rassistische Namen von Kletter­ routen an: bergsport@naturfreunde.de 3-2021 NATURFREUNDiN SEITE 23 NATURFREUNDE AKTIV ZEITSPRUNG Als NaturFreunde-Thesen den Kongo prägten Aus den Erinnerungen des früheren Bundesvorsitzenden Hans Peter Schmitz bAls ich die ersten Male Sitzungen des Deutschen Naturschutzrings (DNR) besuchte, fanden diese noch im Frankfurter Zoo statt. Der damalige DNR-Präsident Professor Grzimek war schließlich Zoodirektor. Ich nahm als zuständiger NaturFreunde-Referent teil, Manfred Molz aus der Bundesgeschäftsstelle begleitete mich. Die DNR-Vollversammlung war damals eine Ansammlung ehrenwerter älterer Herren, allesamt Titelträger irgendwelcher Art, gutbürgerliche Kreise eben. Wenn wir NaturFreunde uns meldeten, wurden wir in jedem Fall übersehen. Irgendwann nahmen wir uns einfach das Wort. Das wir wurden uns schnell einig. Bis auf das Thema Atomenergie: Diese Technik hielt er für beherrsch- und unverzichtbar. Ich widersprach als Einziger, was der DNR-Delegation gar nicht recht war. Töpfer wurde später Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Als er zurückkam, hatte er seine Meinung in Sachen Atomenergie grundlegend geändert. Damals gab es auch ein DNR-Vorstandsmitglied mit diesem Namen: den Unternehmer Doktor Alfred Toepfer, seit eh und je geachteter Vizepräsident des DNR. Allerdings hatte ich erfahren, dass seine Firma eine große Eierfabrika- Vorstoß. Er selbst habe es nicht vermocht, seinen alten Mitstreiter, der doch gewiss seine Verdienste habe, zur Rede zu stellen. Bei dieser Hauptversammlung wurde dann erstmals ein NaturFreund in den DNR-Vorstand gewählt: Hans Fricke, Mitarbeiter von Herbert Brückner, dem späteren Präsidenten der NaturFreunde Internationale. Hans hatte seine Verdienste insbesondere bei der Schaffung des Nationalparks Wattenmeer. Unter Professor Engelhardt kam im DNR auch der Wunsch nach einer „Grundsatzerklärung“ auf. Der Redaktionskommission gehörten Manfred Molz und ich an und wir brachten einfach die kurz zuvor vom NaturFreunde-Bundeskongress beschlossenen Umweltthesen ins Gespräch. Völlig irritiert waren wir dann, als dieses doch wirklich linke Papier mit nur wenigen Änderungen verabschiedet wurde. Wolfgang Burhenne, weltweit in Naturschutzkommissionen tätig, erzählte mir später, dass er vom Präsidenten der Republik Kongo gebeten worden war, eine Regierungserklärung zum Um- ŇHans Peter Schmitz (90), im Foto links mit dem späteren Bundes-Kulturreferenten Willy Feldgen, ist den NaturFreunden seit 72 Jahren verbunden. machte zwar nicht beliebt, aber bald waren wir anerkannte Mitglieder der hohen Versammlung. Über den DNR trafen wir dann den ersten Umweltminister der Bundesregierung Walter Wallmann (CDU). Es zeigte sich, dass der Minister nicht nur keine Ahnung vom Thema hatte, sondern offensichtlich auch nicht gewillt war, sich einzuarbeiten. Meine DNR-Kolleg*innen, allesamt der CDU verbunden, schlugen sprichwörtlich ihre Hände über dem Kopf zusammen. Sein Nachfolger Professor Töpfer (CDU) hatte in Naturschutzkreisen einen guten Ruf und SEITE 24 tion mit Käfighaltung betrieb. Bei der DNR-Jahreshauptversammlung 1976 fragte ich dann, ob das der Wahrheit entspräche. Toepfer bejahte und erklärte, dass er den Betrieb habe kaufen müssen, damit sein Unternehmen keine wirtschaftlichen Probleme bekam. Den Tieren gehe es gut und sie würden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bestens ernährt. Die DNR-Versammlung verharrte in Schweigen. Toepfer wurde nicht wiedergewählt und verließ den Saal unter Tränen. DNR-Präsident Professor Engelhardt dankte mir später für den weltschutz zu verfassen. Da habe er sich die Sache einfach gemacht und die DNR-Erklärung – also eigentlich die NaturFreunde-Erklärung – übersetzen lassen. Auch das ist Entwicklungshilfe. Heute weht im DNR ein anderer Wind. Seit 2015 ist Professor Kai Niebert Präsident des DNR, NaturFreund seit der Kindergruppe und heute auch stellvertretender NaturFreunde-Bundesvorsitzender.c HANS PETER SCHMITZ T Hans Peter Schmitz war von 1981 bis 1989 Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands und ist am 25. Juli 90 Jahre jung geworden. Ein herzliches Berg frei! NATURFREUNDiN 3-2021 NATURFREUNDE AKTIV KALENDERBLATT Wie aus Euphorie Ernüchterung wurde Sechs Jahre Paris-Protokoll: Noch immer ist der Klimavertrag eine leere Hülle bDer Weltklimarat IPCC warnt: Wird das 1,5-Grad-Ziel verfehlt, werden Ende des Jahrhunderts 420 Millionen Menschen zusätzlich von Hitzewellen betroffen sein. Damit steige auch das Hungerrisiko, bis Mitte des Jahrhunderts werden bis zu 80 Millionen Menschen zusätzlich gefährdet sein. Der Mensch, so steht es im Entwurf des neuen Sachstandsberichtes, der noch 2021 vorgestellt werden soll, ist der größte Leidtragende der von ihm selbst verursachten Krise. Deshalb hatten sich die Staaten der Welt am 12. Dezember 2015 auf der Klimakonferenz in Paris verpflichtet, die Erderwärmung auf „deutlich die weltweiten Emissionen Jahr für Jahr auf neue Höchststände. 