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Full text: Die Stadtteilzeitung (Rights reserved) Issue160.2019 (Rights reserved)

Die Stadtteilzeitung Ihre Zeitung für Schöneberg - Friedenau - Steglitz Zeitung für bürgerschaftliches Engagement und Stadtteilkultur Ausgabe Nr. 160 - April 2019 Aus der BVV Tempelhof-Schöneberg von Ottmar Fischer ▲ ▲ Liebe Leserinnen und Leser, welche Schule ist die richtige für meine Kinder? Eine schwierige Entscheidung. Zum Glück haben die Schulen sich in den letzten Jahren darauf eingestellt, mit Tagen der offenen Tür oder ähnlichen Aktionen die Eltern und potenzielle Schülerinnen und Schüler über ihr Angebotsprofil zu informieren. Die eine Schule punktet mit besonderen Sprachangeboten, die andere ist musikorientiert, eine weitere eher humanistisch ausgerichtet, oder die Schule lockt mit besonderen Sportangeboten. Aber auch der Führungsstil und die Art und Weise, wie die Kinder in den Schulen lernen, ist vielen Eltern wichtig. Die einen bevorzugen einen autoritären Führungsstil, die anderen suchen nach Unterrichtsmethoden, die den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bietet, Eigenverantwortung zu üben und sich darin zu stärken. Nicht jede Wunsch-Schule ist um die Ecke, und nicht jede Schule nimmt jede/n auf. Wir können uns eigentlich glücklich schätzen, dass das Angebot in unserem Bezirk so vielfältig ist. Schulpolitik war auch ein Thema in der letzten Bezirksverordnetenversammlung - oder nein - es ist die Personalie Michael Rudolph, Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule, an der sich die Geister scheiden. Warum auch immer die Senatsverwaltung diesem Mann den Arbeitsvertrag nicht verlängern möchte, er hat es jedenfalls in wenigen Jahren geschafft, aus einer „Problem-Schule“ eine der nachgefragtesten im Bezirk zu machen. Die Nachfrage nach seiner Art, eine Schule zu führen, ist ungebrochen. Das mag dem einen oder der anderen zu denken geben. Und darüber darf und sollte man sich streiten. Aber so, wie die Senatsverwaltung einen offensichtlich unbequemen Schulleiter abserviert, das ist des Menschen Michael Rudolph und seines Amtes unwürdig. Thomas Hopskins Protz www.stadtteilzeitung.nbhs.de ScienceLab: Die Frühlingsforscher Forschervormittage in den Osterferien für neugierige Kinder von 6 bis 10 Jahren. Das ScienceLab e.V. lädt ein zum "Frühlingsforschen". In den Räumen der Mittelpunktbibliothek „Theodor-Heuss-Bibliothek“, Hauptstr. 40, 10827 Berlin wer den spannende Themen erkundet, in Gruppen von sechs bis zwölf Kindern, die schon zwei Stunden ohne erwachsene Begleitung bleiben können. Dienstag, 16. April 2019, 10:30 bis 12:30 Uhr Rund um das Ei Verrückte Osterexperimente Für Kinder von 6-10 Jahren Schulleiter Rudolph führt Gäste beim Tag der offenen Tür durch die Schule. Foto: Thomas Protz Kampf an der Grenze Zum festen Sprichwortschatz unserer Großeltern gehörte auch: „Ordnung ist das halbe Leben.“ Und weil dadurch auch Unterscheidungen wie „übergeordnet“ und „Unterordnung“ möglich werden und damit auch deren Missbrauch, verschiebt der ewig freiheitlich gesonnene Mensch die Grenze zur Unordnung gern mal über die im Sprichwort weise angeratene Hälftigkeit hinaus. Um dem vorzubeugen, gibt es in der BVV eine Geschäftsordnung. Und die regelt unter anderem auch, dass individuelle Personalangelegenheiten von der öffentlichen Behandlung auszuschließen sind. Zur März-Sitzung der BVV war daher vom sitzungsvorbereitenden Ältestenrat ein Antrag der AfD nicht zugelassen worden, der eine solche Personalfrage zum Inhalt hatte. In diesem Antrag sollte das Angebot des Schulleiters der Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule unterstützt werden, seine Dienstzeit über die Altersgrenze hinaus um ein Jahr zu verlängern, was von der Senatsschulverwaltung irritierenderweise abgelehnt worden war. Fortsetzung Seite 2 Donnerstag, 25. April 2019, 10:30 bis 12:30 Uhr Geniale Ideen von der Natur abgeschaut Für Kinder von 8-10 Jahren Beide Kurse sind anmeldepflichtig, können einzeln oder zusammen gebucht werden unter: Telefon 030 / 90277-4343 (Kinderabteilung). Kosten pro Kind und Termin betragen 15 Euro und sind zahlbar in bar vor Ort. Weitere Informationen zum ScienceLab e.V.: www.science-lab.org In dieser Ausgabe: ▲ Telefonzelle als Kulturobjekt S. 2 Arramsuhl im Apparul Girls’Day in Schöneberg Verfehlte Einigkeit Revolution 3. Teil Lebensmittelrettung als Geschäft S. 3 Blind Date mit Berlin ... Der Ferdinand fegt nicht nur S. 5 Der Girls’Day findet eigentlich immer Ende April statt, aber wegen der Osterferien in diesem Jahr, wurde er auf den 28. März vorgezogen. Green Buddy Award 2019 Wenn Glühwürmchen tanzen S. 7 Friedenauer Miscellen Ölrausch in der Rheinstraße S. 11 Verehrte Leser*innen! Sie werden erstaunt sein über die ungewöhnliche Überschrift dieses Artikels und sind gewiss neugierig auf eine Erklärung, die wir Ihnen hiermit pflichtschuldigst auch liefern wollen. Da unsere Stadtteilzeitung ihren Auftrag zur Berichterstattung aus dem Kiez, zur allgemeinen Information und zur Bildung der Bevölkerung sehr ernst nimmt, auch wenn es dabei mitunter eher spaßig zugeht, haben wir uns etwas Neues ausgedacht. Wir wollen zukünftig eine Seite unserer Zeitung dafür reservieren, Sie mit einer Neuentwicklung unserer Sprache bekannt zu machen, die zum Verständnis zwar zunächst einige Einübung erfordert, die dafür aber auf das S. 6 S. 10 S. 11 Jugendseite: S 12 Thema: Café im VD13 ▲ S. 4 Naturrr im Kiez Schönste die Fantasie anzuregen vermag: STARCKDEUTSCH - Sprache als Rätsel statt als Umgangsform. Nehmen wir als Beispiel das erste Wort aus der Überschrift: Naturrr. Ein leicht zu verstehendes Beispiel. Es besteht aus dem Wort Natur und rr. Die Vernunft meldet zunächst einen Schreibfehler, doch schlägt die Fantasie eine Ergänzung für rr vor, nämlich knurr. Und schon entsteht ein neuer Wortsinn: „Natur knurrt“. Und knurren tut die Natur ja wohl über unseren Umgang mit ihr. Fortsetzung Seite 4 Girls’Day und Boys’Day An diesem Tag dürfen Mädchen in die Berufswelt der Jungen eintauchen. Erstmals wurde der Girls’ Day 2001 durchgeführt. Man wollte die Mädchen damals besonders für die MINT Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) interessieren. Berufe in denen es nur wenig weibliche Studentinnen und Azubis gab. Viele Mädchen wollten danach aber auch Maler oder Tischler werden. Seit 2011 gibt es gleichzeitig auch den Boys’Day. Dabei sollen Jungen für die vorrangig von Mädchen ausgeübten Berufe in den sozialen und pflegerischen Bereichen inter essiert werden. Begonnen hat das Projekt 2001 mit 39 Unternehmen und 1.800 Teilnehmerinnen in ganz Deutschland. Im vorigen Jahr fanden allein in Schöneberg mehr als 40 Veranstaltungen für Mädchen statt und mehr als 900 Schöneberger Schülerinnen beteiligten sich. Für Jungen gab es immerhin 35 Veranstaltungen und fast 200 interessierte Teilnehmer. Damit lag der Bezirk Tempelhof-Schöneberg bei dem Angebot der Firmen nur im Mittelfeld. Fortsetzung Seite 5 Die Stadtteilzeitung Seite 2 Kulturstreit im Kiez ▲ ▲ ▲ Aus der BVV Tempelhof-Schöneberg Nr. 160 - April 2019 Kampf an der Grenze Fortsetzung von Seite 1: Als Hintergrund vermutet die AfD, dass Schulleiter Rudolph sich den ideologischen Vorgaben der seit Jahrzehnten SPD-geführten Bildungsverwaltung nicht hat unterordnen wollen und stattdessen trotz Aufforderung der Schulinspektion an seiner Leitungsmethode festgehalten hat. Auf der Internetseite der Schule ist über diese Methodik einiges zu erfah ren. An dieser Stelle dazu nur der Hinweis, dass diese ideologisch umkämpfte Schulordnung in Einzelgesprächen mit den Eltern vorab besprochen und verabredet wird, wozu auch die darin vorge sehenen Ordnungsstrafen gehö ren, etwa das Aufsammeln von Papier. Es hat bis in die überregionale Presse Beachtung gefunden, dass diese von Eltern wie Schülern gelobte Schulpraxis von der Behörde mit einer derartigen Rachsucht verfolgt wird, dass sie einer Verlängerung der Dienstzeit des Schulleiters trotz eklatanten Lehrkräftemangels nicht zustimmen mochte. Diese unverständliche Verweigerungshaltung führte denn auch in der BVV zu einer von CDU und Grünen gemeinsam beantrag ten „Dringlichen Willenserklärung“, die ohne Aussprache ein stimmig beschlossen wurde. Darin heißt es: „Die BVV nimmt mit Unverständnis zur Kenntnis, dass Anträge von Schulleitungen auf Verlängerung ihrer Dienstzeit abgelehnt worden sind. Vielmehr befürwortet und unterstützt es die BVV , insbeson dere angesichts des eklatanten Mangels an ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen im Berliner Schuldienst und der Vielzahl an nicht bzw. nur kommissarisch besetzten Leitungsfunktionen an Berliner Schulen, wenn Schulleitungen motiviert sind, auch nach dem Erreichen der Altersgrenze Verantwortung an ihrer Schule tragen zu wollen.“ Zum vertiefenden Verständnis dieses absurden Vorgangs veröffent- Tempelhof-Schöneberg Ortsverband Friedenau #DeinEuropa Werte, die wir schützen müssen: Demokratie, Sicherheit, Menschenrechte. Für ein Europa, in dem wir Leben wollen! Wählen gehen. Am 26.05.2019 CDU! www.cdu-friedenau.de lichen wir nebenstehend ein vom betroffenen Schulleiter Dr. Michael Rudolph zusammengestelltes Dokument, aus dem eindrücklich sowohl die Beliebtheit der Schule bei Eltern und Schülern, als auch ihre besondere Leistungsfähigkeit hervorgehen. Ottmar Fischer Anmeldungen zum Schuljahr 2019 / 2020 - Eine Bilanz Zum kommenden Schuljahr haben sich an der Friedrich-BergiusSchule 131 Schülerinnen und Schüler zur Aufnahme für unsere 100 Plätze beworben. Damit zählt unsere Schule bereits im zehnten Jahr in ununterbrochener Folge zu den Integrierten Sekundarschulen (ISS) ohne gymnasiale Oberstufe im Haus in Berlin mit Übernachfrage. Im Bezirk Tempelhof - Schöneberg ist die Friedrich-Bergius-Schule unter 9 Sekundar- und Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe im Haus, die einzige Schule mit mehr Anmeldungen als vorhandenen Plätzen. Von der Schulleitung wurden 144 etwa 30minütige Beratungsgespräche geführt. Die Anmelder kommen aus 40 verschiedenen Grundschulen mit starken Schwerpunkten in den Ortsteilen Friedenau, Wilmersdorf, Charlottenburg, Steglitz und Schöneberg. Bemerkenswert ist, dass sich erneut 26 Schüler mit sehr guter Förderprognose von 2,5 oder besser bzw. gymnasialer Empfehlung angemeldet haben. Für 15 Schülerinnen und Schüler wurde eine bevorzugte Aufnahme als Geschwisterkind beantragt. Auf die vorhandenen 16 Plätze für Schülerinnen und Schüler mit anerkanntem Förderbedarf haben sich 28 Interessenten beworben. Ein großer Vertrauensbeweis für die gute Arbeit des gesamten Kollegiums. Die Vergabe der vorhandenen 100 Schulplätze erfolgt gemäß den gesetzlichen Bestimmungen durch das Schulamt. Kriterium ist die Förderprognose. Als Schulleiter bedanke ich mich