Path:
Periodical volume

Full text: Lichtenberger Bezirks-Journal Issue 1.2014,5

Lichtenberg bereitet sich
auf Fußball-WM vor. S. 18

ANZEIGE

Kneipen und Biergärten
starten in die Saison. S. 5

Lichtenberger

Bezirks-Journal

Monatszeitung für Lichtenberg und Hohenschönhausen | www.bezirks-journal.de | www.facebook.de/bezirksjournalberlin | www.twitter.com/bezirks_journal | 1. Jg.; Juni/ Juli 2014

Aus Steuergeld: Nähsets
vom Ordnungsamt
Behörde leistet sich Werbegeschenke – der Bund der
Steuerzahler spricht von einer Verschwendung.

D

as Ordnungsamt Lichtenberg
pflegt eine eigenwillige Form
der Öffentlichkeitsarbeit: Die
Behörde leistet sich im Jahr Werbegeschenke und Flyer im Wert von bis zu
2.000 Euro. Darunter sind Schlüsselbänder, Reiseaschenbecher, Fusselrollen,
Nähsets, Brieföffner, Kaffeetassen, Kugelschreiber und Adressbücher.
Das Bezirks-Journal wurde von Lesern
auf die Verschwendung von Steuergeld
aufmerksam gemacht. Ein Besucher der
Nacht der Politik hatte im Januar die
Werbeartikel entdeckt und sich damit
eingedeckt. Der für das Ordnungsamt
zuständige Bezirksstadtrat Dr. Andreas Prüfer (DIE LINKE) sagt, dass die
Werbeartikel im Rahmen von Imagekampagnen eingesetzt werden. „Kleine
Geschenke erhalten die Freundschaft“,
teilte Prüfer auf Nachfrage des BezirksJournals mit.

Doch diese Form der Öffentlichkeitsarbeit findet wohl nur im Amt Anhänger. Der Bund der Steuerzahler spricht
von einer „völlig überflüssigen Verwendung von Steuergeld“. Und CDUFraktionsvorsitzender Gregor Hoffmann räumt zwar ein, dass es in vielen
Bereichen üblich sei, mit sogenannten
Kleinwerbemitteln für mehr Bekanntheit zu sorgen. „Ob ein Erfordernis besteht für das Ordnungsamt Lichtenberg
mit Flaschenöffnern, Schlüsselbändern
und ähnlichen Werbemitteln zu werben,
ist zumindest hinterfragbar.“ Der SPDFraktionsvorsitzende Erik Gührs will
jetzt genau wissen, wofür im Ordnungsamt Lichtenberg Steuergeld ausgegeben
wird – und möchte die Werbeaktivitäten
der Behörde zum Thema der Bezirksverordnetenversammlung machen.
Ausführlich: Seite 3, Kommentar Seite 15

Gesund und umweltfreundlich
Roy Sandmann (links) und Hajo Legeler haben kein Auto – und das brauchen
sie auch nicht. Die beiden Mitglieder der Stadtteilgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) nutzen ihre Räder, um von A nach B zu kommen.
Gut 180 Kilometer legt allein Hajo Legeler zurück. Doch die Radwege im Bezirk
sind nicht im besten Zustand. Lesen Sie auf den Seiten 9 bis 12 unser FahrradSpezial: Wir stellen Ihnen das Fahrradkonzept des Bezirks vor, greifen die ADFCKritik auf und geben Tipps für Touren mit dem Fahrrad. BILD: MARCEL GÄDING

2 Bezirks-Leben

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Auf dem Trockenen
Der Architekt Arthur Fischer könnte längst auf dem
Wasser wohnen. Die Pläne für sein schwimmendes
Haus sind alle fertig. Doch Behörden machen ihm
einen Strich durch die Rechnung.
Existieren nur auf dem Papier: Die Pläne für die Floatinglofts können bislang nicht umgesetzt werden, weil das Land Berlin die wasserrechtliche Genehmigung
verweigert. Jetzt sollen die Richter entscheiden, wie es mit den schwimmenden Häusern weitergeht. BILDER: FISCHERARCHITEKTEN/ MARCEL GÄDING
von Marcel Gäding

A

rthur Fischer ist ein netter,
freundlicher Mann – selbst Monate, nachdem ihm die Behörden die Genehmigung für sein schwimmendes Haus versagt haben. Natürlich
ist er verärgert, und wie. Doch Fischer
zetert nicht, er schimpft nicht. Das
bringt ihn in seiner jetzigen Situation
schließlich auch nicht weiter. Immer
noch glaubt der Architekt fest daran, seine Schöneberger Altbauwohnung gegen
ein schwimmendes, modernes Haus an
der Rummelsburger Bucht zu tauschen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
„Keine schwimmenden Häuser in
Rummelsburg“ lautete die exklusive
Schlagzeile in der April-Ausgabe des
Bezirks-Journal. So mancher wird sich
denken: Was soll‘s, dann eben nicht.
Für Arthur Fischer aber ist die Nachricht eine Katastrophe, denn seit sieben
Jahren schon bemüht sich der Architekt
gemeinsam mit weiteren Privatleuten
darum, sogenannte Floatinglofts an der
Rummelsburger Bucht vor Anker gehen
zu lassen. Auf der Stralauer Uferseite
hatten Fischer und seine Mitstreiter als
Baugruppe Landflächen erworben, Nutzungsrechte für Strom- und Wasserleitungen erworben. Planer haben die Detailunterlagen für das Projekt längst in
der Schublade. Es könnte sofort mit dem
Bau losgehen, wenn nur alle Genehmigungen vorhanden wären. Doch ausgerechnet die sogenannte wasserrechtliche
Genehmigung fehlt – und damit kann
nichts von dem, was die Baugruppe geplant hat, in die Tat umgesetzt werden.
300.000 Euro wurden bislang in ein Projekt investiert, das vom Land Berlin mal
als Vorzeige-Wohnform propagiert wurde und gegen das sich nun Beamte einer

ZWEITER ANLAUF FÜR SCHWIMMENDE HÄUSER
Die Idee: Im Jahr 2000 entwickelte die
Wasserstadt Berlin GmbH als landeseigene
Projektentwicklungsgesellschaft die Idee von
schwimmenden Häusern auf dem Rummelsburger See und vor der Insel Eiswerder in
Spandau. Damals war von 30 Floating Homes
die Rede. Als Vorbild dienten schwimmende
Häuser in Skandinavien oder Kanada. Schließlich veranstaltete die Wasserstadt Berlin
GmbH einen Architektenwettbewerb für das
rund zehn Millionen Euro teure Vorhaben.

Die Gegenwart: Kein einziges schwimmendes
Haus wurde bislang gebaut. Das Unternehmen Nordicon wollte 2005 die ersten vier
Floating Homes an seine künftigen Bewohner
übergeben. Doch daraus wurde nichts. 2007
nahm die Baugruppe um den Architekten
Arthur Fischer Kontakt zum Land Berlin auf
und trat in entsprechende Verhandlungen.
Inklusive der Gebühren für die Wassernutzung
belaufen sich die Kosten für die Floatinglofts
auf rund 500.000 Euro.

Behörde querstellen. Acht Floatinglofts stanz am Bodensee. Als er Jahre nach
existieren daher erst einmal nur auf dem seinem Umzug nach Berlin das erste
Papier. Die Architektur ist kubistisch, Mal eine Schiffstour auf der Barkasse
die Fassade punktet mit einer Mischung „Oskar“ unternahm, verliebte er sich.
aus Glas, Holz und anderen natürli- Seither lässt ihn das Wasser und die
chen Materialien. Wohnen und arbeiten Idee, darauf einmal zu wohnen, nicht
könnte man dort prima, findet Fischer. mehr los. „Unser Projekt Floatinglofts
Längst wollte er
ist quasi der zweite
schon in einem der
Anlauf gewesen, an
Häuser mit Blick
der Rummelsburauf Rummelsburg
ger Bucht schwimwohnen.
mende Häuser zu
Um die ganze
bauen“, sagt FiGeschichte zu verscher. Ein zuvor
stehen, muss man
geplantes Vorhaben
ins Jahr 2007 zuwurde wieder ad
rückblicken. Daacta gelegt. „Also
mals hatte Berlin
schlossen wir einen
gerade die WasVertrag mit dem
serstadt
GmbH Architekt Arthur Fischer.
Land Berlin und
abgewickelt, die
verpflichteten uns,
im Auftrag des
alle entsprechenden
Landes in Rummelsburg und Spandau Genehmigungen beizubringen“, erinWohnprojekte am Wasser unterstützen nert sich der Architekt. Da es sich bei
sollte. Fischer war ganz angetan von dem Gewässer um eine Bundeswasserder Idee, mal mit Sack und Pack ins straße handelt, mussten Fischer und die
schwimmende Haus zu ziehen. Denn anderen potenziellen Floatingloft-Besitder Süddeutsche wuchs am Wasser auf zer auch mit dem Bund verhandeln. Der
und absolvierte sein Studium in Kon- Erfolg ist ein auf 66 Jahre ausgehandel-

ter Erbbaupachtvertrag. Er muss nur
noch unterschrieben werden.
Das Land Berlin als Vertragspartner
macht dem Vorhaben allerdings einen
Strich durch die Rechnung. Nachdem
die Wasserbehörde zwei Jahre verstreichen ließ, um die Unterlagen zu prüfen,
folgte vergangenes Jahr der Ablehnungsbescheid. Arthur Fischer und die beiden
anderen verbliebenden Mitglieder der
Baugruppe reichten daraufhin Klage
beim Verwaltungsgericht ein. Einige
Stellungnahmen hat das Gericht bereits
angefordert.
Vermutlich aber werden Gutachter
ins Verfahren einbezogen. Immerhin
geht es um die Behauptung der Behörde,
dass die Bewohner der Floatinglofts Gesundheitsgefahren durch aufsteigende
Gase ausgesetzt seien. So richtig nachvollziehbar ist das nicht, wenngleich
der Rummelsburger See dafür bekannt
ist, dass er zu DDR-Zeiten als Abwassergrube für die umliegenden Fabriken
verkam. Vermutlich aber werden die
Richter das dem Land Berlin nicht abnehmen – schließlich hätte es eine derartige Genehmigung schon einmal gegeben, allerdings für das zuerst von der
Wasserstadt GmbH favorisierte Projekt
„Floating-Homes“.
Da Verwaltungsgerichtsverfahren mitunter Jahre dauern, suchen Fischer und
seine Mitstreiter parallel den Weg des
Dialogs. Ende Mai haben sie einen Termin bei der Senatsverwaltung. Vielleicht
einigen sich alle Beteiligten und Fischer
kann seine Umzugskartons packen. Gut
möglich ist aber auch, dass die Verwaltung nun erst einmal ein eventuelles
Verfahren vor dem Gericht abwartet. Bis
dahin muss Fischer warten – und mit
ansehen, wie sein Liegeplatz vor Stralau
als Ankerplatz von fremden Bootsbesitzern genutzt wird.

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

Bezirks-Leben 3
Spendables Ordnungsamt

Behörde macht mit Werbeartikeln Öffentlichkeitsarbeit und muss sich nun unangenehme Fragen gefallen lassen.

D

ie Ausbeute von Roy Weichert
kann sich sehen lassen: Einen
ganzen Beutel mit bunten Werbeartikeln hat er bei der Nacht der Politik
im Januar aus dem Rathaus Lichtenberg
herausgetragen. Viele Kugelschreiber
waren darunter, meist von den Parteien
in der Bezirksverordnetenversammlung.
Den größten „Fang“ machte Weichert
aber am Informationsstand des Lichtenberger Ordnungsamtes. Dort sahnte er
einen Fusselentferner, ein Nähset, ein
Schlüsselband, einen Brieföffner, Feuerzeuge und Kugelschreiber ab.
„Das lag alles so rum, da habe ich
zugegriffen“, erinnert sich Weichert
im Gespräch mit dem Bezirks-Journal.
„Derartige Werbeartikel gibt es sonst nur
auf der Grünen Woche oder der Internationalen Tourismusbörse.“ Erst vor
Kurzem wurde ihm jedoch klar, dass er
seine „Errungenschaften“ indirekt selbst
finanziert. Denn das Ordnungsamt ist
eine Behörde – seine Arbeit bezahlt der
Steuerzahler.
Bis zu 2.000 Euro wendet das Lichtenberger Ordnungsamt jedes Jahr für
seine Öffentlichkeitsarbeit auf – und
geizt auch nicht bei Werbeartikeln. Die
werden „bei öffentlichen Veranstaltungen, auf denen sich das Ordnungsamt
präsentiert“ genutzt, sagt der zuständi-

Die umstrittenen Werbeartikel des Ordnungsamtes. BILD: M. GÄDING
ge Bezirksstadtrat Andreas Prüfer (DIE
LINKE). Zum Einsatz kommen die
Werbeartikel bei Verkehrssicherheitstagen, Präventionsveranstaltungen, Bürgerversammlungen oder „auch mal als
Gastgeschenk für ausländische Delegationen, die sich über die Funktion von
Ordnungsämtern in Berlin interessieren“. Darunter waren bislang Vertreter
aus China, Angola oder Mosambik, die
sich über die Schlüsselbänder und Fusselentferner freuten. „Meist werden solche give aways nicht einfach so verteilt,
sondern sind Bestandteil von Ratespie-

len und Quizfragen rund um das Thema
Sicherheit und Ordnung“, erklärt Prüfer.
Roy Weichert musste derartige Fragen nicht beantworten. Er stopfte sich
seinen Beutel vor den Augen der Ordnungsamtsmitarbeiter voll. Sein Erlebnis
ruft den Bund der Steuerzahler auf den
Plan, der scharfe Kritik am Bezirksamt
Lichtenberg übt. „Dass ein Bezirksamt
Fusselentferner und Tassen verteilt, ist
meines Erachtens auch eine völlig überflüssige Verschwendung von Steuergeld“,
sagt Alexander Kraus, der Vorsitzende
des Berliner Landesverbandes des Bun-

des der Steuerzahler. Das Ordnungsamt
müsse schließlich keine Kundenbindung
betreiben und auch keine Werbung für
sich machen. „Aus meiner Sicht würde
das Ordnungsamt meine Freundschaft
viel eher durch schnelle und ordentliche
Erledigung seiner Aufgaben erhalten.“
Und der Landesrechnungshof mahnt,
dass „bei entsprechenden Maßnahmen
der öffentlichen Verwaltung generell Zurückhaltung geboten sein sollte“.
Nicht nur das Ordnungsamt, auch
Bezirksbürgermeister Andreas Geisel
(SPD) nutzt Werbegeschenke für seine Arbeit. Er teilt auf Nachfrage mit,
dass die Wirtschaftsförderung kleine
Buddybären gekauft habe. Mit ihnen
gratulieren die Behördenmitarbeiter Unternehmen im Bezirk, die ein Jubiläum
begehen. Darüber hinaus kauft das Büro
des Bezirksbürgermeisters jedes Jahr 20
Liter Honig, der aus dem Interkulturellen Garten Lichtenberg stammt und verschenkt die 200 Gramm schweren Gläser an Besucher und Delegationen.
Erik Gührs, Vorsitzender der SPDFraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, wird sich mit den Ausgaben
des Ordnungsamtes noch einmal genauer beschäftigen. Er sagt: „Der Stadtrat
wirft hier Geld für unnötiges Spielzeug
für das Ordnungsamt heraus.“ (gäd.)

