Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365014
Path:
Westfalen-Initiative

Regionale
Identität schärfen,
Eigeninitiative
stärken

Wer wir sind
Die Westfalen-Initiative fördert das Subsidiaritätsprinzip und die Entwicklung Westfalens in Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung. Ihr Ziel ist es, Westfalen zu einer prosperierenden Region
in Europa zu machen und die Identität Westfalens zu stärken.
Die Westfalen-Initiative will ein europäisches Westfalen, das sich im Wettbewerb der Regionen behauptet und seine in Geschichte und Tradition entwickelten Stärken voll entfaltet. Die Menschen und die
Region Westfalen brauchen für ihren Erfolg Selbstbewusstsein. Die Projekte und Veranstaltungen der
Westfalen-Initiative sollen deshalb die Öffentlichkeit auf die Leistungsfähigkeit Westfalens aufmerksam
machen.
Ihre Vision ist eine starke Region Westfalen, die zugleich eine Vorzeigeregion des bürgerschaftlichen
Engagements ist. Die Westfalen-Initiative will daher alle Menschen unterstützen, die sich vor Ort
ehrenamtlich engagieren. Subsidiarität bedeutet für uns, die Eigenverantwortung des Individuums zu
fördern und Verantwortlichkeiten auf möglichst niedriger Ebene und möglichst nah am Handlungsbedarf anzusiedeln.
Die Westfalen-Initiative ermuntert die Bürger, ihre eigene Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Wer sich für die Gemeinschaft einsetzt, verdient Unterstützung. Diese kann durchaus auch in der Vermittlung von Kontakten und Know-how liegen. In diesem Sinne versteht sich die Westfalen-Initiative
als vernetzende Institution, die relevante Akteure zusammenbringt, um mit diesen gemeinsam Westfalen
voranzubringen.
Die Westfalen-Initiative besteht aus einer Stiftung und einem Verein. Die testamentarisch von Martin
Leicht (1940–1998) gegründete Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl
ist eine operative Stiftung, die keine Fremdprojekte fördert, sondern gemeinsam mit Partnern eigene
Projekte durchführt. Der Verein Westfalen-Initiative trägt als bürgerschaftliches Element ihre Ideen in
die Fläche und bindet viele Akteure ein.

Westfalen-Initiative 18 /19

Impressum
Herausgeber
Westfalen-Initiative

4

Vorwort

I Starke Region
6

Die Region neu denken

8

Blumensamen lässt die Heimat erblühen

Redaktion
Christoph Boll
Harm Hendrik Esser
Andrea Geistert-Krol
Vera Kalkhoff
Waldemar Magel
Indra Schepker

10

Nachdenken über zentrale Begriffe
unserer Arbeit

12

Gemeinsam alle Potenziale nutzen

Gestaltung
Alexandra Engelberts, Münster

14

Demografischer Wandel bringt
vielfältige Herausforderungen

16

Chancen erkennen und nutzen

18

Baukultur ist Zukunftsmotor

Auflage
1.000 Exemplare

II Nah am Menschen
20

Neues Konzept hilft Zukunftsprojekten
beim Start

22

Die zehn Starterprojekte im Wettbewerb
WestfalenBeweger 2018 /19

28

Zehn Jahre Zukunftspreis: Kooperation für
das Engagement im Sport

30

Mundpropaganda führt zu neuen
Partnerschaften

32

Breites Kulturangebot in Stadt und Land

33

Morden auf hohem Niveau

34

Ausblick 2019

35

Gremien der Stiftung

36

Gremien des Vereins

Vorwort 5

4

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2018 war ein besonderes Jahr für die Westfalen-Initiative. Es war ein Jahr des Rückblicks und
ein Jahr der neuen Wege. Der 20. Todestages des
Stifters Martin Leicht war Anlass, sich seiner Ziele,
Begriffe und Prinzipien zu widmen und zu fragen,
wie sie heutzutage auszugestalten sind. An dieser
Stelle ist es gute Tradition, anhand nur weniger
Aktivitäten exemplarisch die Ziele der Stiftung und
die Prinzipien des Stifters zu beschreiben, also zurückzublicken.
Das Jahr startete mit einem Neuanfang in einem bekannten Projekt: Der Wettbewerb WestfalenBeweger
wurde mit neuem Konzept ausgeschrieben. Statt wie
in den vergangenen fünf Wettbewerbsjahren Vereine
und Initiativen für abgeschlossene Projekte auszuzeichnen sind nun neue Ideen gefragt. Sie werden mit
unserer Unterstützung binnen eines Jahres verwirklicht oder auf einen guten Weg gebracht. Der Wettbewerb trägt ganz im Sinne Martin Leichts zur Stärkung der Eigenverantwortung bei und folgt mit dieser
Neuausrichtung dem Subsidiaritätsprinzip, das zu
befolgen dem Stifter ein wichtiges Anliegen war.
Den Initiativen wird Unterstützung aus dem Netzwerk
der Westfalen-Initiative angeboten. Die Engagierten,
die ihr Projekt nach etwa neun Monaten am erfolgreichsten umgesetzt haben, werden mit dem West falenBeweger-Preis ausgezeichnet. Auf diese Weise
haben nicht nur die Vereine und Initiativen viel
gelernt, auch die Westfalen-Initiative ist um viele

Erfahrungen reicher. Gleichzeitig wird die Region
gestärkt. Denn langfristiges Ziel ist es, Westfalen
zu einer Musterregion für bürgerschaftliches und
zivilgesellschaftliches Engagement zu machen.
Diesem Prinzip folgt auch der Stiftungsverbund
Westfalen-Lippe, ein Zusammenschluss mehrerer
Stiftungen, der die Stiftung Westfalen-Initiative
geschäftsführend beauftragt, einen regelmäßigen
regionalen Stiftungstag und zusätzliche Weiterbildungs- und Vernetzungsformate anzubieten. Der
Stiftungsverbund bringt Menschen zusammen, die
sich gegenseitig zur Seite stehen. Sie leisten Hilfe
zur Selbsthilfe und stellen sich in Stiftungen mit viel
Engagement und Herzblut den Herausforderungen.
Der demografische Wandel ist auch in WestfalenLippe eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung.
Er ist ein ebensolcher Megatrend wie die fortschreitenden digitalen Möglichkeiten und die zunehmende
Migration. Alle drei Entwicklungen greifen ineinander. Sich diesen Themen auf westfälischer Ebene
zuzuwenden, ist die Herausforderung, der sich die
Westfalen-Initiative stellt. Bereits im Jahr 2017 wurde
gemeinsam mit dem Landschaftsverband WestfalenLippe die Studie „Eine Region – viele Aussichten.
Wie der demografische und wirtschaftliche Wandel
Westfalen fordert“ gefördert. Die Analyse des BerlinInstituts für Bevölkerung und Entwicklung stößt seit
ihrer Vorstellung im Juli in der Bundeshauptstadt
auf großes Interesse. Verschiedene Veranstaltungen

sollen im Jahr 2019 die Ergebnisse aufgreifen und
weiterführen. Mehr wird an dieser Stelle nicht ver raten, bleiben Sie neugierig!
Eine weitere wichtige Studie zur Stärkung Westfalens
ist seit 2018 beauftragt. Die Bochumer Professoren
Dr. Jörg Bogumil und Dr. Rolf Heinze untersuchen
„Verflechtungen zwischen Südwestfalen, dem Münsterland, Ostwestfalen und dem westfälischen Ruhr gebiet als Innovationsmotoren“. Sie wollen die Verflechtungspotenziale zwischen dem westfälischen
Ruhrgebiet und den angrenzenden starken westfä lischen Wirtschaftsräumen (Münsterland, Südwestfalen
aber auch OWL) analysieren und daraus Strategien
entwickeln. Die Ergebnisse sollen im ersten Quartal
des Jahres 2019 vorliegen.
In der zweiten Hälfte des Jahres wandten wir uns
anlässlich des 20. Todestages unseres Stifters dessen
Vermächtnis zu, um die Kernbegriffe Gemeinwohl
und Eigeninitiative, Subsidiarität, Europa der Regionen, Heimat Westfalen, gesellschaftliche Verant -

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann
Vorstandsvorsitzender der
Stiftung Westfalen-Initiative

wortung und Stiftungswesen zu reflektieren und vor
dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen
neu zu diskutieren. Auftakt dazu war am 8. September
die Vortragsveranstaltung „Subsidiarität im politischen System Europas“ mit Bundestagspräsident a. D.
Prof. Dr. Norbert Lammert. Ein Kaminabend mit dem
Präsidenten des Ausschusses der Regionen in der EU,
Karl-Heinz Lambertz (Senator der Deutschsprachigen
Gemeinschaft Belgiens), setzte im Oktober für einen
ausgewählten Teilnehmerkreis die Reflexion der Kernthemen fort. Zu den beiden Veranstaltungen erschien
die Begleitpublikation „Europa – Subsidiarität und
Region“ als Band 15 in der Schriftenreihe der Westfalen-Initiative.
Auf die genannten und alle weiteren aktuellen Projekte von Stiftung und Verein geht der vorliegende
Jahresbericht ein. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und hoffen, dass das eine oder andere
Projekt Sie zum Engagement in und für Westfalen
motiviert.

Dr. Peter Paziorek
Vorsitzender des
Vereins Westfalen-Initiative

6 I Starke Region

Westfalen stärken und vernetzen 7

Die Region neu denken

W

estfalen voranbringen, das wollen viele. Sicher ist dabei auch schon
vieles erreicht, manches aber sicher nicht wahrgenommen worden. Das
könnte an der Vielschichtigkeit des Begriffes Westfalen liegen. Er steht
gleichermaßen für eine Stammesgruppe des germanischen Stammesverbandes der
Sachsen, für den westlichen Teil des mittelalterlichen Sachsenlandes, für einen
Sprachraum, für ein historisches Herzogtum, eine mittelalterliche Gaugrafschaft,
ein napoleonisches Königreich und eine preußische Provinz. Zudem ist Westfalen
eine historische Landschaft, für die seit dem Mittelalter auch die Bezeichnung Rote
Erde belegt ist, und heute Landesteil im Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Wer Westfalen im Mund führt, muss sich also fragen lassen, wovon er eigentlich
redet und ob es nicht an der Zeit ist, die Region neu zu denken. Dies gilt besonders
auch vor dem Hintergrund, dass Regionalagenturen die Interessen der westfälischen Teilregionen Münsterland, Ost- und Südwestfalen bündeln und vertreten.
Kaschiert wird zudem, dass das westfälische Ruhrgebiet immer noch eng mit dem
westfälischen Umland verbunden ist. Dies ist befremdlich. Das gilt umso mehr, als
dies just zum Ende der Ära von Steinkohle und Stahl geschieht, die das Ruhrgebiet
als Produkt der Industrialisierung überhaupt erst haben entstehen lassen.
Westfalen steht nicht völlig sprachlos da. Es gibt zwar keine Institution, die verbindlich und legitimiert auf allen gesellschaftlichen Feldern von der Wirtschaft
über Sozialfragen und Infrastruktur bis hin zu Sport und Kultur für die Gesamtregion das Wort ergreifen kann. Aber immerhin fungiert der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) als gesamtwestfälische Klammer. Und die drei westfälischen
Bezirksregierungen mühen sich verstärkt um eine gemeinsame Wahrnehmung

