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Periodical volume

Full text: Hedwig Issue 2014,1

hedwig

JOURNAL DER
DRK-SCHWESTERNSCHAFT
BERLIN E.V.
AUSGABE I/2014

Mit Brosche und Kreuz

Bundesverdienstkreuz für Elga Stockmann

inhalt
Unsere Geschichte

04

editorial

Empfang mit Lesung: Stefan Schomann las „Im Zeichen der Menschlichkeit“

Mit Brosche und Kreuz
DRK-Schwester Elga Stockmann wurde mit dem
Bundesverdienstkreis ausgezeichnet

Über „Menschen, für die der Ausnahmezustand Normalfall war und ist“ erzählt Stefan Schomann in
seinem Buch „Im Zeichen der Menschlichkeit“: Es ist die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes.
150 Jahre alt wurde die Hilfsorganisation vergangenes Jahr. Die Herausgabe des Vierhundert-Seiten-Wälzers war ein Höhepunkt im DRK-Jubiläumsjahr 2013. Das Buch ist die bislang umfassendste

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Große Rot-Kreuz-Familie
Landesverband, Schwesternschaft und Kliniken
errichten Kita „Kinderland Westend“

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Unsere unverzichtbare Generation

ohne uns Rot-Kreuz-Schwestern wäre

Gelungene Premiere für Forum.55plus

Ihr Buch deutlich schmaler“ meinte

34
Qualitätstomografie
KTQ überprüft die DRK Kliniken Berlin

MamaTreff im Mutterhaus

10

37

„Auf die DRK-Schwesternschaft
kann Berlin nicht verzichten“
Gesundheitssenator Mario Czaja im Interview

Teil 2 der Serie „Die Friedhöfe
der DRK-Schwesternschaft Berlin“

nenden Buch verarbeitet hat. „Und

Autor ihren Gästen vorstellte. Viele der
Geschichten, die Stefan Schomann aus
Tagebüchern und Gesprächen festgehalten hat, berichten von engagierten

Mit dem Kinderwagen
in die Mozartstraße

Ruhe, bitte

Mutterhaus der Schwesternschaft. Sie alle sind Teil der Geschichte, die Schomann zu einem span-

Von der Tracht zur Imagekleidung

08

16

der Einrichtungen eingeladen hatte. Trotz der Osterferien kamen mehr als einhundert Gäste in das

Dem Charakter des Berufes entsprechend

100 Jahre Krankenhaus Köpenick –
Ein Festakt

Rolf Hahn arbeitet im Fahrdienst
der DRK Kliniken Berlin | Mitte

hörte zum Empfang, zu dem die DRK-Schwesternschaft Berlin ihre Mitglieder und auch Mitarbeiter

28

Für die Köpenicker

Hin und Her

die Publikation. Und aus der las im April der Autor persönlich: Die Lesung mit Stefan Schomann ge-

dann auch die Vorsitzende, als sie den

06

14

Darstellung des Deutschen Roten Kreuzes, als ein „Standardwerk“ bezeichnete Oberin Doreen Fuhr

Publikumsmagnet: Lesung im Original-Katastrophenschutzzelt

Frauen, die Menschen in Not unter
dem Zeichen des Roten Kreuzes gehol-

fen haben. „Frauen wird eine Art Naturtalent zur Fürsorge zugesprochen“, schreibt Schomann; für
Oberin Fuhr war genau das der Grund für den Erfolg der weltweit größten Hilfsorganisation.
Die Lesung fand in einem Zelt statt, und es war nicht irgendein Partyzelt einer Eventagentur, das

Bella Mariendorf

die Schwesternschaft in ihrem Garten in der Mozartstraße hat aufbauen lassen, sondern ein Katas-

Manuela Gallo im Vorstandsporträt

trophenschutz-Zelt, welches schon bei vielen Hilfseinsätzen des DRK Verwendung gefunden hat.
Das Interesse an der Lesung war groß, in zwei Gruppen teilte sich das Publikum auf. Je eine knappe

13

Stunde trug dann der Autor Passagen aus „Im Zeichen der Menschlichkeit“ vor; eine Aufgabe, die
dem studierten Germanisten sichtlich Spaß bereitete. Chronologisch arbeitete er sich durch die Ge-

Rot, weiß, bunt Interkulturelle Kompetenz als Stärke
Schattenspender Schwesternschaft sammelt für Park

schichte des Roten Kreuzes, nahm seine Zuhörer mit nach Solferino, Berlin, in die libysche Wüste

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Schwester Claudia Lawrenz „Boatpeople“ versorgte. Und doch konnte Schomann nur einen kleinen

und auf das Lazarettschiff „Helgoland“, auf dem Anfang der 70er Jahre übrigens die Berliner DRK-

Internationaler „Tag der Pflege“ Schwesternschaft dankt Pf legenden
Kopfkino Eine Bücherstube für Westend

Einblick bieten, der aber machte Appetit auf noch mehr Geschichte.

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Mutterhaus, im Gespräch mit den anderen Gästen. Die kamen aus allen Einrichtungen der Schwes-

Alles belegt Ausstellung „Schwesternschaftsjahre“ ist komplett
Atemlos, durch den Park TEAM-Staffel mit Rekorden

Stefan Schomann traf man übrigens nach seinen Lesungen auf dem Empfang im und um das
ternschaft – zum „standort- und berufsgruppenübergreifenden Austausch“. Empfänge wie der im

Ü

ber-, Unter-, Fehlversorgung:
Durch die unterschiedlichen
Entwicklungen im Gesundheitswesen
werden ständig Impulse gesetzt, und
auf die müssen auch wir – die
DRK-Schwesternschaft Berlin –
reagieren. Diskussionen zur stärkeren
Einbeziehung aller Gesundheitsberufe
in die Patientenversorgung, über neu
zu verteilende Aufgaben und
Zuständigkeiten wie auch zu größeren
Handlungsautonomien führen dabei
alle möglichen Akteure. Aus meiner
Sicht wird die voranschreitende
Akademisierung in den Pflegeberufen
zwangsläufig dazu führen, dass uns
Pflegenden eine erweiterte Rolle im
Versorgungsgeschehen zukommt.
Das ist eine der Herausforderungen,
denen wir uns aktiv stellen. Konkret
bedeutet es, dass wir die Heranbildung
weiterer und vor allem akademischer
Pflegeexperten unterstützen wollen.
Dazu prüfen wir aktuell verschiedene
Möglichkeiten und Modelle. Zudem
stehen wir mit privaten Hochschulen
in Verbindung mit dem Ziel, partnerschaftlich berufsbegleitende und
passgenaue Studiengänge für unsere
Pflegenden zu entwickeln. Alle unsere
Bestrebungen haben immer eine
zentrale Vorgabe: Das Expertenwissen
muss in der direkten klinischen Praxis
– am Patientenbett – zum Einsatz
kommen. Die bestmögliche Pflege der
uns anvertrauten Menschen bleibt
unsere Absicht.

Oberin Doreen Fuhr
Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft
Berlin

Mutterhaus sind eine gute Gelegenheit, um Kollegen zu treffen, mit denen vielleicht sonst nur per
Mail oder Telefon kommuniziert wird.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

03

hedwig

»Den Charakter eines Menschen erkennt man an den Scherzen, die er übel nimmt.«

CHRISTIAN MORGENSTERN

Mit Brosche und Kreuz
Am 7. September 1951 unterschrieb Bundespräsident Theodor Heuss einen Erlass

über eine neue Auszeichnung: den Verdienstorden. Noch heute ist er die einzige allgemeine
Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik.

F

ast 250.000 „verdiente Männer und Frauen“ haben ihn bislang
bekommen – darunter auch drei Berliner Rot-Kreuz-Schwes-

tern: Sie erhielten den Orden als Oberinnen der DRK-Schwesternschaft Berlin, diese drei Schwestern waren alle noch aktiv im
Beruf: Oberin Liesel Scheld, Oberin Christa Rohr, Oberin Heidi
Schäfer-Frischmann. Fünfzehn Jahre nach der letzten Auszeichnung hat jetzt wieder eine Berliner Rot-Kreuz-Schwester Deutschlands höchsten Orden bekommen, Elga Stockmann. Sie erhielt
ihr „Bundesverdienstkreuz am Bande“ als pensionierte Schwester.

Trotz ihres verdienten Ruhestandes engagiert sich Elga Stockmann noch immer sehr für die Schwesternschaft, „und das ist
auch der Grund, warum wir Elga Stockmann für das Bundes-

Freuten sich mit Elga Stockmann: Oberin Doreen Fuhr
und ihre Stellvertreterin, Astrid Weber (links)

verdienstkreuz vorgeschlagen haben“, erklärt Isabella Trendel,
die mit ihr in der Frauen- und Kinderklinik in der Pulsstraße

Kinderkrankenschwester: in der DRK-Heinrich-Schwesternschaft

zusammenarbeitete. Seit 2000 ist Elga Stockmann zum Beispiel

in Kiel, ihrer Geburtsstadt. 1975, nach der Heirat, kam sie als

Mitglied im Beirat und verbindet mit ihrer Arbeit in dem

Gastschwester zur Berliner Schwesternschaft und übernahm

Sie, die nie gern im Mittelpunkt
steht, empfing den verdienten
Applaus aller Gäste

zuerst die Pflegedienstleitung der Rittberg-Kinderklinik,
ein Jahr danach die des Lichterfelder Krankenhauses.
1979 trat sie in die Berliner Rot-Kreuz-Schwesternschaft
ein und wurde vier Jahre später in den Vorstand gewählt
– für dann insgesamt siebzehn Jahre.
„Die heutige Pensionärin hat ihr ganzes Leben der
pflegerischen Betreuung von Kranken gewidmet“:

Schwester Elga Stockmann, Bundesverdienstkreuzträgerin

Gremium die Interessen von aktiven und pensionierten DRK-

Die Würdigung von staatlicher Seite übernahm Berlins Gesund-

Schwestern, „sie leistet einen wichtigen Beitrag für das Mitein-

heitssenator Mario Czaja. Und den passenden Rahmen für die

ander der Generationen“, lobt auch Oberin Doreen Fuhr die

Verleihung bot der Festakt zum einhundertsten Geburtstag des

Ausgezeichnete, ohnehin habe Schwester Elga einen großen

Krankenhauses Köpenick. Der Senator war im Januar als „Doppel-

Anteil am Funktionieren der Gemeinschaft DRK-Schwestern-

Gratulant“ vor Ort: Er beglückwünschte die Mitarbeiter zum

„In dem Wunsche, verdienten Männern und Frauen des deutschen Volkes und des Auslandes

schaft. Finden Veranstaltungen statt, auf denen sich die DRK-

Jubiläum ihrer Arbeitsstätte, und er hielt die Laudatio zu Ehren

Schwesternschaft Berlin präsentiert oder die vom Verein orga-

Elga Stockmanns. Viele Mitglieder der Schwesternschaft hätten

Anerkennung und Dank sichtbar zum Ausdruck zu bringen, stifte ich am 2. Jahrestag der Bundesrepublik

nisiert werden, dann ist auch Elga Stockmann dabei, „sie bringt

es auch ihrem Einsatz zu verdanken, „dass die strukturellen

Deutschland den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Er wird verliehen für Leistungen,

sich überall ein, auf Schwester Elga ist Verlass“, weiß auch Isabella

Veränderungen in der Berliner Krankenhauslandschaft nach

Trendel. Wie bei der Betreuung von „Schwesternschaftsjahre“:

der Wiedervereinigung für die Krankenschwestern trotz

die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau

Seit der Eröffnung im Januar 2011 ist die 78-Jährige regelmäßig

einer Krankenhausschließung neue Perspektiven brachten.“

des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum

in der Ausstellung, sie führt die Besucher durch die Räume,

Elga Stockmann, die zur Zeremonie Ehemann Carl mitbrachte,

erzählt aus ihrem Alltag als Rot-Kreuz-Schwester. Vor genau

zeigte sich sichtlich berührt: Sie, die nie gern im Mittelpunkt

fünfzig Jahren begann Elga Stockmann ihre Ausbildung zur

steht, empfing den verdienten Applaus aller Gäste.

friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

»Ich berühre die Zukunft – ich unterrichte.«

UNBEKANNT

Die DRK Kliniken Berlin | Köpenick feiern „100 Jahre“

Für die Köpenicker
4. Januar 1964, Samstagabend, kurz nach halb acht: Das Fernsehen der DDR strahlt seine einzige Nachrichtensendung aus,
die „Aktuelle Kamera“. Sprecher Klaus Feldmann moderiert einen neuen Beitrag an; Hintergrundmusik wird abgespielt,
die Fassade eines Krankenhaus erscheint als Totale, die Kamera zoomt auf ein Schild mit Besuchszeiten. Dann sieht man Ärzte
und Krankenschwestern bei der Visite. Ein Schild wird eingeblendet, „Röntgen-Abtlg. 1“, der Röntgenarzt betritt den Nachbarraum
und bedient das Röntgengerät. Die nächste Einstellung zeigt einen vollen Saal, das Publikum trägt weiße Kittel und dunkle
Anzüge. Die Kamera schwenkt über eine Reihe politisch hochrangiger Gäste: Walter Friedeberger – der Stellvertretende Minister
für das Gesundheitswesen –, Herbert Fechner, er ist Stadtrat
und Stellvertretender Oberbürgermeister von Berlin, und
schließlich wird der Erste Sekretär der SED-Kreisleitung
Berlin-Köpenick eingeblendet, der 35-jährige Hans Modrow.
Neben ihnen sitzt Erich Kalpen: Seit zwei Jahren ist er der
Ärztliche Direktor des „Städtischen Krankenhauses BerlinKöpenick“. Sie und die vielen anderen sind gekommen,
um zu feiern – den fünfzigsten Geburtstag der Klinik.
Schnittstelle: Bürgermeister und Senator bei der Eröffnung
der Geriatrischen Klinik

