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Full text: Modellprojekte des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zur verstärkten Partizipation von Migrantenorganisationen

Modellprojekte
des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zur
verstärkten Partizipation von Migrantenorganisationen
Abschlussbericht 2012

Fachliche und wissenschaftliche Begleitung
Dr. Ingeborg Beer, Stadtforschung + Sozialplanung
Dr. Jörg Ernst, Centrum für bürgerschaftliches Engagement e.V.

ABSCHLUSSBERICHT
Fachliche und wissenschaftliche
Begleitung
Dr. Ingeborg Beer
Stadtforschung + Sozialplanung
Kurfürstendamm 123
10711 Berlin
Fon: (030) 8915453
Mail: info(at)stadtforschung-berlin.de
Mitarbeit:
Marion Elsässer
Gabriele Meier-Seske
Ellen Windmüller · Grafikdesign
Mail: info(at)windmueller-design.de
Dr. Jörg Ernst
Centrum für bürgerschaftliches
Engagement e.V.
Wallstraße 7
45468 Mülheim an der Ruhr
Fon. (0208) 970 68-12
Mail: joerg.ernst(at)cbe-mh.de

Auftraggeber
Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge
Frankenstraße 210
90461 Nürnberg
Fon: (0911) 943-0
Ansprechpartnerin, Ansprechpartner:
Katrin Hirseland
Svend Clausen

2

INHALT

Teil I	

ZIELE, PROZESSE, ERGEBNISSE

1.

VORBEMERKUNGEN
	

7


2.

MIGRANTENORGANISATIONEN
	
IN DEUTSCHLAND:

ZUM WANDEL VON FUNKTIONEN UND SELBSTVERSTÄNDNIS

8


2.1 	
2.2 	
2.3	
2.4
2.5 	
2.6 	
2.7 	

3. 	

4.

Begriffsbestimmungen: Verständnis und Unschärfen
Zahlenmäßige Bedeutung und Typen von Migrantenorganisationen
„Die“ Migrantenorganisation gibt es nicht
Handlungsfelder:
	
vielfältig und multisektoral
Veränderte Migrationsrealität – neue Herausforderungen
Migrantenorganisationen auf dem Weg zur Teilhabenormalität?
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Partizipationsförderung von 

Migrantenorganisationen auf unterschiedlichen Ebenen

9

10

10

11

15

16

18


VERSTÄRKTE PARTIZIPATION VON MIGRANTENORGANISATIONEN

DURCH MODELLPROJEKTE

19


3.1 	
3.2 	
3.3	
3.4 	

19

19

21

23


Oberziel: Verstärkte Partizipation von Migrantenorganisationen
Teilziele: Professionalisierung,Vernetzung, interkulturelle Öffnung
Kooperationsformen: Projekt- und Mentoringtandem
Projekte und Standorte im Überblick

FACHLICHE
	
UND WISSENSCHAFTLICHE BEGLEITUNG

26


4.1	
4.2

26

26


Ziele und Aufgaben
Vorgehensweisen
	
und Prozessbausteine

5.

ERSTE
	
ERGEBNISSE IM ÜBERBLICK

32


6.

ZUSAMMENARBEIT
	
IM TANDEM

34


6.1
6.2 	
6.3

34

35

37


7. 	

Ausgangssituation
	
und Erwartungen
Einflussfaktoren für erfolgreiche Kooperationen
Praxis
	 der Zusammenarbeit

PROFESSIONALISIERUNG UND QUALIFIZIERUNG
DER MIGRANTENORGANISATIONEN

39

7.1	
7.2	

39

39


Professionalisierung: Begriffsverständnis und Praxiserfordernis
Qualifizierung: Praxislernen und Wissenstransfer

3

8.

9.

10.

11.

Teil II

VERBESSERUNG DER INTEGRATIONSARBEIT VOR ORT DURCH VERNETZUNG

42


8.1
8.2
8.3

42

43

44


Neue Kontakte, erweiterte Netzwerke
Erfolgsfaktoren
Bildung von sozialem Kapital

INTERKULTURELLE ÖFFNUNG BEIDER TRÄGER

46


9.1
9.2
9.3

46

47

48


Verschiedene Blickwinkel
Interkulturelle Öffnung der Träger und Institutionen
Weitere Erfahrungen, Erfordernisse

NACHHALTIGKEIT UND VERSTETIGUNG

51


10.1
10.2
10.3
10.4

51

52

54

56


Am Ende der Projektlaufzeit
Nachhaltige Ergebnisse
Verstetigung
Zukunftsperspektiven: Migrantenorganisationen im Jahr 2020

ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISSE UND EMPFEHLUNGEN

57


11.1
11.2
11.3
11.4
11.5
11.6

57

59

60

61

62

63


Erfahrungen und Erkenntnisse
Empfehlungen für Migrantenorganisationen
Empfehlungen für etablierte Träger
Empfehlungen für kommunale Akteure
Empfehlungen zu Fördermodalitäten
Empfehlungen im Überblick

DIE MODELLPROJEKTE

67 – 81


ANHANG
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis, Fotonachweis
Tabellenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis

4

84

88

89

89


TEIL I
ZIELE, PROZESSE, ERGEBNISSE

6

1.

VORBEMERKUNGEN


Im Mittelpunkt dieses Berichts stehen
die 15 Modellprojekte des Bundes­
amts für Migration und Flüchtlinge zur
verstärkten Partizipation von Migran­
tenorganisationen, die von 2009 bis
2011 bundesweit in Tandemkoopera­
tion von etablierten Trägern und Mi­
grantenorganisationen durchgeführt
wurden.
Mit der Initiierung dieser Modellpro­
jekte war die Erwartung verbunden,
dass Migrantenorganisationen in
Kooperation mit erfahrenen Trägern
die Partizipation von Menschen mit
Migrationshintergrund stärken und
die Rahmenbedingungen ihres Enga­
gements verbessern können.
Migrantenorganisationen engagie­
ren sich in vielfältigen Bereichen des
gesellschaftlichen und städtischen Le­
bens. Als Akteure der Integrationsför­
derung leisten sie wichtige Beiträge:
sie beraten und unterstützen, organi­
sieren Interessen und Begegnungen,
sind Ansprechpartner für Politik und
Verwaltung. Doch in ihrer meist eh­
renamtlichen Tätigkeit stoßen sie an
Grenzen und treffen auf Barrieren.
Qualifizierung und Professionalisie­
rung, Vernetzung und interkulturelle
Öffnung rückten ins Zentrum, damit
Migrantenorganisationen ihre Res­
sourcen und Gestaltungspotenziale
weiterentwickeln können und ihre
gleichberechtigte Teilhabe in der In­
tegrationsarbeit selbstverständlicher
wird. Unterschiedliche Wege sollten
erprobt, vielfältige Erfahrungen ge­
sammelt und übertragbare Ergebnisse
gewonnen werden.

In diesem Abschlussbericht werden
aus Sicht der fachlichen und wissen­
schaftlichen Begleitung die Ziele,
Prozesse und Ergebnisse des Vorha­
bens dargestellt sowie die einzelnen
Modellprojekte beschrieben.
Am Ende lässt sich eine positive und
hoffnungsvolle Bilanz ziehen. Mi­
grantenorganisationen haben ihre
Teilhabechancen vor Ort ausgebaut.
Sie arbeiten nun professioneller und
vernetzter und sehen sich, so ein
Gesprächspartner, „auf dem Weg zu
einem integrativen bürgerschaftlichen
Akteur“.
Vorliegende Ergebnisse sollen das
Bundesamt für Migration und Flücht­
linge in der Weiterentwicklung seiner
Integrationsstrategien unterstützen.
Den beteiligten Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, etablierten Trägern und
Migrantenorganisationen gibt der
Bericht eine Zusammenschau des Er­
reichten und Hinweise für ihre weitere
Arbeit. Die Vertreterinnen und Vertre­
ter aus Wissenschaft und Praxis, die
mit ihren Beiträgen an diesem Prozess
mitgewirkt haben, erhalten Einblicke
in das Gesamtprojekt.
Darüber hinaus hoffen wir, auch an­
deren Akteuren, die sich dem Thema
widmen, hilfreiche und weiterführen­
de Anregungen geben zu können.
Der Abschlussbericht besteht aus zwei
Teilen. Im Mittelpunkt des ersten Teils
stehen Ziele, Prozesse und Ergebnisse.
Im zweiten Teil werden die einzelnen
Modellprojekte beschrieben.

Zunächst wird ein kurzer Abriss der
Migrantenorganisationen in Deutsch­
land gegeben. Es werden Funktions­
wandel, veränderte Aufgabenstel­
lungen und künftige Herausforde­
rungen in der vielfältiger werdenden
Gesellschaft aufgezeigt.
Im Weiteren wird der Prozess der
fachlichen und wissenschaftlichen
Begleitung beschrieben. Die Veran­
staltungen wurden für die Beteiligten
bereits zeitnah und ausführlich doku­
mentiert.
In den folgenden Kapiteln wird der
Frage nachgegangen, welche Fort­
schritte bei Professionalisierung, Ver­
netzung und interkultureller Öffnung
erzielt und wodurch die Partizipation
von Migrantenorganisationen nach­
haltig gestärkt wurden.
Auch wird dem kooperativen Zusam­
menwirken von etablierten Trägern
und Migrantenorganisationen im
Tandem besondere Aufmerksamkeit
geschenkt. Am Ende des Berichts wer­
den die Ergebnisse zusammengefasst
und Handlungsempfehlungen für die
Akteure formuliert.
Wir möchten uns bei allen Beteiligten
ganz herzlich für die gute Zusam­
menarbeit, die konstruktiven Fach­
gespräche und interessanten persön­
lichen Begegnungen bedanken.

Dr. Ingeborg Beer und Dr. Jörg Ernst
Berlin / Mülheim an der Ruhr

7

2.

MIGRANTENORGANISATIONEN IN DEUTSCHLAND:
ZUM WANDEL VON FUNKTIONEN UND SELBSTVERSTÄNDNIS

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Projekt IKFA (Projekt 11)

„Das Engagement von Menschen
aus Zuwandererfamilien in Vereinen,
Verbänden, Organisationen und
Institutionen der Aufnahmegesell­
schaft sowie in Migrantinnen- und
Migrantenorganisationen bereichert
unsere vielfältiger werdende Gesell­
schaft. Engagement braucht aber
auch Anerkennung und gezielte
Förderung. Der Bund wird hierzu sei­
ne Politik stärker auf die Förderung
gleichberechtigter Teilhabe von
Migrantinnen und Migranten sowie
deren Organisationen ausrichten.“
„Gleichberechtigte Teilhabe zu
gewährleisten ist ein Prozess, der
vor allem die Unterstützung und
Qualifizierung von Migrantenorga­
nisationen erfordert. Der Bund wird
fachliche Hilfe für Migrantenorga­
nisationen als Träger von Projekten
anbieten und hierfür die Bildung
von Netzwerken von Migrantenor­
ganisationen unterstützen.“
Die Bundesregierung (Hrsg.) (2007):
Der Nationale Integrationsplan: 20.

8

Migrantenorganisationen sind in den
letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld
politischer Integrationsstrategien so­
wie fachlicher und wissenschaftlicher
Diskussionen gerückt. Im Nationalen
Integrationsplan 2007 wird ihre Be­
deutung für die vielfältiger werdende
Gesellschaft und die Teilhabeförde­
rung von Zuwanderern und deren
Nachkommen hervorgehoben. Das
bundesweite Integrationsprogramm
sieht sie als wichtige Akteure der In­
tegrationsförderung (vgl. BAMF 2010
a). Kommunen schätzen ihre Mitarbeit
in Gremien, binden sie in die Erstel­
lung und Umsetzung von Integrati­
onskonzepten ein und erkennen ihr
bürgerschaftliches Engagement an.
Migrantenorganisationen sind Gegen­
stand zahlreicher Tagungen und Kon­
ferenzen. Einst kontrovers geführte
Entweder-Oder-Diskussionen zu ihrer
gesellschaftlichen Funktion – Brücken
für Integration oder Abschottung? –
haben an Brisanz verloren. Vielmehr
„verbreitet sich die Einsicht, dass die
Fragestellung selbst, ob Migranten­
organisationen eher der Integration
oder eher der Abschottung dienen,
wenig hilfreich ist“ (Pries/Sezgin 2010:
20). Wissenschaftliche Sichtweisen

sind differenzierter und ressourcen­
orientierter geworden und widmen
sich verstärkt der Frage, wie Migran­
tenorganisationen zur Integration bei­
tragen und welche Voraussetzungen
dafür erforderlich sind. Und auch die
Sichtweisen der Migrantenorganisa­
tionen haben sich verändert. Sie sind
selbstbewusster geworden, agieren
wissensbasierter und netzwerkorien­
tierter. Insbesondere Teile der jungen
Generation vertreten über traditio­
nelle Integrationsvorstellungen hi­
nausreichende Positionen.
Die Rahmenbedingungen für eine
verstärkte Partizipation von Migran­
tenorganisationen haben sich zum
Positiven gewendet.
Im Folgenden wird das Thema Mi­
grantenorganisationen ohne Anspruch
auf Vollständigkeit kurz umrissen. Es
werden Begriffe, Handlungsfelder so­
wie Zukunftsperspektiven abgesteckt:
Was zeichnet Migrantenorganisatio­
nen aus? Wie haben sich ihre Parti­
zipationsmöglichkeiten entwickelt?
Welche Veränderungen ergeben sich
für Integrationsaufgaben sowie im
Verhältnis zu gesellschaftlichen Insti­
tutionen?

2.1	 Begriffsbestimmungen:
Verständnis und Unschärfen
Der besondere Charakter einer Mi­
grantenorganisation besteht darin,
dass sie von Zugewanderten gegrün­
det wurde und/oder deren Mitglieder
überwiegend Migrantinnen und Mi­
granten sind.
Es gibt zahlreiche und vielfältige Or­
ganisationen, Vereine und religiöse
Zusammenschlüsse, in denen sich
Menschen mit Migrationshintergrund
zusammenfinden und engagieren.
Und diese befinden sich im Wandel.
Waren sie in der ersten Phase vor
allem „ein wichtiger Ort der kollek­
tiven Selbstvergewisserung und der
Solidarität in einer prekären Situation“
(Römhild 2007: 169), so sind sie heute
auch Orte der Interessenbündelung
für gesellschaftliche Einflussnahme
und Mitwirkung, für Empowerment,
für soziale und interkulturelle Dienst­
leistungen.

Migrantenselbstorganisation oder
Migrantenorganisation?
Die Begriffe Migrantenorganisation
(MO) oder Migrantenselbstorganisa­
tion (MSO) umfassen viele Organi­
sationsformen, bezeichnen Vereine,
Initiativen, Clubs, Verbände und Dach­
verbände, oft auch Netzwerke und
Beiräte. Ihre Mitglieder sind überwie­
gend ehrenamtlich tätig.
Im kommunalen und lokalen Kontext,
beispielsweise in amtlichen Wegwei­
sern oder Stadtteilzeitungen, wird
häufig die Bezeichnung Migrantenver­
eine verwandt. Damit wird nicht nur
die Organisations- und Rechtsform
benannt – damit sind auch Vorstel­
lungen ihrer Arbeitsweise verbunden:
die Niedrigschwelligkeit von Angebo­
ten und Projekten, Ansprechpartner

für verschiedene Communities sein,
gemeinschaftsförderndes Enagement
und Beteiligung.
Mit Blick auf ihre Entstehungsge­
schichte wird vielfach der Begriff
Migrantenselbstorganisation (MSO)
verwandt und damit unterstrichen,
dass sie von und nicht für Menschen
mit Migrationsgeschichte und deren
Familien gegründet wurden, dass sie
freiwillige Zusammenschlüsse zur Um­
setzung von gemeinsamen eigenen
Zielen und gleichzeitig solidarische
Formen der „gesellschaftlichen Bear­
beitung sozialer Probleme“ (Sachße
1993: 66) sind.
Der Paritätische Gesamtverband hält
den Begriff Migrantenselbstorganisati­
on heute für nicht mehr zutreffend, da
sich die Organisationen interkulturell
öffnen und sich „neben der Selbsthil­
fe weitere Aufgaben und Herausfor­
derungen ergeben“ (Der Paritätische
Gesamtverband 2011a: 8). Er sieht
inzwischen eine Änderung der Be­
zeichnung für erforderlich an: von der
Migrantenselbstorganisation (MSO)
zur Migrantenorganisation (MO).
In diesem Abschlussbericht zu den
Modellprojekten wird überwiegend
der Begriff Migrantenorganisation
(MO) verwendet. Er impliziert sowohl
den Selbsthilfecharakter wie profes­
sionelles Engagement und umfasst
Menschen mit eigener Migrationsge­
schichte wie nachfolgende Generati­
onen. Damit lassen sich unterschied­
liche Organisationsformen bezeich­
nen und bei Bedarf Konkretisierungen
vornehmen. Auch wird häufig von
„Migrantenverein“ gesprochen. Wenn
aus Gründen der besseren Lesbarkeit
die männliche Form verwendet wird,
ist die weibliche Form (Migrantinnen­
organisation) mit eingeschlossen.

Problematik der Schlüsselbegriffe
für Projekte und Vor-Ort-Diskurse
Schlüsselbegriffe des Integrationsdis­
kurses, die den Migrationsaspekt her­
vorheben, erweisen sich vor Ort und in
Projekten, Präsentationen oder Flyern
vielfach als problematisch – auch in
den Modellprojekten. Sind „deutsche“
Vereine oder Vereine mit „deutschen
Wurzeln“ das stimmige Gegenbild
zu Migrantenvereinen? Was zeich­
net einen „deutschen“ Verein aus, in
dem sich bereits ein hoher Anteil von
Menschen mit Migrationshintergrund
engagiert?
Diese Gegenüberstellungen bergen
die Gefahr in sich, dass der Dualismus
von „Deutschen“ und „Zugewan­
derten“, von „Uns“ und den „An­
deren“ auf Ebene der Organisationen
festgeschrieben wird, der eigentlich
überwunden werden soll. Wie Mi­
grantenorganisationen als „Teil“ einer
Vielheit von Organisationen nicht nur
theoretisch proklamiert, sondern in
der Praxis (selbst)verständlich kom­
muniziert werden können, ist eine
schwierige Frage – auch in den Mo­
dellprojekten stand sie immer wieder
zur Diskussion.
Manch neu gegründeter Verein greift
diese Problematik indirekt auf, be­
zeichnet sich als interkulturell oder
international, rückt seine Inhalte oder
den Frauenaspekt in den Vordergrund
– und nicht eine bestimmte Nationali­
täten- oder Herkunftsgruppe.
Beispiele in den Modellprojekten:
− Internationale Frauen Leipzig e. V.
(Projekt 1: InterTransFair),
− Interkultureller Migrantinnenverein
MigraMundi e. V. Wiesbaden
(Projekt 2: PAKT).

9

2.2	 Zahlenmäßige Bedeutung
und Typen von Migranten­
organisationen
Es gibt keine verlässlichen Angaben
darüber, wie viele Migranten-, Migran­
tinnen- oder Migrantenjugendorga­
nisationen es insgesamt in Deutsch­
land derzeit gibt. Die Schätzungen
schwanken je nach Definitionskrite­
rium und Untersuchungskontext. Im
Ausländervereinsregister waren im
Jahr 2002 etwa 16.000 Migrantenorga­
nisationen erfasst – in der Broschüre
„Migranten(dach)organisationen in
Deutschland“, die von der Beauftrag­
ten der Bundesregierung für Migrati­
on, Flüchtlinge und Integration 2011
herausgegeben wurde, wird ihre Zahl
auf 20.000 geschätzt (Beauftragte
2011: 6).
Auch hinsichtlich der Klassifizierung
und Typisierung von Migrantenorgani­
sationen liegen verschiedene Ansätze
vor, die in engem Zusammenhang
zu Blickwinkel und Fragestellung ste­
hen. Uwe Hunger (2004) hat für seine
Untersuchung der Migrantenorgani­
sationen folgende Unterscheidung
vorgenommen:
− Arbeitervereine/ Begegnungs­
zentren,
− Religiöse Vereine,
− Freizeit- und Sportvereine,
− Kulturvereine,
− Politische Vereine,
− Familien- und Elternvereine,
− Berufsverbände und Wirtschafts­
vereine,
− Soziale und humanitäre Vereine.
Der Paritätische Gesamtverband
(2011) kommt aufgrund seines bun­
desweiten Blickwinkels zu eigenen
Klassifizierungen. Der Caritasverband
oder andere Organisationen wiede­
rum setzen Schwerpunkte, beispiels­

10

weise im Hinblick auf die Frage, mit
welcher Art von Migrantenorganisa­
tionen vorwiegend eine Zusammen­
arbeit besteht oder welche Vereine in
Landkreisen und Kommunen anzutref­
fen sind.
So sinnvoll Klassifizierungen auch
sein mögen, sie können, wie Stefan
Gaitanides betont, auch irreführend
sein. Denn die meisten Migrantenor­
ganisationen haben eine multisekto­
rale und -funktionale Bedeutung und
engagieren sich in mehreren Themen­
bereichen, die sich im Laufe der Zeit
auch verändert haben: „Sportvereine
können Sozialberatung machen und
religiöse Vereine Computerkurse an­
bieten. Kulturvereine – eigentlich für
die Pflege der Heimatkultur ins Leben
gerufen – bieten Deutschkurse an und
Arbeitervereine Folklore.“ (Gaitanides
2003: 25).

2.3 	 „Die“ Migrantenorganisation
gibt es nicht
In den Migrantenorganisationen spie­
geln sich Zuwanderungsgeschichte
sowie politische, gesellschaftliche und
regionale Rahmenbedingungen und
Bleibeperspektiven wider.

Gesellschaftlicher Hintergrund und
räumlicher Kontext
Dies betrifft ganz wesentlich die
regionale Ausprägung und den recht­
lichen Migrationsstatus. Während
Zuwanderung in die westdeutschen
Bundesländer eng mit der Arbeits­
migration der sechziger Jahre ver­
bunden ist, war sie in die DDR eher
politisch motiviert, temporär und auf
die „sozialistischen Bruderstaaten“
ausgerichtet.

Seit der politischen Wende ist Zuwan­
derung in die ostdeutschen Bundes­
länder vielerorts gleichbedeutend mit
Zuweisung nach dem sogenannten
Königsteiner Schlüssel. Dies betrifft
Spätaussiedlerinnen und Spätaussied­
ler, jüdische Kontingentflüchtlinge
aus den Nachfolgestaaten der Sowjet­
union, Asylbewerberinnen und Asyl­
bewerber sowie politische Flüchtlinge
aus Krisen- und Kriegsgebieten.
Viele von ihnen wandern bei freiwilli­
ger Entscheidungsmöglichkeit wieder
in Regionen mit wirtschaftlich besse­
ren Perspektiven, meist in die alten
Bundesländer, weiter und orientieren
sich auch an Netzwerken und Bezie­
hungen zu ihrer Community.
Im Bericht der Integrationsbeauftrag­
ten des Landes Brandenburg aus dem
Jahre 2009 heißt es dazu: „Die über­
wiegende Mehrheit der Zugewan­
derten gehört der ersten Generation
an, eine zweite Generation wächst
erst heran und ist noch gar nicht in
dem Alter, sich aktiv an Selbstorga­
nisationen zu beteiligen. Viele der
Zugewanderten haben zwar einen
hohen Bildungshintergrund, sprechen
aber noch nicht so gut deutsch und
die Orientierung in der neuen Heimat
fällt noch schwer. Dies macht auch
die Selbstorganisation schwieriger;
es fehlt an Organisationserfahrung
und am Zugang zu Institutionen der
Mehrheitsgesellschaft, die für viele
Zugewanderte in den westdeutschen
Bundesländern längst selbstverständ­
lich ist. Aufgrund der relativ geringen
Zahlen werden Zugewanderte und
ihre Organisationen öffentlich kaum
wahrgenommen, politisch spielt Inte­
gration keine große Rolle, Integration
ist ‚kein Thema‘ im öffentlichen Dis­
kurs.“ (MASGF 2009: 85).

Herkunftshomogene oder -hetero­
gene Vereine und Organisationen
Migrantenorganisationen können
herkunftshomogen (Mitglieder aus
gleichen Herkunftsländern) oder
herkunftsheterogen (Mitglieder aus
unterschiedlichen Herkunftsländern)
zusammengesetzt sein. Zwar kom­
men Studien zu Nordrhein-Westfalen
(MASSKS 1999) und Niedersachsen
(Hadeed 2005) zu dem Ergebnis, dass
herkunftshomogene Vereine zahlen­
mäßig überwiegen, doch dürften sich
inzwischen durch interkulturelle Öff­
nung und Generationenwechsel ihre
Mitgliederstruktur und Zielgruppeno­
rientierung weiter ausdifferenzieren.
Herkunftshomogene Organisationen
halten die Kultur ihrer Herkunftslän­
der und -regionen stärker am Leben
und haben insbesondere für ältere
Zuwanderergruppen eine wichtige
Funktion. Herkunftsheterogenen
Vereinen wird dagegen eine stärkere
integrative Kraft zugeschrieben – auch
sind junge Leute und Frauen hier stär­
ker vertreten.

Unterschiedliche Altersgruppen
Migrantenorganisationen unterschei­
den sich in der Altersstruktur ihrer Mit­
glieder und sprechen unterschiedliche
Altersgruppen an. Junge Leute aus
zugewanderten Familien schließen
sich auch in eigenen Organisationen,
Jugendverbänden oder Netzwerken
zusammen. Dazu zählen beispielswei­
se der Bund der Alevitischen Jugend­
lichen in Deutschland, die Föderation
der Spanischen Jugend in Deutsch­
land und der Jugendverband des
Zentralrates der Armenier, Aktivitäten
der Türkischen Gemeinde in Deutsch­
land (TGD) im Bereich des Freiwilligen
Sozialen Jahres oder der Zusammen­
schluss von 25 Jugendmigrantenverei­

nen in der Arbeitsgemeinschaft Inter­
nationaler Jugendverbände (vgl. Der
Paritätische Gesamtverband 2011: 21).
Beispiel in den Modellprojekten:
− Bundesverband djo-Deutsche Ju­
gend in Europa und
− Kurdischer Kinder- und Jugendver­
band- KOMCIWAN.
(Projekt 8: KOMCIWAN kommt!)

Vielfältige Milieus
In Migrantenorganisationen finden
sich Menschen mit unterschiedlichen
Lebensstilen aus vielfältigen Milieus
zusammen – „Menschen mit Migrati­
onshintergrund“ sind keine homogene
Gruppe. Es gibt weder „die“ Migranten
noch „die“ Migrantenorganisation.
Die 2008 vorgelegte SINUS-Studie
über Migranten-Milieus in Deutsch­
land weist nach, „dass es in der Popula­
tion der Menschen mit Migrationshin­
tergrund (ebenso wie in der autoch­
tonen bzw. einheimischen deutschen
Bevölkerung) eine bemerkenswerte
Vielfalt von Lebensauffassungen und
Lebensweisen gibt“ (Wippermann/
Flaig 2009: 5). Bürgerliche und tradi­
tionsverwurzelte, ambitionierte und
prekäre Migrantenmilieus existieren
nebeneinander. Dies spiegelt sich
auch in den Vereinen und Organisati­
onen wider.

Zusammenschlüsse von Frauen
In den letzten Jahren wurden Orga­
nisationen und Vereine verstärkt von
Frauen gegründet. Sie schaffen sich
eigenständige Partizipationsmöglich­
keiten in Abgrenzung von Frauen­
gruppen der „Mehrheitsgesellschaft“
sowie von Migrantenorganisationen,
deren Vorstände meist von Männern
gebildet werden.

Dieser Entwicklung hat auch das
Bundesministerium für Familie, Senio­
ren, Frauen und Jugend Rechnung
getragen und eine Forschungsstudie
zu „Migrantinnenorganisationen“ he­
rausgegeben (BMFSFJ 2011). Daraus
geht hervor, dass der Wunsch nach
speziellen Angeboten für Migran­
tinnen einen hohen Stellenwert hat.
Die Gründerinnen kommen insbeson­
dere aus der russischen Föderation
sowie der Türkei, haben meist eine hö­
here Schulbildung und akademische
Berufsabschlüsse. Sie bieten Informa­
tions-, Beratungs- und Bildungsarbeit
für Mädchen, junge Frauen, Mütter
und ältere Frauen und engagieren
sich auch politisch (ebd.: 7). Zu ihren
Hauptaktivitäten gehört die Bildungs­
arbeit mit Frauen.

2.4 	 Handlungsfelder: vielfältig
und multisektoral
Migranten- und Migrantinnenorga­
nisationen sind in vielfältigen Hand­
lungsfeldern aktiv. Im lokalen Kontext
zählen dazu insbesondere Beratung
und Empowerment, Freizeit und
Sport, Religion, Bildung/Sprache/
Beruf, Begegnung und Kultur, Ge­
sundheit und Alter sowie Wirtschaft.
Darüber hinaus spielen auch Politik
und humanitäre Hilfe eine Rolle.
Wie schon bei der Typisierung von
Migrantenorganisationen lassen sich
auch deren Handlungsfelder unter­
schiedlich definieren und gewichten.
Der Deutsche Paritätische Gesamtver­
band e.V. hat in seiner Expertise „Stär­
ken und Potenziale von bundesweit
organisierten und tätigen Migranten­
dachorganisationen“ (2011) mit bun­
desweitem Blickwinkel noch sehr viel
mehr Handlungsfelder beschrieben.

11

Stadt, Region

Freizeit, Sport

Religion

Wirtschaft

Begegnung, Kultur

Gesundheit, Alter

Zentrale Handlungsfelder von Migrantenorganisationen im Vor-Ort-Kontext (Beer)

Im Kontext der Modellprojekte und
auf Vor-Ort-Ebene verfolgen Migran­
tenorganisationen folgende Hand­
lungsschwerpunkte:

Beratung und Empowerment
Dieses Handlungsfeld ist eng mit
Integrationsförderung verbunden.
Zahlreiche Migrantenvereine bieten
Hilfsangebote für neu ankommende
oder schon länger hier lebende Zu­
wanderer und deren Nachkommen
durch Informationsvermittlung, Be­
gleitung bei Behördengängen, Dol­
metscherdienste bei Verträgen und
Anträgen. Sie bieten Unterstützung
beim alltäglichen Zurechtkommen
(Bildungs-, Gesundheitsberatung etc.)
und in Krisensituationen (Gewalt,
Kriegstraumatisierung etc.). Dienstlei­
stungen der Migrantenorganisationen
ergänzen die Regelangebote und
sozialen Versorgungseinrichtungen
der Kommunen oder stellen zu ihnen
Brücken her – ohne diese zu ersetzen.
War das Beratungsverständnis der
Migrantenvereine anfänglich vom
fürsorglichen und solidarischen Den­
ken für die Community getragen, so
geht es heute deutlich stärker um

12

Bildung und Sprache,
Ausbildung und Beruf

Handlungsfelder
lokal agierender
Migranten­
organisationen

Quartier, Stadtteil

Abb. 1

Beratung,
Empowerment

Selbstvertrauen, Hilfe zur Selbsthilfe,
um Empowerment. Die Themen sind
breit gefächert und die wenigsten
Vereine sind auf ein bestimmtes Feld
festgelegt oder darauf professionell
ausgerichtet: Es geht um die Anerken­
nung ausländischer Berufsabschlüsse
ebenso wie um Arbeitslosengeld,
Wohnungssuche, Gesundheit, Bil­
dungs- und Erziehungsfragen – aber
auch um Drogenabhängigkeit, Spiel­
sucht, Schulden.
Soziale Beratungsangebote von Mi­
grantenorganisationen verweisen auf
Professionalisierungs- und Kooperati­
onserfordernisse, aber auch – und dies
machen insbesondere muttersprach­
liche Multiplikatorinnen wie Bildungsund Gesundheitslotsinnen deutlich
– auf Zugangsbarrieren öffentlicher
Institutionen und Einrichtungen, die
Ratsuchende bei den Migrantenorga­
nisationen nicht vorfinden.

Als besonders vereinsfördernd erwies
sich mit Blick in die Geschichte der
Sport – in erster Linie das Fußballspiel.
Anfang der sechziger Jahre wurden
„italienische“ und „griechische“ Clubs
gegründet, später zahlreiche „tür­
kische“ und „Spätaussiedlervereine“.
Befördert wurden diese Gründungen
nicht zuletzt dadurch, dass sich „deut­
sche Vereine“ gegenüber Zuwande­
rern nur langsam öffneten. So hieß es
noch in der Grundsatzerklärung des
deutschen Sportbundes „Sport der
Ausländischen Mitbürger“ von 1981,
dass die Mitgliedschaft von „Auslän­
dern“ in einem deutschen Verein zwar
favorisiert würde, die Gründung von
eigenethnischen Vereinen aber zu ak­
zeptieren sei, „wo ein hoher Prozent­
satz ausländischer Mitbürger einen
deutschen Verein überfremdet“ (DSB
1981). In der überarbeiteten Grund­
satzerklärung von 2004 werden Mi­
grantensportvereine als gleichwertige
Partner im Sport betrachtet.

Freizeit und Sport
Migrantenorganisationen bieten eine
breite Palette von Freizeitaktivitäten:
Kulturveranstaltungen und Feste, ge­
meinsames Kochen, Lesungen, Spiele,
Theater, Tanz und Musik.

Inzwischen wird der interkulturellen
Öffnung ein großer Stellenwert beige­
messen, werden Akteure der Sportver­
eine qualifiziert und entsprechende
Modellprojekte in Forschung und Pra­
xis durchgeführt.

Links: Mimar Sinan Moschee
Leverkusen
Oben: Beratungsgespräch
(Projekt 6)

Mit dem Motto „Integration durch
Sport“ und dem gleichnamigen bun­
desweiten Programm wird seit mehr
als zwanzig Jahren Erfolgsgeschichte
geschrieben. Und zahlreiche Organisa­
tionen und Vereine haben sich daran
ausgerichtet: Begegnungen, Erleb­
nisse und Spaß im Sport scheinen per
se eine integrative und Toleranz för­
dernde Wirkung zu haben. Gleichwohl
bleiben die Bekämpfung von Rassis­
mus und ethnischer Diskriminierung
eine anhaltende Herausforderung (vgl.
Stahl 2010: 286).

