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Full text: Bericht über die Berliner Flecktyphusepidemie im Jahre 1879 / Salomon, Wilhelm (Public Domain)

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tion, Benommenheit des Sensoriums und auffallend intensive Kopf 
schmerzen den Verdacht erregten, dass sie die ersten Flecktyphus 
fälle wären, deren Erscheinen im Anschluss an eine Recurrensepidemie 
nach früheren Erfahrungen zu erwarten stand. Doch entschied in 
diesen Fällen, bei denen auch Exantheme, allerdings immer nur sogen. 
Flohstichexantheme vorkamen, das Mikroskop ohne Weiteres für Febris 
recurrens. 
Wirkliche und manchmal kaum zu überwindende Schwierigkeiten 
hot im vergangenen Jahre die Diagnose nur dem Abdominaltyphus 
gegenüber und ich bin denselben Schwierigkeiten jetzt wieder begegnet, 
wo die ersten sporadischen Flecktyphusfälle in Berlin auftraten (März 
1880). 
Das Vorstehende gilt hauptsächlich, wenn es sich darum handelt 
die Diagnose bei der ersten Untersuchung resp. nach Verlauf einiger 
Tage zu stellen, besonders mit Rücksicht auf die zu ergreifenden 
sanitätspolizeilichen Massregeln. 
Denn wenn es auch vielleicht principiell richtig wäre, derartige 
zweifelhafte Fälle bei den zuständigen Behörden als Flecktyphus zu 
signalisiren und die ausgedehntesten Desinfections- und Vorsichts- 
massregeln zu veranlassen, so ist doch andrerseits die Furcht vor 
dem Flecktyphus bekanntermassen unter der Bevölkerung eine so 
grosse, dass man nicht gern unnöthiger Weise eine Panik hervor- 
rufen wird. 1 ) 
Als erster und wichtigster Anhaltspunkt zur Diagnose des Fleck 
typhus wird selbstverständlich immer der Nachweis irgend einer Be 
ziehung zu einem der bekannt gewordenen Infectionsheerde gelten. 
Jeder, der praktisch dem Flecktyphus gegenübertritt, wird mehr, als 
man wohl glauben mag, auch nach längerer Erfahrung von diesem 
Gedanken beherrscht werden. 
Allerdings kamen im vergangenen Jahre bei Anstellung eingehen 
der Recherchen öfters Beziehungen zu Tage, die zu verfolgen ein, 
ich möchte sagen, fast criminalistisches Interesse darbot und das 
scheinbare Räthsel in befriedigender Weise löste. (Ich erinnere nur 
an den Fall Hagemann, S. 9.) 
Andrerseits fehlte es auch nicht an Fällen, wo auch ohne obiges 
Kriterium gar kein Zweifel obwalten konnte. 
Für die zweifelhaften Fälle erschienen mir immer folgende An 
haltspunkte für die differentialdiagnostische Unterscheidung zwischen 
Flecktyphus und Abdominaltyphus massgebend. 
1) Vergl. Wunderlich 1. c. S. 141. (3.)
	        
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