Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364987
Path:
Ausgabe 1-2019

NATURFREUNDiN
Zeitschrift für nachhaltige Entwicklung – sozial – ökologisch – demokratisch

Das neue
Blühen

a Annelie Buntenbach
Über „Arbeiter von
rechts“ [Seite 12]
a Maritta Strasser
Warum die EU-Wahl
wichtig ist [Seite 14]
a Herta Däubler-Gmelin
Über 70 Jahre Grund­
gesetz [Seite 25]

EIN STANDPUNKT VON
MALIN HOLTMANN, BUNDESLEITERIN DER
NATURFREUNDEJUGEND DEUTSCHLANDS
AUF EIN WORT

Schulstreiks für den Klimaschutz

h

Sie wollen es am Freitag wieder tun:
Schüler werden nicht die Schulbank
drücken, sondern schwänzen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. #FridayForFuture
heißt das Schulstreik-Motto, das das ganze Schülerdilemma ausdrückt: „Warum lernen für eine
Zukunft, die es vielleicht nicht mehr gibt?“
Begonnen hat der neue Jugendprotest am
20. August 2018, dem ersten Schultag des neuen Schuljahres in Schweden. Greta Thunberg, damals 15-jährige Schülerin, ging nicht zur Schule.
Sie malte auf ein Schild „Skolstrejk för klimatet“
und stellte sich vor den schwedischen Reichstag –
„Schulstreik für das Klima“. Seitdem gehen Schüler*innen in Australien, Belgien und Irland auf die
Straße, in Italien, Uganda, der Schweiz. Und seit
Dezember auch in Deutschland.
Der vergangene Sommer war einer der
wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Die 20 wärmsten Jahre lagen nach Erhebung der Weltmeteorologie-Organisation in
den vergangenen 22 Jahren. Der Klimawandel steht direkt vor uns. Aber leider wollen das
viele immer noch nicht wahrhaben. Wie man
auch am gerade von der Kohlekommission vorgeschlagenen Kohleausstieg sieht: Bis zum Jahr
2038 sollen hierzulande die Kohlekraftwerke
weiterlaufen. Das sind noch 19 Jahre!
Auf der letzten Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings haben wir den Antrag
„Den Klimawandel sofort bremsen!“ beschlossen. Darin beklagen wir Jugendverbände, dass
junge Menschen bisher wenig bis keine Chancen
hatten, die politische Situation zum Positiven zu

SEITE 2

verändern. Gleichzeitig sind wir die erste Generation, die ganz konkret von den Auswirkungen
des Klimawandels betroffen sein wird. Wir beklagen die Verweigerung konkreter Zukunftsvorsorge. Und wir beklagen, dass Deutschland sein
eigenes Klimaziel für 2020 krachend verfehlen
wird. Statt die Treibhausgasproduktion um 40
Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken,
wird Deutschland allenfalls 32 Prozent schaffen.
Dabei war schon das 2020-Ziel wenig ambitioniert. Das Pariser Klimaschutzabkommen hat
festgehalten, dass vor allem die Industriestaaten
mehr tun müssen. Deutschland gibt vor, ein Vorbild beim Klimaschutz zu sein. Doch wie passt
das mit einem Kohleausstiegsdatum 2038 zusammen? Um das Pariser 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsste die Bundesrepublik bis zum Jahr
2030 aus allen fossilen Energien aussteigen.
Die Jungen schwänzen weltweit die Schule,
weil die Alten ihre Hausaufgaben nicht machen.
Ab dem Jahr 2050 dürften überhaupt keine vom
Menschen verursachten Treibhausgase mehr
entstehen. Ich frage mich, wie das gehen soll,
wenn das Umdenken so langsam stattfindet.
Die Naturfreundejugend bittet deshalb alle
Erwachsenen, ganz genau zu prüfen, was in den
Wahlprogrammen der einzelnen Parteien zum
Klimaschutz steht. Wir fordern euch auch auf, zu
prüfen, was die Parteien davon umsetzen. Und
wir ermutigen euch, bei der Europawahl daraus
Konsequenzen zu ziehen. Denn das ist das Mindeste, was wir für den Klimaschutz tun können.
Auch wenn das nicht mehr als der Anfang sein kann.

h



NATURFREUNDiN 1-2019



INHALT

Ausgabe 1–2019
Tierschutz

„In der Realität meiden die Wölfe den Menschen,
weil der sich ganz anders verhält als seine Beutetiere.“
STEFAN RATHGEBER (WOLFSBETREUER IN SCHLESWIG-HOLSTEIN) [SEITE 13]

TITEL

THEMA

NATURFREUNDE AKTIV

FEST GESETZT

Das neue Blühen......................... 4
Pflanzenschutz..............................5
Samenbomben.............................5
Terra Preta.....................................6
Mischkultur...................................7
Volksbegehren............................. 8
Bundesgartenschau (BUGA)......... 8
Naturfreundehäuser zur BUGA.... 9

Zu wenig Sand am Meer............ 10
Innenansichten aus
der Kohlekommission................ 11
Der DGB und die „Arbeiterbewegung von rechts“............... 12
Leben mit dem Wolf.................. 13
Stimmen zur Europawahl.......... 14
Demos vor der Europawahl....... 15

Ausbildungstermine................... 16
Recht im Schneesport................ 17
Mit dem Elektro-Bike
auf dem Grünen Band................ 18
Zu Fuß zum Nordkap................. 20
Neue Impulse aus
Naturfreundehäusern................. 21
1.000 neue NaturFreund*innen.. 22
Der strukturelle Rassismus......... 23
Die Pulverhäuser in Königstein... 24
70 Jahre Grundgesetz................ 25

Reisen........................................ 26
Seminare................................... 27
Kleinanzeigen............................ 28
Leser*innenbriefe...................... 28
Medien...................................... 29
Impressum................................. 29
4 Fragen an .............................. 30
kurz notiert ............................... 30
Die Bakuninhütte ...................... 31

EDITORIAL

„wer einen Garten pflegt, der lebt schon im Paradies“. Dieses geflügelte Wort tauchte während
der Recherche zum aktuellen Titelthema auf. Ein
anderes lautet: „Pflege deinen Garten und der
Garten pflegt deine Seele.“ In dieser Ausgabe
der NATURFREUNDiN geht es um einen Trend,
der seit Jahren anhält: die neue Lust am Blühen.
Es sind nicht mehr überwiegend Senior*innen, die Gartenparzellen bewirtschaften. Tatsächlich befördern zunehmend junge Familien
den Generationswechsel in der Kleingartenszene. Und mit Urban Gardening, Gemeinschaftsgärten oder auch Beeten auf Balkonien hat das
neue Blühen seinen Aktionsradius bereits beträchtlich erweitert.
1-2019 NATURFREUNDiN

„Mit Terra Preta in die Höhe gärtnern“,
„Pflanzenschutz ohne Pestizide“ oder „Wie man
mit Samenbomben öffentlichen Raum erobert“:
Die NATURFREUNDiN hat Tipps zum neuen
Trend zusammengetragen.
Wie naturnahes Gärtnern funktioniert, zeigen die NaturFreunde übrigens seit Jahren. Nicht
nur der Fachbereich „Naturschutz, Umwelt und
Sanfter Tourismus“ (NUST) befasst sich mit diesem Thema. Auch die praxisbezogene Initiative
„Pestizide reduzieren – aber wie?“ des Landesverbandes Schleswig-Holstein hat überregional
große Beachtung gefunden.
Große Aufmerksamkeit dürfte auch der „Garten der Umweltverbände“ auf der diesjährigen

Bundesgartenschau (BUGA) in Heilbronn erhalten. Unter Federführung der NaturFreunde zeigen Umweltverbände dort konkrete Beispiele,
wie etwa Insekten-, Fledermaus- und Vogelgärten angelegt werden können. Das muss überhaupt nicht schwierig sein: „Wir sollten im Garten viel mehr Wildblumen zulassen“, empfiehlt
zum Beispiel Projektleiter Alexander Habermeier
von den NaturFreunden Württemberg.
Für Besucher*innen der BUGA hat die
­NATURFREUNDiN übrigens sechs Naturfreundehäuser im Umkreis von bis zu 25 Kilometern um
Heilbronn herausgesucht (Seite 9). Naturfreundehäuser bieten preisgünstige und meist sehr
naturnah gelegene Übernachtungsmöglichkeiten für Einzelgäste und Gruppen. Sie stehen allen Menschen offen, Mitglieder erhalten Rabatte.
Und viele Naturfreundehäuser haben auch sehr
schöne und naturnahe Gärten.
Eine inspirierende Lektüre wünscht mit
­naturfreundlichen Grüßen

SEITE 3

TITEL

TITEL

Das neue Blühen
Schrebergärten, Urban Gardening, Balkonien: Nie war Gärtnern beliebter als heute
bIn Berlin gibt es nicht nur einen Ausländer-Beauftragten oder einen Datenschutz-Beauftragten. Ab diesem Frühjahr gibt es auch einen
Urban-Gardening-Beauftragten. Zu dessen Aufgaben gehört laut Senatsbeschluss „die Integration
neuer Formen der Freiraumnutzung im Bereich
Urban Gardening“.
In Andernach ist man da weiter. Die Verwaltung der rheinland-pfälzischen Stadt stellt jedem, der es möchte, öffentliche Flächen für den
Gartenbau zur Verfügung. Möhren in der städtischen Parkanlage? Bitteschön! Ein Tomatenbeet
am Runden Turm? Nur zu! Das Konzept Andernachs nennt sich „Essbare Stadt“ und findet immer mehr Nachahmer*innen.
Im Januar hat das Netzwerk „Wuppertals Urbane Gärten“ einen Aktionsplan erstellt und beschlossen, wie Mittel aus dem Bürgerbudget verwendet werden sollen. Ein Projekt: Naschgärten
an öffentlichen Plätzen. In Bergisch Gladbach
bewilligte der Stadtrat 2.000 Euro, um in diesem
Jahr Gartengeräte für das öffentliche Gärtnern
anzuschaffen. Im Dortmunder Tremoniapark
sind 220 Quadratmeter freigegeben, die zum öffentlichen Garten umgebaut werden sollen. Zuerst muss die Fläche noch entmüllt werden.

Nicht nur diese neue Form des Gärtnerns –
gemeinschaftlich, ohne Besitz, ab und zu – ist
schwer im Kommen, auch die Schrebergarten-Bewegung reüssiert. In einer Untersuchung hat die
Hamburger Umweltbehörde festgestellt, dass es
einen regelrechten Generationswechsel in der
Kleingartenszene gibt: Es sind überwiegend nicht
mehr die Senior*innen, die die Parzellen pachten,
sondern zunehmend junge Familien. In München
beträgt die Wartezeit auf den eigenen Garten bis
zu drei Jahre. Nürnberg plant 160 neue Kleingärten, das Potsdamer „Stadtentwicklungskonzept
Kleingärten“ sieht 900 neue Parzellen bis zum
Jahr 2030 vor. „Wir könnten noch 1.000 Parzellen
mehr verpachten, so groß ist die Nachfrage“, sagt
Alfred Lüthin, Chef des Bezirksverbandes der Gartenfreunde Karlsruhe. „Die Zeiten, als Kleingärten
für Spießer*innen standen, sind vorbei.“
„Mit diesen Ideen wird dein Balkon zum
Wohlfühl-Paradies“, titelte das Lifestyle-Magazin Cosmopolitan (von Kosmopolit, Weltbürger)
im vergangenen Jahr. Im Nachrichtenmagazin
Der Spiegel war zu lesen: „Ferien in Balkonien
sind jetzt Trend.“ Was früher ein schnöder Austritt aus der Wohnung war, entwickelt sich immer
mehr zu den hängenden Gärten einer Stadt.

Ob Schrebergarten, Balkonien oder auf dem
Land: Die neue Lust am Blühen wird überall registriert. Im vergangenen Jahr setzten die Gartenmärkte mehr als 18,4 Milliarden Euro um, ein
neuer Rekord. Mittlerweile stellen in Deutschland 11.000 Betriebe Erzeugnisse des Gartenbaus
her, rund 715.000 Personen sind dort beschäftigt.
Auf der anderen Seite gibt es 15.000 Kleingartenvereine in Deutschland, die rund eine Million
Gärten verwalten (so groß wie Köln). Rund fünf
Millionen Gartenfreund*innen sind organisiert,
und das sind nur die organisierten Gärtner*innen! Damit hat Deutschland die größte organisierte Gärtnerbewegung der Welt.
Allerdings ist die Welt des schönen, neuen
Blühens auch bedroht. Vor allem in den westlichen Ballungsgebieten und den deutschen Großstädten insgesamt sorgt die Wohnraumnachfrage für einen gehörigen Druck auf die Grünflächen. In Berlin endet im Jahr 2019 für 160
Kleingartenanlagen die Schutzfrist. Die Laubenpieper fürchten nicht nur ihren Garten, sondern
einen Teil ihres Lebens zu verlieren.
Andernorts fehlt der Nachwuchs. Plauen im
Vogtland verfügt über mehr Schrebergärten als
Stuttgart, hat aber nur zehn Prozent so viel Einwohner*innen. Und dann sind da noch die Untaten, die manch Kleingärtner begeht. Schnecken-Tot, Unkraut-Ex oder Laubbläser: Die moderne Gartenindustrie hat viele Verlockungen
hervor gebracht, die dem neuen Blühen eben
nicht zuträglich sind, sondern den Boden vergiften, die Artenvielfalt gefährden und das Klima schädigen. Die NATURFREUNDiN hat sich
umgehört und die neuesten Trends zusammengetragen.c
NICK REIMER

Krokusse gehören zur Familie der Schwertliliengewächse.
SEITE 4

NATURFREUNDiN 1-2019

TITEL

PFLANZENCHEMIE

Pflanzenschutz
ohne Pestizide
Überblick: Dies sind gute Alternativen
bGärtner*innen spritzen jedes Jahr 500
Tonnen Pestizide auf ihre Beete. Wenn sie
denn wüssten, was sie tun! Viele Spritzmittel
schädigen nicht nur die Natur, sondern sind
auch äußerst bedenklich für unsere Gesundheit. Fälschlicherweise als „Pflanzenschutzmittel“ bezeichnet, enthalten viele dieser Mittel
das Monsanto-Pestizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat. Reste dieses Stoffs gelangen ins
Grund- und damit potenziell ins Trinkwasser –
und so auch in Gurken, Tomaten und Co., oder
anders gesagt: auf des Gärtners Tisch.
Im Beipackzettel eines solchen Mittels heißt
es bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen: Nach Kontakt
„Betroffene an die frische Luft bringen“. Weil Glyphosat als krebserregend gilt, sind solche Mittel
in Frankreich beispielsweise verboten.
Dabei gibt es gute Alternativen zum Spritzmittel: Pflanzenjauchen und -brühen beispielsweise
sind schnell wirksam und natürlich, sie stärken
die Abwehrkräfte der Pflanzen gegen Insekten,
Pilze und andere Organismen. Kartoffeln (Brühe
aus den Schalen) helfen genauso zur Abwehr von
Blattläusen wie Brennnesseln (Brühe aus ganzen
Pflanzen) und Zwiebeln (Tee aus den Schalen).
Mechanischen Schutz vor unliebsamem Insektenfraß kann man im Gemüsebeet etwa
durch feine Netze oder Vliese erreichen, Schneckenzäune halten die hungrigen Weichtiere fern.
Kohlpflanzen sind mit am Stängel angebrachten
„Kohlkragen“ gegen die Eiablage der Kohlfliegen
schützbar.
Bodenabdecker wie Rindenmulch oder Stroh
helfen, dass Unkräuter, die sich hauptsächlich
über Samen vermehren, aus dem Beet ferngehalten werden. Man kann auch Bodenabdecker
bewusst anpflanzen, Wildblumenmischungen
zum Beispiel, Vergissmeinnicht oder Kriechenden Günsel.
Werden Sie sich der „Nützlinge“ bewusst! In
Gärten mit naturnahen Elementen wie Hecken,
Totholzstapeln, einer ungemähten Wiese, Tümpeln oder Steinhaufen fühlen sich Spinnen, Eidechsen, Frösche, Mäuse, Amseln und Co. wohl.
Das sind ideale Verbündete im Kampf gegen
Schädlinge.
Allerdings: Die gängigste Alternative zu den
Pestiziden ist die Handarbeit: jäten, hacken, Boden auflockern!c
NICK REIMER
1-2019 NATURFREUNDiN

Sommerflieder stammt aus der Familie der Braunwurzgewächse.

BAUANLEITUNG

Vorsicht Blühgefahr!
„Samenbomben“ sind ideal zur Aneignung des öffentlichen Raums
bMan nehme etwas Ton, ein wenig Mutterboden und Pflanzensamen. Dann knete man das
Ganze mit etwas Wasser zusammen und forme
kleine Kugeln. Fertig sind die „Samenbomben“.
Zugegeben, der Begriff klingt etwas martialisch, dabei bezeichnet er nur praktische kleine Werkzeuge, mit denen Brachen, Grünflächen
und verlassene Orte floral belebt werden können. Denn dahin werden die Samenbomben geworfen, meist mehr oder weniger im Vorbeigehen. Den Rest erledigt die Natur.
Allerdings: Stellt jede Samenbombe tatsächlich eine ökologische Bereicherung dar? Leider
ist gut gemeint nicht immer auch gut gemacht.
Denn gerade scheinbar ungenutzte Brachen bieten seltenen tierischen und pflanzlichen Bewohner*innen häufig gute Rückzugsräume. Dann
entwickeln sich Kleinstökosysteme, in die nicht
jeder Samen hineinpasst oder gar eine Bereicherung darstellt. Deshalb gibt die NATURFREUNDiN hier Tipps für den nachhaltigen Einsatz von
Samenbomben.
Saatgut Nutze regional produziertes, samenfestes Saatgut, am besten aus biologischem Anbau. Bevorzuge einjährige Gräser und Kräuter,
die in deiner Region bereits wild lebend vorkommen. Kaufe keine fertigen Samenbomben:

Selbst Basteln macht mehr Spaß und zugleich
weißt du, welche Pflanzen du verbreitest.
Standort In Naturschutzflächen, auf gepflegten Beeten oder in Gärten haben Samenbomben
nichts zu suchen.
Menge Nicht die Masse macht es, sondern
die Qualität: Gerade abgelegene Orte können
dank der kompakten Pflanzkugeln als Lebensraum geöffnet werden.
Zusammensetzung (Beispiel für sechs Samenbomben): Nimm fünf Esslöffel Tonerde und
sechs Esslöffel Blumenerde (torffrei) und einen Teelöffel Samen und Wasser, damit die Mischung zusammenklebt. Statt künstlichen Düngers nutze eine Prise Kaffeesatz. Die Masse zum
Ball formen und trocknen lassen.
Darf man das eigentlich? Auf fremden Flächen ganz klar: Nein! Das ungewollte Ausbringen von Samen auf Flächen, ob privat oder öffentlich, ist eine Sachbeschädigung. In der Praxis
wird beim verantwortungsbewussten Umgang
mit den Samenkugeln allerdings oft ein Auge
zugedrückt. Einige Städte bieten als Alternative
zum wilden Ausbringen von Samen auch Patenschaften für Bäume oder die Nutzung von grünen Inseln in der Stadt an. Eine Nachfrage in der
Kommune kann sich lohnen. c MARTIN KÜRTH
SEITE 5

TITEL

Die Sonnenblume entstammt der Familie der Korbblütler.

HOCHBEET

Mit Terra Preta
in die Höhe gärtnern
Eine Wundererde steigert den Ertrag und mindert die Erderwärmung
bHochbeete haben enorme Vorteile: Weil
Sonne und Luft das Beet auch von den Seiten erwärmen, kann früher mit der Aussaat begonnen
und länger geerntet werden. Die Erträge sind
auf einem Hochbeet oft doppelt so groß wie
bei einem normalen Gartenbeet, was am tiefgründigen, nährstoffreichen Boden liegt. Weder
Staunässe noch verdichtetes Erdreich behindern
das Wachstum, das Arbeiten in Hüfthöhe ist bequem und erspart einen krummen Rücken.
Gute Gründe also für ein Hochbeet. Und
dann kommt noch Terra Preta dazu. Das ist eine Wundererde, die Pflanzen schneller wachsen lässt, die Erträge nochmals deutlich steigert und die Erderwärmung mindert. Denn Terra-Preta-Erde bindet Kohlendioxid stärker als
andere Böden.
Der Begriff „Terra Preta“ stammt aus dem Portugiesischen, übersetzt heißt er „schwarze Erde“, ein im Amazonasbecken gefundenes Boden-Phänomen, das aus einer Mischung von
Holzkohle, Stroh, Viehmist und Kompost besteht. Eine Errungenschaft der Inkas: In den
1990er-Jahren untersuchten Forscher die bis zu
7.000 Jahre alten und etwa zwei Meter dicken
Schwarzerde-Schichten. In Brasilien wuchsen
auf Terra-Preta-Versuchsböden Bananenstauden
bis zu fünf Meter pro Jahr, in Rheinland-Pfalz
wurden Rote-Bete-Köpfe so groß wie Handbälle.
SEITE 6

Entscheidend ist die Holzkohle: Offenbar
schmissen die Indios ihre Siedlungsabfälle genauso auf den Kompost wie ihre Exkremente und die Rückstände ihrer Feuer. Die poröse
Holzkohle sorgte für bessere Organik, besseres Bodenleben; sie bot Mikroorganismen viel
Platz, effektiv Kohlen- und Nährstoff in die Erde einzuweben. Die Inkas kultivierten das, sie
sammelten die Terra Preta in Tonkrügen, weshalb sich bei den Ausgrabungen in den Bodenschichten auch Tonscherben fanden. Leider ging
das Wissen um die Produktivität dieser Erde mit
der Ausrottung der Ureinwohner durch die Spanier verloren.
Im Jahr 2005 wurde die Herstellung experimentell wiederentdeckt. Der Aufwand ist gering,
besonders, wenn ein Hochbeet dafür benutzt
wird: Vier Pfosten werden mit Brettern so verschalt, dass ein rechteckiger Rahmen entsteht,
der bis zur Hüfte reicht.
Im Frühjahr steht das Verschneiden der Hecken und Obstbäume an, die Äste kommen quasi als Grund in den Hochbeet-Rahmen. Dann
wird eine Ladung Holzkohle darauf gestreut. Wer
in besonders trockenen Regionen Deutschlands
wohnt, kann einige Gefäße auf dem Grund des
künftigen Hochbeetes verteilen, die als Wasserspeicher für jene Zeit dienen, in der dem Beet
die Aufmerksamkeit fehlt.