bei allen Schülern und Eltern für das unserer Schulgemeinschaft entgegengebrachte Vertrauen. Michael Rudolph Schulleiter Impressum der Stadtteilzeitung Schöneberg Herausgeber: Redaktionsadresse: Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. Holsteinische Straße 30, 12161 Berlin www.nbhs.de Redaktion: Christine Bitterwolf, Ottmar Fischer, Thomas Geisler, Elfie Hartmann, Dieter Hoppe, Rita Maikowski, Isolde Peter, Thomas Protz (V.i.S.d.P.) , Christine Sugg, Hartmut Ulrich, Sigrid Wiegand. Redaktionsschluss für Mai 2019: 15.04.2019 Kontakt zur Redaktion: Foto: Elfie Hartmann Und es gibt sie noch ... Wer besitzt heutzutage noch eine Telefonkarte? Wer telefoniert überhaupt noch aus einer öffentlichen Telefonzelle? Und vor allem aus einer mitten im Kiez, in der Zimmermannstr., Ecke Rothenburgstraße? Diese Fragen stellten sich wohl auch Anwohner vor circa zwei Monaten, als sie begannen, diese Telefonzelle zu besetzen und dort gebrauchte Bücher auszulegen. Später kamen kleine Regale mit Büchern im Telefonhäuschen hinzu, rechts und links vom Apparat, immer so, dass man bei Bedarf jederzeit telefonieren konnte. Die Anwohner freuten sich und der Büchertausch war sehr rege und vielfältig, eine Bereicherung für die Straße! Eine Bereicherung der Funktion des Telefonhäuschens. Plötzlich, vor ca. drei Wochen, war die Telefonzelle geschlossen und mit einer weißroten Banderole versiegelt. Ein Schild der Telekom informierte: Wegen Sachbeschädigung geschlossen ... drinnen lagen aber noch die Bücher. Vor der Wiedereröffnung der Zelle wollte die Telekom, dass die Bücher entfernt werden. Doch wer sollte das tun? Ausserdem wurde den Anwohnern der Kauf einer Telefonzelle für 450 Euro als Ort für Büchertausch vorgeschlagen, doch die Umstände, wo die Telefonzelle stehen könnte oder wer zahlt, blieben unklar. OASE im ALLTAG Seit ein paar Tagen ist die Telefonzelle wieder geöffnet, die Bücher sind weggeräumt und der Apparat bereit zum Telefonieren. Doch hat die Telekom nach neuesten Informationen wohl eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Anscheinend gibt es doch Menschen, die von dieser Zelle telefonieren, denn liegt der Umsatz einer Zelle unter 50 Euro pro Monat, so kann sie von der Telekom abgebaut werden, sofern die Stadt dem zustimmt; deutschlandweit stehen sowieso nur noch 5.000 dieser Telefonhäuschen. Übrigens, heutzutage kann man dort nicht nur mit Telefonkarten telefonieren, sondern auch mit Kreditkarten. Wer jedoch aktuell seine gebrauchten Bücher in Umlauf bringen möchte, findet im Supermarkt Sirplus in der Schloßstraße 94 dafür ein Regal oder im Caras Coffee Shop in der Schloßstraße 120, dort stehen im ersten Stock mehrere Regale. Weitere Orte für gebrauchte Bücher sind das Nachbarschaftshaus Friedenau, dort im EG neben dem Café. Oxfam in der Hauptstraße 20 betreibt sogar einen Buchladen mit gebrauchten Büchern. Hoffentlich werden weitere Initiativen von Anwohnern nicht ebenfalls im Keim erstickt! Christine Sugg Hallo Frühling ! Schöneberger Kulturkalender: Dieter Hoppe, Thomas Hopskins Protz (V.i.S.d.P.) Tel. 772 08 405 oder 0173 48 25 100 redaktion@stadtteilzeitung-schoeneberg.de www.stadtteilzeitung.nbhs.de Anzeigen / Kontakt: Thomas Protz Holsteinische Str. 30, 12161 Berlin Tel. 86 87 02 76 79, Fax 86 87 02 76 72 protz@stadtteilzeitung-schoeneberg.de Druck / Auflage LR Medienverlag und Druckerei GmbH / 10.000 St. www.elljot.com Elfie Hartmann Die Stadtteilzeitung Nr. 160 - April 2019 Seite 3 ▲ Revolution in drei Teilen: 3. Teil von Ottmar Fischer Die verfehlte Einigkeit Das denkmalgeschützte KautskyHaus in der Friedenauer Saarstraße war in der Kaiserzeit nicht nur ein Ort sozialdemokratischer Theorie-Debatten, denn der Hausherr war ja der Herausgeber der „Neuen Zeit“, sondern hier wie in den Meinungs-Artikeln der Zeitschrift trafen auch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander. Die wohl schillerndste Figur darunter war ein gewisser Alexander Parvus, dessen russisch-jüdische Herkunft zwar weitgehend im Dunkeln blieb, und auch die geschäftliche Grundlage seines Aufenthalts im Lande blieb unklar. Doch äußerte er freimütig eigene Vorstellungen zum Gang der Debatten in der internationalen Arbeiterbewegung. Und vor allem landete er im Jahre 1917 den wohl folgenreichsten Coup der Weltgeschichte. Denn es gelang ihm in geheimen Kontakten mit der Reichsregierung einerseits und den „Zimmerwälder Linken“ in der Schweiz andererseits, die Eisenbahnfahrt des verbannten Revolutionsführers Lenin von Zürich über das Reichsgebiet nach Stockholm einzufädeln, von wo es dann weiter über Finnland und St. Petersburg in die Revolution gehen sollte. Zum beiderseitigen Vorteil. Für das Reich als Gewinn die Destabilisierung des Kriegsgegners im Auge, und für Lenin die Macht. Dabei hatte Parvus einst in einem Artikel für Kautskys „Neue Zeit“ gut sozialdemokratisch davor gewarnt, die „kapitalistische Klassenwut“ zu unterschätzen, wenn die Revolution allzu unbedacht nach der Macht griffe. Vielmehr müsse damit gerechnet werden, dass der Adel in einer existenzbedrohenden Situation seine starke Stellung im Militär dazu verwenden würde, sich als bewaffneter Arm den Kapitalisten anzudienen, bis hin zum Staatsstreich. Die Folge wäre die Abschaffung des gerade erst errungenen allgemeinen Wahlrechts, das erneute Verbot der sozialdemokratischen Bewegung und sogar die Einführung der Strafe der Verbannung, wie sie ein Generalmajor von Boguslawski bereits öffentlich empfohlen hatte. Bekanntlich hat die große Kraft der revolutionären Bewegung in Deutschland dafür gesorgt, dass dem Militär-Adel seine Machtmittel entglitten und die vom Aufstand bedrohten KapitalEigner nicht nach dem Militär riefen, sondern nach den Gewerkschaften, um die von den Arbeitern geforderten Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und beim Lohn aus den chaotischen Formen der Räte-Bewegung in die bereits eingeübte Form regelbasierter Verträge zu überführen. Doch hätte es auch anders kommen können, etwa so wie in Russland, wo wie von Parvus in seinem Artikel vorausgesagt, ein jahrelanger Bürgerkrieg Millionen Tote zur Folge hatte, von dem siebzigjährigen Elend der „Diktatur des Proletariats“ einmal ganz abgesehen. Aber auch in Deutschland tobte ein monatelanger Richtungskampf nicht nur in den Gremien der Revolution und der verschiedenen Lager, sondern auch auf der Straße. Zunächst vor allem im Regierungsviertel. In seinem aus dem Nachlass veröffentlichten Erinnerungsbuch „Geschichte eines Deutschen“ schildert Sebastian Haffner seine Eindrücke als elfjähriger Knabe folgendermaßen: Die Entzweiung „Jetzt hörte man zeitweise fast täglich schießen, aber man erfuhr keineswegs immer, was es bedeutete. Den einen Tag gab es keine Elektrizität, am anderen fuhren die Straßenbahnen nicht, aber es blieb undeutlich, ob man gerade den Spartakisten oder der Regierung zuliebe Petroleum brennen oder zu Fuß gehen musste. Man bekam Flugblätter in die Hand gedrückt oder las Plakate mit der Überschrift „Die Stunde der Abrechnung naht!“, und man musste sich erst durch lange Absätze voller Beschimpfungen und unentwirrbarer Vorwürfe hindurchlesen, bis man merkte, ob mit den „Verrätern“, Arbeitermördern“, „gewissenlosen Volksverführern“ usw. jeweils Ebert und Scheidemann oder Liebknecht und Eichhorn gemeint sein sollten ... Demonstrationszüge sah man täglich. Die Demonstranten hatten damals die Gewohnheit, auf irgendwelche aus ihrer Mitte gleichsam ausgebrachten Toaste im Chor je nachdem „Hoch“ oder „Nieder“ zu rufen. Aus einiger Entfernung nun hörte man jeweils nur das tausendstimmige „Hoch“ oder „Nieder“- die Solostimme, die das Stichwort gegeben hatte, war unhörbar aus der Entfernung, und so wusste man wieder nicht, woran man war.“ Im „Sozialdemokratischen Katechismus“ von 1893 hatte Karl Kautsky die Lage folgendermaßen beschrieben: „Wir wissen, dass unsere Ziele nur durch eine Revolution erreicht werden können, wir wissen aber auch, dass es ebenso wenig in unserer Macht steht, diese Revolution zu machen, als in der unserer Gegner, sie zu verhindern. Es fällt uns daher auch gar nicht ein, eine Revolution anstiften oder vorbereiten zu wollen. Und da die Revolution von uns nicht willkürlich gemacht werden kann, können wir auch nicht das mindeste darüber sagen, wann, unter welchen Bedingungen und in welchen Formen sie eintreten wird.“ Hinter dieser Formel steckte natürlich die auch von Parvus in seinem Artikel bezeichnete Furcht vor einer gegenrevolutionären Koalition aus Bürgertum, Adel und Militär. Daher sollte vorausschauend alle Kraft auf den Ausbau der legalen Machtpositionen gerichtet werden. Für die politische Emanzipation über die Partei in den Parlamenten, für die wirtschaftliche Teilhabe über die Gewerkschaften in den Betrieben. Und diese Rechnung war aufgegangen: Die Sozialdemokratie war bis zur Revolution zur stärksten Kraft im Lande geworden. Diese Machtverschiebung trat auf einen Schlag ans Licht, als die kriegsbedingte Militärdiktatur durch den Aufstand der Soldaten zusammenbrach und als Folge davon auch die Adelsherrschaft fast über Nacht beseitigt wurde. Es blieb die Frage zu klären, wie mit der Macht des kapitalbesitzenden Bürgertums umzugehen sei, wozu es drei unterschiedliche Positionen gab. Die Vertreter der überall spontan entstandenen Arbeiter- und Soldatenräte verlangten die politische Macht für ihren zentralen Vollzugsrat und für die Neuordnung in den Betrieben die Einbeziehung der Gewerkschaften, für einige Sektoren wie den Bergbau auch die Vergesellschaftung des Eigentums. Die Radikalen dagegen verlangten die „Diktatur des Proletariats“, also die Verstaatlichung des Produktionskapitals unter der ausschließlichen Leitung der Klassenpartei des Proletariats. Durchgesetzt hat sich am Ende aber die sozialdemokratische Position der parlamentarischen Machtkontrolle, an der das gesamte Volk über allgemeine Wahlen teilhat. Die Entscheidung Um den richtigen Weg wurde allerdings bis in den Sommer des Jahres 1919 mit allen Mitteln gerungen. Und zwar überall im Reich. Unabhängig voneinander und zeitversetzt. Es gab proletarische Diktaturversuche im Norden und eine Räterepublik in Bayern. In den Bergbaugebieten Mitteldeutschlands kam es zum Generalstreik und an der Ruhr gelangte das gesamte Gebiet in die Hände einer „Roten Armee“ der Arbeiter. Und zu allem Überfluss gab es separatistische Bestrebungen wie im Rheinland, und in den Ostgebieten wurden deutsche Siedlungen von polnischen Nationalisten bedroht. Der sozialdemokratischen Revolutionsregierung drohten die Probleme über den Kopf zu wachsen. In dieser Not gelang ihr ein Bündnis mit dem bürgerlichen Teil der Obersten Heeresleitung, der seinerseits den kaisertreu gebliebenen Teil mit der Aussicht auf den Fortbestand der Armee für das republikanische Lager gewinnen konnte. Die aus den sich auflösenden Fronttruppen zusammengestellten Freikorps wuchsen bald auf eine Stärke von 400.000 Mann an und erwarben sich schnell wegen ihrer oft unverhältnismäßigen Gewaltbereitschaft einen zweifelhaften Ruf. Augenzeuge Haffner bezeichnet sie in seinem Erinnerungsbuch als „Leute, die offensichtlich Verräter ihrer eigenen Sache waren und übrigens auch genau so aussahen.