2019 lag die Treibhausgaskonzen­ tration in der Atmosphäre bei 410 ppm (Teilchen pro Million Teilchen). Aktuell sind im Durchschnitt schon knapp 415 ppm erreicht – trotz Corona-Lockdowns. Andererseits erwies sich auch das einst bejubelte Paris-Protokoll selbst als Rohrkrepierer: Nach wie vor ist der Paris-Vertrag eine leere Hülle, die Paragrafen sind eher Absichtserklärungen als konkrete Spielregeln. Wie wird überprüft, ob ein Land seine Klimaschutz-Verpflichtungen einhält? Wie wird Aufforstung angerechnet? Wie werden die Maßnah- für eine 1,5-Grad-Begrenzung der Klimaerhitzung notwendig sind. 2018 stellte das UN-Gremium seine Ergebnisse vor. Mit einem vernichtenden Urteil: Schreitet die Emission der Treibhausgase voran wie bisher, wird die Welt jene Menge für das 1,5-Grad-Limit in den 2040er-Jahren überschritten haben. Das bedeutet: Danach dürften weltweit nicht mehr Kohlendioxid, Methan, Lachgas & Co. erzeugt werden, als gleichzeitig von der Vegetation aufgenommen wird. Anders erklärt: Alle Kohlekraftwerke weltweit müssten abgeschaltet werden. Erdöl müsste genauso im Boden bleiben wie Erdgas, Stahl dürfte fossil nicht mehr produziert werden, ebenso wenig wie Plastik, Kerosin oder Reis. Kein einziges Auto auf der Welt dürfte dann noch Benzin tanken, Dünger müsste aus der Landwirtschaft verbannt werden, mit Beton könnte dann nicht mehr gebaut werden. Schlechterdings undenkbar. Klimaschützer*innen fordern deshalb, jetzt radikaler in den Klimaschutz einzusteigen, um sich Zeit zu erkaufen: Würden wir heute stär- ŇDamals dachten sie, am Ziel zu sein: UN-Klimasekretärin Christiana Figueres (mit blauem Blazer), UN-Generalsekretär Ban Ki-moon (neben ihr). unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau“ zu halten, und dass „Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, da erkannt wurde, dass dies die Risiken und Auswirkungen der Klimaänderungen erheblich verringern würde“. Der Vertrag wurde damals gefeiert wie eine gewonnene Weltmeisterschaft. „Der Vertrag ist eine friedliche Revolution“, sagte gar Frankreichs Präsident François Hollande. Sechs Jahre später ist Ernüchterung eingetreten. Einerseits steigen 3-2021 NATURFREUNDiN men verschärft, wenn klar wird, dass das Vertragsziel nicht einzuhalten ist? Ursprünglich war geplant, dass die letztjährige Klimakonferenz (COP 26) im schottischen Glasgow endlich die Spielregeln für das neue Klimaschutzabkommen aufstellt. Doch wegen Corona konnte die internationale Klimadiplomatie nicht reisen und den Gipfel vorbereiten – er wurde auf November 2021 verschoben. Die Welt drehte sich inzwischen natürlich weiter: In Paris wurde 2015 beschlossen, dass der Weltklimarat IPCC klärt, welche Maßnahmen ker Treibhausgase reduzieren, bliebe uns länger Zeit zur Transformation – weil wir das CO2-Restbudget dann auch noch nach 2040 in Anspruch nehmen könnten. Anders als im Paris-Protokoll vereinbart, droht der Welt mit den Selbstverpflichtungen der Staaten nämlich bis Ende des Jahrhunderts eine Erde, deren Durchschnitts­ temperatur bis drei Grad Celsius wärmer wird. Dann wird es wegen der Kippelemente (siehe auch NATURFREUNDiN 3–18) egal sein, ob die Menschheit vielleicht doch noch mit echtem Klimaschutz beginnt. c NICK REIMER SEITE 25 FEST GESETZT Alle Reise- und Seminarangebote unter Corona-Vorbehalt. 30.10.–3.11.2021 Der Herr der Ringe Fantasyfreizeit für 12–15-Jährige im Naturfreundehaus Feldberg (L 40) mit Nachtgeländespielen, Schwertkämpfen, Bootstouren, Feuer machen, Diskussionen über Tolkien und Gesellschaftsmodelle. LeistungenÜ/VP, pädagogische Begleitung KostenMitglieder/Gäste: 165/195 € Anmeldeschluss25.10.2021 Auskunft & Anmeldung Naturfreundejugend Württemberg ∙ s.o. Reisen 12.–20.9.2021 Dolomiten auf dem „Chicken Way“ (I) Im Bergsport wird der einfachere und oft wunderschöne „Chicken Way“ bei Schlechtwettereinbrüchen benutzt. Diese Dolomitentour kombiniert Klettermöglichkeiten mit Berwanderungen und eignet sich zum Beispiel für Paare mit unterschiedlichen Interessen, gemeinsame Übernachtung in Berghütten. LeistungenÜ/F, Führung, 3–4 Guides, ÖPNV-Anreise und Bahnen unterwegs KostenMitglieder/Gäste: 750/830 € Auskunft & Anmeldung NaturFreunde Baden ∙ Heinz Blodek (0160) 553 98 11 ∙ heinznfhf@gmail.com 14.–24.9.2021 Wandergenuss im Val di Sole (I) Schöne Tageswanderungen (4–6 h, bis zu 700 Hm) in malerischer Herbstlandschaft in einem kleinen Paradies für Bergliebhaber, modernes Biohotel mit Wellnessbereich und regionaler Küche. LeistungenÜ/HP, Wanderungen mit deutschsprachiger Begleitung, Wellnessbereich, Trentino Guest Card, Sicherungsschein KostenMitglieder/Gäste: 855/945 € Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Baden ∙ Cinzia Fenoglio ∙ (0179) 671 44 cinzia.fenoglio@naturfreunde-baden.de 29.9.–4.10.2021 Mehrtagesradtour Rheingau-Mittelrhein Herbstradtour zwischen Rhein, Main und Nahe ab Bingen am Rhein: einzigartige Kulturlandschaft mit ihren tollen Ausblicken, steilen Rebhängen, sehenswerten Städten, großen und kleinen Flüssen; Tages­touren zwischen 70 und 80 km am Tag. KostenDB, Ü + 40 € für Gaste Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Radgruppe Stuttgart ∙ Friederike Votteler, Peter Pipiorke ∙ (0711) 61 73 94 www.naturfreunde-radgruppe-stuttgart.de 2.–10.10.2021 5. trinationale Wandertage (F) Etappenwanderung durch die Vogesen mit leichtem Tagesrucksack, Begegnungen, Hüttenabende, Quereinstiege möglich. LeistungenÜ/HP in Naturfreundehäusern, Wanderhütten und Pensionen, Begleitbus KostenMitglieder/Gäste: 510/590 € Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Baden ∙ Corina Kober ∙ (0721) 40 50 96 info@naturfreunde-baden.de 10.–15.10.2021 Segeln auf der Waddenzee (NL) Jugendfreizeit für 12–14- sowie 15–17-Jährige auf zwei Segelbooten: Anker gelichtet, Segel gehisst, an Bord packen alle mit an. LeistungenÜ/VP; Bus ab Dortmund KostenMitglieder/Gäste: 225/275 € Auskunft & AnmeldungNaturfreundejugend Nordrhein-Westfalen ∙ (02304) 688 69 ∙ nrw@naturfreundejugend.de 10.–17.10.2021 Wanderwoche am Dachstein (A) Mittelschwere Wandertouren, gute Kondition und Schwindelfreiheit notwendig. LeistungenÜ/HP; Sommercard KostenMitglieder/Gäste: 530/580 € Anmeldeschluss17.9.2021 Auskunft & Anmeldung Naturfreundejugend Frankfurt ∙ Edith Itta edith.itta@naturfreunde-ffm.de 30.10.