Für die Klimabilanz ist es wichtig, dass es
sich um einheimische Holzkohle handelt mit
dem Siegel des Bio-Verbands. Wenn im Mai zum
ersten Mal der Rasen gemäht werden muss: Auf
das Geäst/Holzkohlegemisch im Hochbeet drauf
geben! Auch gejätetes Unkraut und Küchenabfälle sind unerlässlich: Es kommt darauf an, den
Kompost so divers wie möglich anzuhäufeln.
Jetzt Pferdeäpfel, Kuhdung oder Mist aus dem
Stall drauf geben. Wer keinen Zugang zu derartiger Substanz besitzt, kann auch den eigenen Urin verwenden: Gärtner*innen kennen keine Abfälle, alles nutzt der neuen Saat.
Über die Schicht wieder Holzkohle streuen, hilfreich kann auch der Rest vom Lagerfeuer oder – wer hat – der Kaltbrand aus dem Ofen
sein. Als optimal gilt ein Mischungsverhältnis
von 20 Prozent Holzkohle zu 80 Prozent Biomasse – Gartenabfälle, Küchenreste, Kompost, Astverschnitt oder Stallexkremente.
Normalerweise füllt sich das Hochbeet gen
Herbst zu zwei Dritteln mit der beschriebenen
Mischung (immer wieder Holzkohle-Schichten einfügen), jetzt ist die Grundlage für den
Wachstums-/Blühweltmeister gelegt: Die Holzkohle führt dazu, dass im „hochgelegten“ Kompost ein intensives Werk der Mikroorganismen
für Stoffumwandlung und Temperatur sorgt.
Durch den Abbauprozess wird Energie freigesetzt, bis zu 50 Grad kann der Unterbau des
Hochbeets warm werden – und damit die künftige Saat befeuern.
Leider kann ein solches Terra-Preta-Hochbeet
erst im zweiten Jahr bepflanzt werden: Der Unterbau ist notwendig, um die Produktivität zu erzielen. Auf den „Komposthaufen im Rechteck“
kommt jetzt noch eine Schicht Gartenerde und
die Saat. Wenn dann Juni 2020 wird, staunen
Sie das erste Mal!c
NICK REIMER
NATURFREUNDiN 1-2019

TITEL

BUCHTIPP

Miteinander Blühen
Altes Wissen neu entdeckt: die Franck‘sche Mischkultur-Methode
eNATURFREUNDiN: Sie haben das Buch „Gesunder Garten durch Mischkultur“ neu aufgelegt. Die Autorin gilt als Bio-Pionierin. Warum?
Brunhilde Bross-Burkhardt: Gertrud Franck begann in den 1940er-Jahre mit Mischkulturversuchen. Sie musste einen großen Gutshaushalt
mit mehr als 20 Personen versorgen. Dabei ging
sie wie eine Wissenschaftlerin vor, besorgte sich
Fachbücher, lud Experten ein, entwickelte ihr eigenes System. In den 50er- und 60er-Jahren veröffentlichte sie ihre Erfahrungen in Zeitschriften.
Daraus wurde 1980 das Buch.
eDie Erkenntnisse sind wissenschaftlich?
Ihre Mischkulturmethode fand Eingang in Lehrpläne von landwirtschaftlichen Fachschulen.
Mich packte sie als junge Landwirtschaftsstudentin 1976.
eMein Großvater pflanzte Studentenblumen
zwischen Tomaten, um Schädlinge zu vertreiben. Ist das schon Mischkultur?
Das ist ein Anfang. Generell ist ein Zusammenpflanzen von Nutz- und Zierpflanzen immer
gut. Zu Tomaten passt Petersilie oder Sellerie,

weil diese eine gewisse Abwehrwirkung gegen
die gefürchtete Kraut- und Braunfäule haben.
Die Mischkultur setzt auf die phytoprotektive
Wirkung einer Pflanze auf andere. Bekannt ist
das Paar Möhren/Zwiebeln, bei dem Ausscheidungen der einen Gemüseart der anderen die
Möhrenfliege beziehungsweise die Zwiebelfliege vom Leib halten kann. Solche Wechselbeziehungen zwischen Kulturpflanzen werden in der
Mischkultur ausgenutzt.
eIn deutschen Gärten werden jährlich 5.000
Tonnen Pestizide eingesetzt. Die Mischkultur
kommt ohne Gift aus. Wie funktioniert das?
Es ist nicht nur das gezielte Nebeneinander und
Nacheinander von Gemüsekulturen. Wichtiger
ist die Bodenpflege, das Schaffen eines fruchtbaren, gut zu bearbeitenden Bodens durch Gründüngung, Mulchen und Flächenkompostierung.
Franck setzte zusätzlich auf Kräuter. Das Würzkraut Dill beispielsweise säte sie in die Möhren- und Gurkenreihen, wohl wissend um die
Lockwirkung der Blüten auf Schwebfliegen, die
Blattläuse vertilgen. Und sie nutzte Kräutertees

als Pflanzenpflegemittel. Düngende Jauchen aus
Brennnesseln und Comfrey gehörten mit dazu.
eEignet sich Mischkultur auch für den Schrebergarten?
Franck machte ihre Versuche auf einem großem
Gartengelände. Ihre Methode der Reihenmischkultur ohne Zwischenwege lässt sich aber auch
auf kleineren Gartenflächen umsetzen, gerade
auch in Schrebergärten, wo auf einer möglichst
großen Teilfläche Gemüse angebaut werden soll.
eWas muss ich beachten, wenn ich meinen
Garten auf Mischkultur umstellen möchte?
Bevor man loslegt, sollte man sich einen Plan
machen, am besten maßstabsgetreu auf kariertem Papier, und die Gemüsereihen nach Gemüseart einzeichnen. Nach diesem Plan rücken die
Gemüsereihen von Jahr zu Jahr weiter. So ist die
nötige Fruchtfolge eingehalten. Weite Reihenabstände sind wichtig: mindestens 40 Zentimeter
von Gemüse zu Gemüse, besser 50 Zentimeter.
Zwischen den Reihen wird Spinat gepflanzt, der
nicht zum Essen bestimmt ist, sondern als Gründüngung: Noch bevor er schießt, wird der Spinat abgehackt und bleibt dann als Mulchdecke
liegen – das Markenzeichen der Franck‘schen
Mischkulturmethode.cINTERVIEW MARION ANDERT
Gertrud Franck, Brunhilde
Bross-Burkhardt: Gesunder Garten durch Mischkultur – Gemüse ∙ Blumen ∙ Kräuter ∙ Obst;
176 Seiten, Fotos, Gartenpläne;
­oekom verlag, München, aktualisierte Neuauflage, 2019; ISBN:
9783962381011; 24 Euro.

BLÜHTIPP

Die Frage nach
dem Köpfchen
Wie umgehen mit welken Blüten
bWer verwelkte Blütenköpfe von Sommerblumen entfernt, sorgt dafür, dass diese Pflanzen länger blühen. Sie stecken ihre Energie dann
nämlich nicht in die Bildung von Samen, sondern versuchen, schnell den Nachwuchs zu sichern – in Form von neuen Blüten, die Samen
ansetzen. Eine gleichzeitige Nachdüngung unterstützt diesen Prozess zusätzlich.
Frühblüher – also die Zwiebelblumen – sollten allerdings erst im Mai verschnitten werden.
So haben die Zwiebeln lange genug Zeit, um
sich aus den Blättern, Blüten und Stielen ausreichend Nährstoffe für eine ausgiebige Blüte im
nächsten Jahr zu holen. c
NICK REIMER
1-2019 NATURFREUNDiN

Die Klatschrose gehört zur Familie der Mohngewächse.
SEITE 7

TITEL

BÜNDNISSE

AUSSTELLUNG

Für mehr
Blühwiesen

Ein Garten für
zwei Millionen Besucher

Erfolgreiches Volksbegehren Artenvielfalt

Warum die NaturFreunde auf der Bundesgartenschau in Heilbronn präsent sind

bJeder Mensch kann das neue Blühen privat
fördern – im Garten, auf dem Balkon oder auch
mit Seedbombs auf Brachen. Aber reicht das, um
der Natur wieder mehr Raum zu verschaffen?
Die NaturFreunde Bayern haben sich zum Beispiel für das „Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern“ eingesetzt, mit dem das bayerische Naturschutzgesetz
verbessert werden soll. Kurz gesagt will das Volksbegehren – es lief bis Mitte Februar – mehr Ökologie statt Chemie in der Landwirtschaft – und auch
mehr Blühwiesen: Mindestens zehn Prozent der
bayerischen Naturflächen sollen in Blühwiesen
umgewandelt werden.
Das wäre schon ein ganz großes Ding! Die
Hürden eines Volksbegehrens allerdings sind es
auch: fast eine Million Unterschriften in zwei Wochen, danach nochmals ein Volksentscheid. „Eine Mammutaufgabe“, berichtet Christine Eben
vom NaturFreunde-Landesvorstand. „Wir haben
online geworben, alle NaturFreunde-Bezirks- und
Ortsgruppenvorsitzende*n angeschrieben, Plakate aufgestellt, Benachrichtigungskarten in Briefkästen geworfen und Rathauslots*innen gestellt,
die andere Bürger*innen zur Unterschrift motivierten.“ Das Engagement hat sich gelohnt: Die
erforderlichen Unterschriften kamen zusammen.
Nur ein Beispiel, das zeigt, wie politisch Blühen sein kann: In Pinneberg bei Hamburg riefen die NaturFreunde im vergangenen Jahr ein
„Bündnis für Natur in Dorf und Stadt“ ins Leben.
Das brachte Naturschutzverbände, Verwaltungen,
Privatleute, Firmen und die Politik zusammen,
um strukturiert naturnahe Lebensräume zu fördern. Mehrere Kommunen konnten bereits dazu
bewegt werden, Blühwiesen anzulegen.
„Wer nichts tut, kann nichts erreichen“, sagt
Kurt Schindler von den NaturFreunden Pinneberg.
Das stimmt, im Garten wie in der Politik.c

SAMUEL LEHMBERG

eNATURFREUNDiN: Alexander, du bist Projektleiter des „Gartens der Umweltverbände“ auf
der Bundesgartenschau in Heilbronn. Wie
können wir uns den Garten vorstellen?
Alexander Habermeier: Gemeinsam mit NABU
und BUND gestalten wir eine 500 Quadratmeter große Fläche. Dort lernen BUGA-Besucher*innen, wie sie ihren Garten zu Hause naturnah gestalten können.
eZum Beispiel?
Wir werden spezielle Insekten-, Fledermausund Vogelgärten haben, auch ein Demeter-Bienenvolk. Als Kontrast dann einen Schottergarten.
eWas bitte ist denn ein Schottergarten?
Tatsächlich werden immer mehr Gärten großflächig mit Schottersteinen bedeckt, oft gibt es dann
überhaupt kein Grün mehr. Das heiße und trockene Mikroklima in diesen „Gärten des Grauens“ halten aber nur ganz wenige Tierarten aus.
eWie sollten Gärten gestaltet sein, damit sie
die Artenvielfalt fördern?
Nehmen wir einmal den vogelfreundlichen Garten: Die Früchte der Schlehe, des Schwarzen Holunders oder der Kornelkirsche schmecken heimischen Vögeln wie Star, Kleiber und Amsel einfach am besten. Und sie bieten Rückzugsräume:
Im Dickicht des Weißdorns fühlen sich mehr als
30 Vogelarten wohl.
eWas macht einen fledermausfreundlichen
Garten aus?
Da muss man vielleicht zuerst wissen, dass in
Deutschland viele Fledermaus-Arten vom Aussterben bedroht sind. Und dass sich Fledermäuse fast ausschließlich von Insekten ernähren. Wer ihnen im eigenen Garten helfen
möchte, pflanzt nachtblühende, nektarreiche
Blütenpflanzen, die Nachtfalter anlocken – eine
der wichtigsten Nahrungsquellen für Fledermäuse. Passend sind hier Nachtkerze, Gewöhnliches
Leimkraut, Seifenkraut und die Wegwarte.
Überhaupt: Wir sollten im Garten viel mehr
Wildblumen zulassen, die helfen nämlich vielen Tieren. Ein Muss ist dabei der Verzicht auf
jegliche Gifte. Fledermäuse brauchen zudem
Wohnraum, zum Beispiel Höhlen in alten Bäumen oder alte Keller. Künstliche Quartiere tun es
auch, die kann man selbst bauen und wir werden Kurse anbieten.

TTwww.volksbegehren-artenvielfalt.de

SEITE 8

eIhr habt auch eine Umweltwerkstatt in eurem Garten. Was wird dort angeboten?
Diese Werkstatt ist das eigentliche Herzstück des
ganzen Projektes. Wir haben eine Holzpergola
mit Solardach und zwei Pavillons, in denen die
unterschiedlichsten Workshops angeboten werden. Zum Beispiel: Wie finden sich Fledermäuse im Dunkeln zurecht? Aber auch: Wie funktioniert die Solaranlage auf dem Dach? Unser Garten ist Teil des „Bunten Klassenzimmers“ der
BUGA. Schulklassen oder Kindergartengruppen
können bei uns zum Beispiel Pflanzen und Tiere bestimmen, Vogelhäuser bauen und viel über
die Artenvielfalt lernen. Es haben sich schon
mehr als 70 Gruppen angemeldet.
eDu planst ein NaturFreunde-Umwelttreffen
zur Zukunft des Gärtnerns auf der BUGA?
Ja, am zweiten Maiwochenende werden sich
Umweltreferent*innen auf der BUGA treffen,
um sich über die Zukunft des Gärtnerns auszutauschen. Ein Thema wird das Urban Gardening sein, also das moderne Gärtnern in der
Stadt. Überhaupt haben wir Ortsgruppen und
Naturfreundehäuser eingeladen, die 173 Tage
der BUGA an unserem Stand mitzugestalten
und Vorträge zu halten oder Mitmach-Angebote zu organisieren. Immerhin werden rund zwei
Millionen Besucher erwartet.c

INTERVIEW SAMUEL LEHMBERG

TT17.4.–6.10.2019 ∙ Bundesgartenschau in Heilbronn:
www.buga2019.de ∙ „Garten der Umweltverbände“: Garten 46 im Areal „Die neuen Ufer“

TT10.–12.5.2019 ∙ Die Zukunft des Gärtnerns Offenes
Umweltreffen der NaturFreunde in Baden & Württemberg
auf dem BUGA-Gelände ∙ Auskunft & Anmeldung NaturFreunde Württemberg ∙ Alexander Habermeier ∙ (0711) 42
07 03 -89 ∙ umwelt@naturfreunde-wuerttemberg.de

Alexander ­Habermeier
(53) ist Projektleiter des
Gartens der Umweltverbände auf der BUGA 2019
und Umweltreferent der
NaturFreunde in Baden
und Württemberg.
alexander.­habermeier@
naturfreunde-­
wuerttemberg.de

NATURFREUNDiN 1-2019

TITEL

SERVICE

AUFRUF

Naturfreundehäuser
um Heilbronn

Was blüht
denn da?

Sechs sozialökologische Übernachtungsmöglichkeiten zur Bundesgartenschau

Gute Gartentipps gesucht

bDie NaturFreunde sind Deutschlands ältester Umwelt- und Touristik-Verband. Mit ihren
400 Naturfreundehäusern in Deutschland – rund
700 sind es weltweit – bieten NaturFreunde
preisgünstige und meist sehr naturnah gelegene Übernachtungsmöglichkeiten für Einzelgäste und Gruppen. Die Vereinsheime stehen allen
Menschen offen, Mitglieder erhalten Rabatte –
und gerne auch eine soziale Heimat.
Einen Mitgliedsantrag finden Sie auf der
Seite 32 und hier sechs Naturfreundehäuser
im Umkreis von bis zu 25 Kilometern um Heilbronn, dem Standort der diesjährigen Bundesgartenschau. Viele Naturfreundehäuser haben
übrigens sehr schöne und naturnahe Gärten.c

SAMUEL LEHMBERG

b„Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch,

TTNaturfreundehaus Nordheim (M 73) in 74226 Nordheim ∙ 7 km zur BUGA ∙ Selbstversorger · 22 Schlafplätze
in 4 Zimmern ∙ direkt am Freibad
www.M73.naturfreundehaus.de

TTNaturfreundehaus Botenheimer Heide (M 6)

in
74389 Cleebronn ∙ 16 km zur BUGA ∙ Selbstversorger
44 Schlafplätze in 9 Zimmern & 2 Lagern ∙ 1 km zum Erlebnispark Tripsdrill ∙ www.m6.naturfreundehaus.de

TTNaturfreundehaus Neckarmühlbach (M 7) in 74855
Haßmersheim-Neckarmühlbach ∙ 17 km zur BUGA
­Selbstversorger ∙ 24 Schlafplätze in 5 Zimmern ∙ nur für
Gruppen buchbar ∙ www.M7.naturfreundehaus.de

TTNaturfreundehaus Hirschberg (M 5) in 74321 Bietigheim-Bissingen ∙ 19 km zur BUGA ∙ Selbstversorger
15 Schlafplätze in 6 Zimmern ∙ oberhalb des Enztales
www.M5.naturfreundehaus.de

TTNaturfreundehaus Steinknickle (M 11) in 71543 Wüstenrot-Neuhütten ∙ 19 km zur BUGA ∙ vollbewirtschaftet
81 Schlafplätze in 4 Zimmern & 3 Lagern ∙ am Steinknickle-Aussichtsturm ∙ www.M11.naturfreundehaus.de

TTNaturfreundehaus Schießhof (M 8) in 74639 Zweiflingen-Schießhof ∙ 25 km zur BUGA ∙ Selbstversorger
34 Schlafplätze in 6 Zimmern & 1 Lager ∙ am obergermanischen Limes ∙ www.M8.naturfreundehaus.de

TTMehr Naturfreundehäuser auf

man gehört einem Ganzen an.“ Dieser Satz
kommt doppelt gelegen. Erstens, weil er vom
Schriftsteller Theodor Fontane stammt, der vor
200 Jahren in Neuruppin geboren wurde (Brandenburg feiert 2019 das Fontane-Jahr). Zweitens,
weil er unsere Bitte illustriert: Schicken Sie uns Ihre Beobachtungen zum „neuen Blühen“, Ihre Gartentipps, Ihre Fotos von der neuen Blühwelt! Denn
die von uns in diesem Titelthema vorgestellten
Ratschläge sind nur ein Tropfen im See.
Um das mit einem anderen Zitat von Arthur
Schopenhauer zu belegen: „Der Mensch für sich
allein vermag gar wenig und ist ein verlassener
Robinson: Nur in der Gemeinschaft mit den andern ist und vermag er viel.“
Die Juniausgabe der NATURFREUNDiN veröffentlicht die besten Hinweise. Senden Sie Ihre
bitte an: bluehen@naturfreunde.dec

NICK REIMER

TTFontane-Jahr www.fontane-200.de

www.naturfreundehaus.de

Auch die Margeriten zählen zur Familie der Korbblütler.
1-2019 NATURFREUNDiN

SEITE 9

THEMA

RESSOURCENSCHUTZ

Zu wenig Sand am Meer
Weltweit ist die Nachfrage mittlerweile größer als die abbaubaren Vorkommen
bEin grauer Tag Anfang Februar am Weserdeich in Bremen: Der Blick schweift hinüber
zum anderen Ufer. In wenigen Wochen öffnet
dort wieder das „Café Sand“. Erinnerungen an
letztes Jahr werden wach: Ein Cappuccino auf
der Terrasse, die Kinder schaufeln am Strand
den goldglänzenden Sand in ihre Eimerchen.
Kaum jemand weiß, dass das, was dort
durch die Finger rieselt, ein begehrter Rohstoff
ist. Eine „knappe Ressource“, deren Bedeutung
in Zukunft zunehmen wird. Wir haben uns zwar
daran gewöhnt, dass uns in absehbarer Zeit das
Erdöl ausgehen wird und Wasser in vielen trockenen Regionen der Welt ein extrem knappes
Lebensmittel ist. Doch Sand? Den gibt es doch
„wie Sand am Meer“, also im Überfluss?

