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Full text: Westfalen-Initiative (Rights reserved) Issue2018/19 (Rights reserved)

Westfalen-Initiative Regionale Identität schärfen, Eigeninitiative stärken Wer wir sind Die Westfalen-Initiative fördert das Subsidiaritätsprinzip und die Entwicklung Westfalens in Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung. Ihr Ziel ist es, Westfalen zu einer prosperierenden Region in Europa zu machen und die Identität Westfalens zu stärken. Die Westfalen-Initiative will ein europäisches Westfalen, das sich im Wettbewerb der Regionen behauptet und seine in Geschichte und Tradition entwickelten Stärken voll entfaltet. Die Menschen und die Region Westfalen brauchen für ihren Erfolg Selbstbewusstsein. Die Projekte und Veranstaltungen der Westfalen-Initiative sollen deshalb die Öffentlichkeit auf die Leistungsfähigkeit Westfalens aufmerksam machen. Ihre Vision ist eine starke Region Westfalen, die zugleich eine Vorzeigeregion des bürgerschaftlichen Engagements ist. Die Westfalen-Initiative will daher alle Menschen unterstützen, die sich vor Ort ehrenamtlich engagieren. Subsidiarität bedeutet für uns, die Eigenverantwortung des Individuums zu fördern und Verantwortlichkeiten auf möglichst niedriger Ebene und möglichst nah am Handlungsbedarf anzusiedeln. Die Westfalen-Initiative ermuntert die Bürger, ihre eigene Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Wer sich für die Gemeinschaft einsetzt, verdient Unterstützung. Diese kann durchaus auch in der Vermittlung von Kontakten und Know-how liegen. In diesem Sinne versteht sich die Westfalen-Initiative als vernetzende Institution, die relevante Akteure zusammenbringt, um mit diesen gemeinsam Westfalen voranzubringen. Die Westfalen-Initiative besteht aus einer Stiftung und einem Verein. Die testamentarisch von Martin Leicht (1940–1998) gegründete Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl ist eine operative Stiftung, die keine Fremdprojekte fördert, sondern gemeinsam mit Partnern eigene Projekte durchführt. Der Verein Westfalen-Initiative trägt als bürgerschaftliches Element ihre Ideen in die Fläche und bindet viele Akteure ein. Westfalen-Initiative 18 /19 Impressum Herausgeber Westfalen-Initiative 4 Vorwort I Starke Region 6 Die Region neu denken 8 Blumensamen lässt die Heimat erblühen Redaktion Christoph Boll Harm Hendrik Esser Andrea Geistert-Krol Vera Kalkhoff Waldemar Magel Indra Schepker 10 Nachdenken über zentrale Begriffe unserer Arbeit 12 Gemeinsam alle Potenziale nutzen Gestaltung Alexandra Engelberts, Münster 14 Demografischer Wandel bringt vielfältige Herausforderungen 16 Chancen erkennen und nutzen 18 Baukultur ist Zukunftsmotor Auflage 1.000 Exemplare II Nah am Menschen 20 Neues Konzept hilft Zukunftsprojekten beim Start 22 Die zehn Starterprojekte im Wettbewerb WestfalenBeweger 2018 /19 28 Zehn Jahre Zukunftspreis: Kooperation für das Engagement im Sport 30 Mundpropaganda führt zu neuen Partnerschaften 32 Breites Kulturangebot in Stadt und Land 33 Morden auf hohem Niveau 34 Ausblick 2019 35 Gremien der Stiftung 36 Gremien des Vereins Vorwort 5 4 Liebe Leserinnen und Leser, das Jahr 2018 war ein besonderes Jahr für die Westfalen-Initiative. Es war ein Jahr des Rückblicks und ein Jahr der neuen Wege. Der 20. Todestages des Stifters Martin Leicht war Anlass, sich seiner Ziele, Begriffe und Prinzipien zu widmen und zu fragen, wie sie heutzutage auszugestalten sind. An dieser Stelle ist es gute Tradition, anhand nur weniger Aktivitäten exemplarisch die Ziele der Stiftung und die Prinzipien des Stifters zu beschreiben, also zurückzublicken. Das Jahr startete mit einem Neuanfang in einem bekannten Projekt: Der Wettbewerb WestfalenBeweger wurde mit neuem Konzept ausgeschrieben. Statt wie in den vergangenen fünf Wettbewerbsjahren Vereine und Initiativen für abgeschlossene Projekte auszuzeichnen sind nun neue Ideen gefragt. Sie werden mit unserer Unterstützung binnen eines Jahres verwirklicht oder auf einen guten Weg gebracht. Der Wettbewerb trägt ganz im Sinne Martin Leichts zur Stärkung der Eigenverantwortung bei und folgt mit dieser Neuausrichtung dem Subsidiaritätsprinzip, das zu befolgen dem Stifter ein wichtiges Anliegen war. Den Initiativen wird Unterstützung aus dem Netzwerk der Westfalen-Initiative angeboten. Die Engagierten, die ihr Projekt nach etwa neun Monaten am erfolgreichsten umgesetzt haben, werden mit dem West falenBeweger-Preis ausgezeichnet. Auf diese Weise haben nicht nur die Vereine und Initiativen viel gelernt, auch die Westfalen-Initiative ist um viele Erfahrungen reicher. Gleichzeitig wird die Region gestärkt. Denn langfristiges Ziel ist es, Westfalen zu einer Musterregion für bürgerschaftliches und zivilgesellschaftliches Engagement zu machen. Diesem Prinzip folgt auch der Stiftungsverbund Westfalen-Lippe, ein Zusammenschluss mehrerer Stiftungen, der die Stiftung Westfalen-Initiative geschäftsführend beauftragt, einen regelmäßigen regionalen Stiftungstag und zusätzliche Weiterbildungs- und Vernetzungsformate anzubieten. Der Stiftungsverbund bringt Menschen zusammen, die sich gegenseitig zur Seite stehen. Sie leisten Hilfe zur Selbsthilfe und stellen sich in Stiftungen mit viel Engagement und Herzblut den Herausforderungen. Der demografische Wandel ist auch in WestfalenLippe eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung. Er ist ein ebensolcher Megatrend wie die fortschreitenden digitalen Möglichkeiten und die zunehmende Migration. Alle drei Entwicklungen greifen ineinander. Sich diesen Themen auf westfälischer Ebene zuzuwenden, ist die Herausforderung, der sich die Westfalen-Initiative stellt. Bereits im Jahr 2017 wurde gemeinsam mit dem Landschaftsverband WestfalenLippe die Studie „Eine Region – viele Aussichten. Wie der demografische und wirtschaftliche Wandel Westfalen fordert“ gefördert. Die Analyse des BerlinInstituts für Bevölkerung und Entwicklung stößt seit ihrer Vorstellung im Juli in der Bundeshauptstadt auf großes Interesse. Verschiedene Veranstaltungen sollen im Jahr 2019 die Ergebnisse aufgreifen und weiterführen. Mehr wird an dieser Stelle nicht ver raten, bleiben Sie neugierig! Eine weitere wichtige Studie zur Stärkung Westfalens ist seit 2018 beauftragt. Die Bochumer Professoren Dr. Jörg Bogumil und Dr. Rolf Heinze untersuchen „Verflechtungen zwischen Südwestfalen, dem Münsterland, Ostwestfalen und dem westfälischen Ruhr gebiet als Innovationsmotoren“. Sie wollen die Verflechtungspotenziale zwischen dem westfälischen Ruhrgebiet und den angrenzenden starken westfä lischen Wirtschaftsräumen (Münsterland, Südwestfalen aber auch OWL) analysieren und daraus Strategien entwickeln. Die Ergebnisse sollen im ersten Quartal des Jahres 2019 vorliegen. In der zweiten Hälfte des Jahres wandten wir uns anlässlich des 20. Todestages unseres Stifters dessen Vermächtnis zu, um die Kernbegriffe Gemeinwohl und Eigeninitiative, Subsidiarität, Europa der Regionen, Heimat Westfalen, gesellschaftliche Verant - Dr. Karl-Heinrich Sümmermann Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative wortung und Stiftungswesen zu reflektieren und vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen neu zu diskutieren. Auftakt dazu war am 8. September die Vortragsveranstaltung „Subsidiarität im politischen System Europas“ mit Bundestagspräsident a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert. Ein Kaminabend mit dem Präsidenten des Ausschusses der Regionen in der EU, Karl-Heinz Lambertz (Senator der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens), setzte im Oktober für einen ausgewählten Teilnehmerkreis die Reflexion der Kernthemen fort. Zu den beiden Veranstaltungen erschien die Begleitpublikation „Europa – Subsidiarität und Region“ als Band 15 in der Schriftenreihe der Westfalen-Initiative. Auf die genannten und alle weiteren aktuellen Projekte von Stiftung und Verein geht der vorliegende Jahresbericht ein. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und hoffen, dass das eine oder andere Projekt Sie zum Engagement in und für Westfalen motiviert. Dr. Peter Paziorek Vorsitzender des Vereins Westfalen-Initiative 6 I Starke Region Westfalen stärken und vernetzen 7 Die Region neu denken W estfalen voranbringen, das wollen viele. Sicher ist dabei auch schon vieles erreicht, manches aber sicher nicht wahrgenommen worden. Das könnte an der Vielschichtigkeit des Begriffes Westfalen liegen. Er steht gleichermaßen für eine Stammesgruppe des germanischen Stammesverbandes der Sachsen, für den westlichen Teil des mittelalterlichen Sachsenlandes, für einen Sprachraum, für ein historisches Herzogtum, eine mittelalterliche Gaugrafschaft, ein napoleonisches Königreich und eine preußische Provinz. Zudem ist Westfalen eine historische Landschaft, für die seit dem Mittelalter auch die Bezeichnung Rote Erde belegt ist, und heute Landesteil im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Wer Westfalen im Mund führt, muss sich also fragen lassen, wovon er eigentlich redet und ob es nicht an der Zeit ist, die Region neu zu denken. Dies gilt besonders auch vor dem Hintergrund, dass Regionalagenturen die Interessen der westfälischen Teilregionen Münsterland, Ost- und Südwestfalen bündeln und vertreten. Kaschiert wird zudem, dass das westfälische Ruhrgebiet immer noch eng mit dem westfälischen Umland verbunden ist. Dies ist befremdlich. Das gilt umso mehr, als dies just zum Ende der Ära von Steinkohle und Stahl geschieht, die das Ruhrgebiet als Produkt der Industrialisierung überhaupt erst haben entstehen lassen. Westfalen steht nicht völlig sprachlos da. Es gibt zwar keine Institution, die verbindlich und legitimiert auf allen gesellschaftlichen Feldern von der Wirtschaft über Sozialfragen und Infrastruktur bis hin zu Sport und Kultur für die Gesamtregion das Wort ergreifen kann. Aber immerhin fungiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als gesamtwestfälische Klammer. Und die drei westfälischen Bezirksregierungen mühen sich verstärkt um eine gemeinsame