Ausübung der eigenen Religion
Mit religiösen Migrantenorganisa­
tionen werden im Allgemeinen die
islamischen Moscheevereine verbun­
den, wenngleich auch griechische
Zuwanderer und jüdische Kontingent­
flüchtlinge eigene religiöse Gemein­
den gründeten und sich die islamische
Vereinslandschaft seit den sechziger
Jahren ausdifferenziert hat.
Da die zunächst als „Gastarbeiter“ und
später als Asylsuchende oder Kriegs­

flüchtlinge1 zugewanderten Muslime
keine entsprechenden religiösen Ein­
richtungen vorfanden, gründeten sie
kleine Moscheegemeinden und rich­
teten Gebetsstätten für das Freitags­
gebet ein. In den 80er Jahren bildeten
sich dann Dachverbände.
Als älteste Organisationen entstanden
1973 der heutige Verband der Isla­
mischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) und
1976 die Vorgängerin der späteren
Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs
e.V. (IGMG). Die größte islamische
Organisation ist die 1984 gegründete
Türkisch-Islamische Union der Anstalt
für Religion e.V. (DÝTÝB).
Moscheevereine wurden bis zu den
Anschlägen auf das World Trade
Center vom 11. September 2001 in
1 Die Zuwanderung von muslimischen
Arbeitsmigranten fand vor allem aus der
Türkei statt. Seit Mitte der siebziger Jah­
re sind muslimische Asylsuchende und
Kriegsflüchtlinge aus dem Libanon (seit
1975), dem Iran (seit 1979), Afghanistan
(seit 1979), Bosnien-Herzegowina (seit
1992) und dem Kosovo (seit 1999) nach
Deutschland gekommen.

der deutschen Öffentlichkeit kaum
wahrgenommen. Danach wurde
„der“ Islam generell als Bedrohung ins
Blickfeld gerückt und die Integrations­
bereitschaft von Muslimen in die deut­
sche Gesellschaft in Frage gestellt.
Daraufhin entstanden zahlreiche
Initiativen zum Dialog zwischen den
Religionen und Moscheevereine öff­
neten sich stärker nach Außen (Tage
der offenen Tür, Besuche von Multipli­
katoren und Schulklassen etc.).
Moscheevereine beschränken sich im
Allgemeinen nicht auf die Vermittlung
religiöser Glaubensinhalte. Ihre Akti­
vitäten umfassen darüber hinaus Frei­
zeit- und Sportangebote für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene sowie
soziale und rechtliche Beratung. Sie
sind oft in breite Netzwerke eingebun­
den – insbesondere in den Quartieren
der „Sozialen Stadt“.
Die kürzlich zur Deutschen Islam­
konferenz vorgestellte Studie, die
vom Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge gemeinsam mit der Stif­
tung Zentrum für Türkeistudien und
Integrationsforschung erarbeitet

13

wurde (2012), hebt die Integrations­
leistung der Islamischen Gemeinden
hervor: „Religiöse Organisationen
stellen die häufigsten Vergemein­
schaftungsformen von muslimischen
Einwanderern und ihren Angehöri­
gen in Deutschland dar. Die in den
Gemeinden tätigen islamischen
Religionsbediensteten nehmen die
Funktion von Multiplikatoren ein. Als
religiöse Autoritäten genießen sie in
der Regel das Vertrauen ihrer Gemein­
demitglieder. Gleichzeitig vertreten
sie oftmals ihre Gemeinde nach außen
und stellen wichtige Ansprechpartner
für Akteure der Aufnahmegesellschaft
dar.“ (BAMF/ZTI 2012: 5)

Auch wurde der Anteil der Bildungs­
aktivitäten bei der Bestandsaufnahme
für Nordrhein-Westfalen 1999 als
noch relativ unbedeutend eingestuft
(MASSKS 1999 :48). Heute dürften sich
zahlreiche Migrantenorganisationen,
auch wenn dazu keine Zahlen vor­
liegen, in diesem Handlungsfeld en­
gagieren. Dies wird in einer neueren
Untersuchung zu Migrantenselbstor­
ganisationen in Dortmund unterstri­
chen (vgl. Kosan 2010: 38) und auch
von Seiten des Deutschen Caritasver­
bands heißt es: „Ein zentraler Fokus
der Themen in der Zusammenarbeit
liegt auf dem Bereich ‚Bildung“ (Leipp/
Peetz 2010).

In den Modellprojekten vertreten:
− VIKZ Verband der islamischen Kul­
turzentren (Projekt 15: PARTIMO), 

− Mimar Sinan Moschee Leverkusen 

(Projekt 6: Unsere Moschee).

Ausbildung und Beruf

Bildung und Sprache
Bildung und Sprache sind wesentliche
Handlungsfelder von Migrantenorga­
nisationen. Die Angebote richten sich
an Eltern, Kinder, Jugendliche und
Frauen und werden häufig in Koope­
ration mit Schulen, Kindergärten und
Volkshochschulen durchgeführt. Sie
umfassen einen weiten Wirkungskreis
von der vorschulischen Erziehung
bis hin zur Anerkennung von Berufs­
abschlüssen, organisieren Hausauf­
gabenhilfe, deutsche Sprachkurse,
muttersprachlichen Unterricht, Bewer­
bungstraining, Elternabende etc.
Dieses Handlungsfeld stand bereits
in den 60er Jahren für einige Migran­
tenorganisationen im Mittelpunkt,
insbesondere wurden spanische und
griechische Elternvereine gegründet,
doch das Thema hat in den letzten
Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

14

Eher junge Handlungsfelder bilden
die Themen Ausbildung und Beruf.
Migrantenorganisationen sind in
entsprechende Netzwerke einge­
bunden und führen selbst Projekte
durch. Damit Eltern ihre Kinder in das
Berufsleben besser begleiten können,
organisieren sie Veranstaltungen zu
Berufsfeldern, erstellen Informationen
in Herkunftssprachen, laden Gäste aus
der Wirtschaft ein.
Private und öffentliche Förderpro­
gramme wie LISA – Lokale Initiativen
zur Integration junger Migranten in Aus­
bildung und Beruf der Robert-BoschStiftung zur Teilhabestärkung von
jungen Menschen mit Migrationshin­
tergrund setzen dabei auf die Experti­
se von Migrantenorganisationen, auch
wenn diese nicht Projektträger sind.
Und auch ein Pilotprojekt des Bundes­
familienministeriums und der Bundes­
zentrale für politische Bildung ist vor
kurzem in sechs Bundesländern mit
dem Ziel „Stärkung der Partizipation
von Migrantenorganisationen“ und
dem Thema: „Junge Menschen mit

Migrationshintergrund: Vielfalt und
Teilhabe im Übergang Schule - Beruf“
an den Start gegangen (vgl. BMFSFJ).

Begegnung und Kultur
Migrantenorganisationen organisieren
Begegnungen innerhalb der Com­
munity sowie mit anderen Gruppen,
Kulturen und Religionen. Sie bieten
niedrigschwellige Zugänge zu Ver­
anstaltungen, Vorträgen und Festen
und sorgen dafür, dass Menschen
mit Migrationshintergrund sich hier
„willkommen und wohl fühlen und
niemand ausgeschlossen wird“ (InPact
Projektgruppe 2004: 6).
Eine Befragung von Sinus Sociovision
von Menschen mit Migrationshinter­
grund bezüglich ihrer Erwartungen
an Migrantenorganisationen ergab,
dass 22 % der Befragten mit Lands­
leuten zusammenkommen wollen,
18 % möchten ihrer Familie den
Kontakt zur Kultur und Sprache des
Herkunftslandes ermöglichen, 16 %
den Anschluss an die Kultur und Spra­
che ihres Herkunftslandes halten (vgl.
Leipp 2010: 52).
Der Pflege der eigenen Kultur und des
Zusammenhalts in der Community
widmen sich vor allem Vereine, die
in den 1960er und 1970er Jahren ge­
gründet wurden und deren Mitglieder
heute im fortgeschrittenen Alter sind
(Hadeed 2005: 145). Aber auch für
Neuzuwanderer kann dieses Hand­
lungsfeld von Bedeutung sein.
Die junge Generation geht im Allge­
meinen von einem umfassenderen
Kulturbegriff aus, der über die jeweils
eigene Community hinausreicht,
europäisch oder transnational ausge­
richtet ist und durch Verständigung
weiterentwickelt wird: „Kulturpflege
besteht nicht nur in der Sicherung

und Dokumentation des Kulturgutes,
sondern auch in der Weiterentwick­
lung der Verständigung zwischen den
Menschen. Kulturgut darf nicht nur im
Bewusstsein von Museumspersonal,
Wissenschaftsabteilungen oder Bibli­
otheken erhalten werden. Es gehört in
die Hand der Menschen, der Vereine
und Institute, denen die Kompetenz
zur lebendigen Fortentwicklung zu­
steht“ (djo 2004: 2).

Gesundheit und Alter
Neben sozialer Beratung und Bildung
sind Gesundheit und Alter ein Hand­
lungsfeld, das angesichts des demo­
graphischen Wandels einen großen
Bedeutungszuwachs erfährt und
gleichzeitig in engem Zusammenhang
zu den Regeleinrichtungen steht. Für
den gleichberechtigten Zugang zum
Gesundheitssystem bestehen vielfache
Barrieren auf Seiten der Institutionen
– auch Informationsdefizite über ge­
sundheitliche Angebote oder Sprach­
barrieren stellen häufig einen Hinde­
rungsgrund für die Inanspruchnahme
von Leistungen dar. In vielen Gesund­
heitsämtern und Kliniken wiederum ist
ein kulturspezifisches Verständnis von
Gesundheit und Krankheit, Schwan­
gerschaft, Geburt oder Tod relativ we­
nig ausgeprägt.
Seit einigen Jahren beschäftigen sich
Migrantenorganisationen verstärkt mit
der Lebenssituation älterer Menschen.
Deren Anliegen werden künftig auch
für freie Träger und Senioreneinrich­
tungen ins Blickfeld rücken, sowohl die
kultursensible Pflege in Einrichtungen
wie die Unterstützung pflegender
Familien. Mit dem Nationalen Aktions­
plan Integration wurde erstmals ein
Dialogforum zum Thema Gesundheit
und Pflege eingerichtet.

Wirtschaft
Schließlich bilden auch wirtschaftliche
Interessen ein Motiv, um sich zusam­
menzuschließen. So gibt es türkische
Arbeitgeberverbände, Arbeitsgemein­
schaften für Akademiker, Ärztever­
bände oder Zusammenschlüsse von
Handwerkern und Einzelhändlern.
Dabei geht ihr Wirkungskreis meist
über wirtschaftliche Interessen hinaus.
Die Arbeitsgemeinschaft selbständiger
Migranten e.V. in Hamburg beispiels­
weise verfolgt auch soziale und ge­
meinwesenorientierte Ziele und will
Teilhabe stärken: Unternehmer mit
Einwanderungshintergrund werden als
Ausbilder für das Duale System der Be­
rufsausbildung gewonnen, es werden
Informationen über Berufsbilder nach
dem Berufsbildungsgesetz erarbeitet
und Ausbildungsplätze akquiriert (vgl.
ASM 2012).

2.5 Veränderte Migrationsrealität
– neue Herausforderungen
In nächster Zukunft werden sich
Migrantenorganisationen weiterhin
in diesen gesellschaftsbezogenen
Handlungsfeldern engagieren und
integrative Brückenfunktionen über­
nehmen. Möglicherweise werden sich
einige von ihnen stärker transnational
ausrichten, werden neue Netzwerk­
strukturen oder Vereine aufgebaut, die
sich den Herausforderungen einer ver­
änderten Migrationsrealität stellen.

Transnationale Brücken
Migrantenorganisationen bilden –
und neuere Wissenschaftsdiskurse
unterstreichen dies – ob ihres grenzü­
berschreitenden Charakters transnati­
onale Brücken in die Herkunftsländer
und darüber hinaus in die globale Rea­
lität. Schon für ihr gegenwärtiges Wir­

ken wird festgestellt, dass sie „genuin
zwischen den Herkunfts- und den An­
kunftsgesellschaften aufgespannt sind
und nur in dieser Perspektive auch ihre
Arbeitsweise und Dynamik zu verste­
hen sind“ (Pries/Sezgin 2010: 24).
Dabei erfahren Herkunftsgesellschaf­
ten und Fragen der Rückkehr „ent­
sprechende Aufmerksamkeit, indem
Migranten als ein wichtiges Vehikel für
den Transfer von Kapital und Wissen
angesehen werden. Dies verweist auf
ein verändertes Bewusstsein von Her­
kunfts- und Aufnahmegesellschaften
in Bezug auf das Potenzial von Mi­
granten – was im Wandel der Perspek­
tive von der Defizit- zur Ressourcen­
orientierung zum Ausdruck kommt“
(Schimany/Schock 2010: 333).

Migration und Mobilität
Auch werden sich vor dem Hinter­
grund einer zunehmenden interna­
tionalen Mobilität die Erwartungen
an Integration verändern. Viele junge
Leute orientieren sich weder an einem
endgültigen Bleiben in dem jeweiligen
Zielland noch fassen sie eine endgül­
tige Rückkehr in ihr Herkunftsland ins
Auge. Vielmehr bewegen sie sich zu­
nehmend in transnationalen Räumen,
leben für längere oder kürzere Lebens­
abschnitte in New York, Istanbul, Paris
oder Berlin und pflegen ihre familiären
oder freundschaftlichen Beziehungen
über Länder und Kontinente hinweg.
Das traditionellel Zusammendenken
von Migration und Integration wird
sich ausdifferenzieren.

Zuwanderung Hochqualifizierter
Da Wirtschaft und Politik in Deutsch­
land angesichts des demographischen
Wandels und des sich abzeichnenden
Fachkräftemangels auf Zuwande­
rung von qualifizierten Kräften aus

15

Drittstaaten hoffen, treten Themen
wie beispielsweise die Anerkennung
von im Ausland erworbenen Berufs­
abschlüssen und Unterstützungslei­
stungen in der Ankommensphase
stärker in den Vordergrund. Der Bun­
destag verabschiedete im April 2012
das Gesetz zur Einführung der „Blauen
Karte EU“ und setzte damit eine 2009
verabschiedete Richtlinie der Europä­
ischen Kommission um. Damit wird
Zuwanderung für Facharbeiter und
Akademiker aus Nicht-EU-Ländern
erleichtert.
Serviceorientierung wie im WelcomeCenter in Hamburg gelten als weg­
weisendes Beispiel für den Abbau
von institutionellen Barrieren und
eine neue Willkommenskultur. Auch
Forschungsthemen beschäftigen sich
zunehmend mit der Frage, wie Städte
und Infrastrukturangebote für qua­
lifizierte Zuwanderer attraktiver und
internationaler werden können. Um
neue Zuwanderergruppen gewinnen
zu können, bedarf es der interkultu­
rellen Ausrichtung von administrativen
Dienstleistungen auch in mittelgroßen
und kleineren Städten. Beim Zuzug
von Familien erwarten auch die Ehe­
partner Unterstützung (dual career)
für ihren Berufsweg. Es geht um Woh­
nungssuche, die Vermittlung von ge­
eigneten Kitaplätzen, das Dolmetschen
in Betrieben. Chancen auch für Mi­
grantenorganisationen? Vieles deutet
darauf hin, dass sie sich künftig neue
Handlungsfelder erschließen können.

Zunehmende Zuwanderung aus ost­
und südosteuropäischen Ländern
Schließlich wird die Zuwanderung aus
ost- und südosteuropäischen Ländern
einige Migrantenorganisationen vor
neue Herausforderungen stellen. Im
Migrationsbericht 2010, der vom Bun­
desamt für Migration und Flüchtlinge

16

im Auftrag der Bundesregierung er­
arbeitet wurde, wird ersichtlich, dass

zahlenmäßig in den letzten Jahren

die meisten Menschen aus Osteuropa

zuwanderten, insbesondere aus Polen

sowie den neuen EU-Mitgliedsländern

Rumänien und Bulgarien. Auch hat die

Zahl der Asylerstanträge stark zuge­
nommen (vgl. BMI 2012: 9).

Beispiel in den Modellprojekten für

Neuzuwanderer / Yeziden:

Projekt 14: Integration gemeinsam

gestalten! (Oldenburg)


2.6	 Migrantenorganisationen
auf dem Weg zur Teilhabe­
normalität?
Wenngleich Migrantenorganisationen
vielfältige Aufgaben der Integrations­
förderung übernehmen und soziale
Dienstleistungen erbringen, so ist ihr
Mitwirken an Entscheidungs- und
Gestaltungsprozessen in der plura­
listischen Stadtgesellschaft und ihre
gleichberechtigte Teilhabe in der viel­
fältigen Trägerlandschaft noch keine
Normalität. Insbesondere für kleine
Migrantenvereine und Migrantinnenor­
ganisationen bestehen Hürden, „in die
Mitte gesellschaftlicher Institutionen
vorzudringen und von diesen als Koo­
perationspartner auf Augenhöhe aner­
kannt zu werden“ (BMFSFJ 2011: 35).
Gleichwohl sich Funktion und Einfluss
von Migrantenorganisationen bei der
Herstellung und Verteilung öffentlicher
Dienstleistungen in den Kommunen
im Laufe der Jahrzehnte verändert
haben, so wird künftig die gleichbe­
rechtigte Teilhabe von Migrantenor­
ganisationen an den Ressourcen und
Strukturen der Integrationsarbeit an
Bedeutung gewinnen. Waren sie in
der Anfangsphase vor allem Steue­
rungsobjekt und Bittsteller, so gibt

es heute zahlreiche Beispiele einer
strategischen Zusammenarbeit und
Partnerschaft. Auch die Modellprojekte
sind Bausteine auf diesem Weg, damit
Migrantenorganisationen ihre Voraus­
setzungen durch Qualifizierung und
Vernetzung verbessern und sich in die
Zivilgesellschaft als kompetenter Part­
ner einbringen. Dafür sind auch för­
dernde Strukturen vor Ort erforderlich.
Helmuth Schweitzer, Leiter der RAA/
Büro für Interkulturelle Arbeit der Stadt
Essen, hat dies in seinem Vortrag bei
der Themenveranstaltung im Novem­
ber 2010 aufgezeigt.

Essener Verbund der Immigrantenvereine e.V.
In Essen agieren etwa 100 Migran­
tenorganisationen – etwa 70 ge­
meinnützig anerkannte Vereine ha­
ben sich im Dachverband „Verbund
der Immigrantenvereine Essen e.V.“
zusammengeschlossen. Dieser wird
durch die Stadt auf Grundlage eines
Kooperationsvertrages finanziell
unterstützt und fachlich begleitet.
Er erhält eine institutionelle För­
derung für die Geschäftsführung
(1/2 Stelle und Sachkosten), um die
Mitgliedsvereine zu beraten, wie sie
anerkannte Partner der etablierten
Träger der Integrationsarbeit in Es­
sen werden. Erklärtes Ziel der Koope­
ration ist die strukturelle Sicherung
der Verbundarbeit zur Unterstützung
der Migrantenorganisationen, damit
die Partizipation und Vernetzung
nachhaltig verbessert wird. Die Stadt
verfolgt den Handlungsansatz „Mi­
grantenorganisationen - Partner in
der Kommune“ durch Fortbildungen,
Veranstaltungen und Gemein­
schaftsprojekte für und mit Essener
Migrantenorganisationen, Fach­
dienststellen der Verwaltung und
freien Trägern.

Weiterleiten
Institutioneller
Pluralismus eingeschränkt vom Klientel
InfoGeber

Steuerungs­
objekt

Abb 2.

an andere
Dienstleister

Aktiver
Bittsteller

Institutioneller Pluralismus akzeptiert

Co-Produzent

Annahme des
Klientels anderer
Dienstleister

Vertrags­
partner

Berater

Funktionale
Integration

Strategische
Zusammenarbeit

Politische Skala zivilgesellschaftlichen Engagements. Quelle: Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik (2010)

Fürsorge- und
Steuerungs­
objekt

In der ersten Phase der Zuwanderung
waren Migrantinnen und Migranten
vor allem Objekt von Fürsorge und
Betreuung durch die Wohlfahrtsver­
bände. Diese kümmerten sich um
soziale Probleme der „Gastarbeiter“
und deren Familien und betreuten
sie nach Nationalitäten. Die Caritas
war zuständig für die (katholischen)
Zuwanderer aus Italien, Spanien und
Portugal, die griechischen Einwande­
rer wurden vom Diakonischen Werk
betreut, die türkischen und jugoslawi­
schen Zuwanderer sowie diejenigen
aus den Anwerbeländern außerhalb
Europas von der Arbeiterwohlfahrt.
Für Verwaltung und Politik waren sie
Objekt der Steuerung. Von Institutio­
nen (Kitas, Schulen) wurden sie um
Informationen über Lebensweisen
und Bedürfnisse ihrer Community
gebeten. Ratsuchende leiteten sie an
andere Dienstleister weiter.

Sachverstän­
digen- und
Mittlerrolle

In der nächsten Phase werden Migran­
tenorganisationen als Sachverständi­
ge und kulturelle Mittler wahrgenom­
men und stärker in die Entwicklung
von kommunalen sozialen Dienstlei­
stungen integriert. Nun nehmen sie
auch das Klientel anderer Dienstleis­
tungsträger in ihren Einrichtungen an,
werden als informelle Co-Produzenten
und als formale Vertragspartner ge­
wonnen. Sie werden als kompetente
Ansprechpartner, Brückenbauer und
Experten in Integrationsfragen ange­
sehen. Sie kennen ihre Communities,
übernehmen selbständig Aufgaben
der Beratung, haben Zugang zu den
Zielgruppen, die von anderen Trägern
der Integrationsarbeit oft nicht oder
nur wenig erreicht werden. In vielen
Kommunen sind sie als interkulturelle
Mittler anerkannt, initiieren Dialoge
und begleiten interkulturelle Öff­
nungsprozesse.

Kooperations­
akteur und
Partner

In den letzten Jahren sind Migranten­
organisationen zunehmend Träger
eigener sozialer Projekte geworden
und haben sich als Anbieter von
Dienstleistungen etabliert. Vor allem
in den Bereichen Bildung, Gesundheit,
Gemeinwesenentwicklung und öf­
fentliche Sicherheit verstehen sie sich
als Mitgestalter. Vielerorts hat sich mit
den Wohlfahrtsverbänden eine funk­
tionale Arbeitsteilung herausgebildet
und findet eine partnerschaftliche Zu­
sammenarbeit auf Augenhöhe statt.
Da Migrantenorganisationen in erster
Linie ehrenamtlich Integrationsarbeit
leisten, stoßen sie an Grenzen. Pro­
fessionalität und Hauptamtlichkeit in
der Vereinsarbeit, die Förderung von
Grundausstattung und Infrastruktur
stehen auf der Agenda. Im wachsen­
den institutionellen Pluralismus müs­
sen sich Partnerschaft und Konkurrenz
immer wieder neu ausbalancieren.

17

2.7

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: 

Partizipationsförderung von Migrantenorganisationen auf unterschiedlichen Ebenen


Die Integrationsarbeit von Migran­
tenorganisationen wurde seitens des
Bundes in eine breite Integrationsstra­
tegie eingebettet. Auf dieser Grund­
lage hat das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge in den letzten Jahren
seine Anstrengungen auf unter­
schiedlichen Ebenen verstärkt, um die
Zusammenarbeit mit Migrantenorga­
nisationen zu intensivieren und deren
Akteursrolle in der Integrationsförde­
rung zu professionalisieren.

Dialog und Qualifizierung

Konzepte und Strategien

Integrationsprojekte

Migrantenorganisationen werden in
Diskussion- und Entwicklungsprozesse
des Bundesamts eingebunden. Ein
Beispiel dafür war ihr beratendes Mit­
wirken bei der Erarbeitung des bun­
desweiten Integrationsprogramms.
Und In dem Projekt Strukturelle För­
derung von Migrantenorganisationen
wurde eine Arbeitsgruppe gebildet,
in der Dachverbände und Organisati­
onen Vorschläge dazu erarbeiteten.

Migrantenorganisationen partizi­
pieren nun deutlich stärker bei der
Förderung von Integrationsprojekten.
Wurden im Jahr 2008 etwa 10 Prozent
der 430 vom Bundesamt geförderten
Projekte von Migrantenorganisatio­
nen durchgeführt (Schindler 2008:
10), so ist der Anteil der Projektförder­
mittel für sie inzwischen auf über 30
Prozent angestiegen. Die „Richtlinien
zur Förderung von Maßnahmen zur

Das Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge hat zahlreiche Fachta­
gungen und Veranstaltungen mit gro­
ßer Beteiligung von Migrantenorgani­
sationen durchgeführt. Auch werden
Multiplikatorenschulungen zur Pro­
fessionalisierung und Weiterqualifi­
zierung von Migrantenorganisationen
als Träger von Integrationsangeboten
gefördert.

gesellschaftlichen und sozialen In­
tegration von Zuwanderinnen und
Zuwanderern“ (2010) sehen erstmals
ausdrücklich eine umfassende Mitwir­
kung von Migrantenorganisationen
an der Integrationsförderung vor.

Modellprojekte
Das Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge initiiert und fördert Mo­
dellprojekte mit Blick auf Migranten­
organisationen, um deren Beteiligung
zu stärken, übertragbare Erkenntnisse
zu gewinnen und seine Integrations­
strategie weiter zu entwickeln:
− In den Jahren 2006 bis 2009 wurden
in Zusammenarbeit mit Wohlfahrts­
verbänden und dem Internationa­
len Bund 16 Modellprojekte zum
bürgerschaftlichen Engagement ge­
fördert (BAMF / Stiftung Bürger für
Bürger 2009) und
− von 2009 bis 2011 wurden die Mo­
dellprojekte zur verstärkten Partizi­
pation von Migrantenorganisati­
onen durchgeführt, die Gegenstand
dieses Abschlussberichts sind.
Vor-Ort-Aktivitäten
Schließlich unterstützen 23 Regional­
stellen des Bundesamts die in ihrem
Umfeld wirkenden Migrantenorga­
nisationen. Sie bieten Beratung zu
Förderprogrammen, Integrations­
kursen und Projektförderung, geben
Hilfestellung bei der Formulierung
von Anträgen etc. Auch werden Mul­
tiplikatoren gefördert und regionale
Netzwerke unterstützt.

Zwischenbilanzveranstaltung (BAMF)

18

3.

VERSTÄRKTE PARTIZIPATION VON MIGRANTENORGANISATIONEN 

DURCH MODELLPROJEKTE


Im September 2009 startete das Bun­
desamt für Migration und Flüchtlinge
das Interessenbekundungsverfahren
zur Durchführung der Modellprojekte
zur verstärkten Partizipation von Mi­
grantenorganisationen. Dabei wurde
die gemeinsame Beantragung eines
etablierten Trägers, der auch eine er­
fahrene Migrantenorganisation sein
konnte, mit einer oder mehreren Mi­
grantenorganisationen vorgegeben.
Die einzureichende Projektidee sollte
im Projekt- oder Mentoringtandem
umgesetzt werden.
Es wurden über 200 Projektideen ein­
gereicht, 15 Modellprojekte wurden
ausgewählt.
Neben dem modellhaften Charakter
der Zielsetzung einer verstärkten
Partizipation von Migrantenorganisati­
onen sowie der Durchführung der Pro­
jekte im Tandem hat sich rückblickend
auch der Gesamtprozess mit seinen
Elementen des Erfahrungsaustauschs
und der Qualifizierung als wegwei­
send erwiesen.
Vergleichbare Erfahrungen lagen aus
Berlin vor: Hier wurden mit dem Motto
Vielfalt fördern – Zusammenhalt stär­
ken vom Berliner Abgeordnetenhaus
über mehrere Jahre (2006 bis 2009)
zwei Aktionsprogramme aufgelegt, in
denen die Zusammenarbeit von etab­
lierten Trägern und Migrantenorgani­
sationen im Tandem als Teilnahmevo­
raussetzung vorgegeben wurde.
Die Prozesse wurden ebenfalls fach­
lich und wissenschaftlich begleitet
und sind öffentlich dokumentiert (vgl.
SenIAS 2007, 2010). In den Modell­
projekten des Bundesamts wurde der
Schwerpunkt jedoch weniger auf eine
handlunsfeld- und zielgruppenbezo­
gene Projektumsetzung als auf das
Oberziel der verstärkten Partizipation

von Migrantenorganisationen gelegt.
Dafür sollten die Voraussetzungen ver­
bessert werden.

3.1 	 Oberziel: Verstärkte Parti­
zipation von Migranten­
organisationen
Mit der Initiierung der Modellprojekte
war nicht nur die Erwartung verbun­
den, dass die beteiligten Migrantenor­
ganisationen in Kooperation mit etab­
lierten Trägern erfolgreiche Projekte
realisieren. Sie sollten auch in die Lage
versetzt werden, sich als selbständiger
und qualifizierter Akteur der Integra­
tionsarbeit weiter zu entwickeln und
Impulse vor Ort für eine verstärkte
Teilhabe von Menschen mit Migrati­
onshintergrund auszulösen.

Verstärkte Partizipation der
Migrantenorganisationen
Mit Partizipation war auch eine Gleich­
berechtigung in der Träger- und Ver­
einslandschaft vor Ort verbunden.

... an Förderprogrammen des BAMF
Migrantenorganisationen sind in der
öffentlichen Projektförderung unter­
repräsentiert. „Ziel des Bundesamtes
ist es“, so hieß es im Interessenbe­
kundungsverfahren, „Migrantenor­
ganisationen künftig verstärkt und in
angemessenem Umfang an der Pro­
jektförderung zu beteiligen.“ Die Mo­
dellprojekte waren dafür ein wichtiges
Qualifizierungs- und Erfahrungsfeld,
das Migrantenorganisationen zur Teil­
nahme an künftigen Förderprogram­
men des BAMF sowie anderer Instituti­
onen befähigen sollte.

... an institutioneller Pluralität

verbessern helfen. Denn Migranten­
organisationen sind „als Träger von
Integrationsangeboten nur begrenzt
an der Integrationsarbeit vor Ort be­
teiligt, obgleich sie als Brückenbauer
und Experten für die Bedarfe der Zu­
wanderer dazu beitragen, Zuwanderer
bedarfsgerecht zu erreichen, da sie
deren Hintergründe und Interessen in
der Regel gut kennen“ (ebd.).

... an Gemeinwesenentwicklung
Teilhabe vor Ort heißt auch, dass
Migrantenorganisationen als Akteur
der Zivilgesellschaft das Leben in den
Städten, Stadtteilen und Quartieren
auf unterschiedlichen Ebenen mitge­
stalten und mitentscheiden können.
Dies betrifft Gremien und Ausschüsse
und zielt auf Möglichkeitsstrukturen
für bürgerschaftliches Engagement,
damit Menschen mit Migrations­
hintergrund in den verschiedensten
gesellschaftlichen Bereichen teilhaben
können. Dafür galt es Kenntnisse und
Kompetenzen weiterzuentwickeln so­
wie Netzwerke zu erweitern.

3.2 	 Teilziele: Professionalisierung,
Vernetzung, interkulturelle
Öffnung
Teilhabe ist von fördernden Voraus­
setzungen und der Beseitigung von 

Barrieren abhängig. Diese gilt es zu 

identifizieren und abzubauen. Es gibt 

aber auch „Hebel“, wodurch Teilhabe 

initiiert, unterstützt und ausgebaut 

werden kann. Im Rahmen der Modell­
projekte ist dies in drei Handlungsan­
sätzen und Teilzielen ausgedrückt:

− Qualifizierung, Professionalisierung,

− Vernetzung,

− Interkulturelle Öffnung.


Qualifizierung und Professionalisie­
rung in Tandemkooperationen sollten
ihre Teilhabechancen nachhaltig

19

Oberziel:
Verstärkte Partizipation von Migrantenorganisationen

Professionalisierung und
Qualifizierung der MO

Verbesserung der Integrationsarbeit
durch stärkere Vernetzung der MO

Interkulturelle Kompetenzen
ausbauen
Jugendliche
aktivieren

Interkulturelle
Öffnung beider Träger

Teilhabe, freiwilliges Engagement
im Stadtteil fördern
Erziehungskompetenz
der Eltern stärken

Abb. 3: Oberziel, Teilziele und Handlungsfelder der Modellprojekte (Beer)

Teilziel 1:
Professionalisierung und
Qualifizierung der Migranten­
organisationen

Teilzeil 2:

Teilzeil 3:

Verbesserung der Integrationsarbeit
durch stärkere Vernetzung
der Migrantenorganisationen

Interkulturelle Öffnung
beider Träger

Um Partizipationsmöglichkeiten in der
Integrationsarbeit vor Ort ergreifen
und erfolgreich Projekte durchführen
zu können, reicht der Grad der Pro­
fessionalisierung und Qualifizierung
vor allem bei kleinen Organisati­
onen meist nicht aus. Häufig fehlen
Räumlichkeiten und Sachmittel, um
überhaupt erreichbar zu sein. Und
zur Beantragung und Durchführung
von Projekten oder für die Mitarbeit
in Netzwerken sind die personellen
Ressourcen gering. Hauptamtliche und
ehrenamtliche Strukturen erweisen
sich vielfach als schwer vereinbar. Und
nach eigenen Aussagen von Migran­
tenorganisationen fehlen Kenntnisse
und Erfahrungen in organisatorischen
und fachlichen Bereichen. Ein Ziel der
Modellprojekte richtete sich deshalb
auf Professionalisierung und Qualifi­
zierung: in Kooperation mit etablierten
Trägern sollten Migrantenorganisa­
tionen von deren vielfältigen Erfah­
rungen und Kompetenzen profitieren.

Die Qualität der Integrationsarbeit ist
von Vernetzung abhängig – mit ande­
ren Akteuren der Integrationsarbeit
im Sozialraum, mit Politik, Verwaltung
und Stadtgesellschaft. Kleine, rein eh­
renamtlich arbeitende Migrantenorga­
nisationen können ressourcenbedingt
kaum längerfristige Kontakte auf­
bauen, an Sitzungen (meist während
deren Arbeitszeit) teilnehmen, sich
an migrations- oder stadtpolitischen
Diskussionen beteiligen. In der Zu­
sammenarbeit mit etablierten Trägern
sollten sie je nach Zielstellung nun die
Möglichkeiten erhalten, ihre Kontakte
insbesondere zu Institutionen, Verwal­
tungseinrichtungen oder Akteuren
vor Ort nachhaltig zu erweitern und
strategisch auszurichten. Vielfach wer­
den sie in migrations- und integrati­
onsspezifischen Fragen angesprochen,
aber weniger, wenn es um Bildung,
Wohnen, Gesundheit oder um das
Gemeinwesen für alle Bürgerinnen und
Bürger geht.

Die interkulturelle Orientierung und
Öffnung von Dienstleistungsangebo­
ten und sozialen Einrichtungen ist eine
Grundbedingung, damit Menschen
unterschiedlicher Lebensorientierung
und Herkunftskultur Zugang zu ihnen
finden und daran teilhaben können.
Etablierte Träger und Verwaltungen
tun sich oft schwer mit Heterogenität
und orientieren sich an traditionellen
Bildern, wie Eltern, Frauen oder Ju­
gendliche eigentlich sein sollen und
was ihre Bedürfnisse sind. Migranten­
organisationen haben den Blick von
Innen und kennen die Interessen ihrer
Communities. Sie können Zielgruppen
dort aufsuchen, wo sie sich aufhalten
und finden einen einfacheren Zugang.
Die Modellprojekte sollten die (wei­
tere) interkulturelle Öffnung beider
Träger voranbringen: Migrantenorga­
nisationen die Öffnungsprozesse etab­
lierter Träger unterstützen und für sich
selbst eine stärkere Diversitätskultur
entwickeln.

