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Periodical volume

Full text: Lichtenberger Bezirks-Journal Issue 1.2014,9

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Ein Herz für Kinder:
Lichtenberg stockt Kitas auf
Bezirk ist bei Kindertagesstätten und
Kinderspielplätzen berlinweit ganz vorne

D

ie steigende Zahl der Lichtenberger führt auch im Kita-Bereich zu Problemen: Weil der
Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten
steigt, muss das Bezirksamt reagieren.
Ein erster Erfolg: Mit Hilfe von neuen
Kitas und der Erweiterung bestehender
Einrichtungen konnte die Zahl der KitaPlätze in den vergangenen anderthalb
Jahren um 1.200 erhöht werden. „Die
Versorgung Lichtenberger Familien
mit ausreichenden, hochwertigen und
wohnortnahen Kitaplätzen bleibt eine
der zentralen Herausforderungen auch
für die nächsten Jahre“, erklärt Jugendstadträtin Sandra Obermeyer (parteilos,
für DIE LINKE).
Viel zu tun gebe es, weil nicht in allen
Ortsteilen Lichtenbergs unter drei Jahre
alte Kinder in einer wohnortnahen Kita
betreut werden können. Erfreulich ist

hingegen die sogenannte Betreuungsquote: Demnach werden 74,5 Prozent
aller Ein- bis Dreijährigen in Lichtenberg versorgt, der Berliner Durchschnitt
liegt bei 68,8 Prozent. Bei den Drei- bis
Sechsjährigen gehen 93,9 Prozent in die
Kita (Berliner Durchschnitt 93,7 Prozent). Insgesamt kamen in den vergangenen sechs Jahren 2.500 neue Kitaplätze in Lichtenberg dazu.
Berlinweit ganz vorn liegt der Bezirk
Lichtenberg auch bei der Ausstattung
mit Kinderspielplätzen. Laut Statistik
kommen auf einen Einwohner 0,76
Quadratmeter Spielfläche. Das geht aus
der Antwort auf eine kleine Anfrage des
Abgeordneten Ole Kreins (SPD) hervor.
Zwischen 2011 und 2014 wurden im
Bezirk 24 Spielplätze neu gebaut oder
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Schafen und Weideflächen. Die Vierbeiner leisten wertvolle Arbeit – unter anderem halten sie die Wiesen schön kurz. Mehr auf Seite 2. STEFFI BEY

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2 Bezirks-Leben

Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Die Schafe werden regelmäßig auf eine andere Weide im Landschaftspark Herzberge umgesetzt.

Ein bisschen Dorf mitten in der Stadt
Wo früher Güterzüge rangierten, ein Stadion existierte und Studenten in einem Zeltlager untergebracht waren,
entstand eine Oase. Vor zehn Jahren fiel der Startschuss für die Gestaltung des Landschaftsparks Herzberge.
ren bis 1990 war dort ein Zeltlager der
DDR-Jugendorganisation FDJ für den
Studentensommer untergebracht. Danach passierte lange nichts und die Natur eroberte das Gelände. Bis etwa vor
zwei Jahren dieser Bereich ausgelichtet
wurde, Weiden mit Unterständen sowie
ein „Spielplatz für Zauneidechsen“ mit
Feldsteinen und Pflanzen entstand.
Wenn Stephan Lübke jetzt durch
den riesigen Landschaftspark läuft, erfüllt ihn das mit Stolz. „Es ist toll, dass
unsere Vision der alternativen Bewirtschaftungsform von öffentlichem Grün
Wirklichkeit wurde“, bekennt er. Mehr
als fünf Millionen Euro – vor allem EUGeld flossen in den vergangenen zehn
Jahren in das Modellprojekt. Der Verein
Agrarbörse Deutschland Ost koordiniert
und gestaltet das Gelände im Auftrag
des Bezirksamtes Lichtenberg.

von Steffi Bey

D

er Überraschungseffekt für die
Besucher ist groß: Denn auf
dem weitläufigen Gelände zwischen Landsberger Allee, Allee der Kosmonauten, Rhin- und Siegfriedstraße
erstreckt sich ein ganz besonderer Park.
„Ein Areal, das Elemente der ökologischen Landwirtschaft und Biotope vereint sowie der Naherholung dient und
ebenso Kulisse für Kulturveranstaltungen ist“, beschreibt Projektmanager Stephan Lübke das Konzept.
Vor allem Lichtenberger haben die
rund 100 Hektar große Fläche rund um
das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge inzwischen für
sich entdeckt. Sie joggen auf den alten
oder neu angelegten Wegen, sitzen auf
rustikalen Holzbänken oder gehen spazieren. Dabei kommen sie an vielen
Weiden vorbei und erleben mitunter,
wie die Pommerschen Landschafe umgesetzt werden.
„Das Prozedere gehört zu den täglichen Ritualen“, sagt Stephan Muus von
der Agrarbörse Deutschland Ost e.V.
Schließlich halten die rund 130 Tiere
das Gras kurz. „Wie schnell die rennen
können“, wundert sich der fünfjährige
Finn und versteckt sich vorsichtshalber
hinter seiner Mutter.
Während Muus und ein paar Helfer
– das sind sogenannte Benachteiligte,
die der Verein Agrarbörse beschäftigt –
die Herde auf eine frische, prall gefüllte
Weide lotsen, geht Projektleiter Lübke
in den nördlichen Bereich der Anlage.
Dort leben seit einigen Monaten drei
Schottische Hochlandrinder. „Als Test,
wir wollen sehen, wie die sich in unsere
Bedingungen einfügen“, betont er.
Bislang funktioniert das ganz gut. Die
Tiere halten sich im hinteren Teil einer
neu angelegten Waldweide auf.
Noch vor dem Zweiten Weltkrieg
befand sich genau an dieser Stelle ein
Stadion. Ab den frühen 1970er Jah-

Alpakas für Herzberge
In der Scheune wird die Schafwolle zunächst getrocknet. Zu 90 Prozent wird sie
später verkauft.

Stephan Lübke, Projektleiter der Agrarbörse Deutschland Ost e.V. im Gespräch
mit Heike Seegert von der In-vitro-tec GmbH. Sie stehen vor dem besonderen
Sitzbereich, der bereits Anfang der 1990er-Jahre von Azubis auf dem Gelände
gestaltet wurde. STEFFI BEY (3)

Im Vordergrund steht jetzt vor allem
die inhaltliche Arbeit. So gibt es beispielsweise Überlegungen, eine kleine
Herde Alpakas für Therapieangebote
anzuschaffen. „Wir sind dazu mit dem
benachbarten Krankenhaus im Gespräch“, sagt Stephan Lübke. Im Aufbau
ist außerdem ein Netzwerk mit Naturpädagogen. Künftig soll es im Landschaftspark möglich sein, geführte Erlebnisse
zu buchen. Schon zur Verfügung steht
der auf der früheren Trasse der Industriebahn angelegte Fahrrad- und Spazierweg. Beliebt bei Parkbesuchern sind
auch die 15 Stationen des Natur- und
Gesundheitspfades. Interessante Details
zur Geschichte des Geländes gibt es auf
vielen Info-Tafeln. Wer weiß schon, dass
sich dort einst die größte und modernste Gewächshausanlage Berlins befand:
„Auf sechs Hektar überdachter Fläche
arbeiteten hundert Gärtner an Zucht,
Pflege und Schnitt von Nelken und Gerbera.“ Ein kleiner Gartenbaubetrieb mit
wenigen Gewächshäusern blieb davon
übrig.

Bezirks-Leben 3

September/ Oktober 2014 | Bezirks-Journal

Anwohner ärgern sich über Container

Rund um die Kfz-Zulassungsstelle an der Ferdinand-Schultze-Straße reihen sich Verkaufsbuden von Schilderherstellern. Nachbarn sind genervt. Denn die Provisorien werden mit Notstrom versorgt. Und das macht Krach.
von Marcel Gäding

N

ein, ihre Namen wollen sie lieber nicht in der Zeitung lesen.
Die drei resoluten Rentner – alle
zwischen 70 und 80 Jahre alt – haben
Angst, dass ihnen was passieren könnte.
Seit auf der anderen Straßenseite kräftige
Männer vor den Containern sitzen und
auf Kundschaft warten, geht die Angst
um in Alt-Hohenschönhausen. Denn in
den vergangenen Wochen sind zu den
bereits rund um die Kfz-Zulassungsstelle
an der Ferdinand-Schultze-Straße aufgestellten Verkaufsbuden weitere Container dazugekommen. Alle dienen dem
Verkauf von Schildern und Versicherungen. Landesflaggen an den Fassaden zeigen, welche Sprache gesprochen wird.
Während einige Meter weiter in der
Plauener Straße meist ältere Damen lange auf Schilder-Kunden warten, floriert
in den vor Kurzem aufgestellten Containern das Geschäft. „Die übernachten da
sogar“, sagt ein Anwohner.
Eigentlich wäre das alles kaum der
Rede wert. An die Container haben sich
die Nachbarn bereits gewöhnt. Was aber
vor allem den Bewohnern der Ferdi-

Stören optisch schon lange, jetzt sorgt ihr Lärm für Ärger: die Container in der
Ferdinand-Schultze-Straße Ecke Plauener Straße. FALKO HOFFMANN
nand-Schultze-Straße den Zorn ins Gesicht treibt ist der Krach. Weil es keine
Stromanschlüsse auf dem Grundstück
eines privaten Eigentümers gibt, rattern
viele Stunden am Tag Notstromaggregate. Die haben auch gut zu tun, um unter
anderem die stromfressenden Klimaanlagen der Container mit Energie zu ver-

sorgen. „Jeder normale Mensch kriegt
Ärger, wenn er den Motor seines Autos
unnütz laufen lässt“, sagt ein Nachbar.
Der Bezirk weiß seit Langem um die
Probleme. Das Ordnungsamt ist informiert, nun wurde auch die Umweltbehörde eingeschaltet. Viele Möglichkeiten
haben die Ämter nicht, denn die Contai-

ner stehen auf Privatgelände. Dort soll in
den kommenden Jahren ein Wohnpark
entstehen (Bezirks-Journal berichtete).
Bis sich die ersten Kräne drehen, nutzen
die Anbieter von Nummernschildern
und Kfz-Versicherungsbüros die Flächen.
Der für den Umweltbereich zuständige Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel
(CDU) sieht in der nicht enden wollenden Ansiedlung der Verkaufsbuden ein
großes Problem. „Gegenüber im Gebäude der Zulassungsstelle wäre Platz,
die Läden im Erdgeschoss stehen leer“,
sagt Nünthel. Doch die Mieten dort
sind nach Angaben der Containernutzer
deutlich höher als die Kosten für einen
Container. Aufgrund der Anwohnerbeschwerden sei seine Behörde aktiv geworden. Unter anderem ist ein Gespräch
mit den Eigentümern geplant. Mit denen ist Nünthel ohnehin in Kontakt – er
ist auch für die Baugenehmigung des
Wohnparks verantwortlich. Immerhin:
Nünthel kündigte an, dass die Stromaggregate eingehaust – also lärmgedämmt
– werden. Außerdem wurden Auflagen
erteilt, wonach die Containernutzer
beim Stromanbieter einen normalen
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4 Bezirks-Leben

Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Kino-King Knut Elstermann zeigt Herz

Für Radio Eins stellt er jede Woche Blockbuster vor – das Drehbuch seines Lebens jedoch versetzt ihn in die Rolle
des Helfers: Wie ein Radiojournalist Jugendlichen unter die Arme greift.
von Anne Langert

B

ilder an den Wänden. Bücher in
Regalen. Eine Bar, rote Sessel,
dahinter die Bühne – das ist das
Café Maggie. Gemütlich scheint es hier
zwischen Backsteinwänden und bunt
gemalerten Flächen. Knut Elstermann
lächelt, als er in den 200 Quadratmeter
großen Räumen der Frankfurter Allee
steht. „Das Café haben die Jugendlichen
selbst gestaltet, damals, vor einem Jahr“,
sagt der Radio Eins-Moderator. „Die
Farben an den Wänden wurden von den
Menschen aus dem Kiez bestimmt. Die
Möbel wiederum haben Schüler ausgewählt.“ Der Berliner zeigt in die Küche:
„Selbst das Konzept, aus den Räumen
ein Café zu machen, kam von Studenten.“
Knapp ein Jahr ist es her, als das Jugendcafé Maggie zum ersten Mal die
Pforten öffnete. Knut Elstermann ist
von Anfang an dabei. Für das vom sozialen Träger Gangway e.V. ins Leben
gerufene Projekt hat er die Schirmpatenschaft übernommen. Damit kam Elstermann einem außerordentlichen Wunsch
nach. „Die Jugendlichen bei Gangway
haben sich eine Plattform gewünscht,
wo sie sich entfalten können“, sagt der
54-Jährige. Dem kann Sozialarbeiter Jan
Becker nur zustimmen: „Ja, sie wollten
einen Raum, wo sie Ausstellungen, Theatertreffen oder Kochabende organisieren“, erklärt der Leiter der Einrichtung.

Zu „Lichtenberg in Sachen Fahrrad
ganz hinten“, Bezirks-Journal Ausgabe 5/2014:
Mehrmals in der Woche benutze ich
die Verbindung zwischen Heinersdorf
und Blankenburg. Auch Fahrzeuge der
Polizei schleichen hinter Radfahrern
her, weil der Gegenverkehr ein Überholen nicht zulässt. Der Geh-/ Radweg
wird nur von Anwohnern genutzt. Warum nutzen Lebensmüde oder Autohasser nicht die Radwege? Auch in der Konrad-Wolf-Straße wird lieber auf dem
Gehweg als auf dem Radweg gefahren.
Noch mehr Radwege, die den Autoverkehr dadurch einschränken – statt zwei
Spuren nur eine – sind rausgeworfenes
Geld.Auch ich fahre oft mit dem Fahrrad, aber nur dort wo ich sicher bin und
keine anderen Verkehrsteilnehmer behindere. M.Winkler, Hohenschönhausen
Zu „Berliner Standortvorteil“, Bezirks-Journal Ausgabe 7/2014:
Woher will denn Herr Neumes wissen, wie es zu DDR-Zeiten an der KJS
zuging? Was meint er denn damit, dass
die Schule den Ruf hatte, unmenschlich und unpädagogisch zu sein? Hat er
damals auch schon als Lehrer dort unterrichtet? Meine Kinder waren an der
KJS und waren begeistert. Es kam auch
nur jemand auf die KJS, der auch die
sportlichen Leistungen gebracht hat. Es

Von seinen Kollegen wird er liebevoll Kino-King Knut genannt: Knut Elstermann.
Für die RBB-Welle Radio Eins moderiert er unter anderem eine erfolgreiche
Filmsendung und berichtet seit Jahren mit viel Charme und Kompetenz von der
Berlinale. ANNE LANGERT
„Das alles in einem günstigen Café für
Menschen bis 27 Jahre.“
Für Elstermann ist die Patenschaft
eine Herzensangelegenheit. Schließlich kann er hier seinen Sinn für Kultur
ausleben und Veranstaltungen für und
mit Menschen aus dem Kiez organiseren. „Wir planen gerade eine Lesereihe
mit bekannten und weniger bekannten

Autoren“, sagt der Berliner. „Auch ein
Kurzfilmfestival ist für das nächste Jahr
angedacht. Nur so viel sei verraten: Sie
nennt sich Maggienale“, fügt er an. Für
Elstermann ist es genau das Richtige. Ist
der gelernte Journalist doch Autor von
vier Büchern, moderiert das Filmmagazin bei Radio Eins und verfasst ganz
nebenbei Beiträge für Verlage. „Ins Café

LESERFORUM
BRIEFE ANS BEZIRKS-JOURNAL

war nur eine Sportschule und nicht wie
heute auch Gymnasium, das jeder besuchen kann. Nur weil die Kinder vielleicht mehr trainiert haben ist das doch
nicht unmenschlich. Ich verstehe nicht,
warum alles immer schlecht gemacht
werden muss, was in der DDR war. Auf
alle Fälle waren unsere Sportler Welt­
spitze. Mich würde wirklich mal interessieren, aus welchem Teil Deutschlands
Herr Neumers kommt. Vielleicht hätte
er bevor er solche Äußerungen macht,
mal ehemalige Sportler, die an der KJS
waren, fragen sollen, wie es früher war.

