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Full text: Gemeinsam für die kommunale Energiewende

Stadtwerke und Sparkassen

Gemeinsam für die kommunale Energiewende
Auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft.

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Gemeinsam für eine kommunale Energiewende

VKU Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt über 1.400 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser und Abfallwirtschaft. Mit 236.000 Beschäftigten wurden 2009 Umsatzerlöse von rund 94 Milliarden Euro erwirtschaftet und etwa 8 Milliarden Euro investiert. DSGV Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ist der Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe. Dazu gehören 426 Sparkassen, acht Landesbanken-Konzerne, die DekaBank, zehn Landesbausparkassen, elf Erstversicherergruppen der Sparkassen und zahlreiche weitere Finanzdienstleistungsunternehmen.

Verband kommunaler Unternehmen e.V.

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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort Aspekte einer umweltfreundlichen Kommune
Beitrag für eine effiziente Energieversorgung

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Nachhaltige Energiewirtschaft
Sparen – Ersetzen – Kompensieren

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Kompetente Partner der Kommunen
Die Rolle der Stadtwerke und Sparkassen

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Akzeptanz erzeugen
Informationen der Bürger vor Ort

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Bürgerbeteiligung
Der persönliche Beitrag zum Klimaschutz

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Elektromobilität
Kommunale Konzepte für nachhaltige Mobilität

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Weiterführende Links

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Gemeinsam für eine kommunale Energiewende

Vorwort
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, der Klimawandel, immer knapper und teurer werdende fossile Brennstoffe, vor allem aber die Ereignisse im japanischen Fukushima gaben die entscheidenden Impulse zur Energiewende. Sie steht für eine werteorientierte Richtungsentscheidung: Die konsequente Ausrichtung der deutschen Energiepolitik an den Erfordernissen einer nachhaltigen Energieversorgung – unabhängig von endlichen Ressourcen. Schon in gut zehn Jahren wird das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz genommen. Bis zum Jahr 2050, so der Beschluss der Bundesregierung, soll die Energieversorgung Deutschlands zu rund 80 Prozent durch Erneuerbare Energien gewährleistet werden. Ein beschleunigter Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur wie dezentrale Speichermöglichkeiten und intelligente Verteilnetze ist nur möglich, wenn auch dezentral entsprechende Anstrengungen unternomerzeugung auf regenerative Energiequellen stellt Regionen und Kommunen vor ökonomische, technologische und politische Herausforderungen. Von uns allen verlangt dies größere Bereitschaft, neue Anlagen zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie und Wärme in unserer näheren Umgebung als Teil eines notwendigen Strukturwandels zu akzeptieren. Das gewachsene Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Sparkassen und Stadtwerke als verantwortlich handelnde, kompetente Akteure vor Ort bildet dafür eine wichtige Grundlage. Als kommunale und regionale Unternehmen spielen sie bei der Bewältigung der mit der Energiewende einhergehenden Aufgaben eine entscheidende Rolle. Mit eigenen Aktivitäten unterstützen sie die von Bund, Ländern und Kommunen aufgelegten Programme zum Klimaschutz. In vielen Kommunen arbeiten sie gemeinsam an der Finanzierung und dem Ausbau dezentraler oder der Weiterentwicklung der Elektromobilität.

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Hans-Joachim Reck

Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis

Ihr Engagement schafft Arbeitsplätze und unterstützt über Investitionen vor Ort die Wirtschaftskraft und Wertschöpfung in der Region, auch über neue Chancen im Export. Denn weltweit entstehen neue Absatzmärkte, zum Beispiel werden jährlich weit über 100 Milliarden Euro in den Aufbau neuer Kapazitäten zur Erzeugung Erneuerbarer Energien aufgewendet. Der Vorsprung vieler deutscher ihnen in diesem Wachstumsmarkt eine führende Position. Diese Broschüre möchte aufzeigen, wie Sparkassen und Stadtwerke gemeinsam durch ihre Erfahrungen und Kompetenzen zum Gelingen der Energiewende und damit zu einem Paradigmenwechsel von der zentralen zur dezentralen Energieerzeugung beitragen. Als Partner der Kommunen, der Unternehmen und der Bürgerinnen und Bürger in den Regionen geht es ihnen um eine nachhaltige, bedarfs-