20

Abb. 4: Logo des Projekttandems
„Integration gemeinsam gestalten!“
(Projekt 12)

3.3 	 Kooperationsformen: Projektund Mentoringtandem
Für die Modellprojekte wurden zwei
Wege der Zusammenarbeit zwischen
etablierten Trägern und Migrantenor­
ganisation gewählt:
− Tandempartnerschaft in gemein­
samer Projektdurchführung (10 Pro­
jekte) und
− Tandempartnerschaft im Mentoring
(5 Projekte).
Dabei handelt es sich um unterschied­
liche Lern- und Unterstützungsstruk­
turen bei ähnlichen Ausgangssitu­
ationen: hier Professionalität – dort
Ehrenamt, hier relativ feste und eher
hierarchische Strukturen – dort häufig
Fluktuation und unsichere Perspekti­
ven, hier Fachkenntnisse – dort eher
Feldkompetenz. Beide Partner sollten
ihre Stärken und Kompetenzen in die
Projekte einbringen und auf „gleicher
Augenhöhe“ zusammenwirken. Eine
gleichwertige Partnerschaft wurde
durch den Aufbau von hauptamt­
lichen Strukturen erleichtert.

Etablierte Träger
Bei etablierten Trägern handelt es sich
um Institutionen oder Vereine wie
Wohlfahrtsverbände, Freiwilligena­
genturen, Bildungsträger usw. , die
überwiegend nicht von Menschen
mit Migrationshintergrund gegründet
wurden. Ihre Arbeit ist professionell
und längerfristig finanziert, sie sind
vor Ort bekannt und vernetzt. Eta­
blierte Träger können auch Migranten­
organisationen sein, die in der Inte­
grationsarbeit erfahren sind. Dies traf
für drei Projekte zu. Es war auch eine
Stadtverwaltung vertreten.
Als Voraussetzung für deren Beteili­
gung an den Modellprojekten wurde
im Interessenbekundungsverfahren
ihre interkulturelle Öffnung hervor­
gehoben: „Ebenso wie die Migran­
tenorganisation, mit der zusammen­
gearbeitet werden soll, sollte auch
der etablierte Träger interkulturell
geöffnet und bereit zu einer offenen
interkulturellen Zusammenarbeit mit
Migrantenorganisationen sein.“

Die etablierten Träger erhielten die
Chance, unmittelbar Einblicke in eh­
renamtliche Strukturen von Migran­
tenorganisationen zu gewinnen sowie
von deren Seite Ideen und Impulse zu
erhalten. Sie konnten eigene Ansätze
reflektieren, interkulturelle Kompe­
tenzen trainieren, Kontakte zu den
Communities aufbauen und schließ­
lich neue Kooperationspartner für ihre
weitere Integrationsarbeit gewinnen.

Migrantenorganisationen
Migrantenorganisationen sind auf der
lokalen Ebene meist kleinere und auf
sich selbst gestellte Vereine, häufig in
Dachorganisationen eingebunden.
Sie wurden – wie bereits in Kapitel 2
dargestellt – von Migrantinnen und
Migranten gegründet. Deren Mitglie­
der sind überwiegend Menschen mit
Zuwanderungsgeschichte oder deren
Nachkommen.
Sie können sich in unterschiedlichen
Phasen ihrer Entwicklung befinden:
mit dem Aufbau ihres Vereins be­
ginnen oder schon lange Zeit aktiv

21

sein. Sie können auch unterschiedlich
strukturiert oder hierarchisiert, groß
oder klein sein. Auch bei ihnen wurde
interkulturelle Öffnung vorausgesetzt.
Da Migrantenorganisationen wie an­
dere Vereine für eine kontinuierliche
Arbeit erreichbar sein müssen, wurde
in mehreren Fällen das Einrichten ei­
ner Büro-Infrastruktur ermöglicht.
Sie erhielten in den Modellprojekten
die Chance, ihre Fähigkeiten besser
kennen und einschätzen zu lernen
und diese weiter zu entwickeln, um
später auch selbständig Integrati­
onsprojekte qualitätvoll und effizient
beantragen, gestalten und abrechnen
zu können. Mit dem Tandem erhielten
sie Einblicke in Strukturen von eta­
blierten Trägern, Zugänge zu deren
Kontakten und Netzwerken.

Mentoring
Beim Mentoring übernimmt der eta­
blierte Träger die Rolle eines aktiven
Begleiters und Ratgebers. Diese Un­
terstützungsform unterscheidet sich
von Coaching oder traditionellen Be­
ratungen, in denen eine neutrale Po­
sition eingenommen wird: Mentoring
lässt auch Engagement zu. Dies konn­
te sich je nach Bedarf auf die Mittelbe­
wirtschaftung begrenzen sowie auch
thematische oder vereinsspezifische
Schulungen und Beratungen betref­
fen. Das Bundesamt sah Mentoring
vor allem für Migrantenorganisati­
onen geeignet, die Unterstützung, Be­
ratung und Begleitung beim Aufbau

22

ihrer verbandseigenen Strukturen be­
nötigen (vgl. Interessenbekundung).
Aber auch in den Mentoring-Koope­
rationen sollte am Ende ein gemein­
sames Projekt durchgeführt werden.
So waren die Übergänge von Projektund Tandemkooperation fließend.

Tandem
Bei einer Tandempartnerschaft tun
sich ein etablierter Träger und eine
Migrantenorganisation zusammen,
um ein Projekt zu beantragen und
gemeinsam zu realisieren. Im Inte­
ressenbekundungsverfahren hieß es:
„Dabei ist es wünschenswert, wenn
die Migrantenorganisation als Antrag­
steller und Zuwendungsempfänger
auftritt. Der etablierte Träger könnte
die Migrantenorganisation als Pate
bzgl. Antragstellung, Projektabwick­
lung und Abrechnung unterstützen.
Denkbar wäre auch, dass beide Träger
einen Antrag stellen und jeweils auf
die Tandempartnerschaft hinweisen.
Dann sind beide Träger Zuwendungs­
empfänger und für ihren jeweiligen
Bereich selbst verantwortlich (einschl.
Abwicklung, Nachweispflicht).“
Eine Verbesserung der Integrations­
arbeit geschieht zum einen durch
die „kleinen Netzwerke“ der Tandemund Mentoringkooperation selbst.
Zielgruppen werden besser erreicht,
Beratungsarbeit wird verstärkt, eh­
renamtliches Engagement generiert.
Zum anderen werden längerfristige
Kontakte zu Integrationsnetzwerken

aufgebaut, ist die Teilnahme an Sit­
zungen während der Arbeitszeit und
an öffentlichen Diskussionen möglich.

Das gemeinsame Dritte
Tandemprojekte sind keine Koope­
rationsformen, bei der jeder für sich
bleibt. Arbeitsformen und Entschei­
dungswege, die sich bei den jeweils
einzelnen Trägern bewährt haben,
sind in Tandemprojekten nicht immer
tauglich und erfolgversprechend. Im
Tandem entwickelt sich eine eigene Ar­
beits- und Gesprächskultur, entstehen
gemeinsame Regeln, Produkte und
Erfolgsgeschichten. Schon die Ausei­
nandersetzung um ein eigenes Logo
in der Startphase hat die Tandempart­
ner zu Diskussionen darüber angeregt,
wie Zusammenarbeit verstanden
werden soll: Wer sitzt auf dem Tandem
vorne, wer hinten? Wer steuert, wer
tritt in die Pedale?
Die Besonderheit der Tandemkoo­
peration besteht darin, dass Prozess
und Ergebnisse der Projektarbeit in
Wechselwirkung entstehen und sich
etwas gemeinsames Drittes herausbil­
det. Dies macht untenstehendes Logo
deutlich, das der Caritas Sozialdienste
e.V. Mülheim a. d. Ruhr und der Multi­
kulturelle Familienverein Mülheim a. d.
Ruhr e.V. entwickelt haben.
Abb. 5: Logo des Projekttandems
„Interkulturelle Öffnung“ (Projekt 13)

3.4 	

Projekte und Standorte
im Überblick

Die 15 Modellprojekte sind in erster
Linie lokal ausgerichtet. Die Standorte
sind auf nachfolgender Karte ersichtlich.
Migrantenorganisationen, auch wenn
sie in überregionale Strukturen und
Dachverbände eingebunden sind,

sind ebenfalls im lokalen und regi­
onalen Kontext tätig. KOMCIWAN
ist als einziger Bundesverband mit
einem bundesweiten Projektansatz
vertreten. Durch Wettbewerbe und so
genannte Mikroprojekte wurden über
die eigentliche Projektträgerschaft
hinaus sehr viel mehr Migrantenor­
ganisationen und deren Zielgruppen

erreicht. Von den etablierten Trägern
sind drei Migrantenorganisationen:
Begegnungs- und Fortbildungszen­
trum muslimischer Frauen e.V. (Projekt
6), Multikulturelles Forum e.V. (Projekt
10), djo – Deutsche Jugend in Europa
Bundesverband e.V (Projekt 8).

Standorte der Modellprojekte
1

InterTransFair

2

PAKT –
anpacken – zupacken

3

Ge(h)fit – Gemeinsam fit für
Integration

4

Auf die Plätze, Projektantrag
und los!

5

Young & Familiy

6

Unsere Moschee

7

Projektwerkstatt

8

KOMCIWAN kommt!

9

Farbe bringt Vielfalt

10 GENDER-Lotsin
11 IKFA – Interkulturelle
Freiwilligenagentur
12 Integration gemeinsam
gestalten
13 Interkulturelle
Öffnung
14 KING
15 PARTIMO

Abb. 6: Standorte der Modellprojekte
(Windmüller, Beer)

23

Tabelle 1: Modellprojekte und beteiligte Träger

Nr.
1
2
3
4

Kurztitel
InterTransFair

Internationale Frauen Leipzig e.V.
Interkultureller Migrantinnenverein MigraMun­

anpacken – zupacken
Ge(h)fit – Gemeinsam

Taunus e.V.
Stadt Ludwigsburg, Büro für Integration

di e.V. Wiesbaden
6 Migrantenvereine und

fit für Integration
Auf die Plätze, Projekt­

und Migration

5 Vereine mit „deutschen Wurzeln“

Forum der Kulturen Stuttgart e.V.

20 Migrantenvereine

Internationaler Bund (IB), Verbund Sachsen/

Landsmannschaft der Deutschen

Thüringen

aus Russland e.V.
Diyanet Türkisch-islamisches

antrag und los!

6

Unsere Moschee

7

Projektwerkstatt

8

KOMCIWAN kommt!

9

Farbe bringt Vielfalt

10

GENDER-Lotsin

13

(DAA)
Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-

Young & Familiy

12

Deutsche-Angestellten-Akademie GmbH

Migrantenorganisation

PAKT –

5

11

Etablierter Träger

IKFA – Interkulturelle
Freiwilligenagentur
Integration gemein­
sam gestalten!
Interkulturelle
Öffnung

14

KING

15

PARTIMO

Begegnungs- und Fortbildungszentrum
muslimischer Frauen e.V.

Kulturzentrum e.V. /
Mimar-Sinan-Moschee / DITIB-Leverkusen

Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V.

15 Migrantenorganisationen

djo - Deutsche Jugend in Europa

KOMCIWAN – Kurdischer Kinder- und

Bundesverband e.V.
Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband

Jugendverband e.V.

Dortmund e.V.
Multikulturelles Forum e.V.

Africa Positive e.V.
Alevitische Jugend in NRW e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft der
Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa)

Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD)
Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigranten-

Der Paritätische Gesamtverband e.V.

Caritas Sozialdienste e.V. Mülheim a.d. Ruhr
Diakonisches Werk des ev.-luth. Kirchenkreises
Oldenburg Stadt
Otto Benecke Stiftung e.V. (OBS)

verbände in der Bundesrepublik Deutschland
e.V. (BAGIV)
Multikultureller Familienverein Mülheim
a. d. Ruhr e.V.
Yezidisches Forum e.V.
Verband der islamischen Kulturzentren e.V.
(VIKZ)

„Kleinprojekte“ von Migrantenorganisationen wurden in folgenden Projekten durchgeführt:

Projekt 3 Ge(h)fit

− Deutsche Jugend aus Russland e.V.

Projektwerkstatt

− Alevitisches Kulturzentrum in Ludwigs­

− Eritreischer Kulturverein Stuttgart e.V.

− Burundi-Kulturverein Halle (Saale) e.V.

− Expression Academy e.V. Stuttgart

− Bündnis Migrantenorganisationen Halle

− INTEGRA Stuttgart e.V.

− Deutsch-Mongolischer Verein GOBI Halle

burg und Umgebung e. V.
− DITIB- Türkisch Islamische Gemeinde zu
Ludwigsburg
− Islamische Gemeinschaft e. V.
− Kroatischer Verein „Napredak“ e. V.

− KUD Dukati Stuttgart e.V.
− Kulturrat der Deutschen aus
Russland e.V.

(Saale) e.V.
− Islamisches Kulturcentrum e.V.
− Jugend- und Studentenring der Deut­

− LUTEV e. V.

− Kunst- und Kulturverein KOLOBOK e.V.

− Polnischer Kulturverein bei der Pol­

− LYRA e.V.

− Iberoamerikanische Kulturinitiative e.V.

nischen Katholischen Gemeinde in Lud­

− Mozangola e.V.

− Landsmannschaft der Deutschen aus

wigsburg e. V.

− Serbisches Akademikernetzwerk –
Nicola Tesla e.V.

Projekt 4 Auf die Plätze,
Projektantrag und los!
− ARCES Stuttgart e.V. 

− Ashanti Union of Ghana e. V. Stuttgart

− Circulo Cultural Brasileiro e.V. 


24

− Tohum Kulturverein
− Verein Mongolischer Akademiker
in BW e.V.

schen aus Russland (JSDR)

Russland e.V.
− Shorai-Do Kempo e.V.
− Sociedad Iberoamericana Halle
„si-halle“ e.V.
− SV Wostok e.V.
− Vietnamesen in Halle (Saale) und Umge­
bung e.V. Vo-Dao Vietnam e.V.

Tabelle 2: Zielperspektiven der Projekte in der Antrags- und Startphase mit Blick auf das Projektende
1

InterTransFair

2

Es sind sachliche und materielle Voraussetzungen für die
weitere Vereinsarbeit geschaffen. Qualifizierung und
Wissenstransfer sowie Öffentlichkeitsarbeit und Netz­
werke ermöglichen Einflussnahme und schaffen Einkom­
mensmöglichkeiten.
3

Ge(h)fit – Gemeinsam fit für Integration

Es sind hauptamtliche professionelle Strukturen aufge­
baut, die es dem Interkulturellen Migrantinnenverein er­
möglichen, sich mit einem breiten Angebotsspektrum in
der Integrationsarbeit von Wiesbaden zu behaupten.
4

Migrantenvereine und Vereine mit deutschen Wurzeln
entwickeln gemeinsam Projekte der Jugend-, Eltern- und
Kulturarbeit. Sie bestimmen gemeinsam Ziele und set­
zen Maßnahmen um: Schulungen, Workshops, „kleine“
Tandemprojekte.
5

Young & Family

Projektwerkstatt

6

Farbe bringt Vielfalt

8

10

Die Verbindung von hauptamtlichen und ehrenamt­
lichen Tätigkeiten gelingt. Frauen mit Migrationshinter­
grund sind als interkulturelle Gesundheitsmediatorinnen
ausgebildet und stehen als Ansprechpartnerinnen zur
Verfügung.

GENDER-Lotsin
Frauen mit Migrationshintergrund im Alter von 20 bis
35 Jahren werden als ausgebildete Gender-Lotsinnen in
den Ortsvereinen tätig. Der Anteil von Frauen in den Lei­
tungsebenen des Vereins ist spürbar erhöht.

12

Das Mitwirken von Migrantinnen und Migranten in der
Freiwilligenarbeit ist nachhaltig verbessert. Es sind Inter­
kulturelle Freiwilligenagenturen in Berlin und Frankfurt/
Main aufgebaut und professionalisiert.
13 Interkulturelle Öffnung

KOMCIWAN kommt!
Es sind hauptamtliche Strukturen aufgebaut und die Ko­
ordinatorin gut qualifiziert. Bestehende Netzwerke sind
gestärkt und neue initiiert. Ein modulares Qualifizie­
rungskonzept ist erarbeitet und wird umgesetzt.

Afrikanische Communities sind über öffentliche Institu­
tionen und Regelstrukturen (Gesundheitsvorsorge etc.)
informiert. Vereinsstrukturen sind nachhaltig gestärkt
und professionalisiert, beide Träger stärker interkulturell
ausgerichtet.
11 IKFA – Interkulturelle Freiwilligenagentur

Unsere Moschee
Beratungsangebote sind professionalisiert und die Ziel­
gruppen sind an Themen wie Erziehung und Bildung
verstärkt interessiert. Die Vernetzung mit öffentlichen In­
stitutionen und anderen Vereinen im Sozialraum ist her­
gestellt und tragfähig.

Kleine Migrantenorganisationen setzen nach intensiver
Schulung (Fördermodalitäten, Abrechnungswesen, Be­
richterstattung etc. gemäß BAMF-Richtlinien) ihre Ideen
um. Dies stärkt ihre Partizipationschancen für die Zu­
kunft.
9

Auf die Plätze, Projektantrag und los!
Kleine Migrantenorganisationen konzipieren eigenstän­
dig Projekte im Bereich bürgerschaftlichen Engagements
und führen sie in Tandemkooperation qualifiziert durch.
Diese Erfahrungen erhöhen ihre Partizipationschancen.

Bildungskompetenz der Zielgruppen ist verbessert und
der Zusammenhalt der Generationen gestärkt. Fachkräf­
te, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren arbeiten pro­
fessioneller und „Lotsen für das Bildungswesen“ unter­
stützen Eltern.
7

PAKT – anpacken – zupacken

Integration gemeinsam gestalten!
Aktive Vereins- oder Gemeindemitglieder sind als ehren­
amtliche Lotsinnen und Lotsen in ihrer Migrantenorgani­
sation tätig und unterstützen die Integrationsarbeit der
BAGIV- Mitgliedsorganisationen.

14

KING
Strukturen und Potenziale des Vereins, ehrenamtliches
Engagement und Kompetenzen sind gestärkt. Die inter­
kulturelle Sensibilisierung und Öffnung der eigenen
Dienste und Regeldienste ist vorangekommen.

15 PARTIMO
Bildungsarbeit sowie Jugendarbeit des VIKZ sind profes­
sionaliert. Fortbildungsangebote für VIKZ-Mitarbeiterin­
nen und Mitarbeiter in Fragen der Akquirierung und Ver­
waltung öffentlicher Mittel etc. tragen zur Stärkung der
Vereinsstruktur bei.

25

4.

FACHLICHE UND WISSENSCHAFTLICHE BEGLEITUNG


Mit der fachlichen und wissenschaft­
lichen Begleitung der Modellprojekte
beauftragte das Bundesamt für Migra­
tion und Flüchtlinge

I Dr. Ingeborg Beer, Stadtforschung +
Sozialplanung, Berlin und

I Dr. Jörg Ernst, Centrum für bürger­
schaftliches Engagement e.V., Mül­
heim an der Ruhr.

4.1 Ziele und Aufgaben
Die fachliche und wissenschaftliche
Begleitung orientierte sich sowohl
inhaltlich wie in ihren methodischen
Vorgehensweisen an den Zielen der
Modellprojekte, nämlich
− der verstärkten Partizipation von Mi­
grantenorganisationen,
− einer konstruktiven Zusammenar­
beit der Träger als Tandempartner
bei Projektdurchführung oder Men­
toring,
− den spezifischen Zielsetzungen der
einzelnen Projekte,
− der Unterstützung von Nachhaltig­
keits- und Verstetigungsperspekti­
ven.

26

Dem modellhaften Charakter der
Projekte wurde durch ein breites
Veranstaltungsspektrum, Erfahrungs­
austausch sowie gemeinsame Auswer­
tungen Rechnung getragen. Die Er­
gebnisse sollten für ähnliche Zielorien­
tierungen und Integrationsstrategien
fruchtbar gemacht werden können.
Gleichzeitig galt es, den Projekten
in ihren jeweiligen spezifischen Rah­
menbedingungen, Themen und Ziel­
stellungen gerecht zu werden, ohne
eine Projektevaluierung im klassischen
Sinne durchzuführen. Zwar orientierte
sich die Begleitung an wissenschaft­
lichen quantitativen und qualitativen
Methoden und Standards. Doch ging
es ganz wesentlich um Dialog und
Kommunikation, um gemeinsames
Bewerten, Beraten, Vernetzen und An­
sprechpartner sein.
Die meisten Projekte haben zu ihrer
Zielerreichung selbst niedrigschwel­
lige Evaluierungen durchgeführt,
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
schriftlich befragt, Gespräche oder
Feed-back-Runden organisiert. Eini­
ge von ihnen wurden kontinuierlich
durch einen externen Projektcoach
(Projekt 3 Ge(h)fit) begleitet oder stan­

den im Austausch mit Wissenschaftle­
rinnen und Wissenschaftlern (Projekt
15 PARTIMO).
Eine Aufgabe ergab sich auch darin,
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in deren persönlichen Berufsper­
spektiven zu unterstützen. Zeitlich
begrenzte Modellprojekte bedeuten
auch für sie Unsicherheit – das Ende
der Projekte war für viele von ihnen
das Ende ihres Beschäftigungsverhält­
nisses. Modellprojekte sollten auch
nachhaltige Effekte für weitere Berufs­
perspektiven haben. Dabei konnte es
hilfreich sein, sich in der Integrations­
arbeit zu profilieren, Moderationen zu
übernehmen, Vorträge zu halten oder
Fachartikel zu schreiben.

4.2	 Vorgehensweisen und
Prozessbausteine
Die fachliche und wissenschaftliche
Begleitung verstand sich also zum ei­
nen als distanzierter fachlicher Akteur
und gleichzeitig als verantwortlicher
Mitgestalter des Gesamtprozesses.
Dazu bedurfte es methodisch aufei­
nander bezogener und gleichwohl
offen gestalteter Prozessbausteine,

die einzelne Elemente strukturieren
und zusammenführen – vom ersten
Kennenlernen der Projektleiterinnen
und Projektleiter sowie deren Kon­
zepte über den regionalen Erfah­
rungsaustauch und Fachtag hin zur
Präsentation der Ergebnisse am Ende
der Projektlaufzeit.

modifiziert. Nachdem sich bei den
Gesprächen vor Ort das Thema Zeit­
management übereinstimmend als
schwierig erwies, wurde bei den Re­
gionaltreffen darüber diskutiert. Auch
das große Interesse an Weiterbildung
wurde aufgegriffen – es fanden Work­
shops dazu statt.

Die Prozessbausteine waren zu Beginn
weitgehend festgelegt, doch wurden
sie im Prozessverlauf erweitert und

Da am Ende der Projektlaufzeit Per­
spektiven für Nachhaltigkeit und
Verstetigung eine große Rolle spielten,

wurde für interessierte Träger in Halle
(Saale) ein „Nachhaltigkeitstreffen“
organisiert.
Für künftige Tandemprojekte mit
Modellcharakter lässt sich daraus
schlussfolgern: Prozesse der fachlichen
und wissenschaftlichen Begleitung
brauchen Flexibilität und offene Zeit­
fenster – nicht jeder Schritt ist schon
bei Konzeptionierung des Durchfüh­
rungsdesigns vorhersehbar.

Abb. 7: Prozess der fachlichen und wissenschaftlichen Begleitung (Beer)

Startphase

Auftakt­
veranstaltung

Projektbesuche

Regionaltreffen

Hauptphase

Themen­
konferenz

Schriftliche 

Befragung (1)


Zwischenbilanz­
veranstaltung

Schriftliche
Befragung (2)

Abschlussver­
anstaltung

Schlussphase

Nachhaltigkeits­
treffen

Projektbesuche

Weiterbildungs­
workshops

Dokumentationen, Abschlussbericht, Broschüre

27

Auftaktveranstaltung
Am 10. März 2010 fand unter Leitung
das Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge in Nürnberg die Auftakt­
veranstaltung für die Modellprojekte
statt.
Michael Rosenbach begrüßte die
Vertreterinnen und Vertreter der
Modellprojekte, die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des BAMF sowie wei­
tere Gäste. Er beschrieb Integration
als wichtige Teilaufgabe des Bundes­
amtes und ging auf die neuen Förder­
richtlinien ein. Svend Clausen, der als
Moderator durch die Veranstaltung
führte, stellte Dr. Ingeborg Beer und
Dr. Jörg Ernst als fachliche und wis­
senschaftliche Begleitung vor. Er be­
grüßte Herrn Sittler vom Generali Zu­
kunftsfonds sowie Frau Klingenhagen
und Herrn Becher als Vertreter des
vom Bundesamt geförderten Projekts
„TANDEM - Integration von Qualifika­
tion von Selbstorganisation“, das von
der Arbeitsgemeinschaft der Evange­
lischen Jugend in Deutschland e.V. in
Kooperation mit dem Bund der Alevi­
tischen Jugendlichen in Deutschland
e.V. durchgeführt wird.

Oben: Auftaktveranstaltung, Romy Bartels
Mitte: Auftaktveranstaltung, Plenum
Unten: Regionaltreffen Leipzig
(Fotos: Elsässer, Beer)

Romy Bartels beschrieb die Eck­
punkte der Integrationsförderung des
Bundesamts, die Ziele der Modellpro­
jekte und den Perspektivwechsel im
Umgang mit Migrantenorganisati­
onen. Die Träger stellten ihre Konzep­
te und Kooperationen in den Mittel­
punkt. Ingeborg Beer und Jörg Ernst
gaben einen ersten Überblick über
die Ziele und „Prozessbausteine“ der
fachlichen und wissenschaftlichen
Begleitung.
Ingeborg Beer stellte Ergebnisse und
Erfahrungen des Berliner Aktionspro­
gramms Vielfalt fördern – Zusammen­
halt stärken vor unter dem Titel: Zu­

28

sammenarbeit im Tandem: Mögliche
Konflikte und Probleme.
Im Rückblick erwies sich die Auftakt­
veranstaltung als „Geburtsstunde“
einer „Projektfamilie“. Neben dem in­
tensiven fachlichen Austausch trugen
auch gemeinsame Abendessen oder
Stadtführungen bei den Regionaltref­
fen dazu bei.

Erste Projektbesuche
Im Mai 2010 wurden alle Projekte be­
sucht und mit den Verantwortlichen
leitfadengestützte Gespräche ge­
führt. Dabei wurde deutlich: Der Start
der Projekte ist gut gelungen. „Wir
ergänzen uns gut“, „Vertrauen ist da“,
und „Wir lernen, dass nicht alle einer
Meinung sein müssen“ – so und ähn­
lich lauteten die Statements. Schon
in der Anfangsphase beschrieben die
meisten Partner ihre Zusammenarbeit
auf „gleicher Augenhöhe“. Die Ziel­
gruppen wurden gut erreicht. Hürden
und Hemmnisse wurden vor allem in
äußeren Rahmenbedingungen gese­
hen (z.B. öffentliche Wahrnehmung).

Regionaltreffen
Am 16. Juni 2010 fanden Regional­
workshops in Leipzig und Köln statt.
Neben dem Erfahrungsaustausch
(Was gut gelingt – Was schwierig ist
– Was verbessert werden soll) stand
das Thema Zeit im Mittelpunkt, da in
den Projekten berufliche und ehren­
amtliche Professionalität zusammen­
geführt wurden. Zwischen hohen
Erwartungen und drohender Überfor­
derung wurden Wege ausgelotet und
betont: Unterschiedliche Ressourcen
müssen respektiert, jeweilige Zeit­
budgets berücksichtigt, eine gerechte
Balance von Leistung und Entloh­
nung gefunden werden.

Links: Zwischenbilanzveranstaltung
Rechts: Regionaltreffen in Halle

Themenkonferenz
Die Themenkonferenz führte die Mo­
dellprojekte am 23. November 2010
nach Frankfurt am Main. Sie widmete
sich der „Interkulturellen Arbeit und
Zusammenarbeit in den Projekten und
Quartieren.“ Dr. Helmuth Schweitzer
vom RAA-Büro in Essen beklagte in
seinem Vortrag das Nebeneinander
von Modellprojekten und Regelstruk­
turen. Aus seiner Sicht gelingt es den
kommunalen Verwaltungen kaum,
Modellprojekte in die Regelstrukturen
zu integrieren, „Projektitis“ sei der
Normalfall. Partizipation und inter­
kulturelle Öffnung, so seine kritische
These, müssen für Migrantenorgani­
sationen auch mit dem Zugang zum
Macht- und Entscheidungssystem
einhergehen.
In Arbeitsgruppen wurden folgende
Themen diskutiert und in praktischen
Übungen vertieft:
− Wir und die Anderen. Rollenbilder in
der Zusammenarbeit überprüfen
und Chancenungleichheiten be­
rücksichtigen (Leitung: Susanne
Bourgeois).
− Motivieren – Delegieren – Leiten. Von
der ehrenamtlichen Mitarbeit zur
Leitungsfunktion in Projekten
(Leitung: Ercüment Toker).

− Gemeinsam sicher, überzeugend und
kooperativ auftreten. Wie gleiche Au­
genhöhe nach Außen vermittelt
werden kann (Leitung: Sosan Azad).

Erste schriftliche Befragung
Zur Vorbereitung der Zwischenbilanz­
veranstaltung wurde eine schriftliche
Befragung der Projektträger durch­
geführt. Daran haben sich alle 15 Pro­
jekte beteiligt.
Veränderungsbedarfe richteten sich
vor allem darauf, die Rolle der Migran­
tenorganisationen deutlicher zu stär­
ken: Sie wünschten mehr Befähigung
zu Eigenständigkeit, die Reflexion der
Kommunikationswege, eine deutliche
Verlagerung von der eigentlichen Pro­
jektarbeit hin zur Aussendarstellung.

stetigung vorgestellt, das im weiteren
Prozess vertieft werden sollte.
Dr. Uwe Hunger und Stefan Metzger
stellten Ergebnisse einer Untersu­
chung vor, die sie im Auftrag des Bun­
desamts zu Erfolgs- bzw. Misserfolgs­
faktoren von Kooperationen zwischen
etablierten Trägern und Migrantenor­
ganisationen in Berlin durchgeführt
hatten (vgl. BAMF 2011). Dabei wurde
deutlich, dass erfolgreiche Kooperati­
onen stark durch externe Faktoren be­
einflusst werden, insbesondere durch
finanzielle Rahmenbedingungen, in­
haltliche Beratung und Einflussnahme
von außen sowie durch den öffentli­
chen Diskurs.
Anschließend gab es ein so genanntes
„Stehcafé“, bei dem folgende Fragen
diskutiert wurden:

Zwischenbilanzveranstaltung
Am 24./25. Februar 2011 fand in Nürn­
berg die Zwischenbilanzveranstaltung
statt.
Von Seiten der fachlich-wissenschaft­
lichen Begleitung wurde ein erstes
Fazit auf Grundlage der schriftlichen
Befragung und der Auswertung bishe­
riger Veranstaltungen und Gespräche
gezogen. Auch wurde ein Konzept
zum Thema Nachhaltigkeit und Ver-

− Tisch 1: Genügen die Modellprojekte
ihren Ansprüchen? Qualitäts- und
Erfolgskriterien.
− Tisch 2: Haben die Modellprojekte
eine innovative Wirkung? Einfluss
auf Regelstrukturen.
− Tisch 3: Wie lassen sich Aussenbilder
verändern? Öffentlichkeitsarbeit
und Medien.
− Tisch 4: Mehr Kontakte - mehr
Macht? Netzwerke und Einfluss­
möglichkeiten.

29

− Tisch 5 Was kommt danach? Mög­
liche erste Schritte der Träger nach
Projektlaufzeit.
Am zweiten Tag referierten Gäste aus
einer Kommune, dem Landesnetz­
werk Bürgerschaftliches Engagement
in Bayern, von Stiftungen sowie der
Wirtschaft zu Nachhaltigkeitsper­
spektiven. Auch präsentierten sich
die Projekte unter dem Motto „1 qm
Projekte“ und kamen mit den Refe­
rentinnen und Referenten sowie den
Vertreterinnen und Vertretern des
Bundesamts und anderen Gästen in
Diskussion.

Weitere Projektbesuche
Oben: Besuch bei „InterTransFair“ in
Leipzig e.V. (Projekt 1)
Unten: Teilnehmerinnen und Teilnehmer
beim „Nachhaltigkeitstreffen“ in Halle
(Fotos. Beer)

Weitere Projektbesuche dienten der
laufenden Beratung, Veranstaltungs­
besuchen vor Ort, der Unterstützung
von Nachhaltigkeitsperspektiven. An
einigen Verstetigungsgesprächen
nahmen Vertreterinnen und Vertreter
kommunaler Verwaltungen, z. B. In­
tegrationsbeauftragte, teil. Auch wur­
den Gespräche mit der Geschäftsfüh­
rung etablierter Träger geführt und
dabei Weiterführungsperspektiven
ausgelotet.

elle Verstetigungsszenarien und erste
projektübergreifende Empfehlungen
aus Sicht der Modellprojekte“. Aus
Sicht der fachlichen und wissen­
schaftlichen Begleitung wurden
Anregungen für die Schlussphase
gegeben, gemeinsam ein Fazit zu den
erreichten Ergebnissen gezogen und
Empfehlungen für den Abschlussbe­
richt erarbeitet.

Zweite schriftliche Befragung
Die zweite schriftliche Befragung
diente einer abschließenden Bewer­
tung der Projekte durch die Projekt­
leiterinnen und Projektleiter sowohl
der etablierten Träger wie der Migran­
tenorganisationen. Dabei standen
Zielerreichung, Zusammenarbeit und
Ausblicke im Mittelpunkt.

Auswertungen, Dokumentationen
Prozess und „Bausteine“ der fachlichen
und wissenschaftlichen Begleitung
wurden in vier Dokumentationen fest­
gehalten. Damit wurden Erfahrungen,
Erkenntnisse, Bewertungen, Vorträge
und Workshopergebnisse für alle Pro­
jektbeteiligten zeitnah zur Verfügung
gestellt.

Weiterbildungsworkshops
Abschlussveranstaltung
Es gab zwei Weiterbildungswork­
shops mit Fachexperten, an denen
auch Vertreterinnen und Vertreter der
Mikroprojekte teilnehmen konnten.
Themen waren Fundraising und Öf­
fentlichkeitsarbeit. Sie fanden guten
Anklang. Gleichzeitig wurde deutlich,
dass Weiterbildungsangebote für Eh­
renamtliche angesichts weiter Anrei­
sen wohnortnah von Vorteil wären.

Nachhaltigkeitstreffen
Am 15. September 2011 fand ein Pro­
jektetreffen statt mit dem Titel: „Aktu­

30

Bei der Abschlussveranstaltung am
8. Dezember 2011 wurde eine weit­
gehend positive Bilanz zu den Ergeb­
nissen der Modellprojekte gezogen
und aufgezeigt, wie die Partizipation
von Migrantenorganisationen durch
Professionalisierung und Qualifizie­
rung, Netzwerke und interkulturelle
Öffnung in kooperativen Projekten
verstärkt werden konnte.

