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Periodical volume

Full text: Hedwig Issue 2013,2

hedwig

JOURNAL DER
DRK-SCHWESTERNSCHAFT
BERLIN E.V.
AUSGABE II/2013

Zeiten dankbarer
Erinnerung
Neue Serie Die DRK-Schwesternschaft Berlin und ihre Friedhöfe

inhalt
Ansprechpartner für die Pflege

20

editorial

Der Bedarf an einer solchen Veranstaltung sei klar erkennbar, sagt Astrid Weber, „wir
müssen unseren Pflegekräften doch ein Forum bieten, damit sie sich austauschen
können, Informationen einholen und vielleicht Bekanntes aus einer ganz anderen
Perspektive betrachten.“ Das alles in einem Netzwerk, dem Symposium für Pflegende.
Nicht nur die Pflegequalität in den eigenen Einrichtungen soll nämlich auf einem
kontinuierlich hohen Niveau gehalten werden, „diesen Anspruch stellen wir an die
Gesundheitsversorgung im ganzen Bezirk Köpenick-Treptow“. Die Idee zur Veranstaltung kam von der Pflegedienstleiterin der DRK Kliniken Berlin | Köpenick selbst. Im

Zeiten dankbarer Erinnerung
Neue Serie: Die DRK-Schwesternschaft Berlin
und ihre Friedhöfe

Der Organisator
René Borchert arbeitet
für den Versorgungsdienst
und mit der DRKSchwesternschaft

18

Mai war die Premiere, und es wird nicht bei nur einem Symposium bleiben. „Wir
wollen eine Veranstaltungsreihe initiieren.“ Für die Mediziner zum Beispiel gehört der
regelmäßige Besuch von Symposien zum Beruf, „das wollen wir auch für die Pflege
erreichen.“ Mit einem ersten,
kleinen Erfolg: Fast fünfzig Teil-

04

Gekommen,
um zu wählen
Die Mitgliederversammlung
2013: Großes Interesse auf
das viele Neue

26

Endlich
schön spielen!
Die Schwesternschaft
hat einen Spielplatz gebaut:
„SpieltSchön!“

10
„Es hat immer
ein gutes Verhältnis
gegeben.“

12

24

Der Präsident des Berliner
Roten Kreuzes im großen
hedwig-Interview

Alle sind
Schwestern
150 Jahre Deutsches
Rotes Kreuz: Jubiläumsfeier
in Stuttgart

Einen Koffer in Berlin
In der Ausstellung
der Schwesternschaft erzählt
ein Koffer eine besondere
Geschichte

nehmer kamen zur Auftaktver
anstaltung. Unter ihnen waren
viele externe Kollegen aus anderen Krankenhäusern, Pflegeheimen und Sozialstationen,
„und sie wollen wir unbedingt als Multiplikatoren nutzen.“ Die im Stadtbezirk bekannten DRK Kliniken Berlin | Köpenick sollen an ihrem guten Ruf weiter arbeiten.
Denn mit ihm lassen sich die Kompetenzen der Klinik besser herausstellen. „Für die
Pflege wollen wir hier im Bezirk der Ansprechpartner überhaupt sein“, meint Astrid

Chemnitzer Allerlei
Der Bundeskongress
in Chemnitz:
Drei Tage Infotainment

32

Weber. Dass ein Symposium allein nicht das Spektrum an Pflegethemen abdecken
wird, war dem Organisationsteam schon bei der Programmplanung bewusst. Trotz-

er sind wir? Was ist das
Besondere unserer Schwesternschaft? Eine Antwort auf diese Frage
finden wir auch auf Friedhöfen:
Dort, wo jede Berliner Rot-KreuzSchwesternschaft Ruhestätten für ihre
verstorbenen Schwestern errichtet hat.
Sie sind die Sinnbilder einer funktionierenden Gemeinschaft, und genau
diese Gemeinschaft macht das Besondere unseres Vereins aus. Sie umfasst
auch heute noch alle Lebensphasen
ab der Ausbildung: Es ist das Zusammenspiel von Jung und Alt, das Voneinander-Profitieren der Generationen. Jung und Alt ergänzen sich
in unseren Einrichtungen, den DRK
Kliniken Berlin. Ihr Miteinander ist eine
Bereicherung – in vielfältiger und
besonderer Weise. Und das muss auch
so bleiben. Bei uns arbeiten immer
mehr ältere Pflegekräfte, ihr Anteil
steigt stetig. Eine Kultur der Solidarität
wird von uns längst gepflegt. Andere
Kompetenzen, aber keine geminderten
– das zeichnet unsere älteren DRKSchwestern aus. Von ihrem Erfahrungsschatz profitieren wir nämlich alle. Wir
müssen ihn uns nur zu eigen machen.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben
ein frohes, entspanntes Weihnachtsfest
und einen guten Start in das
neue Jahr.

dem sollte der Themenmix ausgewogen und vielfältig sein. „Die Resonanz nach dem
Symposium hatte dann gezeigt: Wir lagen mit unserem Angebot richtig.“ Besonders

34

W

Die Teamspielerin
Martina Parow
im Vorstandsporträt

gut gefiel den Teilnehmern die Nähe zur Praxis und dass die Themen verständlich

Oberin Doreen Fuhr,
Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft
Berlin e.V.

aufbereitet wurden – Pflegende informierten Pflegende. Und auch Themenwünsche
äußerten die Gäste. Entlassmanagement und die sektorenübergreifende Zusammenarbeit wollen sie auf dem nächsten Symposium aufnehmen. Vielleicht schon in zwei
Jahren, „zumindest aber in regelmäßigen Abständen“, verspricht Astrid Weber.

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03

hedwig

Gekommen,um zu wählen
Großes Interesse auf das viele Neue: Die Mitgliederversammlung 2013

Als The Cube – der Würfel – wird das Seminaris Hotel
in Dahlem wegen seiner strengen geometrischen Form
bezeichnet. Entworfen hat das Tagungshotel Stararchitekt Helmut Jahn.

Das bekanntere Sony Center am Potsdamer Platz
projektierte er übrigens auch. Sein Hotel in der Nähe
der FU Berlin hat sich auf die Ausrichtung von Großveranstaltungen spezialisiert – wie die der Mitgliederversammlung der Schwesternschaft. Etwa 350 Gäste
hatten sich zum Jahrestreffen angemeldet, am Empfang
registriert wurden schließlich 342.

// FOTOS: HOLGER GROSS, SEMINARIS BETRIEBSGESELLSCHAFT

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hedwig

»Die Welt kann verändert werden. Zukunft ist kein Schicksal .«

ROBERT JUNGK

Kraft in die Weiterentwicklung des Vereins und seiner Einrichtungen zu stecken.“ Und dafür brauche sie die Unterstützung
jeder einzelnen Berliner Rot- Kreuz-Schwester, „denn die
Schwesternschaft ist unser gemeinsames Lebensprojekt!“
Projekte – viele kleinere, einige große – hatte die Vorsitzende
zuvor im Rechenschaftsbericht vorgestellt. Ob nun SpieltSchön!
– die Spielplatzbauaktion für die Kinder- und Jugendpsychiatrie
im Westend – oder diverse Spenden für Vereine und Initiativen
Meinungen erwünscht: Befragung am Ende der Mitgliederversammlung

– wie die für die Berliner Tafel oder Krankenhäuser in Bulgarien:
Die Schwesternschaft möchte sich nicht nur in ihren Einrich-

V

ielleicht war ihre Neugier auf den neuen Versammlungsort

tungen engagieren, also im Rahmen der täglich zu leistenden

ein Grund für das große Interesse. Ein anderer könnte ein

Arbeit. Hilfe und Unterstützung durch den Verein fallen viel-

Tagungsordnungspunkt gewesen sein, der nach dem Verlesen

fältig aus. Und sie haben einen wichtigen Nebeneffekt: „Wir

des Rechenschaftsberichtes durch die Vorsitzende der Schwes-

machen uns dadurch bekannter“ – Imagepf lege heißt das im

ternschaft aufgerufen wurde: Nämlich ihre Wahl selbst. Oberin

Marketingdeutsch. Darum setze der Verein auch auf Öffentlich-

Doreen Fuhr war zwar am Tag der Mitgliederversammlung

keitsarbeit mit vielen Facetten. Die Ausstellung Schwesternschafts-

bereits seit einem Jahr im Amt. Doch kam sie zu dieser Funktion

jahre ist solch eine Maßnahme, die auch erfolgreich ist, weil sich

über die Berufung durch den Vorstand der DRK-Schwestern-

die pensionierten Schwestern hier aktiv einbringen. Ein weiterer
Baustein ist der Internetauftritt des

„Die Schwesternschaft muss sich ihrer
basisdemokratischen Prinzipien bewusst sein.“

Bildungszentrums www.biz-bildungszentrum.de, der seit Frühjahr besucht
werden kann. Die Seiten der Schwesternschaft hingegen haben mittlerweile die dritte grafische Überar-

schaft, die anschließend der Verband der Schwesternschaften

beitung seit ihrer Freischaltung im Jahr 2007 bekommen.

vom DRK formal bestätigte: Oberin Doreen Fuhr hatte ein Pro-

Längst hat sich www.drkschwesternschaft-berlin.de zu einem

bejahr zu absolvieren. Ihr erster Amtsbericht, den sie auf der

Informationsportal entwickelt: Etwa jede Woche veröffentlicht

Mitgliederversammlung im Oktober 2013 vortragen sollte, war

der Verein eine Meldung über sich oder seine DRK Kliniken,

somit auch eine Bewerbungsrede für ihre anstehende Wahl.

Tag für Tag lockt das Informationsangebot achtzig Internetnutzer auf die Schwesternschaftsseiten. Außerhalb der

Schwesternschaft ist gemeinsames Lebensprojekt

virtuellen Welt findet ein anderes Medium großen Zuspruch:

Als dann knapp zwei Stunden später Generaloberin Brigitte

die hedwig. Im April 2006 als Vier-Seiten-Faltblatt erstmals

Schäfer vom Verband der Schwesternschaften ihrer Kollegin die

herausgegeben, hat sich diese Publikation zu einem Journal mit

Oberinnennadel an das Revers heftete, da hatte Oberin Doreen

über dreißig Seiten entwickelt – „wir haben viel zu berichten“.

Fuhr längst ihre Legitimation durch die Mitglieder der Berliner

Wie zum Beispiel über den MamaTreff, der zum ersten Mal über-

DRK-Schwesternschaft erhalten. 94 Prozent der anwesenden

haupt stattfand; ein Treffen von Müttern in Elternzeit.

Rot-Kreuz-Schwestern hatten in geheimer Wahl für ein Weiter-

Mit zehn DRK-Schwestern rechneten die Organisatorinnen,

führen der Amtsgeschäfte gestimmt. Auch dieses Ergebnis war

gut drei Mal so viele kamen, und viele hatten ihre Babys dabei.

ein Superlativ, keine ihrer Vorgängerinnen seit dem Zusammen-

„Unseren MamaTreff werden wir auf jeden Fall wiederholen“,

schluss von 1975 hatte bei ihren Wahlgängen eine so hohe Zu-

kündigte die Oberin an. Aber auch die andere, die ältere Gene-

stimmung erzielen können. Ihren Wählerinnen und Mitgliedern

ration war Gast des Mutterhauses: auf der Jubiläumsfeier der

dankte Oberin Doreen Fuhr für den großen Zuspruch. Der sei

pensionierten Schwestern. Die Schwesternschaft ist ein Kommu-

eine große Motivation, stelle aber für sie eine Verpflichtung dar.

nikationsforum, man tauscht sich aus. So auch mit Mitgliedern

„Ich möchte hier und jetzt das Versprechen abgeben, alle meine

anderer Rot-Kreuz-Schwesternschaften aus ganz Deutschland.

„Ich möchte hier und jetzt das Versprechen abgeben, alle meine Kraft in die Weiterentwicklung
des Vereins und seiner Einrichtungen zu stecken.“ Oberin Doreen Fuhr

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hedwig

»Ich berühre die Zukunft – ich unterrichte.«

UNBEKANNT

Großen Dank für viel Arbeit

Wissen und Können garantieren den Erfolg

Die Schwesternschaft muss

Krankenhäuser kennen keinen Stillstand. Sie verändern

sich ihrer basisdemokratischen

sich und müssen reagieren, auch auf gesellschaft-

Prinzipien bewusst sein, be-

liche und politische Rahmenbedingungen.

tonte die Vorsitzende immer

Darauf habe sich die DRK-Schwesternschaft Berlin

wieder. „Sie gestalten unsere

einzustellen. Das, so Oberin Fuhr, gelinge ihr durch
berufliche Qualifizierung. „Denn wir wollen

Gemeinschaft!“, und dabei sei

„Sie gestalten unsere Gemeinschaft“: Die Mitglieder der DRK-Schwesternschaft Berlin

es egal, ob ein Mitglied sich

und müssen engagierte Mitglieder und natürlich auch Mitarbeiter mit ihren zu uns passenden

aktiv engagiere oder vielleicht

Talenten binden.“ Erfolg sichern, so nannte es die Oberin – den vom Verein und seinen Einrich-

zurückhalte. „Die Schwestern-

tungen. „Mein erklärtes Ziel als Vorsitzende ist es, die Ausbildungsanforderungen des Unter-

schaft hat sich hinsichtlich

nehmens wie auch die Qualifizierungswünsche unserer Mitglieder bestmöglich zu vereinen.“

ihrer Aufgaben und Anfor-

Am Thema Akademisierung der Pf lege kämen Schwesternschaft und Kliniken glücklicherweise

derungen letztlich an Ihren

schon lange nicht mehr vorbei. Dabei müsse das Bestreben dahin gehen, „die Flucht vom Kranken-

Bedürfnissen zu orientieren.“

bett abzuwenden und das Know-how studierter und qualifizierter Pflegekräfte an patienten-

Neue Mitglieder zu gewinnen

nahen Prozessen zum Einsatz kommen zu lassen.“ Wissen und Können der Mitarbeiter bestimmen

und auch weitere Arbeitsfelder

den Erfolg ihres Unternehmens. Wesentlichen Anteil an diesem Wissen und Können habe

zu erschließen, das gab Oberin

zum einen das Bildungszentrum für Pflegeberufe: Es biete längst die Möglichkeit, den Bachelor