Wahrnehmung westfälischer Gesamtinteressen. Unbegründet ist deshalb die Angst, Westfalen könne aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden. Dazu ist es viel zu sehr ein über Jahrhunderte gewachsener, wichtiger politischer, kultureller und gesellschaftlicher Handlungsraum mit reicher Geschichte und einer Größe, die im Wettbewerb der Regionen bestehen kann. Heute ist viel von Vernetzung und Kooperation die Rede. Beides ist aber nicht Selbstzweck oder das Ziel, sondern nur das Mittel zu dessen Erreichung. Und Themen gibt es reichlich. Das hat nicht zuletzt die Studie „Eine Region – viele Aussichten. Wie der demografische und wirtschaftliche Wandel Westfalen fordert“ des Berlin-Institutes gezeigt. Es ist an der Zeit, die sich daraus ergebenden Aufgaben auf allen Ebenen anzugehen, von der Gemeinde und Stadt, über den Kreis und Regierungsbezirk als staatliche Verwaltungseinheiten bis hin zu den Kammerbezirken von Handel, Handwerk, Industrie und berufsständischen Vereinigungen. Medizinisch-pflegerische Betreuung, Daseinsvorsorge, Mobilität und Fachkräftemangel sind nur einige Themen. Sie lassen sich übrigens auch gut mit dem Heimatgedanken kombinieren, der gerade Hochkonjunktur hat. Eine solche Zusammenarbeit reißt Mauern ein – in den Köpfen und indem sie Planungsgrenzen nicht als unüberwindbare Hindernisse akzeptiert. Sie schafft möglichst viel Lebensqualität für die Menschen und gestaltet immer auch Westfalen. Die Westfalen-Initiative wird sich gerne daran beteiligen und nimmt nicht nur den guten Willen für die Tat, sondern vor allem die Tat als Beleg des guten Willens. Initiativen dazu gab und gibt es – bisher fehlte indes die Geschlossenheit aller Westfalen, die Vorstöße bis zum Ziel zu führen. 8 I Starke Region Heimatkongress 9 nenten aus Nordrhein-Westfalen, die im Zuge einer Kampagne des Ministeriums erklärten, was für sie Heimat bedeutet. „Heimat ist Westfalen – erdiges Land, kernige Menschen, vielfältige Landschaften und starke Wirtschaft“, postulierte Sümmermann in den sozialen Medien und auf einem Fragebogen, mit dem das Ministerium die Teilnehmer des Heimatkongresses fragte, was für sie Heimat sei. Und noch ein zweiter Podiumsvertreter des Themenabends wurde Heimatbotschafter: Mithat Gedik. Er war gut drei Jahre zuvor Schützenkönig in WerlSönnern und wegen seiner Zugehörigkeit zum Islam sowie aufgrund der christlichen Tradition des Schützenwesens mit lautstarken Forderungen nach seiner Abdankung konfrontiert worden. „Aber die Nachbarn, der Schützenverein, das Dorf und die ganze Stadt standen hinter mir“, verweist Gedik auf die integrative Kraft von Gemeinschaft, die für ihn zu Heimat gehört. Während des Kongresses in der Halle Münsterland trugen sich auch viele Teilnehmer als Heimatbotschafter ein. Das zeigt, dass dieses Thema die Menschen beschäftigt. Nicht zuletzt deshalb wird die WestfalenInitiative sich auch künftig um westfälische Identitätsbildung bemühen. Die Teilnehmer des Kongresses konnten per Karte ihre Definition von Heimat mitteilen. Tütchen mit Blumensamen verteilte die Westfalen-Initiative an die Teilnehmer des Heimatkongresses in der Halle Münsterland. Blumensamen lässt die Heimat erblühen Mit dem Wunsch „Bring‘ deine Heimat zum Blühen“ und einer zugehörigen bunten Mischung Landblumensamen hat die Westfalen-Initiative die Besucher des ersten nordrhein-westfälischen Heimatkongresses verabschiedet. Fast alle 520 Teilnehmer der Veranstaltung, die das Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung am 17. März 2018 ausrichtete, erhielten beim Verlassen der Halle Münsterland ein Tütchen Saatgut. Das war an diesem bitterkalten Samstag gleichsam ein Vorgriff auf wärmere Zeiten. Zum Heimatkongress waren die Mitglieder aus den drei großen Heimatverbänden des Landes nach Münster gekommen. In fünf Foren diskutierten die Mitglieder des Westfälischen Heimatbunds, des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie der Lippische Heimatbund über den Begriff Heimat. Mit dabei war auch die NordrheinWestfalen-Stiftung und der Bund Heimat und Umwelt. Sie boten Ehrenamtlichen die Möglichkeit, ihre Ideen zum Thema Heimat öffentlich zu machen. Viele der Besucherinnen und Besucher nutzten die Chance. Mit der Aktion beim Heimatkongress haben wir die Unterstützung des Heimatgedankens fortgesetzt, die knapp fünf Monate zuvor mit einem entsprechenden Themenabend im Bürgerzentrum Schulze Frenking in Nottuln-Appelhülsen begonnen hatte. Dabei hatte NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach unter anderem zugesagt, dass in NRW plattdeutsche beziehungsweise niederdeutsche Ortsnamen den Ortseingangsschildern hinzugefügt werden können. Sie sieht darin einen Beitrag zur Identitätsstärkung in den Gemeinden und Städten. Zum Jahreswechsel berief das Ministerium Dr. KarlHeinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative, zum Heimatbotschafter. Er steht damit in einer Reihe mit fast 50 Promi- Stiftungsvorsitzender Dr. Karl-Heinrich Sümmermann ist einer der prominenten Heimatbotschafter des Landesministeriums. 10 I Starke Region Europa und Subsidiarität 11 AdR-Präsident Karl-Heinz Lambertz (r.) ermunterte Westfalen, sich in europäische Diskussionsprozesse einzubringen. Nachdenken über zentrale Begriffe unserer Arbeit 150 Zuhörern in seinem Vortrag über „das Subsidiaritätsprinzip im politischen System Europas“ angesichts massiver Versuche einer Renationalisierung als „hochgradig besorgniserregend“. Der Brexit sei „keine intelligente Anwendung des Subsidiaritätsprinzips und eher der Rückfall ins 19. als der Aufbruch ins 21. Jahrhundert“. Der Einigungsprozess in der EU, den Lammert als Friedens- und Freiheitsprojekt skizzierte, lasse sich ohne das Spannungsverhältnis zwischen Subsidiarität und Souveränität weder in seiner bisherigen Geschichte verstehen noch weiterentwickeln. Der Lissaboner Vertrag gestehe den Regionen als subsidiäres Element ein Recht zu, Stellung zu nehmen zu Vorhaben der EU. Dabei handele es sich aber nur um einen Beitrag in einem Diskussionsprozess, an dessen Ende die EU-Gremien entscheiden. Das sei aber schon mehr als die meisten nationalen Parlamente zubilligten, hielt Lammert den Kritikern entgegen, die darin einen Verstoß gegen das Prinzip sehen, Kompetenzen auf möglichst niedriger Ebene anzusiedeln. Als Manko bezeichnete der Politiker das Fehlen einer europäischen Verfassung, das zugleich das Subsidiaritätsprinzip beeinträchtige. Zu den beiden Veranstaltungen erschien die Begleitpublikation Europa – Subsidiarität und Region als Band 15 in der Schriftenreihe der Westfalen-Initiative. Namhafte Autoren – darunter Wissenschaftler, Poli- tiker und Schriftsteller – beleuchten darin aus unterschiedlicher Perspektive wesentliche Aspekte, die unseren Stifter Martin Leicht bewegt haben und die die Arbeit der Westfalen-Initiative begründen. Dabei geht es darum, diese Themen zu reflektieren und vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen neu zu diskutieren. Der kritische Blick von außen ist in diesem Prozess gleichermaßen Korrektiv eines allzu schnell selbstverliebten „Das haben wir schon immer so gemacht“ wie anregender Impetus zur Überwindung eines „Das haben wir noch nie gemacht“. So sind für dieses Buch stilistisch sehr unterschiedliche Beiträge entstanden, vom essayistischen Report über den wissenschaftlichen Aufsatz bis zur literarischen Gedankenreise. Sie reichen außerdem weit über eine inhaltliche Weiterentwicklung von Stiftung und Verein Westfalen-Initiative hinaus. Denn im Kern rücken sie wichtige Fragen der gesellschaftlichen Weiterentwicklung in den Fokus und geben Anregungen für neue Akzente, nicht in Form konkreter Handlungsanweisungen, sehr wohl aber im Sinne inspirierender Impulse. Das Buch ist im Buchhandel über ISBN 978-3941607378 zum Preis von 12,80 € erhältlich. Die Regionen brauchen Europa – und Europa braucht die Regionen. Für Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Ausschusses der Regionen in der EU (AdR), ist die Sache klar. Er wünscht sich mehr politisches Gewicht der rund 100.000 Kommunen und 300 Regionen in Europa. Schließlich, so der erste Repräsentant der deutschsprachigen Minderheit in Belgien, müsse Europa vor Ort stattfinden. Beim Kamingespräch der Westfalen-Initiative auf dem münsterischen Gut Havichhorst plädiert Lambertz für ein Europa, das den Menschen erkennbaren Mehrwert bringt. Dazu müsse das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen bis hinunter zu den einzelnen Städten und Gemeinden deutlich optimiert werden. Die Veranstaltung ist Teil einer umfassenderen Auseinandersetzung, die die Westfalen-Initiative aus Anlass des 20. Todestages ihres Stifters Martin Leicht mit zentralen Begriffen seines Denkens führt. Dabei geht es um Gemeinwohl und Eigeninitiative, Subsidiarität, Europa der Regionen, Heimat Westfalen, gesellschaftliche Verantwortung und Stiftungswesen. Den von Leicht verfolgten und in jüngster Zeit wieder verstärkt öffentlich diskutierten Gedanken eines föderativen Europas der Regionen hält Lambertz für nicht tragfähig. Wie der AdR-Präsident hatte einen Monat zuvor bereits Prof. Dr. Norbert Lammert der Idee einer Abschaffung der Nationalstaaten eine Absage erteilt. Der ehemalige Bundestagspräsident hatte vielmehr im münsterischen Erbdrostenhof die Notwendigkeit betont, dass die Nationalstaaten im Zuge der zunehmenden Globalisierung auf Souveränität verzichten. Lambertz stimmte dieser Einschätzung zu. Der Kontinent benötige für seine Weiterentwicklung eine gemeinsame Strategie unter Beachtung der gewachsenen regionalen Identitäten. Er kritisierte „die Philosophie der Einstimmigkeit“, in einem Europa, das zu „detailverliebt“ sei. Häufig könne auf der unteren Ebene schneller Einigkeit erzielt werden, etwa in Fragen der Klimapolitik, als zwischen den Staaten. Auch wenn der AdR in erster Linie Repräsentant der Gebietskörperschaften ist, ermutigte deren Präsident Westfalen als historisch und kulturell gewachsene Region, sich in europäische Diskussionsprozesse einzubringen. Dabei