Creator:
Kulemann, Peter
Publication:
Berlin: ver.di, 2013
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7730037
Path:
Arbeitsethos hoch Arbeitshetze massiv Bezahlung völlig unangemessen
Beschäftigte in Pflegeberufen – So beurteilen sie ihre Arbeitsbedingungen
Ergebnisse einer Sonderauswertung der bundesweiten Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit 2012

Arbeitsberichterstattung aus der Sicht der Beschäftigten – 7

Gute Arbeit

Sylvia Bühler
Mitglied des Bundesvorstands der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

Inhalt, Zentralbefunde
Vorwort Sylvia Bühler: Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen Menschen, die täglich andere pflegen, müssen selbst pfleglich behandelt werden........................................................................................................2 1. Die Arbeitsqualität im Gesamtüberblick: In der Pflege wird insgesamt unter Bedingungen gearbeitet, die mit einem Indexwert von 52 Punkten hart an der Grenze zu Schlechter Arbeit liegen. ................................4 2. Gesellschaftlicher Nutzen und Entlohnung – die Diskrepanz: Insgesamt 95 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen haben den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, doch nur 21 Prozent sind der Meinung, dass ihre Leistung angemessen honoriert wird. .....................7 3. Arbeitshetze, Leistungsverdichtung: 87 Prozent der in der Pflege Arbeitenden müssen seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten, 84 Prozent fühlen sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt. ............8 4. Gestaltungsmöglichkeiten und Einflusslosigkeiten: 50 Prozent der PflegerInnen können ihre Arbeit weitgehend selbständig planen, aber nur 15 Prozent in nennenswertem Umfang Einfluss auf ihr Arbeitspensum nehmen. ..................9 5. Arbeitspensum und Pflegequalität - der Zusammenhang: 47 Prozent des Pflegepersonals haben ein so hohes Arbeitsvolumen zu bewältigen, dass sie häufig Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung machen müssen. ...................10 6. Körperliche Schwerarbeit und andere Stressoren: Widersprüchliche Arbeitsanforderungen, Mangel an Wertschätzung, Kommunikationsschwächen des Arbeitgebers, körperliche Belastungen - auch diesen Beschwernissen sind Pflegekräfte in überdurchschnittlich starkem Maße ausgesetzt. .................................................11 7. Arbeitsschutz in der Pflege: Nur 28 Prozent der Beschäftigten wissen zu berichten, dass ihre Arbeit einer Gefährdungsbeurteilung unterzogen wurde, und nur die Hälfte von ihnen wurde dabei nach psychischen Belastungen gefragt. .................................................................12 8. Krank zur Arbeit: PflegerInnen arbeiten in beträchtlichem Umfang auch dann, wenn sie sich richtig krank fühlen; 39 Prozent taten das sogar an mehr als zehn Tagen im Jahr. .....................13 9. Zukünftige Arbeitsfähigkeit: Nur 20 Prozent der in der Pflege Arbeitenden gehen davon aus, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten können – 74 Prozent dagegen rechnen dezidiert nicht damit. .......................................................................14 10. Was gegen Arbeitsstress helfen würde: Mehr Personal, mehr Zeit, mehr Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten nach Ansicht der PflegerInnen wäre ihnen damit am meisten geholfen. ....................................15
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Vorwort
Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen
Menschen, die täglich andere pflegen, müssen selbst pfleglich behandelt werden
Arbeit in der Pflege ist eine große Herausforderung. Doch in den Augen der Beschäftigten in Pflegeberufen resultiert die Härte weniger aus der Arbeitsaufgabe als aus den Bedingungen, unter denen sie derzeit erfüllt werden muss. Das ist das zentrale Ergebnis der Sonderauswertung der Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit 2012 für die Pflegeberufe (Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Geburtshilfe): Die Pflegekräfte stehen ihrer Arbeitsaufgabe sehr positiv gegenüber - an ihren Arbeitsbedingungen aber können sie insgesamt wenig Gutes entdecken. Die Diskrepanz bestimmt das Profil der Arbeitsqualität: 95 Prozent der in der Pflege Arbeitenden sind davon überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. 92 Prozent identifizieren sich stark mit ihrer Arbeit. Und 61 Prozent sind - allen widrigen Umständen zum Trotz - von der Arbeit auch häufig begeistert. Die Arbeitsbedingungen aber sind so, dass sie von 40 Prozent als schlecht bewertet werden und nur von 3 Prozent als gut. Im Einzelnen heißt das etwa: 84 Prozent des Pflegepersonals müssen bei der Arbeit sehr häufig oder oft hetzen. 87 Prozent berichten, dass sie seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit machen müssen. 79 Prozent bekommen einen Lohn, den sie als nicht leistungsgerecht empfinden. 39 Prozent sind unter Bedingungen tätig, unter denen sie sich veranlasst sahen, mehr als zehn Tage im Jahr krank zur Arbeit zu gehen. Kein Wunder, dass unter diesen Umständen nur 20 Prozent glauben, bis zur Rente durchhalten zu können, 74 Prozent aber davon ausgehen, dass sie es nicht schaffen werden. Menschen, die täglich andere pflegen, sollten selbst pfleglich behandelt werden. Leider sieht die Realität anders aus. Das ist schlecht für die Beschäftigten und ihre Gesundheit, beeinträchtigt aber auch die Pflegequalität: 47 Prozent des Pflegepersonals haben derzeit ein so hohes Arbeitspensum zu bewältigen, dass sie bei der Arbeitsausführung sehr häufig oder oft Abstriche machen müssen. Was schafft Abhilfe? In den Augen der Beschäftigten ist, wie die Umfrage zeigt, vor allem dreierlei erforderlich: mehr Personal, mehr Zeit für die einzelnen Arbeitsvorgänge und mehr Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten in Sachen Arbeitsabläufe und Arbeitspensum. In diesem Sinne macht sich ver.di seit längerem stark, u.a. im Rahmen der Kampagne »Der Druck muss raus!«. Gefordert wird eine bundesweite, gesetzliche Personalbemessung, eine bessere finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser und ein besserer Gesundheitsschutz. Viele Pflegekräfte hoffen darauf, dass andere sich um bessere Arbeitsbedingungen kümmern. Die Politik, die Gesellschaft, die Angehörigen. Alle, die nicht mehr daran glauben, dass es andere schon richten werden, sind herzlich aufgerufen, sich zusammen mit ver.di – der Pflegegewerkschaft – stark zu machen für eine bessere Bezahlung und für mehr Personal. Wer sich täglich rund um die Uhr um andere kümmert, darf sich jetzt endlich auch mal um die eigenen Interessen kümmern.

