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Periodical volume

Full text: Lichtenberger Bezirks-Journal Issue 2.2015,1

HOHENSCHÖNHAUSEN: Die
Großsiedlung braucht ein Zentrum, findet der Bezirk. S. 2

LICHTENBERG: Rund um die
Frankfurter Allee könnte es bald
Parkautomaten geben. S. 3

Lichtenberger

Bezirks-Journal

Kostenlose und regionale Monatszeitung für Lichtenberg und Hohenschönhausen – mit Lokalnachrichten von Malchow bis Karlshorst für 260.000 Menschen
Auch im Netz, tagesaktuell: www.bezirks-journal.de | www.facebook.de/bezirksjournalberlin | www.twitter.com/bezirks_journal | 2. Jhg. | Ausgabe 1 | 8. Januar 2015

Stasi-Gefängnis meldet
erneut mehr Besucher

Im Jahr 2014 kamen 436.000 Menschen in die
Gedenkstätte nach Hohenschönhausen – ein Rekord.

D

as Interesse an der Arbeit des
Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) reißt nicht ab:
Im vergangenen Jahr kamen mehr als
436.000 Menschen in die frühere Untersuchungshaftanstalt des MfS an der
Genslerstraße. Wie die Gedenkstätte
Hohenschönhausen mitteilte, hätten seit
1994 knapp 3,6 Millionen Menschen
das einstige Stasi-Gefängnis besucht.
Mit den jetzt veröffentlichten Zahlen
gibt es einen erneuten Rekord. Konkret
handelt es sich um einen Zuchwachs
von 13 Prozent. International zeigten
besonders die Dänen (16.800), die Norweger (13.800) und die Niederländer
(10.400) Interesse am Stasi-Knast. Im
Vergleich der Bundesländer zog es in
erster Linie Besucher aus NordrheinWestfalen (45.000), Bayern (42.000)

und Baden-Württemberg (35.000) an.
Aus den neuen Bundesländern kamen
indes lediglich 14.400 Besucher, was
einen Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Mehr als
375.000 Gäste nahmen an Führungen
durch das ehemalige Stasi-Gefängnis
teil. Knapp die Hälfte davon waren Jugendliche. Großen Andrang verzeichnete auch die neue Dauerausstellung der
Gedenkstätte, die vergangenes Jahr von
61.000 Menschen besucht wurde.
„Die Besucherzahlen zeigen, dass
sich nicht weniger, sondern mehr Menschen für die Geschichte der DDR interessieren“, sagte Dr. Hubertus Knabe,
der Leiter der Gedenkstätte. „Allerdings
steigen damit auch die finanziellen und
personellen Anforderungen an die Gedenkstätte.“ (bzj.)

Reparieren statt wegwerfen

Mit viel Geduld macht sich Peter Dawson an die Reparatur dieser DVD- und
Video-Kombination. Ehrenamtlich hilft er anderen dabei, Alltagsgegenstände
wieder flott zu machen. Jeden zweiten Donnerstag ist der junge Engländer zu
Gast im Repair-Café der Umweltkontaktstelle an der Liebenwalder Straße. Wir
haben dem jungen Mann über die Schulter geschaut. Mehr dazu in unserer Beilage „Standort Ost“ im Innenteil.
MARCEL GÄDING

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Bezirks-Thema/ Aktuelles

Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen

Rathaus öffnet
wieder zur Langen
Nacht der Politik

LICHTENBERG. Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung laden am
16. Januar zur Nacht der Politik ein. Um
18 Uhr wird der stellvertretende Bezirksbürgermeister Dr. Andreas Prüfer den
Knopf für die Fassadenbeleuchtung des
Rathauses an der Möllendorffstraße 6
drücken. Bis tief in die Nacht erstrahlt
das denkmalgeschützte Rathaus dann in
rotem Licht. Drinnen stehen die Bezirksstadträte, der stellvertretende Bezirksbürgermeister und die Fraktionen in der
BVV Rede und Antwort. Von 19 bis 21
Uhr gibt es in der Galerie im Ratskeller
Live-Musik sowie Bilder aus der Ausstellung „Über Jahr und Tag“ von Wagener
und Wagener. Gegen 21 Uhr ist der Auftritt einer Rolling-Stones-Coverband auf
der Haupttreppe des Rathauses geplant.
An einer Bar im Ratssaal werden Imbiss und Getränke gereicht. Ab 18 Uhr
steht zudem eine Gulaschkanone und
ein Grill auf dem Rathaushof zur Verfügung. Dort wird auch Glühwein ausgeschenkt. Der Eintritt ist frei. (bzj.)

CDU für Olympia
in Berlin
LICHTENBERG. Die CDU-Fraktion in
der Bezirksverordnetenversammlung hat
sich dafür ausgesprochen, dass sich Berlin um die Olympischen Spiele bewirbt.
Einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag hat die Fraktion in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht.
„Berlin hat sich in den letzten 20 Jahren
zu einer der wichtigsten Metropolen der
Welt entwickelt“, begründet CDU-Fraktionschef Gregor Hoffmann den Antrag.
„Vor diesem Hintergrund sind Olympische und Paralympische Spiele an kaum
einem anderen Ort so gut aufgehoben
wie in Berlin.“ Das Bezirksamt sei aufgefordert, gezielt auch für den Standort
Lichtenberg zu werben. „Die Region
Lichtenberg mit dem Sportforum beherbergt viele olympische Disziplinen“, sagt
Hoffmann. „Der Standort könne durch
Umfeldverbesserungen im Rahmen der
olympischen Investitionen massiv profitieren.“ (bzj.)

Tierparkförderer
sammeln viel Geld
FRIEDRICHSFELDE. Die Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark wird
in diesem Jahr 475.000 Euro Spendengeld an den Tierpark Berlin übergeben.
Das teilte der Vereinsvorsitzende Thomas Ziolko mit. Von dem Geld soll der
Neubau eines Hauses für Malaienbären
fnanziert werden. Der Zoologische Garten wiederum erhält 75.000 Euro, um
im Aquarium interaktive und erlebnispädagogische Angebote umsetzen zu
können. Inzwischen zählt die Fördergemeinschaft von Zoo und Tierpark 2.500
Mitglieder. Prominentester Neuzugang
ist Dr. Andreas Knieriem, der Direktor
der beiden Einrichtungen in Tiergarten
und Friedrichsfelde. (bzj.)

Viel Platz liegt zwischen den Wohnhäusern in Neu-Hohenschönhausen, wenn man sich das Ganze vom Linden-Center aus ansieht.
Der Bezirk wünscht sich mehr Wohn- und Geschäftshäuser und ein urbanes Flair.
MARCEL GÄDING

Kiez ohne Zentrum
Hohenschönhausen wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Bis heute ist die Großsiedlung ein Kiez ohne Gesicht. Bahnschienen und mehrspurige Hauptstraßen durchtrennen das Herz. Im Rathaus gibt es indes die Vision von einem neuen Zentrum.
von Marcel Gäding

W

er in eine andere Stadt
kommt, vermutet rund um
den Bahnhof ein quirliges
Viertel mit Kneipen, Geschäften, Büros. So kennt man das aus vielen anderen deutschen Städten. Wer in Hohenschönhausen das erste Mal aus der
S-Bahn oder der Regionalbahn steigt,
wähnt sich in der Pampa. So ein richtiges Zentrum wird man hier nicht
finden. Dabei gäbe es genug Platz zwischen den Bahntrassen und der Falkenberger Chaussee. Doch bis heute hat
Neu-Hohenschönhausen kein wirkliches Zentrum, wenngleich es einst
Pläne für ein Rathaus, Kultur- und Freizeiteinrichtungen gab. Das war Ende
der 1980er-Jahre. Dann fiel die Mauer.
Viele Pläne von einst wurden gar nicht
mehr angepackt oder umgesetzt. Jetzt,
30 Jahre nach der Gründung von Hohenschönhausen als Berliner Bezirk,
traut man sich im Rathaus daran, so
etwas wie eine Vision für Neu-Hohenschönhausen zu entwickeln.
Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nüntel (CDU) sieht gute
Chancen, für Neu-Hohenschönhausen
ein städtebauliches Zentrum zu entwickeln. Er sagt, dass die Mitte des Ortsteils derzeit von Straßen und Bahnschienen wie ein Kreuz getrennt wird. „Die
Trennungswirkung ist gravierend“, sagt
Nünthel. Zwischen den sanierten Plattenbauten, dem Bahnhof, dem Kino

und dem Linden-Center ist abends tote
Hose. Kommunikation findet allenfalls
zwischen den Nachbarn in den Wohnblöcken statt. Die Straßen selbst wirken
zu manchen Uhrzeiten in Hohenschönhausen wie leergefegt. Heute ist das
Bild von Neu-Hohenschönhausen von
kleinen Zentren geprägt, dazwischen
herrscht Brache. „Unsere Vision ist eine
städtebauliche Entwicklung mit Orten der Begegnung“, sagt Nünthel. Er
setzt darauf, dass die Nachfrage nach
Wohn- und Geschäftsräumen in Berlin
noch eine Weile anhalte. Konkret bedeutet dies, dass neue Wohn- und Geschäftshäuser die Mitte von Neu-Ho-

NEUES BÜCHLEIN
„Hohenschönhausen neu gesehen
– Eine Anleitung zum Selbsterleben“ lautet der Titel eines Buches,
das der Ball e.V. mit dem Förderverein Schloss Hohenschönhausen
herausgegeben hat. Auf 86 Seiten
unternehmen die Autoren – darunter die Ortschronisten Dr. Knut
Käpernick, Dr. Rolf Meyerhöfer und
Gunnar Müller – eine informative
Reise durch Hohenschönhausen.
Das kleine Kompendium versteht
sich nicht nur als Geschichts- und
Geschichtenbuch, sondern liefert
viele nützliche Informationen für
Hinzugezogene. Infos und Bezugsquellen: Tel. (030) 54 98 91-0.

henschönhausen rund um den Bahnhof
zusammenwachsen lassen und dem
Zentrum ein Gesicht geben. Nünthel
schlägt außerdem vor, die sogenannte
Nordtangente entlang der Egon-ErwinKisch-Straße ad acta zu legen und unter
anderem zur Bebauung freizugeben.
Dieser Teilabschnitt der Stadtautobahn
zum Berliner Ring würde dem Kiez andernfalls noch mehr schaden.
Die Großsiedlung mit ihren gut
70.000 Bewohnern braucht eine Entwicklung, sagt Nünthel. Allerdings sieht
er sich derzeit allein auf weiter Flur. Ein
kürzlich organisierter Workshop war
eher mäßig besucht. Und auch auf Senatsebene hegt man wenig Interesse für
Neu-Hohenschönhausen. „Uns mit Zukunftsfragen zu beschäftigen, dafür sind
wir personell nicht ausgestattet“, sagt
Nünthel. Kritik übt er am Land Berlin,
das die Großsiedlungen außerhalb des
Berliner S-Bahn-Rings in Zukunftskonzepten gar nicht berücksichtigt. „Ich erwarte da deutlich mehr“, sagt Nünthel
und hofft im Stadtentwicklungssenator
Andreas Geisel (SPD) einen Partner zu
finden. Immerhin war Geisel drei Jahre
Bezirksbürgermeister von Lichtenberg
und viele Jahre lang Nünthels Vorgänger in der Lichtenberger Stadtentwicklungsverwaltung. „In den 1990er-Jahren hat man sich in Berlin sehr intensiv
mit den Großsiedlungen befasst“, sagt
Wilfried Nünthel. Heute erkenne er
keine Aktivität des Senats, sich mit Zukunftsfragen der Großsiedlung auseinanderzusetzen.