G

enau fünfzig Jahre und ein politisches System später das
gleiche Bild mit anderen Protagonisten. Auch auf diesem
Festakt halten politisch Verantwortliche ihre Glückwunschreden: Der Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin,
Mario Czaja, und Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel. Senator
Czaja erzählt aus der Geschichte des Köpenicker Krankenhauses – er wird auf dem Festakt nicht der Einzige bleiben, der die
Entwicklung des Hauses skizziert. „Am 3. Januar 1914, so unsere
Aufzeichnungen – und die sollen in der Senatsverwaltung ganz
gut sein – konnte dieses Haus eröffnet werden.“ Und seit diesem
Januartag vor einhundert Jahren stehe das Krankenhaus „immer
mit ganz vorn bei der erfolgreichen medizinischen Versorgung
der Berlinerinnen und Berliner“. Sein Politikerkollege Oliver Igel
sieht es ähnlich, „zu wissen, hier kann ich auf eine anerkannt
gute medizinische Versorgung vertrauen, ist wichtig für die
Menschen und eine Frage der Lebensqualität.“ Wie gut die
Versorgung in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick tatsächlich
ist, konnte der Bezirksbürgermeister schon mindestens zwei Mal
selbst erfahren – bei seiner Geburt vor 36 Jahren und der seines
Sohnes im vergangenen September. Die Übernahme der Einrichtung durch die DRK-Schwesternschaft Berlin im Jahr 1992 habe
diese Qualität nochmals gesteigert, sie sei für das Köpenicker

Krankenhaus „ein zusätzlicher Innovations- und Modernisierungsschub“. Für Oberin Doreen Fuhr passt diese Übernahme
„wunderbar in die Lebensgeschichte der Klinik und ihrer Mitarbeiter“, die die Vorsitzende der Schwesternschaft als „Wiedervereinigung im kleinen Maßstab“ bezeichnet. Und Oberin Fuhr
verspricht den gut zweihundert Gästen, dass die Klinik noch
viele bemerkenswerte Jubiläen feiern wird – Kliniken-Geschäftsführer Ralf Stähler weiß, auf wen es letztlich ankommt: „Ohne
seine Menschen wäre das Krankenhaus eine steinerne Hülle –

„Mit dem Festakt vor allem die Leistung der Mitarbeiter würdigen“

mit viel Technik und leeren Betten.“ Denn nur das Engagement
der Mitarbeiter in den vergangenen einhundert Jahren habe alle
hier zusammengeführt, „mit dem Festakt würdigen wir ihrer
aller Leistungen“ – wie dann auch die einer DRK-Schwester:
Elga Stockmann bekommt das Bundesverdienstkreuz, „ein
würdiger Rahmen für diese ehrenvolle Auszeichnung“, fand
Oberin Doreen Fuhr schon vor dem Festakt, als Verein, Bundespräsidialamt und Senatsverwaltung nach der passenden
Zeremonie für die Ordensverleihung gesucht hatten.
Hartmut Kern ist seit der Ära Kalpen vor fünfzig Jahren der nun
siebte Ärztliche Leiter. Den Auftritt vor dem Auditorium teilt er
sich mit Pflegedienstleiterin Astrid Weber und Verwaltungsleiter Frank Armbrust: Die drei Klinikverantwortlichen lassen
keine der für ihr Krankenhaus wichtigen Zeitmarken aus, sie

visualisieren Geschichte durch den Fundus an Aufnahmen
aus jedem der zehn Jahrzehnte und sie stellen fest: „Das wichtigste Kapital der Klinik ist die Gemeinschaft und die darin
verankerten engagierten, klugen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Für die Zukunft sei das Haus „gut gerüstet“. Mit
Angeboten wie das für ältere Patienten – die DRK Kliniken
Berlin | Köpenick haben sich zum Geburtstag selbst beschenkt:
mit der neuen „Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt
Geriatrie (Altersmedizin)“, die auf dem Festakt eröffnet wird.
Für Ralf Stähler eine Stärkung des „für uns so bedeutenden
Standortes Köpenick“ – bedeutend nicht nur für den Verbund
und seinen Gesellschafter, der DRK-Schwesternschaft Berlin,
sondern für die, für die das „Städtische Krankenhaus Cöpenick“
1914 eröffnet wurde: die Köpenicker.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

07

hedwig

Mit dem

Kinderwagen

in die Mozartstraße

Oskar, Leo, Mina: Im Kinderwagen kamen sie und weitere Kinder in das Mutterhaus in der
Mozartstraße. Dort fand im April zum zweiten Mal der MamaTreff statt, zu dem sie ihre Mütter mitbrachten.
Und die waren alle Rot-Kreuz-Schwestern in Elternzeit. Fast alle hatten sie schon an der
Premierenveranstaltung im vergangenen Herbst teilgenommen.
// FOTOS: DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

E

„Wir bekommen einen
tieferen Einblick, was die
Mütter bewegt und können
so besser unterstützen.“
Oberin Doreen Fuhr

ntscheidend für die Zufriedenheit

Den Mitgliedern, die wegen der Elternzeit

Viel geeigneter seien da persönliche

einer Mutter mit dem Wiedereinstieg

für Monate oder sogar Jahre nicht ihrem

Gespräche, findet Oberin Doreen Fuhr.

in den Beruf ist auch der Kontakt zwischen

Beruf nachgehen, bietet sie mit dem

„Die jungen Mütter fragen gezielt nach

ihr und ihrem Unternehmen – während

regelmäßig stattfindenden MamaTreff

und wir bekommen einen tieferen

der Auszeit. Das ist das Ergebnis einer

einen Informationsfluss ohne große

Einblick, was sie bewegt und können

Befragung von Müttern nach der Eltern-

Unterbrechung. Die klassischen Kommuni-

so besser unterstützen.“ Dass auch die

zeit, die die „Hessenstiftung – familie hat

kationsmedien wie die „hedwig“ oder das

Neuauflage auf so großes Interesse stieß,

zukunft“ letztes Jahr in Auftrag gegeben

Internet von Schwesternschaft und

zeige, wie wichtig Veranstaltungen wie

hatte. Nur 68 Prozent aller befragten

Kliniken können da nur eingeschränkt

diese sind. „Das fördert die Mitglieder-

Mütter in Deutschland beurteilten ihren

und vor allem einseitig informieren.

bindung.“ Übrigens waren sich in der

Wiedereinstieg in den Beruf

Befragung die Hälfte der

positiv. Die Frauen, die

Mütter einig gewesen,

während ihrer Elternzeit in

sie seien nach der Auszeit

engem Kontakt zum Arbeit-

besser organisiert als zuvor.

geber standen, waren

So könnten sie nun besser

durchweg zufriedener als

Wichtiges von Unwich-

die, die nicht über Entwick-

tigem trennen. Diese

lungen in ihrem Unterneh-

effizientere Arbeitsorga-

men auf dem Laufenden

nisation der Rückkeh-

gehalten wurden.

rerinnen bestätigen fast
siebzig Prozent der Arbeit-

Und genau auf diese

geber. Und auch das ist

enge Verbindung setzt die

ein Argument für den

DRK-Schwesternschaft

MamaTreff der DRK-

Berlin mit der Veranstal-

Schwesternschaft Berlin.

tungsreihe MamaTreff:

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

»Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne .«

MARCUS TULLIUS CICERO

„Auf die
DRK-Schwesternschaft
kann Berlin nicht
verzichten“
Seit knapp drei Jahren ist Mario Czaja Berlins Gesundheitssenator. Durch das politische Tagesgeschäft
kennt er die DRK Kliniken Berlin und auch deren alleinigen Gesellschafter, die DRK-Schwesternschaft Berlin.
Im hedwig-Interview sprach Mario Czaja über die Gesundheitsversorgung in der Hauptstadt
und welche Einflussmöglichkeiten der Politik zur Verfügung stehen.

„Die Politik muss
die Rahmenbedingungen
dafür schaffen, dass
eine gute Gesundheitsversorgung gewährleistet ist.“

// FOTOS: DRK KLINIKEN BERLIN

Wie viele Kliniken verträgt die Stadt? So viele, dass die Berliner-

Forschungsstandort punkten. Jetzt brauchen wir noch eine

laufen. Oder auch dann, wenn die Gesundheitsversorgung

Wie oft waren Sie in einem Krankenhaus – als Patient, nicht in einer

innen und Berliner im Krankheitsfalle auf ein ausreichendes

gerechtere Verteilung von ambulant tätigen Ärztinnen und

zu stark von wirtschaftlichen Zwängen bestimmt wird.

politischen Funktion? Glücklicherweise musste ich bislang selten

und zugleich gut ausgelastetes Angebot einer modernen

Ärzten. Hierzu haben wir im sogenannten Gemeinsamen

Denn Wirtschaftlichkeit eines Krankenhauses führt noch

in ein Krankenhaus wegen einer Erkrankung.

stationären Versorgung zurückgreifen können. Berlin hat

Landesgremium mit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlins

nicht zu einer guten Krankenhausversorgung. Und die Politik

dank erheblicher Anstrengungen in den letzten 25 Jahren

und anderen wichtigen Akteuren vereinbart, die Bedarfs-

ist gefragt, wenn es um die Rechte der Patientinnen und

Was sind die Probleme für Berlins Krankenhausträger? Vor allem

beim Umbau der Krankenhauslandschaft rund 20.000 Klinik-

planung zur besseren Verteilung von Haus- und Facharztsitzen

Patienten geht. Erfreulicherweise konnten diese in jüngster

der Investitionsstau der Vergangenheit. Die mangelnden

betten abgebaut und damit eine ausgewogene Zahl von Betten

über das Stadtgebiet zu steuern. Die Unterschiede zwischen

Zeit gestärkt werden – auch dank des neuen Patientenrechte-

finanziellen Mittel für Investitionen des Landes Berlin haben

und Klinken erreicht. Mit einer Bettenauslastung von

den Stadtgebieten sind noch viel zu groß. Dies ist ein Problem

gesetzes. Und auch Verbesserungen in der Pflege können

dazu geführt, dass es hier einen großen Nachholbedarf gibt.

82 Prozent liegt Berlin bundesweit mit an der Spitze.

vor allem für Ältere und für Menschen aus bildungsfernen

vor allem durch politisches Handeln – wie durch die

Seit 2014 erhalten die Krankenhäuser netto wieder mehr Geld.

Familien. Auch die Wartezeiten für bestimmte Facharzt-

Pflegereform – vorangetrieben werden.

Und auch die ab 2015 freiwerdenden Mittel aus dem Schulden-

Was ist für Sie optimale Gesundheitsversorgung? Wie nah ist Berlin

behandlungen – auch in Kliniken – müssen künftig noch

da dran? Optimal ist die Gesundheitsversorgung, wenn die

kürzer werden.

ambulante und stationäre Versorgung von hoher Qualität sind,

dienst werden komplett in die Krankenhausförderung fließen.
Kennen Sie Berlins Krankenhäuser? Ich kenne die Berliner Kranken-

Die Mittel waren zur Tilgung des 1995 gestarteten Darlehens-

hauslandschaft gut und besuche jeden Monat mindestens

programmes zur Angleichung der Lebensverhältnisse im

möglichst eng miteinander verzahnt und auf die Interessen

Wie politisch darf Gesundheitsversorgung sein? Die Politik muss

eine Klinik. Schon bevor ich das Amt des Gesundheitssenators

Ostteil der Stadt gebunden. Dass dieses Geld jetzt den Kranken-

der Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Das Land Berlin

die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass eine gute

übernahm, war ich als gesundheitspolitischer Sprecher der

häusern zugute kommt, ist ein Erfolg. Außerdem ist es für die

hat dafür gute Ausgangsbedingungen. Es kann mit seinen

Gesundheitsversorgung gewährleistet ist. Sie muss eingreifen,

CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus zehn Jahre lang auf

Krankenhausträger nicht einfach, den Anforderungen einer

Vorzügen als wichtiger Gesundheits-, Wissenschafts- und

wenn es Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem gibt,

dem Gebiet unterwegs. Die DRK Kliniken Berlin habe ich als

hohen Qualität in der Krankenversorgung und der Kranken-

die den Interessen der Patientinnen und Patienten zuwider

Gesundheitssenator schon mehrfach und immer gern besucht.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

»Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne .«

hedwig

MARCUS TULLIUS CICERO

Interkulturelle Kompetenz als Stärke:

Rot, weiß, bunt
Jeder fünfte Deutsche besitzt eine Zuwanderungsgeschichte. Längst hat das DRK-Präsidium das Thema „Interkulturelle
Öffnung“ zum gesamtverbandlichen Schwerpunkt erklärt. Und sie ist auch für uns Berliner DRK-Schwestern gelebte
Praxis: Es geht nicht mehr nur um den „Kunden“ mit Migrationshintergrund, um Vielfalt und Hintergründe nicht
nur in unserer Gesellschaft, sondern hier, in den eigenen Reihen: Die Vielfältigkeit muss zu unserer Schwesternschaft
gehören. Schaffen wir es, als weltoffen und modern wahrgenommen zu werden, so erhöhen wir die Attraktivität
unseres Unternehmens und unserer Schwesternschaft generell. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels
gilt es allgemein, motivierte Mitarbeiter zu gewinnen, zu binden und zu qualifizieren. Im Fokus stehen zunehmend
Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Sie sollen bestmöglich integriert werden. Hierzu ist es wichtig, vielleicht
bestehende Unterschiede in ihrer Sozialisation, im Denken,
in Werten, Bedürfnissen und im Verhalten zu kennen.