Monika Stellmach
Zu „Müllberge am Ufer“, BezirksJournal Ausgabe 8/2014:
Es müssen ständige Kontrollen durchgeführt werden, außerdem genug Container – groß – da sein. Notfalls finanzielle Strafen. Bei Geld erreicht man
immer etwas.
Marianne Vierke, Alt-Hohenschönhausen

Ganz schlimm ist es am Wochenende – schon vormittags. Manchmal sind
dort an der Grillstelle am See über 20

Personen jeden Alters und es wird an
bis zu fünf Stellen gegrillt. Große Körbe
mit Getränken. Toiletten? Tradition, Familienzusammenhalt in Ehren, aber das
Nachher! Präsenz vom Ordnungsamt
wäre wirklich angebracht. Ansonsten
ein Grillverbot wie im Tiergarten. Die
gute Luft und die Sauberkeit sind wichtiger.
Ilse Dannehl, Fennpfuhl
Es betrifft ja nicht nur die Grillplätze,
sondern den Alltag. Bei jedem Gang
über den Spielplatz vor meinem Haus
sammle ich Müll auf, um ihn in die ausreichend vorhandenen Papierkörbe zu
werfen. Es hilft ebenso wenig wie Ihre
Appelle. Man könnte erwischte Müllsünder zum Beispiel dazu verpflichten,
in der folgenden Woche die Kollegen
des Amtes beim Saubermachen zu unterstützen.

Volker Liebscher, Alt-Lichtenberg
Ich empfehle das Aufstellen von Tafeln mit mehrsprachig verfassten Verhaltensregeln an allen Grillstandorten,
auf denen auch die Strafe für Verstöße
aufgeführt wird. Alle Regeln sind jedoch
fruchtlos, wenn nicht eine permanente

Maggie kann ich meine Erfahrungen
mit einbringen.“
Das aus Fördermitteln und der HOWOGE gestützte Projekt kommt gut an.
Immer mehr Menschen und Gruppen
nutzen die Räume für ihre Zwecke.
Künstler stellen ihre Bilder aus. Studenten veranstalten ihre monatlichen Kochabende. Und auch die Stand-up-Comedy Show scheint mit 70 Besuchern gut
gefüllt. Darüber hinaus bietet Becker mit
seinem Team berufs- und studienbegleitende Unterstützung. „Fragen, wie man
einen Bafögantrag stellt, sich richtig bewirbt oder welche Bildungswege es gibt,
können hier beantwortet werden“, sagt
Becker.
Als Jan Becker seinen ehemaligen
Klassenkameraden Elstermann fragte,
ob er Lust hätte die Schirmpatenschaft
zu übernehmen, war der zweifache Vater anfänglich verunsichert. „Ich wollte schon immer gerne helfen. Aber ich
dachte, ich kann ja nichts außer quatschen“, gesteht Elstermann. Becker
sah das anders: „Ach das stimmt doch
nicht. Knut bringt Kultur und Menschen
zusammen. Eigentlich das, was er schon
immer gemacht hat, nun auch für die
Menschen in der Maggie.“

Weitere Informationen unter

 www.jugendcafe.gangway.de

Kontrolle durch das Ordnungsamt bzw.
im Pärchenbetrieb mit der Polizei erfolgt. 
Peter Zirbel
Schade finde ich, dass das Grünflächenamt im Angesicht dieser Missstände einfach nur resigniert und den
Müll wegräumt. Wenn der Müll aber
Mama-und-Papa-mäßig immer schön
vom Grünflächenamt weggeräumt wird,
wird sich das Verhalten nicht ändern.

Dr. med. Kay Schwarzer
Ziel sollte sein, den Fennpfuhl-Park
von privaten Grillern zu befreien, weil
diese immer zu einer Beeinträchtigung
des Wohlbefindens der anderen Parkbesucher führen. Ähnliche negative
Auswirkungen gab es auch auf anderen
Plätzen in Berlin, ich denke da nur an
den Tiergarten. Wenn das Bezirksamt
Lichtenberg mitzieht, ließe sich höchstwahrscheinlich im Bezirk eine Brache
finden, wo günstiger gegrillt werden
kann.
Wilfried Diener, früher Fennpfuhl, jetzt
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mitunter sehr viele Zuschriften, die wir – wegen des knappen Platzes – nur verkürzt wiedergeben können. Wir freuen uns über Ihre
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6 Bezirks-Leben

Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Ein Leguan im Lehrerzimmer

Am Grünen Campus Malchow wird andere Art der Wissensvermittlung praktiziert. Dabei helfen Tiere.
von Steffi Bey

S

o sieht also das Büro des Schulleiters aus: ein bisschen unaufgeräumt, dafür voll gestopft bis an
die Decke. In den Holzregalen stehen
dicke Aktenordner und Hefter, daneben
sind glänzende Pokale drapiert und die
andere Zimmerseite besteht eigentlich
nur aus Terrarien. Im Größten lebt Guido – der Leguan, der fälschlicherweise
einen Jungsnamen trägt. Er saß vor ein
paar Jahren in einer Kiste, die der Eigentümer einfach an der Schultür abstellte.
„Wir nahmen ihn auf und merkten erst
später fest, dass er eine sie ist“, erinnert
sich Barthl.
Tobias Barthl leitet seit 23 Jahren
die Einrichtung die mittlerweile aus
vier Standorten besteht. Angefangen
hat alles 1991. Damals hob er mit der
Grundschule im Grünen ein Projekt aus
der Taufe, das seit dem immer wieder
Schlagzeilen macht – und zwar positive. „Ich wollte Veränderungen in der
Bildungsarbeit und habe mich deshalb
als Schulleiter beworben“, erzählt der
Pä­dagoge. Gemeinsam mit seinen Kollegen schuf er einen Lernort mit einer in
dieser Form einzigartigen Orientierung
auf Umweltbildung.
Vieles von seiner Vision, die ihn damals wie heute motiviert, ist inzwischen
Wirklichkeit. So wird beispielsweise
in allen Klassen und Lerngruppen das
Fach Umweltlehre unterrichtet – und
das bundesweit einmalig. „Für jeweils

Aus dem Stall genommen zum Kuscheln: Hannah (l.) hat eine Ratte auf dem Arm
– Gina (r.) schaut zu. STEFFI BEY
sechs Wochen pro Halbjahr sind diese
Stunden klassen- und jahrgangsübergreifend im Kurssystem verankert“, sagt
Barthl.
Von Anfang an gibt es zur praktischen
Ausbildung die Knirpsenfarm auf dem
Gelände an der Malchower Chaussee 2.
Auf diesem Bauernhof leben rund 160
große und kleine Tiere. Betrieben wird
er vom Verein Grashüpfer, der als anerkannter gemeinnütziger freier Träger der
Jugendhilfe arbeitet und eng mit dem
Campus kooperiert.
„Ich freue mich jedes Mal auf den
Bauernhoftag“, sagt der elfjährige Fabian. Denn dann kümmert sich seine

ganze Klasse um die Tiere. Ställe werden ausgemistet und gesäubert, frisches
Fressen hingestellt und natürlich mit den
Tieren gespielt oder gekuschelt. Auch
für die Vögel und Nager im Tierkeller
sind die Sechsklässler an so einem Projekttag verantwortlich. „Das macht großen Spaß“, sind sich Hannah und Gina
einig.
Kurse und Projekte sowohl für Schüler
und Eltern gibt es am Campus jede Menge. Sie reichen von Töpfern, Akrobatik
und Kochen bis zu Konzentrationstraining, Eltern-Lern-Beratungen und Experimentieren im Wissenslabor. Vor vier
Jahren wandelte sich die Grundschule

im Grünen zu einer Gemeinschaftsschule im Grünen, die nun auch das
Abitur anbietet. Rund 1.200 Mädchen
und Jungen besuchen jetzt die Einrichtung an den insgesamt vier Standorten.
Sie kommen zu 70 Prozent aus Lichtenberg, die anderen wohnen in MarzahnHellersdorf, Treptow-Köpenick, Mitte,
Pankow und Charlottenburg. Allesamt
aus Öko-Elternhäusern? „Nein“, sagt
Tobias Barthl. „Wir erhalten wöchentlich Anfragen von Eltern.“
Dass es diesen großen Zuspruch gibt,
freut den 50-Jährigen und spornt ihn an.
Aus seiner Sicht gibt es dafür mehrere
Gründe. Dazu gehören die Kombination aus Umwelt, Schule und Tierhaltung,
die gezielte Begabtenförderung sowie
spezielle Programme für Eltern und das
Einbeziehen von Kindern mit Besonderheiten. Das können autistische Mädchen
und Jungen sein, welche mit Sprachproblemen oder Überaktive. Zu den Besonderheiten des Campus zählt die Öffnung
der Einrichtung nach außen. Besucher
sind jederzeit willkommen, auch sonnund feiertags können die Knirpsenfarm
besucht oder der Spielplatz genutzt werden.
Am 20. September lädt die Schule
zum 1. Malchower Schülerduathlon ein.
Mitmachen können Mädchen und Jungen der Jahrgänge 2006 bis 1997 auch
aus anderen Schulen. Die Anmeldung
ist noch bis kurz vor Beginn möglich.
Weitere Informationen unter

 www.grüner-campus-malchow.de

Bezirk verärgert Rentner

Deutscher Senioren-Computer-Club hat seine Heimat in Lichtenberg. Die Vereinsmitglieder sind aber in großer
Sorge. Die Betriebskosten für ihre Räume an der Einbecker Straße sollen sich verdreifachen.

B

ei Helmut Gau war es so wie bei
vielen Vereinsmitgliedern. Als er
Rentner wurde, wollte er mehr
mit seinem Computer anfangen, als nur
darauf zu schreiben. Also suchte er Hilfe
und entdeckte schließlich den Deutschen
Senioren-Computer Club. Sieben Jahre
ist das jetzt her. „Das war bislang eine
sehr intensive Zeit, in der ich viel gelernt
habe“, sagt er. Mittlerweile gehört der
78-Jährige zum Vorstand und ist Schatzmeister des Clubs. Seit ein paar Wochen
erfüllt er außerdem die Funktion des
Vorsitzenden. Denn dem eigentlichen
Chef geht es nicht so gut. „Weil ihn der
ganze Ärger um die Zukunft unseres
Vereins gesundheitlich sehr mitnimmt.“
Für Unruhe sorgt die Ankündigung
vom Vermieter, dem Verband der Lichtenberger Seniorenheime, die Betriebskosten für die Räume in der Einbecker
Straße von derzeit 8.400 Euro pro Jahr
auf 24.000 Euro jährlich zu erhöhen.
Ab 1. Januar 2016 soll das gelten. „Das
widerspricht dem sozialen Charakter unseres Projektes und kann von uns nicht
geleistet werden“, betont Helmut Gau.
Das hat er dem Vermieter schriftlich
mitgeteilt. Auch Sozialstadträtin Kerstin Beurich (SPD) erhielt einen Brief.

Die Zahl der Mitglieder im Senioren-Computer-Club ist in den vergangenen Jahren gestiegen – das Gleiche passiert jetzt mit den Betriebskosten. STEFFI BEY
„Wir baten um Hilfe und zeigten uns
Auf Nachfrage des Bezirks-Journals
ebenso kompromissbereit“, schildert Lichtenberg erklärt Michael Siegert,
der Schatzmeister die Situation. Auch Kaufmännischer Geschäftsführer des
beim Bezirksbürgermeister Andreas Verbundes Lichtenberger SeniorenheiGeisel (SPD) holte er sich einen Termin. me: „Wir sind ein Wirtschaftsbetrieb
Doch über die Ergebnisse der bisheri- und müssen wenigstens die Betriebskosgen Gespräche können sich Gau und ten für die vom Club genutzten Räume,
die aktiven Senioren nur ärgern. „Etwas rein bekommen.“ Und das seien 2,20
Positives ist für uns jedenfalls nicht dabei Euro pro Quadratmeter. Außerdem beherausgekommen.“
tont er, zahlen die Senioren keine Miete,

wie der Verein gerne öffentlich darstellt,
sondern lediglich die Betriebskosten.
„Wir verzichten seit Jahren großzügig
auf die Miete und haben bislang die Betriebskosten sogar subventioniert“, stellt
der Geschäftsführer noch einmal klar.
Sozialstadträtin Kerstin Beurich sieht
das genauso. „Es ist uns nicht möglich,
diese Betriebskosten zu bezuschussen,
das könnten wir doch keinem anderen
Lichtenberger Verein erklären“, sagt sie.
Weil man aber weiß, wie wertvoll die
Angebote des Vereins sind, kommen die
Rentner eben mietfrei unter. Zu überlegen sei, ob der Club sich vielleicht von
einigen Räumen trennt.
Die Räume an der Einbecker Straße
85 werden nach Aussage des Schatzmeisters aber alle gebraucht. Das sind
rund 900 Quadratmeter - unter anderem
Seminar- und Kursräume, welche für
Büroarbeiten, einer für Videogruppen
sowie ein größerer für Veranstaltungen.
„Räumlich einschränken geht nicht, darunter würde die Qualität unserer Angebote leiden.“
Um irgendwie mehr Geld in die Kasse
zu bekommen, wird über eine Beitragserhöhung für die aktuell 620 Mitglieder
nachgedacht. 
Steffi Bey

September/ Oktober 2014 | Bezirks-Journal

7

Jede Reihe eine Sorte
In Falkenberg pflegen
Naturschützer ein Erbe und
kümmern sich um alte
Streuobstwiesen. Dort wachsen
Äpfel und Birnen an
jahrzehntealten Bäumen.

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Änderungen und Druckfehler vorbehalten!