Bezirks-Leben

Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen | Januar 2015

3

Bezirk prüft Parkzonen

Seit man für das Parken rund um die Gürtelstraße in Friedrichshain bezahlen muss, weichen Autofahrer ins benachbarte Lichtenberg aus. Anwohner fordern, auch dort kostenpflichtige Parkplätze einzurichten.
von Marcel Gäding

S

eit Wochen hagelt es im Ordnungsamt Lichtenberg Beschwerden aus
dem Wohngebiet rund um die
Frankfurter Allee-Süd, den Kaskel- und
Viktoriakiez. Viele Anwohner finden
dort gerade in den Abendstunden und
am Wochenende keinen Platz mehr, um
ihr Auto abzustellen. An manchen Tagen wird sogar auf Grünstreifen und in
Hauseinfahrten geparkt. Dass die Zahl
der parkenden Autos drastisch angestiegen ist, hat einen einfachen Grund: In
Lichtenberg parkt man auf öffentlichen
Straßen kostenlos. Nur wenige hundert
Meter weiter, auf Friedrichshainer Seite,
muss seit dem vergangenen Jahr dafür
gezahlt werden. So suchen sich Kneipengänger und Berlin-Besucher lieber
im Nachbarbezirk einen kostenlosen
Platz, statt rund um die Gürtelstraße
Geld fürs Parken zu bezahlen.
„Das Problem läuft bei uns auf, und
zwar massiv“, sagt Lichtenbergs stellvertretender Bezirksbürgermeister Dr.

Andreas Prüfer (DIE LINKE). Er sagt,
dass das bezirkliche Ordnungsamt zahlreiche Beschwerden Lichtenberger Anwohner erhalte. „Einige fordern sogar,
jetzt auch auf Lichtenberger Seite das
Parken kostenpflichtig zu machen“, berichtet Prüfer. Seit das Parken auf Friedrichshainer Seite in der Stunde 1 Euro
und ab 18 Uhr sogar 2 Euro kostet, weichen viele Autofahrer auf Lichtenberg
aus. Dort verstopfen sie Zufahrten oder
stellen ihre Autos auf Bürgersteigen ab.
Untersuchungen notwendig
Doch ganz so schnell wird das mit der
Parkraumbewirtschaftung in Lichtenberg nicht klappen. „Wir müssen vorher
umfassende Untersuchungen durchführen“, sagt Prüfer. Zunächst einmal soll
sich aber die Bezirksverordnetenversammlung grundsätzlich zu dem Problem positionieren. Im Februar wird der
Verkehrsausschuss darüber beraten. Erst
mit dem Votum der BVV sollen weitere Schritte eingeleitet werden. Prüfer
spricht von einem Prozess, bei dem Gut-

achten in Auftrag gegeben werden müssen, aus denen hervorgeht, dass die Auslastung der Stellplätze regelmäßig bei
mehr als 100 Prozent liegt. Das verlange
allein schon der „Leitfaden Parkraumbewirtschaftung“ der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung. „Erfahrungen aus
anderen Bezirken haben uns zudem gezeigt, dass es wichtig ist, die Anwohner
in die Diskussion einzubeziehen und
dabei auch die Erfahrungen aus Friedrichshain und Pankow zu berücksichtigen“, sagt Prüfer. Gleichzeitig stellt der
stellvertretende
Bezirksbürgermeister
klar, dass zurzeit nicht daran gedacht ist,
auch in anderen Ortsteilen des Bezirks
Parkscheinautomaten aufzustellen.
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
hatte im vergangenen Jahr nach eigenen
Angaben rund 1,54 Millionen Euro in
die Ausweitung von zwei Parkraumbewirtschaftungszonen investiert. Das
Geld floss unter anderem in den Kauf
der Parkscheinautomaten, von Ausrüstung für das Überwachungspersonal.
Wie viel Geld und Personal Lichtenberg
aufbringen müsste, kann Andreas Prüfer

derzeit noch nicht sagen. Das wird unter
anderem eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit sich bringen. „Fakt ist, dass zusätzlich Leute eingestellt werden müssten“, sagt Prüfer. Klar sei auch, dass sich
das Projekt rechnen soll. Der Bezirk zielt
vor allem auf Fremdparker aus anderen
Bezirken oder Bundesländern. Mit den
Anwohnern selbst, die eine sogenannte
Anwohnervignette erhalten, lässt sich
kein Geld verdienen. Sie zahlen in zwei
Jahren 20,40 Euro.
Friedrichshain weitet bis 24 Uhr aus
Wie sich der aus Friedrichshain
kommende Parkdruck in Lichtenberg
entwickelt, muss abgewartet werden.
Allerdings: Schon ab Februar soll die
Überwachung der Friedrichshainer Seite auf 24 Uhr ausgedehnt werden. Das
geschehe auf Wunsch der Anwohner,
heißt es aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, kann aber erst jetzt
nach Zustimmung des Personalrats umgesetzt werden. Dieser hat bei derartigen
Arbeitszeiten ein Mitspracherecht.
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Altersgerechte Versorgung
Das KEH ist auf die Bedürfnisse älterer Patienten eingestellt

M

it der steigenden Zahl älterer Menschen wächst auch die Zahl der
Patienten, die an Demenz oder
Verwirrtheitszuständen leiden. Kommen sie
aufgrund einer Akuterkrankung ins Krankenhaus, müssen die Bedingungen stimmen,
damit nach dem Krankenausaufenthalt keine
Pflegebedürftigkeit eintritt.
Das Evangelische Krankenhaus Königin
Elisabeth Herzberge (KEH) in der Herzbergstraße hat im Jahr 2011 spezielle pflegerische
Maßnahmen für ältere Patienten in der Chirurgie eingeführt, um Verwirrtheitszustände
nach Operationen zu verhindern und den Behandlungsverlauf für den Patienten insgesamt
günstiger zu gestalten. Daraus entstand 2013
ein Konzept für das gesamte Krankenhaus.
Die speziellen Pflegebedingungen richten
sich auf frühestmögliche Mobilisation, die
Verbesserung des Ernährungszustandes, nichtmedikamentöse Schlafverbesserung und den
zugewandten Umgang mit den Patienten. In
der Chirurgie haben die Maßnahmen bereits
zu einer deutlichen Reduzierung von Komplikationen geführt. Derzeit werden die Betreuungskonzepte auf den Stationen etabliert und
die Mitarbeiter entsprechend geschult. Dabei
gehört u.a. Sturzprophylaxe zum Standard,
ebenso wie das „demenzfreundliche Essen“.
Um höchstmögliche Behandlungssicherheit zu
gewähren, wird das Konzept ständig um neue
Erkenntnisse erweitert.
Sofortmaßnahmen bei Schlaganfall

Patienten mit Gefäßerkrankungen finden
im „Gefäßzentrum Berlin“ am KEH optimale

ggf. Rehabilitationsmaßnahmen organisiert.
Durch neurologische oder Gefäßerkrankungen fanden auch immer mehr Menschen mit
Diabetes den Weg ins KEH, so dass 2009 der
Aufbau eines eigenen Diabetologie-Bereichs
begann. Inzwischen gehört die Versorgung von
Patienten mit der Nebendiagnose „Zucker“
durch das Diabetes-Team auf allen Stationen
des KEH zum Standard. Ohne Anforderung
werden zweimal pro Woche alle Diabetespatienten gesehen, um bereits frühzeitig Probleme
identifizieren zu können und den stationären
Aufenthalt nicht unnötig zu verlängern.
Darüber hinaus sorgt ein weitreichendes
Netzwerk für die weitere Versorgung nach der
Entlassung. Die geschaffenen Strukturen und
Konzepte wurden von der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) entsprechend anerkannt: sie hat dem KEH als einer der ersten
Kliniken Deutschlands das Zertifikat als »Klinik für Diabetespatienten geeignet« verliehen.
Umfassende Altersmedizin

Diagnose- und Therapiemöglichkeiten – unter
besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse
älterer Menschen mit Mehrfacherkrankungen.
In der modernen »Stroke Unit« des KEH, einer
auf die Behandlung von akuten Schlaganfällen
spezialisierte Überwachungseinheit, können
durch engmaschige Überwachung Komplikationen frühzeitig erkannt und gezielt behandelt
werden. Hier erfolgen die entsprechenden Untersuchungen und die Therapie des Schlaganfalls. Frühzeitig werden in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst auch Nachsorge und

Insbesondere die Verbindung von Gerontopsychiatrie und Geriatrie unter einem Dach
schafft optimale Behandlungsmöglichkeiten
für ältere Patientinnen und Patienten. Im Januar nahm die Geriatrische Tagesklinik auf dem
Gelände des KEH (Haus 10) ihre Arbeit auf.
Das innovative Kooperationsmodell von
Geriatrie und Schmerzmedizin verfolgt als
multifunktional genutztes Behandlungszentrum einen ganzheitlichen Ansatz und trägt der
steigenden Nachfrage nach modernen und interdisziplinär ausgerichteten Therapieformen
für geriatrische Patienten Rechnung.

Evangelisches Krankenhaus Königin
Elisabeth Herzberge gGmbH
Herzbergstraße 79, 10365 Berlin

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GUTEN HÄNDEN!
Gefäßzentrum Berlin
Angiologie/Kardiologie/Diabetologie
Telefon: (030) 54 72 - 37 01
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Telefon: (030) 54 72 - 47 01
Geriatrie
Telefon: (030) 54 72 - 56 01
Gerontopsychiatrie
Telefon: (030) 54 72 - 48 03
Chirurgie
Telefon: (030) 54 72 - 30 20
Urologie
Telefon: (030) 54 72 - 46 01
www.keh-berlin.de

Kostenlose Schulung für
Ehrenamtliche Helfer
Die „Trauerwegbegleitung“ des Evangelischen
Diakoniewerks Königin Elisabeth bietet Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, eine neue, kostenlose Schulung in „Achtsamer Trauerwegbegleitung“ an. Sie beginnt im
März und umfasst ca. 80 Stunden. Kontakt und
weitere Informationen: Elvira Sandkühler (Koordinatorin für Trauerarbeit), Telefon: (030)
5472 5740, Mobil: 0162 - 2087757

4

Bezirks-Leben

Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen

Hilfe für die Ärmsten

Die Idee kam gerade richtig: Wenige Tage vor dem ersten Wintereinbruch in Berlin übergab die Ambulante
Wohnhilfe des Vereins für ambulante Versorgung Jacken, Schlafsäcke, Mützen und Schals an Obdachlose.

D

iese Resonanz hat ihn überwältigt und gerührt: Drei bis an die
Decke mit Sachspenden gefüllte
Kleinbusse konnte Carsten Jahn kürzlich
zum Ostbahnhof, zum Bahnhof Zoo
und zur Warschauer Brücke bringen.
Geladen hatte Jahn Pullover, Jacken,
Mützen, Schals und Schlafsäcke für Obdachlose. „Diese Spenden helfen Leben
retten“, sagt der Koordinator für Ambulante Wohnhilfe beim Verein für ambulante Versorgung in Hohenschönhausen.
Und als hätte es Jahn geahnt – wenige
Tage nach der Spendenübergabe fiel tatsächlich Schnee und das Thermometer
auf unter null Grad Celsius.
Jahn ist beeindruckt von so viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Er hatte
gemeinsam mit seinen Kolleginnen und
Kollegen Zettel in den Wohnhäusern
von Neu-Hohenschönhausen verteilt.
Auch das Bezirks-Journal hatte einen
entsprechenden Aufruf gedruckt und
um Sachspenden gebeten. Dass es am
Ende drei Kleinbusse voll wurden, freut
Jahn. „Jedes Jahr im Winter haben wir
da draußen ein Drama“, sagt der Sozialpädagoge. Seine Idee war es deshalb, die
Obdachlosen direkt vor Ort zu versorgen

Sozialpädagoge Carsten Jahn beim Verladen der Spenden. 
und die Kleiderspenden nicht an irgendeine Kleiderkammer weiterzureichen.
Gemeinsam mit dem Sozialarbeiterverein Gangway übergab er die wärmende
Kleidung direkt an den Brennpunkten
der Stadt – direkt aus dem Bus heraus.
„Viele Spender wollten etwas Gutes
tun“, berichtet Jahn von der Resonanz.
Ihnen war es wichtig, dass Bedürftigen
die Hilfe direkt zu Teil wird. Unter den