Fuhr als ihr mittel- und lang-

of Science in Kooperation mit der Hamburger Fernhochschule zu absolvieren. Zum anderen

fristiges Ziel aus. Kurzfristig

sei dafür auch die Abteilung Fort- und Weiterbildung verantwortlich, so Oberin Doreen Fuhr

Sieben Jahrzehnte
mit der Brosche
70 Jahre Rot-Kreuz-Schwester:
Dieses beeindruckende Jubiläum
feierte am 3. November Ilse
Woitschaetzky. 1943 trat sie in

Eine Gelegenheit dazu bot der Bundeskongress im Mai, „es war

hingegen solle sich der Verein auf seine jetzigen Mitglieder und

– mit Kursen, die mittlerweile sogar von anderen großen Klinikverbunden nachgefragt werden

eine gelungene, kurzweilige und vor allem informative Veran-

die aktuellen Arbeitsfelder konzentrieren. Mit dieser Auffor-

würden. „Schwester Dagmar Avital, Schwester Daniela Köhler, ich danke Ihnen beiden für Ihr

die Schwesternschaft Paulinen-

staltung“, schickte Oberin Doreen Fuhr ein Lob in Richtung

derung leitete Doreen Fuhr über zu ihrem Bericht über die

nie nachlassendes Engagement und für Ihre konzeptionelle Arbeit“, lobte die Oberin die

haus ein. Ilse Woitschaetzky

Generaloberin Brigitte Schäfer. Wichtigster Partner in Berlin ist

Kliniken. Und auch den begann sie mit einem Dank, dieses Mal

Leiterin des Bildungszentrums und die der Abteilung Fort- und Weiterbildung, „denn von

arbeitete dann in mehr als nur

der Landesverband des Roten Kreuzes. Das ist auch ein Verdienst

ging er an Kliniken-Geschäftsführer Ralf Stähler und seine

ihr profitieren unsere Mitglieder und damit unsere Schwesternschaft immens.“

einer Einrichtung der Schwes-

seiner ehemaligen Präsidentin: Sabine Bergmann-Pohl ist als

beiden Kollegen Irene Uebing und Dirk Engelke wie auch an den

DRK-erfahrene Persönlichkeit Mitglied des Vorstandes der

entschuldigt fehlenden Stefan Just. „Es war und bleibt keine

Kurzfristig soll sich der Verein auf
seine jetzigen Mitglieder und die aktuellen
Arbeitsfelder konzentrieren.

ternschaft: So war sie zum

Wer lacht, hat Ideen

Beispiel Chirurgische Schwester

leichte Arbeit, immer wieder müssen Widerstände

Der Rechenschaftsbericht fasst Vergangenes zusammen, der Wirtschaftsplan hingegen befasst

und später dann Vertreterin der

überwunden werden.“ Großen Respekt habe die

sich mit Kommendem: Diane Bedbur als Leiterin der Abteilung Verwaltung und Buchhaltung

Oberschwester am DRK Kranken-

Oberin vor der Leistung der Klinikverantwort-

und Miloš Stefanovic´ , der Schatzmeister im Vorstand, erklärten den Mitgliedern die Ausgaben

haus Jungfernheide. Ihre letzte

lichen, „und ich bin sehr froh, Sie an meiner Seite

für das nächste Jahr. Nach den beiden Vorstandsmitgliedern trug Schwester Margitta Konzack

Station war bis 1989 die Klinik

zu wissen.“ Jede einzelne der schwesternschafts-

den nächsten Rechenschaftsbericht vor: den des Beirates. Und während die Wahlkommission

eigenen DRK Kliniken Berlin präsentierte die

die 891 abgegebenen Stimmzettel auswertete, konnten Mitglieder und Gäste endlich erfahren,

am Roseneck, einem Senioren-

Oberin nun in einer kurzen Zusammenfassung

warum sie noch nie Krokodile Krokodilstränen haben vergießen sehen. Die Antwort darauf

DRK-Schwesternschaft Berlin. Im Gegensatz zu den vielen

der wichtigen, auch jenseits der Einrichtung interessanten Er-

gab Deutschlands Vortragsrednerin 2013: Den Reptilien fehle das Limbische System im Gehirn,

anderen Funktionen: Ihr Engagement für die Schwesternschaft

eignisse, um schließlich diesen Themenblock wieder mit einem

„sie werden nicht mit Gefühlen belästigt“, meinte Margit Hertlein. Diesen Vortrag über die

wird sie fortsetzen. Und sie bleibt dem Berliner DRK verbunden,

Dank abzuschließen: an die Schwester Christine Baermann,

Gefühlswelt von Mensch und Tier hatte die Kommunikationstrainerin aus Bayern bereits auf

als dessen Ehrenpräsidentin. Sabine Bergmann-Pohl und den

Schwester Martina Parow

dem Bundeskongress des Schwesternschaftsverbandes gehalten – mit großem Erfolg. Lachen,

anderen Vorstandsmitgliedern dankte die Oberin. Besonders

und Schwester Astrid Weber

so Margit Hertlein, sei nicht nur gesund: „Es steigert unsere Leistungsfähigkeit, verändert unser

dafür, dass das Gremium sie „bei der Realisierung der ver-

wie auch an deren Stellver-

Denken, baut Stress ab, fördert das soziale Miteinander und hilft Konflikte lösen.“ Denn wer lacht,

schiedenen Projekte ermutigt und jederzeit unterstützt habe“

treterinnen „und natürlich

der droht nicht, „und wer viel lacht, ist nicht nur glücklicher und entspannter, sondern hat auch

– wie auch der Aufsichtsrat: Der Vorsitzenden, Oberin i.R.

an alle Pflegekräfte in

mehr Ideen.“ Und Ideen und Anregungen sollten die DRK-Schwestern dann selbst noch mitteilen.

Heidi Schäfer-Frischmann, und den anderen Mitgliedern

unseren Einrichtungen“.

Am Ende des offiziellen Teils der Mitgliederversammlung wurden sie von der neuen, alten Vor-

dankte Oberin Doreen Fuhr für ihren wichtigen Beitrag

sitzenden um erneute Stimmenabgabe gebeten: Die Meinungen der Mitglieder werden einfließen

zur Weiterentwicklung der DRK Kliniken Berlin.

in die Agenda.2014 – den Fahrplan der Schwesternschaft für die kommenden Monate.

heim. Auf der Mitgliederversammlung 2013 bekam
Ilse Woitschaetzky für ihre
„70 Jahre“ stehenden Applaus
von ihren Mitschwestern.

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hedwig

»Ich weigere mich, ohne Hoffnung zu sein.«

NADINE GORDIMER

Endlich schön

Spielplatzaktion
der Schwesternschaft:
Fröhliche Kinder

spielen!

// FOTOS: HOLGER GROSS

Eine Idee, viele Unterstützer
Im Winter kamen die Schwestern aus
dem Mutterhaus zur Vor-Ort-Begehung
ins Westend. Schneematsch und trüber
Himmel verstärkten den traurigen Eindruck, den das knapp einhundert Quadratmeter große Areal auf die Besucher
machte. Eine Arbeitsgruppe gründeten
die Rot-Kreuz-Schwestern, den Titel
für das Projekt fanden sie schnell: SpieltSchön! Denn genau das sollten die kleinen
und großen Patienten der Kinder- und
Jugendpsychiatrie möglichst bald.
Einen konkreten Fahrplan für den
Bau der neuen, dann tatsächlichen Spielwelt konnten
Oberin Doreen Fuhr und
ihre Kolleginnen nicht
ausarbeiten: Die Baufinanzierung blieb ungesichert.
Die Vorsitzende warb beim
Vorstand der DRK-Schwesternschaft Berlin um Mithilfe. Die bekam Oberin
Fuhr, das Gremium sicherte
dem SpieltSchön-Team seine
volle Unterstützung zu. Die
Schwestern recherchierten
nach Spielplatzbauern und
stießen auf „Merry go round,“
ins Deutsche übersetzt

Karussell. Karussell-Chef Ulrich Paulig
traf sich im Frühjahr mit den Projektinitiatoren, die längst begonnen hatten,
intensiv für SpieltSchön zu werben.
Mit Erfolg, der Kreis der Unterstützer
wuchs. Im Gespräch mit dem Spielplatzbauer formulierte das Projektteam erste
verbindliche Spielvorgaben: Geräte von
hoher Qualität, dauerhaft spannend,
keineAltersbeschränkung nach oben –
eine Fantasiewelt für Groß und Klein.
Paulig zeichnete einen Plan mit ersten
Gestaltungsvorschlägen: den Klassiker
Rutsche – „Die Kinder sollen den Hosen-

boden-Koeffizienten erforschen
und die Erdanziehungskraft feiern“ –
dazu einen Spielturm als markanten
Punkt und schließlich viele kleine
Elemente zum Testen von Kletter- und
Balancierfähigkeiten. Pauligs spontane
Ideenskizze fand große Zustimmung.

Spielt schön – auch die Erwachsenen
In den letzten Wochen der Sommerferien
2013 rückte der Merry go round-Bautrupp
an. Vor dem Neubau kam jedoch der
Abriss. Keines der Altgeräte rechtfertigte
seine Weiterverwendung als Teil der
neuen Anlage. In nur einer
Woche verwandelten die
Profi-Spielplatzbauer das
Areal. Noch mussten sich
die Kinder der KJP als
Hauptnutzer gedulden.
Auf der offiziellen Eröffnungsfeier sollten sie
endlich das Startsignal
bekommen zum Entdecken
und Erobern der neuen
Spielwelt. „Dass sich heute
mehr Erwachsene als
Kinder auf einem Spielplatz
befinden, bleibt bestimmt
eine Ausnahme“, vermutete
auch Oberin Doreen Fuhr

Rutsche, Kletterstangen, eine Hangelstrecke – viel Plastik, Metall, Holz und vor allem: Langeweile. Dass hier Kinder
spielten, muss lange her gewesen sein. Die, die vielleicht noch Lust hatten, sich auf dem Spielplatz der Kinder- und
Jugendpsychiatrie auszutoben, durften es nicht. Schrauben an den Geräten waren mit Rost überzogen, Farbe blätterte
ab, an einigen Stellen lauerten streichholzlange Splitter auf Kinderhände. Spielen ohne Spaß, und darüber ärgerten
sich vor allem die Mitarbeiter am Hedwig-von-Rittberg-Zentrum in den DRK Kliniken Berlin | Westend. Der Spielplatz
war eine Brachfläche und vieles deutete darauf hin, dass sich an diesem Zustand nichts ändern würde. Bis die
DRK-Schwesternschaft den KJP-Spielplatz auf die Agenda ihrer Unterstützungsprojekte nach ganz oben setzte.

in ihrer Ansprache an die Gäste und
fand dann gleich eine mögliche Erklärung:
„Einige von Ihnen denken vielleicht:
Da möchte ich unbedingt wieder Kind
sein.“ Ihnen, vor allem aber denen, für die
die DRK-Schwesternschaft Berlin den neuen
Spielplatz eigentlich bauen ließ, wünschte
sie ein Spielt schön! Martina Parow sprach
im Namen der Krankenhausleitung der
DRK Kliniken Berlin | Westend. Die Pflegedienstleiterin und auch der Chefarzt der
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Professor Michael von Aster, bedankten
sich bei allen Unterstützern.

Dann war es Bärbel Zeran, die als Letzte
sprach und als Erste die neue Rutsche
hinabrutschte und ihren persönlichen
Hosenboden-Koeffizienten testete.
Die Abteilungsleiterin für die Pflege
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
eröffnete so symbolisch den Spielplatz.
Ihr folgten endlich mit lautem Jubel
die Kinder. Und nun, ganz zum Schluss,
durften auch die Erwachsenen
mitspielen.

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hedwig

// FOTOS VON HOLGER GROSS UND MATHIAS WODRICH

„Es hat immer
ein gutes Verhältnis
gegeben.“
Für die DRK-Schwesternschaft ist es der wohl wichtigste Partner
in der Stadt: Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes.
Was beide verbindet, aber auch worin sie sich unterscheiden:
Das erklären Oberin Doreen Fuhr und der Präsident des
Berliner Roten Kreuzes, Uwe Kärgel.
Seit wann kennen Sie sich? Dr. Kärgel: Wir kennen uns nicht
erst seitdem Frau Oberin Fuhr Vorsitzende der DRKSchwesternschaft ist – wir hatten schon vorher Kontakt.
Oberin Fuhr: Ja, das stimmt: Ich nahm regelmäßig anstelle
der damaligen Oberin an den Landesausschusssitzungen teil.
Da habe ich Dr. Kärgel noch in seiner Funktion als Vizepräsident des Berliner Roten Kreuzes kennengelernt.
Herr Dr. Kärgel, Sie sind seit einem Jahr Präsident des Berliner Roten
Kreuzes. Wie gefällt Ihnen das Amt? Dr. Kärgel: Es hat mit Gefallen
wenig zu tun. Es ist vielmehr eine sehr konkrete fordernde
Aufgabe, die ich übernommen habe, und genau diese Aufgabe
als solche gefällt mir.
Und was ist Ihre Aufgabe? Dr. Kärgel: Kontinuität im Wechsel
des Rot-Kreuz-Landesverbandes darzustellen: Durch die neue
Satzung gibt es auf der verbandspolitischen Ebene einige
wesentliche Änderungen: Es wurde ein hauptamtlicher
Vorstand installiert. Damit ist das Präsidium mehr zu einer
Art Aufsichtsrat geworden. Dann haben wir eine neue Landesgeschäftsführung bekommen, auch sind zwei Protagonisten

aus dem Altpräsidium ausgeschieden. Es war also notwendig,
dass einer bleibt, um den Übergang zu schaffen. So habe ich
mich auch verstanden – als einen Präsidenten des Überganges.
Dass das auch zu einer neuen Art von Harmonie im Landesverband führte, ist ein erfreuliches Ergebnis.
Das heißt, Frau Oberin, die Zusammenarbeit mit dem Berliner Roten
Kreuz hat sich verändert, seit Dr. Kärgel Präsident ist? Oberin Fuhr:
Vorher war die Zusammenarbeit auch gut. Aber natürlich
hat sie sich aus meiner Sicht verändert – weil ich jetzt in einer
anderen Position bin und daher anders in dieses Gremium
hineingehe. Für mich war es sehr angenehm, bereits jemanden
in der Führungsspitze zu kennen. Diese Zusammenarbeit mit
dem Landesverband erlebe ich als gegenseitige Wertschätzung.
Als Rot- Kreuz-Schwesternschaft müssen wir den guten
Kontakt zum Landesverband pflegen. So wie das Präsidium
jetzt aufgestellt ist, ist es wunderbar – Landesgeschäftsführer
Volker Billhardt und seine Vertreterin Petra Gude mit
eingeschlossen. Die Zusammenarbeit ist ergebnisorientiert
und sie macht Spaß.