Samstagskonzert mit Herrn Schwabauer

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V

on weitem sind sie schon gut zu auch die Heimat der bereits erwähnten
erkennen, die großen, roten Äp- schottischen Hochlandrinder. Die haben
fel. Der ganze Baum hängt davon derzeit viel Freude, das hochstehende
voll. Und je länger man über die Anlage Gras zu fressen. In wenigen Tagen werblickt, umso mehr Früchte entdeckt man. den dann die Erntehelfer ausrücken.
Einige sind goldgelb, andere sattgrün – Immerhin kommen dabei bis zu acht
und viele eben tiefrot. Beate Kitzmann Tonnen Obst zusammen. Viele Früchte
bleibt heute vor dem Zaun stehen, denn werden für einen von der Naturschutzso spontan will sie mit ihrem Besuch station produzierten Apfelsaft verwendann doch nicht auf die Wiese mit den det. Der wird dann – wie die Äpfel auch
Apfel-, Pflaumen- und Birnbäumen. Die – im Hofladen der Naturschutzstation in
Zurückhaltung hat einen guten Grund: der Dorfstraße 35 in Malchow verkauft.
Zwischen den jahrzehntealten GewächDoch woher hat das Areal den Namen
sen grasen schottische Hochlandrinder, Streuobstwiese? „Weil sie aus verschiedie man sich lieber respektvoll aus der denen, hochstämmigen Obstbäumen
Ferne anschaut. „Die Rinder bereiten besteht“, erklärt Beate Kitzmann. Der
unsere Ernte vor“, sagt Kitzmann, die Stamm ist mindestens 1,60 Meter hoch,
Geschäftsführerin der Naturschutzstati- ideal sind 1,80 Meter. Im Gegensatz
on Malchow.
zum konventionellen Obstbau sind die
Allein die Streuobstwiese am Tierheim Bäume auf der Streuobstwiese langleBerlin im Lichtenberger Ortsteil Falken- big. Zwischen alten Bäumen stehen junberg ist riesig: Sieben Hektar umfasst die ge. Dieses traditionsreiche Prinzip des
Fläche mit Bäumen, die bereits um die Obstanbaus galt bereits um die JahrhunJahrhundertwende gepflanzt wurden. dertwende als fortschrittlich: Jede Sorte
Zumindest trifft dies auf die Birnen zu, hat andere Bedürfnisse und ist gegen
die locker 120 Jahre hinter sich haben. Witterung sowie Krankheitsbefall unSie wurden einst links und rechts einer terschiedlich gewappnet. Und so finden
kleinen Allee gepflanzt. Die war mal Teil sich auf Streuobstwiesen mal Bäume
des Gutes Falkenberg, das in der Dorf- mit wenigen Früchten, die neben Bäustraße von Falkenberg begann und sich men stehen, die voll hängen. Dadurch
bis weit hinter das heutige Tierheimge- konnte bereits unter unseren Vorfahren
lände zog. Die Längarantiert werden,
dereien wurden in
dass es eine Ernte
erster Linie für den
geben wird. Nur
Obstanbau genutzt.
welche Sorten in
Wer aufmerksam
einem Jahr besondurch die Gegend
ders viel Ertrag
läuft entdeckt noch
brachten, bleibt bis
das Kopfsteinpflaszur Herausbildung
ter alter Wege. Bis
der Früchte eine
auf die Pfade und
Art Überraschung.
die alten Bäume erMal sind im Korb
innert aber an das Beate Kitzmann. MARCEL GÄDING
süße Früchte, mal
Gut kaum noch etsaure. Einige kann
was. An die 30 verschiedene Apfelsorten man so essen, andere sollte man wegen
wachsen dort an alten, knorrigen Bäu- ihrer Säure eher für einen Kuchen vermen. Sorten, die man so noch nie gehört wenden.
hat. „Jede Baumreihe beheimatet eine
Ganz nebenbei ist die Streuobstwiese
Sorte“, erklärt die Diplom-Biologin. Der auch ein wichtiger Lebensraum für Tie„Danziger Kantapfel“ ist darunter, die re wie den Spechtvogel Wendehals, FleAnanasrenette, der Prinzenapfel oder dermäuse oder Käuze. Beate Kitzmann
der Boskop. „Den kann man gut la- drückt es mit heute geläufigen Begriffen
gern“, erklärt Kitzmann. Im Gegensatz aus: „Wenn man so will, ist die Streuzu den Äpfeln aus dem Supermarkt, die obstwiese ein Hotspot der Biodiversität.“
mit speziellen Gasen behandelt werden, Die Ernte der Äpfel, Birnen und Pflaunutzt der Boskop seine eigenen Kräfte, men richtet sich nach den Sorten – bis
um über die Wintermonate zu kommen. Ende Oktober kann sich das hinziehen.
Die Streuobstwiesen rund ums TierEinen Apfeltag veranstaltet die Naturheim Berlin gehören bis heute zum Land schutzstation am 4. Oktober in der Zeit
Berlin, genauer zum Bezirk Lichtenberg. von 13 bis 17 Uhr. Auf dem Hof an der
Nach der Wende wurden sie von der Na- Dorfstraße 35 in Malchow können Äpfel
turschutzstation gepachtet. Ein Teil ist und Apfelsaft gekauft werden. (gäd.)

8 Bezirks-Geschichte



Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Dame mit Hund unter zehn Ölschichten

Einst Wohnhaus, später auch Kita und Krankenhaus, seit mehr als zehn Jahren
immer wieder Baustelle und Kulturort: Das Gutshaus Hohenschönhausen ist auf der
Zielgeraden zum Bürgerschloss.

OEHMCKE

Hauptstraße 44 in Alt-Hohenschönhausen: Das Schloss wurde in der Vergangenheit mehrmals umgebaut. Der Förderverein initiierte die Sanierung. Seit einigen Wochen sind nun wieder alle Fenster eingebaut. STEFFI BEY (2)

Immobilien

von Steffi Bey

sucht Ein- und
Zweifamilienhäuser
& Grundstücke

ndlich wird für jedermann sichtbar, hier tut sich etwas“, sagt Ulrich Kasper. Der Schatzmeister
des Fördervereins Schloss Hohenschönhausen freut sich über den Baufortschritt
am denkmalgeschützten Gebäude an
der Hauptstraße 44. Seit wenigen Wochen gehören zugemauerte Fenster der
Vergangenheit an. Ungehindert scheint
nun wieder Tageslicht durch alle 41
Glasscheiben. Viel zu lange schon waren
diese Bereiche im Erdgeschoss verdeckt.
Aber nicht nur äußerlich geht es am
Gutshaus aus dem 17. Jahrhundert voran. Auch im Innern hat im Frühjahr die
zweite große Sanierungsphase begonnen. Vor allem Wände wurden entfernt
und damit die kleinteilige Raumstruktur aufgegeben. „Auf einmal wirkt alles
ganz anders – hell, groß und einfach
wunderbar“, macht Kasper deutlich.
Wandmalereien im Vestibül, die aus
dem 19. Jahrhundert stammen, kommen
so viel besser zur Geltung. Unter teilweise zehn Ölschichten wurden die „Dame
mit Hund“ und „ein Offizier“ entdeckt.
Auch reich verzierte Holz-Stuck-Bordüren sind freigelegt. „Dass der Wand- und
Deckenschmuck in dieser Dimension
erhalten blieb, ahnte niemand“, betont
der Schatzmeister. Und noch eine Überraschung gab es im Erdgeschoss. Unter
den Bodenbelägen kam ein Tafelparkettfußboden zum Vorschein: mit einer sehr
gut erhaltenen Rosettenstruktur. „Wir
gehen davon aus, dass er restauriert werden kann“, sagt er.
Nach dem Wunsch des Fördervereins
sollen auch die Malereien und Schmuckverzierungen aufgearbeitet werden. Momentan fehlt dafür aber noch das Geld.
„Wir sind derweil mit verschiedenen Institutionen im Gespräch“, sagt Kasper. Er

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Bezirks-Journal

Unabhängige Monatszeitung für
Lichtenberg und Hohenschönhausen.
Das Bezirks-Journal erscheint einmal im Monat
kostenlos und liegt an 140 Orten im Bezirk Lichtenberg zur Mitnahme aus.
Herausgeber/ Chefredakteur:
Marcel Gäding (V.i.S.d.P.)
Verlag:
Medienbüro Gäding | Marcel Gäding
Josef-Orlopp-Straße 54 | 10365 Berlin
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Redaktion & Internet:
Marcel Gäding (Ltg.), Steffi Bey, Anne Langert,
Benedikt Paetzholdt (freie Mitarbeiter)
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Falko Hoffmann,
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BVZ Berliner Zeitungsdruck
Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin
Mitglied im Deutschen Journalistenverband sowie
im Wirtschaftskreis Hohenschönhausen-Lichtenberg e.V. | Auflage: 50.000 Exemplare
Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 2/2014.
Das nächste Bezirks-Journal erscheint am 16.
Oktober 2014

E

geht davon aus, dass dann das schrittweise passiert.
Denn an erster Stelle stehe die Nutzbarmachung des Hauses als Bürgerschloss. In den zurückliegenden Jahren
wurde dafür schon allerhand getan. Es
gab etliche Arbeitseinsätze an denen sich
Anwohner beteiligten. Außerdem erhielten 2003/2004 das Flachdach und zwei
Jahre später das Steildach ein neues Aussehen. Leitungen für Strom, Wasser, Abwasser und Telefon wurden installiert.
Und es fanden viele Veranstaltungen in
den fertig gestellten Räumen statt.
Rund 965.000 Euro standen für den
ersten Abschnitt der Sanierung zur Verfügung. Der größte Teil des Geldes kam
von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie.
Umso größer war die Freude, als eben
diese Stiftung jetzt noch einmal 1,7 Millionen Euro freigab. Die Summe dient
der zweiten großen Bauphase, bei der
die Räume im Erdgeschoss wieder ihre
ursprünglichen Ausmaße erhalten und
ein großer Saal entsteht. Zudem wird

Auch dieses Wandbild-Detail „Offizier“
wurde unter zehn Ölschichten entdeckt.

an der Nordseite des Hauses ein Aufzug
installiert und die Westseite erhält ihren
Originaleingang zurück. Die alte Holztür hatte bereits vor Jahren ein ortsansässiger Handwerker aufgearbeitet. Auch
die Fassade, die derzeit durch die Ausbesserung der Risse fleckig und streifig
aussieht, soll wieder einen einheitlichen
Farbton erhalten. Welcher das sein wird,
steht aber noch nicht endgültig fest.
Das große Ziel des Fördervereins ist
es, in der zweiten Hälfte 2015 die Sanierungsarbeiten abzuschließen. Im großen
Saal sind dann unter anderem Ausstellungen und Kulturveranstaltungen geplant mit bis zu 70 Besuchern. Die Räume im Obergeschoss können schon seit
einiger Zeit auch gemietet werden. „Für
private Feiern oder beispielsweise Klassentreffen“, sagt Ulrich Kasper.
Fest steht, in diese Etage soll künftig
das Daimon-Museum ziehen. Mit dieser
deutschlandweit einmaligen Ausstellung
wird dann vor allem an Paul Schmidt,
den letzten privaten Eigentümer des
Gutshauses erinnert. Der Unternehmer
erfand die Trockenbatterie und die Taschenlampe. Schritt für Schritt will der
Verein – er zählt 52 Mitglieder – auch
den Garten neu gestalten. Außerdem
geht das Forschen in Sachen Gutshaus
weiter. Bislang könne zwar lückenlos
nachgewiesen werden wer dort lebte,
aber viele Details – beispielsweise wer
die Dame mit Hund eigentlich war - seien noch unklar, betont Kasper, der studierter Historiker ist.
Zum Tag des offenen Denkmals, war
das Interesse am Haus wieder groß.
Viele Hohenschönhausener aber auch
Besucher aus anderen Bezirken und
Brandenburg nahmen an den speziellen
Baustellen-Führungen teil.
Weitere Informationen unter

 www.schlosshsh.de

Bezirks-Journal spezial Nr. 5/2014

25 JAHRE MAUERFALL

Unser Sonderthema | Jeden Monat ein neuer Schwerpunkt | Anzeigenbuchungen: Tel. (030) 55 49 96 55 | E-Mail: anzeigen@bezirks-journal.de
THEMEN: Spuren der Erinnerung – zu Besuch im Stasi-Knast - S. 10 | Jugend ohne Regeln – die Unangepassten S. 11 | Junge Berliner über Ost und West S. 12

Wenn Freiheit spürbar wird

Vor 25 Jahren fiel die Mauer. Wir blicken zurück. Und nach vorn.
Am Morgen des 9. Novembers 1989
wird wohl kaum ein Mensch damit gerechnet haben, dass dieser Tag das Leben von Millionen von Menschen verändern wird. Es ist der Tag des Mauerfalls.
Die Grenze, die Deutschland zweiteilte,
durfte erstmals nach 40 Jahren von allen Bürgern gleichermaßen überquert
werden. Für viele DDR-Bewohner war
es das erste Mal, dass sie einen Fuß in
die westliche Welt setzten. Am 09. November 2014 ist der 25. Jahrestag zum
Fall der Berliner Mauer. Anlässlich des
historischen Ereignisses finden in ganz
Berlin Veranstaltungen und Ausstellungen rund um die Themen der Mauerereignisse statt. Auch der Bezirk hat es
sich zur Aufgabe gemacht, sich mit der
Geschichte der Zweiteilung auseinanderzusetzen. Das Bezirks-Journal hat
vorab Menschen und Orte aufgesucht
und lädt Sie, liebe Leser, ein, sich auf
eine Zeitreise in die DDR zu begeben.