“ Innerhalb eines halben Jahres wurden die lokalen Sonderentwicklungen nach und nach militärisch beendet, die Reichseinheit wurde gesichert und die zentrale Regierungsgewalt wieder hergestellt. Doch gelang dies teilweise nur nach schweren Kämpfen und unter hohen Opferzahlen, vor allem auf Seiten der mit größter Tapferkeit kämp- Barikadenkampf in Berlin. Foto von Alfred Grohs - Scan vom Original: Bernd Schwabe in Hannover fenden Arbeiterschaft. Die spontane Verbrüderungsfreude des Revolutionsbeginns endete nun in einem Blutbad unter Brüdern. Dieser mit grausamer Härte geführte Bruderkrieg machte die Spaltung der alten Sozialdemokratie unheilbar. Dabei wäre ihre Überwindung schon bald bitter nötig gewesen. Denn zehn Jahre danach, in den Bedrängnissen der Weltwirtschaftskrise, hätte Hitler nur verhindert werden können, wenn die verfeindeten Lager sich zur Versöhnung hätten entschließen können und überdies das Bündnis mit dem Bürgertum gesucht hätten. Sie hätten sich der wiederkehrenden Rufe der revolutionären Massen erinnern sollen, die auf den Demonstrationen des Beginns immerfort zu hören gewesen waren: „Einigkeit, Einigkeit, Einigkeit.“ Ottmar Fischer Mieterinnen und Mieter schützen - besser und schneller über Mietpreisbremse informieren SPD-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg SPD Die Stadtteilzeitung Seite 4 ▲ ▲ Naturrr im Kiez Arramsuhl, für diesen Beitrag von Matthias Koeppel gezeichnet. Arramsuhl im Apparul Fortsetzung von Seite 1: STARCKDEUTSCH ist also nach unserem Verständnis als Bereicherung anzusehen [Meinen die beiden Autoren. Der Setzer], ganz im Gegensatz zur Entwicklung unserer Sprache zum Neu-Schwachhochdeutschen, die sich im Extremfall in einer absoluten Sprachverkümmerung wie z.B. „ey Alder“ oder „LG“ äußert. Da wir selbst nicht die Erfinder dieser Rätselsprache sind und zudem auch noch ganz ungeübt, freuen wir uns besonders darüber, dass wir zur Unterstützung unseres Vorhabens den Professor a.D. an der Architektur Fakultät der TU-Berlin / Bildende Kunst, Herrn Prof. Matthias Koeppel, gewinnen konnten. Er erklär te seine Bereitschaft, eine Seite jeder Ausgabe künftig ins STARCKDEUTSCH zu übersetzen. Wir wollen diese Neuerung aber nicht ohne Ihr Einverständnis einführen. Deswegen teilen Sie uns bitte ihre Meinung dazu an die folgende EMail-Anschrift mit: redaktion@ stadtteilzeitung-schoeneberg.de Herr Professor Koeppel ist neben seiner malerischen Künstlerschaft (u .a. großformatige Wandbilder im Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg) auch führendes Mitglied in der „Neupreußischen Empfindungsgesellschaft“, einer Tochter der „Gesellschaft zur Verstärkung der Deutschen Sprache (Berlin – London – New – Yorck – Toronto - Lübars). Wir zitieren aus deren Bekanntmachung: „Es ist uns gelungen, die Deutsche Sprache in ihr endgültiges und letztes Stadium zu überführen. Nachdem die Entwicklung vom Althoch-, Mittelhoch- bzw. Mittelniederdeutsch, Altneuhochdeutsch zum Neuschwachhochdeutschen führ te, wird nunmehr das STARCKDEUTSCH den triumphalen Schlussstrich unter eine Entwicklung setzen, die, wenn sie in dieser Stunde nicht durch uns mit Macht abgebrochen worden wäre, alsbald zur stummen Sprachlosigkeit geführt hätte … ...Wir dulden keine stimmlosen Vokale oder unscharfen Konsonanten. Unsere Syntax hat symphonischen Wohlklang zum Maßstab. Das Empfinden ist unsere Grammatik, das Augenmaß ist unsere Rechtschreibung. Als Regel erkennen wir nur die Ausnahme an. Jeder spricht sein eigenes STARCKDEUTSCH, damit Verständigung wieder verständlich wird. Wir fordern die Abschaffung des Dudens und die Schließung der Goethe-Institute. Wir fordern STARCKDEUTSCHE Schulen und Universitäten. Laßt das Schwachhochdeutsche verstummen, wie es euch stumm gemacht hat. Übersetzt die Weltliteratur ins STARCKDEUTSCHE ! Gebt STARCKDEUTSCHE Zeitungen heraus! “ Quelle: Matthias Koeppel. Sämtliche Gedichte. VOLKSAUSGABE. Edition Kleber; Tegel-SchanghaiBerlin-London-Lübars,1980. Vorwort. Zur Einstimmung in das STARCK DEUTSCH begnügen wir uns im APRIL (Apparul) mit dem freundlich genehmigten Abdruck eines nachdenklichen Lobliedes auf den mit ihrer Flötenstimme bis in die Nachtstunden zu hörenden beglückenden Gesang der Amsel (Arramsuhl) im grünen Friedenau von Matthias Koeppel aus diesem Gedichtband, Seite 48, und fügen zur malerischen Unterstützung des Gesangs eine von ihm eigens angefertigte und signierte Zeichnung bei (siehe oben): „Arramsuhl Arramsuhl, di Arramsuhl, // üszt oin schwurrtzer Zinkpfeugul; // pfleutit, wann dr Freulinck gommt, // büßß ümm Harpzt si donn varstommnt. // Arch, wi pfüllte ück mich wuhlen, // wärren Munschen Arramsuhlen.“ Matthias Koeppel In Vertretung der Gesellschaft Oitttmarr Fischerrr und Haarrrtmuuut Ulrich Nr. 160 - April 2019 Sirplus Foto: Elfie Hartmann Lebensmittelrettung als Geschäft Seit September 2018 gibt es in der Schloßstraße 94 die zweite Filiale von Sirplus – dem Supermarkt für Lebensmittel, die vorm Wegwerfen gerettet werden. Äußerlich wirkt das Geschäft ein bisschen wie ein Bioladen aus früheren Zeiten mit Holzlogo über der Tür und einfachen Aufstellern. Innen ist der Laden großzügig und es fallen zuerst die Regale mit den Kisten voller Gemüse und Früchten auf, die teilweise relativ frisch aussehen, teilweise sind die Produkte jedoch schon ein bisschen welk. Der sogenannte Rettermarkt wirkt wie eine Mischung aus Lidl und Biosupermarkt. Das Sortiment ist äußerst vielseitig: Neben Obst und Gemüse finden sich verpackte Trockenwaren, Kaffee oder Süßigkeiten, Getränke, aber auch Backwaren. Jedoch umfasst es nicht alle Lebensmittelarten wie ein normaler Supermarkt. Es wird eben verkauft, was gerade gerettet werden konnte, sowohl Bioprodukte als auch konventionelle Lebensmittel. Insgesamt sind ungefähr 300 Produkte auf 450 qm im Sortiment. Die Ladenmiete ist günstig, denn Sirplus ist wohl nur Untermieter. Die angebotenen Waren stammen von der Metro oder anderen Großhändlern, von kleinen Produzenten und Bauern, auch von Biobauern aus der Region. Alles Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abge laufen ist oder Obst und Gemüse, das wegen seines Aussehens, z.B. krumme Gurken, nicht in norma len Märkten verkauft werden kann. Die Waren liegen im Schnitt 70% unter den normalen Ladenpreisen. Sirplus kauft das auf, was die Tafeln oder andere soziale Projekte nicht mitnehmen. Das Start-up versteht sich keinesfalls als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu anderen Organisationen des sogenannten Foodsharing. Der rührige Geschäftsführer und Gründer von Sirplus, Raphael Fellmer, vertritt mit viel Enthusiasmus und Kreativität seine Mission gegen die Lebensmittelverschwendung in unserer Gesellschaft, er möchte Bewusstsein schaffen und zum Umdenken anregen. Denn jährlich werden in Deutschland laut ihm - 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, eine LKW Ladung pro Minute. Darüber informieren verschiedene Hinweisschilder im Laden und auch über Sinn und Zweck des Haltbarkeitsdatums. Die Kunden sollen dazu motiviert werden, sich wieder auf ihre Sinne wie Schmecken oder Riechen zu ver lassen. Denn die Lebensmittel sind trotz abgelaufenem Haltbarkeitsdatum durchaus noch essbar, sie haben eben ein anderes Verbrauchs- bzw. Genussdatum. Zur Sicherheit der Kunden prüft ein Lebensmittelbeauftragter bei Sirplus alle angelieferten Produkte. Das Start-up aus Berlin wurde 2017 von dem Food Aktivisten Raphael Fellmer und zwei Partnern gegründet. Durch Crowdfunding im Internet gelang es ihnen zunächst, ein Startkapital von ca. 90.000 Euro zu sammeln. Mittlerweile haben sie über 1700 Unterstützer, darunter Euref oder Naturata, und Sirplus ist ein erfolgreiches Unternehmen. In Berlin gibt es bereits drei Rettermärkte und einen Onlineshop, in dem man die Lebensmittel bestellen kann sowie sogenannte Retterboxen. Diese enthalten unterschiedliche Zusammenstellungen von Lebensmitteln und werden deutschlandweit einmalig oder im Abo verschickt. Neben dem Angebot wächst auch ständig die Zahl der Mitarbeiter, derzeit arbeiten ca. 75 Leute bei Sirplus, sie sind halbtags oder in Vollzeit beschäftigt, sind Minijobber, Praktikanten oder sie machen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Ihre Bezahlung liegt über dem Mindestlohn. Das junge Unternehmen ist natürlich auch digital mit Facebook und InstagramAccount bestens aufgestellt. Die moderne Webseite trifft durch ihre angesagte Aufmachung und Sprache genau den Nerv der Zeit und besonders den der jungen Leute. Man findet Ankündigungen für Workshops und Veranstaltungen und ein Bildungsangebot für Schulklassen. Auch gegenüber den Medien zeigt das Unterneh- men ein kompetentes Vorgehen, denn es wurde schon mehrfach in Zeitungen und im TV darüber berichtet. Anerkennung erhielt es auch schon von der Politik, denn Sirplus wurde der Bundespreis "Zu gut für die Tonne 2018" vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft verliehen. Raphael Fellmer hat sich seit 2009 die Rettung von Lebensmitteln auf die Fahnen geschrieben. Er und seine Familie übten mehrere Jahre Konsumverzicht und lebten praktisch ohne Geld. Sie wohnten bei Bekannten oder Unterstützern und ernährten sich vom "Containern". Das heißt, dass sie wegge worfene Lebensmittel aus den Abfalltonnen von Supermärkten holten. Das Containern jedoch, ob aus Überzeugung oder aus Not heraus, ist nach wie vor umstrit ten. Vor kurzem wurden zwei Frauen in Bayern zu 225 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie für ca. 100 Euro Lebensmittel aus der Abfalltonne eines Supermarktes holten. Sind weggeworfene Lebensmittel herrenlos, oder gehö ren sie noch dem Supermarkt und sind damit diebstahlfähig? Diese Fragestellung ist juristisch immer noch nicht gelöst. Für Sirplus hingegen ist das Problem Lebensmittelrettung gelöst, denn das Geschäftsmodell bedient sich moderner legaler Mittel und findet den gesellschaftlich passenden Ton, um die Kunden zu begeistern. Die Grenze zwischen Mission und hartem Geschäft sind fließend. Übrigens, Sirplus ist ein Wortspiel und vom englischen Wort "Surplus" abgeleitet; es bedeutet Überangebot, Überschuss. Aus dem "Sur" wurde ein "Sir" gemacht, damit soll die Wertschätzung gegenüber den ausgemu sterten Lebensmitteln ausdrückt werden. Christine Sugg Die Stadtteilzeitung Nr. 160 - April 2019 ▲ ▲ Unterwegs im Großstadt-Dschungel Berlin-Wittenbergplatz Foto: Aazarus Das irritierte mich ein wenig. Wenn man neu in eine Stadt zieht, informiert man sich dann nicht vorher, in welcher Gegend man gerade unterwegs ist? Allerdings kann ich es nachvollziehen, dass man sich als Neuling von der Großstadt überwältigt fühlt. Und natürlich stehe ich, selbst aus Bayern zugezogen, jedoch schon vor dreißig Jahren, jedem gerne mit Rat und Tat zur Seite. Die nächste Frage der Frau gab mir allerdings schon wieder Rätsel auf. „Gibt es hier auch so etwas wie einen typischen Kiez? Gibt es hier Geschäfte und Cafés?