4 Bezirks-Leben

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Die armen Hunde von Falkenberg

Das Tierheim Berlin im Norden Lichtenbergs gibt 310 Hunden Asyl. Viele davon warten seit Jahren auf
einen neuen Besitzer. Doch sie gelten in der Regel als schwer vermittelbar.
von Marcel Gäding

D

er kleine Urwis sieht aus wie
jeder Dackel. Er hat ein glattes,
braunes und glänzendes Fell.
Und ja, wenn er mag, dann hat er auch
diesen für Dackel üblichen Blick. Doch
der zehn Jahre alte Hund ist mit Vorsicht
zu genießen. Sobald man ihm zu nahe
kommt, schnappt er zu. Das letzte Mal
traf es seinen früheren Besitzer. Dem
biss er in die Arme. Für den Besitzer
folgte ein Aufenthalt im Krankenhaus.
Für Urwis ging es ins Tierheim.
„Urwis hat ein Distanzproblem und
zeigt zudem Territorialverhalten“, sagt
Xenia Katzurke, Tierärztin und Hundetrainerin im Tierheim Berlin. Vor zwei
Jahren brachten ihn seine verzweifelten Besitzer in die „Stadt der Tiere“ im
Norden Lichtenbergs. Seither wartet er
auf einen neuen Besitzer. Anders als
andere Hunde konnte der kleine Kerl
jedoch nicht gleich in die Tiervermittlung gehen. „Wir mussten zunächst
einmal herausfinden, was sein Problem
ist“, erzählt die Hundetrainerin. „Danach haben wir einen Therapieplan erstellt und an dem auffälligen Verhalten

Tierärztin und Hundetrainerin Xenia Katzurke bei ihrer Arbeit mit Rusty. Auch Urwis (oben rechts) und Fanni (unten rechts)
werden von ihr betreut. Das Ziel: Schnell ein neues Zuhause finden. BILDER: MARCEL GÄDING
gearbeitet. Katzurkes Geduld ist Urwis
Glück. Wäre er von einem Berliner

Veterinäramt beschlagnahmt worden,
hätten die Amtstierärzte auf der Grundlage des aktuellen Hundegesetzes seine
Tötung anordnen können. Ein solcher
Hund wäre schließlich eine Gefahr für
die Allgemeinheit. Xenia Katzurke jedoch ging auf Spurensuche in Urwis
altem Leben: viele Vorbesitzer und ein
Leben auf einer Fläche von einem Quadratmeter. Dass man da als Dackel nicht
allzu freundlich auf noch so freundliche
Zweibeiner reagiert, wundert da kaum.
Von den derzeit 310 Berliner Tierheimhunden erhalten 27 eine Art Spezialbetreuung. Für sie hat Xenia Katzurke
Therapiepläne erstellt. Jeder Hund, der
ein auffälliges Verhalten zeigt, soll eine
Chance bekommen. So individuell wie
die Vierbeiner sind dann auch die Konzepte für die einzelnen Hunde. Niemand
weiß, wieviel Zeit ins Land geht, um die
auffälligen Hunde in die Vermittlung
zu geben. In der Regel ist es nicht das
Ziel, einen Schoßhund zu formen. „Uns
geht es darum, Vertrauen aufzubauen,
auffälliges Verhalten zu therapieren und
passende, neue Besitzer für die Schützlinge zu finden“, sagt Xenia Katzurke.
Ganz leicht ist das nicht. Die Hunde mit
Handicap brauchen Menschen, die sich
auskennen und die akzeptieren können,
dass ihre neuen tierischen Mitbewohner
ihre Zeit und manchmal eben auch einfach nur ihre Ruhe benötigen.
Eingestellt wurde Xenia Katzurke
vom Tierschutzverein, der das Tierheim
in Falkenberg betreibt. Sie ist für viele
Hunde die letzte Rettung. Kollegen sagen, dass es ihr gelingt, oftmals Lösungen für hoffnungslose Fälle zu finden.
„Leider ist nicht jeder Hund von klein
auf sozialisiert“, sagt Evamarie König,
die Sprecherin des Vereins. Gerade in
der Großstadt mit ihren verschiedenen
Umweltreizen führe das zu Problemen,
die sich auf das Verhalten der Hunde
auswirken. Hinzu kommt die Tatsa-

che, dass viele Hundebesitzer mit nur
wenigen Erfahrungen sich einen Hund
anschaffen. „Da geht es bei der Rasse
häufig nach Schönheit“, sagt Evamarie
König. Dass ein Weimaraner aber einen ausgeprägten Jagdtrieb besitzt und
jeden Tag beschäftigt werden will, rückt
da schnell ins Hintertreffen. Die Folge:
Hunde schnappen zu oder bewachen
ihre Besitzer, sodass sich kein fremder
Mensch mehr an ihn heranwagen sollte.
Mit mehr als 300 Hunden sind die
Hundehäuser im Tierheim Berlin voll
– auch wegen der sogenannten Listenhunde. Das sind Vierbeiner, denen nur
wegen ihrer Rasse eine Gefährlichkeit
unterstellt wird, selbst wenn diese die
allerliebsten Tiere sind. Wer die gesetzlichen Auflagen als Besitzer dieser
Rassen nicht einhält, riskiert die Wegnahme durch das Veterinäramt. Abgesehen von der Tragik jedes einzelnen
Falls stellt das den spendenfinanzierten
Tierschutzverein vor ein großes Problem: Bis heute will das Land Berlin für
das von ihm beschlossene Hundegesetz
nicht aufkommen – auf den Kosten für
die Unterbringung, Pflege oder für das
Training bei Xenia Katzurke bleibt der
Tierschutzverein sitzen.
Gezählt hat Evamarie König die Politiker nicht, die in den vergangenen Jahren mit dem Problem vertraut gemacht
wurden. Doch bis auf warme Worte hatten die Volksvertreter und Amtsträger
nichts übrig. Vor Jahren hatte ihr Chef,
Vereinspräsident Wolfgang Apel, mal
die Idee, alle wegen des Gesetzes eingelieferten Hunde ins Rote Rathaus zu
bringen. Vielleicht wäre jetzt dazu eine
gute Gelegenheit...
Am 24. Mai findet von 11 bis 16 Uhr ein Tag
des Hundes im Tierheim Berlin, Hausvaterweg 39, 13057 Berlin, statt. Weitere Informationen im Internet unter www.tierschutzberlin.de

Bezirks-Leben 5

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

Frisches Bier, deftige Haxe

Der Sommer kann kommen: Das Bezirks-Journal lädt zur Gastro-Reise durch Lichtenberg und Hohenschönhausen

B

erliner Weiße am Orankesee, italienisch Speisen bei Gino oder edel
Brunchen im historischen Ambiente: Lichtenbergs und Hohenschönhausens Gastronomie bittet zu Tisch unter
freiem Himmel. Von edel und schick
über kulinarisch exotisch bis hin zu gediegen und bodenständig – sechs Mitarbeiter und Betreiber erklären exklusiv
den Lesern des Bezirks-Journals, warum
eine Reise in ihre Einrichtung ein Sommerhighlight werden könnte.

1. DER KLASSIKER FÜR DIE FAMILIE MIT
WM-HIGHLIGHT
Flair: Unter blühenden Kastanien sitzen.
Den Drink in der Hand. Der Blick geht aufs
Wasser. Idylle wird im Biergarten am Orankesee groß geschrieben. Seit zwei Jahren
betreibt Marko Müller das etwa 400 Quadratmeter große Areal. Ganz neu ist die Sonnenterrasse mit Servicebereich. Rattanmöbel und Glastische laden zum Verweilen ein.
Speisen: Von der Holz-Baude aus werden
selbstgemachte Pizzen, Salate und Fleischvarianten vom Grill gereicht. Grillwürste gibt
es ab 2,50 Euro, Pizzen schon ab 7 Euro.
Selbstgemachte Burger gibt es für 6,50
Euro.
Getränke: Über zehn Sorten an Fass- und
Flaschenbieren stehen dem Gast zur Verfügung. Das 0,3 Liter Getränk gibt es ab 2,50
Euro. Säfte, Weine, Longdrinks und Schnäpse gehören zum Angebot.
Highlight: Zur Weltmeisterschaft werden
auf einer großen Leinwand neben dem See
die Fußballspiele übertragen.
Adresse: Orankestraße 41, 13053 Berlin.
Öffnungszeiten: Mo.- Fr. von 14-23 Uhr, Sa.
ab 13 Uhr, So. und feiertags ab 10 Uhr. Tel.:
(030) 214 00 22, Homepage: www.orankeam-see.de
2. DER SPEZIELLE MIT TRADITION IM IRISCHEN SCHICK
Flair: Seit 24 Jahren ist das Wernesgrüner
B. eine feste Institution in Karlshorst. „Unsere Bierstube hat einen Pub-Charakter, indem
schwarz-weiße Tapeten die Wände zieren,
ein karierter Teppich auf dem Boden liegt
und Bilder an den Wänden hängen“, sagt
Wirt Joachim Günzel. Auf der Terrasse ist
Platz für 50 Gäste.
Speisen: Eine hauseigene Räucherei bietet zudem Schweinshaxe mit Sauerkraut.
Dazu gibt es Brot und Kartoffeln im Preis von
10,90 Euro. Die Karte bietet darüber hinaus
viele deftige, deutsche Gerichte.
Getränke: Neben Fass- und Flaschenbieren ab 2,30 für 0,3 Liter sind auch irische
Sorten wie das Guinness im Angebot. Aperitifs und ausgewählte Weine gehören ebenfalls zum Repertoire.
Highlight: Jeden zweiten und vierten
Dienstag im Monat gibt es Jazz zum Feierabend. Von 19 bis 22 Uhr können Gäste
dann kostenlos der Live-Musik lauschen.
Adresse: Treskowallee 68, 10318 Berlin,
Öffnungszeiten: Mo.- Sa. 12-24 Uhr, So.
11.30 – 23 Uhr. Tel.: (030) 509 86 43,
Homepage: www.wernesgruener-b.de
3. DER EDLE IM HISTORISCHEM CHARME
Flair: Exquisit ist die Alte Feuerwache in
Alt-Hohenschönhausen. „Wir möchten besondere Momente bieten“, erklärt Sheila

Öffnungszeiten: Mo-Fr. 11-24 Uhr, Sa., So.
& Feiertage: 9-24 Uhr. Tel.: (030) 530 98
534, Homepage: www.roseneckrestaurant.
npage.de

Der Biergarten am Orankesee (1).

Wernesgrüner B (2).

Roseneck (4).

Restaurant Gino, Karlshorst (6). BILDER: LOLO (3); GÖKMEN BAHADAR
Klapperstück. „Ohne die Historie außer acht
zu lassen.“
Speisen: Seit 14 Jahren ist die Alte Feuerwache ein Hotel- und Restaurantbetrieb.
Das Motto lautet: gehobene Speisen. Selbst
beim sonntäglichen Brunch von 11.30 bis
15.30 Uhr zieht sich die Idee wie ein roter
Faden durch das Buffet mit großen Wurstund Käseplatten, warmen Speisen und einer
Auswahl an Kuchen. Das letzte Buffet dieser
Art gibt es am Pfingstwochenende. „Am 8.
und 9. Juni laden wir noch mal ein. Dann
gibt es erst nach der Sommerpause wieder
im September den legendären Brunch“, sagt
Klapperstück. Bis zu 19,- Euro zahlt ein Erwachsener an diesen Tagen für das Buffet,
der Preis allerdings variiert. Warmgetränke
und ein Glas Sekt gibt es gratis dazu.
Highlight: Obendrein können Gäste etwas
über die Historie des Hauses erfahren. Alte
Feuerwehrhelme und andere Requisiten seiner Zeit werden in Vitrinen ausgestellt.
Adresse: Waldowstraße 1, 13053 Berlin,
Mo.: Ruhetag, Di.-Fr. 17-24 Uhr, Sa. und Feiertag 11.30 - 24 Uhr, So. 11.30-15 Uhr. Tel.:
(030) 98 19 560, Homepage: www.hotelaltefeuerwache.de

4. DER VIETNAMESE MIT BIERSTUBENKONZEPT
Flair: Das „Roseneck“ ist eine Einrichtung
mit rustikalem Bierlokal und vietnamesischen Einschlägen. „Ja, wir wollen beides
ansprechen; den deutschen und den asiatischen Geschmack“, erklärt Hoa Tran.
Speisen: Natürlich gibt es bei dem Konzept dann auch das Bauernfrühstück für
4,50 Euro oder das Schnitzel für 6,50 Euro.
Wer aber eine Reise durch die Köstlichkeiten
Vietnams erleben möchte, trifft auf eine vielfältige Speisekarte. Neben Reis- und Nudelgerichten gibt es viele Suppen. „
Getränke: Neben dem klassischen Fassund Flaschenbier ab 1,50 für 0,3 Liter können Gäste das „Saigon Bier“ für 2,20 Euro
probieren. Auch alkoholfreie Getränke sind
hier nicht zu knapp. Mango-Lassi und Zitronengras-Tee entstammen den Rezepten der
alten Kaiserregion Vietnams.
Highlight: Besonders ist der Garten zum
Roseneck: Einfach gehalten, aber mit Liebe
zum Detail geschmückt, können hier an die
30 Gäste zwischen Büschen und plätscherndem Gewässer verweilen.
Adresse: Küstriner Str. 45, 13055 Berlin,

5. DER DEFTIGE NACH TSCHECHISCHER
ART
Flair: Wer Böhmische Küche liebt, ist bei
Köchin Renate und Tresenchef Reinhold
Schulze bestens beraten. Seit sieben Jahren
betreibt das Ehepaar das rustikale Restaurant „Böhmischer Garten“ in Karlshorst.
Speisen: Beliebt ist das Nationalgericht
„Schweinekruste mit böhmischen Kraut und
Knödeln“. Für 10,20 Euro gibt es eine deftige Portion. Die Kleinen können Schnitzel mit
Kartoffeln schon ab 5,80 Euro verspeisen.
„Zudem bieten wir Gerichte aus der ehemals
Österreich-Ungarischen Donaumonarchie“,
sagt Renate Schulze.
Getränke: Zum Nationalgericht wird gerne
der aus Morava stammende grüne Veltiner
gereicht. 4,20 Euro kostet ein 0,2 Liter Glas.
Auch tschechisches Bier vom Fass kann
empfohlen werden. Ein Jarosova hell oder
dunkel kostet 3,10 Euro (0,5 Liter).
Highlight: Um Erinnerungen an Reisen
nach Tschechien auch im Sommer aufleben
zu lassen, heißen die zwei ihre Gäste auf ihrer Terrasse willkommen. Hier können mehr
als 30 Personen ihre Gerichte genießen.
Adresse: Dönhoffstraße 35 A, 10318 Berlin, Öffnungszeiten: Di-So. und feiertags von
12-21.30 Uhr. Tel.: (030) 508 81 91, Homepage: www.boehmischer-garten.de
6. DER GOURMET NACH ITALIENISCHEM
GESCHMACK
Flair: Das Restaurant Gino in der Rheinsteinstraße erstrahlt im neuen Glanz: Mit
einer gehobenen Küche auf hübsch gedeckten Tischen und unter Kronleuchtern wird
ein kulinarisches Erlebnis geboten. Das liegt
wohl auch am Küchenchef Imer M, der seit
anderthalb Jahren für die Auswahl der Weine
und Speisen zuständig ist.
Speisen: Gerne reicht der Koch auch drei
Gänge-Menüs. Diese gibt es ab 25,- Euro.
Zur Saison empfiehlt Imer als Hauptgang
Kalbsrücken mit Spargel, gefüllt in ButterParmesan-Sauce. Als Vorspeise eignet sich
dazu gegrilltes Gemüse zwischen Büffelmozzarella und Parmaschinken auf Melone. Um
das Menü abzurunden sei als Nachspeise
Pannacotta gegönnt.
Getränke: Zum Kalbsfleisch-Menü reicht
der Koch des Hauses Weißwein aus Kalabrien, einen würzig frischen Gelsi Bianco aus
Passionsfrüchten und Kräutern. Da kostet
das Glas 6,- Euro, die Flasche 19,- Euro.
Highlight: Der Chefkoch legt großen Wert
auf die Frische und Qualität der Speisen.
Wer sich davon überzeugen möchte, kann
an sonnigen Tagen und lauen Abendstunden
dafür auch die zwei Terrassen beim Gino besuchen.
Adresse: Rheinsteinstraße 1, 10318 Berlin,
Öffnungszeiten: tägl. von 11-23 Uhr, So.- und
feiertags von 11-22 Uhr, Tel.: (030) 609 35
119 Homepage: www.il-gattopardo-berlin.de

Zusammenstellung: Lena Emm
Gastrotipps und weitere
 Ausführliche
Lokale finden Sie unter

www.bezirks-journal.de/gastroguide

6 Bezirks-Geschichte

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Einst Haftanstalt, heute Heimat für Familien
Rummelsburg war mehr als 100 Jahre Arbeitshaus und Gefängnis. Seit einigen Jahren ist der
Standort eine gefragte Wohngegend. Die neuen Bewohner leben in den früheren Zellen oder
Townhouses. Einige widmen ihre Freizeit der Geschichtsforschung.