Für den Jahrestag stellt Mitarbeiter Falko Hoffmann dieses Bild der Redaktion
zur Verfügung. Der Brandenburger ließ sich mit Plakat zur Friedensdemo ablichten. Das war 1989, kurz bevor die Grenzen den Weg zur Freiheit ebneten. PRIVAT

Mal ernst, mal albern

Die DDR ist Geschichte. Sie hat sich jedoch als feste Marke im Berliner Stadtbild
etabliert. Kritiker sehen den Rummel mitunter skeptisch.
von Anne Langert

E

inmal leben wie der DDR-Bürger.
In Berlin ist das möglich. Und
wer es besonders mag, darf sich
betten wie damals – im Ostel, einem
Friedrichshainer Hostel. Da hängt noch
Erich Honecker an der Wand, eingerahmt zwischen Plattenbau und DDRInterieur. Auf Wunsch geht es auf TrabiSafari. Mit der Pappe fährt der Gast quer
durch Berlins Osten. Zwischenstopp ist
der Checkpoint-Charlie oder der Potsdamer Platz. Hier warten mitunter verkleidete Grenzsoldaten, die für ein paar
Euro Einreisevisa abstempeln und sich
mit Gästen ablichten lassen. Einen Riesenspaß kann der Tourist und Einheimische hier erleben. Stellt sich nur die Frage; wie viel Witz ist erlaubt?
„Prinzipiell ist alles erlaubt. Kritisch
wird es, wenn Anbieter entscheidende
Teile der Geschichte ausblenden“, sagt
Robert Rückel. Für den Direktor des
DDR-Museums an der Karl-Liebknecht
Straße führe dies zu einem verklärten
Bild der damaligen Republik.  „Sicherlich gab es gute Seiten, aber man darf
nicht vergessen, dass die DDR eine Diktatur war.“
In den vergangenen Jahren wurde vielfach Kritik am Berliner Angebot geübt,
nicht zuletzt von Zeitzeugen, die in den
zeitweise „profanen Aktionen“ eine Beleidigung sahen. Nach Protesten ruderte
selbst der Ostel-Betreiber Daniel Helbig
zurück. Seine Zimmer im Hostel werden
noch vermietet. Die seinerseits gelobte

Stasi-Suite steht den Gästen allerdings
nicht mehr zur Verfügung. Auch für den
ehemaligen Betreiber Wilfried Gau mit
seiner Stasi-Kneipe „zur Firma“ in der
Normannenstraße ist nach vielen Protesten Schluss. Mit seiner Erlebnisgastronomie lockte er seit 2008 Gäste zwischen
Abhörgeraten und bunt hängenden FDJHemden mit einem Bier zum Verhör.
Beide Betreiber versicherten, für sie sei
es nur Spaß. Robert Rückel kann da nur
mit dem Kopf schütteln: „Dieser Spaß
verhöhnt die Opfer der Stasi.“
Mit dem Tag des Mauerfalls hat sich
in Berlin ein neuer Markt erschlossen.
Viele Anbieter entwickelten Konzepte, um die DDR gewinnbringend zu
vermarkten. Die Ebene zwischen Geschichtsinteressierten und Bildungskäufern scheint heute verschwommen. „Die
DDR hat sich zu einem ökonomischen
Markenbild entwickelt, das Gäste aus
aller Welt anlockt“, sagt Stephan Ploog.
Für den Regisseur ist es nur eine Frage
der Zeit gewesen, dass viele Akteure von
der Geschichte Berlins profitieren. „Alle
Orte, die Geschichte in sich tragen, haben Menschen, die ihre Weise von Geschichte erzählen“, erklärt der Berliner.
Stephan Ploog hat seine ganz eigene
Sicht auf die DDR. Der 61-Jährige ist
im Ostteil der Stadt groß geworden. Er
selbst hat ein ambivalentes Verhältnis
zum Sozialismus. „Vieles war gut, vieles
war schlecht“, sagt er. Sein persönliches
Bild von Damals stellt der Regisseur im
Kabarett-Stück „Die Bonbonfabrik“ dar.
Anlässlich des Jubiläumsjahres lässt er
die Inszinierung am 17. Oktober im The-

ater „Verlängertes Wohnzimmer“ wieder aufleben. Mit Liedern, Gedichten
und Originaltönen aus der DDR übt er
auf witzige Weise Kritik am damaligen
System. „Meistens gefällt dem Publikum
die Darbietung“, sagt Ploog. „Klar gibt
es auch Kritiker, die meinen, ich veralbere mit der ironischen Herangehensweise
die Geschichte.“ Für Ploog ist die Ironie
eine Form der Geschichtsaufarbeitung.
Robert Rückel kann dem nur zustimmen: „Ironie hilft, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Alles
bierernst zu nehmen, schreckt am Ende
nur ab.“
Zum Jubiläumsjahr fühlen sich die Bezirke verpflichtet mit unterschiedlichen
Programmen die DDR-Zeit aufzuarbeiten. „Damit entsteht ein umfangreiches
Bild über die Geschichte“, sagt Ploog.
„Und am Ende gehören doch viele Menschen dazu, um die Welt komplett zu
machen.“

Aufruf an unsere
LeserInnen:
Wie finden Sie das Be
rliner Angebot rund um die DDR?
Schreiben
Sie uns Ihre Meinung.
Zuschriften
gehen an das Bezirksjo
urnal, Josef-Orlopp-Straße 54,
10365 Berlin, oder an: info@bezirk
s-journal.
de (Fax: 030 55 49 43
69)

VERANSTALTUNGEN

Kurzfilme zu
Gastarbeitern
„Neue Heimat“ und „Wir bleiben
hier“ nennen sich die jeweils 30
Minuten langen Filme, die am 6.
November um 21 Uhr im Filmrisz
präsentiert werden. Im Mittelpunkt
stehen Menschen vietnamesischer
Herkunft, die als Vertragsarbeiter in
die DDR kamen und nach der „Wende“ geblieben sind. Fragen; welche
Probleme und Hoffnungen sich für
die einst begehrten Arbeitskräfte mit
der Wende ergaben, können anhand
der Video-Beobachtungen erörtert
werden? Unter anderem wurde das
Filmmaterial von Lichtenberger Schülern erarbeitet, dass in der Rigaer
Straße 103 nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Infos unter: www.filmrisz.org  (al.)

Berlin leuchtet
zum Jahrestag
Am 9. November 2014 soll die Stadt
erhellen: Mit einer 15 Kilometer
langen Lichtinstallation entlang des
ehemaligen Mauerverlaufs. Zwischen
Bornholmer Straße und Oberbaumbrücke führt das Kunstprojekt bestehend aus tausenden von Ballons
mitten durch Berlin. Ob Mauerpark,
Bernauer Straße oder das Brandenburger Tor – Die leuchtend weißen
Ballons laden zur Entdeckertour. Eine
begleitende Open-Air Ausstellung
wirft dabei einen Blick zurück auf die
Teilungsgeschichte. Zum Höhepunkt
werden die Ballons am Abend in
den Himmel steigen. Ein Bürgerfest
am Brandenburger Tor rundet das
Programm ab. (al.)

Jugendtheater
blickt zurück
Neun Schülern in Ost-Berlin gelingt
im Jahr 1965 die Flucht in den
Westen. Ihr Hilfsmittel: Der ParisMoskau-Express. Vom 4. bis 7. sowie
9. November, um 18 Uhr, wird die
einmalige Geschichte im Theater an
der Parkaue dargestellt. „Berlin-Friedrichstraße 20.35 Uhr“ nennt sich die
Inszenierung von Marcus Lobbes.
Ihm gelingt damit ein Stück außergewöhnliche Zeitgeschichte zwischen
historischen Fakten und Träumen
junger Menschen. Die Karten kosten
13,- Euro, ermäßigt 9,- Euro. Am Tag
der Premiere beginnt der Eintritt ab
10,- Euro. Ort: Parkaue 29, 10367
Berlin. (al.)   

10 25 Jahre Mauerfall



Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Spuren der Erinnerung

Portrait: Selbst 25 Jahre nach Mauerfall lässt Hartmut Richter die Vergangenheit nicht los. Er saß einst wegen
Fluchtversuchs und später wegen Menschenhandels im Gefängnis. Das Erlebte erzählt er bei Führungen, unter
anderem durch das einstige MfS-Untersuchungsgefängnis in Alt-Hohenschönhausen.
von Anne Langert

D

as Schlimmste war der Arrest in
Rummelsburg. Hier wurde ich
im Keller wie ein Tier im Käfig
gehalten“, erinnert sich Hartmut Richter. Er schließt die Augen, atmet durch.
„Eine dunkle, feuchte Zelle, nicht größer
als vier Quadratmeter, eine Holzpritsche
und ein Eimer für Fäkalien – mehr gab
es da nicht“, fährt er fort. Richter spricht
über seine Gefängnisaufenthalte in Potsdam, Hohenschönhausen oder auch
über die Zeit in Bautzen: „Besonders
übel wurde mir nachts. Dann, wenn ich
die Ratten in den Abflussrohren hörte.
Was ist, wenn die Tiere zu mir kommen?
Das habe ich mich nächtelang gefragt.“
Zeitzeugen erzählen. 30 Menschen
lauschen dem 66-Jährigen. Er ist einer
von vielen ehemaligen DDR-Häftlingen,
der Besucher an der Genslerstraße 66
durch die Haftanstalt führt. Unzählige
Male hat der Brandenburger seine Geschichte dort erzählt. „Im Stasiknast“,
wie der Volksmund diesen Ort nennt. Es
ist kühl in den Räumen. Grau sind die
Wände. Diffus ist das Licht. Das 17.313
Quadratmeter große Areal wirkt wie ein
Irrgarten. Etwa 200.000 politisch Verfolgte wurden hier vom damaligen Ministerium für Staatssicherheit bis 1989
verwahrt. Für Richter eine mittlerweile
gewohnte Umgebung.
 Wunsch nach Freiheit. Zweimal wurde der gelernte Eisenbahner verhaftet.
Einmal zu drei Monaten wegen geplanten Fluchtversuches, einmal zu 15 Jahren wegen Menschenhandels. Während
ihm nach dem ersten Haftaufenthalt die
Flucht von Ost nach West gelang, hat er
vor der zweiten Verurteilung 33 Menschen selbst zur Flucht verholfen. „Ausgerechnet bei meiner Schwester und
ihrem Freund wurden wir erwischt“,
erinnert er sich. Was dann kam, hat sich
Richter in seinen kühnsten Träumen
nicht ausmalen können: Knast, Schläge,
subtile Verhörmethoden, Isolation und
vor allem schlechte Lebensbedingungen.
Über fünf Jahre hat Richter so gelebt, bis
ihn die Bundesrepublik freigekaufte.
  Gerechtigkeit leben. Ob er seine
Handlungen manchmal nicht bereut hat?
Richter schüttelt mit dem Kopf. „Schon
als Jugendlicher fand ich das System der
DDR widersprüchlich. Ich konnte da
nicht einfach zusehen“, sagt er. „Ich bereue nur, dass ich die Stasi unterschätzt

Kein Entkommen: Unüberwindbar waren für die MfS-Gefangenen die Innenhöfe.
Sie dienten dem Freigang. ANNE LANGERT (6)

Hartmut Richter vor Garagen auf dem Gelände der heutigen Gedenkstätte Hohenschönhausen. Die Erinnerung lässt ihn nicht los.

habe“, ergänzt der Wahlberliner. Mit seiner Familie sei er trotzdem in Konflikt
geraten. Seine Eltern sorgten sich um
ihn. „Du musst mit den Wölfen gehen.
Dich unterordnen“, hätten sie damals zu
ihm gesagt.  
  Die Geschichte aufarbeiten. Heute,
25 Jahre nach Mauerfall, hat ihn seine
Geschichte voll und ganz im Griff. Sie
bestimmt seinen Alltag: Artikel über die
DDR verfassen, Führungen durch geschichtsträchtige Orte Berlins organisieren, Treffen mit den Bezirksämtern, um
neue Projekte ins Leben zu rufen – für
den Rentner ist seine Geschichte noch
lange nicht zu Ende. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal hier stehen werde“, sagt er. „Als die Mauer fiel, wollte
ich Reisen und die Freiheit genießen.
Endlich nicht mehr kämpfen. Doch als
ich ehemalige Funktionäre in der Öffentlichkeit sah, die den Kommunismus im
Westen schön zu reden versuchten, da
wusste ich: Wir, die Betroffenen, müssen
unseren Teil vom Erlebten erzählen.“   
  Für die Wahrheit. Über 350.000
Besucher kommen jährlich in die Gedenkstätte. Geführt wird das um 1945
errichtete Areal von ehemaligen Häftlingen. 1992 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Hartmut Richter ist
1999 als Aufklärer dazu gestoßen. Noch
heute bestätigt sich die Notwendigkeit
dieses Ortes zur Aufrechterhaltung der
Geschichtsdarlegung. „Immer wieder
kommen ehemalige Funktionäre hier
her und nehmen an Führungen teil“,
sagt Richter. Einige seien einsichtig,
dass das, was passiert ist, nicht gut war.
Andere geben sich gar nicht erst zu erkennen. Und dann gibt es jene, die mit
anderen Gästen wiederum diskutieren
über Recht und Unrecht. „Ein ehemaliger Funktionär, der mit seiner Tochter an
einer meiner Führungen teil nahm, hat
empört den Ort verlassen“, erinnert er
sich. „Er wollte nicht wahr haben, dass
das was hier und andernorts geschehen
ist, die Seelen vieler Menschen gebrochen hat.“ Wie Richter sich bei solch
einer Täter-Opfer Begegnung fühlt? „Es
ist komisch und ja, manchmal macht es
mich wütend“, gesteht er. „Aber solange
wir die Möglichkeit haben, sachlich unseren Teil des Erlebten beizutragen, bin
ich bester Hoffnung, mehr Menschen für
die Folgen der DDR zu sensibilisieren,
als meinen Gefühlen einfach nur freien
Lauf zu lassen.“

25 Jahre Mauerfall 11

September/ Oktober 2014 | Bezirks-Journal

Die Unangepassten

Von Mauerbau bis Mauerfall: Eine Ausstellung zeigt Lichtenbergs Jugend im Osten.
von Anne Langert

S

ie waren Harlekine, mit Beatmusik
und Pilzköpfen. Sie waren langhaarige Blueser, bunte Hippies und
laute Punks – Lichtenbergs Jugendkultur
war vielfältig. Das zeigt eine Sonderausstellung im Museum Lichtenberg. Vom
10. Oktober bis 30. April werden Exponate über junge Menschen, Jugendbewegungen und Randgruppen der DDR
sichtbar. „Eigentlich eine normale Auseinandersetzung über typische Subkulturen“, sagt Museumsleiter Dr. Thomas
Thiele. „Gäbe es da nicht die strenge Beobachtung der Staatssicherheit, unter der
die Jugend in der DDR stand.“
„Widerspenstig und widerständig“
nennt sich die Ausstellung in der Türschmidtstraße 24. Mit Fotografien,
Skulpturen, Audio- und Bewegtaufnahmen sowie Alltagsgegenständen der
DDR wird deutlich, dass die SED eine
Bedrohung in den Jugendbewegungen
zu ihrer Politik sah. „Dabei wollten
sich die jungen Menschen einfach nur
abgrenzen, indem sie sich an den Konventionen ihrer Eltern rieben“, erklärt
Thiele. Er zeigt auf Fotos. Zu sehen sind
Jugendliche aus vier Jahrzehnten DDR.
Sie feiern im Kaskelkiez, gammeln am
Bahnhof Lichtenberg, finden Zuflucht

Musik und gute Laune: nicht alle trugen Blauhemden. MUSEUM LICHTENBERG
in Kirchengemeinden. Zusammengetragen wurde das Material der Ausstellung
von den Historikern Dr. Dirk Moldt und
Steffen Strietzel. Mit Zeitzeugen haben
sie gesprochen, Monatelang in den Stadtarchiven recherchiert. Als Ost-Kinder
wissen sie aus eigener Erfahrung: „Du
konntest damals ein tolles Leben führen,
wenn Du gesellschaftskonform warst.“
Strietzel räumt ein: „Aber wenn Du andere Interessen als der Staat hattest, gab
es zwei Möglichkeiten.“Entweder gegen
das System auflehnen, mit allen Konsequenzen, oder Schlupflöcher finden, um
eine im Rahmen angenehme Jugend zu

verbringen. Acht Themengebiete wurden vom Ausstellungsteam erarbeitet.
 Ein Schwerpunkt liegt auf den Protagonisten Burghard Moldenhauer und
seinen Jugendclub „Napf“ in der Pfarrstraße. Die Gegend sei in den 1970-ern
heruntergekommen. Für Moldenhauer
war es die Chance mit seinen Freunden
ein leeres Geschäft zu besetzen. „Wir
wollten einen Ort der Begegnung schaffen“, erinnert sich der 63-Jährige. Mit
ihrem Ersparten tapezierten sie hinter
zugezogenen Jalousien die Räume. Moldenhauer gehörte zu den Menschen, die
immer einen Weg fanden, im Dschungel

