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Full text: Marzahn-Hellersdorfer Bezirks-Journal (Rights reserved) Ausgabe 9.2022,[3] März (Rights reserved)

Bezirks-Finanzen: Die Verwaltung muss vorerst auf etliche neue Stellen im Bezirksamt verzichten. Seite 2 Anzeige Alte Börse Marzahn: Unternehmer setzen sich für die Sanierung der Straße im Industriegebiet ein. Seite 8 MARZAHN-HELLERSDORFER GRATIS BEZIRKS-JOURNAL zum Mitnehmen Ihre kostenlose Monatszeitung für Marzahn-Hellersdorf | Ausgabe März 2022, 10. März 2022 |  www.bezirks-journal.de | m redaktion@bezirks-journal.de ZEITGESCHICHTLICHES ARCHIV: Deutsch-Deutsche Geschichte in Gefahr Mit fast 19 Millionen Presseartikeln aus der Zeit zwischen 1946 und 1992 ist das Zeitgeschichtliche Archiv die größte Sammlung dieser Art in Deutschland. Doch der Betreiberverein kann die Einrichtung aus eigener Kraft nicht mehr unterhalten – und muss zudem seine bisher genutzten Räume im Gewerbegebiet an der Premnitzer Straße verlassen. Findet sich keine Lösung, gibt es am Ende nur noch einen Weg – den zum Schredder. Mehr zum Thema lesen Sie auf Seite 7. Foto: Marcel Gäding autohaus MARZAHN rfelde r Str. e Bitte Sportgelände Marzahn R.Wall enberg -S tr. erger Allee b s d Lan lle eA sch rki Mä Mehro wer A llee Blumb erger Damm autohaus Wo lfen er S tr. MARZAHN Sondermodelle Aktionspreise Inzahlungnahme Autohaus Marzahn GmbH Wolfener Straße 13 a, 12681 Berlin Tel. 030 / 93 69 160 | www.autohaus-marzahn-berlin.de 2 BEZIRKS-LEBEN März 2022 | Marzahn-Hellersdorf | BEZIRKS-JOURNAL Weniger Geld, weniger Spielraum FINANZEN: Wegen der Corona-Pandemie sollen Berlins Bezirke kräftig sparen. Das führt dazu, dass Marzahn-Hellersdorf unter anderem beim Personal Einschnitte hinnehmen muss. Von Marcel Gäding. W er derzeit mit dem Auto tanken fährt oder den Großeinkauf fürs Wochenende erledigt, kennt das: Irgendwie ist alles teurer geworden, das Gehalt aber ist unverändert. Das führt dazu, dass man seine Ausgaben ganz genau unter die Lupe nimmt und schon mal Abstriche macht, geplante Anschaffungen verschiebt. Nicht anders ist das beim Bezirkshaushalt. Reicht das vorhandene Geld nicht aus, muss der viel zitierte Rotstift her. So ergeht es derzeit dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf. Das hat einen fast 700 Seiten starken Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2022 und 2023 beschlossen, der nun von den Mitgliedern der Bezirksverordnetenversammlung diskutiert wird. Pro Jahr stehen dem Bezirk rund 820 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Großteil des Geldes ist jedoch schon fest eingeplant. Gut 80 Prozent werden für Aufgaben verwendet, für die es einen gesetzlichen Anspruch gibt – darunter fallen Kosten für Kitabetreuung, Sozialleistungen, Wohngeld, etc. Nur für den kleineren Teil kann der Bezirk eigene Schwerpunkte setzen. Als im November vergangenen Jahres das neue Bezirksamt gewählt wurde, trat Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) mit ambitionierten Plänen sein Amt an. Mit Unterstützung von Linksfraktion, Grünen, Tierschutzpartei, SPD und FDP war von einem Richtungswechsel die Rede und von vielen neuen Schwerpunkten in den kommenden Jahren. Doch nun kommt die Ernüchterung: Für viele Vorhaben reicht das zur Verfügung stehende Geld nicht aus. Außerdem soll der Bezirk rund 16 Millionen Euro weniger bekommen – und steht nicht allein da. Wegen der pandemiebedingten Mehrausgaben fordert das Land Berlin von allen zwölf Bezirken, dass sie pro Jahr gemeinsam rund 80 Millionen Euro weniger ausgeben. Dabei sieht es finanziell auf Landesebene angesichts stabiler und sogar steigender Einnahmen gar nicht so schlecht aus. Derzeit aber hält die Senatsfinanzverwaltung Im Rathaus von Marzahn-Hellersdorf wurde wochenlang geplant, wofür 2022 und 2023 Geld ausgegeben wird. Foto: Marcel Gäding daran fest, den Bezirken weniger Geld bereitzustellen als diese benötigen. Konkret bedeutet das für MarzahnHellersdorf, dass das Bezirksamt in vielen Bereichen Abstriche machen muss: 1,86 Millionen Euro weniger für Sachausgaben, 2,36 Millionen Euro weniger für Sozialleistungen und 3,7 Millionen Euro weniger für Personal. „Die einzelnen Fachbereiche haben für 2022 einen Bedarf von 60 neuen Stellen angemeldet“, sagt der für Finanzen zuständige Bezirksbürger- meister Gordon Lemm. Nun aber bleiben nur zehn neue Stellen übrig, die in diesem Jahr geschaffen werden sollen. Diese seien wichtig und notwendig, sagt Lemm. Allerdings übersteigen auch diese zehn Stellen das Budget. Das bedeutet, dass der Bezirk mit mehr Geld plant als ihm zur Verfügung steht. Im Fachjargon spricht man von sogenannten „pauschalen Minderausgaben“. Das nicht vorhandene Geld muss der Bezirk dann irgendwie im laufenden Haushaltsjahr erwirtschaften. Der Bezirksbürgermeister sagt, dass man aber trotz der großen Sparbemühungen Schwerpunkte setzen konnte. Als Beispiele nennt er die Familienförderung, die von derzeit 640.000 Euro im Jahr auf eine Million Euro pro Jahr erhöht wird. Auch das geplante Freibad findet Berücksichtigung: Für erste Planungen und Untersuchungen sind 200.000 Euro geplant. Keine Einschnitte soll es zudem bei der Reinigung der Schulen sowie bei der Ausstattung sanierter Schulen geben. „Alles in allem ist unser Haushaltsplanentwurf verfassungskonform“, sagt Lemm. Für das Bezirksamt sei die Arbeit erledigt, jetzt sind die Bezirksverordneten an der Reihe. Sie sollen im März den Haushalt beschließen. Ganz so einfach sieht der MarzahnHellersdorf CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Martin die Sache aber nicht. „Für uns ist die Arbeit des Bezirksamtes keineswegs getan“, erklärt er. Er fordert vom Bezirksamt, dem Land Berlin ein Signal zu senden, „dass man so nicht mit den Bezirken umgehen kann“. Marzahn-Hellersdorf sei statistisch der Bezirk mit dem ältesten Personal. „Die jetzt in Rede stehenden Einsparungen gehen auf Kosten des Personals.