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hedwig

»Wer die Freundschaft aus dem Leben verbannt, entfernt aus der Welt die Sonne .«

MARCUS TULLIUS CICERO

Kommen wir zurück zum Berliner Roten Kreuz. Was waren
für Sie die größten Herausforderungen im Jahr 2013?
Dr. Kärgel: 2013 war überwiegend von Veranstaltungen zum
Jubiläum 150 Jahre DRK geprägt. Ob eine Jubelfeier eine Herausforderung ist oder nicht, darüber kann man streiten. Es war
schlichtweg notwendig, eine Vielzahl an Aktivitäten, die vom
Bundesverband initiiert und gesteuert wurden, zu begleiten.
Wir haben da wunderbare Veranstaltungen erlebt, gerade hier
in Berlin. Ich denke nur an das große rote Kreuz vor dem Brandenburger Tor. Da haben unsere Ehrenamtlichen großartige Leistungen vollbracht. Und wir haben viel Aufmerksamkeit erzielt,
gerade durch diese Aktion am Brandenburger Tor. Die Arbeit
des DRK wird zum großen Teil von Ehrenamtlichen geprägt.

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Berliner Rotem Kreuz und
Schwesternschaft beschreiben? Dr. Kärgel: Es hat immer ein gutes
Verhältnis gegeben, ohne jeden Zweifel. Dass dieses Verhältnis
auch in der Vergangenheit funktionierte, ergibt sich beispielsweise aus der nach wie vor bestehenden persönlichen Verknüpfung: Unsere Ehrenpräsidentin, meine Vorgängerin
Frau Dr. Bergmann-Pohl, ist im Vorstand der Schwesternschaft
aktiv. Die Satzung des Landesverbandes sieht eigentlich vor,
dass der Präsident dort Mitglied sein sollte. Aber wir waren

Wie profitieren Sie von der Schwesternschaft? Wir profitieren von der
Schwesternschaft über deren Einrichtungen – die DRK Kliniken
Berlin. Dort wird das Rote Kreuz, unser Symbol, noch viel näher
an die Menschen herangetragen: Viel näher als im Krankenzimmer kann ich eigentlich nicht ans Rote Kreuz kommen.
Für die Öffentlichkeit ist das Deutsche Rote Kreuz das gleiche wie die
Schwesternschaft, beide tragen im Namen „DRK“. Ist das ein Vorteil oder
ein Problem? Dr. Kärgel: Ich sehe darin einen eindeutigen Vorteil.
Die an sich schon sehr bekannte
„Marke“ Rotes Kreuz kommt noch
näher an den einzelnen Menschen
heran. Aber eine bewusste Gleichsetzung wiederum wäre aus meiner Sicht nicht richtig. Auch
aus diesem Grund wurde das gesonderte Logo für die DRK
Kliniken Berlin entwickelt. Es ist eine wesentliche Aufgabe
des Roten Kreuzes, kranken Menschen zu helfen. Und dies
übernimmt, jedenfalls für den Bereich der Krankenhäuser,
in einer hohen Eigenverantwortung die Schwesternschaft.
Wenn wir das alles vermischen, würden die Effizienz sinken
und unterschiedliche Leistungen unsinnig gleichgemacht.

„Das Besondere ist eine Gemeinschaft, die nicht auf Druck und
Zwang aufgebaut ist, sondern auf gemeinsame Interessen.“
uns alle einig, eine solch profilierte, langjährige Kollegin
als Vertreterin des DRK Berlin im Vorstand zu belassen.
Ich kann nur zurückgeben: Es war für uns, und auch für mich
persönlich, sehr angenehm, die Kontinuität hier im Hause
der Schwesternschaft zu erleben.
Der Kontakt ist also ein intensiver? Dr. Kärgel: Ja, er ist sehr intensiv.
(lacht) Oberin Fuhr: Es ist nicht so, dass wir täglich telefonieren.
Aber dort, wo es Schnittstellen gibt, denken wir aneinander.
Wir haben uns so abgestimmt, dass wir immer im Hinterkopf
haben: Das ist jetzt ein Thema, das mich zwar nicht direkt
betrifft, aber ich kann beim Landesverband nachfragen, ob es
dort von Interesse ist. Es ergibt sich keine Konkurrenzsituation!
Wir stimmen uns in der Außendarstellung ab, wir wollen
ein einheitliches, ein gutes Bild abgeben. Wir können doch
nur voneinander profitieren! Die Schwesternschaft profitiert
natürlich vom Roten Kreuz, nicht zuletzt durch die Verwendung des Symbols, das eine sehr bekannte Marke ist.

Kommt es oft vor, dass Außenstehende das Verhältnis zwischen Schwesternschaft und DRK nicht eindeutig einordnen? Oberin Fuhr: Wenn die
Patienten bei uns im Krankenhaus sind und das Rote Kreuz
sehen, dann kommt diese direkte Verbindung automatisch.
Wenn wir danach gefragt werden, müssen wir also immer
wieder aufklären: Die Schwesternschaft ist ein juristisch und
wirtschaftlich autonomer Verein. Was uns natürlich verbindet,
sind die sieben Rot-Kreuz-Grundsätze. Was uns hingegen unterscheidet, sind die Strukturen. Dieses Konstrukt zu verstehen
und dann noch zu erklären, dass es da noch den Verband
der Schwesternschaften gibt und den DRK-Dachverband –
da müssten Patienten mindestens drei Wochen bei uns
verbringen, um alles genau zu verstehen.

Wir können aber wohl beide gut damit leben, wenn wir
nicht zu deutlich unterschieden werden. Diese Zusammenarbeit ist eine gewünschte.
Ist sie aber auch eine Notwendigkeit, die sich aus der Satzung der
Schwesternschaft ergibt? Oberin Fuhr: Herr Dr. Kärgel hatte schon
die Satzung für den Landesverband angesprochen: Für die
Arbeit der Berliner Schwesternschaft ist die Satzung des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz
bindend. Und die sieht ausdrücklich die enge Kooperation
mit dem Landesverband vor. Ich engagiere mich im Landesausschuss also auch aufgrund meines Amtes. Es ist für mich
jedoch eine gewünschte Verbindung, keine Pflichtverbindung.
Wer sich dem Roten Kreuz verbunden fühlt, der muss mit den
anderen zusammenarbeiten. Das geht gar nicht anders.
Haben Sie gemeinsam konkrete Ziele definiert? Dr. Kärgel: In der
Satzung gibt es einen klaren Arbeitsteilungsauftrag: Die DRKSchwesternschaft Berlin ist für die Gesundheits- und Krankenpflege in Berlin ausdrücklich berufen. Wir dürften beispielsweise
kein eigenes DRK-Krankenhaus aufmachen. Denn das würde
gegen die Aufteilung der Zuständigkeit in der Satzung verstoßen.
Ist das nur in Berlin der Fall? Dr. Kärgel: Nein, das trifft generell zu
und hat nachvollziehbare Gründe: Ich kann nicht versuchen,
ein Gesamtbild darzustellen, nur um gleichzeitig in den
Wettbewerb einzutreten. Alles, was wir tun, sind gegenseitiges
Ergänzen und Voneinanderlernen. Und das wollen gerade
wir zwei weiterentwickeln, das heißt auch: konkrete Projekte
umzusetzen. Da erwarten wir beide sehr schöne Erfolge.
Welche konkreten Projekte sind das? Oberin Fuhr: Wir machen uns
zum Beispiel gemeinsam Gedanken zum Thema Vereinbarkeit
von Familie und Beruf. Ein entsprechendes Projekt haben wir uns
intensiv für das Jahr 2014 vorgenommen. Zu gegebener Zeit
werden wir noch ausführlicher darüber berichten.

Wie gelingt es Ihnen, junge Menschen vom Mitmachen zu bewegen?
Müssen Sie das überhaupt? Dr. Kärgel: Ich will es ganz deutlich
sagen: Wir haben eher ein Nachwuchsproblem, als dass wir
den Luxus genießen könnten, von Freiwilligen überrannt
zu werden. Wir müssen uns um jedes Mitglied ernsthaft und
nachhaltig bemühen. Und wir fangen jetzt verstärkt sehr früh
damit an. Nein, es ist nicht selbstverständlich, dass die Freiwilligen kommen. Es gibt immer wunderbare Menschen,
die das innere Bedürfnis haben, Hilfe zu leisten und die sich
sozial engagieren wollen. Aber in unserer Gesellschaft sind
sie nach wie vor in der Unterzahl. Die Möglichkeiten für junge
Menschen, sich anderweitig zu interessieren, sind in der
heutigen Zeit unendlich groß: Als Rotes Kreuz müssen
wir da etwas ganz Besonderes bieten.
Was wäre dieses Besondere? Dr. Kärgel: Das Besondere ist eine
Gemeinschaft, die nicht auf Druck und Zwang aufgebaut ist,
sondern auf gemeinsame Interessen: Hier steht der Mensch
im Mittelpunkt. Wer sich engagieren möchte, um anderen
zu helfen, der bekommt von uns jede Unterstützung.
Das sind auch die Attribute, mit denen die Schwesternschaft wirbt.
Oberin Fuhr: Richtig, wir haben ähnliche Intentionen. Auch
wir müssen um Nachwuchs werben und schauen, wie
wir neue Mitglieder in die Schwesternschaft einbinden.
Und da bieten sich durchaus dieselben Überzeugungsmuster
an: Zu einer Gemeinschaft zu gehören, in der jedes einzelne
Mitglied seine Wertschätzung erfährt.
Herr Dr. Kärgel, Sie sind 71 Jahre alt und Mitglied in Aufsichtsräten,
Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Menschlichkeit, Sie sind als
Rechtsanwalt tätig und vieles mehr: Sehnen Sie sich nicht nach weniger
Arbeit? Dr. Kärgel: Ich bin dankbar, überhaupt noch sinnvoll
arbeiten zu können! Das ist nicht selbstverständlich. Ich habe
viele Jahre für die Anwaltschaft höchst interessant und,
wie ich glaube, erfolgreich im Bereich der Standes- und Berufspolitik in verantwortlicher Position mitgearbeitet.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

15

hedwig

»Weihnachten ist das ganze Jahr dort, wo Liebe verschenkt wird.«

Irgendwann muss man dann von Eigeninteressen Abstand
nehmen und etwas zurückgeben. Das hört sich vielleicht etwas
groß an, aber es ist wirklich so, dass ich das Gefühl hatte:
„Du musst der Gesellschaft, die dir so viel ermöglicht hat, etwas
zurückgeben.“ Es ist schön, in diesem Sinne gerade den nicht
so Privilegierten gegenüber Danke sagen zu können – das ist
meine Motivation.

Dr. Kärgel: Das ist auch alles nachvollziehbar: Wir hatten
ursprünglich einen sehr starken Landesverband, der ging
jedoch in die Insolvenz. Die Aktivität des Roten Kreuzes
in Berlin übernahmen dann zunächst praktisch die Kreisverbände. Und nun meldet sich dieser Landesverband zurück
und sagt: „Jetzt sind wir wieder vorn, jetzt geht es wieder
nach unserer Richtung!“ Das war schon überaus kompliziert.
In diesem Fall war Diplomatie gefragt? Dr. Kärgel: Ja, es gab VierAugen-Gespräche, Sechs-Augen-Gespräche: Wir wollten zeigen,
dass es ein sinnvolles Ende geben wird. Es gab gerade am Anfang
in den Kreisverbänden Unsicherheiten und Irritationen wie zum
Beispiel: „Darf ich nun Präsident bleiben? Oder bin ich nur noch
Vorsitzender? Was ist mit unserem Einzugsbereich, wer bleibt
für was zuständig?“ Wir müssen verstehen, dass diejenigen,
die ein Ehrenamt leisten, sehr viel Herzblut einbringen.
Veränderungen empfinden sie manchmal als Herabwürdigung
oder Herabstufung, was sie selbstverständlich nie sein dürfen.
Dieser ganze Prozess hat nun fast drei Jahre gedauert.