westfälischer Gesamtinteressen. Unbegründet ist deshalb die Angst, Westfalen
könne aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden. Dazu ist es viel zu sehr
ein über Jahrhunderte gewachsener, wichtiger politischer, kultureller und gesellschaftlicher Handlungsraum mit reicher Geschichte und einer Größe, die im Wettbewerb der Regionen bestehen kann.
Heute ist viel von Vernetzung und Kooperation die Rede. Beides ist aber nicht
Selbstzweck oder das Ziel, sondern nur das Mittel zu dessen Erreichung. Und
Themen gibt es reichlich. Das hat nicht zuletzt die Studie „Eine Region – viele Aussichten. Wie der demografische und wirtschaftliche Wandel Westfalen fordert“ des
Berlin-Institutes gezeigt. Es ist an der Zeit, die sich daraus ergebenden Aufgaben
auf allen Ebenen anzugehen, von der Gemeinde und Stadt, über den Kreis und
Regierungsbezirk als staatliche Verwaltungseinheiten bis hin zu den Kammerbezirken von Handel, Handwerk, Industrie und berufsständischen Vereinigungen.
Medizinisch-pflegerische Betreuung, Daseinsvorsorge, Mobilität und Fachkräftemangel sind nur einige Themen. Sie lassen sich übrigens auch gut mit dem
Heimatgedanken kombinieren, der gerade Hochkonjunktur hat.
Eine solche Zusammenarbeit reißt Mauern ein – in den Köpfen und indem sie
Planungsgrenzen nicht als unüberwindbare Hindernisse akzeptiert. Sie schafft möglichst viel Lebensqualität für die Menschen und gestaltet immer auch Westfalen.
Die Westfalen-Initiative wird sich gerne daran beteiligen und nimmt nicht nur den
guten Willen für die Tat, sondern vor allem die Tat als Beleg des guten Willens.
Initiativen dazu gab und gibt es – bisher fehlte indes die Geschlossenheit aller
Westfalen, die Vorstöße bis zum Ziel zu führen.

8 I Starke Region

Heimatkongress 9

nenten aus Nordrhein-Westfalen, die im Zuge einer
Kampagne des Ministeriums erklärten, was für sie
Heimat bedeutet. „Heimat ist Westfalen – erdiges
Land, kernige Menschen, vielfältige Landschaften und
starke Wirtschaft“, postulierte Sümmermann in den
sozialen Medien und auf einem Fragebogen, mit dem
das Ministerium die Teilnehmer des Heimatkongresses
fragte, was für sie Heimat sei.
Und noch ein zweiter Podiumsvertreter des Themenabends wurde Heimatbotschafter: Mithat Gedik.
Er war gut drei Jahre zuvor Schützenkönig in WerlSönnern und wegen seiner Zugehörigkeit zum Islam
sowie aufgrund der christlichen Tradition des Schützenwesens mit lautstarken Forderungen nach seiner
Abdankung konfrontiert worden. „Aber die Nachbarn,
der Schützenverein, das Dorf und die ganze Stadt
standen hinter mir“, verweist Gedik auf die integrative
Kraft von Gemeinschaft, die für ihn zu Heimat gehört.
Während des Kongresses in der Halle Münsterland
trugen sich auch viele Teilnehmer als Heimatbotschafter ein. Das zeigt, dass dieses Thema die Menschen
beschäftigt. Nicht zuletzt deshalb wird die WestfalenInitiative sich auch künftig um westfälische Identitätsbildung bemühen.

Die Teilnehmer des Kongresses konnten per Karte ihre Definition
von Heimat mitteilen.

Tütchen mit Blumensamen verteilte die Westfalen-Initiative an die Teilnehmer des Heimatkongresses in der Halle Münsterland.

Blumensamen lässt die Heimat erblühen
Mit dem Wunsch „Bring‘ deine Heimat zum Blühen“ und einer zugehörigen bunten Mischung Landblumensamen hat die Westfalen-Initiative die Besucher des ersten nordrhein-westfälischen Heimatkongresses verabschiedet. Fast alle 520 Teilnehmer der Veranstaltung, die das Landesministerium für
Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung am 17. März 2018 ausrichtete, erhielten beim Verlassen
der Halle Münsterland ein Tütchen Saatgut. Das war an diesem bitterkalten Samstag gleichsam ein
Vorgriff auf wärmere Zeiten.

Zum Heimatkongress waren die Mitglieder aus den
drei großen Heimatverbänden des Landes nach Münster gekommen. In fünf Foren diskutierten die Mitglieder des Westfälischen Heimatbunds, des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie der Lippische Heimatbund über den
Begriff Heimat. Mit dabei war auch die NordrheinWestfalen-Stiftung und der Bund Heimat und Umwelt. Sie boten Ehrenamtlichen die Möglichkeit, ihre
Ideen zum Thema Heimat öffentlich zu machen. Viele
der Besucherinnen und Besucher nutzten die Chance.
Mit der Aktion beim Heimatkongress haben wir die
Unterstützung des Heimatgedankens fortgesetzt, die

knapp fünf Monate zuvor mit einem entsprechenden
Themenabend im Bürgerzentrum Schulze Frenking
in Nottuln-Appelhülsen begonnen hatte. Dabei hatte
NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach unter anderem zugesagt, dass in NRW plattdeutsche beziehungsweise niederdeutsche Ortsnamen den Ortseingangsschildern hinzugefügt werden können. Sie sieht darin
einen Beitrag zur Identitätsstärkung in den Gemeinden und Städten.
Zum Jahreswechsel berief das Ministerium Dr. KarlHeinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der
Stiftung Westfalen-Initiative, zum Heimatbotschafter. Er steht damit in einer Reihe mit fast 50 Promi-

Stiftungsvorsitzender Dr. Karl-Heinrich Sümmermann ist einer der prominenten Heimatbotschafter des Landesministeriums.

10 I Starke Region

Europa und Subsidiarität 11

AdR-Präsident Karl-Heinz Lambertz (r.) ermunterte Westfalen, sich in europäische Diskussionsprozesse einzubringen.

Nachdenken über zentrale Begriffe unserer Arbeit

150 Zuhörern in seinem Vortrag über „das Subsidiaritätsprinzip im politischen System Europas“ angesichts massiver Versuche einer Renationalisierung
als „hochgradig besorgniserregend“. Der Brexit sei
„keine intelligente Anwendung des Subsidiaritätsprinzips und eher der Rückfall ins 19. als der Aufbruch ins 21. Jahrhundert“.
Der Einigungsprozess in der EU, den Lammert als
Friedens- und Freiheitsprojekt skizzierte, lasse sich
ohne das Spannungsverhältnis zwischen Subsidiarität und Souveränität weder in seiner bisherigen Geschichte verstehen noch weiterentwickeln. Der Lissaboner Vertrag gestehe den Regionen als subsidiäres
Element ein Recht zu, Stellung zu nehmen zu Vorhaben der EU. Dabei handele es sich aber nur um
einen Beitrag in einem Diskussionsprozess, an dessen
Ende die EU-Gremien entscheiden. Das sei aber schon
mehr als die meisten nationalen Parlamente zubilligten, hielt Lammert den Kritikern entgegen, die darin
einen Verstoß gegen das Prinzip sehen, Kompetenzen
auf möglichst niedriger Ebene anzusiedeln. Als Manko
bezeichnete der Politiker das Fehlen einer europäischen Verfassung, das zugleich das Subsidiaritätsprinzip beeinträchtige.
Zu den beiden Veranstaltungen erschien die Begleitpublikation Europa – Subsidiarität und Region als
Band 15 in der Schriftenreihe der Westfalen-Initiative.
Namhafte Autoren – darunter Wissenschaftler, Poli-

tiker und Schriftsteller – beleuchten darin aus unterschiedlicher Perspektive wesentliche Aspekte, die
unseren Stifter Martin Leicht bewegt haben und die
die Arbeit der Westfalen-Initiative begründen. Dabei
geht es darum, diese Themen zu reflektieren und vor
dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen
neu zu diskutieren.
Der kritische Blick von außen ist in diesem Prozess
gleichermaßen Korrektiv eines allzu schnell selbstverliebten „Das haben wir schon immer so gemacht“
wie anregender Impetus zur Überwindung eines
„Das haben wir noch nie gemacht“. So sind für dieses
Buch stilistisch sehr unterschiedliche Beiträge entstanden, vom essayistischen Report über den wissenschaftlichen Aufsatz bis zur literarischen Gedankenreise. Sie reichen außerdem weit über eine inhaltliche
Weiterentwicklung von Stiftung und Verein Westfalen-Initiative hinaus. Denn im Kern rücken sie wichtige Fragen der gesellschaftlichen Weiterentwicklung
in den Fokus und geben Anregungen für neue Akzente, nicht in Form konkreter Handlungsanweisungen, sehr wohl aber im Sinne inspirierender Impulse.

Das Buch ist im Buchhandel über
ISBN 978-3941607378 zum Preis von 12,80 €
erhältlich.

Die Regionen brauchen Europa – und Europa braucht die Regionen. Für Karl-Heinz Lambertz, Präsident
des Ausschusses der Regionen in der EU (AdR), ist die Sache klar. Er wünscht sich mehr politisches Gewicht der rund 100.000 Kommunen und 300 Regionen in Europa. Schließlich, so der erste Repräsentant
der deutschsprachigen Minderheit in Belgien, müsse Europa vor Ort stattfinden.

Beim Kamingespräch der Westfalen-Initiative auf dem
münsterischen Gut Havichhorst plädiert Lambertz
für ein Europa, das den Menschen erkennbaren Mehrwert bringt. Dazu müsse das Zusammenspiel der
verschiedenen Ebenen bis hinunter zu den einzelnen
Städten und Gemeinden deutlich optimiert werden.
Die Veranstaltung ist Teil einer umfassenderen Auseinandersetzung, die die Westfalen-Initiative aus
Anlass des 20. Todestages ihres Stifters Martin Leicht
mit zentralen Begriffen seines Denkens führt. Dabei
geht es um Gemeinwohl und Eigeninitiative, Subsidiarität, Europa der Regionen, Heimat Westfalen,
gesellschaftliche Verantwortung und Stiftungswesen.
Den von Leicht verfolgten und in jüngster Zeit wieder verstärkt öffentlich diskutierten Gedanken eines
föderativen Europas der Regionen hält Lambertz für
nicht tragfähig.
Wie der AdR-Präsident hatte einen Monat zuvor
bereits Prof. Dr. Norbert Lammert der Idee einer Abschaffung der Nationalstaaten eine Absage erteilt.
Der ehemalige Bundestagspräsident hatte vielmehr

im münsterischen Erbdrostenhof die Notwendigkeit
betont, dass die Nationalstaaten im Zuge der zunehmenden Globalisierung auf Souveränität verzichten.
Lambertz stimmte dieser Einschätzung zu. Der Kontinent benötige für seine Weiterentwicklung eine
gemeinsame Strategie unter Beachtung der gewachsenen regionalen Identitäten. Er kritisierte „die Philosophie der Einstimmigkeit“, in einem Europa, das
zu „detailverliebt“ sei. Häufig könne auf der unteren
Ebene schneller Einigkeit erzielt werden, etwa in
Fragen der Klimapolitik, als zwischen den Staaten.
Auch wenn der AdR in erster Linie Repräsentant der
Gebietskörperschaften ist, ermutigte deren Präsident
Westfalen als historisch und kulturell gewachsene
Region, sich in europäische Diskussionsprozesse einzubringen.
Dabei gilt es für Lammert auch, die Frage zu beantworten, ob sich in Europa die nationalen Partikularinteressen dauerhaft verstärken oder es einen unerlässlichen Grundkonsens gibt. Den aktuellen Zustand
bezeichnete der ehemalige Bundestagspräsident vor

Prof. Dr. Nobert Lammert plädierte für die Überwindung nationaler Partikularinteressen zugunsten eines geeinten Europas.
Foto: Joachim Busch

12 I Starke Region

Brückenbau / Verein 13

Gemeinsam alle Potenziale nutzen
Zwischen dem westfälischen Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen des Münsterlandes, Südwestfalens und Ostwestfalens gibt es ein vielfältiges Beziehungsgeflecht. Diese Verflechtungen in ihrer Bedeutung und empirischen Ausprägung zu erfassen und mit Blick auf zukunftsfähige regionale Zuschnitte zu
analysieren, ist das Ziel einer Studie, deren Aufgabenstellung der Verein Westfalen-Initiative e.V. in einem
längeren Diskussionsprozess seit 2017 entwickelt hat. Eine starke Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative und die Hilfe wichtiger Partner in der Region, darunter die Handwerkskammern sowie
die Industrie- und Handwerkskammern, sichern die Finanzierung der umfangreichen Untersuchung.
Das Projekt ist damit zugleich ein Paradebeispiel der externen Vernetzung der Westfalen-Initiative sowie
der neuen und zukünftig auch strukturellen internen Verzahnung.