MARCEL GÄDING

gespendeten Sachen war gute bis sehr
gute Kleidung, sagt Carsten Jahn.
Am liebsten wäre es der Ambulanten
Wohnhilfe des Vereins für ambulante
Versorgung, wenn es erst gar nicht so
weit kommen muss, dass ein Mensch
auf der Straße lebt. Hilfe können Jahn
und seine Kollegen meist viel früher gewähren, etwa mit dem Auftreten erster
Mietschulden oder bei Alkoholproble-

men. Derzeit betreut der Bereich Soziale
Dienste bei dem Hohenschönhausener
Verein 32 Klienten. Viele davon sind
wegen ausstehender Mietzahlungen
von Wohnungslosigkeit bedroht. Gemeinsam mit dem Sozialamt suchen
Jahn und seine Kollegen Kontakt zum
Vermieter, zum Job-Center oder zur
Schuldnerberatung. Verbindungen bestehen außerdem zu Rechtsanwälten, die
auf Sozialrecht spezialisiert sind, und
zu Suchtberatungsstellen. Alkohol und
Drogen sind häufig ein Grund dafür,
warum die Frauen oder Männer auf die
schiefe Bahn geraten. Als Träger hat der
Verein ein Kontingent an Wohnungen,
um Wohnungslose für eine gewisse Zeit
unterzubringen. An erster Stelle stehe
jedoch die Prävention. „Uns ist es wichtig zu helfen, bevor es zu spät ist“, sagt
Jahn.
Da der Winter noch Monate anhält,
geht die Sammelaktion des Vereins weiter. Derzeit werden vor allem gut erhaltene Schlafsäcke dringend benötigt. Die
Spenden können direkt vor Ort in der
Ribnitzer Straße 1B, 13051 Berlin, abgegeben werden. Informationen unter Tel.
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Elefanten ziehen ins Altersheim
Die beiden asiatischen Elefantenkühe Louise (41) und Astra (34) werden den
Tierpark Berlin verlassen. Wie eine Sprecherin mitteilte, sollen die Dickhäuter ihren
Lebensabend im Zoo Karlsruhe verbringen, wo sie auf die Berliner Elefanten-Seniorinnen Rani (59 Jahre), Shanti (58 Jahre) und Jenny (31 Jahre) treffen. In Karlsruhe
werden künftig ausschließlich Elefantensenioren gehalten. TIERPARK/ KARL BRÖSEKE

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Weitere Highlights:

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Bezirks-Leben

Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen

FLÜCHTLINGS-SCHICKSALE: Sie flohen vor dem Krieg, ihre Heimat werden sie vermutlich nie wieder
sehen. In Berlin werden sie mit offenen Armen empfangen und finden Hilfe in einer für sie neuen Welt.

Anwohner und
Firmen helfen,
wo sie können
An der Herzbergstraße
leben 380 Flüchtlinge aus
dem Irak und Syrien.

I

m „Refugium“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) leben an die 380 Männer, Frauen und Kinder. Sie kommen aus dem Irak, Syrien oder dem
Balkan. Rund 20 Angestellte kümmern
sich in dem Haus an der Herzbergstraße
um die Geflüchteten, die in Zwei- und
Vierbettzimmern leben. Hinzu kommt
eine Welle der Hilfsbereitschaft, die so
in der Öffentlichkeit niemand wahrnimmt. Als kürzlich zu Kleider- und
Spielzeugspenden aufgerufen wurde,
war die Resonanz riesig. „Wir kommen
mit dem Sortieren gar nicht hinterher“,
sagt Angela Prodan, die Einrichtungsleiterin.
Dass sich auf dem einstigen In­
dustriegelände zwischen einem Ärztehaus, einer Wohneinrichtung für
Menschen mit Behinderung und dem
Evangelischen Krankenhaus Königin
Elisabeth Herzberge (KEH) eine Erstaufnahme für Flüchtlinge befindet,
nimmt man hier kaum wahr. Die Einrichtung hat sich gut in die Umgebung
integriert. Angela Prodan sagt, dass die
Landesmittel für die Unterbringung und
Verpflegung der Flüchtlinge gezahlt
werden. Normalerweise bräuchte sie
aber mindestens sechs Sozialbetreuer
und vier Sozialarbeiter, um sich auch
den Problemen und Sorgen der Flüchtlinge zu widmen. Derzeit sind im AWORefugium aber nur drei Sozialbetreuer
und ein aus Syrien stammender Sozialarbeiter beschäftigt. Angela Prodan
ärgert sich außerdem darüber, dass bis
heute nicht klar ist, ab wann die Kinder
und Jugendlichen im Flüchtlingsheim
unterrichtet werden. Das soll auf dem
Gelände in eigenen Räumen passieren.
Getan hat sich bislang nichts. Hinzu
kommt, dass den Flüchtlingen bislang
keine Deutschkurse angeboten werden
können. „Dabei ist das Interesse daran
groß“, wie Sozialbetreuerin Marina Mai
sagt. Eine junge Frau gebe seit Kurzem
Deutschunterricht. Ehrenamtlich und
nur für Frauen. „Denen bereitet der
Unterricht viel Freude“, sagt Angela
Prodan. Schwierigkeiten gibt es, die
von vielen Lichtenbergern angebotene
ehrenamtliche Hilfe zu koordinieren.
„Hier brauchen wir dringend Unterstützung“, sagt Angela Prodan. Auch werden Helfer gesucht, die mit den Flüchtlingen die Freizeit gestalten, mit ihnen
Sport treiben oder Malkurse geben.
Inzwischen haben sich Initiativen gegründet, die für die Flüchtlinge Spenden
sammeln. Darunter sind eine Rechtsanwaltskanzlei am Potsdamer Platz, Schulen, Kitas. Die Ärzte im benachbarten
KEH und im Ärztehaus auf dem Gelände helfen, wo sie können. (gäd.)

Klaus-Jürgen Dahler und Miryana. Das Mädchen aus dem Irak musste mit ansehen, wie Verwandte vor ihren Augen erschossen wurMARCEL GÄDING
den.

Helfer mit Herz

Klaus-Jürgen Dahler ist Flüchtlingsberater. Er begleitet Familien zu Behörden,
erledigt Papierkram oder nimmt Gerichtstermine wahr. Für viele seiner Klienten ist
er der Mann, dem man vertrauen kann.

K

laus-Jürgen Dahler hat gerade
an dem runden Tisch im Flüchtlingsheim an der Maxi-WanderStraße Platz genommen und sein Laptop
eingeschaltet, da geht auch schon die
Tür auf. Das Prozedere wiederholt sich,
alle paar Minuten. Dahler ist ein gefragter Mann. Er ist der, der hilft und dem
man vertrauen kann. Klaus-Jürgen Dahler ist Flüchtlingsberater. An ihn wenden
sich die nach Deutschland geflüchteten
Familien. Klaus-Jürgen Dahler ist ein
Helfer mit Herz.
Wer ihn das erste Mal sieht, trifft auf
einen ruhigen, gemütlich wirkenden
Typ. Einer, der auch mal lächeln kann
bei all den ernsten Problemen und der
an diesem Tag – draußen sind es an die
drei Grad Celsius unter Null – im dicken
Wollpullover am Tisch sitzt. In einer
Tour öffnet sich die Tür. Heute kommen
unter anderem Opa Osman aus Ex-Jugoslawien, die zehnjährige Miryana mit
Mama Wisama aus dem Irak und die
aus Syrien geflüchtete Kurdin Laila zu
ihm. Drei Besuche, drei Schicksale. Alle
verbindet eins: Sie können, so gern sie
wollen, nicht mehr zurück in ihre Heimat. Opa Osman ist schwer an Diabetes erkrankt und auf dauernde ärztliche
Hilfe angewiesen. Miryanas Elternhaus
ist nur noch ein Schutthaufen. Und auf
Laila und ihre Familie wartet daheim
der sichere Tod, „weil wir von Salafisten
bedroht werden“. Klaus-Jürgen Dahler
kennt alle ihre Geschichten, für viele ist

er inzwischen ein guter Bekannter. Dahler schaltet sich ein, wenn ein Flüchtling
wie Opa Osman abgeschoben werden
soll oder eine Familie wie die von Miryana auf Wohnungssuche ist. „Manchmal
warte ich mit den Flüchtlingen an die
sechs Stunden auf der Ausländerbehörde“, sagt Dahler. Es kommt auch vor,
dass er einen Geflüchteten ins Gericht
begleitet, weil dem vorgeworfen wird,
ohne gültiges Ticket Bus oder Bahn gefahren zu sein. „Das nennt sich dann Erschleichen von Leistungen“, sagt Dahler.
Auffällig oft muss er sich in solche Fälle einschalten und ärgert sich. Denn er
weiß, dass ein einheimischer Schwarzfahrer selten so streng behandelt wird
wie ein Flüchtling. Er sagt, dass er bei
seiner Arbeit auch auf Ausländerfeindlichkeit stoße. Die Flüchtlinge verstehen dann oft die Welt nicht mehr, wenn
vom Gericht die Einschreiben in ihrem
Postfach landen, wenn Fristen gesetzt
werden und mit Strafen gedroht wird.
Kommt es zu Gerichtsverhandlungen,
wo es beispielsweise um die Abschiebung eines Flüchtlings geht, ist Dahler
oft mit beim Termin. Manchmal kann
er sich über einen gewonnenen Prozess
freuen, manchmal aber kommt er auch
mit einer Niederlage zurück. „Bei den
Flüchtlingen spricht sich schnell herum, wenn man einen Prozess gewonnen
hat“, sagt Dahler. Dann heißt es auf
den Fluren des Flüchtlingsheims: „Dem
könnt ihr vertrauen.“

Für Dahler ist es ein großes Glück,
dass der Flüchtlingsheimbetreiber PeWoBe einen Platz im Heim für seine
mobile Beratung zur Verfügung stellt.
Das Heim, einst eine Schule, beherbergt
an die 400 Menschen, viele aus dem arabischen Raum und dem Balkan, oft auch
Sinti und Roma. Auf den sauberen Fluren spielen Kinder oder unterhalten sich
Mütter aus den verschiedenen Ländern.
Vorn, am Eingangsbereich, werden immer wieder Sachspenden von den Nachbarn abgegeben. Unter den Spendern
sind auch Menschen, die vor zwei Jahren
noch an Demos gegen das Flüchtlingsheim teilnahmen. Wochenlang prägten
die Bilder bundesweit die Schlagzeilen.
Heute ist Ruhe eingekehrt. Die Anwohner haben sich, so scheint es, mit den
neuen Nachbarn arrangiert. „Natürlich
gibt es auch hier Probleme wie überall
auf der Welt“, sagt Klaus-Jürgen Dahler.
So wohnen in den früheren Klassenzimmern mitunter Anhänger des syrischen
Diktators Assad direkt neben politisch
verfolgten Kurden oder Palästinensern.
Zwei Jahre schon kommt Klaus-Jürgen Dahler hierher, um zu helfen. Seine
Arbeitsleistung stellt er den Flüchtlingen
nicht in Rechnung. Die Kosten übernehmen Sozialverbände wie die Caritas
oder die Volkssolidarität. Dahler sagt,
dass er Hilfe zur Selbsthilfe anbietet.
Und er gibt diesem für viele Flüchtlinge
so fremden Deutschland ein sympathisches Gesicht. (md.)

STANDORT OST

Seitenkopf

Dezember 2014/ Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg

7

MAGAZIN FÜR ARBEIT, WIRTSCHAFT, WOHNEN & KULTUR IN DER METROPOLENREGION BERLIN-EASTSIDE | 01/2015

NACHRICHTEN
BESTER
AUSBILDUNGSBETRIEB
GESUCHT

Peter Dawson arbeitet sich geduldig an den DVD-Player von Brigitte Melde heran.

EINE ZWEITE
CHANCE FÜR ALTE
PLATTENSPIELER
Zum Wegwerfen viel zu schade: In Lichtenberg
reparieren Experten kaputte Stühle oder alte DVDPlayer. Die Initiatoren wollen der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen.