Hans-Joachim Reck Hauptgeschäftsführer Verband kommunaler Unternehmen (VKU)

Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassenund Giroverbands (DSGV)

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Gemeinsam für eine kommunale Energiewende

Aspekte einer umweltfreundlichen Kommune
Die Energiewende geht von den Kommunen aus. Das hat der Abschlussbericht der durch die Bundesregierung eingesetzten Ethikkommission deutlich gemacht. Sie sind der Planungsträger für die Ansiedlung einer umweltverträglichen Energieerzeugung, verantwortlich für über 300.000 öffentliche Gebäude und den öffentlichen Personennahverkehr. Über ihre Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaften sind sie der Lieferant von Strom und Wärme und haben Vorbildfunktion für ihre Bürger und die örtliche Wirtschaft. Dezentrale Energieversorgung Dezentrale Versorgung aus Erneuerbaren Enerlung (KWK) sind eine Domäne der Stadtwerke. Sei es der Ausbau von Windparks an Land oder auf See, große Solarfelder oder der Neubau von Biomasseanlagen – Kommunen und ihre Unternehmen unterstützen den Ausbau regenerativer Energien und übernehmen damit eine Vorreiterrolle in Deutschland. Kleine dezentrale Anlagen wie Blockheizkraftwerke (BHWK) oder Mikrogasturbinen bieten die notwendige Flexibilisierung der Erzeugungsstruktur, denn sie sind im Gegensatz zu Großkraftwerken in ihrer Gesamtleistung steuerbar. Im Rahmen von strombedarfsgerechten Steuerungen intelligenter Netze (sogenannter „smart grids“) können sie einen erheblichen Beitrag gieversorgung leisten. Erneuerbare Energien Viele Städte, Gemeinden und Regionen setzen auf Erneuerbare Energien zur Stärkung ihrer regionalen Wirtschaftskreisläufe zur Verbesserung der kommunalen Haushaltslage und der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes. Dabei kommt es ihnen zugute, dass sie über weitgehende Steuerungsmöglichkeiten hinsichtlich der Genehmigung und Ansiedlung von Anlagen verfügen. Darüber hinaus fördern sie teilweise die Installation von Anlagen oder sind über die eigenen Stadtwerke oder als Verpächter selbst beteiligt. Die Ansiedlung von Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren

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Energien wirken sich vielfältig positiv auf regionalwirtschaftliche Entwicklungen aus: Neben der Einsparung von fossilen Brennstoffen zur Wärme- und Stromversorgung und einhergehenden ökologischen Aspekten ergeben sich insbesondere Steuer- und Pachteinnahmen sowie positive Beschäftigungseffekte. Moderne Verteilernetze Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien, der KWK und des Baus moderner Gaskraftwerke ist eine Modernisierung der regionalen Verteilernetze eine wichtige Bedingung für das Gelingen der Energiewende. Große Aufmerksamkeit legen die Kommunen deshalb auch auf den Ausbau der Verteilnetze, über die bereits fast 100 Prozent der Erneuerbaren Energien eingespeist werden. Um die Netzqualität und damit die Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten, muss der Verteilnetzausbau bei der Neugestaltung unseres Energiesystems mitgedacht werden. Der VKU kalkuliert die geschätzten Kosten hierfür bis 2030 auf über 25 Milliarden Euro,

der Umbau zu smart grids, ist darin noch nicht berücksichtigt. Die geographische Verteilung der erzeugten Energie zu den Verbraucherzentren ist ein bestimmender Faktor für den Leistungsbedarf. Der Aus- und Umbaubedarf im Stromnetz entsteht nicht allein aufgrund der Zunahme an Erneuerbaren Energien. Genauso relevant ist weiterhin das Ziel eines gemeinsamen europäischen Strombinnenmarktes, der Endkunden möglichst niedrige Energiepreise bieten soll. Daher müssen zusätzlich zum Ausbau der Verteilernetze die Höchstspannungsleitungen weiter ausgebaut sowie zusätzliche grenzüberschreitende Verbindungen geschaffen werden.