“, wollte die Frau wissen. Nun standen wir am Nollendorfplatz und nicht irgendwo in Reinickendorf oder in Lichtenberg. Wo, wenn nicht hier, gibt es einen typischen Kiez. Sogar einen sehr typischen. Was immer allerdings typisch bedeuten mag. Ich blieb ganz ruhig und gab ihr Antworten auf ihre Fragen. Diese große Straße heißt Kleiststraße und führt zum Wittenbergplatz. „Geschäfte gibt es dort auf jeden Fall. Sogar ein großes Kaufhaus. Das KaDeWe.“ Mit dem Kiez rund um die Motzstraße schien sie mir etwas über fordert als Anfängerin. Und außerdem hatte sie ja nicht danach gefragt. „Vom Wittenbergplatz haben Sie doch bestimmt schon mal gehört“, fügte ich aufmunternd hinzu. Zu meiner Überraschung schüttelte sie den Kopf und zuckte mit den Schultern. „Nein, das sagt mir nichts.“ Diese Aussage überraschte mich nun wirklich. „Was, Sie ziehen nach Berlin und kennen noch nicht einmal den Wittenbergplatz?“ Es war wirklich nicht böse gemeint. Ich wollte sogar noch den Zusatz „Sie sind ja mutig!“ hinzufügen. Aber irgendwie war ich da wohl auf einen wunden Punkt gestoßen. Oder hatte mit einem Schlag alle Vorurteile über Berliner bestätigt. Es heißt ja so schön: „Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht …“ Der Spruch soll von einer Sozialarbeiterin namens Anneliese Bödecker, stammen. Er wird mittlerweile sogar auf Kühlschrankmagneten und Postkarten gedruckt. Kein Wunder, dass Touristen und Zugezogene richtiggehend erwarten, von Berlinern und Berlinerinnen fies behandelt zu werden. Die fragende Frau reagierte jedenfalls sehr verletzt. Man sah es am gequälten Gesichtsausdruck und sie keifte mich förmlich an. „Man kennt sich doch nicht überall aus. Ich komme aus Wolfsburg. Kennen Sie dort alle Straßen?“ Aber ehrlich, das war doch kein Argument. Girls’Day und Boys’Day Girls’Day bei der Fa. Mikado im Gewerbehof Bülowstraße. Foto: Thomas Protz Girls’Day in Schöneberg Blind Date mit Berlin… Neulich stand ich am Nollendorfplatz. Eine Frau, schon etwas älter, kam mit fragendem Gesichtsausdruck auf mich zu. Wohin diese Straße führt, wollte sie von mir wissen. Eine Touristin, dachte ich zuerst. Aber dann fügte sie stolz hinzu, sie sei gerade nach Berlin gezogen. Seite 5 „Nö, natürlich kenne ich mich da nicht aus. Aber ich zieh‘ dort ja auch nicht hin“, sagte ich. Was hätte ich denn sonst sagen sollen? Ehrlichkeit wird einem im Übrigen meistens nicht gedankt. Nur falls Sie das noch nicht aus eigener Erfahrung wissen. Die Frau winkte auf einmal abweisend mit der Hand als ob sie lästige Mücken vertreiben müsse. Dann ging sie ohne ein Wort der Anerkennung für meine Bemühungen weiter und schimpfte dabei noch weiter vor sich hin. Gut, ich weiß nicht, was mit ihr los war. Vielleicht hatte sie einen schlechten Tag. Ich frage mich seitdem, ob das ein neuer Trend ist, einfach ohne irgendwelche Ortskenntnisse nach Berlin zu ziehen. Umzug als eine Art Blind Date mit der Großstadt. Es hatte nicht so geklungen, als ob sie jemand gezwungen hatte, sich hier niederzulassen. Aber wer weiß schon, warum die Leute alle unbedingt in Berlin leben wollen. Vollständig lautet das Zitat der Sozialarbeiterin übrigens: „Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechtha berisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht … aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!“ Isolde Peter Querflöten- Gitarrenunterricht von Musiklehrer alle Altersstufen, langjährige Erfahrung, Tel.: 84 41 17 88 Fortsetzung von Seite 1: Die Koordinatorinnen des Girls’ Day würden sich deshalb über eine noch aktivere Beteiligung der Betriebe freuen. Bei der Teilnahme der Schülerinnen lag der Bezirk jedoch an zweiter Stelle in Berlin. Die endgültigen Zahlen für dieses Jahr lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Die Schulen werden aufgefordert, an diesem Tag keine Klassenarbeiten zu schreiben und die Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme vom Unterricht freizustellen. Das Angebot richtet sich an die Kinder und Jugendlichen ab der 5. Klasse. Von den Oberschulen in Schöneberg nahmen 2018 über 50 % der Schülerinnen die Angebote des Girls’Day wahr. Aus den 5. und 6. Klassen, die in Berlin noch in der Grundschulzeit liegen, interessierten sich im Bezirk erstaunlicherweise bereits 24% der Mädchen für diese Berufsvorschläge. Der Girls’- und Boys’Day bringt nicht nur für die Schülerinnen und Schüler neue Erkenntnisse für die Berufswahl, auch die beteiligten Arbeitgeber profitieren dabei. Immerhin bewerben sich etwa ein Drittel der Teilnehmer anschließend in den besuchten Betrieben um einen Ausbildungsvertrag. Wie dringend überall Nachwuchskräfte gesucht werden, sieht man zum Beispiel daran, dass das Amtsgericht Schöneberg in diesem Jahr sowohl für den Girls’- als auch für den Boys’Day mit dem gleichen Infotext geworben hat. Die Seite unterscheidet sich nur im Kopf des Bogens, wo einmal das Logo für den Girls’Day und einmal das Logo für den Boys’Day steht. Doch auch die Hochschulen im Bezirk luden an diesem Tag ein. Die SRH Hochschule der populären Künste informiert über „sounddesign“ und „Musikproduktion für Filme“. Die DCSO, Deutsche Cybersicherheitsorganisation, warb damit, dass IT und Hacking Mädchensache ist. Daneben stell te auch die PinAG ihre Ausbildung zur „Fachkraft für Postdienstleistungen“ vor. Sogar unsere Bezirksbürgermeisterin Frau Schöttler bot wieder an, dass fünf Mädchen sie begleiten konnten, um die Arbeit als Politikerin im Bezirk kennenzulernen. Dies sind nur einige Beispiele aus dem breiten Angebotssprektrum. Aber die Informationsangebote zu solchen Berufen sind offenbar so interessant, dass sie schon nach wenigen Tagen ausgebucht waren. Dass Männer besser mit Technik umgehen können und Frauen für sorglicher sind, ist nur eine Vermutung, bzw. ein langlebiges Vorurteil. Deshalb waren auch die digitalen Welten für Mädchen und die pädagogischen Berufe für Jungen in diesem Jahr die bevor zugten Schwerpunkt-Themen. Im Fernsehen wird es uns bereits vorgelebt, da gibt es u.a. die „Trucker Babes“ und die männli che Hebamme Toni. In der Realität sind zum Beispiel noch nicht ein mal 5 % der Kfz Mechatroniker weiblich, und es soll deutschland weit nur 4 männliche Hebammen geben. Wichtig sollte bei der Berufswahl sein, dass die Jugendlichen den eigenen Interessen folgen, frei von allen Klischees. Christine Bitterwolf Die Stadtteilzeitung Nr. 160 - April 2019 Seite 6 Foto: Elfie Hartmann Der Ferdinand Nachbarin. Im Sommer ist er nachmittags täglich auf der Brücke zu sehen. Sein orange angestrichenes Fahrrad mit dem noch auffälligeren orangenem Plastikkorb ist weithin schon bekannt und als quasi Ansprechpartner für alle möglichen Anliegen bereitwillig und auskunftsfreudig vor Ort. Für die jugendlichen Straßenmusiker im Sommer ist er wie selbstverständlich Ansprechpartner, weiß viel über die Geschichte(n) im und rund um den Kiez zu erzählen. Er ist eben nicht ein „irgend Jemand“ ,nein, das ist einfach der Ferdinand, man mag ihn und möchte ihn nicht missen. Es gäbe noch reichlich Gutes über ihn zu berichten, aber da fragen sie ihn doch besser selbst. Es wird garantiert interessant; das verspricht mit einem Augenzwinkern Elfie Hartmann ▲ Temple Yard & Beauty Hill Imagefilm „4262 Berlin!“ Rathaus Schöneberg. Ein Putzwagen wird durch einen langen Gang geschoben, dahinter laufen coole Turnschuhe, fast tänzelnd. Eine Abschlussklasse (ca. 20 Jahre alte gemischte Besuchergruppe) sammelt sich in der großen Eingangshalle für eine historische Führung durch das Gebäude, alle offenbar wenig motiviert. Putzmann Michael will gerade den Müll wegräumen, als er drei Schüler bemerkt, die sich ganz offensichtlich für alles andere als das Rathaus interessieren und coole Moves machen. Er gibt ihnen wortlos zu verstehen, ihm zu folgen. Zu viert stehlen sie sich davon und Michael wird kurzerhand ihr Reiseleiter durch den Bezirk. Während die Klasse durchs Rathaus geführt wird, erleben die Jungs coole Orte im Bezirk im Schnelldurchlauf und haben Spaß zusammen. Sie laufen, tanzen und fliegen durch den Bezirk, denn sie sind perfekte Tänzer und Parcoursler. Sie schicken der Schülerin Selfies, die dadurch an ihrem Ausflug teilhat. Pünktlich zum Ende der Führung gesellen sich die Jungs zurück zur Gruppe, beenden brav die Führung und Michael fährt mit seiner Arbeit fort, als wäre nichts gewesen ... Zu sehen ist dieser Imagefilm des Bezirks im Internet unter https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/tourismus. Lange des Films: 3:39 Min. Track: Big Tiba & Chille. Kommentare auf Youtube: telebus88: Realster Rapper ist der Mann mit dem Müllwagen! I know it!? Sandra N.: Die Frau mit der Mütze ist die schwester von meiner Klassenlehrerin? Superfly Dean: Song ist stabil. Hinweis der Wirtschaftsförderung: Achtung: Die Breakdance- und Parcours-Moves bitte nicht nachahmen! Hinweis der Bezirksbürgermeisterin: „... Übrigens 42, 62 sind die alten Postleitzahlen von Tempelhof und Schöneberg.“ Di 02.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Schwartzsche Villa, Großer Salon, Grunewaldstr. 55, 12165 Bln-Steglitz „Ihr sollt die Wahrheit erben“ Die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch war Mitglied im „Mädchen-Orchester“ des KZ Auschwitz-Birkenau. Ihre Lebenserinnerungen „Ihr sollt die Wahrheit erben“ sind das eindrucksvolle Zeugnis eines deutsch-jüdischen Familienschicksals und eine sehr persönliche Chronik einer Überlebenden des Holocaust. Der Berliner Komponist Hermann Keller, von der Lektüre des Buches tief bewegt, schrieb Anita Lasker-Wallfisch einen Brief, aus dem sich ein regelmäßiger Austausch ergab. So entstand der Plan, diesen Stoff in Musik zu setzen, den er 2016 für die Cellistin Constance Ricard realisierte. Eintritt: 6/3 Euro | Karten/Infos: 030 44 04 51 64 Fr 05. + Do 11.04.2019, 15 bis 16 Uhr Nachbarschaftshaus Friedenau, Holsteinische Str. 30, 12161 Berlin Führung durch ihre Ausstellung „Mein gefühltes Friedenau“ Ursula Kornfeld macht eine Führung durch ihre Ausstellung "Mein gefühltes Friedenau" (8.3. bis 23.4.19). In den letzten 2,5 Jahren hat sich U. Kornfeld künstlerisch mit ihrer unmittelbaren Nachbarschaft beschäftigt. Sie schenkt dem Alltäglichen, an dem wir oft vorübergehen, ihre volle Aufmerksamkeit und schenkt ihm so eine Bühne und neue Perspektive. Ihr Ansatz ist figürlich, sie beginnt oft mit Finelinerzeichnungen und koloriert diese anschließend mit chinesischer Tusche. Sie zeigt Arbeiten zum S-Bahnhof Friedenau, den Goerzhöfen, der Friedenauer Brücke, dem alljährlichen Marathon. Sie sehen auch Stolpersteine aus ihrer direkten Nachbarschaft u.v.m. In ihren Miniskizzenbüchern hat sie drei Frauen porträtiert, die ein besonderes Handwerk ausüben: Eine Schuhmacherin, eine Gemälderestaurateurin und eine Geigenbauerin. Ihr liegt besonders viel daran, diese Arbeiten Menschen „vor Ort“ zu zeigen. Eintritt frei. Fr 05.04.2019, 19:00 bis 21:00 Uhr Nachbarschaftshaus Friedenau, Holsteinische Str. 30, 12161 Berlin Konzert mit Gusti Djus Balkan, Klezmer, Gypsy mischt das Gusti Djus Orkestar lebhaft durcheinander, bis schließlich ein "Gusti Djus" (= fruchtfleischiger Saft) entsteht. Fügt man noch Pizzica- und Tarantellamusik hinzu, erhält man eine wirksame Medizin gegen Depression und Tarantelbisse. Wohl bekommt‘s! Eintritt frei, Spende willkommen. Fr 05.04.2019, 18:00 bis 20:00 Uhr Reha-Steglitz gGmbH, 12169 Berlin, Bergstr. 