gilt es für Lammert auch, die Frage zu beantworten, ob sich in Europa die nationalen Partikularinteressen dauerhaft verstärken oder es einen unerlässlichen Grundkonsens gibt. Den aktuellen Zustand bezeichnete der ehemalige Bundestagspräsident vor Prof. Dr. Nobert Lammert plädierte für die Überwindung nationaler Partikularinteressen zugunsten eines geeinten Europas. Foto: Joachim Busch 12 I Starke Region Brückenbau / Verein 13 Gemeinsam alle Potenziale nutzen Zwischen dem westfälischen Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen des Münsterlandes, Südwestfalens und Ostwestfalens gibt es ein vielfältiges Beziehungsgeflecht. Diese Verflechtungen in ihrer Bedeutung und empirischen Ausprägung zu erfassen und mit Blick auf zukunftsfähige regionale Zuschnitte zu analysieren, ist das Ziel einer Studie, deren Aufgabenstellung der Verein Westfalen-Initiative e.V. in einem längeren Diskussionsprozess seit 2017 entwickelt hat. Eine starke Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative und die Hilfe wichtiger Partner in der Region, darunter die Handwerkskammern sowie die Industrie- und Handwerkskammern, sichern die Finanzierung der umfangreichen Untersuchung. Das Projekt ist damit zugleich ein Paradebeispiel der externen Vernetzung der Westfalen-Initiative sowie der neuen und zukünftig auch strukturellen internen Verzahnung. Nicht Abschottung und Konfrontation, sondern Integration und Kooperation sind der richtige Weg, um ganz Westfalen voranzubringen. In diesem Punkt waren sich dann auch alle Teilnehmer der Beiratssitzung der Westfalen-Initiative einig, die das Thema des Gutachtens am 16. Juli 2018 in den Mittelpunkt rückten. Die Veranstaltung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen war Auftakt-Workshop zu der Studie mit dem Arbeitstitel „Verflechtungen zwischen Südwestfalen, dem Münsterland, Ostwestfalen und dem westfälischen Ruhrgebiet als Innovationsmotoren“. Der Ort war mit Bedacht gewählt, denn auch Gelsenkirchen befindet sich, wie die gesamte Region des (westf.) Ruhrgebiets, in einem noch längere Zeit in Anspruch nehmenden Prozess der Umstrukturierung. Wie dort im Wissenschaftspark ist dabei die Konzentration auf die Themen Wissenschaft und Forschung von zentraler Bedeutung bei der Neuorientierung. Den Teilnehmern des Workshops und weiteren Beteiligten dürfte die Aktualität des Themas aus unterschiedlichen Perspektiven in diesem zentralen Jahr für Nordrhein-Westfalen auch nachträglich nahegekommen sein. Hat doch der Steinkohlebergbau und dessen in Hochzeiten mit 600.000 Beschäftigten das Bei der Auftaktveranstaltung für die Studie über „Verflechtungen zwischen Süd- und Ostwestfalen, dem Münsterland und dem westfälischen Ruhrgebiet als Innovationsmotoren“ im Rahmen einer Beiratssitzung des Vereins: Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick, Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (1. und 2.v.l.), die Professoren Dr. Rolf G. Heinze (3.v.l.) und Dr. Jörg Bogumil (r.) sowie Dorothee Feller und Dr. Peter Paziorek. Arbeitsatmosphäre bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Auftakt-Workshops die Region prägende Bild des Kumpels sich im vergangenen Jahr endgültig in Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Neue Felder der Betätigung und neue Formen von Kooperation können diese Zeit der Standortprägung ablösen. So spricht NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in einer Rede beim Politischen Forum Ruhr davon, dass in „der Öffnung des Ruhrgebiets zu seinen Nachbarregionen die große Chance dieses Momentes liegt“. Laschet betont zugleich, nicht mehr die Kohle bestimme die Identität des Ruhrgebiets, sondern die Menschen und ihre Ideen. Vor dem Hintergrund dieser Aussage kann die in Auftrag gegebene Untersuchung zu einer aussichtsreichen Neuorientierung der Region beitragen und Ansätze liefern für erfolgreiche Kooperationen auf unterschiedlichen Feldern. Die Autoren, die Professoren Dr. Jörg Bogumil und Dr. Rolf G. Heinze von der Ruhr-Universität Bochum, wollen auf der Basis einer Analyse der heutigen Verflechtungsbeziehungen bestehende Verbesserungs potenziale ermitteln und klare Handlungsempfehlungen zu deren Nutzung formulieren. Dabei stützen sie sich auch auf die Ergebnisse einer Umfrage unter Unternehmen der Region, welche dazu aufgerufen waren, ihre Beziehungen zur Wissenschaft und den Einfluss der Digitalisierung zu bewerten. Gerade vor dem Hintergrund des Übergangs zu einer „Wissensökonomie“ wird großer Wert auf die Verflechtungen zwischen dem Wissenssektor – von den Hochschulen bis hin zu Bildungseinrichtungen wie Berufsschulen – und der Wirtschaft gelegt. Ein Schwerpunkt der Studie liegt dabei auch auf dem Transfer von wissenschaftlicher Erkenntnis in die wirtschaftliche Praxis. Autoren und Auftraggeber setzen für die Erstellung der Studie auf eine enge Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern sowie mit den Transferstellen der Hochschulen. Ziel ist insbesondere eine bessere partnerschaftliche Kooperationskultur und eine intensivere Nutzung des Potenzials von ansässigen Wissens- und Forschungseinrichtungen. Ein funktionierendes regio nales Innovationssystem, das ganz zentral über den Wissens- und Technologietransfer definiert ist, ermöglicht so eine Steigerung der Wissensströme in der Region. So sollen einerseits konkrete Bedarfe in den Unternehmen und gleichzeitig praxisgerechte Möglichkeiten für die Vermittlung von Lösungen aus der Wissenschaft ermittelt werden. Weil es viele strukturpolitische Verbindungen gebe, die als Brücken zwischen den westfälischen Teilregionen dienen können, plädierte Rasmus C. Beck vom Regionalverband Ruhr (RVR) in dem Workshop für eine „Allianz der Willigen“. Es gehe darum, die wechselseitige Lösungskompetenz zu nutzen. Mit der Ruhr-Konferenz hat die Landesregierung ein Forum geschaffen, welches wie geschaffen dafür scheint, kommende Ergebnisse der Studie zu diskutieren und auf ihre Praxis- wie Zukunftstauglichkeit hin zu überprüfen. Mit ersten Ergebnissen ist im ersten Quartal 2019 zu rechnen. 14 I Starke Region Demografiestudie 15 Unterzeichneten den Vertrag zur Erstellung der Demografiestudie für Westfalen (v.l.): Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Dr. Reiner Klingholz und Matthias Löb und präsentierten später zusammen mit Susanne Dähner die fertige Untersuchung. Demografischer Wandel bringt vielfältige Herausforderungen Westfalen-Lippe folgt in mancher Hinsicht nicht den demografischen und wirtschaftlichen Trends in Deutschland. Hier gibt es wirtschaftlich starke ländliche Räume, die noch Bewohner anziehen können. Doch wenige Kilometer entfernt finden sich vom Strukturwandel geprägte Großstädte, die lange Zeit Einwohner verloren haben und bereits deutlich gealtert sind. Das ist die zentrale Aussage einer Studie, in der das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung untersucht hat, wie der demografische Wandel Westfalen verändert und vor welchen Aufgaben die einzelnen Regionen stehen, damit sie weiterhin oder wieder erfolgreich sein können. Initiiert worden ist die Studie von der Westfalen-Initiative, die sie zusammen mit dem LWL auch finanziell gefördert hat. Westfalen präsentiert sich in der Untersuchung als Region, in der sich die vielfältigen Herausforderungen, die der demografische Wandel deutschlandweit stellt, auf engem Raum begegnen. Da ist das bislang junge Münsterland mit seiner rasant wachsenden Universitätsstadt im Zentrum. Im westfälischen Ruhrgebiet gleich nebenan sind die Bewohner im Schnitt schon einige Jahre älter. Und während die Großstädte an Emscher und Ruhr noch immer mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, gehen vielen Betrieben im ländlich geprägten Südwestfalen und in Ostwestfalen-Lippe zunehmend die Arbeitskräfte aus. Trotz guter Jobangebote ziehen dort die jungen Bewohner in Richtung der urbanen Zentren. Die Dörfer werden leerer und die Versorgung wird schwieriger. Somit stehen die westfälischen Teilregionen vor ganz unterschiedlichen Aufgaben. Die Studie hat untersucht, mit welchen Ideen die verschiedensten Akteure in den Regionen versuchen, die Versorgung auf dem Land weiterhin zu sichern und Fachkräfte anzulocken. „In Westfalen sehen wir, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen mit guten Arbeitsmöglichkeiten nicht automatisch auch junge Menschen halten oder gewinnen können“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. Die häufig geäußerte Annahme, es müsste nur genug Arbeitsplätze geben, dann könnte die Landflucht gestoppt werden, bestätigt sich in manchen Gebieten Westfalens nicht. Die klein- und mittelständischen Betriebe stehen sogar vor einem doppelten Problem. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer und damit ein Großteil ihrer Belegschaft gehen demnächst in Rente, während die Jahrgänge mit dem potenziellen Nachwuchs dünner besetzt sind und die jungen Menschen zum Teil auch noch fortziehen. „Um diese Lücke einigermaßen zu schließen, reicht ein Ansatz allein nicht aus“ meint Susanne Dähner, Mitverfasserin der Studie. Einerseits müssen die vor Ort noch schlummernden Arbeitskräftepotenziale besser genutzt werden. Das können Frauen sein, die bislang aufgrund familiärer Aufgaben kaum beruflich tätig sind. Oder ältere Arbeitnehmer, deren Kompetenzen mit gezielten Weiterbildungen auch jenseits der 50 möglichst lange im Betrieb gehalten werden. Andererseits müssen Unternehmen ihre Suche nach Fachkräften räumlich weiter ausdehnen. Manche tun dies, indem sie IT-Experten täglich mit einem Bus aus einer Großstadt abholen und zum ländlichen Firmensitz bringen. Andere, indem sie Auszubildende aus Spanien mit attraktiven Arbeitsbedingungen ins Münsterland locken. „Trotz vieler guter Ideen werden die Unternehmen im Wettbewerb um die weniger werdenden Fachkräfte aber kaum bestehen können, solange sie auf sich allein gestellt sind“, so Reiner Klingholz. „Die Lebensbedingungen vor Ort, von der Schule bis zu den Versorgungsangeboten, spielen ebenfalls eine Rolle dabei, ob sich Fachkräfte für ein Jobangebot fern der Zentren entscheiden.