“ Diskussionsbedarf sieht auch Klaus-Jürgen Dahler, der finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion: „Über den Personalhaushalt werden wir noch einmal in den Fachausschüssen reden müssen.“ Inzwischen wurde Bezirksbürgermeister Lemm gegenüber der Landesebene deutlich. Gemeinsam mit Amtskollegen aus sieben Berliner Bezirken wandte er sich in einer Erklärung an die Berliner Landesregierung und das Abgeordnetenhaus von Berlin. „Wenn der Senat und das Abgeordnetenhaus den Weg der massiven Einsparungen weiterverfolgen, stehen die Bezirke erneut vor Entscheidungen, Investitionen in die Zukunftsfähigkeit zu streichen, Gebäude und Grundstücke zu veräußern und das Personal in den Bezirksverwaltungen dauerhaft zu überlasten“, heißt es darin. Marode Wuhletalbrücke ein Fall für den Abrissbagger VERKEHR: Bauwerk weicht wegen erheblicher Mängel einem Neubau, der bis Mitte 2025 entstehen soll. D ie erst 1984 errichtete Wuhletalbrücke ist Geschichte. Vor wenigen Tagen hat ein Bauunternehmen damit begonnen, das marode Bauwerk abzureißen. Die Wuhletalbrücke ist Teil der Bundesstraße 158. Bei routinemäßigen Überprüfungen wurde 2018 festgestellt, dass das eingesetzte Baumaterial nachgibt. Im Juni 2019 entschied die Senatsverkehrsverwaltung, die Brücke für den Fahrzeugverkehr zu sperren. Autofahrer müssen seitdem Umleitungen in Kauf nehmen. Bevor jetzt mit dem Bau einer Ersatzbrücke begonnen wird, geht es an den Abriss der alten Konstruktion. Bis Herbst dieses Jahres soll die alte Wuhletalbrücke verschwinden sein. Danach beginnen die Arbeiten für den Brückenneubau, die nach derzeitigem Stand bis Mitte 2025 Die 1984 errichtete Wuhletalbrücke war seit Juni 2019 für den Fahrzeug- und Radverkehr gesperrt. Seit einigen Tagen ist sie abgerissen. Foto: Marcel Gäding dauern. Im gleichen Zeitraum ist geplant, die Märkische Allee zwischen Mehrower Allee und S-Bahnhof Ahrensfelde zu sanieren. Dabei sollen die parallel zur Straße verlaufenden S-Bahnhöfe künftig besser an die neue Straße angeschlossen werden. Allein für den Brückenbaubau belaufen sich die Kosten nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung auf rund 15 Millionen Euro. Das Geld kommt aus Fördermitteln der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW-Mittel). Damit hat sich der Investitionsbedarf verdoppelt. Noch 2019 war davon die Rede, dass der Neubau 8,4 Millionen Euro kosten werde. Die Wuhltalbrücke wurde 1984 aus Stahlbeton errichtet. Sie ist fast 40 Meter lang und besteht aus zwei Teilen, welche die Wuhletalstraße überspannen. (bzj.) IMPRESSUM BEZIRKS-JOURNAL – Unabhängige Monatszeitung | Das Bezirks-Journal erscheint einmal im Monat und liegt an ca. 300 Orten in Lichtenberg sowie Marzahn-Hellersdorf kostenlos zur Mitnahme aus. HERAUSGEBER/ CHEFREDAKTEUR Marcel Gäding (V.i.S.d.P.), Medienbüro Gäding, Groß Eichholz 4, 15859 Storkow (Mark) TELEFON 033760 206891 E-MAIL redaktion@bezirks-journal.de ANZEIGENSCHALTUNGEN: anzeigen@bezirks-journal.de INTERNET www.bezirks-journal.de | FACEBOOK www.facebook.com/bezirksjournalberlin | VERTRIEB & VERTEILUNG Eigenvertrieb DRUCK: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin. GESAMTAUFLAGE 100.000 Exemplare | Es gilt die Anzeigenpreisliste 2022 | Das nächste Bezirks-Journal erscheint am 7. April 2022. BEZIRKS-JOURNAL | Marzahn-Hellersdorf | März 2022 Mehr Auslauf für Hunde im Bezirk MARZAHN-HELLERSDORF. Das Bezirksamt soll auf eine Initiative der CDU hin prüfen, an welchen Stellen im Bezirk öffentlich zugängliche Hundeauslaufgebiete entstehen können. Ein Indiz, wo der Bedarf existieren könnte, wären die Daten über steuerlich gemeldete Hunde. Anhand dieser Informationen soll die Verwaltung entsprechende Flächen eruieren, die entweder dauerhaft oder zeitweise als Hundeauslaufgebiete geeignet sind. „Marzahn-Hellersdorf zählt seit Jahren zu den Berliner Bezirken mit den meisten registrierten Hundehaltungen“, erklärt die CDU-Fraktion. Wegen der 2019 eingeführten Leinenpflicht sei eine wohnortnahe, artgerechte Bewegung für Hunde meist nicht möglich. Unterstützt wird das Anliegen der Christdemokraten von der FDP sowie der Tierschutzpartei. Wie soll der Skatepark aussehen? HELLERSDORF. Mit einem weiteren Beteiligungsworkshop sollen Ideen für den neuen Skatepark gesammelt werden, der im Aktivpark Hellersdorf entsteht. Aufgerufen sind insbesondere Skater, BMXer, Scooter und Inlineskater, ihre Ideen und Wünsche einzubringen. Grundlage ist ein bereits existierender Vorentwurf, der nun gemeinsam mit den künftigen Nutzern präzisiert werden soll. Der Workshop findet am 18. März von 15 bis 19 Uhr sowie am 19. März von 10 bis 14 Uhr im Haus Sonneneck, Alt-Hellersdorf 29, 12629 Berlin, statt. Wer teilnehmen möchte, muss die 3G-Regeln einhalten sowie eine FFP2bzw. OP-Maske tragen. Eine Ökotoilette für den Wilhelmplatz KAULSDORF. Der Spielplatz auf dem Wilhelmplatz soll eine Ökotoilette bekommen. Das fordert die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Damit soll vor allem den Wunsch von Anwohnern entsprochen werden, die sich bereits lange für ein öffentliches WC einsetzen. Da dort aber keine Wasser- und Stromanschlüsse bereitstehen, ist eine Toilette der Wall AG an dieser Stelle nicht realisierbar. Eine