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Full text: Adolf Glassbrenner / Schmidt-Cabanis, Richard (Public Domain)

doch ohne irgend welche ungejunde, weltschmerzliche Resignation ent- 
sagte Adolf Glaßbrenner seiner Hoffnung und trat =- dem Drängen 
der Seinigen nachgebend =- in ein kaufmännisches Geschäft. 
Irre ich nicht sehr, so war die in der Breiten Straße befindliche 
Seidenwaarenhandlung von Gebrüder Gabain der Schauplatz von 
Glaßbrenners merkantilen Bestrebungen, die ihm -- freilich nur 
mit knapper Noth -- so viel Zeit übrig ließen, um den Keim der 
Poesie in ihm nicht vollständig verdorren und unter dem Staub 
der Materie ersterben zu lassen. 
Mit eisernem Fleiß arbeitete der junge Handlungsgehülfe über- 
dies an seiner wissenschaftlichen Ausbildung, so daß, als nach einigen 
Jahren =- theils durch eine günstigere Gestaltung der Glücks- 
umstände seiner Eltern, theils durch eigenen Erwerb -- ihm die 
Mittel zum Studiren nun wirklich zu Gebote standen, er ohne 
Weiteres die Universität zu beziehen vermochte, an der er philosophische 
Collegien hörte und bald zu den eifrigsten Schülern Hegel's gehörte. 
In der Zwischenzeit waren bereits =- anonym ---. einzelne 
poetische Kleinigkeiten Glaßbrenner's in verschiedenen Berliner Blättern 
erschienen, und hatten durch ihre Frische und Formgewandtheit an- 
gesprochen. Das erste (leider verloren gegangene) Gedicht mit seiner 
vollen Namens- Chiffre wurde im Juni des Jahres 1827 in dem 
von M. G. Saphir herausSgegebenen „Berliner Courier“ veröffentlicht. 
Gemeinschaftlich mit Saphir gab Glaßbrenner in späterer Zeit noch 
das „Conversation3-Lexikon für Humor, Witz und Laune“ heraus. 
Da Glaßbrenner eben das zwanzigste Lebensjahr zurückgelegt, 
durfte sein Pegasus endlich vollständig die Bande zerreißen, die ihn 
noch -- 8alva venia =- an den Pflug des Geschäftslebens fesselten, 
und durfte den ersten freien Flug hinauf in den Sonnenäther wagen. 
Dieser Flug gelang über Erwarten ! 
Der kecke Witz, der in all' feinen kleinen Impromptu's in 
Versen und Prosa waltete, der poetisch frische Hauch, der sie durch- 
wehte, machten den jungen heiteren Dichter bald zu einer bekannten 
und beliebten Persönlichkeit in der preußischen Hauptstadt und trugen 
seinen Namen bereits damals hinaus über die Grenzen des Berlinischen 
Weichbildes. 
Ehe ich indeß die literarische Wirksamkeit Glaßbrenner's, die 
zum Theil zugleich eine sociale und politische ist, weiter verfolge, 
ist es nothwendig, einen kurzen Blick auf die Zeitverhältmnisse zu
	        
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