“ Daher werden regionale Bündnisse von Unternehmen, Kommunen und Verbänden immer wichtiger. Denn dort, wo die Jungen wegziehen, die Menschen weniger werden und vor allem Ältere zurückbleiben, verschwinden Versorgungsangebote und lassen die Lebensqualität sinken. Die Studie zeigt an vielen Beispielen, wie sich dies verhindern lässt, etwa mit wohnortnahen medizinischen Versorgungangeboten oder neuen, flexiblen Mobilitätslösungen. „In den westfälischen Teilregionen werden schon an vielen Orten innovative Konzepte erprobt, wie das Landleben auch bei schwindender Versorgung weiterhin gut funktionieren kann“, berichtet Susanne Dähner. So beliefert ein regionaler Online-Händler Menschen aus Siegen und Umgebung mit Lebensmitteln und sonstigen Waren aus dem Sortiment lokal ansässiger Einzelhändler. Eine Dorfinitiative erprobt ein CarSharing-Modell, bei dem die Bewohner die Kleinbusse selbst fahren oder mit ehrenamtlichem Fahrer mieten können. „Die Studie richtet den Blick auf ganz WestfalenLippe und bildet die Auswirkungen des demografischen Wandels für jede einzelne Kommune ab. Dabei zeigt sich, dass Westfalen insgesamt aus starken Städten und Gemeinden besteht, die aber teilweise vor denselben Herausforderungen für die Zukunft stehen“, erklärt LWL-Direktor Matthias Löb. Daraus könnten sich Ansätze ergeben, wie man sich mit Partnern über Lösungen austauschen kann. „Wichtig wird nun sein, auf der Basis der vorliegenden Studie einen möglichst westfalenweiten Erfahrungsaustausch zu initiieren und dort, wo es nötig und möglich ist, innovative Problemlösungen in Modellprojekten auf den Weg zu bringen. Die Westfalen-Initiative wird sich daran gerne aktiv beteiligen“, richtet Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, den Blick in die Zukunft. Es gelte, die gewonnenen Erkenntnisse nutzbringend zu operationalisieren. Die Studie sowie die demografischen und wirtschaftlichen Daten aller 231 westfälischen Gemeinden für die Clusteranalyse stehen im Internet gratis als Download zur Verfügung unter https://www.berlin-institut.org/publikationen/ studien/eine_region_viele_aussichten. In der NRW-Landesvertretung in Berlin stellten die Autoren und die Förderer die Demografiestudie der Öffentlichkeit vor. 16 I Starke Region Anja Böllhoff und Dr. Gerhard Haumann von den ausrichtenden Stiftungen Westfalen-Initiative und Hellweg-Region Stiftungsverbund Westfalen-Lippe 17 Den Plenumsvortrag hielt Hubertus Winterberg. Der Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur verantwortet die Regionale 2025, deren Projekte den geografischen Raum Südwestfalen gestalten und nachhaltig beeinflussen werden. Bei der Regionale geht es ebenso wie bei der Stiftungsarbeit darum, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Dies ist die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterentwicklung. Einzelnen Aspekten dieses Gedankens gingen vier Workshops des Stiftungstages nach. Die Bandbreite reicht dabei von „Verbrauchsstiftungen – die Ewigkeit kann lang werden“ bis zu „Mobile Contentproduktion – qualitativ hochwertige Inhalte mit Smartphone und Tablet erstellen“. In Zeiten niedriger Zinsen wird der reale Kapitalerhalt für Stiftungen immer schwieriger. „Anlagerichtlinien und reale Immobilien“ lautete daher der Titel eines Workshops, den der Stiftungsverbund Westfalen-Lippe gemeinsam mit den Kommunalen Stiftungen der Stadt Münster ausrichtete. Ralf Gigerich, Leiter des Deutschen StiftungsTages, und Nadja Zieren, Abteilungsleiterin zentrales Finanzcontrolling und des Stiftungsmanagements der Landeshauptstadt Düsseldorf, beantworteten Fragen rund um alternative Geldanlagen. Der Stiftungsverbund Westfalen-Lippe zählt aktuell 25 Fördermitglieder. Der nächste Workshop ist für Herbst 2019 geplant. Neben den Treffen des Stiftungsverbundes gibt es den Stiftungstag Münster Westfalen. Der Stiftungsverbund kooperiert dabei traditionell mit der Bezirksregierung Münster und den Kommunalen Stiftungen Münster. Diese Zusammenarbeit ermöglicht ein thematisch breit gefächertes Programm mit vielen Workshops. Der nächste Stiftungstag Münster Westfalen ist voraussichtlich im Jahr 2020. Intensiv gearbeitet wurde in den Workshops. begrüßten die Gäste. Chancen erkennen und nutzen Stiftungen müssen sich professionell präsentieren, stets aktuellen Entwicklungen folgen, Kooperationspartner für ihre Projekte finden und ihre Vorhaben in Zeiten niedriger Zinserträge finanzieren. Diese Herausforderungen umreißen das breite Themenspektrum des Stiftungstages Westfalen-Lippe 2018. Am 22. Juni bot er in Soest eine breite Palette an Zukunftsfragen als Weiterbildungsangebot sowie die Möglichkeit, das bestehende Netzwerk auszubauen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung zum Thema „Chancen erkennen und nutzen“ vom Stiftungsverbund Westfalen-Lippe und der Bürgerstiftung HellwegRegion. Zum Programm des Stiftungstages gehörte auch ein Rundgang durch die Stadt Soest. 18 I Starke Region Baukultur 19 waren. Neben dem kulturhistorischen Zentrum in Vreden („kult“ – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland) gehörte dazu die komplett sanierte Burg Vischering in Lüdinghausen. Die runderneuerten Ausstellungsräume der Burg lassen mit den Exponaten das mittelalterliche Leben eindrucksvoll nachvollziehen. Beide Projekte haben das Potenzial, zu Tourismusmagneten im westlichen Münsterland zu werden. Wie Baukulturvermittlung mit Kindern und Jugendlichen funktionieren kann, haben der Geschäftsführer des Bündnisses gemeinsam mit Vertretern des Baumberger Sandstein Museums in Havixbeck mit Schülern an der Münsterlandschule Tilbeck gezeigt. Mit der Umsetzung eines Spiels zur Baukulturvermittlung haben Kinder und Jugendliche auf spielerischer Weise ihr unmittelbares Umfeld erforscht und ganz neue Dinge entdeckt. Die dabei entwickelten Werkzeuge und Abläufe sowie die gewonnenen Erfahrungen die sich daraus ergeben haben, werden in einer Broschüre zusammengefasst und dienen als eine Art „Gebrauchsanweisung“ für die Bündnismitglieder. Als Austausch- und Kommunikationsplattform für die Vertreter aus den kommunalen Planungsverwaltungen wird das Bündnis künftig stärker Baukulturakteure und Baukulturinitiativen einbinden, die aus der interessierten Bürgerschaft, der Architektenschaft und dem Lehr-/Hochschulbereich stammen. Außerdem hat die Öffnung der Bündnis-vor-OrtTreffen auch für Nichtmitglieder gezeigt, dass es zu einem vielfältigeren und lebendigeren Austausch unter den Teilnehmern kommt. Wer sich daher in das Bündnis mit seinen Ideen einbringen will, kann künftig mit der Unterschrift einer Absichtserklärung Mitglied im Bündnis für regionale Baukultur in Westfalen werden. Mit dem Umbau der historischen Bestandsgebäude und dem zeitgemäßen Neu-/Anbau wird das Sauerland-Museum in Arnsberg zum Museums- und Kulturforum Südwestfalens. Baukultur ist Zukunftsmotor Beim vierten Treffen im Forschungsprojekt „Sauerland-Baukultur/Strategien für den Tourismus“ hat das Bündnis für regionale Baukultur in Westfalen die „Charta zur Sauerland-Baukultur in Südwestfalen“ entwickelt. Sie ist eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung, die sich dem Erhalt und der Weiterentwicklung des baukulturellen Erbes verschreibt. Exemplarisch dokumentiert sie damit zugleich den Einsatz des Bündnisses für die reiche Bautradition, die bis heute die Kulturlandschaftsräume der Region prägt. Das Bündnis versteht sich dabei als eine auf den westfälischen Raum zugeschnittene Ergänzung zu den landes- und bundesweit ausgerichteten Baukultur-Initiativen. Auf der Suche nach beispielhaften und zeitgemäßen Stadträumen und Gebäuden führte eine Exkursion zu dem Bündnismitglied nach Arnsberg und zur Abtei Königsmünster in Meschede. Seit Jahren haben die Verantwortlichen in Arnsberg das Thema Bau kultur in ihre Stadtplanung integriert, was sich in alltäglichen Bauaufgaben, wie der Umgestaltung des Bahnhofes zu einem Bürgerzentrum zeigt. Besondere Strahlkraft für Arnsberg, aber auch für den Hochsauerlandkkreis, wird das Sauerland-Museum künftig haben. Mit dem Umbau der historischen Bestandsgebäude und dem zeitgemäßen Neu-/Anbau wird es zum Museums- und Kulturforum Südwestfalens. Einen respektvollen Umgang mit dem Ort und dem Bestand zeigt das Haus der Stille von Peter Kulka auf dem Gelände der Abtei Königsmünster. Mit den Ausblicken in die Landschaft, seiner klaren Kubatur und der reduzierten Materialauswahl bietet es Gästen einen wunderbaren Ort der Einkehr. Auf zwei separaten Baukulturexkursionen ins Münsterland wurden im vergangenen Jahr weitere realisierte Projekte von Bündnismitgliedern besichtigt, die durch die Regionale 2016 angestoßen initiiert worden Impressionen der Baukulturexkursionen (v.l. oben nach r. unten): Haus der Stille und Kirche der Abtei Königsmünster in Meschede; Kunstobjekt im Innenhof der Burg Vischering; mit Fragenzetteln erforschen Kinder ihre Umgebung; Offenlegung der Berkel in Coesfeld Fotos: LWL / M. Schmidt 20 II Nah am Menschen WestfalenBeweger 21 Neues Konzept hilft Zukunftsprojekten beim Start M it neuer Konzeption haben wir im vergangenen Jahr unseren bewährten Ehrenamtswettbewerb ausgeschrieben. Aus „Westfalen bewegt“ ist „WestfalenBeweger“ geworden. Im Sinne eines Qualifizierungsstipendiums wurden zehn neue Ideen auf den Weg gebracht und mit einem Startgeld von jeweils 2.000 Euro ins Wettbewerbsjahr 2018/19 geschickt. Die Westfalen-Initiative besuchte alle Starterprojekte und bot Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Ideen an. Zusätzlich erhielten die Projekte fachlichen Rat und Austausch mit anderen Engagierten in vier Workshop-Angeboten. Das Ehrenamt braucht stets finanzielle Unterstützung. Im Juni konnten die Engagierten in diesem Bereich Expertise erlangen. Hugo Pettendrup (HP FundConsult) gab ihnen im Heinrich-von-Kleist-Forum in Hamm Tipps und Tricks für die individuelle Mittelakquise. Im Juli reagierten wir kurzfristig auf die große Nachfrage nach Informationen zur EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Gemeinsam mit dem Kulturbüro Münsterland gewannen Stiftung und Verein Westfalen-Initiative Rechtsanwalt Golo Busch (Recklinghausen) für einen Workshop im münsterischen Allwetterzoo. Im September stand die Öffentlichkeitsarbeit im Fokus. Unser Pressesprecher Christoph Boll zeigte, wie man mit ehrenamtlich getragenen Projekten in die Presse kommt. André Meissner (Sozial-PR / Meissner Media) erklärte die Welt der Sozialen Medien. Diesen Workshop boten Stiftung und Verein WestfalenInitiative in Kooperation mit dem Westfälischen Heimatbund (WHB) an. Die Kooperation mit dem WHB führten wir im November fort. Steuerberater Detlev Lütteke (Münster) und Annika Maaßen (Ober finanzdirektion NRW) behandelten und beantworteten im Heimatmuseum Lütgendortmund zahlreiche Fragen rund um die Themen Steuern und Gemeinnützigkeit. Ausgangspunkt für die Neukonzeption des Wettbewerbs für bürgerschaftliches Engagement war eine Zwischenbilanz. Im Rahmen des seit 2013 jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbs wurden 57 Projekte mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 280.000 Euro ausgezeichnet. Fünf Jahre Projektlaufzeit waren aber Grund genug, die eigene Arbeit zu hinterfragen. Also wurde das Projekt parallel zur fünften Ausgabe des Wettbewerbs von Heinz Janning (Option BE) evaluiert. Die Westfalen-Initiative wurde darin bestätigt, dass es sehr viele Engagierte in Westfalen gibt und auch solche, die sich engagieren wollen. Zahlreiche private Initiativen, Vereine und Unternehmungen wollen die Zukunft mitgestalten. Viele sind Experten in ihrem Themenbereich, brauchen aber trotzdem Qualifizierung, Methodenwissen oder beratende Fachleute, um auf sich verändernde Rahmenbedingungen gut reagieren zu können. Gut ausgebaute Kooperationsstrukturen und finanzielle Unterstützung helfen, bürgerschaftlich getragene Projekte noch besser zu machen. Der neu konzipierte Wettbewerb vereint alle diese Bausteine. Am Ende des Jahres 2018 wurden die Starterprojekte gebeten, sich mit ihren inzwischen erzielten Projekterfolgen der Jury noch einmal zu stellen. Im Jahr 2019 entscheidet die Jury dann über die Verleihung des WestfalenBewegerPreises. Dafür stehen 15.000 Euro zur Verfügung. Die Jury kann über die Verteilung frei entscheiden. 22 II Nah am Menschen WestfalenBeweger 23 Die zehn Starterprojekte im Wettbewerb WestfalenBeweger 2018/19 Jugendliche als Experten in eigener Sache fördern Der Verein Abenteuerkiste Greven e.V. unterstützt junge Menschen ab 14 Jahren bei der Umsetzung eigener Ideen. Mit dem Konzept „Deine Idee – Dein Projekt – Dein Kesselhaus“ werden die traditionellen Angebotsstrukturen der klassischen pädagogischen Jugendarbeit bewusst verlassen. Die Lebenswelt der Betroffenen rückt auf unmittelbare Weise in den Mittelpunkt. Denn sie sind die besten Experten in eigener Sache und kommen aus einer Konsumenten- in eine Gestalterrolle. Der knapp 20 Jahre bestehende Verein Abenteuerkiste setzt mit seinen 120 Mitgliedern auf Innovation, Partizipation, Bildung, Vernetzung und Bedarfsorientierung. Er verschafft Jugendlichen Raum – und das unter drei Aspekten: Erstens Raum zur Entfaltung eigener Vorstellungen, wie ihr Umfeld gestaltet sein soll. Zweitens Raum und Unterstützung zur Umsetzung der Ideen durch ein Tutorenprogramm. Und drittens die Immobilie Kesselhaus als Raum zur persönlichen Begegnung in offenen Treffs und Workshops sowie zur Verwirklichung von Projekten. Das ermöglicht wahre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Jugendlichen werden ernst genommen und bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen ohne inhaltliche Einflussnahme begleitet und im Bedarfsfall auch unterstützt. Das beeinflusst auch das Erscheinungsbild und soziale Miteinander in der Stadt. Die Initiatoren der Abenteuerkiste haben sich viel vor genommen. Sie wollen Tutoren qualifizieren, einen monatlichen Stammtisch etablieren, auf digitalen Kanälen wie Instagram und Facebook publizieren und erste Projekte realisieren. Die Starterprojekte im Ehrenamtswettbewerb WestfalenBeweger erhielten jeweils eine Filmklappe, die den Auftakt ins Wettbewerbsjahr symbolisiert. Ausbildungsvisum ebnet Flüchtlingen legale Einreise Flüchtlinge müssen nach Europarecht in dem Land einen Asylantrag stellen, in das sie als erstes in die Europäische Union (EU) einreisen, und sie müssen dort dauerhaft bleiben. Jedoch wollen viele Geflüchtete in ein anderes EU-Land weitermigrieren, weil sie dort eine bessere Perspektive für sich sehen oder dort ihre Familienmitglieder leben. Über ein Visum zu Ausbildungszwecken eröffnet der Bochumer Verein migration_miteinander diesen Menschen die legale Einreise nach Deutschland, konkret nach Westfalen. Es ist bundesweit das erste Projekt dieser Art. Der Ansatz verbindet den Wunsch vieler Geflüchteter nach einer Einreise in die Bundesrepublik mit einer konkreten Arbeitsperspektive. Zwölf Menschen mit ganz unterschiedlichem beruflichem und akademischem Hintergrund engagieren sich derzeit bei migration_miteinander, um den Flüchtlingen jenseits eines erneuten Asylverfahrens oder eines Lebens ohne gesicherten Aufenthaltsstatus den Weg nach Westfalen zu ebnen. In einer mehrmonatigen Testphase konnten bereits zwei legale Aufenthalte ermöglicht werden. Notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Ausbildung sind Hospitationspraktika oder Freiwilligendienste in der Region. „Der Ansatz des Vereins ist eine Antwort auf eine drängende gesellschaftliche Frage“, würdigt das Konzept auch Sebastian Schopp, Leiter der DRK-Integrationsagentur in Witten, mit der migration_miteinander zusammenarbeitet. Um ihre Ziele weiterhin umsetzen zu können und noch mehr Menschen zu erreichen, bauen die Projektverantwortlichen derzeit ein Team von freiwilligen Helfern im Ruhrgebiet auf und setzen auf eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Lieferservice für Menschen ohne Mobilität erweitert Angebot der Tafel Die Zentrale an der Laubenstraße und 36 Lebensmittelausgabestellen im Stadtgebiet Bochum, ein soziales Warenhaus mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen, ein Integrationszentrum, das Leben, Arbeiten und Lernen kombiniert – Die Wattenscheider Tafel ist ein- zigartig und eine der größten in Deutschland. In Spitzenzeiten werden 15.000 Menschen wöchentlich mit bis zu 40 Tonnen Lebensmitteln versorgt. „Aber es gibt viele Senioren oder Menschen, die ebenfalls bedürftig sind, aber aufgrund körperlicher oder geistiger Behinderung nicht zu uns kommen können. Und mancher schämt sich auch, bei uns gesehen zu werden. Für diese Menschen wollen wir eine dauerhafte Lebensmittelauslieferung organisieren“, benennt Tafel-Gründer und -Leiter Manfred Baasner eine neue Aufgabe, die er und die mehr als 150 ehrenamtlichen Helfer sich vorgenommen haben. Ein Kühlfahrzeug ist bereits angeschafft und damit sind die Startvoraussetzungen bereitet, um weiteren Menschen helfen zu können. Der Bedarf ist groß und reicht von Senioren mit Mini-Rente bis zu Menschen mit sehr geringem Einkommen, die in der Mobilität stark eingeschränkt sind. „Dies ist nachhaltiger Einsatz ganz dicht an armen und hilfsbedürftigen Menschen“, lautet das Urteil der WestfalenBeweger-Jury. 24 II Nah am Menschen Kreativität Vieler bringt die Stücke auf die Bühne Kultur ist für alle da – auch deren Schaffung. Mit diesem Ansatz ermöglicht der Verein Musical-Fabrik in Rheda-Wiedenbrück Laien aller Generationen und Professionen die aktive Gestaltung und Teilhabe an Bühnenproduktionen. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erarbeitung von Musical-Projekten umfassend zu fördern und die dazu notwendigen räumlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen zu schaffen. Der Verein hat seit 2012 bereits fünf Theater- und Musicalstücke auf die Bühne gebracht. Damit begeistert er Menschen aller Alters- „Kunst vor Ort“ kombiniert Kreativität und Jugendpädagogik Die Mitarbeiter des Vereins Kunst vor Ort rücken mit Pinsel, Farben und Sprühdosen an. Sie haben sich auf die Fahne geschrieben, die kreativen Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zu fördern, und setzen ihr Ziel durch Angebote der kulturellen Bildung bereits seit zwei Jahren erfolgreich in Hagen um. Im Fokus stehen dabei vordergründig Stadtteile mit heterogener Bevölkerung und großen sozialen Ungleichheiten. Regelmäßig arbeiten lokale Künstler und Künstlerinnen zusammen mit pädagogischen Fachkräften auf öffentlichen Plätzen, um dort für Kinder und Jugendliche vielfältige Kunstaktionen anzubieten. „Unsere wöchentliche Arbeit und diverse Sonderaktionen mit den jungen Menschen zielen darauf, soziale und sprachliche Kompetenzen zu fördern und einen kulturellen Dialog zu schaffen. Wir stellen Arbeits- und Kunstmaterialien und vermitteln damit neue Techniken, damit die Kinder und Jugendlichen kostenlos etwas Kreatives schaffen und sich individuell in ästhetischer Form ausdrücken können“, erläutert Vorsit- WestfalenBeweger 25 gruppen und Nationalitäten, darunter Kinder aller Schulformen, für die vielseitigen Aufgaben, die erfüllt werden müssen, um jährlich ein Musical auf die Bühne zu bringen. Nicht nur schauspielerische und musikalische Talente sind gefragt, sondern auch künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten. Ob „Der Zauberer von Oz“, „König der Löwen“, „Oliver!