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Full text: Bericht über die Berliner Flecktyphusepidemie im Jahre 1879 / Salomon, Wilhelm (Public Domain)

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Flecktyphus in unmittelbarem Anschluss an Febris recurrens auftrat, 
so unmittelbar, dass am Morgen ein Recurrens-Anfall, wohl charak- 
terisirt durch den Nachweis von Spirillen mit kritischem Schweiss etc., 
sein Ende fand und am Abend desselben Tages der Flecktyphus ein 
setzte ; natürlich wurde letzterer zuerst als Nachschub des Recurrens- 
anfalls aufgefasst, wie sich ein solcher bekanntlich häufig findet, und 
erst das Auftreten des Exanthems am 4. Tage machte die Vergeb 
lichkeit der mikroskopischen Blutuntersuchungen erklärlich. 
Das interessante Factum, dass Recurrensanfälle in der Incuba- 
tionszeit des Flecktyphus Vorkommen können, dass erstere also auf 
das präsumptive Virus der letzteren jedenfalls nicht den deletären 
Einfluss ausüben, den sie wenigstens nach der jetzt am meist accep- 
tirten Ansicht auf die Spirillen haben, ist der Beachtung werth, wenn 
auch nicht neu. Auch Herrmann *) beobachtete Flecktyphus sowohl 
5, 12 oder 20 Tage nach Recurrens, als unmittelbar aus letzterer 
hervorgehend. 
Die andere sub Nr. 4 wiedergegebene Fiebercurve (s. Tafel) bezieht 
sich auf einen Patienten, der ebenfalls nach Febris recurrens am Fleck 
typhus erkrankte, doch war bei ihm schon längere Zeit kein Recurrens- 
anfall mehr erfolgt. Er überstand den Flecktyphus glücklich, biisste 
aber bei demselben durch Spontangangrän einen Theil seiner rechten 
Ohrmuschel und ein markstückgrosses Stück der Kopfschwarte ein. 
Die Reconvalescenz wurde durch ein schweres, mehrfach recidiviren- 
des Kopf- und Gesichtserysipel noch erheblich verzögert. Diese Fieber 
curve ist ihrer Vollständigkeit wegen abgedruckt, doch möchte ich 
sie nicht als Typus des Fieberverlaufes beim Flecktyphus angesehen 
wissen. Die früheren Erfahrungen sowohl, wie die sonst mir zu Ge 
bote stehenden Fiebercurven von Kranken, die kurz nach dem Auf 
treten der Krankheit Aufnahme fanden, zusammengehalten mit dem 
plötzlichen Anfang der Krankheit mit ausgesprochenem, oft auch wie 
derholtem Schüttelfrost machen es wahrscheinlich, dass der Fleck 
typhus von Anfang an mit hohen Temperaturen einhergeht, wie es 
bekanntlich dem Abdominaltyphus nicht zukommt. Eine dritte auf 
der Tafel sub Nr. 1 abgezeichnete Fiebercurve, wo die Temperaturen 
vom 3. Tage der Erkrankung an verzeichnet stehen, wird die Rich 
tigkeit dieser Ansicht zur Genüge illustriren. Die andern im Lazareth 
inficirten Personen, sämmtlich Wärter, wurden in mehr oder minder 
die Temperatur modificirender Weise behandelt, da es hier besonders 
geboten schien, jedes Odium zu vermeiden, welches bei etwaigem 
unglücklichem Ausgange auf den Arzt fallen konnte. 
1) Petersburger medicin. Wochenschrift 1876. Nr. 16. S. 3.
	        
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