Vor allem aber wird Sand verbaut. Eine
Schippe Zement plus drei Schippen Sand, vermischt mit Wasser, ergibt Beton: Ohne Sand wäre modernes Bauen undenkbar. Mehr als 60 Prozent des weltweiten Gebäudebestands bestehen
heute aus Beton. Im Jahr 2014 schlussfolgerte
ein Report des UN-Umweltprogramms: „Sand ist
knapper, als man denkt. Wir schätzen den derzeitigen Verbrauch auf 50 Milliarden Tonnen pro
Jahr – das sind 18 Kilogramm täglich für jeden
Einwohner der Erde.“
Doch Sand ist nicht gleich Sand. Sand, wie er
von der Bauindustrie in großen Mengen nachgefragt wird, verlangt nach Korngrößen, wie sie
nur der Sand aus Meeren, Seen und Flüssen aufweist. Demgegenüber ist der reichlich vorhan-

Der globale Bedarf an Sand hat eine Größenordnung erreicht, die durch natürliche Verwitterung nicht mehr gedeckt werden kann. In vielen Regionen führt der Abbau an Sand und Kies
mittlerweile zu massiven Schäden. Leistungsstarke Schwimmbagger holen Tonne um Tonne
vom Meeresgrund. Mit der Konsequenz, dass
Küsten erodieren und Schutzmechanismen, die
eigentlich Stürme und Tsunamis abhalten, außer
Kraft gesetzt werden. Flussbetten sinken ab und
empfindliche Ökosysteme in Ozeanen, Seen und
Flüssen werden zerstört.
Ganze Inseln sind verschwunden
Weil die Sandgewinnung ein lukratives Geschäft
ist, kommt es zudem auch zum illegalen Raubbau. In Indonesien sind aufgrund des massiven
Abbaus ganze Inseln verschwunden. Doch kann
die Nachfrage verringert, die „Ressource Sand“
geschont werden? Gibt es Alternativen?
Die Wiederwendung und -verwertung von bereits genutzten Baumaterialien ist sicherlich eine der wichtigsten und Erfolg versprechendsten Methoden. Auch hier ist eine konsequente Kreislaufwirtschaft einzufordern. Aber auch
der Verzicht auf Beton gehört zu den Lösungs-

Ň„Sand
Ň
ist knapper, als man denkt“, warnt die UNO. Hier ein Abbaugebiet am Meer.
Diese Binsenweisheit stimmt schon lange
nicht mehr. Denn Sand und Kies sind die am
meisten abgebauten Rohstoffe der Welt. Sand
ist ein Star unseres industriellen und elektronischen Zeitalters.
Sand besteht vorwiegend aus Siliziumoxid.
Ohne Silizium gäbe es die Mikroprozessoren
in unseren Elektrogeräten nicht. Aus Sand wird
Glas gemacht. Für Solarzellen und für Smartphones wird Silizium benötigt. Darüber hinaus
steckt Sand, ohne dass wir uns dessen bewusst
sind, in vielen Alltagsprodukten – vom Putzmittel über Kosmetika bis hin zur Zahnpasta.
SEITE 10

dene Wüstensand zur Betonherstellung denkbar
ungeeignet. Seine Körner wurden vom Wind so
glatt und rund geschliffen, dass sie sich kaum
verhaken und nicht genügend haften. Beton
kann so keine ausreichende Bindung erlangen.
Deshalb wird für die ehrgeizigen Megabauprojekte in Dubai oder Abu Dhabi auch kein
Sand aus der umliegenden Wüste genutzt. So
wurde der begehrte Rohstoff zum Bau des derzeit höchsten Gebäudes der Welt – das Burj Khalifa in Dubai – aus dem weit entfernten Australien herangeschafft. Mit fatalen Folgen für Umwelt
und Natur.

möglichkeiten. So entsteht in der norwegischen
Kleinstadt Brumunddal derzeit das weltgrößte
Hochhaus aus Holz. Mit seinen 18 Stockwerken
wird es über 80 Meter hoch.
Das Wichtigste ist aber, sich des Themas
„Sand“ und unserer Abhängigkeit von diesem
bewusst zu machen. Sand gehört auf die Agenda der sozial-ökologischen Transformation, für
deren Umsetzung sich die NaturFreunde starkmachen. Denn auch in Zukunft soll für die Kinder am Weserstrand noch genügend „Rohstoff“
vorhanden sein, den sie in ihre Eimer schaufeln
können.c
JOACHIM NIBBE
NATURFREUNDiN 1-2019

THEMA

PROTOKOLL

Innenansichten aus der Kohlekommission
Was geschah in der finalen Sitzung? Kommissionsmitglied Kai Niebert erinnert sich
b28 Kommissionsmitglieder, vier Vorsitzende, fünf Bundesländer, fünf Ministerien, zehn
Plenarsitzungen, drei Revierfahrten und 21 Stunden Verhandlungsmarathon in der finalen Sitzung: Das etwa ist die Arbeitsbilanz der Kohlekommission, die die Republik ein halbes Jahr
lang in Atem hielt, um ein Konzept für einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung zu liefern. Hier das Protokoll der finalen
Sitzung am Freitag, dem 25. Januar 2019:
07:30 Uhr Aktivisten von Greenpeace und
der IGBCE demonstrieren vor dem Ministerium.
08:00 Uhr Ronald Pofalla eröffnet die Sitzung. Das erste Mal seit Beginn im Sommer 2018
sind alle Mitglieder anwesend. Plus Ministerien

sichtlich haben sie es versäumt, Vattenfall als
ehemaligen Eigentümer der Kraftwerke in der
Lausitz für den Rückbau des Tagebaus haftbar
zu machen.
13:30 Uhr Während sich Arbeitgeber und Gewerkschaften über Nebensätze im Kommissionsbericht streiten, lese ich noch einmal quer und
stelle fest, dass die Vorträge der 66 Experten,
die die Kommission über drei Monate eingeladen hat, KEINEN Einfluss auf den Bericht hatten.
17:00 Uhr Das Plenum ist ab sofort beschäftigungslos. In Kleingruppen werden nun hinter
verschlossenen Türen Kompromisse gesucht.
21:30 Uhr Die Vorsitzenden ziehen sich – unangekündigt – mit Gewerkschaftern, der Energiewirtschaft, dem BDI und zwei Umweltverbands-

02:30 Uhr Die zwei Umweltvertreter argumentieren gegen einen Block aus Gewerkschaften, Energiewirtschaft, Ost-Bundesländern und
Vorsitzenden. Sie ringen für das Sofortprogramm
die Abschaltung von circa einem Drittel der
Kraftwerke ab. Nun wächst die Zustimmung bei
den progressiven Kommissionsmitgliedern.
03:45 Uhr Die Umweltverbände zeigen sich
zäh, bis sich die Verhandlungsgruppe auf den
Kohleausstieg bis spätestens 2038 einigt. Die
Umweltverbände stimmen zähneknirschend zu.
04:30 Uhr Das Plenum bekommt das Vermittlungsergebnis mitgeteilt. Eine Diskussion
findet nicht statt. Stattdessen Erklärungen von
BUND, DNR und Greenpeace, dass sie das Gesamtergebnis mittragen, aber ein Abschlussdatum 2030 für technisch möglich, klimaphysikalisch notwendig und sozial gestaltbar erachten.
04:44 Uhr Abstimmung. 27 Ja-Stimmen, eine Nein: Deutschland steigt aus Atom- und Kohlestrom aus! Höflicher Applaus. Aufbruchstimmung sieht anders aus.c
KAI NIEBERT

TTKai Niebert ist Präsident des Deutschen Naturschutzrings, stellvertretender Bundesvorsitzender der NaturFreunde und Mitglied der NATURFREUNDiN-Redaktion.

INFO

Die Kommission empfiehlt
ŇAbraumbagger
Ň
im Braunkohletagebau: Die Politik muss jetzt die Vorschläge umsetzen.
und Bundesländer – insgesamt rund 140 Menschen. Die Umweltverbände waren übrigens
vollzählig bei jeder einzelnen Sitzung anwesend.
08:30 Uhr Die Arbeitgeberverbände legen 37
Seiten Änderungsanträge vor – zu Punkten, die
schon längst geeint sind. Liegt das daran, dass
ihre Spitzenvertreter kaum anwesend waren?
12:00 Uhr Mittagspause. Gab es bei der ersten Sitzung noch Schlachteplatte – ein Schelm,
der Böses denkt –, ist das Essen danach immer
magerer geworden.
13:00 Uhr Die Gespräche mit den Ost-Ministerpräsidenten lassen Böses ahnen: Offen1-2019 NATURFREUNDiN

vertretern zurück. Zum ersten Mal seit Beginn
der Arbeit wird über das Ausstiegsdatum aus
der Kohleverstromung, das Sofortprogramm für
2020 und den Pfad bis 2030 diskutiert.
23:30 Uhr In der Verhandlungsgruppe wird
es laut: Platzeck und Tillich, die eigentlich moderieren sollen, fühlen sich noch als Ministerpräsidenten, singen ein Loblied auf die Kohle
und wollen nicht vor 2042 abschalten.
00:30 Uhr Die Verhandlungen hängen fest.
Pofalla droht mit Abbruch, da bringen ausgerechnet der Bund der Energiewirtschaft und der
DNR noch einmal Bewegung ins Spiel.

Bis zum Jahr 2022 sollen sieben Gigawatt
fossile Kraftwerksleistung abgeschaltet werden, bis zum Jahr 2030 weitere sechs Gigawatt Braunkohle- sowie sieben Gigawatt
Steinkohlekraft. Dann wären noch Kohlekraftwerke mit 17 Gigawatt Leistung am
Netz, die bis spätestens zum Jahr 2038
schließen müssen. Allerdings soll im Jahr
2032 nochmals überprüft werden, ob das
Ausstiegsdatum auf frühestens 2035 vorgezogen werden kann. Als Entschädigung sollen 40 Milliarden Euro an Strukturhilfen in
die Kohle-Regionen fließen.c NICK REIMER

SEITE 11

THEMA

STANDPUNKT

Demokratie ist wie die Luft zum Atmen
Warum die Bezeichnung „Arbeiterbewegung von rechts“ auf eine falsche Fährte führt

Von
Annelie Buntenbach
b„Das neue Rot der Arbeitnehmer ist blau“,
behauptet die Internetseite von „AidA“ – nach eigenen Angaben die „alternative Interessenvertretung der Arbeitnehmer“. Die AfD will in den
Betrieben Fuß fassen und tut so, als vertrete sie
Beschäftigteninteressen. Mittlerweile gibt es innerhalb der AfD gleich mehrere konkurrierende
„Arbeitnehmerorganisationen“. Im Jahr 2019, so
verkündete es AfD-Funktionär Guido Reil, will
man eine eigene „Gewerkschaft“ gründen und
damit in Konkurrenz zu den DGB-Gewerkschaften treten. Das sind vollmundige Ankündigungen – ich glaube aber nicht, dass es so kommt.
Die Zunahme von Rassismus, klar völkisch-autoritären Haltungen und der Präsenz der
extremen Rechten – ausgedrückt insbesondere
im Aufschwung der AfD – als eine „Arbeiterbewegung von rechts“ zu bezeichnen, kann schnell
auf eine falsche Fährte führen. Denn die Entzündungsherde für diese Entwicklung liegen ja nicht
im Betrieb oder in den Anliegen der Arbeiterbewegung wie etwa Durchsetzung besserer Löhne, Begrenzung der Arbeitszeit, gleicher Lohn für
gleiche Arbeit oder soziale Absicherung.

Das ist definitiv nicht der Antrieb der AfD,
im Gegenteil: Die AfD oszilliert zwischen national-völkischen, rassistischen und neoliberalen Ansätzen. Nicht umsonst liegen völlig unterschiedliche Rentenkonzepte in der Partei auf
dem Tisch, nicht umsonst tut man sich mit einer
Positionierung in der Sozialpolitik schwer.
Dennoch nehmen der DGB und die Einzelgewerkschaften solche Vereinnahmungsversuche ernst. In den Betrieben arbeiten Menschen
unterschiedlicher Herkunft, Kultur oder Religion
zusammen. Unsere Betriebsräte, viele selbst mit
Migrationshintergrund, setzen sich solidarisch
für alle Beschäftigten ein. Wir werden im Betrieb
nicht denen das Feld überlassen, die auf eine
Spaltung der Belegschaft aus sind.
Sozialdarwinismus, Vorstellungen von „natürlicher Ungleichheit“ oder die Unterordnung
in einem Führer-Gefolgschafts-Korsett lassen
sich nicht mit Menschenrechten und Demokratie
vereinbaren. Und beides ist für Gewerkschaften
so existenziell wie die Luft zum Atmen. Deshalb
setzen wir auf klare, unmissverständliche Abgrenzung gegenüber denjenigen, die in der AfD
oder an anderer Stelle solche Spaltung, Ethnisierung und Ausgrenzung organisieren. Gleichzeitig versuchen wir diejenigen für die Demokratie
(zurück) zu gewinnen, die sich politikverdrossen
zurückgezogen haben oder die der Anziehung
der AfD erlegen sind.

Als Gewerkschaften haben wir die dauerhafte Aufgabe, die Auseinandersetzung mit extrem rechten und rassistischen Haltungen zu befördern, auch in unseren eigenen Reihen. Dabei
kämpfen wir jeden Tag um die Köpfe und Herzen der Arbeitnehmer*innen. Denn unsere gewerkschaftlichen Grundwerte stehen dem, was
die AfD will, diametral entgegen: Gewerkschaften sind die Organisationen, in denen sich Arbeitnehmer*innen zusammenschließen, um zu
verhindern, dass sie gegeneinander ausgespielt
werden. Die Spaltung in Arbeitnehmerschaft und
Gesellschaft oder gar die Ausgrenzung verschiedener Gruppen, ist nicht nur menschlich widerwärtig und unsolidarisch, sondern läuft auch dem gewerkschaftlichen Organisationsziel zuwider.
Um Rechtsextremismus erfolgreich zu bekämpfen, brauchen wir mehrere Ansätze: Erstens
müssen wir den Aktionsradius für extreme Rechte beschränken. Es darf nicht sein, dass Städte
zum Daueraufmarschgebiet und Andersdenkende und Andersaussehende eingeschüchtert werden. Wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft
auf der Straße und einen handlungsfähigen
Staat, wenn es um Verbote von Gruppen, Parteien, Vereinen geht oder von Hasspropaganda.
Daher müssen zweitens die demokratischen
Kräfte unterstützt werden, die sich in der Auseinandersetzung mit der extremen Rechten engagieren. Das betrifft unsere eigenen gewerkschaftlichen Multiplikator*innen wie auch andere Akteure der demokratischen Zivilgesellschaft. Wir
müssen sie schützen und ihnen Mut machen.
Und drittens müssen wir unsere eigenen Themen setzen und offensiv in den Betrieb, auf die
Straße und in die Parlamente bringen.c


TTAnnelie Buntenbach ist im DGB-Bundesvorstand

auch zuständig für den Kampf gegen Rechtsextremismus.
Vorher saß sie für die Bündnisgrünen im Bundestag.

KAMPAGNE

Stark gegen Rassismus
Vom 8. bis 24. März machen sich NaturFreund*innen bei den „Aktionstagen gegen
Rassismus“ für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt stark – unter anderem
mit Demonstrationen, Workshops, Vorträgen oder Stammtischkämpfer*innen-Ausbildungen in Naturfreundehäusern. Online findest du alle Veranstaltungen sowie Aktionsideen und -materialien. c JANA PITTELKOW

TTwww.naturfreunde.de/aktionstage-rassismus
ŇGraffiti
Ň
in Berlin: Der erste Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis ist es, das Ziel zu formulieren.
SEITE 12

NATURFREUNDiN 1-2019

THEMA

INTERVIEW

Lernen, mit dem Wolf zu leben
Stefan Rathgeber arbeitet als Wolfsbetreuer. Deren Aufgabe ist auch die Beratung von Tierhaltern
eNATURFREUNDiN: Herr Rathgeber, Sie sind
Wolfsbetreuer. Was machen Sie genau?
Stefan Rathgeber: Zu meinen Aufgaben zählt
die Spurensuche von Wölfen, ich protokolliere
Wolfsmeldungen und Spurenfunde. Außerdem
nimmt die Beratung und Information von Bürger*innen einen breiten Raum ein, zum Beispiel
im Rahmen von Infoständen.
eWie wird man Wolfsbetreuer*in?
Eingeführt wurde dieses Ehrenamt im Rahmen
der Gründung des Wolfsmanagements. Verschiedene Verbände haben dem schleswig-holsteinischen Landesamt für Umwelt und Landwirtschaft geeignete Leute vorgeschlagen, manche
haben sich auch freiwillig gemeldet. In Schleswig-Holstein gibt es derzeit 71 ausgebildete ehrenamtliche Wolfsbetreuer*innen.
eWie viele Wölfe leben in Schleswig-Holstein?

Der Verwaltungsangestellte ­Stefan ­Rathgeber (41)
ist seit dem Jahr 2012 ehrenamtlicher Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein.

Aktuell treten zwei verschiedene Wölfe regelmäßig in Erscheinung und gelten mit mehr als
sechsmonatiger Aufenthaltsdauer als resident.
Von weiteren ein bis zwei umherwandernden
Wölfen ist zudem auszugehen.
eSind Sie eigentlich selbst schon einmal
einem Wolf direkt begegnet?
Ja, bei einem Ausflug nach Mecklenburg-Vorpommern im Mai 2015. Damals bin ich auf einen Wolf gestoßen. Meine Freude war riesig und
ein Belegfoto konnte ich zumindest auch noch
aufnehmen. Der Wolfsrüde transportierte gerade
eine Rehkeule im Maul.
eKönnen Wölfe Menschen gefährlich werden?
Biologisch gesehen: ja. In der Realität meiden
die Wölfe aber den Menschen, weil der sich
ganz anders verhält als seine Beutetiere. Wölfe
nehmen den Menschen eher als Bedrohung für
sich war und meiden daher den Kontakt – was
in unserer Landschaft natürlich nicht vollständig zu verhindern ist. Nachgewiesene und dokumentierte Wolfsübergriffe hat es in Deutschland
vor allem dank der Ausrottung der Tollwut seit
über 100 Jahren nicht gegeben.
eZuletzt häuften sich Meldungen, nach denen
Wölfe Nutztiere rissen. Sind Wölfe eine Gefahr
für die Tierhaltung?
Es ist nie gut, wenn Haustiere leiden oder sterben müssen, ob nun durch andere Ursachen oder
eben durch Wölfe. Wir können den Tierhaltern

helfen, ihre Herden gegen Angriffe zu schützen.
Immer mehr Schafhalter nehmen das Angebot
des Umweltministeriums an und schützen sich
mit dem zur Verfügung gestelltem Zaunmaterial
gegen die bisher wenigen Wölfe. Sollte es doch
mal zu Schäden kommen, helfen wir den Landwirten, die Entschädigungen zu bekommen.
eSoll der Abschuss von Wölfen in Deutschland zum Schutz von Nutztieren erleichtert
werden?
Ein eindeutiges Nein! Wir müssen lernen, mit
dem Wolf umzugehen und dafür sollte vielmehr
der Anpassungsprozess der Tierhalter großzügig
unterstützt werden. Diejenigen Wölfe, die wiederholt sichere Umzäunungen überwinden, große Schäden in Tierherden anrichten oder sich
aggressiv gegenüber Menschen verhalten, können bereits heute mithilfe einer Ausnahmegenehmigung geschossen werden. Dafür braucht
es keine Gesetzesänderung, das ist schon angewendete Praxis.
eWas sollten Tierhalter tun, um zum Beispiel
ihre Schafherden vor Wölfen zu schützen?
Einen wolfssicheren Zaun aufstellen! Der sollte am
besten 1,20 Meter hoch und Strom führend sein.
Wer in Risikogebieten Tiere hält, sollte sich von
uns Wolfsbetreuer*innen oder in Schleswig-Holstein auch dem Landesamt für Landwirtschaft,
Umwelt und ländliche Räume beraten lassen.
eWie greifen Wölfe in Ökosysteme ein, wenn
sie zum Beispiel Rehwild oder Wildschweine
reißen, die in Forst- und Landwirtschaft teilweise große Schäden hervorrufen?
Der Wolf ist ein Spitzenprädator, so wie der Löwe oder auch der Hai. Das bedeutet: Wölfe stehen an der Spitze der Nahrungskette. Damit sind
die Wölfe in jenen Regionen, in denen sie zurückgekehrt sind, die natürlichen Regulatoren
von Wildbeständen. Diese Funktion hatte nach
der Ausrottung der Wölfe hierzulande die Jägerschaft übernommen. Aber der Wolf kann das
viel besser. Die Zeit ist gekommen, dass der
Wolf als natürlicher Faktor nun wieder das Zepter in die Schnauze nehmen kann und die Jägerschaft ergänzt.c
INTERVIEW ECKART KUHLWEIN

TTNaturFreunde-Bundeskongress-Beschluss zum Wolf
www.naturfreunde.de/faire-chance-fuer-den-wolf

ŇWolfsmonitoring
Ň
2018: In Deutschland sind 60 Wolfsrudel und 18 Wolfspaare nachgewiesen.
1-2019 NATURFREUNDiN

TTNaturFreunde Sachsen fordern sachliche Wolfsdebatte www.naturfreunde.de/für-sachliche-wolfsdebatte
SEITE 13

THEMA

AUFRUF

Warum Europafeinde es schwer haben müssen
Die NaturFreunde rufen zur Wahl am 26. Mai auf: Wählt das demokratische Europa!
bAm 26. Mai steht Europa zur Wahl – und
die erste und wichtigste Frage ist die der Wahlbeteiligung. Von ihr hängt ab, ob diejenigen Einfluss gewinnen, die sich mit dem erklärten Ziel
wählen lassen, unsere europäische Heimat als
Raum der Freiheit, des Friedens und des Rechts
zu zerstören. Oder ob eine Reform Europas zu
mehr Demokratie, Nachhaltigkeit und sozialer
Gerechtigkeit möglich bleibt.
„Einig und untergehakt“
Wir Europäer*innen haben nur gemeinsam die
Chance auf eine lebenswerte Zukunft. Nur einig
haben wir Gewicht im Kampf gegen den Klimawandel, können wir eine gentechnikfreie Landwirtschaft verteidigen und Umweltgifte zurückdrängen. Nur untergehakt bieten wir erstarkenden Diktaturen ebenso die Stirn wie den
demokratisch gewählten, aber sich antidemokratisch und verantwortungslos verhaltenden

Donald Trumps, Recep Erdogans und Jair Bolsonaros dieser Welt.
Nicht zu wählen ist auch eine Wahl – eine
gegen Europa und eine gegen die Möglichkeit,
überhaupt noch demokratisch Einfluss zu nehmen auf unser Leben. Denn ein geschwächtes
Europa, ein Europaparlament in der Hand von
Europafeinden, wird den Konzernen noch weniger entgegensetzen können.
Richtig ist: Die Europäische Union kann nicht
bleiben, wie sie ist. Sie muss sich ändern und
die eigenen Werte wieder ernst nehmen, wenn
sie überdauern soll. Mit einer in Handelsabkommen verankerten Paralleljustiz für Konzerne hat
die EU-Kommission jahrelang die Rechtsstaatlichkeit untergraben – und rückt erst auf Druck
von Protesten und nach Urteilen des Europäischen Gerichtshofs von diesem Kurs ab.
Auch im Bemühen um eine naturverträgliche,
klimafreundliche und das Tierleid reduzieren-