Die Umfrage
Die Qualität von Arbeitsbedingungen ist primär am Urteil derjenigen zu messen, die unter diesen Bedingungen zu arbeiten haben. Vor diesem Hintergrund führt das Institut DGBIndex Gute Arbeit – in der Regel einmal pro Jahr – bundesweite Repräsentativumfragen unter den abhängig Beschäftigten durch. Denn: Die Beschäftigten leisten die Arbeit in den Betrieben und Behörden. Die Beschäftigten kennen die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, so gut wie niemand anders. Die Beschäftigten sind die berufene Instanz, die Qualität der Arbeitsbedingungen zu beurteilen. Die Ergebnisse der Repräsentativerhebung 2012, basierend auf den Angaben von 4.895 Beschäftigten, wurden im Juni 2013 unter dem Titel Arbeitsfähig bis zur Rente? DGBIndex Gute Arbeit - Der Report in einer Printversion und zum Download veröffentlicht (www.dgb-index-gute-arbeit.de). Die vorliegende Publikation präsentiert die Ergebnisse einer Sonderauswertung der Repräsentativumfrage. Basis sind die Angaben jener 255 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zu den Berufsgruppen Altenpflege, Gesundheitsund Krankenpflege und Geburtshilfe gehören.

1. Die Arbeitsqualität im Gesamtüberblick:
In der Pflege wird insgesamt unter Bedingungen gearbeitet, die mit einem Indexwert von 52 Punkten hart an der Grenze zu Schlechter Arbeit liegen.
Beschäftigte, die in der Alten-, in der Gesundheits- und Krankenpflege oder in der Geburtshilfe tätig sind, arbeiten insgesamt unter Bedingungen, die nur knapp über der Grenze zu Schlechter Arbeit liegen. Das signalisiert der Indexwert von 52 Punkten für die durchschnittliche Arbeitsqualität. Abbildung 1 dokumentiert: Schlecht steht es um die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals derzeit unter fünf der elf Kriterien, aus denen der Gesamtwert errechnet wird, am wenigsten gut dabei um die Arbeitsintensität und das Einkommen mit

jeweils 31 Punkten. Unter drei Kriterien liegt die Arbeitsqualität im Unteren, unter zwei im Oberen Mittelfeld. Gut bestellt aber ist es in den Augen der PflegerInnen überhaupt nur um den Sinn der Arbeit (87 Punkte). Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (61 Punkte) liegt der Indexwert für das Pflegepersonal damit um 9 Punkte schlechter. Das größte Minus gibt es unter den Kriterien der Emotionalen Anforderungen und der Arbeitszeitlage mit jeweils 20 Punkten, deutlich besser (um 7 Punkte) wird allein der Sinn der Arbeit bewertet. Differenziert nach Arbeitsplätzen lautet das Ergebnis: 40 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen haben Schlechte Arbeit, 38 Prozent haben Arbeitsbedingungen mit einer Qualität im Unteren, 19 Prozent im Oberen Mittelfeld und nur 3 Prozent Gute Arbeit.