A

von Marcel Gäding

ls Stefanie Lücke mit ihrem
Mann eine gemeinsame Wohnung in Berlin sucht, stoßen sie
durch Zufall auf Rummelsburg. Zwischen schönen, alten Backsteinhäusern
sollten die vom Immobilienentwickler
versprochenen Reihen- und Mehrfamilienhäuser entstehen. Beim ersten Spaziergang am nahegelegenen Rummelsburger
See mit Blick auf die verträumte Halbinsel Stralau kamen Erinnerungen an
die Ostsee hoch. „Schnell war uns klar,
hier wollen wir wohnen“, erinnert sich
Lücke. Was der Immobilienentwickler
jedoch in seinen Hochglanzprospekten
verschwieg: Das Areal zwischen der
Hauptstraße und dem See hat eine dunkle Vergangenheit. Von 1877 bis 1990
diente es als Arbeitshaus und Gefängnis. Sowohl in der Kaiserzeit als auch
später unter den Nazis und in der DDR
wurden auf dem Gelände Menschen inhaftiert – viele von ihnen, weil sie gegen
die jeweiligen politischen Systeme aufbegehrten. „Ich war entsetzt, dass uns
diese Information vorenthalten wurde“,
sagt Stefanie Lücke heute. Inzwischen
ist sie Mitglied des Freundeskreises „Wir
erinnern“. Hier engagieren sich Bewohnerinnen für das Gedenken an einen Ort
mit wechselvoller Geschichte. Das Personalpronom „Wir“ darf durchaus doppeldeutig gesehen werden. Es verkörpert
die Gemeinschaft und die Zugehörigkeit
zum Nachbarschaftsverein WIR e.V.
Dieser wurde 2006 aus einer Anwoh­
nerinitiative heraus gegründet und hat
derzeit 90 Mitglieder.
Seit 2008 wohnt Familie Lücke an der
Rummelsburger Bucht und steht beispielhaft für die Menschen, die hier ein
neues Zuhause fanden: Die Familie hat
zwei Kinder, Vater und Mutter sind voll
berufstätig – und wie die meisten hier
im Kiez haben sie einen Hochschulabschluss. Direkt am Rummelsburger See
zu wohnen, ist nicht ganz billig. Die kleinen Townhouses oder die Wohnungen
in den früheren Gefängnistrakten haben
ihren Preis. Dafür braucht es in die Innenstadt nur ein paar Minuten. Ab Mitte
der 1990er-Jahre wurde der Weg frei gemacht, das alte Gefängnisareal zu einem
Wohnstandort zu entwickeln. Mehrere

Stefanie Lücke lebt seit 2008 in Rummelsburg. Die Geschichte in Erinnerung
bringen ist ihr Anliegen. Mehr Fotos: www.bezirks-journal.de BILD: M. GÄDING

ORT MIT WECHSELVOLLER GESCHICHTE
Die Lage: Rummelsburg ist ein Ortsteil von
Lichtenberg und befindet sich zwischen dem
Kaskelkiez auf der einen und der Rummelsburger Bucht auf der anderen Seite. Das Viertel wurde lange Zeit stark industriell genutzt.
Um die Jahrhundertwende befand es sich vor
den Toren Berlins, heute liegt es mitten in der
Stadt.
Die Kaiserzeit: Die Anlage zwischen Hauptstraße und Rummelsburger Bucht wurde 1877
als „Arbeitshaus der Stadt Berlin zu Rummelsburg“ errichtet. Sie entstand nach den Plänen
des Stadtbaurates Hermann Blankenstein, der
auch den Alten Schlachthof an der Landsberger Allee entwarf. Männer und Frauen
sollten zur Arbeit und zu einem geordneten
und gesetzmäßigen Leben erzogen werden. In
das Arbeitshaus wurden Bettler, Prostituierte,
Arbeitsscheue und Landstreicher eingewiesen.
Die Zeit der Nationalsozialisten: Ab 1933
wurde die Anlage von den Nationalsozialisten
zu einem „Städtischen Arbeits- und Bewahrungshaus Berlin-Lichtenberg“ umfunktioniert.
Untergebracht wurden die Insassen unter anderem auch nach ihren Neigungen – darunter

Menschen mit homosexueller Orientierung.
1942 nahm eine Kommission ihre Arbeit auf,
die in Rummelsburg Menschen auswählen
sollte, welche euthanasiert werden sollten.
Dieses Vorhaben wurde jedoch nie umgesetzt.
Die Zeit der DDR: Nach dem Zweiten
Weltkrieg kam das Gelände in die Zuständigkeit der Volkspolizei. Die im Krieg teilweise
beschädigten oder zerstörten Häuser wurden
wieder instandgesetzt. Es erfolgte der Umbau
zum Gefängnis. Unter anderem wurden in
Rummelsburg Männer und Frauen inhaftiert,
die im Zuge des Volksaufstandes 1953 und
des Mauerbaus 1961 in Erscheinung traten.
Auf dem Gelände befand sich neben einer
Untersuchungshaftanstalt auch eine Strafvollzugsanstalt für Männer. Letzter prominenter
Insasse war Erich Honecker. (Quelle: WIR e.V.)
Material zum Weiterlesen: Der Nachbarschaftsverein WIR e.V. und sein Freundeskreis
„Wir erinnern“ haben eine umfangreiche
Dokumentation zur Geschichte sowie Downloads ins Internet gestellt. Sie sind unter www.
wir-in-rummelsburg.de/wir-erinnern.html
abrufbar.

Tausend Menschen wohnen mittlerweile
in Rummelsburg. In den kleinen Wohnstraßen spielen Kinder, während das
Ufer den Joggern, Radfahrern und jungen Eltern mit Kinderwagen gehört. Die
neuen, modernen Häuser wurden behutsam in den denkmalgeschützten Bestand
aus backsteinroten Häusern integriert.
Wer durch das Viertel läuft, wird auch
mit der Erinnerung an die Vergangenheit
konfrontiert. Am Seeufer wurden Stelen
mit Texten und Fotos aufgestellt. Am alten Lazarett des Arbeitshauses können
sich Besucher mit einem hochwertigen
Faltplan eindecken und auf eigene Faust
schnell erkunden, welches Haus einst
wofür genutzt wurde. Es gibt eine derzeit
vergriffene Broschüre, die aber kostenlos
im Internet heruntergeladen werden
kann. Und dann ist da noch die App für
Handys und Tablet-PCs. Hier wurden
die Inhalte interaktiv aufbereitet. Mit
ihrer Hilfe können Interessierte auf eigene Faust die Gegend erkunden und
sich Details zu den Häusern durchlesen.
Geschichte für die Hosentasche sozusagen. „Wir finden es wichtig, dass jeder
darüber Bescheid weiß, was hier einmal
gewesen ist“, sagt Stefanie Lücke. Alle
engagieren sich gegen das Vergessen.
Und in der Tat: Nach dem Fall der Mauer schenkte man im Bezirk Lichtenberg
der Aufarbeitung dieses geschichtsträchtigen Ortes zunächst wenig Beachtung.
Hinter all den Publikationen steckt
der Freundeskreis um Stefanie Lücke.
Broschüre, Faltblätter und App sind professionell gemacht. Die Mittel hierfür
kamen unter anderem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Seit 2009 hat „Wir erinnern“ ein
Netzwerk aus Historikern, interessierten
Bewohnern und ehemaligen Häftlingen
aufgebaut. Es gibt Führungen, Lesungen
und Veranstaltungen – mit gutem Zulauf
und positiver Resonanz. Zweimal im
Monat treffen sich die Frauen von „Wir
erinnern“, um über weitere Projekte zu
sprechen. Die Akademikerinnen – unter
ihnen ist auch eine Historikerin – haben die jüngere Vergangenheit bereits
gut durchleuchtet. Jetzt wollen sie sich
schrittweise in die Zeit bis 1877 wagen
und insbesondere die Phase des Nationalsozialismus näher erforschen. Kontakte zu einem Experten gibt es bereits.

Bezirks-Geschichte 7
Medizinischer Fortschritt seit 1914

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

Das Oskar-Ziethen-Krankenhaus feiert mit vielen Veranstaltungen sein 100-jähriges Bestehen. Zu ihrer Eröffnung
galt die Klinik bereits als modern. Auch in der Gegenwart ist dieser Anspruch Programm.
von Steffi Bey

A

lt und neu auf einem Gelände
nebeneinander – und manchmal
sind die verschiedenen Gebäude
miteinander verbunden: So ist das neue
Haupthaus des Sana Klinikums praktisch an das historische Hauptgebäude,
des vor 100 Jahren eröffneten Krankenhauses der Stadt Berlin-Lichtenberg, wie
es damals hieß, angedockt. Von dem großen, modernen Eingangsbereich können
Personal, Besucher und Patienten, direkt
das alte Haus erreichen.
„2007 wurde dieser Teil am Standort Oskar-Ziethen-Krankenhaus neu
eröffnet“, berichtet Ingrid Anuth,
Mitarbeiterin der Pressestelle. Es war
das erste Gebäude, das auf diesem geschichtsträchtigen Areal nach der Wende zwischen der Hubertus- und der Fanningerstraße entstand.
Vier Geschosse besitzt der moderne
Bau, der die Rettungsstelle, die Patientenaufnahme, die Radiologie und die
Endoskopie beherbergt. Zudem gibt es
in dem Haus 204 Betten und fünf Operationssäle. Auf der anderen Straßenseite
ist in den vergangenen Jahren der zweite
Neubau des Gesundheitscampus, wie
Ingrid Anuth das Areal gern bezeichnet,
entstanden: Ein Eltern-Kind-Zentrum
steht seit 2012 zur Verfügung. Unter
einem Dach sind die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin inklusive des
Sozialpädiatrischen Zentrums sowie die
Kinderchirurgie-Klinik, die Geburtshilfe
und die Neonatologie vereint.
„Unser familienfreundliches Konzept
geht auf, viele Eltern ziehen zeitweise dort mit ein, um bei ihren kranken
Kindern zu sein“, erklärt Ingrid Anuth.
Aber das sei nur ein Beispiel für den
„fortschrittlichen Charakter, den es an
diesem Medizin-Standort schon seit 100
Jahren gibt“.
Denn als am 26. Oktober 1914 der
Krankenhauskomplex auf Initiative des

Ingrid Anuth freut sich über die Babymützen, die eine ältere Dame angefertigt
und geschickt hat. Es ist eine Lichtenbergerin, die einst im Oskar-ZiethenKrankenhaus geboren wurde, und sich an der Aktion „Ich bin im Oskar geboren“
beteiligt. Unten: Das historische Haupthaus. BILDER: S. BEY/ M. GÄDING
damaligen
Bürgermeisters Oskar
Ziethen – dessen
Namen trägt der
Standort zu seinen
Ehren noch heute – öffnete, hatte
die
Einrichtung
mit ihren Angeboten bereits die
Nase vorn. „Es
gab unter anderem
eine Chirurgische
und medizinische Abteilung sowie eine
Entbindungsstation, die im u-förmigen
Haupttrakt untergebracht waren“, sagt
Ingrid Anuth. Auch eine Station für Privatpatienten wurde eingerichtet. In den
anderen Häusern, deren Fassade ebenso
grauer Kratzputz zierte, waren beispielsweise ein Heizhaus, ein Wirtschaftstrakt
und eine Leichenhalle untergebracht.
„Schon damals diente der gesamte Kom-

plex als Kiezkrankenhaus – und als
solches fungiert es
heutzutage immer
noch“, betont die
Medizinpädagogin.
Schon in den
Anfangsjahren
berichteten
Zeitungen über die
h e r a u s r a ge n den
Angebote. So wurde 1920 in der Entbindungsstation die
erste kommunale Schwangerenberatungsstelle Berlins eingerichtet.
Schlagzeilen macht das Oskar-Ziethen-Krankenhaus immer noch. Jetzt
vor allem wegen des umfassenden Qualitätsmanagements. Etliche Zertifikate
belegen, dass hervorragend ausgebildete
Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten die
Patienten nach neuesten wissenschaft-

lichen Erkenntnissen versorgen. Dazu
zählen das Brust- und Darmzentrum sowie der Titel Babyfreundliches Krankenhaus. „Wir möchten, dass sich die Patienten bei uns sicher aufgehoben und sehr
gut versorgt fühlen“, sagt Ingrid Anuth.
Rund 30.000 Menschen werden jährlich
stationär und etwa 50.000 ambulant behandelt.
Wer über das Gelände läuft und sich
vielleicht einmal die Zeit nimmt, kann
auch einen Spaziergang in die Vergangenheit machen: durch die grünen Höfe
laufen, auf den Holzbänken verweilen
und einfach das Gelände auf sich wirken lassen. So wachsen im historischen
Rosengarten inzwischen wieder solche
Sorten, die dort schon vor 100 Jahren
zu finden waren. Die alten Gebäude, die
noch auf dem Areal stehen, sind mittlerweile alle saniert. Sie haben noch ihre
historische Fassade, sind aber innen mit
modernster Technik ausgestattet.
Eine gute Gelegenheit, den Standort
zu besuchen bieten die vielen Veranstaltungen, die das Sana Klinikum Lichtenberg anlässlich des 100jährigen Geburtstages anbietet. Bis Dezember gibt es
monatlich Feste, Vorträge und Foren. Zu
den Höhepunkten gehört auf jeden Fall
das Treffen der im „Oskar“ Geborenen.
Eigentlich sollte es dazu im Juni eine
Festtafel mit 100 eingeladenen OskarZiethen-Krankenhaus-Kindern geben.
Doch nun werden vier Veranstaltungen
daraus: „Weil sich bereits rund 500 Interessierte meldeten, die in Lichtenberg
auf die Welt kamen“, erklärt die Pressesprecherin. Sie ist angetan von den persönlichen Geschichten, dir ihr die Leute
dazu schriftlich oder per Mail mitteilten.
„Daraus könnte man eigentlich ein Buch
machen“, sagt Ingrid Anuth. Auf den
„Oskar-Treffen“ soll jedenfalls über einige Begebenheiten berichtet werden.