Ökotoilette benötigt hingegen keine technischen Voraussetzungen, da sie ohne Strom und Wasser funktionieren. Mehr Nachrichten: www.bezirks-journal.de BEZIRKS-NACHRICHTEN Grünanlagen sollen attraktiver werden MARZAHN-HELLERSDORF. Die Grünanlagen „Ahrensfelder Berge“ und „Biesdorfer Höhe“ sollen für Erholungssuchende attraktiver werden. Das fordert die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Denkbar wäre, Outdoor-Sportgeräte bereitzustellen und die Wege barrierefrei zu gestalten. Eine weitere Option wären temporäre Kunstoder Skulpturenausstellungen auf de Erhe- bungen der Grünanlagen. In jedem Fall sollen ausreichend Mülleimer aufgestellt werden. Die Wunschliste der SPD enthält weiterhin jeweils ein kleines Café oder einen Kiosk inklusive öffentlicher Toiletten. Vorbild für die Gestaltung der „Ahrensfelder Berge“ und der „Biesdorfer Höhe“ könnte der Kienberg sein, der im Zuge der Internationalen Gartenausstellung IGA 2017 hergerichtet wurde. Mehr Touristen in den Bezirk holen MARZAHN-HELLERSDORF. Die bezirkliche SPD-Fraktion möchte künftig mehr Touristen in den Bezirk holen. In einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung wird das Bezirksamt ersucht, ein Werbekonzept für Tagesreisen in den Bezirk zu erstellen. Diese Touren könnten in die Gärten der Welt sowie ins Schloss Biesdorf führen und mit dem Besuch lokaler Restaurants verbunden werden. Auch die bezirkliche Wirtschaftsförderung solle aktiv werden – und sich beim Bundes- presseamt dafür einsetzen, bei Bundespressefahrten verstärkt Standorte in MarzahnHellersdorf zu berücksichtigen. Bis zu dreimal im Jahr können Bundestagsabgeordnete jeweils 50 politisch interessierte Menschen in die Hauptstadt einladen. Ein Großteil der Kosten wird vom Bundespresseamt übernommen. „Restaurants und Beherbergungsunternehmen im Bezirk profitieren davon bisher nur unterdurchschnittlich“, erklärt die SPD-Fraktion. Politikern wünschen sich Bürgerhäuser MARZAHN-HELLERSDORF. In den Ortsteilen Marzahn-Nordwest sowie Mahlsdorf sollen Bürgerhäuser eingerichtet werden. Das fordert die Linksfraktion in einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung, der auch von SPD und Grüne unterstützt wird. In die Diskussion um die Schaffung dieser Begegnungsstätten sollten lokale bürgerschaftliche Initiativen, soziale und kulturelle Einrichtungen sowie Vereine einbezogen werden. „Ziel ist es, einen Fahrplan für einen jeweiligen Standort, den Inhalt und eine zeit- liche Umsetzungsperspektive zu erarbeiten und der BVV zur Beratung vorzulegen“, heißt es in dem Antragstext. In Marzahn-Nordwest wären ein Neubau oder die Nutzung leerstehender Räume denkbar. In Mahlsdorf könnte ein Bürgerhaus in der Containerschule am Lehnitzplatz nach dem Ende des Schulbetriebs geschaffen werden. „Das Prinzip von Bürgerhäusern, Zentren sozialer, kultureller und bürgerschaftlicher Aktivitäten im Stadtteil, sollte weiter ausgebaut werden.“ Bezirk soll in Ämtern Wickelbereiche schaffen MARZAHN-HELLERSDORF. In öffentlichen Einrichtungen wie Bürgerämtern oder an Standorten des Jugendamtes soll es künftig Wickel- und Stillbereiche für Kleinkinder geben. Das fordert die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Außerdem setzt sie sich dafür ein, dass in diesen Berei- chen auch notwendige Hygieneartikel wie Windeln oder Feuchttücher zur Verfügung stehen. Denkbar wären darüber hinaus Spielbereiche. Begründung: „Als familienfreundlicher Bezirk sollte das Bezirksamt dafür Sorge tragen, dass sich die Familien in einer sonst recht sterilen Ämterumgebung wohl fühlen.“ U-Bahnhöfe sollen schnell barrierefrei werden MARZAHN-HELLERSDORF. Noch immer sind viele Bahnhöfe der U-Bahnlinie 5 nicht barrierefrei zugänglich. Nun soll das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf den Druck auf Berliner Verkehrsbetriebe und Senatsverkehrsverwaltung verstärken, zügig mit den Planungen für den notwendigen Umbau der Stationen zu beginnen, fordert die bezirkliche CDU-Fraktion. „Für viele ältere und mobilitätseingeschränkte Bürger besteht nur eine eingeschränkte oder nicht bestehende Zugangsmöglichkeit zu den U-Bahnhöfen der Linie 5“, heißt es in einem Antrag der Bezirksverordnetenversammlung. Viele dieser Bahnhöfe in Marzahn-Hellersdorf verfügten über keine Aufzüge und seien nur über Rampen „barrierefrei“, die mit ca. 10 Prozent Steigung jedoch nicht den Anforderungen an barrierefreies Bauen entsprechen. „Diese Neigung können nicht alle Fahrgäste bewältigen und stellen damit eine unüberwindbare Hürde dar.“ Nach aktuellem Stand planen BVG und Verkehrsverwaltung allerdings frühestens ab 2025, die Bahnhöfe nachzurüsten. 3 Kita bekommt Geld vom Bund MARZAHN. Die Kita „Goldfischchen“ in der Jan-Petersen-Straße bekommt fast 23.000 Euro Fördermittel vom Bund. Das teilte der Bundestagsabgeordnete Mario Czaja (CDU) mit. Das Geld wird bis zum Ende des Jahres eingesetzt, um die sogenannte alltagsintegrierte sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien zu fördern. Die Bundesmittel stammen aus dem Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ und werden vom Bundesfamilienministerium bereitgestellt. Dank der Fördermittel kann die Kita „Goldfischchen“ jetzt zusätzlich spielerische und alltagsnahe Sprachförderung und Unterstützung anbieten. Langsamer fahren auf der Cecilienstraße BIESDORF. Auf der Cecilienstraße könnte künftig in Höhe Wuhlestraße Tempo 30 gelten. Die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung fordert vom Bezirksamt, sich bei den zuständigen Stellen für eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzusetzen. Damit