1 / Eingang Ecke Heesestr. # DAS LEBEN IST SCHÖN Gruppenausstellung der Initiative "Offene Ateliers Steglitz-Zehlendorf" Vernissage. Die KünstlerInnen sind anwesend. Ausstellung vom 08. April - 27. September 2019. Öffnungszeiten: Mo.- Fr. 10.00 - 15.00 Uhr Sa 06.04.2019, 09:30 bis 12:00 Uhr Paul-Gerhardt-Saal der Ev. Kg. AltSchöneberg, 10827 Berlin Familienbrunch Zusammen mit anderen Familien mit Ruhe und Zeit brunchen! Es gibt viele Spielmöglichkeiten für die Kinder. Eingeladen sind alle Familien, Großeltern, Paten, Onkel und Tanten! Erwachsene zahlen 6,- Euro, Kinder sind frei. Bitte bei Hanna Röder anmelden bis zum 2. April unter roeder@ts-evangelisch.de Sa 06.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Begine, Potsdamer Str. 139, 10783 B. „Eine geht noch“ Musikkabarett exklusiv für Frauen Maurischat ist auf der Bühne von jener schlecht gelaunten Giftigkeit, bei der im Publikum einfach Freude aufkommen muss! Und bei Hegers nordischer Frohnatur ist man auch einfach mal froh, wenn sie nur Luft holt. Großstadt meets Provinz, Chanson trifft Shanty, große Klappe stößt auf Kleinhirn und Pils auf Prosecco. Kurz: Man kennt sich - und zwar verdammt gut! Zur Freude aller. So 07.04.2019, 16:00 bis 17:00 Uhr Natur-Park Schöneberger Südgelände, Prellerweg 47-49, 12157 Berlin Clupea harengus – Der Hering Fräulein Brehms Tierleben – artgerechte Unterhaltung, nicht nur für Erwachsene. Von Einer, die auszog, den Hering zu suchen ... Clupea harengus, Individualist und Schwärmer, Architekt von Hansestädten, Weltenbummler und Kommunikationskünstler. Sein einzigartiger Heringsfunk löst mitunter Alarm bei den nationalen Sicherheitskräften aus ... Barbara Geiger aka Fräulein Brehm erforschte Fische fütternd die Welt des Clupea harengus, ein wahrhaft großer Fisch! Die Welt darf gespannt sein. So 07.04.2019, 16:00 bis 17:00 Uhr Theater Morgenstern, Rheinstr. 1, 12159 Berlin Das Trollkind Eigene Bühnenbearbeitung nach der Erzählung „Der Wechselbalg“ von Selma Lagerlöf, für Kinder ab 7 und Erwachsene. Was für ein friedliches Leben könnte das für Bäuerin und Bauer werden nach der Geburt ihres Sohnes. Wären da nicht die Trolle, die Gefallen an dem kleinen Kind finden und es einfach mal mit ihrem eigenen hässlichen Balg vertauschen. So 07.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Alte Bahnhofshalle Friedenau, Bahnhofstr. 4a-d, 12157 Berlin ODESSA EXPRESS – RussaNova & Russian Swing aus Berlin Zwischen Kiew, Berlin, Paris, Rio und New York fühlen sich die Herren musikalisch am wohlsten. BossaNova, Swing, Jazz, Tango, Musette - alles wird serviert auf wunderbar leichte und beschwingte Art und Weise, garniert mit charmantem Gesang und großartigen deutschen Texten. Einlass 19:15 Uhr / 15,- / erm. 10,- Euro Do 11.04.2019, 19:00 bis 21:00 Uhr KommRum e.V., Kontakt- und Beratungsstelle, Schnackenburgstr. 4, 12159 Berlin Alkoholabhängigkeit Psychiatrischer Themenabend mit Vortrag und Diskussion. Der Weg in die Alkoholsucht verläuft schleichend und fast unbemerkt. Bis Betroffene erkennen, dass sie abhängig sind, vergehen oft viele Jahre. Tatsache ist: etwa zehn Prozent der Bundesbürger haben einen riskanten Alkoholkonsum und rund 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Fr 12.04.2019, 20:00 bis 21:00 Uhr Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin "Gastfreundschaft" Priya Basil liest aus ihrem neuen Buch. Die in London geborene, in Kenia aufgewachsene und heute in Berlin lebende Autorin hält ein leidenschaftliches Plädoyer für ein gastfreundliches Europa, für gutes und gemeinsames Essen und erzählt von den Traditionen in ihrer Indischen Familie und macht sich Gedanken darüber was Gastfreundschaft bedeutet. Eintritt: 6 / 5 Euro. So 14.04.2019, 14:00 bis 16:00 Uhr Natur-Park Schöneberger Südgelände, Trefpunkt Parkeingang S-Bahnhof Priesterweg Märchenwanderung Die Geschichtenerzählerin Birgit Hägele führt Sie über das ehemalige Bahngelände. Was die alte Dampflokomotive erzählt - Spaziergänge auf den Spuren der alten und neuen Bewohner des Parks. Die Geschichtenerzählerin Birgit Hägele führt Sie mit Geschichten über das ehemalige Bahngelände und Märchen von Bäumen, Blumen und Tieren auf ver- So 21.04.2019, 16:00 bis 17:00 Uhr Theater im Natur-Park Schöneberger Südgelände, Prellerweg 47-49, 12157 Berlin Hymenoptera – Die wilden Bienen Fräulein Brehms Tierleben – artgerechte Unterhaltung, nicht nur für Erwachsene. Das ist ästhetisch, bunt, kriminell, melancholisch und unfaßbar erstaunlich! Bei exakt 19 844 nachgewiesener Arten weltweit auch nicht weiter verwunderlich. 561 Arten sind allein in Deutschland nachgewiesen, Ihre Namen sind so poetisch, wie Ihre vielfältigen Gestalten. Gezählt hat sie für das Fräulein kein geringerer als Dr. Michael Ohl vom Museum für Naturkunde, Berlin und seines Zeichens Wespentaxonom und Evolutionsbiologe – und Kurator von Fräulein Brehms Tierleben Hymenoptera – Die wilden Bienen. Der zweite Kurator im Bunde, Dr. Christoph Saure, Büro für Tierökologie, Berlin, hat allein im Natur-Park Schöneberger Südgelände – 110 Arten gesichtet, gezählt und nachgewiesen. Fräulein Brehm auf Forschungsreise in die fantastischen Welten der Wildbienen. Augen, Ohren und Sinne weiten, um diese Tierwahrhaftigkeiten, diese Universen zu verstehen! Eintritt: Grundpreis: 9 Euro. Foto: Christian Fischer Auch die Angehörigen versuchen meist, nach außen hin das Suchtproblem des Partners zu verbergen und herunterzuspielen und werden so zum "Mit-täter" des Alkoholkranken, weil sie ihn immer wieder davor bewahren, dass er die Konsequenzen seines exzessiven Alkoholkonsums zu spüren bekommt. Man spricht auch von Co-Abhängigkeit. Wir wollen das Thema in lebendiger Diskussion und ohne „moralische Keule“ betrachten. Referentin: Alexandra Lingesleben (Oberärztin, Auguste-Viktoria-Klinikum, Station 17 für Abhängigkeitserkrankungen) Do 11.04.2019, 19:30 bis 21:00 Uhr Begine, Potsdamer Str. 139, 10783 B. Care Ökonomie Eine erstrebenswerte Utopie? Ruth Becker, Volkswirtin und pensionierte Professorin für Frauenforschung und Eveline Linke, Architektin und freie Autorin werfen einen kritischen Blick auf die von feministischen Wissenschaftlerinnen entwickelten alternativen Wirtschaftsmodelle, die das Sorgen – in einem sehr weit gefassten Sinn – in den Mittelpunkt des Wirtschaftens stellen und damit weit mehr erreichen wollen als nur eine Verbesserung der Versorgung Unterstützungsbedürftiger. Wir wollen darüber diskutieren, wie realistisch solche Wirtschafts- und Gesellschaftsformen sind und ob ihr Menschen- bzw. Geschlechterbild den in diese Gesellschaften hinein sozialisierten Individuen zu entsprechen vermag und welche Aspekte der Care Ökonomie uns dennoch richtungweisend erscheinen. www.schoeneberger- KULTURkalender.de Sa 13.04.2019, 19:30 bis 21:00 Uhr Theater O-TonArt,Kulmer Str. 20a, 10783 Berlin Show-TonArt Brandneu ist die Veranstaltungsreihe Show-TonArt, iniziiert von Sophie Dieschong-Senf, die alle zwei Monate als Benefiz zugunsten des Theaters O-TonArt stattfinden wird. Getreu dem Motto unterschiedliche Menschen = eine Botschaft wird von den unterschiedlichsten Künstler/Innen*_ (wer im Einzelnen ist noch streng geheim) verschiedenster Genres ein buntes und überraschungsvolles Programm präsentiert. Die Einnahmen gehen zu 100 % an das Theater O-TonArt, damit es hier auch in Zukunft weiterhin heißen wird: Königliche Unterhaltung im Hoftheater! Sa 13.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Begine, Potsdamer Str. 139, 10783 B. Lesben.Musik.Kabarett.Exklusiv für Frauen: Cis*stars Emma im Dilemma? Liebste oder Liebster? Retro oder Hipster? Hundert Sorten Joghurt und Volksabstimmungsendspurt: Nach 100 Jahren Frauenwahlrecht laden die Cis*stars ins Wahllokal des Lebens. So 14.04.2019, 14:00 bis 16:00 Uhr Natur-Park Schöneberger Südgelände, Treffpunkt Parkeingang S-Bahnhof Priesterweg Bahnbrechende Natur Erfahren Sie auf einer Führung mehr über die Entstehung und die Pflege des Natur-Parks Südgelände. Preis: 8, erm. 6,50 Euro plus 1 Euro Parkeintritt; V: BUND, Detlev Dahlmann, Tel.: 45 02 31 89, gartengestaltung@detlevdahlmann.de schlungenen Pfaden durch den Natur-Park. Preis: 6 plus 1 Euro Parkeintritt, V: Birgit Hägele, Tel. 24 35 51 27 Di 16.04.2019, 19:30 bis 21:00 Uhr Schwartzsche Villa, Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin-Steglitz Die neue Zensur Lesung und Gespräch. Nicht der Staat, sondern der Hass bedroht im Internet die Meinungsfreiheit. „Ein engagiertes Plädoyer für den Mut zur freien Rede“ (Bernhard Schlink) Der Autor Christian Bommarius im Gespräch mit Arno Widmann. Eintritt: 8 / 6 Euro | Karten/Infos: 030 791 31 25, seebode@buchhandlungauerbach.de Fr 19.04.2019, 18:30 bis 20:00 Uhr Begine, Potsdamer Str. 139, 10783 B. Mary Dalys Gyn/Ökologie Mary Daly († 2010) war eine der bedeutendsten und originellsten Theoretikerinnen des Radikalen (Lesbischen) Feminismus aus den USA. Wir laden euch ein, ihre zugleich komplexen und klaren – und nach wie vor hochaktuellen – Analysen (wieder) zu entdecken und euch mit uns und Mary Daly auf eine „metapatriarchale Reise durch Exorzismus und Ekstase“ zu begeben. Katerina Dakoura hat Amerikanistik studiert und hat ihre feministische Erweckung durch die Bücher Mary Dalys erlebt. Als Yogalehrerin hilft sie Frauen, die patriarchale Entfremdung vom eigenen Körper zu heilen; als Aktivistin ist es ihr Anliegen, Frauen beim Ablegen ihrer patriarchalen Augenbinden zu unterstützen. Eintritt frei! Spenden willkommen! Fr 19.