Ausführliche Infos zu den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum unter:
www.sana-kl.de

8 Bezirks-Journal präsentiert



Anzeigensonderveröffentlichung | Mai/Juni 2014

Karlshorst feiert wieder
größtes deutsch-russisches Kulturfest

Vom 6. bis 8. Juni werden 150.000 Gäste erwartet/ Auf der Bühne: PANKOW und Peter Schilling

V

om 6. bis 8. Juni wird die Trabrennbahn in Karlshorst erneut
zur Festmeile, wenn zum achten Mal die Deutsch-Russischen Festtage stattfinden. In diesem Jahr bilden
sie gleichzeitig den Auftakt zum Jahr
der russischen Sprache und Literatur in
Deutschland. Die Leitidee der Festtage „Begegnung zweier Nationen“ wird
durch verschiedene Themen- und Erlebnisbereiche wie Bildung und Jugend,
Kunst und Kultur, Sport sowie Tourismus aufgegriffen.
Mehr als 150.000 Gäste besuchten im
vergangenen Jahr die größte deutsch-russische Kulturveranstaltung in Deutschland. Dank der vielen Partner und Sponsoren ist der Eintritt wie gewohnt frei.
Schon im Vorfeld der Festtage wartet
das DRF-Filmfest im Russischen Haus
mit einer Reihe von Premieren russischer Kinofilme und auf der Trabrennbahn mit bekannten Animations- und
Dokumentarfilmen auf.
Die Eröffnungsshow am 6. Juni ab
19 Uhr hält auf der Hauptbühne ein
Potpourri aus deutscher und russischer
Musik, Artistik und Tanz bereit. Höhe-

Bezirks-Journal

punkt sind die Konzerte der bekannten
Rockgruppe PANKOW sowie von Peter
Schilling mit dem anschließenden Höhenfeuerwerk.
Unter dem Motto „beFAIR, beFIT
– Integration durch SPORT – SPORT
für BERLIN“ zeigen deutsche und
russische Jugendliche ihr Können in
Box- und Schachwettbewerben. Fußball
spielt natürlich bei den Festtagen eine
große Rolle und ist gerade vor der FIFA
Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien
ein wichtiges Ereignis. Das FußballIntegrationsturnier „EIN BALL VERBINDET“ ist speziell für Kinder und
Jugendliche. Mit dem Nikolai-BersarinRennen steht während des Deutsch-Russischen Renntages am Samstag wieder
ein besonderes Ereignis ins Haus: Ein so
genanntes „gehobenes Rennen“ bei der
sich die Pferde zunächst in Vorläufen
qualifizieren müssen um schließlich ins
Finals vorzudringen.
Am Samstagabend rockt die Rennbahn. Anlässlich des russischen Nationalfeiertages findet nach dem Auftritt
der Siegerbands des russischen Bandcontests die von deutschen und russi-

schen Größen gemeinsam bestrittene
Rocknacht statt. Kulturell Interessierte
werden zudem beim Eddie-Rosner Jazzfestival, bei den Jugendfestivals „Neuer
Wind“ und „Kulturbrücke“, bei den
Filmvorführungen oder auch den Lesungen und Theatervorführungen im Literaturzelt auf ihre Kosten kommen.
Die Veranstalter danken den Sponsoren und Partnern, der GAZPROM Ger-

mania GmbH, der Wintershall Erdgas
Handelshaus GmbH & Co. KG, dem
Mitveranstalter – der Stiftung Russkij
Mir, der russischen Agentur Rossotrudnishestvo, sowie den Partnerstädten Berlin – Moskau und Lichtenberg – Kaliningrad für ihre Unterstützung.
Herzlich
willkommen,
пожаловать!

Добро

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

Spezial: Radfahren in Lichtenberg 9

Stück für Stück

Lichtenberg will fahrradfreundlicher werden: Das Radwegenetz wächst, wenn auch nur langsam.

G

inge es nach den Grünen in der
Bezirksverordnetenversammlung, dann wäre Lichtenberg
längst ein Fahrradbezirk. Die Ortsteile
wären über Radwege verbunden. Diese
wären an das europäische Radwegenetz
angeschlossen und alle Fahrradrouten
wären ausgeschildert. Immerhin: Was
die Grünen in ihre Fahrradkonzeption
geschrieben haben, findet bei SPD und
CDU im Bezirk Anklang und Unterstützung. Allein der Weg hin zum fahrradfreundlichen Bezirk ist steinig. Es geht
voran, wenn auch nur Stück für Stück.
Für die Radwege im Bezirk ist Wilfried Nünthel (CDU) verantwortlich.
Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung fährt selbst gerne Rad und weiß, wo
noch etwas zu tun ist. Ob im nördlichen
Malchow oder dem südlichen Karlshorst – es gibt viele weiße Flecken auf
der Radkarte Lichtenbergs. Neben der
Instandsetzung vorhandener Radwege
setzt Nünthel auf den Bau neuer Verbindungen. Einmal im Jahr schwingen
sich Nünthel und seine Abteilungsleiter
gemeinsam mit Beamten der Senatsverkehrsverwaltung aufs Fahrrad. Einen
halben Tag lang fahren sie den Bezirk
ab, machen sich Notizen und fällen
Entscheidungen. Für 2014 stehen neue

Lichtenberg gehört zu den Bezirken, in
denen Radfahrer auch Wege in Parkanlagen benutzen dürfen.

BILD:M. GÄDING
Radwege mit einer Länge von 3,5 Kilometern auf dem Programm.
So soll dieses Jahr unter anderem am
Paul- und Paula-Ufer in Rummelsburg

für 450.000 Euro ein asphaltierter Radweg entstehen, weitere Asphaltierungen
sind am Orankeweg (150.000 Euro), in
der Rüdigerstraße (200.000 Euro), in der
Sangeallee (250.000 Euro) und in der
Schlichtallee (150.000 Euro) geplant.
Derzeit verfügt Lichtenberg über ein
Radwegenetz von 50 Kilometern.
Angedacht, aber noch nicht konkret ist
zudem, alte Güterbahngleise im Gewerbegebiet rund um die Siegfriedstraße als
Fahrradwege zu nutzen. „Darüber hinaus sehen wir Verbesserungsbedarf, was
die Radwege beziehungsweise fehlenden
Verbindungen auf der B1 stadteinwärts
und auf dem Dörferwanderweg in der
Barnimer Feldmark betrifft“, sagt Stadtrat Nünthel. Er wolle auch in Zukunft
dafür sorgen, dass ein angemessener Teil
der Mittel für Rad- und Fußwege eingesetzt wird. „Uns ist wichtig, dass wir
aus den Radwegen ein Netz schaffen.“
Die BVV will die Radwegekonzeption
der Grünen vorantreiben. „Im Haushalt
2014/2015 wurden jeweils 20.000 Euro
für die Umsetzung auf Initiative der
Zählgemeinschaft bereitgestellt“, sagt
die verkehrspolitische Sprecherin der
SPD, Jutta Feige.
Die Fraktion der Piraten in der BVV
findet ein bezirkliches Fahrradkonzept

gut, aber wenig effektiv. „Für uns ist es
sinnvoller, wenn der Senat den Bezirken
mehr Geld für den Bau von Radfahranlagen zur Verfügung stellt und ein
Gesamtkonzept für Berlin entwickelt“,
sagt Sprecherin Anne Mindt. „Der Einbezug der Landesebene ergibt auch deshalb mehr Sinn, weil so die Anschlüsse
an angrenzende Bezirke besser beachtet
werden können.“
Doch noch sehen vor allem die Grünen viel Handlungsbedarf. „Das Bezirks­
amt und BVV sowie ADFC und andere
Interessierte müssen anders zusammenarbeiten, da sonst nicht viel dabei herauskommt“, fordert die Grünen-Bezirksverordnete Henriette van der Wall.
„Deshalb auch unser Antrag zur Installierung eines Runden Tisches Fahrrad.“
Dabei könne man auf Erfahrungen von
anderen Bezirken zurückgreifen, die
sich ein solches Gremium geschaffen haben, heißt es in dem Antrag. Der Runde
Tisch soll vom zuständigen Stadtrat geleitet werden und sich vier- bis fünfmal
im Jahr treffen. (gäd.)
LESEN SIE AUCH:
Der lange Weg zu Fahrradstationen: S. 10
In Sachen Fahrrad ganz hinten: S. 11

10 Spezial: Radfahren in Lichtenberg

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Der lange Weg zu Fahrradstationen

Die Zahl der Radfahrer steigt – und damit die Nachfrage nach Stellplätzen im gesamten Bezirk.

D

ie Zahl der Fahrradfahrer in Lichtenberg steigt – und wer es nicht glauben möchte, muss nur morgens nach dem
gröbsten Berufsverkehr zu den Bahnhöfen nach Karlshorst, Hohenschönhausen
oder Lichtenberg fahren. Überall das gleiche Bild: Räder über Räder. Wer keinen
Platz in einer sogenannten Fahrradabstellanlage findet, sucht sich ein freies Treppengeländer oder einen Bauzaun.
„Berlin hat ja nicht gerade den Anspruch, eine Fahrradstadt zu sein“, sagt
Danny Freymark (CDU), Mitglied des
Abgeordnetenhauses. „Ich denke aber,
dass die Stadt deutlich zulegen kann.“
So sei das Land Berlin aufgefordert, von
sich aus sogenannte Fahrradstationen zu
schaffen. Das sind betreute Abstellanlagen, wie es sie bereits in Bernau bei Berlin gibt. So ein Konzept ist unter anderem
für den Bahnhof Hohenschönhausen an
der Falkenberger Chaussee im Gespräch.
Dort soll der Betreiber eines Fahrradladens gewonnen werden. Derzeit spielen
sich die Akteure jedoch den Schwarzen
Peter hin und her. Unter anderem geht es
um die Frage, welche öffentliche Fläche
wie genutzt werden darf. Ein Ergebnis ist
noch in weiter Ferne.
Das Konzept für sogenannte Fahrradstationen stammt vom Allgemeinen
Deutschen Fahrradclub (ADFC): Wäh- Viele Lichtenberger und Hohenschönhausener lassen an den Bahnhöfen ihr Rad
rend die Besitzer des Rades auf der Ar- stehen und fahren mit der Bahn zur Arbeit in die Innenstadt. BILD: M. GÄDING

Von Stettin an die
Siegessäule
SZCZECIN/
HOHENSCHÖNHAUSEN
– Mit einer ungewöhnlichen Tour beteiligen sich Berliner Radfahrer an der
traditionellen Sternfahrt des ADFC: Die
Gruppe startet am 31. Mai um 22.30
Uhr am Bahnhof von Szczecin (Stettin)
und macht sich von dort auf den Weg
zur Siegessäule. Gegen 11.15 Uhr wird
die Truppe am Bahnhof Hohneschönhausen erwartet – von dort geht es weiter
über den S-Bahnhof Landsberger Allee
und den Ostbahnhof sowie das Kottbusser Tor zur Siegessäule. Dort findet um
14 Uhr die große Abschlusskundgebung
statt. Wer mitfahren will, sollte sich unter 0172/ 589 00 24 anmelden. Die Strecke ist insgesamt 180 Kilometer lang.
Nach Stettin fahren die Radler vorher
mit dem Zug ab Bahnhof Gesundbrunnen. (gäd.)

ADFC lädt zu Touren ein
HOHENSCHÖNHAUSEN – Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC)
hat auch in diesem Jahr viele Radtouren
im Programm. Unter dem Motto „Kultur und Garten“ geht es am Freitag (23.
Mai) um 17 Uhr nach Blumberg. Die
Tourenlänge beträgt 30 Kilometer. Vor
Ort steht eine Besichtigung des LennéParks auf dem Programm. Am 29.
Juni heißt es ab 10 Uhr „Schwimmen

im Liepnitzsee“. Ruhige Wege führen
über Wald und Flur zum Liepnitzsee
im Landkreis Barnim. Die Tourenlänge
beträgt 70 Kilometer. Unter anderem ist
eine Badepause geplant. Am 30. August werden ab 9.30 Uhr die „Kirchen
der Feldmark“ angesteuert. Die Tour ist
65 Kilometer lang. Start aller Touren:
S-Bahnhof Hohenschönhausen. Infos:
Tel. 0172/5 89 00 24. (gäd.)

Brandenburg bei Radfahrern beliebt
POTSDAM – Brandenburg ist in der Beliebtheitsskala der deutschen Radreiseregionen erneut um einen Platz nach oben
geklettert. Laut Radreiseanalyse des
Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs
(ADFC) liegt das Land nun auf Platz
2 hinter Bayern, gefolgt vom Emsland
(Platz 3) und Mecklenburg Vorpom-

mern (Platz 4). Über 5.000 Kilometer
und damit fast drei Viertel des insgesamt
rund 7.000 Kilometer umfassenden touristischen Radfernwegenetzes in Brandenburg hat der ADFC in Brandenburg
anhand von Kriterien wie Routenführung, Sicherheit, und touristische Infrastruktur geprüft und zertifiziert. (eb)

beit sind, kann das Rad gewartet oder
repariert werden. In jedem Fall ist es
ständig im Blick des Stationsbetreibers
– und damit sicher vor Dieben. „In Hohenschönhausen könnte man darüber
hinaus einen Servicepunkt der BVG und
der S-Bahn integrieren, an dem es unter anderem Fahrkarten gibt“, sagt Roy
Sandmann vom ADFC. Auch Leihräder
könnte es an der Station geben. Denn zur
Barnimer Feldmark ist es vom S-Bahnhof Hohenschönhausen nicht mehr weit.
Berlin investiert jedes Jahr eine Million Euro in Leihräder und reicht dieses
Geld direkt an die Deutsche Bahn weiter. Die hält an ausgewählten Standorten
der Stadt Leihfahrräder bereit. Einziger
Haken: Weder in Lichtenberg noch in
Hohenschönhausen gibt es entsprechende Stationen. Radfahrer Freymark („Ich
habe nicht einmal einen Führerschein“)
sieht großen Bedarf für betreute Abstellanlagen.
Ole Kreins, der verkehrspolitische
Sprecher der SPD im Berliner Abgeordetenhaus, will aber auch das Netz unbetreuter Abstellanlagen ausbauen. Gerade
am Bahnhof Lichtenberg sehe er noch
Potenzial. Er fordert zudem den Bezirk
auf, nicht genutzte und vergammelte
Fahrräder entfernen zu lassen. Die gibt
es zu Hauf an den Bahnhöfen – von ihren Besitzern vor Jahren verlassen. (gäd.)