Der Präsident des Bundesamtes für
Migration und Flüchtlinge Dr. Manfred
Schmidt unterstrich die Rolle der Mi­
grantenorganisationen als „wichtige
Partner der Integrationsarbeit vor Ort.
Sie können Menschen mit Migrations­
hintergrund häufig besser erreichen,
als dies staatlichen Einrichtungen ge­
lingt und schließen damit eine Lücke
zur Verwaltung.“
„Wir haben als Bundesamt bewusst
ganz unterschiedliche Kooperations­
formen gewählt, um zu lernen, was
funktioniert und was nicht“, erklärte
Katrin Hirseland, Leiterin des Referats
Grundsatzangelegenheiten der In­
tegrationsförderung im Bundesamt.
„Wichtig war uns auch, den Blick auf
beide Seiten zu richten, um zu erfah­
ren, wie beide Partner von einer Koo­
peration profitieren können.“
Dr. Ingeborg Beer ging aus Sicht der
fachlich-wissenschaftlichen Beglei­
tung der Frage nach, ob und wie die
Partizipation von Migrantenorgani­
sationen gestärkt wurde. Im Zusam­
menwirken mit Praxis-Statements von
Ulla Berner (Stadt Ludwigsburg) und
Veye Tatah (Africa Positive e.V.) wurde

weitgehend eine Erfolgsbilanz prä­
sentiert: „Migrantenorganisationen,
besonders kleinere, haben durch die
Kooperationen viel Selbstsicherheit
und Handlungskompetenz gewonnen
und damit – neben Netzwerken und
neuen Kontakten – ihre Partizipations­
chancen deutlich gestärkt.“
Am Ende fand eine Podiumsdiskus­
sion über die Nachhaltigkeit von
Projektarbeit statt, an der folgende Ex­
peritinnen und Experten beteiligt wa­
ren: Katrin Hirseland (BAMF), Harald
Löhlein (Der Paritätische Gesamtver­
band), Michael Rosenbach (BAMF),
Petra Schneutzer (Stadt Halle), Mamad
Mohamad (Freiwilligen-Agentur
Halle-Saalkreis e.V.), Veye Tatah (Africa
Positive e.V.), Rolf Graser (Forum der
Kulturen Stuttgart).

Links oben: Verantwortliche aus den Pro­
jekten und dem BAMF mit dem Präsidenten 

Dr. Manfred Schmidt

Rechts oben: Dr. Manfred Schmidt, BAMF

Mitte: Katrin Hirseland, BAMF

Unten: Ulla Berner, Stadt Ludwigsburg, 

Dr. Ingeborg Beer und 

Veye Tatah, Africa Positive e. V.

(Fotos. BAMF)


Dabei wurde hervorgehoben, dass
kulturelle Vielfalt längst Normalität sei
– dies müsse sich in Förderstrukturen
stärker niederschlagen. Michael Ro­
senbach (BAMF) unterstrich in seinem
Schlusswort, dass die Förderung von
Migrantenorganisationen und von
Kooperationen ein wichtiges Anliegen
des Bundesamtes bleiben werde.

31

5.

ERSTE ERGEBNISSE IM ÜBERBLICK 


Die quantitative Dimension der Mo­
dellprojekte ist in nebenstehender
Tabelle ersichtlich. Sie bezieht sich auf
die Zahl der hauptamtlich und ehren­
amtlich tätigen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter sowie auf die mit den Pro­
jekten erreichten Zielgruppen.

Breiter Kreis von Teilnehmerinnen
und Teilnehmern
Von insgesamt etwa 19.000 Personen
wurden 4.000 unmittelbar in den
Projekten und Teilprojekten sowie
etwa 12.000 Gäste in öffentlichen
Veranstaltungen erreicht. Neben den
Mikroprojekten spielten noch andere
Angebotsformen (Schulungen, Semi­
nare etc.) eine Rolle.
Angesichts der Heterogenität der
Projekte, von Zielen und Aufgaben
sowie Tandemformen bilden die quan­
titativen Informationen den Erfolg der
Modellprojekte nur bedingt ab. Pro­
jektträger interpretierten Begriffe wie
„engere Projektarbeit“ oder „öffent­
liche Veranstaltungen“ unterschied­
lich. Auch war der Begriff „Zielgrup­
pen“ mehrdeutig, umfasste sowohl die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der
Projekte wie die Vereinsmitglieder, für
die Schulungen und Workshops durch­
geführt wurden.
Zwar ist mit diesen Zahlen ein hohes
Maß an Ungenauigkeit verbunden,
doch lässt sich daraus ablesen, dass
eine große Gruppe von Menschen auf
ganz unterschiedliche Weise von den
Modellprojekten profitieren konnte.

Öffentliche Veranstaltungen
Die zahlenmäßig größte Wirkung ha­
ben öffentliche Veranstaltungen, die
entweder von einzelnen Projekten

32

Startveranstaltung von „Ge(h)fit“ in Ludwigsburg (Projekt 3)

oder von größeren Netzwerken
organisiert wurden. Straßenfeste,
interkulturelle Wochen oder Quartiers­
veranstaltungen erwiesen sich dabei
als Orte der Begegnung und interkul­
turelle Plattform im öffentlichen Raum.
Start- und Abschlussveranstaltungen
der Projekte dienten der Information
und Präsentation von Themen und
Trägern – vielfach über den lokalen
Kontext hinaus.

Mikroprojekte

Bürgerschaftlich-ehrenamtliches
Engagement

„Basierend auf den Projektzielen von
‚Farbe bringt Vielfalt‘ hatte Africa
Positive e.V. die Idee, das Afro-RuhrFestival, welches im Juni stattfand, zu
organisieren. Die tatkräftige Unter­
stützung unseres Projektpartners, des
DRK Dortmund, trug maßgeblich zum
Erfolg bei. Im Vorfeld gab es eine Pres­
sekonferenz. Am Veranstaltungstag
waren viele Pressevertreter sowie zwei
Fernsehsender (WDR und Phoenix)
anwesend.“
(Africa Positive e.V.)

Die Modellprojekte waren ein Motor
zur Gewinnung von bürgerschaft­
lichem Engagement – allein 250
Ehrenamtliche konnten in den beiden
Jahren neu gewonnen werden. Daran
haben insbesondere Migrantenor­
ganisationen mitgewirkt, denn der
Hauptanteil der hinzugewonnenen
Ehrenamtlichen entfiel auf Menschen
mit Migrationshintergrund.

Auch Mikroprojekte, die von kleinen
Vereinen im Rahmen von Wettbewer­
ben durchgeführt wurden, haben sich
als nachgefragtes Feld für Partizipation
und bürgerschaftliches Engagement
erwiesen – daran waren etwa 1.400
Menschen beteiligt.

DAA Deutsche AngestelltenAkademie Leipzig

3

3

Internationale Frauen
Leipzig e.V.

29

12

Caritasverband Wiesbaden

33

477

365

16

32

25

371

41

250

80

14

20

8

239

34

180

25

250

127

227

20

550

200

200

150

2

12

9

10

1.120

150

350

60

12

2

10

8

12

2

2.544

832

1500

37

2

35

17

25

15

600

30

2

28

1

1

20

150

1

17

26

20

3

30

33

33

2

31

253

3

14

neu ehrenamtl.

858

Migrations­
hintergrund

6

ehrenamtlich

500

weiblich

PAKT

500

2

sonstige

InterTransFair

Projektteilnehmer/innen,
Zielgruppe

Mikroprojekte

hauptamtlich

1

2

Projektmitarbeiter/innen

Öffentliche
Veranstaltg.

Träger und Tandempartner
(Kurzf.)

engere
Projektarbeit

Projekt
(Kurzf.)

insgesamt

Nr.

insgesamt

Tabelle 3: Anzahl der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, erreichte Teilnehmerinnen und Teilnehmer

MigraMundi e.V.
3

Ge(h)fit

Stadt Ludwigsburg
6 MO, 5 deutsche Vereine

4
5

6
7
8
9
10
11

12

13

Auf die
Plätze

Forum der Kulturen Stuttgart

Young &
Family

Internationaler Bund

Unsere
Moschee

15

Landsmannschaft der Deut­
schen aus Russland e.V.
BFmF e.V.
Moscheeverein

Projektwerk­
statt

Freiwilligen-Agentur

KOMCIWAN
kommt!

djo

Farbe bringt
Vielfalt

Deutsches Rotes Kreuz

21

1

20

19

16

15

3.100

Africa Positive e.V.

88

1

87

62

49

12

3.976

22

2

20

22

20

550

400

150

11

8

GENDERLotsin
IKFA

Vereine
KOMCIWAN e.V.

Bagfa e.V.

1

1

13

2

Integration
gemeinsam

Der Paritätische Gesamt­
verband

2

2

gestalten

BAGIV e.V.

5

2

3

3

Interkultu­

Caritas Sozialdienste e.V.

6

2

4

6

Multikultureller Familien­
verein

10

3

7

9

8

Diakonisches Werk der Ev.-Luth.
Kirche in Oldenburg e.V.

14

6

8

3

Yezidisches Forum e.V.
Oldenburg

13

3

10

Otto Benecke Stiftung e.V.

11

7

648

63

KING

PARTIMO

560

212

100

500

60

3000

40

126

3800

50

Multikulturelles Forum e.V.
Alevitische Jugend
TGD - Türkische Gemeinde in
Deutschland

relle Öff­
nung
14

20 MO

1
12

40

2
4

183

13

130

825

200

600

40
25

100
50

100

137

137

315

25

170

120

9

545

25

350

170

10

15

793

185

550

58

3

10

15

850

500

250

100

4

2

10

-

673

382

60

587

375

489

252

18.979

4.287

12.005

231

Verband der Islamischen
Kulturzentren
Insgesamt
Quelle: Abschlussbefragung, Selbstauskunft der Träger

1.378

1.143

33

6.

ZUSAMMENARBEIT IM TANDEM


Bei der Zusammenarbeit von etablier­
ten Trägern und Migrantenorganisa­
tionen in Projektdurchführung oder
Mentoring handelt es sich um eine
gezielte Strategie zur verstärkten Parti­
zipation von Migrantenorganisationen
und deren Zielgruppen. Bei einem
Projekttandem wurde ein Projekt ge­
meinsam durchgeführt, in einigen Fäl­
len haben etablierte Träger mit meh­
reren Migrantenorganisationen Lern­
prozesse durch Mikroprojekte initiiert.
Beim Mentoring wiederum standen
fachliche Unterstützung, Wissens- und
Erfahrungstransfer zur verbesserten
Organisationsfähigkeit der Migranten­
organisationen im Vordergrund.

6.1 	 Ausgangssituation und
Erwartungen
Sowohl etablierte Träger wie Migran­
tenorganisationen waren in Größe
und Struktur, Vereinszweck und Profil
sehr unterschiedlich. Wie hatten die
Kooperationspartner für die Interes­
senbekundung und das Antragsver­
fahren zueinander gefunden? Was
waren ihre Motive, um sich auf ein sol­
ches Vorhaben einzulassen? Und wel­
che Wirkungen haben sie sich erhofft?

Findungsprozesse
Die Analyse erfolgreicher Projektanträ­
ge zeigt, dass die Kooperationspartner
meist im gemeinsamen lokalen oder
regionalen Kontext tätig waren, sich
aus bestehenden Netzwerken kannten
oder bereits längere Zeit zusammen
arbeiteten. Formulierungen in den An­
trägen lauteten beispielsweise:
− „Die ausgewählte Migrantenorgani­
sation ist uns über verschiedene öf­
fentliche Veranstaltungen bekannt.“
− „Seit langer Zeit besteht eine ver­
trauensvolle und kooperative Zu­
sammenarbeit der beiden Antrag­
steller.“
Die etablierten Träger hatten zumin­
dest eine ungefähre Vorstellung von
den Möglichkeiten und Grenzen ihrer
künftigen Partner. So hieß es beispiels­
weise in einem Antrag: „Das allseits
anerkannte Wirken des Vereins wird
durch das ausschließliche ehrenamt­
liche, freiwillige Engagement einzelner
Mitglieder eindrücklich geprägt, aber
gleichzeitig auch zeitlich begrenzt
und durch fehlende Qualifizierungen
in professioneller Hinsicht einge­
schränkt.“

Etwa die Hälfte der Projektträger
hatten bereits zusammengearbeitet
und Erfahrungen in gemeinsamer Zu­
sammenarbeit. Auf die Frage: „Haben
Sie als Kooperations-/Tandempartner
schon vor diesem Projekt zusammen­
gearbeitet?“ ergaben sich folgende
Antworten:
− in 7 Projekten hatten die Kooperati­
onspartner bereits gemeinsam Pro­
jekte durchgeführt (3) oder in Gre­
mien oder anderen Kontexten zu­
sammengearbeitet (4),
− 8 von 15 Projektträgern antwor­
teten: „Nein, vorher noch nicht“.
Die meisten von ihnen waren der Auf­
fassung, dass Vorerfahrungen in der
Zusammenarbeit mit dem Kooperati­
onspartner von Vorteil seien.

Erwünschte Wirkungen
Es wurden hohe Erwartungen In die
Tandemkooperation gesetzt. Die ver­
stärkte Partizipation der Migrantenor­
ganisationen und der Menschen mit
Migrationshintergrund waren erklärte
Ziele – Projekt- und Mentoringtan­
dems sollten diese befördern. Doch
woran sollte erkennbar sein, dass die
Beteiligten diesen Zielen näher kom-

Tabelle 4: Erwartete Wirkungen für Migrantenorganisationen durch das Modellprojekt zu Projektbeginn

Frage: Woran sollte in Ihrem Projekt am Ende erkennbar und messbar sein, dass die MO aus dem Prozess
gestärkt hervorgeht?
Rang

Aussage

Gesamt

MO

1

Aktivitäten für Zielgruppe sind verstärkt

14

9

5

2

Netzwerke, Kooperationen sind ausgebaut

13

8

5

3

Organisationsstruktur ist gestärkt

11

8

3

4

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind qualifiziert

8

5

3

5

Öffentliche Wertschätzung der MO ist gesteigert

6

4

2

6

Finanzierung der MO ist gesichert

4

2

2

Sonstiges

3

2

1

Quelle: Zwischenbefragung (15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Bearbeitung der Fragebögen im Tandem)

34

eT

men, diese erreichen? Darauf wurde in
der Zwischenbefragung eingegangen
und die Frage gestellt: „Woran sollte in
Ihrem Projekt am Ende erkennbar und
messbar sein, dass die Migrantenor­
ganisationen aus dem Prozess gestär­
kt hervorgehen?“ (Tabelle 4).
In erster Linie erwarteten etablierte
Träger wie Migrantenorganisationen,
dass es am Ende der Projektlaufzeit
„mehr Aktivitäten für die Zielgruppe“
geben würde. Auch sollten im Prozess­
verlauf Netzwerke und Kooperationen
ausgebaut, die Organisationsstruktur
gestärkt, Mitarbeiterinnen und Mit­
arbeiter besser qualifiziert sein. Eine
gesteigerte öffentliche Wertschätzung
und die Finanzierung von Migran­
tenorganisationen spielten in dieser
Frage eine vergleichsweise unterge­
ordnete Rolle.
Etablierte Träger erhofften sich durch
die Kooperation für ihre Organisation
ähnliches, nämlich
− die interkulturelle Kompetenz ihrer
Mitarbeitenden zu vergrößern,
− die interkulturelle Öffnung ihrer Ein­
richtungen weiter zu stärken,
− den Zielgruppen passgenauere Be­
ratungen und Dienste anzubieten,
− neue Zielgruppen für ihre Angebote
zu gewinnen.

Strukturelle Differenzen
In Tandemkooperationen trafen
Haupt- und Ehrenamtlichkeit auf­
einander, unterschiedliche Arbeits­
formen und Entscheidungsstrukturen.
In den eigenen Organisationen be­
währte Erfahrungen mussten erst in
ein gemeinsames Projektverständnis,
eine eigene Gesprächskultur, von
allen akzeptierte Regeln mit neuen
Produkten überführt werden. Es gab
Stolpersteine und Erfolgsgeschichten,

die auf Arbeitsweisen von Migranten­
organisationen wie der etablierten
Träger zurückwirkten: „Das hinterlässt
Spuren“ (eT/etablierter Träger).

geprägt, gefördert oder gehemmt.
Strukturelle und organisatorische Fak­
toren veränderten auch Erwartungen
und Haltungen.

Die Arbeitsbedingungen der Mi­
grantenorganisationen verbesserten
sich durchweg. Waren zu Beginn ihre
ehrenamtlich tätigen Projektmitar­
beiterinnen und -mitarbeiter oft nur
schwer erreichbar, so etablierten sich
mit einer projektbezogenen Haupt­
amtlichkeit auch Verlässlichkeitsstruk­
turen und Kontinuität. Dazu trug auch
eine verbesserte Ausstattung bei. Mit
der Einrichtung einer entsprechenden
Büroinfrastruktur wurde die Ansprech­
barkeit erst einmal gesichert.

➤ Struktureller Kontext

Gleichwohl blieben die unterschied­
lichen zeitlichen Ressourcen von
Haupt- und Ehrenamtlichen als
Herausforderung bestehen: „Es war
manchmal schwierig, sich auf gemein­
same Termine zu verständigen, da
die ehrenamtlich tätigen Mitglieder
unseres Vereins häufig nur abends
oder an den Wochenenden Zeit für Ar­
beitsbesprechungen oder Schulungen
haben, während fest angestellte Mit­
arbeiter dieses lieber während der Ar­
beitszeit erledigen würden …“ (MO)
Diese Einschätzung wurde von etab­
lierten Trägern geteilt; auch sie sahen
Terminabsprachen mit ehrenamtlich
Tätigen vielfach als schwierig an. Kon­
tinuierliche Teambesprechungen (jour
fixe) und die Festlegung zeitlicher
Meilensteine haben dazu beigetragen,
strukturelle Unterschiede in den Zeit­
budgets besser zu bewältigen.

6.2 	 Einflussfaktoren für erfolg­
reiche Kooperationen
Die Qualität der Kooperationen wurde
durch externe und interne Einflüsse

Neben den schon angesprochenen
Besonderheiten von Hauptamtlichkeit
und Ehrenamtlichkeit auf Arbeitsebe­
ne wirkten die Strukturen der Träger
und Organisationen auf die Projektar­
beit ein. Dabei sahen sich die kleinen
Vereine mit ihren flachen Hierarchien
und kurzen Entscheidungswegen
vielfach im Vorteil, während der Ab­
stimmungsbedarf und die Berücksich­
tigung der hierarchischen Entschei­
dungsebenen bei etablierten Trägern
deutlich größer war. Auch die starke
Traditionsgebundenheit einer Migran­
tenorganisation hat die guten Koope­
rationsbeziehungen auf Arbeitsebene
erschwert.
➤ Gemeinsame Perspektiven, Ziele
Als grundlegende Voraussetzung
für eine erfolgreiche Kooperation
erwiesen sich gemeinsame Perspek­
tiven und überprüfbare Ziele. Sie
strukturierten die einzelnen und
gemeinsamen Handlungsschritte
und bildeten die Grundlage für eine
Erfolgskontrolle. Das für alle Modell­
projekte geltende Ziel, die Partizipati­
on von Migrantenorganisationen und
ihrer Communities zu stärken, galt es
in den jeweiligen Handlungsfeldern
mit den konkreten Projektzielen zu
verbinden, beispielsweise Eltern stär­
ker in die Bildungsarbeit einzubinden,
Beratungsangebote auszubauen,
Lotsinnen und Lotsen erfolgreich zu
qualifizieren.
➤ Vertrauen, Wertschätzung
Die Zusammenarbeit auf Projekt­
ebene wurde in hohem Maße von
der Qualität der persönlichen Bezie­
hungen geprägt.

35

Tandem „KING“ (Projekt 14)

Auf Basis gegenseitig entgegenge­
brachten Vertrauens wurden Innova­
tion und Engagement gefördert. Für
eine erfolgreiche Zusammenarbeit
ist auch Offenheit erforderlich, die
Bereitschaft, sich mit neuen Ideen, Ar­
beitsformen und Handlungsoptionen
auseinanderzusetzen. „Das haben wir
immer so gemacht“ erweist sich in Tan­
dems immer als Stolperstein.
➤ Gleiche Augen- und Herzhöhe
In den Projekten wurde durchweg von
einer Zusammenarbeit auf „gleicher
Augenhöhe“ gesprochen und der Be­
griff „Herzhöhe“ geprägt. Das Gefühl
von Ebenbürtigkeit hat sich meist
schon in der Startphase eingestellt
und blieb dann über die Projektlaufzeit
erhalten. Migrantenorganisationen ge­
wannen Selbstbewusstsein – gemein­
sam wurde dadurch mehr bewegt:
„Erst wenn die MO als gleichwertiger
Partner behandelt werden, werden
sie ihre teilweise vorhandene ‚Opfer­
haltung‘ ablegen und ist es möglich,
gemeinsam mehr zu bewegen.“ (eT)

36

Schließlich ist eine gute Zusammen­
arbeit nicht nur davon abhängig, dass
sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
auf der Arbeitsebene wertschätzen,
sondern auch davon, dass ihnen von
Seiten der Leitungsebenen eine un­
terstützende und fördernde Haltung
entgegengebracht wird. Probleme
entstanden dort, wo sie in stark hierar­
chische Strukturen und traditionelle
Denkvorstellungen eingebunden
waren. Als in einem Fall das Modell­
projekt vom etablierten Träger ohne
Rücksprache mit dem Tandempartner
für eine Preisverleihung auf nationaler
Ebene eingereicht wurde, wurde dies
kritisch als Alleingang gewertet.
➤ Win-Win-Effekte
Voraussetzung bei Tandemkoopera­
tionen ist die Erwartung, dass beide
Partner für sich einen Gewinn aus
der Zusammenarbeit ziehen können.
Dies war in allen Projekten möglich.
Die etablierten Träger hatten in erster
Linie dadurch einen Vorteil, dass sie
Zugang zu Zielgruppen und Migran­
tenorganisationen erhielten und ihre

interkulturellen Kompetenzen aus­
bauen konnten. Für Migrantenorga­
nisationen standen der Wissens- und
Erfahrungszuwachs sowie der Ausbau
von Netzwerken im Vordergrund. Für
Win-Win-Situationen ist eine gewisse
Ausgewogenheit von Leistung und
Gegenleistung erforderlich. Wer immer
„Geber“ sein soll, fühlt sich schnell aus­
genutzt und könnte die Beziehung frü­
her oder später aufkündigen. Dies war
nicht der Fall.
➤ Mehrwert, Synergien

Besondere Effekte entstanden da­
durch, dass beide Partner in dieselbe
Richtung wirkten und sich dabei ein
höherer Nutzen einstellte, als wenn
Einzelleistungen additiv zusammenge­
führt worden wären. Da unterschied­
liche Stärken, Erfahrungen und Kon­
takte gebündelt wurden, konnten
Synergien ausgeschöpft und ein zu­
sätzlicher Mehrwert generiert werden.
Alleine wären die jeweiligen Partner
mit den Projekten kaum wahrgenom­
men worden. Ihre Praxiserfolge ent­
standen im gemeinsamen Tun.

➤ Kultur der Zusammenarbeit
Nach eigenen Aussagen hat sich in
den Projekten eine besondere Qua­
lität der Zusammenarbeit herausge­
bildet. Da bei Tandemkooperationen
formale und informelle Regeln, Tradi­
tionen und Erfahrungen der Kommu­
nikation aus den jeweiligen Organisa­
tionen eingebracht werden, sind die
Risiken für Missverständnisse groß.
Offene Diskussionen zwischen den
Projektpartnern zu Ideen, Vorschlä­
gen und Arbeitsergebnissen konnten
diese minimieren. Der Austausch von
Fremd- und Eigenbildern war hilfreich.

6.3 Praxis der Zusammenarbeit

Auch dass konstruktive Kritik zu besse­
rer Qualität von Projektarbeit und Zu­
sammenarbeit beitragen kann, war in
vielen Projekten ein Lernprozess, der
den inneren Zusammenhalt festigte:
„Wir wollten hier eine Kultur der Zu­
sammenarbeit pflanzen – auch mit Kri­
tik.“ (eT) Der Umgang mit unterschied­
lichen Meinungen wurde von kleinen
Vereinen zwar vielfach als schwierig
empfunden, doch: „Man muss auch
lernen, dass nicht alle einer Meinung
sind.“ (MO) Beim kleinsten Konflikt
solle man „nicht an sich zweifeln“ und
dann fragen: „Bin ich zu sensibel?“

In der Startphase, in der die Aus­
gangsbasis für Zusammenarbeit her­
gestellt wird, wurde großer Wert auf
die Entwicklung von gemeinsamen
Zielen und Perspektiven gelegt. Zwar
wurden in allen Projekten Konzept
und Antrag gemeinsam erarbeitet,
doch kam es nun darauf an, die von
Geschäftsführungen oder Vorständen
formulierten Projektanträge für den
Projektalltag der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter praxistauglich zu ma­
chen, Begriffe zu klären, Aufgaben zu
verteilen, sich mit unterschiedlichen
Arbeitsstilen vertraut zu machen.
Auch galt es, die eigenen Organisa­
tionsprofile zu schärfen und eine klare
Standortbestimmung zu erarbeiten

Die Zusammenarbeit in heterogenen
Konstellationen bietet Möglichkeiten
und Chancen für die Beteiligten, stellt
sie aber auch vor Herausforderungen.
Nicht zuletzt deshalb dürften Tan­
demkooperationen als Arbeitsform
eher die Ausnahme als die Regel sein.
Gleichwohl zeigen die Erfahrungen,
dass bestimmte Prozesselemente dazu
beitragen können, die Herausforde­
rungen gut zu meistern.

hinsichtlich
− Zielen und Zwecken des Vereins,
− kultureller und politischer Orientie­
rung,
− materieller und immaterieller Res­
sourcen,
− Zuschreibungen (Interessenvertre­
tung, Brückenfunktion, Pflege der
eigenen Kultur und Sprache),
− gegenwärtige Angebote und Ange­
botsportfolio,
− des Bezugs zu den Zielgruppen und
− dem Aktionsraum (lokal, regional,
national, international).

Besondere Bedeutung: Startphase
Fachlicher Austausch
In allen Projekten fanden kontinuier­
lich Teambesprechungen statt, wur­
den Bedarfs- und Zielgruppenanaly­
sen gemeinsam durchgeführt. Es gab
klare Absprachen von Zuständigkeiten
und zeitlichen Meilensteinen. Im
Mittelpunkt stand die Zielerreichung.
In elf Projekten wurden öffentliche
Startveranstaltungen durchgeführt,
die sich als sehr erfolgreich erwiesen,
auch wenn sich die öffentliche Wahr­
nehmung nur langsam veränderte:
„In der externen Wahrnehmung wurde
die MO anfangs als ‚Anhängsel‘ und
nicht als gleichwertiger Partner ange­
sehen. Das Zurechtrücken der Wahr­
nehmung war sehr aufwändig.“ (MO)

Tabelle 5: Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen etabliertem Träger und Migrantenorganisation

Frage: Wie haben Sie Ihre Zusammenarbeit zwischen etabliertem Träger / MO gestaltet? Welche Elemente
spielten dabei eine Rolle?
Rang

Aussage

Antworten

1

Konzept/Antrag für Projekt gemeinsam erarbeitet

15

1

kontinuierliche Teambesprechungen

15

2

gemeinsame Bedarfsanalyse, Zielgruppenanalyse

14

3

Reflexion zur Erreichung der Ziele, Teilziele

13

4

klare Absprache von Zuständigkeiten

12

5

gemeinsame öffentliche Startveranstaltung

11

5

Festlegung zeitlicher Meilensteine

11

Sonstiges

3

Quelle: Zwischenbefragung

37

Bewertungen
Bei der Schlussbefragung wurde zur Bewertung der Zusammenarbeit in den Modellprojekten an etablierte Träger wie Mi­
grantenorganisationen die Frage gestellt: „Wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit mit der MO / dem eT im Modellprojekt
in wenigen Stichworten beschreiben?“ Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und drei Kategorien zugeordnet. Hierbei
wurden zahlreiche Statements zu gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung eingebracht und dabei ein durchweg
positives Resümee gezogen. Rein quantitativ brachten Migrantenorganisationen am meisten Aussagen zur Wertschätzung
in der Tandemkooperation ein.
Tabelle 6: Bewertung der Tandemkooperationen in Stichworten

Frage: Wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit mit MO/ eT im Modellprojekt in wenigen Stichworten beschreiben?
Ressourceneinsatz

Wertschätzung

Aussagen etablierter Träger

Aussagen von Migrantenorganisationen

−
−
−
−

− produktive Zusammenarbeit
− effektive Arbeitsprozesse

−
−
−
−
−
−
−
−
−
−
−

−
Kompetenz

−
−
−
−
−
−

−

−
−

sehr ertragreich
es hat sich gelohnt, wir würden es noch mal angehen
zeit- und ressourcenaufwendig
zeitintensiv, hoher Bedarf an persönlicher Anerken­
nung und Kontakt
zeitaufwändig, aber Investition hat sich gelohnt
zuverlässig und kompetent
kreativ und loyal auf der Arbeitsebene
gegenseitiger Lernprozess
von Beginn an großes Vertrauen, Begegnung auf
Augenhöhe
Zusammenarbeit war vertrauensvoll und kollegial
Zusammenarbeit als gleichberechtigte Partner
offen, kreativ, auf gleicher Augenhöhe, sehr herzlich
positiv, auf Augenhöhe, mit gegenseitigen Lern­
erfahrungen
Verständnis füreinander hat zugenommen
MO konzeptionell sehr offen und bereit, neue Arbeits­
ansätze auch in der Breite ihrer Mitgliedsverbände
zu vertreten
Umgang miteinander war von beiderseitigem
Respekt geprägt
produktiv, lehrreich für beide Seiten
kreativ – gemeinsam haben wir bessere Lösungen
gefunden
professionell, zielgerichtet, offen, spannungsreich und
immer dem Ziel dienlich
eine andere Perspektive auf das Thema Integration
gewonnen
mit interessanten Menschen in Kontakt und Austausch
intensive gemeinsame Reflexion bewirkte starke Wei­
terentwicklung der Projektkoordinatorinnen (fachlich,
methodisch, sozial und persönlich) innerhalb des Pro­
jektes
im ersten Jahr war die Arbeit einiger MO nicht ausrei­
chend, was mit der mangelnden Erfahrung in der
Projektarbeit zu tun hatte
Probleme durch unterschiedliche Arbeitsstrukturen
weniger planbar

Quelle: Abschlussbefragung

38

− verlässlich
− vertrauensvoll
− gleiche Augenhöhe (mehrfach genannt)
− immer auf derselben Augenhöhe, z.B. bedarfsorientierte
gemeinsame Planung der Schulungen
− bereichernd, Austausch von Erfahrungen, Schaffung ei­
ner freundschaftlichen und respektvollen Arbeitsatmo­
sphäre
− harmonisch und produktiv
− sehr gute Kooperation mit der Projektkoordination
des etablierten Trägers
− fair
− angenehm, es hat Spaß gemacht
− weitgehend unterstützend, sowohl strukturell als auch
inhaltlich
− Herausforderung in Bezug auf die Wahrnehmung der
Kompetenzen durch den etablierten Träger, die bei der
MO gegeben waren
− viele neue Eindrücke gewonnen, die die Vereinsarbeit
nach vorne gebracht haben
− Überschätzung der eigenen Kompetenzen von Seiten
des etablierten Trägers

7.

PROFESSIONALISIERUNG UND QUALIFIZIERUNG

DER MIGRANTENORGANISATIONEN


Ein erstes Ziel der Modellprojekte
richtete sich auf Professionalisierung
und Qualifizierung der Migrantenor­
ganisationen.

7.1 	 Professionalisierung:
Begriffsverständnis und
Praxiserfordernis
Der Begriff Professionalisierung ver­
bindet sich mit zwei Merkmalen: Zum
einen mit der „Verberuflichung“, das
heißt einer tendenziellen Verlagerung
von Aufgaben aus dem Bereich des
Ehrenamtes hin zu einer hauptamt­
lichen, bezahlten Berufstätigkeit mit
Fachwissen; zum anderen mit dem
Prozess der „Qualifizierung“ (vgl. Nor­
bert Schütte 2000: 130).
Beide Merkmale kamen auch in den
Modellprojekten zum Tragen. Gleich­
wohl betreffen Professionalisierungsund Qualifizierungsbedarfe nicht nur
Migrantenorganisationen, sondern
kleine Vereine generell. So kommen
André Christian Wolf und Annette
Zimmer in ihrer Analyse der Vereins­
landschaft in Münster (Westf.) und
Halle (Saale) zu folgendem Ergebnis:
„Hinsichtlich der Schwierigkeit,
geeignete Ehrenamtliche für die
Übernahme bestimmter Zuständig­
keitsbereiche zu finden, ergibt sich
eine klare Problemhierarchie: Knapp
28 Prozent aller befragten Vereine
sehen die Mitteleinwerbung und
Finanzierung als schwer oder sehr
schwer abzudeckenden Bereich an,
es folgen Öffentlichkeitsarbeit (20 %)
sowie die Gewinnung und Einbin­
dung von Freiwilligen, Personalma­
nagement und -entwicklung und
Mitgliederwerbung (jeweils gut 16 %
bzw. jeder sechste Verein). Gut jeder

vierte Verein (26 %) sah sich sowohl
von Besetzungs- als auch von Qualifi­
kationsproblemen betroffen.“ (Wolf /
Zimmer 2010: 31)
Diskussionen zu Professionalisierung
und Qualifizierung von Migranten­
organisationen stehen in engem
Zusammenhang damit, dass die
Erwartungen an sie gestiegen sind:
„Mit ihrer Einbeziehung und Betei­
ligung werden die Potenziale und
Kompetenzen der Migrant/innen für
die Gesellschaft und das demokra­
tische Zusammenleben aktiviert und
Kenntnisse über und eine Identifika­
tion mit den zivilgesellschaftlichen
und demokratischen Strukturen
verstärkt. Gleichzeitig wachsen aber
auch die Erwartungen der Mehrheits­
gesellschaft speziell an die Migran­
tenvereine, sich noch mehr für die
Integration zu engagieren. Sie wer­
den zunehmend aufgefordert, auch
als Projektträger tätig zu werden und
in Fachgremien als Berater zur Verfü­
gung zu stehen.“ (Müller 2010: 45)
Dies kommt auch in einem Projekt­
antrag an das BAMF zum Ausdruck:
„Hauptsächlich durch ehrenamtliche
Arbeit gesichert, sind die Vereinsak­
tivitäten für sinnvolle Freizeitgestal­
tung vom hohen Nutzen. Die vor­
handenen Kenntnisse versagen aber
dort, wo eine höhere Verbindlichkeit
sowie Wirkungsqualität der Beteili­
gten und ihrer Maßnahmen gefordert
wird.“
Auch bei Veranstaltungen und Be­
fragungen wurde auf einen hohen
Qualifizierungs- und Professionalisie­
rungsbedarf hingewiesen, insbeson­
dere in folgenden Themenbereichen:

− Projekt- und Betriebswirtschaft: An­
tragswesen, Kalkulation, Mittelver­
waltung, Abrechnung, Fundraising.
− Organisationsaufbau: Vereinsrecht,
Entwicklung von Alleinstellungs­
merkmalen und Vereinsprofilen,
Lobbyarbeit.
− Projektmanagement: Konzeptent­
wicklung, inhaltliche Strukturie­
rung, Zeitabläufe, Selbstevaluie­
rung.
− Netzwerkarbeit: Aufbau, Pflege und
Nutzung gezielter Kontakte.
− Öffentlichkeitsarbeit: Homepage,
Veranstaltungen, Pressekontakte.