Das war ein Morgen, der 10. November
1989. Ich saß im Unterricht und hatte
Staatsbürgerkunde. Meine Kumpels in
der Klasse flüsterten: „Haste jehört, die
Mauer is uff!
Unser staatstreuer Lehrer beruhigte
uns. Schließlich kann es sich nur um einen Irrtum handeln. Nach Schulschluss
warteten meine Eltern schon im Trabi:
„Wo bleibste denn? Wir wollen rüber“,
sagte meine Mutter. So fuhren wir zur
Chausseestraße und wollten die Grenze
passieren. Vor Ort war ein Menschenandrang. Wartburgs, Trabis und Ladas
bildeten Schlangen. Alle wollten das
Gleiche: „Einmal den goldenen Westen

Nicht alles, was Gold ist, glänzt!

betreten und die Freiheit schnuppern.“
Nur im Schritttempo ging es voran. Wir
waren aufgeregt. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit wenige Meter von der
neuen Welt entfernt waren, wurde es
still in unserer Karre. Wir blickten auf
tausende von Menschen, die drüben auf
uns warteten. Leute tanzten und jubelten.
Andere umarmten sich. Wir hatten Tränen in den Augen. „Da kiekste, wa“, sagte
mein Vater am Steuer und überquerte die
Grenze. Ich konnte nicht fassen, was hier
geschieht. Nur langsam kamen wir voran.
Es störte nicht. Sollten es doch die ersten
Minuten eines womöglich neuen Lebens
sein. „Was bitte ist das“, fragte ich, als

wir an einem Händler vorbeifuhren. Er
hatte eine große Palette Obst aufgetischt.
Knallige Orangen, gelbe Bananen, grüne
Kiwis und rote Melonen. Alles westlich
bunt statt DDR-grau. „Kann man das essen“, fragte ich staunend.
 Die Mauer blieb von da an offen. Ich
genoss die neue Freiheit, schließlich war
hier alles möglich: weite Reisen, quatschen wie dir lieb war und kaufen, was
man wollte. Doch wenige Monate später,
als sich die Aufregung legte, merkte ich,
dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Im
Westen gab es Arbeitslosigkeit. Nicht jeder konnte sich Bananen leisten. Um dem
entgegen zu wirken, war ein Druck zu

der Regeln die eigenen Ideale zu verfolgen. Als angehender Jurist kannte er das
System. „Als wir aufflogen, erklärten
wir, dass wir nur die alte Bausubstanz
vor dem Verfall retten wollen, mit der
sinnvollen Idee eines Jugendclubs.“ Die
staatlichen Behörden ließen die Gruppe
gewähren. Der Club der Werktätigen
war geboren. Schnell sprach sich rum,
dass Moldenhauer und seine Initiatoren
hier Mal- und Fotozirkel anboten, zu
Konzerten und Theaterabenden luden.
Die Jugend Ostberlins kam in Scharen. „Natürlich mussten wir Berichte
führen und natürlich wurden wir beobachtet. Das hat schon genervt“, sagt der
Wahlberliner. „Aber was solltest Du tun,
wenn Du dich als junger Mensch friedlich entfalten wolltest? Du bist gewissen Regeln gefolgt, um hinten rum dein
Ding zu machen.“      
 Welchen Konsequenzen jungen Menschen in der DDR blühte, wenn sie sich
allzu sehr auflehnten, zeigt ein weiterer
Teil der Ausstellung. „Dabei wird deutlich“, sagt Dr. Thomas Thiele „dass die
unangepassten Wege damals so vielfältig waren, wie die Jugendbewegungen
selbst. Irgendwas zwischen widerspenstig und widerständig.“
Weitere Informationen unter

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spüren. „Keine Zeit, muss was werden,
um Geld verdienen.“ Eine Ellenbogenmentalität machte sich breit. Sowas kannte ich aus meiner kleinen, kurzen DDRWelt nicht. Haben wir uns doch einander
geholfen. Und so sehr ich den Tag meines
neuen Lebens auch liebte und es bis heute genieße, wurde mir
klar: Auch die Freiheit
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12 25 Jahre Mauerfall



Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Der späte Sieg der Diktaturen

Der Historiker Klaus Schroeder leitet den Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin. Er bemängelt, dass
Jugendliche zu wenig über die DDR wissen.

F

von Anne Langert

ür den Historiker Klaus Schroeder
ist das Wissen der Jugend rund
um die DDR heute noch erschreckend. Vielleicht, weil er weiß, dass die
Geschichtskenntnisse selbst nach Veröffentlichung seiner Studie im Jahr 2012
weiter sinken.
Was weiß die Jugend über ihre Wurzeln? Wo liegen zeitgeschichtliche
Kenntnisse? Können junge Menschen
von heute Urteile über das historische
Damals abgeben? In Schroeders Studie
„Später Sieg der Diktaturen“ wird deutlich: Die 16- bis 17-Jährigen haben weitreichende Defizite, was ihr Wissen über
die DDR und das Leben dort betrifft.
Den Ergebnissen zufolge gaben 36,5
Prozent der Befragten mit Eltern aus
der DDR an, dass die Deutsche demokratische Republik keine Diktatur war.

Bei den Jugendlichen mit westdeutschen
Eltern seien es 24,5 Prozent. „Es gibt
zwar einige Jugendliche, die gute Sachkenntnisse über die deutsche Geschichte
haben. Aber leider gibt es auch viele, die
Begriffe wie Demokratie und Diktatur
nicht voneinander unterscheiden können“, kritisiert Schroeder.
 Laut Studie holen sich 82,2 Prozent
das Geschichtswissen aus dem Schulunterricht. 36,3 Prozent erörtern die Vergangenheit gemeinsam mit Verwandten,
dicht gefolgt vom Bücherlesen. Nach
Gesprächen mit Lehrern bemerkte der
Wissenschaftler: „Eine Lösung ist, den
Unterricht an Schulen lebendiger zu gestalten.“ Wenn Begriffe wie Demokratie
und Diktatur zu faktisch erklärt werden,
blieben sie den Erfahrungen nach zu abstrakt.  
Lebendige
Unterrichtsgestaltung
könnten Schroeders Meinung nach Pro-

jekttage sein. „Wenn Jugendliche selbst
die Geschichte aufarbeiten, durch eine
Mischung aus Recherche, Zeitzeugenbefragung und dem Aufspüren historischer
Orte, entsteht eine Verbindung zum
Thema“, so die Beobachtung. Mit der
richtigen Vor- und Nacharbeit sei hier
der Lerneffekt am höchsten. „Da merkt
man, dass Interesse für Geschichte vorhanden ist.“
Kritiker lehnten sich bereits mit den
ersten Ergebnissen der Umfrage auf:
„Als Urheber dieser Defizite wird umstandslos die Schule ausgemacht“, hieß
es vielfach. Für sie sein auch andere
Faktoren ausschlaggebend. Dem kann
Schroeder nur zustimmen: „Das soziale
Umfeld spielt eine Rolle oder der Umgang mit den neuen Medien mit seiner
Informationsflut. Da ist es heute schwer
zu selektieren.“ Die Liste der Gründe
für das defizitäre Wissen ist bei Schro-

eder lang. Sicher sei auch: „Die Schule
kann hier nur bedingt entgegen wirken.
Dennoch bleibt sie Ort der Bildung, auch
im Umgang mit neuen Herausforderungen.“
2008 hat der Historiker die Umfrage
schon einmal durchführen lassen. Die
Ergebnisse waren ähnlich. Der öffentliche Aufschrei war groß. Schließlich bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen Wissen und Werteurteilen. „Bei
derartigen Wissenslücken und Fehlrurteilen steht potentiell die Stabilität der
deutschen Demokratie auf dem Spiel“,
lautete die öffentliche Schlussfolgerung.
Historiker Klaus Schroeder kann da
nur schmunzeln. „Damals hieß es von
vielen Seiten; wir müssen handeln, den
Geschichtsunterricht anders aufarbeiten“ schildert er. Mit der Veröffentlichung der zweiten Studie weiß er, dass
seitdem wenig passiert ist.

Ost und West: Der kleine aber feine Unterschied
Die 1980er-Kinder gehören zur letzten Generation,
die die deutsche Teilung miterlebt hat. Damals, als
die Mauer fiel, waren sie noch Kinder. Heute, 25 Jah-

Ossi? Wessi? Ich bin
Berliner!
Stephan K., 29 Jahre, Student, geboren und
aufgewachsen in Ostberlin:
„Die meisten meiner Freunde kommen
wie ich aus Ostberlin. Trotzdem besteht
für mich kein Unterschied zwischen Ost
und West. Ich selbst war damals zu jung,
um den Kommunismus zu begreifen.
Deshalb finde ich es auch unangepasst,
wenn Gleichaltrige sich zu ihrer OstIdentität bekennen und alle Jubeljahre
ein FDJ-Hemd mit Abzeichen rauskramen, dass sie irgendjemanden mal abgeknüpft haben. Schließlich haben wir
diese Zeit nicht bewusst miterlebt. Aufgefallen ist mir, dass es viele Ältere gibt,
die den alten Zeiten hinterher weinen,
weil es früher ein sozialeres Miteinander
gegeben habe und man auch hilfsbereiter
zueinander war. Diese Werte kann man
ja auch heute in sich tragen. Eben mit einem offenen und gesamtdeutschen Bild,
ohne sich in Trauer der alten Zeiten wegen zu ergießen.“

re nach Maueröffnung, sind sie erwachsen. Während
ihre Eltern sozialistische oder westlich geprägte Werte
in sich trugen, stellt sich die Frage, ob für ihre heute

erwachsenen Kids ein Unterschied zwischen Ost und
West besteht und welche Identität sie heute annehmen.
Das Bezirks-Journal hat vier Berliner gefragt.

Permanent von
Zweiteilung umgeben

Ich sehe das
zweigeteilt!

Larah Q., 29 Jahre, Marketingwirtin, geboren in Frankfurt a. Main, jetzt Berlin:
„In Berlin ist man permanent von der
ehemaligen Zweiteilung der Stadt umgeben: seien es die historischen Orte, die
die DDR aufgreifen, politische Fragen,
wie die rund um das Stadtschloss und
den Palast der Republik oder das Stadtbild, wo sich die Bauten zwischen Ost
und West, die zwischen Mauerbau- und
fall entstanden sind, unterscheiden. Oder
haben sie schon eine Karl-Marx-Alle
oder einen Straußberger Platz im Westen gesehen? Auch bei meinen Freunden
aus dem Osten nehme ich Unterschiede
wahr. Ich mit Eltern der 68er-Bewegung
habe eine sehr freie Erziehung genossen, während bei meinen ostdeutschen
Freunden traditionelle Werte und das
Streben nach Sicherheit gelehrt wurden.
Beides hat seine Berechtigung. Ich denke
aber, dass eben dies eine sehr prägende
Wirkung auf uns hat.“

Pierre M., 28 Jahre, Arbeiter, geboren und
aufgewachsen in Ostberlin:
„Ich sehe mich als Berliner, der den positiven Wandel der Stadt von Mauerfall bis
heute miterlebt hat. Deshalb denke ich als
Großstädter, der das Multikulturelle, das
Weltoffene, das Freie hier liebt. Klar hat
so ein Wandel auch negative Seiten wie
steigende Mieten oder schlechtere Arbeitsbedingungen. Trotzdem lebe ich das
Berlin heute und nicht das von damals.
Wenn ich aber zu meiner Familie in den
Garten fahre, spüre ich noch die Folgen
der Geschichte. Nach der Wiedervereinigung haben dort viele Westdeutsche
Eigentumsansprüche gestellt. Das ist ein
Rechtsstreit, der viele Menschen betrifft.
Da stellt sich die Frage; Hat der Ossi ein
Bleiberecht oder darf der Wessi zurück?
Davon hängen viele Einzelschicksale ab.
Sowas ist identitätsstiftend, weil es zeigt,
auf welcher Seite des Landes meine Vorfahren lebten.“  Umfrage: Anne Langert

Ich denke
grenzenlos!
Isabelle Z., 25 Jahre, Germanistin, geboren in
Bonn, jetzt in Berlin:
„Für mich spielt die ehemalige Grenze
keine Rolle, trotzdem ging die Geschichte nicht spurlos an mir vorbei. Zum
Beispiel, als der Regierungsumzug von
Bonn nach Berlin stattfand. Das war ja
eine Folge des Mauerfalls. Da habe ich
gemerkt, dass sich Bonn verändert. Der
exklusive Einzelhandel hat nachgelassen, das ehemalige Regierungsviertel
wirkt heute ausgestorben. Wirklich thematisiert wurde die Mauergeschichte
aber erst mit dem Umzug nach Berlin,
als ich neue Menschen kennenlernte. Da
hat man schon mal Vorurteile gehört.
Der Wessi sei arrogant, der Ossi hamstert. Ich denke nicht in Schubladen. Interessant finde ich die Geschichten der
Eltern meiner Freunde, die die DDR
miterlebt haben. Das wiederum hat mir
einen Einblick in eine Welt gegeben, von
der ich nicht viel wusste.“

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Herbstzeit ist Pflanzzeit

Tulpen & Hecken: Jetzt ist die Zeit günstig, um Balkon, Garten und Terrasse zu bepflanzen
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sollte sie immer feuchte Füße haben“, rät
Herr Tilma. Stolz ist er, viele neue Sorten
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Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Sozialarbeiter der
ersten Stunde
Karsten Dietrich engagiert sich seit der Wende im
Bezirk – der Unternehmer stellt vor allem Projekte für
Jugendliche auf die Beine.
von Steffi Bey