Nicht Abschottung und Konfrontation, sondern Integration und Kooperation sind der richtige Weg, um
ganz Westfalen voranzubringen. In diesem Punkt
waren sich dann auch alle Teilnehmer der Beiratssitzung der Westfalen-Initiative einig, die das Thema des
Gutachtens am 16. Juli 2018 in den Mittelpunkt rückten. Die Veranstaltung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen war Auftakt-Workshop zu der Studie mit dem
Arbeitstitel „Verflechtungen zwischen Südwestfalen,
dem Münsterland, Ostwestfalen und dem westfälischen Ruhrgebiet als Innovationsmotoren“. Der Ort
war mit Bedacht gewählt, denn auch Gelsenkirchen

befindet sich, wie die gesamte Region des (westf.)
Ruhrgebiets, in einem noch längere Zeit in Anspruch
nehmenden Prozess der Umstrukturierung. Wie dort
im Wissenschaftspark ist dabei die Konzentration auf
die Themen Wissenschaft und Forschung von zentraler Bedeutung bei der Neuorientierung.
Den Teilnehmern des Workshops und weiteren Beteiligten dürfte die Aktualität des Themas aus unterschiedlichen Perspektiven in diesem zentralen Jahr
für Nordrhein-Westfalen auch nachträglich nahegekommen sein. Hat doch der Steinkohlebergbau und
dessen in Hochzeiten mit 600.000 Beschäftigten das

Bei der Auftaktveranstaltung für die Studie über „Verflechtungen zwischen Süd- und Ostwestfalen, dem Münsterland und dem
westfälischen Ruhrgebiet als Innovationsmotoren“ im Rahmen einer Beiratssitzung des Vereins: Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick,
Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (1. und 2.v.l.), die Professoren Dr. Rolf G. Heinze (3.v.l.) und Dr. Jörg Bogumil (r.) sowie Dorothee Feller
und Dr. Peter Paziorek.

Arbeitsatmosphäre bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Auftakt-Workshops

die Region prägende Bild des Kumpels sich im vergangenen Jahr endgültig in Nordrhein-Westfalen
verabschiedet.
Neue Felder der Betätigung und neue Formen von
Kooperation können diese Zeit der Standortprägung
ablösen. So spricht NRW-Ministerpräsident Armin
Laschet in einer Rede beim Politischen Forum Ruhr
davon, dass in „der Öffnung des Ruhrgebiets zu seinen Nachbarregionen die große Chance dieses Momentes liegt“. Laschet betont zugleich, nicht mehr die
Kohle bestimme die Identität des Ruhrgebiets, sondern
die Menschen und ihre Ideen. Vor dem Hintergrund
dieser Aussage kann die in Auftrag gegebene Untersuchung zu einer aussichtsreichen Neuorientierung
der Region beitragen und Ansätze liefern für erfolgreiche Kooperationen auf unterschiedlichen Feldern.
Die Autoren, die Professoren Dr. Jörg Bogumil und
Dr. Rolf G. Heinze von der Ruhr-Universität Bochum,
wollen auf der Basis einer Analyse der heutigen Verflechtungsbeziehungen bestehende Verbesserungs potenziale ermitteln und klare Handlungsempfehlungen zu deren Nutzung formulieren. Dabei stützen
sie sich auch auf die Ergebnisse einer Umfrage unter
Unternehmen der Region, welche dazu aufgerufen
waren, ihre Beziehungen zur Wissenschaft und den
Einfluss der Digitalisierung zu bewerten. Gerade vor
dem Hintergrund des Übergangs zu einer „Wissensökonomie“ wird großer Wert auf die Verflechtungen
zwischen dem Wissenssektor – von den Hochschulen
bis hin zu Bildungseinrichtungen wie Berufsschulen –
und der Wirtschaft gelegt.

Ein Schwerpunkt der Studie liegt dabei auch auf
dem Transfer von wissenschaftlicher Erkenntnis in
die wirtschaftliche Praxis. Autoren und Auftraggeber
setzen für die Erstellung der Studie auf eine enge
Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern sowie mit den Transferstellen der Hochschulen.
Ziel ist insbesondere eine bessere partnerschaftliche
Kooperationskultur und eine intensivere Nutzung
des Potenzials von ansässigen Wissens- und Forschungseinrichtungen. Ein funktionierendes regio nales Innovationssystem, das ganz zentral über
den Wissens- und Technologietransfer definiert ist,
ermöglicht so eine Steigerung der Wissensströme
in der Region.
So sollen einerseits konkrete Bedarfe in den Unternehmen und gleichzeitig praxisgerechte Möglichkeiten für die Vermittlung von Lösungen aus der
Wissenschaft ermittelt werden. Weil es viele strukturpolitische Verbindungen gebe, die als Brücken zwischen den westfälischen Teilregionen dienen können,
plädierte Rasmus C. Beck vom Regionalverband Ruhr
(RVR) in dem Workshop für eine „Allianz der Willigen“. Es gehe darum, die wechselseitige Lösungskompetenz zu nutzen.
Mit der Ruhr-Konferenz hat die Landesregierung
ein Forum geschaffen, welches wie geschaffen dafür
scheint, kommende Ergebnisse der Studie zu diskutieren und auf ihre Praxis- wie Zukunftstauglichkeit
hin zu überprüfen. Mit ersten Ergebnissen ist im
ersten Quartal 2019 zu rechnen.

14 I Starke Region

Demografiestudie 15

Unterzeichneten den Vertrag zur Erstellung der Demografiestudie für Westfalen (v.l.): Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Dr. Reiner
Klingholz und Matthias Löb und präsentierten später zusammen mit Susanne Dähner die fertige Untersuchung.

Demografischer Wandel bringt
vielfältige Herausforderungen
Westfalen-Lippe folgt in mancher Hinsicht nicht den demografischen und wirtschaftlichen Trends in
Deutschland. Hier gibt es wirtschaftlich starke ländliche Räume, die noch Bewohner anziehen können.
Doch wenige Kilometer entfernt finden sich vom Strukturwandel geprägte Großstädte, die lange Zeit
Einwohner verloren haben und bereits deutlich gealtert sind. Das ist die zentrale Aussage einer Studie,
in der das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung untersucht hat, wie der demografische
Wandel Westfalen verändert und vor welchen Aufgaben die einzelnen Regionen stehen, damit sie weiterhin oder wieder erfolgreich sein können. Initiiert worden ist die Studie von der Westfalen-Initiative,
die sie zusammen mit dem LWL auch finanziell gefördert hat.

Westfalen präsentiert sich in der Untersuchung als
Region, in der sich die vielfältigen Herausforderungen, die der demografische Wandel deutschlandweit
stellt, auf engem Raum begegnen. Da ist das bislang
junge Münsterland mit seiner rasant wachsenden
Universitätsstadt im Zentrum. Im westfälischen Ruhrgebiet gleich nebenan sind die Bewohner im Schnitt
schon einige Jahre älter. Und während die Großstädte
an Emscher und Ruhr noch immer mit einer hohen

Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, gehen vielen Betrieben im ländlich geprägten Südwestfalen und in
Ostwestfalen-Lippe zunehmend die Arbeitskräfte aus.
Trotz guter Jobangebote ziehen dort die jungen Bewohner in Richtung der urbanen Zentren. Die Dörfer
werden leerer und die Versorgung wird schwieriger.
Somit stehen die westfälischen Teilregionen vor
ganz unterschiedlichen Aufgaben. Die Studie hat
untersucht, mit welchen Ideen die verschiedensten

Akteure in den Regionen versuchen, die Versorgung
auf dem Land weiterhin zu sichern und Fachkräfte
anzulocken. „In Westfalen sehen wir, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen mit guten Arbeitsmöglichkeiten nicht automatisch auch junge Menschen
halten oder gewinnen können“, sagt Reiner Klingholz,
Direktor des Berlin-Instituts. Die häufig geäußerte
Annahme, es müsste nur genug Arbeitsplätze geben,
dann könnte die Landflucht gestoppt werden, bestätigt sich in manchen Gebieten Westfalens nicht.
Die klein- und mittelständischen Betriebe stehen
sogar vor einem doppelten Problem. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer und damit ein
Großteil ihrer Belegschaft gehen demnächst in Rente,
während die Jahrgänge mit dem potenziellen Nachwuchs dünner besetzt sind und die jungen Menschen
zum Teil auch noch fortziehen.
„Um diese Lücke einigermaßen zu schließen, reicht
ein Ansatz allein nicht aus“ meint Susanne Dähner,
Mitverfasserin der Studie. Einerseits müssen die vor
Ort noch schlummernden Arbeitskräftepotenziale
besser genutzt werden. Das können Frauen sein, die
bislang aufgrund familiärer Aufgaben kaum beruflich
tätig sind. Oder ältere Arbeitnehmer, deren Kompetenzen mit gezielten Weiterbildungen auch jenseits
der 50 möglichst lange im Betrieb gehalten werden.
Andererseits müssen Unternehmen ihre Suche nach
Fachkräften räumlich weiter ausdehnen. Manche
tun dies, indem sie IT-Experten täglich mit einem
Bus aus einer Großstadt abholen und zum ländlichen
Firmensitz bringen. Andere, indem sie Auszubildende
aus Spanien mit attraktiven Arbeitsbedingungen ins
Münsterland locken.
„Trotz vieler guter Ideen werden die Unternehmen
im Wettbewerb um die weniger werdenden Fachkräfte aber kaum bestehen können, solange sie auf
sich allein gestellt sind“, so Reiner Klingholz. „Die
Lebensbedingungen vor Ort, von der Schule bis zu
den Versorgungsangeboten, spielen ebenfalls eine
Rolle dabei, ob sich Fachkräfte für ein Jobangebot
fern der Zentren entscheiden.“ Daher werden regionale Bündnisse von Unternehmen, Kommunen und
Verbänden immer wichtiger.
Denn dort, wo die Jungen wegziehen, die Menschen
weniger werden und vor allem Ältere zurückbleiben,
verschwinden Versorgungsangebote und lassen die
Lebensqualität sinken. Die Studie zeigt an vielen
Beispielen, wie sich dies verhindern lässt, etwa mit
wohnortnahen medizinischen Versorgungangeboten
oder neuen, flexiblen Mobilitätslösungen. „In den
westfälischen Teilregionen werden schon an vielen
Orten innovative Konzepte erprobt, wie das Landleben auch bei schwindender Versorgung weiterhin
gut funktionieren kann“, berichtet Susanne Dähner.
So beliefert ein regionaler Online-Händler Menschen

aus Siegen und Umgebung mit Lebensmitteln und
sonstigen Waren aus dem Sortiment lokal ansässiger
Einzelhändler. Eine Dorfinitiative erprobt ein CarSharing-Modell, bei dem die Bewohner die Kleinbusse
selbst fahren oder mit ehrenamtlichem Fahrer mieten
können.
„Die Studie richtet den Blick auf ganz WestfalenLippe und bildet die Auswirkungen des demografischen Wandels für jede einzelne Kommune ab. Dabei
zeigt sich, dass Westfalen insgesamt aus starken
Städten und Gemeinden besteht, die aber teilweise
vor denselben Herausforderungen für die Zukunft
stehen“, erklärt LWL-Direktor Matthias Löb. Daraus
könnten sich Ansätze ergeben, wie man sich mit
Partnern über Lösungen austauschen kann.
„Wichtig wird nun sein, auf der Basis der vorliegenden Studie einen möglichst westfalenweiten
Erfahrungsaustausch zu initiieren und dort, wo es
nötig und möglich ist, innovative Problemlösungen
in Modellprojekten auf den Weg zu bringen. Die
Westfalen-Initiative wird sich daran gerne aktiv
beteiligen“, richtet Dr. Karl-Heinrich Sümmermann,
Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, den Blick in
die Zukunft. Es gelte, die gewonnenen Erkenntnisse
nutzbringend zu operationalisieren.