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Nachhaltige Energiewirtschaft
Sparen – Ersetzen – Kompensieren
Energiewende und Klimaschutzmaßnahmen bergen große Chancen für einen Strukturwandel in Richtung einer ressourcenschonenden rungen von Klimaschutz und Energiewende bedeuten für alle Kommunen gleichermaßen, nur so viel Energie einzusetzen, wie – unter unbedingt benötigt wird. Kommunale energetische Maßnahmen sollten daher immer in dieser Reihenfolge priorisiert werden: Sparen Für die Kommunen und kommunalen Netzwerke heißt das, zuvorderst stets Maßnahmen

verbessern, werden schon in weiten Teilen in Wohn- und Gewerbebauten, Unternehmen oder der Verwaltung eingesetzt, und leisten einen wichtigen Beitrag zur CO2-Einsparung und damit zur Energiewende. Hierzu zählen vor allem die energetische Optimierung oder die intelligente Nutzung der zur Verfügung stehenden Energie für Strom- und Wärmebedarf. Doch das Engagement vieler Kommunen geht darüber noch weit hinaus. Schon beim Neubau öffentlicher Gebäude stehen zunehmend energiestandards und eine umweltfreundliche Stromversorgung über eigenerzeugte Photovoltaik sind keine Seltenheit mehr.

1. Nutzung von Einsparpotenzialen und 2. Ersetzen von fossiler Energie durch Erneuerbare Energien 3. Kompensation von nicht vermeidbaren CO2-Emissionen

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Fossile Energieträger

Sparen Ersetzen Kompensieren

Der Anteil fossiler Brennstoffe am Energiemix wird durch energetische Maßnahmen sukzessiv verringert. Grafik 01 Sparen – Ersetzen – Kompensieren

Ersetzen Den verbleibenden Energiebedarf gilt es dann – wo immer möglich – mit Erneuerbaren Energien zu decken. Viele Kommunen haben hier über ihre Stadtwerke und andere regionale Versorger besondere Handlungsmöglichkeiten. Dort, wo der Kraftwerke-Mix der Stromerzeugung in Anbetracht der hohen Kosten heute noch nicht leistungsfähig ist, bieten sich Übergangstechnologien wie Erdgasfahrzeuge an. Erdgas verbrennt sauberer als Benzin und ist länger als Erdöl verfügbar. Neben technischen Innovationen setzen beispielsweise die Förderung des Fahrradverkehrs sowie der Ausbau von Carsharing-Modellen weitere klimaschützende Impulse. Kompensieren Kommunen, die sich zum Ziel gesetzt haben, klimaneutral zu werden, können „nicht vermeidbare“ CO2-Emissionen zum Beispiel durch Überschüsse in der Erzeugung erneuerbarer Energien oder Beteiligungen an Klimaschutzmaßnahmen an anderen Orten kompensieren. Mit diesem Vorgehen wird sichergestellt, dass die Klimaschutzpotenziale vor Ort möglichst weitgehend ausgeschöpft werden.

Leitfaden „Finanzierung regionaler Stromnetze“ VKU und DSGV erarbeiten speziell zur Unterstützung der Kommunen einen Leitfaden zur Finanzierung von regionalen Verteilernetzen. Derzeit laufen viele Konzessionen aus und deren Neuvergabe an ein kommunales Unternehmen ist für Kommunen eine echte Option. Der Leitfaden greift damit ein aktuell stark diskutiertes Thema auf und geht umfassend auf Fragestellungen ein, mit denen sich die Kreditwirtschaft, Versorger und Kämmerer bei der Finanzierung einer Netzübernahme auseinandersetzen müssen. Die textlichen Abhandlungen werden ergänzt mit Beispielen aus der Finanzierungspraxis, Schaubildern und tabellarischen Checklisten. Der einheitliche Aufbau und die immer wiederkehrende Struktur in der Darstellung der möglichen Finanzierungsmodelle machen den Leitfaden zu einem Nachschlagewerk, das einen gezielten Zugriff auf die drängenden Sachthemen ermöglicht und prägnante Antworten auf die relevanten Fragestellungen gibt.