„Wir könnten bessere Europäer sein“

„Diese Wahl ist entscheidend“

Die
Europawahlen
Das Europaparlament
sind wichtig für mich,
ist deshalb so wichtig,
fast so wichtig wie die
weil es von den BürWahlen in Italien.
ger*innen der EuroDenn die Entscheidunpäischen Union gegen, die in der EU gewählt wird. Nur hier
troffen werden, betrefkönnen wir direkt
fen meinen Alltag.
mitbestimmen.
Zum Beispiel, wie
Diese Wahlen finim Supermarkt die Verbraucherinformationen den in einem so heiklen wie entscheidenden
gekennzeichnet sind. Oder dass ich in der EU Moment statt. Rechtsextremistische Bewegungen
problemlos reisen und studieren und arbeiten versuchen überall in Europa, die Länder voneikann. Ich kann andere Europäer treffen, wann nander zu trennen. Dabei können wir für Probimmer ich will. Das ist alles andere als selbst- leme, die keine Grenzen kennen – zum Beispiel
verständlich.
die Migration oder den Klimawandel – nur geIch finde die EU großartig, aber noch nicht meinsam Lösungen finden.
demokratisch genug. Deshalb ist es wichtig, DeAls Europäer sollten wir deshalb zusammen
mokraten*innen nach Brüssel zu wählen. Wenn arbeiten und gemeinsam entscheiden. Dann finwir alle europäischer denken und handeln wür- den wir auch Lösungen, von denen wir alle proden, insbesondere politisch, dann würde Europa fitieren. Zusammen sind wir stärker.c
auch besser funktionieren.c AURORA RIGHETTI

MIRIAM CANDELAS

TTDie Italienerin Aurora Righetti studiert politische
Ökonomie in Florenz und ist organisiert bei der italienischen Naturfreundejugend (GIAN Gio).
SEITE 14

TTDie Spanierin Miriam Candelas studiert in Frankreich und versucht gerade, die Naturfreundejugend
Frankreich wieder aufzubauen.

de Landwirtschaft hat Europa bislang kläglich
versagt. Und beim Schutz der Gesundheit, bei
Verbraucher- und bei Arbeitnehmerrechten ist
ebenfalls noch Luft nach oben. Zudem werden
Steuerhinterziehung und Korruption in Europa –
übrigens auch in Deutschland – viel zu halbherzig bekämpft.
Aber niemand soll sich täuschen lassen, dass
Fortschritte auf nationaler Ebene leichter und
schneller zu erreichen wären. Unter dem Druck
von Konzernen und Großmächten sind einzelne
Staaten viel hilfloser als eine demokratisch verfasste Staatengemeinschaft.
Es ist kein Zufall, dass antieuropäische Kampagnen wie die Brexit-Kampagne von Regierungen und Konzernen unterstützt werden, denen
ein einiges Europa zu mächtig ist. Trumps Freude über das knappe Votum der Briten spricht
Bände. Der amerikanische Präsident will und
kann nicht verhandeln, er kennt nur Erpressung
und Starrköpfigkeit. Er will ein schwaches Europa, um uns seinen Willen aufzudrücken. Das
ist auch Putins Interesse und der Grund, warum
russische Medien rechte Verschwörungstheorien
verbreiten helfen.
„Aufgebaut aus der Vernunft“
Die Europafeinde haben es auch deshalb so
leicht, weil die neoliberale Ideologie die europäische Politik in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten erfolgreich unterwandert hat. Demokratie wurde als Bürokratie verunglimpft, die Kürzung öffentlicher Ausgaben zur heiligen Kuh
erklärt. Aber wo, wenn nicht in Europa, wollen
wir wirklich wirksam den Hebel umlegen hin zu
einer Politik, die Gemeinwohl wieder Vorrang
gibt vor ökonomischen Einzelinteressen?
Die Europäische Union wurde aufgebaut von
zur Vernunft erschrocken Nationen – nach der
Erfahrung von Krieg und Völkermord durch die
Nationalsozialisten. Nie wieder soll solcher Hass
in Europa die Völker zu dieser Grausamkeit befähigen.
Hass und Hetze gewinnen heute wieder an
Boden. Dass Menschen frei und gleich an Rechten sind, wird immer häufiger abgestritten. Darauf müssen wir antworten. Jeden Tag. Und indem wir am 26. Mai unsere Stimme erheben –
und sie bei der Europawahl für eine Partei
abgeben, die für eine bessere Zukunft der Europäischen Union streitet.c
MARITTA STRASSER
Maritta Strasser ist Bundesgeschäftsführerin der
NaturFreunde Deutschlands und entschiedene
Verfechterin eines progressiven demokratischen Europa.

NATURFREUNDiN 1-2019

THEMA

MITMACHEN

Auf die Straße für Europa!
Hunderttausende Menschen werden am
19. Mai in europäischen Städten für die
Zukunft Europas auf die Straße gehen.
Denn eine hohe Wahlbeteiligung von demokratisch gesinnten Menschen kann
den Vormarsch der Nationalist*innen
stoppen. c

TT19.5.2019 ∙ Großdemonstrationen auch in
Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München
und Stuttgart ∙ Infos auf: www.naturfreunde.de

ŇSie
Ň wissen, was sie verlieren: Diese Brit*innen demonstrierten 2016 auf dem „March for Europe“ für einen Verbleib in der EU.

„Der Brexit macht vieles instabiler“

„Wir brauchen eine neue Erzählung“

Durch die EU können
wir grenzübergreifend
handeln und denken,
ohne dass die Unterschiede zwischen den
Kulturen der Länder
verloren gehen.
Das ist es doch,
was wir schätzen: die
kulturellen Unterschiede in Europa. Und sind es
nicht gerade diese Unterschiede, mit denen wir
Europäer*innen die großen globalen Herausforderungen viel besser meistern können?
Jeder Europäer und jede Europäerin sollte
sich die vielfältigen Vorteile der EU immer wieder bewusst machen, besonders jetzt, wo durch
den Brexit viele europäische Beziehungen wieder instabiler werden. Deshalb: Wählt bei den
Europawahlen, gestaltet eure europäische Zukunft mit!c 
ANNEMARIE VOGELBERG

Für mich ist klar, dass
Meine Generation ist in
einem geeinten Europa
Europa verändert weraufgewachsen.
Selbst,
den muss. Allerdings ist
wenn
es
Probleme
gab,
es weder eine Lösung,
ging
es
doch
stets
vordie Grenzen zu schliean.
Diese
Gewissheit
ßen, noch die Freiheit
ist in den letzten Jahund die Stabilität zu
ren verloren gegangen.
opfern, die die EU seit
Die EU steht am
Jahren gewährleistet.
Scheideweg.
Führen
uns
die
Rechten zurück in
Ich mache mir Sorgen über den Aufstieg autokratischer, fremdenfeindlicher und populisti- den Nationalstaat? Oder geben wir Europa neuscher Bewegungen. Sie nutzen die Multikrisen en Schwung und endlich Antwort auf die soziader EU, um Ansichten zu fördern, die mit den len und ökologischen Fragen unserer Zeit?
Die Glaubwürdigkeit, die die EU verloren hat,
Grundprinzipien von Demokratie und Solidarität
kann nur durch echte Veränderungen wieder
unvereinbar sind.
Um die Krisen zu überwinden, brauchen wir gewonnen werden. Europa braucht eine soziaeine neue positive Erzählung, die auf einer sozi- le und ökologische Wende. Am 26. Mai geht es
al gerechten, inklusiven und partizipatorischen deshalb auch darum, für das richtige Europa zu
Gesellschaft beruht. Das ist meine Vision für Eu- sein! In der EU muss sich einiges ändern und ich
ropa. Und ich wähle bei den Europawahlen.c will Teil dieser Veränderung sein! Deshalb trete
ich bei der Europawahl an.c DELARA BURKHARDT

HENRIQUE GONÇALVES

TTAnnemarie Vogelberg hat die deutsche sowie die
britische Staatsbürgerschaft und studiert Sozial- und
Politikwissenschaften in Nancy (F) und Berlin.

1-2019 NATURFREUNDiN

„Ich will Europa verändern“

TTDer Portugiese Henrique Gonçalves wohnt seit fünf

TTDelara Burkhardt ist SPD-Kandidatin für das Euro-

Jahren in Prag und arbeitet als Networking Coordinator für die Naturfreundejugend Internationale.

päische Parlament, stellvertretende Bundesvorsitzende
der Jusos und NaturFreundin in Ahrensburg.
SEITE 15

NATURFREUNDE AKTIV

Ausbildungstermine
15.–17.3.19Schnee
Fortbildung alpin 55+ (Bayern)
OrtDolomiten (I)
[S277F]
15.–17.3.19
Schnee
Fortbildung Snowboard Freeride/-style
OrtSchoppernau (A)
[S237F]
21.–24.3.19
Wandern
Winter- und Schneeschuhwandern
OrtBuhlsalpe
[W220A]
23.–24.3.19
Fortbildung alpin (Bayern)
OrtSaalbach (A)

Schnee
[S247F]

28.–31.3.19
Berge
Ausbildung künstliche Kletteranlagen II
OrtDarmstadt
[B291A]
8.–12.4.19
Berge
Ausbildung Trainer*in B – Skihochtouren
Ortoffen
[B289A]
9.–13.4.19
Skitouren von Hütte zu Hütte
OrtUrner Alpen (CH)

berge
[B266X]

13.–20.4.19
Wandern
Ausbildung Wanderleiter*in
OrtNFH Laacherseehaus (F 27) [W205A]
20.–28.4.19
Schnee
Prüfungslehrgang Grundstufe alpin
OrtStubaital (A)
[S253A]
20.–28.4.19
Schnee
Prüfungslehrgang Oberstufe alpin
OrtStubaital (A)
[S255A]
20.–28.4.19
Schnee
Prüfungslehrgang Grundstufe Snowboard
OrtStubaital (A)
[S257A]
20.–28.4.19
Schnee
Prüfungslehrgang Oberstufe Snowboard
OrtStubaital (A)
[S259A]
26.–28.4.19
Fortbildung Routenbau
OrtDarmstadt
4.–5.5.19
Sicherheitslehrgang
OrtBielefeld/Hohenlimburg

Berge
[B304F]
Kanu
[K167F]

10.–12.5.19
Berge
Bergrettungsfortbildung für Trainer*in C/B
Bergsteigen, Alpinklettern, Hochtouren
OrtMittenwald
[B267F]

10.–12.5.19
Berge
Bergrettungslehrgang für Trainer*in B –
Alpinklettern, Hochtouren
OrtMittenwald
[B280A]
10.–12.5.19
Natur & Umwelt (Ost)
OrtNFH Blankenburg (R 5)

Wandern
[W212A]

16.–19.5.19
Wandern
Ausbildung Teamer*in Radtouren
OrtNFH Kimmerheide (C 4)
[W210A]
17.–19.5.19
Kanu
Fortbildung Wildwasser (auch Sichtung)
OrtObertraun (A)
[K171F]
18.–19.5.19
Kanu
Fortbildung Führen-Routen-Sicherheit
(auch Sichtung)
OrtGarmisch
[K173F]
20.–24.5.19
Berge
Klettercamp (Vorstufenqualifikation)
OrtLeutasch (A)
[B279V]
24.–26.5.19
Wandern
Aufbaumodul Erlebnispädagogik
OrtNFH Feldberg (L 40)
[W225A]
30.5.–2.6.19
Kanu
Ausbildung Teamer*in Kanusport
OrtSömmerda
[K156A]
30.5.–2.6.19
Berge
Ausbildung Mountainbike Fahrtechnik
(Aufbaulehrgang I)
OrtSaalbach (A)
[B196A]
30.5.–1.6.19
Wandern
Fortbildung Genusswandern mit Yoga
OrtNFH Laacherseehaus (F 27) [W202F]
31.5.–7.6.19
Wandern
Ausbildung Trainer*in C – Sportklettern
(Mittelgebirge)
OrtTorbole (I)
[W292A]
2.–7.6.19
Berge/Kanu
Zusatzqualifikation Canyoning
für Trainer*in C/B
OrtGardasee (I)
[B325A]
1.–2.6.19
Berge
Fortbildung Trainer*in C – Mountainbike
OrtSaalbach (A)
[B273F]
7.–9.6.19
Berge/Kanu
Canyoning für Trainer*in C/B
OrtGardasee (I)
[B268F]

Anmelden für Lehrgänge der Bundesfachgruppen Bergsport & Wandern: Eveline
Steller · (030) 29 77 32 -63 · steller@naturfreunde.de · für Lehrgänge der Bundesfachgruppen Kanu- und Schneesport: Catrin Riethmüller · (030) 29 77 32 -62
riethmueller@naturfreunde.de · www.naturfreunde.de/trainer-ausbildung
SEITE 16

NATURFREUNDiN 1-2019

NATURFREUNDE AKTIV

SCHNEESPORT

BERGSPORT

Es gilt faktisch eine Helmpflicht

Allrounder gesucht

Schneesportlehrer*innen müssen immer mehr Regelungen beachten

Förderteam sichtet im Tannheimer Tal

bSchneesportlehrer*innen müssen nicht
nur gut im Ski- oder Snowboardfahren unterrichten können, sondern dabei auch eine ganze
Reihe rechtlicher Aspekte beachten. Bemerkenswert ist zum Beispiel, welche Ausrüstung bereits
als Standard vorausgesetzt wird. Wer etwa mit
seinen Schüler*innen neben der Piste fahren
möchte, kommt im Rahmen der Sorgfaltspflichten mittlerweile nicht mehr ohne Rucksack aus.
Der Rechtsanwalt Matthias Zachmann ist juristischer Beirat im Deutschen Skilehrerverband
(DSLV) und erläutert hier einige rechtliche Aspekte für Schneesportlehrer*innen:
Ausrüstung Schneesportlehrer*innen müssen eine vollständige Notfall-Ausrüstung mitführen und dürfen sich dabei keine Fehler erlauben. Zur Ausrüstung zählt das Erste-Hilfe-Paket (befüllt nach aktuellen Vorgaben), auch das
Handy muss funktionsbereit und aufgeladen
sein. Gegebenenfalls sollte ein Akkupack mitgeführt werden. Mittlerweile ist die Installation
einer Notfallapp ebenso Standard wie das Einspeichern der Notfallnummern. Die allgemeine
Notfallnummer 112 funktioniert im gesamten Alpenraum. Besser sind aber die jeweiligen Rufnummern der Bergwacht, die auch einen Rückruf ermöglichen. Dabei muss immer der eigene
Standort bestimmt werden können. Notizblock,
Stift und Personalausweis dürfen auch nicht fehlen. Bei allen Gruppen, die außerhalb der gesicherten Pisten fahren, müssen sämtliche Teilnehmer*innen zudem die Notfallausrüstung mit
Lawinenverschütteten-Suchgerät, Schaufel und
Sonde mit sich führen. Schneesportlehrer*innen
müssen ihr Erste-Hilfe-Paket dann zudem um
einen Zwei-Personen-Biwacksack sowie Reepschnüre erweitern.
Pflichten im Bereich Fürsorge und Schutz
Besondere Sportgefahren für Schüler*innen zu
steuern und abzuwenden, ist eine der Hauptpflichten des Unterrichtsvertrages. Teilnehmende dürfen sich auf Lehrende verlassen, umgekehrt gilt das jedoch nicht unbedingt. Die einzelnen Sorgfaltspflichten richten sich nach der
Situation, dem Können und der Erfahrung der
Teilnehmer*innen.
Nachweispflicht bei Unfällen Unfälle geschehen und es ist nicht immer jemand schuld.
Schneesportlehrer*innen müssen Informationen

über den Könnensstand und die Zusammensetzung der Gruppe, den Verlauf des Unterrichts,
Anweisungen, Pisten- und Aufgabenauswahl,
Unfallhergang, Unfallort, Versorgung nach dem
Unfall, gegebenenfalls Leihmaterial abgeben
können. Auch Fotos und besonders wichtig Vorname, Nachname, Telefonnummer, Anschrift aller in Betracht kommender Zeug*innen sollten
vorliegen. Unmittelbar nach dem Unfall sollte
aber keine Äußerung gegenüber der Polizei oder
Dritten, auch nicht den Medien erfolgen. Die
Schuldfrage wird im Nachgang nach objektiven
Maßstäben geprüft. Es gibt keinen Grund dafür,
unmittelbar nach dem Unfall jede Schuld von
sich zu weisen oder auf sich zu nehmen. Wichtig ist eine Benachrichtigung der Haftpflichtversicherung.

bDas Bundeslehrteam der Bundesfachgruppe Bergsport sucht für sein Förderteam wieder
junge Allroundalpinist*innen, die bei den NaturFreunden mehr Verantwortung übernehmen
wollen – in den Ortsgruppen, in den Landesverbänden oder auch im Bundeslehrteam.
Im Förderteam werden talentierte Trainer*innen zwei Jahre lang fortgebildet und für die spätere Übernahme von ehrenamtlichen Funktionen
bei den NaturFreunden vorbereitet. Dabei fallen
keine Lehrgangsgebühren bei Aus- und Weiterbildungen an. Zudem trifft sich das Team zweimal im Jahr: Im Sommer geht es um persönliche
Kletterfähigkeiten sowie Seil- und Sicherungstechnik, im Winter um Skitouren und Lawinen.
Bewerber*innen sollten eine Trainer*in-C-Lizenz haben, im 6. Grad klettern können und

ŇLehrteamer*innen
Ň
Schneesport – mit Helm.

ŇJunge
Ň
Bergsportler*innen – mit Perspektive.

Helmpflicht Es gibt unterschiedliche gesetzliche Helmpflichten in Italien, Slowenien und
teilweise in Österreich. Mittlerweile beträgt die
Tragequote über 85 Prozent und bei Kindern bereits 99 Prozent. Es hat sich eine faktische Helm­
pflicht entwickelt. So entschied beispielsweise
das Oberlandesgericht München und lud einem
verletzten Ehepaar eine Haftung von 50 Prozent
am eigentlich unverschuldeten Unfall an. Die
Richter betonten dabei, dass der Skisport besonders risikoträchtig sei.c MATTHIAS ZACHMANN

über Kenntnisse im Bereich Skitouren und Freeriden verfügen. Und sie sollten ihre Ortsgruppe
oder ihren Landesverband unterstützen wollen.
Vom 30. August bis zum 1. September wird
ein Sichtungslehrgang im Tannheimer Tal stattfinden. Dort gibt es von Sportklettergebieten über
Plaisirrouten bis hin zu alpinen Mehrseillängen alles, was das Kletterherz begehrt. Wir wollen dein persönliches Kletterkönnen sowie deine
Seil- und Sicherungstechnik verbessern. Zudem
kannst du Erfahrungen im Alpinklettern machen.
Wäre das etwas für dich? Begeistert dich das?
Möchtest du ins Team? Dann bewirb dich einfach
mit einem Tourenbericht.c MONIKA HÜMMER

1-2019 NATURFREUNDiN

TTMehr Informationen zum Thema findest du zum Beispiel in der DSLV-Zeitschrift SNOWSPORT 3/2018-19.

TTDas Bayerische Kuratorium für Alpine Sicherheit wird
Mitte des Jahres eine kostenlose Notfall-App für Bayern,
Österreich und Südtirol anbieten. Die NATURFREUNDiN
wird diese dann vorstellen.

TTBewerbung mit Tourenbericht
schicken an: monihuemmer@yahoo.de

SEITE 17

NATURFREUNDE AKTIV

ŇAn
Ň vielen Stellen sieht man es noch: Das
„Grüne Band“ verläuft auf dem ehemaligen
„Todesstreifen“ zwischen Ost und West.

SANFTER TOURISMUS

Die Grenzgänger-Tour
Mit dem Elektro-Bike 1.400 Kilometer entlang des Grünen Bandes
bSchierke im Ostharz, drei Uhr morgens.
Ohne Wecker wache ich auf, bin nervös, kann
nicht mehr schlafen. Sonnenaufgang auf dem
Brocken? Das wär doch was. Ohne Frühstück
werden die Sachen gepackt – wie immer ein Akt
bei dem ganzen Gepäck.
Ich möchte auf den geografisch höchsten
Punkt (1.141 m) meiner sechswöchigen Radtour
auf dem Grünen Band entlang der ehemaligen
deutsch-deutschen Grenze. Von Hof bis nach Travemünde. Dabei immer schön von Ost nach West
und zurück – wie so oft in meinem Leben als
Flüchtlingskind, das noch in den Fünfzigerjahren
im thüringischen Eichsfeld eingeschult und seit
1956 im Westen erwachsen wurde. Meine „Grenzgänger-Tour“ ist auch eine Reise in die eigene Vergangenheit, zur Selbstfindung und Neuorientierung – wenige Monate vor dem 70. Geburtstag.
In der Dämmerung komme ich an zahllosen
kranken, zum Teil abgeholzten Bäumen vorbei.
Gespenstisch. Sind das die Folgen der Umweltverschmutzung? Ich kurbele mein Pensum herunter wie ein Uhrwerk. Alles läuft. Auch dank
des E-Bikes, das mich bisher knapp 1.000 Kilometer über Kolonnenwege, Äcker, Waldwege, querfeldein sowie kleine Straßen links und
rechts der ehemaligen Grenze treu begleitet hat.
SEITE 18

Dann ist der Brocken geschafft: Mich überkommen die Emotionen. Ein paar Tränen trocknet der Wind, genau wie bei meinem Berlin-Marathon im Jahr 1996, als ich zum ersten Mal
„frei“ durch das Brandenburger Tor lief – ohne
Mauer und Zaun. Auf dem Brocken genieße ich
den Sonnenaufgang im Osten und blicke dann
vom Brockenstein aus in den Westen. Ein Symbol für die ganze Reise und eines der schönsten
Erlebnisse dieser Tour.
Es ist der 31. Tag und ich ziehe eine vorläufige Bilanz: Ich empfinde große Dankbarkeit für
die Möglichkeit, in meinem 70. Lebensjahr diese
körperlich zum Teil doch sehr anstrengende
Fahrradtour machen zu können. Der Sturz über
Baumwurzeln am zweiten Tag ist fast schon vergessen, ebenso die immer wiederkehrenden
Platten. Viel prägender sind die vielen Gespräche, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in
Ost und West, mehr aber im Osten. Vier Jahrzehnte DDR, aber auch die nahezu 30 Jahre
nach der Wende, sind im wahrsten Sinne des
Wortes erfahrbar.
Auf der Reise begleitet mich zweitweilig mein
Freund Dors Prokob (ohne eigenen DDR-Hintergrund), später dann auch meine Töchter. Schon
am ersten Tag treffen wir im thüringisch-bayeri-

schen Mödlareuth einen ehemaligen DDR-Grenzsoldaten. Er erzählt, wie er an einem warmen
Sommertag Mitte der sechziger Jahre von einer
bayerischen Hausfrau auf Zuruf ein paar Flaschen Bier erhielt. Wir sprechen mit einer Frau,
deren Betrieb 1990 im thüringischen Hirschberg
geschlossen wurde und die sich dann im Westen
eine neue Arbeitsstelle suchte. Nach zwei Jahren war erneut Schluss. Enttäuschung und Verbitterung. Verständlich. Viele (Mentalitäts-) Unterschiede zwischen Ost und West sind immer noch
spürbar. Die junge Frau in der Pizzeria allerdings,
etwa Mitte 30, sieht keine Unterschiede mehr
zwischen Ost und West.
Auf dem Brocken werden all die Erinnerungen wieder wach. Auch an die vielen immer
noch sichtbaren Relikte der Grenzbefestigung.
Auch an den schon beängstigenden Jahrhundertsommer mit bis zu 37 Grad Celsius Tag für
Tag. Auch an die zahllosen Steigungen im thüringisch-fränkischen Grenzgebiet, die selbst mit
dem E-Bike eine sportliche Herausforderung darstellen.
Bei Probstzella in den Bergen zum Beispiel
verfahren wir uns und sind total kaputt. Mit letzter Kraft überqueren wir einen Gipfel und rollen
bergab. Eine freundliche Bäuerin ist unsere letzte Rettung: Wir dürfen die Steckdose ihres Kuhstalls für das Aufladen unsere Akku nutzen.
Nur mit Glück kommen wir in Tettau nach einer langen Steigung an, die letzten 1,5 Kilometer
bei 16 Prozent. Dort steht der Bauernhof einer
ehemaligen Aussteigerkommune. In der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre sind sie als studentische Revoluzzer (Roter Kampf) von Offenbach ins fränkische Grenzgebiet gekommen, der
NATURFREUNDiN 1-2019

NATURFREUNDE AKTIV

ŇHeinrich
Ň
Pingel
auf dem Brocken.
INFO

Das Grüne Band

ŇKolonnenweg:
Ň
Federung ist Trumpf.