„Die DRK Kliniken Berlin
habe ich als Gesundheitssenator schon mehrfach
und immer gern besucht.“

Diese Thematik aufgreifend ist ein wesentlicher Schwerpunkt in unserem aktuellen Managementlehrgang, der
Weiterbildung zur Abteilungsleitung im Fach Personalmanagement, das Thema „Mitarbeiterbindung in Zeiten
des Fachkräftemangels“. Mit dem Seminar „Interkulturelle
Kompetenz als Managementaufgabe“ führte deshalb

an, vor allem die dringend

Zukunft gerecht zu werden.

notwendige Pflegereform.
Hiervon werden die Pfle-

Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Sie? Dazu gibt es ein

gekräfte ebenso profi-

ganzes Instrumentarium von Einflussmöglichkeiten – auf

tieren wie die immer

Landes- und auf Bundesebene. Erwähnen möchte ich neben

weiter wachsende Zahl

der Krankenhausfinanzierung die Krankenhausplanung für

der Pflegebedürftigen.

das Land Berlin. Hier wollen wir beispielsweise zukünftig

i Über Mario Czaja
Mario Czaja wurde am 21. September 1975 in
Berlin geboren und verbrachte seine Kindheit in
Marzahn-Hellersdorf, wo er bis heute lebt. Nach
seiner mittleren Reife absolvierte er eine
Ausbildung zum Versicherungskaufmann, studierte
später berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre
an der Technischen Hochschule Wildau.
Seit 1993 ist Czaja politisch aktiv. 1999 gewann
er den Wahlkreis Kaulsdorf-Mahlsdorf direkt für
die CDU, 2001 kam er über die Bezirksliste erneut
ins Berliner Abgeordnetenhaus und wurde
gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion.
Zum Berliner Senator für Gesundheit und Soziales
wurde Czaja im Dezember 2011 berufen.
Mario Czaja ist verheiratet und ist Vater
einer Tochter.

Was bloß zum Geburtstag verschenken? Und wenn das Jubiläum dann
so ein beeindruckendes ist wie „100 Jahre“, fällt die Suche nach dem
passenden Präsent noch schwerer. Der Jubilar – das sind die DRK Kliniken
Berlin | Köpenick, die im Januar genau ein Jahrhundert alt wurden. Für ihre
Einrichtung im Südwesten der Stadt suchte nun die DRK-Schwesternschaft
Berlin nach dem perfekten Geschenk. Ein Geschenk, das jedem gefallen soll

Daniel Weber, Referent des DGB Bildungswerks in Düsseldorf,

– den Mitarbeitern des Krankenhauses, seinen Patienten, den Besuchern.

zu Beginn des Jahres – im fünften Block des Management-

War es im vergangenen Jahr die Spendenaktion „SpieltSchön!“ – der Neubau

lehrgangs – Inhalte ein wie:

des Spielplatzes der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Westend-Krankenhaus

; Sensibilisierung für kulturelle Vielfalt
pflege bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit auch in der

Schattenspender:
„GrüntSchön!“

– so initiierten die Rot-Kreuz-Schwestern jetzt das Projekt „GrüntSchön!“:
für die Neuanlage des Parks in den DRK Kliniken

; Konzepte von interkultureller Kompetenz

Berlin | Köpenick. Innerhalb nur eines Monats spendeten

; Rolle von Interkulturalität im Kontext

Mitglieder der Schwesternschaft wie auch Unterstützer

; von Gesundheitseinrichtungen.

des Vereins und Mitarbeiter aus allen Einrichtungen
5.400 Euro. Den symbolischen Scheck überreichte Oberin

Die Identifikation möglicher Handlungsfelder

Doreen Fuhr der Köpenicker Krankenhausleitung am Tag

der Abteilungsleitung für eine kulturelle Öffnung

der offenen Tür. Ein Krankenhaus stehe für den Kreislauf

sowie Übertragungsmöglichkeiten auf ihren

des Lebens, „wie auch ein Park mit seinen Bäumen,

Arbeitsbereich wurden diskutiert und bearbeitet.

Blumen und Sträuchern“. Ein Ort, mitten im Krankenhaus,

Führungsaufgabe in diesem Sinne bedeutet für die

und der habe an jedem Tag geöffnet. Alle könnten dann

Abteilungsleitung, Unterschiede wahrzunehmen,

hier Licht, Schatten, Luft und Ruhe genießen. Gelegenheit

wertzuschätzen, sie auszugleichen und zu berück-

zur Vor-Ort-Besichtigung bekamen die vielen Besucher

nen und Patienten haben

sichtigen. Hier ist die Abteilungsleitung zugleich

mit dem Tag der offenen Tür. Er wurde zu einer großen

einer klinischen Versorgung in die weitere ambulante Nach-

in bald 140 Jahren seit Gründung der Schwesternschaft

auch Vorbild für ihre Mitarbeiter im Umgang mit

Geburtstagsparty mit einem Programm, bei dem für jeden

betreuung verbessert wird. Bei der Stärkung der Patienten-

von ihrer Erfahrung in der Krankenbetreuung und ihrer

Patienten und Angehörigen aus anderen Kulturen.

etwas dabei war und durch das Kult-Moderator Jürgen

rechte machen wir unseren Einfluss auf allen Ebenen geltend.

besonderen Zuwendung zu den Menschen profitiert. Und das

noch stärker Qualitätsvorgaben einfließen lassen. Bei den
Personalentwicklungskonzepten nehmen wir über eine
Bundesratsinitiative Einfluss auf bundespolitische Entscheidungen. Ich setze mich auch dafür ein, dass der Übergang aus

Wie sehr braucht Berlin die
DRK-Schwesternschaft?
Unzählige Patientin-

ist immer noch so: Auf die DRK-Schwesternschaft als
Wie ist Ihr Verhältnis zum neuen Gesundheitsminister? Ich freue mich,

Vereinigung sehr engagierter und erfahrener Kranken-

dass Hermann Gröhe nun Gesundheitsminister ist. Ich kenne

schwestern kann und möchte Berlin nicht verzichten.

ihn schon lange. Er packt sehr engagiert die wichtigen Projekte

Karney führte – mit Zirkusdarbietungen, Musik, vor allem
viel Infotainment auf der Bühne und unter Dächern
Passendes Geschenk: Eine
Spende für den neuen Park

der weißen Zeltstadt.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

JOUR
URNNAALL DE
DERR DR
DRK-S
K-SCCHHW
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BERRLLIN
IN EE.V.
.V. AU
AUSSGGAABE
BE II/
I/ 20 13
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JO
JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

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hedwig

»Mein Job ist es nicht, es den Leuten besonders leicht zu machen. Mein Job ist es, sie besser zu machen. «

ST EV E JOB S

Hin und Her
„Nobody gonna take my car, I‘m gonna race it to the ground...“ – „Niemand nimmt mir
mein Auto, ich werde es in‘s Rennen schicken“: „Highway Star“ von Deep Purple, in den Top
Ten der besten Autosongs immer weit vorn. Auch bei Rolf Hahn, „Led Zeppelin, Deep Purple,
das ist doch guter, alter Hard-Rock“. Aber der 60-Jährige gibt zu, „mittlerweile höre ich auch
mal was Weicheres“ – mit dem Alter wird ihm der Deutsche Schlager immer sympathischer.
Da mache sich der Einfluss seiner Frau bemerkbar, meint er lachend.
// FOTOS: DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

S

chon an einem Kleidungsstück lässt

„es war ein Donnerstag“. In der B.Z. hatte

haus Jungfernheide zuständig war.

sich vielleicht sein Beruf erkennen:

Hahn eine Annonce entdeckt, „Hausar-

Rolf Hahn übernahm, „das hat mir sofort

an der Lederweste, die so typisch ist für

beiter gesucht“ – für das Krankenhaus

gefallen und so bin ich zum Fahrdienst

die, die ihren Arbeitstag hinter dem

Jungfernheide, bis 1992 eine Einrichtung

gekommen“. Erst für das DRK-Kranken-

Lenkrad verbringen. Rolf Hahn ist Kurier-

der DRK-Schwesternschaft Berlin.

haus Jungfernheide, dann im Westend.

fahrer, seit 31 Jahren fährt er für die DRK

Und auch für die Pflegeeinrichtung in

Kliniken Berlin. Untersuchungsmateri-

Fahrdienst seit dreißig Jahren

Mariendorf fuhr Hahn kleinere Trans-

alien, Laborproben, Medikamente, die

Rolf Hahn hatte für die S-Bahn gearbeitet,

porte. „Drei Einrichtungen, das wurde

Hauspost – „also alles, was innerhalb

für die Ost-Berliner Reichsbahndirektion.

ziemlich anstrengend und zu einer großen

unserer Einrichtungen schnell verschickt

Die West-Berliner, die die rot-gelben Trieb-

Verantwortung.“ Aber dann kam der

werden muss“ – transportiert er. „Die Ärzte

wagen fuhren und in den beiden Reichs-

Wechsel in die Drontheimer Straße,

erwarten von uns Fahrern Lieferung

bahnausbesserungswerken im Westteil

wieder einer dieser glücklichen Zufälle.

zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt“;

der Stadt arbeiteten, fühlten sich schlecht

so zum Beispiel, wenn Zytostatika für die

behandelt. 1980 kam es zum spontanen

In seinen dreißig Jahren Fahrdienst sei die

Chemotherapien benötigt werden. Jede

Ausstand von einhundert Eisenbahnern,

Arbeit hektischer geworden, „früher war

Einrichtung hat ihren eigenen Fahrer.

zum zweiten großen „S-Bahn-Streik“.

es nicht so stressig“. Und das liege nicht nur

Treffpunkt für alle ist die Poststelle im

„Für mich war damals der Zeitpunkt

am chaotischen Berliner Straßenverkehr.

Haus V der DRK Kliniken Berlin | Westend.

gekommen, mich beruflich neu zu

Um die 75 Kilometer fährt er jeden Tag;

„Dort werden die Routen verteilt“, erklärt

orientieren.“ Hahn bewarb sich auf die

mal mehr, mal weniger. „Irgendwann habe

ich aufgehört, die Kilometer zu zählen,

ständig arbeiten, das macht mir Spaß“.

burg Geborene zurück, in sein „Märchen-

Hahn, der seit 1993 für den Standort Dront-

Hausarbeiterstelle im Kranken-

die ich seit meinem ersten Tag als Fahrer

Und Erholung von anstrengenden Arbeits-

land“. Dann dauerhaft, und nicht nur zu

heimer Straße zuständig ist. Den Fahr-

haus am Tegeler Weg, und

geschafft habe.“ Für bestimmt fünfzehn

tagen findet er zuhause, bei Spaziergängen

Besuch. Von allen Dritten ARD-Program-

dienst für „Mitte“ übernahm er wegen der

wurde eingestellt. „Mein Glück

Erdumrundungen würde die zurück-

im Klemkepark oder dem Grunewald,

men schaut der Berliner am liebsten den

Nähe zur Wohnung in Reinickendorf,

waren die sechs Jahre bei der

gelegte Strecke mittlerweile reichen.

immer in Begleitung von Biene, seinem

Hessischen Rundfunk. „Da kommt bei

„das passt perfekt“. Davor fuhr er für das

Reichsbahn“ – für den neuen

„Man lässt viel Zeit auf der Straße“, Berlins

acht Jahre alten Hund. „Ich will die Natur

mir ein Gefühl von Heimat auf.“

Westend-Krankenhaus, in das war Hahn

Arbeitgeber ein Zeichen von

Tangenten sind chronisch überfüllt. Nervt

genießen.“ Pläne für den Ruhestand, der

wiederum durch den Umzug aus dem

Kontinuität und Zuverlässigkeit.

das tägliche Durchwühlen des Straßen-

in fünf Jahren kommt, die hat Hahn schon

Dass Rot-Kreuz-Schwestern und damit

DRK-Krankenhaus Jungfernheide gekom-

Nun war er für Gartenarbeiten

verkehrs? „Das ist die Macht der Gewohn-

im Kopf. Er sehnt sich nach dem Ort seiner

Frauen seine eigentlichen Chefs sind,

men. „In Jungfernheide begann alles.“

zuständig und erledigte kleine

heit: Man fährt und passt auf, dass nichts

Kindheit, in Nordhessen hat er zwischen

damit habe er überhaupt kein Problem:

Rolf Hahn erinnert sich genau an seinen

Reparaturen. Drei Jahre später

passiert.“ Bloß nicht nachdenken, meint

dem achten und 18. Lebensjahr gelebt.