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Kompetente Partner der Kommunen
Die Rolle der Stadtwerke und Sparkassen
Mit ihrem mittelständisch geprägten und gemeinwohlorientierten Geschäftsmodell und ihrer regionalen Verankerung sind Stadtwerke und Sparkassen ideal positioniert, um die Energiewende in den Kommunen zu begleiten. In zahlreichen Kommunen und Regionen Deutschlands haben sich Kooperationen zwischen Stadtwerken und Sparkassen gebildet, die einen verstärkten Einsatz regenerativer Energien in der kommunalen Energieversorgung zum Ziel haben. Stadtwerke Stadtwerke haben sich im liberalisierten Energiemarkt in allen Geschäftsfeldern gut aufgestellt. Versorgungssicherheit und Verlässlichkeit des Energieversorgers sind wichtige Kriterien für Verbraucher – nicht nur in Krisenzeiten. Stadtwerke sind vor Ort und in der Region verankert, arbeiten in überschaubaren Strukturen und stehen auf kommunaler Ebene mit den Bürgern in direktem Kontakt. Das schafft Vertrauen und erhöht die Akzeptanz, vor allem, wenn es um den Ausbau neuer Erzeugungskapazitäten geht. Bei der Eigenproduktion von Energie setzen Stadtwärmekopplung (KWK). Um die Versorgungssicherheit auch bei steigender Volatilität der Erneuerbaren Energien zu gewährleisten, investieren sie parallel in moderne Gaskraftwerke und KWK-Anlagen mit Wärmespeichern. Insgesamt wenden kommunale Versorger bereits 6,7 Milliarden Euro zur Mitgestaltung einer dezentralen Energieversorgung auf. Erneuerbare Energieanlagen müssen an die Verteilernetze angeschlossen werden. Daher investieren die Stadtwerke erhebliche Mittel in die Modernisierung und Erweiterung ihrer Netze und schaffen die Voraussetzungen für die Netzinfrastruktur der Zukunft – die Smart Grids. Mit diesen intelligenten Netzen kann die volatile Einspeisung der Erneuerbaren Energien versorgungssicher gesteuert und den Kunden ein preisgünstiger Verbrauch ermöglicht werden.

verwendung setzt ein auch an Nachhaltigkeitskriterien orientiertes Zusammenspiel von Energieversorgern und Kunden voraus. Daher bietet eine zunehmend wachsende Zahl von Stadtwerken ihren Kunden unterschiedliche Dienstleistungen an, wie Energieeinsparbera-

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tung für Privathaushalte oder Energiemanagementsysteme für Kommunen und Unternehmen. Sparkassen Als wichtigster Finanzpartner der Kommunen beraten Sparkassen Städte, Kreise und Gemeinden seit langem umfassend zu allen Fragen bedeutendes Thema ist hierbei der Einsatz zienz und zur Nutzung Erneuerbarer Energien. Sparkassen bieten Privat- und Firmenkunden individuelle Finanzierungsangebote zur Steigerung energetischer Baumaßnahmen werden Eigentümer – und in bestimmten Fällen auch Mieter – durch staatliche Förderprogramme (vor allem der KfW-Bankengruppe) unterstützt. Hinzu kommen regionale Förderangebote der Landesförderinstitute sowie Informationsangebote über alternative Realisierungsmöglichkeiten von Energieanlagen (Contracting) und spezielle Produkte (Umweltförderkredite) für energetische Bau- und Modernisierungsmaßnahmen. Die Energiewende bietet gerade kleinen und mittleren Unternehmen erhebliche

Wachstumsmöglichkeiten. Als Marktführer die Sparkassen ihre mittelständischen Kunden auch bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder im Bereich der Erneuerbaren Energien, beispielsweise der Entwicklungsförderung für neue Energietechnologien durch Innovationsförderdarlehen. Damit sichern Sparkassen regionalen Unternehmen einen Platz im Zukunftsmarkt Nachhaltigkeit. Wirtschaftlich sinnvolle Anlagemöglichkeiten eröffnet die Energiewende auch dem „kleinen“ Sparer. Nachhaltige Geldanlagen der Sparkassen bieten neben einer aussichtsreichen Renditechance gleichzeitig die Förderung von Umwelt- und Klimaschutztechnologien. Mit sogenannten Umwelt- oder Klimasparbriefen werden in vielen Orten Projekte der dezentralen Energieversorgung in Koope-