Helfen Ihnen die Erfahrungen aus Ihrer Anwaltstätigkeit jetzt bei
der Ausübung Ihres Amtes? Dr. Kärgel: Sicherlich. In dem Beruf
sind häufig Entscheidungen vorzubereiten, als Jurist bin ich
wes gewohnt, unterschiedliche Meinungen zusammenzubringen
und Rechtsfolgen zu erklären. Man muss diese Bereitschaft und
Geduld mitbringen, anderen auch schwierige Sachverhalte zu
erklären und sie zu überzeugen – mit einer entsprechend guten
Vorbereitung. Ich denke, dass mir das recht gut gelingt.
Unsere letzten Sitzungen und Versammlungen jedenfalls
haben so eine vollkommen neue Struktur bekommen.
Wie sind Sie zum DRK gekommen? Dr. Kärgel: Ich bin durch einen
engen Freund zum DRK gekommen: Professor Hans-Joachim
Driehaus. Er war in den besonders schwierigen Zeiten der
Sanierung des Landesverbandes Vizepräsident und für
juristische Fragen im Präsidium zuständig. Er bat mich,
ergänzend einige rechtliche Fragen zu prüfen. Ich bin also
zunächst als Rechtsberater, dann als kooptiertes Mitglied des
Präsidiums und schließlich wegen anderer Umstände in die
Position des formellen „Vizepräsidenten für Recht“ hinein
gewachsen. Meine Eintrittspforte für das Amt des Präsidenten war letztlich die Durchsetzung der neuen Satzung.
Das waren extrem schwierige Verhandlungen mit den Kreisverbänden, die teilweise in persönlichen Auseinandersetzungen gipfelten. Die habe ich entschärfen können: Wir haben
die Satzungsänderung schließlich quasi einstimmig zum
Abschluss gebracht, das hatte kaum jemand erwartet.
Oberin Fuhr: Dem kann ich nur zustimmen. Das hätte auch ich
nicht erwartet: Die Themen waren sehr problematisch, so viele
Befindlichkeiten mussten beachtet werden und vieles sollte
neu in der Satzung installiert werden.

hedwig

MON I K A M I N DE R

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Berliner Roten Kreuzes?
Dr. Kärgel: Ich wünsche mir insbesondere, dass wir von unten
nach oben wachsen, dass die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter weiter zu uns stehen. Ereignisse wie die große Flut
in diesem Jahr haben die
i Über das Berliner Rote Kreuz
Menschen wieder zusammenDas Berliner Rote Kreuz wird in der Bundeshauptgebracht und ihnen gezeigt,
stadt durch etwa 66.000 Fördermitglieder unterstützt. Über zweitausend Berliner sind ehrendass wir nicht nur Trockenamtlich im Roten Kreuz aktiv. Sie engagieren sich
übungen machen, sondern
bei Sanitätsdiensten auf Großveranstaltungen,
dem Wasserrettungsdienst auf dem Wannsee, den
im Ernstfall auch konkret
Aktionen des Jugendrotkreuzes oder verschiehelfen können. Als die Helfer
denen sozialen Projekten wie der Kältehilfe für
zurückkamen, gefiel es ihnen
Obdachlose. Hauptberufliche DRK-Schwerpunkte
sind die Notfallrettung und der Krankentransport,
sehr, dass ich sie für das Prädie ambulante Pflege und Unterstützung von
sidium des Landesverbandes
Senioren, die Betreuung von Behinderten, die
Kinder- und Jugendarbeit und die Organisationen
empfangen habe. Sie fühlten
von Freiwilligendiensten (zum Beispiel dem
sich persönlich und ihre
Freiwilligen Sozialen Jahr). Der DRK-LandesverLeistung ernst genommen
band Berliner Rote Kreuz e.V. besteht aus neun
Kreisverbänden und einem Landesverband.
und das ist das Allerwichtigste.
Dr. Uwe Kärgel ist seit Oktober 2012 Präsident
Die Leistungen der Ehrenamtdes Berliner Roten Kreuzes.
lichen sind keine Selbstverständlichkeit für den Landesverband und das Präsidium; ihnen
sind wir dankbar für die freiwillige Leistung, die sie erbringen.
Das müssen und wollen wir immer wieder deutlich machen.
Kann da die DRK-Schwesternschaft helfen? Oberin Fuhr: In dem
konkreten Fall nicht unbedingt. Aber wir können weiterhin
unsere jeweiligen Kernkompetenzen an den Stellen, wo es
sinnvoll ist, zusammenbringen. Und es gibt da so viele Ansätze.
Ich nehme wirklich gern Anteil an dem, was im DRK-Landesverband passiert. Und ich denke, wenn wir uns da gegenseitig
unterstützen, haben wir voneinander nur Gutes zu erwarten.

Jubiläumsbuch
Es ist ein Wälzer geworden, das Buch über die
Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes. Auf knapp
vierhundert Seiten schildert hier der Journalist Stefan
Schomann die 150 Jahre der Organisation: von den
Anfängen im 19. Jahrhundert über die schweren
Zeiten mit großen Kriegen und deutscher Teilung bis
in die Gegenwart. Zugang hatte Schomann zum
umfangreichen Archiv des DRK, auch besuchte er
historische Orte wie Genf und Solferino. Der Autor über
sein Buch: „Angefangen mit Henry Dunants Erinnerung
an Solferino hat die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung einen reichen Schatz an Selbstzeugnissen,
Tagebüchern und Augenzeugenberichten hervorgebracht. Sie bilden das Herzstück des Buches.
Es sind Berichte aus vorderster Front, von Schauplätzen
historischer Ereignisse – erzählt von Menschen, für die
der Ausnahmezustand der Normalfall war und ist.
Ihre Erlebnisse besitzen exemplarischen Charakter,
sie spiegeln mehr als nur die Geschichte einer Hilfsorganisation. Wer will, kann sie als die Memoiren einer
schwierigen Nation lesen, gesehen und erzählt durchs
Medium des Roten Kreuzes. DRK-Präsident Rudolf
Seiters lobte das Buch als „informative und unterhaltsam geschriebene
Gesamtdarstellung zur Geschichte
des DRK. Die Geschichten sind vergnüglich, anrührend, manchmal
schmerzhaft und traurig, manchmal
auch beschämend für uns als Organisation. Sie zeigen alle, wie
stark unsere Idee ist und wie

Quote erfüllt
Women on Board, Frauen sollen in Aufsichtsrat und Vorstand.
Vor fünf Jahren startete eine Gruppe von Frauen diese Kampagne:
das European Women Management Development Network, kurz EWMD.
Eine Forderung, die ein anderes Frauennetzwerk als Gründungsmotiv und Alleinstellungsmerkmal festgeschrieben hat – die
DRK-Schwesternschaft. Diese Gemeinsamkeit – Frauen
in Führungspositionen – waren ein Grund für ein Treffen und
Kennenlernen. Acht Mitglieder aus der Berliner EWMD -Gruppe
kamen zu Besuch, um sich von Oberin Doreen Fuhr die vielen
Besonderheiten der Rot-Kreuz-Schwesternschaft erklären zu lassen.
Wie zum Beispiel, konsequent und bewusst eine andere Unternehmenskultur zu pflegen, als dies in so vielen anderen, von Männern
dominierten Großunternehmen der Fall ist. Das ist übrigens auch
die zentrale Forderung der im EWMD organisierten Frauen, die selbst
alle in Führungspositionen tätig sind. Wo sonst, als in den Ausstellungsräumen im Haus S auf dem Westend-Gelände lässt sich
das Besondere einer Schwesternschaft besser
vermitteln. Die Führung durch die Geschichte
endete mit überraschenden Einsichten. „So habe
ich das noch nicht gesehen“, meinte zum Beispiel
eine der Frauen vom EWMD. Nach dem Besuch
von Schwesternschaftsjahre blieb noch Zeit, die vielen
Fragen zu beantworten. Dieser erste Besuch soll
seine Fortsetzung finden: Schwesternschaft und
der Verband der berufstätigen Frauen in Europa
vereinbarten, in Kontakt bleiben zu wollen.

notwendig unsere Hilfe.“

i Stefan Schomann:
Im Zeichen der Menschlichkeit.
Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes,
Deutsche Verlags-Anstalt,
384 Seiten gebunden, € 24,99

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15

hedwig

»Mein Job ist es nicht, es den Leuten besonders leicht zu machen. Mein Job ist es, sie besser zu machen. «

ST EV E JOB S

Der Organisator

„Die DRK-Schwesternschaft
sorgt für Konturen.“

René Borchert arbeitet im Versorgungsdienst der DRK Kliniken Berlin
„Stationshilfe, Pförtner, dann die Arbeit in der Wäscherei.“ René Borchert zählt seine Jobs
auf – Studentenjobs. „Ich habe damals fast alles gemacht.“ Also genau die Tätigkeiten,
die er heute im Hauptberuf koordiniert: Borchert arbeitet im Wirtschafts- und Versorgungsdienst der DRK Kliniken Berlin, „ich kann so ziemlich gut nachvollziehen, was meine
Kollegen bewegt“, die Studentenzeit sei jetzt von großem Vorteil.
// FOTOS: DRK KLINIKEN BERLIN

Zu den Einrichtungen der Schwestern-

wollten ihn 2005 als festen Mitarbeiter.

seine Abteilung auch um die DRK Klinik

schaft kam er durch den Tipp eines Kom-

Er blieb dort, wo er schon vor der Über-

in Köpenick. „Diese Zentralisierung ist das

militonen. Am 1. April 1997 trat der Jura-

nahme gearbeitet hatte: im Team vom

Thema überhaupt“ und für den Versor-

student seinen Job an, erster Arbeitsort

Versorgungsdienst für das Westend-

gungsdienst mit seinen gut zweihundert

war die Frauenklinik in der Pulsstraße.

Krankenhaus. „Ich bin schon stolz, in der

Mitarbeitern eine Umstellung. Die Zusam-

Vier Wochen blieb er dort. Dann wechselte

Umbauphase dabei gewesen zu sein“:

menarbeit mit der Pflege sei dabei sehr eng.

er von Charlottenburg nach Lichterfelde,

als das Westend „fit gemacht wurde“,

Borcherts Büro – das er mit Corinna Körner

in das Pflegeheim am Rittberg-Kranken-

so beschreibt Borchert diese Zeit der gro-

teilt, der Abteilungsleiterin, die übrigens

haus. „Nach dem Abitur hatte ich mich

ßen Klinikmodernisierung. Trotz vieler

auch DRK-Schwester ist – liegt von dem der

entschieden: In Stralsund bleibe ich nicht.“

Provisorien und noch mehr Einschrän-

Pflegedienstleitung nur ein paar Türen

Hamburg war für ihn eine Option.

kungen schafften es Borchert und Kollegen,

entfernt – Absprachen auf kurzen Dienst-

München vielleicht, als Kontrast zur

dass der Klinikalltag ohne große Zwischen-

wegen also. Es gibt Tage, an denen kommt

pommerschen Heimat. René Borchert

fälle funktionierte. „Einmal, es war acht

René Borchert nicht weg von seinem

wählte Berlin, schrieb sich in Potsdam

Uhr, da meldete sich das Gesundheitsamt

Schreibtisch, er erledigt dann Verwaltungs-

an der Uni ein und er besserte sein Bafög

und kündigte seinen spontanen Besuch an“

vorgänge wie Dienstpläne erstellen.

mit dem Job im Krankenhaus auf. Das

– am selben Tag, nur vier Stunden später.

An anderen Tagen ist er ständig unterwegs,

Studieren der Rechtswissenschaften er-

„Nur waren die Bauarbeiter noch längst

wenn zum Beispiel Veranstaltungen

setzte er später durch ein Abendstudium,

nicht fertig.“ Es wurde knapp, doch die

im Westend vorbereitet werden müssen –

Fachwirt für Wirtschaft wollte er nun

Amtsärztin hatte nach ihrem Stations-

zuständig ist auch dafür der Versorgungs-

beeinflussen meine Urlaubsplanung.“

und Jugendpsychiatrie wurde auch für

Durchaus beruhigend findet der 42-Jährige

werden. Seine praktischen Erfahrungen

besuch nichts zu beanstanden.

dienst. „Die Veranstaltungen hier

Wer am Tag der offenen Tür im Juni die

René Borchert zum besonderen Erlebnis:

es, dass genau diese Werte überdauert

sammelte der Student weiter in den DRK

„Wir hatten es mal wieder

DRK Kliniken Berlin | Westend besucht hat,

Das Areal abseits der klassisch-schönen

hätten und noch immer verbindlich seien

Kliniken. Nach dem Pflegeheim wurde

geschafft.“ Der andere große

der kann den Grund nachvollziehen:

Sichtachsen des Westends wollte er schon

– auch im Berufsalltag in den Kliniken.

er im Westend-Krankenhaus gebraucht.

Umbau, an dem auch René

„Das war die bislang größte Veranstaltung

immer aufhübschen lassen. Der Umbau

Vielleicht, meint René Borchert, sei das

Längst war aus der studentischen Aushilfs-

Borchert wohl noch länger

im Westend.“ Übersichtlicher fiel da das

der potenziellen Gefahrenquelle in eine

der Grund, warum er Kollegen kenne,

kraft ein gleichberechtigter Mitarbeiter

mitwirken wird, ist ein struktu-

Kunstfest im September aus, aber auch

Erlebniswelt für Kinder ist da für ihn nur

die seit vierzig Jahren und länger für

geworden. Immer mehr Zeit verbrachte

reller: Sein Versorgungsdienst

dieses kleine Event bedeutete Arbeit und

ein erster Schritt. „Das war wieder ein

die DRK Kliniken Berlin arbeiten.

René Borchert im Krankenhaus. Sein Stu-

expandiert. Zum Westend hinzu

Aufwand. „Was ich immer wieder fest-

Projekt, bei dem ich eng mit der Schwes-

„Und auch ich könnte mir vorstellen,

dium wurde allmählich zum Nebenprojekt,

ist zuerst die Verantwortung für

stelle, das ist der Zusammenhalt im Unter-

ternschaft zusammengearbeitet habe.“

hier noch ganz lange zu bleiben.“

das er trotzdem mit Erfolg abschloss.

die DRK Kliniken Berlin | Mitte

nehmen“, egal ob beim Drachenbootren-

Ein anderes ist die Ausstellung, „die DRK-

Bewerbungen musste der Absolvent nicht

gekommen, dann die für das

nen in Köpenick oder während des Team-

Schwesternschaft Berlin sorgt für Kon-

verschicken: Die DRK Kliniken, sein Arbeit-

Pflegeheim in Mariendorf und

staffellaufs durch den Tiergarten. Die

turen“. Ein Verein mit Geschichtsbewusst-

geber seit mittlerweile acht Jahren,

seit einem Jahr kümmert sich

Einweihung des Spielplatzes der Kinder-

sein, mit Tradition und Werten.

Packt an: René Borchert organisiert auch Großveranstaltungen wie die TEAM-Staffel im Tiergarten

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hedwig

hedwig

Neue Serie: Die DRK-Schwesternschaft Berlin und ihre Friedhöfe

Letzte Ruhe für Berlins Rot-Kreuz-Schwestern.
98 Jahre alt ist sie geworden, eine andere nur zwei
Jahre weniger. Oder die Schwester dort, auch sie
hat die Einhundert fast erreicht: Auf so vielen
Grabsteinen beträgt die Differenz zwischen den beiden
Jahreszahlen mehr als acht Jahrzehnte. Rot-KreuzSchwestern scheinen eine beeindruckend hohe
Lebenserwartung zu haben, die eingemeißelten
Lebensdaten bestätigen es.