–3.11.2021 Die Abenteuer des kleinen Hobbit Fantasyfreizeit für 8–12-Jährige im Naturfreundehaus Feldberg (L 40) mit Geländespielen, Wanderungen, Lagerfeuer und den Geschichten vom kleinen Hobbit. LeistungenÜ/VP, pädagogische Begleitung KostenMitglieder/Gäste: 165/195 € Anmeldeschluss25.10.2021 Auskunft & Anmeldung Naturfreundejugend Württemberg (0711) 48 10 77 ∙ info@nfjw.de mehr Reisen www.reisen.naturfreunde.de SEITE 26 27.12.2021–3.1.2022 Silvester im Oberbergischen Land Jahreswechsel im Käte-Strobel-Haus, weit weg vom Alltagsstress, mit großer Silvestergala und Neujahrsbrunch, Wanderungen, Spieleabende, eigenes Hallenbad. LeistungenÜ/VP, Silvesterprogramm Kostenab 448 € Auskunft & Anmeldung Naturfreundehaus Käte Strobel (G 19) in 51647 Gummersbach-Oberrengse ∙ (02763) 910 -0 ∙ info@kaete-strobel-haus.de 2.–8.1.2022 Erlebnis Winter Schnee und Rodel gut im Naturfreundehaus Feldberg (L 40): Schneeschuhwanderungen, Rodelpartien, Lagerfeuer, Iglubau für 8- bis 16-Jährige. LeistungenÜ/VP, Programm KostenMitglieder/Gäste: 195/245 € Auskunft & AnmeldungAbenteuerSchule der NaturFreunde in Baden-Württemberg info@abenteuerschule.eu 10.–14.1.2022 Skitourencamp Optimaler Einstieg in die Welt der Bergsportausbildungen (gilt auch als Vorstufenqualifikation Winter), Berg- und Natursportliebende werden in Grainau Schritt für Schritt an das Unterrichten und Führen von Gruppen herangeführt und auf die Ausbildungslehrgänge Skitouren und Skihochtouren vorbereitet. LeistungenÜ/HP, Lehrgang KostenMitglieder/Gäste: 375/625 € Anmeldeschluss15.11.2021 Auskunft & Anmeldung NaturFreunde-Bundesgeschäftsstelle Eveline Steller ∙ (030) 29 77 32 -63 sport@naturfreunde.de 16.–23.1.2022 Langlauf-Woche am Feldberg Unterwegs mit dem Nordic-Team des Naturfreundehauses Feldberg (L 40), für Anfänger & Fortgeschrittene, Rahmenprogramm. Auskunft & AnmeldungNaturfreundehaus Feldberg (L 40) ∙ Heinz Blodek ∙ (07676) 336 ∙ info@naturfreundehaus-feldberg.de 13.–20.2.2022 Action im Schnee Ferienlager für 6- bis 14-Jährige am Ostrand des Harzes, rodeln, Ausflüge, verrückte Winterolympiade, Mottoparty, Lagerfeuer. LeistungenÜ/VP, Programm, Betreuung Kosten299 € Auskunft & Anmeldung Naturfreundehaus Stecklenberg (R 2) 06502 Thale-Stecklenberg ∙ (03947) 27 93 info@herberge-harz.de 13.–20.2.2022 Schwimmcamp Ferienlager erleben und Schwimmen lernen für 6- bis 14-Jährige am Ostrand des Harzes, spannendes Programm „an Land“ wie Spielen, Lagerfeuer und Mottoparty. LeistungenÜ/VP, Programm, Betreuung Kosten299 € Auskunft & Anmeldung Naturfreundehaus Stecklenberg (R 2) ∙ s.o. 18.–25.2.2022 Schneeschuhwoche am Feldberg Auf einsamen Pfaden durch unberührte Winterlandschaft, gemütliche Hüttenabende, Kinderbetreuung. Auskunft & AnmeldungNaturfreundehaus Feldberg (L 40) ∙ Heinz Blodek ∙ (07676) 336 ∙ info@naturfreundehaus-feldberg.de 27.2.–14.3.2022 Wintersport in Toblach (I) Wandern, Langlauf, Abfahrt und weitere sportliche Aktivitäten in herrlicher Landschaft im Südtiroler Pustertal. Es gibt gepflegte Winterwanderwege. LeistungenÜ/HP, Bus ab/bis Berlin, regionale Mobilcard, Saunalandschaft KostenMitglieder/Gäste 1.050/1.090 € + ca. 400 € Skipass Auskunft & Anmeldung NaturFreunde Berlin ∙ Cornelia Rudel tuc.2radler@gmail.com ∙ (030) 70 24 29 13 Hinweise 1. Die Reisebedingungen und die Reise- und Seminarangebote werden von dem*der jeweiligen Veranstalter*in verantwortet. 2. Die Veröffentlichung in der NATURFREUNDiN ist eine unverbindliche Zusammenstellung ohne Gewähr. 3. Bitte meldet Reisen und Seminare, die in der NATURFREUNDiN veröffentlicht werden können, an veranstaltungen@naturfreunde.de oder als Fax an (030) 29 77 32 –80. 4. Mehr Reisen, Seminare, sportliche Ausbildungsangebote: www.veranstaltungen.naturfreunde.de. NATURFREUNDiN 3–2021 FEST GESETZT 6.–13.3.2022 Skitourenwoche Lungau (A) Täglich Skitouren in verschiedenen Leistungsgruppen, geführt von Mitgliedern des NaturFreunde-Bundeslehrteams Bergsport, gemeinsame PLanung am Vorabend. KostenMitglieder/Gäste 175/350 € (nur Führungsgebühr, eigene Kosten für Übernachtung und Verpflegung) Anmeldeschluss9.1.2022 Auskunft & Anmeldung NaturFreunde-Bundesgeschäftsstelle ∙ s.o. 20.–25.3.2022 Skitourenwoche von Hütte zu Hütte (I) Dolomitendurchquerung von Ost nach West, Tagesetappen 6–8 Stunden, bis zu 1.600 Hm, gute Spitzkehrentechnik nötig. KostenMitglieder/Gäste 175/350 € (nur Führungsgebühr, eigene Kosten für Übernachtung und Verpflegung) Anmeldeschluss23.1.2022 Auskunft & Anmeldung NaturFreunde-Bundesgeschäftsstelle ∙ s.o. 16.–20.5.2022 Klettercamp (A) Klettergärten um Leutasch für jede Könnensstufe und jedes Ausbildungsthema, optimal für „Umsteiger*innen“ aus der Kletterhalle, gilt als Vorstufenqualifikation Sommer. LeistungenÜ/F, Lehrgang KostenMitglieder/Gäste 325/550 € Anmeldeschluss21.3.2022 Auskunft & Anmeldung NaturFreunde-Bundesgeschäftsstelle ∙ s.o. 6.–17.6.2022 Frühsommer auf Elba (I) Wanderungen, baden, Stadtbesichtigungen, Weinproben, Treffen in der Toskana. KostenMitglieder: 1.040 € Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Baden ∙ Cinzia Fenoglio ∙ (0179) 671 44 cinzia.fenoglio@naturfreunde-baden.de 18.–26.6.2022 Wandern am Hochkönig (A) LeistungenÜ/HP, Bus ab Karlsruhe, Ausflüge, Eintritte, Sicherungsschein KostenMitglieder/Gäste: 680/740 € Anmeldeschluss31.3.2022 Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Baden-Württemberg ∙ Peter und Inge Welker (0172) 727 85 69 ∙ peter-welker@gmx.de 3.–15.7.2022 Auf dem Alpe-Adria-Radweg Über Salzburg radeln wir bis Grado am Mittelmeer, für Trekking- und E-Bike. Auskunft & Anmeldung Naturfreundehaus Feldberg (L 40) ∙ s.o. 3–2021 NATURFREUNDiN 2.