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Schwartzsche Villa, Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin-Steglitz "Im Menschentrichter" Szenen aus der Großstadt Der zigarettenfingrige Kellner, der bullige Onkel, die alte Lehrerin, die Bardame, der Unglückliche ... in der Kneipe treffen sie sich alle. Beobachtet und beschrieben von Tucholsky, Borchert, Valentin und anderen. Wir blicken in den Trichter der Vergangenheit und sehen ... uns selbst? Erleben sie mit dem Theater Mann + Frau einen besonderen "Kneipenabend", mit ungewöhnlichen Gästen, überraschenden Geschichten und live gespielter Musik. Am Akkordeon: Anja Dolak | In den Rollen: Rosa Landers und Thomas Mette | Puppenbau: Olaf Randel Kostüme: Claudia Voigt | Schattenbilder: John Chambers | Bühne und Regie: Thomas Mette Eintritt: 12 / 8 Euro) | Karten/Infos: 0173 214 81 14 Sa 20.04.2019, 19:00 bis 21:00 Uhr PRIMOBUCH, Herderstr. 24, 12163 B. Berlin-Kreuzberg 1969-1973 Finissage: Fotografien von Albrecht Beck. Eintritt frei Sa 20.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Café Peppe, Torgauer Str. 2, 10829 B. Anja Monden / Herzkasperl Konzert #20mit einer Musikerin aus Österreich. "Zwischen tiefgründig und lapidar rausgehauen. Coole Wurschtigkeit trifft auf mitfühlende Willenskraft. Ein erkranktes Herz, aber auch tiefe Herzensfreude kommen zum Vorschein in den Liedern von Anja Monden / Herzkasperl. Eigene Texte, die sich momentan vor allem zusammen mit Gitarre, Akkordeon und Gesang Ausdruck verschaffen." www.herzkasperl.at Sa 27.04.2019, 12:00 bis 14:00 Uhr Natur-Park Schöneberger Südgelände, Treffpunkt Parkeingang S-Bahnhof Priesterweg Pflanzen-Erlebnis-Führung Entdecken Sie die Heil- und Symbolkraft von (essbaren) Wildund Kulturpflanzen. Preis: 10 € plus 1 € Parkeintritt; V: Olaf Tetzinski, Tel. 787 48 29, Heilpraktiker@tetzinski.de Fr 26.04.2019, 19:00 bis 22:00 Uhr Nachbarschaftshaus Friedenau, Holsteinische Str. 30, 12161 Berlin OstSchwung: Alarmstufe ALT Die jüngsten Entwicklungen sind wirklich alarmierend: Die Alten werden immer älter, immer fitter und immer mehr! Und obendrein wollen sie natürlich auch noch was vom Leben haben. Da bleiben Konflikte mit den nachfolgenden Generationen natürlich nicht aus … Eintritt frei – wir bitten um Anmeldung unter 030 / 855 42 06. Sa 27.04.2019, 19:00 bis 20:30 Uhr Nachbarschaftshaus Friedenau, Holsteinische Str. 30, 12161 Berlin Literarisch-musikalischer Abend mit dem Tal Aviv Trio Das junge Trio verbindet klassische und moderne israelische Musik zu einem einmaligen Klangerlebnis. Die Jetzt bewerben! intensiven Stimmen von Aviv Weinberg und Tal Koch werden wunderbar begleitet durch Guy Woodcock an der Gitarre. Eintritt frei, Spende willkommen. Sa 27.04.2019, 19:00 bis 21:00 Uhr PRIMOBUCH, Herderstr. 24, 12163 B. RegenbogenSTILLE in Farbe und Klang Vernissage (Ausstellung bis 25.5.) Vernissage der Ausstellung „RegenbogenSTILLE in Farbe und Klang“ Bilder und Musik von Marleen Luisa Menke. Arbeiten auf Papier und Leinwand. Die Berliner Künstlerin und Musikerin erforscht in ihren Arbeiten das Zusammenspiel von Malerei und Musik. Farbe und Klang inspirieren sich gegenseitig, nähern sich an, verbinden sich. Bilder können gesungen, gesprochen, hörbar werden. Klänge schaffen zarte innere und äußere Bilder. Die Ausstellung ist vom 29. April – 25. Mai 2019 Mo-Sa von 11 – 18 Uhr zu besichtigen. Eintritt frei So 28.04.2019, 13:00 bis 17:00 Uhr Natur-Park Schöneberger Südgelände, Treffpunkt Parkeingang S-Bahnhof Priesterweg Dichten im Grünen Poesiewerkstatt. Preis: 30 / erm. 20 Euro plus 1 Euro Parkeintritt, V: Rainer Stolz, Tel. 21 99 64 76, hallo@rainerstolz.de So 28.04.2019, 16:00 bis 17:00 Uhr Natur-Park Schöneberger Südgelände, Prellerweg 47-49, 12157 Berlin Hirundo rustica – Die Rauchschwalbe Fräulein Brehms Tierleben – artgerechte Unterhaltung, nicht nur für Erwachsene. Dass Rauchschwalben fliegen können, weit fliegen können, das ist kein Geheimnis. Aber dass sie sich auf dem Weg durch die Sahara in alten Treibstofffässern, die als Wegweiser in der Wüste stehen, in Sicherheit bringen, um sich vor Sandstürmen schützen, Luftplankton Schwalbens Lieblingsspeise ist und Lichterketten am Leibe haben? Fräulein Brehm aka Barbara Geiger hat einige Schwalbenreisen unternommen, gedanklich und in echt, um die Luftakrobaten zu studieren und zu verstehen. Von Bad Saarow bis nach Nigeria, von Greifswald nach Südafrika, an den Lago Maggiore, zu den Talschneisen der Dolomiten, auf Mittelmeer Inseln und vor allem in die eigene Fantasie. Im Fräuleinkoffer allerhand Rauchschwalbengepäck … Di 30.04.2019, 20:00 bis 22:00 Uhr Begine, Potsdamer Str. 139, 10783 B. Walpurgisnacht-Tanzfieberparty mit Marion Communitydancing exklusiv für Frauen. Leichte schwungvolle & kommunikative Tänze zu mitreißender Musik für jedes Niveau 20.30 Uhr Die größten Dancehits – von „Pata Pata“ und „I am what I am“ bis Gossip und Adele gemixt mit Latin und Deutschpop Green Buddy Award 2019 Klimaschutz und Umweltbewusstsein hat im Bezirk Tempelhof-Schöneberg einen hohen Stellenwert und ist ein langfristiges Ziel. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und die Wirtschaftsförderung verleihen in Kooperation mit der Buddy Bär Berlin GmbH dieses Jahr zum neunten Mal den Green Buddy Award. Der beliebte Umweltpreis des Bezirks TempelhofSchöneberg wird im November verliehen. Bewerben können sich ab sofort Unternehmen und junge Menschen bis 27 Jahre. Für die teilnehmenden Unternehmen sollten Ökologie und Nachhaltigkeit Kern der eigenen Unternehmensphilosophie sein (wie zum Beispiel bei Sirplus, ein Unternehmen, dass unsere Redakteurin Christine Sugg auf Seite 4 vorstellt.). Ihre ▲ Man könnte sich in jedem Kiez so eine gute Seele vorstellen. Aber warum demjenigen nicht mal hier und jetzt ein Gesicht geben? Der Vorname stimmt, alles andere sei hier nicht genannt, der Mensch allein zählt. Und dieser umtriebige Mann um die sechzig ist rund um die Carl-Zuckmayer-Brücke am Rudolph-Wilde-Park in Schöneberg, also direkt hinter dem Rathaus Schöneberg, täglich unterwegs. Im Sommer genauso wie im Winter ist er nachmittags bis hin zum Abend irgendwo zu sehen. Und schon wieder mal sieht man ihn in (s)einer Form als hilfsbereiten Menschen, sei es spontan beim Tragen der schweren Tasche einer älteren Mitbürgerin, sei es am Neujahrsmorgen beim Reinigen der üblicherweise dann stets stark vermüllten Brücke im Regen (Foto), da die BSR normalerweise erst nach mehreren Tagen zum Aufräumen kommt. Oder auch beim Helfen eines besonders schwer zu transportierenden Paketes einer jungen April 2019 Schöneberger Kulturkalender ▲ ▲ Menschen unter uns Seite 7 Initiative sollen Sie auch unter Beweis stellen sowie aktiv zum Klimaschutz und Umweltbewusstsein beitragen. Als Auszeichnung wartet der individuelle Buddy-Bär in jeweils einer der fünf Kategorien. Zudem gibt es ein Preisgeld in Höhe von jeweils 2000 Euro. Die Gewinner_innen aus dem letzten Jahr haben sich den Green Buddy Award mehr als verdient. Seit Anfang Mai 2018 gibt der Lette Verein Berlin in seiner Mensa ausschließlich Mehrwegbecher und Porzellantassen aus. So kann seitdem ein monatlicher Verbrauch von 2.500 Pappbechern, welche nach der einmaligen Verwendung bisher entsorgt wurden, vermieden werden. Nehmen Sie teil! Auf der Green Buddy Startseite www.berlin.de/greenbuddy können Sie sich bis zum 16. August 2019 bewerben. 74.200 Euro für Tempelhof-Schöneberg Sachmittel für bürgerschaftliches Engagement Gewährung von Sachmitteln für freiwilliges Engagement in Nachbarschaften 2019 (FEIN) für Einzelmaßnahmen. Die Förderung des ehrenamtlichen Engagements ist Jörn Oltmann, als dem für diese Aufgabe zuständigen Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bauen, persönlich sehr wichtig: „Ich freue mich, dass es auch in diesem Jahr wieder möglich ist, solche Vorhaben zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur zu unterstützen.“ Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat dem Bezirk hierfür 74.200 Euro zur Verfügung gestellt. Angesprochen sind hier ehrenamtlich Interessierte sowie nicht gewinnorientiert arbeitende gesellschaftliche Initiativen, die mit ihrem Engagement und selbst organisierten Aktivitäten eine Aufwertung oder Verbesserung der öffentlichen Infrastruktureinrichtungen in der Nachbarschaft zum Ziel haben. Hier werden Vorhaben in öf- fentlichen oder öffentlich zugänglichen Einrichtungen wie Schulen einschl. Horte, Kindertagesstätten, Begegnungsstätten, Nachbarschaftsheime, Seniorenfreizeiteinrichtungen oder sonstige soziale Einrichtungen, Sport-und Grünanlagen sowie öffentliche Straßen und Plätze (außerhalb der Quartiersmanagementbereiche des Bezirks) unterstützt. Pro Projekt stehen bis zu 3.500 Euro für benötigte Sachmittel für die geplanten Tätigkeiten zur Verfügung (z.B. für Farbe oder Pflanzen oder Material u. ä.). Die finanzielle Unterstützung erfolgt als Zuschuss. Reine Ausstattungswünsche können hier nicht erfüllt werden. Die Antragstellung ist formlos möglich (Angabe von Zweck, Art, Zeitrahmen und Kosten des Vorhabens) beim Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abt. Stadtentwicklung und Bauen / StadtBauDez Stab, John- F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin. Hier können Sie auch ein bereits vorbereitetes Antragsformular erhalten. Seite 8 Nr. 160 - April 2019 Die Stadtteilzeitung ▲ ▲ Es war einmal ... Foto: Elfie Hartmann Polizeiliche Miscellen Foto: Hartmut Ulrich Vom Lesegarten der Kleingartenkolonie Autofahrer aufgepasst ! Die Bücher aus der Lesebox, die Spaziergängern, sowie jedem Besucher zugänglich waren, wurden von unbekannten Jugendlichen zerfleddert, die Seiten herausgerissen und über Zäune geworfen. Das idyllische Kleinod, in dem dies geschah, ist genau der Ort, der letztes Jahr schon einmal in unserer Zeitung zurecht lobend erwähnt wurde. Er ist nun leider aus diesem Grunde nur noch eingeschränkt zu genießen. Die Rede ist von dem öffentlich zugänglichen Lesegarten neben dem Vereinshaus der Kleingartenkolonie zwischen der Kufsteiner- und Babelsberger Straße, sieben Fußminuten entfernt vom Rathaus Schöneberg. Hier stand eine große, stets unverschlossen gehaltene, regengeschützte Box, aus der man unterschiedliche Bücher aller Genres entnehmen und direkt im Garten auf einer der aufgestellten Bänke ungestört lesen konnte. Es war gestattet, ein Buch gegebenenfalls und je nach Gusto unentgeltlich mit- zunehmen, auszuleihen oder / und zurückzubringen. Auch wurden des öfteren Bücher dort hinein gelegt und sozusagen auf diese Weise reihum ganz unkompliziert zur Verfügung gestellt. Im kleinen Rahmen fanden sich sogar gelegentlich Spielsachen oder auch schon mal Schreibutensilien für Schüler darin, mit Sicherheit zur Freude aller plus gleichzeitiger Anregung für eigene Spendenfreude. Bis dato ist der Lesegarten zwar weiterhin geöffnet, das heißt, zu nutzen für jedermann, jedoch steht die Bücherbox inzwischen nunmehr zeitlich eingeschränkt zur Verfügung, nämlich nur noch während der Sprechstunde an jedem ersten Sonntag im Monat, und