„Ach, ich komme doch ganz gut klar mit

ersten Arbeitstag, an den 21. August 1980,

hörte sein Kollege auf, der für die

Hahn, sonst drohe „Explosionsgefahr“. Nur

Dorthin, wo so viele Figuren und Orte aus

Frauen“, sagt Rolf Hahn mit einem

ein kleiner Auffahrunfall in all den Jahren

den Märchen der Brüder Grimm ihren

ehrlichen Lachen.

gibt ihm recht. Er mag seinen Job, „selbst-

Ursprung haben, will der in Charlotten-

Kurierfahrten für das KrankenAnlaufpunkt für die Fahrer: Die Poststelle im Westend

Seit dreißig Jahren
im Fahrdienst: „Das hat
mir sofort gefallen.“

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

15

hedwig

Serie: Die DRK-Schwesternschaft Berlin und ihre Friedhöfe

D

er „Reichelt-Markt“ steht auf siebentausend Quadrat-

tern umgesetzt worden. Wohl seit dem Ende des 19. Jahr-

metern, die der Friedhof eigentlich für seine Erwei-

hunderts bestattete das Märkische Haus für Krankenpf lege

terung zurückgehalten hatte. Aber beerdigt wurde hier

auf diesem Friedhof seine Mitglieder. Ursprünglich

niemand, der Evangelische Friedhofsverband hat jetzt

befand sich der „Schwesternhain“ knapp einhundert Meter

der Umnutzung zugestimmt. Es sind der Trend zur platz-

weiter nördlich. Mit dem Ausbau der Stadtautobahn

sparenden Urnenbeisetzung und auch die höhere Lebens-

„A 10“ durfte er ab 1967 nicht weiter belegt werden, 1973

erwartung – auf Berliner Friedhöfen wie Sankt Simeon

musste die Schwesternschaft die Gräber komplett um-

und Sankt Lukas ist zu viel Platz für zu wenige Bestat-

betten lassen. Für eine so nie realisierte, gigantische

tungen. Platzmangel ist in der Hauptstadt ein ober-

Autobahnerschließung: West-Berlins Verkehrsplaner

irdisches Problem. Sie braucht dringend Flächen für Wohn-

wollten hier die Hochstrecke hinsetzen. Das erste Teil-

raum. Und die Friedhöfe werden zu Bauland: Die Hälfte

stück, eine Brücke – ungenutzt und überf lüssig – über-

von Berlins letzten Ruhestätten sollen aufgelöst werden.

dauerte nur fünfzehn Jahre und wurde Mitte der
Neunziger abgerissen. An ihrer Stelle saugt heute der

Auf Sankt Simeon und Sankt Lukas wird die Gräber-

Britzer Tunnel täglich Tausende Fahrzeuge auf.

dichte proportional kleiner zur wachsenden Rasenf läche.
Neue Grabstellen sollen konzentriert auf einen kleinen

Ein schönes großes neues Stück

Bereich angelegt werden. Die Fläche, die dem Wohnprojekt

„Meine lieben Schwestern! Mit schweren Herzen muss

zugeschlagen wurde, ist mit Holzpfählen markiert. Jetzt

ich Ihnen heute von einer Sorge schreiben, die uns im

wird gewartet, bis auch für den letzten Verstorbenen

Mutterhaus schon einige Zeit beschäftigt“, schrieb Oberin

die gebuchte Totenruhe abgelaufen ist. Dann können die

Christa Rohr am 26. Oktober 1967 in einem Rundbrief. „Wir

Bagger mit dem Schaufeln beginnen. Die Grabanlage

hatten die große Hoffnung, dass sich an der Tatsache noch

der Rot-Kreuz-Schwestern bleibt. Dabei wären nicht zum

irgendetwas ändern ließe, deshalb schrieb ich Ihnen nicht

ersten Mal die Gebeine verstorbener Märkischer Schwes-

eher: Es geht um unseren Friedhofsplatz, der in die Schnell-

Ruhe, bitte
Und wieder wird ihre letzte Ruhe gestört: War die Friedhofsmauer noch vor ein paar Wochen außer Sichtweite,
markiert die Grabanlage der Märkischen Schwestern nun die Grenze des Sankt Simeon und Sankt Lukas-Friedhofs
in Neukölln. Der kleine Friedhof ist noch kleiner geworden, und er wird weiter schrumpfen. Auf der abgetrennten,
nicht mehr dazugehörenden Fläche entstehen ein Supermarkt und ein gemeinnütziges Wohnprojekt. Schnaufende
Baustellenmaschinen bilden die neue Geräuschkulisse im früher besinnlichen Park.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

»Was wir am nötigsten brauchen, ist ein Mensch, der uns zwingt, das zu tun, was wir können.«

R A L PH WA L D O E M E R SON

Gerda Zöllner wurde als
letzte DRK-Schwester dort beerdigt.
Zeitpunkt, als wir es zu hoffen gewagt hatten“, dankte

Verbot, „wir wissen bis heute nicht, wie wir die Schwes-

Oberin Christa Rohr der „Kirchen-Kommission Sankt Simeon

tern-Gemeinschaftsanlage in diesem Jahr bewässern

und Sankt Lukas“. Dass die Umbettung und vor allem die

können.“ Und wies darauf hin, „wenn Sie (die Schwestern-

Herrichtung des neuen Gräberfeldes mit viel Arbeit verbun-

schaft) Ihren Hausmeister zum Gießen der Anlage schick-

den war, sei ihr klar gewesen. Umso mehr freute sich die

ten, dürfte der dann auch nicht die Wasserleitung nutzen“.

Oberin, als „schon von weitem unser Kreuz vom alten Platz

Im Jahr 2007 belief sich die Summe abgelaufener Grabstel-

zu sehen war und die ganze Friedhofsstelle schön und würdig

len auf 82. Wieder setzte die Verwaltung auf Konfrontati-

hergerichtet; die Umbettungen waren vollzogen, die Steine

on und stellte ein Ultimatum: Rückkauf der abgelaufenen

aufgestellt und unser großer Stein mit dem Kreuz stand

Gräber oder komplette Aufgabe der Anlage. Der Vorstand

nun auf seinem neuen Platz, auf dem bisher ein behelfs-

der Schwesternschaft beschloss das Ende der Belegungen.

mäßiges Birkenkreuz war.“
Doch die Grabanlage der Rot-Kreuz-Schwestern vom

„Sie sehen unser großes Steinkreuz herüberleuchten“

Märkischen Haus für Krankenpf lege existiert weiter:

Diese neue Grabstätte der Märkischen Schwestern erinnert

Die Friedhofsverwaltung verlieh ihr wegen ihres besonde-

an das Grabmuster auf Soldatenfriedhöfen: symmetrisch

ren Charakters den Status „Sondergrabstätte“ – mit dem

angeordnete Reihen, dazu ein gut zweieinhalb Meter hohes

imposanten Gräberfeld wirbt die Friedhofsverwaltung

Gedenkkreuz aus Granit. Etwa 120 Gräber müssen heute

um neue „Kunden“.

gepf legt werden. Bis 2006 kümmerte sich eine von der

Die letzte Berliner

Schwesternschaft beauftragte Firma um die Grabstellen.

DRK-Schwester, die auf

Die Verwaltung des Sankt Simeon und Sankt Lukas

dem Sankt Simeon und

pochte jedoch auf die Einhaltung der Friedhofsordnung.

Sankt Lukas-Friedhof

Sie untersagte die Grabpf lege durch Fremdfirmen: Mit der

beigesetzt werden konnte, war Schwester Gerda Zöllner:

Pf lege von Grabstellen lässt sich gutes Geld verdienen,

Sie starb am 17. September 2006. Gerda Zöllner pf legte

i St. Simeon und
St. Lukas-Friedhof/Britzer Friedhof
Ruhestätte der DRK-Schwesternschaft
Märkisches Haus, Tempelhofer Weg 9
12347 Berlin

straßenplanung hineingefallen ist.“ Im Schreiben versichert

dem Brief eine kleine Erinnerungsschrift bei. Vier Jahre

das wollte die Friedhofsverwaltung unbedingt selbst.

zu Lebzeiten ein sympathisches Ritual: An jedem Mutter-

Oberin Rohr, alles unternommen zu haben. Vergeblich, die

später, im Sommer 1973, begann die Umbettung, die bis zum

Aber dafür müssen Gegenleistungen erbracht werden –

tag kam sie in die Zentrale der Schwesternschaft – ins

Friedhofsverwaltung untersagt dem Märkischen Haus die

Spätherbst abgeschlossen werden sollte. 28 Grabstätten

die Flora auf und neben den Gräbern der Märkischen

Mutterhaus –, um der Vorsitzenden – ihrer „Mutter Oberin“

weitere Belegung. „Der Friedhofsverwalter selbst, der sich

wurden geöffnet und die sterblichen Überreste ein zweites

Schwestern litt besonders in den heißen Sommermonaten.

–, einen Blumenstrauß zu schenken. Traf Schwester

immer uns gegenüber sehr hilfsbereit zeigt und unseren

Mal bestattet. Im September, noch vor dem geplanten

Frank Pelka, der Hausmeister aus der Mozartstraße, über-

Gerda die Oberin nicht an, dann wartete sie: Gerda Zöllner

Sorgen auch größtes Verständnis entgegenbrachte, hat uns

Abschluss aller Umbettungen, verstarb Schwester Berta

nahm die Grabpf lege. Er kümmert sich seitdem um die

wollte die Blumen unbedingt persönlich überreichen,

schon vor einiger Zeit ein schönes großes neues Stück

Knobloch: Sie wurde als Erste auf der neuen Anlage beige-

Grabstellen, wässert sie, beseitigt die Pf lanzen, die dort

das gehörte zu ihrer Vorstellung vom perfekten Muttertag.

zugewiesen, auch hinter der Kapelle liegend, aber etwas

setzt, allerdings nicht in vollzähliger Gesellschaft der vor

nicht wachsen sollen, harkt im Herbst das Laub. Die Fried-

weiter rechts.“ Eine Hecke sei dort schon gepflanzt, ein Kreuz

ihr verstorbenen Schwestern. Oberin Rohr sprach mit der

hofsordnung hält die Schwesternschaft damit ein, der

„Wenn Sie auf den Friedhof kommen, müssen Sie an dem

– erst einmal aus Holz – bestellt. Wie lange die alte Grabstelle

Friedhofsverwaltung und die sicherte zu, sich auf die Umbet-

Konf likt mit der Friedhofsverwaltung ist jedoch nicht

Parkweg, der zu unserem alten Platz führte, vorbeigehen,

der Märkischen Schwestern bleibt, könne die Oberin nicht

tungen der Schwesterngräber zu konzentrieren. „Heute

beendet – der Verdruss über die versiegte Einnahmequelle

bis zu einem runden Platz hinter der Kapelle; den rechten

sagen, „diese Ruhe kann im nächsten Jahr gestört werden,

möchte ich mich einmal an Sie wenden und meiner großen

scheint zu groß. Und das lässt die Verwaltung die Schwes-

Weg dort gehen Sie bitte entlang, Sie sehen dann sehr

es kann aber auch noch Jahre dauern.“ Alles hänge von den

Freude darüber Ausdruck geben, dass dank des Einsatzes von

ternschaft und besonders Frank Pelka spüren: Die Verwen-

bald links unser großes Steinkreuz herüberleuchten.“

Straßenbauarbeiten ab, und Christa Rohr versichert: „eine

Herrn Heinrich und seiner Mitarbeiter und aller Beteiligter

dung eines Gartenschlauches ist verboten – jedes der etwa

Die Wegbeschreibung Oberin Christa Rohrs führt die

würdige Umbettung zu gegebener Zeit ist uns selbstverständ-

unser Schwesternplatz auf dem St. Simeon und St. Lukas-

120 Gräber muss der Hausmeister mit der Kanne wässern.

Besucher auch heute noch direkt zum „Schwesternhain“.

lich zugesagt worden.“ Als Andenken an die alte Grabstelle

Friedhof nach der Umbettung wieder so würdig und schön

Schon die von der Schwesternschaft beauftragte Friedhofs-

und für einige Schwestern auch zum Trost legte Oberin Rohr

gestaltet und zurecht gemacht ist zu einem viel früheren

gärtnerei aus Lichterfelde ärgerte sich 2006 über das

(Mitarbeit: Diane Bedbur)

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

Große
Rot-Kreuz
Familie
Landesverband, Schwesternschaft und Kliniken errichten Kita

Kinderbetreuung mit langer Tradition:
Luisen-Cecilienschwestern in Züllichau (um 1935)

„Nun kam ich zu einer
Gesellschaft noch kleinerer Kinder, die vom
ersten Lebenstag bis zum dritten Lebensjahr versorgt
werden. Auch hier war alles in einer, dem Herzen
wohltuenden Weise geordnet. Es war gerade Mittagszeit für die Kinder, welche schon gehen konnten.
An reihenweise aufgestellten Bänkchen und Tischchen
nahmen die Kinder ihre bestimmten Plätze ein und
erwarteten voller Sehnsucht ihr Näpfchen mit Essen.
Die Schwestern setzten ein Jedem sein Teil vor, aber
keines der Kinder hätte gewagt, schon jetzt den Löffel
zum Munde zu führen; erst nachdem alles in Ordnung
und die Schwester das Gebet gesprochen hatte,
wurden die Löffel auf- und niedergeführt.

Das Mahl währte nicht lange, die größeren Kinder
mussten sich den Mund selber abwischen, den Kleineren besorgten es die Schwestern, die Schälchen wurden
fortgetragen, das Dankgebet gesprochen und nun
schloss sich eine sehr wohltuende, aber mir sehr possierlich vorkommende Hausordnung auf Kommando an.
Die Schwester erhob die Hand und sagte „eins“, die
Kinder saßen kerzengerade vor ihren Tischchen, „zwei“,
alle rechten Ärmchen lagen auf dem Tisch, „drei“, alle
Köpfe auf dem Arm und in demselben Moment begann
ein tapferes Schnarchen – ob natürlich oder künstlich
kann ich nicht verraten, jedenfalls mussten sie eine
halbe Stunde Mittagsruhe halten; für die Schwestern
eine wünschenswerte Pause.“

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

»Verkehr mit Menschen verführt zur Selbstbeobachtung.«

FRANZ KAFKA

„Eine Kita für
sechzig Kinder“
Hedwig von Rittberg beschreibt
in ihrer Biografie den Ablauf
des Mittagessens in einem
Kindergarten; Ende der 1860er Jahre
besuchte sie auf ihrer Reise quer durch
Deutschland eine Kölner „Kleinkinderschule“. Die Gründerin der ersten Berliner

Das Erdgeschoss im Haus 14
wird zur Kita umgebaut

Rot-Kreuz-Schwesternschaft informierte
sich über die Betreuung von Kindern; auch
die wollte sie zur Aufgabe ihres noch

Drittel der Regionen – so der Berliner

schaft auf lokaler Ebene ist nun auch

zu gründenden Hilfsschwestern-Vereins

Kita-Bedarfsatlas – gibt es noch immer

wichtigster Akteur bei diesem Projekt:

machen. So wie Jahrzehnte später die

zu wenig Plätze. Und noch mehr Kinder

das Berliner Rote Kreuz; Kinderbetreuung

DRK-Schwesternschaft vom Paulinenhaus.

werden in die Kitas kommen: Gerade in

ist zu einer der Kernkompetenzen der

Der Verein kümmert sich in seinen

der Gruppe der unter Dreijährigen werden

Hilfsorganisation geworden – für den

Anfangsjahren ausschließlich um die

bald deutlich mehr Kita-Plätze benötigt.

Betrieb von Kindertagesstätten gründete

Jüngsten, die die Schwestern in „Klein-

Ohne Kitaplatz lassen sich Beruf und

der DRK Landesverband Berlin eine Träger-

kinder-Bewahranstalten“ betreuten.