Der DGB-Index Gute Arbeit
Der DGB-Index Gute Arbeit liefert Kennzahlen zur Qualität der Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Beschäftigten. Die Indexwerte werden in einem arbeitswissenschaftlich fundierten Verfahren aus den Angaben zu 42 Fragen (in Kurzform auf S. 6) errechnet, aus denen sich ein Gesamtbild der Arbeitsqualität ergibt. Maßgeblich ist dabei ausschließlich das Urteil der Beschäftigten. Dieses wird bei bundesweiten Indexumfragen durch Repräsentativerhebungen erhoben, bei den Betriebserhebungen durch Mitarbeiterbefragungen. Index-Umfragen liefern Ergebnisse auf unterschiedlichen Ebenen: Der Gesamtwert beziffert die Qualität der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, einer Gruppe oder Branche im Durchschnitt. Dabei signalisieren Indexwerte zwischen 80 und 100 Punkten Gute Arbeit, weniger als 50 Punkte Schlechte Arbeit. Die Arbeitsqualität im Bereich dazwischen ist in ein Unteres (50-64 Punkte) und ein Oberes Mittelfeld (65-79 Punkte) geteilt. Die Verteilung der Arbeitsplätze nach Indexklassen (siehe Abbildung 2) gibt an, wieviel Prozent der Beschäftigten Gute Arbeit, Schlechte Arbeit oder eine in den beiden Mittelbereichen haben. Die Ergebnis nach Kriterien (siehe Abbildung 1) macht das Profil der Arbeitsqualität kenntlich. Höchst aufschlussreich sind außerdem die Ergebnisse zu Einzelfragen, z.B. zum Ausmaß der Arbeitshetze (siehe Abbildung 4).

4

1. Die Arbeitsqualität im Gesamtüberblick

1. Die Arbeitsqualität im Gesamtüberblick

5

DGB-Index Gute Arbeit – Die 11 Kriterien zur Ermittlung der Arbeitsqualität

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Gestaltungsmöglichkeiten

Können die Beschäftigten Einfluss auf die Arbeitsmenge nehmen? Ist es ihnen möglich, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen? Können sie ihre Arbeit selbständig planen?

2. Gesellschaftlicher Nutzen und Entlohnung - die Diskrepanz:
Insgesamt 95 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen haben den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, doch nur 21 Prozent sind der Meinung, dass ihre Leistung angemessen honoriert wird.
An ihren Arbeitsbedingungen können die Pflegekräfte insgesamt wenig Gutes finden - ihrer Arbeitsaufgabe aber stehen sie ausgesprochen positiv gegenüber. 92 Prozent der Pflegenden identifizieren sich mit ihrer Arbeit - 34 Prozent in sehr hohem, 58 Prozent in hohem Maße. Insgesamt 95 Prozent haben den Eindruck (50 Prozent in sehr hohem, 45 Prozent in hohem Maß), dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten (Abbildung 3). Und 96 Prozent sind der Meinung, dass sie für ihren Betrieb Wichtiges leisten (28 Prozent in sehr hohem, 68 Prozent in hohem Maß). Finanzielle Anerkennung findet dieses Engagement allerdings insgesamt nur höchst unzureichend (Abbildung 3): Nur 21 Prozent der PfegerInnen sind der Auffassung, dass sie ein leistungsgerechtes Einkommen beziehen (2 Prozent in sehr hohem, 19 Prozent in hohem Maß). Insgesamt 79 Prozent aber sind der Meinung, dass ihr Arbeitsentgelt ihrer Leistung gar nicht (19 Prozent) oder kaum (60 Prozent) gerecht wird. Der Mangel an Leistungsgerechtigkeit ist aber nur das eine Problem unter dem Einkommenskriterium - die Unterbezahlung produziert auch materielle Schwierigkeiten. 14 Prozent der in der Pflege Arbeitenden geben an, dass ihr Einkommen zum Leben nicht reicht, und genau 50 Prozent (siehe Seite 14), dass sie von der Rente aus ihrer Erwerbstätigkeit später nicht leben können werden.

Entwicklungsmöglichkeiten

Betriebskultur

Gibt es Wertschätzung durch Vorgesetzte? Hilfe von KollegInnen? Ein offenes Meinungsklima? Wird rechtzeitig informiert? Planen die Vorgesetzten gut? Wird Kollegialität gefördert?

Sinn der Arbeit

Haben die Beschäftigten den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten? Einen wichtigen Beitrag für den Betrieb? Identifizieren sie sich mit ihrer Arbeit?

Arbeitszeitlage

Wird am Wochenende gearbeitet? In den Abendstunden? In der Nacht? Wird von den Beschäftigten erwartet, ständig für die Arbeit erreichbar zu sein? Leisten sie auch unbezahlte Arbeit für den Betrieb?

Emotionale Anforderungen

DGB-Index Gute Arbeit – DGB-Index Gute Arbeit – Die 11 Kriterien zur Ermittlung der Arbeitsqualität Die 11 Kriterien zur Ermittlung der Arbeitsqualität

1. 2.

Gestaltungsmöglichkeiten Gestaltungsmöglichkeiten Können die Beschäftigten Einfluss auf die Arbeitsmenge nehmen?

Muss in ungünstigen Körperhaltungen gearbeitet werden? Bei Kälte, Nässe, Zugluft? Müssen die Beschäftigten körperlich schwer arbeiten? Ist es ihnen Sind sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt? möglich, Gestaltung Beschäftigten Einfluss auf die Arbeitsmenge nehmen? ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen? 1. dieKönnen die möglich, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen? Ist es ihnen
Können sie ihre Arbeit selbständig planen? Können sie ihre Arbeit selbständig planen?