“ oder „Die Schöne und das Biest“ – es ist ein breites Spektrum, das die aktuell 225 Vereinsmitglieder in der Stadthalle „Reethus“ auf die Bretter gebracht haben, die die Welt bedeuten. „Vom Anfänger bis zum Profi findet bei uns jeder seinen Platz, um sich im Team zu engagieren und sich kreativ zu verwirklichen. Denn was einer allein nicht schafft, das schaffen wir gemeinsam“, betont Geschäftsführer Klaus Wulfheide den integrativen Charakter des Vereins. Die Musical-Fabrik hat großartige Resonanz und viel Zuspruch erhalten. Auf dieser Basis möchte sie ihren Bekanntheitsgrad erhöhen und auf größeren Bühnen spielen. Und mit „Der Medicus“, als Starterprojekt im Wettbewerb „WestfalenBeweger“, ist auch bereits das nächste Stück ausgesucht, mit dem dieser Weg beschritten wird. zende Lisa Peters das Konzept. Es baut mit einfachen und unkomplizierten Methoden direkten Kontakt auf und setzt auf die überzeugende Idee, Kunst mit einem jugendpädagogischen Ansatz zu kombinieren, der nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Der Verein Kunst vor Ort ist über Stadtteilgremien, und stadtweite Arbeitsgemeinschaften gut vernetzt. In der direkten Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sowie der dafür erforderlichen Vorbereitung und Organisation engagieren sich derzeit etwa 15 Personen. Schon zu Beginn des Projektes nahmen bis zu 50 Kinder und Jugendliche an den Aktionen teil. Das Kommen und Gehen des Meeres hat die Region geprägt Die erdgeschichtlichen Zeitabschnitte Devon und Karbon haben im Raum Ennepe-Ruhr-Kreis / Hagen noch heute sichtbare, ebenso herausragende wie spektakuläre Zeugnisse hinterlassen. Dazu gehören die Kluterthöhle in Ennepetal, die Gesteinsfolgen der Zeche Nachtigall in Witten sowie der Steinbruch Vorhalle und die Blätterhöhle in Hagen. Europaweit weist keine andere Region eine vergleichbare Dichte nennenswerter geologischer Standorte auf. Deren Bedeu- Pfiffige Videokampagne will zu ehrenamtlichem Einsatz motivieren Eine Videokampagne soll potenzielle Ehrenamtliche zum Engagement in gemeinnützigen Projekten motivieren. Mit diesem Konzept unter dem Titel „Gemeinsam 1000 Stunden für Münster“ geht die „Stiftung Bürger für Münster“ neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit. Sie wählt dazu eine moderne Ansprache, die in der Lage ist, jüngere Menschen zu erreichen, die sich über elektronische Medien informieren. Gemeinsam 1000 Stunden für Münster stellt immer wieder beispielhafte Vereine und Projekte vor, in denen Menschen sich engagieren können. Besonders erfolgreich ist das „Ehrenamt-Speeddating“, zu dem zwei bis drei Mal im Jahr interessierte Bürger und etwa ein halbes Dutzend Vereine zu einem Informa tionsabend eingeladen werden. Die Beispielprojekte stellen sich vor, anschließend kommen die Interessenten mit den Vereinsvertretern ins persönliche Gespräch. Von bislang 150 Besuchern haben mehr als die Hälfte sich als Interessenten gemeldet. Etwa 20 sind einmal und doppelt so viele mehrfach zu den Projekten und Vereinen gekommen. tung aber ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das möchte die Initiative „Vom Kommen und Gehen des Meeres“ ändern. In ihr haben sich engagierte Einzelpersonen, Vereine und Einrichtungen der Region zusammengeschlossen, darunter auch der gemeinnützige Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. Der Projekttitel umschreibt die Zeit, in der die Landregion aufgrund tektonischer Veränderungen zu einer Meeres- und schließlich wieder zu einer Landregion wurde. Ehrenamtlich versucht die Initiative, bei den Menschen das Wissen um die Besonderheit dieser regionalgeologischen Entwicklung zu vermitteln und zugleich ein Bewusstsein für deren touristischen Wert zu wecken. Beispielsweise soll das Wissen um die Entwicklung im Rahmen von Rad- und Wanderrouten an exemplarischen geologischen Standorten vermittelt werden. Deren Beschilderung mit Infotafeln zählt ebenso zum Konzept wie eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit mit Internetseite und Broschüren. Der Arbeitskreis Kluterthöhle hatte sich beim Wettbewerb „WestfalenBeweger“ stellvertretend für die etwa 40 Personen beworben, die sich zur Initiative „Vom Kommen und Gehen des Meeres“ zusammengeschlossen haben. Mit der Videokampagne möchten die „Bürger für Münster“ noch erfolgreicher werden. Mit pfiffigen Ideen, prägnanten Slogans und Wortwitz sollen Ehrenamtler zu Wort kommen und erklären, für was und warum sie sich engagieren. Die Stiftung will mit den Filmen in den Sozialen Medien, besonders bei Facebook und Youtube, vor allem jüngere Menschen erreichen. Die 20 Videos, die bis Ende 2019 geplant sind, sollen außerdem in den münsterischen Kinos gezeigt werden. 26 II Nah am Menschen „Kulturgut Samson“ belebt Tradition zukunftsweisend Vor zwei Jahren haben neun Gleichgesinnte den Förderverein Kulturgut Samson gegründet, um die kulturhistorisch und ortsgeschichtlich wertvolle Anlage in Ahlens kleinstem Stadtteil Tönnishäuschen zu erhalten. Die Wiederbelebung des alten Landgasthofes, der lange ein fester Begriff in der Region war, vermittelt Werte und Traditionsbewusstsein. Darüber hinaus verbindet sie Geschichte mit Zukunft und stärkt soziale Strukturen. Denn das Gebäudeensemble „Samson“ ist ein sichtbarer Ausdruck mehrerer landestypischer Elemente. Seine Geschichte lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein Gasthaus, eine Poststation und eine Außenstelle des Westfälischen Landgestüts Warendorf waren dort lange Zeit ansässig. Seit mehr als einem Jahrzehnt stehen die Gebäude auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück leer. WestfalenBeweger 27 Rund 130 Mitglieder hat der Verein inzwischen und darüber hinaus viele Förderer und Unterstützer. Sie alle haben ideelle, finanzielle oder ehrenamtliche Unterstützung zugesagt. Ein besonderer Coup ist den Aktiven mit der Gewinnung von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis als Schirmherrin gelungen. In einem ersten Schritt ist der Kauf der derzeit leerstehenden Anlage geplant. Es besteht schon enger Kontakt zum derzeitigen Eigentümer, der bereits großes Entgegenkommen signalisiert hat. Dabei sind die Initiatoren auf einem guten Weg. Nach einer Renovierung sollen die beiden Wohnungen im Haus vermietet werden. Für den Künstler Martin Hatscher ist zudem ein Raum vorgesehen, den er als Malatelier nutzen kann. In den Scheunen könnten zukünftig die Mineralogie- und Geologiesammlung des Heimatförderkreises untergebracht werden. Die gastronomischen Räumlichkeiten sollen erhalten bleiben. Integration durch Ausbildung zum Fußballschiedsrichter Auf Integration durch Ausbildung setzt der Ballspielverein Bad Lippspringe (BVL). In Kooperation mit dem Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) sowie in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Gesamtschule Paderborn-Elsen bildet der Verein junge Geflüchtete zu Schiedsrichtern aus. Der BVL schlägt auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe: Er wirkt dem Schiedsrichtermangel entgegen, der in vielen Kreisen inzwischen dazu führt, dass Fußballspiele abgesagt werden müssen oder ohne Unparteiischen ausgetragen werden. Gleichzeitig wird den jungen Flüchtlingen das Gefühl vermittelt, anund aufgenommen zu sein. Sie nehmen am Vereinsleben teil, erhalten Kontakt zu Gleichaltrigen und übernehmen Verantwortung in unserer Gesellschaft. Das ist nachhaltig und sorgt für ein vorurteilsfreies Miteinander. Vier der 15 Schiedsrichter im Alter zwischen zehn und 20 Jahren, die der BVL seit 2014 ausgebildet hat, waren Flüchtlinge. Vereinsmitglieder übernehmen die Betreuung. So schafft der Sportverein unabhängig von Herkunft, Alter oder Religion eine gemeinsame Identität und sportliche Heimat für viele. Wer sich engagiert, erfährt Anerkennung und fördert die gegenseitige Toleranz. Von Ersthilfe zur Unterstützung bei Integration Als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, gründete sich Ende 2014 die Aktion Flüchtlingshilfe in Schieder-Schwalenberg. Es ging darum, die Ankunft und Unterbringung der vielen Menschen zu organisieren, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, sie mit Winterkleidung zu versorgen und ihnen erste Deutschkenntnisse zu vermitteln. Die erste Not war bei allen Ankömmlingen gleich. Nachdem sie gelindert war, haben die gut 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe aber anders als in manchen anderen Orten ihre Aktivitäten nicht reduziert. Verstärkt rücken vielmehr individuelle Bedürfnisse der Neu bürger ins Zentrum der Hilfe. So ist es gelungen, die Unterstützung zu verstetigen und sich ändernden Bedürfnissen anzupassen. Die Angebote fördern den Austausch und Dialog. Ein gutes Beispiel dafür ist die Nähstube, die Begegnung auf ganz neue Weise ermöglicht. Das sind Schritte zu immer mehr Teilhabe am gesellschaft lichen Leben. „Unsere Arbeit hat sich natürlich stark verändert. Nach der Bewältigung der Anfangsschwierigkeiten, als es unter anderem darum ging, für die vielen Ankömmlinge Bekleidung und Ernährung zu organisieren, geht es heute um Integrationsmaßnahmen. Wir versuchen, die Zuwanderer in privaten Woh- nungen unterzubringen, Sprachunterricht zu orga nisieren, besonders auch für Mütter, die bisher noch von keinem Hilfsangebot erfasst werden, und ein gemeinsames Arbeiten von Einheimischen und Zugewanderten zu ermöglichen“, beschreibt Bernd Munko vom Flüchtlingshilfe-Arbeitskreis die neuen Schwerpunkte. Dabei ist die Nähstube nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden. Mindestens einmal in der Woche arbeiten Frauen vieler Nationen gemeinsam in einem alten Textilgeschäft im Stadtteil Brakelsiek und tauschen Erfahrungen aus. 28 II Nah am Menschen Ehrenamt im Sport 29 Preisträger des FLVW-Zukunftspreises 2017 ist der Delbrücker SC. Neben dem Leistungssport, den der Verein aus dem Kreis Paderborn weiter voranbringt, widmet er sich auch der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderung „Inklusion“. In zwei inklusiven Sportgruppen erhalten gehandicapte Kinder und Jugendliche die Chance, am Trainingsbetrieb teilzunehmen. Dazu gehören auch Gemeinschaftsaktionen und Turnierteilnahmen, unter anderem an der Inklusionsturnierserie des FLVW. Vera Kalkhoff betonte die Bedeutung, die die Westfalen-Initiative Strahlende Gesichter hatten die Gewinner und Auslober des FLVW-Zukunftspreises während der Auszeichnung. dem Ehrenamt im Sport beimisst. Zweitplatziert wurde der SC RW Nienborg aus dem Westmünsterland (Ahaus/Coesfeld), der als klassischer Dorfverein Zentrum der Gemeinde ist und seine Mitglieder auch neben dem Sport hat zusammenwachsen lassen. Den dritten Platz belegte der TuS Friedrichsdorf aus dem Kreis Gütersloh, der sich