7.2 	 Qualifizierung: Praxislernen
und Wissenstransfer
Bei der Zwischenbefragung wurde
deutlich, dass Qualifizierung und
Professionalisierung der Migrantenor­
ganisationen in erster Linie informell
durch Learning by Doing, Lernen
durch Praxiserfahrung, erfolgten. An
zweiter Stelle stand formelles Ler­
nen durch gezielten Wissenstransfer
in Schulungen, Seminaren, durch
Supervision und Fachberatung. Bei
sechs etablierten Trägern wurden
auch Hospitationen, in einem Fall
ein Praktikum ermöglicht. Nur drei
Projekte gaben an, dass für ehren­
amtliche Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter von Migrantenorganisationen
der Zeitaufwand für Weiterbildung zu
groß sei.
Für Migrantenorganisationen waren
auch die begleitenden Veranstal­
tungen und Materialen des BAMF
sowie der wissenschaftlichen und
fachlichen Begleitung hilfreich. Dazu
zählten Weiterbildungsworkshops,
Regionaltreffen, Themenkonferenzen
und Dokumentationen.

39

Die Verknüpfung von Praxislernen und
Wissenstransfer stärkten, so ein etab­
lierter Träger, auch das Selbstbewusst­
sein: „Durch Schulungen sind die MOs
selbstbewusster geworden.“
Der Personenkreis, der vom Wissens­
transfer profitierte, war von Projekt
zu Projekt unterschiedlich groß. Die
Spannbreite reichte von Beratungen
im kleinen Team über begleitende
Hilfestellungen von Vereinen bis zur
Durchführung von Seminarreihen und
Workshops. Es wurden auch Doku­
mentationen von Veranstaltungen ins
Internet gestellt, Informationsvermitt­
lung und Fortbildungen vorzugsweise
der Mitgliedsorganisationen oder
Multiplikatoren in den Ortsverbänden
durchgeführt.

Öffentlichkeitsarbeit der MO und
öffentliche Wahrnehmung
Für Migrantenorganisationen war die
Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit
ein wiederholt genanntes Anliegen.
Deshalb wurde dazu eine Weiterbil­
dungsveranstaltung durchgeführt.
Auch bei der Zwischenveranstaltung
gab es dazu einen Themenblock.

Vor Ort haben Tandemkooperationen
zu einer veränderten öffentlichen
Wahrnehmung beigetragen,
vor allem wenn
− ein Imagetransfer möglich war, d.h.
der etablierte Träger bereit und fä­
hig war, die ihm zugeschriebenen
Merkmale wie Fachlichkeit und Zu­
verlässigkeit auf die MO als Projekt­
partner zu übertragen oder
− ein guter Zugang über die Projekt­
konstruktion (z. B. Wettbewerbe)
zur kommunalen Verwaltung oder
zum Quartiersmanagement be­
stand.
Informationsveranstaltungen, Zwi­
schen- und Abschlussveranstaltungen
sowie „Tandem-Cafés“ als Akquiseund Austausch-Plattform wurden von
fast allen Projekten eingesetzt. Flyer
und Plakate spielten nur eine unter­
stützende Rolle. Eine abgestimmte
Kampagnenarbeit – mit youtubeBeiträgen – gab es beim Projekt
„GENDER-Lotsin“.
Ob Dachverband oder Ortsverein – die
persönliche Ansprache war ein gern
gewählter Kommunikationsweg, um

Vertrauen herzustellen und Personen
für jeweilige Anliegen zu gewinnen.
Aus Sicht der etablierten Träger hat­
ten Migrantenorganisationen auch
Vorteile in ihrer öffentlichen Positio­
nierung: „Während für uns, den eta­
blierten Träger, das Projekt eins unter
vielen Arbeitszusammenhängen ist,
ist für die MO das Projekt das einzig
hauptamtlich besetzte Projekt. Dies
zeigte sich besonders im Umgang
mit öffentlichen Veranstaltungen.
Während es z.B. für die MO selbstver­
ständlich war, die Oberbürgermeiste­
rin einzuladen, war dies für uns als
etablierten Träger eher schwierig, da
wir die Oberbürgermeisterin nicht zu
häufig anfragen können.“ (eT)

Effekte von Professionalisierung
und Qualifizierung
Professionalisierung und Qualifizie­
rung waren ein Gewinn für
− Zielgruppenarbeit,
− Organisationsstruktur und -profile,
− Projekt- und Beratungsarbeit,
− Beantragung weiterer Projekte, Ma­
nagement der Fördermittel.

Tabelle 7: Formen der Professionalisierung von MO
Frage: In den Projekten gibt es unterschiedliche Herangehensweisen zum Thema Professionalisierung von MO.
Was trifft auf Ihr Projekt zu?
Rang

Aussage

1

Erfolgt bei uns durch Learning by Doing, Erfahrung, Auswertung

2

Projektmitarbeiter/innen der MO können beim etablierten Träger teilnehmen, an

3

15

... Schulungen, Seminaren

13

... regelmäßiger Supervision, Fachberatung etc.

10

... Hospitationen

6

... Praktika

1

Für Ehrenamtliche aus den MO ist der Zeitaufwand für Weiterbildung zu groß

3

Sonstiges

6

Quelle: Zwischenbefragung, n = 15

40

Antworten

Ergebnisse der Zukunftswerkstatt bei „InterTransFair“ (Projekt 1)

Dies zeigte sich am Ende der Projekt­
laufzeit in den Abschlussveranstal­
tungen vor Ort. Träger und Vereine
waren stolz auf ihre Projektergebnisse,
erhielten Anerkennung durch lokale
Politik und übergeordnete Stellen. Ihr
Ansehen ist durch höheres Leistungs­
niveau und Qualifizierung gewachsen.

Grenzen der Professionalisierung
Professionalisierung und Qualifi­
zierung stoßen auch in Modellpro­
jekten an strukturelle und zeitliche
Grenzen. Zudem können erworbene
Qualifikationen eine berufliche oder
akademische Fachausbildung nicht
ersetzen.
Zum einen haben Professionalisierung
und Qualifizierung auf der individu­
ellen Ebene stattgefunden, da Mitar­
beiterinnen und Mitarbeiter fachliche
Kompetenzen erwerben konnten.
Doch das Ende der Projektlaufzeit be­
deutete nicht in allen Fällen auch die
Weiterführung ihrer Beschäftigung.
Vor allem kleine, finanzschwächere
Vereine konnten den temporär haupt­
amtlich Tätigen keine weitere Perspek­
tive für eine bezahlte Beschäftigung
sichern.
Ähnlich verhielt sich die Lage von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
bei etablierten Trägern, die nur für die

Projektlaufzeit vertraglich gebunden
wurden. Sie hatten zwar die Möglich­
keit, selbst ein neues Projekt zu akqui­
rieren, doch war selbst im Erfolgsfall
damit nicht gleichzeitig eine Weiter­
beschäftigung gesichert.
Auch ergaben sich Finanzierungslük­
ken von einem halben Jahr zwischen
dem Ende des Modellprojektes und
dem Beginn eines neuen Projektes.
Einige arbeiten ehrenamtlich weiter
oder nutzten das Modellprojekt als
„Sprungbrett“ in andere Beschäfti­
gungsverhältnisse, in denen sie ihre
Qualifizierung einbringen konnten.
Zum andern sollen Professionali­
sierung und Qualifizierung auf der
strukturellen Ebene der jeweiligen
Organisationen wirken und für diese
von Nutzen sein. Hierbei spielten
zur Ergebnissicherung insbesondere
Rückkoppelung, Wissenstransfer und
Dokumentation eine Rolle.
Im Rahmen der Modellprojekte sind
neue Formen der Zusammenarbeit
entstanden, die zunächst erhalten
bleiben können. Ob sie langfristig
Bestand haben werden, lässt sich am
Ende der Modellprojekte jedoch nicht
absehen. Angesichts knapper Res­
sourcen wären für eine optimistische­
re Prognose auch strukturstärkende
Maßnahmen erforderlich.

„Durch Aufgreifen und gemeinsames
Bearbeiten von Arbeitsansätzen
wurden Vorstellungen des etablierten
Trägers zielgruppengerechter modifi­
ziert.“ (MO)
„Die Lotsinnen helfen bei der Profes­
sionalisierung der Vereinsarbeit und
sind in der Lage, sich selbstbewusst
und ansprechend zu präsentieren
sowie eigenständige Veranstaltungen
durchzuführen.“ (MO)
„Wir haben uns durch die Qualifi­
zierungsmaßnahmen des Tandem­
partners deutlich professionalisiert
in der Projekt- und Beratungsarbeit.
Dadurch ist es gelungen, Mitarbeite­
rinnen einzustellen, die von Beginn
an über z.T. hervorragende Kom­
petenzen in den Bereichen Projekt­
management, Öffentlichkeitsarbeit
und Webmanagement/Webdesign
verfügen.“ (MO)
„Teamleader der MO konnten Kennt­
nisse in professioneller Projektleitung
ausbauen.“ (eT)
„Durch die Schulungen sind die
MO selbstbewusster geworden. Sie
haben Erfahrungen in der Projektbe­
antragung und Projektdurchführung
gesammelt.“ (MO Mikroprojekte)

41

8.

VERBESSERUNG DER INTEGRATIONSARBEIT VOR ORT

DURCH VERNETZUNG


Ein weiteres Ziel der Modellprojekte
richtete sich darauf, die Integrations­
arbeit vor Ort durch Vernetzung zu
verbessern.
Die Erwartungen wurden erfüllt. Mi­
grantenorganisationen sind am Ende
der Projektlaufzeit deutlich besser
vernetzt als bei Projektbeginn. Auch
die etablierten Träger haben durch
die Tandempartnerschaft neue Bezie­
hungen zu anderen Migrantenorga­
nisationen und deren Communities
geknüpft. Es spricht vieles dafür, dass
in den Modellprojekten auch Sozialka­
pital gebildet wurde, selbst wenn sich
dies schwer messen lässt.

8.1 	 Neue Kontakte, erweiterte
Netzwerke
Gute Beziehungen und Kontakte sind
heute in vielen Lebensbereichen,
in Wirtschaft und Gesellschaft ein
wichtiger Erfolgsfaktor für Individuen,
Gruppen und Organisationen. Weil sie
sich in den seltensten Fällen zufällig
ergeben, wird dem „Netzwerken“
(Networking), also dem Aufbau und
der Pflege von Beziehungen, gezielte
Aufmerksamkeit geschenkt. In den
Modellprojekten fand dies insbeson­
dere auf der sozialräumlichen und
fachlichen Ebene mit verschiedenen
Akteuren statt.

Effekte für Migrantenorganisationen
Dabei sind die hinzugewonnenen und
erweiterten Beziehungen und Netz­
werke sehr heterogen. Dies liegt auch
an den unterschiedlichen Ausgangs­
bedingungen und Zielsetzungen der
Migrantenorganisationen. So gab es
den lokal agierenden Verein (Multi­
kultureller Familienverein Mülheim an
der Ruhr e.V.) ebenso wie den bun­
desweit arbeitenden Dachverband

42

(Türkische Gemeinde in Deutschland
TGD), bereits vernetzte Organisati­
onen (Bundesarbeitsgemeinschaft der
Immigrantenverbände e.V. BAGIV)
oder gerade am Anfang der Vernet­
zung stehende, neu gegründete Ver­
eine (MigraMundi e.V.).
Verbände intensivierten im Verlauf des
Modellprojektes die Kontakte zu ihren
Mitgliedsorganisationen und externen
Verbänden, die in ähnlichen The­
menfeldern arbeiten. So konnte bei­
spielsweise die Alevitische Jugend in
NRW über das GENDER-Lotsin-Projekt
Kontakte zu Netzwerken der Frauenund Mädchenarbeit ausbauen. Auch
wurden Kontakte zu jugendpolitisch
relevanten Institutionen und Jugend­
verbänden geknüpft.

Eher die Ausnahme blieben Kontakte
von Migrantenorganisationen zu Stif­
tungen und Unternehmen.
Die Frage: „Haben sich durch das
Modellprojekt Ihre Chancen zur
Mitwirkung als MO im lokalen oder
überregionalen Kontext verbessert?“
bejahten bei der Abschlussbefragung
alle Migrantenorganisationen. Sie
werden von relevanten Akteuren bes­
ser wahrgenommen und selbständig
angesprochen. Über ihren Zugang
zu Gremien- und Netzwerksitzungen
haben sie weitere Akteure kennen­
gelernt, sind in deren Verteiler als An­
sprechpartner aufgenommen. Durch
Zusammenarbeit wurden Vorbehalte
abgebaut.

Effekte für etablierte Träger
Aus Modellprojekten heraus ent­
standen auch eigene Netzwerke. In
Ludwigsburg entwickelte sich ein
Netzwerk von Vereinen mit „deut­
schen Wurzeln“ und Migrantenorgani­
sationen. In Oldenburg entstand das
Netzwerk „DizMO – Dialog zwischen
Migrantenorganisationen“, an des­
sen Gründung der etablierte Träger
beteiligt war und das er auch künftig
begleiten wird.
Lokale Migrantenorganisationen er­
weiterten ihre Kontakte zu Teilen der
Stadtverwaltung und zur Politik (z.B.
Ratsfraktionen, Kommunalpolitikern)
sowie zu Vereinen und Akteuren der
Integrationsförderung in den Stadt­
teilen.
Es wurden themenorientierte Netz­
werke auf- und ausgebaut. Zum Bei­
spiel haben die Internationalen Frauen
Leipzig e.V. ihre Kontakte zu Frauen­
netzwerken und Frauenprojekten in
Leipzig erweitert.

Die etablierten Träger haben Netz­
werke und Beziehungen insbesondere
zu Mitgliedern und Mitgliedsvereinen
sowie Verbänden der Migrantenorga­
nisationen erweitert. Auch konnten
Kontakte zu anderen Modellprojekten
und überregionalen Netzwerken
intensiviert werden, die in gleichen
oder ähnlichen Handlungsfeldern
tätig sind. Regional- und bundesweit
wurden auch Kontakte zu anderen
BAMF-Projekten aufgenommen. In
jenen Bereichen, in denen etablierte
Träger die Vernetzung von kleinen
Vereinen durch Wettbewerbe oder
Tandembildung zur Umsetzung von
Mikroprojekten betrieben haben, war
dies jedoch mit einem unerwartet ho­
hen Beratungsbedarf verbunden.

Strategische Orientierung
Im Unterschied zu eher wahllosen
oder zufälligen Kontakten zeichnen
sich Netzwerke durch ein zielorien­
tiertes und systematisches Vorgehen
aus – auch in den Modellprojekten.

Bei der Zwischenbefragung (Tabelle 8)
gaben 13 von 15 Tandems an, dass die
bessere Vernetzung der Migrantenor­
ganisationen durch gezielte Überle­
gungen und Angebote geschehen ist,
auch in der alltäglichen Projektarbeit.
Welche Partner für die Projektziele
wichtig sind, wurde in den Tandems
überwiegend gemeinsam bewertet.
Migrantenorganisationen wurden
zielorientiert in fachliche Kontakte
oder Netzwerktreffen des etablierten
Trägers einbezogen. Auch gab es ge­
meinsame Bestandsaufnahmen von
Trägern und Netzwerken im Quartier.

8.2 Erfolgsfaktoren
Damit Migrantenorganisationen die
Vernetzungsmöglichkeiten tatsächlich
für sich nutzen konnten, waren – und
dies wird auch in der Fachliteratur be­
schrieben – insbesondere Kompetenz,
Vertrauen und Referenz erforderlich
und förderlich:
Kompetenz ist einer von drei
Schlüsseln für den Zugang in neue
Arbeitskreise. Migrantenorganisa-

tionen verfügen über Fach- und
Methodenwissen, teilweise auch
über Fachkenntnisse mit einem regi­
onalen Alleinstellungsmerkmal wie
beispielsweise das Yezidische Forum
in Oldenburg. Wichtig war für Migran­
tenorganisationen, dass qualifizierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
eine professionelle Grundhaltung
besitzen, die ein effektives und effizi­
entes Zusammenarbeiten in Gremien
und Arbeitskreisen ermöglichte.
Auch sicheres Auftreten in Sitzungen
sowie kommunikative Fähigkeiten
haben dazu beigetragen. „Durch die
Projekterfahrungen konnten wir in
den Gremien kompetenter auftreten.“
(MO)
Vertrauen ist ein weiterer Schlüssel für
den Ausbau von Netzwerken. Es kann
sich sowohl auf Personen wie Orga­
nisationen richten, lässt sich jedoch
nicht verordnen oder erzwingen,
entsteht vielmehr als „Nebenprodukt“
gelungener Beziehungen. Diese brau­
chen Zeit und können schnell zerstört
werden, wenn Werte und Normen
nicht eingehalten werden.

Erfolgsfaktoren von Netzwerken
personenbezogen:
− persönlicher Einsatz der Akteure,
− gegenseitiger Respekt der Ak­
teure,
− viele persönliche Kontakte,
− Win-Win-Orientierung der Akteure,
− Wissen um die Funktionsweise von
Netzwerken.
Erfolgsfaktoren von Netzwerken
organisationsbezogen:
− Zurückstellen von Lokal- bzw. Ver­
bandsegoismen,
− gemeinsame Zielsetzung,
− mittlere Hierarchieebene trägt
Hauptlast der Arbeit,
− Konsensorientierung,
− Win-Win Situation,
− gut funktionierender Informations­
fluss zwischen den Akteuren,

− gemeinsam durchgeführte Pro­
jekte als positive Erfahrung.

(vgl. Schulenburg 2002)

Tabelle 8: Vorgehensweisen bei Vernetzung

Frage: Die Integrationsarbeit vor Ort soll durch eine bessere sozialräumliche und/oder fachliche Vernetzung der MO
verbessert werden. Wie gehen Sie dabei vor?
Aussage

Antworten

1

geschieht durch gezielte Überlegungen und Angebote

13

2

geschieht in der alltäglichen Projektarbeit („Learning by Doing“, Aufnahme in Verteiler,
persönliches Kennenlernen)

12

2

wir bewerten gemeinsam, welche Partner für Projektziele wichtig sind

12

3

MO werden von etabliertem Träger strategisch in fachliche Kontakte, Netzwerktreffen etc.
einbezogen

10

4

wir machen gemeinsam Bestandsaufnahme von Trägern, Netzwerken im Quartier

6

Sonstiges

5

Quelle: Zwischenbefragung, n = 15

43

Insbesondere beim ersten Kontakt war
es für die Migrantenorganisationen
sehr hilfreich, dass sich anerkannte
Träger oder Personen des öffentlichen
Lebens für die Migrantenorganisation
einsetzten und die Verbindung zu
den lokalen Arbeitskreisen, Gremien
oder Fachstellen herstellten: „Die gute
Vernetzung des eT konnte auf die MO
übertragen werden.“ Etablierte Träger
wurden in diesem Zusammenhang
von Migrantenorganisationen als „Tür­
öffner“ bezeichnet.

Dies ist durchaus gelungen, erwies
sich aber als schwieriges Vorha­
ben, wenn Arbeitsverträge für die
hauptamtlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter beendet wurden.
Denn eine regelmäßige Einbindung
in Netzwerke und Gremien wird mit
eingeschränkten Zeitressourcen von
Ehrenamtlichen und meist tagsüber
angesetzten Sitzungen, Beratungen,
Tagungen kaum längerfristig aufrecht
zu erhalten sein.

Migrantenorganisationen nutzten
darüber hinaus die Kontakte ihrer Eh­
renamtlichen zu weiteren Akteuren im
Integrationsbereich, um das Netzwerk
ihrer Organisation zu erweitern.

8.3. Bildung von sozialem Kapital

Referenz ist der dritte Schlüssel einer
erfolgreichen Netzwerkarbeit. Mi­
grantenorganisationen empfanden
es als vorteilhaft, auf ihr laufendes
BAMF-Modellprojekt hinweisen zu
können, ebenso auf bereits erfolgreich
abgeschlossene Projekte. Die überzeu­
gendste Referenz war jedoch die zielund ergebnisorientierte Mitarbeit der
Migrantenorganisationen und das per­
sönliche Kennenlernen der Akteure.
Das Erleben der Fachlichkeit und Zu­
verlässigkeit haben die Bindungen in
diesen Kontakten gestärkt.

Netzwerkbeziehungen und Engage­
ment werden in sozialwissenschaft­
lichen und politischen Diskussionen
als Potenziale angesehen, die eine
spezifische Form von Kapital begrün­
den, das soziale Kapital.

Netzwerke und soziales Kapital
Die Grundidee des sozialen Kapitals
besagt, dass zwischenmenschliche
Beziehungen für Individuen eine
Ressource darstellen, die sie zu ih­
rem Nutzen und für ihr Fortkommen
gebrauchen können. Es entsteht im
wesentlichen dadurch, dass einzelne
Personen miteinander in Beziehung
treten, kooperieren, gemeinschaftsbe­
zogene Werte und Normen verfolgen.

Grenzen des Vernetzens
Zwar gaben einige Migrantenorgani­
sationen am Ende der Projektlaufzeit
eine große Zahl an neu gewonnenen
Netzwerken und Gremien an, in de­
nen sie nun vertreten sind. Doch um
Vernetzungsressourcen weiter nutzen
und ausbauen zu können, mussten
insbesondere in der Schlussphase Be­
ziehungen so weit wie möglich „wei­
tergegeben“ werden.

44

Die Qualität der Beziehungen wird
maßgeblich von Vertrauen geprägt,
das in gegenseitige Unterstützung
und Hilfeleistungen umgemünzt wer­
den kann. Netzwerke begründen so­
ziales Kapital durch die Norm der Re­
ziprozität: Jeder bringt Leistungen ein
in der Erwartung, dass ihm früher oder
später wieder etwas zurückgegeben
wird und ein Vorteil daraus entsteht
(vgl. Bourdieu 1983, Coleman 1988,
Putnam 1993, 1995).

Die Beziehungsgeflechte der Modell­
projekte boten auf der individuellen
Ebene, also für die Beteiligten, vielfäl­
tige Möglichkeiten, um Verbindungen
zu knüpfen, Informationen und Wissen
zu akkumulieren, als Experten wahr­
genommen zu werden. Einige konn­
ten dadurch ihre berufliche Position
festigen, andere sich für bundesweite
Netzwerke empfehlen oder neue Be­
schäftigungsverhältnisse begründen.
Diese Vorstellung von sozialem Kapital
lässt sich in gewisser Weise auf die Be­
ziehungsgeflechte der Organisationen
und Vereine übertragen. Auch wenn
grundlegende Forschungen zum so­
zialen Kapital in interorganisatorischen
Netzwerken kaum vorliegen, so geben
die Modellprojekte darauf Hinweise:
Handlungschancen, sowohl von Mi­
grantenorganisationen wie etablierten
Trägern, hängen auch davon ab, wel­
che Beziehungsressourcen (Netzwerk­
kapital) zur Verfügung stehen.
Dabei scheint es weniger darauf anzu­
kommen, dass Migrantenorganisati­
onen in möglichst vielen Netzwerken,
Gremien oder Arbeitskreisen vertreten
sind als darauf, möglichst gute, wert­
schätzende Beziehungen aufzubauen
und aus diesen Ressourcen etwas zu
machen: Informationen auszutau­
schen, gemeinsame Aktionen durch­
zuführen, bessere Zugänge zu den
Zielgruppen zu finden. Erst mit dem
Austausch eröffnen sich neue Hand­
lungsmöglichkeiten und lässt sich ein
Mehrwert für sich und die Allgemein­
heit schaffen (vgl. Reiser 2010: 11).
Migrantenorganisationen benötigen
weniger die Art soziales Kapital, das
nach Robert D. Putnam Vertrauen unter
Gleichgesinnten stärkt und nach innen
wirkt („bonding social capital“). Viel­
mehr scheint jenes Kapital vorteilhaft,
das sich durch Brücken zu anderen

Netzwerken und sozialen Gruppen
(„bridging capital“) bildet und über
traditionelle „Brückenfunktionen“ zwi­
schen Communities und „Mehrheits­
gesellschaft“ hinausgeht. Schließlich
können durch Vernetzungen mit ande­
ren Ebenen aus Politik und Verwaltung
(„linking capital“) die Rahmenbedin­
gungen der Integrationsarbeit vor Ort
beeinflusst werden.
Dies waren wesentliche Effekte der
Modellprojekte.

integrativ, weil sich dadurch vielfältige
Ressourcen für gemeinsame Ziele
und die einzelnen Organisationen auf
lokaler Ebene erschließen lassen.
Damit Netzwerke positiv wirken,
müssen Rivalität und Wettbewerb um
Einfluss und Ressourcen (Fördermittel,
Zuwendungen etc.) sich in Balance
mit gemeinschaftlichen Interessen
befinden und Win-Win-Strukturen
überwiegen.
Bürgerschaftliches Engagement

Damit Netzwerkkapital über die eige­
nen Organisationen und Communities
hinaus gemeinschaftlich wirken kann,
sind Kommunikation und Verständi­
gung über gemeinsame Ziele, die Art
und Weise der Zielerreichung sowie
dafür erforderliche Partnerschaften
notwendig. Themen wie Bildung,
Gesundheit oder Partizipation führen
unterschiedliche Akteure zusammen.
Auch Sozialraumorientierung wirkt

Ge(h)fit

Diese Win-Win-Strukturen gelten
selbst für das bürgerschaftliche Enga­
gement, in dem sich soziales Kapital
manifestiert. Zwar handelt es sich
dabei um „eine freiwillige, nicht auf
das Erzielen eines persönlichen mate­
riellen Gewinns gerichtete, auf das Ge­
meinwohl hin orientierte, kooperative
Tätigkeit“ (Der Deutsche Bundestag
2002: 34).

Doch haben Modellprojekte bürger­
schaftliches Engagement auch da­
durch generieren können, dass interes­
sante Ideen umgesetzt, Weiterbildung
geboten und Kontakte aufgebaut wur­
den – also Prozesse des Gebens und
Nehmens stattfanden.

„Viele etablierte Freiwilligenagenturen
und Wohlfahrtsorganisationen haben
das Potenzial der Migrant/innen und
MO an ehrenamtlichem Engagement
erkannt und waren sehr an einer
Zusammenarbeit mit uns im Bereich
des bürgerschaftlichen Engagements
interessiert. Wir sind in viele neue
Netzwerke reingekommen. Durch die
Projekterfahrungen konnten wir in
den Gremien kompetenter auftreten.“
(MO)

Projektwerkstatt

(Projekt 3)

Auf die Plätze, Projektantrag und los!
Forum der Kulturen Stuttgart
(Projekt 4)

Migrantenorganisationen und Vereine mit
„deutschen Wurzeln“ haben sich in einen
Dialogprozess begeben, der es ihnen
ermöglichte, mit gemeinsamen Entwick­
lungsprojekten im Bereich der Jugendund Elternarbeit sowie der Kulturpflege
Ziele zu bestimmen und Teilprojekte
umzusetzen. „Dass alle Projektgruppen ein
hohes Maß an ehrenamtlichem Enga­
gement zeigten, hat diesen Erfolg erst
ermöglicht.“ Deutlich wurde aber auch die
notwendige professionelle Unterstützung.
Das Projekt wird weitergeführt und baut
auf die bisherigen Erkenntnisse auf.

Das Forum der Kulturen hat gemeinsam
mit kleinen Migrantenvereinen Grundla­
gen und Kriterien für einen Wettbewerb
entwickelt, an dem sich kleine Migrantenvereine beteiligen konnten, um sich künf­
tig selbständig Fördermöglichkeiten zu
erschließen. Eine Jury entschied darüber,
wer den Zuschlag bekommt – etwa 20
kleine Migrantenvereine führten Projekte
zu Bildung, Elternarbeit, Literatur, Film
etc. durch. Fazit: „Die beteiligten Vereine
haben gezeigt, was möglich ist, welche
Potenziale in ihnen stecken, wenn ausrei­
chend Fördermittel zur Verfügung stehen.“

Auch die Freiwilligen-Agentur Halle-Saal­
kreis e.V. hat für kleine MO Wettbewerbe
ausgeschrieben, die von einem Beirat
begleitet wurden. Etwa 15 Kleinprojekte
wurden ausgewählt und durchgeführt.
Dabei wurden Communities erreicht, die
in bestehende Netzwerke noch wenig
eingebunden waren, wie beispielsweise
die Gruppe der Vietnamesen. Die Projekt­
werkstatt wird künftig auf Landesebene
(Sachsen-Anhalt) übertragen und mo­
difiziert weitergeführt. Dadurch können
aufgebaute Engagement- und Kooperati­
onsstrukturen langfristig wirken.

Stadt Ludwigsburg

Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.
(Projekt 6)

45

9.

INTERKULTURELLE ÖFFNUNG BEIDER TRÄGER


Links: KOMCIWAN kommt! (Projekt 8)
Rechts: GENDER-Lotsin (Projekt 10)

Schließlich wurde mit der interkultu­
rellen Öffnung der beteiligten Träger
das dritte und vielleicht anspruch­
vollste Teilziel abgesteckt. Liegen bei
Professionalisierung und Vernetzung
die Chancen für einen Zugewinn auf
der Hand, so erfordert interkulturelle
Öffnung für die jeweilige Organisation
ein hohes Maß an Lern- und vor allem
Veränderungsbereitschaft und einen
langen Atem.

zungen dar, um Migrantenorganisati­
onen als Akteure der Integrationsför­
derung zu stärken“ (BAMF 2010a: 137).

Der Anspruch interkultureller Öffnung
richtet sich prinzipiell an die gesamte
Gesellschaft, an Parteien und Verwal­
tungen, Schulen, Krankenhäuser und
Unternehmen, Fernsehsender oder
Sportvereine.

Für Menschen mit Migrationshinter­
grund gibt es vielfältige Teilhabebar­
rieren. Zentrale Bereiche sind Politik
und Arbeitsmarkt, Wohnen, Erziehung,
Bildung und Gesundheit. Aber auch
Zugänge zu Freizeit- und Kulturein­
richtungen, zu Vereinen, Beratungsoder Projektangeboten sind nicht
immer selbstverständlich und diskri­
minierungsfrei möglich. Aus diesem
Grunde ist mit der Forderung nach
interkultureller Öffnung ein umfas­
send selbstverständlicher Umgang mit
migrationsbezogener Diversität und
Heterogenität im Hinblick auf nationale
oder soziale Herkunft, Geschlecht, Al­
ter oder Lebensweisen verbunden.

Politische Sichtweisen

Veränderte Leitbildperspektiven

Dies betont auch das bundesweite
Integrationsprogramm: „Die interkul­
turelle Öffnung der Gesellschaft und
ihrer Institutionen und Organisationen
stellt eine der zentralen Vorausset­

In aktuellen Diskussionen und Kon­
zepten wird der Zusammenhang von
Integration und migrationsbezogener
Vielfalt inzwischen stärker betont, Di­
versität als Grundlage des Zusammen­

9.1 Verschiedene Blickwinkel

46

lebens angesehen. Die Stadt Frankfurt
am Main beispielsweise spricht von
„Integrations- und Diversitätspolitik“.
Die Bertelsmann Stiftung stellt fest:
„Überwog in Deutschland früher die
Meinung, dass sich zugewanderte
Minderheiten der deutschen Mehr­
heitsgesellschaft anpassen sollten, hat
es inzwischen einen Perspektiven- und
Paradigmenwechsel gegeben. Nicht
mehr Integration, sondern Diversität
ist das Leitbild der Politik.“ (Bertels­
mann Stiftung 2011: 2 f.)
Und wissenschaftliche Untersu­
chungen des Sinus-Instituts weisen
nach, dass es weder „die“ Deutschen
noch „die“ Menschen mit Migrations­
hintergrund gibt, sondern vielfältige
und differenzierte Milieus mit unter­
schiedlichen Lebensauffassungen und
Lebensweisen (vgl. Wippermann/Flaig
2009).

Fachliche Aspekte
Das Anforderungsprofil an die inter­
kulturelle Öffnung von Institutionen ist
seit Mitte der 90er Jahre weitgehend

ausformuliert (vgl. Foitzik 2008). Es
umfasst Organisations-, Personal- und
Qualitätsentwicklung sowie Weiter­
bildung und Trainings, aber auch Leit­
bilder und Handlungskonzepte.

9.2 	 Interkulturelle Öffnung der
Träger und Institutionen

In fachlichen Diskussionen wird, in
Anlehnung an das Verständnis von
Sabine Handschuck und Hubertus
Schröer zwischen interkultureller Ori­
entierung und Interkultureller Öffnung
unterschieden.

Interkulturelle Öffnung ist Bestandteil
von Leitbildern und Konzepten eta­
blierter Träger und wird ausgerichtet
auf Organisations- und Personalent­
wicklung, Standards, interkulturelle
Kompetenzen und das Erreichung der
Zielgruppen. Modellprojekte erschei­
nen im Organisationsgefüge eher
wie „Inseln“. Sie solllen weniger die
Strukturen verändern als Zugänge zu
Communities und Migrantenorganisa­
tionen erweitern.

Interkulturelle Orientierung zielt auf
Anerkennung als „Grundlage dafür,
dass Gruppen ebenso wie Individuen
ihre jeweiligen Interessen und Be­
dürfnisse artikulieren und vertreten
können. Sie ist auch Grundlage dafür,
dass eine selbstreflexive Haltung
gegenüber der eigenen Kultur einge­
nommen werden kann. Diese beiden
Voraussetzungen ermöglichen erst,
dass eine Begegnung zwischen Glei­
chen stattfinden kann, um Brücken
im Sinne von Aushandlungsprozessen
zwischen Unterschiedlichen zu schla­
gen“ (Handschuck/Schröer o.D.: 2).
Interkulturelle Öffnung verstehen sie
„als Konsequenz interkultureller Ori­
entierung: Es geht um die handelnde
Umsetzung der strategischen Ausrich­
tung. Sie hat Auswirkungen auf die
Strukturen, die Prozesse und Ergeb­
nisse sozialen Handelns. Interkulturelle
Öffnung führt zur Veränderung von
Aufbau- und Ablauforganisation, um
beispielsweise Zugangsbarrieren für
Minderheiten abzubauen. Angebote
und Maßnahmen der infrastruktu­
rellen und individuellen Versorgung
werden so ausgerichtet, dass sie die
in den Regionen lebenden Menschen
entsprechend ihrem Bevölkerungsan­
teil wirksam erreichen ...“ (ebd.)