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Akzeptanz erzeugen
Informationen der Bürger vor Ort
Ein eigenständiges kommunales energiewirtschaftliches Engagement bildet für Städte, Gemeinden und Kommunen eine interdisziplinäre und vielschichtige Herausforderung. zung einer dezentralen Energiewirtschaft noch in der Startphase. Auf der Bundesebene fehlt es an einem verlässlichen und konsistenten Fahrplan sowie an einer effektiven Koordinierung der vielen beschlossenen Einzelmaßnahmen und fairen Wettbewerbsbedingungen. Für die Kommunalpolitik ergibt sich daraus ein hoher Beratungsbedarf, der der Umsetzung von Maßnahmen vorausgeht und insbesondere auch die Aspekte Investitionsbedingungen und Planungssicherheit miteinbezieht. Mit der politischen Entscheidung für die Energiewende ist der Umbau der Energielandschaft in Deutschland noch keineswegs erreicht. Aus diesem Grund wird zukünftig die Zustimmung der Bürger zu neuen Infrastrukturprojekten ein erfolgsrelevanter Faktor sein. Daher ist es wichtig, die Bürger und die Wirtschaft frühzeitig in Planungsprozesse einzubinden. Der Übergang ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien ist ein Prozess, der das Engagement aller gesellschaftlichen Akteure verlangt. Um die Energiewende in der angestrebten Zeit zu vollziehen, müssen große Wind- und Solarparks gebaut sowie Strom- und Gasnetze erweitert werden, um die Infrastruktur an den wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien anzupassen. Auch die notwendigen Veränderungen im Verbraucherverhalten können nicht einfach dekretiert werden. Energiewende als Chance verstehen Wie Umfragen zeigen, bestehen zwischen allgemeiner Akzeptanz und der konkreten Umsetzung von Energieprojekten vor Ort große Unterschiede. In Umfragen erfreuen sich regenerative Energien einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung. Jedoch sinkt die Zustimmung rapide, sollen die dafür notwendigen Kraftwerksprojekte in direkter Nachbarschaft realisiert werden. Die Bürgerinnen und Bür-

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Wenn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft eine Wind-Energie-Anlage stehen würde, fänden das

sehr gut 10 %

schlecht 17 %

weniger gut 26 %

weiß nicht 3 % gut 44 % Quelle: Forsa/VKU (12/2011) Ablehnung von Windkraftanlagen in der unmittelbaren Nachbarschaft

ger wollen in Entscheidungen, die für ihren Lebensstandard von Tragweite sind, eingebunden werden. Erst zu entscheiden und dann zu diskutieren, steht konträr zu den Erwartungen und erzeugt Widerstände. Wenn die Energiewende nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance für Wirtschaft und Gesellschaft empfunden werden soll, sind die damit notwendigen Projekte und Bauvorhaben frühzeitig zu vermitteln – in ehrlichen und offenen Diskursen. Frühzeitige Information ist die einfachste Art der Beteiligung und schafft Transparenz und Vertrauen. Stadtwerke und Sparkassen haben besondere Möglichkeiten, Transparenz zu schaffen. Als regionale Kreditinstitute und Versorger stehen sie mit den Bürgerinnen und Bürgern in direktem Kontakt. Diese Nähe kann zum Beispiel für Informations- und Beteiligungsangebote genutzt werden. So entstehen Austausch und Aufklärung, bevor sich Unzufriedenheit entwickelt und sich Fronten verhärten. Bürgerinitiativen, die sich gegen konkrete Projekte richten, ent-

stehen oft aus der Sorge um wirtschaftliche und ökologische Beeinträchtigungen, die sich aus einer Umsetzung ergeben könnten. Möglichst frühzeitige und vollständige Information und weitreichende Einbindung in die Planung sind nicht nur Gebot der Demokratie, sondern sichern ein hohes Maß an Akzeptanz für Infrastrukturmaßnahmen und andere Projekte.