D

ass mit den 31 Stufen stimmt.
Wer die Mitarbeiter der Synergie GmbH treffen möchte, muss
die Treppe erst einmal hinter sich lassen.
Die meisten Fremden zählen tatsächlich
mit: Weil sie herausfinden wollen, ob
das, was auf dem weißen Klebezettel
steht, der Wahrheit entspricht. Auf jeden
Fall geht es steil nach oben an der Dönhoffstraße 2 in Karlshorst.
Irgendwie scheint dieser Aufstieg
symbolisch für das Unternehmen zu
sein. Oder besser gesagt, für den klugen
Kopf, der vor zwölf Jahren die Idee zur
Gründung hatte. Karsten Dietrich, ein
freundlicher Herr mit langem Zopf, setzt
mit dieser Firma das fort, was er nach
der Wende begonnen hat. Er kümmert
sich, er setzt sich ein, er kreiert Ideen
und liefert dazu auch gleich die kaufmännischen Konzepte. Gemeinsam mit
einem elfköpfigen Team stellte er in den
vergangenen Jahren viele Projekte für
Kinder, Jugendliche und Erwachsene
auf die Beine. Dabei geht es vor allem
um Freizeitsport, Jugendsozialarbeit
und gesundheitsorientierte Angebote für
Jedermann. Als Geschäftsbesorger für
den Verein Kietz für Kids sind das unter
anderem Vorhaben für umgestaltete oder
modernisierte Spielplätze sowie Freizeiteinrichtungen. Aus der Taufe gehoben
wurde außerdem Synigia, ein Netzwerk
für Gesundheit. Rehabilitationssport
und Funktionstraining werden praktisch
mit dem Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe
angeboten. Der gesamte Bürokram läuft
praktisch über die Tische der Synergie
GmbH. Die Mitarbeiter treffen Absprachen mit Krankenhäusern und Therapieeinrichtungen, beantragen Fördergelder und stellen Pläne auf. Rund 1.600
Menschen sind inzwischen in diesem
Gesundheitspool registriert.
Neben diesem großen Geschäftsfeld
gibt es einen Bereich, für den sich Karsten Dietrich ganz besonders engagiert.
Es ist die Situation von jungen Leuten:
ihre Ahnungslosigkeit, ihre Zukunftsängste aber auch ihre Null-Bock-Stimmung. „Ich möchte die Jugend ermuntern Eigeninitiative zu ergreifen und
meine Erfahrungen weitergeben“, betont
der 49-Jährige.
Karsten Dietrich gehört zu den Sozialarbeitern der ersten Stunde. Seit der
Wende kümmerte er sich vor allem in
Neu-Hohenschönhausen um Jugendliche. Er gründete bereits im November
1989 gemeinsam mit Gleichgesinnten
den Jugendring Hohenschönhausen,
den ersten Freien Träger im Neubaugebiet. „Ich dachte damals, wenn viele Erwachsene schon verunsichert sind, wie
schlimm muss das dann erst für Jugendliche sein“, erinnert er sich. Also hat er
Straßenarbeit mit Schülern gemacht und

Karsten Dietrich. STEFFI BEY
versucht, ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Später trat er in den Kietz für
Kids ein. Und wieder legte er los, ohne
erst viel darüber zu reden. Er ging zum
Sportamt, besorgte freie Übungsstunden
in Turnhallen, schrieb Zettel und klebte
sie in Hauseingänge. Der Ansturm ermunterte ihn zu ständig neuen Initiativen. So entstanden unter anderem Mädchensportzentren und mobile Teams.
In dieser Zeit wurde Dietrich sogar von
der Führungsakademie des Deutschen
Olympischen Sportbundes als Dozent
gebucht.
Aber Dietrich ist eben ein Macher
und wollte auch das. Also drückte er mit
Ende 30 noch einmal die Schulbank und
absolvierte neben Job und Familie ein
Wirtschaftsstudium. Kurz nach seiner
Diplomprüfung wurde sein viertes Kind
geboren. Inzwischen ist er Vater von fünf
Kindern, sprüht nur so vor Ideen, hoppt
von einem Termin zum nächsten und
stößt neue Projekte an.
In Karlshorst, wo er seit einem Jahr
den Firmensitz hat, soll sein nächster
großer Coup steigen: Am Carlsgarten
plant er eine moderne Sport- und Therapieeinrichtung. Das Konzept wurde
bereits öffentlich präsentiert und von
Anwohnern und Geschäftsleuten positiv
aufgenommen. „Ich träume davon, dass
sich auf den Fluren Kinderwagen und
Rollatoren begegnen und die Menschen
von sich aus etwas für ihre Gesundheit
tun“, macht Dietrich deutlich.
Begeistert spricht er ebenso über BOB
– das Berufsorientierungs- und Bewerbungsprojekt in der Sekundarstufe II.
Seine Firma organisiert die Tagesveranstaltungen, bei denen Geschäftsleute
in Schulen betriebliche und universitäre
Auswahlverfahren simulieren. Es wurde
bisher berlinweit an 43 Einrichtungen
angeboten.
Zu den wohl schwierigsten Aufträgen
gehört momentan für den Unternehmer
die Leitung der Koordinierungsstelle
„Jugend in Arbeit“ in Lichtenberg. Ziel
ist es, die Zahl von Jugendlichen ohne
Schulabschluss oder Berufsausbildung
zu reduzieren.
Einmal im Jahr gönnt sich Karsten
Dietrich aber eine einwöchige Auszeit.
Beim Wildwasserkajak in der Steiermark
schöpft er Kraft für die vielen Aufgaben,
die noch auf ihn warten.

Bezirks-Wirtschaft 15

September/ Oktober 2014 | Bezirks-Journal

Wirtschaftskonferenz im Rathaus

Das Bezirks-Journal präsentiert Unternehmertreffen der besonderen Art: „Starker Partner Wirtschaft“

L

ichtenbergs Wirtschaft boomt,
auch dank der Unternehmen, die
sich im Bezirk ansiedeln. Wesentlichen Anteil an der guten Entwicklung
haben aber auch die Firmen, die seit
Jahren und Jahrzehnten am Standort ansässig sind. „Starker Partner Wirtschaft“
lautet das Motto einer Aktionskonferenz
am 9. Oktober, zu der Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) erstmals Unternehmer zusammenbringt.
Im Rahmen einer Wirtschaftskonferenz,
die vom Bezirks-Journal präsentiert
wird, sollen Unternehmer ins Gespräch
kommen und sich vernetzen. „Die Konferenz richtet sich an Unternehmer und
leitende Manager aus der Industrie, aus
Handwerk und Handel, dem Dienstleistungssektor und den freien Berufen“,
sagt Geisel. Die Konferenz findet im
Rathaus Lichtenberg, Möllendorffstraße
6, 10367 Berlin, statt.

Das Programm:

15 Uhr: Einlass, Warm up mit Gesprächen, Kaffee und Getränken
15.30-16 Uhr: Keynote „Lichtenberg
boomt – was hat die Wirtschaft davon?
Referent: Bezirksbürgermeister Andreas
Geisel, Ratssaal

16.15-17 Uhr: Expertengespräche in
den Themen- Lounges * (Runde 1)
17.15-18 Uhr: Expertengespräche in
den Themen- Lounges * (Runde 2)
18.30 Uhr: Verleihung des Awards
„Lichtenberger Unternehmen des
Jahres“ 2014. Bezirksbürgermeister,
Wirtschaftskreis WKHL und der Wirtschaftsausschuss der BVV Lichtenberg
nehmen gemeinsam die Auszeichnung
vor (Festveranstaltung im Ratssaal)
19.15 Uhr: Abendbüfett mit Networking
im Ambiente der Ausstellung „moving
space“ Skulptur und Malerei
*In den Themen-Lounges haben Sie die
Möglichkeit sich in kleineren Gruppen
(15 bis 20 Personen) mit Experten aus
der Wirtschaft, dem Rathaus und von
Institutionen zu treffen und über spezielle Themen zu diskutieren. In einer
minimalen Vorstellrunde lernen Sie die
Anwesenden kennen. Ein Experte/eine
Expertin hält den 15 minütigen Impulsvortrag. Anschließend kommen Sie miteinander ins Gespräch. Da die Lounges
in zwei Runden stattfinden, haben Sie
die Möglichkeit an zwei Themen-Loun-

BERLINER BILDUNGSMESSE

Marktplatz Bildung

ges Ihrer Wahl teilzunehmen.
Themen-Lounges, Runde 1
Themen: „Fachkräfte Mitarbeiter finden
– Mitarbeiter binden“, „Kundenbindung
Social Media für die moderne Kommunikation mit Kunden. Muss ich jetzt
auch zu facebook?“, „Infrastruktur	
Bauen und Wohnen in Lichtenberg.
Das Lichtenberger Bündnis für Wohnen
– was bringt es dem Wirtschaftsstandort?“, „Liquidität sichern. Intelligentes
Bürgschafts-Management schont die
Liquidität des Unternehmens. Zusätzliche Liquidität schaffen – Unabhängigkeit von Banken sichern – Kreditlinie
umgehen.“, „Business Talent Services
von Berlin Partner. Angebote von der
Rekrutierung und Qualifizierung von
Personal über die Vermittlung von
Absolventen bis zum Willkommen- und
Immigration Service.“
Themen-Lounges, Runde 2
„Ex-Soldaten der Bundeswehr für die
Zivilwirtschaft. Hervorragend ausgebildet und finanziell gefördertt steht ein
Fachkräftepool zur Verfügung, den Sie
für Ihr Unternehmen nutzen können.“,
„Neue Absatzmärkte. Auftragnehmer

werden für internationale Organisationen wie UNO, Weltbank oder NATO
Chancen nutzen! – Hier sind nicht nur
Großunternehmen gefragt!“, „Sicherheit	
Risiko-Management – die unterschätzte
Ressource für den Mittelstand. Offensiver Umgang mit unternehmerischen Risiken in allen Prozessebenen erhöht die
Effektivität.“, „Die Säulen des modernen Marketing im Mittelstand. Gegenseitig Mehrwert schaffen: Unternehmen
und Kunden lernen sich im Online-Marketing kennen.“, „Der Mensch ist die
größte Sicherheitslücke im IT-Netzwerk!
…bewusst oder unbewusst – Welche
Maßnahmen helfen?“
Bitte senden Sie Ihre Anmeldung bis
zum 1. Oktober. Für Rückfragen stehen
die Mitarbeiterinnen des Büros für Wirtschaftsförderung unter 90 296 4338
zur Verfügung.
Wegen der begrenzten Platzkapazität
werden die Anmeldungen in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt.
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Domicil - Seniorenpflegeheim Gotlindestraße GmbH
Gotlindestraße 51 | 10365 Berlin - Lichtenberg
Tel.: 030 / 12 02 20 - 0 | lichtenberg@domicil-seniorenresidenzen.de
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16 Bezirks-Kultur



Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Wenn aus Buttermilchbechern Triebwerke werden
Vor 20 Jahren wurde die Jugendkunstschule Lichtenberg gegründet – bald soll an der
Demminer Straße im Ortsteil Wartenberg auch eine Kunst-Kita öffnen.

S

von Steffi Bey

chon der Name klingt spannend:
Experimentierwerkstatt. Genau
deshalb ist der zehnjährige Rudolf auch dabei. Einmal in der Woche
besucht er die Jugendkunstschule (JuKs)
Lichtenberg. Er läuft dann schnurstracks
über den langen Flur, biegt kurz links ab
und öffnet eine blaue Tür. Er grüßt die
anderen Mädchen und Jungen, gibt dem
Kursleiter Gregor die Hand und schlüpft
in einen Kittel, der irgendwann einmal
weiß aussah.
Jetzt tummeln sich Farb- und Leimreste auf der langärmligen Baumwollschürze. Nicht alle davon hat Rudolf
verursacht, aber doch eine ganze Menge. „Wir können hier bauen was wir
wollen.“ Also bastelte er sich ein eigenes Flugzeug: Einen kunterbunten Körper, dessen Triebwerke aus leeren Buttermilchbechern bestehen und einem
Rumpf, der ursprünglich zur Aufbewahrung eines Staubsaugers diente. Dorian
verpasst derweil seinem selbst kreierten
Roboter ein orangefarbiges Gesicht.
Gleich daneben sägt ein Mädchen an
einem hölzernen Schiffsrumpf und seine Freundin fragt Gregor, ob er ihr beim
Zeichnen hilft. Der Maler und Grafiker
setzt sich zu dem Mädchen und zeigt
ihm ein paar Techniken. „Es ist wunderbar mit den Kindern zu arbeiten, sie haben so viele verrückte Ideen, die wir versuchen, umzusetzen“, sagt der Künstler.
Außerdem lernen die Kursbesucher
beim ihm erste handwerkliche Fähigkeiten wie Sägen oder Schleifen.
Seit 2012 gehört Gregor Kalin zum
Dozenten-Team der JuKs. Der Pool der
Honorarkräfte ist in den vergangenen
20 Jahren auf rund 50 angewachsen.
Die Freischaffenden geben in vielen
Kursen ihr Wissen weiter. Das Angebot
reicht von Aquarellmalerei und Tanz
über Graffiti und Filzen bis Fotografie
und Bildhauerei. „Begonnen haben wir
1993 mit zwölf Mitarbeitern, die eine

Erfinderwerkstatt: Maler und Grafiker Gregor Kalin arbeitet seit einigen Jahren
mit den Kindern. Auch von ihnen holt er sich Inspirationen für seine eigenes
künstlerisches Schaffen. STEFFI BEY (3)

Christina Schulze gehört zu den Gründern der Einrichtung und leitet das Haus
an der Demminer Straße 4 (Foto links).
handvoll Arbeitsgemeinschaften durchführten“, sagt JuKs-Leiterin Christina
Schulz. Sie gehört zu den Initiatoren und
Gründern der Lichtenberger Einrichtung. Mit Gleichgesinnten organisierte
sie damals Räume, stellte im Bezirksamt
Fördermittelanträge und legte los. Stück
für Stück entwickelte sich schließlich
das Haus an der Demminer Straße 4 zu
einem kreativen Ort. Rund 20.000 Besu-

cher kommen inzwischen jedes Jahr in
die Einrichtung, die zu DDR-Zeiten als
Kita diente. Mittlerweile werden zehn
Werkstätten rund um die Uhr genutzt:
vormittags für Schul- und Kitaprojekte,
nachmittags und abends für Kurse und
Workshops. Zudem gibt es Wochenend- und Ferienseminare, Ausstellungen
und Veranstaltungen. „Es macht immer
mehr Freude, weil wir jetzt in einer Pha-

se sind, in der wir ernten können“, sagt
Christina Schulze.
So sei es mittlerweile üblich, dass
vom Bezirksamt oder Unternehmen
nach der Mitwirkung der Schule gefragt
wird. Das betreffe unter anderem Feste
in Lichtenberg oder auch Kunstprojekte. Ein aktuelles Beispiel ist das von der
HOWOGE initiierte riesige Wandbild
am Giebel der Landsberger Allee 228 B.
„Wir haben direkt vor Ort Workshops
für Klassen organisiert“, berichtet die
JuKs-Chefin.
Nur ab und zu bietet Christina Schulz,
die ursprünglich ausgebildete Lehrerin
ist, noch selbst einen Kurs an. „Eigentlich nur, wenn jemand ausfällt, ansonsten reicht die Zeit dafür einfach nicht
aus“, sagt die 54-Jährige. Toll findet sie,
dass es immer wieder Schüler gibt, die
sich später auch beruflich künstlerisch
betätigen. Sie berichtet von einer jungen
Frau, die im Süden Deutschlands als
Textilgestalterin wirkt. Außerdem gehören zum Dozenten-Team sogar ehemalige JuKs-Kinder.
Obwohl es eine Jugendkunstschule
ist, wird am Standort generationsübergreifend gearbeitet. Zudem können
sich Interessierte unter Anleitung der
Kunstpädagogen auf ein Kunststudium
vorbereiten. Entspannung finden die Besucher im Café oder im großen Garten.
An der Raumaufteilung wird sich in
den kommenden Monaten aber einiges
verändern. „Endlich setzen wir unser
nächstes Wunsch-Projekt um“, kündigt
Christina Schulz an. Im hinteren Teil
des Gebäudes entsteht eine Kunst-Kita.
60 Knirpse können dort einziehen und
unter anderem einmal wöchentlich die
Werkstätten der Jugendkunstschule nutzen. „Die finanziellen Mittel für den
Umbau kriegen wir“, freut sich die Leiterin. Im Januar 2016 soll dann Eröffnung gefeiert werden.
Weitere Informationen unter

 www.juks-lichtenberg.de

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DOMICIL Seniorenpflegeheim Gotlindestraße zieht positive Bilanz
Einrichtung betreute bislang 120 Bewohner/ Tag der offenen Tür am 26. September 2014