Körperliche Anforderungen

8. 3.
4.

Teilindex Ressourcen

Entwicklungsmöglichkeiten Entwicklungsmöglichkeiten Bietet der Betrieb berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten? Können die

Betriebskultur

Betriebskultur Gibt es Wertschätzung durch Vorgesetzte? Hilfe von KollegInnen? Gibt Wird rechtzeitig informiert? Planen die Ein offenes Meinungsklima? es Wertschätzung durch Vorgesetzte? Hilfe von KollegInnen? Vorgesetzten gut? WirdEin offenes Meinungsklima? Wird rechtzeitig informiert? Planen die Kollegialität gefördert? Vorgesetzten gut? Wird Kollegialität gefördert?

barende Anforderungen? Werden alle arbeitswichtigen Informationen geliefert? 3. Müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung gemacht werden?

Gibt es Arbeitshetze? Unterbrechungen des Arbeitsflusses? Schwer zu verein-

Sinn der Arbeit Sinn der Arbeit Haben die Beschäftigten den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit

einen wichtigen Beitrag Haben die Beschäftigten denEinen wichtigensie mit ihrer Arbeit für die Gesellschaft leisten? Eindruck, dass Beitrag für den Betrieb?einen wichtigen Beitrag für die Arbeit? Identifizieren sie sich mit ihrer Gesellschaft leisten? Einen wichtigen Beitrag für den Betrieb? Identifizieren sie sich mit ihrer Arbeit?

4.

Teilindex Belastungen

Emotionale Anforderungen Emotionale Anforderungen Sind die Beschäftigten respektloser Behandlung ausgesetzt?

10. 8.
9. 10. 11. 11.

7.

Körperliche Anforderungen Körperliche gearbeitet werden? Bei Kälte, Muss in ungünstigen Körperhaltungen Anforderungen

Nässe, Zugluft? MüssenMuss in ungünstigen Körperhaltungen gearbeitet werden? Bei Kälte, die Beschäftigten körperlich schwer arbeiten? Nässe, Zugluft? Sind sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt?Müssen die Beschäftigten körperlich schwer arbeiten? Sind sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt?

7. Betriebliche Sozialleistungen

Arbeitsintensität Arbeitsintensität Gibt es Arbeitshetze? Unterbrechungen des Arbeitsflusses? Schwer zu verein-

Gibt es Arbeitshetze? Unterbrechungen des Arbeitsflusses? barende Anforderungen? Werden alle arbeitswichtigen Informationen geliefert? Schwer zu vereinbarende Anforderungen? Werden alle arbeitswichtigen Informationen geliefert? Müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung gemacht werden? Müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung gemacht werden?

8. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung offeriert? Werden weitere SozialTeilindex Einkommen & Sicherheit Teilindex Einkommen & Sicherheit

Gibt es ausreichend Angebote zur Altersvorsorge im Betrieb? Werden

leistungen geboten, z.B Kinderbetreuung, Fahrtkosten- oder Essenszuschüsse?

Einkommen

Einkommen Wird die Arbeit leistungsgerecht bezahlt? Hat das Einkommen ein Niveau, dass sich davon Wird die Arbeit leistungsgerechtsich aus der das Einkommen ein leben läßt? Wird die Rente, die bezahlt? Hat Erwerbstätigkeit ergibt, Niveau,zum Leben reichen? läßt? Wird die Rente, die sich aus der später dass sich davon leben Erwerbstätigkeit ergibt, später zum Leben reichen?

Betriebliche Sozialleistungen Betriebliche Sozialleistungen Gibt es ausreichend Angebote zur Altersvorsorge im Betrieb? Werden

Beschäftigungssicherheit
11.

9.

Gibt es ausreichend Angebote zur weitere SozialMaßnahmen zur Gesundheitsförderung offeriert? Werden Altersvorsorge im Betrieb? Werden leistungen geboten, z.B Maßnahmen zur Gesundheitsförderung offeriert? Werden weitere SozialKinderbetreuung, Fahrtkosten- oder Essenszuschüsse? leistungen geboten, z.B Kinderbetreuung, Fahrtkosten- oder Essenszuschüsse?

Sind 10. die Beschäftigten in Sorge, dass ihr Arbeitsplatz durch technische

Beschäftigungssicherheit Beschäftigungssicherheit Sind die Beschäftigten in Sorge, dass ihr Arbeitsplatz durch technische

Sind die Beschäftigten in Sorge, dass ihr Arbeitsplatz Veränderungen oder Umstrukturierungen überflüssig wird? Machen sie sich durch technische Veränderungen den Umstrukturierungen überflüssig wird? Machen sie sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft? Umoder Arbeitsplatz? Sorgen um ihre berufliche Zukunft? Um den Arbeitsplatz?

Veränderungen oder Umstrukturierungen überflüssig wird? Machen sie sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft? Um den Arbeitsplatz?

6
© Institut DGB-Index Gute Arbeit © Institut DGB-Index Gute Arbeit

Teilindex Einkommen & Sicherheit

Teilindex Belastungen

9. 6.