1.111 Fahrräder
geklaut
LICHTENBERG – Fahrräder stehen bei
Kriminellen weiter hoch im Kurs. Im
vergangenen Jahr entwendeten Diebe
allein in Lichtenberg 1.111 Fahrräder.
Berlinweit waren es 26.513 Räder. Die
bezirksweite Statistik führt Rummelsburg (282) an. Alt-Lichtenberg (178)
und Karlshorst (151) belegen die zweiten und dritten Plätze. Das erklärte Innensenator Frank Henkel (CDU) im
Zusammenhang mit einer Anfrage der
Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im
Berliner Abgeordnetenhaus. „Die Codierung von Fahrrädern an exponierten
Stellen des Rahmens und das Anbringen
auffälliger Aufkleber ist aus polizeilicher
Sicht ein geeignetes Mittel zur Vorbeugung des Fahrraddiebstahls“, sagte Henkel. Potenzielle Täter würden dadurch
abgeschreckt. (gäd.)

Radfahren 11
Lichtenberg: In Sachen
Fahrrad ganz hinten

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC): Bezirk ist in
vielerlei Hinsicht nicht sehr fahrradfreundlich.

W

er nicht jeden Tag wie Roy Sandmann und Hajo Legeler seine
Wege mit dem Fahrrad zurücklegt, dem
fällt das womöglich gar nicht auf: Der
Bezirk im Osten der Stadt belegt einen
der letzten Plätze in Sachen Fahrradfreundlichkeit. „Allein die Verbindung
zwischen den Altbezirken Lichtenberg
und Hohenschönhausen ist mies“, sagt
Legeler.
Sandmann und Legeler müssen wissen, wovon sie sprechen. Sie engagieren
sich in der Stadtteilgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, kurz
ADFC. Zehn Aktive hat die ADFCStadtteilgruppe von Lichtenberg, gut 600
Mitglieder zählt der Verein im Bezirk.
Ein Auto haben die beiden ADFCMitglieder nicht. „Das braucht man
in Berlin auch nicht“, sagt Sandmann.
Alle Wege erledigen sie mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Die beiden Radprofis
legen schon mal an die 180 Kilometer
in der Woche zurück. „Das hält gesund
und ist gut für die Umwelt“, sagt Legeler. Täglich bekommen beide daher auch
zu spüren, wie gut oder schlecht der Bezirk Lichtenberg in Sachen Radfahren
dasteht. Und das Urteil ist vernichtend.
„Man versucht, viele Radwege zu bauen, aber möglichst ohne die Autofahrer
dabei zu stören“, sagt Hajo Legeler. Hinzu käme das Kompetenzgerangel zwischen Bezirk und Senat. Letzterer hat
bei den großen Hauptstraßen das Sagen
und baut dort wie vor 20 Jahren. „Wir
haben das Gefühl, da werden Pläne umgesetzt, die seit den 1990er-Jahren in der
Schublade liegen“, sagt Roy Sandmann.
Am besten lässt sich das an einem Beispiel erklären: Entstehen neue Radwege, werden diese so geplant, dass sie vor
großen Kreuzungen einen Schlenker

machen und von der Straße weg geleitet
werden. Doch spätestens seit dem Jahr
2005 seien sogenannte Aufstellflächen
angesagt, sagt Roy Sandmann. Radfahrer und Autofahrer halten gemeinsam
auf der Straße, während die Radfahrer
versetzt zu den Autofahrern stoppen
müssen. Damit behalten die Autofahrer die Radler stets im Blick. Damit soll
unter anderem verhindert werden, dass
nach rechts abbiegende Autofahrer Radfahrer übersehen und überfahren.
In ganz Lichtenberg gibt es nur wenige
Stellen, wo diese Aufstellflächen entstanden sind. Planungsfehler haben Sandmann und Legeler auch am S-Bahnhof
Friedrichsfelde-Ost ausgemacht. Dort
laufen die Fahrgäste direkt auf den Radweg. Oder die Gehrenseebrücke in Hohenschönhausen: Als diese vor Jahren
komplett saniert wurde, ließ man neue
Radwege weg. Eine Verbreiterung der
Brücke zu Gunsten der Radfahrer lehnte
die Senatsverwaltung seinerzeit ab. „Gefährlich ist es auch an der Falkenberger
Chaussee in Höhe S-Bahnhof Hohenschönhausen“, sagt Hajo Legeler. Dort
verengt sich die Fahrbahn auf eine Spur
für Autofahrer – und Radfahrer, deren
Radweg unvermittelt in die Straße mündet.
Gern würde sich der ADFC mehr einmischen in Planungen für neue Radwege
und Straßen. Ja, es gebe den Mobilitätsrat des Bezirks, räumen die ADFC-Akteure ein. „Wir wünschen uns jedoch, in
regelmäßigen Abständen direkt mit Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen
und unsere Anliegen vorzutragen“, sagt
Roy Sandmann. Denn das Fahrradfahren wird für viele Menschen im Bezirk
immer wichtiger – auch als kostenlose
Alternative zum Auto. (gäd.)

Hans-Joachim Legeler (links) und Roy Sandmann von der Stadtteilgruppe des
ADFC in Lichtenberg. BILD: M. GÄDING

12 Spezial: Radfahren in Lichtenberg

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Auf großer Fahrt mit dem Rad

Von Lichtenberg aus lassen sich vorzüglich Touren unternehmen, kurze und lange. Guido Schulz und
Matthias Kajdan haben es bis nach Kopenhagen geschafft.

D

ie Belohnung ist noch auf dem
Handy gespeichert. Ein Foto
zeigt Guido Schulz und Matthias Kajdan mit ihren Fahrrädern vor
dem Tivoli. Etwas geschafft wirken die
beiden Monteure, aber sie sehen glücklich aus. Am Ende einer 590 Kilometer
langen Reise mit dem Fahrrad dokumentieren sie ihr Ziel…
Vor einem Jahr haben Schulz und
Kajdan ihre Radreise absolviert. Nach
wochenlanger Vorbereitung starteten
sie Mitte Juni zu ihrer Tour nach Dänemark. „Ich fuhr in den Jahren zuvor
schon zweimal mit dem Fahrrad nach
Usedom“, erzählt Schulz. „Da der
Radweg Berlin-Kopenhagen durch unsere Heimatstadt Oranienburg führt,
dachten wir, dass wäre ja mal was.“
Wochen vorher machten sie immer wieder Proberunden, am Tag bis zu 100
Kilometer. Denn genau dieses Pensum
wollten die begeisterten Radfahrer auch
bis Kopenhagen schaffen. Am Ende
brauchten sie für die Strecke fünf Tage.
„Im Schnitt schafften wir pro Stunde 20,9 Kilometer“, sagt Schulz stolz.
Das Training zuvor hat sich ausgezahlt.
„Ohne Übung schafft man das nicht.“

Schulz. Der Nachteil: Lange Zeit gab
es weder ein Lebensmittelgeschäft noch
eine Kneipe am Wegesrand. „Die wären
aber zur Stärkung wichtig gewesen“,
sagt Schulz. Er rät daher allen Nachahmern, sich genügend Snacks und zuckerhaltige Getränke einzupacken, damit es
keine schlackrigen Knie gibt.
Unterwegs haben sie „jede Kirche
dreimal umrundet“, sagt Schulz. Darüber hinaus fehlt es an touristischen
Höhepunkten. Schön fand er bei seiner
Ankunft in Kopenhagen, dass alle Sehenswürdigkeiten der Stadt bequem mit
dem Fahrrad zu erreichen waren. „Die

Kopenhagen wie im Bilderbuch: Vom Bahnhof Hohenschönhausen geht es mit
der Regionalbahn nach Oranienburg und von dort direkt auf den Radweg BerlinKopenhagen. BILD: KATHARINA WIELAND MÜLLER/ PIXELIO.DE

Schulz und Kajdan. BILD: PRIVAT

Gut 15 Kilo Gepäck hatte jeder dabei,
mehr ging in die Rucksäcke nicht hinein. „Dann wären wir viel länger unterwegs gewesen.“ In den vorher gebuchten Pensionen wurden die Klamotten
bei Bedarf durchgewaschen. Zählt man
die reine Fahrzeit zusammen, kommt
man auf 28 Stunden. „Natürlich tat
uns abends der Hintern weh, und auch
Rücken oder Knie zwickten mal“, sagt
Schulz. Doch die Wehwehchen waren
am nächsten Tagen wie weggeblasen.
Der Weg nach Kopenhagen führt
durch Brandenburg und MecklenburgVorpommern. In Rostock geht es auf
die Fähre nach Dänemark. „Besonders
begeistert war ich davon, dass der Radweg dort gut 70 Kilometer direkt an der
Ostsee durch dunkle Wälder führt“, sagt

Radwege sind teilweise breiter als die
Straßen, und Radfahrer haben eindeutig
Vorrang.“ Einmal hatten sie einen platten Reifen, den sie mit einem Reparaturset aus dem Discounter wieder flott
machten. „Ins Gepäck gehört in jeden
Fall ein bisschen Werkzeug und ein Ersatzschlauch“, sagt Schulz.
Grundsätzlich sollte man die Etappen
vorher festlegen, dann die passenden
Pensionen buchen. Gut 500 Euro hat
die Reise mit dem Rad nach Kopenhagen gekostet. Und die nächste Tour
steht auch schon an. Dieses Jahr soll es
über die Elbe einmal quer durch Norddeutschland gehen – über Brunsbüttel
hoch zum Ostseeradwanderweg nach
Wismar. (gäd.)

DREI TOURENTIPPS: durch den Bezirk, ins Umland, an die Ostsee
Von Lichtenberg aus lassen sich tolle Radwanderungen unternehmen. Wir stellen Ihnen
an dieser Stelle drei Touren vor: für Anfänger,
Fortgeschrittene und Profis.
Für Anfänger - quer durch Lichtenberg:
Unsere Tour beginnt an der Endstation
der Straßenbahnlinien M4 und M17. Es
geht stadtauswärts über die Falkenberger
Chaussee in die Dorfstraße von Falkenberg.
Von dort passiert man links in den Stegeweg,
der direkt in die Barnimer Feldmark mit ihren
Altobstwiesen und dem Pferdehof Hahn führt.
Am Tierheim Berlin vorbei geht es wieder zur
Dorfstraße und von dort Richtung Coca Cola
über das Landschaftsschutzgebiet „Falkenberger Krugwiesen“.
Informationen sowie Radkarten im Netz
unter www.berlin.de/ba-lichtenberg/freizeit/
gruen/gruen003.html

Barnimer Feldmark. BILDER: M. GÄDING

Köllnitzer Fischerstuben bei Storkow.

Karlshagen, Insel Usedom.

Für Fortgeschrittene: Vom Bahnhof Lichtenberg geht es mit der Regionalbahn 79643
nach Storkow (Mark). Dort kann man prima
mit dem Fahrrad in Richtung Wendisch-Rietz
und Bad Saarow fahren (ca. 18 Kilometer).
Lohnenswert ist auch eine Radtour entlang
der B246 Richtung Prieros. Kurz hinter Storkow eröffnet sich das zur Sielmann-Stftung
gehörende Landschaftsschutzgebiet. In den

Köllnitzer Fischerstuben lässt sich prima
frischer Frisch aus der Region essen. Für die
Radfahrt sollte man einen Tag einplanen. Infos: www.reiseland-brandenburg.de/themen/
radfahren.html

und Buch nach Bernau und von dort immer
Richtung Ostsee durch Kiefernwälder und an
Seen entlang. In beschaulichen Dörfern kann
man preiswert übernachten. Lohnenswert
ist ein Aufenthalt in der malerischen Stadt
Ueckermünde, bevor es mit der Fähre übers
Stettiner Haff geht. Fünf Tage sollte man dafür
einplanen. Auf der Insel lohnt ein Aufenthalt in
Karlshagen. Informationen: www.adfc.de

Für Profis: Gut 350 Kilometer lang ist der
Radfernweg Berlin-Usedom: Von Hohenschönhausen aus geht es Richtung Malchow

14 Bezirks-Wirtschaft

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Der Geschmack von Hiddensee

G

Steffen Winkel ist Eiskonditor. Im Kaskel-Kiez ist sein kleiner Laden nicht nur bei Kindern beliebt.

ut, dass heute nicht die Sonne scheint. Denn dann hätte
Steffen Winkel keine Zeit für
lange Gespräche. Sobald die Wolken
überm Kaskelkiez aufbrechen und die
ersten Strahlen auf das Viertel aus der
Gründerzeit fallen, ist es voll im kleinen
Laden des Eiskonditors. Das an sich ist
noch nichts Ungewöhnliches. Immerhin
trifft dieses Phänomen auf jede andere
Eisdiele in dieser Stadt auch zu. Was
Winkel jedoch von seiner Konkurrenz
unterscheidet, ist sein Anspruch. Alle 20
Eissorten sind frei von Farb- und Konservierungsstoffen, viele Zutaten erntet
der leidenschaftle Eismann selbst.
Morgens ab 7.30 Uhr streift sich Winkel sein weißes Mützchen auf und bindet sich die Schürze um. Gut sechs Stunden dauert es täglich, um das eigene Eis
zu produzieren. Die Sorten reichen von
klassisch (Erdbeere, Schokolade, Zitrone) bis hin zu ausgefallen (Möhre, Rhabarber oder Sanddorn). „Der Renner
sind tatsächlich die Sorten Rhabarber
und Sanddorn, das bei uns schlichtweg
Hiddensee heißt“, sagt Winkel. Denn
die Zutaten kommen von der autofreien
Ostseeinsel, wo zwischen Wanderwegen
und Strand viel Sanddorn wächst. Den
erntet Winkel dann jedes Jahr im Sep-