solle die Verkehrssicherheit erhöht werden. Begründet wird die Forderung damit, dass die kurvige Straße wenig Sicht für Autofahrer und Fußgänger bietet. Außerdem verursache die Betonkonstruktion der Straße viel Lärm, der mit einer Reduzierung auf Tempo 30 reduziert werden könnte. CDU fordert Bau von Spielplatz MAHLSDORF. Der seit Jahren diskutierte Plan, auf dem Durlacher Platz einen Spielplatz einzurichten, muss nach Ansicht der bezirklichen CDU-Fraktion nun endlich umgesetzt werden. Schon lange werde darüber debattiert, dort eine Fläche für Kinder und Familien herzurichten, heißt es in einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung. Der Spielplatz werde dringend benötigt, weil Mahlsdorf-Süd zu den am stärksten wachsenden Kiezen im Bezirk gehöre. Kinderbetreuung während der Sitzungen MARZAHN-HELLERSDORF. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) soll künftig deutlich familienfreundlicher sein. Das fordern SPD, Linke und Grüne. Geplant ist ein Modellprojekt, wonach während der Sitzungen eine Betreuung für Kinder oder zu pflegende Angehörige organisiert wird. „Noch immer existieren Barrieren und Hürden, die politisches Engagement, insbesondere für Alleinerziehende und Familien, erschweren. ANZEIGEN ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG März 2022 | Marzahn-Hellersdorf | BEZIRKS-JOURNAL – Anzeigensonderveröffentlichung – vital & gesund // gut umsorgt im Alter www.curatio-care.de ) 4 (030) 684 07 65-01 Hoher Blutdruck? So bekommen Sie ihn in den Griff RATGEBER: Herzinfakt oder Schlaganfall als Folge von zu hohem Blutdruck können über regelmäßiges Kontrollieren vermieden werden. G WUNDEXPERTEN-TEAM Berlin-Brandenburg y TÜV-zertifiziertes Wundmanagement y Therapieabstimmung mit dem behandelnden Arzt y Phasen- und patientengerechte Wundversorgung y Kurative und palliative Wundbehandlung y Kompetenz durch langjährige Erfahrung Kontakt Beratung & 7 65-01 (030) 684 0 -care.de tio ra u .c www y Praxis- & Hausbesuche y Abrechnung aller Kassen & Privat y Versandkostenfreie Lieferung der Verbandmaterialien y Herstellerunabhängig Unser nächstes Sonderthema „Gut umsorgt im Alter“ erscheint am 12. Mai 2022. Anzeigenbuchungen: Tel. 033760 206891 ewicht, Blutzucker, Blutdruck und Blutfette: Wenn einer dieser vier Werte aus dem Ruder läuft, kann das die Gesundheit gefährden. Wer lange gut leben möchte, sollte dieses Quartett daher regelmäßig beim Arzt überprüfen lassen. Gewicht, Blutdruck und auch Blutzucker zu messen, geht auch zu Hause. Beim Blutdruck ist ein Wert von unter 120/80 mmHg optimal, als normal gelten Werte bis 139/89 mmHg. „Wenn Ihr Blutdruck, in Ruhe gemessen, regelmäßig bei 140 und darüber liegt, sollten Sie etwas tun“, rät der Münchner Arzt Dr. Georges von Degenfeld, im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“. Zu hoher Blutdruck bleibt oft unbemerkt. Dauerhaft schädigt er jedoch die Gefäße, die durch den Druck steifer und enger werden. Das Herz und andere wichtige Organe wie Gehirn, Nieren und Augen werden dadurch schlechter durchblutet. Schreitet die Verengung fort, droht ein Gefäßverschluss und in der Folge ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bluthochdruck befeuern viele Faktoren: eine genetische Veranlagung, die eigene Lebensweise, auch Stress und nicht zuletzt das Alter. Jenseits der 40 steigt der Blutdruck ganz natürlich an, weil die Elastizität der Gefäße abnimmt. Ein gesünderer Lebensstil hilft dem entgegenzuwirken: Übergewicht abbauen und körperlich aktiver werden. Yoga oder Meditation helfen außerdem dabei, sich zu entspannen. Bei der Ernährung besser Salz sparen und stattdessen lieber auf Kräuter und Gewürze wie Chili, Curry und Kreuzkümmel zurückzugreifen. Wichtig ist vor allem auch mit dem Rauchen aufzuhören. „Wenn es damit nicht klappt, kommt man aber an Medikamenten nicht vorbei“, sagt Herzexperte von Degenfeld. Häufig werden mehrere, unterschiedliche Wirkstoffe kombiniert. Dadurch lässt sich die Dosis jedes einzelnen Mittels verringern, und die Therapie wird besser verträglich. (ots) BEZIRKS-JOURNAL | Marzahn-Hellersdorf | März 2022 5 ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG Aktiv und fit älter werden ANZEIGE WOHNEN: Soziale Einbindung, Aktivität, mitten im Leben sein – das sind Bausteine für ein glückliches Älterwerden. Was das Wohnumfeld dazu beitragen kann. durch lange Wartezeiten bemerkbar. TERRAGON, Deutschlands Marktführer im Service-Wohnen für Senioren, schafft mit der Service-Residenz VILVIF Berlin ein neues, attraktives Angebot in Grünau. Das Service-Wohnen von VILVIF setzt auf maximale Unabhängigkeit, bietet aber viele Annehmlichkeiten, die den Alltag entspannter gestalten lassen. Schon die baulichen Voraussetzungen, wie die Barrierefreiheit im gesamten Ensemble und in der Wohnung, bringen mehr Leichtigkeit ins Leben. Mit einem flexiblen Servicekonzept, das auch die Vielfalt der Lebensstile und die sehr individuellen Bedürfnisse beim Älterwerden berücksichtigt, schafft VILVIF ein Zuhause voller Möglichkeiten. Zuhause voller Möglichkeiten am Ufer der Dahme Service-Wohnen für ein entspanntes Älterwerden. G ute Nachrichten aus der Wissenschaft: Heutige 75-Jährige schätzen ihr Leben im Durchschnitt selbstbestimmter ein und fühlen sich weniger einsam als Gleichaltrige vor 20 Jahren. Auch das hat die Forschung herausgefunden: Der Anstieg der Lebenserwartung geht mit einem Zugewinn an gesunden Jahren einher. Und wer sozial aktiv ist, ist leistungsfähiger und zufriedener. Wann ist der richtige Zeitpunkt für altersgerechtes Wohnen? Annette Heilig, Vorstand der Terragon AG und Expertin für Senioren-Wohnen bestätigt: „Vor allem Neugier, Inspiration und Aktivität sind wichtig, um aktiv und lebensfroh zu bleiben. Die jungen Senioren von heute legen Wert auf ihre Fitness Foto: GHETTYIMAGES/ Westend61 und genießen die Möglichkeiten kultureller Angebote. Das richtige Wohnumfeld kann eine Menge dazu beitragen.