Grenzzaun nur 100 Meter entfernt. Man erzählt
vom Argwohn der Dorfbewohner, aber auch von
der langsam wachsenden Anerkennung im Laufe
der Jahre durch den Einsatz auf dem Bauernhof
und als Kachelofenbauer.
Nach dem Brocken geht es wieder weiter auf
dem Grünen Band. In einem kleinen Ort am
Arendsee in der Altmark treffen Dors und ich den
ehemaligen DDR- und heutigen BUND-Umweltaktivisten Jürgen Starck. Wir sind beeindruckt, wie
er uns an der Wirlspitze auf dem ehemaligen Todesstreifen die Geschichte der deutsch-deutschen
Teilung erklärt. In der Dämmerung meint er einen
der seltenen Ziegenmelker aus der Vogelfamilie
der Nachtschwalben zu hören.
Die restlichen Tage sind mit einem Besuch
in Gorleben und den wunderschönen Radwegen entlang der Elbe ausgefüllt. In Techin kurz
vor Ratzeburg geht es allerdings nicht weiter: Urwald. Nach dem dritten querliegenden Baum
und viel Gestrüpp wird umgedreht. In der Nähe
eine Schafherde. Eigentlich eine Naturidylle wie
an so vielen anderen Stellen auf dieser Radtour.
Nach 43 Tagen komme ich schließlich glücklich, aber auch körperlich ausgelaugt an der
Ostsee an, nur wenige Meter vom Naturfreundehaus Priwall (C 2) entfernt. Es ist geschafft, ich
bin dankbar und stolz.
Das Grüne Band ist definitiv eine Radtour
wert, besonders wegen der Begegnungen und
der allzeit spürbaren Geschichte. Und das Erlebnis einer noch oft unberührten Natur natürlich
nicht zu vergessen.c
HEINRICH PINGEL

TTEinen viel ausführlicheren Bericht findest du in

Dezember 1989: In
der Gaststätte Eisteich in Hof treffen sich 400 Umweltschützer*innen aus Ost und
West, um die Erhaltung der Natur an der bisherigen innerdeutschen Grenze zu fordern. Heute ist der 50
bis 200 Meter breite und fast 1.400 Kilometer lange Geländestreifen zwischen Hof
und Travemünde in vielen Bereichen geschützt und bildet den größten Biotopverbund Deutschlands – das Grüne Band. Einen durchgehend komfortablen Rad- oder
Wanderweg gibt es noch nicht. c
SL

TTMehr Infos www.bund.net/gruenes-band

ŇErinnerung
Ň
an das ehemalige
Grenzdorf Stresow (geschleift).

ŇSpurensuche
Ň
in Herleshausen.

ŇNach
Ň
43 Tagen am Ostseestrand.

Der Herforder NaturFreund und Historiker Dr.
Heinrich Pingel ist auch ein erfahrener Pädagoge
und Multimedia-Autor. Gerne berichtet er in Ortsgruppen und Naturfreundehäusern ausführlicher
von seiner Grenzgänger-Tour.
heinrich_pingel@t-online.de

Heinrichs Reiseblog: www.grenzgaengertour2018.de

1-2019 NATURFREUNDiN

SEITE 19

NATURFREUNDE AKTIV

ABENTEUER

SPENDEN

SOLIDARITÄT

625 Kilometer Schotter

Zu Fuß zum Nordkap

Landart in Hannover

Bikepacking-Tour auf dem Hanseatenweg

273 Tage wandern für den Klimaschutz

Freiwilligeneinsatz am Naturfreundehaus

bDas Anmeldeformular war kaum drei Wochen online, da musste René Fischer schon die
Reißleine ziehen: „Wir haben jetzt 150 Fahrer*innen, auch aus Polen, den Niederlanden, Belgien,
Österreich, sogar aus Großbritannien und Irland.
Mehr geht einfach nicht.“
Fischer organisiert den ersten HanseGravel,
eine sogenannte Bikepacking-Abenteuerfahrt im
Selbstversorgermodus – der letzte Schrei in der
Radtourenszene. Die Fahrt beginnt am 25. April in Hamburg mit der Ausgabe des GPS-Tracks,
dann ein gemeinsamer Start, und schließlich
fahren die Teilnehmer*innen individuell über
den NaturFreunde-Hanseatenweg bis nach Stettin. Manche werden die 625 Kilometer auf meist
unbefestigten Wegen in zwei Tagen fahren, andere brauchen länger. Es gibt keine Wertung,
nur ein minimal organisiertes Treffen Gleichgesinnter, die ihre Gravel- oder Mountainbikes
auf derselben Route gleichzeitig fahren wollen.
Übernachtet wird an der Strecke, Ausrüstung
und Verpflegung werden am Rad mitgeführt.
„Der Hanseatenweg ist perfekt für eine Graveltour“, erzählt Fischer. „Im Sommer habe ich
ihn zufällig entdeckt und bin ihn abgefahren. Jede*r Teilnehmer*in spendet ein frei wählbares
Startgeld an die NaturFreunde zur Unterstützung
des Projektes Hanseatenweg. Vielleicht können
wir dann im nächsten Jahr schon bis nach Stettin fahren.“c
SAMUEL LEHMBERG

bPhilipp Fuge will in diesem Jahr von Gibraltar bis zum Nordkap wandern. 6.500 Kilometer sind das. Der NaturFreund nutzt seine
Tour, um Spenden für Aufforstungsprojekte der
NaturFreunde Senegal zu sammeln.
Philipps Idee ist simpel: 1 Kilometer = 1 Euro
= 1 Baum. Jeder Kilometer also, den Philipp zurücklegt, soll einen Euro Spenden bringen, mit
dem in Senegal ein Setzling großgezogen werden kann. Im Gegenzug berichtet Philipp von
unterwegs auf den Kanälen der Naturfreundejugend: Wie fühlt es sich an, für so lange Zeit alleine unterwegs zu sein? Wie ist es, nur aus dem
Rucksack zu leben? Welche Menschen trifft er?
Das gespendete Geld werden die NaturFreunde Senegal für ihre Aufforstungsarbeiten
gegen die Auswirkungen des Klimawandels nutzen. In ihren Baumschulen – zum Beispiel am
Naturfreundehaus in Dakar – ziehen die NaturFreunde Setzlinge und pflanzen dann Mangroven gegen die Küstenerosion oder Obstbäume
zur Versorgung von Familien in abgelegenen
Dörfern.
Unterwegs ist Philipp jetzt seit dem 4. Januar.
Für seine Tour hat er 273 Tage eingeplant, am 3.
Oktober will er also das Nordkap erreichen. „Die
Welt zu entdecken, ist zu Fuß viel schöner“, sagt
er. „Beim Wandern zählt jeder Schritt und alles
Nötige passt in einen Rucksack. Konsum verliert
da völlig an Bedeutung.“c
LINA MOMBAUER

bIm Sommer werden sich 20 junge Natur-

TTHanseGravel 2019 www.hansegravel.de
TTHanseatenweg www.naturfreunde.de/hanseatenweg

TTAlles über Philipp Fuges Wanderung
www.naturfreundejugend.de/wandern

TTSelbst Workcamp ausrichten Infos bei Tobias Thiele

ŇŇAuf Gravelbikes durch Norddeutschland.

ŇŇPhilipp erwanderte bereits über 1.000 Bäume.

ŇŇJunge NaturFreundin bei der Freiwilligenarbeit.

SEITE 20

Freund*innen aus Deutschland und Frankreich
zu einem Workcamp der Naturfreundejugend
im Naturfreundehaus Hannover (E 8) treffen. Die
jungen Menschen werden im Eingangsbereich
des Hauses ein Mosaik sowie im weitläufigen
Garten viele kleine Projekte gestalten. Angeboten werden auch ein Landart-Workshop sowie
eine Soziale Wanderung, die sich mit der Geschichte und den Werten der NaturFreunde beschäftigt. Ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm rundet das Workcamp ab.
Die gemeinsame Arbeit an Naturfreundehäusern hat eine lange Tradition bei den NaturFreunden. Auch heute noch können sich viele junge Menschen für Freiwilligeneinsätze begeistern. Bei der gemeinsamen Arbeit lernen sie
neue Freunde kennen, erwerben handwerkliche
Fähigkeiten oder diskutieren über die Bedeutung
von Solidarität.
Die Naturfreundejugend plant weitere Workcamps und Jugendbegegnungen, die aus dem
Europäischen Solidaritätskorps finanziert werden können. Ortsgruppen, die gerne ein internationales Workcamp ausrichten möchten, können sich in der Bundesgeschäftsstelle der Naturfreundejugend beraten lassen.c TOBIAS THIELE

TT29.7.–11.8.19 ∙ Workcamp am Naturfreundehaus
Hannover (E 8) ∙ Kosten: keine (selbst Fahrtkosten werden teilweise erstattet) ∙ mehr Infos & Anmeldung:
www.naturfreundejugend.de/go/workcamp
(030) 29 77 32 -71 ∙ thiele@naturfeundejugend.de

NATURFREUNDiN 1-2019

NATURFREUNDE AKTIV

NATURFREUNDEHÄUSER

Neue Impulse aus dem „Haus der Demokratie“
Chance oder Ballast? Wie die Häuserarbeit im 21. Jahrhundert funktionieren kann
bNach 105 Jahren Vereinstätigkeit sollte
Schluss sein. Die NaturFreund*innen in Wetzlar waren gemeinsam gealtert und hatten zunehmend Schwierigkeiten, Außenstehende für den
Verein zu gewinnen. Auch wollte niemand mehr
Vereinsfunktionen übernehmen und das Naturfreundehaus in Wetzlar – zentral in der Innenstadt gelegen – wurde zu einer immer größeren
Last. Also wurde die Selbstauflösung geplant,
das Vereinsheim sollte an die Stadt gehen.
Wetzlar ist überall. In ganz Deutschland gibt
es Ortsgruppen, die ihre Naturfreundehäuser
als Last begreifen. Aus den unterschiedlichsten
Gründen: Weil der Altersdurchschnitt steigt. Weil

ŇRasmus
Ň
Englisch.

die Häuser abgelegen sind. Weil die Umsetzung
der Brandschutzauflagen so teuer ist. Weil niemand mehr für den Urlaub Dritter putzen möchte. Mancherorts dreht sich das ganze Vereinsleben nur noch um den Erhalt des Hauses.
Dann kann die Verpachtung eine Lösung sein.
Ortsgruppen berichten, dass plötzlich ungeahnte Kräfte frei wurden. Andere jedoch, dass Mitgliederzahlen sinken, wenn der Zugriff auf das
Haus verloren geht. Denn sind die Naturfreundehäuser nicht Einrichtungen, um die die NaturFreunde beneidet werden? Viele Häuser liegen
an touristisch attraktiven Orten, für die es heutzutage keine Baugenehmigung mehr gäbe.

ŇAndré
Ň
Grunert mit Familie.

Wichtiger ist: Naturfreundehäusern sind
selbst organisierte Stützpunkte und damit freie
Orte der Entfaltung. Sie bieten geschützte Räume, zum Beispiel für politische Betätigung. Andere Vereine suchen genau so etwas.
Zurück nach Wetzlar: Dort engagieren sich
politische Menschen schon seit Jahren gemeinsam gegen Rechts. Wäre das auch unter dem
Dach der NaturFreunde interessant? Na, klar!
Es kam zu Beitritten, die Selbstauflösung konnte
abgewendet werden. Nun soll das Wetzlarer Naturfreundehaus als „Haus der Demokratie“ wiederbelebt werden und der Stadt neue Impulse
für ein solidarisches und generationenübergreifendes Miteinander geben. Und: Die NaturFreunde-Vereinsarbeit wird wieder aufgenommen.
Nur ein Beispiel, welche Chancen Naturfreundehäuser bieten. Die NATURFREUNDiN möchte
künftig häufiger NaturFreund*innen erzählen lassen, wie Häuserarbeit im 21. Jahrhundert funktioniert. Zuerst hauptamtlich Engagierte, in der Juniausgabe dann das Ehrenamt. Meldet euch in der
Redaktion und zeigt anderen NaturFreund*innen,
wie ihr es macht.c
SAMUEL LEHMBERG

ŇJan
Ň Lobik.

bSeit dem 1. September 2018 bin ich Hüttenwirt des Naturfreundehauses Feldberg. Die Betriebsabläufe habe ich bereits 2012 und 2013 kennengelernt, als ich mein Freiwilliges Ökologisches
Jahr auf dem Feldberg absolvierte. Anschließend
habe ich im Naturfreundehaus Bodensee (L 51)
eine dreijährige Ausbildung zum Hotelfachmann
gemacht und danach in Naturfreundehäusern des
Landesverbandes Baden gearbeitet.
Mir macht es großen Spaß, Gäste zu betreuen, mit dem Team zu arbeiten und dann ist die
Lage des Hauses mitten in der Natur natürlich
fantastisch. Hausbesitzende Ortsgruppen sollten
jungen Menschen die Chance lassen, auch mal
neue Wege zu gehen.c
RASMUS ENGLISCH

bMeine Frau und ich wollten beruflich etwas tun, was uns glücklicher macht. Für die Arbeit im Naturfreundehaus Kniebis im Schwarzwald haben wir gute Jobs in der Stadt aufgegeben – und würden es wieder machen. Reich
wird man so sicherlich nicht. Dafür trifft man interessante Menschen und hat viel Abwechslung.
Wer ein Naturfreundehaus pachten möchte,
sollte sich vorher gut informieren. Denn jedes
Haus ist anders und bedarf eines individuellen
Konzeptes. Schaut euch verschiedene Häuserkonzepte an, sprecht mit den Betreibern, sammelt Eindrücke. Den Aufwand für Küche und
Housekeeping darf man keinesfalls unterschätzen.c
ANDRÉ GRUNERT

bAls ich vor drei Jahren die Ausschreibung
der Hausleitung für das Naturfreundehaus Priwall
an der Ostsee las, dachte ich: Perfekt, hier könntest du deine Kenntnisse als Umweltwissenschaftler, Regionalentwickler und Bankkaufmann praktisch kombinieren. Genau so ist es gekommen.
Als Hausleiter bin ich für alle Betriebsbereiche
wie Küche, Verwaltung, Marketing, Einkauf, Reinigung, Betriebswirtschaft und Konzeption verantwortlich. Zudem ist die Tätigkeit durch flexible Arbeitszeiten gut mit der Familie vereinbar. Reizvoll
ist es auch, eine regionale Vorbildfunktion in den
Bereichen Nachhaltigkeit, Sanfter Tourismus und
soziales Engagement einnehmen zu können. Ich
kann diesen Beruf nur empfehlen.c JAN LOBIK

TTRasmus Englisch (23) leitet das Naturfreundehaus Feld-

TTAndré Grunert (38) und seine Frau Anja (41) pachten

TTJan Lobik (36) ist Hausleiter des Naturfreundehauses

berg (L 40) und ist angestellt beim Landesverband Baden.

das Naturfreundehaus Kniebis (M 54) seit November 2016.

Priwall (C 2) und angestellt bei der Ortsgruppe Lübeck.

1-2019 NATURFREUNDiN

SEITE 21

NATURFREUNDE AKTIV

VERBANDSENTWICKLUNG

Eintausend neue NaturFreund*innen
Wie Mitgliedergewinnung mit der Methode „Ohren auf und Arme auf“ funktioniert
bRote und grüne Balken neben Zahlenkolonnen. Fein aufgeschlüsselt habe ich die Mitgliederentwicklung bei den NaturFreunden in
Deutschland in der Hand. Die Statistiken zeigen,
dass es Ortsgruppen gibt, die wachsen und solche, die kaum neue Mitglieder aufnehmen.
Letzteres ist ein Problem, weil diese Ortsgruppen älter werden. Ihnen fehlen dann immer mehr ehrenamtlich engagierte Menschen,
um die Naturfreundehäuser zu betreuen und ein

kennenzulernen. Erkenne Bedürfnisse und Talente – und sprich dann genau diese an.
Etwa so: „Du hast wirklich einen guten Orientierungssinn und deine Kondition ist auch nicht
von schlechten Eltern. Würde es dir vielleicht
Spaß machen, dein Können anderen weiterzugeben?“ Oder so: „Na, du scheinst dich ja bei
uns im Naturfreundehaus richtig wohlzufühlen.
Weißt du eigentlich, dass du es auch zu deinem
Haus machen kannst?“

ŇNaturFreund*innen
Ň
vor dem Naturfreundehaus Spatzennest (M 38) bei Ulm.
attraktives Programm aufrechtzuerhalten. Damit
sinken auch ihre Chancen, in ihrem Umfeld positiv Einfluss zu nehmen.
Wie finden neue Mitglieder zu uns? Auf diese
Frage gibt es Tausend Antworten. Denn jede*r
NaturFreund*in begegnet im Alltag Menschen,
die diese neuen Mitglieder sein könnten. Wenn,
ja wenn … Wenn was eigentlich? Was könnte
diese Menschen bewegen, NaturFreunde zu werden?
Wer sich diese Frage stellt, ist schon auf dem
besten Weg. Erst Ohren auf, dann Mund auf –
diese Reihenfolge erspart viel Frust. Versuche,
dein erhofftes neues Mitglied so gut wie möglich

SEITE 22

Wichtig ist: Sei konkret, aber einladend. Lass
deinem Gegenüber die Möglichkeit, frei zu entscheiden. „Du musst“ und „du sollst“ hört niemand gern. „Du kannst“ und „du darfst“ klingen viel besser.
Zeit ist immer knapp und Geduld noch knapper. Deshalb komme schnell zum Punkt und sage gleich, was du im Angebot hast. Die Vorteile,
die eine Mitgliedschaft bei den NaturFreunden
bietet, sind zahlreich: Preisnachlass im Naturfreundehaus, gute Sportausbildungen, Seminare, vielfältige Gemeinschaftserlebnisse, internationaler Austausch, antirassistische Arbeit,
interessante Verbandszeitschriften, abwechs-

lungsreiche Ortsgruppenprogramme. Verbinde diese Vorteile mit unseren Werten, unserem
Kampf für eine nachhaltige und gleichzeitig sozial gerechte Gesellschaft!
Und was ist, wenn du die erhofften neuen
Mitglieder gar nicht persönlich triffst, sondern
einen Flyer, ein Poster oder einen Aushang für
sie machst? Auch dann kannst du die Methode
des „Ohren auf und Arme auf“ anwenden. Deine
Phantasie erledigt den Job des Zuhörens.
Dazu stellst du dir den Leser deines Flyers
oder die Fußgängerin vor deinem Aushang möglichst genau vor. Hast du das Bild, dann schlüpfe in die Rolle dieser Person. Wie würde sie diesen Text finden? Erkennt sie sich in deinem Aushang wieder?
Mitgliederwerbung kann überall dort stattfinden, wo Nichtmitglieder mit den NaturFreunden
in Berührung kommen. Im Naturfreundehaus
ebenso wie bei Veranstaltungen, Festen und Infoständen. Ein Mitgliedsantrag kann und sollte
allem beigelegt werden, was deine Ortsgruppe
auf gedrucktem Papier verteilt.
Die beste Werbung für neue Mitglieder sind
Mitglieder. Warum nicht im Freundes- und Bekanntenkreis anfangen? Ortsgruppen können
Mitglieder, die neue Mitglieder werben, mit einem Dankeschön belohnen. Wobei die Geste
und die Wertschätzung oft das Wichtigste ist.
Tauscht euch auch in der Ortsgruppe oder
im Landesverband über eure Erfahrungen in der
Mitgliederwerbung aus. Was war erfolgreich,
womit wurden Menschen am besten überzeugt?
Denn das, was erfolgreich ausprobiert wurde,
können andere genauso erfolgreich nachmachen.
Nach unserer Erfahrung ist eine der wichtigsten Maßnahmen die Möglichkeit, Mitgliedsanträge online zu stellen. Sehr erfolgreich kann
auch die Mitgliederwerbung im Naturfreundehaus sein. Allein die Naturfreundehäuser Bodensee (L 51) und Feldberg (L 40) haben in den
letzten Jahren zusammen fast eintausend neue
Mitglieder gewonnen. Die Ortsgruppe Bad Vilbel
wächst dank eines konsequenten Ausbaus ihrer Angebote für Kinder und Familien. Und die
Naturfreundejugend hat mit der Gründung von
Hochschulgruppen gute Erfahrungen gemacht
(siehe auch NATURFREUNDiN 4-18, Seite 20).
In der Bundesgeschäftsstelle sammeln und
teilen wir diese Erfahrungen, damit die besten
Ideen in jede Ortsgruppe gelangen – und die
grünen Balken, die für Mitgliederzuwachs stehen
zahlreicher werden.c
MARITTA STRASSER




BUNDESGESCHÄFTSFÜHRERIN
NATURFREUNDE DEUTSCHLANDS

TTSchick deine Erfahrungen mit der Mitgliederwerbung an Maritta: mitgliederwerbung@naturfreunde.de

NATURFREUNDiN 1-2019

POLITISCHE BILDUNG

STANDPUNKT

Love Nature. Not Fascism

Wer ist hier rassistisch?