Die Studie sowie die demografischen und wirtschaftlichen Daten aller 231 westfälischen
Gemeinden für die Clusteranalyse stehen im
Internet gratis als Download zur Verfügung unter
https://www.berlin-institut.org/publikationen/
studien/eine_region_viele_aussichten.

In der NRW-Landesvertretung in Berlin stellten die Autoren und
die Förderer die Demografiestudie der Öffentlichkeit vor.

16 I Starke Region

Anja Böllhoff und Dr. Gerhard Haumann von den ausrichtenden Stiftungen Westfalen-Initiative und Hellweg-Region

Stiftungsverbund Westfalen-Lippe 17

Den Plenumsvortrag hielt Hubertus Winterberg.
Der Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur verantwortet die Regionale 2025, deren Projekte den
geografischen Raum Südwestfalen gestalten und
nachhaltig beeinflussen werden. Bei der Regionale
geht es ebenso wie bei der Stiftungsarbeit darum,
Chancen zu erkennen und zu nutzen. Dies ist die
Grundlage für eine erfolgreiche Weiterentwicklung.
Einzelnen Aspekten dieses Gedankens gingen vier
Workshops des Stiftungstages nach. Die Bandbreite
reicht dabei von „Verbrauchsstiftungen – die Ewigkeit kann lang werden“ bis zu „Mobile Contentproduktion – qualitativ hochwertige Inhalte mit
Smartphone und Tablet erstellen“.
In Zeiten niedriger Zinsen wird der reale Kapitalerhalt für Stiftungen immer schwieriger.
„Anlagerichtlinien und reale Immobilien“ lautete
daher der Titel eines Workshops, den der Stiftungsverbund Westfalen-Lippe gemeinsam mit den Kommunalen Stiftungen der Stadt Münster ausrichtete.
Ralf Gigerich, Leiter des Deutschen StiftungsTages,
und Nadja Zieren, Abteilungsleiterin zentrales
Finanzcontrolling und des Stiftungsmanagements
der Landeshauptstadt Düsseldorf, beantworteten
Fragen rund um alternative Geldanlagen.

Der Stiftungsverbund Westfalen-Lippe zählt aktuell
25 Fördermitglieder. Der nächste Workshop ist für
Herbst 2019 geplant.
Neben den Treffen des Stiftungsverbundes gibt es
den Stiftungstag Münster Westfalen. Der Stiftungsverbund kooperiert dabei traditionell mit der Bezirksregierung Münster und den Kommunalen Stiftungen
Münster. Diese Zusammenarbeit ermöglicht ein thematisch breit gefächertes Programm mit vielen Workshops. Der nächste Stiftungstag Münster Westfalen
ist voraussichtlich im Jahr 2020.

Intensiv gearbeitet wurde in den Workshops.

begrüßten die Gäste.

Chancen erkennen
und nutzen
Stiftungen müssen sich professionell präsentieren, stets aktuellen Entwicklungen folgen, Kooperationspartner für ihre Projekte finden und ihre Vorhaben in Zeiten niedriger Zinserträge finanzieren. Diese
Herausforderungen umreißen das breite Themenspektrum des Stiftungstages Westfalen-Lippe 2018.
Am 22. Juni bot er in Soest eine breite Palette an Zukunftsfragen als Weiterbildungsangebot sowie die
Möglichkeit, das bestehende Netzwerk auszubauen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung zum Thema
„Chancen erkennen und nutzen“ vom Stiftungsverbund Westfalen-Lippe und der Bürgerstiftung HellwegRegion.

Zum Programm des Stiftungstages gehörte auch ein Rundgang durch die Stadt Soest.

18 I Starke Region

Baukultur 19

waren. Neben dem kulturhistorischen Zentrum in
Vreden („kult“ – Kultur und lebendige Tradition
Westmünsterland) gehörte dazu die komplett sanierte
Burg Vischering in Lüdinghausen. Die runderneuerten Ausstellungsräume der Burg lassen mit den
Exponaten das mittelalterliche Leben eindrucksvoll
nachvollziehen. Beide Projekte haben das Potenzial,
zu Tourismusmagneten im westlichen Münsterland
zu werden.
Wie Baukulturvermittlung mit Kindern und Jugendlichen funktionieren kann, haben der Geschäftsführer
des Bündnisses gemeinsam mit Vertretern des Baumberger Sandstein Museums in Havixbeck mit Schülern
an der Münsterlandschule Tilbeck gezeigt. Mit der
Umsetzung eines Spiels zur Baukulturvermittlung
haben Kinder und Jugendliche auf spielerischer Weise
ihr unmittelbares Umfeld erforscht und ganz neue
Dinge entdeckt. Die dabei entwickelten Werkzeuge

und Abläufe sowie die gewonnenen Erfahrungen
die sich daraus ergeben haben, werden in einer Broschüre zusammengefasst und dienen als eine Art
„Gebrauchsanweisung“ für die Bündnismitglieder.
Als Austausch- und Kommunikationsplattform
für die Vertreter aus den kommunalen Planungsverwaltungen wird das Bündnis künftig stärker Baukulturakteure und Baukulturinitiativen einbinden,
die aus der interessierten Bürgerschaft, der Architektenschaft und dem Lehr-/Hochschulbereich stammen.
Außerdem hat die Öffnung der Bündnis-vor-OrtTreffen auch für Nichtmitglieder gezeigt, dass es zu
einem vielfältigeren und lebendigeren Austausch
unter den Teilnehmern kommt. Wer sich daher in
das Bündnis mit seinen Ideen einbringen will, kann
künftig mit der Unterschrift einer Absichtserklärung
Mitglied im Bündnis für regionale Baukultur in
Westfalen werden.

Mit dem Umbau der historischen Bestandsgebäude und dem zeitgemäßen Neu-/Anbau wird das Sauerland-Museum in Arnsberg
zum Museums- und Kulturforum Südwestfalens.

Baukultur ist Zukunftsmotor
Beim vierten Treffen im Forschungsprojekt „Sauerland-Baukultur/Strategien für den Tourismus“ hat
das Bündnis für regionale Baukultur in Westfalen die „Charta zur Sauerland-Baukultur in Südwestfalen“
entwickelt. Sie ist eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung, die sich dem Erhalt und der Weiterentwicklung des baukulturellen Erbes verschreibt. Exemplarisch dokumentiert sie damit zugleich den
Einsatz des Bündnisses für die reiche Bautradition, die bis heute die Kulturlandschaftsräume der Region
prägt. Das Bündnis versteht sich dabei als eine auf den westfälischen Raum zugeschnittene Ergänzung
zu den landes- und bundesweit ausgerichteten Baukultur-Initiativen.

Auf der Suche nach beispielhaften und zeitgemäßen
Stadträumen und Gebäuden führte eine Exkursion
zu dem Bündnismitglied nach Arnsberg und zur
Abtei Königsmünster in Meschede. Seit Jahren haben
die Verantwortlichen in Arnsberg das Thema Bau kultur in ihre Stadtplanung integriert, was sich
in alltäglichen Bauaufgaben, wie der Umgestaltung
des Bahnhofes zu einem Bürgerzentrum zeigt. Besondere Strahlkraft für Arnsberg, aber auch für den
Hochsauerlandkkreis, wird das Sauerland-Museum
künftig haben. Mit dem Umbau der historischen
Bestandsgebäude und dem zeitgemäßen Neu-/Anbau

wird es zum Museums- und Kulturforum Südwestfalens.
Einen respektvollen Umgang mit dem Ort und dem
Bestand zeigt das Haus der Stille von Peter Kulka
auf dem Gelände der Abtei Königsmünster. Mit den
Ausblicken in die Landschaft, seiner klaren Kubatur
und der reduzierten Materialauswahl bietet es Gästen
einen wunderbaren Ort der Einkehr.
Auf zwei separaten Baukulturexkursionen ins Münsterland wurden im vergangenen Jahr weitere realisierte Projekte von Bündnismitgliedern besichtigt, die
durch die Regionale 2016 angestoßen initiiert worden

Impressionen der Baukulturexkursionen (v.l. oben nach r. unten): Haus der Stille und Kirche der Abtei Königsmünster in Meschede; Kunstobjekt im Innenhof der Burg Vischering; mit Fragenzetteln erforschen Kinder ihre Umgebung; Offenlegung der Berkel in Coesfeld
Fotos: LWL / M. Schmidt