“ Je früher der Entschluss gefasst werde, in eine bedarfsgerechte Wohnung zu ziehen, desto mehr Zeit bleibe für ein erfülltes Leben, erklärt die Expertin. Es gibt altersgerechte Wohnformen, die schon in aktiven Lebensphasen viele Vorteile bieten, ohne die Selbständigkeit einzuschränken. Beim Service-Wohnen zum Beispiel genießen die Bewohner den Komfort der Barrierefreiheit, einen leichten Zugang zu Fitness, Kultur und Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig fallen die Verpflichtungen für Haus und Garten weg. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen? Mit Mitte 70 haben viele Menschen kaum gesundheitliche Einschränkungen, sie sind fit und aktiv. Oft schieben sie die Entscheidung zur Änderung ihrer Wohnsituation auf und agieren erst, wenn es nicht mehr anders geht. Sie handeln aus der Not heraus und müssen sich mit dem zufriedengeben, was zu diesem Zeitpunkt verfügbar ist. Aus ihrer Erfahrung rät Annette Heilig: „Nicht warten, bis akuter Handlungsdruck entsteht. Besser ist es, sich in Ruhe zu überlegen, welche Möglichkeiten man nutzen möchte.“ Dazu helfe es, sich in einer ruhigen Minute zu fragen, was die Wünsche für die Zukunft sind: „Welche Reisen möchte ich machen, welches Hobby pflegen?“. Aber auch: „Welche Pflichten möchte ich abgeben?“ Das Service-Wohnen für maximale Unabhängigkeit »Die jungen Senioren von heute legen Wert auf ihre Fitness und genießen die Möglichkeiten kultureller Angebote. Das richtige Wohnumfeld kann eine Menge dazu beitragen.« Annette Heilig, Vorstand der Terragon AG und Expertin für Senioren-Wohnen Angebot und Nachfrage von altersgerechtem Wohnen klaffen aktuell noch weit auseinander, besonders beim Service-Wohnen im Vier-Sterne-Segment. In Berlin macht sich die Angebotslücke Grünau – einer der wasserreichsten Stadtteile Berlins – ist noch ein Geheimtipp für alle, die den Komfort kurzer Wege und das Großstadtleben mit dem Leben in der Natur verbinden möchten. Direkt am Dahme-Ufer entsteht die neue ServiceResidenz mit 208 Mietwohnungen. Bei Berlinern ist der Standort wegen des historischen Ausflugs- und Tanzlokals „Riviera“ bekannt – vor hundert Jahren eine der besten Adressen, wenn es um Vergnügen ging. Nach fast 30 Jahren Leerstand werden die Baudenkmäler „RivieraSaal“ und „Gesellschaftshaus“ denkmalgerecht saniert. Das Gesellschaftshaus wird Flexible Serviceangebote für ein leichtes und inspiriertes Leben Neben umfangreichen Grundservices gibt es zahlreiche Wahlservices, die auch hauswirtschaftliche und kulinarische Angebote umfassen, und einfach hinzugebucht werden können. Das Serviceteam hilft bei der Realisierung unterschiedlichster Wünsche und stellt monatlich ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm zusammen: Ein gemeinsamer Ausflug, eine Lesung oder die Gründung eines Schachclubs – die individuellen Interessen der Bewohner prägen das Freizeit- und das Serviceangebot. Im Fokus des Servicekonzepts steht das Wohl der Bewohner in all seinen Facetten – von Kulinarik, Kultur, Kreativität und Bildung über Fitness und Wellness bis zu Entlastung im Alltag und Gesundheit. Qualifizierte Gesundheitsberater unterstützen bei medizinischen und pflegerischen Fragestellungen. Und im Bedarfsfall organisiert der erfahrene Betreiber Bedarfsgerechtes Wohnen in der Service-Residenz VILVIF Berlin in Grünau. Foto: TERRAGON 2022 zum Wohnen umgebaut, der Riviera-Saal zum Restaurant und das Ufer wieder zugänglich. Im Zusammenspiel mit vier modernen Neubauten schaffen die Baudenkmäler einen reizvollen Kontrast und eine Vielzahl an Wohnmöglichkeiten – barrie- 7 GUTE GRÜNDE FÜR SERVICE-WOHNEN IM VILVIF BERLIN: 1. Altersgerechtes Wohnen mit maximaler Unabhängigkeit 2. Idyllische Lage mit hohem Freizeit- und Erholungswert 3. Moderne Architektur in einem außergewöhnlichen Ensemble und hochwertige Innenausstattung refrei und in bester Lage am Ufer der Dahme. Da werden auch kleine Wohnungen zu großen Favoriten. VILVIF Berlin ist das Aushängeschild der neuen Premiummarke im ServiceWohnen. Zu den attraktiven Gesellschaftsflächen der Residenz zählen unter anderem eine Lobby, ein Salon, ein Spaund Fitnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Kneipp-Pfad sowie das Restaurant RIVIERA. 4. Attraktive Service- und Gesellschaftsflächen inkl. Spa und Fitness 5. Inspirierende Angebote für ein aktives Leben 6. Individuelle Services zur Erleichterung des Alltags 7. Nachbarschaftliches Wohnen und Kontaktmöglichkeiten AGAPLESION die Pflegeversorgung in der Wohnung. So können die Bewohner langfristig dort bleiben, wo sie am liebsten sind: zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung. Für AGAPLESION – den größten christlichen Gesundheits- und Pflegedienstleister Deutschlands – und den Projektentwickler TERRAGON ist VILVIF Berlin die dritte Vier-Sterne-Residenz am Standort Berlin und die erste unter der gemeinsamen Premiummarke VILVIF. Weitere Informationen zu VILVIF Berlin: Telefon: +49 (0)30 20 37 99 92 E-Mail: vermietung-berlin@vilvif.de Web: www.vilvif.de/berlin 6 BEZIRKS-WIRTSCHAFT März 2022 | Marzahn-Hellersdorf | BEZIRKS-JOURNAL Zu Ostern beginnt im Kaskelkiez die Eissaison SERIE: Die SchokoLadenEis Manufaktur offeriert im Sommer