–8.11.2021 Let’s play International training course and conference by International Young Naturefriends (IYNF); participants (16 years and older) will develop facilitation skills through educational workshops designed to present the educational card game at the conference; at Naturfreundehaus Hannover (E 8). Kosten10–50 € Auskunft & AnmeldungInternational Young Naturefriends (IYNF) ∙ Viktor Koren +42 02 34 62 15 73 ∙ viktor@iynf.org Seminare 17.–19.9.2021 Stärkenkongress Begegnungstreffen im Naturfreundehaus Teutoburger Wald (D 10) der mittlerweile rund 200 im Verband ausgebildeten Stärkenberater*innen, mit viel Zeit für Austausch und Vernetzung. LeistungenÜ/VP; Kongress Auskunft & Anmeldung NaturFreunde Thüringen ∙ Anja Grießer-Kotzerke ∙ (0361) 66 01 16 85 griesser@naturfreunde-thueringen.de 26.9.–1.10.2021 Lobbyismus und Politik 22. Staatsbürgerliches Seminar des NaturFreunde Arbeitskreises Senioren in der Frankenakademie auf Schloss Schney, Thema: Lobbyismus in der Demokratie, viel Zeit für Information, Diskussion, Geselligkeit und neue Freundschaften. LeistungenÜ/VP, Seminar, Exkursion Anmeldeschluss1.9.2021 Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Deutschlands ∙ Katja Plume ∙ (030) 29 77 32 -69 ∙ plume@naturfreunde.de 27.9.2021 (19:30–21:00) Gemeinwohlbilanz Naturfreundehaus Einführung in das Thema Gemeinwohlökonomie für Naturfreundehäuser mit Erfahrungen aus der Verbandspraxis, Online-Veranstaltung auf Zoom. Auskunft & AnmeldungNaturFreunde in Baden und Württemberg ∙ Stärkenberatung Susanne Leuschner ∙ staerkenberatung@ naturfreunde-wuerttemberg.de 27.9.2021–1.10.2021 Stärkenberatungs-Trainer*in werden Teil 2 der dreijährigen Ausbildung zum*zur Ausbildung von Stärkenberater*innen. KostenDie Ausbildung ist für die Teilnehmenden kostenfrei (Unterkunft und Verpflegung während der Module inbegriffen). Auskunft & Anmeldung NaturFreunde Thüringen ∙ (0361) 66 01 16 85 ∙ staerkenberatung@naturfreunde.de 8.–10.10.2021 Transformationsakademie Lerne gemeinsam mit anderen jungen Engagierten mehr über die Funktionsweise von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, um fundiert Kritik an den richtigen Stellen üben zu können; drei Tage mit Workshops und Vorträgen mit Referent*innen aus Politik, Wissenschaft und der Bewegung; im Naturfreundehaus Hannover (E 8). LeistungenÜ/VP, Akademie Anmeldeschluss1.9.2021 Auskunft & AnmeldungNaturfreundejugend Deutschlands ∙ (030) 29 77 32 -70 info@naturfreundejugend.de 8.–10.10.2021 Life Action Role Play Live Action Role Playing bezeichnet ein Rollenspiel, bei dem die Spielenden ihre Spielfigur auch physisch selbst darstellen mit entsprechenden Gewändern; Mittelalter-Fantasy-Welt für 16- bis 26- Jährige auf Burg Husen in Dortmund. LeistungenÜ/VP, Programm KostenMitglieder/Gäste: 50/35 € Auskunft & Anmeldung Naturfreundejugend NRW ∙ (02304) 688 69 nrw@naturfreundejugend.de 22.10.–24.10.2021 Klimafreundliche Ernährung Gemeinsam bereiten wir Gerichte aus frischem Gemüse, Sprossen und selbst gesammelten Wildkräutern zu, dazu gibt es Tipps zur Zubereitung sowie zur Anzucht von Sprossen und Rezepte zur Herstellung von leckeren Pestos, Dressings, Salaten und warmen Speisen; im Naturfreundehaus Teutoburg (D 10) bei Bielefeld. LeistungenÜ/VP, Seminar Kosten169 € Auskunft & Anmeldung Naturfreundehaus Teutoburg (D 10) ∙ Klima.Aktiv ∙ (05202) 802 89 ∙ mail@nfht.de 5.–7.11.2021 NUST-Herbsttagung Offenes Treffen des NaturFreunde-Fachbereichs Naturschutz, Umwelt und sanfter Tourismus (NUST) im Naturfreundehaus Teutoburg (D 10) bei Bielefeld. LeistungenÜ/VP, Exkursion Anmeldeschluss10.10.2021 Auskunft & AnmeldungNaturFreundeBundesgeschäftsstelle ∙ Katja Plume ∙ s.o. 10.11.2021 Wider die rechte Landnahme Online-Fachtagung über das Wirken antidemokratischer Kräfte im ländlichen Raum. Anmeldeschluss3.11.2021 Auskunft & AnmeldungFachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) ∙ c/o NaturFreunde (030) 29 77 32 -68 ∙ seminare@nf-farn.de 19.–21.11.2021 Yoga für Mädchen und Frauen Gemeinsam Yoga praktizieren im Bergischen Land, alle Altersklassen und Konstellationen sind willkommen – ob Geschwister, Mütter mit Kindern, Freundinnen“: Yoga für alle Könnenslevel; im Naturfreundehaus Käte Strobel (G 19) in 51647 Gummersbach. LeistungenÜ/VP, Programm KostenMitglieder/Gäste: 79/109 € Auskunft & Anmeldung Naturfreundejugend NRW ∙ (02304) 688 69 nrw@naturfreundejugend.de 19.–21.11.2021 Entschwörung Wochenendfortbildung für Stärkenberater*innen über das Phänomen der Verschwörungsideologien, in einem Naturfreundehaus in Baden-Württemberg. Kostenkostenlos für Mitglieder Auskunft & AnmeldungNaturFreunde in Baden und Württemberg ∙ Stärkenberatung ∙ s.o. mehr Seminare www.seminare.naturfreunde.de SEITE 27 FEST GESETZT Kleinanzeigen a Qualifizierte*r Pächter*in gesucht zum 1.10.2021 für gut laufendes Naturfreundehaus in 72202 Nagold: 110 Sitzplätze innen; 200 außen; 25 Übernachtungsmöglichkeiten, exponierte Lage am Wald mit grandiosem Panoramablick. Bewerbungen bitte an Thomas Essig. E-Mail essigtommy@aol.com Web www.M53.naturfreundehaus.de a Pächter*in für Naturfreundehaus in 72336 Balingen gesucht ab sofort: 40 Plätze im Restaurant, circa 60 Plätze im Biergarten plus großer Saal mit 100 Plätzen, zudem bald Umbau zum Übernachtungshaus mit circa 30 Betten; zur Landesgartenschau 2023 in Balingen wird das Haus in neuem Glanz erstrahlen. Schriftliche Bewerbungen bitte an Gerd Welker, NaturFreunde Württemberg: Telefon (0711) 42 07 03 91 E-Mail gerd.welker@naturfreundewuerttemberg.de Web www.M3.naturfreundehaus.de a Ferien im Schwarzwald für große und kleine Naturliebhaber, idyllisch gelegen, viele Ausflugsmöglichkeiten, kein Handyempfang, kein Internet. Telefon (07446) 12 62 Web www.schlossmuehle-sterneck.de a Ferienwohnung am Bodensee Ruhige Lage zw. Lindau und Wasserburg für 2 Pers., 3 Zi./Wohnkü./Bad/Du/Balkone, günstig zu vermieten. 