Das Bundestreffen der Naturfreundejugend

Eine Einladung zur Reflexion und Solidarität

bDas Bundestreffen Anfang Oktober im Na-

bAn den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ vom 11. bis zum 24. März
werden sich auch viele NaturFreund*innen
beteiligen. Gerade vor dem Hintergrund einer sich menschenverachtend gebärdenden populistischen Rechten, die zunehmend
auch gewalttätig rassistisch auftritt, ist es
vielen NaturFreunden ein besonderes Anliegen, hier aktiv zu werden.
Wie wäre es, zu diesem Anlass auch einmal uns selbst und die eigenen Organisationszusammenhänge kritisch zu hinterfragen? Zum Beispiel propagieren wir Offenheit und Vielfalt. Dennoch engagieren sich
bei uns – gerade in verantwortlichen Positionen – wenige schwarze Menschen oder
People of Color. Auf die Frage, warum das
so ist, hört man meist, die Offenheit unsererseits sei ja vorhanden, nur kämen eben
sehr wenige nichtweiße Menschen zu uns.
Damit machen wir es uns aber zu einfach. Wir verkennen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die strukturell rassistisch
ist und das Weißsein als Normalität denken
lässt. Ganz ungewollt verhalten wir uns deshalb oft auch rassistisch: Weil wir so handeln, dass die Folgen dieses Handelns den
strukturellen Rassismus fortschreiben.
Konkret zeigt sich dies etwa in der Nichtbeachtung schwarzer Menschen und People of Color. Sie werden nicht angesprochen,
nicht abgebildet, nicht in Funktionen ge-

turfreundehaus Teutoburg bei Bielefeld wird ein
politisches Jugendcamp für junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren. Veranstaltet wird es in
diesem Jahr von der Fachstelle für Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz.
Unter dem Motto „Love Nature. Not Fascism“
können sich Teilnehmer*innen über rechtsextreme Gruppierungen im Natur- und Umweltschutz
informieren, mit demokratiefeindlichen und menschenrechtsverletzenden Denkmodellen in der
Ökologiebewegung auseinandersetzen, Handlungsstrategien gegen rechte Unterwanderung
kennenlernen und sich in Argumentationstrainings gegen Rechts erproben.
Gleichzeitig bietet dieses Jugendcamp die
Möglichkeit, solidarische, progressive und demokratiefördernde Konzepte im Natur- und Umweltschutz kennenzulernen und für das eigene
Engagement nutzbar zu machen.

ŇDas
Ň Treffen vereint Theorie und Naturerlebnis.
Deshalb kommt auch das Naturerlebnis an
diesen Tagen nicht zu kurz. Es gibt verschiedene
Natursportangebote, Lagerfeuer, Musik und Tanz
unterm Sternenhimmel. Und natürlich die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen.
Flyer und Plakate zur Werbung für das Bundestreffen können unter info@nf-farn.de bestellt
werden.c
MARION ANDERT

TT3.–6.10.2019 ∙ Bundestreffen im Naturfreundehaus
Teutoburg (D 10) ∙ Leistungen: Ü/VP, Programm, teilweise
Fahrtkosten ∙ Kosten: 50 Euro
Auskunft & Anmeldung Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN)
c/o NaturFreunde Deutschlands · (030) 29 77 32 -68
info@nf-farn.de · www.nf-farn.de

1-2019 NATURFREUNDiN

wählt. Wenn wir Veranstaltungen planen,
denken wir zu oft an „ganz normale Menschen“, die wir ansprechen wollen. Und die
sind in unseren Köpfen zu oft so wie wir,
nämlich weiß und deutschsprachig, so dass
sich am Ende auch nur solche Menschen
angesprochen fühlen.
Wollen wir diesen Kreislauf durchbrechen, müssen wir uns aktiv darum bemühen, diesen strukturellen Rassismus zu
durchbrechen, der unbewusst „mitläuft“.
Denn es gilt: Nicht die Absicht macht Sprache und Handlungen rassistisch, sondern ihre Wirkung.
Zum Beispiel könnte man in einem ersten Schritt bewusst nach Organisationen
von schwarzen Menschen und People of
Color Ausschau halten, mit ihnen in Kontakt treten und ihre Arbeitsschwerpunkte kennenlernen. Nicht nur können wir so
von ihnen lernen, sondern auch Dinge tun,
die für die dortigen Kämpfe wichtig sind.
Vielleicht entstehen so auch Anknüpfungsmöglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit.
Und um noch einmal den Punkt mit dem
nicht gewollten Rassismus aufzugreifen: In
diesen Tagen ist es sicherlich auch eine gute
Übung, bei Hinweisen, unser Verhalten sei
rassistisch, nicht sofort beleidigt oder abwehrend zu reagieren, sondern nachzufragen, zuzuhören und nachzudenken.c

LUKAS NICOLAISEN

Die gemeinsame Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) von NaturFreunden und Naturfreundejugend identifiziert rechtsextreme und menschenverachtende
Ideologien und Denkmuster im Natur- und Umweltschutz und erarbeitet
menschenbejahende und demokratiefördernde Gegenentwürfe. FARN wird
gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Dieser
Standpunkt stellt keine Meinungsäußerung des BMFSFJ oder des BAFzA dar.
Mehr Informationen Fachstelle Radikalisierungsprävention und
Engagement im Naturschutz (FARN) ∙ www.nf-farn.de
SEITE 23

NATURFREUNDE AKTIV

ZEITSPRUNG

Fast 39.000 Gäste in 39 Monaten
Wie die Pulverhäuser der Festung Königstein zu Naturfreundehäusern wurden
bNur einige Grundsteine erinnern heute
noch an den Ort, wo die Pirnaer NaturFreunde
vor fast 100 Jahren eine soziale Heimat für Wander- und Kletterfreund*innen schufen. Dies ist
die fast vergessene Geschichte der Naturfreundehäuser in den ehemaligen Pulverhäusern der
sächsischen Festung Königstein.
Anfang Juni 1913 erschien in der Volkszeitung
Pirna ein Aufruf zur Bildung einer NaturFreunde-Ortsgruppe, die bereits am 19. Juni als Ortsgruppe Pirna und Copitz gegründet werden konnte. Neun Interessenten waren anwesend, für
Ende des Jahres sind bereits 45 Mitglieder dokumentiert. Man beschloss gedruckte Mitteilungen
herauszugeben und richtete mit gespendeten Büchern, Zeitschriften und Kartenmaterial eine Bibliothek ein. Neben wöchentlichen Wanderungen
wurden Klettertouren ausgeschrieben, Lichtbildervorträge veranstaltet sowie benachbarte Ortsgruppen und Naturfreundehäuser besucht.
In den Mitteilungen vom Juni 1921 wurde
schließlich zur Teilnahme am NaturFreunde-Tag
Sächsische Schweiz aufgerufen, der in der „Neuen Schenke“ unterhalb der Festung Königstein
am linken Ufer der Elbe stattfinden sollte. Vermutlich hatte die Ortsgruppenleitung zu dieser

Zeit bereits die ehemaligen Pulverhäuser an der
Festung als geeignete Unterkunftsmöglichkeiten
ausgemacht. Hunderte NaturFreunde konnten so
die Pulverhäuser aus unmittelbarer Nähe sehen.
Die Voraussetzungen für ein Häuserprojekt
waren günstig: Die Sozialdemokraten waren in
der sächsischen Regierung und setzten Bildungsund Reformpläne um, die Reichswehr sah man
kritisch. Der sächsische Innenminister und spätere Ministerpräsident Erich Zeigner (SPD) wollte
ihren Einfluss beschränken, weil sie sich „zu einer Bedrohung der Republik entwickelt“.
Im Juni 1922 verkündeten die Mitteilungen
dann: „Unterkunftsheim Königstein TVDN. Die
ehemaligen Pulverhäuser am Königstein sind
nunmehr gemietet worden. Ein neuer wichtiger
Wanderstützpunkt ist somit für die Naturfreundebewegung geschaffen [...].“
Nach umfangreichen freiwilligen Arbeitseinsätzen wurden am 6. und 7. September 1924 die
Pulverhäuser als NaturFreunde-Heime eingeweiht. Die NaturFreunde-Zeitschrift DER WANDERER berichtete im November 1924: „Unterhalb
der Festung, auf herrlichem Gelände, das früher
dem kulturvernichtenden Militarismus diente,
liegen einzeln verstreut die ehemaligen Pulver-

scheunen, die jetzt besseren Zwecken dienen,
indem sie Naturfreunden, die nach der Werktagsfron Erholung in der Natur suchen, als Unterkunft dienen.“
Die vier ehemaligen Pulverscheunen erhielten folgende Namen: Rohrauer-Haus (180 Plätze), Löns-Haus (106), Seume-Haus (14) und FrankHaus (18). Der Ausbau erfolgte durch Spendensammlungen und den Verkauf von „Bausteinen“.
Er wurde intensiv begleitet von den Fotogruppen
sowie Berichten in der Arbeiterpresse.
Allerdings wuchs der Einfluss der Reichswehr
im Deutschen Reich wieder, die die Häuser für
eigene Zwecke reklamierte. Ende 1925 wurde
der Mietvertrag dann gekündigt, wie die Volkszeitung meldete: „Am 31. Dezember 1925 soll
nun diese Kulturstätte, die das Unterkunftsheim
wirklich ist, wieder verschwinden. Der Vertrag
ist von der Militärbehörde gekündigt worden.
[...] Alle Kräfte müssen mobilgemacht werden,
um das Unterkunftsheim Königstein seinem jetzigen Zwecke zu erhalten.“
Trotz vieler Widerstände und öffentlicher Proteste mussten die Naturfreundehäuser im September 1926 geräumt werden. Innerhalb von 39
Monaten hatten hier 38.245 Mitglieder und Gäste,
unter ihnen 8.729 Kinder und 11.244 Jugendliche,
übernachtet. Dank einer vorausschauenden Politik von sozialdemokratischen Stadträten in Königstein konnte den NaturFreunden jedoch ein Alternativobjekt am Fuße des Liliensteins rechts der
Elbe angeboten werden – das heutige Naturfreundehaus Königstein.c
JOACHIM SCHINDLER

TTNaturfreundehaus Königstein (S 9) mit 116 Betten:
(035022) 994 80 ∙ www.S9.naturfreundehaus.de

ŇKarte
Ň
der Magazine: Heute erinnern nur noch Grundsteine an die Gebäude. Rechts die Einweihung des Rohrauer-Hauses im September 1924.
SEITE 24

NATURFREUNDiN 1-2019

NATURFREUNDE AKTIV

KALENDERBLATT

Es gilt noch viel zu tun
70 Jahre Grundgesetz: Wie es vier Frauen gelang, Gleichberechtigung zu schaffen

Von
Herta Däubler-Gmelin
bAm 23. Mai feiern wir den 70. Jahrestag
des Inkrafttretens unseres Grundgesetzes. Da ist
es gut, an die Visionen der kleinen Expert*innengruppe im Parlamentarischen Rat zu erinnern,
die eine stabile Grundlage für unsere rechtstaatliche und soziale Demokratie geschaffen hat.
Besonders wichtig ist es mir dabei, an die
Rolle der 4 – in Buchstaben: vier – Frauen zu
erinnern. Vier unter 68 Mitgliedern des Parlamentarischen Rates: Sie haben es geschafft,
die Gleichberechtigung zwischen Männern und
Frauen unter die jederzeit einklagbaren Grundund Menschenrechte aufzunehmen.
Das lag insbesondere an Elisabeth Selbert:
Lange stand alles auf Messers Schneide, weil
viele Männer auf dem Ohr der Gleichberechtigung ziemlich schwer hörten. Elisabeth Selbert,
Friederike Nadig, Helene Weber und Helene
Wessel haben deshalb mobilisiert und unglaublich viele Frauen dazu gebracht, ihre Forderung
Frauen können alles.

Mütter des
Grundgesetzes

ŇDownload:
Ň
www.kurzlink.de/MuetterGG
1-2019 NATURFREUNDiN

nach Gleichheit per Postkarte an den Parlamentarischen Rat zu senden. Allem Hunger, allen
Problemen der Nachkriegszeit und allen übrigen
Widerständen zum Trotz.
Das war ein großartiger Anfang. Allerdings
hat die Realisierung gleicher Rechte und Chancen – teilweise – bis heute gedauert. Das Bundesverfassungsgericht und auch der Europäische
Gerichtshof haben dabei geholfen. Ohne die
ständige Unterstützung der Frauen selbst, aber
auch der Politik und vieler Männer, kommen wir
nur langsam voran. Als Nächstes wäre ein umfassendes Parité-Gesetz gut, das die Partizipation der Frauen auf allen Ebenen der Politik, aber
auch in Verbänden und Wirtschaft sichert.

Zum 70. Geburtstag unserer
Verfassung sollten
wir jedoch auch
andere Herausforderungen ins Visier nehmen. Ich halte es heute für das Wichtigste, dass
Politik, Wirtschaft und wir alle
endlich die planetarischen Grenzen zur
Kenntnis nehmen, die Klimaschutz und Ressourcenschonung verlangen. Nicht irgendwann, sondern jetzt sind wirksame politische Entscheidungen nötig.
Die Zeit läuft aus, in der wir Nachhaltigkeit und eine friedliche Zukunft noch steuern
können. Denn wir wissen: Die Erderwärmung
schreitet voran, Entscheidungen dürfen nicht
mehr hinausgeschoben werden. Das muss die
Politik begreifen. Und wir in der Zivilgesellschaft
müssen der Politik Beine machen.

Heute regen sich viele über die Flüchtlingsund Migrantenzahlen auf. Die steigen weltweit.
Wer wirklich helfen will, muss dafür sorgen,
dass auch wir unseren Beitrag dazu leisten, dass
die Menschen in ihrer Heimat leben können und
eine Zukunft haben. Sonst suchen sie sich einen
anderen Platz zum Leben für sich und ihre Familien. Auch bei uns. Was zu tun ist? Ganz sicher brauchen wir mehr internationale Kooperation und weniger Export von Waffen und Rüstungsgütern.
Der Politik Beine machen
Genauso wichtig ist es jedoch, dass Industrienationen wie Deutschland endlich die Endlichkeit der Rohstoffe und Ressourcen akzeptieren und aufhören, ständig mehr davon zu verbrauchen, als uns zusteht. Tun wir das nicht, so
werden unsere Kinder und Enkel immer mehr
Kriege und Konflikte um Rohstoffe fürchten müssen. Eine friedliche Gesellschaft werden sie
nicht mehr haben.
Deshalb brauchen wir bald die politische Entscheidung, dass, sagen wir ab dem Jahr 2035, zumindest bei uns und in der EU nichts mehr produziert, gehandelt, im- oder exportiert wird, was
nicht vollständig recycelt, also wiederverwertet
werden kann. Unsere hervorragenden
Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und übrigen
Fachleute sind längst
dazu in der Lage; sie
können damit auch
die Grundlage für
neue Arbeitsplätze für die nächsten Generationen
schaffen.
Und
wir können uns
darauf einrichten.
Es gilt also
noch viel zu tun.
Freilich ist auch die
Politik verantwortlich,
der wir Beine machen
müssen. Aber auch wir müssen unsere Verantwortung sehen.
Sie gehört ebenfalls zum Auftrag unserer
Verfassung. Wir sollten deshalb dafür sorgen,
dass wir am 23. Mai nicht nur das Grundgesetz,
sondern auch den baldigen vollständigen Kohleausstieg und die verbindliche politische Entscheidung für die vollständige Recyclingwirtschaft feiern können.c

TTDie Juristin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD) war
von 1998 bis 2002 Bundesjustizministerin. Heute ist die
75-Jährige Ehrenpräsidentin des Bundesverbandes ehrenamtlicher Richterinnen und Richter.

SEITE 25

FEST GESETZT

23.–27.4.2019
Bouldercamp im Tessin (CH)
Gemeinsam Spaß haben in Cresciano.
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Pfaffenhofen
Norbert Meyer ∙ meyernorbert@web.de

Reisen
15.– 17.3.2019
Wintercamp für Natursportarten
Aktivwochenende auf dem Feldberg mit
Winterwandern, Schneeschuh- und Skitouren, rodeln, Langlauf, lglubau, Hüttenabende.
LeistungenÜ/VP, Programm
KostenMitglieder/Gäste: 90/100 €,
Jüngere günstiger
Anmeldeschluss5.3.2019
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundehaus Feldberg (L 40) ∙ (07676)
336 ∙ info@naturfreundehaus-feldberg.de
17.– 24.3.2019
Frauen-Winterfreizeit
Im Naturfreundehaus Kniebis (M 54) im
Nationalpark Schwarzwald: wandern, reden, lachen, wohlfühlen.
LeistungenÜ/HP, Kurtaxe
KostenMitglieder/Gäste: 310/360 €
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Württemberg ∙ (0711) 48 10
76 ∙ info@naturfreunde-wuerttemberg.de
29.–31.3.2019
Anspruchsvolle Tagesskitouren (CH)
Wir beschäftigen uns in den Glarner Alpen mit dem richtigen Verhalten im freien
Skiraum, unter anderem Lawinenkunde,
Notfallmanagement und Techniken für Aufstieg und Abfahrt.
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Bayern ∙ (0911) 23 70 50 ∙ info@nf-bayern.de
9.–13.4.2019
Skitouren von Hütte zu Hütte
Auf der Urner Haute Route (CH), Anforderungen: bis zu 1.400 Hm Aufstieg, Hochtourenausrüstung mit LVS-Gerät, Steigeisen, Klettergurt, etc., 35° steile Abfahrten
mit Rucksack.
KostenMitglieder/Gäste: 150/300 € (nur
Führungsgebühr)
Auskunft & AnmeldungNaturFreundeBundesgeschäftsstelle ∙ Eveline Steller
(030) 29 77 32 -63 ∙ sport@naturfreunde.de

15.–19.4.2019
Ferien mit Islandpferden
Reiterferien für 8–14-jährige Anfänger*innen
und Fortgeschrittene in 91575 Windsbach.
LeistungenÜ/VP, Programm
KostenMitglieder/Gäste: 230/290€
Anmeldeschluss25.3.2019
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundejugend Bayern ∙ (0911) 39 65
13 ∙ bayern@naturfreundejugend.de
19.–27.4.2019
Paddeltouren in Südfrankreich
Wir fahren in das schluchtenreiche Gebiet
der Ardeche, WW2, je nach Wasserstand
auch schwieriger.
Anmeldeschluss15.3.2019
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Hof
kanu@naturfreunde-hof.de
19.–27.4.2019
Kletterkurs in Arco (I)
am Gardasee für Jugendliche, Junggebliebene und Familien: Von der Grundlagenausbildung bis zum freien Klettern ist alles
möglich; Ü auf Campingplatz.
LeistungenÜ/HP, Programm
KostenMitglieder/Gäste 259/308 €
Anmeldeschluss19.3.2019
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundejugend München ∙ Michael
Stranzinger ∙ arco@nfj-muenchen.de
23.–27.4.2019
Die Mattisräuber im Lembergwald
Ferienfreizeit auf den Spuren von Ronja
Räubertochter für 6–14-Jährige im Naturfreundehaus Lemberg (M 10): durch den
Wald streifen, Lagerfeuer, Abenteuer, basteln, Räuber-Workshops.
LeistungenÜ/VP, Versicherung, Betreuung
KostenMitglieder/Gäste: (6–12 Jahre)
85/95 €, (13–14) 100/110 €
Anmeldeschluss26.3.2019
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundejugend Württemberg
(0711) 48 10 77 ∙ info@nfjw.de

Mehr Reisen www.reisen.naturfreunde.de

SEITE 26

3.–5.5.2019
Nationalparkwochenende
Naturerlebnisse für 6–12-Jährige im Naturfreundehaus Badener Höhe (L 24) im Nationalpark Nordschwarzwald.
LeistungenÜ/VP, Programm
KostenMitglieder/Gäste: 35/45€
Anmeldeschluss19.4.2019
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundejugend Baden ∙ (0721) 40 50
97 ∙ info@naturfreundejugend-baden.de
4.–5.5.2019
Klettern ohne Eltern (A)
Kletterwochenende im Inntal für 14–20-Jährige mit mindestens Kletterschein Basic,
schlafen und kochen im Naturfreundehaus.
LeistungenÜ/HP, Fahrt ab/bis München
KostenMitglieder/Gäste: 45/55 €, Jüngere günstiger
Anmeldeschluss19.4.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde München Brünnstein
Leo Heidmann ∙ leo@nfj-muenchen.de
10.–12.5.2019
Sportklettern im Frankenjura
Klettern in selbstständigen Seilschaften
am Fels; Voraussetzung: Klettererfahrung
am Fels und sicher im 6. Grad in der Halle im Vorstieg.
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Bayreuth ∙ Erik Fischer ∙ erikfisch@web.de