A

n diesem Donnerstagnachmittag
muss Peter Dawson nicht lange
warten. Kaum hat der junge Engländer seine Jacke an die Garderobe gehängt, liegt sein erster Fall bereits
auf dem Tisch. Barbara Melde aus Marzahn
holt aus einer Einkaufstüte einen DVDPlayer mit integriertem Videorekorder. Um
die 200 Euro hat sie für das gute Stück einst
bezahlt. Doch schon vor Monaten hat das
Gerät seinen Geist aufgegeben und steht
nutzlos in der Ecke herum. „Dann erfuhr
ich im Fernsehen von diesen Repair-Cafés“,
sagt Barbara Melde. Ein kurzer Klick ins
Internet und sie wurde auf das Repair-Café
in der Lichtenberger Umweltkontaktstelle
fündig. Nun steht sie hier, setzt alle Hoffnungen auf Dawson und übt sich in Geduld.
Seit einigen Wochen gibt es das RepairCafé in der Umweltkontaktstelle. Die
Grundidee stamme aus den Niederlanden,
sagt Projektleiterin Anne Haertel. „Ich
dachte, das könnte gut zu uns passen.“ Von
Anfang an, seit November, wird dieses An-

MARZAHN-HELLERSDORF. Der Wirtschaftskreis Marzahn-Hellersdorf (MHWK) sucht
den besten Ausbilungdsbetrieb und den
besten Lehrling der Region. Bewerbungen
werden noch bis zum 31. Januar entgegen
genommen, teilte der MHWK mit. Das Motto
des Ausbildungspreises lautet „Wir Unternehmen Zukunft“ und würdigt in erster Linie
die Nachhaltigkeit, die soziale Kompetenz
und die Kooperation in den Unternehmen. Die
Vorschläge für den besten Ausbildungsbetrieb sollen von den Azubis selbst kommen,
wünscht sich der MHWK. Die Unternehmen
hingegen können ihre Vorschläge für den
besten Azubi einreichen. Unterstützt wird der
Wettbewerb vom bezirklichen Bündnis für
Arbeit und Wirtschaft. Die Preisverleihung
ist am 15. April in der Alten Börse in Marzahn
geplant. Informationen beim Wirtschaftskreis unter Tel. (030) 54 70 36 50 oder im
Internet unter www.mhwk.de (bzj.)
Foto: M. Gäding

Strommessgerät findet er den Fehler – der
An- und Ausschalter führt keinen Strom.
Mit Kabeln eines ausrangierten Laminiergeräts erhofft sich Dawson, das Problem zu
beheben. Versprechen kann er nicht, ob das
etwas bringt. Aber ein Versuch ist es Wert.
Dawson hat schon Nostalgieplattenspieler
auf dem Tisch gehabt, defekte Fernbedienungen oder Schnurlostelefone. Alle hat er
vor dem Müll geratet, ist der Hobbyhandwerker stolz. Dass er handwerkliches Geschick mitbringt, verdankt er der Mischung
aus Handwerk und Wissen, das er in England während seines Designstudiums erworben hat. „Dort haben wir die meiste
Zeit praktisch gearbeitet“, sagt Dawson.
Viel lieber würde er auch alte Möbelstücke
wieder auf Vordermann bringen. Bislang
aber brachte ihm niemand einen Stuhl, ein
Schränkchen oder eine Anrichte. Als er der
Liebe wegen nach Berlin zog, war für Dawson klar, dass er sich auch ehrenamtlich
nützlich machen wolle. Und so schlägt der
junge Mann zwei Fliegen mit einer Klappe: Er lernt quasi nebenher, noch besser
Deutsch zu sprechen.
Jeden zweiten Donnerstag ist Dawson
im Repair-Café und wartet auf Nachschub.
Anne Haertel sagt, dass man noch ehrenamtliche Unterstützung gebrauchen könne
– denn die Nachfrage nach den Reparaturen
reißt nicht ab. Weil das Repair-Café dazu
beitrage, Gegenstände nicht wegzuschmeißen, sondern ihnen eine zweite Chance zu
geben, profitieren auch kleine Handwerker
in der Umgebung. „Die Menschen überlegen sich es, ob sie ein Gerät oder ein Möbelstück wegwerfen“, sagt Anne Haertel.

Marcel Gäding

gebot gut angenommen. Anders als in den
Serviceannahmen großer Elektronikfachmärkte müssen die „Kunden“ in der Umweltkontaktstelle etwas Zeit mitbringen.
Dafür kostet die Reparatur nichts. „Wir
wollen, dass sich die Menschen bewusst
werden, wie Dinge hergestellt werden“,
sagt Anne Haertel. Außerdem gehe es darum, Alltagsgegenstände nicht achtlos in
den Müll zu werfen. „Wir haben begrenzte Ressourcen.“ Das Repair-Café soll der
Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen,
aber auch einen Beitrag dazu leisten, dass
sich die Leute mit den Alltagsgegenständen um sie herum zu beschäftigen. Oftmals
kommen auch Besucher ins Repair-Café,
die schon einiges versucht haben, um etwas zu reparieren – an einem bestimmten
Punkt aber nicht weiterkommen.
Die Atmosphäre ist gemütlich an diesem Die nächsten Termine des Repair-Cafés sind am
Winternachmittag. In ruhiger Gelassenheit 15. und 29. Januar sowie am 12. und 26. Februar
holt Peter Dawson seinen Alu-Werkzeug- jeweils von 15.30 bis 17.30 Uhr. Ort: UmweltKonkoffer heraus und schraubt die DVD-Vi- taktstelle, Liebenwalder Str. 12, 13055 Berlin. Infos:
deo-Kombination auseinander. Mit einem Tel. (030) 81 85 90 98.

GEWERBEPARKS GUT
AUSGELASTET
MARZAHN-HELLERSDORF. Die Gewerbeparks der GSG Berlin an der Döbelner
Straße in Hellersdorf und an der Wolfener
Straße in Marzahn vermelden eine höhere
Auslastung. Wie die GSG im Zusammenhang
mit ihrer Jahresbilanz 2014 mitteilte, liege der
Vermietungsstand der Gewerbeflächen an
der Döbelner Straße inzwischen bei 90 Prozent. Als die GSG das Objekt 2007 vom Land
Berlin übernahm, stand mehr als die Hälfte
der Gewerbeflächen leer. Zusätzlich konnte
die GSG auch für ihren econopark an der
Wolfener Straße 2.500 Quadratmeter an Unternehmen vermieten. „Wir beobachten eine
hohe Mietpreisdynamik in Innenstadtlagen,
was mehr und mehr Mieter dazu bewegt,
alternative, weniger zentral gelegene Standorte zu suchen“, sagte GSG-Geschäftsführer
Sebastian Blecke. (bzj.)

ORTSUMFAHRUNG VON
MALCHOW GEFORDERT
MALCHOW. Der kleine Lichtenberger Ortsteil
Malchow soll langfristig vom Verkehr entlastet werden. Das fordert der verkehrspolitische Sprecher der Berliner SPD-Fraktion,
Ole Kreins. Täglich werde Malchow von
27.200 Fahrzeugen frequentiert, darunter
1.600 Lkw. Sie nutzen die Bundesstraße 2, um
von der Innenstadt zum Berliner Autobahnring zu gelangen. Kreins fordert, dass der
Ortsumfahrung von Malchow vom Bundesverkehrsministerium eine vordingliche
Priorität eingeräumt wird. „Geschieht das
nicht, muss das Land Berlin im Anhörungsverfahren der Länder darauf drängen“, sagte
Kreins. (bzj.)

2

01/2015 | STANDORT OST

LACHEN OHNE GRUND
Sylvia Arndt lacht gerne – und möchte andere anstecken. Sie gibt spezielle Kurse. Das baut Stress ab.

Ein Sprichwort sagt: „Wer lacht, lebt länger.“ Zumindest macht Lachen den Alltag erträglicher.

F

ür Sylvia Arndt ist es eine Lebenseinstellung, um die alltäglichen
Sorgen für einen Moment zu vergessen, um leichter durch die Tage
zu kommen. Sie lacht, und das recht viel.
Lach-Yoga nennt sich der Kurs, den die

Lehrgänge und Seminare

für Sie konzipiert

52-jährige in Alt-Marzahn in der Selbsthilfekontaktstelle oder auch in der VHS Lichtenberg anbietet. Woche für Woche treffen
sich hier Menschen im Alter zwischen 30
und 75 Jahren, um gemeinsam unter Anleitung der gelernten Krankenschwester und

Fotos: André Pohlke

Heilpraktikerin beherzt zu lachen. „Für bei anderen. Beim Lachen wird weniger
viele klingt der Kurs im ersten Moment gedacht. Die Teilnehmer sind im Hier und
befremdlich, dabei erzielt er mit den Übun- Jetzt und damit automatisch fröhlicher.“
gen enorme Wirkungen auf unser Wohlbefinden“, sagt sie. Und Lach-Übungen kennt
„Mit Lachen setzen wir
die Berlinerin für den einstündigen Kurs
viele: „Im ersten Schritt geht es darum,
Glückshormone frei, die
sich und den Körper zu lockern. Dann beStress abbauen, wodurch
ginnen wir mit leichten Übungen, bis wir
albern werden und uns richtig ausschütten
wir vielen Krankheiten
vor Lachen.“
vorbeugen können.“
Albern sein. Das kleine Kind aus sich heraus holen. Der Anspannung mit LockerSylvia Arndt, Lach-Yoga-Lehrerin
heit begegnen: Dass dies dem Immunsystem zu Gute kommt, hat 1995 erstmals der
indische Arzt Dr. Madan Kataria erprobt.
Dass eben dies großen Anklang über
Mittlerweile gibt es weltweit über 6000
Lach-Yoga-Klubs. Sie vereinen Atemübun- die Zielgruppe hinaus findet, bestätigt sich
gen mit der Fröhlichkeit des Lachens. „70 bei den Kursteilnehmern. Rosi Reichert
Prozent unserer Krankheiten sind auf ne- und Wolfgang Skrbek wollten eigentlich
gativen Stress zurückzuführen“, erklärt im Hohenschönhausener Fitnesscenter ViArndt. „Mit Lachen setzen wir Glückshor- talInn nur die Hanteln schwingen. Als sie
mone frei, die diesen Stress abbauen, wo- dort der Lach-Yoga-Lehrerin begegneten,
durch wir vielen Krankheiten vorbeugen probierten sie den Kurs vor Ort. Nun sind
können.“ Ein Grund, warum Führungs- sie feste Mitglieder der Gruppe. „Man fühlt
kräfte diese Kurse für ihre Angestellten sich danach besser und das Gefühl hält
buchen. Lockern die Übungen doch den Tage an“, sagt Reichert. Skrbek ergänzt:
„Über das Lachen haben die Teilnehmer
Arbeitsalltag unter den Mitarbeitern auf.
„Einfach ist es nicht“, schildert Gerlinde eine besondere Ebene zueinander gefunLüddeck. Als die 68-Jährige vor einem Jahr den. Mittlerweile sind hier Freundschaften
zum ersten Mal zum Lach-Yoga kam, war entstanden.“ Für die Rentner ist das Angesie noch schüchtern. Lachen ohne Grund bot mehr als bloße Abwechslung im Alltag.
Den Menschen sei das Lachen sprichkostete Überwindungskraft. „Erst nach
und nach bin ich offener und vor allem wörtlich vergangen, weiß Arndt aus Stuentspannter geworden. Auf Knopfdruck dien. Haben die Menschen in den 1950eralbern sein, auf die Idee wäre ich persön- Jahren noch 18 Minuten täglich gelacht,
lich nicht gekommen“, gesteht die Rentne- sind es aktuell nur noch sechs. „Heute ist
rin. „Dabei hilft Albernheit im Alltag, gera- ja vieles auf Leistung aus. Stress ist ein allgegenwärtiges Thema. Schuften, schuften
de im Umgang mit Problemen.“
Ursprünglich verfolgte Arndt mit ihrem und nochmals schuften lautet das Motto
Kurs die Idee, Menschen in schwierigen bei vielen.“ Für die Praktikerin ein entSituationen zu begegnen. In der Selbst- scheidender Grund, warum das Lachen in
hilfekontaktstelle in Marzahn wollte sie den Hintergrund rückt: „Aber gibt es Schökranken Menschen und vor allem pflegen- neres, als den Tag mit einem fröhlichen
den Angehörigen helfen. „Wer Angehörige Lachen zu beginnen und ihn am Abend
pflegt, stellt seine eigenen Ansprüche oft kichernd zu beenden?“
hinten an. Man ist viel mit den Gedanken

ANNE LANGERT

3

STANDORT OST | 01/2015

EIN SCHLAGER
FÜR DIE ARMEN TIERE
Ekki Göpelt liebt die Unterhaltung. Mit gefühlvollen
Liedern singt sich der Künstler immer wieder in die
Herzen seines Publikums. Seit zwei Jahren macht
er sich zusammen mit Partner Michael Niekammer
auch für die Bewohner im Altenheim für Tiere stark.

