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Full text: Goethe und Berlin / Brahm, Otto (Public Domain)

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Feder in der Hand hält und-Tag und Nacht bereit ist, ihr 
Fühlen aufzuzeichnen. 
Dieseleizte Eigenschaft Rahels beobachten wir besonders 
in ihrem Briefwechsel mit Varnhagen, der in sechs Bänden, 
auf mehr als zweitausend Seiten, uns vorliegt; in eben diesen 
Briefen hat die außerordentliche Frau auch die wichtigsten 
Zeugnisse für ihren Goethe-Enthusiasmus niedergelegt. 
Da es unmöglich scheint, durch eigene Schilderung eine 
glaubhafte Vorstellung von der begeisterten Höhe dieses 
Enthusiasmus zu geben, so lasse ich in dem Folgenden, 
mehr noch als bisher, die Dokumente selbst sprechen. 
Was Goethe für Rahel gewesen ist, wird wohl am 
lebendigsten in einem der frühesten Briefe an Varnhagen, 
aus dem Jahre 1808, ausgesprochen: „Cin Fest war 
sonst ein neuer Band Goethe bei mir; ein lieblicher, 
herrlicher, geliebter, geehrter Gast, der mir neue Lebens- 
pforten gewiß erschloß. Durch all mein Leben begleitete 
der Dichter mich unfehlbar. Mit seinem Reichtum machte 
ich Kompagnie, er war ewig mein einzigster, gewissester 
Freund; mein Bürge, daß ich mich nicht nur unter weichen- 
den Gespenstern ängstige; mein superiorer Meister -- kurz, 
mit ihm bin ich erwachsen und nach tausend Trennungen 
fand ich ihn immer wieder, er war mir unfehlbar; und 
ich, da ich kein Dichter bin, werde es nie aussprechen, was 
er mir war!“ Charakteristisch genug, fügt sie hinzu: „Noch 
muß ich weinen, so rührt es mich!" 
Wenn Rahel inne wird, daß sie mit Goethe in 
einer Eigenschaft zusammentrifft, ist sie überselig, sie 
meint, sie müsse „wahnsinnig werden“ vor Glück; das 
Verhältnis, in dem jemand zu Goethe steht, ist ihr
	        
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