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E-Mail buero@nfhn.de INFO Kleinanzeigen in der NATURFREUNDiN 150 Anschläge zzgl. einer Kontaktzeile kosten 26,- €, weitere 25 Anschläge je 2,50 € (immer zzgl. Mwst.). Mitglieder erhalten 30% Rabatt. Bienenfreundlich und rassistisch Eine weitere Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre ist sicherlich kein Maßstab für „mehr oder weniger Demokratie“ gewagt oder realisiert zu haben. Hierfür gelten durchaus andere Kriterien, unter anderem Gewaltenteilung, Mehrheitsprinzip, Opposition, Minderheitenschutz, Grundrechte der Bürger. Natürlich gehören freie und gleiche Wahlen ebenso dazu. Jedoch: Dieses „vornehme Bürgerrecht“ ist auch mit Pflichten verbunden. Wer altersbedingt nur eingeschränkt zur Verantwortung gezogen werden kann und seine Entwicklung zum Erwachsenen noch nicht abgeschlossen hat, dem kann auch noch nicht das Wahlrecht eingeräumt werden.c RUDOLF TRAPP SINGEN-ÜBERLINGEN In seinem Standpunkt schreibt der Bundesleiter der Naturfreundejugend, Bundeskanzler Willy Brandt habe vor 50 Jahren das Angebot gemacht, mehr Demokratie zu wagen und das Wahlrecht auf 18 Jahre zu senken. Es war die sozialdemokratische Koalition, Brandt hat dies nur in der Regierungserklärung vorgetragen. Und es gab große Zustimmung auch bei der Fraktion der CDU/CSU. Trotz fraktionsübergreifender kontroverser Diskussion gab es dann im Bundestag eine überaus deutliche Mehrheit aus allen Fraktionen und in allen Fraktionen für den Gesetzesentwurf. c  HARALD RÖMER STAUFENBERG Anzeige bitte einsenden an den Naturfreunde-Verlag Warschauer Str. 58a/59a · 10243 Berlin Telefon (030) 29 77 32 –65 · Fax -80 anzeigen@naturfreunde.de ANZEIGE seniorengerecht & barrierefrei im Gruppenziel Naturpark Spessart Hallenbad 30° ∙ Kegelbahn ∙ Lift · Sauna ∙ Wellness ∙ Panoramalage · Urlaub in Franken ∙ staatlich anerkannter E­ rholungsort ∙ beste Ausflugsmöglichkeiten ∙ 90 km Wanderwege ∙ alle Zimmer mit Du/WC/TV/Safe/Fön/WLAN ∙ Rollstuhl-freundlich ∙ HP 52 € inkl. Kurtaxe ∙ Freipl. ∙ Livemusik ∙ Reisel. ∙ Grillbüffet Tel. (09355) 74 43 ∙ Fax -73 00 · www.landhotel-spessartruh.de Landhotel Spessartruh · Wiesenerstr. 129 ∙ 97833 Frammersbach ∙ Prospekt anfordern SEITE 28 NATURFREUNDiN 2–21 Mehr Demokratie wagen – Wahlalter senken! Auf dem Weg zur babylonischen Sprachverwirrung? Sprache dient der Verständigung oder transportiert das Missverständnis. Radikalisierung generell zu verhüten, sogar mit einer Fachstelle, ist Konsensbeschwörung. ‚Die herrschende Sprache ist die Sprache der Herrschenden‘, insbesondere wenn die Beherrschten sie nachplappern. Also aufgepasst: Beispielsweise beim ‚Arbeitnehmer‘, der davon lebt, dem ‚Arbeitgeber‘ seine Arbeitskraft zu geben. Dem geht es schlechter, wenn der ‚Geber‘ sie nicht nimmt. Schlechter geht es ihm allerdings auch, wenn er sich dadurch entwürdigt, dass er sich selbst so nennt. Wenn nun die ‚Emanzipation‘ Einzug hält, beispielsweise durch ‚Arbeitnehmer*innen‘ bei unveränderter Lohndifferenz von 20 Prozent, dann kann sich die herrschende Sprache auf die Schenkel klopfen. Nach meinem Großvater wurde eine Straße in München benannt, als Ehrung. In Berlin gab es eine Mohrenstraße als Diskriminierung? Sprachverwirrung? Wenn sich ein Mensch mit dunkler Hautfarbe durch diesen Straßennamen diskriminiert fühlt, sollte vor der Umbenennung eine Erklärung versucht werden. Ich werde mich als aufrechter Schlosser weiter durch Arbeitnehmer*innen diskriminiert, aber auch unverstanden fühlen. Wer mich deshalb radikal nennt, ehrt mich.c PAUL BENDER BERLIN INFO Leser*innenbriefe Weiblich und divers Der folgende Satz hat mich ratlos zurückgelassen: „Weiblich gelesenen Mitgliedern wird das Verbandsleben durch patriarchale Verhaltensweisen oft schwer gemacht.“ Ich interpretiere „weiblich gelesene Mitglieder“ als Personen, die als weiblich angesehen werden, ohne es unbedingt zu sein. Was steckt hinter einer solchen kryptischen Sprache? Ist es ein Problem, das man benennen kann oder ist es eine Strategie zur inneren Abgrenzung einer Personengruppe, die sich sprachlicher Codes bedient und Geschlecht als reines soziales Produkt definiert? Dient dies der Integration der Mitgliedschaft oder wird damit die Überhöhung einer eingeweihten Gruppe betrieben? Nach dem Motto: hier die Guten und Modernen, die die Codes kennen und dort die Ewiggestrigen, die bei der banalen Unterscheidung von männlich, weiblich und divers bleiben? c  HANS REICHSTHALER an die NATURFREUNDiN Was war gut, was nicht, woran müsste noch gedacht werden? Schreibt uns bitte: NaturFreunde Deutschlands Warschauer Str. 58a/59a · 10243 Berlin leserinnenbriefe@naturfreunde.de Die Redaktion behält sich Kürzungen der Einsendungen vor. KOMMENTIERE VIA TWITTER @NaturFreunde #NFiN321 FELLBACH NATURFREUNDiN 3-2021 FEST GESETZT Umweltdetektive grenzenlos Medien Die Natur auf der Flucht Die Welt ist voll von Klimaflüchtlingen. Zwar gibt es diesen Status in der juristischen Sprache gar nicht. Aber internationales Recht interessiert diejenige, über die der Journalist und Klimaexperte Benjamin von Brackel in seinem neuen Buch schreibt, auch keinen Deut: Sie kommen einfach. Oder sie gehen. „Natur auf der Flucht“ sind die knapp 300 Seiten überschrieben. Es geht um unseren Wald, der sich davonmacht, um den Braunbären, der immer häufiger auf den Eisbären trifft, um die Frage, wie der Klimawandel Pflanzen und Tiere vor sich hertreibt. Da sind zum Beispiel „Horden von blutrünstigen tropischen Insekten, die bei uns einfallen“ werden, schreibt von Brackel. Um das ins rechte Licht zu rücken: „Keine Mücke, Zecke oder Raupe verfolgt böse Absichten.