A

ls würden sie sich seit Jahren
kennen, setzt sich Papagei Mecky auf die Schulter von Ekki
Göpelt. Der Künstler ist kaum
auf dem Gelände des Altenheims für Tiere
in Blankenburg angekommen, da begrüßt
ihn der gefiederte Heimbewohner – und
versucht, Ekki ein Küsschen zu geben.
Das gelingt ihm auch fast. Der zutrauliche, exotische Vogel ist einer von mehr als
200 Bewohnern, die an der Burgwallstraße
Zuflucht fanden. Mecky und seine tierischen Leidensgenossen wurden abgegeben,
weil sich ihre Besitzer nicht mehr um sie
kümmern können – oder wollen. Seit 2006
finden sie im Verein „Vogelgnadenhof und
Altenheim für Tiere“ ein schönes Zuhause.
Für die meisten ist es die letzte Zuflucht.
Gut möglich, dass Mecky Ekki Göpelt wieder erkannt hat. Der Schlagersänger ist
schließlich schon viele Male im Altenheim
für Tiere gewesen, im Schlepptau Künstler aller Facetten. Vor wenigen Monaten
brachte er Christian Anders mit. Der sorgte für ein volles Haus beim Tag der offenen
Tür und dringend benötigte Spenden.
Gut zwei Jahre engagieren sich Ekki
Göpelt und sein langjähriger Wegbegleiter
Michael Niekammer für die Bewohner im
Altenheim für Tiere. So manchen gut bezahlten Auftritt haben die Beiden bereits
für die Tiere sausen lassen, nur um beim
Tag der offenen Tür an der Burgwallstraße
dabei zu sein. Mit ihrer lockeren Art unterhalten sie das Publikum, das fünfmal im
Jahr in den Pankower Ortsteil kommt. Es
wird gesungen, es wird gelacht. Vor allem
aber spenden die Besucher. Gut 8.000 Euro

muss der Verein Monat für Monat „erwirtschaften“, um die Schützlinge zu versorgen.
Und so trommeln Michael Niekammer und
Ekki Göpelt, wo es nur geht. Niekammer,
der beim Schlagersender Radio B2 eine

eigene Sendung hat, wird nicht müde,
seine Talkgäste anzusprechen und sie als
Künstler für das Altenheim für Tiere zu
gewinnen. Auf die Gage verzichten die
Künstler, die sich meist nicht lange bitten
lassen müssen. Nach den Auftritten kehren
Künstler, Tierfreunde und Fans neuerdings
im Zwiebel-Töpfchen ein. Das ist ein kleines Lokal in Karow, in dem die Wirtin für
alle ein kleines Buffet zaubert.
Die Schar der Promis, die Göpelt und
Niekammer in den vergangenen beiden
Jahren ins Altenheim für Tiere brachten, ist beachtlich. Gaby Baginsky war da,
Uta Bresan, Hans-Jürgen Beyer, Angelika
Mann oder eben Christian Anders. Der
sang „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“.
Göpelt und Niekammer wissen, dass Schlagersänger ihre Fans haben und sich schnell
für die gute Sache begeistern lassen. Das
kommt dem Altenheim für Tiere zu Gute,
das aus den Einnahmen der Tagen der offenen Tür das Geld erzielt, um die Tiere mit

Michael Niekammer und Ekki Göpelt engagieren sich für Tiere. 

Foto: Marcel Gäding

Futter zu versorgen oder offene Tierarztrechnungen zu begleichen.
Ekki Göpelt hatte selbst zwei Hunde,
jeder von ihnen wurde zwölf Jahre alt.
Unvorstellbar wäre es für ihn gewesen,
die geliebten Vierbeiner in ein Heim abzuschieben. Als er von zwei Artisten den
Tipp bekam, sich doch mal das Altenheim
für Tiere anzuschauen, war er hin und weg.
Ein rühriger Verein um die beiden Postboten Dirk Bufé und Hartmut Benter kümmert sich komplett ehrenamtlich um die
abgegebenen oder ausgesetzten Tiere. An
einen Urlaub ist bei den beiden Tierfreunden schon seit Jahren nicht zu denken. Jede
freie Minute verbringen sie mit und bei
ihren Tieren. „Die sind schon auf ihre Art
verrückt“, sagt Ekki Göpelt.
Ekki Göpelt und Michael Niekammer
sorgen nun bei jedem Tag der offenen Tür
für ein buntes Unterhaltungsprogramm.
Eine richtige Bühne gibt es in dem Sinne
nicht, die Künstler bewegen sich auf Augenhöhe mit dem Publikum, das aus ganz
Berlin und Brandenburg anreist. Platz für
eine Bühne wäre auf dem schmalen Grundstück auch gar nicht vorhanden. Gesungen
werden aktuelle Hits und Evergreens. Immerhin konnte dieses Jahr durch die Auftritte der Künstler der gesamte Vorrat an
Winterfutter aufgefüllt werden. Zudem
konnte Michael Niekammer seinen Chef
von Radio B2, Oliver Dunk, davon überzeugen, jeden Tag der offenen Tür im Altenheim für Tiere zu bewerben. Doch nicht
nur das zählt, findet Ekki Göpelt und wird
nachdenklich: „Wenn ältere Menschen
in ein Heim ziehen, dürfen sie ihre Tiere
nicht mitnehmen.“ Er findet, das sollte sich
ändern. „Das ist für die Menschen nicht
gut und für die Tiere auch nicht.“
Bei der Organisation der Tage der offenen Tür im Altenheim für Tiere soll es
nicht bleiben. Soeben ist eine CD von Ekki
Göpelt und Sibylle erschienen. „Ein Herz
für Tiere“ heißt sie, drei Songs haben die
beiden gesungen. Es geht um den besten
Freund des Menschen, um Menschlichkeit
und um Respekt für die Vierbeiner. „Die
CD haben wir dem Altenheim für Tiere
geschenkt“, sagt Ekki Göpelt. Alle Einnahmen kommen daher auch den Tieren zu
Gute.
MARCEL GÄDING


Informationen unter
www.altenheimfürtiere.de

Nie war das Thema Hausbau in Berlin
und Brandenburg so aktuell wie jetzt:
Angesichts niedriger Zinsen für Baukredite und steigender Mieten in Berlin
lohnt sich für viele Familien der Umzug
ins eigene Haus. Weil die meisten Wohnungsmieter jedoch noch nie ein Einfamilienhaus geplant und gebaut haben,
ist der Informationsbedarf groß. Die Immobilienmesse „Hausbau“ bietet am 24.
und 25. Januar nicht nur eine erste Orientierung für angehende Bauherren. Vor
Ort können die Besucher im Postbahnhof am Ostbahnhof an beiden Tagen
zwischen 11 und 18 Uhr umfangreiche
Informationen sammeln, mit Baufinanzierern, Hausbauunternehmen, Energie-

beratern und Verbraucherschützern ins
Gespräch kommen. Mit mehr als 130
Ausstellern werden so viele Firmen und
Experten wie noch nie auf Berlins und
Brandenburgs größter Immobilienmesse
vertreten sein, wie Messeveranstalter Jan
Schwalme sagt.
Das Markenzeichen dieser Messe wird
das CONTZEN-MAX-Haus des Hausbaunternehmens MAX-Haus sein. Diese ästhetische Architektur als Mischung
aus erstklassigem Design und solider
Handwerkskunst trage der steigenden
Nachfrage nach individuellen Hausentwürfen Rechnung, sagt Messeveranstalter Jan Schwalme.

Infos: www.messe-hausbau.de

24.-25. Januar 2015

POSTBAHNHOF AM OSTBAHNHOF
Sa-So 11-18 Uhr · Straße der Pariser Kommune 8 · 10243 Berlin

Foto: Lars Contzen · Haus: www.bauratgeber-deutschland/max

Traum vom Haus:
130 Aussteller machen ihn wahr

messe-hausbau.de

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4

STANDORT OST | 01/2015

ZURÜCK ZUM
GUTEN TON UND TAKT
Was in der kleinen Werkstatt von Horst Riesebeck
entsteht, sorgt europaweit für großes Aufsehen: Seit
33 Jahren repariert der Mahlsdorfer mechanische
Musikinstrumente und Uhren.

Z

wei schmale Räume bilden eine
Werkstatt. Es ist eng in dem kleinen Kabuff. Auf den Tischen und
in den Regalen liegen Walzen,
Wellen, Klanggabeln, Feilen, Zahnräder,
viele Schraubenzieher und Zangen. Und
dann überall dieses Ticken: Pendel bewegen sich gleichmäßig im Takt. Sie stecken
in wertvollen Holzgehäusen von Uhren,
die normalerweise in den Wohnzimmern
ihrer Besitzer zu finden sind. Doch vorrübergehend machen sie in Mahlsdorf Station.
Horst Riesebeck, der Restaurator und
anerkannte Kunsthandwerker, haucht solchen historischen Uhren und Spieldosen
neues Leben ein. Er hatte das Glück und
konnte sein Hobby zum Beruf machen.
Schon zu DDR-Zeiten war das, was er tat,
etwas ganz Besonderes. Der heute 70-Jährige galt als einziger zugelassener Restaurator für mechanische Musikinstrumente.
Und auch als Rentner kümmert er sich
immer noch um die wertvollen Exemplare
aus vergangenen Zeiten. „Mich fasziniert
diese Arbeit, weil es jedes Mal eine Herausforderung ist“, beschreibt der Mahlsdorfer
seinen inneren Antrieb. Außerdem sei er
glücklich, wenn die Kunden die mühevoll
reparierten und wieder spielenden Einzelstücke abholen. Meistens ist er nämlich
ihre letzte Hoffnung. „Ich werde gebraucht,
ich kann mich gar nicht zur Ruhe setzen“,
betont er und lächelt.
In seine Werkstatt geht er jeden Tag.
Dort nimmt er zunächst das, was ihm gebracht wird, auseinander. Dazu gehören
mechanische Plattenspielautomaten aus
dem Jahr 1900, Walzenspieldosen, pneumatische Klaviere oder eben alte Uhren.

Was nicht mehr funktioniert, baut Riesebeck nach. Er weiß, wie Zugfedern, Geschwindigkeitsregler oder Pendel beschaffen sein müssen.
Manchmal schaut er dazu in seine Aufzeichnungen, die er seit den 1980er-Jahren
akribisch zu fast jedem Sammlerstück anfertigte. Auch Fotos liegen in den Mappen
und kleine handgemalte Skizzen.
Aber wie viele selbstspielende mechanische Instrumente und Uhren er schon
wieder zum Spielen brachte, kann er nicht
sagen. Natürlich erinnert er sich an etliche
Aufträge. So beispielsweise an den bislang
größten: ein drei Meter hohes und mehr
als drei Meter breites Orchestrion mit 27
verschiedenen Instrumenten. 1987 heuerte
ihn dafür das Märkische Museum an. „Unterlagen existierten keine und ich brauchte
ein ganzes Jahr für die Reparatur“, schildert Horst Riesebeck diese Herausforderung. „Es spielt heute immer noch“, freut
sich der Mahlsdorfer.
Erst vor wenigen Wochen beendete er
wieder ein größeres Projekt. Ein mehr als
100 Jahre altes Piano-Pianola, das im Gründerzeitmuseum steht, war kaputt. Auch bei
diesem Auftrag, kamen dem exzellenten
Fachmann, der einst Nachrichtentechniker und Mechaniker lernte, seine jahrelangen Erfahrungen zugute. Denn Riesebeck
kennt sich nicht nur mit Pneumatik und
Elektronik aus, sondern verfügt über musikalisches Grundwissen. Sonst könnte er
weder Flötenuhren stimmen oder Blasebälge nachbauen, die schließlich das alte
Pianola wieder zum Klingen brachten.
Mit dem von Charlotte von Mahlsdorf
geschaffenen Gründerzeitmuseum am
Hultschiner Damm, verbindet ihn sehr viel.