Familie schwer vereinbaren, was die

gesellschaft. Platz für das Betreiben der

Jede Rot-Kreuz-Schwesternschaft in Berlin

„Work-Life-Balance“ kippen lässt. Viele

Kita boten die DRK Kliniken Berlin

hatte die Betreuung kranker und armer

Gründe also, die für die Einrichtung einer

Westend in Räumen im Erdgeschoss von

Kinder im Versorgungsangebot, die von

betriebsnahen Kindertagesstätte in den

Haus 14. Bis Herbst sollen dann die zur

ihnen unterschiedlich umgesetzt wurde.

DRK Kliniken Berlin sprechen. Nicht

Verfügung gestellten Räume kinderge-

Dass jetzt im Herbst in den DRK Kliniken

zu vergessen die

recht hergerichtet sein und

Berlin | Westend eine Kita eröffnet, ist

immer wieder

auch das Areal hinter dem

somit eine Neuinterpretation dieser

besprochene Mit-

Haus mit einer Frei-

Tradition. Die Hauptstadt wächst. Die Zahl

arbeiterbindung;

lufterlebniswelt bebaut – al-

der in Berlin Geborenen liegt seit ein paar

die können

les für insgesamt sechzig

Jahren deutlich über der der Verstorbenen.

Schwesternschaft

Kinder; vom drei Monate

Möglichkeiten, die Kinder professionell

und Kliniken auch

alten Baby bis

betreuen zu lassen, sind in der Stadt längst

über eine Kita

zum Fast-Schulkind.

nicht chancengleich vorhanden – auch

festigen. Der wohl

wenn Bundesregierung und Berliner Senat

wichtigste Partner

mit Aktionsprogrammen und Subven-

der Schwestern-

tionsmillionen dieses Manko schnell
zu korrigieren versuchen und sich das
Angebot verbessert hat: In einem

i Kinderland Westend
Anmeldung für Kita-Plätze sind über die
Internetseiten des DRK-Landesverbandes
(www.drk-berlin.de) möglich.
Weitere Informationen können direkt
eingeholt werden bei der: DRK Kinder-TagesBetreuung gGmbH Berlin, Kita-Leiterin
Jelena Blänkner, Bundesallee 73, 12161 Berlin
Telefon: 030-600-300-2400
BlaenknerJ@drk-berlin.de

hedwig

»In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu dem König, und er wird herauskommen.«

DEUTSCHES SPRICHWORT

Premiere für das „Forum.55plus“

Unsere
unverzichtbare
Generation

Arbeitnehmer über
55 Jahre haben sich längst
unentbehrlich gemacht

Wo sind die grauen Haare? Wo die „Silberzwiebel“, die früher für viele ältere Frauen so charakteristische Frisur?
Stattdessen dominierten modische kurze bis halblange Haare in Blond, Braun oder kräftigem Rot. Gesehen auf
einer Veranstaltung, die im März zum ersten Mal überhaupt stattfand, das „Forum.55plus“.
// FOTOS: DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN (2) / DANIEL FLASCHAR (1)

D

um etliche Lebensjahre

die Führungskräfte aus der Pflege zu

nach hinten verschoben. Wir

einer Klausurtagung: Oberin Doreen Fuhr,

leben in einer Gesellschaft des

dazu die Pflegedienstleitungen mit ihren

Älterwerdens, noch nie haben

Stellvertreterinnen, Pädagoginnen des

in Deutschland so viele ältere

Bildungszentrums wie auch Mitarbei-

Menschen gearbeitet. Arbeit-

terinnen aus dem Zentralen Pflege-

nehmer über 55 Jahre haben

management und der Personalabteilung

sich längst unentbehrlich

der Schwesternschaft. Gemeinsam

gemacht. Diese Generation

erarbeitete die Gruppe Schwerpunkt-

gehört auch im Pflegeberuf

themen für das jetzt aktuelle Jahr – unter

zu der am besten qualifizier-

dem großen Aspekt von „Pflege (in) der

ten. Dabei ist es nicht nur

Zukunft“. In die „Agenda.2014“ aufgenom-

die „Weisheit“, von der die

men wurde auch das wichtige Thema:

zu unternehmen, um Fachkräfte zu ak-

duelle Unterstützung durch den Verein

DRK-Schwesternschaft Berlin

Dass auch die Eingeladenen große Erwar-

die Schwesternschaft und ihre „Mitglieder

quirieren, weiterzubilden, zu halten.“ Der

genießen. In der Summe ist diese

profitieren möchte; es sind vor allem

tungen an die Premiere des „Forum.55plus“

ie Teilnehmerinnen: Berliner

55plus“. „Wir müssen alle aktiven Genera-

Kampf um die Besten tobt längst. Und zu

Förderung gleichberechtigt und alters-

Kompetenzen wie Erfahrung, Zuver-

hatten, zeigte nicht nur die große Reso-

Rot-Kreuz-Schwestern, die in den

tionen gleichberechtigt einbinden“, meint

denen gehören die qualifizierten Kolle-

übergreifend. „Denn das gewünschte

lässigkeit, Motivation.

nanz, sondern auch der aktive Auftritt

Oberin Doreen Fuhr, denn vor allem über

ginnen im sechsten und siebten Lebens-

Ergebnis ist die Vertiefung des Gemein-

auf der Veranstaltung. Arbeitsabläufe und

Mitglieder- und Mitarbeiterbindung lasse

Einrichtungen der Schwesternschaft
arbeiten und damit „aktive Mitglieder“

jahrzehnt – trotz der Perspektive des bald

schaftsgedankens“, und der ist in der

Die DRK-Schwesternschaft Berlin will

Ansprüche an die Pflege haben sich in den

sind. Siebzig zählt diese Gruppe im Verein

sich die wohl größte Herausforderung

wohlverdienten Ruhestandes. Sie gehören

Satzung verankert und somit Vereinsziel.

diese Generation noch stärker einbinden.

letzten Jahren sehr geändert, hatte die

insgesamt, zum „Forum.55plus“ kamen mit

bewältigen, mit der die Pflege konfrontiert

zur „unverzichtbaren Generation“.

Das „Forum.55plus“ ist so eine zielfüh-

Dafür initiierte der Verein das „Forum.-

Vorsitzende der Schwesternschaft in ihrer

35 Schwestern genau die Hälfte. Alle sind

werde: die demografische Entwicklung.

Alle Generationen in der DRK-Schwestern-

rende und vor allem logische Maßnahme.

55plus“. Doch wie kam es dazu? Im Ok-

Einladung geschrieben. „Das ist nicht

sie im Alter zwischen 55 und 64 Jahren.

„Und die bedeutet letztlich: Personalman-

schaft sollen eine – entsprechend den

„Die Zielgruppe weiß doch selbst am

tober vergangenen Jahres trafen sich

immer leicht für Sie, so möchte ich Ihnen

Das Alter hat sich nicht nur optisch

gel, Pflegenotstand. Wir haben daher alles

Bedürfnissen ihrer Generation – indivi-

besten, was sie braucht.“

an dieser Stelle schon einmal sehr für

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

25

hedwig

»In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu dem König, und er wird herauskommen.«

»Vieles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht.«

DEUTSCHES SPRICHWORT

Internationaler
„Tag der Pflege“
Zumindest für die in der Pflege Beschäftigten ist

hedwig

so dass es als sinnvoll erachtet wurde,
auf ein Zertifizierungssystem zu
wechseln, das diese nationalen EntwickÖffentlichkeit – zum Beispiel für
Krankenkassen – wird dadurch deut-

jedes Jahr der 12. Mai ein besonderer: Es ist ihr Tag,

lich, dass man sich freiwillig regelmä-

der „Tag der Pflege“. Weltweit wird er begangen, ßigen Kontrollen von außerhalb
in England und den USA ist dieser Maitag der

LUDWIG BÖRNE

unterzieht.

Kopfkino

lungen berücksichtigt und von Fachexperten geprüft wird. Diese „Visitoren“
arbeiten selbst in diesem System als
Führungskraft, so zum Beispiel als
Pflegedienstleitung, Verwaltungsleiter
oder Ärztlicher Leiter einer Klinik.

„International Nurses Day“. Florence Nightingale – Welche Erkenntnisse bringt solch ein
Wie genau läuft so ein ZertifizierungsDurch
den
sie gilt als Begründerin der modernen KrankenpflegeZertifizierungsverfahren?
Nach Mitte hat auch
das Westendkrankenhaus
seine „Bücherstube“

Ihren steten Einsatz danken.“
Auf dem „Forum.55plus“ ging
es daher unter anderem
darum, welche Unterstützung
DRK-Schwestern aus dieser

„Die Schwestern haben
sich sehr eingebracht und tolle
Ergebnisse erarbeitet“

Altersgruppe benötigen:
Welche Kompetenzen haben
diese Schwestern, um den wachsenden
Anforderungen zu begegnen? Welche
Fähigkeiten der „55plus´ ler“ soll die
Schwesternschaft fördern? – Dieses erste
Treffen wurde zum längst überfälligen
Austausch, das verdeutlichte die rege
Beteiligung.
In vier Gruppen teilten sich die 35 Teilnehmerinnen auf, zu vier Themenfeldern
diskutierten sie. „Kompetenz und Entwicklung“ bildete als erstes Themenfeld den
Einstieg. Auf Ältere zugeschnittene
Weiterbildungsmöglichkeiten waren ein
Stichwort für die Diskussion, auch die

Fähigkeiten, die nur diese Generation
in den Arbeitsalltag mitbringen kann
und wie diese erhalten werden können –
zum Beispiel durch Selbstmotivation.
Das nächste Themenfeld, mit dem sich das
„Forum55plus“ auseinandersetzte, war die
„Gesundheitsförderung“. Und die erreicht
man durch Angebote wie Rückenschule,
Stressprophylaxe, ein gutes Betriebsklima.
Themen- und Diskussionsfeld Drei war die
„Personalbildung und -gewinnung“ von
Mitarbeitern in der Altersgruppe 55plus.
Gelingt diese zum Beispiel schon durch die
besondere Wertschätzung, die man diesen
Kolleginnen zukommen lassen muss?
Fragen zum Thema „Arbeitsorganisation
und -gestaltung“ bildeten das vierte
Themenfeld.

Drei Durchläufe gab es zu den
vier Themenfeldern – Ideen-

verfahren ab? Im Gegensatz zur
für uns inhaltlich
neuen
KTQ-Katalog,haben noch nie eine öffentliche Bibliothek
Zwei
Drittel
aller
Bundesbürger
– wurde an einem 12. Mai geboren. Ihr Geburtstag,
JCI-Zertifizierung, bei der vorgegebene
dessen Kategorien wir in Form eines
Standards unser
Tun bestimmen,
wird
besucht
–
keine
Stadtbücherei,
keine
Schulbibliothek.
Männlich,
über
der Tag der Pflege, ist seit 1967 auch in DeutschlandSelbstbewertungsberichts beschreiben
imnie
KTQ-Verfahren
ein Selbstbewersechzig Jahre alt, kinderlos, von den Eltern
in eine Bibliothek
mitgenomein Aktionstag. Meist finden dann regionale und müssen, werden Stärken und Schwätungsbericht geschrieben, in dem wir
men: Das
in Deutschland
der typische Nichtnutzer. Berlins Büchereien
chen deutlich,
dieist
unser
zukünftiges
Stärken und Schwächen anhand eines
bundesweite Aktionen statt, mit unterschiedlicher
Handelnwerden
beeinflussen.
Ganz aktuell
immer weniger.
217 BibliothekenBewertungskatalogs
zählte das Statistische
Landesamt Der
analysieren.
Resonanz in der Öffentlichkeit. Die DRK-Schwestern-müssen wir Zufriedenheitsbefragungen
1997 – im Jahr 2012 waren es nur nochKTQ-Katalog
85. Umso erfreulicher
sind in drei
ist gegliedert
schaft Berlin hat sich für den „Tag der Pflege 2014“ für Mitarbeiter und Einweiser vorbereiHierarchieebenen:
Nachrichten wie die, dass Rot-Kreuz-Schwestern
aus den DRKKategorien,
Kliniken Subkateten – das fordert der KTQ-Katalog. Aus
gorien und Kriterien.
etwas Besonderes einfallen lassen: Den 12. Mai 2014
Berlin | Westend
eingerichtet
haben. Aus der soll bald
den Befragungen
werdeneine
sich„Bücherstube“
wiedeEs gibt sechs Kategorien: Patientenorienmachte der Verein zum Tag der Pflegenden. Jeder rum Verbesserungspotentiale
– so die Pläne der Bücherfreundinnen
– eine richtige Bibliothek werden; mit
ergeben,
tierung, Mitarbeiterorientierung,
müssen.
einem werden
großen Bücherbestand
zu allen denkbaren
Themen.
Ganz oben
der
Pflegemitarbeiter in den Einrichtungen der Schwes-die bearbeitet
Sicherheit,
InformationsundinKommu-

ternschaft bekam einen „Wondercake“; einen

achten Etage des Hochhauses im Westend-Krankenhaus
haben
die Schwesnikationswesen,
Führung,
Qualitätsma-

Bislang wurde das JCI-Verfahren

nagement. Im Selbstbewertungsbericht

sammlung, Ideenergänzung,

tern aus der Endoskopie den Raum eingerichtet, der offensteht für alle
Rührkuchen, verpackt in einer Dose. 1.700 dieser angewendet.
Wieso wechseln die

Ideensortierung inklusive einer

Kuchen verschenkte die Schwesternschaft, dazu ein Kliniken jetzt zum KTQ-Verfahren?

regen Diskussionsrunde. „Jede
einzelne Meinung haben wir
berücksichtigt“, so Oberin

Doreen Fuhr, „die Schwestern haben sich
sehr eingebracht und tolle Ergebnisse
erarbeitet“. Nun werden in AG‘s die
Ergebnisse des ersten „Forum.55plus“
weiterentwickelt, die „Praxistauglichkeit“
der Ideen und Anregungen wollen
die Teilnehmer besprechen. Im September
wird das nächste „Forum.55plus“ stattfinden. Dann können die Schwestern
teilnehmen, die zum ersten Forum
nicht kommen konnten.