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung ziehen die Betreiber des DOMICIL Seniorenpflegeheims Gotlindestraße eine
positive Bilanz. Seit dem 1. April dieses
Jahres konnten mehr als 120 Bewohner
in der vollstationären Versorgung und
Verhinderungspflege betreut werden,
teilt Einrichtungsleiterin Angela Wo-

derski mit. „Wir haben drei von fünf
Wohnbereichen eröffnet.“ Der Wohnbereich 3 stehe vor seiner unmittelbaren
Eröffnung. „Im gerontopsychiatrischen
Wohnbereich sind bereits alle Pflegeplätze belegt.“
Neben den 60 hochengagierten Mitarbeitern aus dem Bereich Pflege, Betreu-

ung, Hauswirtschaft, Handwerk und
Verwaltung kann das DOMICIL Seniorenpflegeheim Gotlindestraße auch
auf ehrenamtliche Kräfte zurückgreifen. „Viele fleißige Hände begleiten uns
zusätzlich über den Tag“, sagt Angela
Woderski. „Da gilt es einen besonderen
Dank auszusprechen.“

Am 26. September laden die Mitarbeiter des DOMICIL Seniorenpflegeheims
Gotlindestraße ab 11 Uhr zu einem
Tag der offenen Tür ein und wollen mit
Freunden des Hauses sowie Interessierten Halbjahresfest feiern. Im Saal und
im Garten wird ein buntes Programm
geboten. Ort: Gotlindestraße 51. (bzj.)

September/ Oktober 2014 | Bezirks-Journal

AUSSTELLUNGEN
Die Galerie im Ratskeller beteiligt sich
an der Art Week Berlin, die bis zum
21. Sepember läuft. So wird am 20.
September zwischen 13 bis 18 Uhr die
Ausstellung „moving space“ zu sehen
sein. Ort: Galerie rk, Rathaus Lichtenberg, Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin.
Eintritt: frei.

Bezirks-Kulturkalender 17
JUNGE KUNST

Das im Bauhausstil errichtete Mies van
der Rohe-Haus ist Teil einer Ausstellung,
die vom 21. September 2014 bis zum
11. Januar 2015 zu sehen ist. Ein Jahr
lang hat der Künstler Michael Wesely
im Haus und an der Fassade Kameras
installiert. Die Landzeitbelichtungen sind
Teil der Ausstellung. Sie ist dienstags bis
sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der
Eintritt ist frei. Ort: Mies van der RoheHaus, Oberseestraße 60, 13053 Berlin.
Noch bis zu 24. September sind im Kulturhaus Karlshorst Grafiken der Künstlerin Gisela Kurkhaus-Müller zu sehen.
Das Kulturhaus an der Treskowallee 112
ist montags bis sonnabends von 11 bis
19 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr
geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Fundstücke nach dem Abzug der russischen Truppen im Jahr 1994 stehen
im Fokus der Werkstattausstellung, die
noch bis zum 26. Oktober im DeutschRussischen Museum Karlshorst zu sehen ist. Rund um die Ausstellung ist ein
interessantes Veranstaltungsprogramm
entstanden, das unter Tel. (030) 50 15
08 52 erfragt werden kann. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis
18 Uhr. Ort: Zwieseler Straße 4, 10318
Berlin.
Die Jugendkultur in Lichtenberg ist das
Thema der nächsten Ausstellung im Museum Lichtenberg. Schwerpunkt ist das
Leben junger Menschen zwischen 1960
und 1990, die sich gegen die Organisationen wie die SED oder FDJ aussprachen
und die Gesellschaft kritisch hinterfragten. Die neue Ausstellung ist vom 10. Oktober 2014 bis zum Mai 2015 zu sehen.
Ort: Türrschmidtstraße 24, 10317 Berlin.
Öffnungszeiten: Di-Fr und So 11-18 Uhr.
Eintritt frei.

MUSIK
Im Rahmen des Carlshorster Salons
empfängt Alina Martirosjan-Pätzold am
26. September ab 19.30 Uhr Künstler
aus Afrika. Im Mittelpunkt steht Burkina
Faso. Neben Musik wird Kunst und Kulinarik geboten. Ort: Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, 10318 Berlin.
Karten kosten 18 Euro.
Im Rahmen der Wartenberger Konzerte
präsentieren am 18. Oktober um 17 Uhr
die Tea-Cream-Singers ihr Programm aus
Vocal, Jazz, Pop, Folk, Latin und Swing.
Ort: Kirche zu Wartenberg, Falkenberger
Chaussee 93, 13059 Berlin. Der Eintritt
ist frei.
Eine Tanzrevue präsentiert das Tanzteam Step by Step am 11. Oktober um
18 Uhr in der Max-Taut-Aula, Fischer-

Sechs Stühle, sechs Jugendliche: Das ist das Ergebnis einer Projektarbeit mit dem Titel „Zeigt euch...“. Präsentiert
werden Arbeiten von Schülern und Azubis aus Lichtenberg – wie diese Stühle, die einen positiv besetzten Platz darstellen und den Wunschberuf der jungen Menschen spiegeln. Gezeigt werden diese und weitere Objekte wie Collagen
und Fotografien bis zum 2. November montags bis donnerstags von 11 bis 19 Uhr, freitags von 11 bis 18 Uhr und
sonntags von 14 bis 18 Uhr. Ort: „studio im hochhaus“, Zingster Straße 25, 13051 Berlin. GERD ENGELSMANN
straße/ Schllichtallee, 10317 Berlin.
Anlass ist der 27. Geburtstag der Truppe.
Gezeigt wird „Die zwölf Monate“. Der
Eintritt kostet 8, erm. 6 Euro.
Kammermusik zum 300. Geburtstag
von Carl Philipp Emanual Bach erklingt
am 11. Oktober um 18 Uhr auf Schloss
Friedrichsfelde, Am Tierpark 125, 10319
Berlin. Es werden spätbarocke Werke von
Telemann, Quantz und Fasch geboten.
Eintritt: 22 Euro.
Walzer, Märsche und Swing präsentieren
die Mitglieder der BVG-Bigband am 24.
September um 19.30 Uhr im HumboldtHaus, Warnitzer Straße 13 A, 13057
Berlin. Das Repertoire umfasst Werke
von Radetzky bis Glenn Miller. Eintritt: 16
Euro, Karten unter (0800) 111 00 81.
Der Jazz-Treff Karlshorst ist am 18.
Oktober um 19 Uhr zu Gast in der
Max-Taut-Aula an der Fischerstraße
Ecke Schlichtallee. Auf der Bühne steht
die Sir Gusche Band. Karten kosten 15
Euro und können im Internet unter www.
jazzreff.de bestellt werden.

LESUNG & GESPRÄCH

ber um 19 Uhr ihr Buch „Der Fall Scholz:
Das tödliche Ende einer Ehe“ vor. Darin
geht es um die wahre Geschichte eines
Brandenburger Bürgermeisters, der
wegen des Mordes an seiner Frau zu
lebenslanger Haft verurteilt wurde. Die
Lesung findet in der Egon-Erwin-KischStraße, Frankfurter Allee 149, 10367
Berlin, statt. Eintritt: 4, erm. 3 Euro.
Spannende Kurzkrimis werden am 24.
September um 19.30 Uhr in der Galerie
100, Konrad-Wolf-Straße 99, 13055
Berlin, präsentiert. Zu Gast sind die
Autorinnen Regine Röder-Ensikat, Heidi
Ramlow und Susanne Rüster. Der Eintritt
kostet 4, erm. 3 Euro.
Das Leben und Werk Rosa Luxemburgs ist Bestandteil eines Vortrags mit
anschließendem Gespräch in der Kunstund Literaturwerkstatt „studio im hochhaus“ am 29. September um 19 Uhr.
Zu Gast ist die Luxemburg-Biographin
Annelies Laschitza. Der Eintritt kostet
4, erm. 2 Euro. Ort: Zingster Straße 25,
13051 Berlin.

KINDER & JUGENDLICHE

Der Polizeireporter Michael Behrendt
von der Berliner Morgenpost ist Gast der
Lesereihe „TatZeit“. Am 26. September
stellt er um 19 Uhr sein neues Buch
„Vertuscht, verraten, im Stich gelassen“
in der Anna-Seghers-Bibliothek, Prerower
Platz 2, 13051 Berlin, vor. Karten kosten
4, erm. 2 Euro.

„Lotta und die Wikinger“ lautet der
Titel eines Puppentheaerstücks, das am
28. September um 16 Uhr aufgeführt
wird. Erzählt wird das Abenteuer des
kleinen Wikingermädchens Lotta, das als
blinder Passagier auf große Fahrt geht...
Das Stück ist für Kinder ab dem vierten
Lebensjahr konzipiert. Ort: Das Weite
Theater, Parkaue 23, 10367 Berlin. Karten unter Tel. (030) 9917927.

Die Journalistin Anja Reich von der
Berliner Zeitung stellt am 24. Septem-

„Die Stadtmaus und die Fledermaus“
wird am 25, September um 9.30 Uhr im

Humboldthaus, Warnitzer Straße 13 A,
13057 Berlin, aufgeführt. Zu Gast ist das
Kindermusiktheater ZimbelZambel mit
dem Kasperltheater Wunderhorn. Karten
gibt es für 4, erm. 2,50 Euro unter Tel.
(030) 96 24 25 08.
Das Märchen „Das Waldhaus“ der
Gebrüder Grimm wird am 18. Oktober
um 10 Uhr beim Familiensonntag in der
Bodo-Uhse-Bibliothek, Erich-Kurz-Straße
9, 10319 Berlin, präsentiert. Es spielt
das Puppentheater Gong. Karten kosten
1 Euro, Bestellungen unter Tel. (030)
512 21 02.
Im Theater an der Parkaue feiert am
4. Oktober um 16 Uhr das Stück „Der
kleine Ritter Trenk“ Premiere. Weitere
Vorstellungen sind am 6.-9. Oktober, am
22. und 23, Oktober sowie im November
und Dezember. Es ist das erste Stück an
der Parkaue der neuen Oberspielleiterin Katrin Hentschel. Das Stück erzählt
die geschichte vom Jungen Trenk, der
sich mit jedem bestandenen Abenteuer
ein Stück mehr von der Welt erobert...
Karten gibt es für 14 Euro unter Tel,
(030) 55 77 52 52. Ort: Theater an der
Parkaue, Parkaue 29, 10367 Berlin.

FÜHRUNGEN
Die Diplomaten der DDR sind das Thema
einer Führung mit dem Titel „Auf internationalem Parkett“ am 5. Oktober um
14 Uhr. der Historiker Prof. Dr. Jürgen
Hofmann führt über den Zentralfriedhof
Friedrichsfelde. Kosten pro Person: 4
Euro, Kinder bis 14 frei. Treffpunkt ist
der Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Gudrunstraße 20.

18 Bezirks-Sport
Zum Wohle der Medaillensammler


Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

Serie Sportforum: Im größten Olympia-Stützpunkt Deutschlands laufen die Fäden des Spitzensports zusammen.
von Benedikt Paetzholdt

A

m Anfang stand ein herber
Tiefschlag. Bei den Spielen
1984 in Los Angeles wurde offensichtlich, dass es im deutschen Spitzensport erhebliche Defizite gibt. Die
Medaillenausbeute blieb hinter den
Erwartungen zurück. Und das, obwohl
die Mannschaften der UdSSR und der
DDR nicht mal dabei waren. So begann
die Gründungsgeschichte der OlympiaStützpunkte (OSP) in Deutschland.
„Die Bundesrepublik wollte sich ja
nicht verstecken, sondern eine führende
Sportnation bleiben“, sagte Armin Baumert, erster Leiter des Berliner OSP, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums 2012.
27 Jahre nach der Gründung ist die
Zielsetzung ähnlich. Sonst hat sich aber
doch eine ganze Menge verändert. Der
Leiter des Olympia-Stützpunktes heißt
jetzt Harry Bähr. Vor allem aber sitzt der
OSP im Sportforum, also ausgerechnet
dort, wo vor der Wende die DDR-Olympioniken trainierten. Über den Umzug
kurz nach dem Fall der Mauer sagt
Bähr: „Man wollte das Potenzial und
die In­frastruktur des Ostens nutzen.“
Neben vielen Mitarbeitern waren das
vor allem auch die Sportanlagen hier.
Das beste Beispiel ist die Leichtathletik-Anlage, die unterhalb von Bährs
Büro liegt. Wie vor der Wende bietet
sie auch jetzt noch beste Trainingsvoraussetzungen. Das gilt generell für alle
Anlagen des OSP. Dazu zählen der
Europasportpark (Prenzlauer Berg), das
Wassersportzentrum Grünau sowie das
Horst-Kober-Zentrum (Charlottenburg).
Mitarbeiter des Olympia-Stützpunktes
helfen zudem im Bundesleistungszentrum Kienbaum (Mark) aus.
Beim OSP ist also gelungen, woran
es in manchen Teilen der Gesellschaft
immer noch hapert. Statt auf die Unterschiede zwischen DDR und Bundesrepublik hat man sich hier auf die Gemeinsamkeiten konzentriert. „Es sollte
ja immer darum gehen, die Sportler
optimal zu fördern“, weiß Bähr. „Und
in Berlin hast du dafür die optimalen
Bedingungen.“ Nach Findungsprozess
habe man schnell zusammengefunden,
was Trainingswissenschaft, medizini-

Harry Bähr leitet den Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen.


