Path:
Text

Full text: Bericht über die Berliner Flecktyphusepidemie im Jahre 1879 / Salomon, Wilhelm (Public Domain)

4 
gewesen sind. Ein Besuch der betreifenden Localitäten ist mir erst 
jetzt (1880) möglich geworden, doch habe ich mich leider überzeugen 
müssen, dass auch jetzt noch die Einrichtungen viel zu wünschen 
übrig lassen; auch haben inzwischen diese Herbergen gelegent 
lich einer Recurrensepidemie ihre Gefährlichkeit aufs Neue docu- 
mentirt. 
Eine nicht ganz unbeträchtliche Zahl von Infectionen fand in 
den hiesigen Krankenhäusern statt und leider ist unter diesen schon 
durch vorhergegangene Krankheiten geschwächten Patienten die Mor 
talität eine sehr erhebliche. 
Das Barackenlazareth participirt an diesen Erkrankungen mit 
10 Fällen, die glücklicherweise sämmtlich mit Genesung endeten, 
7 davon betrafen Wärter, die 3 übrigen waren Patienten, die bei der 
Krankenpflege behülflich gewesen waren. 
Ich bin geneigt, diese Infectionen auf die damaligen ungeeigneten 
Badeeinrichtungen im Barackenlazareth zurückzuführen. Es bestan 
den nämlich Badezimmer mit befestigten Wannen, so dass die Wärter 
genöthigt waren, die schwer besinnlichen Kranken zu tragen, wobei 
eine innige Berührung nicht zu vermeiden war. 
Verschwindend gering ist die Zahl der aus Privathäusern über 
wiesenen wirklichen Flecktyphuskranken. 
Der directe Zusammenhang dieser Infectionsheerde mit den oben 
aufgeführten war in den meisten Fällen leicht nachweisbar und häufig 
von grossem Interesse. Meist war es der verlorene Sohn, der nach 
längerem Vagabondiren krank das elterliche Haus aufsuchte und 
diesem die Krankheit mittheilte. 
Erwähnt seien auch 2 Schutzleute, die beim Gefangnentransport 
sich inficirten und Opfer ihres Berufs wurden; ferner eine Dame, die 
in der Charite den Kranken religiösen Trost zu spenden pflegte und 
dabei den Flecktyphus acquirirte, welchem sie erlag. Auch ein 
Droschkenkutscher, der Flecktyphuskranke in seinem Fuhrwerk be 
fördert hatte, wurde inficirt und es finden sich überhaupt einige Fälle, 
wo eine Infection durch Benutzung von Droschken in hohem Grade 
wahrscheinlich ist, um so mehr, als der Verwaltung des Baracken- 
lazareths keine polizeilichen Mittel zu Gebote stehen, Fuhrwerke, 
welche durch Transport ansteckender Kranken suspect geworden 
sind, ohne Einwilligung der Besitzer zu sistiren oder wenigstens gründ 
lich zu desinficiren. 
Die letzte Kategorie der Erkrankten umfasst die wenige Tage 
vor Ausbruch des Flecktyphus in Berlin eingewanderten oder schon 
krank hier Angelangten; ihre Zahl betrug 16.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.