Gefrorenes, im Winter Pralinen und jeden Donnerstag frisches Brot. Von Angelika Giorgis. P ralinen und Trüffel stellt Steffen Winkel nur noch in diesem Monat her. Dann widmet er sich wieder der Eis-Produktion. Seine handgemachten Trüffel, Pralinen und Confiserie-Spezialitäten sind im Kaskelkiez bei Jung und Alt begehrt. Hier leben viele Familien, die gern mal zum Naschen vorbeischauen. Begehrt sind vor allem Karamell-Meersalz-Trüffel, Weichselkirschen, HavannaRum-Trüffel, Sanddorn-Trüffel, Creme Brulée, Whisky-Trüffel, Orangen-Marzipan, und Champagner-Trüffel. Bei meinem Besuch ist gerade der 19-jährige Gustav dabei, solche Champagner-Trüffel herzustellen. Er füllt die Masse aus Champagner, Grappa, Sahne, Butter, Kakao, Kakaobutter, Zucker und Soja in so genannte Rohlinge. Diese kommen von der Confiserie Weibler. „Um eine Praline herzustellen, braucht man drei Tage“, erklärt Steffen Winkel. „Am dritten Tag wird sie dann geigelt.“ Über dieses Wort amüsiert sich Gustav sehr. Ihm gefällt das Arbeiten mit Schokolade, Butter und Sahne. Überwiegt die Butter, dann sind es Trüffel, weiß er. Er arbeitet jede Woche für ein paar Stunden in der Manufaktur. Bevor er dafür alt genug war, war sein Bruder hier. „Mein Laden ist bekannterweise ein Pool für Jugendliche, die den Umgang mit Eis und Schokolade mögen“, erzählt Winkel. Neben diesen Aushilfen arbeiten noch eine festangestellte Verkaufsleiterin und eine Bäckerin in der Manufaktur, maximal drei Leute pro Schicht. In der Saison sind es bis zu acht Mitarbeiter. Etwa fünfzig Prozent der Süßwaren stellt Steffen Winkel selbst her. Herzen, Schoko-Eier und Saisonware kauft er hinzu. 100 Gramm kosten 6,20 Euro. Das sind etwa fünf bis neun Pralinen. Man kann sie auch in verschiedenen Geschenkboxen mitnehmen. Der Laden ist recht klein. Ein Wunder, dass Steffen Winkel dennoch eine solch große Auslage hat. Jeder Zentimeter ist gut genutzt. Das gesamte Sortiment kann man sich zu Hause auch auf der Homepage ansehen, eine Bestellung per E-Mail abschicken und an seinem Wunschtag abholen. Auch Brot. „Eine Zeit lang gab es kaum Brot im Kiez“, erzählt Winkel. Die Victoriastadt ist wie eine kleine Insel, von Bahnschienen zwischen Ostkreuz und Nöldnerplatz umringt. So griff Winkel die Idee eines Freundes auf, mietete einen Lagerraum im Hof und baute diesen zu einer kleinen Backstube um. Dort wird nun jeden Donnerstag gebacken und die Anwohner können ihr Brot auch bestellen. Der Ladeninhaber entstammt einer Eiskonditor-Familie in Schmöckwitz. Der gelernte Eiskonditor und studierte Betriebswirt reiste oft nach Italien und „studierte“ dort das Handwerk genau. Ein paar Jahre arbeitete er auch bei der weltberühmten Dinner-Show „Pomp Duck and Circumstance“, erst als Schauspieler, später an der Bar und im gastronomischen Bereich, den er schließlich leitete. Das tat er bis zum Jahr 2009, als weltweit die Finanzkrise ihre Folgen hinterließ. Da brach auch die Grundlage für die Dinner-Show zusammen und Winkel gründete seinen kleinen Laden in Lichtenberg. Doch die Eisherstellung ist ein Saisongeschäft. Im Winter hatte er anfangs kein Geld und musste sich einen anderen Job suchen. „Zum Glück hat meine Frau ein festes Einkommen“, sagt er schmunzelnd. Schließlich erinnerte er sich an die Desserts bei „Pomp Duck“. Die Arbeitsschritte bei der Eisherstellung sind sehr ähnlich. Das eine Produkt ist warm, das andere kalt. „Alles, was ich mache, muss mir selbst schmecken“, meint Winkel. Und es schmeckt auch den Anwohnern. Ab 2012/2013 hatten sich die Pralinen im Kiez herumgesprochen. Darum schaltet Steffen Winkel auch keine Anzeigen. Ihm gefällt nicht nur seine Arbeit sehr, sondern auch der Kontakt zu den Menschen. Sein Tag ist immer sehr lang, egal ob im Winter oder im Sommer. In die Viktoriastadt kommen nur selten Touristen. Die Anwohner verreisen im Sommer. Dann fährt Winkel auch mal für einige Tage selbst in den Urlaub. Er mag diesen saisonalen Wechsel. Wenn es warm ist, hat er besonders viel zu tun, denn das Eis macht er komplett selbst und findet seine italienische Eismaschine total „cool“. Mit ihr kann man auch kleine Mengen herstellen. Es gibt ca. 18 Sorten pro Tag, unter anderem Mango-, Erdbeer-, Vanille- und Schoko-Eis, die Sorten Cookies, JoghurtAmarena, Herren- und Kinderschokolade, Dolce Latte, Sanddorn und Rhabarber. Die Eismaschine läuft von 8 bis 13 Uhr. Um 12 Uhr öffnet der Laden. Am Feierabend ist alles Eis verkauft. Das ist wichtig, denn es gibt strenge Hygienevorschriften. Winkel verwendet nur frisches Obst und die Milchprodukte aus der Lobetaler BioMolkerei. „Blaues Eis und künstliche Aromen gibt es bei mir nicht“, sagt er. Zwei Wochen vor Ostern stellt er die Pralinen-Herstellung ein und verkauft den „Rest“. Jetzt kann man auf der Homepage schon das Sommer-Angebot betrachten. In Vor-Corona-Zeiten veranstaltete der Chocolatier auch Kurse zur Pralinen-Herstellung. Aber die legen ihm dann immer den ganzen Laden lahm. In den beengten Räumen wird das vorerst auch nicht wieder möglich sein. Die Arbeit ist körperlich recht anstrengend. Morgens gleicht sie Hochleistungssport. Dennoch meint Winkel, er habe einen tollen Job. In den Wintermonaten ist montags und dienstags der Laden geschlossen. An allen anderen Tagen öffnet Steffen Winkel ab 12 Uhr. Bei tagelang schlechtem Wetter bleibt die Tür im Sommer aber auch mal geschlossen. UNTERNEHMEN IM F KUS Weitere Informationen: SchokoLadenEis Manufaktur, Kaskelstraße 15, 10317 Berlin-Victoriastadt Tel. 030 74393721 https://schokoladeneis-berlin.de Steffen Winkel in seinem kleinen Schokoladen- und