Etablierte Träger

Einige Träger haben sich gezielt dem
demographischen Wandel gestellt
und die Modellprojekte genutzt,
um auf Leitungsebene für einen
Perspektivwechsel zu werben, neue
Zielgruppen zu gewinnen, auf deren
Bedarfe einzugehen und das Personal
entsprechend zu schulen. Bei der DAA
Leipzig sind Weiterbildungsseminare
zur interkulturellen Kompetenz seither
fest etabliert.
Erfahrene Migrantenorganisationen,
die als etablierte Träger vertreten
waren, reflektierten ihre eigene Ent­
wicklung vom kleinen Verein zum
etablierten Träger, wollten Empower­
mentprozesse unterstützen, Brücken­
bauer sein. Sie richteten sich stärker
auf Diversität aus oder wollten auf
Bundesebene durch Vernetzung an
Einfluss gewinnen.

Migrantenorganisationen
Für Migrantenorganisationen stellt
sich das Thema ihrer interkulturellen
Öffnung auf andere Weise als für etab­
lierte Träger und gesellschaftliche
Institutionen.

In erster Linie leisteten sie Beiträge
zu sie zu deren Öffnungsprozessen.
Sie haben Zugangsschwellen bei
Menschen mit Migrationshintergrund
durch Vertrauensaufbau, sprachliche
Unterstützung, Kennenlernen von
Orten und Personen gemindert, Semi­
nare in der Verwaltung durchgeführt,
Lotsinnen qualifiziert.
Eigene Öffnungsprozesse vollzogen
Migrantenorganisationen in erster
Linie durch Vernetzung und Professi­
onalisierung sowie damit einherge­
henden Haltungsänderungen. „MO ist
in der interkulturellen Arbeit offener,
bewusster, aktiver geworden“, hieß es.
Da Modellprojekte für Migrantenor­
ganisationen einen hohen Stellenwert
haben, wirkten sie auf Strukturen und
Handlungsebenen unmittelbar ein.
„Wir öffnen das Gebäude für Schulen,
Beratungsstellen etc. Der Vereinssaal
wird auch von anderen genutzt.“ (MO)
Schließlich haben Migrantenorgani­
sationen über ihre Community hinaus
Teilnehmerinnen und Teilnehmer ge­
wonnen – Heterogenität wurde selbst­
verständlicher. Gleichwohl sollten sie
– im Unterschied zu institutionellen
Dienstleistungsangeboten – nicht
daran gemessen werden, inwieweit
„sie die in den Regionen lebenden
Menschen entsprechend ihrem Bevöl­
kerungsanteil wirksam erreichen.“ Vor
allem in Beratungskontexten spielt
Vertrauen eine Rolle. Soziale Beratung
der Landsmannschaft der Deutschen
aus Russland e.V. oder von Africa Posi­
tiv e.V. werden für polnische oder ara­
bische Sprach- und Herkunftsgruppen
kaum erste Adresse sein.
Wenn sie jedoch themen- oder sozial­
raumorientiert agieren, verlieren Her­
kunftsspekte an Bedeutung und wird
Diversität selbstverständlicher.

47

Öffentliche Institutionen
Migrantenorganisationen haben zur
interkulturellen Öffnung von kommu­
nalen Angeboten und Einrichtungen
beigetragen. Auf fachlicher Ebene
wurde Zusammenarbeit auf- und aus­
gebaut. Das vielfach vom Defizitblick
geprägte Bild hat sich verändert. Be­
ziehungen zwischen Fachkräften der
kommunalen Verwaltung (Gesundheit,
Bildung etc.) und Migrantenorganisati­
onen sind alltäglicher und hierarchie­
flacher geworden.

Gesprächsrunde bei „InterTransFair“
in der Anfangsphase (Projekt 1)

Gleichwohl verweisen diese Aktivi­
täten auf bestehende Barrieren und
sind Indiz dafür, dass die interkultu­
relle Öffnung der Regeldienste nicht
ausreichend fortschreitet. Lotsinnen­
projekte sind zeitlich begrenzt, wer­
den meist ehrenamtlich oder durch
Projektförderung ausgeführt. Eigent­
lich sollten sie Bestandteil einer regel­
haften sozialen Infrastruktur sein, die
sich auf Vielfalt eingestellt hat und zur
interkulturellen Öffnung tragfähige
Brücken des Übergangs einrichtet.

Vertreterinnen und Vertreter von
Stadtverwaltungen, die in Wettbe­
werbsprojekten mitarbeiteten, zeigten
sich von der Trägervielfalt in ihrer
Stadt, von Engagementbereitschaft
und Projektideen vor allem kleiner
Vereine durchweg positiv überrascht.

9.3 	 Weitere Erfahrungen,
Erfordernisse

Auch konnten sich Migrantenorgani­
sationen als Experten positionieren.
Sie haben Fortbildungen zur interkul­
turellen Kompetenzen in der Verwal­
tung durchgeführt oder Lotsinnen
und Multiplikatoren qualifiziert.

Erreichen der Zielgruppe

Tandemkooperationen waren all­
tägliche Lern-und Erfahrungsfelder
für interkulturelle Orientierung und
Öffnung.

Menschen mit Migrationshintergrund
wurden in den Modellprojekten gut
erreicht – ein wesentlicher Indikator
für interkulturelle Öffnung. Dazu ha-

Interkulturelle Mediatorinnen

Verständliche Sprache mit Anspruch

Nacht der Migrantenvereine

Der Multikulturelle Familienverein e.V. und
die Caritas-Sozialdienste e.V. in Mülheim
an der Ruhr haben eine einjährige Quali­
fizierung durchgeführt. Die Teilnehmerin­
nen erhielten umfassende Informationen
von professionellen Fachkräften aus
Gesundheits- und Bildungseinrichtungen
und wurden zu interkulturellen Gesund­
heitsmediatorinnen ausgebildet. Ein
zentraler Kooperationspartner war das
Gesundheitsamt der Stadt Mülheim an der
Ruhr. Die interkulturellen Gesundheitsme­
diatorinnen können als Dozentinnen und
Brückenbauerinnen zur Flankierung von
Beratungs- und Sozialdiensten auf Hono­
rarbasis tätig sein.

Beim Regionaltreffen in Leipzig setzte
sich eine Arbeitsgruppe mit einem Fra­
gebogen der Deutschen AngestelltenAkademie Leipzig DAA auseinander, der
in der Qualitätssicherung verwandt wird.
Er richtet sich an Projektteilnehmerinnen
und -teilnehmer der Kurse, damit sie Ver­
anstaltungen bewerten, ihre Meinung,
Zufriedenheit, Kritikpunkte darlegen. In
der gemeinsamen Diskussion wurde der
Fragebogen im Hinblick auf Verständlich­
keit, Differenzierung, Wiederholungen etc.
kritisch analysiert. Die Anregungen haben
dazu beigetragen, den Fragebogen zu ver­
bessern. Fazit war: Verständliche Sprache
fördert Transparenz und Zielerreichung.

Am 23. September 2011 fand in Halle
(Saale) zum zweiten Mal die „Nacht der
Migrantenvereine“ statt. Die Idee ent­
stand ein Jahr zuvor im Rahmen eines
Teilprojekts – und sie wird fortgesetzt.
Menschen unterschiedlicher nationaler
Wurzeln erzählen als „lebendiges Buch“
ihre Geschichte, den Weg ihres Glaubens
oder ihrer Familie. Ein Bus bringt die Gäste
zu den Vereinen – etwa 70 Personen ha­
ben dieses Angebot wahrgenommen. Die
„Geschichten“ wurden in einem Katalog
festgehalten und eine CD dazu erstellt, die
auch von Schulen im Rahmen des Unter­
richts genutzt werden kann.

48

ben die Bekanntheit vertrauensvoller
Personen, Mehrsprachigkeit sowie
interkulturelle Kompetenzen beige­
tragen. Migrantenorganisationen
brachten ihre Innensicht ein und
identifizierten Teilhabebarrieren. Eine
Projektleiterin formulierte es so: „In­
terkulturelle Öffnung ist der Versuch
des Perspektivwechsels, der Versuch,
etwas aus den Augen des Koopera­
tionspartners zu sehen. Es gibt den
Austausch darüber – auch über Unsi­
cherheiten“. (eT)

Für die Projekte wurden schon in den
Anträgen ansprechende Titel gewählt.
Eine enge Anlehnung an Begriffe
der Förderprogrammatik – dies gilt
auch für andere Förderkontexte – war
jedoch eher kontraproduktiv. Wenn
potenzielle Teilnehmerinnen und
Teilnehmer als Migrantinnen oder Mi­
granten angesprochen und für Integra­
tionsprojekte interessiert werden sol­
len, kann dies als Fremdzuschreibung
von Defiziten empfunden werden,
selbst wenn dies nicht beabsichtigt ist.

Niedrigschwelligkeit

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
legen auf ihren Herkunftsbezug un­
terschiedlichen Wert. Dies gilt es zu
bedenken. Einige wollen ihre kultu­
rellen Wurzeln in Projekte einbringen,
andere fühlen sich in erster Linie der
Stadt oder dem Stadtteil, einem Milieu
oder einer Altersgruppe zugehörig. Sie
interessieren sich für ein bestimmtes
Thema, das Zusammenkommen mit
Gleichgesinnten, für konkrete Engage­
mentmöglichkeiten im Projekt.

In engem Zusammenhang damit steht
die Niedrigschwelligkeit der Ange­
bote. Es wurde auf gute Erreichbarkeit
und eine einladende Atmosphäre
geachtet. Es wurden vor Ort bekannte
Einrichtungen genutzt (Moschee) oder
Gebäude bezogen, in denen auch
andere Träger ihren Sitz haben (MigraMundi e.V.). Zugänge wurden durch
multifunktionale Orte erleichtert, in
denen nachbarschaftliche Aktivitäten,
Frauenfrühstück, Ausstellungen, Vor­
träge oder Musik geboten werden
(Interkulturelle Frauen Leipzig e.V.).
Räume wurden freundlich gestaltet,
Sprechzeiten den Möglichkeiten der
Zielgruppen angepasst, inhaltliche
Themen an deren Bedürfnissen aus­
gerichtet.
Interkulturelle Öffentlichkeitsarbeit
Gleichwohl wurden in der öffentlichen
Ansprache der Zielgruppen oft unge­
wollt Barrieren reproduziert. Diesem
Aspekt wurde von Seiten der fachlichwissenschaftlichen Begleitung große
Aufmerksamkeit geschenkt, wurde
gemeinsam darüber nachgedacht,
ob Flyer, Plakate und Internetauftritte
einen einladenden Charakter haben
und wer sich davon angesprochen
fühlt.

Werden sie als „Migrantinnen oder Mi­
granten“ angesprochen, so wird dies
die homogene Zusammensetzung der
Teilnehmergruppen fördern, die durch
interkulturelle und generationenüber­
greifende Offenheit eigentlich über­
wunden werden soll. Begriffe wie „in­
terkulturelles Frauenfrühstück“ waren
hierbei hilfreicher. Eine verständliche
und nicht unmittelbar Projektziele
reproduzierende Begriffswahl erwies
sich als einladender.
Langfristige Zukunftsaufgabe
Die interkulturelle Öffnung der Träger,
Einrichtungen und Angebote ist eine
langfristige Zukunftsaufgabe mit viel­
fältigen Facetten. Auf Projektebene
wurden zu deren Gestaltung Impulse
ausgelöst und übertragbare Anre­
gungen gegeben.

Interkulturellen Öffnung

beim etablierten Träger
„Wir gehen davon aus, dass durch die
Zusammenarbeit mit uns trotz der hi­
erarchischen Strukturen bei unserem
Tandempartner eine intensivere Zu­
sammenarbeit mit Migranten erreicht
und mehr Migranten für die Arbeit des
etablierten Trägers gewonnen werden
konnten.“ (MO)
bei Migrantenorganisationen
„Auch die MO haben ihren interkul­
turellen Horizont erweitert. Positive
Kooperationserfahrung baut Ängste
ab und ebnet den Weg zu mehr
Offenheit. Insbesondere der Nach­
wuchs hat daran großes Interesse, die
Vorstandsebene konnte dem nur zum
Teil folgen. Hier bedarf es ebenfalls
weiterer Bemühungen. Viele MO ha­
ben verstanden, dass ihre Existenz von
einer Öffnung abhängt.“ (eT)
„Menschen mit unterschiedlicher Mi­
grationsgeschichte und Menschen aus
der Mehrheitsgesellschaft sind bei uns
(noch mehr als früher) zusammenge­
kommen. Wir haben uns gemeinsame
Strategien für effektivere Freiwilli­
genarbeit überlegt und diese in die
Tat umgesetzt. Wir sind schnell in der
Projektlandschaft bekannt geworden
und haben sehr viele Anfragen und
Einladungen erhalten.“ (MO)
in der Verwaltung
„Die Stadtverwaltung ist dem Thema
interkulturelle Öffnung aufgeschlos­
sener, was wir unter anderem daran
merken, dass wir als Verein jetzt
häufiger zu Informationsveranstal­
tungen und zum Beispiel auch zu den
unterschiedlichen Arbeitsgruppen
zur Umsetzung der ‚Integrationspoli­
tischen Leitlinien‘ der Stadt eingela­
den werden.“ (MO)

49

Erfordernisse aus Sicht der Projektträger
Bei der Abschlussbefragung haben die beteiligten Träger und Vereine zahlreiche Vorschläge unterbreitet, wie die
interkulturelle Öffnung künftig weiter vorankommen könnte. Die Frage lautete: „Was wäre für die weitere interkulturelle
Öffnung erforderlich?“ Der Bogen wurde weit gespannt und ein breites Spektrum an Antworten und Anregungen ge­
geben. Sie reichten von interkultureller Kompetenz als Einstellungskriterium über hauptamtliche Stellen bei Migranten­
organisationen und Überführung von modellhaften Projekten in die Regelfinanzierung bis hin zu dem Vorschlag, dass
etablierte Träger und Migrantenorganisationen zum Thema „interkulturelle Öffnung“ selbst Angebote für Weiterbildung
oder Changemanagement entwickeln könnten.

Tabelle 9: Erfordernisse für die weitere interkulturelle Öffnung

Frage: Was wäre für die weitere interkulturelle Öffnung erforderlich?
Im Bereich der etablierten Träger:
− Feste Anstellungen von Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund in Verwaltung und Wirtschaft sind erforderlich,
dafür sollte mehr geworben werden
− Interkulturelle Kompetenz sollte ein Einstellungskriterium sein (Verwaltung, etablierte Träger)
− Bildungsträger könnten „interkulturelle Öffnung“ als Weiterbildungsthema anbieten
− Aktive Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen sollte weitergeführt werden
Im Bereich von Migrantenorganisationen:
− Interkulturelle Öffnung bedarf hauptamtlicher Strukturen, Ehrenamtlichkeit allein kann Nachhaltigkeit nicht befördern
(Fluktuation, unterschiedliche Zeitbudgets)
− Strukturelle Förderung ist eine wichtige Grundlage. Auch sollten kleine selbständige Projekte gefördert werden
− Nicht nur ideelle Anerkennung ist wichtig, auch finanzielle Förderung (Honorare, Sachmittel), Regelfinanzierung
− Es bedarf der Unterstützung von Migrantenorganisationen auf ihrem Weg zum etablierten Träger
Für beide Träger:
− Gemeinsame Veranstaltungen durchführen, dies stärkt Kommunikation und Zusammenarbeit
− Weitere Projekte gemeinsam durchführen (Tandemprojekte) mit professioneller Begleitung, Coaching
− Anpassung der Angebote an Zielgruppe, dazu Bedarfserhebungen, Befragungen, Gespräche, Wettbewerbe durchführen
− Reflexion der Tätigkeiten, mehr Zeit dafür vorsehen
− Mehr Austausch zwischen Verwaltung und Integrationsprojekten, Fortbildungen

Quelle: Abschlussbefragung

50

10. NACHHALTIGKEIT UND VERSTETIGUNG


10.1 Am Ende der Projektlaufzeit
Die Tandempartner haben sich bei der
Abschlussbefragung zu folgender Fra­
ge geäußert: „Wenn Sie am Ende des
Modellprojekts ein Resümee ziehen –
was hat es aus Ihrer Sicht bewirkt (für
Zielgruppen, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, professionelle Arbeit der
Träger und Vereine)?“

Ergebnisse und Wirkungen gezeigt
(Tabelle 10).
➤ Zielgruppen

Die Zielgruppen profitieren von quali­
fizierteren und differenzierteren sowie
neu entstandenen bedarfsgerechten
Angeboten mit guter Infrastruktur, ins­
besondere im Beratungsbereich, aber
auch in anderen Vereinsangeboten. Es
wurden neue Gruppen aufgebaut.

Aus Sicht der Migranten­
organisationen

➤ Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter

Aus Sicht der Migrantenorganisati­
onen haben die Projekte vielfältige

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Vereine haben sich professiona­
lisiert und zahlreiche Kompetenzen

hinzugewonnen. Das ehrenamtliche
Engagement wurde ausgeweitet. Mo­
tivation und Selbstbewusstsein sind
gestiegen.
➤ Träger-, Vereinsarbeit

Auch die Vereinsarbeit selbst ist pro­
fessioneller geworden. Zielsetzungen
sind klarer und strukturieren die
Prozesse deutlicher als bisher. Vereins­
profile sind geschärft. Die Wahrneh­
mung im politischen, öffentlichen und
fachlichen Kontext hat sich verbessert.
Es gibt deutlich mehr Zugänge zu
Netzwerken, die längerfristig erhalten
bleiben werden.

Tabelle 10: Effekte der Modellprojekte aus Sicht der Migrantenorganisationen

Frage: Wenn Sie am Ende des Modellprojekts ein Resümee ziehen – Was hat es aus Ihrer Sicht bewirkt?
für die Zielgruppen
− Qualifizierung und Differenzierung des vorhandenen Beratungsangebots
− Verbesserte Infrastruktur für Beratungsangebote (Räume)
− Ausweitung des Wirkungsradius im lokalen und regionalen Kontext
− Ausweitung und Modifizierung der Beratungs- und Kursangebote
− Wirkungsvolle Bildungsarbeit, Qualifizierung
für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
− Professionalisierung in Projekt- und Beratungsarbeit
− Neueinstellung von hauptamtlichen Mitarbeitern mit Kompetenzen in Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit/Webma­
nagement
− Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen
− Gewinnung von Muliplikatorinnen und Multiplikatoren
− Gesteigerte Arbeitsmotivation und gestiegenes Selbstbewusstsein bei Vereinsmitarbeitenden (z.B. durch öffentliche
− Wahrnehmung und Anerkennung)
− Kompetenzsteigerung in Kommunikation/Präsentation
für die professionelle Arbeit als Träger
− Effizientere und effektivere Arbeitsprozesse
− Profilschärfung
− Klare Zielsetzungen
− Verstärkte öffentliche Wahrnehmung, PR
− Gewinnung von regelmäßiger Unterstützung bei Verwaltungsarbeiten, Arbeitsentlastung für Vorstand
− Einbindung in Netzwerke
− Öffentliche Verwaltung und Einrichtungen wurden vom Nutzen einer Zusammenarbeit mit MO überzeugt
Quelle: Abschlussbefragung

51

Aus Sicht der etablierten Träger
Etablierte Träger bewerteten die Mo­
dellprojekte, auch wenn sie zuweilen
als zeit- und ressourcenintensiv an­
gesehen wurden, als eine „Investition,
die sich gelohnt“ hat. Nachhaltige Wir­
kungen sahen sie für die Migrantenor­
ganisationen und für sich selbst.
➤ 	 Effekte für Migranten­

interkulturellen Öffnung ihrer Orga­
nisationen. In der Öffentlichkeit hat
die gemeinsame Arbeit mit ihnen
Anerkennung gefunden. Durch die
gleichberechtigte Zusammenarbeit
wird Integrationsarbeit künftig stärker
über problembezogene Sichtweisen
hinausgehen.

Eine vollständige Überführung in Re­
gelstrukturen, so viel deutete sich bei
der Zwischenbilanzveranstaltung be­
reits an, konnte nur in Ausnahmefällen
erreicht werden. Vor allem kleinen
Migrantenorganisationen fehlen dafür
weiterhin die Voraussetzungen, den
Ländern und Kommunen die erforder­
lichen finanziellen Mittel.

10.2 Nachhaltige Ergebnisse

Nachhaltigkeit und Verstetigung
sind zu unterscheiden

organisationen
Migrantenorganisationen können
künftig ihre Ziele und Vorhaben ei­
genständig umsetzen. Qualifizierung
in Projektmanagement, Akquisition
weiterer Fördermittel und Vernetzung
bleiben als strukturelle Effekte erhal­
ten. Die bessere öffentliche Wahrneh­
mung wirkt als Imagegewinn.

Inwieweit die beschriebenen Ergeb­
nisse der Modellprojekte tatsächlich
langfristig wirken, würde sich zuverläs­
sig erst zu einem späteren Zeitpunkt
feststellen lassen. Entsprechende
Untersuchungen fehlen jedoch in der
Regel und sind schwer durchführbar.
Auch wird Nachhaltigkeit meist mit
Verstetigung gleichgesetzt.

➤ 	 Zielgruppen der etablierten

Träger
Etablierte Träger haben ihre eigenen
Angebote differenziert, modifiziert,
neue Ideen für eine bessere Anspra­
che der Zielgruppen entwickelt. Sie
sehen sich aufgeschlossener und
können künftig ihre Angebote bedürf­
nisorientierter ausrichten. Zugänge zu
den Zielgruppen bleiben erhalten.
➤ 	 Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter

Etablierte Träger erhielten Einblicke in
Arbeitsweisen, Bedürfnisse und Struk­
turen der Migrantenorganisationen.
Aufgrund ihrer alltäglichen Kooperati­
onserfahrungen haben sie ein größe­
res Verständnis für Vereinsarbeit und
für die Wünsche von Ehrenamtlichen.
➤ 	 Organisationsaspekte

Etablierte Träger haben neue Koope­
rationspartner und Zugänge in die
Communities hinzugewonnen. Zu
ihren Tandempartnern und anderen
Migrantenorganisationen wurde
Vertrauen auf- und ausgebaut. Viele
von ihnen sehen Fortschritte in der

52

In den Modellprojekten war „Nach­
haltigkeit“ von Anfang an Thema und
Praxisziel. Es wurde versucht, sich mit
einem gemeinsamen und differen­
ziertes Verständnis dessen anzuneh­
men. Dafür wurden Vorstellungen und
Sichtweisen aus anderen Förderpro­
grammen fruchtbar gemacht.
Im Ergebnis umfassen Nachhaltig­
keitsperspektiven mehr als die Über­
führung von erfolgreichen Projekten
in bestehende Regelstrukturen, was
im Nationalen Integrationsplan als
weitgehendste Erwartung formuliert
worden ist. Hier heißt es: „Integrations­
maßnahmen müssen nachhaltig und
dauerhaft sein, kurzfristige ‚Strohfeu­
erprojekte‘ sind zu vermeiden. Es muss
ein breites Angebot an Maßnahmen
geben, erfolgreiche Projekte sind in
die Regelstrukturen zu überführen
(‚qualifizierte Regelversorgung‘).“
(Bundesregierung 2007: 111)

Auch wenn Projekte in ihrer ursprüng­
lichen Form nicht weitergeführt
werden, so können sie nachhaltige
Ergebnisse erzielen. Es war sogar
beabsichtigt, dass Migrantenorganisa­
tionen nun eigenständig oder in ande­
ren Kooperationsformen professionell
wirken. Dieses Ziel wirkte zurück auf
die Kooperationsprozesse, die wurde
ein etablierter Träger so beschrieb:
„Wir bieten Weiterqualifizierungsmaß­
nahmen, damit der Tandempartner
nach Projektende selbständig weiter
arbeiten kann.“ Es ging nicht nur um
Schulungen im Sinne des Kompetenz­
gewinns, sondern um deren hand­
lungsleitende Perspektiven hin zur
Selbständigkeit. Ein weiterer Ansatz
war die bewusste strategische Unter­
stützung des „Selbständigwerdens“.
So wurde in einem Tandemprojekt die
Migrantenorganisation stufenweise
mehr in Entscheidungen einbezogen,
während sich der etablierte Träger be­
wusst stärker zurückzog.

Nachhaltigkeit kann auf mehreren
Ebenen erreicht werden
Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur
auf die Projekte als Ganzes, sondern
kann auf mehreren Ebenen erreicht
werden. In Anlehnung an das Förder­
programm Stärken vor Ort (vgl. ESF
2010) betrifft dies:

➤ Träger- und Vereinsebene

Als nachhaltig erweisen sich die
erworbenen individuellen und in­
stitutionellen Kompetenzen der Mit­
arbeiterinnen und Mitarbeiter durch
Erfahrung und Weiterbildung sowie
durch „soziales Kapital“, das in den Pro­
jektkooperationen und Netzwerken
entstanden ist.
➤ Zielgruppenebene

Nachhaltigkeit kann erreicht werden,
wenn Teilnehmerinnen und Teilneh­
mer der Projekte befähigt wurden,
sich nun stärker im Gemeinwesen zu
beteiligen und sich selbstständig zu
organisieren – wenn beispielsweise
das Frauenfrühstück in eigener Regie
weitergeführt wird.
➤ Strukturebene

Informelle und formelle Netzwerke
tragen entscheidend zu Nachhaltig­
keit bei. Darauf setzten die Modell­
projekte besonders. Migrantenor­
ganisationen können nun auf lokale
Rahmenbedingungen einwirken und

ihre Partizipationschancen weiter
verbessern. Dies trifft auf die meisten
von ihnen zu. Projekte, die wieder
ehrenamtlich weiterarbeiten, werden
jedoch – wie beispielsweise KOMCI­
WAN – kaum in derselben Intensität
in Gremien und Netzwerken mitwir­
ken können.

festschreiben, sondern ist immer wie­
der neu herzustellen. Die Partizipation
von Migrantenorganisationen ist ein
Prozess, der über die Projektlaufzeit
hinausreicht. Die interkulturelle Öff­
nung ist mit dem Ende der Förderung
nicht „gesichert“ und muss weiter aus­
gebaut werden.

➤ Projektebene (Verstetigung)

➤ Sich wandelnde Aufgabe

Projekte, die in Regelstrukturen über­
nommen oder durch andere Förder­
programme abgesichert werden, sind
besonders nachhaltig. Dafür werden
untenstehend drei Beispiele aufge­
zeigt. Die kleinen und neu gegründe­
ten Vereine konnten sich durchweg als
„Projekt“ stabilisieren und verstetigen.

Besonders wirksam sind Ergebnisse
dann, wenn sie über die eigene
Community hinausreichen. Gleich­
berechtigte Partizipationschancen
an Bildung, Beschäftigung oder In­
frastrukturangeboten sind in erster
Linie soziale Fragen und betreffen
Menschen mit und ohne Migrations­
hintergrund. Dies prägt und verändert
auch Netzwerke.

Nachhaltigkeit bleibt als
Herausforderung bestehen

➤ Kooperative Aufgabe
➤ Bleibende Aufgabe

Vielfach wird gefordert, dass bei Pro­
jektende Nachhaltigkeit zu „sichern“
sei. Nachhaltigkeit lässt sich jedoch
nicht in einem bestimmten Zustand

Zur weiteren Öffnung und Qualifizie­
rung von Angeboten sind Unterstüt­
zungsstrukturen sowie fachliche und
lokale Netzwerke über die Projekt­
dauer hinaus erforderlich.

Mimar Sinan Moschee Leverkusen
Unsere Moschee OffenSozialAktiv
Projekt 6

Interkulturelle Frauen Leipzig e.V.
InterTransFair
Projekt 1

Migra Mundi e.V. Wiesbaden
PAKT - anpacken - zupacken
Projekt 2

Der Moscheeverein wird kommunal
weiter gefördert. In diesem Projekt
wurden viele Migrantinnen an die An­
gebote der Regelstrukturen herange­
führt. Die Stadtverwaltung Leverku­
sen zeigt sich mit dieser Entwicklung
sehr zufrieden. Auch arbeitet die
Moscheegemeinde in mehreren Ar­
beitskreisen vor Ort mit. Die leitenden
Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung
wurden interkulturell geschult, so­
wohl in Form von Fortbildungen wie
in der Zusammenarbeit selbst. Trotz
der angespannten Haushaltslage wird
die Stadt Leverkusen die Moscheege­
meinde weiter fördern.

Es wurden nachhaltige Ergebnisse
und Verstetigung erreicht. Diesem
Verein ist es gelungen, ein Projekt
der Stiftung „Aktion Mensch“ für drei
Jahre einzuwerben und drei Bürger­
arbeitsplätze zu etablieren, so dass
sechs Mitarbeiterinnen für je drei
Jahre in Teilzeit eingestellt werden
konnten. Qualifizierung und Professi­
onalisierung im Modellprojekt durch
die DAA Deutsche Angestellten-Aka­
demie Leipzig haben diesen Prozess
begünstigt.

In diesem Verein arbeiten Frauen
aus 26 Ländern mit. Er hat sich auf
kommunaler Ebene etabliert und in
zentraler Lage von Wiesbaden Räume
bezogen. Er ist Ansprechpartner für
unterschiedlichste Fragen – auch
werden hier künftig Projekte mit
Kooperationspartnern durchführt.
Die Caritas hat zahlreiche Schulun­
gen und Beratungen der Frauen des
Vereins durchgeführt und wird sie
als Mentoringpartner auch weiterhin
unterstützen.

53

Warum
verstetigen?

Ressourcen

Was wird künftig
benötigt?

Rahmenbedingungen

Rahmenbedingungen

Was
verstetigen?

Wie
verstetigen?

Akteure

Wer kann das Pro­
jekt fortführen?

Finanzplan

Mit oder ohne
Förderung?

Fortführung/Aktualisierung
Strukturen, Prozesse, Inhalte ...

10.3 Verstetigung
Von Verstetigung eines Modellpro­
jekts lässt sich sprechen, wenn es als
Ganzes oder in wesentlichen Teilen
weitergeführt wird. Hierbei spielen
Finanzierung und Übergang in die
Regelstrukturen oder das Erschließen
neuer Förderquellen eine entschei­
dende Rolle.

Quelle: vgl. JOBSTARTER, leicht modifiziert


lokale Vernetzung Gegenstand einer
Verstetigungsdiskussion sein.
➤ Warum soll verstetigt werden?

Auch stellte sich die Frage, wem die
Verstetigung einen Nutzen bringen
soll und kann – der Zielgruppe, der
eigenen Organisation, dem Koopera­
tionspartner, der Kommune? Nicht je­
des erfolgreiche Projekt muss zwangs­
läufig verstetigt werden.

Fragen im Prozess
➤ Wie kann verstetigt werden?

In den Modellprojekten wurden, in
Anlehnung an einen Fragenkatalog
des Förderprogramms JOBSTARTER,
folgende Aspekte in der Schlussphase
reflektiert – sie boten den Modellpro­
jekte Orientierung für differenzierte
Strategien:
➤ Was kann verstetigt werden?

Zunächst sollten sich die Beteiligten
in den Projekte darüber verständigen,
ob das Projekt als Ganzes oder in Tei­
len verstetigt werden soll. Auch war
die Frage zu klären, ob die Zusam­
menarbeit im Tandem (Projektdurch­
führung, Mentoring) fortgeführt wird.
Schließlich konnte die fachliche und

54

Abb. 8: Fragen zur Verstetigung. 


Im Falle einer positiven Antwort auf
die Fragen des WAS und WARUM
stellt sich die vielleicht wichtigste und
schwierigste Frage: WIE kann man ver­
stetigen und welche Wege sind dabei
zu beschreiten? Dabei waren vor allem
personelle und finanzielle Ressourcen
zu diskutieren, Möglichkeiten der An­
passung von Ressourcen an begrenzte
Budgets oder des Erschließens neuer
Quellen.

Was bleibt?
Am Ende wurde von den Projektträ­
gern Bilanz zu nachhaltigen Ergebnis­
sen gezogen. Die Frage lautete: „Was

wird an positiven Effekten für Sie als
etablierter Träger oder Migrantenor­
ganisationen über die Projektlaufzeit
hinaus erhalten bleiben?“ Die Antwor­
ten werden im folgenden zusammen­
gefasst:
Es bleiben neue Einsichten,
Erfahrungen, Kenntnisse
Durch die Modellprojekte haben sich
„Bilder in den Köpfen“ verändert. In
verschiedensten Bereichen, von An­
tragstellung über Projektmanagement
bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit wur­
den Kompetenzen hinzugewonnen.
Diese können in weiteren Projekten
genutzt und auf andere Themenbe­
reiche übertragen werden. Es gibt
mehr Sensibilität für heterogene Grup­
pen und deren Ansprache.
Es bleiben Engagement und
Engagementbereitschaft
Der Kreis der bürgerschaftlich Enga­
gierten hat sich erheblich vergrößert;
es wurden ehrenamtliche Mitarbei­
terinnen und Mitarbeiter hinzuge­
wonnen. Nun kommt es darauf an,

Engagementbereitschaft weiterhin zu
binden und Ehrenamtliche nicht zu
überfordern.

eine Übertragung von Kompetenzen
und Erfahrungen auf vergleichbare
Projekte möglich.

Es bleiben strukturelle,
personelle Effekte

Es bleiben modifizierte oder neu ent­
wickelte Projekte

Ein wichtiges Ergebnis der Modell­
projekte sind verbesserte Arbeits­
bedingungen. Einige Migrantenor­
ganisationen haben neue Räume
bezogen und ausgestattet, in denen
sie Projektarbeit und Beratung
anbieten. In Zukunft müssen sie die
finanziellen Ressourcen für Miete und
Sachkosten sowie die hauptamtliche
Unterstützung von Ehrenamtlichkeit
selbständig sichern. Dies bedarf kon­
tinuierlicher Anstrengungen und ist
keineswegs selbstverständlich.

Schließlich bleiben Projekte als Gan­
zes und in Teilbereichen bestehen.
Einige werden inhaltlich modifiziert
weitergeführt, andere von Migran­
tenorganisationen selbständig in
neuen Förderprogrammen, mit Un­
terstützung der Tandempartner, von
Kommunen oder mit Landesmitteln
ermöglicht.

Es bleiben Kontakte, Netzwerke
Für die beteiligten Personen und Trä­
ger bleiben persönliche und fachliche
Kontakte, Knoten in den Netzwerken.
Es bleiben kurze Wege zum etablier­
ten Träger. In einigen Fällen können
Räume der Projektpartner genutzt
werden. Mehrere Tandempartner wer­
den auch künftig zusammenarbeiten.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
etablierten Träger bleiben im Refe­
rentenpool der Migrantenorganisiati­
onen – und umgekehrt. Die meisten
Träger wollen auch wieder in Tandem­
konstellationen arbeiten – mit diesem
oder einem anderen Partner.