14.–23.5.2019
Der Drauradweg
500 Kilometer Radtour durch Italien, Österreich und Slowenien, auch für E-Bikes.
LeistungenÜ/F, Gruppenticket & Radbeförderung ab/bis Karlsruhe/Freiburg
KostenMitglieder/Gäste: 930/990 €
Anmeldeschluss1.3.2019
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Keltern-Dietlingen ∙ Heinz Blodek ∙ (0160)
553 98 11 ∙ heinznfhf@gmail.com
26.–30.5.2019
Zum Blauen Land
Wander- und Kulturreise in Oberbayern.
LeistungenÜ/HP, Transfer ab Bhf. Murnau
KostenMitglieder/Gäste: 335/365 €
Anmeldeschluss1.3.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Württemberg ∙ s.o.
26.5.–6.6.2019
Wandern im Naturpark Cilento (I)
fern vom Massentourismus, Hotel am Meer.
LeistungenÜ/HP, Flug ab/bis Frankfurt,
Ausflüge, Wanderungen, Sicherungsschein
KostenMitglieder/Gäste: 1.350/1.400 €
Anmeldeschluss1.3.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Mannheim ∙ Cinzia Fenoglio
(0179) 671 44 66 ∙ cinzia.fenoglio@gmx.de
29.5.–2.6.2019
Familienwochenende Thüringer Wald
An diesem Wochenende feiern wir den Kindertag im Naturfreundehaus Gießübel (T 7).
KostenMitglieder/Gäste: Familie 50/100 €
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Thüringen ∙ (0361) 66 01 16
85 ∙ info@naturfreunde-thueringen.de
ANZEIGE

Die schönsten Regionen Großbritanniens gemeinsam zu Fuß erkunden.
Come walk with us! www.boundless-reisen.de

NATURFREUNDiN 1-2019

FEST GESETZT

30.5.–7.6.2019
Schwarzwaldcross
150-Kilometer-Streckenwanderung mit Gepäcktransport, Übernachtung in Naturfreundehäusern, Jugendherbergen & Pensionen.
LeistungenÜ/F, Gepäcktransport, Wanderleitung
KostenMitglieder/Gäste: 590/690 €
Anmeldeschluss1.3.2019
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Keltern-Dietlingen ∙ Heinz Blodek ∙ s.o.
30.5.–9.6.2019
Paddeln in Slowenien
Frühjahrspaddeln an der Soca in Bovec
(WW II–IV).
Anmeldeschluss12.4.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Rüsselsheim ∙ Harald Linnemann ∙ (06142) 459 71 ∙ hahujo@yahoo.de
7.–10.6.2019
Klettern und Wandern
an den Kirner Dolomiten in 55569 Monzingen: Rund um den Campingplatz erwartet
uns ein Paradies für Kletterer und Wanderer plus Barfußpfad, Wildgehege, Sommerrodelbahn und Hochseilgarten; Klettererfahrung ist Voraussetzung für Kletterei.
KostenMitglieder/Gäste: 15/20 €, Jüngere
günstiger, + Kosten Camping & Verpflegung
Anmeldeschluss7.5.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Groß-Gerau ∙ Petra Ehman
petra.ehmann@naturfreunde-gross-gerau.de
7.–11.6.2019
Auf zu neuen Galaxien
Großes Pfingstcamp in 74321 Bietigheim
mit Astronauten-Grundtraining, spannenden Experimenten, Weltraumcafé und einer galaktischen Party.
LeistungenÜ/VP (zelten)
KostenMitglieder/Gäste: 60/70 €
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundejugend Baden ∙ s.o.
7.–11.6.2019
Pfingstcamp in Karlsruhe
Pfingstcamp in Karlsruhe mit viel Sport,
Kreativ- und Bastelworkshops, Ausflügen.
Auskunft & Anmeldung
Naturfreundejugend Bayern ∙ Dina Springhart ∙ bayern@naturfreundejugend.de

8.–10.6.2019
Dreitägige Frankenradtour
Von Rot am See nach Nürnberg, Ü in Landgasthöfen, Tourenlänge: ca. 60–80 km/Tag.
KostenDB, Ü + 20 € für Gäste
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Radgruppe Stuttgart
Horst Mörchen ∙ (0711) 257 87 51
www.naturfreunde-radgruppe-stuttgart.de
8.–11.6.2019
Radwanderungen Bayerischer Wald
Tagestouren von Lam in den Nationalpark
Bayerischer Wald, auch nach Tschechien.
Anmeldeschluss15.4.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde München-Brünnstein ∙ Stefan
und Johanna Deubler ∙ s.deubler@arcor.de
14.–16.6.2019
Mountainbiking im Fichtelgebirge
mit Verbesserung der Fahrtechnik; bis zu
1.600 Hm und 65 km pro Tag.
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Kirchenlamitz ∙ Sven Dreß
bergsport@nf-kirchenlamitz.de
15.–22.6.2019
Outdoorklettercamp (I)
Kletterwoche auf Campingplatz in Region
Bozen, gemeinsames Klettern und Radeln.
KostenMitglieder/Gäste: 70/140 €,
Jüngere halber Preis
Anmeldeschluss12.5.2019
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Bezirk München ∙ info@nfbm.de
16.–23.6.2019
Bergwanderwoche Ramsau (A)
Leichte bis mittelschwere Wanderungen.
LeistungenÜ/HP, Ramsau Sommercard
KostenMitglieder/Gäste: 656/610 €
Anmeldeschluss1.3.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Württemberg ∙ s.o.
17.–25.8.2019
Soziale Pedale am Niederrhein
Fahrradtouren ab Campingplatz in Xanten
zu den Themen Kies, Kohle und Römer.
Anmeldeschluss15.4.2019
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde Regionalverband Nord ∙ Wilhelm Bock ∙ (0471)
646 93 ∙ wilhelm.bock@nord-com.net

Hinweise 1. Die Reisebedingungen und die Reise- und Seminarangebote werden von
dem*der jeweiligen Veranstalter*in verantwortet. 2. Die Veröffentlichung in der NATURFREUNDiN ist eine unverbindliche Zusammenstellung ohne Gewähr. 3. Bitte meldet Reisen und Seminare, die in der NATURFREUNDiN veröffentlicht werden können, an
veranstaltungen@naturfreunde.de oder als Fax an (030) 29 77 32 –80. 4. Mehr Reisen,
Seminare, sportliche Ausbildungsangebote: www.veranstaltungen.naturfreunde.de.

1-2019 NATURFREUNDiN

Seminare
15.–17.3.2019
Flucht und Asyl
Modul V der Stärkenberater*innen-Ausbildung der NaturFreunde Thüringen, im Naturfreundehaus Thüringer Wald (T 7).
KostenMitglieder/Gäste: gratis/50 €
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Thüringen ∙ (0361) 66 01 16
85 ∙ info@naturfreunde-thueringen.de

29.–31.3.2019
Beratungsfälle meistern
Modul IV der Stärkenberater*innen-Ausbildung der NaturFreunde Hessen, in 36381
Schlüchtern-Vollmerz.
Kostenkostenfrei für Mitglieder
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Hessen ∙ (0176) 45 89 69 69
staerkenberatung@naturfreunde-hessen.de

15.–17.3.2019
Konflikte lösen
Modul III der Stärkenberater*innen-Ausbildung der NaturFreunde in Baden-Württemberg, im Naturfreundehaus Lemberg (M 10).
Kostenkostenfrei für Mitglieder
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Württemberg ∙ Nico Schmidt
(0711) 42 07 03 88 ∙ staerkenberatung@
naturfreunde-wuerttemberg.de

30.3.2019
Zukunftswerkstatt Naturfreundehäuser
im Naturfreundehaus Fuchsrain (M 17).
Anmeldeschluss4.3.2019
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Württemberg ∙ s.o.

22.–24.3.2019
NUST-Frühjahrstagung in Ludwigshafen
LeistungenÜ/VP, Seminar, Exkursion
Auskunft & AnmeldungNaturFreundeBundesgeschäftsstelle ∙ Katja Plume ∙ (030)
29 77 32 -69 ∙ plume@naturfreunde.de

5.–7.4.2019
Beratungsfälle meistern
Modul IV der Stärkenberater*innen-Ausbildung der NaturFreunde in Baden-Württemberg, im Naturfreundehaus Kohlhof (L 2).
Kostenkostenfrei für Mitglieder
Auskunft & Anmeldung
NaturFreunde Württemberg ∙ s.o.

29.–31.3.2019
FARN-Trainer*innenausbildung
Weiterbildung für das eigenständige Durchführen von Seminaren zum Themenfeld
Umweltschutz und Rechtsextremismus; im
Naturfreundehaus Teutoburg (D 10).
Kosten(für 2 Module) 90 €
Auskunft & Anmeldungwww.nf-farn.de

5.–7.4.2019
Beratungsfälle meistern
Modul IV der Stärkenberater*innenAusbildung der NaturFreunde Rheinland-Pfalz, im Naturfreundehaus Laacherseehaus (F 27).
Kostenkostenfrei für Mitglieder
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Rheinland-Pfalz ∙ (0621) 96 35 63 01
staerkenberatung@naturfreunde-rlp.de

29.–31.3.2019
Beratungsfälle meistern
Modul IV der Stärkenberater*innen-Ausbildung der NaturFreunde Bayern, in 96215
Lichtenfels.
Kostenkostenfrei für Mitglieder
Auskunft & AnmeldungNaturFreunde
Bayern ∙ Brigitte Schneider ∙ (0911) 237 05
15 ∙ staerkenberatung@nf-bayern.de

12.–14.4.2019
Nachhaltig leben in Smart Cities?
Jugendseminar in Darmstadt: Wie sieht das
gute Leben in der Stadt von morgen aus?
LeistungenÜ/VP, Fahrtkosten
Kosten10 €
Auskunft & AnmeldungNaturfreundejugend-Bundesgeschäftsstelle ∙ (030) 29 77
32 74 ∙ pinzel@naturfreundejugend.de

Mehr Seminare www.seminare.naturfreunde.de

SEITE 27

FEST GESETZT

Kleinanzeigen
a aHarzhaus-Brockenblick
Ein besonderes Ferienhaus, wunderschöne Lage im Oberharz mitten in der Natur.
Wohnung Eule 2–6 Pers. (NR).
Telefon (040) 73 50 90 61
E-Mail www.harzhaus-brockenblick.de

a aFerienwohnung am Bodensee
Ruhige Lage zw. Lindau und Wasserburg
für 2/3 Pers., 2 Zi./Wohnkü./Bad/Du/Balkone, günstig zu vermieten.
Telefon (08382) 273 69 55
E-Mail helenescharstein@yahoo.de

a aSportler tauscht Hilfe
(Haus, Hof, Büro) gegen Kaltmiete für Wohnung zwischen Harz und Bodensee.
Telefon (0761) 296 27 81

a aAlgarve: idyllisches Landhaus
2 km vom Strand, Alleinlage, sehr ruhig,
große Terrasse und Garten mit alten Bäumen, Räder, 2-6 Personen, 2 Bäder.
Telefon (0231) 77 39 29
Web www.rafoia.de

a aNaturfreundehaus in schöner Lage
zum Kauf oder in Erbpacht gesucht. Zuschriften mit Unterlagen bitte unter:
Chiffre 190101
INFO

Kleinanzeigen

a aLa Palma/Kanaren: FeHs für 1-4 Pers.
und 1 Gästezimmer (für alleinreisende
Menschen) in herrlicher Natur von privat
zu vermieten.
Telefon/Fax 0034 922 48 56 19
E-Mail sedzlapalma@telefonica.net
a aNaturerlebnis im Spessart

150 Anschläge zzgl. einer Kontaktzeile
kosten 26,- €, weitere 25 Anschläge je
2,50 € (immer zzgl. Mwst.). Mitglieder
erhalten 30% Rabatt.

Ferienhaus am Wald für 2 Personen, pers.
Charakter. Erholung in intakter Naturlandschaft. Wandern, Rad fahren, paddeln, Kultur. Ab 5 Nächte € 25 / NF € 20 pro Tag,
Kontakt: Petra Müller.
Telefon (040) 49 35 91
Web www.spessarthaus.de

Anzeige bitte einsenden an den
Naturfreunde-Verlag
Warschauer Str. 58a/59a · 10243 Berlin
Telefon (030) 29 77 32 –65 · Fax -80
anzeigen@naturfreunde.de

a aGENIESSEN.ERLEBEN.ENTSPANNEN.
Entschleunigen zwischen Rhein und Westerwald. Herrliche Wanderregion bei Köln
und Koblenz. FeWo mit Komfort.
Web www.wiedhoehen-fewo.de

in der NATURFREUNDiN

Leser*innenbriefe
NATURFREUNDiN 4-18
Ich möchte vorschlagen, die NATURFREUNDiN nur auf Anforderung an die Mitglieder
zu versenden. Das würde sicherlich Kosten
und Material einsparen.c ELLEN BECKER

WEILHEIM
Diese Ausgabe war wieder mal spitze! Ich
würde gerne fünf Freund*innen beim BUND
auch ein Exemplar geben und bitte um Zusendung.c HORST THEODOR SCHLIESSER

REICHENAU-LINDENBÜHL
Ich möchte die NATURFREUNDiN nicht mehr
zugeschickt bekommen. Ich kann und will
das Stern*chen- oder Strich_chen-Geschreibsel nicht lesen! Ich bin kein Gegner einer
geschlechtergerechten Sprache, aber das
könnte man auch auf eine besser les- und
sprechbare Weise lösen, „liebe Genossinnen
und Genossen“!c EBERHARD WEINMANN

ENINGEN UNTER ACHALM

Wie Frauen eine Stimme bekamen
Vielen Dank für den Artikel über das Frauenstimmrecht. Darin werden – abgesehen von Rosa Luxemburg – fünf Namen
von deutschen Frauenrechtlerinnen genannt. Mich hat interessiert, ob diese Namen in Form von Straßen- und Schulnamen
deutschlandweit in aller Öffentlichkeit bekannt sind. Im Internet habe ich bundesweit immerhin zwei Schulen entdeckt: eine
Anita-Augspurg-Berufsoberschule in München und ein Lily-Braun-Gymnasium in Berlin. Als Straßennamen gibt es einen Edingerweg in Frankfurt, eine Marie-Stritt-Straße
in Dresden, eine Lily-Braun-Straße in Berlin
und – man höre und staune – sogar zweimal eine Minna-Cauer-Straße: eine in Berlin
und eine in Endingen am Kaiserstuhl. Was
für eine üppige Auswahl anno 2018! Was für
eine erbärmliche Wertschätzung!c

MARLIES BEITZ

STUTTGART

Zusammenführen statt zu spalten

a aNaturfreundehaus Brend ab dem 1. April wieder geöffnet
Das Naturfreundehaus Brend in Furtwangen im Schwarzwald liegt direkt am Westweg
sowie dem neuen WasserWeltenWeg und dem Fernskiwanderweg Schonach-Belchen.
Das Haus bietet 47 Betten und eine Gastwirtschaft mit Terrasse und ist hervorragend
geeignet für Gruppen, Familien und Wanderer.
Naturfreundehaus Brend (L 38)
Auf dem Brend 5 · 78120 Furtwangen
(07723) 803 · nfh.brend@t-online.de · www.naturfreundehaus-brend.de

SEITE 28

Eine widersprüchliche Argumentation des
Autoren: Die heutige Politik unterscheide
sich angeblich von früher dadurch, dass
heute mehr „polarisiert [...] und mehr personalisiert“ werde. Später kommt der Autor
jedoch auf die eigentlichen Veränderungen
der kapitalistischen Gesellschaft zu sprechen: Der „Fahrstuhl“ funktioniere nicht
mehr – sprich die soziale Spaltung nimmt
zu und das Aufstiegsversprechen ist Abstiegserfahrungen und -ängsten gewichen.
Um sogleich zu behaupten, dass das auch

nicht mehr möglich sei wegen „Nationalstaat“ und fehlendem „hohem Wachstum“ –
und nicht etwa wegen der Politik der letzten Jahrzehnte unter Beteiligung von SPD
und Grünen; die Große Koalition hat damit
auch nichts zu tun. Die Entwicklung ist quasi unvermeidbar. Dann jedoch beschreibt er
jede Menge auch nationalstaatlich anzupackender Themen. Ja, was denn nun?
Ich denke, weder das Erstarken rechter
Kräfte noch die reale soziale und politische Entwicklung sind unvermeidbar und
quasi naturgegeben. Für den notwendigen
„Umbau der Gesellschaft“ werden wir uns
wohl schon mit den kapitalistischen Gegebenheiten anlegen müssen. Im Kleinen
wie im Großen.c
KARL REIF

STUTTGART

Unsere Häuser
Als fünfköpfige NaturFreunde-Familie besuchen wir kein Naturfreundehaus mehr,
denn die Preise sind meist teurer als in
umliegenden Ferienwohnungen. Scheinbar
richten viele Naturfreundehäuser ihre Preise auf Nichtmitglieder aus, die oft nur ein
Wochenende im Haus verbringen. Für länger bleibende NaturFreunde-Familien sollte der Beitrag so reduziert werden, dass
das Naturfreundehaus günstiger ist als in
umliegenden Ferienwohnungen. So könnten auch neue Mitglieder geworben werden.c
RAINER KOOB

LORSCH

KOMMENTIERE VIA TWITTER

@NaturFreunde

#NFiN119
INFO

Leser*innenbriefe
an die NATURFREUNDiN
Was war gut, was nicht, woran
müsste noch gedacht werden?
Schreibt uns bitte:
NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Str. 58a/59a · 10243 Berlin
leserinnenbriefe@naturfreunde.de
Die Redaktion behält sich Kürzungen
der Einsendungen vor.

NATURFREUNDiN 1-2019

FEST GESETZT

25 Jahre Deutsche Bahn AG
Im 25. Jahr
der Bahnreform prägen
Verspätungen, Zugausfälle und im25 Jahre Deutsche Bahn AG
mer weniger
Verbindun9131
Störu Tag
gen in der
e
Betrngen im
ie
abla bsFläche das
uf
Bild der Deutsche Bahn
AG. Während
das Management „Fahrgastrekorde“ verkündet, fahren tatsächlich Millionen Menschen weniger Bahn, zudem sind 17 Prozent des Schienennetzes weg sowie fast die Hälfte der
Beschäftigten im Schienenbereich. Gut 95
Prozent der Bahnhöfe sind heute ohne Personal. Dieses Lunapark21-Sonderheft, herausgegeben vom Bündnis Bahn für Alle,
bei dem die NaturFreunde Deutschlands
Gründungsmitglied sind, bilanziert die aktuelle Bahn-Krise auf 100 Seiten und liefert
Zahlen, Analysen und Hintergrundinformationen. Eine überaus interessante Lektüre, zum Beispiel für die nächste Bahnfahrt.c
SAMUEL LEHMBERG
D 5,00 Euro // Extra 18/19 > Herbst 2018

extra

zeitschrift zur kritik der globalen ökonomie

Medien
Das Netzwerk der Identitären
Jung, modern,
naturverbunden und besorgt um
das Abendland. So inszeniert sich
die „Identitäre Bewegung“
im Internet.
Ist diese Jugendbewegung lediglich
ein kurzlebiges Phänomen der Sozialen Medien? Nach der Lektüre des Sammelbands des Journalisten und
Szenekenners Andreas Speit kann die Antwort nur Nein sein. Die verschiedenen Beiträge beleuchten die erschreckende Vernetzung der Identitären mit völkischen Sippen
und bis tief hinein in Mitarbeiterbüros des
Bundestags. Dabei können sie gerade bei
jungen Menschen mit ihren professionellen
medialen Aktionen punkten.
Alter Wein in neuen Schläuchen
Das Personal der Identitären setzt sich aus
ehemaligen Neonazi-Kadern zusammen,
die sich vom schlechten Ruf der Kameradschaften und der NPD lösen wollen. Nun
heißt es „100 % Identität – 0 % Rassismus“,
während gleichzeitig die Rückführung aller
Migrant*innen zum Erhalt der Kultur gefordert wird. Aus „Blut und Boden“ wird „Ethnopluralismus“, aus „Rasse“ wird „Kultur“:
Begriffe werden umgedeutet und mit neuem rechtsextremen Inhalt gefüllt. Ideologisch hängen sie dem Geist der „Konservativen Revolution“ nach, einer nationalkonservativen Denktradition der Weimarer Republik. Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft der sogenannten „Neuen Rechten“
und pflegen enge Kontakte zum Institut für
Staatspolitik, Burschenschaften, dem Magazin Compact und vereinzelt der AfD. Die
Forderung nach einem ethnisch homogenen
Staat und die Warnung vor einer vermeintlichen Überfremdung stehen den Werten
der NaturFreunde diametral entgegen. Auch
die gelungenen medialen Inszenierungen
von gemeinsamem Naturerleben und Outdoor-Aktivitäten sind Grund genug für NaturFreunde, wachsam zu sein und sich präventiv vor rechtsextremer Einflussnahme zu
schützen.c
YANNICK PASSEICK

TTAndreas Speit (Hg.): Das Netzwerk der
Identitären – Ideologie und Aktionen der
Neuen Rechten; 264 Seiten; Ch. Links Verlag, Berlin, 2018; ISBN 9783962890087;
18 Euro.

1-2019 NATURFREUNDiN

Entwertung
Das 21. Jahrhundert wird
„eine Phase abrupter
und irreversibler Veränderungen im
Netz des Lebens werden.“
Denn „die
Welt ist aus
den Fugen geraten.“ Das ist
die Ausgangslage von Entwertung. Die Autoren Patel
und Moore haben eine Geschichtsschreibung der Welt in sieben billigen Dingen
vorgelegt, deren Entwertung in vielen Bereichen des Alltags stattfindet. Konkret beschäftigen sie sich mit den Aspekten Natur, Geld, Arbeit, Fürsorge, Nahrung, Energie und Leben. In ihrer Analyse gehen sie
auch auf die soziale Ungerechtigkeit dieser Entwicklung ein. Denn was für uns billig und schnell zu haben ist, ruiniert nicht
nur unseren Planeten, sondern geht auch
auf Kosten derjenigen, die weniger privilegiert sind als wir.
Schließlich zeigen die Autoren in einer
klaren Sprache Wege auf, wie diese Entwicklung gestoppt werden kann: mit einem grundlegenden Umbau unseres Wirtschafts- und Sozialsystems. Allerdings: Hier
hätte ein stärkerer Bezug zur Realpolitik
das Buch bereichert.
Unvorstellbar: das Ende des Kapitalismus
Patel und Moore fordern nicht weniger als
einen „geistigen Zustandswechsel“ und gehen damit deutlich weiter als der Mainstream. Schließlich sei es für die meisten Menschen einfacher, „sich das Ende des Planeten vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Folglich muss mit unserem Eintritt
in eine neue Epoche auch ein geistiger Zustandswechsel einhergehen“, so die Autoren.
Fazit: All diejenigen, die an einer fundierten Benennung der Probleme interessiert
sind, die unsere neue Epoche des Anthropozäns mit sich bringt, und gleichzeitig
auch nach Lösungsansätzen suchen, werden Entwertung sicherlich mit einem Zugewinn an Erkenntnissen lesen. Den Wert
dieses Buches machen auch die gut begründeten Einschätzungen der Autoren
aus, die sie mit nachvollziehbaren Beispielen eindrucksvoll untermauert haben.c

JOACHIM NIBBE

TTRaj Patel, Jason W. Moore: Entwertung –
Eine Geschichte der Welt in sieben billigen
Dingen; 352 Seiten; Rowohlt Verlag, Berlin,
2018; ISBN 9783737100526; 24 Euro.