Horst Riesebeck an einer Plattenspieldose von 1903.
Er hält die zahlreichen Spieluhren und Musikdosen in Schuss. „Unser Anspruch ist es,
dass sie alle funktionieren und vorgeführt
werden können“, sagt Riesebeck, der zum
Vorstand des Museums gehört. Charlotte
von Mahlsdorf war es auch, die ihn einst
animierte, aus seinem Hobby einen Beruf
zu machen.
Anfragen bekommt der Kunsthandwerker mittlerweile aus der ganzen Welt.
Selten muss Riesebeck passen. Manchmal

Foto: Steffi Bey

berühren ihn die Geschichten emotional,
die mit den Schmuckstücken praktisch
seine Werkstatt erreichen. So wie die eines
älteren Herrn aus Hamburg, der beim Abholen der reparierten Spieldose aus Freude
weinte.
Horst Riesebeck selbst ist kein Sammler,
wie er betont. Aber er mag den speziellen
Klang der historischen Spielautomaten.
Deshalb lässt er sie öfter mal in seiner
Werkstatt laufen.

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Bezirks-Geschichte

Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen | Januar 2015

Karlshorst-Kalender zum Jubiläum

7

Lehrer, Ingenieure, ehemalige Angestellte und Bahnmitarbeiter engagieren sich bei den Geschichtsfreunden
Karlshorst. Sie spüren Ursachen und Zusammenhänge der Karlshorster Geschichte auf.
von Steffi Bey

W

enn genau 13 Fotos auf die
Gründung von Karlshorst
vor 120 Jahren aufmerksam
machen, steckt dahinter ein ganzes
Stück Arbeit. Denn aus den Ereignissen
und Veränderungen in dem geschichtsträchtigen Lichtenberger Ortsteil ließen
sich ganz sicher viele dicke Publikationen füllen. Doch den Geschichtsfreunden geht es wahrlich nicht um Rekorde.
„Wir möchten mit unserem Jubiläumskalender einen kleinen Querschnitt von
Karlshorst präsentieren“, sagt Professor
Michael Laschke, Chef der Geschichtsfreunde.
Die Aufnahmen zeigen Bekanntes,
weisen auf Neues hin und geben einen Einblick in den außergewöhnlich
dynamischen Stadtteil. Zu sehen sind
unter anderem denkmalgeschützte
Gebäude, Denkmäler und Natur. Das
Besondere: Bärbel Laschke und Gabriele Rauschenbach, die den Kalender
zusammenstellten, sammelten ebenso
Informationen zu jeder Abbildung. So
erfährt der Betrachter unter anderem
zum Januar-Blatt, dass das abgebildete
Haus zu den ersten acht Wohngebäuden
der 1895 gegründete Kolonie Karlshorst
gehörte. Im Februar wird an die feierliche Einweihung des „Johannes-FestPlatzes“ erinnert, und einen Monat später ist über die Rennbahn nachzulesen,
die bereits 1893/94, also noch vor der
Koloniegründung Karlshorst, als Hindernisrennbahn, öffnete. Erinnert wird
ebenso an den Karlshorster Künstler
Hans Bellmer, der in der Ehrenfelsstraße
lebte. „Dieses einzige Selbstporträt ,La

Michael und Bärbel Laschke beim Quellenstudium.
Poupée’ entstand in seiner Wohnung“,
berichtet Bärbel Laschke. Aufwendig,
teilweise abenteuerlich, aber in jedem
Fall spannend sei die monatelange Kalender-Erarbeitung gewesen.
Aber gerade diese Puzzlearbeit reizt
die derzeit 15 Geschichtsfreunde an ihrem Hobby. 2005 gründeten damals fünf
Interessierte die Interessengemeinschaft,
die zum Kulturring in Berlin e.V. gehört.
Lehrer, Ingenieure, ehemalige Angestellte und Bahnmitarbeiter spüren seit
dem Ursachen und Zusammenhänge in
der Karlshorster Geschichte auf. „Unser
Ziel ist es, die quellengestützte Erschließung der Geschichte mit den persönlichen Erinnerungen vieler Anwohner zu

STEFFI BEY

verknüpfen“, erklärt der Wirtschaftshistoriker Michael Laschke.
Bei der umfangreichen Recherche zur
Waldsiedlung, die der Architekt Peter
Behrens entwickelte, wurden zum Beispiel alte Karlshorster befragt. Die angebotenen Führungen zum „Tag des offenen Denkmals“ und auch der Vortrag
darüber waren gut besucht. Genau wie
die anderen öffentlichen Präsentationen:
zur historischen Architektur und wechselvollen Geschichte der Trabrennbahn,
zur Luftschiffhalle der Siemens-Schucker-Werke oder über den Biesenhorster Sand als Militärstandort, Giftbrache
und heutigem Biotop.
Zu den bislang anspruchsvollsten

Projekten Laschkes zählt die Beschäftigung mit dem Katholischen Pfarrhaus
von August Kaufhold. Das neogotische
Gebäude in der Gundelfinger Straße
beeindruckte den Karlshorster schon
lange. Zweieinhalb Jahre war er in verschiedenen Berliner und Brandenburger Archiven der Historie auf der Spur.
Herausgekommen ist ein spannender
Vortrag, den er insbesondere dem weithin unbekannten Architekten widmete,
der etliche bedeutende Kirchen entwarf.
Darüber referierte Laschke bislang aber
nur einmal. „Das gehört zu unserer Philosophie, wir wollen den Geschichtsinteressierten stets neue Themen anbieten“,
betont der Akademiker.
Was jedes Jahr Neues in Angriff genommen wird, entscheiden die Mitglieder gemeinsam und machen sich dann
eigenverantwortlich in die Spur. Und
immer wieder kommen faszinierende
Fakten dabei heraus. Dass beispielsweise die „Stahb’s technische Lehranstalt
für Müllerei und Mühlenbau“ 1919 in
Karlshorst gegründet wurde. „Das war
die einzige Berufsausbildungsstätte für
Müller in Berlin und Umgebung“, berichtet Michael Laschke.
In den kommenden Monaten bereiten
die Geschichtsfreunde mit dem Museum Lichtenberg und dem Bezirksamt
das 120. Bestehen von Karlshorst – vom
Vorwerk zum Großstadtvorort – vor.
Geplant sind Festtage im Mai mit vielen
Veranstaltungen und einer umfangreichen Ausstellung.
Der Jubiläumskalender im Postkartenformat
ist für 4,50 Euro in Karlshorster Buchhandlungen erhältlich. Infos zu den Geschichtsfreunden Karlshorst im Internet unter
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8

Bezirks-Geschichte

Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen

Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel ist auch für die Friedhöfe zuständig und damit für die Gräber von Käthe Kollwitz und Otto Nagel. 

MARCEL GÄDING (2)

Letzte Ruhe für Künstler, Poeten und Bürger
Der Zentralfriedhof in Friedrichsfelde wurde 1881 als „Städtischer Gemeindefriedhof für Berlin“ angelegt.
Damals lag er am Rande der Stadt. Im Laufe der Jahrzehnte zog sich Berlin wie ein Gürtel um die Anlage.
von Marcel Gäding

E

in Park, soweit das Auge reicht
– das ist der Zentralfriedhof in
Friedrichsfelde. Die großzügigen
Wegachsen führen vorbei an imposanten
Grabanlagen oder dem, was davon übrig
blieb, vorbei an mit Efeu bewachsenen
Hügeln und mächtigen, alten Bäumen.
32 Hektar ist die Anlage groß, auf der
heute noch an die 500 Menschen im Jahr
ihre letzte Ruhestätte finden. Die Toten
wähnen sich in prominenter Gesellschaft
– denn zunächst sollte der 1881 gegründete „Städtische Gemeindefriedhof für
Berlin“ ein Armenfriedhof sein. Im Laufe seiner Geschichte wurde er aber auch
ein Friedhof von vielen Berliner Persönlichkeiten, unter ihnen Schriftsteller,
Schauspieler, Grafiker und Politiker.
Klaus-Peter Heinecke kennt den Friedhof seit 1972. „Damals kümmerten sich
80 Mitarbeiter um die Pflege des Friedhofs“, sagt Heinecke. Der Friedhofsexperte ist inzwischen Fachbereichsleiter
Grünflächen beim Bezirksamt Lichtenberg und damit auch zuständig für die
kommunalen Friedhöfe im Bezirk. Heute sind noch 18 Gärtner und Helfer auf
der Anlage im Einsatz. Heinecke betont,
dass der Zentralfriedhof konfessionsoffen ist, weshalb dort auch Bestattungen
nach muslimischem Ritus stattfinden
können. „Gern könnten wir das Dreifache der jährlich rund 500 Bestattungen
gewährleisten“, sagt Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel.
Doch der Bezirk steht in großer Konkurrenz zu den vielen kirchlichen Friedhöfen. Der größte Teil der Verstorbenen
wird in einem Urnengrab bestattet –
unter anderem wegen der im Vergleich

Viele historische Grabanlagen sind inzwischen verschwunden.
zur Erdbestattung niedrigeren Kosten.
Oftmals entscheiden sich die Familien
von Verstorbenen auch für die anonyme
Urnenbeisetzung auf der Grünen Wiese.
„Das ist bedauerlich und sicher auch ein
Ausdruck für die veränderte Bestattungskultur“, merkt der Kommunalpolitiker
nachdenklich an. Vielleicht aber liegt
es auch daran, dass der Zentralfriedhof
Friedrichsfelde oft als Sozialistenfriedhof durch die Medien geistert. „Dabei
ist die Gedenkstätte der Sozialisten“ nur
ein kleiner Teil der Gesamtanlage, sagt
Klaus-Peter Heinecke.
Befand sich der Zentralfriedhof Friedrichsfelde Ende des 19. Jahrhunderts
noch am Stadtrand von Berlin, liegt er
heute mittendrin: Drum herum sind seit
den 1930er-Jahren Wohnhäuser entstanden, nebenan befindet sich eine große

Kleingartenanlage. Und erst vor Kurzem
wurden die Reihenhäuser eines privaten
Investors fertiggestellt, von deren Gärten
aus man auf den prächtigen Friedhof
blicken kann. Beachtlich ist, dass schon
bei seiner Anlage durch den Berliner
Stadtgartendirektor Hermann Mächtig
(1837-1909) auf den Parkcharakter Wert
gelegt wurde. Die Entscheidung war
goldrichtig: Heute spenden die altehrwürdigen Nadel- und Laubbäume einen
schönen Schatten und bieten zudem einen wichtigen Lebensraum für viele Vogelarten und Kleinsäuger.
Ein Spaziergang über den Friedhof
wird dem geschichtsinteressierten Besucher leicht gemacht. So hat der rührige
Förderkreis „Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde e.V.“ großen Anteil daran,

dass vielerorts erklärende Schilder zu
den einzelnen Persönlichkeiten zu finden sind oder dass denkmalgeschützte
Grabanlagen vor ihrem weiteren Verfall
geschützt wurden. Über den Friedhof
gibt es nützliche Flyer und eine App für
das Smartphone. Ausgewiesene Rundgänge führen zu den Gräbern vieler Politiker und Funktionäre wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, sowie zu
Künstlern, Schauspielern und Wissenschaftlern wie Alex Wedding, Friedrich
Simon Archenhold oder Otto Nagel.
Vermutlich wären von den alten stattlichen Gruften und Familiengrabstätten
heute noch viele erhalten, wäre nicht
bis in die 1980er-Jahre hinein das wertvolle Material der Anlagen an Privatleute verkauft worden. „Damals wurde
diese Einnahme fest im Etat verbucht“,
erinnert sich Heinecke. Das heute eher
weltliche Erscheinungsbild der von
Hermann Blankenstein entworfenen
Feierhalle fiel ebenfalls dem Zeitgeist
der 1970er-Jahre zum Opfer. Von der
Kuppel, die einst über dem 1890 errichteten Gebäude thronte, fehlt jede Spur.
Verschwunden ist auch der Spruch über
dem Portal „Und sie leben doch“. Auf
die Modernisierung ab 1978 ist auch der
Glasgemäldezyklus in den vier länglichen Rechteckfenstern und den beiden
großen Rundfenstern erhalten, der von
Walter Wichmann stammt. Stadtrat
Wilfried Nünthel sagt, dass die Feierhalle inzwischen wieder ein Fall für die
Bauleute ist. Die grundhafte Instandsetzung des schlichten Gebäudes dürfte
den Bezirk an die sechs Millionen Euro
kosten. Mittelfristig soll dieses Vorhaben
in die bezirkliche Investitionsplanung
aufgenommen werden.