Abb. 9: Logo des verstetigten Projekts
„Interkulturelles Konversationscafé“
in Leipzig, hervorgegangen aus
„InterTransFair „(Projekt 1)

„Was wird an positiven Effekten für Sie als etablierter Träger oder MO über die
Projektlaufzeit hinaus erhalten bleiben“?
Ausgewählte Statements von etablierten Trägern
− Sensibilisierung für das Thema interkulturelle Öffnung

− Neue Ideen für die Zusammenarbeit mit der Zielgruppe

− Frauenquote in Gremien auf Bundes- und Landesebene 

− Persönliche Kontakte, kompetente Ansprechpartnerinnen und -partner

− Nutzung von Vereinsräumen durch Migrantenorganisation

− Weitere gemeinsame Projekte

− Teilzeitstelle für die Begleitung und Qualifizierung von MO (Verstetigung)

Ausgewählte Statements von Migrantenorganisationen
− Erworbenes Wissen, Erfahrungen (Projektplanung, -durchführung)
− Neue Kontakte und Netzwerke

Es bleiben Dokumente für den
Wissenstransfer
Die von Migrantenorganisationen und
der fachlich-wissenschaftlichen Be­
gleitung erarbeiteten Dokumente und
Handreichungen stellen für andere
Migrantenorganisationen und etab­
lierten Träger eine Hilfe dar. Mit dem
Transfer von Projektergebnissen ist

− Vereinsräume mit guter Ausstattung
− Zuverlässige Partnerschaft mit etabliertem Träger
− Positive Wahrnehmung der MO in der Öffentlichkeit, bei anderen Vereinen
und Verbänden

− Fundus an Dokumenten und Methoden

− Mediatorinnen, Multiplikatorinnen

− Kooperation mit Kommune

Quelle: Abschlussbefragung

55

10.4 Zukunftsperspektiven: Migrantenorganisationen im Jahr 2020
Die Modellprojekte haben zu langfristigen und visionären Zielen von Migrantenorganisationen beigetragen – und
markieren Erfolge auf dem Weg dahin. Vieles ist von gesellschaftlichen und regionalen Entwicklungen, aber auch von
einzelnen Personen abhängig. Modellprojekte sind Bausteine in einem langwierigen Partizipationsprozess.
Wo werden und möchten die beteiligten Migrantenorganisationen im Jahr 2020 stehen? Die meisten von ihnen sehen
dann als gleichberechtigter etablierten Akteur und „normaler Teil“ der Bürgergesellschaft, der ALLE in den Blick nimmt,
für seine Mitglieder da ist und sich für das Gemeinwohl engagiert.
Dies machen folgende Statements der Tandempartner deutlich:

„Wenn Sie an das Jahr 2020 denken – was könnte Ihrer Meinung nach die MO/ oder was könnten sie
als MO bis dahin erreichen?“
„Im Jahr 2020 sind wir ein allseits anerkannter und integrativer bürgerschaftlicher / zivilgesellschaftlicher Akteur in der Stadt­
gesellschaft. Nicht mehr MO steht im Vordergrund. Wir werden wahrgenommen wie ein ‚normaler‘ örtlicher Verein von vielen
– ein Verein, der für seine Mitglieder da ist und sich gleichzeitig für das Zusammenleben in der Stadt engagiert, im Sinne von
Teilhabe und Teilsein (gelungene Inklusion).“ (MO)
„Wir haben es geschafft, ein ‚Interkulturelles Haus für Alle’ in der Stadt zu etablieren“ (MO)
„Es sollte bis 2020 Normalität werden, dass Migrantenorganisationen sowohl als Partner der sozialen Arbeit als auch als nor­
male Träger sozialer Dienstleistungen fungieren.“ (MO)
„Die Frauen entfalten ihre Kreativität, verwirklichen ihre Ideen und wirken im Gesellschaftsleben der Stadt aktiv, stabilisierend
und bereichernd mit.“ (eT)
„Es ist wichtig für Muslime, am Leben der Stadt teilzunehmen.“ (eT)
„2020 haben wir eine Einbindung in bundesweite Netzwerke erreicht.“ (MO)
„Eine Ausweitung unserer Tätigkeit in andere Städte und Bundesländer in Kooperation mit Organisationen vor Ort wird ange­
strebt.“ (MO)
„MO hat fachliches Profil, thematische Ausrichtung und lokalen Einfluss (Mitentscheidungsmacht) als ein ‚normaler Teil’ der
Bürgergesellschaft.“ (eT)
„Die MO könnte in 2020 ein aktiverer Akteur in der Zivilgesellschaft sein. Ihre Arbeit könnte über die spezifische Zielgruppe
hinaus auch stärker an die Gesamtgesellschaft gerichtet sein. Hierfür müssten auch Hauptamtliche in der MO mitarbeiten, da
auf Dauer professionelle Arbeit ehrenamtlich nicht möglich ist.“ (MO)
„2020 sollten noch deutlich mehr afrikanische Mitbürger in der Stadt und Umgebung erreicht werden.“ (MO)
„Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Jugendverbandsarbeit in Deutschland mit vielen Anknüpfungspunkten zu anderen
Organisationen und Institutionen. Dies erfolgt durch eine gute Struktur zur Umsetzung inhaltlicher Themen und die daraus
resultierende gute Wahrnehmung in der Öffentlichkeitsarbeit.“ (MO)

Quelle: Abschlussbefragung

56

11.

ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISSE UND EMPFEHLUNGEN


Mit den Modellprojekten zur verstärkten
Partizipation von Migrantenorganisati­
onen wurden neue Wege erschlossen
und Erkenntnisse gewonnen, die auf
andere Projekte übertragbar sind und
interessierten Akteuren der Integra­
tionsarbeit zur Verfügung stehen.
Alle Migrantenorganisationen gehen
gestärkt aus den Modellprojekten
hervor. Sie profitieren von ihren Er­
fahrungen und Netzwerkkontakten
und können ihre Vereinsarbeit nun
professioneller gestalten. Einigen von
ihnen ist es gelungen, sich erfolg­
reich in anderen Förderprogrammen
zu bewerben oder eine längerfristig
verbindliche Zusammenarbeit mit
der Kommune zu etablieren. Nicht in
allen Fällen konnten die aufgebauten
hauptamtlichen Strukturen über die
Projektdauer hinaus gesichert und
neue finanzielle Ressourcen erschlos­
sen werden. Nachhaltigkeits- und
Verstetigungserfordernisse bleiben als
Herausforderung weiter bestehen.

11.1 Erfahrungen und Erkenntnisse
Professionalisierung und Vernetzung,
interkulturelle Öffnung und Diversi­
tätskultur haben zur Partizipation von
Menschen mit Migrationshintergrund
sowie der Migrantenorganisationen
beigetragen.

Qualifizierung und Professionalisie­
rung stärken Teilhabechancen
Durch Professionalisierung und Qua­
lifizierung wurden bestehende An­
gebote verbessert. Es sind neue und
wohnortnahe Einrichtungen in Selbst­
organisation entstanden. Insbesonde­
re an der Schnittstelle von Beratung
und bürgerschaftlichem Engagement
wurden neue Mitwirkungsfelder er­
schlossen. Organisationsstrukturen

der Migrantenorganisationen wurden
gestärkt, Zielgruppen gut erreicht.
Migrantenorganisationen haben
in Vereinsrecht, Buchführung und
Abrechnung, aber auch in Projektma­
nagment und Öffentlichkeitsarbeit
Kompetenzen hinzugewonnen. Dies
war ganz wesentlich ein Ergebnis des
Praxislernens im Tandem. Auch der
projektübergreifende Erfahrungsaus­
tausch und Weiterbildungsworkshops
waren dafür hilfreich.
Eine bedarfsgerechte und wissensba­
sierte Integrationsförderung bedarf
weiterhin der kontinuierlichen Qualifi­
zierung – dies erst ermöglicht Professi­
onalisierung.

Netzwerke und soziales Kapital er­
weitern Mitwirkungsmöglichkeiten
Die Partizipationschancen von Mi­
grantenorganisationen wurden mit
deren Einbindung in lokale und über­
regionale Netzwerke erweitert. Auch
dazu hat die Tandempartnerschaft
beigetragen. Verfügten sie wenig er­
fahrenen Vereine eher über zufällige
und punktuelle Kontakte, so wurden
sie bereits während der Projektlaufzeit
von relevanten Akteuren vor Ort für
weitere Kooperationen angefragt.
Sie konnten soziales Kapital bilden, auf
das sie in der pluralisierten Trägerland­
schaft bei wachsender Konkurrenz an­
gewiesen sind. Damit es eine länger­
fristige Ressource darstellt und nicht
verpufft, müssen Kontakte gepflegt
und weiter ausgebaut werden. Dies er­
fordert personelle Ressourcen. Durch
die Beendigung von Beschäftigungs­
verhältnissen werden zwar nicht alle
Kontakte zu halten sein, doch sollten
auch unter schwierigeren Vorzeichen
Beziehungen gepflegt und neue auf­
gebaut werden.

Bei zunehmendem Wettbewerb ist
auch eine bessere Vernetzung der
Migrantenorganisationen unter sich
erforderlich. Sie sollen sich gegenseitig
respektieren, akzeptieren – und un­
terstützen. Dies dürfte leichter fallen,
wenn sie ihre Profile schärfen und
Tätigkeitsfelder bedarfsgerecht und
innovativ weiterentwickeln.

Kooperative Impulse für interkultu­
relle Öffnung und Diversitätskultur
Auch wenn die Partizipation von
Migrantenorganisationen eng mit
gesellschaftlichen Öffnungsprozessen
verknüpft ist, so wurden durch die
Projekte Impulse für Träger und Koo­
perationspartner ausgelöst, Barrieren
abgebaut und interkulturelle Brücken
geschaffen.
Das Bild der Migrantenorganisationen
als Brückenbauer hat zwar durchweg
einen hohen symbolischen Wert, doch
auf der Handlungsebene lassen sich
die Möglichkeiten des Brückenbauens
deutlich erweitern und ausgestalten.
Dies betrifft insbesondere Brücken zu
den Regeldiensten, von denen Migran­
tenorganisationen gleiche Augenhöhe
auch im Sinne vertraglicher Per­
spektiven für bestimmte Leistungen
erwarten. Dies ist in einigen Fällten
gelungen: Beratungsangebote einer
Migrantenorganisation wurden durch
die kommunale Förderung verstetigt
und qualifizierte Gesundheitsmedi­
atorinnen durch Honorarverträge
gebunden.

Tandemkooperationen erleichtern
Zugänge für heterogene Gruppen
Tandemkooperationen von etablierten
Trägern und Migrantenorganisationen
haben sich nicht nur als wirkungsvolle
Lern- und Arbeitsform, sondern auch
als Motor zur Partizipationsförderung

57

erwiesen. Zum einen wurden Ziel­
gruppen erreicht, die von einem
Träger allein nicht erreicht werden.
Zum anderen ergab sich dadurch eine
heterogenere Zusammensetzung der
Teilnehmerschaft, die der gesellschaft­
lichen Vielfalt besser entspricht.
Noch bleiben Migrantenorganisatio­
nen stark auf Defizitthemen und ihre
Communities fokussiert. Der Blick auf
Milieus, gesamtstädtische Bedarfe und
die Ressourcen von Menschen mit Mi­
grationshintergrund erweiterte ihre
eigenen Handlungsspielräume.
Diversitätsbewusste Kooperationen
tragen dazu bei, dass Menschen mit
Migrationshintergrund immer weni­
ger als „Sondergruppe“, sondern als
selbstverständlicher Teil einer Stadt
oder eines Quartiers deren Entwick­
lung mitgestalten und daran partizi­
pieren können.

Projekt- und Mentoringtandems er­
füllten unterschiedliche Aufgaben
Bewährt hat sich die Unterscheidung
der Tandemkooperationen hinsichtlich
Projektdurchführung und Mentoring,
wobei die Grenzen in der Praxis flie­
ßend waren. Ein Projekttandem eignet
sich für die gemeinsame Entwicklung
und Durchführung von Projektideen,
während Mentoring beim Aufbau von
Vereinsstrukturen und bei Versteti­
gung erreichter Ergebnisse wertvolle
Unterstützung bieten.
Beide Tandemkonstellationen unter­
scheiden sich von anderen Projekten
durch den intensiven Austausch über
Ziele und Ressourcen, Prozesse und
Ergebnisse auf Augenhöhe und durch
gemeinsame Praxis in einem begrenz­
ten Feld. Die in Tandemkooperationen
vielfach kritisierte Problematik, Mi­
grantenorganisationen würden in Tan­

58

demkooperationen von etablierten
Trägern als „Zielgruppenbeschaffer“
angesehen, war kein Thema.

Tandemprojekte sind
Kommunikationsprojekte
Die Beziehungen der Partner zueinan­
der waren von entscheidender Bedeu­
tung für den Projekterfolg. Relevant
waren Information, Vertrauen, Koope­
rationsbereitschaft.
Auch die Aussendarstellung als Team
konnte Erfolge fördern oder hem­
men. Als kontraproduktiv erwiesen
sich hierarchische Strukturen und
traditionelle Denkweisen bei größeren
etablierten Trägern wie bei Migranten­
organisationen.
Erfolge waren in hohem Maße davon
abhängig, dass die „Chemie“ zwischen
den Personen stimmt, dass sie ihre
fachlichen Kompetenzen bündeln,
Experimentiergeist gemeinsam ver­
mitteln. Dies gab den Projekten ein
„Gesicht der Vielfalt“ nach Außen.

Tandemprojekte haben eigene
Prozessverläufe
Von entscheidender Bedeutung in
Tandemprojekten ist die Antrags- und
Startphase. Die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter müssen sich über
ihre Ziele und deren Umsetzung auf
Arbeitsebene erst verständigen und
zeitliche Meilensteine festlegen. Hier­
für ist ausreichend Zeit einzuplanen,
auch deshalb, weil es in Tandempro­
jekten kaum Routine gibt.
Positive Effekte für die Migrantenor­
ganisationen hatten die öffentlichen
Startveranstaltungen – ein Merkmal
von Modellprojekten. Wenngleich ei­
nige Vereine bedauerten, im Schatten
der etablierten Träger zu stehen, so

hat sich deren Wahrnehmung zu ihren
Gunsten verbessert.
In der Projektdurchführung selbst
wurden von den Partnern klare Vor­
stellungen erarbeitet, worin der Pro­
jekterfolg besteht und wie er erreicht
werden kann. Selbstkritische Reflexi­
onen waren dabei oft hilfreicher und
prozessgestaltender als komplizierte
Indikatorensysteme.
Auf die verfügbare Zeit von Ehrenamt­
lichen war Rücksicht zu nehmen und
darauf zu achten, dass sie in der An­
beraumung von Arbeitsgruppen oder
Fachgesprächen nicht ausgeschlossen
werden. Ein gewisses Ungleichge­
wicht wird sich jedoch nicht vermei­
den lassen.

Keine Verstetigungsperspektiven
ohne externe Unterstützung
Nachhaltigkeits- und Verstetigungs­
überlegungen wurden in allen Pro­
jekten frühzeitig angestellt und in der
Schlussphase forciert. Sie waren in der
Regel dann erfolgversprechend, wenn
Politik und Verwaltung einbezogen
wurden. Neben den beschriebenen
Einzelbeispielen der Weiterförderung
von Projekten wurden auch Möglich­
keiten der Einbindung von Projekten
in SGB-Regelangebote ausgelotet,
Honorarverträge von Migrantenorga­
nisationen mit Verwaltung oder Fa­
milienzentren für Beratungsangebote
geprüft. Es konnten qualifizierte Mitar­
beiterinnen auf Basis von Bürgerarbeit
gebunden werden.
Unternehmen oder Stiftungen wurden
kaum als „starke Partner“ angespro­
chen. In den projektübergreifenden
Veranstaltungen rückten sie jedoch
zunehmend ins Blickfeld. Eine unter­
geordnete Rolle spielten kommunale
oder genossenschaftliche Wohnungs­

unternehmen, die bei sozialräumlich
ausgerichteten Projekten als „starke
Partner“ vor Ort aber in Frage kom­
men.
Schließlich werden Unterstützungs­
formen aus den Projekten heraus wei­
tergeführt. Beiräte In Halle (Saale), die
zur Durchführung von Wettbewerben
eingerichtet wurden, setzen ihre Ar­
beit fort. IIn Wiesbaden wird die Mitar­
beiterin eines etablierten Trägers bei
ihrem Eintritt in das Rentenalter eh­
renamtlich Coaching-Aufgaben für die
Migrantenorganisation übernehmen.
Der Vorschlag, etablierte Träger und
Migrantenorganisation sollten Zeit­
konten zur gegenseitigen Unterstüt­
zung anlegen, wurde nicht erprobt.

Auch das Projekt Ge(h)fit der Stadt
Ludwigsburg (Projekt 3) ist ein Beispiel
dafür, wie kleine Vereine im Tandem
und durch Qualifizierung, Vernetzung
und interkulturelle Öffnung ihre Par­
tizipationschancen nachhaltig erwei­
tern und gemeinsam mit anderen Ver­
einen die Idee der Bürgergesellschaft
voranbringen können.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein
Erfolgsfaktor

Kleine Vereine haben vielfältige Teil­
habemöglichkeiten mit Mikropro­
jekten geschaffen, wenngleich dies
mit einem hohen organisatorischen
Aufwand verbunden war. Sie führten
unterschiedliche Altersgruppen und
Milieus zusammen, haben Themen aus
den Bereichen Wirtschaft und Kultur
aufgegriffen, sich der Nachwuchsfrage
in Vereinen angenommen.

Kleine Vereine tun sich angesichts
ihrer begrenzten Ressourcen schwerer
als größere Organisationen, ihre Arbeit
öffentlich zu präsentieren. Vielerorts
sind sie an größeren Stadtfesten, Inter­
kulturellen Wochen oder thematischen
Veranstaltungen beteiligt, doch Prä­
sentationen in Form von Broschüren
und eigenen Veranstaltungen, Flyern
oder Plakaten fallen schwer. Auch
Presseberichte, Internetauftritte und
Fachartikel, die zur öffentlichen Wahr­
nehmung und Profilierung beitragen,
sind keine Selbstverständlichkeit. Wie
können Kontakte geknüpft werden?
Worüber schreiben Journalisten?
Welche Themen kommen an? Ein ent­
sprechendes Weiterbildungsangebot
im Rahmen der Modellprojekte gab
darauf Antworten.

Dies war vor allem in Wettbewerbspro­
jekten der Fall. Dazu zählen:

Vielfalt braucht eine Sprache
des Willkommens

− Auf die Plätze, Projektantrag und los!,
die das Forum der Kulturen Stuttgart
e.V. mit etwa 20 kleinen Migrantenvereinen konzipiert, durchgeführt
und über die gesamte Zeit begleitet
hat (Projekt 4) sowie die

Projektträger sind in der breiten Öf­
fentlichkeit selbst meinungsbildend.
Mit der Beschreibung ihrer Projekte
vermitteln sie ihr Verständnis von Pro­
blemen und Ressourcen, von Integra­
tion und Zusammenleben.

Mikroprojekte sind erste Lernfelder
für kleine Vereine

kursen hilfreich sein – in der Projektar­
beit und im Diskurs vor Ort erwiesen
sie sich eher als ein Hemmnis. Wäre die
Bezeichnung „Gesellschaft“ im allge­
meinen nicht ausreichend? Wer fühlt
sich bei der Kennzeichnung „mit Mi­
grationshintergrund“ angesprochen?
In welchen Zusammenhängen sind
Bezeichnungen wie „deutsche“ Vereine
und „Migrantenvereine“ stimmig und
sinnvoll?
Es wurde darüber nachgedacht, wie
Realität in geeigneter Weise ausge­
drückt, Differenzen und Unterschiede
nicht betont, sondern überwunden
werden können. Eine Kultur des Will­
kommens gibt es auch auf Projektebe­
ne – durch ein „Vokabular der Vielfalt“
wäre sie weiterzuentwickeln.

11.2 	Empfehlungen für
Migrantenorganisationen
Trotz Heterogenität der beteiligten Mi­
grantenorganisationen lassen sich Er­
fahrungen zu deren verstärkter Partizi­
pation verallgemeinern. Im Folgenden
werden dazu empfehlende Hinweise
gegeben. Sie beinhalten nicht durch­
weg und für alle Migrantenorganisati­
onen „neue“ Aspekte, sondern sollen
als strategische Orientierungsperspek­
tiven verstanden werden.

Vereins- und Organisationsprofile

− Projektwerkstatt von A bis Z der
Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis
e.V. (Projekt 7), in der ebenfalls klei­
ne Vereine die Möglichkeit erhielten,
Mikroprojekte zu beantragen und
umzusetzen.

Begriffe wie „Aufnahmegesellschaft“,
„Menschen mit Migrationshinter­
grund“, „deutsche Vereine“ wurden
hinterfragt. Mögen sie in wissenschaft­
lichen und integrationspolitischen Dis­

Eine Erkenntnis aus den Modellpro­
jekten betrifft die Profilierung der Mi­
grantenorganisationen. Vor allem neu
gegründeten Vereine fiel es schwer, sich
für ein begrenztes Aufgabenspektrum
zu entscheiden und Alleinstellungs­
merkmale zu formulieren. Eine klare
inhaltliche Ausrichtung ermöglicht
jedoch eine bessere Wahrnehmung in
der Trägerlandschaft und erleichtert
Kooperationsentscheidungen für Vor­

59

Ort-Partner. Vor allem in der Versteti­
gungsphase war dies von Bedeutung:
Warum ist gerade dieses Projekt wich­
tig? Wem nützt es? Wer käme für eine
Partnerschaft in Frage und warum?

Qualifizierung und Wissenstransfer
Ein Schlüssel zur verstärkten Partizipa­
tion von Migrantenorganisationen ist
deren kontinuierliche Qualifizierung.
Das Angebotsspektrum ist inzwischen
erheblich gewachsen. Gleichwohl
sollte abgewogen werden, unter
welchen Umständen und für welche
Themen eine separate Qualifizierung
effektiv und hilfreich ist. Auch andere
kleine Vereine haben diesbezügliche
Bedarfe, wollen sich in Vereinsrecht,
Akquisition, Antragstellung und
Abrechnung weiterbilden sowie ihr
Projektmanagement oder ihre Öffent­
lichkeitsarbeit verbessern.
Dies trifft auch auf bisher noch wenig
berücksichtigte fachliche Themen wie
Gesprächsführung, Beteiligungsme­
thoden, Empowerment, Netzwerk­
arbeit zu. Hierfür bestehen auch bei
kommunalen Verwaltungen und etab­
lierten Trägern Weiterbildungsbedarfe.
Organisationen- oder institutionenü­
bergreifende Angebote könnten, ent­
sprechend konzipiert, interkulturelle
Öffnungs- und Vernetzungsprozesse
befördern. Migrantenorganisationen
sollten soweit wie möglich als Teil
einer vielfältigen Träger- und Vereins­
landschaft einbezogen und ange­
sprochen werden. Auch Supervision
und Coaching haben sich als hilfreich
erwiesen und sollten außerhalb von
Modellprojekten selbstverständlicher
werden.

60

Eigenständige Arbeitsfelder
Migrantenorganisationen waren in
den Modellprojekten nicht nur Adres­
saten von Qualifizierung, sondern
auch Experten. Einige führten Semi­
nare zu interkulturellen Kompetenzen
in der Verwaltung durch oder hielten
Vorträge in Fachkreisen. Darin liegen,
möglicherweise in Kooperation mit
etablierten Weiterbildungsträgern,
Hochschulen oder anderen Akteuren,
weiterhin Chancen. Beispielhaft disku­
tiert wurden:
− Seminare für Verwaltung, Kran­
kenhäuser etc. zur interkulturellen
Öffnung, zur Vermittlung interkultu­
reller Kompetenzen,
− Kurse in Arbeitsagenturen für kul­
tursensible Beratung,
− Unterstützung von Kitas und
Schulen zu Themen wie Religion,
genderbezogene Kompetenzen,
− Veranstaltungsreihen für Eltern ins­
besondere zu Bildung, Ausbildung,
Berufe,
− Übernahme von Aufgaben und
Projekten in bestehenden Förder­
kontexten wie der Sozialen Stadt.

Netzwerke und Partnerschaften
Traditionelle Netzwerke von Migran­
tenorganisationen konzentrieren sich
in erster Linie auf Integrationsthemen
und -aufgaben. Bei Partizipationsthe­
men wie Bildung, Ausbildung oder
Gesundheit sind sie auf lokaler Ebene
wenig eingebunden.
In themen- und sozialräumlich orien­
tierten Netzwerken dürfte ihnen je­
doch mehr soziales Kapital zuwachsen
und lassen sich Nachhaltigkeits- und
Verstetigungsperspektiven besser
entwickeln.

Beispielsweise sind Wohnungsunter­
nehmen häufig im eigenen Interesse
an Partnerschaften interessiert, stel­
len vielerorten kostenlos Räume zur
Verfügung, unterstützen die Durch­
führung von Freizeitangeboten für
Mieterinnen und Mieter, finanzieren
soziale Projekte.
Auch Industrie- und Handelskam­
mern, Handwerkskammern und Un­
ternehmen können geeignete Partner
sein. Sie wünschen oft Unterstützung
für Auszubildende, auch Beratungslei­
stungen für hochqualifizierte Neuzu­
wanderer.
Schließlich können sich Migranten­
organisationen für Fachhochschulen
und Universitäten als Praxispartner in
der Forschung empfehlen.

Diversitätskultur
Neu gegründete Migrantenorganisa­
tionen, Jugendverbände oder Vereine
mit jungen oder altersgemischten
Vorständen praktizieren im Umgang
mit kulturellen Unterschieden, der
Generationen- und Geschlechterfra­
ge, alternativen Lebensformen oder
verschiedenen Religionen eine große
Selbstverständlichkeit. Vereine mit
längerer Tradition sind nach innen
und außen durch Herkunftsbezüge
und Rollenverteilungen meist stärker
gebunden. Migrantenorganisationen,
denen die Diversitätskultur am Herzen
liegt, werden darüber nachdenken
müssen, wie sie von verschiedenen
Zielgruppen als Brücken bauende
Akteure wahrgenommen werden
können. Um Identität, Werte und Tra­
ditionen mit veränderten Rahmenbe­
dingungen in guten Einklang bringen
zu können, sind Kooperationen und
Netzwerke gut geeignet.

11.3 	Empfehlungen für
etablierte Träger
Auch „die“ etablierten Träger gibt es
nicht – ein Bildungsträger wird aus
den Modellprojekten andere Schluss­
folgerungen ziehen wie ein Wohl­
fahrtsverband oder eine erfahrene
Migrantenorganisation. Gleichwohl
besteht auch hier mit Blick auf die
verstärkte Partizipation von Menschen
mit Migrationshintergrund und den
Migrantenorganisationen eine ge­
meinsame Basis, auf die sich folgende
Empfehlungen beziehen.

Win-Win-Strukturen durch Tandems
Tandemkooperationen haben auf
Arbeitsebene eine hohe Leistungs­
fähigkeit bewiesen. Deshalb sollten
sie von etablierten Trägern auch
außerhalb von Modellprojekten und
Förderprogrammen erwogen werden,
beispielsweise im Beratungsbereich
oder bei Qualifizierung von Lotsinnen
und Mediatorinnen.
Gemeinsam mit Migrantenorganisa­
tionen durchgeführte Angebote zur
interkulturellen Öffnung, Vermittlung
interkultureller Kompetenzen etc.
könnten an Bedeutung gewinnen und
Win-Win-Strukturen begründen. Ins­
besondere erleichtern ihnen Tandem­
kooperationen die Zugänge zu den
Zielgruppen.

tivwechsel, eine verstärkte Wahrneh­
mung von Potenzialen, die Bedeutung
von sprachlichen Mitteln sowie für
die öffentliche Darstellung als innter­
kulturell aufgeschlossener Akteur der
Integrationsarbeit.

Zusammenarbeit mit Freiwilligen
Die Zusammenarbeit mit Freiwilligen
ist für die Wohlfahrtsverbände ein
wichtiges Thema, dem sie sich bereits
verstärkt widmen. Da sich das tradi­
tionelle Ehrenamt angesichts gesell­
schaftlicher und demographischer
Entwicklungen weiter verändern wird,
können sie von Migrantenorganisati­
onen in ihren Anpassungsprozessen
unterstützt werden. Entsprechende
Aufgabenfelder lassen sich in beider­
seitigem Interesse gemeinsam weiter­
entwickeln.

11.4 	 Empfehlungen für kommu­
nale Akteure
In kommunalen Kontexten überneh­
men Projekte im allgemeinen und
die Modellprojekte im besonderen
eine wichtige Funktion. Sie ergänzen
öffentliche Dienstleistungsangebote,
bieten niedrigschwellige Ansprache
und schaffen Brücken, ermöglichen
Selbstorganisation und generieren
bürgerschaftliches Engagement.

Einbindung in Gesamtstrategien
Impulse für interne Öffnungs­
prozesse
Auch wenn Tandemkooperationen
in Modellprojekten die innerbetrieb­
lichen Öffnungsprozesse und Orga­
nisationsstrategien der etablierten
Träger in ihrer Gesamtheit relativ
wenig beeinflussen mögen, so waren
sie für viele ein inhaltlicher und me­
thodischer Impulsgeber: für Perspek­

Deshalb sollte die „Projekteland­
schaft“ von kommunalem Interesse
und in übergreifende Entwicklungs­
strategien eingebunden sein. Konzep­
tionelle Überlegungen hinsichtlich des
Zusammenwirkens von Regeldiensten
und zeitlich begrenzten Projekten
könnten die Wirksamkeit von Projekt­
ergebnissen ebenso erhöhen wie ein
gezielter Wissenstransfer für andere

Akteure und Projekte. Doch Nachhal­
tigkeits- und Verstetigungsperspekti­
ven werden in erster Linie als Aufgabe
der Projektträger selbst angesehen –
diese sind im allgemeinen aber damit
überfordert. In den Modellprojekten
waren Gespräche mit Integrations­
beauftragten sehr hilfreich, doch die
Verstetigung erfolgreicher Projekte
bedurfte darüber hinaus der Unter­
stützung entsprechender Fachressorts
und der lokalen Politik.

Kontinuierliche Unterstützung von
Migrantenorganisationen
Der Zugang zu Informationen über
Förderprogramme, wissenschaftliche
Diskussionen oder Veranstaltungen ist
für Migrantenorganisationen wie für
etablierte Träger der Integrationsar­
beit eine Voraussetzung für Teilhabe.
Auch Netzwerke von Migrantenor­
ganisationen können entsprechende
Aufgaben übernehmen.
Empfehlenswert sind beispielsweise
− Informationsportale über Förder­
programme, wissenschaftliche
Veröffentlichungen oder interes­
sante Veranstaltungen von und für
Migrantenorganisationen,
− Erfahrungs- und Meinungsaus­
tausch zur Durchführung von
Projekten, Projektpräsentationen,
zu inhaltlichen aktuellen Themen,
− externe fachliche und wissenschaft­
liche Begleitung und/oder interne
Reflexion zur laufenden Bewertung
von Projektfortschritten und Korrek­
turbedarfen,
− Nachhaltigkeits- und Verstetigungs­
beratung für Modellprojekte.

Interkulturelle Öffnung
Die interkulturelle Öffnung von
kommunalen Verwaltungen und öf­
fentlichen Einrichtungen kann als die

61

Herausforderung der nächsten Jahre
angesehen werden. Dies betrifft auch
Arbeitsagenturen und Jobcenter, Wirt­
schaftsförderung und Unternehmens­
beratung, Theater und Opernhäuser.
In diesen Prozessen sollten Migranten­
organisationen eine Rolle spielen und
eigene Angebote entwickeln.

11.5 	Empfehlungen zu Fördermo­
dalitäten
Zur künftigen Förderung und pro­
grammatischen Unterstützung von
Migrantenorganisationen liegen im
bundesweiten Integrationsprogramm
umfassende Empfehlungen vor.
Die Erfahrungen der Modellprojekte
machen prinzipiell das Erfordernis
deutlich, dass den unterschiedlichen
Profilen und Strukturen von Migran­
tenorganisationen Rechnung getra­
gen werden sollte, insbesondere mit
Blick auf kleine und neu gegründete
Vereine und deren begrenzten finanzi­
elle Möglichkeiten (Eigenanteil).
Wettbewerbe und Mikroprojekte un­
ter dem Dach eines etablierten Trägers
unterstützen Qualifizierung und eh­
renamtliches Engagement vor Ort und
sichern kleinen Vereinen überschau­
bare Engagementfelder. Sie sollten in

62

Förderprogramme Eingang finden.
Auch Förderprogramme und -moda­
litäten anderer Ressorts beeinflussen
die Partizipationschancen von Mi­
grantenorganisationen. Sie sollten
selbstverständlich interkulturell
geöffnet sein sowie Tandemkoopera­
tionen und Mentoring ermöglichen.
In geeigneten Kontexten sollten diese
kooperativen Arbeitsformen als Aus­
wahlkriterium aufgenommen und da­
bei deren besondere Strukturen und
Dynamiken (Startphase, Zeitrahmen)
berücksichtigt werden.
Ein großer Vorteil für die Modellpro­
jekte lag in der intensiven Unter­
stützung durch das Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge sowie der
fachlich-wissenschaftliche Beglei­
tung. Auch auf Ebene der Länder und
Kommunen – und hier gibt es eben­
falls gute Beispiele – sollte sich noch
stärker die Erkenntnis durchsetzen,
dass Kommunikation, Austausch und
Bündelung eine „Produktivkraft“ für
gute Projekte und deren nachhaltige
Wirkungen bedeuten.

11.6 Empfehlungen im Überblick

Die beschriebenen Empfehlungen werden mit Blick auf die verschiedenen Akteure noch einmal in Stichpunkten
zusammengefasst:
Empfehlungen für Migrantenorganisationen
Weiterbildung und Professionalisierung
− Teilnahme an Weiterbildungsangeboten (Vorstände, Mitglieder, auch vereinsübergreifend)
− Selbstorganisation von Weiterbildung kleiner Vereine in eigenen Netzwerken, dafür auch ehrenamtlich Engagierte
gewinnen (ehemalige Verwaltungsangestellte, Wissenschaftler etc.)
− Wissenstransfer und Wissensmanagement (lernende Vereine, lernende Organisationen)

Netzwerke und soziales Kapital
− Strategischer Ausbau und Prioritätensetzung in der fachlichen oder sozialräumlichen Vernetzung
− Pflege und Ausbau bestehender Kontakte, Konzepte zur Herausbildung von sozialem Kapital, strategische Partnerschaften
(auch mit Stiftungen, Wirtschaft, Wohnungsunternehmen, Hochschulen)
− Balance von Konkurrenz und Solidarität zwischen Migrantenorganisationen, Entwicklung von eigenen Angeboten

Interkulturelle Öffnung und Diversitätskultur
− Erweiterung der Zielgruppenorientierung um Themen- und Sozialraumbezug (Bildung, Beschäftigung, Lebensverhältnisse)
− Stärkung der internen Diversitätskultur, Abbau von Stereotypen, internationale und transnationale Perspektiven
− Entwicklung eigener und kooperativer Angeboten zum Thema interkulturelle Öffnung für Institutionen
(Krankenhäuser, Kitas etc.)