++ DB-Schulden-Rekord ++ Grube jobbt bei Herrenknecht ++ Alexander Doll als Heuschrecke auf Schienen ++ Bilanz von R. Lutz ++ Neue – nicht gerechtfertigte – Bahnpreiserhöhungen ++ Der Tarifdschungel ++ Neue Privatisierungsmodelle ++ Dierdorf: In einem
Jahrzehnt gab es 40 ICE-Brände ++ Zerstörerische Monsterprojekte: Stuttgart21 – Zweite
S-Bahn-Stammstrecke München – Altona/Diebsteich ++ Das Rastatt-Desaster: Zwei Jahre Stillstand ++ Nachtzüge rollen – ohne die DB ++ Projekt: Komitee „Rettet die Bahn!“ ++

TTBündnis Bahn für Alle (Hg.): 25 Jahre
Deutsche Bahn AG – 9131 Tage Störungen
im Betriebsablauf; Magazin, 96 Seiten;
Lunapark21 Extra Nr. 18/19; Berlin 2018; 5
Euro; Vertrieb über Bahnhofsbuchhandlungen und www.lunapark21.net

Menschenfeindlichkeit im
Natur- und Umweltschutz
Gruppenbezogene MenschenfeindAspekte Gruppenbezogener
lichkeit ist
Menschenfeindlichkeit
im Natur- und Umweltschutz
nicht nur ein
Phänomen
des Rechtsextremismus.
Rassistische,
sexistische
und andere
menschenverachtende Haltungen und Strukturen finden sich auch im
Natur- und Umweltschutz. Meist geschieht
dies unwissentlich und unabsichtlich. Die
Broschüre bietet die Möglichkeit, sich anhand von Debattenbeiträgen mit Aspekten
Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
im Natur- und Umweltschutz auseinanderzusetzen. Gleichzeitig gibt sie Denkanstöße und eröffnet Perspektiven, wie demokratiefördernder und menschenrechtsbejahender Natur- und Umweltschutz gestaltet
werden könnte.c
MARION ANDERT
Eine Diskussion

1

TTNaturFreunde Deutschlands, Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (Hrsg.): Aspekte
Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
im Natur- und Umweltschutz – eine Diskussion; 36 Seiten, DIN-A4-Broschüre; Eigenverlag, Berlin, 2019; Download
www.nf-farn.de.

Impressum
NATURFREUNDiN
71. Jahrgang · ISSN 0943–4607
Bundeszeitschrift & Mitgliedermagazin
der NaturFreunde Deutschlands e. V.
www.naturfreundin.naturfreunde.de
Redaktion Marion Andert [MA], Eckart
Kuhlwein [EK], Joachim Nibbe [JN], Kai
Niebert [KN], Samuel ­Lehmberg [SL],
Hans-Gerd Marian [HGM], Maritta Strasser [MS] (V.i.S.d.P.).
Redaktionsbüro
Samuel Lehmberg · (030) 29 77 32 -65
redaktion@naturfreunde.de
Nächster Redaktionsschluss 12.4.2019
Erscheinungstermine 1.3./1.6./1.9./1.12.
Naturfreunde-Verlag Freizeit und Wandern GmbH · www.naturfreunde-verlag.de
Anzeigen (030) 29 77 32 –65
Abonnement abo@naturfreunde.de
(030) 29 77 32 -66 Jahresabo 20 € · Mitglieder erhalten die NATURFREUNDiN im
Rahmen der Mitgliedschaft kostenfrei.
Gestaltung & Satz www.bar-pacifico.de
Etienne Girardet, M. Lichtwarck-Aschoff
Druck & Vertrieb Möller Druck, Ahrensfelde, gedruckt auf 70 g/qm ultraMAG
PLUS silk aus 100% Altpapier (sortierte
Haushaltssammelware), zertifiziert mit
dem Umweltzeichen „Der blaue Engel“.
Regionalausgaben der Landesverbände
Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg,
Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen, der
Bezirke Kassel, Mittelfranken, München
und Oberfranken sowie der Ortsgruppen Frankenthal, Hannover, Karlsruhe
und Mannheim sind beigefügt.
Druckauflage 54.000
(IVW-geprüft 4/2018)
Bildnachweis (jeweils von links nach
rechts, dann von oben nach unten): S. 1:
Rodion Kutsaev / unsplash [RKU]; S. 2: Leonhard Lenz / wikimedia (CC0 1.0), NaturFreunde-Archiv [NFA]; S. 3: RKU, Garon S /
flickr (CC BY-NC-ND 2.0) [GSF], Naturfreundejugend [NFJD], Erhard Driesel [ED]; S.
4: Aaron Burden / unsplash; S. 5: Nick Reimer; S. 6: Asgeir Pall Juliusson / unsplash;
S. 7: Kris Atomic / unsplash; S. 8: A. Habermeier; S. 9: Virginia Lackinger / unsplash;
S. 10: pxhere; S. 11: Onkel Holz / wikimedia
(CC0 1.0); S. 12: DGB, FARN; S. 13: Matthias/
wikimedia (CC BY 3.0), Stefan Rathgeber,
Steve/pexels; S. 14: Aurora Righetti, Miriam
Candelas, Samuel Lehmberg; S. 15: GSF, Annemarie Vogelberg, Henrique Gonçalves,
Delara Burkhardt; S. 16: Holger Hinrichsen,
Zbynek Burival / unsplash; S. 17: NFA, Thomas Mann; S. 18-19: Heinrich Pingel, (Karte): Lencer/wikimedia (CC BY-SA 3.0); S. 20:
René Fischer, Philipp Fuge, NFJD; S. 21: Rasmus Englisch, André Grundert, Jan Lobik; S.
22: HP Zagermann; S. 23: NFJD; S. 24: Joachim Schindler; S. 25: Mehr Demokratie /
wikimedia (CC BY-SA 2.0); S. 26: Kasia Wanner / unsplash; S. 26–27: pxhere; S. 27: Anton Darius Thesollers / unsplash; S. 28: Jeremy Bishop / unsplash, David Clode / unsplash; S. 29: Dawid Zawila / unsplash; S.
30: Tilo Wetzel, Eva Waardenburg / unsplash; S. 31: ED; S. 32: Tobias Wichert.

SEITE 29

FEST GESETZT

NaturFreunde bei Ausstellung
„Wanderland“ in Nürnberg

Vier Fragen an
NaturFreund Tilo Wetzel
„Weiße Elster soll bundesweit bekannt
werden“, meldete kürzlich die Ostthüringer Zeitung. Der rechte Nebenfluss
der Saale bewerbe sich um den Titel
„Flusslandschaft des Jahres 2020/21“,
das Verfahren habe bereits Mitte November mit einer öffentlichen Veranstaltung begonnen und Tilo Wetzel aus Gera koordiniere die Antragserarbeitung.
Die NATURFREUNDiN ist sofort hellhörig geworden und hat NaturFreund Tilo
Wetzel angerufen:
eDie Ortsgruppe Gera will die Weiße
Elster als Flusslandschaft des Jahres
2020/21 vorschlagen?
Tilo Wetzel: Tatsächlich ist es eine gemeinsame Bewerbung der NaturFreunde-Landesverbände Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit den jeweiligen Angelfischern. Wir erarbeiten
nur federführend den Antrag, weil wir
ganz zentral am Fluss liegen und auch
schon lange an der SPD-Initiative Kulturlandschaft Weiße Elster mitarbeiten.
eWas macht die Weiße Elster aus?
Zwischen der Quelle in Tschechien und
der Mündung in Halle liegen reichlich
245 Flusskilometer, die unter anderem
stark vom Bergbau beeinflusst sind –
mit allen Herausforderungen, die damit
zusammenhängen. Die Weiße Elster ist
zudem eiszeitlich geprägt und bietet Natur und Kultur im Überfluss.
eWas wollt ihr mit der Ausrufung zur
Flusslandschaft des Jahres erreichen?
Den Fluss bekannter machen und so
den Tourismus fördern. Aber auch die
Landesregierungen ermuntern, die
EU-Wasserrahmenrichtline umzusetzen.
Zuerst den Hochwasserschutz, weil er
die Menschen unmittelbar betrifft. Dann
brauchen wir mehr Fischtreppen für
Wanderfische. Und die Flusslandschaft
soll stärker als naturnahes Wander- und
Erholungsgebiet genutzt werden. Der
Elsterradweg muss ausgebaut werden.
eWie geht es nun weiter?
Wir stehen in intensivem Kontakt mit
den Angelfischern, schließlich ist die
Flusslandschaft ja eine gemeinsame
Kampagne von NaturFreunden Deutschlands und Deutschem Angelfischerverband. Im Januar und Februar haben wir
mit Flusskonferenzen unser Vorhaben
in den Regionen bekannt gemacht. Der
eigentliche Antrag muss im Juni fertig
sein, am 30. Juni ist Bewerbungsschluss.
Und im Oktober wissen wir dann, ob
die Weiße Elster als Flusslandschaft des
Jahres 2020/21 ausgewählt wurde. Die
Unterstützung hier ist jedenfalls sehr
groß.c FRAGEN SAMUEL LEHMBERG

TTwww.flusslandschaft.naturfreunde.de
SEITE 30

TTHintergründe www.atomwaffenfrei.de
TTMehr Informationen auch bei: Uwe

Noch bis zum 28. April ist die Sonderausstellung „Wanderland – eine Reise durch
die Geschichte des Wanderns“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
zu sehen. „Gerade für NaturFreund*innen ist diese Ausstellung ein echter Tipp“,
sagt Karlheinz Bär, Bundesfachgruppenleiter Wandern der NaturFreunde Deutschlands. „Immerhin wird in unserem Verband seit mehr als 120 Jahren gewandert.“
Einen Überblick über die Kulturgeschichte
des Wanderns geben zahlreiche Gemälde
und Skulpturen, aber auch Gesellschaftsspiele und Wanderausrüstung. Zwei der
400 Exponate stammen übrigens von den
bayerischen NaturFreunden, darunter eine
Standarte, die ein mutiges Mitglied im Jahr
1933 unter einem Berg dreckiger Wäsche
gerade noch vor den Nazis retten konnte, bevor die die Nürnberger NaturFreunde-Geschäftsstelle verwüsteten und alle
Dokumente, Dias und Bilder zerstörten.
Am 17. März um 11:00 Uhr wird der württembergische NaturFreund Waldemar
Grytz zudem einen Vortrag über das Soziale Wandern halten, das eine lange Tradition bei den NaturFreunden hat.c
SL

Hiksch · NaturFreunde-Bundesvorstand
(0176) 62 01 59 02 · hiksch@naturfreunde.de

TTAusstellung www.gnm.de/wanderland

kurz notiert
Naturfreundehaus Lauenstein
wird rollstuhlgerecht umgebaut
Das Naturfreundehaus Lauenstein (E 22)
mit 78 Betten im niedersächsischen Salzhemmendorf kann künftig auch Rollstuhlfahrer willkommen heißen. Derzeit werden
zwei Zimmer im Erdgeschoss rollstuhlgerecht umgebaut. „Wenn wir mit unserem
Umbau fertig sind, werden wir im weiten
Umkreis das einzige Haus sein, dass von
den baulichen Gegebenheiten auch Inklusionsklassen aufnehmen kann“, freut
sich Rudi Hüskes, zweiter Vorsitzender der
Ortsgruppe Lauenstein. Auf dem 90.000
Quadratmeter großen Gelände der anerkannten Jugendbegegnungsstätte gibt es
neben Spiel-, Volleyball- sowie Bolzplätzen, Lagerfeuerstellen und Tischtennisplatten auch einen Hochseilgarten.c
SL

TTwww.E22.naturfreundehaus.de

Programm der bayerischen
NaturFreunde-Erlebnis-Akademie
Die NaturFreunde-Erlebnis-Akademie (NEA)
der NaturFreunde Bayern hat ihr Jahresprogramm 2019 veröffentlicht mit rund 100 attraktiven Mitmachangeboten aus den Bereichen Sport, Umwelt und Kultur. „Besonders die Ausbildungsangebote wie Lawinen-, Kletter- und Skilehrgänge sind für jedermann gedacht und dabei auch eine gute
und fundierte Vorbereitung für eine Trainerqualifikation in unserem Verband“, sagt
Wolfgang Spindler, Leiter der NEA.c SL

TTDownload NEA-Jahresprogramm 2019:
www.naturfreunde.de/NEA-Programm19

NIVON feiert 95. groß im Juni
Mit einem großen Festival im Juni 2019
wollen die niederländischen NaturFreunde
(NIVON) ihr 95-jähriges Bestehen feiern.
Erwartet werden Hunderte Mitglieder und
Gäste, für die ein interessantes Programm
organisiert wird mit Workshops, Konzerten, Vorträgen, Theater und Sportangeboten. NIVON hat 18.500 Mitglieder, allein
seit dem Jahr 2017 konnten 2.000 Mitglieder dazugewonnen werden.c
SL

TT7.–10.6.19 · NIVON-Pfingstcamp mit
95-Jahr-Feier auf NIVON-Campingplatz in
Gelderland: www.hethallsehull.nivon.nl

TTMehr Informationen
Han Verschuur · NIVON-Vorstand für Internationales · han.verschuur@online.de

NaturFreunde-Protest gegen
Atomwaffen in der Eifel
Die NaturFreunde werden am 2. Juni am
Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz gegen die dort stationierten Atomwaffen protestieren. Dabei soll das Atomwaffenlager auf einem Friedensmarsch umwandert
werden, zudem ist ein begleitendes Kulturprogramm geplant. Eingebettet ist die Aktion in die Kampagne „20 Wochen gegen
20 Atombomben“. Bitte beteiligt euch zahlreich und nehmt Fahnen mit.c
SL

Comic und App für Jüngere
Naturschutz- und Natursportverbände, darunter die NaturFreunde Deutschlands, haben den taschengroßen Comic ­Gemeinsam
geht’s herausgegeben, der junge Menschen für die Auswirkungen des Klimawandels auf den Natursport sensibilisieren
möchte. Eine App gibt es auch.c
SL

TTwww.naturfreunde.de/gemeinsam-gehts
WIR TRAUERN

Walter Kürner
* 13.10.1933

† 31.1.2019

Walter Kürner ist im Alter von 85
Jahren in Stuttgart verstorben. Der
langjährige Bundesfachgruppenleiter
Schneesport, seit 1946 Mitglied der
Ortsgruppe Stuttgart-Botnang und
erster Ski-Übungsleiter in Stuttgart,
war maßgeblich an der Entwicklung
der Fachgruppe in Stuttgart, im Landesverband Württemberg sowie auf
Bundesebene beteiligt. Walter vertrat auch lange die Positionen der
NaturFreunde im Deutschen Verband für das Skilehrwesen und wurde zudem vom NaturFreunde-Bundeskongress als Revisor gewählt.
Die NaturFreunde verlieren mit Walter ein überaus engagiertes Mitglied
und einen immer den Kompromiss
suchenden Mitstreiter für die Ideale
und Werte der NaturFreunde-Bewegung. Wir werden ihn sehr vermissen. Berg frei!cERWIN FÜSSINGER

Camp im Iran für
junge Bergsteiger*innen
Das jüngste Mitglied der internationalen NaturFreunde-Familie ist der iranische
Atour Adventure Club. Der organisiert seit
2015 jährlich ein Camp für junge Bergsteiger*innen – das „Union Internationale des
Associations d’Alpinisme“ (UIAA). Dabei
besteigen die Teilnehmer*innen unter anderem den 5.610 Meter hohen Damavand
und damit den höchsten Berg Irans sowie
den höchste Vulkan Westasiens. Bei dieser Veranstaltung kommen junge Teilnehmer*innen aus Europa und Asien zusammen. Das nächste UIAA findet vom 20. Juli
bis zum 1. August 2019 statt und kostet ohne Flug ab 330 Euro.c
SL

TTwww.iranoutdoorevents.com/uiaa
„Natuurvrienden Bergstijgers“
wollen Denali und K2 besteigen
Auch wenn Flandern vergleichsweise flach
ist, bilden die „Natuurvrienden Bergstijgers“ doch eine der größten Fachgruppen
bei den flämischen NaturFreunden – und
eine der aktivsten. Im Frühjahr werden
sechs Mitglieder nach Alaska aufbrechen,
um den 6.190 Meter hohen Denali zu besteigen, auch bekannt als Mount McKinley.
Währenddessen reist Vorstandsmitglied
Niels Jespers nach Pakistan mit dem 8.611
Meter hohen Gipfel des K2 als Ziel. ­Niels
wird im alpinen Stil ohne zusätzlichen
Sauerstoff klettern und wäre der erste Belgier auf dem K2, dem das gelingt.c SL

TTDenali-Expedition www.denali2019.be
TTK2-Expedition www.nielsjespers.be
NATURFREUNDiN 1-2019

Die Bakuninhütte
Zwischen Thüringer Wald und Rhön steht das neueste Naturfreundehaus: die Bakuninhütte (T 3) bei Meiningen. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es zwar nicht, allerdings können
zwei Aufenthaltsräume für Veranstaltungen genutzt werden. Das parkähnliche Gelände in
Alleinlage bietet sich an für Picknicks, Lagerfeuer oder Geländespiele. Die NaturFreunde
Thüringen veranstalten hier auch ein Familiencamp.
Die Bakuninhütte mit ihrer fast hundertjährigen Geschichte ist das einzige Relikt des
Anarchosyndikalismus in Deutschland. So wird ein gewerkschaftlicher Organisationsansatz von Selbstbestimmung, -organisation sowie Solidarität bei der Überwindung von
Ausbeutung bezeichnet, der eine herrschaftsfreie, basisdemokratische und selbstverwaltete Gesellschaft anstrebt.
www.T3.naturfreundehaus.de
1-2019 NATURFREUNDiN

400 Naturfreundehäuser in Deutschland
In Eigenleistung und genossenschaftlicher Selbst­
hilfe haben die NaturFreunde Bildungs-, Freizeitund Erholungshäuser gebaut. Rund 400 dieser
Naturfreundehäuser gibt es in Deutschland, etwa
700 weltweit – allesamt gute Beispiele für gelebten
­sanften Tourismus.
Naturfreundehäuser stehen allen Menschen ­offen,
Mitglieder erhalten Ermäßigungen.
www.naturfreundehaus.de
SEITE 31

Was mir an den
NaturFreunden gefällt

Tobias Wichert (22) ist Mitglied in
der Ortsgruppe Nürnberg-Eibach
und Trainer B – Wildwasser.

Vor neun Jahren fuhr
ich das erste Mal Kajak
bei einer NaturFreundeFamilienfreizeit. Heute bin
ich im Bundeslehrteam Kanusport.

SCHNUP­P ER­M IT­G LIED­S CHAFT
c

Er­wach­se­ne (50,– €)

c

Fa­mi­lie (75,– €)

c

Kin­der/Ju­gend­li­che (25,– €)

Nachna­me, Vor­na­me

Ge­burts­da­tum

Stra­ße

PLZ, Wohn­ort

Eintrittsjahr

Telefonnummer für Rückfragen

Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me

Ge­burts­da­tum

Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me

Ge­burts­da­tum

Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me

Ge­burts­da­tum

Wei­te­res Fa­mi­li­en­mit­glie­d: Nachna­me, Vor­na­me

Ge­burts­da­tum

c

Ich möchte den NaturFreunde-Newsletter erhalten

E-Mail-Adresse

Ich/Wir tre­te/n dem Na­tur­Freun­de Deutsch­lands, Bun­des­grup­pe Deutsch­land e.V. bei
unter Anerkennung der Satzung (www.naturfreunde.de/ueber-uns)
Bitte ankreuzen, sonst keine Bearbeitung möglich

Ich stimme der Speicherung, Verarbeitung und Nutzung meiner/unserer personenbezoc
genen Daten für Mitgliederverwaltung, Zustellung der Verbandspublikationen und Verfolgung der Zwecke der NaturFreunde Deutschlands e.V. zu. Ausführliche Informationen zum
Datenschutz: www.naturfreunde.de/datenschutz
Da­tum

Un­ter­schrift (bei Min­der­jäh­ri­gen der/die ge­setzl. Ver­tre­ter*in)

SEPA-Lastschriftmandat
Ich ermächtige die NaturFreunde Deutschlands – Warschauer Str. 58a/59a, 10243 Berlin, Gläubiger-Identifikationsnr. DE34ZZZ00000096454 – den Mitgliedsbeitrag von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kredit­institut an, die von den NaturFreunden Deutschlands auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten
Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kredit­institut vereinbarten Bedingungen.

Kon­to­in­ha­ber*in
IBAN: D E _ _ | _ _ _ _ | _ _ _ _ | _ _ _ _ | _ _ _ _ | _ _

Da­tum

Bei­tritts­er­klä­rung sen­den an: Na­tur­Freun­de Deutsch­lands · War­schau­er Str. 58a/59a · 10243 Ber­lin
Telefon (030) 29 77 32 -60 · Fax -80 · in­fo@na­tur­freun­de.de · www.na­tur­freun­de.de

Un­ter­schrift Kontoinhaber*in

1-2019

Schnuppermitgliedschaft (Beitrag pro Kalenderjahr:)
                            
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.