“ Sie nutzen eben nur die Chance zur Ausbreitung, die ein sich erwärmendes Europa bietet. Dummerweise bringen sie Krankheiten wie das Zecken-Fleckfieber oder das Krim-Kongo Fieber mit. In den Tropen und Subtropen gelten die Gelbfiebermücke oder die Asiatische Tigermücke als sehr gefährlich, schätzungsweise 800.000 Menschen raffen die von ihnen übertragenen Krankheiten jedes Jahr hinweg. Neuerdings werden sie hier heimisch. Dafür wird es der Fichte hierzulande zu heiß und der Buche zu trocken. Der Autor nimmt seine Leser*innen im allradgetriebenen Skoda Yeti des Revierförsters Christian Junele mit in den Wald, besucht die Wissenschaftler*innen des Geozentrums in Nordbayern, erkundet die Arbeit des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven, recherchierte aber auch in Peru oder in Japan. Herausgekommen ist ein wunderbar erzählendes Werk, das wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur fantastisch ins Laiendeutsch übersetzt – sondern sich auch noch wundervoll lesen lässt!c  NICK REIMER T Benjamin von Brackel: Die Natur auf der Flucht – Wie der Klimawandel Pflanzen und Tiere vor sich hertreibt; 288 Seiten, Heyne Verlag, München, 2021; ISBN 9783453605749; 12,99 Euro. 3-2021 NATURFREUNDiN Atomkraft forever Wenn im nächsten Jahr die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden, ist endlich alles gut – könnte man meinen. Doch warum halten unsere Nachbarn an der Atomenergie fest? Und was versprechen die Atomkonzerne in der Klimakrise? Dieser eindrucksvolle Dokumentarfilm beschreibt das Scheitern des Menschheitstraums vom billigen und sicheren Atomstrom, aber auch die enorme Dimension des damit verbundenen Problems. Die Atomdebatte ist noch nicht erledigt. c SL T Carsten Rau (Regie): Atomkraft Forever; Dokumentarfilm, 94 Minuten, FSK 0; Produktion: Pier 53, Hamburg, 2020; ab 16.9.2021 im Kino; www.atomkraft-forever.de. Die Naturfreundejugend macht Kindern unabhängig ihres kulturellen oder sprachlichen Hintergrundes Angebote. Um auch bei gemischten Grundschulkindergruppen mit und ohne Fluchthintergrund gemeinsame Naturerlebnisse und Begegnungen auf Augenhöhe zu fördern, hat die Naturfreundejugend gemeinsam mit dem Bundesjugendwerk der AWO Materialien für die außerschulische Umweltbildung entwickelt. Damit können Multiplikator*innen Naturerlebnisse konzipieren und durchführen. Das Material besteht aus Aktionskartensets zu den Themen Feuer, Wasser, Erde, Luft sowie Einstieg & Kennenlernen. Die Karten ermöglichen durch die Verwendung von einfacher Sprache und Illustrationen auch Kindern einen Zugang, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Zudem kombinieren alle Karten Naturerlebnisse mit Aufgaben für den Spracherwerb. So werden in der Natur Sprachanlässe geschaffen, die es geflüchteten Kindern erleichtern, die deutsche Sprache spielerisch zu erlernen. Für Anleiter*innen gibt es ein begleitendes Handbuch mit Hinweisen zur Durchführung und Vertiefung. Alles zusammen wird in einem kompakten „Umweltdetektive grenzenlos“-Ordner bereitgestellt. c CATRIN BÜSEN T Verqueres Denken Erleben wir gerade eine neue Lebensreformbewegung? Dieser These geht der Journalist Andreas Speit in seinem neuen Buch nach und wirft dabei insbesondere einen Blick auf antidemokratische Tendenzen dieser Bewegung. Denn ähnlich wie in den lebensreformerischen Vorläufern finden sich hier zahlreiche esoterische und menschenfeindliche Bestandteile. Speit nimmt die Leser*innen mit in die Milieus der Pandemie-Leugner*innen, der Anthroposophie oder der Vegan- und Tierrechtsbewegung und übt differenzierte wie notwendige Kritik an dort existierenden Weltbildern.c  YANNICK PASSEICK T Andreas Speit: Verqueres Denken – Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus; 240 Seiten; Ch. Links Verlag, Berlin, 2021; ISBN 9783962891107; 18 Euro. Bestellen für 5 Euro zuzüglich Versandkosten im Naturfreundejugend-Shop: naturfreundejugend.de/go/uwdgrenzenlos perspektiven ds | 1-21 Dass die NaturFreunde wie auch die SPD den Idealen des demokratischen Sozialismus verpflichtet sind, ist nicht jedem bekannt. Vor der Bundestagswahl dürften entsprechende programmatische Impulse deshalb hilfreich sein. Diese im 38. Jahrgang erscheinende Zeitschrift beschäftigt sich vor dem Hintergrund von Corona-Absturz und gesellschaftlichem Aufbruch mit nicht weniger als der Frage, was heute eigentlich linke Politik ist – unter anderem mit Beiträgen von Gero Neugebauer, Jessica Rosenthal und auch NaturFreundin Leni Breymaier (MdB).c SL T perspektiven ds – Was ansteht. Weichenstellungen für die Zukunft; 312 Seiten; Schüren Verlag, Marburg, Ausgabe 1-21, Juli 2021; ISBN 9783741002366; 12,80 Euro. Impressum NATURFREUNDiN 72. Jahrgang · ISSN 0943–4607 Bundeszeitschrift & Mitgliedermagazin der NaturFreunde Deutschlands e. V. www.naturfreundin.naturfreunde.de Redaktion Marion Andert [MA], Eckart Kuhlwein [EK], Joachim Nibbe [JN], Kai Niebert [KN], Samuel ­Lehmberg [SL], Hans-Gerd Marian [HGM], Maritta Strasser [MS] (V.i.S.d.P.). Redaktionsbüro Samuel Lehmberg · (030) 29 77 32 -65 redaktion@naturfreunde.de Nächster Redaktionsschluss 15.10.2021 Erscheinungstermine 1.3./1.6./1.9./1.12. Naturfreunde-Verlag Freizeit und Wandern GmbH · www.naturfreunde-verlag.de Anzeigen (030) 29 77 32 -65 Abonnement abo@naturfreunde.de (030) 29 77 