5.

Arbeitszeitlage Arbeitszeitlage Wird am Wochenende gearbeitet? In den Abendstunden? In der Nacht?

Wird am Wochenende gearbeitet? In den Abendstunden? In der Nacht? Wird von den Beschäftigten erwartet, ständig für die Arbeit erreichbar zu sein? Wird von den den Betrieb? Leisten sie auch unbezahlte Arbeit für Beschäftigten erwartet, ständig für die Arbeit erreichbar zu sein? Leisten sie auch unbezahlte Arbeit für den Betrieb?

Wird die Arbeit leistungsgerecht bezahlt? Hat das Einkommen ein Niveau,diedass sich davon leben läßt? Wird die Rente, die sich aus der Beschäftigten Müssen sie ihre GefühleSind der Arbeit verbergen? Kommt es zu bei 6. Müssen sie ihre Gefühlerespektloser Behandlung ausgesetzt? zu bei der Arbeit verbergen? Erwerbstätigkeit ergibt, späterKlientInnen? Konflikten oder Streitigkeiten mit KundInnen, PatientInnen, KlientInnen? Kommt es zum Leben reichen? Konflikten oder Streitigkeiten mit KundInnen, PatientInnen,

Einkommen 5.

Teilindex Ressourcen

Bietet ihre Arbeit berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten? Können die Beschäftigten eigene Ideen in der Betrieb einbringen? Ihr Wissen und Können Beschäftigten eigene Ideen weiterentwickeln? Haben sie Aufstiegschancen? in ihre Arbeit einbringen? Ihr Wissen und Können weiterentwickeln? Haben sie Aufstiegschancen?

2. Arbeitsintensität

Teilindex Belastungen

Sind die Beschäftigten respektloser Behandlung ausgesetzt? Müssen sie ihre Gefühle bei der Arbeit verbergen? Kommt es zu Konflikten oder Streitigkeiten mit KundInnen, PatientInnen, KlientInnen?

Teilindex Ressourcen

Bietet der Betrieb berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten? Können die Beschäftigten eigene Ideen in ihre Arbeit einbringen? Ihr Wissen und Können weiterentwickeln? Haben sie Aufstiegschancen?

2. Gesellschaftlicher Nutzen und Entlohnung – die Diskrepanz

7

3. Arbeitshetze, Leistungsverdichtung:
87 Prozent der in der Pflege Arbeitenden müssen seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten, 84 Prozent fühlen sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt.
Pflege ist auch ein Akt der Zuwendung – auch wenn die Pflege als professionelle Dienstleistung erbracht wird. Pflege in Hetze ist also bereits von der Arbeitsaufgabe her ein Widersinn. Aber auch unter dem Maßstab der Arbeitsgestaltung gilt: Wo mehr als nur im Ausnahmefall gehetzt werden muss, stimmt mit den Arbeitsbedingungen etwas nicht. Genau das ist aus der Sicht der Beschäftigten im Pflegebereich der Fall, wie Abbildung 4 dokumentiert: Bei der Arbeit hetzen müssen insgesamt 84 Prozent des Pflegepersonals sehr häufig (39 Prozent) oder oft (45 Prozent) - nur insgesamt 16 Prozent hingegen selten (14 Prozent) oder nie (2 Prozent). Der Anteil der sehr häufig oder oft Hetzenden liegt damit in der Pflege um 28 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt für alle Beschäftigten, wo er 56 Prozent beträgt. Diese außerordentlich hohe Gehetzten-Quote steht auch mit einer starken Arbeitsintensivierung im Zusammenhang. Insgesamt 87 Prozent der PflegerInnen geben an, dass sie in den letzten Jahren immer mehr in der gleichen Zeit schaffen müssen - 30 Prozent in sehr hohem, 41 in hohem, 16 Prozent in geringem Maße.

4. Gestaltungsmöglichkeiten und Einflusslosigkeiten:
50 Prozent der PflegerInnen können ihre Arbeit weitgehend selbständig planen, aber nur 15 Prozent in nennenswertem Umfang Einfluss auf ihr Arbeitspensum nehmen.
Arbeitshetze ist für einen beträchtlichen Teil des Pflegepersonals derzeit der Regelfall – das ist in Abbildung 4 dokumentiert. Zu den Gründen, warum das so ist, bietet die Abbildung 5 deutliche Hinweise. Zu erkennen ist, dass auch im Pflegebereich nicht mehr alles rigide von oben vorgegeben wird: Ihre Arbeit selbständig planen und einteilen können insgesamt 50 Prozent des Pflegepersonals in sehr hohem (18 Prozent) oder in hohem Maße (32 Prozent). Deutlich wird aber auch: Den Handlungsfreiheiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind dort enge Grenzen gesetzt, wo es um das Arbeitspensum geht. Nur insgesamt 15 Prozent der in der Pflege Arbeitenden haben in sehr hohem (4 Prozent) oder in hohem Maße (11 Prozent) Einfluss auf den Umfang der Arbeit, die sie leisten müssen. Insgesamt 85 Prozent der Pflegekräfte aber haben gar keinen (48 Prozent) oder nur geringen (37 Prozent) Einfluss auf ihr Arbeitspensum. Auch diejenigen unter dem Pflegepersonal, die ihre Arbeit in sehr hohem oder in hohem Maße selbständig planen und einteilen können, sind in dieser Hinsicht insgesamt nicht viel besser dran. Auf ihr Arbeitspensum haben nämlich auch von ihnen nur insgesamt 19 Prozent wirklich Einfluss.