zwar in der Zeit von 11.00 h bis 12.00 h am oder im Vereinshaus direkt, je nach Wetterlage. Wenn es im unmittelbar anschließend gelegenen Stadtpark oft doch recht laut und unruhig zugeht, so ist dieser im Grunde unscheinbare Lesegarten nur ein paar Schritte entfernt, eine stille Miniaturinsel für den eigenen, eben den ganz individuell gewählten Rückzug Die fast unwirkliche Ruhe an diesem Ort wird tatsächlich nahezu ausschließlich durch Vogelgezwitscher begleitet oder, dem ureigensten Empfinden geschuldet und bewußt ausgeliefert, vielleicht auch so etwas wie gestört? So oder so ist dieses Kleinod letzten Endes wenigstens etwas, das uns hoffentlich weiterhin erhalten bleibt. Elfie Hartmann Ihre Buchhandlung in Friedenau am Friedrich-Wilhelm-Platz Bundesallee 77 - 12161 Berlin (030) 852 79 08 - www.thaer.de Nein, kein Schützenpanzer der Bundeswehr steht seit kurzem in der Nähe des Jugendmuseums Schöneberg in der Hauptstraße am Schöneberger Anger. Es handelt sich vielmehr um einen gepanzerten, schusssicheren und brandgeschützen Anhänger mit dem „PoliScan Speed“, einem neuartigen Blitzgerät der Polizei in seinem Inneren. Sein Name: „Enforcement Trailer“, was sinngemäß soviel bedeutet wie „bewegliches Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung“. en auf allen Fahrspuren messen und die entsprechenden Daten verschlüsselt an die Zentrale übermitteln. Etwa fünf Tage hält er durch; dann müssen die Batterien aufgeladen werden, Oder er wird – mit aufgeladenen Batterien - zu einem anderen Ort transportiert. Einmal abgestellt, kann er bis auf die Erde abgesenkt werden. Dann sind die Räder verdeckt und kein Vandale kann ihm schaden. Innen besitzt er zusätzlich ein Alarm- und Feuerlöschsystem. Er kann ferngesteuert autonom Geschwindigkeitsüberschreitung Hartmut Ulrich Sein Preis: Etwa 120 000 bis 150 000 Euro. Personal, wie sonst bei üblichen Messungen, ist nicht mehr nötig . Damit ist das Gerät kostengünstig. HEUREKA!! Lust auf Neues? Luises Kleidercafé bietet Kleidung aus Zweiter Hand - Neueste Mode und Trends aus der Vergangenheit. Di+Mi 16.30-18 Uhr. Spenerhaus, Leberstr. 7, 10829 B. Bock auf was Neues? Dann bewerben Sie sich! Ab sofort suchen wir Fleischereifachverkäufer Verkäufer mit Kassentätigkeit Backwarenverkäufer (m/w) für unsere Märkte in Friedenau und Schmargendorf Bewerbung bitte an E D E K A-Markt Görse & Meichsner Handels GmbH Handjerystraße 98 12159 Berlin oder direkt im Markt abgeben Wir Lebensmittel Die Stadtteilzeitung Nr. 160 - April 2019 ▲ Die andere Perspektive Idee und Foto: Elfie Hartmann Seite 9 Frau Knöttke und das Zeitgeschehen... Verflixt Eine unterschätzte Grippe kann auch die zäheste Redakteurin flach legen. Diesen Monat müssen unsere Lerserinnen und Leser daher auf die schnoddrigen Kommentare von Frau Knoettke verzichten. Wir wünschen Ihr an dieser Stelle allet jute! www.schoenebergerkulturkalender.de Y O G A TUT GUT! Klassisch und Flow oder mit Hocker Di. u Do.-Abend, Jeverstr. 9 /1. Stock Info: (030) 791 65 86 www.yoga-trinity.de … die Frauenplastik "Der Morgen" von Georg Kolbe. Ihr Standort befindet sich innerhalb der Ceciliengärten in Schöneberg. 1929 war sie auf der Weltausstellung in Barcelona im Deutschen Pavillon ausgestellt. Das ist doch ... ▲ Kiezgeschichte Lust auf Neues? Musikalisches Ensemble Die beiden Ehepaare, klar als Touristen erkennbar, saßen mir albern gackernd und leicht angetrunken gegenüber in der UBahn und schienen alles um sich herum nur zu genießen. Die noch immer hochgelobte berühmte Berliner Luft wird ihr übriges dazu getan haben. Bei genauerem Betrachten wirkte einer der beiden Herren auf mich allerdings doch irgendwie verbissen. (Ergiebige Inspirationen am Fließband für unsereins) Querflöten- Gitarrenunterricht von Musiklehrer alle Altersstufen, langjährige Erfahrung, Tel.: 84 41 17 88 Sie scherzten und lachten weiterhin über- und miteinander. Urplötzlich aber fuhr der offensichtlich tatsächlich ernstlich verstimmte Herr mit verzerrtem Gesichtsausdruck seine Frau an: „Ich...ich spiele ja immer nur die zweite Geige bei uns zu Hause, das sollen hier jetzt ruhig mal alle wissen!“ Es folgte ein kurzes, betretenes Schweigen, dann hörte man mit gleicher Lautstärke von seiner schlagfertigen Dame: „Ach weißte, du kannst doch eigentlich froh sein, dass Du überhaupt noch im Orchester sitzt, Rudi!“ Schallendes Gelächter erfolgte und ich - mußte leider aussteigen. Fortsetzung folgt, mit Sicherheit. Die Welt ist einfach (m)eine einzigartige Bühne. Und es menschelt doch immer und immer wieder, mal mehr und mal weniger schön, resümiert Luises Kleidercafé bietet Kleidung aus Zweiter Hand Neueste Mode und Trends aus der Vergangenheit. Di+Mi 16.30-18 Uhr. Spenerhaus, Leberstr. 7, 10829 B. Elfie Hartmann Kontakt: Vivian Monteiro Copertino, Tel. (030) 85 99 51 364 ehrenamt@nbhs.de BUCHTIPP Julian Barnes DIE EINZIGE GESCHICHTE Übersetzung: Gertraude Krueger Kiepenheuer und Witsch 16,99 E Julian Barnes, 1946 in Leicester geboren, ist ein international anerkannter Schriftsteller, der mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Die zentrale Frage ist laut Barnes folgende: „Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage“ Paul ist 19 Jahre, er lebt mit seinen Eltern in einer biederen Kleinstadt in der Nähe Londons. Seine Mutter möchte dass er nette Mädchen kennen lernt und drängt ihn dazu sich im Tennisclub anzumelden. Dort lernt er anstelle eines jungen Mädchens Susan, eine verheiratete Frau und Mutter, die 28 Jahre älter als er ist, kennen. Die beiden verlieben sich und – auch wenn die Gerüchte um sie nicht verstummen und sie nach einiger Zeit beide aus dem Tennis-Club hinausgeworfen werden – sie stehen zueinander. Susan trennt sich – nicht sofort, die Beziehung entwickelt sich langsam und ändert die Intensität – von ihrem Mann, Paul und Susan ziehen gemeinsam nach London. Das Ganze endet nicht glücklich, aber wer nun denkt dass das ja wohl von Anfang an klar gewesen sei, täuscht sich. Julian Barnes erzählt hier von nichts weniger als von der einzigen Geschichte, der großen Liebesgeschichte, die tief und echt ist. Jede Liebe ist anders, ihr Glück ist anders auch ihr Scheitern hat seine eigenen Gründe. Der Hauptgrund für das Scheitern der Beziehung ist nicht der Altersunterschied, sondern der Alkohol, denn Susan wird exzessive Trinkerin. Doch auch das hat seine Ursachen. Ich lese, ich fühle mit, ich drücke Daumen, ich hoffe, dass diese Liebe gegen alle Konventionen eine Chance hat und ich werde immer trauriger gegen Ende des Buches. „Die einzige Geschichte“ hat mich tief berührt. Julian Barnes ist ein großer Schriftsteller und ein echter Menschenkenner – Hut ab! Elvira Hanemann Ihre Buchhandlung in Friedenau am Friedrich-Wilhelm-Platz Bundesallee 77 - 12161 Berlin (030) 8527908 - www.thaer.de Schöne berger Kultur kalender supergünstige koste n Tipps von los Frieda Günstig Ausstellung Christina Paetsch hinterfragt Konsumverhalten Galerie/Tempelhof Museum Alt- Mariendorf 43 Bis zum 12.6.2019 Mo-Do. 10-18 h Fr. 10-14., So.11-15 h Die Stadtteilzeitung Seite 10 Foto: Thomas Protz Die Straße, die heute bekannt ist wegen ihres bunten und vielfältigen Lebens, den vielen individuellen Geschäften und kleinen Restaurants, war vor 200 Jahren noch eine staubige Viehtrift, ein Feldweg, auf dem die Bauern ihr Vieh zur Weide getrieben haben. Auf einem Berliner Stadtplan von 1869 ist aber schon zu erkennen, dass die Straße auf beiden Seiten Buchvorstellung Gregorio Ortega Cota bei der Eröffnung der Gedenkstele für Albert Einstein Thomas Protz Wenn Glühwürmchen tanzen Goltzstraße Die Goltzstraße im Norden Schönebergs ist insgesamt 800 Meter lang. Führt von der Grunewaldstraße bis zur Winterfeldtstraße. Die Hausnummern zählen auf der östlichen Seite von 1-23 hoch bis zur Pallasstraße. Diese Straßenseite ist aber hinter der Kirche am Marktplatz nicht bebaut, so dass die Zählung auf der westlichen Seite an der Winterfeldtstraße mit 24 anfängt und zurück zählt und mit der Hausnummer 52 an der Grunewaldstraße endet. Diese Straße ist eine direkte Verbindung zwischen der katholi schen St.-Matthias-Kirche und der evangelischen Apostel-Paulus-Kirche. ▲ ▲ Straßen und ihre Geschichte Nr. 160 - April 2019 bereits bebaut ist. Später fuhr sogar eine Straßenbahn durch die Goltzstraße, bis 1963. Anfangs war es nur einfach die Straße Nr. 14 im Berliner Bebauungsplan, aber am 29 April 1884 bekam sie ihren Namen Goltzstraße, der bis heute unverändert geblieben ist. Friedrich Goltz, geboren 1825, war Beamter im preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten und gleichzeitig Berater der Gemeinde Schöneberg in kommunalpolitischen Fragen. In Berlin gibt es noch zwei weitere Goltzstraßen, eine in Spandau und eine in Lichtenrade. Aber jedes Mal ist ein anderen Herr Goltz der Namensgeber. Christine Bitterwolf Zwei Menschen begegnen sich im Bus. Eine Frau liest „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert. Der Mann hat das Buch „Frühstück bei Tiffany“ von Truman Capote bei sich. Sie kommen miteinander ins Gespräch und überlegen, was wäre, wenn Emma (die „Madame Bovary“) hinüberspringen könnte in das andere Buch. Aus ihrer unglücklichen Ehe mitten hinein ins pulsierende New York. Doch was wäre dann mit Holly Golightly? Wer hat nicht beim Lesen eines Buches schon einmal überlegt, was wäre, wenn die Geschichte ganz anders verlaufen könnte, oder was, wenn sie in einer ande ren Zeit spielen würde? Gab es die Figuren wirklich, haben sie reale Vorbilder? Und vor allem: wie ist die Geschichte eigentlich weiter gegangen? Der Mann, dem wir als Leser und Leserinnen am Anfang des Romans „Wenn Glühwürmchen tanzen“ von Gregorio Ortega Coto im Bus begegnen, wird sich im weiteren Verlauf mit vielen dieser Fragen beschäftigen. Einige davon bringt sein Beruf ohnehin mit sich, denn er ist Literaturprofessor, Experte für Thomas Mann. Aus diesem Grund ist er auch von der Krakauer Universität eingeladen worden. Er soll in Polen einen Vortrag über Thomas Manns „Der Zauberberg“ halten. Doch kurzfristig gibt es eine Programmänderung. Das neue Thema heißt „Die Homoerotik im Werk von Thomas Mann anhand seiner Novelle Der Tod in Venedig“. Begeistert ist Rosslau über diese Änderung des Plans nicht. Er steht dem „Tod in Venedig“ zwiespältig gegenüber. In dieser Novelle lässt Thomas Mann den Komponisten Gustav von Aschenbach sich unglücklich verlieben. Das Objekt der Begierde heißt Tadzio und ist vierzehn Jahre alt. Er weilt mit seiner Mutter und den Schwestern in Venedig. Gustav, der bereits die Fünfzig überschritten hat, beobachtet ihn aus der Ferne und verliert sich in einer inneren Schwärmerei. Am Ende stirbt er, ohne dass es zu einer Annäherung gekommen ist. Sie haben nicht einmal miteinander gesprochen. tav und Tadeusz. Wir Leserinnen und Leser erfahren die