R

entenversicherungsvereine korrigierten jüngst ihre
Sterbetafel nach oben. Die Generation von heute wird

älter als ihre Vorfahren – Rot-Kreuz-Schwestern hatten
schon immer eine höhere Lebenserwartung als ihre
Mitmenschen. Alleinstehend, kein Familienzwist, der an
Gesundheit und Nerven zehrt, trotzdem in einer Gemeinschaft leben, nie wirklich einsam sein: Das könnte ein
Grund sein, vielleicht der wesentliche für das Erreichen
eines so hohen Alters. Diese Gemeinschaft – sie endete
nicht mit dem Tod. In der Gemeinschaft fanden die

DRK-Schwestern auch ihre letzte Ruhe. Jede der Berliner

Rot-Kreuz-Schwesternschaften hatte ihre Begräbnisstätte
und oft war es mehr als nur eine. Die Friedhöfe lagen in
der Nähe von Mutterhaus oder Feierabendheim. Sieben
Grabfelder sind es heute, um die sich die DRK-Schwesternschaft Berlin kümmert. Fünf befinden sie sich in Berlin,
zwei Grabstätten liegen gleich hinter der Stadtgrenze.
Ein Monolith oder ein Grabkreuz bilden jeweils den
Fixpunkt zur Anordnung der Gräber. „Sei getreu bis
in den Tod“, das Bibelzitat aus der Offenbarung des

Zeiten dankbarer Erinnerung

Johannes, ist dort nachzulesen, immer in Verbindung mit
dem Rot-Kreuz-Zeichen. Die Erinnerung zu pf legen, sich

Den Begriff Gemeinschaft hat der Verein an die modernen

ehren. Der Verein veröffentlicht Grabbücher, für jede

um die Gräber ihrer vor vielen Jahren verstorbenen Mit-

Gegebenheiten angepasst: Zwei Ehepaare wünschen sich

Berliner Rot-Kreuz-Schwesternschaft eines. Isabella

schwestern zu kümmern, das ist nicht nur eine logistische

eine gemeinsame Ruhestätte – ein Novum in der Schwes-

Trendel aus dem Mutterhaus hat die ersten dieser

Herausforderung: Sie kostet dem Verein immense Verwal-

ternschaftshistorie. Auch die Erinnerungskultur an die

Gedenkalben erstellen lassen. „Alles hat seine Zeit:

tungsgebühren. Vor sechs Jahren beschloss der Vorstand

verstorbenen Rot-Kreuz-Schwestern erfindet sich neu.

Es gibt eine Zeit der Stille, eine Zeit des Schmerzes

der Schwesternschaft, Mitgliedern nur noch eine letzte

Da unklar ist, wie lange die anderen Grabstätten nach

und eine tiefe Trauer – aber auch eine Zeit der

Ruhestätte anzubieten: den Parkfriedhof in Lichterfelde,

Ablauf diverser Fristen erhalten bleiben, wird die Schwes-

dankbaren Erinnerung.“

zehn DRK-Schwestern wollen hier noch bestattet werden.

ternschaft die Toten nun anders als nur über Grabmäler

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hedwig

»Was wir am nötigsten brauchen, ist ein Mensch, der uns zwingt, das zu tun, was wir können.«

R A L PH WA L D O E M E R SON

Heimatrecht durch Krankenhauskauf
Die Rittbergschwestern
und der Lichterfelder Parkfriedhof
Fast fünf Meter ist es hoch: das Steinkreuz, das an irische
Keltenkreuze erinnert. Nur sein oberes Viertel mit Kreuz und
Kreis ist im Originalzustand. Der Kreuzschaft wurde später
restauriert, auf frühere Verzierungen dann verzichtet.
Die Sockelinschrift erklärt, wem dieses Kreuz gewidmet ist:
Gräfin Rittberg Schwestern Verein, darunter eingemeißelt das
Motto der Schwesternschaft Sei getreu bis in den Tod und
die Widmung Der Gründerin unserer Schwesternschaft Gräfin
Hedwig Rittberg, Oberin von 1875-1896 zu ehrenden Gedenken.
Eine U-förmige Ringmauer umfasst das Kreuz und dominiert
die ursprünglich genau 135 Quadratmeter große Anlage.
1906 hatte die Gemeinde Groß-Lichterfelde das etwa acht
Hektar große Areal erworben, um hier einen Central-Friedhof
einzurichten. Erstmals in der Berliner Friedhofsgeschichte
wurde dafür ein Wettbewerb ausgeschrieben, den gewann
der Gartenarchitekt Friedrich Bauer. Er schuf einen naturnahen Friedhof mit Kiefern- und Birkenbeständen, bezog auch
die große Sandgrube ein. Die Friedhofsordnung, die dann die
Gemeinde erließ, war überaus streng. Sie sicherte aber den Bau
aufwendiger Grabdenkmäler: Wer einen Künstler beauftragte,
der konnte die Regularien umgehen. Und das planten die
Rittberg-Schwestern.

„E.F.“
1918, mit Ende des ersten großen Krieges, hatte die RittbergSchwesternschaft die Homöopathische Klinik von LichterfeldeWest übernommen – das spätere Rittberg-Krankenhaus „und
damit Heimatrecht für seine Schwesternschaft begründet.
Um dieser das Gefühl der Familienzugehörigkeit zum Mutterhaus zu bekräftigen, wünscht das Kuratorium auf dem Lichterfelder Friedhof einen angemessenen großen Bestattungsplatz

zu sichern“, schrieb das Kuratorium des Vereins an den
Gemeindevorstand von Lichterfelde. Und der zeigte sich vor
allem am Angebot der Rittberg-Schwesternschaft interessiert,
„das äußere Bild des Parkfriedhofs durch eine von Künstlerhand gestaltete zentral gelegene Grabstätte größeren Umfangs
zu verschönern“. Mit dem Künstler hatten die Rot-KreuzSchwestern schon seit 1918 verhandelt: Ernst Müller. Müller
war bis 1890 Kaufmann. Als Dreißigjähriger schlug er dann
eine komplett andere berufliche Lauf bahn ein: Er arbeitete
als Bildhauer, ein Gehörleiden zwang ihn dazu. Es wurde eine
erfolgreiche Neuorientierung, im fünften Jahr als Künstler
erhielt Müller eine Einladung zur Großen Berliner Kunstausstellung von 1895 – ein Ritterschlag in der Szene. Schon vor der
Gedenkstätte für die Rot-Kreuz-Schwestern hatte er imposante
Grabmäler gestaltet, nun sollte die Anlage auf dem Parkfriedhof sein nächstes großes Projekt werden. „Ich bestätige hiermit
den mir heute erteilten Auftrag nach vorgelegter Zeichnung
und auf Grund meines Kostenanschlags No. 1 vom 20. Juli
ca. sobald wie möglich auszuführen“, schrieb Professor Müller
an Oberin Elsbeth von Keudell und er wies im Brief anschließend darauf hin: „Nicht eingerechnet in obigen Betrag ist:
Luxussteuer, etwa zu entrichtende Friedhofsgebühren und
gärtnerische Anlagen.“ 25.800 Mark forderte der Bildhauer,
umgerechnet 100.000 Euro. Diese hohe Summe konnte Oberin
von Keudell nur über Spenden auf bringen, aber „ich bekomme
nirgends die Summen, die ich zu erbringen, zu erbitten hoffte:
Die Revolution hat die Gemüter so erschüttert, die Sorge um
die eigene Existenz ist größer geworden und bei uns werden
die Baureparaturen durch Ungunst der Verhältnisse, die hohen
Löhne, die unberechenbaren Notwendigkeiten an Lebensmitteln und Erhaltungskosten der Kleidung der Schwestern so
hoch, dass wir an das, was sich erübrigen lässt, nicht denken
dürfen!“ Emmy Friedländer war eine gute Bekannte Müllers,
sie selbst wohnte in Lichterfelde, war die Witwe Benedict

Friedländers. Seine letzte Ruhe hatte der berühmte Soziologe
und Ökonom 1908 auf dem Parkfriedhof gefunden – in einer
von Ernst Müller gestalteten Grabanlage. Emmy Friedländer
wollte den Schwestern helfen. Als ihr der Künstler den Preis
verriet, „da konnte ich meine Zusage unbedenklich geben,
einen wesentlichen Beitrag dazu zu leisten, umso mehr
als Professor Müller andeutete, da ihm gerade diese Sache sehr
am Herzen liege, würde er auch seinerseits ein Opfer bringen.“
Opfer bringen mussten in den folgenden Monaten alle: Aus der
Inflation wurde eine Hyperinflation, die Mark verlor an Kraft
und Wert. Sechs Jahre sollte es dauern, bis 1926 endlich die
Grabanlage errichtet werden konnte. Zwei Jahre später starb
Ernst Müller, der seinen Nachnamen um den Namen seiner
Geburtsstadt Braunschweig ergänzt hatte. Im gleichen Jahr
wurde Emmy Friedländer wieder zur Witwe. Ihren Ehemann,
den Schriftsteller und Philosoph Bruno Wille, ließ sie neben
dem ersten Gatten beisetzen; dort, wo seit 1920 auch das
einzige Kind ruhte: Eugen, der mit 16 Jahren verstorbene Sohn.
Ihr Platz, den sie sich freigehalten hatte, er blieb leer: Emmy
Friedländer wurde 1942 nach Auschwitz deportiert. Auf der
Rückseite des Rittberg-Kreuzes sind die Namen eingraviert:
E. MÜLLER-BRAUNSCHWEIG 1926.SCULP., darunter die Initialen
Emmy Friedländers. Und daneben zwei Buchstaben, die nicht
mehr zugeordnet werden können: D.H. Für den zweiten,
heute unbekannten Spender.

Warten auf den Popen
1964 waren alle 24 Grabplätze belegt, „somit sehen wir den
Zeitpunkt gekommen, über zusätzliche Grabstellen zu verhandeln“, schrieb Oberin Liesel Scheld an das Bezirksamt Steglitz,
nur um zwei Jahre später die nächste Erweiterung beantragen
zu müssen: Für sechs neue Plätze bekam die Rittberg-Schwesternschaft die amtliche Zusage; 37 Grabstätten umfasste die
gesamte Anlage im März 1967, neun Jahre später dann 48.

Im Jahr 2004 ließ die Schwesternschaft die Begräbnisstätte
neu gestalten: Granitplatten wurden an der Ringmauer
angebracht, auf denen alle Namen der beigesetzten Schwestern
aufgeführt werden. 2008 kam der Name Olga Amburgers
hinzu, 99 Jahre alt ist die Rot-Kreuz-Schwester geworden.
Olga Amburger kam 1908 in St.-Petersburg zur Welt, sie musste
während der Unruhen im Zarenreich nach Deutschland
fliehen und wurde hier von einer deutschen Familie adoptiert.
An ihre russische Herkunft erinnerten nur noch ihr slawischer
Vorname – und ihr Glaube an die russisch-orthodoxe Kirche.
Ein traditionelles Begräbnis mit Popen hatte sich Olga Amburger noch auf dem Totenbett gewünscht. Die DRK-Schwesternschaft wollte der Verstorbenen ihren letzten Wunsch erfüllen
und bat einen orthodoxen, russischstämmigen Priester um
die Leitung der Zeremonie. Am Tag der Bestattung standen
weitere Beerdigungen auf dem Programm, das Zeitfenster für
die gesamte Trauerfeier war klein. Die Trauergemeinde aus
Rot-Kreuz-Schwestern war vollzählig versammelt – nur der
Geistliche ließ auf sich warten. Aber die Zeit drängte, die
nächste Gruppe wartete vor
i Parkfriedhof Lichterfelde
der Friedhofskapelle und
Ruhestätte für Schwestern der
DRK-Schwesternschaft Rittberghaus und
wollte ihren Angehörigen
der DRK-Schwesternschaft, Thuner Platz 2/4,
verabschieden. Nach zwanzig
Berlin Steglitz-Zehlendorf
Minuten ungeduldigen
Wartens übernahmen die Schwestern selbst die Trauerzeremonie für Olga Amburger: Oberin Heidi Schäfer-Frischmann,
Isabella Trendel, Renate Lawrenz und Lotti Krummholz füllten
mit Gebeten, Ansprachen und Gesang das Verabschiedungsprogramm. Später dann, am Grab, übernahm der Erzpriester
Mikliail: Zuvor hatte er sich – noch völlig außer Atem – bei den
Trauergästen für seine Verspätung entschuldigt.
Gegen Verkehrsstaus helfe auch kein Beten.
Mitarbeit: Diane Bedbur

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23

hedwig

»Sie müssen eine Vision haben und sie durchsetzen – mit Motivation und Überredungskuns.«

»Vieles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht.«

F R I E DR IC H E BE L I NG

LUDWIG BÖRNE

hedwig

Alle sind Schwestern
Der Jubiläumsfestakt 150 Jahre Rotes Kreuz in Stuttgart
Wie schnell auch ein mächtiges Staatsoberhaupt die Hilfe anderer benötigt,
zeigte ein kleiner Zwischenfall am Rande einer Festveranstaltung, die sich
ausgerechnet dem großen Thema Helfen widmete. Eben noch hatte
Bundespräsident Joachim Gauck seine Laudatio auf die Arbeit des Deutschen
Roten Kreuzes gehalten. Jetzt, nach dem Applaus der fast zweitausend
Zuhörer, wollte Gauck das Bühnenpodest verlassen.
// FOTOS: DEUTSCHES ROTES KREUZ

D

och grelles Scheinwerferlicht

wurde dieser Sanitätsverein zur ersten

Und als dann Sozialministerin Altpeter

und fehlende Markierungen ließen

Rot-Kreuz-Gesellschaft in Deutschland.

– übrigens ausgebildete Altenpflegerin

Deutschlands obersten Repräsentanten

und viele Jahre Lehrerin für Pflegebe-

irritiert nach dem richtigen Abgang

Erst die Frauen, dann Dunant

suchen. So wie ihm erging es vielen

So lautet die offizielle Version der DRK-

Schwesternschaft ausdrücklich „einen

anderen Bühnengästen auch: Keiner

Gründungsgeschichte. Denn eine Fest-

wichtigen Beitrag zur Entwicklung der

fand ohne Probleme den Weg hinab ins

rednerin in Stuttgart wollte dann

Pflegeberufe“ nannte, da applaudierten

Auditorium, jeder hätte sich die helfende

doch kleine Wurzelkorrekturen am

vor allem die Rot-Kreuz-Schwestern.