Bezirks-Kulturkalender

Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen | Januar 2015

MUSIK & TANZ

SPANIENS LIEDER

Auf Knigges Spuren: „Der gute Ton“ steht
im Mittelpunkt eines literarisch-musikalischen
Abends am 17. Januar um 18 Uhr auf Schloss
Friedrichsfelde. Der Sänger Christoph Sauer
und der Pianist Roland Kühne nehmen die
Zuhörer mit auf eine Reise zu Knigge & Co.,
unter anderem mit Musik aus den Goldenen
Zwanzigern. Der Eintritt kostet 19 Euro. Ort:
Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin,
Am Tierpark 125, 10319 Berlin. Infos: Tel.
(030) 51 53 14 07 oder www.schloss-friedrichsfelde.de

9

Marlene-Dietrich-Abend: Leben und Wirken
einer Diva werden von Annika Lund am 23.
Januar ab 20 Uhr auf Schloss Friedrichsfelde
präsentiert. Lund schlüpft in die Rolle von
Marlene Dietrich und präsentiert bekannte
Lieder sowie Anekdotisches aus dem Leben
des großen Stars. Der Eintritt kostet 25 Euro
(inklusive Begrüßungssekt). Ort: Schloss
Friedrichsfelde im Tierpark Berlin, Am Tierpark 125, 10319 Berlin. Infos: Tel. (030) 51 53
14 07 oder www.schloss-friedrichsfelde.de

THEATER

Fühmanns Wintermärchen: Das Wintermärchen von Franz Fühmann steht am 28.
Januar um 19 Uhr auf dem Programm des
Kulturhauses Karlshorst. Auf der Bühne ist
Elisabeth Richter-Kubbutat zu sehen. Sie wird
vom Pianisten Mark Anders begleitet. Karten
kosten 8, erm. 3 Euro. Ort: Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112 Ecke Dönhoffstraße,
10318 Berlin.
Satirischer Jahresrückblick: „Na det war
wieda ‘n Jahr“ lautet die Überschrift des satirischen Jahresrückblicks mit Gerald Wolf in
der Galerie 100 am 13. Januar um 19.30 Uhr.
Wolf spricht über Hoeness, Wowereit und von
der Leyen. Der Eintritt kostet 4, erm. 3 Euro.
Ort: Galerie 100 und Kunstverleih, KonradWolf-Straße 99, 13055 Berlin. Infos: Tel. (030)
971 11 03.
Nathan der Weise: Das Theaterstück von
Gotthold Ephraim Lessing feiert am 18.
Januar um 18 Uhr Premiere. Inszeniert wurde
der Klassiker von Kay Wuschek. Weitere Aufführungen am 20., 22., 24., 27. Januar, jeweils
18 Uhr. Karten kostet 12, erm. 9 Euro sowie
7 Euro für Kinder. Theater an der Parkaue,
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AUSSTELLUNGEN

Bunte Vögel: Witzige und originelle Papierfiguren von Gerlinde Engelbrecht sind bis zum
5. Februar in der Anna-Seghers-Bibliothek zu
sehen. Eintritt frei. Ort: Anna-Seghers-Bibliothek Im Linden-Center, Prerower Platz 2,
13051 Berlin. Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr
9-20 Uhr; Mi 13-20 Uhr, Sa 9-16 Uhr. Infos:
Tel. (030) 92 79 64 10.
Berliner Ansichten: Mein Berlin lautet der
Titel einer Ausstellung in der Anton-SaefkowBibliothek. Zu sehen sind Zeichnungen von
Christel Lorenz und Helmut Metzner. Eintritt
frei. Ort: Anton-Saefkow-Bibliothek, AntonSaefkow-Platz 14, 10369 Berlin. Öffnungszei-

Die Musik und Kultur Spaniens steht im Fokus des Carlshorster Salons am 23. Januar um 19.30 Uhr. Gastgeberin Alina Martirosjan-Pätzold präsentiert einen Flamenco-Abend mit kulinarischen Spezialitäten aus Spanien. Die Karten kosten 18, erm. 12 Euro. Kartenreservierungen: Tel. (030) 553
22 76. Ort: Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112 Ecke Dönhoffstraße, 10318 Berlin. KULTURRING IN BERLIN E.V.
ten: Mo, Di, Do, Fr 9-19 Uhr; Mi 13-19 Uhr,
Sa 9-15 Uhr. Infos: Tel. (030) 90 296 37 73.
Wageners Welten: „Über Jahr und Tag“
lautet der Titel einer Ausstellung der Künstler
Wagener & Wagener. Ursula Wagener und
ihre Tochter Luise stellen Malerei, Zeichnung,
Objekt und Fotografie aus. Vernissage ist am
20. Januar um 19 Uhr. Die Ausstellung ist
bis zum 6. März zu sehen. „rk – Galerie für
zeitgenössische Kunst im Ratskeller Lichtenberg“, Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin. Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18 Uhr. Eintritt frei.
Zwangsarbeiter in Lichtenberg: „Die Frau
und die Maschinen – Gertrud Kolmar als
Zwangsarbeiterin in Lichtenberg“ lautet der
Titel einer Ausstellung im Museum Lichtenberg. Zu sehen sind Dokumente und Fotos.
Vernissage ist am 27. Januar um 18 Uhr. Die
Ausstellung ist bis zum 30. April zu sehen.
Ort: Museum Lichtenberg, Türrschmidtstraße
24, 10317 Berlin. Öffnungszeiten: Di-Fr, So
11-18 Uhr. Eintritt: frei.
Lachauer bei Mies: Gemälde des Rosenheimers Alfons Lachauer sind vom 27. Januar
bis zum 12. April im Mies van der Rohe-Haus
zu sehen. Lachauer zeigt minimalistische
Malerei. Die Vernissage ist am 25. Januar
um 14 Uhr. Die Laudatio hält Prof. Dr. Wulf
Herzogenrath, Direktor der Sektion Bildende
Kunst der Akademie der Künste. Ort: Mies
van der Rohe Haus, Oberseestraße 60, 13053
Berlin, Tel. (030) 97 00 06 18. Öffnungszeiten:
Di bis So 11-17 Uhr.

KINDER

Aschenputtel: Das Märchen Aschenputtel
wird am 25. Januar um 16 Uhr in „Das Weite
Theater“ aufgeführt. Das Puppenspiel eignet
sich für Kinder ab dem vierten Lebensjahr.
Weitere Aufführungen: 27. Januar (10 Uhr),
28. Januar (10 Uhr). Eintritt: 4,50 Euro, erm.
3 Euro, Erwachsene: 6,50 Euro. Kartenreservierung: (030) 991 79 27. Ort: Das Weite
Theater, Parkaue 23, 10367 Berlin, Infos:
www.das-weite-theater.de
Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt: Das
Theater an der Parkaue gastiert im Kulturhaus Karlshorst mit dem Klassiker „Bei der
Feuerwehr wird der Kaffee kalt“. Aufführungen sind Di-Fr 13.01., 14.01., 15.01., 16.01.,
jeweils 10 Uhr sowie Sa, 17.01., 11 und
16 Uhr, So, 18.01., 11 Uhr, Mo-Mi 19.01.,
20.01., 21.01., jeweils 10 Uhr. Eintritt: 13,
erm. 9 Euro. Ort: Kulturhaus Karlshorst,
Treskowallee 112 Ecke Dönhoffstraße, 10318
Berlin.
Schneemann Rübennases Winterreise: Das
Kindermusiktheater ZimbelZambel ist zu
Gast im Humboldt-Haus. Erzählt wird am
22. Januar um 9.30 Uhr die Geschichte des
knuffigen Schneemanns, der eine Reise vom
Nordpol zum Südpol unternimmt. Eintritt:
4, erm. 3 Euro. Ort: Warnitzer Str. 13 A,
13057 Berlin, Tel. (030) 96242-0. Infos: www.
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Bezirks-Journal

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die Berliner Bezirke.
Das Bezirks-Journal erscheint einmal im Monat
kostenlos und liegt derzeit an ca. 250 Orten in den
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Verlag:
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Das nächste Bezirks-Journal erscheint am 12.2.2015

10 Bezirks-Sport

Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen

Ralf Czygan im Wellblechpalast in Hohenschönhausen. Auch das Training verfolgt der Eisbären-Fan mit großer Freude. 

BENEDIKT PAETZHOLDT

Dreimal für die Eisbären um die Welt
Seit 24 Jahren hält Ralf Czygan den EHC Eisbären Berlin die Treue und hat dabei nur wenige Spiele verpasst.
von Benedikt Paetzholdt

S

chwere Wochen und Monate liegen hinter Ralf Czygan. Wegen
eines Leistenbruchs konnte er
zuletzt nicht mehr wie gewohnt seine
Trommel zu den Spielen der Eisbären
Berlin schleppen. Was aber fast noch
schwerer wiegt: Seit der letzten Meisterschaft 2013 ist sein Lieblingsklub nur
noch Mitläufer in der Deutschen Eishockey-Liga. Vom Überflieger der vorherigen Jahre ist wenig übriggeblieben. „Die
sehen aus wie Beamte, die sonntags
zur Arbeit müssen“, hatte er nach dem
Spiel gegen Hamburg Freezers Mitte
Dezember gesagt. So intensiv wie lange
nicht pfiffen er und seine Mitstreiter die
Mannschaft aus. Er nennt das eine „Revolution“. Es kommt nämlich nur selten
vor, dass die Eisbären-Anhänger wirklich aufbegehren.
Ob dieses Klagen dann den Ausschlag
gegeben hatte, ist unklar. Offensichtlich
frustrierte auch die Bosse das unlustige
Treiben der Mannschaft so sehr, dass sie
den bisherigen Chefcoach Jeff Tomlinson kurz darauf entließen. Seit der neue
Coach Uwe Krupp jetzt aber die Aufsicht hat, ist alles anders. Unter seiner
Regie zeigt die Leistung plötzlich wieder
deutlich nach oben, die Mannschaft klettert in der Tabelle – zur Zufriedenheit
Czygans und der anderen Fans. Er sagt:
„Man sieht jetzt, dass es die Jungs nicht

verlernt haben. Sie müssen jetzt aber
Gerne erzählt Czygan von seinem erswieder mehr mitziehen.“
ten Spiel 1990. Sein Klub hatte damals
Mitziehen ist überhaupt Czygans noch unter dem Namen EHC Dynamo
Motto als Eishockey-Fan. Seit 24 Jahren Berlin Premiere in der gesamtdeutschen
widmet der 53-jährige Bauunternehmer Liga. Der Gegner war die Düsseldoraus Zepernick im Norden Berlins jede fer EG, das absolute Spitzenteam der
freie Minute diesem Verein. Die Wo- Bundesrepublik. Am Ende stand es
chenenden während der Saison sehen 1:1, eine beachtliche Leistung. Alle waweitgehend identisch aus: Freitag, sonn- ren stolz auf das Team, das bundesweit
tags und manchmal auch unter der Wo- angekommen schien. Nur zwei Spiele
che ist er bei Spiespäter passierte
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len – auswärts wie
dann aber der
Zuhause. ZusamTiefschlag
für
men mit seiner Frau
das Ostberliner
gibt er pro Spielzeit
Eishockey. Auszwischen 7.000 und
gerechnet gegen
8.000 Euro aus.
Preußen Berlin,
über 60 Jahre in Berlin
Angefangen hatte
den Stadtrivalen
sucht Ein- und
Czygans Fanleidenaus dem Westen,
schaft einst allerging die MannZweifamilienhäuser
dings bei einer anschaft mit 0:12
& Grundstücke
deren Mannschaft,
unter. „Wie oft
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die im Sportforum
musste ich mir
Hohenschönhauanhören: Eishosen beheimatet ist.
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„Ich war eigentlich
eh nicht. Das
Unsere Erfahrung ist Ihre Sicherheit
Fan des BFC Dywar
schmerznamo“, gesteht er.
haft“, erzählt er.
Beim Fußball ging es ihm allerdings zu
Trotz des Debakels blieb es bei seiner
ruppig – ganz im Gegensatz zum Eisho- Begeisterung für Eishockey und vor alckey. Die Stimmung im Wellblechpalast lem den Klub. Er war einer der Antreifesselte ihn und ließ ihn nicht mehr los. ber, als sich nach der Wende die ersten
Anders als auf dem Eis, wo die Spieler Fangruppen bildeten. „Wir waren eine
gerne mal austeilen, ging es trotz fanati- kleine Truppe voller Leidenschaft“, erscher Atmosphäre auf den Rängen meis- zählt er, „alles musste langsam aufgetens friedlich zu.
baut werden.“ Czygan war dann auch