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3. Arbeitshetze, Leistungsverdichtung

4. Gestaltungsmöglichkeiten, Einflusslosigkeiten

9

5. Arbeitspensum und Pflegequalität der Zusammenhang:
47 Prozent des Pflegepersonals haben ein so hohes Arbeitsvolumen zu bewältigen, dass sie häufig Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung machen müssen.
Wo für große Teile der Beschäftigten Arbeitsüberlastung und Hetze der Regelfall sind, können gesundheitliche Folgen nicht ausbleiben. »Wie oft ist es in den letzten vier Wochen vorgekommen ist, dass Sie sich nach der Arbeit leer und ausgebrannt gefühlt haben?« Auf diese Frage antworten insgesamt 59 Prozent der Pflegebeschäftigten »Sehr häufig« (32 Prozent) oder »Oft« (27 Prozent). Und dazu, wie oft sie sich in diesen Wochen »auch in ihrer arbeitsfreien Zeit nicht richtig erholen« konnten, sagen insgesamt 61 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer »Sehr häufig« (39 Prozent) oder »Oft« (22 Prozent). In den Augen der Beschäftigten hat die permanente Arbeitsüberlastung aber noch eine ganz andere gravierende Folge – die Qualität der Pflege wird dadurch beeinträchtigt. »Wie häufig kommt es vor, dass Sie Abstriche bei der Qualität Ihrer Arbeit machen müssen, um Ihr Arbeitspensum zu schaffen?« Auf diese Frage antworten insgesamt 47 Prozent der in der Pflege Arbeitenden »Sehr häufig« (17 Prozent) oder »Oft« (30 Prozent). Weitere 38 Prozent sagen »Selten« und nur 15 Prozent »Nie«. Unter den Arbeitsbedingungen in der Pflege haben also auch die PatientInnen und KlientInnen zu leiden - was wiederum die Beschäftigten belastet, die einer Gruppe angehören, die von einem hohen Arbeits- und Berufsethos geprägt ist. Von den Pflegenden, die sehr häufig Qualitätsabstriche machen müssen, leiden nahezu alle unter dem Missstand: Insgesamt 97 Prozent geben an, dass sie sich dadurch stark (85 Prozent) oder eher stark (12 Prozent) belastet fühlen.

6. Körperliche Schwerarbeit und andere Stressoren:
Widersprüchliche Arbeitsanforderungen, Mangel an Wertschätzung, Kommunikationsschwächen des Arbeitgebers, körperliche Belastungen – auch diesen Beschwernissen sind Pflegekräfte in überdurchschnittlich starkem Maße ausgesetzt.
So liegt der Anteil der Beschäftigten, die sehr häufig oder oft körperlich schwer arbeiten müssen (Abbildung 7), aber auch derjenigen, die sehr häufig/oft Konflikten oder Streitigkeiten mit Kundschaft, PatientInnen oder KlientInnen ausgesetzt sind, unter den Pflegenden rund doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt für die Beschäftigten aller Berufe (wo die Anteile 32 bzw. 13 Prozent betragen). Sehr häufig oder oft widersprüchlichen Arbeitsanforderungen ausgesetzt sind 49 Prozent der in der Pflege Arbeitenden, 33 Prozent der Beschäftigten aller Berufsgruppen. Bei den Informationsdefiziten lauten die Zahlenverhältnisse 47 zu 33 Prozent. Auch der Nicht-Wertschätzung durch Vorgesetzte ist das Pflegepersonal stärker ausgesetzt, wobei der Unterschied mit 38 zu 34 Prozent allerdings geringer ausfällt.

73%
der PflegerInnen müssen sehr häufig oder oft körperlich schwer arbeiten, z.B. schwer heben oder tragen.

49%
müssen bei der Arbeit sehr häufig oder oft Anforderungen erfüllen, die nur schwer miteinander zu vereinbaren sind.

47%
erhalten sehr häufig oder oft nicht alle Informationen, die sie brauchen, um ihre Arbeit gut zu erledigen.

38%
sind der Meinung, dass ihre Vorgesetzten ihnen keine oder nur in geringem Maße persönliche Wertschätzung entgegenbringen.

25%
sind sehr häufig/oft Konflikten oder Streitigkeiten mit KundInnen, KlientInnen oder PatientInnen ausgesetzt.