32 -66 Jahresabo 20 € · Mitglieder erhalten die NATURFREUNDiN im Rahmen der Mitgliedschaft kostenfrei. Gestaltung & Satz www.bar-pacifico.de Etienne Girardet, M. Lichtwarck-Aschoff Druck & Vertrieb MÖLLER PRO MEDIA, Ahrensfelde, gedruckt auf 70 g/qm ultraMAG PLUS silk aus 100% Altpapier (sortierte Haushaltssammelware), zertifiziert mit dem Umweltzeichen „Der blaue Engel“. Regionalausgaben der Landesverbände Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen, der Bezirke Kassel, Mittelfranken, München und Oberfranken sowie der Ortsgruppen Frankenthal, Karlsruhe und Mannheim sind beigefügt. Druckauflage 52.000 (IVW-geprüft 2/2021) Bildnachweis (jeweils von oben nach unten, dann von links nach rechts): S. 1: MachineHeadz/istock.com [MHi]; S. 2: Arno Weller (AW), Regina Schmidt-Kühner; S. 3: MHi, Naturfreundejugend Deutschlands [NFJD], Raphael Zeller [RZ], Klaus Rübensal [UD], Philipp Spalek / Caritas international; S. 4–11 (Piktogramme): Wichai Wi / thenounproject.com (CCBY); S. 5: James Gathany, CDC / wikimedia (gemeinfrei); S. 6: Agrosope, Gabriela Brändle / flickr (CC BYND 2.0); S. 7: Bettina Vier / flickr (CC BY-SA 4.0); S. 8: Boris Radosavljevic / flickr (CC BY 2.0); S. 9: Lutz Blohm /flickr (CC BY-SA 2.0); S. 10: Ende Gelände / flickr (CC BY-NC-SA 2.0), NFJD; S. 11: Mehlauge/wikimedia (CC BY-SA 4.0); S. 12: Bernhard Schmidt [BS], Sabine Müller; S. 15: NFJD; S. 16: Daniel Rudolph [DR], ; S. 17: Reinhold Krause [RK]; S. 18: Friedhelm Fett, Philipp Unger, BS, AW, RK; S. 19: Uwe Hisch, Wolfgang Klemmt, BS; S. 20–21 Virus-Grafik: regara/thenounproject.com; S. 20: NaturFreunde Österreich, RZ, Simon Neal; S. 21: NaturFreunde Italien, NIVON, view / Reiner Voß; S. 22: Samuel Lehmberg; S. 23: Gabriel Joacham; S. 24: Hans Peter Schmitz; S. 25: COP PARIS / flickr (CC0 1.0); S. 26: DR; S. 26–27: William Bee / pxhere; S. 27: KR; S. 28: Stephan Thieme, Manuel Fischer; S. 29: Denis Schroth; S. 30: Pia Cunningham, iaa-demo.de; S. 31: Norbert Bobisch; S. 32: klima-streik.org. SEITE 29 FEST GESETZT Bundesverdienstkreuz für langen NaturFreunde-Einsatz kurz notiert Das Naturfreundehaus Freibergsee in Oberstdorf wird am 1. September nach länger Corona-Pause wiedereröffnet. Neue Pächter sind die NaturFreunde Berlin. Das Naturfreundehaus liegt idyllisch zwischen dem Freibergsee und der Talstation der Söllereckbahn auf 1.050 Metern Höhe, mitten im Naturschutzgebiet, fernab von Autolärm.c UWE HIKSCH T www.M60.naturfreundehaus.de Gemeinsam Natur erleben Rund um den Gründungstag der NaturFreunde – 16. September 1895 – organisieren NaturFreund*innen weltweit nachhaltige Tourismusangebote, die Naturerlebnisse mit Begegnungen kombinieren. Unter dem Motto „Gemeinsam Natur erleben“ wird dabei zwischen dem 10. und 19. September öffentlichkeitswirksam auf die NaturFreunde-Werte aufmerksam gemacht und ein Zeichen für ein solidarisches Miteinander gesetzt. Als Zeichen der internationalen Solidarität sollen während der Aktionen auch Spenden für den NaturFreunde-KlimaFonds (www.climatefund.nf-int.org/de) gesammelt werden, der aktuell Baumpflanzungen in Afrika finanziert.c SL Aktionstage Nachhaltigkeit Nachhaltige Aktionen gesucht: Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit finden in diesem Jahr vom 20. bis 26. September statt und verfolgen erneut das Ziel, Aufmerksamkeit für nachhaltige Aktionen, Projekte und Ideen zu schaffen. Mitmachen können alle, die sich mit einer Aktion oder Challenge innerhalb eines Unternehmens, einer Organisation oder im Freundeskreis für eines der 17 Nachhaltigkeitsziele einsetzen. Auf der Kampagnenseite findest du mehr Informationen und hast auch die Möglichkeit, eine eigene Aktionsidee bekannt zu machen.c SL T www.tatenfuermorgen.de Neue Ausbildungskurse zur Stärkenberater*in beginnen NaturFreund*innen haben ab sofort wieder die Möglichkeit, sich zu ehrenamtlichen Stärkenberater*innen ausbilden zu lassen. Die neuen Ausbildungsgänge in den 11.9. 2021 Naturfreundehaus Freibergsee öffnet am 1. September wieder Helmuth Aichinger, stellvertretender Landesvorsitzender der NaturFreunde Bayern, ist für sein „großes bürgerschaftliches Engagemenet und herausragenden Einsatz für das Gemeinwohl“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. In seiner Laudatio würdigte Staatsminister Bernd Sibler explizit Aichingers umfangreiches Engagement für die NaturFreunde während der letzten fünf Jahrzehnte. Helmuth Aichinger war (und ist es teilweise immer noch) Häuserreferent, Jugendleiter, Kassierer, Bezirksvorsitzender sowie stellvertretender Landesvorsitzender und übernahm Hausdienste, organisierte Fahrten, Touren und Freizeiten sowie die energetische Sanierung von Naturfreundehäusern – „immer mit großem persönlichen Einsatz und Sachverstand“, so Minister Sibler. Herzlichen Glückwunsch!c SL Sternfahrt & Großdemo anlässlich der IAA in München * *Internationale Automobilausstellung #aussteigen Mut durch Spenden in Rottweil T T vereinsleitung@naturfreunde-rottweil.de Mobilitätswende jetzt! VisdP: Uwe Hiksch, c/o Naturfreunde Deutschlands, Warschauer Str. 58a/59a, 10243 Berlin Der Schreck war groß bei den NaturFreunden Rottweil, als im Februar diesen Jahres ein Kabelbrand im Keller des Naturfreundehauses Jungbrunnen (M 52) das ganze Haus kontaminierte. Viel Arbeit und Zeit musste schließlich in die Renovierung investiert werden. „Mut gemacht haben uns die vielen solidarischen Spenden, für die wir uns herzlich bedanken“, sagt Gisela Burger, die Vorsitzende der Ortsgruppe. Mittlerweile ist auch ein neuer Pächter gefunden und der Gaststätten- und Beherbergungsbetrieb wieder angelaufen. Mitte Juli feierte die