wahre Lebensge-schichte von Tadeusz. Rosslau stört sich an der Bigotterie Thomas Manns und der ganzen Epoche. Auch der langatmigen Verfilmung des „Tod in Venedig“ durch Visconti kann Rosslau nicht viel abgewinnen. Warum ließ Mann seinen Gustav Aschenbach sich in einen minderjährigen Jüngling verlieben? Was, wenn Tadzio in Wirklichkeit älter war? Was, wenn sich die beiden Männer tatsächlich begegnet wären und die Liebesgeschichte mehr als nur die Schwärmerei eines alten Mannes für einen Jungen gewesen wäre? Der Schöneberger Schriftsteller Gregorio Ortega Coto lässt in sei nem Roman die fiktive Figur „Tadzio“ und auch andere Protagonisten aus dem „Tod in Venedig“ zu Menschen aus Fleisch und Blut werden. Seine Fabulierkunst setzt er auf eine poetische und sprach lich kunstvolle Weise um. Die tan zenden Glühwürmchen sind dabei ein Bild für die Sinnesfreude und die offen gelebte Sexualität. Die Leuchtkäfer leuchten, um einen Partner zu suchen und ihre Sexualität auszuleben. Den Vortrag bereitet er trotz sei nes Unwillens vor. Doch ehe er schließlich zu referieren beginnen kann, kommt es zu Tumulten an der Universität. Eine Gruppe Rechtsradikaler brüllt homophobe Beleidigungen und stört die Veranstaltung. Neben den verbalen kommt es auch zu körperlichen Übergriffen. Der Vortrag muss abgebrochen werden. Rosslau wird von einem Mann gerettet und sicher nach draußen begleitet. Am nächsten Tag kann die Veranstaltung nur dank Polizeischutz weitergehen. Rosslau sieht diesen Mann, seinen Beschützer, wieder. Er heißt Witold Zabranski. Zwischen ihnen gibt es eine enorme intellektuelle und erotische Anziehung. Witold ist älter als Sebastian, arbeitet als Arzt und lebt in Krakau. Er möchte dem Besucher aus Berlin die Stadt zeigen. Sie verabreden sich. Witold gesteht Sebastian, dass er Tadzio aus dem „Tod in Venedig“ kannte. Es gab ihn wirklich, er heißt Tadeusz und ist Musiker geworden. Seine letzten Lebensjahre hat er in einem Seniorenheim verbracht. Dort lernte Witold ihn kennen und lieben. Vom zeitlichen Ablauf her könnte es passen. Aber als Literaturprofessor weiß Sebastian, dass die Novelle von Mann fiktiv war. Doch Witold zeigt ihm Aufzeichnungen von Tadeusz. In sei nen eigenen Worten erzählt er die wahre Liebesgeschichte von Gus- Der Bigotterie zu Zeiten Thomas Manns stellt Ortega Coto die Stimmen von Sebastian, Witold und Tadzio entgegen, die ihr Leben als schwule Männer ehrlich und unverbrämt darstellen. Wenn wir uns am Ende des Romans an die Szene an der Krakauer Universität erinnern, in der aus Homophobie der Vortrag über „Der Tod in Venedig“ gewaltvoll gestört wird, verstehen wir sofort die Schlussbemerkung des Autors. Er widmet seinen Roman all den jenigen, die aufgrund ihrer sexuel len Neigung diskriminiert, ver folgt, ermordet wurden und wer den. Isolde Peter „Wenn Glühwürmchen tanzen“ Gregorio Ortega Coto KLAK Verlag Berlin 150 Seiten Die Stadtteilzeitung ▲ ▲ Aus dem Archiv Die Blanke Helle am Albionplatz nach 1945 Foto: Archiv Tempelhof-Schöneberg ■ „Der Friedenauer Bürgerrat neu gegründet. Gestern Abend ver sammelten sich im Wirtshaus „Kaisereiche“ Vertreter einer Anzahl Friedenauer Vereine, um zu der Frage der Wiederbegründung des vor einiger Zeit schlafen gegangenen Bürgerrats Stellung zu nehmen. Erschienen waren 40 Personen, Damen und Herren, welche folgende Vereine vertraten: Hansabund, Bürgerdemokratische Vereinigung, Händlervereinigung, Schlächterverband, Vereinigung Friedenauer Bäckermeister, Krieger- und Landwehr-Verein, Veteranen – und Krieger-Verein, Oberlehrer-Vereinigung, LehrerVerein, Gastwirteverein, Deutschnationaler Ortsverein, Deutschdemokratischer Ortsverein, Männer- ■ Eine interessante Landnahme war zu verzeichnen: Die Tempelhofer Enklave um die „Blanke Hölle“ (heute „blanke Helle“) wurde von Schöneberg friedlich geka pert: „Umgemeindung des Lindenhofs nach Schöneberg. Die Stadtgemeinde Schöneberg errichtet bekanntlich eine auf dem an der Blanken Hölle gelegenen Gelände, das seit einem Jahrhundert in Schöneberger Besitz gewe sen ist, politisch aber von der Gemeinde Tempelhof in Anspruch genommen wird, eine Kleinwohnungssiedlung. Um den dauernden Grenzstreitigkeiten um die Enklaven ein Ende zu machen, ist jetzt zwischen Schöneberg und Tempelhof eine Einigung dahinge hend erzielt, daß Schöneberg die südliche Enklave mit dem Lindenhof, und Tempelhof die nördliche Enklave an der Borussiastraße er- Foto: Thomas Geisler hält. Schöneberg verpflichtet sich, einen Betrag von 30.000 Mark für die Eisenbahnunterquerung herzugeben und für die Einschulung der Kinder aus der Kleinhaussiedlung 1½ Jahre den Betrag von 60 Mark jährlich für jedes Kind an Tempelhof zu zahlen. “ (FLA vom 22. April) Hartmut Ulrich Osterferienprogramm Die Medien-Ferien-Woche findet von 10 bis 16 Uhr für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren statt. Kostenbeitrag 30 Euro. 15.-18. April 2019 - Trickfilmwoche Wir produzieren Stop-MationTrickfilme mit dem iPad. - Mediendesign-Woche Wir arbeiten mit Profikameras und drehen Clips - Grafik und Design Kreatives Zeichnen 23.-26. April 2019 Offene Woche Sport und Spiel, Musik hören, Entspannung, Trampolin, Freunde treffen Kinder- und Jugendzetrum VD13 Vorarlberger Damm 13 12157 Berlin www.vd13.nbhs.de Betritt man den hellen freundlichen Laden in der Rheinstraße 64, wird man sofort vom freundlich lächelnden Geschäftsführer Stephan Dziedzinski oder einem seiner Mitarbeiter begrüßt. Die Atmosphäre des Geschäfts, der Umgang mit seinen qualitätsbewussten Kunden und das Handling mit hochwertiger, Freude schaffender Ware machen ihn zu einem glücklichen Menschen, der gerne seine Arbeit macht, sagt Herr Dziedzinski. Zu nahe zu jedem seiner ca. 150 offenen Produkte kann er eine selbst erlebte Warengeschichte erzählen, die den Kauf des Produktes fast realistisch vorstellbar werden lässt. „Vom Fass“ ist ein Baden-Württembergisches Franchise-Unternehmen, das seit 1998 auch in Friedenau auf ca. 90 qm Verkaufsfläche ansässig ist. Das Unternehmen vertreibt ca 400 erlesene Edelbrände und Destillate, verführerische Liköre, Öle und Weine (en bouteille oder offen). Gestartet wurde in Friedenau mit acht Ölen und vier Essigen heute gibt es 30 Öle und 25 Essige aus einer Auswahl von ca. 150 Produkten. Das Konzept sieht vor, kleine Mengen, bedarfsgerecht in hoher Güte zu vertreiben. Alle Produkte können zu Hause oder vor Ort vorgekostet werden. Manche Kunden kommen am Samstag, um das herrliche Haselnußöl nur für ihren Samstagssalat zu kaufen, und stehen dann Mittwoch völlig begeistert wieder im Laden. So entstehen Stammkunden! Insgesamt existieren in Friedenau ca. 1000 Stammkunden, für die zweimal im Jahr ein Verkostung mit Präsentatkion neuer Produkte durch geführt wird. 2001 wurde eine Feinkostlinie ein geführt, die auch diverse Senfsorten beinhaltet, die am Bodensee in einer eigenen Fertigung produ ziert werden. Darüber hinaus exi stieren Kontakte zu über 400 Winzern weltweit. Gleichbleibende Qualität garantiert ein eigenes, eben falls am Bodensee ansässiges Labor. Die Waren werden in vaku umisierten Schläuchen angeliefert, um ständige Frische zu garantieren. Dies wird auch den Kunden nahegelegt, die zu große Mengen für den Eigenbedarf kaufen wol len; lieber weniger aber dafür öfter! Es gibt auch Müslizutaten, wie Mangostreifen oder Cranberries, die allesamt aus dem Fairtrade dwp und Preda (Dritte Welt Partner / www.preda.org) stammen. Diese Fairtradeprogramme tragen dazu bei, dass für jeden geernteten Mangobaum ein Kind zur Schule gehen darf. Zu erwähnen sind auch die vielfäl tigen Whiskeyangebote, die in kleinen Mengen gekauft werden können (ab 100 ml). „Vom Fass“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert, um sich seine eigene Meinung bilden zu können! Vom Fass Berlin-Friedenau Rheinstraße 64, 12159 Berlin www.berlin-friedenau.vomfass.de Mo-Fr: 10-18:30, Sa: 09:30-14 Uhr Thomas Geisler Ausgewählte Weine direkt vom Winzer - aus Italien, Frankreich, Deutschland... Entdeckungen aus Spanien, Portugal, Chile etc. Wir beraten Sie gern - auch für Ihre Feste & Partys. Weinproben - Frei-Haus-Lieferung Weine am Walther-Schreiber-Platz Friedenau ■ In der neuen demokratischen parlamentarischen Republik hatte eine neue visionäre Zeit mit der Gleichberechtigung der Frauen, dem freien Wahlrecht für alle, dem Acht-Stunden Tag, dem Recht auf Arbeit, Tarifautonomie, der wirtschaftlichen Eingliederung der heimgekehrten Soldaten, der Bildung neuer demokratischer Parteien begonnen, da regten sich in diesem konservativen Gebilde der freien Landgemeinde Friedenau merkwürdig gegenläufige rechtsradikale Sammlungsbewegungen, die der in Bayern mit dem „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund“ („Deutschland den Deutschen“) gebildeten Bewegung ähnelten: U.a. wurde auch ein neuer Feind trotz des Friedensschlusses mit Russland entdeckt: Das Gespenst des Bolschewismus! Die „Liga zum Schutz der deutschen Kultur“ gegen die bolschewistische Schreckensherrschaft mit „ihrem Streben nach der Weltherrschaft“ wurde nunmehr auch hierzulande durch Veranstaltungen des „Friedenauer Bürgervereins von 1916“ und dem „Vaterländischen Frauenverein Friedenau“ unterstützt. (FLA vom 6. und 14.4. 1919) Turnverein, Haus- und Grundbesitzer –Verein, Bürgerverein von 1916, Vaterländischer Frauenverein u.a. Zum Leiter der Versammlung wurde Syndikus Dr. Wernicke gewählt. Der Vorsitzende des Bürgerrats „Groß-Berlin“, Konsul Marx, hielt einen längeren Vortrag, in welchem er in eingehenden, lichtvollen Ausführungen ein umfassendes Bild von der politischen und wirtschaftlichen Lage unseres Volkes gab und die Ziele und Zwecke der Bürgerräte klar beleuchtete. Er bewies auch durch Ausblicke in die künftige Gestaltung unseres politischen und Wirtschaftslebens, wie dringend notwendig der Zusammenschluß des gesamten Bürgertums ist, um zu einer Versöhnung der Klassengegensätze, aber auch zu einer machtvollen Abwehr von Uebergriffen und Anmaßungen gewisser Kreise zu gelangen und den roten Terror zu bekämpfen. Hierfür erwähnte er auch die Beseitigung der Hungerpsychose durch Wiedereinführung des freien Handels. In der Sozialisierungsfrage trat er für Herbeiführung eines Ausgleichs zwischen dem Naturrecht des Unternehmers und dem Zivilisationsrecht der Arbeitnehmer ein.“ (FLA vom 15.4.1919.) „Vom Fass“ Ölrausch in der Rheinstraße Friedenauer Miscellen (Eine kleine Auswahl aus dem Friedenauer Lokal – Anzeiger vom April 1919) Seite 11 Peschkestr. 1 / Ecke Rheinstraße Di-Fr 15-20 Uhr, Sa 11-16 Uhr - Tel. 851 90 39 Schöneberg Nr. 160 - April 2019 Willmanndamm 18 - am U-Bhf. Kleistpark Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr - Tel. 788 12 00 Seite 12 Die Stadtteilzeitung Kinder- und Jugendseite Nr. 160 - April 2019 präsentiert von der
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