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der erste, der eine Trommel in den Wellblechpalast schleppte. Seit 2008 gibt er
nun auch in der Arena am Ostbahnhof
den Takt vor, wenn ihn eben keine körperlichen Leiden daran hindern.
Bei weit über 1.500 Spielen dürfte Czygan inzwischen dabei gewesen sein. In
Berlin hat er jedenfalls nur ganz wenige
Partien verpasst. Aber auch bei unzähligen Auswärtsspielen konnte die Mannschaft auf seine Unterstützung bauen.
Alle Fahrten zusammengenommen, hat
er in Sachen Eisbären dreimal die Welt
umrundet – das schätzt er zumindest.
„Wir waren auch schon im Ural“, erzählt er, „da waren wir noch auf Heimfahrt, als die Mannschaft in Berlin schon
wieder auf dem Eis stand.“ Solche Umstände gehören eben dazu, wenn die Familie immer zusammen sein will.
Dass zu viel Nähe aber auch mal
hinderlich sein kann, zeigt der Fall des
entlassenen Trainers Tomlinson, der
früher bei den Eisbären spielte und als
Nachwuchs-Coach arbeitete. „Ich hatte
schon das Gefühl, dass es unter ihm zu
familiär zuging“, sagt Czygan. Dass mit
dem Kölner Krupp ein Außenstehender
jetzt die Verantwortung trägt, ist für den
Frieden der Eisbären-Gemeinschaft bislang sehr förderlich. Glücklich wie lange
nicht sah man Czygan und die anderen
Mitglieder der Fan-Familie zuletzt wieder feiern und die Mannschaft unterstützen. Die schweren Zeiten könnten schon
bald vergessen sein.

Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen | Januar 2015

Besser geht’s nicht

Bezirks-Sport

11

Nach dem erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte wollen die Handballer von Borussia Friedrichsfelde
den Erfolgstrend fortsetzen.
von Benedikt Paetzholdt

V

iel besser als im vergangenen Jahr
hätte es für die Handballer des SC
Borussia Friedrichsfelde kaum
laufen können. Gleich vier der sechs
Mannschaften schafften den Sprung in
die nächsthöhere Spielklasse. „Ich kann
mich nicht erinnern, dass unser Verein
Ähnliches schon mal erlebt hat“, sagt
Lorenz Schalling, Trainer des FrauenTeams.
Stadt-, Bezirks und Kreisliga heißen
jetzt die Plattformen, auf denen sich die
jeweiligen Ensembles tummeln. Von den
bundesweiten Spielkassen ist man damit
natürlich noch weit entfernt. Gerade im
Vergleich mit anderen Amateur-Handballklubs in der Hauptstadt hat man sich
in der jüngeren Vergangenheit aber doch
sehr gut positioniert. Rund 120 Mitglieder zählt die Handballabteilung. Noch
vor gar nicht langer Zeit lag man bei
80 bis 90 Sportlern. „Man kann schon
sagen, dass wir der Verein in Friedrichsfelde und Karlshorst sind“, ist Schalling
überzeugt.
Man profitiert dabei auch von der
günstigen Lage. Die Borussen trainieren
in der Sporthalle der Paul-und-Charlotte-Kniese-Schule in unmittelbarer Nähe
zum Tierpark. Auch die Hochschulen
für Technik und Wirtschaft (Treskowallee) sowie Wirtschaft und Recht (AltFriedrichsfelde) liegen im Dunstkreis der
Sporthalle. Viele Studenten powern sich
hier nach den Vorlesungen gerne aus und
verstärken damit die Mannschaften. Verstärkungen sind immer nötig, um sich in
den jeweiligen besseren Ligen halten zu
können. Und somit 2015 zu einem erfolgreichen und zufriedenstellenden Jahr
gestalten zu können.
In Berlin ist es nämlich überhaupt
keine Selbstverständlichkeit, sich alleine
schon auf Bezirksebene zu behaupten.
Die Hauptstadt hat eine große HandballTradition, unzählige Vereine in der Stadt
bieten die Sportart deshalb an. Alleine
in Lichtenberg herrscht große Konkurrenz. An der Grenze zu Friedrichshain
(Modersohnstraße) ist die SG Narva
beheimatet. Der Sportverein Berliner
Verkehrsbetriebe mit seiner Frauenabteilung residiert in der Siegfriedstraße. Im
Sportforum Hohenschönhausen trainiert
die Sport- und Spielgemeinschaft Humboldt. Der SV Blau-Gelb Berlin lädt zum
Handball in der Wartiner Straße ein.
„Die Füchse sind natürlich der absolute Hotspot“, sagt Schalling. „Darunter
finden sich viele eher familiäre Vereine,
die sich vor allem der Nachwuchsarbeit
widmen.“
Wie schwierig gerade heutzutage
Nachwuchsarbeit ist, weiß Reiner Arbeit. Dienstags und donnerstags trainiert
er die männliche B-Jugend des Friedrichsfelder Klubs. Er sagt: „Der Fußball
macht allen anderen Sportarten halt
schon zu schaffen.“ Da gilt es um jeden
einzelnen potenziellen Handballer besonders zu kämpfen. Zumal die Angebo-

Handballer von Borussia Friedrichsfelde vor dem Schloss Friedrichsfelde.
te sich mit Dingen außerhalb des Sports
zu vergnügen stetig wachsen. Gleichzeitig die Anforderungen in der Schule. Am
Tag des Trainingsbesuchs tummeln sich
nur rund zehn Sportler in der Sporthalle.
Einige sind auf Klassenfahrt, einige haben aus anderen Gründen keine Zeit zu
trainieren.
Für Arbeit ist Erfolg deshalb auch kein
Wert, der sich alleine an einer Tabellenposition ablesen lässt. „Für mich macht
die Arbeit Sinn, wenn ich das Gefühl
habe, dass ich als Trainer Lust auf Sport
vermitteln kann“, sagt er. Geselligkeit
und soziale Kontakte sind wichtige Ziele im Nachwuchsbereich. Dass immer
mehr Jugendliche koordinativ-motorische Probleme haben, weiß Arbeit nur zu
gut. Dagegen etwas zu tun, ist ihm und
seinen Mitstreitern wichtig – auch wenn
es nicht immer leicht fällt. „Ihr werdet ja
wohl einen Pass über fünf Meter hinbekommen“, schallt es regelmäßig durch
die Halle, wenn die Zuspiele nicht so
klappen, wie es sich der Trainer vorstellt.
Minutiös wird dieser Zug dann geübt.
Natürlich tauchen aber auch immer
mal wieder Kinder oder Jugendliche
im Training auf, die durch überdurchschnittliche Begabung hervorstechen.
Lange bleiben sie in der Regel aber nicht
bei Klubs wie Borussia Friedrichsfelde.
Überregionales Niveau erhalten Handballer in der Hauptstadt nämlich nur bei
den Füchsen, die mit dem Schul- und
Leistungssportzentrum verzahnt sind.
„Die sind schnell und greifen die richtig
Guten ab“, sagt Arbeit. Wie ein Vorwurf
klingt das überhaupt nicht. Es ist nur
eine klare Analyse der Verhältnisse. Im
Amateursport werden Erfolge eben ein
bisschen anders gemessen. Und deshalb
fühlt sich bei Borussia Friedrichsfelde
derzeit alles ziemlich gut an.

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12 Bezirks-Navigator

Januar 2015 | Bezirks-Journal Lichtenberg/ Hohenschönhausen

DER AUGENBLICK: Wintersonne

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Harald Wolf, MdA, DIE LINKE: Bürgersprechstunde am 19. Januar um 17
Uhr, Alfred-Kowalke-Straße 14, 10315
Berlin.
Ole Kreins, MdA, SPD: Bürgersprechstunde am 20. Januar von 16 bis 18
Uhr, Heinrichstraße 1, 10317 Berlin.

Alles, was Lichtenberg in den kommenden vier Wochen bewegt. Kurz.
Bündig. Kompakt.

Karin Halsch, MdA, SPD: Bürgersprechstunde am 21. Januar von 17
bis 18 Uhr, Am Berl 13, 13051 Berlin.

Senden Sie uns Ihre Infos!
E-Mail: redaktion@bezirks-journal.de

Birgit Monteiro, MdA, SPD: Bürgersprechstunde am 21. Januar von
18 bis 19 Uhr, Bürgerheimstraße 4,
10365 Berlin.

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Sonnenaufgang im winterlichen Berlin. Diesen magischen Moment hat Gisela
Graehn-Baumann von der Fotogruppe des Deutschen Senioren-Computerklubs
mit ihrer Kamera festgehalten. An dieser Stelle veröffentlichen wir in loser
Folge die Aufnahmen der fotografierenden Senioren. GISELA GRAEHN-BAUMANN

Neuer Line-DanceKurs für Anfänger

Gartenwettbewerb
gestartet

Gedenkort wird
eingeweiht

FENNPFUHL. Im Freizeitklub der
Stiftung RBO findet am dem 14. Januar
ein Line-Dance-Kurs für Anfänger statt
– und dann immer einmal in der Woche
mittwochs um 20.30 Uhr. Der Kurs richtet sich an Neueinsteiger, die Grundlagen
des Line Dance erlernen wollen, wie Organisator Ferdinand Schwartz mitteilte.
Darüber hinaus werden dienstags auch
Line-Dance-Kurse für Fortgeschrittene
angeboten. Seit 2002 gilt Line Dance in
Deutschland als anerkannte Sportart.
Dabei wird in Linien und festgelegten
Schrittfolgen getanzt.
Ort: RBO-Freizeitklub, Paul-Junius-Straße 64 A, 10367 Berlin. (bzj.)

LICHTENBERG. Der Arbeitskreis Umwelt und Bildung Berlin-Lichtenberg ruft
zum Gartenwettbewerb 2015 auf. Teilnehmen können Kindergärten, Schulen,
Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie
Arbeitsgemeinschaften,
Schulklassen
oder Hortgruppen, die einen Schulgarten zu einem grünen Lern- und Erlebnisort gestaltet. Bis zum 13. Februar können
sich Interessierte anmelden. Die ersten
15 Einsender erhalten ein Starterpaket
für ihr Gartenprojekt. Jedes Projekt muss
dokumentiert werden. Das Gewinnerprojekt erhält 700 Euro. Informationen
gibt es bei Frank Arno Schubert unter
Tel. 0151/ 21 74 14 61. (bzj.)

RUMMELSBURG. An die wechselvolle Geschichte des Gefängnisstandortes Rummelsburg erinnern künftig drei
große Stelen. Sie dokumentieren die
Geschichte des Ortes und dessen Entwicklung vom Arbeits- und Bewahrungshaus bis zur DDR-Haftanstalt. Der neue
Gedenkort ist jenen in der Zeit von 1879
bis 1990 unter verschiedenen staatlichen
Systemen in unterschiedlicher Art und
Weise Ausgegrenzten und Verfolgten
gewidmet, teilt das Bezirksamt mit. Die
Einweihung der Stelen findet am 12. Januar um 11 Uhr an der Hauptstraße 8 in
Rummelsburg statt. Erwartet werden unter anderem Zeitzeugen. (bzj.)

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Bezirks-Journal


erscheint am 12. Februar 2015

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Dr. Gesine Lötzsch, MdB, DIE LINKE:
Bürgersprechstunde am 22. Januar
um 17 Uhr, Zingster Str. 12, 13051
Berlin.
        
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