Hand oder zumindest einen zeigenden

DRK-Stammbaum vornehmen. Baden-

Aber letztlich zählt für alle, die sich

Finger gewünscht. Dabei kannte der

Württembergs Sozialministerin Katrin

dem Deutschen Roten Kreuz auf ganz

Bundespräsident die Bühne. Genau vier

Altpeter wies in ihrem Grußwort darauf

unterschiedliche Weise verbunden

Wochen zuvor hatte er hier im Stuttgarter

hin, dass in Baden seit 1859 ein von

fühlen, nur eines: der Gemeinschafts-

Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle

Großherzogin Luise gegründeter Frau-

gedanke, der die Hilfe bedürftiger

eine viel beachtete Rede gehalten: am

enverein wirkte. Ganz Unrecht hatte

Menschen leitet. Oder wie es der Bun-

3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit.

die Politikerin nicht: Dieser und die

despräsident mit einem von ihm erwei-

Angela Merkel in ihrer Videobotschaft.

in Not überall auf der Welt ist eine

die zur Jubiläumsfeier gekommen

Dieses Mal besuchte Gauck die baden-

vielen anderen Frauenvereine im

terten Zitat Henry Dunants ausdrückte:

Regierungschefin und Bundespräsident

seiner großen Leistungen. Seiters dank-

waren, wurde die Reise in die schwä-

württembergische Landeshauptstadt auf

Deutschen Reich waren die eigentlich

„Tutti fratelli, alle sind Brüder – e sorrelle,

verwiesen auf ein aktuelles Beispiel,

te den 400.000 ehrenamtlichen Helfern,

bische Landeshauptstadt zu mehr als

Einladung des Deutschen Roten Kreuzes.

Ersten, die die Idee humanitärer, schran-

und Schwestern!“ Auch wenn er hier

warum die Genfer Konvention auch

den 3,5 Millionen Mitgliedern, 140.000

nur einem Ausflug. Von „gelungen“ über

Er sollte die Festrede halten zu einem ganz

ken- und grenzenloser Hilfe organisato-

nicht die Helfenden meinte, sondern die

nach anderthalb Jahrhunderten ihre

hauptamtlichen Mitarbeitern und den

„beeindruckend“ bis zu einem begeister-

besonderen Anlass: Deutschlands größte

risch umsetzten; auch wenn ihr Kreuz,

Hilfsbedürftigen. Dennoch passte dieses

Gültigkeit besitzen muss: Syrien.

vielen Millionen, die das Deutsche Rote

ten „fantastisch“: der Festakt hinterließ

humanitäre Organisation ist in diesem

das die Vaterländischen Frauenvereine

tutti fratelli e sorrelle auch auf die DRK-

Kreuz unterstützen. „150 Jahre nach

bei den Berlinerinnen einen bleibenden,

Jahr genau 150 Jahre alt geworden. Wobei

als Symbol zeigten, in ihren ersten

Protagonisten, denn gerade hier in

„Wenn unsere Helfer heute dort Nah-

Gründung des Roten Kreuzes durch

durchweg positiven Eindruck. Dass

nicht das DRK selbst 1863 gegründet wurde

Jahren das Eiserne war. Und diese

Deutschland knüpfe die Rot-Kreuz-

rung, Trinkwasser und Hygieneartikel

Henry Dunant ist die Idee der Mensch-

nicht nur die obersten Repräsentanten

– es war der Württembergische Sanitätsver-

Frauenvereine waren letztlich die

Bewegung auch an die Tradition der

verteilen, fragen auch sie dabei weder

lichkeit und der unparteilichen und

von Staat und Rot-Kreuz auftraten,

ein, der nach einem Aufruf von Pfarrer

Vorläuferorganisationen der Rot-Kreuz-

Frauenvereine an, erklärte Gauck.

nach Religion noch nach politischer

neutralen Hilfe unverändert stark und

sondern den Gästen in der Liederhalle

Christoph Ulrich Hahn und mit Unterstüt-

Schwesternschaften. Der kurze histo-

aktuell.“ Mitarbeiterinnen – fest

auch ein großartiges kulturelles

zung seines Königs verwundeten Soldaten

rische Exkurs zurück in das 19. Jahrhun-

Die Fahrt ins Ländle: „fantastisch“

Gesinnung“, betonte Rudolf Seiters, der
Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

angestellt oder ehrenamtlich-freiwillig

Rahmenprogramm geboten wurde,

helfen wollte. Als ihn nur einen Monat

dert fand mindestens bei einer Gruppe

Dass die Schwesternschaften ihren

Nicht nur der Hochwasserschutz an

– sind Rot-Kreuz-Schwestern nur

erweiterte die Palette schöner Erin-

später das Internationale Komitee als

unter den Festakt-Gästen ein offenes

Anteil haben an der Entwicklung des

Elbe oder der Sanitätsdienst bei Bundes-

indirekt, die beiderseitige Verbunden-

nerungen an diesen 31. Oktober 2013.

Freiwillige Hilfsgesellschaft im Sinne der

Ohr, wenn nicht sogar freudige Zustim-

DRK zu Deutschlands größter Hilfsor-

ligaspielen gehören zu den Aufgaben

heit ist dennoch eine traditionell enge.

Beschlüsse der Genfer Konferenz anerkannte,

mung – bei den DRK-Schwestern.

ganisation, erwähnte Bundeskanzlerin

des DRK , auch die Hilfe von Menschen

Für die 23 Schwestern aus Berlin,

rufe – die Gründung der Badischen

Zwei Präsidenten in Stuttgart: DRK-Präsident Rudolf Seiters mit seinem Ehrengast, Bundespräsident Joachim Gauck

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

25

Einen Koffer

in Berlin
Schwester Herma Schiefler hat der Schwesternschaft
ein besonderes Erinnerungsstück hinterlassen

hedwig

Ständig kamen neue
Besucher in die Ausstellungsräume;
sie hatten auf dem
Spaziergang über das
Westendgelände eher
Mit dem Koffer im
internationalen
zufällig die SchwesRot-Kreuz-Einsatz:
ternschaftsausstellung
Herma Schiefler
gefunden. Oder sie
sind dem Dutzend Aufkleber gefolgt, die
den direkten Weg vom Haupteingang
zum Haus S wiesen. Es war der Tag der
offenen Tür in den DRK Kliniken
Berlin | Westend. Einige tausend Gäste
wollten sich umschauen, informieren,
auch endlich die sonst für Besucher
verbotenen Räume besichtigen. Viele,
die sich dann noch Schwesternschaftsjahre anschauten – die Ausstellung der
DRK-Schwesternschaft Berlin – verweilten vor einem Ausstellungsstück länger,
einige fassten es an. Es ist der Koffer in
Raum II, direkt am Fenster, auf dem die
Rittberg-Klinik zu sehen ist. Ein kleiner
Koffer, der Schwester Herma Schiefler
gehörte. Ein Koffer für den Notfall.

H

andgepäck für alle Fälle:
Jede Rot-Kreuz-Schwester hatte

solch einen Koffer bereitzuhalten – für den
Notfall. Ein Notfall konnte zum Beispiel
eine kurzfristige Versetzung der Schwester
in ein anderes Arbeitsfeld sein. Gerade in
den Kriegsjahren war er unerlässlich,
wenn die Schwester ihren Einsatzbereich
oder die häusliche Unterkunft plötzlich
verlassen musste. Auch für den Fall eines

// FOTOS: DRK KLINIKEN BERLIN (1), INTERFOTO (1), ARCHIV DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN (3), CHRISTIAN SCHULZE (1)

Krankenhausaufenthaltes bedeutete dieser
Koffer eine große Erleichterung.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

27

hedwig

»Sechs Wörtchen nehmen mich in Anspruch jeden Tag: Ich soll, ich muß, ich kann, ich will, ich darf, ich mag .«

F R I E DR IC H RÜC K E RT

Sie wohnte anschließend im Feierabend-

Dr. Nonn mit. „Die und wir sechs Werner-

haus in der Carstennstraße, später bezog

schülerinnen bildeten das eigentliche

sie ein Zimmer im Seniorenhaus in der

Pflegepersonal.“

Mozartstraße. Ihre letzten Lebensjahre
verbrachte Herma Schiefler im Pflegeheim

Zur Verabschiedung in Frankfurt kam

in Mariendorf.

sogar Otto Geßler, der Präsident des
Deutschen Roten Kreuzes. „Mit viel

Andrà tutto bene

Geknippse von Seiten der Presse ging

Madame, give me your suitcase, please.

es dann ab nach dem Süden mit unbe-

Nur weil der Soldat auf den Koffer zeigt,

kanntem Ziel.“ Aber das Ziel, es steht fest,

weiß Schwester Herma Schiefler, dass er

seitdem sie den Anruf erhielt, der die

ihn ihr abnehmen will. So kann sie sich

Rittberg-Schwester zur Abreise aufforderte.

mit der freien Hand am Haltegriff hoch-

Am Mittag zuvor, es war Buß- und Bettag,

ziehen. Danke, sehr freundlich, thank you.

als die Oberin mit einem Brief in der Hand

„München-Hauptbahnhof, der Zug aus

ins Schwesternzimmer gestürmt kam.

Frankfurt über München, Kufstein,

„So, jetzt sehen wir doch mal wieder, dass

Innsbruck, Trient nach Verona fährt

wir das Rote Kreuz sind!“ Italien, das Land,

fahrplanmäßig oab“, knarrzt die Stimme

wo sonst die Zitronen blühen, nur nicht in

aus dem Lautsprecher. Es ist kurz vor

diesem Spätherbst des Jahres 1951, auch

2 Uhr an einem frostigen November-

nicht im Frühling und vielleicht nicht im

morgen. Der englische Sergeant geht mit

übernächsten: Norditalien braucht Hilfe.

Schwester Hermas kleinem Koffer bis ans

Herma Schiefler hat die dramatischen

Bis in die Fünfzigerjahre Zubehör jeder DRK-Schwester: Der gepackte Notfallkoffer

Ende des Wagons,

Bilder noch im Kopf, die Welt im Film im

er öffnet die Tür

kleinen Göttinger Kino ausstrahlte: Wasser,

zum Zugabteil und

überall Wasser: Es floss über die Brücken,

Der Kofferinhalt war vorgeschrieben:

Ein Erbstück, das ihr die im Februar

legt den Koffer auf

Menschen betraten ihre Häuser über

Er sollte das Lebensnotwendigste ent-

2002 Verstorbene hinterließ – mit großen

die Ablage. Was

Dächer statt durch die Tür. Vieles erinnert

halten. Neben wichtigen Dokumenten

Wasserflecken auf dem Kofferboden.

er ihr dann sagt,

sie an den Krieg, der Anblick verstörter

gehörten natürlich eine Tracht-Grundaus-

Hermine Schiefler kam am 13. Mai 1910

versteht sie wieder

Menschen, die vielen weinenden Kinder.

stattung hinein und die Ober- und Unter-

in Görlitz zur Welt. Als 18-Jährige trat sie

nicht, wieder

Überall das tote Vieh, Kühe und Pferde mit

bekleidung – für Tag und Nacht aus-

in die Rittberg-Schwesternschaft ein.

nickt Schwester

aufgeblähten Bäuchen. Eine Taube, die zu

reichend. Alle Bekleidungsteile musste

Sie war OP-Schwester in Halle an der Saale,

Herma lächelnd,

schwach war zum Fliegen. Särge, aufgereiht

die Schwester mit Namen oder Wäsche-

wurde im Luftwaffenlazarett Gatow ein-

thank you. „Die sprachliche Verständigung

nummer kennzeichnen. In ihren Notfall-

gesetzt und arbeitete im Seuchenlazarett

mit den Engländern war sehr gut, zumal

koffer packten sie auch Essbesteck und

in Berlin-Baumschulenweg. Dann wurde

Mister Davies und der Sergeant sehr gut

Auf dem Hauptbahnhof von Verona wartet

Serviettentaschen und nicht zu vergessen

sie Stationsschwester in der Kinderklinik

deutsch sprachen“, wird sie nach ihrer

der Bürgermeister, neben ihm stehen

die Utensilien für die eigene Körper-

am Rittberghaus, um schließlich wieder

Rückkehr notieren.

Mitarbeiter vom Italienischen Roten Kreuz.

hygiene. Bei eher privaten Dingen wie

in anderen Krankenhäusern zu arbeiten,

Erinnerungsfotos, dem Tagebuch, Lektüre

dieses Mal in Wiesbaden und Uelzen.

und so weiter gab es keine Vorgaben.

und übereinander gestapelt.

Auch der deutsche Konsul will die Helfer
Mister Davies ist der Kommandant des

begrüßen. Der Bürgermeister stellt ihnen

Lazarettzuges, ein englischer Militärarzt.

einen Omnibus inklusive deutschsprachi-

Übrigens: Immer wieder mussten die

Zwischen 1951 und 1952 besuchte sie an der

Er, dazu der freundliche Sergeant und ein

gem Chauffeur zur Verfügung: Sie sollen

Rot-Kreuz-Schwestern ihren Notfallkoffer

Göttinger Werner-Schule einen Weiter-

zweiter Feldwebel, die drei einfachen

sich die Sehenswürdigkeiten anschauen –

öffnen: bei der Kofferkontrolle.

bildungskurs. 1958 kam Herma Schiefler

Soldaten – alle sind sie Angehörige der

das Dante-Denkmal, die Grabstätte von

zurück nach Berlin. Sie leitete nun den

Royal Army. Das Münchner Rote Kreuz hat

Shakespeares Julia. Touristen spielen,

Den Notfallkoffer, der in der Ausstellung

Pflegedienst der Kinderklinik bis zu ihrer

sieben „Rotkreuzmänner“ und zwei Schwes-

nur so lange bis das Formale geklärt ist

gezeigt wird, bekam Renate Lawrenz von

Pensionierung im Dezember 1970.

ternhelferinnen zum Einsatz geschickt,

und der Zug weiterfahren kann.