mit einem breiten Sportangebot aufgestellt hat und dadurch zu einem Sportmagneten weit über die Ortsgrenzen hinaus geworden ist. Die Konzepte der zehn Preisträger zeigen, dass sich die gesellschaftlichen Herausforderungen des vergangenen Jahrzehnts im Engagement der westfälischen Vereine finden lassen und diese vielfältige und kreative Lösungsvorschläge bieten. Gleichwohl mahnte FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski die Vereine, dass sie zwar auf ihrer Vergangenheit aufbauen, zugleich aber wichtige Schritte für eine nachhaltige Modernisierung nicht verpassen sollten. Ein Wermutstropfen bleibt: Mit dem Jubiläumsjahr endet auch die Jurytätigkeit von Prof. Dr. Dieter Jütting, der seinen Juryvorsitz nach zehnjähriger Mitarbeit an Dr. Klaus Balster abgibt. Die WestfalenInitiative dankt Prof. Jütting für die fruchtbare Kooperation in unterschiedlichen Projekten der vergangenen Jahre und freut sich auf die künftige Zusammenarbeit mit Dr. Balster. Fotos: Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen e.V. (FLVW) Zehn Jahre Zukunftspreis: Kooperation für das Engagement im Sport Ein kleines Jubiläum stand im vergangenen Jahr an: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) schreibt den FLVW-Zukunftspreis gemeinsam mit der Westfalen-Initiative und der Westfalen Sport-Stiftung bereits seit 2008, also seit zehn Jahren, aus. Seit neun Jahren besteht die Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative. In diesem Jahr konnte somit die Jubiläumsausgabe gefeiert werden. In einer gemeinsamen Feierstunde wurden am 6. Oktober in der Rotunde des SportCentrum Kaiserau die bisherigen und aktuellen Preisträger des Zukunftspreises geehrt. Die Teilnehmer der Preisverleihung erkennen im Engagement der Sportvereine immer auch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Foto: © luminastock – Fotolia.com 30 II Nah am Menschen Mundpropaganda führt zu neuen Partnerschaften Die Westfalen-Initiative hat mit der Stadt Münster einen neuen Kooperationspartner für ihr Projekt „Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule“ (GEEG) gewonnen. Beide Seiten haben deutlich ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundet und eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Im Rahmen dieser Kooperation ist für das Frühjahr 2019 eine zweitägige Veranstaltung mit den Grundschulen und den Kindertagesstätten im Stadtbezirk Coerde geplant. Inhaltlich wird es darum gehen, gemeinsam einen guten Wechsel vom Kindergarten zur Grundschule zu gestalten, der Kinder dabei unterstützt, diese spannende Lebensphase erfolgreich zu meistern. Neben einer theoretischen Einführung durch unsere langjährigen Moderatorinnen Eva Müller-Bürgel und Urte Hardering-Lubinski steht im Vordergrund das gemeinsame Ideensammeln, wie sich konkret ein gelingender Übergang in Coerde gestalten lässt. Selbstverständlich spielt das Thema Elternarbeit dabei eine wichtige Rolle. GEEG 31 Dieser Termin knüpft inhaltlich an die zweitägige Veranstaltung mit der ebenfalls in Coerde ansässigen Melanchthonschule im März 2017 an. Die Ergebnisse von damals werden sicherlich als Orientierungspunkte genutzt, diesmal geht es aber darum, einen gemein samen Ansatz für ganz Coerde zu finden und zu erarbeiten. GEEG wird somit auf den gesamten Stadtteil übertragen. Zusätzlich ist mit der Stadt Münster geplant, das Projekt auch in einem weiteren Stadtgebiet zu positionieren. Aber nicht nur in Münster breitet sich GEEG aus. Auch aus Gelsenkirchen, Herne oder Soest erhalten wir immer wieder Anfragen von interessierten Schulen, obwohl wir das Projekt kaum medial oder öffentlichkeitswirksam publik machen. Die Qualität des Projektes scheint sich nach dem Prinzip der Mundpropaganda herumzusprechen. Dabei ist stets das Ziel, Lehrer, aber auch Schulsozialarbeiter und Mitarbeiter der Offenen Ganztagsschule (OGS), Schule und vor allem Eltern mit ihren Kindern dabei zu unterstützen, an ihrer Schule und damit auch in ihrem Sozialraum ein gemeinsames Erziehungskonzept zu entwickeln. Dabei ist die Begegnung auf Augenhöhe der zentrale Baustein von GEEG. Alle Beteiligten sollen gleichberechtig mit reden und mitbestimmen nach den drei Grundsäulen des Projektes: 1. Alle Menschen sind gleichwürdig. 2. Problems are our friends! 3. Erfolgreiche Erziehungsstrategien sind erlernbar. Konkret bedeutet dies, dass mit Kindern, aber auch allen anderen Beteiligten grundsätzlich wertschätzend, aber auch konsequent, also nachvollziehbar, umgegangen wird. Diese Kontinuität in der Ansprache und Begegnung sorgt bei Kindern – so zeigen es die Evaluationsergebnisse – für einen höheren Grad an Stabilität, Ausgeglichenheit und auch Zufriedenheit. Ein positiver Nebeneffekt dieser Herangehensweise ist ein beobachtbarer Leistungszuwachs der Kinder in der Schule. 1. Alle Menschen sind gleichwürdig. Seit nun zehn Jahren beobachten wir, dass überall dort, wo das Projekt initiiert und umgesetzt wurde, es auch Wurzeln schlägt. Die Rückmeldungen der Schulen und einzelner Lehrer sind zwar äußerst vielschichtig, aber grundsätzlich positiv. Diese persönlichen Rückmeldungen bestätigen und erweitern auch unsere Evaluationsergebnisse. Egal in welcher Form sie GEEG an ihrer Schule umsetzen, stehen immer folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie positionieren wir uns als Schule gegenüber Eltern und Kindern? Welche Maßnahmen können wir als Schule also ergreifen, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen? Wie sorgen wir dafür, dass sie den Lebensort Schule gerne betreten und insgesamt der allgemeine Umgang miteinander nachhaltig positiv gestärkt wird? Wir beobachten immer mehr, dass Schule und Lehrer erkennen, dass die Beantwortung dieser Fragen unweigerlich zu einer Leistungssteigerung der gesamten Schule führt. Immer wieder beobachten wir auch, dass Lehrer ein überproportionales Engagement zeigen. Für uns ist GEEG damit ein exemplarisches Beispiel für die positiven Wirkungen von Eigenverantwortung und Subsidiarität. Schulen und Lehrer sind zu einem höheren Grad motiviert, aktiv zu werden und ihren Sozialraum positiv zu gestalten. Damit ist es auch ein Paradebeispiel für die Zielsetzung der Westfalen-Initiative, die den einzelnen Menschen und sein Handeln für seine nächste Umgebung in den Mittelpunkt stellt. Gleichzeitig ist GEEG ein Kooperationsprojekt der Reinhard Mohn Stiftung aus Gütersloh und der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung aus Osnabrück. Alle drei Stiftungen sind zwar in ihren Regionen autonom, stimmen sich aber durch regelmäßige Stiftungstreffen ab. Das nächste ist für Sommer 2019 geplant; eine Veranstaltung zum zehnjährigen Projektbestehen ist angedacht und schließlich soll endlich das südliche Westfalen mit GEEG „infiziert“ werden, wodurch es dann westfalenweit positioniert wäre. 2. Problems are our friends! 3. Erfolgreiche Erziehungsstrategien sind erlernbar. 32 II Nah am Menschen Mord am Hellweg 33 Morden auf hohem Niveau Vom 15. September bis 10. November wurde bei Europas größtem internationalen Krimifestival „Mord am Hellweg“ wieder gemordet und ermittelt was das Zeug hält. Für Hochspannung pur sorgten Krimistars aus aller Welt und spannende Newcomer. Die Bilanz fiel nach dem Final Criminal Act der neunten Festivalausgabe sehr erfolgreich aus. Das Projekt Kultur in Westfalen begann das Jahr 2018 mit einem neuen Veranstaltungsformat: Rund um Mariä Lichtmess am 2. Februar gab es unter dem Motto „Finde dein Licht“ die erste Gemeinschaftsveranstaltung im Rahmen des neuen Projekts Klosterlandschaft Westfalen-Lippe. 20 Klöster, Klosterorte und christliche Glaubensgemeinschaften luden zu Ausstellungen, Konzerten, Lichtinszenierungen und Workshops, aber auch zu Gottesdiensten und Kerzenweihen ein. Ziel ist es, die vielfältige Klosterlandschaft Westfalens besser sichtbar zu machen. Im August erschien die Broschüre „Auftakt!“, die ebenso wie die Homepage www.klosterlandschaft-westfalen.de über die Aktivitäten von Klosterlandschaft WestfalenLippe informiert. Das bewährte Konzept, mit hochkarätigen Veranstaltungen ungewöhnliche Orte der Region literarisch zu inszenieren, zog Publikum aus ganz NRW und darüber hinaus an. 27.000 Besucherinnen und Besucher kamen zu den 200 Lesungen an 100 teilweise ungewöhnlichen, kleinen, charmanten Veranstaltungsorten. Eingeladen war die Crème de la Crime, 180 hochkarätige Krimiautorinnen und -autoren aus 22 Ländern, die teilweise von bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern unterstützt wurden. Die neuen Veranstaltungsformate wie „Blind Crime Date“ oder Reihen wie „Neue Stimmen – junges Blut“ fanden großen Publikumszuspruch. Die durchschnittliche Gesamt auslastung des Angebots betrug 81 Prozent. Auch die Sonderreihe „Krimiland Westfalen“, eine Hommage an die Heimatregion des Festivals, die von „Mord am Hellweg“ in Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative veranstaltet wurde, konnte sich mit überzeugendem Zuspruch sehen lassen. Bereits die Auftaktveranstaltung in Bad Sassendorf war restlos ausverkauft. Kein Wunder, denn Westfalen ist ein Die siebte Ausgabe des Tags der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe hatte mehr teilnehmende Gärten als in den vergangenen Jahren. Unter dem Motto „Gartentraum – Sommertraum“ präsentierten sich am zweiten Wochenende im Juni fast 200 Anlagen – darunter hochherrschaftliche Schlossgärten, weitläufige Parks sowie mehr als 120 private Gärten. Zu den zahlreichen Veranstaltungen für die Gäste gehörten gartendenkmalpflegerische Spezialführungen, Lesungen und Konzerte im Grünen. Einen Überblick gibt das Internetportal www.gaerten-in-westfalen.de. Das Gewinnerfoto des Fotowettbewerbs anlässlich des Tags der Gärten und Parks wurde auf Schloss Senden von Klaus Falkenberg aus Werne geschossen. Am 4. Oktober war die achte Westfälische Kulturkonferenz. Mehr als 350 Künstler und Kulturschaffende, Repräsentanten von Museen, Vereinen und anderen Netzwerken sowie Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung kamen in die