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Bürgerbeteiligung
Der persönliche Beitrag zum Klimaschutz
Die Energiewende bietet Kommunen verschiedene Möglichkeiten zur aktiven Wahrnehmung ihrer Interessen. Eine Vielzahl von Kommunen hat zur praktischen Umsetzung der Energiewende schon von Beginn an eigene Projektgesellschaften gegründet. Je nach Zweckbestimmung und Finanzierungsmöglichkeit müssen sie passende Gesellschaftsformen und Satzungen auswählen. Für kommunale Zusammenschlüsse hat sich insbesondere die Rechtsform der gemeinsamen Anstalt des öffentlichen Rechts bewährt. Der technische und kaufmännische Betrieb in eigener Regie sichert den Kommunen über die Laufzeit des Projekts stetige Einnahmen aus Lohn- und Einkommensteuern. Bei einer typischen Laufzeit von rund 20 Jahren an Einnahmen für die öffentlichen Kassen. Teilhabe erhöht Akzeptanz Die Finanzierung dezentraler Energiepolitik eröffnet oftmals eine bürgerschaftliche Beteiligung im Rahmen von Bürgerbeteiligungsmodellen, etwa über Klimasparbriefe oder Genossenschaftsmodellen. Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an solchen Projekten steigert die verfügbaren Projektmittel und sorgt gleichzeitig für eine höhere Akzeptanz. Vielerorts bieten Sparkassen und Stadtwerke ihren Kunden Möglichkeiten einer aktiven Beteiligung an der Realisierung der Energie-

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Vorteile für Anbieter (Sparkassen und Stadtwerke) Schaffung von Akzeptanz Kundenbindung Teilfinanzierung

KLIMASPARBRIEF

Vorteile für den Bürger Sichere Anlagemöglichkeit Attraktive Konditionen Förderung der Erneuerbaren Energien

Bürger als Finanzierungspartner

wende. Dazu kooperieren Stadtwerke mit den örtlichen Sparkassen, die den Erwerb solcher Kapitalanlagen ermöglichen. Die angelegten Beträge werden dann als nachhaltige Kredite zum Beispiel für die Errichtung Erneuerbarer Energieanlagen an die Stadtwerke vergeben. Die Bürgerinnen und Bürger werden damit nicht nur zu Kapitalanlegern in der Region, sondern erhalten zudem eine attraktive Verzinsung ihrer Anlage und einen besonderen Mehrwert: Sie fördern die Energiewende sichtbar vor Ort und partizipieren an regionalen Projekten. Die dabei realisierten Angebote wie Klimaoder Energie-Sparbriefe zur Finanzierung von Photovoltaik- und Windenergieanlagen ermöglichen auch Kleinanlegern, sich an der Finanzierung von Projekten zur Erschließung und zum

Ausbau regenerativer Energien zu beteiligen. Die Erfahrung zeigt, dass diese Angebote bei den Kunden von Sparkassen und Stadtwerken auf großes Interesse stoßen. Allein die Tatsache, dass bereits die meisten Fonds und Sparbriefe nach wenigen Tagen überzeichnet sind, zeigt das Interesse der Bürger, regionale Erzeugungsanlagen zu unterstützen, wenn sie in die entsprechenden Projekte eingebunden werden. Energieprojekte werden auf diese Art zu Bürgerprojekten, mit denen sich die Menschen

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Gemeinsam für eine kommunale Energiewende