Hermine Herma Schiefler geschenkt.

vom Bonner Generalsekretariat fährt

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 12

29

hedwig

»Besessenheit ist der Motor – Verbissenheit ist die Bremse.«

RU D OL F GA M ETOW I T SC H N U R E J E W

des Wartens kam der Bescheid, dass wir

Nach Mitte

über Mailand in die Heimat zurückkehren

siebtes Jahr“: Seit 2006 unterstützt die DRK-Schwestern-

Patienten. „Nach zwei qualvollen Tagen

sollten.“ Dabei ist das Elend auch in
Livorno nicht zu übersehen, überall

schaft die Allianz Chronisch Seltener Erkrankungen. Die

treffen sie auf Obdachlose, auf Kranke, die

Trennung sieben Jahre später war nur eine vom Westend-

versorgt werden müssen. Seit der Ankunft

Krankenhaus am Spandauer Damm. Seine neuen Büros hat

ist Nebel, und auch in Italien kann es
empfindlich kalt werden. Aber die Abreise

das ACHSE-Netzwerk jetzt in den DRK Kliniken Berlin | Mitte bezogen. Auf einem Stockwerk statt wie im Westend

ist beschlossen. Gracie, suora; „mit vielen

über zwei Etagen verteilt, mit weniger Mitarbeitern pro Zimmer – und einer eigenen Küche: „Dazu die – wie immer

Danksagungen von Seiten der Behörden
und der Bevölkerung brechen wir auf“.

bei Ihnen – in allen Details schön umgesetzte Renovierung – all das gibt uns noch mehr Arbeitsfreude“, bedankten

Den Zwischenstopp in Mailand nutzen

sich die ACHSE-Verantwortlichen bei der Geschäftsführung der DRK Kliniken Berlin und auch der Schwesternschaft.

die sechs Rot-Kreuz-Schwestern für eine
ausgiebige Besichtigungstour. Die Pinacoteca di Brera schauen sie sich an,
„Das Wasser kam. Um halb ein Uhr heulten Sirenen, lärmten Glocken. Radio-Lautsprecher brüllten: Höchste Gefahr! Rettet Euch, gleich wie!“ ( DER SPIEGEL, 5.12.1951 )

Nein, es wird kein „verflixtes

Und das vor allem im Namen der Waisen der Medizin, der vielen Menschen mit seltenen Erkrankungen. Anfang
Dezember fand übrigens die offizielle, kleine Einweihungsfeier des neuen ACHSE-Domizils statt.

besonders Rafaels „Vermählung“ beeindruckt Herma Schiefler. Geld für einen
Konzertabend will Schwester Herma nicht
ausgeben. „Für einen Normalverdiener ist

Am nächsten Morgen erreicht die Gruppe

trauisch, aber Herma Schiefler gewinnt

es aber unmöglich in die Scala zu gehen,

Ferrara, die Stadt am Po. Hier hat der Fluss

schnell ihr Vertrauen. Andrà tutto bene, alles

denn ein Platz kostet nach deutschem Geld

an zwei Stellen den Deich durchbrochen.

wird gut. Nur bei der Verpflegung klappt

„Ab und zu ragt aus dem Wasser mal eine
Baumkrone oder ein Haus heraus.“

Heldinnentaten

Willkommen zurück
Für die vier Frauen muss der Besuch
der DRK Kliniken Berlin | Mitte ein sehr

etwa 80 DM!“ Hier in Mailand scheint

2009 startete die B.Z. ihr Ehrenamtsprojekt Berliner

emotionaler gewesen sein. Mit vielen

es nicht mit der Völkerverständigung.

die Flut nicht nur geografisch weit weg.

Helden. Noch mehr Berliner sollen sich für ihre Stadt

Erinnerungen an eine Zeit, die fünf

Den deutschen Essensgewohnheiten fehle

„Am Schluss möchte ich doch noch sagen,

einsetzen und so zu Helden werden. „Jeder, der

Jahrzehnte zurückliegt: Die Vier –

das Wesentliche, schimpfen die Patienten:

dass ich den Eindruck hatte, dass unsere

sich freiwillig und ehrenamtlich für Berlin und

alle sind sie Rot-Kreuz-Schwestern –

seine Probleme einsetzt, ist ein Berliner Held.“

arbeiteten Anfang der Sechzigerjahre

Mit Christa Löber und Inge Protz wurden zwei

in der Einrichtung, die damals noch

Herma Schiefler ist überwältigt von der

Vinum. Aber Dottore Monfanti, der

riesigen Wasserfläche. Auch hier, auf dem

italienische Arzt, der den Rot-Kreuz-

Bahnhof, ist alles nass – von Regen, Nebel,

Schwestern zur Seite steht, er verbietet

Tau. Ihren kleinen Koffer stellt Herma

seinen Landsleuten den obligato-

Schiefler in eine Lache, abgelenkt und

rischen Wein zu den Mahlzeiten.

fasziniert vom neuen Ozean jenseits der

Schwesternschaftsjahre

Die B.Z. ist Berlins größte Boulevardzeitung.

Schwesternschaftsjahre
1875 bis heute. Die Ausstellung der
DRK-Schwesternschaft Berlin

18

75
BIS HEUTE

Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags
von 14 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung
unter 030-3035-5450 und per Mail:
info@drk-schwesternschaft-berlin.de

DRK Kliniken Berlin | Westend, 14050 Berlin, Spandauer Damm 130,
Haus S (Bildungszentrum). Weitere Informationen über die
Ausstellung finden Sie auf den Schwesternschaftsseiten
www.drk-schwesternschaft-berlin.de

Gleise. Drei Italiener vom Roten Kreuz

Drei Tage später, nachdem alle

kommen und reden auf die Deutschen ein.

Patienten registriert sind, fährt der

Einer der Eisenbahner war mit der Wehr-

Zug weiter, nach Livorno. Die Kran-

macht in Italien stationiert, er spricht ein

kenwagen parken direkt auf dem

Hilfe dankbar empfunden wurde. Wir

wenig die Landesprache und muss nun

Bahnsteig, nehmen sofort die Kranken in

Schwestern waren öfters bedrückt, dass

übersetzen. Noch während beide Seiten

Empfang. Es ist ein chaotisches Treiben,

wir den Patienten menschlich so wenig

verhandeln, kommen die ersten Patienten.

trotzdem scheint die Übergabe schnell

Und es werden mehr, die sechs Zugwagen

Ehrenamtliche zu Berliner Heldinnen ernannt,

DRK-Krankenhaus Mark Brandenburg, Abteilung Drontheimer Straße

beide engagieren sich in den

hieß. Die Pflegedienstleiterin von heute, Christine Baermann, führte ihre

DRK Kliniken Berlin | Pflege

pensionierten Kolleginnen durch das Haus, das die Besucherinnen an

& Wohnen Mariendorf.

so manche Anekdote von früher denken ließ. Karla Seelig war zwischen

Den Bewohnern dort ihren

1961 und 1965 OP-Schwester, Halli Setzke arbeitete ab 1961 drei Jahre

Alltag so angenehm wie

lang auf der internistischen Männerstation, später auf der chirurgischen

möglich zu gestalten – das ist

Frauenstation. Heidi Latusseks Arbeitsort im Mark Brandenburg war

nicht nur für das Boulevardblatt eine Heldentat.

1964 ebenfalls die OP-Station. Und Margarete Teichert bestand hier ‘63

geben konnten durch die so sehr schwere

Ob Häkeln, Stricken, Karten- oder Brettspiele:

ihre Abschlussprüfung. Sie alle konnten die vielen Veränderungen ihres

und problemlos zu funktionieren. Herma

Verständigung – man konnte sie halt nur

Christa Löber (75) bietet den Bewohnern des Pflege-

alten Krankenhauses kaum fassen. Eine der Schwestern lebt übrigens

mit ihren je 22 Betten sind schnell belegt.

Schielfer bleibt keine Zeit zum Ausruhen,

mal durch einen Händedruck oder ein

heims seit über zehn Jahren ein buntes Beschäf-

heute in Spanien, “nicht mal die Privatkliniken sehen dort so sauber

„Es waren aber vorwiegend alte, kranke,

die Waggons müssen aufgeräumt werden.

Streicheln versuchen zu trösten – und

tigungsprogramm. Während sie für Abwechslung

vollkommen hilflose Menschen, die nur

Und gereinigt: „Den Schmutz kann man

und ordentlich aus” – auch nicht die der königlichen Familie.

mit ihnen beten. (...) So wird uns allen,

das gerettet hatten, was sie am Leibe hatten

sich einfach nicht vorstellen.“ Nach einem

in der Unterhaltung sorgt, kümmert sich Inge Protz

die wir mit dabei sein durften, diese Zeit

und sich nun auch nicht ausziehen lassen

Tag sind sie fertig, alles ist sauber, auch

in dankbarer Erinnerung bleiben.“

wollten, um nicht noch ihr letztes bisschen

die Wäsche. Herma Schiefler wartet. Auf

Mitarbeit: Renate Lawrenz

zu verlieren.“ Die Patienten sind miss-

einen neuen Einsatz, auf die nächsten

(81) eher um das leibliche Wohl der Senioren;
in der Freitagskochgruppe bereiten sie und
bis zu zehn Bewohner Menüs zu.

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 12

31

hedwig

»In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu dem König, und er wird herauskommen.«

DEUTSCHES SPRICHWORT

Chemnitzer Allerlei
Berliner Rot-Kreuz-Schwestern auf dem Bundeskongress
Fast vierzig Jahre lang trug die Stadt seinen Namen. Sein markanter Kopf – eine 13 Meter hohe,
vierzig Tonnen schwere Skulptur – blieb auch nach der Rückbenennung das bekannteste Wahrzeichen
von Chemnitz: Karl Marx oder „unser Nischel“, wie ihn die Einwohner nennen. Auch ein Produkt,
das jeder DDR-Geborene kennt, wurde hier in der Stadt am Erzgebirgsrand produziert, vom VEB Fettchemie
Karl-Marx-Stadt. Ein Spülmittel mit früher gefühlten hundert Prozent Marktanteil und noch heute
in jedem zweiten Haushalt im Einsatz gegen Speisereste und Bratfett: das Fit.

// FOTOS: VERBAND DER SCHWESTERNSCHAFTEN VOM DRK

Jede Menge Herzblut

vor allem sozialpolitisch Stellung: „Die

Zum diesjährigen Treffen

Zeiten von ergebnislosem Jahr der Pflege

von Deutschlands Rot-Kreuz-

und Pflege-Reförmchen müssen vorbei

Schwestern reisten 23 Mitglie-

sein.“ Generaloberin Schäfer forderte die

der der Berliner DRK-Schwes-

Bundesregierung auf, Pflegeberufen mehr

ternschaft in die sächsische

Beachtung zu schenken; „ein verbindliches

Metropole. Für Generaloberin

Berufsgesetz ist mehr als überfällig.“ Dieses

Brigitte Schäfer vom Schwes-

Chemnitzer DRK-Schwestern: Mit Zumba ins Abendprogramm

Informieren, austauschen –
Wissen mitnehmen

tunesischen Kooperation im Gesundheits-

St. Marien Amberg in der Oberpfalz.

wesen geführt. Ein Delegierter vom Roten

Die Jury lobte das besondere Konzept

habe die Aufgaben der professionellen

Qualifiziert sind sie alle, die DRK-Schwes-

Halbmond Tunesien informierte dann

im Umgang mit Demenzkranken, das

ternschaftsverband war dieser

Pfleger klar zu definieren, nur so funk-

tern aus Berlin und ihre Kolleginnen von

auch in einem Workshop über das Pflege-

die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe dort

Bundeskongress ihr erster

tioniere das Zusammenspiel zwischen den

den anderen 32 Rot-Kreuz-Schwestern-

system seines Landes. Natürlich wurde

umsetzen würden. Gerade die Einbindung

großer öffentlicher Auftritt.

Heilberufen. „Wir benötigen eine nachhal-

schaften. Aber sie nahmen nicht nur am

„Bildung“ wieder zum Gesprächs- und

der Angehörigen am Klinikum St. Marien

Ihre Vorgängerin im Amt,

tige Gesundheitsreform, die den Schwer-

Bundeskongress teil, um sich dann Reden

Diskussionsthema. Auch standen viele

sei beispielhaft. Clementine von Wall-

ine Viertelliter-Flasche davon bekam

Generaloberin Sabine Schipplick, verab-

punkt auf Versorgungskontinuität legt

anzuhören: informieren, austauschen,

Veranstaltungen unter dem Eindruck des

menich, nach der dieser Preis benannt ist,

jede der Berliner Rot-Kreuz-Schwes-

schiedeten die Rot-Kreuz-Schwestern

– die Pflege aus einer Hand.“ Zudem müsse

Wissen mitnehmen – das waren die eigent-

DRK-Jubiläums. Vor allem für die Berline-

war übrigens eine Berliner Oberin: Von

tern, die im Mai am Bundeskongress des

später auf der Abendveranstaltung – für

die Vergütung deutlich verbessert werden.

lichen Ziele ihres Chemnitz-Besuches.

rinnen sollte die Podiumsdiskussion im

1900 bis 1914 stand sie an der Spitze der

Verbandes der Schwesternschaften vom

viele Dabeigewesene wurde der Abend

Leider, so Generaloberin Brigitte Schäfer,

Beste Gelegenheiten dazu boten die Foren

Forum 6 von Interesse sein: „Im Spannungs-

Rot-Kreuz-Schwesternschaft Weißensee.