Steffen Winkel vor seinem Geschäft.
20 Sorten Eis produziert der Eiskonditor täglisch frisch. BILD: M. GÄDING

tember persönlich. Für sein Mangoeis
lässt er sich Früchte aus fairem Anbau

in Equador kommen. Und die Pistazien stammen aus Sizilien. „Was hier in
der Eistheke angeboten wird, habe ich
vorher einer Kostprobe unterzogen“,
sagt Winkel. Er nasche ohnehin gerne.
Damit sich das nicht auf seinen Körper
niederschlägt, macht er jeden Tag seinen
Frühsport.
Eis für 25 Pfennige
Steffen Winkels Laden ist ein Glück
für den Kaskelkiez. „Das war mal zu
Ostzeiten ein Pennerkiez“, sagt er. Gut
hat er noch die Alkoholiker vor Augen,
die morgens schon an der Kaufhalle saßen. Doch das Bild des Kiezes hat sich
gewandelt. Die Kaufhalle heißt jetzt Supermarkt, und der Kaskelkiez ist wegen
seiner Häuser aus der Gründerzeit und
dem Innenhöfen mit unzähligen Remisen eine gefragte Wohngegend. Die Zahl
der Kinder stieg genauso schnell wie die
Mieten. Noch hält es viele Familien hier.
„Irgendwann sprach mich eine Bekannte an, ob ich nicht einen Eisladen
aufmachen will“, erinnert sich Winkel.
Dass sie ihn für den Richtigen hielt, liegt
an Winkels Herkunft: Seine Eltern betrieben seit 1982 in Schmöckwitz eine
Eisdiele, in der heute noch seine Mutter
und seine Schwester arbeiten. Im elterlichen Betrieb erlernte Winkel den Beruf
des Eiskonditors. Damals kostete die
Kugel Eis 25 Pfennige (Ost).
Nach der Wende erlangte er noch einen Abschluss als Betriebswirt und ging
zunächst in die Erlebnisgastronomie.
Drei Jahre war er in Stuttgart zu Hause, wo er den gastronomischen Bereich
der Dinner-Show „Pomp, Duck and
Circumstance“ verantwortete. Winkel
sagt, dabei habe er viel gelernt. Auf der
Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung stieß Winkel dann auf den
kleinen Laden. Von dem Geschäft fand
er heraus, dass das mal eine Molkerei

gewesen sein muss. Später befand sich
darin ein kleiner Zeitungsladen.
Vier Jahre ist es jetzt her, dass die
SchokoLadenEis-Manufaktur von Steffen Winkel in der Kaskelstraße 15 eröffnete. Im Sommer gibt es Eis; im Winter setzt Winkel witterungsbedingt auf
Pralinen. Auch die werden zum großen
Teil selbst produziert. 58 Sorten führt
Winkel. Kürzlich kamen auch frische
Backwaren dazu – dienstags und freitags
wird der Steinofen angeworfen. Winkel
hat eigens eine junge Bäckerin gewinnen können. Die kümmert sich um den
Sauerteig und kreiert die verschiedenen
Brotsorten, „die noch Tage nach dem
Backen gut und frisch schmecken“.
Es sind natürlich in erster Linie
Kinder, die Steffen Winkel zu seinen
Stammkunden zählt. An manchen Tagen empfängt er ganze Schulklassen, die
an ihrem Wandertag einen Abstecher in
die Eisdiele machen. „Die melden sich
dann vorher telefonisch an“, sagt Winkel. Für seine kleinen Kunden öffnet er
auch schon mal früher. Die älteren Kunden nutzen den Laden, um zu plauschen
und sich über Neues im Kiez auszutauschen. An der Wand hängen sodann die
Fotos kleiner und großer Menschen. Daneben Zettel für Spanisch-Sprachkurse,
Flohmarkttermine oder Wohnungssuchen.
In der Woche hat Steffen Winkel von
7.30 bis 20 Uhr im Laden zu tun. Das ist
zwar anstrengend, aber macht ihn glücklich, „denn ich komme mit Menschen in
Kontakt“. Seine Kunden sind auch seine
besten Berater. „Die erzählen mir, was
sie sich gerne wünschen und ich versuche das dann umzusetzen.“ Viele Ideen
für ausgefallene Eissorten kommen aber
auch einfach aus dem Bauch heraus –
wie beim Milchreis- oder dem Kinderschokoladeneis. „Dann wird solange
probiert, bis es schmeckt“, sagt Steffen
Winkel. (gäd.)

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

KOMMENTAR

Forum & Meinung 15

Imagekampagnen des Ordnungsamtes: am Ziel vorbei

J

eder von uns hat schon einmal mit
dem Ordnungsamt Lichtenberg zu
tun gehabt, und meist ist diese Art
der Begegnung kein Erlebnis, an das man
sich gerne erinnert. Im vergangenen Jahr
erließ die Behörde 61.713 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Radfahrer und
Falschparker – und verdoppelte damit
die Zahl der Vorgänge im Vergleich zu
2005 (30.505 Verfahren). Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gingen Bürgerbeschwerden über Lärm, Hundekot und
illegalem Müll hinterher. Außerdem
machten sie säumige Hundesteuer-Zahler dingfest oder ließen falsch geparkte
Autos umsetzen. Jeder private Unternehmer würde Freudensprünge machen,
wenn sich die „Umsatzzahlen“ derart
verdoppeln.
Um es vorwegzunehmen: Es ist gut,
dass wir das Ordnungsamt haben. Die
Arbeit der Mitarbeiterinnen und MitZu „Hoffnung für ein Kleinod“, BZJ
01/2014:
Nicht das Land Berlin hat das Bad
geschlossen, sondern der Bezirk
Lichtenberg. Eine Sanierung nach dem
Wasserschaden hätte bei der Größenordnung den Verlust des Bestandschutzes zur Folge. Der Bezirk hatte daher
eine Bauplanungsunterlage ( BPU ) in
Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz erstellen lassen.
Kostenvolumen der Sanierung/Rekonstruktion ca. 64 Mio. DM. Die BPU war
zur Aufnahme in die Investitionsplanung des Landes Berlin bereits von der
Senatsverwaltung Sport gezeichnet worden und lag bei der Finanzverwaltung
zur Mitzeichnung. Zu diesem Zeitpunkt
kam ein leitender Mitarbeiter in der
Sportverwaltung (nicht der Staatssekretär!) auf die unselige Idee, die Bäder
zu privatisieren. Das war das Ende der
Planungen für das „Hupe“. Man sollte
sich von dem Gedanken trennen, dass
ein Investor das Bad retten könnte.
Es müsste dann der Denkmalschutz
aufgegeben werden, denn ein Investor

arbeiter im OrdParkanlagen. Wozu
„Der Bund der
nungsdienst
aber eine Behörde
Steuerzahler hat im Jahr bis zu 2000
machen sich bemerkbar. Und bei
Euro für WerbearRecht, wenn er
allem Ärger über
tikel aufwendet, erdie überflüssige
ein
Knöllchen
schließt sich nicht.
Verschwendung
wegen FalschparDer Bund der Steukens – es ist beruerzahler hat Recht,
von Steuergeld
higend zu wissen, Marcel Gäding.
wenn er die überanmahnt.“
dass es das Ord- Chefredakteur
flüssige Verschwennungsamt gibt.
dung von Steuergeld
Schließlich
geanmahnt. Man kann
hörte Berlin zu den wenigen Großstäd- es daher nicht deutlich genug sagen:
ten in der Bundesrepublik, in denen es Das Ordnungsamt ist kein privates Unbis 2005 keine derartige Ordnungsbehör- ternehmen, das mit Werbeartikeln den
de gab und Streifenpolizisten Ordnungs- Bekanntheitsgrad und schlussendlich
widrigkeiten ahndeten.
den Umsatz steigert. Der Ärger um dieEs ist auch richtig, dass ein Ordnungs- se Verschwendung öffentlicher Mittel
amt Geld in die Hand nimmt, um Infor- ist groß und nachvollziehbar. Die polimationsflyer zu drucken. Das dient der tischen Verantwortlichen sind hier geAufklärung der Bevölkerung – etwa über fragt und sollten mit Augenmaß agieren.
das richtige Verhalten in geschützten Während DIE LINKE einerseits die

LESERBRIEFE
muss Geld verdienen. Das Bad kann
nur durch das Land Berlin im Rahmen
eines Denkmalschutzprogramm gerettet
werden, anstatt eine neue Landesbibliothek (dafür gibt es genug andere
leerstehende Gebäude) zu bauen.
Wolfgang Powierski, 1990-1995 Bezirksstadtrat Jugend, Familie, Sport im Bezirk
Lichtenberg von Berlin
Zu: „Nach Unfall: Bahn räumt Unglücksort“, BZJ 02/2014:
Die im Text dargestellte Grundhaltung
ist eine positive und glückliche. Nun
darf der Bahnhof „ab März wieder
zugänglich sein“. Er ist „seit Oktober
vergangenen Jahres“ gesperrt.
Der Unfall geschah am 12.10.2013,
und wenn der Bahnhof am 1.3.2014
wieder eine geöffnete Haupthalle mit
einem Fahrstuhl hat, wird die Bahnhofshaupthalle fast genau fünf Monate
nicht zugänglich gewesen sein. Ab
12. Oktober gibt es für Reisende zwei

Probleme: Problem Eins besteht schon
länger - eine durchgängige S-Bahnfahrt
von Karlshorst in Richtung Innenstadt
Berlin gibt es zur Zeit nicht. Ein umständliches Umsteigen in Ostkreuz ist
notwendig. Problem Zwei: Der Bahnhof war nur noch über den hinteren
Zugang ohne Lift zu erreichen. Haben
Sie morgens, an Werktagen zwischen 7
und 9 Uhr, auf dem Bahnhof Karlshorst gestanden und gesehen, wer mit
der Regionalbahn oder S-Bahn in die
Innenstadt fahren muss? Eltern mit
Kleinkindern und Behinderte fehlen.
Die von Ihnen veröffentlichte positive
Grundhaltung ist einfach unrealistisch.
Sie wollen doch die Lage der Bürger in
Ihren Artikeln darstellen? Oder nicht?

Renate Iwainsky, Karlshorst
Zu „Bühne ohne Publikum“, BZJ
04/2014:
Es ist wirklich schade, dass der Saal
nicht genutzt wird. Nach der Wen-

Kürzung von Mitteln für den Jugendbereich kritisiert, gibt sie andererseits in
dem von ihrem Bezirksstadtrat zu verantwortenden Ordnungsressort das Geld
mit vollen Händen aus.
Im Bezirk Lichtenberg gibt es genügend Beispiele, wo es an Geld fehlt.
Jetzt sind die in der Bezirksverordnetenversammlung vertretenen Parteien am
Zuge, dem Werbeartikel-Irrsinn ein Ende
zu bereiten und die Ausgaben-Posten der
Verwaltung kritisch zu hinterfragen.

Marcel Gäding

Was sagen Sie zur Steuerverschwendung
im Ordnungsamt? Schreiben Sie dem
Autor direkt: marcel.gaeding@bezirksjournal.de oder per Post an BezirksJournal, Josef-Orlopp-Straße 54, 10365
Berlin, Fax (030) 55 49 43 69.
de hatten wir das Vergnügen, einen
Kessel Buntes dort zu sehen mit Achim
Menzel, Uwe Jensen, usw. Im März
waren wir im Köpenicker Theater. Die
Vorstellung hat uns sehr gut gefallen, nur das Umfeld nicht. Man sitzt
dort wie in einem dunklen Keller mit
höchstens Platz für 50 Personen. Kann
man dieses schöne Theater nicht in
dem wunderschönen Saal in Karlshorst
unterbringen? Wir würden dann auch
wieder öfter ins Theater gehen, denn
in die Stadt zu fahren, ist uns in dieser
Zeit zu gefährlich.
Karin und Joachim Niwek, Oberschöneweide
Leider können wir Leserbriefe aus Platzgründen nicht in voller Länge abdrucken.
Daher behalten wir uns sinnwahrende
Kürzungen vor.
Wenn auch Sie uns schreiben wollen, denn
per E-Mail an redaktion@bezirks-journal.
de oder per Post an Bezirks-Journal, JosefOrlopp-Straße 54, 10365 Berlin.
Fax: (030) 55 49 43 69.

16 Bezirks-Kultur

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Klare Stimmen halten die Melodie

Seit 53 Jahren gibt es den Canzonetta-Kinderchor Berlin / Nachwuchs ist willkommen.

von Steffi Bey

O

hne Einsingen kein Auftritt. So
viel Vorbereitung muss sein.
Schließlich soll dem Publikum
auch etwas geboten werden. Und deshalb versammeln sich die Mädchen und
Jungen vom Kleinen Canzonetta Kinderchor zunächst im Aufenthaltsraum
der Seniorenwohnanlage Karlshorst.
„Ausatmen, gerade stehen, Hände nicht
in die Hosentasche, Arme an die Seite“,
ruft Cornelia Ewald den Kindern zu.
Kyra, Jannis, Celina und die anderen
14 Chormitglieder nehmen ihre Position
ein, öffnen den Mund und lassen die ersten Töne heraus.
Anfangs noch ein bisschen verhalten, doch schon nach wenigen Augenblicken, sind die kleinen Sänger ganz
vertieft in ihre Rolle. Harmonisch verschmelzen Text und Melodie. Leiterin
Cornelia Ewald ist aber noch nicht zufrieden. „Gesungen habt ihr gut, aber
ich brauche noch eure freundlichen Gesichter“, sagt sie. Wie auf Knopfdruck
zeigen die Mädchen und Jungen ihr
schönstes Lächeln. So als wenn sie bloß
darauf gewartet haben, dass sie jemand
daran erinnert.
In den nächsten zwanzig Minuten
werden noch ein paar Märchenlieder angesungen, die später auf der Jubiläumsveranstaltung der Karlshorster Seeparkfamilie präsentiert werden sollen. „Und
denkt daran, sprecht deutlich, damit
euch die vorwiegend älteren Zuschauer
auch verstehen“, erinnert die Chorleiterin ihre jüngsten Mitglieder. Die Kinder
nicken.
Aufgeregt vor dem Auftritt scheint
hier niemand zu sein. Jedenfalls gibt
das keiner zu. „Ich bin seit einem Jahr
im Chor und es macht mir riesengroßen
Spaß“, sagt die elfjährige Kyra. Wer die
Texte lernt, bekommt kein Lampenfieber, steht für das Mädchen mit den langen, braunen Haaren fest. Das bestätigt

Cornelia Ewald begleitet die Sänger am Klavier, singt selber mit, dirigiert gleichzeitig und führt durch das Programm. BILD: STEFFI BEY
die blonde Celina, die es kaum erwarten
kann, auf der Bühne zu stehen.
Es ist soweit: Mit kräftigem Beifall
werden die jungen Künstler vom Publikum begrüßt. Irene Melzer, die vor vier
Jahren das Projekt Seeparkfamilie mit
einer Handvoll Gleichgesinnter initiierte, spricht zunächst ein paar einleitende
Worte. Sie erinnert an die ersten Treffen
im Park, an Büchernachmittage und verschiedene Musikveranstaltungen. Und
sie bedankt sich für die vielen Geldspenden, mit denen unter anderem Schulen
in Lichtenberg oder ein Kinderprojekt
in Neuguinea unterstützt werden. „Aber
jetzt freuen wir uns auf den Auftritt der
Chöre“, sagt Irene Melzer.
Das, was die jungen Sänger in den folgenden zwei Stunden bieten, übertrifft
die meisten Erwartungen. Mit ihren
klaren, sauberen Stimmen präsentieren
die Mädchen und Jungen vom Kleinen
und Großen Canzonetta-Kinderchor
Berlin Märchenlieder, klassische Mu-

sik sowie zeitgenössische und moderne
Kinder- und Jugendlieder. Abwechselnd
treten sie ans Mikrofon, singen Soli und
reihen sich wieder ein. Die Zuschauer
spüren nicht nur die Freude, mit der die
Schüler auftreten, sondern saugen die
Darbietung regelrecht auf. Der Applaus
ist kräftig und langanhaltend. „Ihr seid
großartig, ich bin benommen von eurer
Kunst“, bringt Irene Melzer ihre Gefühle auf den Punkt.
So viel Lob spornt natürlich an. „Da
weiß man, die vielen Proben lohnen
sich“, sagt die 24-jährige Tina. Gemeinsam mit ihrer Schwester gehört sie mittlerweile zum Ehemaligen-CanzonettaChor, verstärkt aber hin und wieder die
jüngeren Teams. „Für uns ist der Chor
so etwas wie eine Familie“, betonen die
beiden jungen Frauen. So seien Freundschaften entstanden, außerdem habe
man gelernt füreinander einzustehen
und gemeinsam auf etwas hinzuarbeiten. „Wir erlebten ganz tolle Sachen

miteinander“, berichtet Nora. Unvergesslich seien beispielsweise gemeinsame Konzerte mit den Puhdys, André
Rieù oder der Auftritt beim Sommerfest
des Bundespräsidenten 2010.
Solche herausragenden Kontakte sind
auch ein Markenzeichen des vor 53
Jahren gegründeten Chores. Canzonetta wirkte ebenso bei chorsinfonischer
Musik und in Oratorien und Passionen
– zum Beispiel in der Berliner Philharmonie – mit. Bei der Eröffnung des
Preußischen Landtages, beim Richtfest
des Auswärtigen Amtes und bei verschiedenen Fernsehproduktionen, wie
der RTL-Weihnachtssendung „Hapes
zauberhafte Weihnachten“, mit Hape
Kerkeling und Udo Jürgens, war der
Chor dabei. „Unser Repertoire reicht
vom Volkslied über klassische Chormusik bis hin zum modernen Kinder- und
Jugendlied“, sagt Cornelia Ewald. Seit
1991 arbeitet Canzonetta mit dem Komponisten Manfred Grote zusammen, der
etliche Werke und Lieder für den Chor
schrieb. Gemeinsam wurden bislang 20
CDs produziert.
Etwa 20 Auftritte absolvieren die jungen Sänger mittlerweile jährlich. Rund
50 Mitglieder gehören derzeit zum Verein – die Jüngsten sind vier Jahre alt.
Nachwuchs wird ständig gesucht. Der
Vorstand des Vereins entwickelt gerade
eine Strategie, um in Schulen und Jugendeinrichtungen gezielt nach neuen
Talenten zu suchen. „Sie müssen die
Stimme halten können und sich natürlich die Texte merken“, erklärt Cornelia
Ewald, die seit zwei Jahren gemeinsam
mit Manfred Grote den Chor leitet, die
Voraussetzungen.
Das Besondere an dem traditionellen
Verein, in dem viel Wert auf ein hohes
Gesangs-Niveau gelegt wird, ist der spezielle Stimmbildungs- und Gesangsunterricht.
Informationen unter
 Weitere
www.canzonetta-berlin.de

Die vergangenen Bilder von Hohenschönhausen

Eine Ausstellung befasst sich mit Kunstwerken, die einst an Hauseingängen der Orientierung dienten.