20 II Nah am Menschen

WestfalenBeweger 21

Neues Konzept
hilft Zukunftsprojekten
beim Start

M

it neuer Konzeption haben wir im vergangenen Jahr unseren bewährten
Ehrenamtswettbewerb ausgeschrieben. Aus „Westfalen bewegt“ ist
„WestfalenBeweger“ geworden. Im Sinne eines Qualifizierungsstipendiums wurden zehn neue Ideen auf den Weg gebracht und mit einem
Startgeld von jeweils 2.000 Euro ins Wettbewerbsjahr 2018/19 geschickt. Die
Westfalen-Initiative besuchte alle Starterprojekte und bot Unterstützung bei der
Umsetzung der neuen Ideen an. Zusätzlich erhielten die Projekte fachlichen Rat
und Austausch mit anderen Engagierten in vier Workshop-Angeboten.
Das Ehrenamt braucht stets finanzielle Unterstützung. Im Juni konnten die
Engagierten in diesem Bereich Expertise erlangen. Hugo Pettendrup (HP FundConsult) gab ihnen im Heinrich-von-Kleist-Forum in Hamm Tipps und Tricks
für die individuelle Mittelakquise.
Im Juli reagierten wir kurzfristig auf die große Nachfrage nach Informationen
zur EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Gemeinsam mit dem Kulturbüro
Münsterland gewannen Stiftung und Verein Westfalen-Initiative Rechtsanwalt
Golo Busch (Recklinghausen) für einen Workshop im münsterischen Allwetterzoo.
Im September stand die Öffentlichkeitsarbeit im Fokus. Unser Pressesprecher
Christoph Boll zeigte, wie man mit ehrenamtlich getragenen Projekten in die
Presse kommt. André Meissner (Sozial-PR / Meissner Media) erklärte die Welt
der Sozialen Medien. Diesen Workshop boten Stiftung und Verein WestfalenInitiative in Kooperation mit dem Westfälischen Heimatbund (WHB) an.
Die Kooperation mit dem WHB führten wir im November fort. Steuerberater
Detlev Lütteke (Münster) und Annika Maaßen (Ober finanzdirektion NRW)

behandelten und beantworteten im Heimatmuseum Lütgendortmund zahlreiche
Fragen rund um die Themen Steuern und Gemeinnützigkeit.
Ausgangspunkt für die Neukonzeption des Wettbewerbs für bürgerschaftliches
Engagement war eine Zwischenbilanz. Im Rahmen des seit 2013 jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbs wurden 57 Projekte mit einem Gesamtbetrag
in Höhe von 280.000 Euro ausgezeichnet. Fünf Jahre Projektlaufzeit waren
aber Grund genug, die eigene Arbeit zu hinterfragen. Also wurde das Projekt
parallel zur fünften Ausgabe des Wettbewerbs von Heinz Janning (Option BE)
evaluiert.
Die Westfalen-Initiative wurde darin bestätigt, dass es sehr viele Engagierte in
Westfalen gibt und auch solche, die sich engagieren wollen. Zahlreiche private
Initiativen, Vereine und Unternehmungen wollen die Zukunft mitgestalten.
Viele sind Experten in ihrem Themenbereich, brauchen aber trotzdem Qualifizierung, Methodenwissen oder beratende Fachleute, um auf sich verändernde
Rahmenbedingungen gut reagieren zu können. Gut ausgebaute Kooperationsstrukturen und finanzielle Unterstützung helfen, bürgerschaftlich getragene
Projekte noch besser zu machen. Der neu konzipierte Wettbewerb vereint alle
diese Bausteine.
Am Ende des Jahres 2018 wurden die Starterprojekte gebeten, sich mit ihren
inzwischen erzielten Projekterfolgen der Jury noch einmal zu stellen. Im Jahr
2019 entscheidet die Jury dann über die Verleihung des WestfalenBewegerPreises. Dafür stehen 15.000 Euro zur Verfügung. Die Jury kann über die
Verteilung frei entscheiden.

22 II Nah am Menschen

WestfalenBeweger 23

Die zehn Starterprojekte im Wettbewerb
WestfalenBeweger 2018/19

Jugendliche als Experten in eigener Sache fördern
Der Verein Abenteuerkiste Greven e.V. unterstützt
junge Menschen ab 14 Jahren bei der Umsetzung
eigener Ideen. Mit dem Konzept „Deine Idee – Dein
Projekt – Dein Kesselhaus“ werden die traditionellen
Angebotsstrukturen der klassischen pädagogischen
Jugendarbeit bewusst verlassen. Die Lebenswelt der
Betroffenen rückt auf unmittelbare Weise in den Mittelpunkt. Denn sie sind die besten Experten in eigener
Sache und kommen aus einer Konsumenten- in eine
Gestalterrolle.
Der knapp 20 Jahre bestehende Verein Abenteuerkiste setzt mit seinen 120 Mitgliedern auf Innovation,
Partizipation, Bildung, Vernetzung und Bedarfsorientierung. Er verschafft Jugendlichen Raum – und das
unter drei Aspekten: Erstens Raum zur Entfaltung
eigener Vorstellungen, wie ihr Umfeld gestaltet sein
soll. Zweitens Raum und Unterstützung zur Umsetzung der Ideen durch ein Tutorenprogramm. Und drittens die Immobilie Kesselhaus als Raum zur persönlichen Begegnung in offenen Treffs und Workshops
sowie zur Verwirklichung von Projekten.
Das ermöglicht wahre Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben. Die Jugendlichen werden ernst genommen und

bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen ohne
inhaltliche Einflussnahme begleitet und im Bedarfsfall
auch unterstützt. Das beeinflusst auch das Erscheinungsbild und soziale Miteinander in der Stadt. Die
Initiatoren der Abenteuerkiste haben sich viel vor genommen. Sie wollen Tutoren qualifizieren, einen
monatlichen Stammtisch etablieren, auf digitalen
Kanälen wie Instagram und Facebook publizieren und
erste Projekte realisieren.

Die Starterprojekte im Ehrenamtswettbewerb WestfalenBeweger erhielten jeweils eine Filmklappe, die den Auftakt ins Wettbewerbsjahr symbolisiert.

Ausbildungsvisum ebnet Flüchtlingen
legale Einreise
Flüchtlinge müssen nach Europarecht in dem Land
einen Asylantrag stellen, in das sie als erstes in die
Europäische Union (EU) einreisen, und sie müssen
dort dauerhaft bleiben. Jedoch wollen viele Geflüchtete in ein anderes EU-Land weitermigrieren, weil
sie dort eine bessere Perspektive für sich sehen oder
dort ihre Familienmitglieder leben. Über ein Visum
zu Ausbildungszwecken eröffnet der Bochumer Verein
migration_miteinander diesen Menschen die legale
Einreise nach Deutschland, konkret nach Westfalen.
Es ist bundesweit das erste Projekt dieser Art. Der
Ansatz verbindet den Wunsch vieler Geflüchteter
nach einer Einreise in die Bundesrepublik mit einer
konkreten Arbeitsperspektive.
Zwölf Menschen mit ganz unterschiedlichem beruflichem und akademischem Hintergrund engagieren

sich derzeit bei migration_miteinander, um den
Flüchtlingen jenseits eines erneuten Asylverfahrens
oder eines Lebens ohne gesicherten Aufenthaltsstatus den Weg nach Westfalen zu ebnen. In einer
mehrmonatigen Testphase konnten bereits zwei
legale Aufenthalte ermöglicht werden.
Notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Ausbildung sind Hospitationspraktika oder Freiwilligendienste in der Region. „Der Ansatz des Vereins ist
eine Antwort auf eine drängende gesellschaftliche
Frage“, würdigt das Konzept auch Sebastian Schopp,
Leiter der DRK-Integrationsagentur in Witten, mit
der migration_miteinander zusammenarbeitet.
Um ihre Ziele weiterhin umsetzen zu können und
noch mehr Menschen zu erreichen, bauen die Projektverantwortlichen derzeit ein Team von freiwilligen
Helfern im Ruhrgebiet auf und setzen auf eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit.

Lieferservice für Menschen ohne Mobilität
erweitert Angebot der Tafel
Die Zentrale an der Laubenstraße und 36 Lebensmittelausgabestellen im Stadtgebiet Bochum, ein soziales
Warenhaus mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen,
ein Integrationszentrum, das Leben, Arbeiten und
Lernen kombiniert – Die Wattenscheider Tafel ist ein-

zigartig und eine der größten in Deutschland. In
Spitzenzeiten werden 15.000 Menschen wöchentlich
mit bis zu 40 Tonnen Lebensmitteln versorgt. „Aber
es gibt viele Senioren oder Menschen, die ebenfalls
bedürftig sind, aber aufgrund körperlicher oder geistiger Behinderung nicht zu uns kommen können.
Und mancher schämt sich auch, bei uns gesehen zu
werden. Für diese Menschen wollen wir eine dauerhafte Lebensmittelauslieferung organisieren“, benennt Tafel-Gründer und -Leiter Manfred Baasner
eine neue Aufgabe, die er und die mehr als 150
ehrenamtlichen Helfer sich vorgenommen haben.
Ein Kühlfahrzeug ist bereits angeschafft und damit
sind die Startvoraussetzungen bereitet, um weiteren
Menschen helfen zu können. Der Bedarf ist groß und
reicht von Senioren mit Mini-Rente bis zu Menschen
mit sehr geringem Einkommen, die in der Mobilität
stark eingeschränkt sind.
„Dies ist nachhaltiger Einsatz ganz dicht an armen
und hilfsbedürftigen Menschen“, lautet das Urteil
der WestfalenBeweger-Jury.

24 II Nah am Menschen

Kreativität Vieler bringt die Stücke auf die Bühne
Kultur ist für alle da – auch deren Schaffung. Mit
diesem Ansatz ermöglicht der Verein Musical-Fabrik
in Rheda-Wiedenbrück Laien aller Generationen
und Professionen die aktive Gestaltung und Teilhabe
an Bühnenproduktionen. Er hat sich zur Aufgabe
gemacht, die Erarbeitung von Musical-Projekten umfassend zu fördern und die dazu notwendigen räumlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen zu schaffen. Der Verein hat seit 2012 bereits fünf Theater- und Musicalstücke auf die Bühne
gebracht. Damit begeistert er Menschen aller Alters-

„Kunst vor Ort“ kombiniert Kreativität und
Jugendpädagogik
Die Mitarbeiter des Vereins Kunst vor Ort rücken mit
Pinsel, Farben und Sprühdosen an. Sie haben sich auf
die Fahne geschrieben, die kreativen Fähigkeiten und
Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zu fördern, und setzen ihr Ziel durch Angebote
der kulturellen Bildung bereits seit zwei Jahren erfolgreich in Hagen um. Im Fokus stehen dabei vordergründig Stadtteile mit heterogener Bevölkerung und
großen sozialen Ungleichheiten.
Regelmäßig arbeiten lokale Künstler und Künstlerinnen zusammen mit pädagogischen Fachkräften auf
öffentlichen Plätzen, um dort für Kinder und Jugendliche vielfältige Kunstaktionen anzubieten. „Unsere
wöchentliche Arbeit und diverse Sonderaktionen mit
den jungen Menschen zielen darauf, soziale und
sprachliche Kompetenzen zu fördern und einen kulturellen Dialog zu schaffen. Wir stellen Arbeits- und
Kunstmaterialien und vermitteln damit neue Techniken, damit die Kinder und Jugendlichen kostenlos
etwas Kreatives schaffen und sich individuell in ästhetischer Form ausdrücken können“, erläutert Vorsit-

WestfalenBeweger 25

gruppen und Nationalitäten, darunter Kinder aller
Schulformen, für die vielseitigen Aufgaben, die
erfüllt werden müssen, um jährlich ein Musical auf
die Bühne zu bringen. Nicht nur schauspielerische
und musikalische Talente sind gefragt, sondern auch
künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten.
Ob „Der Zauberer von Oz“, „König der Löwen“,
„Oliver!“ oder „Die Schöne und das Biest“ – es ist
ein breites Spektrum, das die aktuell 225 Vereinsmitglieder in der Stadthalle „Reethus“ auf die Bretter
gebracht haben, die die Welt bedeuten. „Vom Anfänger bis zum Profi findet bei uns jeder seinen Platz,
um sich im Team zu engagieren und sich kreativ zu
verwirklichen. Denn was einer allein nicht schafft,
das schaffen wir gemeinsam“, betont Geschäftsführer Klaus Wulfheide den integrativen Charakter des
Vereins.
Die Musical-Fabrik hat großartige Resonanz und viel
Zuspruch erhalten. Auf dieser Basis möchte sie ihren
Bekanntheitsgrad erhöhen und auf größeren Bühnen
spielen. Und mit „Der Medicus“, als Starterprojekt
im Wettbewerb „WestfalenBeweger“, ist auch bereits
das nächste Stück ausgesucht, mit dem dieser Weg
beschritten wird.

zende Lisa Peters das Konzept. Es baut mit einfachen
und unkomplizierten Methoden direkten Kontakt auf
und setzt auf die überzeugende Idee, Kunst mit einem
jugendpädagogischen Ansatz zu kombinieren, der
nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt.
Der Verein Kunst vor Ort ist über Stadtteilgremien,
und stadtweite Arbeitsgemeinschaften gut vernetzt. In
der direkten Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen
sowie der dafür erforderlichen Vorbereitung und Organisation engagieren sich derzeit etwa 15 Personen.
Schon zu Beginn des Projektes nahmen bis zu 50 Kinder und Jugendliche an den Aktionen teil.