werden die einzelnen Kategorien nach

Bücherfreunde: Patienten, Besucher, Mitarbeiter. Etwa einhundert Bücher

dem Grundprinzip der QualitätsverbesKTQ steht
für „Kooperation
Transpastehen
bereits in denfür
Regalen
der Bücherstube, jede Woche werden es mehr.
serung beschrieben und differenziert
Schreiben: „Anlässlich des Tages der Pflege möchtenrenz und Qualität im Gesundheitswe„Wir möchten, dass jeder, der sich ein Buch
nimmt,„Plan
auch –ein
Buch
bewertet:
Wie
sollgibt“,
es sein?“, „Do
sen“. Zwölf Jahre haben wir mit den
wir
bei Ihnen,
den
Pflegenden
in den DRK
Deruns
Nachweis
über
internes
Qualitäts– was tun wir
wie?“,
„Check
– was
erklärte Schwester Sandra Haase das ungewöhnliche
Modell
des
BücherQualitätsstandards von JCI ein Qualimanagement ist für Krankenhäuser
Kliniken
Berlin, mit einer kleinen Aufmerksamkeit
wurde
erreicht?“,
„Act
–
was
tauschens. Sie stellt
dabei nur
eine Bedingung: Die gespendeten Bücherist noch zu
tätsmanagementsystem
aufgebaut
und
verbindlich.
tun?“. Wenn der Selbstbewertungsbebedanken:
für Ihren uner- gelebt, das
sollen
gutem Zustand sein.
die in
Patientensicherheit
in „Wir würden uns freuen, wenn noch viele
Warum sind
richt fertig gestellt ist, wird er an die
stellt. Amunsere
Anfang
regelmäßige
müdlichen
Einsatz für unsereden Mittelpunkt
Klinik-mitarbeiter
Bücherstube mit
Spenden unterstützen“,
auchKTQ
KTQ-Visitoren
geschickt, sagt
die von
waren wir damit Vorreiter in der
Kontrollen wichSibylle Griebsch, Abteilungsschwester an für
der die
Klinik
für Innere Medizin
Überprüfung
in unseren
Patienten und für Ihr EngageKrankenhauslandschaft, sind es heute
tig? Ein internes
Krankenhäusern
wurden.
Schwerpunkt Gastroenterologie. Unterstützt
wird das neue bestimmt
Vorhaben von
ment
ganz im Sinne von
noch beispielsweise beim MedikamenQualitätsmanageDiese bewerten dann ebenfalls unseren
der Bücherstube
in den DRKzur
Kliniken Berlin | Mitte. Dort hat Schwester Maria
tenverteilverfahren.
Checklisten
ment istNightingale.“
verpflichFlorence
Bericht und vergeben Punkte. Haben
Wiedlvon
die Eingriffsverwechslung
Patientenbibliothek aufgebaut, die sich im zweiten Stock im Haus J
Vermeidung
tend, die Zertifiziewir aus deren Sicht über 55 Prozent der
Die „Wondercakes“ wurden
oder Fehlermeldesysteme
sind mittlerrung nach einem
befindet; 1.500 Bücher
gehören inzwischen
zum Bücherportfolio
in Mitte.wird ein
möglichen
Punktzahl erreicht,
von
einer Schwarzwälder
Familienbäckerei
weile in sehr vielen Kliniken Standard
QM-System
aber nicht. Die
Begutach- gebacken,
Übrigens, die Deutschen, die regelmäßig Visitationsplan
zum Buch greifenerstellt.
und dasDie
dann
KTQ-Visitung durch externe
Fachexperten gibt
anschließend
in den Behindertenwerkstätten
des und zum Teil gesetzlich festgelegt. Die
legen die Bereiche fest, die sie
auch tatsächlich lesen, sind überwiegendtoren
Frauen.
gesetzlichen Regelungen sind vielfäluns als Krankenhaus ein Feedback über
begehen
wollen und welche Personen
Lebenshilfe e.V. speziell verpackt und mit Wundertiger geworden, die Anforderungen der
den Stand unserer Bemühungen,
ihnen im „Kollegialen Dialog“ Rede und
kerzen
bestückt.
Krankenkassen hinsichtlich der
Qualität
in Struktur und Abläufen
Antwort stehen sollen.
Darlegung von Qualitätsdaten wächst,
vorzuhalten und zu leben. Für die

JO
JOUR
URNNAALL DE
DERR DR
DRK-S
K-SCCHHW
WEESSTTEERRNNSSCCHHAAFFTT BE
BERRLLIN
IN EE.V.
.V. AU
AUSSGGAABE
BE II/
I/ 20 13
14

27
25

hedwig

Tracht als Ausdruck der Gesinnung

Dem Charakter des
Berufes entsprechend
Anfassen erlaubt. Das wollen auch die meisten
Besucher der Ausstellung, wenn sie dieses textile
Exponat entdecken: die Schwesternschaftstracht.
In tiefdunklem Blau und in helleren Grautönen ist
sie gleich doppelt ausgestellt, schwebt und teilt
den Ausstellungsraum. Links ist die repräsentative
Tracht einer Oberin zu sehen – und zu fühlen –,
daneben die Kleidung, die von den DRK-Schwestern im Dienst getragen wurde. In der Ausstellung
wurden sie nicht einer Schaufensterpuppe mit Modelmaßen angezogen, sondern an zwei Avataren aus
durchsichtigem Plexiglas befestigt. Nichts soll den Besucher ablenken von der uniformen Kleidung,
die noch bis Anfang der Neunziger Jahre jede DRK-Schwester trug.

Ihre Tracht erhielt jede Schwester mit Beginn der Ausbildung

D

ie Schwestern vom Roten Kreuz tragen zum Zeichen
ihrer Zusammengehörigkeit und dem Charakter ihres

Berufes entsprechend eine einheitliche, schlichte Schwesterntracht, die sie vom Mutterhaus erhalten und die gesetzlichen
Schutz genießt. Schuhe und Strümpfe sollen solid und schlicht
sein. Auffallende Frisuren sind – wie jede auffallende Aufmachung, die dem Charakter des Schwesternberufes widerspricht – nicht erlaubt. Schmuck darf zur Tracht nicht getragen
werden. Zur Tracht ist stets die verliehene Brosche zu tragen. (...)
Die Schwestern dürfen im Ruhestand die Tracht und
die Brosche sowie das Schwesternkreuz weiter tragen.
Wenn sie jedoch gegen das Ansehen der Schwesternschaft
verstoßen sollten, kann ihnen vom Vorstand der Schwesternschaft das Tragen der Tracht verboten werden.“

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

29

hedwig

»Sechs Wörtchen nehmen mich in Anspruch jeden Tag: Ich soll, ich muß, ich kann, ich will, ich darf, ich mag .«

F R I E DR IC H RÜC K E RT

„Die neue Kleidung darf keiner schnell
wechselnden Modeströmung un terliegen“
E

Daten sammeln in der
Kleiderkammer

„Kleiderkammer“. Die Prozedur, die sich beim Besuch dieses

Kreuz in Berlin“ von 1951, die auch in den nächsten vier

„Wilbert Keller“ steht auf dem Etikett

im gleichen Ausstellungsraum ausgestrahlt wird, zeigt sie:

Jahrzehnten nicht liberaler und freizügiger wurde. Einheitlich,

der Tracht, die in der Ausstellung gezeigt

Erst nahm die zuständige Schwester von ihrer neuen Kollegin

schlicht, pragmatisch: Die Tracht der Rot-Kreuz-Schwestern

wird: Es ist der Name einer Manufaktur

Maß, dann trug sie alle Angaben ein in die „Kleider-Kartei-

erinnert an die der Nonnen und Diakonissen. An den konfes-

aus München. Über Jahrzehnte

karte“: Konfektionsgröße, ausgegebene Bekleidung: also die

sionellen und religiös geprägten Schwesternschaften orien-

besaß sie das Monopol für die

tierte sich das gesamte Konstrukt „Rot-Kreuz-Schwestern-

Anfertigung der Schwestern-

schaft“; beim Mutterhausprinzip zum Beispiel mit einer Oberin

schaftstracht. Auch Mäntel

an der Vereinsspitze oder der lebenslangen Fürsorge, auf die

schneiderten die Münchner,

jedes Mitglied Anspruch erheben durfte. Von Verbesserungen

ebenso Kragen, Hauben und die

am Stoff und modischen Anpassungen abgesehen – der Schleier

Haubentücher: ein Seidentuch mit

verschwand, der Rock wurde kürzer, auf die Schleife unter dem

Rot-Kreuz-Emblem, das bei Trauer-

Wie auch die persönliche Wäschennum-

Kinn verzichtet – änderte sich am Stil der Schwesternschafts-

feiern und zum Kirchgang über

mer, die die ausgegebene Kleidung als

tracht wenig, seit den Dreißiger Jahren überhaupt nichts mehr.

die Haube gezogen wurde. „Wilbert

„Die Tracht ist Ausdruck unserer Gesinnung“, hatte General-

Keller“ produzierte dieses Trachten-

in Auszug aus der „Kleiderordnung“, der Anlage 4 der
„Schwesternordnung der Schwesternschaften vom Roten

oberin Luise von Oertzen bei jeder Gelegenheit betont; sie
führte den Verband Deutscher Mutterhäuser vom Roten Kreuz
vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit ihrem
Eintritt in die Schwesternschaft hatte die Generaloberin die
Tracht an keinem Tag abgelegt. Das Konservative sieht in jedem
Trend eine Bedrohung und diese Einstellung schien auch den
Kleidungsstil der DRK-Schwestern zu bestimmen. Und warum
Änderungen vornehmen, wo doch vor allem die Tracht
ein Wiederkennen garantierte? Die Schwesternschaftstracht
gehörte zur stolzen Tradition, und die galt es unbedingt
zu bewahren.

modell nicht exklusiv für die RotKreuz-Schwesternschaften. Die

Raumes abspielte, war immer gleich – übrigens der Film, der

Kleider selbst, dazu Anzahl und Größen der Hauben,
Kragen, Manschetten, auch die Strickjacke und nicht
zu vergessen der Mantel.
Alles wurde akribisch erfasst. Ab sofort gehörte
diese Karte zum Leben der DRK-Schwester.

Besitz der Schwester auswies. Die
Nähstubenschwester besaß
nun das erforderliche
Datenmaterial, um

Modell „Sportlich-elegant“
2. September 1991. Im Saal des Kurfürstlichen Schlosses zu
Mainz ist ein Laufsteg aufgebaut. Eine Prêt-à-porter-Show soll

Diakonissen bezogen ihre Tracht

schnell und unkom-

aus der bayerischen Landeshaupt-

pliziert Änderungs-

schließlich aus Rot-Kreuz-Schwestern besteht. Generaloberin

stadt; gleicher Schnitt – abgestepp-

wünsche oder Nach-

Anne Seibold begrüßt die Gäste aus ganz Deutschland zu einer

te Falten im Oberteil und ein

bestellungen vorneh-

hier stattfinden, mit Models und einem Publikum, das aus-

durchaus ungewöhnlichen Modenschau: Die Rot-Kreuz-Schwes-

angekrauster Rock –, nur mit

men zu können. Sittsame dreißig Zentimeter Abstand vom

ternschaften vollziehen den größten optischen Imagewechsel

anderem Stoff, anderen Farben,

Boden durfte die Länge des Rockes höchstens betragen; die

in ihrer Geschichte und wollen nach 125 Jahren auf ihre Tracht

in einer anderen Rocklänge. Die

strenge Nähstubenschwester bestand darauf. „Es war die Zeit

verzichten. Oberin Carin Hell von der DRK-Schwesternschaft

Tracht erhielt jede DRK-Schwester

der Mini-Mode, uns jungen Schwestern gefiel der lange Schnitt

Westfalen läuft als Erste den Laufsteg entlang, präsentiert

mit Beginn der Ausbildung. Dann

überhaupt nicht“, erinnert sich Renate Lawrenz. Sie und die

dabei noch einmal die alte, graue Tracht – eine Reminiszenz,

musste sie die Nähstube aufsu-

anderen Lernschwestern beugten beim Maßnehmen vorsichtig

sie wirkt wie ein Abschied. Knapp ein Jahr zuvor hatte der

chen, die sich im Mutterhaus

die Knie: Später, so der Plan, wenn sie normal, also mit durch-

Verband der Schwesternschaften vom Roten Kreuz das Projekt

befand – manchmal hieß die

gedrückten Knien stehen würden, wäre der Rock kürzer als

„Änderung der Rot-Kreuz-Schwesternschaftstracht“ initiiert –

auch „Kleiderstube“ oder

erlaubt. „Natürlich durchschaute uns die Nähstubenschwester.

eine Kleidungsrevolution in Zeiten weltpolitischen Umbruchs.

Wir waren nicht die Ersten, die mit diesem Trick zum
modischen Schwesternrock kommen wollten.“

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

31

hedwig

»Besessenheit ist der Motor – Verbissenheit ist die Bremse.«

RU D OL F GA M ETOW I T SC H N U R E J E W

Es galt, eine universelle
Kleidung zu entwerfen
Jede Regionalgruppe der Schwesternschaften erhielt die Aufforderung, mit
Modeschulen in ihrer Nähe Kollektionen
für DRK-Schwestern zu entwerfen.
Die DRK-Schwesternschaft Berlin

Arbeitsgruppen der DRK-Schwesternschaften prüften
die Entwürfe, ließen sie neu schneidern und fanden endlich
das tragfähige und zeitgemäße Schnittmuster. In Mainz nun
sollten alle diese Entwürfe aus den Regionalgruppen gezeigt
werden. „Schon bei der Präsentation waren Zustimmung

kontaktierte gleich zwei Berliner

und Ablehnung nicht zu überhören“, erzählt Renate Lawrenz,

Hochschuleinrichtungen: Die Hoch-

die mit acht Berliner DRK-Schwestern in Mainz dabei war.