W

er kurz nach dem Fall der
Mauer durch die Zingster
Straße in Neu-Hohenschönhausen lief, dem fielen sofort die Hausaufgänge auf. Keiner glich dem anderen,
denn Bewohner hatten die Eingangsbereiche zu ihrer frisch bezogenen Plattenbau-Quartieren in Eigenregie selbst
verschönert. Zeichentrickfiguren aus
dem Osten und aus dem Westen prägten das Bild der sonst eher tristen Plattenbauten. Und so kam es, dass ganze
Straßenzüge einer Open-Air-Galerie
gleich kamen. Die meisten dieser selbst
gemalten Bilder verschwanden später
unter westlichen Fassaden, mit denen
Wohnungsbaugesellschaften wie die
Howoge den grauen Charme der Platte
kaschierten und gleichzeitig die Außenwände dämmten.

Heute, 25 Jahre nach der politischen
Wende, ist von der einstigen Volkskunst
kaum noch etwas zu sehen. Doch viele
Hohenschönhauser wie der Künstler
Gunnar Müller erinnern sich noch gut
an die bunten Hausaufgänge. Müller
ist Kurator der neuen Ausstellung „Bemalungen an Häusern in Hohenschön-

hausen – 1984-1989“ zu sehen, die im
Kieztreff „Lebensnetz“ an der AnnaEbermann-Straße eröffnet wurde. Initiatoren sind der Förderverein Schloß
Hohenschönhausen und der Träger Albatros-Lebensnetz gGmbH. Finanziert
wurde das Projekt über den Kiezfonds.
Die meisten Bilder stammen von
Wolfgang Mattern, einem Bewohner
Hohenschönhausens. Im Auftrag des
damaligen Heimatvereins dokumentierte Mattern die Kunst. Die Fotos sind
inzwischen beim Förderverein Schloss
Hohenschönhausen archiviert. Viele
Bilder wurden ohne Plan an die Wände
gemalt. „Sehr spontan und im Gegensatz zu den sonst üblichen staatlichen
Initiativen waren diese Aktionen hier
weder von oben angeordnet noch organisiert“, sagt Gunnar Müller.

Der eigentliche Grund jedoch war ein
ganz banaler: Anfangs waren die in die
Sandwüste gesetzten Wohnquartiere
kaum voneinander zu unterscheiden.
Vor allem Kinder hatten in den 1980erJahren Probleme, sich im neuen Kiez zu
orientieren und „ihren“ Hauseingang
zu finden. Also griffen die Bewohner zu
Pinsel und Farbe. „Die Farben kaufte
man selbst oder die Hausgemeinschaft
half“, sagt Gunnar Müller. „Als Vorlagen wurden sehr oft ganz einfach die
Motive aus dem Fernsehen oder aus
dem Märchenbuch benutzt.“ Nicht alles
gelang wirklich, erklärt Müller.
Die Ausstellung ist bis zum 13. Juni
im Kieztreff „Lebensnetz“, Anna-Ebermann-Straße 26, 13053 Berlin, zu sehen.
Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: tgl.
9 bis 18 Uhr. (gäd.) 
BILD: W. HAENSEL

Bezirks-Kulturkalender 17

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

KONZERT & MUSIK
18. Mai 2014, 10 Uhr: „Concert im Center“, Sonntagsmatinee mit klassischer
Musik, Moderation: Manfred Hütter. Eintritt: 9, erm. 7 Euro. Ort: Linden-Center,
Prerower Platz 2, 13051 Berlin. Kartenreservierung: Tel. (030) 92796410.
23. Mai 2014, 20 Uhr: „Friday Music
Bar“: Konzert mit Musik von Jazz bis
Swing über Latin bis Funk. Die Band
„Just Mad“ unter der Leitung von
Simone Münzner lädt ein. Das Team
der Havanna Bar reicht kühle Getränke
und leckeres Essen. Eintritt: 7,50, erm.
5 Euro. Ort: Schostakowitsch-Saal der
Schostakowitsch-Musikschule, Stolzenfelsstraße 1, 10318 Berlin. Tel. (030) 50
37 81 44.
23. Mai 2014, 20 Uhr: Romantische
Liebeslieder mit Walburga Raeder. Chansons und Schlager rund um die Liebe.
Am Klavier: Bert Mario Temme. Eintritt:
25 Euro. Ort: Schloss Friedrichsfelde, Am
Tierpark 125, 10319 Berlin.

VORTRÄGE
21. Mai 2014, 19.30 Uhr: „Literatur
am Fenster“ – ein Abend in Erinnerung
an Vicco von Bülow alias Loriot. Zu Gast
ist Stefan Luschky, der Loriot 1975 das
erste Mal traf. Daraus entwickelte sich
eine langjährige Freundschaft. Luschky
gibt einen Einblick in seine Begegnungen
mit Loriot. Eintritt: 8, erm. 3 Euro. Ort:
Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112,
10318 Berlin.
23. Mai 2014, 19 Uhr: „Großstadtpflanzen: Sehen, Hören, Diskuteren
mit Urban Plant Research. Die beiden
Künstlerinnen Sara Bouchard und
Leslie Kuo erkunden im Mai den Bezirk
und spüren grüne Ecken auf. Das Grün
der Großstadt ist folglich auch Thema
des Vortrags- und Diskussionsabends.
Ort: Lichtenberg Studio im Stadthaus,
Türrschmidtstraße 24, 10317 Berlin.
Tel. (030) 68 80 99 53. Internet: www.
lichtenberg-studios.de

AUSSTELLUNGEN
16. Mai 2014, 19 Uhr: Eröffnung
der Ausstellung „Im Mittelpunkt: der
Mensch“ mit Ölbildern und Zeichnungen
der Künstlerin Elisabeth Naomi Reuter.
Eintritt: frei. Ort: Kunst- und Literaturwerkstatt „studio im hochhaus“, Zingster
Straße 25, 13051 Berlin, Tel. (030) 929
38 21. (Ausstellung bis 3. August)
21. Mai 2014, 19 Uhr: Ausstellungseröffnung „Kopenhagen – Berlin“. Zu sehen sind die Werke von zwölf deutschen
und zwölf dänischen Künstlern. Zur Vernissage werden Per Erik Veng, Gesanter
Botschaftsrat der Königlich Dänischen
Botschaft und Kuratorin Sabine Voerster
erwartet. Eintritt: frei. Ort: galerie ratskeller, Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin,
Tel. (030) 90296-3713. Die Ausstellung
ist bis zum 4. Juli montags bis freitags
von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

6. Juni 2014, 19 Uhr: Vernissage der
Kunstausstellung mit Bildern von Knut
Bartsch, Fotos von Alfred Schumm
und Keramik von Sabina Sternberg.
Ort: Museum Kesselhaus Herzberge,
Herzbergstraße 79, 10365 Berlin, (Haus
29), Tel. (030) 54722424. Internet: www.
museumkesselhaus.de

KINDER
18. Mai 2014, 10.30 Uhr: „Sonntag
für Kinder“ im Kulturhaus Karlshorst.
Zu Gast ist das Puppentheater von Susi
Claus. Aufgeführt wird ein Puppentheatermärchen nach Janoschs Apfelmännchen. Eintritt: 3 Euro, Eltern frei. Ort:
Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112,
10318 Berlin.
18. Mai 2014, 16 Uhr: „Der Räuber
Hotzenplotz“, Kindertheater (Premiere):
Ein Stück frei nach einem Kinderbuch
von Elizabeth Shaw für kleine Menschen
zwischen vier und neun Jahren. Eintritt:
4,50, erm. 3 Euro. Ort: „Das weite Theater“, Parkaue 23, 10367 Berlin, Tel (030)
991 79 27. Internet: www.das-weitetheater.de
22. Mai 2014, 9.30 Uhr: „Der gestiefelte
Kater“, Märchenaufführung des Kindermusiktheaters „ZimbelZambel“. Eintritt:
4 Euro. Ort: Humboldt-Haus, Warnitzer
Straße 13 A, 13057 Berlin, Tel. (030)
96242-0. Internet: www.wbg-humboldt.
de

KINO & FILME
23./ 24. Mai 2014, jeweils 20 Uhr:
Heldennächte in „Das weite Theater“:
An zwei Abenden stehen „Prinz Hamlet“
(23.5.) und „Die Legende von Wilhelm
Tell“ (24.5.) auf dem Programm. Im
Anschluss laden die Theatermacher zur
Begegnung am Buffet und bei Musik
ein. Karten: jeweils 19/ erm. 14 Euro,
Ort: „Das weite Theater“, Parkaue 23,
10367 Berlin, Tel. (030) 991 79 27.
Internet: www.das-weite-theater.de

Kultur-Tipps mailen an:
kultur@bezirks-journal.de

MUSEEN
17. Mai 2014, 18 bis 2 Uhr: Ausstellungsführung „Eine für alle“ im Rahmen
der „Langen Nacht der Museen“. Die
Macher der Exposition „Preußische Reformer in Lichtenberg – Carl August von
Hardenberg und Friedrich Scharnweber“
laden durch die vor kurzem eröffnete
Schau. Dazu: Vorträge, Gespräch, Musik.
Tickets (für die „Lange Nacht der Museen“) 18, erm. 12 Euro. Ort: Museum
Lichtenberg, Türrschmidtstraße 24,
10317 Berlin, Tel. (030) 57 79 88 12.
Internet: www.museum-lichtenberg.de

20. Mai bis 19. Juni: Rennbahnfilme auf
der Trabrennbahn Karlshorst: Ausgehend vom 120-jährigen Bestehen der
Trabrennbahn Karlshorst findet diese
Filmreihe statt. Fast täglich werden unter
anderem im Racing-Club der Trabrennbahn Filme gezeigt. Im Mittelpunkt
stehen Filme, in denen Dokumentarfilme und Spielfilme rund um das Thema

Pferderennen und Trabrennbahn stehen.
Eröffnet wird das Festival am 22. Mai
um 19 Uhr im Kulturhaus Karlshorst,
Treskowallee 112, 10318 Berlin. Alle Termine unter www.kultur-in-lichtenberg.de
28. Mai 2014, 17.30 Uhr: „Hunger –
Sehnsucht nach Liebe“, Drama aus dem
Jahre 1997. Der Film wird im Rahmen
der Filmreihe „Irrsinnig menschlich“
gezeigt. Eintritt: 4,50 Euro. Ort: CineMotion, Wartenberger Str. 174, 13051 Berlin.

IMPRESSUM
Bezirks-Journal

Unabhängige Monatszeitung für
Lichtenberg und Hohenschönhausen.
Das Bezirks-Journal erscheint einmal im Monat
kostenlos und liegt an 140 Orten in Lichtenberg
zur Mitnahme aus.

Herausgeber/ Chefredakteur:
Marcel Gäding (V.i.S.d.P.)
Verlag:
Medienbüro Gäding | Marcel Gäding
Verlags-Anschrift:
Josef-Orlopp-Straße 54 | 10365 Berlin
Telefon: 030 55 49 96 56
Telefax: 030 55 49 43 69
E-Mail: redaktion@bezirks-journal.de
Internet: www.bezirks-journal.de
Facebook: www.facebook.com/bezirksjournalberlin
Twitter: www.twitter.com/bezirks_journal

Redaktion & Internet:
Marcel Gäding (Ltg.),
Steffi Bey, Benedikt Paetzholdt
(freie Mitarbeiter)
Anzeigen & Werbung:
Falko Hoffmann,
Tel. 030 55 49 96 55
E-Mail: anzeigen@bezirks-journal.de
Vertrieb & Verteilung:
MBG Vertrieb, Ronny Meschke
E-Mail: vertrieb@bezirks-journal.de
Druck:
BVZ Berliner Zeitungsdruck
Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin
Mitglied im Deutschen Journalistenverband.
Auflage: 50.000 Exemplare.
Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 1/2013.
Das nächste Bezirks-Journal erscheint am
19. Juni 2014

18 Bezirks-Sport

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

Ballfieber und ein frisch Gezapftes

Lokale und Vereine in Lichtenberg bereiten sich auf die Fußball-WM vor – sie laden zum „Public Viewing“.