Das Kommen und Gehen des Meeres hat die
Region geprägt
Die erdgeschichtlichen Zeitabschnitte Devon und Karbon haben im Raum Ennepe-Ruhr-Kreis / Hagen noch
heute sichtbare, ebenso herausragende wie spektakuläre Zeugnisse hinterlassen. Dazu gehören die Kluterthöhle in Ennepetal, die Gesteinsfolgen der Zeche
Nachtigall in Witten sowie der Steinbruch Vorhalle
und die Blätterhöhle in Hagen. Europaweit weist
keine andere Region eine vergleichbare Dichte nennenswerter geologischer Standorte auf. Deren Bedeu-

Pfiffige Videokampagne will zu ehrenamtlichem
Einsatz motivieren
Eine Videokampagne soll potenzielle Ehrenamtliche
zum Engagement in gemeinnützigen Projekten motivieren. Mit diesem Konzept unter dem Titel „Gemeinsam 1000 Stunden für Münster“ geht die „Stiftung
Bürger für Münster“ neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit. Sie wählt dazu eine moderne Ansprache, die in
der Lage ist, jüngere Menschen zu erreichen, die sich
über elektronische Medien informieren.
Gemeinsam 1000 Stunden für Münster stellt immer
wieder beispielhafte Vereine und Projekte vor, in
denen Menschen sich engagieren können. Besonders
erfolgreich ist das „Ehrenamt-Speeddating“, zu dem
zwei bis drei Mal im Jahr interessierte Bürger und
etwa ein halbes Dutzend Vereine zu einem Informa tionsabend eingeladen werden. Die Beispielprojekte
stellen sich vor, anschließend kommen die Interessenten mit den Vereinsvertretern ins persönliche Gespräch. Von bislang 150 Besuchern haben mehr als
die Hälfte sich als Interessenten gemeldet. Etwa 20
sind einmal und doppelt so viele mehrfach zu den
Projekten und Vereinen gekommen.

tung aber ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das
möchte die Initiative „Vom Kommen und Gehen des
Meeres“ ändern. In ihr haben sich engagierte Einzelpersonen, Vereine und Einrichtungen der Region zusammengeschlossen, darunter auch der gemeinnützige Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. Der Projekttitel
umschreibt die Zeit, in der die Landregion aufgrund
tektonischer Veränderungen zu einer Meeres- und
schließlich wieder zu einer Landregion wurde.
Ehrenamtlich versucht die Initiative, bei den Menschen das Wissen um die Besonderheit dieser regionalgeologischen Entwicklung zu vermitteln und
zugleich ein Bewusstsein für deren touristischen Wert
zu wecken. Beispielsweise soll das Wissen um die
Entwicklung im Rahmen von Rad- und Wanderrouten
an exemplarischen geologischen Standorten vermittelt werden. Deren Beschilderung mit Infotafeln
zählt ebenso zum Konzept wie eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit mit Internetseite und Broschüren.
Der Arbeitskreis Kluterthöhle hatte sich beim Wettbewerb „WestfalenBeweger“ stellvertretend für die
etwa 40 Personen beworben, die sich zur Initiative
„Vom Kommen und Gehen des Meeres“ zusammengeschlossen haben.

Mit der Videokampagne möchten die „Bürger für
Münster“ noch erfolgreicher werden. Mit pfiffigen
Ideen, prägnanten Slogans und Wortwitz sollen Ehrenamtler zu Wort kommen und erklären, für was und
warum sie sich engagieren. Die Stiftung will mit den
Filmen in den Sozialen Medien, besonders bei Facebook und Youtube, vor allem jüngere Menschen erreichen. Die 20 Videos, die bis Ende 2019 geplant sind,
sollen außerdem in den münsterischen Kinos gezeigt
werden.

26 II Nah am Menschen

„Kulturgut Samson“ belebt Tradition
zukunftsweisend
Vor zwei Jahren haben neun Gleichgesinnte den
Förderverein Kulturgut Samson gegründet, um die
kulturhistorisch und ortsgeschichtlich wertvolle Anlage in Ahlens kleinstem Stadtteil Tönnishäuschen
zu erhalten. Die Wiederbelebung des alten Landgasthofes, der lange ein fester Begriff in der Region war,
vermittelt Werte und Traditionsbewusstsein. Darüber
hinaus verbindet sie Geschichte mit Zukunft und
stärkt soziale Strukturen.
Denn das Gebäudeensemble „Samson“ ist ein sichtbarer Ausdruck mehrerer landestypischer Elemente.
Seine Geschichte lässt sich bis ins 16. Jahrhundert
zurückverfolgen. Ein Gasthaus, eine Poststation und
eine Außenstelle des Westfälischen Landgestüts Warendorf waren dort lange Zeit ansässig. Seit mehr als
einem Jahrzehnt stehen die Gebäude auf dem rund
6000 Quadratmeter großen Grundstück leer.

WestfalenBeweger 27

Rund 130 Mitglieder hat der Verein inzwischen
und darüber hinaus viele Förderer und Unterstützer.
Sie alle haben ideelle, finanzielle oder ehrenamtliche
Unterstützung zugesagt. Ein besonderer Coup ist
den Aktiven mit der Gewinnung von Gloria Fürstin
von Thurn und Taxis als Schirmherrin gelungen.
In einem ersten Schritt ist der Kauf der derzeit leerstehenden Anlage geplant. Es besteht schon enger
Kontakt zum derzeitigen Eigentümer, der bereits
großes Entgegenkommen signalisiert hat. Dabei sind
die Initiatoren auf einem guten Weg.
Nach einer Renovierung sollen die beiden Wohnungen im Haus vermietet werden. Für den Künstler
Martin Hatscher ist zudem ein Raum vorgesehen,
den er als Malatelier nutzen kann. In den Scheunen
könnten zukünftig die Mineralogie- und Geologiesammlung des Heimatförderkreises untergebracht
werden. Die gastronomischen Räumlichkeiten sollen
erhalten bleiben.

Integration durch Ausbildung zum
Fußballschiedsrichter
Auf Integration durch Ausbildung setzt der Ballspielverein Bad Lippspringe (BVL). In Kooperation
mit dem Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) sowie in einer Arbeitsgemeinschaft
mit der Gesamtschule Paderborn-Elsen bildet der
Verein junge Geflüchtete zu Schiedsrichtern aus. Der
BVL schlägt auf diese Weise zwei Fliegen mit einer
Klappe: Er wirkt dem Schiedsrichtermangel entgegen,
der in vielen Kreisen inzwischen dazu führt, dass
Fußballspiele abgesagt werden müssen oder ohne
Unparteiischen ausgetragen werden. Gleichzeitig wird
den jungen Flüchtlingen das Gefühl vermittelt, anund aufgenommen zu sein. Sie nehmen am Vereinsleben teil, erhalten Kontakt zu Gleichaltrigen und
übernehmen Verantwortung in unserer Gesellschaft.
Das ist nachhaltig und sorgt für ein vorurteilsfreies
Miteinander. Vier der 15 Schiedsrichter im Alter
zwischen zehn und 20 Jahren, die der BVL seit 2014

ausgebildet hat, waren Flüchtlinge. Vereinsmitglieder
übernehmen die Betreuung. So schafft der Sportverein unabhängig von Herkunft, Alter oder Religion
eine gemeinsame Identität und sportliche Heimat für
viele. Wer sich engagiert, erfährt Anerkennung und
fördert die gegenseitige Toleranz.

Von Ersthilfe zur Unterstützung bei Integration
Als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen,
gründete sich Ende 2014 die Aktion Flüchtlingshilfe
in Schieder-Schwalenberg. Es ging darum, die Ankunft und Unterbringung der vielen Menschen zu
organisieren, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, sie
mit Winterkleidung zu versorgen und ihnen erste
Deutschkenntnisse zu vermitteln. Die erste Not war
bei allen Ankömmlingen gleich. Nachdem sie gelindert war, haben die gut 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter
der Flüchtlingshilfe aber anders als in manchen anderen Orten ihre Aktivitäten nicht reduziert. Verstärkt
rücken vielmehr individuelle Bedürfnisse der Neu bürger ins Zentrum der Hilfe. So ist es gelungen, die
Unterstützung zu verstetigen und sich ändernden
Bedürfnissen anzupassen.
Die Angebote fördern den Austausch und Dialog.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Nähstube, die Begegnung auf ganz neue Weise ermöglicht. Das sind
Schritte zu immer mehr Teilhabe am gesellschaft lichen Leben.
„Unsere Arbeit hat sich natürlich stark verändert.
Nach der Bewältigung der Anfangsschwierigkeiten,
als es unter anderem darum ging, für die vielen
Ankömmlinge Bekleidung und Ernährung zu organisieren, geht es heute um Integrationsmaßnahmen.
Wir versuchen, die Zuwanderer in privaten Woh-

nungen unterzubringen, Sprachunterricht zu orga nisieren, besonders auch für Mütter, die bisher noch
von keinem Hilfsangebot erfasst werden, und ein
gemeinsames Arbeiten von Einheimischen und Zugewanderten zu ermöglichen“, beschreibt Bernd Munko
vom Flüchtlingshilfe-Arbeitskreis die neuen Schwerpunkte. Dabei ist die Nähstube nach anfänglichen
Schwierigkeiten zu einer echten Erfolgsgeschichte
geworden. Mindestens einmal in der Woche arbeiten
Frauen vieler Nationen gemeinsam in einem alten
Textilgeschäft im Stadtteil Brakelsiek und tauschen
Erfahrungen aus.

28 II Nah am Menschen

Ehrenamt im Sport 29

Preisträger des FLVW-Zukunftspreises 2017 ist der
Delbrücker SC. Neben dem Leistungssport, den der
Verein aus dem Kreis Paderborn weiter voranbringt,
widmet er sich auch der aktuellen gesellschaftlichen
Herausforderung „Inklusion“. In zwei inklusiven
Sportgruppen erhalten gehandicapte Kinder und Jugendliche die Chance, am Trainingsbetrieb teilzunehmen. Dazu gehören auch Gemeinschaftsaktionen
und Turnierteilnahmen, unter anderem an der Inklusionsturnierserie des FLVW.

Vera Kalkhoff betonte die Bedeutung, die die Westfalen-Initiative
Strahlende Gesichter hatten die Gewinner und Auslober des FLVW-Zukunftspreises während der Auszeichnung.

dem Ehrenamt im Sport beimisst.