DRK teilnahmen: Sie war ein Geschenk

zum Höhepunkt des Bundeskongresses

herrsche im Bereich der Pflege „gefühlter

und Workshops am zweiten und dritten

feld zwischen Träger- und Mitgliederinte-

des Hotels An der Oper, in dem sich die

überhaupt: wegen des Kulturprogramms,

Stillstand“. Eine, die sich angesprochen

Veranstaltungstag, die wohl alle aktuell

ressen“. Als Verein mit eigenen Kliniken

Bundeskongress 2015 in Krefeld

Schwestern für die drei Veranstaltungs-

in dem unter anderem Chemnitzer DRK-

fühlen musste, war in Chemnitz vor Ort:

wichtigen Themen abdeckten. Wie das

hat die DRK-Schwesternschaft Berlin ihre

Auf dem Bundeskongress haben gerade

tage einquartiert hatten – zur Erinnerung

Schwestern als Zumba-Tänzerinnen

Annette Widmann-Mauz, Parlamenta-

Thema Interkulturelle Öffnung, das nicht

unternehmerischen Entscheidungen mit

die eher informellen Gespräche zwischen-

an Chemnitz, den Veranstaltungsort –

auftreten sollten. „Jede Menge Herzblut“

rische Staatssekretärin der mittlerweile

nur gesellschaftlich immer relevanter

dem ständigen gemeinnützigen Anspruch

durch eines wieder verdeutlicht: Auch

übrigens Sitz der einzigen Rot-Kreuz-

hätten Veranstalter und Organisatoren

alten Bundesregierung. „Wir müssen uns

wird, sondern längst den Pflegealltag

in Einklang zu bringen – und genau das

der Gemeinschaftsgedanke hat die Jahr-

Schwesternschaft in den neuen Bundes-

in die Vorbereitung des Treffens gesteckt,

der Herausforderung des demografischen

erreicht hat und auch im Privaten Brücken

kann sich durchaus zum Spannungsfeld

hunderte überdauert – 33 DRK-Schwes-

ländern: der Schwesternschaft vom DRK

meinte die neue Generaloberin. „Herzblut

Wandels stellen“, so die Politikerin in

zwischen den Kulturen schlägt. Die Chem-

entwickeln. Eine Tradition des Bundeskon-

ternschaften, ein großes Ziel. In zwei

Sachsen. Sie und der Verband hatten zum

ist der Grund, warum wir heute hier sind.“

ihrem Vortrag, denn „der steigende Anteil

nitzer Oberin Friederike Mazrouai-Vogt

gresses ist die Verleihung des Clementine-

Jahren treffen sie sich wieder, dann wird

Treffen eingeladen. Alle zwei Jahre findet

Alle, die nach Chemnitz gekommen seien,

älterer und hochbetagter Menschen führt

zum Beispiel ist mit einem Tunesier

von-Wallmenich-Preises, den der Förder-

die DRK-Schwesternschaft Krefeld ein-

dieser Bundeskongress statt, jede der

würden viel Engagement bei der Berufs-

zu einer höheren Inanspruchnahme von

verheiratet; ihre Beziehungen zum nord-

verein der Werner-Schule in Kooperation

laden. Und vielleicht bekommen die Teil-

33 DRK-Schwesternschaften war bereits

ausübung zeigen, sagte Brigitte Schäfer,

Versorgungsleistungen.“ Und das erhöhe

afrikanischen Land beschränken sich

mit der Bayer Vital GmbH alle zwei Jahre

nehmerinnen dann Dextro Energy-Päck-

Gastgeberin oder wird in den nächsten

die seit Februar an der Spitze des Verbandes

auch den Bedarf an qualifiziertem

nicht nur auf Verwandtenbesuche,

ausschreibt. Preisträger in diesem Jahr ist

chen – ein Traubenzuckerprodukt

Jahren die Kolleginnen zu sich einladen.

steht. In ihrer Eröffnungsrede bezog sie

Fachpersonal.

sondern haben zu einer engen deutsch-

die Arbeitsgruppe Demenz vom Klinikum

Made in Krefeld.

E

JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

33

hedwig

»Deine Zukunft ist, wozu du sie machen willst. Zukunft heißt wollen.«

DALAI LAMA

Martina Parow – Pflegedienstleiterin, Vorstandsmitglied, Rot-Kreuz-Schwester

Die Teamspielerin
Irgendwann möchte sie doch noch mal zurück auf die Station – zurück zu Krankenbetten und Patienten. Nur für kurze Zeit,
„ein paar Monate vielleicht, die Sehnsucht nach der praktischen Arbeit ist immer noch da.“ Denn viel Zeit verbringt Martina Parow
in Büros: in ihrem und denen der Stationsleitungen. Als Pflegedienstleitung koordiniert sie die Arbeit von Schwestern und
Pflegern der DRK Kliniken Berlin | Westend. Ihre Vorgängerin hatte sie 2008 an den Spandauer Damm geholt. Ursula Völz brauchte
eine Stellvertreterin an ihrer Seite. In gleicher Funktion arbeitete Martina Parow seit zwei Jahren in einer anderen Einrichtung
der Schwesternschaft: für die DRK Kliniken Berlin | Pflege & Wohnen Mariendorf. Schon diese Arbeit im Pflegeheim war ein
Abschied vom klassischen Stationsalltag, „für mich war es eine Herausforderung“, und die habe sie gern angenommen.
// FOTOS: DANIEL FLASCHAR (1), PRIVAT (1)

K

ranke pflegen statt Bücher
sortieren. Mit 16 Jahren
hatte Martina Parow ihre
Geburtsstadt Neustrelitz verlassen, am größten Krankenhaus der DDR fand sie einen
Ausbildungsplatz. Hätte sie sich
einen ihrer ursprünglichen

Berufswünsche – „Verkäuferin.
Oder Bibliothekarin.“ – erfüllt,
dann wäre sie wohl in Mecklenburg geblieben. Die Idee,
Krankenschwester zu werden,
kam von ihrer Mutter. „Ich habe
die Entscheidung nie bereut.“
Das Klinikum Berlin-Buch

übernahm Martina Parow nach
bestandenem Examen, in den
nächsten zweieinhalb Jahren
sollte sie auf der Intensivstation
arbeiten. Für die Berufsanfängerin begann eine emotional
harte Zeit, „in meinem Alter
habe ich dort zu viele Menschen

sterben sehen“, Unfallopfer
von den stark befahrenen
Autobahnen rund um Berlin.
Martina Parow wechselte
Station und Klinik: Sie arbeitete
nun im Wedding – im DRKKrankenhaus Mark Brandenburg. Zeit und Arbeit in der

Chirurgie, „der Station
Sieben“, waren spannend.
„Es gab lustige Zeiten, es
gab aber auch immer
wieder sehr anstrengende
Tage.“ Auf jeden Fall brachten die Jahre bis 1998
„lohnenswerte Erfahrungen“. Die berufliche Unterbrechung, die dann kam,
war gewollt: Der Sohn kam
zur Welt, Martina Parow
nahm sich ihre Elternzeit.
Zurück im Job, wechselte
sie innerhalb der DRK
Kliniken Berlin Mitte die
Station, von der Chirurgie
auf die Anästhesie. Dort
blieb sie bis 2006. Dann
erhielt sie das Angebot, die
Stellvertretende Pflegedienstleitung des Pflegeheims in
Mariendorf zu übernehmen.
Und zwei Jahre später also kam
sie ins Westend-Krankenhaus.
Und hier steht sie nun seit 2011
an der Spitze des Pflegedienstes.

die hier arbeiten.“ Sie setzt
dabei auch auf neue Eindrücke,
wie die, wenn man jetzt zum
Beispiel die renovierte Kinderklinik im Westend besucht,
„wir wollen weg vom so typisch
steril wirkenden Krankenhaus“.
Oder anders formuliert: „Das
Funktionale muss sich mit dem
Ziel: Zufriedenheit steigern Schönen verbinden lassen.“
Eigentlich sei PflegedienstGestalten – und das nicht nur
leitung auch kein monotoner
von Krankenhauswänden oder
Bürojob, meint Martina Parow.
Fußböden: Es braucht Zeit, und
„Kein Tag ist wie der andere“,
Martina Parow setzt auf Geduld
jeden Morgen warte auf sie
und Beharrlichkeit. „Nur so
eine andere Herausforderung.
erreichen wir Ziele.“ Diese EinMartina Parow versucht, mögstellung bezieht sie auch auf
lichst viele Termine weit weg
ihre Arbeit im Vorstand der
vom eigenen Schreibtisch zu
DRK-Schwesternschaft Berlin.
organisieren. „Ich regele die
Im Frühjahr 2011 wurde
Dinge nun mal gern direkt vor
Martina Parow berufen, auf
Ort.“ Pflegedienstleiterin ist sie
der Mitgliederversammlung
nicht nur für die DRK Kliniken
im Herbst offiziell gewählt.
Berlin | Westend: Die WiegSeit zwölf Jahren ist sie Rotmann Klinik gehört dazu – und Kreuz-Schwester, zum Vereinsauch das Park-Sanatorium
eintritt überredet werden
Dahlem. Noch, „die Einbindung musste sie nicht. „Ich hatte da
des PSD ins Westend ist nämlich nie Vorbehalte.“ Obwohl sie
eines unserer aktuellen Großzugeben muss, dass ihr in den
projekte.“ Die Verantwortung
ersten Jahren die Besonderheit
für die rund sechshundert
des Vereins nicht so bewusst
Pflegekräfte in allen ihren
war – „je länger ich Mitglied bin,
Einrichtungen empfindet sie
umso deutlicher wird das
nicht als Last. Martina Parow
Besondere unserer Schwesternmöchte „Zufriedenheit steischaft.“ Wie zum Beispiel die
gern“, und zwar „die von allen,
Chance zum Mitgestalten –

„diese Möglichkeit
erkennen längst nicht
alle Mitglieder“ – oder
die lange Tradition, auf
die der Verein als Träger
der Kliniken sehr stolz
sein könne. Eine Tradition, die Berlins DRKSchwestern unbedingt
bewahren und pflegen
müssten.

Zuwachs
chs
Ordentliche Mitglieder
der DRK-Schwesternschaft
seit dem 1. Mai 2013:

DRK Kliniken Berlin
Köpenick
Kadur, Nancy (1. August)

Urlaub in der
alten Heimat
Zwei Traditionen hat
sich die Rot-KreuzSchwester auch im
Privaten bewahrt.
Mit Mann und Sohn
fährt sie fast jedes Wochenende nach Mecklenburg. Dort,
in Martina Parows erster Heimat, erholt sich die Familie.
Direkt an einem See, mit Übernachtung im festen Wohnwagen. Berlin-Buch ist ihr
Wohnort geblieben. Vierzig
Minuten braucht Martina
Parow durchschnittlich für
die Fahrt vom Zuhause in
die Charlottenburger Klinik.
Sie nimmt die Öffentlichen,
hat so viel Zeit zum Lesen.
Die anderen Hobbys haben
mit Sport zu tun: Laufen zum
Beispiel, ihr momentaner
Nonstop-Rekord liegt bei
knapp zwanzig Kilometern.
Die fünf Kilometer beim
letzten „Teamstaffellauf“
im Tiergarten ist sie mit den
„Erstläufern“ gerannt, „das
macht mir ohnehin großen
Spaß: Sport treiben mit
anderen“. Wie das Fußballspielen, das sogar als „Frau
in Schwarz“: Martina Parow
hat früher Spiele geleitet,
mit der Schiedsrichterlizenz
des Deutschen Fußballbundes.

Luther, Caroline (1. Oktober)
Weber, Katja (1. Oktober)
Berndt, Anja (9. Oktober)
Kliempt, Katrin (15. Oktober)
Höft, Christina (1. November)

Pflege & Wohnen Mariendorf
Vetter, Jasmin (1. Juli)

Mitte
Schulze, Michaela (1. September)
Briem, Alexandra (1. Oktober)
Podkanski, Ewa (1. Oktober)
Reinicke, Simone (1. Oktober)
Yoshimoto, Yoshiha (1. Oktober)

Westend
Lasrich, Franziska (14. Mai)
Denkel, Franziska (1. Juni)
Ricci, Manuela (1. Juli)
Bunschus, Anne (16. Juli)
Cornehl, Julia (1. Oktober)
Ludwig, Jenny (1. Oktober)
Mandau, Yvonne (1. Oktober)
Mierzwiak, Juliana (1. Oktober)
Schicht, Nicole (1. Oktober)
Schrader, Stephanie (1. Oktober)
Tonndorf, Theresa (1. Oktober)
Völz, Anna-Lena (15. Oktober)
Sandhoop, Victoria (1. November)
Teetzmann, Friederike (1. November)
Weiß, Sybille (1. Dezember)

© Herausgeber: DRK-Schwesternschaft Berlin e.V.,
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JO UR N A L DE R DR K-S C H W E S T E R N S C H A F T BE R L IN E .V. AU S G A BE II/ 20 13

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hedwig

»Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt.«

CHINESISCHES SPRICHWORT

Dichtersegen
Marie Luise Büchner
Nichts rührt die Seele an so göttlich schön,
Als sich in einem Andern selbst zu fühlen,
Gedanken, die gestaltlos in uns wühlen,
In edler Form verkörpert vor uns seh‘n.
Den Dichter hat dein Auge nie erblickt,
Und plötzlich steht, ein Freund, er dir zur Seite,
Und manchem Zweifel, manchem stillen Leide
Hat deinen Geist auf einmal er entrückt.
Du irrest nicht – denn sieh! so denkt er auch,
Dein Herz spricht wahr – im Seinen ist erklungen
Derselbe Ruf, der dich so tief durchdrungen,
Und deine Thräne füllte einst sein Aug‘!
Er hat gekämpft wie du – und vor dir her
Fliegt hoch sein Geist, das Rechte dir zu zeigen,
Wie stiller Segen will sich‘s auf dich neigen
Und aufwärts stiegst du eine Stufe mehr!

Am 17. Oktober 1813 wurde Georg Büchner geboren.
Anlässlich seines 200. Geburtstages wurde mit
Lesungen, Ausstellungen und Inszenierungen seines
kurzen Schriftstellerlebens gedacht: Georg Büchner
wurde nur 23 Jahre alt. Was viele nicht wissen: Seine kleine Schwester,
Marie Luise Büchner (1821-1877), war zu Lebzeiten deutlich berühmter
als ihr Bruder Georg.
Marie Luise Büchner gilt als eine Vorbereiterin der Frauenrechtsbewegung.
Auch war sie Mitbegründerin des Pflege-Berufsstandes: Zusammen
mit Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, der Tochter Queen
Victorias, gründete sie 1867 den „Alice-Frauenverein für die Krankenpflege im Großherzogtum Hessen“. Ziel dieses Vereins war es, Krankenpflege als bezahlten Frauenberuf zu etablieren.
Mit ihrem Buch „Frauen und ihr Beruf“ – ein Bestseller, der in mehreren
Auflagen erschien – setzte sich Marie Luise Büchner auch für die
qualifizierte Berufsausbildung von Frauen ein. Ebenso wie ihr älterer
Bruder war auch Marie Luise Büchner schriftstellerisch tätig, vor allem
der Lyrik hatte sie sich gewidmet. Das Gedicht „Dichtersegen“ wurde
zum ersten Mal im Jahr 1862 abgedruckt.
        
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