Ortgruppe dann zusammen mit den Spender*innen ein Sommerfest. „Allerdings hatten wir von einigen Spenden nur Namen und Bankverbindung und konnten deshalb nicht alle Adressen ermitteln. Schreibt uns bitte, damit wir uns auch persönlich bedanken können“, bittet Burger.c SL Pfaffenhofen Moosburg Augsburg Erding München Grafing Weilheim Rosenheim www.iaa-demo.de Landesverbänden Baden und Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sind bereits angelaufen. Teilnehmen können Mitglieder – unabhängig vom Wohnsitz oder der Ortsgruppen-Zugehörigkeit. Insbesondere Mitglieder, in deren Landesverbänden es kein Stärkenberatungsprojekt gibt, sind herzlich eingeladen. Ausgebildete Stärkenberater*innen beraten NaturFreunde-Gliederungen zum Beispiel in Konfliktsituationen, stoßen Änderungsprozesse an, systematisieren Ideen und moderieren Veranstaltungen. Über 200 ausgebildete Stärkenberater*innen gibt es bereits bei den NaturFreunden. Sie bilden ein starkes Unterstützungsnetzwerk für Ortsgruppen, denen sie in Entwicklungsfragen zur Seite stehen. Das in der Ausbildung angeeignete Fachwissen und methodische Handwerk lässt sich auch in Tätigkeiten außerhalb der NaturFreunde anwenden. In der Ausbildung zum*zur Stärkenberater*in vermitteln professionelle Trainer*innen in vier Wochenendseminaren unter anderem Techniken der Moderation und des Konfliktmanagements. Die Teilnehmenden lernen Methoden der systemischen Beratung, praktische Übungen der Prozessbegleitung und unterschiedliche Diskriminierungsformen kennen.c BARBARA STOCKER T www.naturfreunde.de/staerkenberatung Die Internationale Automobilausstellung (IAA) in München stellt nun auch Elektroautos und sogar Fahrräder aus. „Aber das ist nur ein grünes Mäntelchen, das uns alle täuschen soll“, warnt Christine Eben, stellvertretende Landesvorsitzende der NaturFreunde Bayern. „Die Autokonzerne bieten nach wie vor viel zu klimaschädliche Benzin- und Dieselautos und all die schweren SUV an. In der Klimakrise geht das nicht mehr. Unsere Gesellschaft braucht sehr schnell ein neues Mobilitätskonzept, das den Autoverkehr reduziert und dem Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr mehr Raum gibt.“ Das sehen auch andere so: Unter dem Motto #aussteigen demonstriert am 11. September in München ein Bündnis aus ADFC, Attac, BUND, Campact, DUH, Greenpeace, VCD und den NaturFreunden für eine echte Mobilitätswende. Geplant sind eine große Fußgängerdemo und eine Fahrradsternfahrt mit 17 Demozügen aus dem Münchner Umland zur zentralen Kundgebung in der Innenstadt. Angemeldet hat die Demonstration Uwe Hiksch aus dem Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands: „Wir erwarten einen großen, bunten, friedlichen Protest mit Zehntausenden Teilnehmer*innen aus ganz Deutschland. Es gibt auch Familienrouten und die NaturFreunde organisieren eigene Blocks. Wer das Klima retten will, muss sich für die Mobilitätswende einsetzen“, fordert Uwe Hiksch. c SL T NaturFreunde-Treffpunkte auf: www.naturfreunde.de/iaa-demo www.M52.naturfreundehaus.de SEITE 30 NATURFREUNDiN 3-2021 Was uns an den NaturFreunden gefällt Dass wir so wichtige Wanderungen wie „Frieden in Bewegung“ haben und das Mitmachen auch noch großen Spaß macht. Teilnehmer*innen der großen NaturFreunde-­Friedenswanderung (siehe auch Seiten 17–19) auf der 55. Etappe von Geisingen nach Engen in Baden-Württemberg. ONLINE naturfreunde.de/ mitglied-werden EINTRETEN SCHNUP­P ER­M IT­G LIED­S CHAFT c Er­wach­se­ne (50,– €) c Fa­mi­lie (75,– €) c Kin­der/Ju­gend­li­che (25,– €) Nachna­me, Vor­na­me Ge­burts­da­tum Stra­ße PLZ, Wohn­ort Eintrittsjahr Telefonnummer für Rückfragen Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me Ge­burts­da­tum Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me Ge­burts­da­tum Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me Ge­burts­da­tum Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me Ge­burts­da­tum c Ich möchte den NaturFreunde-Newsletter erhalten E-Mail-Adresse Ich/Wir tre­te/n dem Na­tur­Freun­de Deutsch­lands, Bun­des­grup­pe Deutsch­land e.V. bei unter Anerkennung der Satzung (www.naturfreunde.de/ueber-uns) Bitte ankreuzen, sonst keine Bearbeitung möglich Ich stimme der Speicherung, Verarbeitung und Nutzung meiner/unserer personenbezoc genen Daten für Mitgliederverwaltung, Zustellung der Verbandspublikationen und Verfolgung der Zwecke der NaturFreunde Deutschlands e.V. zu. Ausführliche Informationen zum Datenschutz: www.naturfreunde.de/datenschutz Da­tum Un­ter­schrift (bei Min­der­jäh­ri­gen der*die ge­setzl. Ver­tre­ter*in) SEPA-Lastschriftmandat Ich ermächtige die NaturFreunde Deutschlands – Warschauer Str. 58a/59a, 10243 Berlin, Gläubiger-Identifikationsnr. DE34ZZZ00000096454 – den Mitgliedsbeitrag von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kredit­institut an, die von den NaturFreunden Deutschlands auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kredit­institut vereinbarten Bedingungen. Kon­to­in­ha­ber*in IBAN: D E _ _ | _ _ _ _ | _ _ _ _ | _ _ _ _ | _ _ _ _ | _ _ Da­tum Bei­tritts­er­klä­rung sen­den an: Na­tur­Freun­de Deutsch­lands · War­schau­er Str. 58a/59a · 10243 Ber­lin Telefon (030) 29 77 32 -60 · Fax -80 · in­fo@na­tur­freun­de.de · www.na­tur­freun­de.de Un­ter­schrift Kontoinhaber*in 3–2021 Schnuppermitgliedschaft (Beitrag pro Kalenderjahr:) l h a W e i d n e h c a m r i W ! l h a w a m zur Kli A M KLI K I E STR T I M N E M ZU SA M E R U T U F R O F S Y A D I #FR EN S S A R T S AU F D I E . 9 0 . 4 2 ma i l K s r ü F e l l #A RTE O & S O F N I ALLE org . k i e r t s a klim
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