Zweitplatziert wurde der SC RW Nienborg aus dem
Westmünsterland (Ahaus/Coesfeld), der als klassischer
Dorfverein Zentrum der Gemeinde ist und seine
Mitglieder auch neben dem Sport hat zusammenwachsen lassen. Den dritten Platz belegte der TuS
Friedrichsdorf aus dem Kreis Gütersloh, der sich mit
einem breiten Sportangebot aufgestellt hat und dadurch zu einem Sportmagneten weit über die Ortsgrenzen hinaus geworden ist.
Die Konzepte der zehn Preisträger zeigen, dass sich
die gesellschaftlichen Herausforderungen des vergangenen Jahrzehnts im Engagement der westfälischen
Vereine finden lassen und diese vielfältige und kreative Lösungsvorschläge bieten. Gleichwohl mahnte
FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski die Vereine,
dass sie zwar auf ihrer Vergangenheit aufbauen,
zugleich aber wichtige Schritte für eine nachhaltige
Modernisierung nicht verpassen sollten.
Ein Wermutstropfen bleibt: Mit dem Jubiläumsjahr
endet auch die Jurytätigkeit von Prof. Dr. Dieter
Jütting, der seinen Juryvorsitz nach zehnjähriger
Mitarbeit an Dr. Klaus Balster abgibt. Die WestfalenInitiative dankt Prof. Jütting für die fruchtbare
Kooperation in unterschiedlichen Projekten der
vergangenen Jahre und freut sich auf die künftige
Zusammenarbeit mit Dr. Balster.

Fotos: Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen e.V. (FLVW)

Zehn Jahre Zukunftspreis:
Kooperation für das
Engagement im Sport
Ein kleines Jubiläum stand im vergangenen Jahr an: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen
(FLVW) schreibt den FLVW-Zukunftspreis gemeinsam mit der Westfalen-Initiative und der Westfalen
Sport-Stiftung bereits seit 2008, also seit zehn Jahren, aus. Seit neun Jahren besteht die Kooperation mit
der Stiftung Westfalen-Initiative. In diesem Jahr konnte somit die Jubiläumsausgabe gefeiert werden.
In einer gemeinsamen Feierstunde wurden am 6. Oktober in der Rotunde des SportCentrum Kaiserau die
bisherigen und aktuellen Preisträger des Zukunftspreises geehrt.

Die Teilnehmer der Preisverleihung erkennen im Engagement der Sportvereine immer auch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.

Foto: © luminastock – Fotolia.com

30 II Nah am Menschen

Mundpropaganda führt
zu neuen Partnerschaften
Die Westfalen-Initiative hat mit der Stadt Münster einen neuen Kooperationspartner für ihr Projekt
„Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule“ (GEEG) gewonnen. Beide Seiten haben deutlich
ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundet und eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Im Rahmen
dieser Kooperation ist für das Frühjahr 2019 eine zweitägige Veranstaltung mit den Grundschulen und
den Kindertagesstätten im Stadtbezirk Coerde geplant. Inhaltlich wird es darum gehen, gemeinsam einen
guten Wechsel vom Kindergarten zur Grundschule zu gestalten, der Kinder dabei unterstützt, diese
spannende Lebensphase erfolgreich zu meistern. Neben einer theoretischen Einführung durch unsere
langjährigen Moderatorinnen Eva Müller-Bürgel und Urte Hardering-Lubinski steht im Vordergrund
das gemeinsame Ideensammeln, wie sich konkret ein gelingender Übergang in Coerde gestalten lässt.
Selbstverständlich spielt das Thema Elternarbeit dabei eine wichtige Rolle.

GEEG 31

Dieser Termin knüpft inhaltlich an die zweitägige
Veranstaltung mit der ebenfalls in Coerde ansässigen
Melanchthonschule im März 2017 an. Die Ergebnisse
von damals werden sicherlich als Orientierungspunkte
genutzt, diesmal geht es aber darum, einen gemein samen Ansatz für ganz Coerde zu finden und zu erarbeiten. GEEG wird somit auf den gesamten Stadtteil
übertragen. Zusätzlich ist mit der Stadt Münster geplant, das Projekt auch in einem weiteren Stadtgebiet
zu positionieren.
Aber nicht nur in Münster breitet sich GEEG aus.
Auch aus Gelsenkirchen, Herne oder Soest erhalten
wir immer wieder Anfragen von interessierten
Schulen, obwohl wir das Projekt kaum medial oder
öffentlichkeitswirksam publik machen. Die Qualität
des Projektes scheint sich nach dem Prinzip der
Mundpropaganda herumzusprechen.
Dabei ist stets das Ziel, Lehrer, aber auch Schulsozialarbeiter und Mitarbeiter der Offenen Ganztagsschule (OGS), Schule und vor allem Eltern mit ihren
Kindern dabei zu unterstützen, an ihrer Schule und
damit auch in ihrem Sozialraum ein gemeinsames
Erziehungskonzept zu entwickeln. Dabei ist die Begegnung auf Augenhöhe der zentrale Baustein von
GEEG. Alle Beteiligten sollen gleichberechtig mit reden und mitbestimmen nach den drei Grundsäulen
des Projektes: 1. Alle Menschen sind gleichwürdig.
2. Problems are our friends! 3. Erfolgreiche Erziehungsstrategien sind erlernbar.
Konkret bedeutet dies, dass mit Kindern, aber auch
allen anderen Beteiligten grundsätzlich wertschätzend, aber auch konsequent, also nachvollziehbar,
umgegangen wird. Diese Kontinuität in der Ansprache
und Begegnung sorgt bei Kindern – so zeigen es die
Evaluationsergebnisse – für einen höheren Grad an
Stabilität, Ausgeglichenheit und auch Zufriedenheit.
Ein positiver Nebeneffekt dieser Herangehensweise
ist ein beobachtbarer Leistungszuwachs der Kinder
in der Schule.

1.
Alle Menschen
sind gleichwürdig.

Seit nun zehn Jahren beobachten wir, dass überall
dort, wo das Projekt initiiert und umgesetzt wurde,
es auch Wurzeln schlägt. Die Rückmeldungen der
Schulen und einzelner Lehrer sind zwar äußerst vielschichtig, aber grundsätzlich positiv. Diese persönlichen Rückmeldungen bestätigen und erweitern auch
unsere Evaluationsergebnisse. Egal in welcher Form
sie GEEG an ihrer Schule umsetzen, stehen immer
folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie positionieren
wir uns als Schule gegenüber Eltern und Kindern?
Welche Maßnahmen können wir als Schule also
ergreifen, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen?
Wie sorgen wir dafür, dass sie den Lebensort Schule
gerne betreten und insgesamt der allgemeine Umgang
miteinander nachhaltig positiv gestärkt wird? Wir
beobachten immer mehr, dass Schule und Lehrer erkennen, dass die Beantwortung dieser Fragen unweigerlich zu einer Leistungssteigerung der gesamten
Schule führt.
Immer wieder beobachten wir auch, dass Lehrer
ein überproportionales Engagement zeigen. Für uns
ist GEEG damit ein exemplarisches Beispiel für die
positiven Wirkungen von Eigenverantwortung und
Subsidiarität. Schulen und Lehrer sind zu einem
höheren Grad motiviert, aktiv zu werden und ihren
Sozialraum positiv zu gestalten. Damit ist es auch ein
Paradebeispiel für die Zielsetzung der Westfalen-Initiative, die den einzelnen Menschen und sein Handeln
für seine nächste Umgebung in den Mittelpunkt stellt.
Gleichzeitig ist GEEG ein Kooperationsprojekt der
Reinhard Mohn Stiftung aus Gütersloh und der
Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung aus Osnabrück.
Alle drei Stiftungen sind zwar in ihren Regionen
autonom, stimmen sich aber durch regelmäßige Stiftungstreffen ab. Das nächste ist für Sommer 2019 geplant; eine Veranstaltung zum zehnjährigen Projektbestehen ist angedacht und schließlich soll endlich
das südliche Westfalen mit GEEG „infiziert“ werden,
wodurch es dann westfalenweit positioniert wäre.

2.
Problems
are our
friends!

3. Erfolgreiche Erziehungsstrategien sind
erlernbar.

32 II Nah am Menschen

Mord am Hellweg 33

Morden auf hohem Niveau
Vom 15. September bis 10. November wurde bei Europas größtem internationalen Krimifestival
„Mord am Hellweg“ wieder gemordet und ermittelt was das Zeug hält. Für Hochspannung pur sorgten
Krimistars aus aller Welt und spannende Newcomer. Die Bilanz fiel nach dem Final Criminal Act der
neunten Festivalausgabe sehr erfolgreich aus.

Das Projekt Kultur in Westfalen begann das Jahr 2018 mit einem neuen Veranstaltungsformat: Rund um
Mariä Lichtmess am 2. Februar gab es unter dem Motto „Finde dein Licht“ die erste Gemeinschaftsveranstaltung im Rahmen des neuen Projekts Klosterlandschaft Westfalen-Lippe. 20 Klöster, Klosterorte und
christliche Glaubensgemeinschaften luden zu Ausstellungen, Konzerten, Lichtinszenierungen und Workshops, aber auch zu Gottesdiensten und Kerzenweihen ein. Ziel ist es, die vielfältige Klosterlandschaft
Westfalens besser sichtbar zu machen. Im August erschien die Broschüre „Auftakt!“, die ebenso wie die
Homepage www.klosterlandschaft-westfalen.de über die Aktivitäten von Klosterlandschaft WestfalenLippe informiert.

Das bewährte Konzept, mit hochkarätigen Veranstaltungen ungewöhnliche Orte der Region literarisch
zu inszenieren, zog Publikum aus ganz NRW und darüber hinaus an. 27.000 Besucherinnen und Besucher
kamen zu den 200 Lesungen an 100 teilweise ungewöhnlichen, kleinen, charmanten Veranstaltungsorten.
Eingeladen war die Crème de la Crime, 180 hochkarätige Krimiautorinnen und -autoren aus 22 Ländern,
die teilweise von bekannten Schauspielerinnen und
Schauspielern unterstützt wurden. Die neuen Veranstaltungsformate wie „Blind Crime Date“ oder Reihen
wie „Neue Stimmen – junges Blut“ fanden großen
Publikumszuspruch. Die durchschnittliche Gesamt auslastung des Angebots betrug 81 Prozent.
Auch die Sonderreihe „Krimiland Westfalen“, eine
Hommage an die Heimatregion des Festivals, die von
„Mord am Hellweg“ in Kooperation mit der Stiftung
Westfalen-Initiative veranstaltet wurde, konnte sich
mit überzeugendem Zuspruch sehen lassen. Bereits die
Auftaktveranstaltung in Bad Sassendorf war restlos
ausverkauft. Kein Wunder, denn Westfalen ist ein

Die siebte Ausgabe des Tags der Gärten und Parks
in Westfalen-Lippe hatte mehr teilnehmende Gärten
als in den vergangenen Jahren. Unter dem Motto
„Gartentraum – Sommertraum“ präsentierten sich
am zweiten Wochenende im Juni fast 200 Anlagen –
darunter hochherrschaftliche Schlossgärten, weitläufige Parks sowie mehr als 120 private Gärten. Zu
den zahlreichen Veranstaltungen für die Gäste gehörten gartendenkmalpflegerische Spezialführungen,
Lesungen und Konzerte im Grünen. Einen Überblick
gibt das Internetportal www.gaerten-in-westfalen.de.
Das Gewinnerfoto des Fotowettbewerbs anlässlich
des Tags der Gärten und Parks wurde auf Schloss
Senden von Klaus Falkenberg aus Werne geschossen.
Am 4. Oktober war die achte Westfälische Kulturkonferenz. Mehr als 350 Künstler und Kulturschaffende, Repräsentanten von Museen, Vereinen und
anderen Netzwerken sowie Entscheidungsträger aus
Politik und Verwaltung kamen in die Stadthalle
Gütersloh. Unter dem Motto „Kulturland Westfalen:
raus aufs Land“ nahmen die Teilnehmenden aus

und Festivalleiterin Sigrun Krauß.