10

5. Arbeitspensum und Pflegequalität - der Zusammenhang

6. Körperliche Schwerarbeit und andere Stressoren

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7. Arbeitsschutz in der Pflege:
Nur 28 Prozent der Beschäftigten wissen zu berichten, dass ihre Arbeit einer Gefährdungsbeurteilung unterzogen wurde, und nur die Hälfte von ihnen wurde dabei nach psychischen Belastungen gefragt.
Arbeitgeber sind verpflichtet, an der »Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten« zu arbeiten. So sieht es das Arbeitsschutzgesetz vor, und nur so kann Prävention wirksam werden. Deren Zentralstück besteht in der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen für alle Arbeiten. Dabei geht es darum, die Quellen der Gesundheitsgefährdung zu erfassen, aber auch sie zu beseitigen und einzudämmen. Abbildung 8 dokumentiert, dass Arbeitgeber im Pflegebereich insgesamt sehr lax mit der Präventionsregel umgehen. Nur insgesamt 28 Prozent der PfegerInnen berichten, dass ihre Arbeit einmal (12 Prozent) oder mehrmals (16 Prozent) einer Gefährdungsbeurteilung unterzogen wurde - 44 Prozent dagegen antworten »Nein« auf die Frage, 28 Prozent wissen keine Antwort. Und bei nur 54 Prozent der Gefährdungsbeurteilungen wurden die Beschäftigten auch nach psychischen Belastungen gefragt, was aber unbedingt nötig wäre, um solche zu erfassen. Von allen PflegerInnen wurden danach insgesamt nur 15 Prozent im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen nach psychischen Belastungen am Arbeitsplatz gefragt. Das ist mehr als im Bundesdurchschnitt, wo der Anteil 9 Prozent beträgt, aber immer noch 85 Prozentpunkte unter dem Soll.

8. Krank zur Arbeit:
PflegerInnen arbeiten in beträchtlichem Umfang auch dann, wenn sie sich richtig krank fühlen; 39 Prozent taten das sogar an mehr als zehn Tagen im Jahr.
Arbeitsbedingungen, unter denen Beschäftigte sich veranlasst sehen, krank zur Arbeit zu gehen, begünstigen den Raubbau an Gesundheit und Arbeitsvermögen. Das ist dort ein ganz besonderer Widersinn, wo die Arbeit von Beschäftigten darin besteht, die gesundheitlichen Beschwerden anderer Menschen zu lindern oder ihnen zur Genesung zu verhelfen. Abbildung 8 dokumentiert: In der Pflege herrschen Bedingungen, die es vielen Beschäftigten angeraten sein lassen, mit sich selbst eher wenig pfleglich umzugehen. Dabei liegt der Anteil derjenigen, die häufig auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie »sich richtig krank fühlen« (so lautete die Frage in der Repräsentativumfrage), deutlich über dem Bundesdurchschnitt für alle Beschäftigten. Zum Beispiel mehr als zehn Tage im Jahr krank zur Arbeit: Das haben von allen Beschäftigten bundesweit 17 Prozent getan - unter den PflegerInnen hingegen betrug der Anteil 39 Prozent.

Gesundheitsvorsorge steht bei der Mehrheit der Arbeitgeber nicht auf der Agenda
Bei der Repräsentativumfrage 2012 zum DGB-Index Gute Arbeit wurden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch nach betrieblichen Sozialleistungen gefragt. Für dieses neu aufgenommene Kriterium wurde für die Pflegeberufe ein Indexwert von 44 Punkten ermittelt, das sind 6 Punkte unter dem Bundesdurchschnitt und bedeutet: Unter diesem Kriterium steht es schlecht um die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals. Besonders schwach entwickelt ist dabei die Gesundheitsförderung. Insgesamt 85 Prozent der PflegerInnen erhalten von ihrem Arbeitgeber keine (62 Prozent) oder nur in geringem Umfang (23 Prozent) Maßnahmen zur Gesundheitsförderung angeboten, z.B. Zuschüsse zu sportlichen Aktivitäten, Gesundheitstage, Massagen. Und nur 15 Prozent bekommen derlei Angebote in hohem (11 Prozent) oder in sehr hohem Maße (4 Prozent).

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7. Arbeitsschutz in der Pflege

8. Krank zur Arbeit

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9. Zukünftige Arbeitsfähigkeit:
Nur 20 Prozent der in der Pflege Arbeitenden gehen davon aus, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten können – 74 Prozent dagegen rechnen dezidiert nicht damit.
Eine Bewertung der Arbeitsbedingungen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, Gesundheitsförderlichkeit und Demographiefestigkeit geben die Beschäftigten mit ihren Antworten auf die Frage: »Meinen Sie, dass Sie unter den derzeitigen Anforderungen Ihre jetzige Tätigkeit bis zum gesetzlichen Rentenalter ohne Einschränkung ausüben könnten?« Dabei sind die Mehrheitsverhältnisse eindeutig (Abbildung 10): Mit einem frühzeitigen Verschleiß ihres Arbeitsvermögens rechnen unter den gegenwärtigen Umständen 74 Prozent des Pflegepersonals. Nur 20 Prozent glauben dagegen, dass sie unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten können. 6 Prozent wissen die Frage nicht zu beantworten. Zum Vergleich: Im bundesweiten Durchschnitt für die Beschäftigten aller Berufe lautet die Antwortverteilung auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit bis zur Rente wie folgt: 42 Prozent sagen »Ja, wahrscheinlich«, 47 Prozent »Nein, wahrscheinlich nicht«, 11 Prozent »Weiß nicht«. Zwischen den Zukunftseinschätzungen und der derzeitigen Qualität der Arbeitsbedingungen besteht ein enger Zusammenhang. Deutlich wird dieser auch an den Angaben der PflegerInnen mit Schlechter Arbeit (das sind immerhin 40 Prozent des Pflegepersonals). Von ihnen antworten 90 Prozent auf die Frage nach der zukünftigen Arbeitsfähigkeit »Nein, wahrscheinlich nicht« und nur 8 Prozent »Ja, wahrscheinlich«, 2 Prozent »Weiß nicht«.