Alles belegt
„Schwesternschaftsjahre“ hat jetzt vier Ausstellungsräume
Zählt man alle Einrichtungen zusammen, für die Berlins

Atemlos, durch den Park

DRK-Schwestern bislang arbeiteten, dann kommt man
auf über einhundert. Diese Einsatzgebiete waren nicht
nur die Krankenhäuser der Stadt, sondern auch Einrich-

Team-Staffel mit Superlativen: 1.475 Kilometer haben die 295

tungen im Ausland wie die Deutschen Krankenhäuser

Läufer absolviert, die für die DRK Kliniken Berlin bei der TEAM-

in Madrid und Rio de Janeiro oder Auslandseinsätze

Staffel starteten: Das entspricht exakt der Strecke vom Großen

in Ungarn, Jemen und Vietnam.

Tiergarten zum Kolosseum in Rom. Fünftausend Meter musste

Im vierten und bislang letzten freien Raum der

jeder absolvieren, insgesamt 26.000 Starter zählten die Veranstalter

Ausstellung werden jetzt diese Einsatzgebiete vorgestellt;

- eine Kleinstadt rannte durch Berlins zweitgrößten Park. In der

besonders ausführlich übrigens die aktuellen Einrich-

Gesamtabrechnung schafften die Teamstaffeln aus den Einrich-

tungen der DRK-Schwesternschaft Berlin – die DRK
Kliniken Berlin.

Ein Kriterienkatalog war für die Abstimmung zum besten

tungen der Schwesternschaft den Sprung auf das Siegerpodest.

Entwurf ausgearbeitet worden; sechs Gruppen beraten sich

Sie belegten den dritten Platz unter den staffelstärksten Unter-

Oberinnen aus ganz Deutschland kamen zur Neueröffnung

Schwestern und Designer; ein Kennenlernen,

nach der Präsentation und suchen nach dem besten Entwurf.

nehmen. Die Teilnahme der DRK Kliniken Berlin am Lauf durch den

Die ersten Besucherinnen des neuen Raums waren

bei dem gleich die Aufgabenstellung beschrieben

Schließlich entscheidet die Jury: Die neue Kleidung für

Tiergarten hat Tradition, wie auch die kreative Namenswahl: Die

Oberinnen der DRK-Schwesternschaften aus ganz

wurde: ein strapazierfähiges Outfit zu entwerfen,

Deutschlands Rot-Kreuz-Schwestern kommt aus Berlin.

Neurologen-Teams zum Beispiel mit „Erstes Motoneuron“ und

das vor allem eines sein sollte: zeitgemäß und damit gern

Aus der Schwesterntracht ist die Imagekleidung geworden.

„Zweites Motoneuron“, die sich nach den Nervenzellen benannten,

tragfähig. „Die Aufgabe, eine neue Tracht für die Schwestern-

„Ich bin gespannt auf die neue Tracht, und ich habe auch

die die Motorik steuern. Andere Kollegenteams hießen „Flinke

schaften des DRK zu entwickeln, war für uns besonders

nichts gegen Hosen, solange ich sie nicht selber tragen muss.

Feigen“, „Labor eilt!“ oder „Verfolgungwahn“.

durch die Oberin Doreen

interessant, da es galt, eine universelle Kleidung zu entwerfen;

Aber meine Haube möchte ich mir nicht nehmen lassen!“

Phantasie bewiesen die Läufer auch bei der

Fuhr ihre Kolleginnen

für Frauen verschiedenen Alters, verschiedener Größe und

Nicht alle DRK-Schwestern waren einverstanden mit dem

Auswahl der Staffelstäbe - ein Schwert,

Figur, ebenso für Frauen mit zum Teil kontroversen Ansprü-

neuen Image. Noch einige Zeit konnte man auf Veranstal-

chen an die Tracht“, so leitete das Team von der HdK sein

Regenschirme, ein großer Gesetzesschlüssel,

tungen die neue und die alte Tracht sehen. Aber schließlich

lung der Berlinerinnen,

wurden aus Tracht und Haube sentimentale Erinnerungs-

lange Stäbe mit Buchstaben. Die schnellsten

schrieben einige Oberinnen

Konzept zur neuen Schwesternschaftsbekleidung ein. „Einheit-

stücke an die vergangene Zeit. Und die gehören in die

Teams der DRK Kliniken Berlin waren die

ins Ausstellungsbuch.

lichkeit“ sei wichtig, eine Tracht verlange danach – diese
Vorgabe galt auch für die neuen Schnittmuster. „Den Ausgangs-

Ausstellung.

schule der Künste und die WeißenseeKunsthochschule. Im Februar 1991 trafen sich

zenzeit von 1:52:36; in der Gesamtwertung

wichtig war, ist unsere Silhouette gerade bzw. leicht nach
unten verjüngt.“ Die neue Kleidung dürfe keiner schnell
wechselnden Modeströmung unterliegen, da sie mehrere Jahre
getragen werden soll. „Sportlich-elegant“ ist daher die empfohlene Stilrichtung. Den Wunsch der Schwestern nach Individualität würden die Designer mit dem bewusst dezenten Charak-

Schwesternschaftsjahre

punkt für den Bekleidungsentwurf bildete die Silhouette:
Da uns die Berücksichtigung der großen Größen besonders

Schwesternschaftsjahre
1875 bis heute. Die Ausstellung der
DRK-Schwesternschaft Berlin

18

75
BIS HEUTE

„Gastrorunners“ aus Köpenick mit der Spit-

Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags
von 14 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung
unter 030-3035-5450 und per Mail:
info@drk-schwesternschaft-berlin.de

DRK Kliniken Berlin | Westend, 14050 Berlin, Spandauer Damm 130,
Haus S (Bildungszentrum). Weitere Informationen über die
Ausstellung finden Sie auf den Schwesternschaftsseiten
www.drk-schwesternschaft-berlin.de

reichte das für Platz 62. Das Team „Zucker und

Deutschland. Alle drei Monate treffen sich die Oberinnen
der 33 Schwesternschaften zu einer Konferenz in Berlin.
Den Aufenthalt in der Bundeshauptstadt Ende März
nutzten sie für den Besuch von „Schwesternschaftsjahre“,

führte. „Viel zu wenig
bekannt“ sei die Ausstel-

Alle waren sie überrascht
und begeistert, wie die
140 Jahre Berliner Schwes-

Rausch“ belegte mit einer Zeit von 1:55:36 in der Gesamtwertung

ternschaftsgeschichte dargebracht wird. Passend zum

Platz 95, im internen Wettkampf der Kliniken-Teams den zweiten

Thema des neuen Raums zeigte Pflegedienstleiterin

Platz. Auf dem intern dritten Platz (Gesamtwertung Platz 105)
kam das Team „Alpha-Feto-Prototeam“ aus den DRK Kliniken

Martina Parow aus dem Vorstand der Schwesternschaft
den Gästen das Westend-Krankenhaus.

Berlin | Westend mit einer Gesamtzeit von 1:56:27. Auf den
olympischen Gedankens des „Dabei sein ist alles“ beriefen sich

ter der Kleidung nachkommen, der sich mit Accessoires

vor allem die vielen Fans aus den Einrichtungen, die ihre Kollegen

variieren lasse. Blazer, Rock und Hose, dazu Blusen – die

beim Kampf gegen die Zeit und um Atemluft anfeuerten.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

33

hedwig

»Sie müssen eine Vision haben und sie durchsetzen – mit Motivation und Überredungskunst.«

F R I E DR IC H E BE L I NG

Nach JCI kommt KTQ – Die DRK Kliniken Berlin sind bereit für die neue Zertifizierung

Qualitätstomografie

Vier Mal – 2002, 2005, 2008, 2011 – ließen die Einrichtungen der DRKSchwesternschaft Berlin ihre Versorgungsqualität durch ein unabhängiges
Institut prüfen. Vier Mal bekamen sie dafür von der Joint Commission
Internation (JCI) das begehrte Zertifikat. Nun übernimmt KTQ das Zertifizierungsverfahren, die „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen“. Die Arbeit der KTQ-Visitoren begleitet dann auch Claudia
Grobe, Qualitätskoordinatorin in den DRK Kliniken Berlin | Westend.
Der Nachweis über internes Qualitäts-

Bislang wurde das JCI-Verfahren

Wie genau läuft so ein Zertifizierungs-

management ist für Krankenhäuser

angewendet. Wieso wechseln die

verfahren ab? Im Gegensatz zur

verbindlich. Warum sind regelmäßige

Kliniken jetzt zum KTQ-Verfahren?

JCI-Zertifizierung, bei der vorgegebene

Kontrollen wichtig? Ein internes Quali-

KTQ steht für „Kooperation für Transpa-

Standards unser Tun bestimmen, wird

tätsmanagement ist verpflichtend, die

renz und Qualität im Gesundheitswesen“.

im KTQ-Verfahren ein Selbstbewer-

Zertifizierung nach einem QM-System

Zwölf Jahre haben wir mit den Qualitäts-

tungsbericht geschrieben, in dem wir

aber nicht. Die Begutachtung durch

standards von JCI ein Qualitätsmanage-

Stärken und Schwächen anhand eines

externe Fachexperten gibt uns als

mentsystem aufgebaut und gelebt, das die

Bewertungskatalogs analysieren.

Krankenhaus ein Feedback über den Stand

Patientensicherheit in den Mittelpunkt

Der KTQ-Katalog ist gegliedert in drei

unserer Bemühungen, Qualität in Struk-

stellt. Am Anfang waren wir damit

Hierarchieebenen: Kategorien, Sub-

tur und Abläufen vorzuhalten und zu

Vorreiter in der Krankenhauslandschaft,

kategorien und Kriterien.

leben. Für die Öffentlichkeit – zum

sind es heute noch beispielsweise beim

Beispiel für Krankenkassen – wird

Medikamentenverteilverfahren. Check-

dadurch deutlich, dass man sich freiwillig

listen zur Vermeidung von Eingriffsver-

regelmäßigen Kontrollen von außerhalb

wechslung oder Fehlermeldesysteme sind

unterzieht.

mittlerweile in sehr vielen Kliniken
Standard und zum Teil gesetzlich

Welche Erkenntnisse bringt solch ein

festgelegt. Die gesetzlichen Regelungen

Zertifizierungsverfahren? Durch den für

sind vielfältiger geworden, die Anforde-

uns inhaltlich neuen KTQ-Katalog, dessen

rungen der Krankenkassen hinsichtlich

Kategorien wir in Form eines Selbstbewer-

der Darlegung von Qualitätsdaten

tungsberichts beschreiben müssen, werden

wächst, so dass es als sinnvoll erachtet

Stärken und Schwächen deutlich, die unser

wurde, auf ein Zertifizierungssystem zu

zukünftiges Handeln beeinflussen. Ganz

wechseln, das diese nationalen Entwick-

aktuell müssen wir Zufriedenheitsbefra-

lungen berücksichtigt und von Fachex-

gungen für Mitarbeiter und Einweiser

perten geprüft wird. Diese „Visitoren“

vorbereiten – das fordert der KTQ-Katalog.

arbeiten selbst in diesem System als

Aus den Befragungen werden sich wiede-

Führungskraft, so zum Beispiel als

rum Verbesserungspotentiale ergeben,

Pflegedienstleitung, Verwaltungsleiter

die bearbeitet werden müssen.

oder Ärztlicher Leiter einer Klinik.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

33

hedwig

»Versuch es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser.«

SA M U E L BEC K ET T

dieser von uns überprüft und redigiert
wurde, nehmen wir mit Hilfe unseres
KTQ-Beraters die Bewertung der
einzelnen Kategorien nach einem
differenzierten Punktesystem vor.
Und genau das ist die Selbstbewertung.
Nach der Selbstbewertung folgt
die Fremdbewertung. Wann werden
die Prüfer die DRK Kliniken Berlin
besuchen? Werden alle Einrichtungen
separat bewertet? Die Fremdbewertung
erfolgt einmal durch die KTQ-Visitoren
aufgrund unseres Berichtes, der für
alle unsere Krankenhäuser gilt.
Die einzelnen Kategorien unseres
Selbstbewertungsberichts werden
von den KTQ-Visitoren bewertet und
durch den Besuch unserer Häuser
Es gibt sechs Kategorien: Patientenorien-

uns für zehn Arbeitstage besuchen,

vom 23. Februar bis zum 6. März 2015

tierung, Mitarbeiterorientierung, Sicher-

da wir alle Standorte und Häuser

noch einmal überprüft.

heit, Informations- und Kommunikations-

gemeinsam zertifizieren wollen. Diese

wesen, Führung, Qualitätsmanagement.

lange Begutachtungszeit kennen wir

Solche Zertifizierungen liefern

Im Selbstbewertungsbericht werden die

bereits von der JCI-Zertifizierung.

nicht nur für das interne QM wichtige

einzelnen Kategorien nach dem Grund-

Das Ergebnis aus der Fremdbewertung

Informationen, sie sollen auch die

prinzip der Qualitätsverbesserung

unseres Berichts und der Begehung

Krankenhausleistungen für die Patien-

beschrieben und differenziert bewertet:

durch die KTQ-Visitoren wird dann

ten transparent machen. Inwiefern

„Plan – Wie soll es sein?“, „Do – was tun

für alle Standorte gemeinsam – und

können die Patienten von dem neuen

wir wie?“, „Check – was wurde erreicht?“,

hoffentlich positiv – ausfallen.