Stadthalle Gütersloh. Unter dem Motto „Kulturland Westfalen: raus aufs Land“ nahmen die Teilnehmenden aus und Festivalleiterin Sigrun Krauß. Die 8. Westfälische Kulturkonferenz wurde in der Stadthalle Gütersloh eröffnet. Foto: LWL / S. Althaus Breites Kulturangebot in Stadt und Land ganz Westfalen-Lippe die Kultur in den ländlichen Räumen in den Blick. NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen versprach mehr Unterstützung ergänzend zum etablierten Förderprogramm Regionale Kulturpolitik (RKP). Ein weiterer Baustein des Projekts Kultur in Westfalen ist die Internetseite www.kulturkontaktwestfalen.de. Neben ausführlichen Informationen zu sämtlichen Projektinhalten wird wöchentlich auf ein besonderes Kulturereignis hingewiesen. Die Seite bietet zudem einen Überblick über die aktuellen Kulturplanungsprozesse, denn konzeptbasierte Kulturpolitik ist im Projekt Kultur in Westfalen ein weiterer Schwerpunkt. Kultur in Westfalen wird seit 2010 getragen von der LWL-Kulturstiftung und der Stiftung WestfalenInitiative und gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Es will Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe durch gezielte Vernetzung stärken und damit auch zur Profilbildung der Region beitragen. Krimiland. Während des gesamten Festivalzeitraums hoben ein Dutzend Sololesungen und Kriminächte in unterschiedlichen Städten und Gemeinden am Hellweg die Stärke Westfalens Stärke hervor. Ob Jürgen Kehrers „Wilsberg“, Gabriella Wollenhaupts „Grappa“, Lucie Flebbes Bochum-Krimis oder historische Texte wie „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff – literarische Verbrechen hatten schon immer einen Platz in Westfalens bunter Kulturlandschaft. Viele, auch im wörtlichen Sinne, ausgezeichnete Krimiautoren sind in Westfalen geboren, wohnen und/oder wirken in der Region: Mit Nina George, Norbert Horst, Sandra Lüpkes, Nele Neuhaus, Gisa Pauly oder Klaus-Peter Wolf seien nur einige weitere hochkarätige Namen genannt. Da im eigenen Saft zu schmoren aber bekanntlich den Horizont nicht erweitert, gab es unter dem Motto „Krimiland Westfalen trifft …“ zudem Veranstaltungen, zu denen auch Rheinländer, Berliner oder Hessen eingeladen waren. Die Westfalen mögen sture Köppe sein – gastfreundlich sind sie immer! „Krimiland Westfalen trifft Berlin“ (v.l.n.r.): Das Autorenduo Rath & Rai, Autorin Mechtild Borrmann, Moderator Reinhard Jahn Foto: Mord am Hellweg 34 II Nah am Menschen Ausblick 2019 35 Gremien der Stiftung (Stand 31.12. 2018) Kuratorium Stimmberechtigte Mitglieder: Andreas Kaefer, Brilon (Vorsitzender) Berthold Schröder, Dortmund (stellv. Vorsitzender) Thomas Banasiewicz, Münster Prof. Dr. Liane Buchholz, Münster Dr. Henrik Follmann, Minden Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, Bad Driburg Ferdinand Klingenthal, Paderborn Rosemarie Leicht, Münster Matthias Löb, Münster Michael Martens, Dortmund Daniela Tigges, Schmallenberg Prof. Dr. Johannes Wessels, Münster Viele Projekte haben wir im Jahr 2018 verändert, sind neue Wege gegangen, haben aber auch Bewährtes weitergeführt. Dies wird sich 2019 fortsetzen. Das Jahr beginnt mit Aktivitäten im Stiftungsverbund Westfalen-Lippe. Im Januar startet die Westfalen-Initiative mit einem Workshop „Anlagerichtlinien und reale Immobilien“. Referenten sind Nadja Zieren (Landeshauptstadt Düsseldorf) und Ralf Gigerich (Bundesverband Deutscher Stiftungen, Berlin). Der Workshop wird in Kooperation mit den Kommunalen Stiftungen Münster ausgerichtet. -----------------------------------------------------------------------Im Ehrenamtswettbewerb WestfalenBeweger werden wieder Workshops zur weiteren Qualifizierung und Professionalisierung in Kooperation mit dem Westfälischen Heimatbund und dem Verein Westfalen-Initiative angeboten. Ein Themenschwerpunkt wird der erfolgreiche Umgang mit den Sozialen Medien sein, weitere Workshop-Themen folgen. -----------------------------------------------------------------------Im Projekt Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule (GEEG) ist der Weg geebnet für den nächsten Schritt: Nach zehn Jahren erfolgreicher Kooperationsarbeit im GEEG-Projektverbund wird die Westfalen-Initiative das Projekt erstmalig an zwei Schulen in Münster etablieren. Die Kooperation mit der Stadt beginnt mit dem Schuljahr 2019/20. -----------------------------------------------------------------------Am Ende des Jahres sind dann erneut die Vertreterinnen und Vertreter westfälischer Stiftungen angesprochen. Die Westfalen-Initiative plant gemeinsam mit den Kommunalen Stiftungen und der Bezirksregierung Münster die dritte Auflage des Stiftungstags Münster Westfalen. Nicht stimmberechtigte Mitglieder: Dr. Peter Paziorek, Beckum Dr. Hans-Ulrich Predeick, Münster Vorstand Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Münster, Vorsitzender Wilhelm Weischer, Werne, stellv. Vorsitzender Anja Böllhoff, Bielefeld Geschäftsführung Vera Kalkhoff, Münster (stellv. Geschäftsführerin) 36 Gremien des Vereins (Stand 31.12. 2018) Beirat Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick, Hagen (Vorsitzender) Andreas Bankamp, Lünen Dr. Fritz Baur, Münster Frank Beckehoff, Olpe Dr. Michael Brinkmeier, Rietberg Dr. Eberhard Christ, Münster Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Dortmund Felix Graffenberg, Lippstadt Wolfgang Hölker, Münster Thomas Hunsteger-Petermann, Hamm Werner Jostmeier, Dülmen Hubert Jung, Dortmund Prof. Dr. Reinhard Klenke, Gelsenkirchen Hermann Korfmacher, Gütersloh Karl-Heinrich Landwehr, Kamen-Heeren Matthias Löb, Münster Mario Löhr, Selm Sabine Loos, Dortmund Nadja Lüders, Dortmund Petra Michalczak-Hülsmann, Beckum Franz-Josef Möllers, Hörstel Solveig Münstermann, Bielefeld Gabriela Pantring, Düsseldorf Heinz Paus, Paderborn Johannes Röring, Vreden Wolfgang Schäfer, Dortmund Ulf Schlüter, Bielefeld Stephan Schröer, Meschede Jost Springensguth, Münster Ingo Teimann, Welver Dr. Norbert Tiemann, Münster Mathias Wendt, Köln Bodo Zapp, Mühlheim sowie die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern in Westfalen-Lippe: Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz, Münster / Präsident Heinz-Herbert Dustmann, Dortmund / Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat, Hagen / Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener, Siegen / Präsident Felix G. Hensel, Siegen / Präsident Willy Hesse, Arnsberg / Präsident Dr. Benedikt Hüffer, Münster / Präsident Hans Hund, Münster / Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel, Münster / Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange, Arnsberg / Hauptgeschäftsführer Axel Martens, Detmold / Präsident Wolf D. Meier-Scheuven, Bielefeld / Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé, Bochum / Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff, Bielefeld / Hauptgeschäftsführer Meinolf Niemand, Arnsberg / Hauptgeschäftsführer Dr. Jens Prager, Bielefeld / Präsident Andreas Rother, Arnsberg / Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber, Dortmund / Präsident Berthold Schröder, Dortmund / Präsident Volker Steinbach, Detmold / Präsident Ralf Stoffels, Hagen / Präsidentin Lena Strothmann, Bielefeld / Hauptgeschäftsführer Eric Weik, Bochum / Hauptgeschäftsführer Ernst Wölke, Dortmund Vorstand Dr. Peter Paziorek, Beckum, Vorsitzender Dr. Thomas Bentz, Minden, stellvertretender Vorsitzender Dr. Hans-Ulrich Predeick, Münster, geschäftsführender Vorstand Dr. Ludwig Jörder, Dortmund Raimund Pingel, Borken Der Stifter Unser 1998 im Alter von 58 Jahren verstorbener Stifter Martin Leicht hat sich Zeit seines Lebens für das Wohl der Gesellschaft und für öffentliche Belange eingesetzt. So rief er beispielsweise eine Knochen- und Gewebebank an der Universität Münster ebenso ins Leben wie den „Westfälischen Friedenspreis“, den die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe anlässlich des Jubiläums „350 Jahre Westfälischer Friede“ stiftete. Er engagierte sich in der Politik, im Bundesverband Junger Unternehmer als dessen Bundesvorsitzender und dann lange Jahre als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer. Er war der festen Überzeugung, dass „das Subsidiaritätsprinzip in idealer Form das aufeinander aufbauende Zusammenwirken individueller und gemeinschaftlicher Verantwortungsbereiche regelt, überschaubare Einheiten schafft, stärkt und erhält und in allen Lebensbereichen die Bereitschaft für persönliche Verantwortung fördert“. So hat er es kurz vor seinem Tod in die Präambel unserer Stiftung geschrieben, deren Errichtung er mit dem größten Teil seines Vermögens testamentarisch verfügte. Erworben hatte er sein Vermögen durch kluge und konsequente unternehmerische Tätigkeit. Er war ein Mensch, der sich und anderen hohe Ziele setzte. Mit seiner unbändigen Energie und seiner Lust auf Leistung konnte er andere Menschen mitreißen. Martin Leicht war davon überzeugt, dass Solidarität am besten als Hilfe zur Selbsthilfe organisiert werden sollte. Und als überzeugter Westfale setzte er sich mit ganzer Kraft ein für ein starkes Westfalen in einem „Europa der Regionen“. Deshalb wollte er die regionale Identität und Bedeutung Westfalens innerhalb der Europäischen Union stärken. Auch für die Zukunft soll die von ihm gegründete Stiftung „Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl“ engagiert diesen europäisch-westfälischen Gedanken unterstützen. Unterstützt wird die Stiftung in ihrer Arbeit vom gemeinnützigen Verein Westfalen-Initiative, zu dessen Gründung Martin Leicht ebenfalls den Anstoß gegeben hat. Der überparteilich tätige Verein ergänzt die Aktivitäten der Stiftung mit den besonderen Möglichkeiten und Strukturen eines Vereins. Der Stiftung und dem Verein ist es in den vergangenen Jahren gelungen, durch die jeweiligen Aktivitäten und Projekte den roten Faden der Ideen und des Willens des Stifters deutlich erkennen zu lassen. Westfalen-Initiative Piusallee 6, 48147 Münster Telefon 0251 5916406 Fax 0251 5913249 www.westfalen-initiative.de
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