10. Was gegen Arbeitsstress helfen würde:
Mehr Personal, mehr Zeit, mehr Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten nach Ansicht der PflegerInnen wäre ihnen damit am meisten geholfen.
Beschäftigte, die in der Pflege tätig sind, identifizieren sich stark mit ihrer Arbeit (92 Prozent tun das, siehe Kap. 2) und ein Großteil von ihnen läßt sich auch durch widrige Arbeitsbedingungen nicht die Arbeitsbegeisterung rauben. »Wie oft ist es in den letzten vier Wochen vorgekommen, dass Ihre Arbeit Sie begeistert hat?« Auf diese Frage antworten insgesamt 61 Prozent des Pflegepersonals »Sehr häufig« (29 Prozent) oder »Oft« (32 Prozent). Weitere 36 Prozent sagen »Selten« und nur 3 Prozent »Nie«. Ein wirksames Mittel gegen Arbeitsstress ist Arbeitsbegeisterung allerdings nicht. Eine deutliche Sprache spricht dazu der Vergleich: Von den Pflegekräften, die »in den letzten vier Wochen« von ihrer Arbeit sehr häufig oder oft begeistert waren, fühlten sich 58 Prozent in dieser Zeit auch sehr häufig oder oft ausgebrannt. Von den selten oder nie Begeisterten waren es 61 Prozent und damit nur unwesentlich mehr. Was aber hilft gegen den Arbeitsstress? Abbildung 11 präsentiert die drei Maßnahmen, die in den Augen des Pflegepersonals mit Abstand die wirksamsten wären: 78 Prozent sagen »Mehr Personal«, 75 Prozent »Mehr Zeit für die einzelnen Arbeitsvorgänge« und 66 Prozent »Einfluss auf Arbeitsabläufe, wie z.B. Arbeitsmenge und Arbeitsorganisation«. Danach folgt »ein besserer Informationsfluss«, den 53 Prozent der Pflegekräfte nennen.

Alterssicherung: 50 Prozent verdienen so wenig, dass sie von ihrer gesetzlichen Rente später nicht leben können werden.
Die große Mehrheit des Pflegepersonals ist der Meinung, dass sie nicht leistungsgerecht bezahlt werden (siehe Seite 7). Die Unterbezahlung hat aber auch Folgen für die Alterssicherung: »Wie schätzen Sie die gesetzliche Rente ein, die Sie später einmal aus Ihrer Erwerbstätigkeit erhalten werden?« Das Ergebnis: »Es wird nicht ausreichen«, sagen 50 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen. »Es wird gerade ausreichen« 42 Prozent. Nur jeweils 4 Prozent aber sind der Meinung: »Es wird gut ausreichen» oder »Ich werde sehr gut davon leben können«.

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9. Zukünftige Arbeitsfähigkeit

10. Was gegen Arbeitsstress helfen würde

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www.verdi-gute-arbeit.de Informationen, Praxisberichte, Termine, Muster für Wandzeitungen bietet die Website der ver.di-Initiative Gute Arbeit. Zum Download sind dort etliche Materialien eingestellt, u.a. die vorliegende Publikation und die anderen Titel der ver.di-Reihe Arbeitsberichterstattung aus der Sicht der Beschäftigten.

Gemeinsam für GUTE ARBEIT
Impressum
Arbeitsethos hoch Arbeitshetze massiv Bezahlung völlig unangemessen Beschäftigte in Pflegeberufen – So beurteilen sie ihre Arbeitsbedingungen Ergebnisse einer Sonderauswertung der bundesweiten Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit 2012 ver.di-Reihe Arbeitsberichterstattung aus der Sicht der Beschäftigten – 7
Juni 2013 Herausgeber ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bereich Innovation und Gute Arbeit Paula-Thiede-Ufer 10 10179 Berlin www.verdi-gute-arbeit.de kontakt@verdi-gute-arbeit.de Datenanalyse Markus Holler Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES), Stadtbergen Umfrage durchführendes Institut Umfragezentrum Bonn (uzbonn) Redaktion Peter Kulemann, büro für publizistik, Hamburg Anke Thorein, ver.di Bereich Innovation und Gute Arbeit Satz und Gestaltung: kahlfeldt und müller Agentur für Kommunikation, Hamburg Druck Druckerei Zollenspieker Kollektiv GmbH Hamburg V.i.S.d.P. Dr. Hans-Joachim Schulz, ver.di
                            
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