Verfahren profitieren? In Fachkreisen

„Act – was ist noch zu tun?“. Wenn der

Die Visitoren werden am Ende ihres

ist bekannt, dass sich Patienten in der

Selbstbewertungsbericht fertiggestellt ist,

Besuchs ihre Empfehlung bekannt

Regel nicht an einem vorhandenen

wird er an die KTQ-Visitoren geschickt,

geben, so dass wir zwar kein end-

oder nicht vorhandenen Zertifikat

die von KTQ für die Überprüfung in

gül-tiges Ergebnis, aber die recht sichere

orientieren. Ausnahmen bestehen

unseren Krankenhäusern bestimmt

Prognose erhalten, ob die Prüfung

bei zertifizierten Krebszentren oder

wurden. Diese bewerten dann ebenfalls

bestanden wurde und wir das KTQ

im Bereich Geburtshilfe beim Siegel

unseren Bericht und vergeben Punkte.

Zertifikat erhalten.

„Babyfreundlich“. Dadurch, dass etwa

Haben wir aus deren Sicht über 55 Prozent

ein Viertel aller Krankenhäuser

der möglichen Punktzahl erreicht, wird

Das KTQ-Verfahren sieht verschiedene

Deutschlands KTQ-zertifiziert sind,

ein Visitationsplan erstellt. Die KTQ-

Schritte vor: Sind Sie schon bei der

könnte das Logo einen wichtigen

Visitoren legen die Bereiche fest, die sie

Selbstbewertung? Verantwortliche

Wiedererkennungswert für Patienten

begehen wollen und welche Personen

sind für Kategorien und Subkategorien

besitzen. Die DRK Kliniken Berlin

ihnen im „Kollegialen Dialog“ Rede

benannt. So kümmert sich beispiels-

können also am meisten in ihrer

und Antwort stehen sollen.

weise der Brandschutzbeauftragte um

Weiterentwicklung der internen

die „Sub-Kategorie 3.1.2 Brandschutz“.

Abläufe profitieren. Und das wiederum

Wie lange werden die Visitoren in den

Alle sind bereits fleißig bei der Arbeit

kommt den Patienten zugute.

Kliniken sein? In der Begehung zur

und erstellen für „ihre“ Kategorie den

Zertifizierung werden die KTQ-Visitoren

Selbstbewertungsbericht. Nachdem

Bella Mariendorf
Manuela Gallo ist Pflegedienstleitung in den DRK Kliniken Berlin I Pflege & Wohnen
Mariendorf – und Mitglied im Vorstand der Schwesternschaft

Signore Gallo gibt nach. Zu lange schon bedrängt ihn seine Tochter mit dem für ein Kind so ungewöhnlichen Wunsch.
„Papà, ich möchte Tote sehen.“ Nun endlich macht er sich auf den Weg zum Cimitero, dem örtlichen Friedhof. Dort fragt
er den Verwalter. Was Vater Gallo der zwölfjährigen Manuela dann zeigt, sind Knochen.
// FOTOS: HOLGER GROSS (1), PRIVAT (4)

„Ich hatte da nie Berührungsängste“ erinnert sich Manuela
Gallo an die vier Jahrzehnte
zurückliegende Geschichte. Blut
zum Beispiel fand sie „schon
immer aufregend“. Ein Helfersyndrom habe sie, der Beruf in
der Pflege war vorhersehbar.
Wenn auch über Umwegen,
denn „ich wollte zuerst Fernseh-

ansagerin werden“. Da säße man
doch nur und würde ablesen,
dachte sie als Kind. Konkreter
und vor allem ernsthafter
wurde Manuela Gallos nächster
Berufswunsch: Erzieherin für
Menschen mit Behinderung.
Jedoch gab es dafür im Berlin
der Achtziger Jahre keine
Ausbildungsmöglichkeiten.

Mehr als nur ein Arbeitsplatz:
Seit 1985 in Mariendorf

Aber „irgendwas Soziales“
wollte sie unbedingt machen,
warum also nicht Krankenschwester werden. Das Examen
bestand sie ohne Probleme. Aus
dem Kurs wurden alle Absolventen übernommen, „nur
nicht der Typ mit den langen
Haaren und zwei Schülerinnen“
– Ivanka aus Jugoslawien und

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

37

hedwig

»Deine Zukunft ist, wozu du sie machen willst. Zukunft heißt wollen.«

DALAI LAMA

Zuwachs
chs
hinweg. „Und genau darin sind
wir die Profis.“ Einrichtungen
wie das Mariendorfer Pflegeheim gäbe es im Mezzogiorno
erst seit ein paar Jahren, „dort,
in Süditalien, übernimmt die
Familie die Pflege“. In der Klinik
in dem Ort, wo der Vater
aufwuchs, sei es vollkommen
normal, dass die Angehörigen
kämen, um ihr Familienmitglied zu waschen und zu
pflegen. „Dass Angehörige in
Notsituationen das Krankenzimmer verlassen müssen, ist in
Italien undenkbar.“ Aber auch
in Deutschland habe ein
Umdenken eingesetzt, Patienten
und ihre Angehörigen werden
immer stärker einbezogen; die
DRK Kliniken Berlin | Pflege &
Wohnen Mariendorf sieht
Manuela Gallo dabei weit vorn.
„Bevormundung dulden wir
hier nicht, unsere Bewohner
sollen selbstbestimmt entscheiden.“ Gerade im Krankheitsfall
sei die psychische Belastung

„Wir wollen immer etwas Besonderes sein –
wir sind Schwesternschaft!“
die Italienerin Manuela. „Ich
glaube, die Pflegeleiterin hatte
was gegen Ausländer.“ Dabei
lässt nur der Nachname ihre
Herkunft vermuten: „Gallo“ –
der Hahn. Ihr Vater, ein
Neapolitaner, war 18 Jahre alt,
als er über München und
Frankfurt nach Berlin kam.
Auch die geteilte Stadt sollte ein
Etappenziel bleiben auf seiner
Suche nach dem Glück in
Kanada. Aber das fand Vater
Gallo schon hier in Berlin, mit
der Liebe seines Lebens. Erst als
Rentner wollte er zurück nach
Kampanien, in die Heimat am
Vesuv. Doch er verstarb viel zu
früh. „Als ich klein war, sind

wir jedes Jahr zu Ostern und in
den Sommerferien nach Italien
gefahren.“ Nach der Ausbildung
plante auch die Tochter ins
„Vaterland“ auszuwandern. Zum
ersten Job kam sie daher mit
einem „erstmal abwarten“. Es
war der 7. Mai 1985, ihr erster
Arbeitstag. Und Manuela Gallo
blieb in den DRK Kliniken
Berlin | Pflege & Wohnen
Mariendorf. Deutschland statt
Italien, „ich bin froh, das war die
richtige Entscheidung“. In den
Süden reiste sie weiter nur, um
die Verwandtschaft zu besuchen, aber das immerhin vier,
fünf Mal im Jahr. Drei Monate
nach dem ersten Arbeitstag

wurde sie stellvertretende
Wohnbereichsleiterin, dann
wurde die Leiterin schwanger
und sie übernahm diesen
Posten kommissarisch. „Das
ging immer ganz schnell“, sie
wurde angesprochen und
sagte zu. Seit dem 1. Januar
2014 leitet sie den Pflegedienst
in der Mariendorfer Einrichtung, Stellvertreterin war sie
die drei Jahre zuvor – diese Zeit
konnte sie nutzen, um sich
einzuarbeiten und gut
vorzubereiten auf ihren Job als
Pflegedienstleiterin.
Irgendwann selbst Bewohnerin
„Bloß keine Langeweile
aufkommen lassen“, immer
das Gleiche, das wäre doch
furchtbar. Es sei viel passiert,

gerade in den vergangenen
fünfzehn Jahren. „Das ist ein
harter Job, da müssen wir alles
daran setzen, um alle bei
Laune zu halten.“ Und dass das
funktioniere, zeige die geringe
Fluktuation unter den
Mitarbeitern, „wir haben ein
ausgesprochen gutes Betriebsklima und eine starke Bindung
zu unserem Haus.“ Jeden Tag
geht Manuela Gallo gern zur
Arbeit, „es macht mir einfach
Spaß und meine Kollegen
empfinden ähnlich.“ Das
Hauptgeschäft hier sei ein
anderes als das in einer Klinik:
nicht Akutversorgung von
Patienten, sondern eben
stationäre Pflege – Grundoder Behandlungspflege – für
die Bewohner oft über Jahre

Ordentliche Mitglieder
der DRK-Schwesternschaft
seit dem 1. Januar 2014:

DRK Kliniken Berlin
Köpenick
Beyer, Nancy (17. Februar)
Günther, Michaela (1. März)
Werner, Christina (1. März)
Schmidt, Marina (1. April)

Mitte
Ernsdorf, Jutta (1. April)
Großmann, Cynthia (1. April)
Mauch, Denise (1. April)
Draheim, Juliane (1. Mai)

Westend
Teske, Jana (biz) (1. April)

DRK-Schwester seit 2006
noch größer, „und da das Personal wenig Zeit hat, müssen
wir die Angehörigen einbinden“. Manuela Gallo spricht
auch als Betroffene, jeden Tag
fährt sie nach der Arbeit zur
Mutter: Die 72-Jährige kann sich
nur noch eingeschränkt
bewegen und ist auf die Hilfe
ihrer Tochter angewiesen.

Kliemann, Katharina (1. Januar)

In das Pflegeheim möchte die
Mutter nicht umziehen, für
Tochter Manuela ist das auf
jeden Fall die Vorstellung von
ihrem Lebensabend. „Ein
Zimmer habe ich mir schon
ausgesucht“ im Pflegeheim der
DRK-Schwesternschaft Berlin.
Mitglied ist Manuela Gallo
übrigens seit 2006, „ja, ich muss
zugeben: früher fand ich, dass
eine Mitgliedschaft nicht
notwendig ist.“ Ihre PDL-Vorgängerinnen hätten sie vom
Gegenteil überzeugt und seit
zwei Jahren engagiert sich die
Rot-Kreuz-Schwester im
Vorstand. Den Eintritt in den
Verein hat Manuela Gallo nie
bereut, „dadurch ist mir
unsere Gemeinschaft erst so
richtig bewusst geworden“,
sagt sie und fügt gleich hinzu,
„wir wollen immer etwas
Besonderes sein – wir sind
Schwesternschaft!“ Das betont
sie so leidenschaftlich – mit
typisch südländischem
Temperament.

Kornetzky, Saje (1. Januar)
Pirk, Maria (1. Januar)
Petzold, Loana (1. Februar)
Lebek, Karin (8. Februar)
Hannemann, Stephanie (1. April)
Jehniche, Maria (1. April)
Ruhnke, Franziska (1. April)
Savas, Svenja (1. April)
Stein, Sarah (1. April)
Wichmann, Janin (1. April)
Hinweis: Die nächste Mitgliederversammlung der DRK-Schwesternschaft
Berlin findet am Mittwoch,
3. September 2014, 15 Uhr, im SeminarisCampushotel in Berlin-Dahlem statt.

© Herausgeber: DRK-Schwesternschaft Berlin e.V.,
Mozartstraße 37, 12247 Berlin,
Telefon: 030-3035-5450 Telefax 030-3035-5473,
www.drk-schwesternschaft-berlin.de
hedwig@drk-schwesternschaft-berlin.de
Verantwortlich: Oberin Doreen Fuhr, Diane Bedbur
(DRK-Schwesternschaft Berlin e.V.)
Redaktion und Gestaltung:
Brille und Bauch Agentur für Kommunikation
www.brilleundbauch.de
0331-620530

„Unsere Bewohner sollen selbst bestimmt entscheiden“

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE I/ 20 14

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hedwig

»Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt.«

CHINESISCHES SPRICHWORT

Der Brunnen im Garten des Mutterhauses

Frühling über Berlin
Mascha Kaléko
Sonne klebt wie festgekittet.
Bäume tun, als ob sie blühn.
Und der blaue Himmel schüttet
Eine Handvoll Wolken hin.
Großstadtqualm statt Maiendufte.
– Frühling über Groß-Berlin! –
Süße, wohlbekannte Düfte...
Stammen höchstens von Benzin.
Durch den Grunewald lustwandelt
Eine biedre Keglerschar.
Eine Laute wird misshandelt
Durch ein Wandervogelpaar.
Sonntags gehts mit der Verwandtschaft
(Meist jedoch mit Frollein Braut)
In die märkische Streusandlandschaft
Wo man seinen Kaffee braut.
Sommerabendparkgeflüster...
Junges Pärchen auf der Bank.
– Doch das ältere Register
Sitzt im Gartenrestaurant.
Mutter schieben ihren Jüngsten
Auf den sonnigen Balkon.
Und zwei Weekends hinter Pfingsten
Hat die Liebe Hochsaison...

Mascha Kaléko gilt als prägende Dichterin
der Neuen Sachlichkeit. Mit heiterem Feinsinn
spürte sie den Lebenswelten der Normalbürger
im Großstadtdschungel nach. Ihre feine
Beobachtungsgabe gepaart mit spitzer Ironie brachte ihr den Spitznamen
„weiblicher Kästner“ ein.
Geboren 1907 als Golda Malka Aufen in Chrzanów (Österreich-Ungarn),
kam Kaléko mit Beginn des Ersten Weltkrieges nach Deutschland,
1918 schließlich nach Berlin. Hier absolvierte sie eine Bürolehre und
besuchte nebenher Philosophie-Kurse an der Uni. Erste Texte veröffentlichte sie bereits mit achtzehn Jahren in Berliner Tageszeitungen.
Das Gedicht „Frühling über Berlin“ stammt aus Kalékos Erstveröffentlichung „Das lyrische Stenogrammheft“, das 1933 erschien. Kurz darauf
erhielt sie von den Nationalsozialisten Schreibverbot. 1938 emigrierte
sie nach New York, lebte später in Jerusalem. Nach Berlin kehrte sie 1974
ein letztes Mal zurück. Kaléko verstarb 1975 in Zürich an Magenkrebs.
Berlin gedenkt der Großstadtlyrikerin an verschiedenen Stellen:
In Charlottenburg ist an ihrem ehemaligen Wohnhaus eine Tafel
angebracht, in Kladow gibt es den Mascha-Kaléko-Weg und
in Marzahn den Mascha-Kaléko-Park.
        
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