Eis-Paradies. Im Kiez ist er eine feste Größe. Fotos: Angelika Giorgis Trüffelvariationen bestimmen im Winter die Auslage in der Manufaktur. BEZIRKS-JOURNAL | Marzahn-Hellersdorf | März 2022 BEZIRKS-GESCHICHTE 7 „Unsere Kraft ist am Ende“ DEUTSCH-DEUTSCHE GESCHICHTE: Das Zeitgeschichtliche Archiv umfasst gut 19 Millionen Zeitungsartikel. Der Betreiberverein hat sich aufgelöst und sucht einen Abnehmer für die größte Sammlung dieser Art in Deutschland. Andernfalls werden die Bestände geschreddert. Von Marcel Gäding. E in unscheinbarer Industriebau, errichtet in den letzten Monaten vor der Wende. Einst sollte er Teil der Textilproduktion sein. Dann kam der Fall der Mauer und das Ende vieler DDR-Betriebe. Das Gebäude stand zunächst leer und wurde im Laufe der Jahre anderweitig genutzt. Hinter einer Glastür des Gebäudes an der Premnitzer Straße geht es in einen breiten Flur, von dort in fensterlose große, unbeheizte Hallen. Dr. Harald Wachowitz öffnet eine Stahltür, die in das Zeitgeschichtliche Archiv führt. Auf einer 700 Quadratmeter großen Fläche lagern mehrere Millionen Presseartikel aus Ost und West, erschienen zwischen 1946 und 1992. Sie dokumentieren deutsch-deutsche Geschichte von der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg über den Mauerbau, den Kalten Krieg bis hin zur Wiedervereinigung. Die gut 30.000 Ordner haben eine Länge von 2.291 Meter. Nur eine Tür weiter befindet sich ein weiterer Schatz: das Archiv der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“. Dort lagern alle Tagesausgaben bis 1992, darüber hinaus sauber nach Namen und Ereignissen sortierte Tagesspiegel-Beiträge – etwa über den Ex-Stasichef Erich Mielke, über die 750 Jahr-Feier Berlins oder über die Todesopfer an der Berliner Mauer. Das Zeitgeschichtliche Archiv gehört zum Berlin-Brandenburger Bildungswerk, einem 1991 gegründeten Verein. Dr. Harald Wachowitz gehört zu den Gründungsmitgliedern und berichtet, wie sein Verein im Rahmen von Arbeitsmarktmaßnahmen bis zur Auflösung rund 9.000 Menschen einen vorübergehenden Job gab, sie für neue Aufgaben qualifizierte. Im Friedrichshainer Rudolfkiez eröffnete der Verein das Kultur- und Nachbarschaftszen- Dr. Harald Wachowitz im Archiv von „Neues Deutschland“. Viele Bestände wurden in den vergangenen Jahren verschlagwortet. Fotos: Marcel Gäding trum RUDI, es folgten weitere Projekte vor allem im Medien- und Kulturbereich. Als das einstige SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ 1994 seine angestammten Räume am Franz-Mehring-Platz verlassen musste, bot man dem Verein das Archiv der sozialistischen Tageszeitung an. „Hätten wir es nicht übernommen, wäre es vernichtet worden“, sagt Wachowitz. Eine Woche lang retten Ehrenamtliche die Sammlung aus Zeitungsartikeln und Originalausgaben. Für Wachowitz hatte das Archiv einen besonderen Wert, denn es enthielt auch ein Länderarchiv mit Veröf- fentlichungen aus 100 anderen Zeitungen. In Fürstenwalde fand der Verein Räume, um das Archiv sowie weitere Zeitungsartikelsammlungen namhafter Institute unterzubringen. Als der alte Standort anderweitig benötigt wurde, bot der Bezirk Marzahn-Hellersdorf die Räume in der Premnitzer Straße an. Dort nahmen Vereinsmitarbeiter regelmäßig weitere Bestände an. Der Fundus reicht inzwischen von Zeitungen aus der Kaiser-Zeit über komplette Ausgaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ bis hin zu Pressefotos. Gut 1,9 Millionen Artikel wurden in müh- Blick ins Tagesspiegel-Archiv: Karteikarten zeigen den Weg zu einzelnen Personen oder Ereignissen. seliger Kleinarbeit bislang verschlagwortet und in einer Datenbank erfasst. Das Archiv avancierte zu einer Präsenzbibliothek für Wissenschaftler und Studenten gleichermaßen. „Eine solche Sammlung gibt es meines Wissens in ganz Deutschland kein zweites Mal“, sagt Dr. Harald Wachowitz. Allerdings endeten bereits 2013 die vom Arbeitsamt finanzierten Arbeitsmarktmaßnahmen. „Sie waren die wichtigste Grundlage unseres Vereins“, sagt Wachowitz. Der Verein musste seine Aktivitäten entsprechend zurückfahren. Vor zwei Jahren erfuhr man schließlich, dass das Gebäude des Archivs verkauft werden soll. Diese Pläne wurden zwar rückgängig gemacht, weil das Land Berlin eigene Immobilien gern behalten möchte. Jetzt aber soll die Opernstiftung die Immobilie übernehmen. Der Verein selbst löste sich Ende 2021 auf und wird nun von seinem langjährigen Vorsitzenden abgewickelt. Dazu gehört auch, eine Lösung für das Zeitgeschichtliche Archiv zu finden. Bislang aber scheiterten alle Bemühungen, die Bestände komplett in neue Hände zu übergeben. Wachowitz hofft, noch im Monat März eine Einrichtung zu finden. Alternativ kann er sich auch vorstellen, einzelne Teile der Sammlung abzugeben. Er ist aber auch realistisch: Wenn sich bis April nichts tut, müssen die Dokumente vernichtet werden. „Uns bleibt dann nur noch der Weg zum Altpapierankauf.“ Eigentlich hätte der Verein die Räume längst wieder besenrein an den Bezirk zurückgeben müssen, der den Mietvertrag zum 31. Dezember 2021 kündigte. Es gab sogar schon Drohungen, das Gebäude räumen zu lassen. Dr. Harald Wachowitz schüttelt darüber nur den Kopf, hält sein Entsetzen über solche Ankündigungen aber einigermaßen zurück und hofft, dass die nächsten Wochen noch eine gute Wendung nehmen. Er sagt aber auch: „Unsere Kraft ist am Ende.