D

von Lena Emm

as Bier wird gekühlt, die Leinwand geputzt. Die Bestuhlung
ist aufgestockt. Für die Fußball-Weltmeisterschaft vom 12. Juni bis
13. Juli sind die Lokale und Vereine in
Lichtenberg und Hohenschönhausen
zum gemeinsamen Fußballschauen
bestens gerüstet. „Bei schönem Wetter
werden die Übertragungen der Fußballspiele sogar von der Terrasse
aus gesehen“, sagt Guido
Waitschies, der Betreiber der
Sportsbar Lausbub. Doch
anders als im Jahr 2006, wo
die Spiele in Deutschland
ausgetragen wurden, findet
die diesjährige WM in Brasilien statt. „Das heißt auch,
dass viele Spiele aufgrund
der Zeitverschiebung nachts
ablaufen“, sagt Waitschies.
Da stellt sich die Frage,
wie Lokal-Besitzer und Anwohner mit diesem Ausnahmefall umgehen. „Normalerweise sind
Betreiber auf Grund der Lärmbelästigung dazu angehalten, ihre Terrassen
nach 22 Uhr zu schließen“, sagt Sabine
Thiele vom Amt für Umwelt und Na-

turschutz. Für diesen Sonderfall wurde
eine Bundesverordnung erlassen. „Die
Bezirke sind damit aufgerufen, unter
bestimmten Voraussetzungen Sondergenehmigungen für Betreiber zu erteilen“,
erklärt die Sachbearbeiterin. Wer ein
Spiel also nach 22 Uhr auf der Terrasse
weitersehen möchte, kann dies getrost
tun.
Das dürfte auch den Fußballverein
Lichtenberg 47 freuen. Auf der Terrasse ihrer Vereinsgaststätte in
der Ruschestraße 90 sollen
zumindest die Deutschlandspiele auf einer Großleinwand übertragen werden.
„Wir haben 50 Plätze im
Außenbereich und noch mal
50 Plätze drinnen, mit einem
zusätzlichen
Plasmabildschirm“, erklärt Pressesprecher Stephen Wiesberger.
Hier lautet die Devise: Gäste können gemeinschaftlich
mit ihren Sportlern aus dem
Verein die Deutschlandspiele verfolgen. „Auf Anfrage würden wir
auch andere Spiele übertragen, in dem
Fall auch nachts“, sagt der 42-Jährige.
Wer Public Viewing anbietet, also
Fußballschauen im öffentlichen Be-

Freut sich auf spannende Fußballwochen: Wirt Guido Waitschies von der Hohenschönhausener Sportsbar Lausbub. BILD: LOLA
reich, sollte nach Angaben Thieles einen Antrag stellen. „Formulare gibt es
im Internet auf www.berlin.de. Diesen
einfach ausfüllen und an das zuständige
Bezirksamt zum Fachbereich Umwelt
schicken.“ Kosten für Antragsstellung
werden individuell nach Aufwand und
Wirtschaftlichkeit ermittelt. Demnach
kann eine Genehmigung zwischen 35
und 300 Euro pro Tag kosten. Formulare
sollten aufgrund der vielen Anträge zeitnah eingereicht werden. „Wer aber drinnen ein Spiel anbietet, kann das nach
Belieben tun.“
Demzufolge dürfte Dimitrios Vergos
vom Pferdesportpark Berlin-Karlshorst
e.V. keine Probleme haben. „Wir haben eine Halle an der Trabrennbahn
mit Großleinwand“, erklärt der Vereinsgeschäftsführer. „Zudem wohnen in
unmittelbarer Umgebung keine Anwohner, die gestört werden könnten.“ 1.200
Menschen passen in die Halle. Gemeinsam essen, trinken sowie kostenlos Fußballschauen und jubeln waren bereits
2006 ein gemeinschaftliches Erlebnis.
In diesem Jahr werden nur die Deutschlandspiele dort ausgestrahlt. „Und da

haben wir zumindest bei den Vorspielen
Glück. Die beginnen ab 18 beziehungsweise 21 Uhr“, weiß Vergos.
Sowohl Thiele als auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister gehen
liberal mit der kommenden WM um.
„2006 gab es eine große Aufregung im
Bezirk und am Ende lief alles friedlich
ab. Selbst Anwohnerbeschwerden gab es
nicht“, berichtet Dr. Andreas Prüfer. Der
stellvertretende
Bezirksbürgermeister
glaubt sogar, dass viele Nachtspiele nicht
großartig verfolgt werden. „Und wenn
doch, so können wir an die Betreiber nur
appellieren, ein wenig Rücksicht zu nehmen. Nicht für uns. Wir gönnen jedem
seinen Fußball-Spaß. Aber der Anwohner wegen. Wäre doch schade, wenn es
sich Betreiber mit ihnen verscherzen.“
Guido Waitschis Kneipe liegt direkt
im Alt-Hohenschönhausener Wohngebiet in der Goeckestraße 29. Sollten
Gäste nachts noch Interesse an einem
Spiel haben, dann wird „das Ganze nach
innen verlegt“. „Klar könnte es ein wenig lauter werden“, sagt der 47-Jährige.
„Aber doch eigentlich nur, wenn ein Tor
für Deutschland fällt.“

Bezirks-Sport 19

Mai/Juni 2014 | Bezirks-Journal

BFC Dynamo zieht es in den Jahn-Sportpark
Nach Aufstieg in die Oberliga: Heimspiele werden künftig im Zentrum Berlins ausgetragen.

von Benedikt Paetzholdt

W

er sich in diesen Tagen rund
um die Räumlichkeiten des
BFC Dynamo im Zentrum
des Sportforums aufhält, sieht durchweg
einen Gesichtsausdruck, der Zufriedenheit ausstrahlt. Egal Ob Spieler, Funktionäre oder Fans, alle sind verzückt von
dem, was der Klub in dieser Saison geleistet hat. Ohne eine einzige Niederlage marschierten die Hohenschönhauser
durch die Oberliga. Der Klub sicherte
sich frühzeitig den Meistertitel und den
Aufstieg in die Regionalliga. Dass man
im Halbfinale des Berliner Landespokals
gegen den FC Viktoria 89, der kommendes Jahr auch Gegner in der höheren
Liga sein wird, mit 1:3 nach Elfmeterschießen ausschied, konnte die Stimmung nicht nachhaltig trüben. Trainer
Volkan Uluc sagt: „Ich bin stolz über das,
was meine Mannschaft geleistet hat.“
Als der türkischstämmige Fußballlehrer 2012 zum zweiten Mal hier anheuerte
– er trainierte die Mannschaft bereits von
2007 bis 2009 – war eine solche Erfolgsgeschichte nicht abzusehen. Beim Amtsantritt des heute 44-Jährigen bewegte
sich der BFC Dynamo in der Grauzone

Jörn Lenz und Volkan Uluc. BILD: BP
der Liga, auf Platz 13 – viel zu wenig für
das eigene Selbstverständnis. „Wir haben
jeden Stein umgedreht“, sagt Uluc, „wir
mussten weg vom Feierabend-Fußball.“
Seitdem stehen unter anderem zwei Trainingseinheiten pro Tag an.
Auch wenn man kein Profiteam sei,
so wolle man doch zumindest professionelle Strukturen haben, lautet die Devise des Trainers. Das ist auch nötig. Um
in der Regionalliga zu bestehen, muss
sich die Mannschaft weiterentwickeln.
Teams wie Magdeburg und Jena werden kommende Saison ungleich schwerere Prüfsteine werden. Zudem warten
zahlreiche emotionale Stadtduelle. Die
Heimspiele werden zukünftig im Fried-

rich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg ausgetragen. Auch wenn man
dafür wehmütig die eigene Heimspielstätte im Sportforum verlassen muss, ist
dieser Schritt unvermeidlich. Uluc sagt:
„Das ist eine Entscheidung für die Zukunft.“ Schließlich habe man Ziele und
Ambitionen. Mit einem neuen Zwei-Jahres-Plan will sich der Klub in Richtung
Dritte Liga orientieren. Und hier sind die
Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes
äußerst streng.
Das der BFC Dynamo Richtung Zentrum der Stadt rückt, macht für Jörn Lenz
nicht nur aus Sicht des größeren und
professionelleren Stadionumfeldes Sinn.
Seit Jahren müht sich der ehemalige
Dynamo-Spieler in verschiedenen Funktionen für die Entwicklung des Klubs,
derzeit als Leiter des Kita-Projektes, das
seit Neuestem von der Steakhaus-Kette
Maredo gesponsert wird. Er weiß: „Wir
können uns für die Wirtschaft jetzt besser präsentieren.“ Wohl in keiner deutschen Stadt ist die Sponsorenakquise so
schwierig wie in Berlin mit der unvergleichlichen Konkurrenzsituation.
Zudem bietet der Jahn-Sportpark auch
erhebliche Chancen zur Imagepflege.
Mit Fankrawallen, die den Klub deutschlandweit in Verruf gebracht haben, will

man endgültig abschließen. „Darauf ist
hier niemand stolz“, sagt Lenz, „aber
wir können es nicht aus unserer Vita
löschen“. Der 45-Jährige wünscht sich,
dass zukünftig auch mal neue Zuschauer bei BFC-Dynamo reinschnuppern,
„die ein tolles Fußballerlebnis genießen
wollen.“ Der Klub ist nämlich vor allem
auch für seine Stimmung bekannt. „Wir
wissen um unseren Stellenwert“, sagt
Lenz.
Was vor allem auch für die Kinder- und Jugendarbeit gilt. Um die 500
Kinder tummeln sich in über 20 Mannschaften. Neue Impulse liefert auch die
Zusammenarbeit mit Hertha BSC in der
Kiezkicker-Initiative. Der Bundesligist
unterstützt die teilnehmenden AmateurKlubs bei der Professionalisierung, mit
der Hoffnung neue Talente gewinnen zu
können. Um bereits den ganz Kleinen
Lust auf Sport zu machen, wurde bereits
2003 das Kita-Projekt ins Leben gerufen.
Einmal pro Woche werden rund 200
Kinder aus knapp 20 Tagesstätten zum
Sport gebracht. „Wir wollen mit Spaß
die koordinativen Fähigkeiten verbessern“, sagt Lenz. Damit auch in Zukunft
rund um die Räumlichkeiten des BFC
Dynamo viele zufriedene Gesichter zu
sehen sind.

20 Bezirks-Navigator

Bezirks-Journal | Mai/Juni 2014

TICKER +++ TICKER +++
HUNDESPORT AGILITY: Auf
dem Gelände des Hundesportvereins
MV Berolina findet am 24. Mai ab 9
Uhr die Landesmeisterschaft BerlinBrandenburg im Agility statt. Erwartet
werden Hunde und deren Halter, die
ihr Bestes in Sachen Hundesport geben.
Ort: Arnimstraße 11, 13053 Berlin.
Infos: http://berolina.jimdo.com

Alles, was Lichtenberg in den kommenden vier Wochen bewegt. Kurz.
Bündig. Kompakt.
Anzeige

POLITIK VOR ORT
21. Mai 2014, 17-18 Uhr: Bürgersprechstunde mit Karin Halsch (SPD),
MdA. Ort: Bürgerbüro Am Berl 13,
13051 Berlin-Hohenschönhausen.
21. Mai 2014, 17 Uhr: Bürgersprechstunde mit Birgit Monteiro (SPD),
MdA. Ort: Bürgerbüro Rathausstraße
7, 10367 Berlin-Lichtenberg.
21. Mai 2014, 15.30 Uhr: Bürgersprechstunde von Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD). Ort:
Lichtenberger Werkstatt für Behinderte, Wotanstraße 18, 10365 BerlinLichtenberg. Anmeldung erforderlich:
Tel. (030) 90296-3301.
26. Mai 2014, 13 bis 16 Uhr: Kostenlose Hartz IV-Beratung mit dem
Hartzer-Roller im Bürgerbüro von Ole
Kreins (SPD), MdA. Ort: Margaretenstraße 11, 10317 Berlin-Lichtenberg.
26. Mai 2014, 17 Uhr: Bürgersprechstunde mit Katrin Lompscher (DIE
LINKE), MdA. Ort: IKB, Münsterlandstraße 33, 10317 Berlin-Lichtenberg.
26. Mai 2014, 17 bis 18 Uhr: Bürgersprechstunde mit Harald Wolf (DIE
LINKE), MdA: Ort: Alfred-Kowalke-Straße 14, 10315 Berlin-Friedrichsfelde.
28. Mai 2014, 18.30 bis 19.30
Uhr: offene Bürgersprechstunde der
Grüne-Fraktion Lichtenberg und von
Silke Gebel, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Ort: IKARUS Stadtteilzentrum, Wandlitzstraße 13, 10318
Berlin-Karlshorst.
Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Bitte beachten Sie, dass sich Termine
kurzfristig ändern können.

FREIZEITSPORT

Volkslauf durch Gärten
S
o etwas gibt es wohl nur in Lichtenberg: Neben Friedrichsfelde gibt es
auch in Hohenschönhausen einen Gartenlauf. Dieses Jahr findet diese Volkslaufveranstaltung zum 18. Mal statt, wie
Veranstalter Robert Wiese mitteilte. Die
Läufer starten am 15. Juni ab 9.30 Uhr
und ziehen ihre Runden durch die gepflegten Gärten der Anlage „Falkenhöhe-Nord“ am Birkholzer Weg 112.
Um 9.30 Uhr fällt der Startschuss für
die Jüngsten, die eine 500 Meter lange
Strecke absolvieren können. Um 9.40
Uhr folgen die Bambini und Einsteiger
mit einer Distanz von 1100 Metern. Danach steht um 10 Uhr der Berlin-CupLauf auf dem Programm: Die Strecke
misst 5700 Meter. Der große Lauf hingegen ist um 10.45 Uhr der Gartenlauf
auf einer Länge von elf Kilometern.

Am Hohenschönhausener Gartenlauf
können sich alle beteiligen. Anmeldungen werden entweder telefonisch unter
Tel. (030) 51691652 oder per E-Mail
unter igomoll@aol.com entgegen genommen. Onlinemeldungen sind unter
www.ziel-zeit.de im Internet möglich.
Das Startgeld beträgt für Einsteiger 2
Euro, über 10,9 Kilometer Strecke werden 6 Euro berechnet. Kinder, die bis
2005 geboren wurden, laufen kostenlos
mit.
Rund um den Hohenschönhausener
Gartenlauf haben die Veranstalter ein
buntes Programm auf die Beine gestellt.
So gibt es Ponyreiten, Kistenkletern,
Cheerdance, eine große Kaffeetafel und
Kinderdarbietungen mit Ulf, dem Spielemann. Weitere Infos: Tel. 0179/ 232
BILD: DOREEN SCHMIDT
60 48. (bzj.) 

INTERNATIONALES GARTENCAFÉ

Start in neue Saison
D

as internationale Gartencafé startet
in seine zweite Saison. Es öffnet ab
sofort immer donnerstags von 15 bis 18
Uhr seine Pforten im Interkulturellen
Garten an der Liebenwalder Straße 1218. Das teilte das Trägerunternehmen,
die Sozialdiakonische Arbeit Berlin
GmbH (Sozdia), mit. Bis Ende September treffen dort Menschen aus allen
Nationen auseinander, um bei Kaffee,
selbst gebackenem Kuchen, Limonade
und Tee miteinander ins Gespräch zu
kommen.
Die Idee hinter dem Gartencafé ist
eng mit dem Konzept des Interkulturellen Gartens verknüpft, der seit acht

Jahren auf dem Gelände einer einstigen
Kindertagesstätte bewirtschaftet wird.
Menschen aller Nationen gärtnern gemeinsam und überwinden dadurch
Sprach- und Ländergrenzen.
„Bisher konnten einheimische und
ausländische, alt-eingesessene und neue
Lichtenberger viel voneinander erfahren“, sagt Projektkoordinatorin Anne
Haertel. Insgesamt werden 34 Beete bewirtschaftet. (bzj.)



Informationen:
www.interkulturellergarten.de
Tel. (030) 81 85 90 98

SOZIALTAGE: Die traditionellen
Sozialtage finden in diesem Jahr am
23. und 24. Mai im Lincen-Center am
Prerower Platz statt. Unter dem Motto
„Leben in Lichtenberg – sozial, tolerant
und mittendrin“ präsentieren sich zum
21. Mal öffentliche, freie und private
Träger des Bezirkes mit ihren speziellen
Beratungs-, Unterstützungs- und Freizeitangeboten.

Ihre Anzeige fehlt? Rufen Sie uns an!

Tel. 030 55 49 96 55
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.