Elektromobilität
Kommunale Kompetenzen für nachhaltige Mobilität
Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden – so das erklärte Ziel der Bundesregierung. Bis 2020 sollen bereits eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen, 2030 schon über zehn Millionen. Verbunden mit diesen ambitionierten Zielen sind enorme Potenziale für Wirtschaft und Umwelt: die Nutzung regenerativer Energien als Ersatz für fossile Brennstoffe, Verringerung von CO2-Emissionen und Luftschadstoffen sowie weniger Lärmbelästigung und erweiterte Speichermöglichkeiten für Erneuerbare Energien. Damit ist die Elektromobilität für Kommunen und deren Unternehmen eine Geschäftsmöglichkeit, die als wichtiger Baustein und Bindeglied auf dem Weg in die umweltfreundliche Kommune gesehen wird. Aber auch für Verbraucher wird Elektromobilität immer interessanter. Umfragen zeigen, dass zwei Drittel der Befragten sich eine Ausweitung der Elektromobilität wünschen. sich durch Elektromobilität das Image großer Städte verbessern lässt. Die mittel- und langfristige Umgestaltung hin zur elektromobilen Zukunft eröffnet Kommunen und kommunalen Unternehmen große wirtschaftliche Möglichkeiten. Dazu bedarf es jedoch nicht nur neuer Geschäftsmodelle, sondern auch des Zusammenspiels zentraler Akteure aus Politik, Energiewirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie, und nicht zuletzt der Automobilindustrie. Integration Erneuerbarer Energien Viele Kommunen gehen schon heute mit gutem Beispiel voran und entwickeln entsprechende Mobilitätskonzepte für Veränderungen im Bereich der Energieerzeugung, der Infrastruktur und des öffentlichen Nahverkehrs. Damit sind Kommunen und ihre Unternehmen das entscheidende Bindeglied, um die Elektromobilität erfolgreich und bedürfnisorientiert umzusetzen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für zukunftsfähige Verkehrskonzepte, Klima-

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schutz und Luftreinhaltung. Als Infrastrukturbetreiber verfügen Stadtwerke über die Kompetenz für den Aufbau einer bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur. In vielen Städten und Gemeinden werden dazu Ladesäulen errichtet. Die Mobilität aus der Steckdose erhöht zugleich auch die Lebensqualität in der Region, da sie Lärm reduziert und klimaschädigende Gase verringert – vor allem wenn der Strom aus regenerativen Energien gewonnen wird, die vor Ort erzeugt werden. Elektromobilität ist damit ein wichtiger Baustein für die Integration der Erneuerbaren Energien. Da mit dem Ausbau von Wind- und Sonnenenergie die Volatilität in der Erzeugung zunimmt und nicht mehr an den Bedarf angepasst werden kann, bieten sich mit Elektrofahrzeugen zukunftsfähige Speichermöglichkeiten. Das theoretische Speichervolumen wird hier schon bis 2030 auf 2,5 Gigawatt (entspricht in etwa der Leistung von drei fossilen Kraftwerken) geschätzt, bis 2050 bereits auf 15 Gigawatt.

Mit gutem Beispiel voran In vielen Modellregionen setzen Stadtwerke in Kooperation mit den lokalen Sparkassen Elektromobilität vor Ort um. Ebenso wie Stadtwerke haben sich Sparkassen den Schutz von Umwelt und Ressourcen auf die Fahnen geschrieben und unterstützen damit die Bemühungen der Kommunen. Damit sind sie ein wichtiger Akteur und Partner, um die Elektromobilität auf eine solide Grundlage zu stellen. Bereits über 60 Stadtwerke sind an Elektroren sie von ihrer Erfahrung als Netzbetreiber, ihrer Kundennähe und ihrem technischem Know-how sowie der engen Anbindung zu Kommunen und dem öffentlichen Nahverkehr. Das sind ideale Voraussetzungen, um gemeinsam mit anderen lokalen Partnern zum Motor der Elektromobilität zu werden.

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Weiterführende Informationen
führenden Informationen, praktische Anregungen und interaktive Beratungsinstrumente zum Thema Klimaschutz und Energiesparen.

Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) www.dsgv.de Informationsplattform „Sparkassen. Gut für Deutschland.“ www.dsgv.de/de/nachhaltigkeit Projektlandkarte „Sparkassen für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland.“ www.dsgv.de/de/nachhaltigkeit Verband kommunaler Unternehmen (VKU) www.vku.de VKU-Dachmarkenkampagne der Stadtwerke www.meine-stadtwerke.de Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung im VKU (ASEW) www.asew.de

Herausgeber Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) Charlottenstraße 47 10117 Berlin Telefon 030 20225-5115 Telefax 030 20225-5119 gut-fuer-deutschland@dsgv.de www.gut-fuer-deutschland.de www.dsgv.de Verband kommunaler Unternehmen (VKU) Invalidenstraße 91 10115 Berlin Telefon 030 58580-0 Telefax 030 58580-100 info@vku.de www.vku.de

März 2012
        
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