Die 8. Westfälische Kulturkonferenz wurde in der Stadthalle Gütersloh eröffnet. Foto: LWL / S. Althaus

Breites Kulturangebot in Stadt und Land

ganz Westfalen-Lippe die Kultur in den ländlichen
Räumen in den Blick. NRW-Kulturministerin Isabel
Pfeiffer-Poensgen versprach mehr Unterstützung ergänzend zum etablierten Förderprogramm Regionale
Kulturpolitik (RKP).
Ein weiterer Baustein des Projekts Kultur in Westfalen ist die Internetseite www.kulturkontaktwestfalen.de. Neben ausführlichen Informationen zu
sämtlichen Projektinhalten wird wöchentlich auf
ein besonderes Kulturereignis hingewiesen. Die Seite
bietet zudem einen Überblick über die aktuellen Kulturplanungsprozesse, denn konzeptbasierte Kulturpolitik ist im Projekt Kultur in Westfalen ein weiterer
Schwerpunkt.
Kultur in Westfalen wird seit 2010 getragen von
der LWL-Kulturstiftung und der Stiftung WestfalenInitiative und gefördert vom Ministerium für Kultur
und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.
Es will Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe durch
gezielte Vernetzung stärken und damit auch zur Profilbildung der Region beitragen.

Krimiland. Während des gesamten Festivalzeitraums
hoben ein Dutzend Sololesungen und Kriminächte
in unterschiedlichen Städten und Gemeinden am
Hellweg die Stärke Westfalens Stärke hervor.
Ob Jürgen Kehrers „Wilsberg“, Gabriella Wollenhaupts „Grappa“, Lucie Flebbes Bochum-Krimis oder
historische Texte wie „Die Judenbuche“ von Annette
von Droste-Hülshoff – literarische Verbrechen hatten
schon immer einen Platz in Westfalens bunter Kulturlandschaft. Viele, auch im wörtlichen Sinne, ausgezeichnete Krimiautoren sind in Westfalen geboren,
wohnen und/oder wirken in der Region: Mit Nina
George, Norbert Horst, Sandra Lüpkes, Nele Neuhaus,
Gisa Pauly oder Klaus-Peter Wolf seien nur einige
weitere hochkarätige Namen genannt. Da im eigenen
Saft zu schmoren aber bekanntlich den Horizont nicht
erweitert, gab es unter dem Motto „Krimiland Westfalen trifft …“ zudem Veranstaltungen, zu denen auch
Rheinländer, Berliner oder Hessen eingeladen waren.
Die Westfalen mögen sture Köppe sein – gastfreundlich sind sie immer!

„Krimiland Westfalen trifft Berlin“ (v.l.n.r.): Das Autorenduo Rath & Rai, Autorin Mechtild Borrmann, Moderator Reinhard Jahn
Foto: Mord am Hellweg

34 II Nah am Menschen

Ausblick 2019

35

Gremien der Stiftung

(Stand 31.12. 2018)

Kuratorium
Stimmberechtigte Mitglieder:
Andreas Kaefer, Brilon (Vorsitzender)
Berthold Schröder, Dortmund (stellv. Vorsitzender)
Thomas Banasiewicz, Münster
Prof. Dr. Liane Buchholz, Münster
Dr. Henrik Follmann, Minden
Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, Bad Driburg
Ferdinand Klingenthal, Paderborn
Rosemarie Leicht, Münster
Matthias Löb, Münster
Michael Martens, Dortmund
Daniela Tigges, Schmallenberg
Prof. Dr. Johannes Wessels, Münster

Viele Projekte haben wir im Jahr 2018 verändert, sind neue Wege
gegangen, haben aber auch Bewährtes weitergeführt. Dies wird
sich 2019 fortsetzen. Das Jahr beginnt mit Aktivitäten im Stiftungsverbund Westfalen-Lippe. Im Januar startet die Westfalen-Initiative
mit einem Workshop „Anlagerichtlinien und reale Immobilien“.
Referenten sind Nadja Zieren (Landeshauptstadt Düsseldorf) und
Ralf Gigerich (Bundesverband Deutscher Stiftungen, Berlin).
Der Workshop wird in Kooperation mit den Kommunalen Stiftungen
Münster ausgerichtet.
-----------------------------------------------------------------------Im Ehrenamtswettbewerb WestfalenBeweger werden wieder Workshops zur weiteren Qualifizierung und Professionalisierung in
Kooperation mit dem Westfälischen Heimatbund und dem Verein
Westfalen-Initiative angeboten. Ein Themenschwerpunkt wird der
erfolgreiche Umgang mit den Sozialen Medien sein, weitere Workshop-Themen folgen.
-----------------------------------------------------------------------Im Projekt Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule
(GEEG) ist der Weg geebnet für den nächsten Schritt: Nach zehn
Jahren erfolgreicher Kooperationsarbeit im GEEG-Projektverbund
wird die Westfalen-Initiative das Projekt erstmalig an zwei Schulen
in Münster etablieren. Die Kooperation mit der Stadt beginnt mit
dem Schuljahr 2019/20.
-----------------------------------------------------------------------Am Ende des Jahres sind dann erneut die Vertreterinnen und Vertreter
westfälischer Stiftungen angesprochen. Die Westfalen-Initiative plant
gemeinsam mit den Kommunalen Stiftungen und der Bezirksregierung
Münster die dritte Auflage des Stiftungstags Münster Westfalen.

Nicht stimmberechtigte Mitglieder:
Dr. Peter Paziorek, Beckum
Dr. Hans-Ulrich Predeick, Münster

Vorstand
Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Münster, Vorsitzender
Wilhelm Weischer, Werne, stellv. Vorsitzender
Anja Böllhoff, Bielefeld
Geschäftsführung
Vera Kalkhoff, Münster (stellv. Geschäftsführerin)

36

Gremien des Vereins

(Stand 31.12. 2018)

Beirat
Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick, Hagen (Vorsitzender)
Andreas Bankamp, Lünen
Dr. Fritz Baur, Münster
Frank Beckehoff, Olpe
Dr. Michael Brinkmeier, Rietberg
Dr. Eberhard Christ, Münster
Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Dortmund
Felix Graffenberg, Lippstadt
Wolfgang Hölker, Münster
Thomas Hunsteger-Petermann, Hamm
Werner Jostmeier, Dülmen
Hubert Jung, Dortmund
Prof. Dr. Reinhard Klenke, Gelsenkirchen
Hermann Korfmacher, Gütersloh
Karl-Heinrich Landwehr, Kamen-Heeren
Matthias Löb, Münster
Mario Löhr, Selm
Sabine Loos, Dortmund
Nadja Lüders, Dortmund
Petra Michalczak-Hülsmann, Beckum
Franz-Josef Möllers, Hörstel
Solveig Münstermann, Bielefeld
Gabriela Pantring, Düsseldorf
Heinz Paus, Paderborn
Johannes Röring, Vreden
Wolfgang Schäfer, Dortmund
Ulf Schlüter, Bielefeld
Stephan Schröer, Meschede
Jost Springensguth, Münster
Ingo Teimann, Welver
Dr. Norbert Tiemann, Münster
Mathias Wendt, Köln
Bodo Zapp, Mühlheim
sowie die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern
in Westfalen-Lippe: Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz, Münster / Präsident Heinz-Herbert Dustmann,
Dortmund / Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat, Hagen / Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener, Siegen /
Präsident Felix G. Hensel, Siegen / Präsident Willy Hesse, Arnsberg / Präsident Dr. Benedikt Hüffer, Münster /
Präsident Hans Hund, Münster / Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel, Münster / Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona
Lange, Arnsberg / Hauptgeschäftsführer Axel Martens, Detmold / Präsident Wolf D. Meier-Scheuven, Bielefeld /
Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé, Bochum / Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff, Bielefeld / Hauptgeschäftsführer Meinolf Niemand, Arnsberg / Hauptgeschäftsführer Dr. Jens Prager, Bielefeld / Präsident Andreas Rother,
Arnsberg / Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber, Dortmund / Präsident Berthold Schröder, Dortmund / Präsident
Volker Steinbach, Detmold / Präsident Ralf Stoffels, Hagen / Präsidentin Lena Strothmann, Bielefeld / Hauptgeschäftsführer Eric Weik, Bochum / Hauptgeschäftsführer Ernst Wölke, Dortmund

Vorstand
Dr. Peter Paziorek, Beckum, Vorsitzender
Dr. Thomas Bentz, Minden, stellvertretender Vorsitzender
Dr. Hans-Ulrich Predeick, Münster, geschäftsführender Vorstand
Dr. Ludwig Jörder, Dortmund
Raimund Pingel, Borken

Der Stifter
Unser 1998 im Alter von 58 Jahren verstorbener Stifter Martin Leicht
hat sich Zeit seines Lebens für das Wohl der Gesellschaft und für öffentliche Belange eingesetzt. So rief er beispielsweise eine Knochen- und
Gewebebank an der Universität Münster ebenso ins Leben wie den
„Westfälischen Friedenspreis“, den die Wirtschaftliche Gesellschaft für
Westfalen und Lippe anlässlich des Jubiläums „350 Jahre Westfälischer
Friede“ stiftete. Er engagierte sich in der Politik, im Bundesverband
Junger Unternehmer als dessen Bundesvorsitzender und dann lange
Jahre als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger
Unternehmer. Er war der festen Überzeugung, dass „das Subsidiaritätsprinzip in idealer Form das aufeinander aufbauende Zusammenwirken
individueller und gemeinschaftlicher Verantwortungsbereiche regelt, überschaubare Einheiten schafft,
stärkt und erhält und in allen Lebensbereichen die Bereitschaft für persönliche Verantwortung fördert“.
So hat er es kurz vor seinem Tod in die Präambel unserer Stiftung geschrieben, deren Errichtung
er mit dem größten Teil seines Vermögens testamentarisch verfügte. Erworben hatte er sein Vermögen
durch kluge und konsequente unternehmerische Tätigkeit. Er war ein Mensch, der sich und anderen
hohe Ziele setzte. Mit seiner unbändigen Energie und seiner Lust auf Leistung konnte er andere
Menschen mitreißen.
Martin Leicht war davon überzeugt, dass Solidarität am besten als Hilfe zur Selbsthilfe organisiert
werden sollte. Und als überzeugter Westfale setzte er sich mit ganzer Kraft ein für ein starkes Westfalen
in einem „Europa der Regionen“. Deshalb wollte er die regionale Identität und Bedeutung Westfalens
innerhalb der Europäischen Union stärken. Auch für die Zukunft soll die von ihm gegründete Stiftung
„Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl“ engagiert diesen europäisch-westfälischen Gedanken unterstützen.
Unterstützt wird die Stiftung in ihrer Arbeit vom gemeinnützigen Verein Westfalen-Initiative, zu dessen
Gründung Martin Leicht ebenfalls den Anstoß gegeben hat. Der überparteilich tätige Verein ergänzt die
Aktivitäten der Stiftung mit den besonderen Möglichkeiten und Strukturen eines Vereins.
Der Stiftung und dem Verein ist es in den vergangenen Jahren gelungen, durch die jeweiligen Aktivitäten
und Projekte den roten Faden der Ideen und des Willens des Stifters deutlich erkennen zu lassen.

Westfalen-Initiative
Piusallee 6, 48147 Münster
Telefon 0251 5916406
Fax 0251 5913249
www.westfalen-initiative.de
                            
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