B. PAETZHOLDT

OLYMPIASIEGER AUS HOHENSCHÖNHAUSEN
Seoul 1988 (Sommer): Dirk Hafemeister
(Reiten); Manfred Klein (Rudern); Wolfgang
Maennig (Rudern)
Albertville 1992 (Winter): Jaqueline Börner
(Eisschnelllauf); Uwe-Jens Mey (Eisschnelllauf); Olaf Zinke (Eisschnelllauf)
Barcelona 1992 (Sommer): Sybille Schmidt
(Rudern); Jens Fiedler (Bahnradsport);
Guido Fulst (Bahnradsport); Stefan Steinweg
(Bahnradsport); Uwe Proske (Fechten); Andreas Keller (Hockey); Oliver Kegel (Kanurennsport); André Wohllebe (Kanurennsport)
Lillehammer 1994 (Winter): Claudia Pechstein (Eisschnelllauf)
Atlanta 1996 (Sommer): Manuela Mucke
(Kanurennsport); Katrin Rutschow (Rudern);
André Steiner (Rudern); Thomas Flach
(Segeln); Bernd Jäkel (Segeln); Jochen Schümann (Segeln); Andreas Wecker (Turnen)
Nagano 1998 (Winter): Claudia Pechstein
(Eisschnelllauf)
Sydney 2000 (Sommer): Birgit Fischer (2/

Kanurennsport); Robert Bartko (2/Bahnradsport); Guido Fulst (Bahnradsport)
Salt Lake City 2002 (Winter): Claudia Pechstein (Eisschnelllauf)
Athen 2004 (Sommer): Natascha Keller (Hockey); Badri Latif (Hockey); Sonja Lehmann
(Hockey); Louisa Walter (Hockey); Maike
Nollen (Kanurennsport); Ronald Rauhe
(Kanurennsport); Katrin Rutschow-Stomporowski (Rudern)
Turin 2006 (Winter): Claudia Pechstein (Eisschnelllauf); Lucille Opitz (Eisschnelllauf)
Peking 2008 (Sommer): Lena Schöneborn
(Moderner Fünfkampf); Britta Steffen (2/
Schwimmen); Florian Keller (Hockey)
Vancouver 2010 (Winter): Katrin Mattscherodt (Eisschnelllauf)
London 2012 (Sommer): Andreas Kuffner
(Rudern); Martin Sauer (Rudern); Robert
Harting (Leichtathletik); Julius Brink (BeachVolleyball); Jonas Reckermann (Beach-Volleyball), Martin Häner (Hockey)

sche Betreuung und Gesamt-Koordination des Sports angeht.
34 Festangestellte zählt der Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen heute.
Die vielen Mitarbeiter, die in den Räumlichkeiten für das Wohl der Sportler arbeiten, noch nicht mitgezählt. Rund 500
Bundeskaderathleten – das sind rund 15
Prozent aller deutschen Bundeskaderathleten – bilden das leistungssportliche Potenzial. 23 Sportarten werden als
Schwerpunkt betreut, drei Winter-, 20
Sommerdisziplinen. „Wir verstehen uns
als übergeordnete Klammer für alle diese Sportler, Trainer und Betreuer“, sagt
der promovierte Sportwissenschaftler,
der seit 2009 den Betrieb im Sportforum
leitet. In ganz Deutschland gibt es 19
Olympia-Stützpunkte.

Welche Sportarten zum Portfolio des
jeweiligen OSP gehören, ergibt sich zum
Teil aus der Historie. „Es gibt Disziplinen, in denen Berlin einfach über viele
Jahre gut ist“, sagt Bähr. Rudern oder
Kanu zählen dazu. Auch spielt Tradition eine große Rolle. Handball ist hierfür
ein Beispiel. Nach vielen Tiefs geht es
seit einigen Jahren hier wieder bergauf.
Kernsportarten wie Leichtathletik oder
Schwimmen sind in einer Großstadt wie
Berlin ohnehin Pflicht.
Wie flexibel der Berliner Olympiastützpunkt auf Trends reagieren kann,
zeigt sich am Beispiel Beach-Volleyball.
Um den Sportlern beste Bedingungen zu
liefern, wurde 2004 eine neue Anlage in
das bestehende Gebäude-Ensemble des
Sportforums integriert. Bähr sagt: „Wir
müssen Schwerpunkte setzen, um internationales Spitzenniveau zu erreichen.“
Weil es beim Sport um viel geht – gerade auch finanziell – mischen gewichtige Institutionen mit. Im Trägerverein
des OSP hat der Landessportbund Berlin den Vorsitz. Ordentliche Mitglieder
sind zudem das Bundesministerium
des Innern, der Deutsche Olympische
Sportbund sowie die für Sport zuständige Senatsverwaltung des Landes Berlin.
Spitzenverbände sind zudem zeitweilig
hier vertreten. Sie alle haben schließlich auch ein Interesse, dass Berlin und
Deutschland international bestens vertreten werden.
Die Konkurrenz schläft nicht
Das ist natürlich mit einer Anspruchshaltung verbunden. „Wenn unsere Athleten nicht wie gewünscht abschneiden, gibt es Diskussionen“, weiß Bähr.
Gerade auch Stützpunkte aus anderen
Ländern schauen genau auf die Ergebnisse des größten deutschen OSP. Von
manchem Konkurrenten wird gefordert,
Mittel hier zu kürzen und anderswo
zu verteilen. Weil man die Ziele zuletzt nicht erreicht hat. Bei den letzten
Sommerspielen in London holten neun
Sportler Medaillen, zehn hatte man
sich gewünscht. Bei den Winterspielen
in diesem Jahr blieb Berlin komplett
ohne Medaille. Besonders auch weil die
einstige Parade-Disziplin Eisschnelllauf
schwächelte. „Wir haben hier tolle Bedingungen, aber in den letzten Jahren
läuft einiges schief.“ Guter Nachwuchs
ist nur noch begrenzt in Sicht.
Bähr will den OSP in Hohenschönhausen deshalb auch wieder vermehrt
dazu nutzen, Talente aus der unmittelbaren Region anzuziehen. „Wir müssen
uns regional positionieren“, sagt er. „Alleine in Lichtenberg gibt es einen riesigen Pool an guten Sportlern.“ Die Arbeit
innerhalb des Sportforums auch außerhalb mehr wahrgenommen werden – so
ist der Plan. „Wir haben in London gesehen, wie sehr sich Kinder und Eltern
für Sport interessiert haben“, sagt Bähr.
„Ähnliches schwebt mir auch hier in
Berlin und speziell in Lichtenberg vor.“
Würde Berlin in einigen Jahren Olympische Spiele austragen, erleichterte das
die Sache natürlich.

Bezirks-Sport 19
Potenziale wecken

September/ Oktober 2014 | Bezirks-Journal

D

Die Eisbären wollen mit neuen Spielern eine verkorkste Saison vergessen machen

er Start in die Eishockey-Saison
2014/2015 war für die Eisbären
alles andere als gewöhnlich.
Zum ersten Mal seit 2010 starteten die
Berliner nicht als deutscher Meister. Gefühle wie Wehmut wurden allerdings
überhaupt nicht vermittelt. Nach einer
unterirdischen letzten Saison schien mal
viel mehr erleichtert, ohne diese Favoritenbürde starten zu können. André Rankel, der die Mannschaft schon zum dritten Mal in die Saison führt, sagt: „Wir
haben gelernt, dass der Erfolg nicht zu
uns kommt, sondern dass wir ihn uns
holen müssen.“ Alle Beteiligten betonen, dass die Vorbereitung im Sommer
so intensiv gewesen sein soll wie schon
lange nicht mehr.
Dass dieses Unterfangen allerdings
nicht ganz so einfach wird, zeigte sich
bereits zum Auftakt. In der Champions
Hockey League setzte es regelmäßig
Niederlagen, ebenso am ersten Spieltag
der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).
Hoffnung wiederum machte der Heimspielauftakt in der Liga, der 5:1 gegen
Straubing gewonnen wurde. Trainer Jeff
Tomlinson sagt: „In dieser engen Liga
kannst du es dir nicht erlauben, nachlässig zu sein. Wir müssen hart und konzentriert arbeiten.“

Patzern immer noch eine Bank im Tor
stehen hat. Der 36-jährige Petri Vehanen
wurde bereits Weltmeister mit seinem
Heimatland Finnland.
Stürmer aus Finnland

Trainer Jeff Tomlinson würde seine Eisbären – hier beim Training im Wellblechpalast – wieder gerne ganz vorne in der DEL sehen. B. PAETZHOLDT
Das gilt vor allem in der Abwehr, die
als Sorgenkind gilt. Aufgrund der veränderten Regeln ist die Abstimmung der
Defensivleute noch wichtiger und kom-

Sonntag, 19. Oktober, 15.00 Uhr

plizierter als ohnehin schon. Jens Baxmann, selbst Verteidiger sagt: „Es gab
schon einiges neu zu lernen.“ Beruhigend dürfte aber sein, dass man bei allen

Spieler aus dem nordeuropäischen
Land stehen in dieser Saison überhaupt
hoch im Kurs bei den Eisbären. Mit
Antti Miettinen verpflichtete der Hauptstadtklub einen Stürmer, der als absoluter Hochkaräter gilt. Insgesamt bringt
er es auf 563 Spieler in der NHL, der
besten Eishockey-Liga der Welt. Zusammen mit Petr Pohl, einem Tschechen mit
deutschem Pass, soll er die Offensive des
Rekordmeisters wieder so richtig torgefährlich machen.
Der ehemalige Mannschaftskapitän
Stefan Ustorf, der die Mannschaft seit
dieser Saison als Sportlicher Leiter betreut, ist von einem nachhaltigen Comeback der Mannschaft auf jeden Fall
überzeugt. Er sagt: „In der Mannschaft
steckt viel Potenzial, wir müssen es nur
wieder abrufen.“ Als Zielmarke wurde
ein vierter Platz nach der Hauptrunde
ausgerufen. Mit der Hoffnung, nach
den Playoffs vielleicht doch wieder ganz
oben zu stehen. (bp.)

20 Bezirks-Navigator



Der Augenblick: NETZWERK

Bezirks-Journal | September/ Oktober 2014

POLITIK VOR ORT
Bezirksbürgermeister Andreas
Geisel: Bürgersprechstunde am 22.
September von 15.30 bis 17.30 Uhr
in der Umweltkontaktstelle, Liebenwalder Straße 12, 13055 Berlin. Voranmeldung erbeten unter Tel. (030)
90296-3301.

Alles, was Lichtenberg in den kommenden vier Wochen bewegt. Kurz.
Bündig. Kompakt.

Harald Wolf, MdA, DIE LINKE: Bürgersprechstunde am 22. September
um 17 Uhr, Alfred-Kowalke-Straße 14,
10319 Berlin.

Senden Sie uns Ihre Infos!
E-Mail: lichtenberg@bezirks-journal.de

Karin Halsch, MdA, SPD: Bürgersprechstunde am 24. September von
17 bis 18 Uhr, Am Berl 13, 13051
Berlin.

Spinnennetze wie diese findet man derzeit überall in Lichtenberg. Fotografin
Gisela Graehn-Baumann von der Fotogruppe des Deutschen Senioren-Computerclubs hat diesen besonderen Augenblick eingefangen. Ab sofort veröffentlicht das Bezirks-Journal jeden Monat eine Aufnahme der fotografierenden
Senioren. Titel der Reihe: der Augenblick. GISELA GRAEHN-BAUMANN

Evrim Sommer, MdA, DIE LINKE: Bürgersprechstunde am 24. September
um 18.30 Uhr, Zingster Straße 12,
13051 Berlin. Anmeldung erbeten
unter Tel. 0151 15 60 23 56

Bundestagsbesuch

Existenz gründen

Die Frauen-Union Lichtenberg besucht
den Bundestag: Am 30. September
wollen sie sich ab 17 Uhr über die parlamentarische Arbeit informieren. Den
Abschluss bildet ein Gespräch mit dem
CDU-Bundestagsabgeordneten Martin
Pätzold. Interessentinnen können sich
bis zum 22. September unter Angabe
ihres Vor- und Zunamens sowie ihres
Geburtsdatums per E-Mail unter frauenunion@cdu-lichtenberg.de.

Ein speziell auf Frauen abgestimmtes
Existenzgründerseminar wird am 23.
September vom Verein Akelei e.V. angeboten. Um 10 Uhr gibt es Tipps zum
Thema „Ist Selbstständigkeit (m)ein
Weg aus der Arbeitslosigkeit?“. Die Veranstaltung ist kostenfrei; eine Anmeldung ist jedoch unter Tel. (030) 54 70 30
48 erforderlich. Geplant ist die Infoveranstaltung in den Vereinsräumen an der
Rhinstraße 84, 12681 Berlin.

Ole Kreins, MdA, SPD: Bürgersprechstunde im neuen Bürgerbüro am
25. September von 16 bis 18 Uhr,
Heinrichstraße 1, 10317 Berlin.

Gedenken an 25 Jahre
Mauerfall

Radtour und
Arten-Konferenz

Der Bezirk organisiert in Erinnerung an
die friedliche Revolution in der DDR
und den Mauerfall eine Gedenkveranstaltung mit Zeitzeugen. Diese findet
am 4. November um 19 Uhr in der Erlöserkirche an der Nöldnerstraße 43 statt.
Unter anderem tritt eine Punkband auf.

Zu einer 15 Kilometer langen Radwanderung lädt das Umweltbüro zudem am
28. September durch die Wartenberger
Feldmark ein. Start ist um 14 Uhr am
S-Bahnhof Ahrensfelde. Von dort geht
es entlang am Gehrensee und dem Tierheim Berlin in das Naturschutzgebiet
Falkenberger Rieselfelder. Teilnehmer
zahlen 6 Euro; dafür gibt es Tipps von
Experten.
Die biologische Vielfalt Lichtenbergs
steht im Fokus einer Konferenz zur Artenvielfalt. Sie findet am 30. Oktober
zwischen 16 und 21 Uhr im Rathaus
Lichtenberg, Möllendorffstraße 6, 10367
Berlin, statt. Schwerpunktthemen sind
Artenvielfalt, Artenschutz sowie Methoden, um die Biodiversität in Lichtenberg
zu erhalten und zu verbessern. Ausrichter sind das Umweltbüro Lichtenberg
und das Bezirksamt.
Anmeldungen werden unter der Telefonnummer (030) 92 90 18 66 angenommen.

Gesine Lötzsch, MdB, DIE LINKE:
Bürgersprechstunde am 29. September um 17 Uhr, Zingster Straße 12,
13051 Berlin. Voranmeldung erbeten
unter Tel. (030) 99 27 07 25.
Birgit Monteiro, MdA, SPD: Bürgersprechstunde am 15. Oktober von 18
bis 19 Uhr, Rathausstraße 7, 10367
Berlin.
Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am 16. Oktober ab 17
Uhr, Max-Taut-Aula, Fischerstraße 36,
10317 Berlin.
Danny Freymark, MdA, CDU: Bürgersprechstunde am 20. Oktober von
17.30 bis 19 Uhr im Wartenberger
Hof, Woldegker Straße, 13059 Berlin.

Unternehmer laden zu
Karlshorster Nacht
Erstmals haben Gewerbetreibende aus
Karlshorst die „Karlshorster Nacht“ auf
die Beine gestellt. Am 27. September
laden die Geschäftsleute der Initiative
„318“ rund um Treskowallee, Ehrenfelsstraße, Königswinterstraße, Rheingoldallee, Dönhoffstraße und Rheinsteinstraße bis tief in den Abend zu einem
Spaziergang durch ihre Geschäfte. Infos
im Netz: www.karlshorster-nacht.de
        
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