“ Zeitgeschichtliches Archiv, Premnitzer Straße 12, 12681 Berlin. Kontakt: h.wachowitz@bbb-verein.de oder Tel. 030 29492020. BEZIRKS-LEBEN 8 März 2022 | Marzahn-Hellersdorf | BEZIRKS-JOURNAL Neue Chancen für den alten Magerviehhof STADTENTWICKLUNG: Die Straße Zur Alten Börse ist in desolatem Zustand. Sie soll neu gebaut werden, Gehwege und Beleuchtung bekommen. Das Bezirksamt hat Fördermittel beantragt. Von Sabine Flatau. J onas Mömken schätzt das Gelände des einstigen Magerviehhofs in Friedrichsfelde. Der junge Mann ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Brewers Tribute, die in einer alten Rinderhalle auf dem Gewerbegebiet zuhause ist. „Der Standort ist traumhaft, weil man hier so viele unterschiedliche Betriebe hat“, sagt er. In unmittelbarer Nähe der Brauerei gebe es Unternehmen, die Holz verarbeiten, Schlossereien und kleine Werkstätten. „Die Firmen arbeiten zusammen. Man kennt sich, man ist sich wohlgesonnen, und guckt, wenn man kann, dass man sich gegenseitig Projekte ermöglicht.“ Ein Nachbar habe Trockenbauten für die Brauerei ausgeführt, auch ein Metallbauer von nebenan sei für Brewers Tribute tätig gewesen. Ein weiterer Vorteil: Die Miete sei günstig. Der Nachteil des Areals: Die Straße Zur Alten Börse, die durch das Gewerbegebiet führt, ist in miserablem Zustand. Fahren kann man nur im Schritttempo. Das liegt nicht nur am Kopfsteinpflaster. Schlaglöcher durchziehen den asphaltierten Abschnitt. Teile der Fahrbahn sind abgesackt, weil sie seit langer Zeit von Schwerlasttransportern befahren werden. Auch der betonierte Bereich der Straße ist nach jahrzehntelanger Nutzung in schlechtem Zustand. Die Straße Zur Alten Börse gehört privaten Eigentümern. „Es würde uns helfen, wenn sie an die öffentliche Hand übergeht und dann dementsprechend umfassend saniert wird“, sagt Jonas Mömken. Auch das 2018 gegründete Unternehmensnetzwerk Magerviehhof Friedrichsfelde e.V., dem die Brauerei angehört, hat dieses Ziel. Im Bezirksamt ist das Thema auf der Tagesordnung. Eine Sanierung reiche nicht aus, sagt Bürgermeister Gordon Lemm (SPD) auf Anfrage des Bezirks-Journals. „Die Straße muss, wenn sie öffentliches Straßenland werden soll, entsprechend den Ausbaustandards neu gebaut werden.“ Dies sei zwingend erforderlich, um das Gewerbegebiet nach dem neuesten Stand der Technik an das übergeordnete Stadtstraßennetz anbinden zu können. Der Das Unternehmen Brewers Tribute stellt seit Ende 2017 Bier in einer der alten Rinderhallen her. Brauer Andreas Englisch leitet die Produktion. Fotos: Sabine Flatau Straßenausbau sei „eine der wichtigsten Grundbedingungen für die bestehende und zukünftige Ansiedlung von Betrieben“. Das Vorhaben ist umfangreich. Auch die Leitungen für Strom- und Gasversorgung, für Trinkwasser und Schmutzwasser, sowie die Telekommunikationswege sollen erneuert oder neu verlegt werden. Geplant sind außerdem ein Regenwasserkanal und die Straßenbeleuchtung. Zudem sollen Bäume gepflanzt werden. Eine grobe Schätzung der Kosten geht von etwa zwölf Millionen Euro für den Straßenbau und die Sanierung der Brücke aus, die über die Straße Zur Alten Börse führt. Sie wurde um 1903 errichtet. Der Zustand des Bauwerks sei untersucht worden, so Bürgermeister Lemm. Umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen seien notwendig. Doch es wurden keine ernsten Strukturmängel des Tragwerks festgestellt. „Die Finanzierung dieser Maßnahme soll aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ erfolgen“, sagt der Ratshauschef. Ein entsprechender Fördermittelantrag sei gestellt worden. „Da dem Bezirk die Förderung bislang noch nicht in Aussicht gestellt wurde, gibt es noch keinen Zeitpunkt für den Baubeginn.“ Das Gewerbegebiet auf dem einstigen Magerviehhof-Gelände ist etwa 38 Hektar groß. Seit 1990 haben sich viele Firmen angesiedelt, darunter Handwerksbetriebe, Handelsunternehmen, Logistiker, produzierendes Gewerbe und Kunstgewerbe. „Mittlerweile dürften im Gebiet bereits nahezu 50 kleine und mittelständische Unternehmen ansässig sein, die wiederum etwa 400 bis 500 Mitarbeiter*innen beschäftigen“, sagt Bürgermeister Gordon Lemm. Das Team von Brewers Tribute zog 2015 in eine der alten Rinderhallen. Die Brauerei entwickelte sich Schritt für Schritt. „Wir haben zwei Jahre lang, nahezu in Eigenleistung, alles auf Vordermann gebracht,“ erzählt Geschäftsführer Jonas Mömken. Neue Böden waren erforderlich, auf denen Wasser abfließen kann. Eine neue Elektrik musste installiert werden. Wände, die nicht hochgeschlossen waren, wurden bis zur Decke geführt, verputzt und gestrichen. Ende 2017 floss der erste Liter Bier. Im Mai 2019 wurden weitere Tanks aufgestellt. Damit stieg die Produktionsleistung auf mehr als das Doppelte. „Seither können wir 3500 Hektoliter Bier im Jahr produzieren.“ Ende 2019 legte sich das Unternehmen eine moderne und hochwertige Flaschenabfüllung zu. Aus Sicht des Bezirksamtes hat das Gewerbegebiet rund um die Straße Zur Alten Börse noch Entwicklungspotenzial, auf den unbebauten wie auch auf den bebauten Grundstücken. Weiterentwickeln will sich auch Brewers Tribute. „Unser Traum ist, eine Brauerei hinter der Glasscheibe zu sein“, sagt Jonas Mömken. „Sodass man durch ein Fenster neben dem Eingangstor in die Produktion sehen kann.“ Auch Brauerei-Führungen sollen in Zukunft möglich sein. Die Brücke über der Straße Zur Alten Börse zählt zu den frühen EisenbetonBogenbrücken im Berliner Raum. Sie steht unter Denkmalschutz und muss aufwendig instandgesetzt werden ANZEIGEN Das nächste Bezirks-Journal erscheint am 7. April 2022. Wollen Sie eine kostenpflichtige Anzeige schalten oder haben Sie Themenvorschläge für uns? Melden Sie sich bis 1. April 2022 bei uns! redaktion@bezirks-journal.de oder Tel. (033760) 20 68 91
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