Profilierung und Öffentlichkeitsarbeit
− Entwicklung von Tätigkeitsprofilen mit Alleinstellungsmerkmalen
− Öffentlichkeitsarbeit und Impulse für ein „Vokabular der Vielfalt“

Empfehlungen für etablierte Träger
Kooperation mit Migrantenorganisationen
− Zielorientierte Durchführung von Tandemkooperationen auch außerhalb von Förderprogrammen
− Kooperative Weiterbildungsangebote mit Migrantenorganisationen für Verwaltung, Institutionen, Einrichtungen, Wirtschaft

Impulse für interne Organisationsprozesse
− Weiterführung der Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen für Perspektivwechsel, Öffnungsprozesse
− Einbeziehung von Migrantenorganisationen in sozialräumliche und thematische Netzwerke
− Generierung ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagements

63

Empfehlungen für Kommunen und Vor-Ort-Akteure
Interkulturelle Öffnung und Kooperation
− Bereitstellung von Ressourcen für Koordination, Vernetzung, Qualifizierung der „Projektelandschaft“
− Identifizieren von institutionellen Zugangs- und Teilhabebarrieren im Zusammenwirken mit Migrantenorganisationen
− Interkulturelle Öffnung kommunaler Förderrichtlinien, Programmen und Maßnahmen einzelner Ressorts
− Stärkung von kleinen Migrantenorganisationen in Wettbewerben, durch Mikroprojekte, in Kooperationen
− Einbeziehung von Migrantenorganisationen
− als Experten (Sozialraumanalysen, Diversitäts- und Integrationskonzepte)

− in Netzwerke (Bildungs-, Gesundheitsnetzwerke) 

− in andere Förderprogramme ( Soziale Stadt) und Entwicklungsstrategien (Bürgergesellschaft)


Nachhaltigkeit und Verstetigung
− Bewertung von Projektanträgen etablierter Träger mit Blick auf Migrantenorganisationen (Tandems vorschlagen)

− Gestaltung der Zusammenarbeit Verwaltung-Migrantenorganisationen mit Zielvereinbarungen, Honorarverträgen

− Unterstützung von Modellprojekten in Nachhaltigkeits- und Verstetigungsfragen 

− Einbindung von Migrantenorganisationen in gesamtstädtische Partizipationsstrukturen (Bürgerstiftung, Bürgerhaushalt)


Information und Öffentlichkeitsarbeit
− Einrichten von Plattformen zu Förderprogrammen, Fortbildungsangeboten etc. für Migrantenorganisationen

Empfehlungen zu Fördermodalitäten durch Bund und Länder

− Umsetzung der Empfehlungen im bundesweiten Integrationsprogramm
− Weitere Öffnung von Förderprogrammen und -kriterien für Migrantenorganisationen, Berücksichtigung von
Projekttandems, Mentoring, Coaching
− Ausbau von Partizipationschancen für kleine Migrantenorganisationen unter Berücksichtigung ihrer personellen und finan­
ziellen Ressourcen (Eigenanteil gering halten, finanzielle Vorleistungen begrenzen, Grundausstattung unterstützen, Antrag­
stellungen begleiten, Auszahlungen zeitnah ermöglichen etc.)
− Differenzierte Nachhaltigkeitsstrategien (Schulungen, Weiterbildung, Erfahrungsaustausch von Projekten etc.)
− Einwirken auf kommunale und lokale Unterstützungsstrukturen (Nachhaltigkeits- und Verstetigungsberatung)

64

TEIL II

DIE MODELLPROJEKTE


66


1

InterTransFair

Start im Leipziger Osten
Im Leipziger Osten, der zu den
Schwerpunkten der integrierten
Stadtentwicklung zählt, überlagern
sich soziale, wirtschaftliche und
städtebauliche Probleme. Zu deren
Minderung und für eine bessere Zu­
kunftsperspektive der im Stadtteil le­
benden Menschen wirken zahlreiche
Akteure und Bewohnergruppen mit
Hilfe verschiedener Förderstrategien
zusammen. Der Verein Internationale
Frauen Leipzig e. V. hat sich vorge­
nommen, Frauen mit Zuwande­
rungsgeschichte in ihren alltäglichen
Situationen und meist schwierigen
Zugängen zum Arbeitsmarkt zu un­
terstützen. Doch dafür fehlten eigene
Räume, finanzielle Ressourcen sowie
hauptamtliche und professionelle
Strukturen der ehrenamtlich tätigen
Frauen.
Auf dem Weg zur professionellen
Vereinsarbeit
Das Modellprojekt InterTransFair, das
in Kooperation mit der DAA Deut­
sche-Angestellten-Akademie GmbH
durchgeführt wurde, sollte hierfür
Unterstützung bieten und die Par­
tizipationschancen des Vereins auf
lokaler und gesamtstädtischer Ebene
stärken. Zunächst wurden Räume in
Nähe des StattGartens angemietet,
der durch den Verein bereits ange­
legt worden war. Und mit der DAA
wurden folgende Ziele verabredet:
− Vereinsarbeit professionalisieren,
− interkulturelle Öffnung der DAA
weiterführen,
− neue Integrationsangebote im
Stadtteil etablieren,
− mehr Chancen für benachteiligte
Frauen am Arbeitsmarkt schaffen.
In vielfältigen Schulungen und Be­
ratungen durch den Bildungsträger
DAA wurden die Vereinsmitglieder
in den Klärungsprozessen ihrer Ziele,

bei der Konzipierung der Aufga­
benfelder und der Stärkung ihrer
Kompetenzen unterstützt. Zentrale
Themenfelder waren: Vereins- und
Arbeitsrecht, Öffentlichkeitsarbeit,
Projektmanagement, Präsenta­
tions- und Moderationstechniken,
Gesprächsführung. Damit wurden
gute Grundlagen für eine selbstän­
dige und erfolgreiche Vereinsarbeit
gelegt.
Lernende Organisation
Auch die DAA hat Ideen und An­
regungen des Modellvorhabens
aufgegriffen und umgesetzt. Aus­
stellungen und Lesungen werden
auch künftig weitergeführt. Eine
mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit
ist zur Selbstverständlichkeit ge­
worden. Im Qualitätsmanagement
(Befragung der Teilnehmerinnen bei
Bildungskursen) wurden Korrekturen
vorgenommen, sprachlich abstrakte
und komplizierte Passagen verein­
facht und so allen Teilnehmenden ein
guter Dienst erwiesen. Schließlich
hat die DAA die Charta der Vielfalt
unterzeichnet.
Neue Perspektiven an neuem Ort
Dem Verein gelang in der Schluss­
phase die Verstetigung seiner Arbeit.
Mit Hilfe von Aktion Mensch richteten
die Frauen das Interkulturelle Kon­
versationscafé ein – allerdings nicht
im Leipziger Osten, sondern nun in
der Innenstadt. Es bietet ein umfang­
reiches Angebot von Kulturveranstal­
tungen und Informationsabenden
und regt Menschen unterschiedlicher
Herkunft zum Mitgestalten an.
Darüber hinaus gibt es Hilfs- und Be­
ratungsangebote für von Gewalt
betroffene Frauen und alleinerzie­
hende Migrantinnen. Es wurden
sechs Mitarbeiterinnen für drei Jahre
in Teilzeit eingestellt.

„Wir haben viel gelernt von der DAA
– und die DAA auch von uns. Gut
gerüstet gehen wir nun eigene Wege,
beraten Frauen, unterstützen sie bei
ihren Alltagsaufgaben und ihren
meist schwierigen Wegen in den Ar­
beitsmarkt.“
(Internationale Frauen Leipzig e.V.)

Internationale Frauen Leipzig e.V.
Emilienstraße 17
04107 Leipzig
Fon: (0341) 86721274
Ansprechpartnerin:
Dr. Anke Kästner
DAA Deutsche-AngestelltenAkademie GmbH
Torgauer Platz 1
04315 Leipzig
Fon: (0341) 566 45 - 0
Ansprechpartner/-in:
Jörg Wilke, Matthias Reichelt und
Svetlana Pankau

Tandemprojekt

67

2

PAKT – anpacken – zupacken

ierliche Beratung, Ganztagsseminare,
Workshops und Hospitationen sowie
die Einbindung in Netzwerke und
Gremien der kommunalen und so­
zialräumlichen Integrationsarbeit.
Gemeinsame Tandemarbeit
fördert Eigenständigkeit
In den letzten beiden Monaten der
Projektlaufzeit wurde ein Projekt in
Tandemkooperation durchgeführt.
Dabei wurden in Diskussionen zu
Konzept und Aufgabenverständnis
die „lernenden Beziehungen“ zwi­
schen den Partnerinnen vertieft und
erweitert. Im Mittelpunkt stand die
Zielgruppe der Migrantinnen und
Migranten ab 55 Jahre, der sich Mi­
graMundi e. V. vor dem Hintergrund
der demographischen Entwicklungen
auch künftig stärker zuwenden will.
„Mit dem Modellprojekt haben wir
einen wichtigen Schritt dahingehend
gemacht, dass Migrantinnen Integra­
tionsarbeit selbst gestalten.“
(MigraMundi e.V.)

MigraMundi e.V.
Friedrichstraße 32
65185 Wiesbaden
Ansprechpartnerinnen:
Zsuzsanna Dobos de Prada und
Hanifa Moosa Fuchs
Fon: (0611) 97 15 08 72
Caritasverband WiesbadenRheingau-Taunus e.V.
Friedrichstraße 26-28
65185 Wiesbaden
Mentorin:
Manuela Pintus
Fon: (0611) 314412

Mentoringprojekt

68

Frauen interkulturell
In Wiesbaden gibt es etwa 90 Mi­
grantenvereine. In der Regel sind sie
kulturell, religiös, ethnisch und/oder
politisch geprägt und überwiegend
männlich dominiert. Mit Gründung
des interkulturellen Frauenvereins
MigraMundi e. V. haben sich im De­
zember 2009 etwa 40 Frauen zusam­
mengetan, um ihre Belange selbst
vertreten und in die Hand nehmen zu
können. Ihre interkulturellen Kompe­
tenzen stehen in enger Verbindung
zu eigenen Migrationserfahrungen
und einem ausgeprägten Willen zur
erfolgreichen gesellschaftlichen Teil­
habe. Sie kommen aus 26 Ländern
Asiens, Afrikas, Europas und Amerikas
und sprechen zusammen mehr als
zwanzig Sprachen. Darin liegt eine
große Stärke – sie galt es in tragfä­
hige Strukturen zu überführen.
Mentoring-Kooperation
Der Caritasverband Wiesbaden bot
eine intensive begleitende und bera­
tende Unterstützung durch kontinu­

Verstetigung bleibt eine
kontinuierliche Aufgabe
Am Ende der Modellphase ist Migra
Mundi e. V. auf kommunaler Ebene
etabliert. In zentral gelegenen Räu­
men finden Beratungen statt und
werden Projekte durchgeführt. Die in­
terne Zusammenarbeit der Frauen
unterschiedlicher kultureller und sozi­
aler Herkunft ist arbeitsteilig organi­
siert und gelingt. Der Caritasverband
unterstützt MigraMundi über die Pro­
jektlaufzeit hinaus. Wie für andere
kleine Vereine bleibt die Herausforde­
rung, die Grundlagen der ehrenamt­
lichen Vereinsarbeit (Miete, Sachko­
sten) und professionelle Strukturen
(Personal) künftig selbst zu sichern.
Dies gelingt derzeit mit der Akquisiti­
on von Projekten und durch die Koo­
peration mit den Regelstrukturen.
Vieles spricht dafür, dass sich MigraMundi e. V. in der Integrationsarbeit
der Stadt Wiesbaden langfristig und
erfolgreich behaupten und Partizipa­
tion fördern wird.

3

Ge(h)fit – gemeinsam fit für Integration

Alle Vereine im Blick
Ludwigsburg ist durch eine vielfäl­
tige Vereinslandschaft geprägt. Zwar
arbeiten Migrantenorganisationen
eng mit dem Büro für Integration
und Migration zusammen, doch die
Kontakte von Migrantenorganisati­
onen und Vereinen mit deutschen
Wurzeln beschränkten sich eher auf
Events und Feste. Eine zielgerichtete
Kooperation fehlte weitgehend. Dies
sollte sich mit dem Modellprojekt
GE(H)FIT ändern. Elf Ludwigsburger
Vereine, davon sechs Migranten- und
fünf „deutsche“ Vereine, wollten ge­
meinsam ihre Vereinsarbeit professi­
onalisieren.
Erst Schulung, dann Praxis
Der Prozess begann mit einer
Schulungsreihe für alle beteiligten
Vereine, wobei folgende Themen im
Mittelpunkt standen:
− Projektmanagement (Bedarfserhe­
bung, Zielentwicklung, Projektpla­
nung und -umsetzung),
− Interkulturelle Kompetenzen,
− Netzwerke und Kooperationen,
− Konflikte und Kommunikation,
− Interkulturelle Führungsmethoden
und –kultur,
− Nachwuchsförderung.
Dann folgte die Praxisphase, in der
die Vereinsmitglieder ihre erwor­
benen Kenntnisse und Fähigkeiten
umsetzten konnten. Die Kooperati­
onsprojekte erhielten Unterstützung
und Coaching. Ein gelungenes Bei­
spiel für beidseitige Lern- und Er­
folgseffekte ist das Projekt „Helfen ist
Ehrensache – Katastrophen kennen
keine Grenzen“.
Beispiel: Helfen ist Ehrensache – Ka­
tastrophen kennen keine Grenzen
In diesem Projekt sollten junge
Frauen und Männer aus zwei Mo­
scheegemeinden für die freiwillige

Feuerwehr und die THW-Jugend
begeistert werden. Dafür arbeiteten
vier Vereine ein Konzept von ver­
trauensbildenden Maßnahmen aus.
Mitwirkende:
− DITIB – Türkisch Islamische Ge­
meinschaft zu Ludwigsburg e. V.,
− IGL – Islamische Gemeinschaft zu
Ludwigsburg e. V.,
− Technisches Hilfswerk (THW),
− Jugendfeuerwehr Ludwigsburg.
Wesentliche Zugangsbarrieren lagen
darin, dass Informationen und Kennt­
nisse auf beiden Seiten fehlten. Alle
mussten aufeinander zugehen und
sich öffnen. Im Ergebnis ist das Ver­
ständnis gewachsen. 16 Jugendliche
absolvierten ein Praktikum, die Eltern
wurden darüber informiert, mit den
Zielen des Praktikums vertraut ge­
macht.
Nachhaltige Partizipation
Durch eine breite Öffentlichkeitsar­
beit wurde Ge(h)fit in Ludwigsburg
zu einem festen Begriff für eine
Kooperation auf Augenhöhe. Viele
Vereine und Organisationen sind
an neuen Kooperationspartnern
interessiert. Migrantenorganisati­
onen werden zunehmend als Part­
ner wahr- und ernst genommen.
Kleinere Vereine sind in der Lage,
Kooperationsprojekte zu planen und
umzusetzen sowie Projektmittel zu
akquirieren. Die Verbandsarbeit der
städtischen Vereine wendet sich
Migrantenorganisationen stärker
zu. Dafür wurde eine gemeinsame
Evaluation durchgeführt. Zukünftige
Kommunikationsstrukturen sind
partizipativ zwischen den beteiligten
Vereinen erarbeitet worden.
Das Fortsetzungsprojekt GE(H)FIT
PLUS wird die Erfolge verstetigen
und sie für eine größere Zielgruppe
zugänglich machen.

„Das Büro für Integration und Mi­
gration hat aus den Erfahrungen
gelernt, das neue Projekt richtet sich
an Vereine und Organisationen, ohne
dabei zwischen ‚Migrantenorganisa­
tion‘ und ‚deutschem Verein‘ zu un­
terscheiden. Interkulturelle Öffnung,
Projektmanagement und interkultu­
relles Kooperationsmanagement sind
allgemein Themen des bürgerschaft­
lichen Engagements.“

Stadt Ludwigsburg
Büro für Integration und Migration
Obere Marktstr. 1
71634 Ludwigsburg
Ansprechpartner/-in:
Saliou Gueye, Ulla Berner
Fon: (07141) 910 2714
und
11 Vereine,
davon
sechs Migrantenorganisationen
fünf Vereine mit deutschen Wurzeln
Tandemprojekt

69

4

Auf die Plätze, Projektantrag und los!

Teilhabestärkung durch
Förderwettbewerb
In diesem Modellprojekt hat das Fo­
rum der Kulturen 20 Migrantenorga­
nisationen aus unterschiedlichen ge­
sellschaftlichen Bereichen gezielt für
ehrenamtliches Engagement in Stutt­
gart aktiviert und beraten, qualifiziert
und begleitet – darunter beispiels­
weise den Circulo Cultural Brasileiro
e.V. , den Mongolische Akademiker
in BW e.V. oder den Eritreischen Kul­
turverein Stuttgart e.V. Den Rahmen
dafür bildete ein Förderwettbewerb,
in dem etwa 90.000 Euro für die Reali­
sierung kleiner Projekte bereitgestellt
wurden.

„Das Forum der Kulturen Stuttgart e.V.
hat ein völlig neuartiges Projekt gestar­
tet: Alle Stuttgarter Migrantenvereine
wurden eingeladen, an einem innova­
tiven Förderwettbewerb teilzunehmen.“
(Forum der Kulturen Stuttgart e.V.)

Forum der Kulturen Stuttgart e.V.
Marktplatz 4
70173 Stuttgart
Ansprechpartner/in:
Rolf Graser und Sara Alterio
Fon: (0711) 248 48 08-0
und
20 Migrantenvereine

Tandemprojekt

70

Vom Start zum Ziel
Dabei ging es nicht nur um die
Projektinhalte selbst, sondern um
Lernprozesse bei Konzipierung, Be­
antragung und Durchführung. Der
gesamte Prozess war partizipativ und
transparent angelegt und umfasste
mehrere Stufen:
I Zunächst wurden Projektausschrei­
bung und Förderrichtlinien von
Migrantenvereinen gemeinsam mit
dem Forum der Kulturen entwickelt.
Etwa 80 aktive Mitglieder diskutierten
in Workshops, entwarfen Antrags­
texte und -formulare. Die Unterlagen
sollten den Arbeitsbedingungen,
Ressourcen und Bedürfnissen der Mi­
grantenvereine entsprechen.
I Daraufhin wurden etwa 30 Anträge
von Migrantenvereinen beim Forum
der Kulturen eingereicht - mit ausge­
feilten Projektideen aus unterschied­
lichsten gesellschaftlichen Bereichen.
Die Antragsteller wurden in dieser
Phase des Konzipierens und Formu­
lierens vom Forum der Kulturen in­
tensiv beraten und unterstützt.
I Eine Fachjury traf die Entschei­
dung, welche Projekte gefördert wer­
den sollen. Jurymitglieder waren

Vertreterinnen und Vertreter aus Po­
litik und Verwaltung sowie mehreren
Stiftungen. Es wurden 20 Projekte
ausgewählt, die mit einer Projektför­
derung von 800 bis 9.000 Euro ausge­
stattet werden konnten.
I Neben der finanziellen Förderung
fand auch kontinuierliche Beglei­
tung und Beratung bei der Projekt­
umsetzung statt. Auch konnten
die Vereine an Qualifizierungsmaß­
nahmen teilnehmen und sich intensiv
mit Antragstellung, Projektentwick­
lung, Projektdurchführung und -ab­
rechnung beschäftigen.
I Am Ende der Projektlaufzeit wurden
die Ergebnisse in einem feierlichen
Festakt präsentiert und das Engage­
ment der Migrantenorganisationen
gewürdigt. Der Präsident des Bundes­
amtes für Migration und Flüchtlinge
Dr. Manfred Schmidt sowie Vertre­
terinnen und Vertreter der Fachjury
überreichten Urkunden für die erfolg­
reiche Projektdurchführung.
Nachhaltige Ergebnisse, gestärktes
bürgerschaftlichen Engagement
Der Förderwettbewerb hat die
Vielseitigkeit und Kreativität bür­
gerschaftlichen Engagements von
Migrantenorganisationen sichtbar
gemacht und gefestigt. Viele Projekte
werden ehrenamtlich weitergeführt,
andere erschließen sich Förderquel­
len nun eigenständig.
Übertragbare Erfahrungen
Träger, die ähnliche Wettbewerbe
ausloben wollen, können von den Er­
fahrungen lernen: Nachhaltigkeit be­
ginnt schon am Start. Unterstützende
Akteure gilt es frühzeitig einzubin­
den. „Den“ Migrantenverein gibt es
nicht. Beratungen brauchen viel Zeit.
Unterstützen heißt auch: individuelle
Situationen im Blick haben und diffe­
renziert darauf eingehen.

5

Young & Familiy

Anspruchsvolles Mehrzielprojekt
Kern des Modellprojekts bildete die
Professionalisierung der Mitarbeiterin
der Migrantenorganisation durch
den kooperativen Einsatz von Instru­
menten des Projektmanagements.
Dabei standen in beiden Projektjah­
ren folgende Schwerpunkte im Fokus:
1. Jahr: Projektmanagement und sei­
ne Instrumente sowie Annäherung an
die Zielgruppe,
2. Jahr: Entwicklung der Zielgruppen­
arbeit in trägerspezifischen Themen­
feldern.
Bereits während der Projekterarbei­
tung haben sich beide Partner für das
Tandemmodell und die Umsetzung
separater Finanzpläne entschieden.
Im Mittelpunkt der zielgruppenbezo­
genen Projektarbeit standen russisch­
sprachige Jugendliche mit Migrati­
onshintergrund und deren Eltern so­
wie junge Erwachsene, die sich in der
Familiengründungsphase befanden.
Es wurde ein breites Spektrum von
Zielen definiert, das in einen genera­
tionsübergreifenden Gesamtansatz
eingebunden sein sollte: die Stärkung
der Bildungs- und Kulturkompe­
tenz, Pflege der Identität und des
Zusammenhalts der Generationen,
die Etablierung eines „Elterntreffs“ als
ständiges Angebot, ein Curriculum
zur Unterstützung der Kompetenzen
junger Familien, Freizeitangebote
sowie Multiplikatorenschulungen für
Eltern aus der Zielgruppe zu „Lotsen
für das Bildungswesen“.
Projektüberarbeitung
Im Rahmen des Projektmanagements
fanden mehrere Überarbeitungen
dieser Arbeitsschwerpunkte statt, um
die angedachte integrierte genera­
tionsübergreifende Herangehenswei­
se zu vertiefen. Die Projektwebsite
als Instrument für Partizipation, Aus­
tausch und Kommunikation warb für

Kultur- und Freizeitveranstaltungen.
Es fanden Seminare und thematische
Workshops für Jugendliche und El­
tern statt. Auch Großeltern wurden
angesprochen und konnten gemein­
sam mit Eltern und Jugendlichen an
Computerkursen teilnehmen. Mit
dem regelmäßigen Elterntreff wurde
ein niedrigschwelliges Angebot für
die Zielgruppe etabliert.
Zwei Träger, zwei Förderempfänger
Im Unterschied zu anderen Modell­
projekten erfolgte in dieser Tandem­
kooperation die Beantragung und
Verwaltung der Fördermittel durch
jeden Träger separat, entsprechend
der abgestimmten Finanzpläne.
Andere Migrantenorganisationen
sahen dies als besonderen Vorteil und
erwarteten davon mehr Eigenstän­
digkeit und Entwicklungsmöglichkeit
für den kleineren Partner. Aus den
Erfahrungen lässt sich jedoch nicht
ableiten, dass die eigenständige
Verwaltung finanzieller Mittel die Par­
tizipationschancen von Migrantenor­
ganisationen nachhaltig beeinflussen
würde.
Wichtig: Gutes Zusammenwirken
von Arbeits- und Leitungsebene
auch bei Migrantenorganisationen
Auch lässt sich an diesem Modell­
projekt aufzeigen, dass nachhaltige
Erfolge der Unterstützung durch die
Leitungsebene bedürfen, größere Mi­
grantenorganisationen die Prozesse
vor Ort gut kennen und begleiten
sollten. Mit dem Weggang der Pro­
jektleiterin von der Landsmannschaft
der Deutschen aus Russland e.V. wird
es keine Weiterführung des Projekts
oder einzelner Komponenten geben.
Die Fortführung des Internetportals
durch den Internationalen Bund war
in Planung, jedoch nicht als gemein­
sames Angebot.

„Mit dem gemeinsamen Internetpor­
tal machen wir zahlreiche Angebote
der Elterninitiativen und Vereine in
Leipzig sichtbar und erleichtern den
Dialog mit den Institutionen.“
(Internationaler Bund)

Landsmannschaft der Deutschen
aus Russland e.V.
Ortsgruppe Leipzig
Lessingstr. 7
04109 Leipzig
Ansprechpartnerin:
Olga Meier
Fon: (0341) 355 204 57
Internationaler Bund (IB)
Verbund Sachsen/Thüringen
Gräfestr. 23
04129 Leipzig
Ansprechpartnerin:
Beata Galas-Schilling
Fon: (0341) 90 30 135

Tandemprojekt

71

6

Unsere Moschee – OffenSozialAktiv

„Das Projekt hatte über Grenzen hin­
weg Vorbildfunktion und führte zu
Anfragen anderer Moscheegemein­
den, ob auch bei ihnen ein solches
Projekt eingerichtet werden könnte.“
(Moscheegemeinde)

Diyanet Türkisch-islamisches
Kulturzentrum e.V. / Mimar-SinanMoschee / DITIB-Leverkusen
Kiezweg 7
51373 Leverkusen
Ansprechpartnerin:
Sükriye Genc Gümüs
Fon: (0214) 310 02 43
Begegnungs- und Fortbildungs­
zentrum muslimischer Frauen e.V.
Liebigstr. 120 b
50823 Köln
Ansprechpartnerin: Fatma Cengil
Fon: (0221) 800 121 0

Mentoringprojekt

72

Das Motto: offen, sozial, aktiv!
Die Moscheegemeinde im Stadtteil
Küppersteg erreicht mit über 2000
Mitgliedern den Großteil der Men­
schen türkischer Herkunft in der Stadt
Leverkusen. Die Moschee will nicht
nur religiöses Zentrum sein, sondern
auch Anlaufpunkt für alltägliche
Themen und Probleme, insbesondere
im Erziehungs- und Bildungsbereich.
Das Modellprojekt sollte dazu bei­
tragen, dass dieser Öffnungsprozess
insbesondere in den Feldern der
Beratungs- und Gruppenarbeit lang­
fristig kompetent, professionell und
vernetzt weitergeführt werden kann.
Etablierte Migrantenorganisation
unterstützt Moscheegemeinde
Eine Besonderheit dieses Modellpro­
jekts lag darin, dass die Mentorenrolle
vom Begegnungs- und Fortbildungs­
zentrum muslimischer Frauen e.V.
Köln (BFmF) übernommen wurde,
die selbst den Weg von einer Em­
powerment-Organisation zu einem
etablierten Träger gegangen war.
Diese Erfahrungen konnte sie in die
Zusammenarbeit mit der Moscheege­
meinde einbringen.

Differenziertes Angebotsspektrum
zum Erreichen der Zielgruppe
Die Beratungsangebote wurden von
Anfang an stark nachgefragt – trotz
Bemühungen erreichen die Regelan­
gebote der Stadtverwaltung die Ziel­
gruppe oft wenig. Nach anfänglich
eher zögerlichem Interesse wurden
auch Themenveranstaltungen und
Gruppenkurse gut besucht. Es gab
Seminare zum Übergang in weiter­
führende Schulen, dem Schulgesetz
in NRW, gesunde Ernährung, Frauen
und Rente etc. Auch Elternkompe­
tenzkurse („Starke Eltern - Starke Kin­
der“) wurden angeboten. Es entstand
ein Väter-Club und es wurden Ehren­
amtliche qualifiziert. Zur Ansprache
schwer erreichbarer Eltern reichte es
nicht aus, eine Moscheegemeinde zu
sein. Mit Hilfe des niedrigschwelligen
Projekts FuN (Familie und Nachbar­
schaft), das einen ressourcenori­
entierten Ansatz verfolgt, wurden
Zugänge erleichtert: es fördert Lern­
prozesse durch positive Bestärkung
statt Defiziterfahrung.
Brücken in Regelstrukturen
ermöglichen Verstetigung
Mit Blick auf Nachhaltigkeit und Ver­
stetigung sind in diesem Modellpro­
jekt zwei Ergebnisse von besonderer
Bedeutung. Zum einen ist die Mo­
scheegemeinde nun sozialräumlich
besser vernetzt und arbeitet in fünf
Arbeitskreisen mit. Zum andern be­
steht eine gute Zusammenarbeit mit
der Stadtverwaltung Leverkusen, wo­
durch viele Ratsuchende an Regelan­
gebote herangeführt werden können.
Leitende Mitarbeiter der Verwaltung
wurden durch Fortbildungsveranstal­
tungen interkulturell geschult. Trotz
der angespannten Haushaltslage wird
die Stadt Leverkusen die Moscheege­
meinde weiterhin fördern.

7

Von A – Z Projektwerkstatt

Kleine Vereine entwickeln Projekt­
ideen im Wettbewerb
In Halle (Saale) gibt es – wie anderen­
orts – zahlreiche Migrantenvereine,
die sich schwer tun, eigene Projekte
zu konzipieren, zu beantragen und
gegenüber dem Fördergeber ab­
zurechnen. Deshalb kommen nur
wenige von ihnen in den Genuss
einer Projektförderung. Mit der Pro­
jektwerkstatt der Freiwilligenagentur
erhielten sie die Möglichkeit, sich im
Wettbewerb auszuprobieren und
weiterzuentwickeln und sich im Ideal­
fall so weit zu qualifizieren, dass sie
künftig selbständig an Projektaus­
schreibungen von Stiftungen oder
öffentlichen Institutionen wie dem
Bundesamt für Migration und Flücht­
linge erfolgreich teilnehmen können.
Lernprozesse sind gleichzeitig
Partizipationsprozesse
Zu Beginn wurden intensive Schu­
lungen durchgeführt – beispielsweise
zu Fördermodalitäten, Abrechnungs­
wesen, Berichterstattung. Im Weite­
ren konnten die Vereine integrati­
onsfördernde kleine Projekte nach
BAMF-Richtlinien beantragen. Das
Interesse war groß. Es wurden auch
Communities erreicht, die bisher in
das Migrantennetzwerk noch nicht
eingebunden waren – wie beispiels­
weise die Vietnamesinnen und Viet­
namesen.

amtes für Migration und Flüchtlinge,
der Stadt Halle und der Stadtrats­
fraktionen. Die Beteiligten waren
überrascht von den Ideen und dem
Engagement, übernahmen Paten­
schaften für einzelne Projekte, be­
suchten sie und gaben Anregungen.
In den Projekten, die sich den Hand­
lungsfeldern Erziehung, Gewalt- und
Kriminalitätsprävention sowie inter­
kulturelle Kompetenzen zuordnen
lassen, wurden Radiobeiträge erstellt,
Ausstellungen erarbeitet, Vorträge
gehalten, asiatische Sportarten ein­
geübt.
Ehrenamtliches Engagement ist
stark angewachsen
Die Projektwerkstatt hat ehrenamt­
liche Engagement generiert, das
nachhaltig an die Freiwilligenagentur
gebunden werden kann. Mit Wett­
bewerb, Schulungen und Projektum­
setzung wurden Kontakte und Netze
erweitert. Für die weitere Arbeit ge­
ben Dokumentation und Handlungs­
empfehlungen vertiefende Hinweise
und Anregungen.

„Wir haben für Migrantenorganisati­
onen einen Wettbewerb ausgeschrie­
ben. Dies war ein Lern- und gleichzei­
tig ein Partizipationsprozess, um sich
mit Projekten am städtischen Leben
beteiligen zu können. Die Auswahl
traf ein Beirat, der von den vielen
guten Ideen überrascht war. Er wird
auch weiterhin aktiv sein.“ (Freiwilli­
genagentur)
Freiwilligenagentur
Halle-Saalkreis e.V.
Verein zur Förderung bürgerschaftli­
chen Engagements in der
Region Halle
Leipziger Str. 37, 06108 Halle
Ansprechpartner: Mamad Mohamad
Fon: (0345) 135 03 68
und
15 Migrantenorganisationen

Mentoringprojekt

Begleitausschuss von Ideenreich­
tum und Engagement überrascht
Ein Begleitausschuss entschied
darüber, welche Projektideen ge­
fördert werden sollten. Er bestand
aus 12 stimmberechtigten und vier
beratenden Mitgliedern, darunter
Vertreter/-innen des Bündnisses
Migrantenorganisationen Halle, des
Jugendamtes, Sozialamtes, Bundes­

73

8

KOMCIWAN kommt!

„Durch die hauptamtliche Kraft war
es möglich, intensiver in den integra­
tions- und jugendpolitischen Netz­
werken mitzuwirken und die Interes­
sen der Jugendlichen zu vertreten.“
(KOMCIWAN e.V.)

KOMCIWAN Kurdischer Kinder- und
Jugendverband e.V.
Wirmhof 3
42103 Wuppertal
Ansprechpartnerin: Hetav Tek
Fon: (0202) 7180 892
djo-Deutsche Jugend in Europa
Bundesverband e.V.
Kuglerstr. 5
10439 Berlin
Ansprechpartnerin: Johanna Bontzol
Fon: (030) 446 778 - 14

Mentoringprojekt

74

Effektivere Verbandsarbeit durch
hauptamtliche Tätigkeit
Der Kurdische Kinder- und Jugend­
verband KOMCIWAN e.V. konnte mit
dem Modellprojekt eine bundeswei­
te Koordinierungsstelle mit Sitz in
Wuppertal einrichten. Die bisher aus­
schließlich ehrenamtliche Struktur
erschwerte aufgrund eingeschränk­
ter Erreichbarkeit und begrenzter
Zeitbudgets eine effektive Verbands­
arbeit. Nun wurde es möglich, ver­
lässliche Anlauf-, Informations-, Kom­
munikations- und Servicestrukturen
nach innen und außen aufzubauen.
Als wichtiges Element erwies sich
auf Bundesebene die Lobbyarbeit
für die Jugendlichen. Nun konnte
KOMCIWAN selbst Fachtermine wahr­
nehmen, Tagungen und Konferenzen
besuchen und sich für die Belange
der Jugendlichen einsetzen – bis da­
hin wurde dies von der djo-Deutsche
Jugend in Europa übernommen.
Im Mittelpunkt: Qualifizierung und
Vernetzung
Die Entwicklung und Umsetzung
eines modularen Qualifizierungskon­
zepts von KOMCIWAN erfolgte unter
kontinuierlichem Mentoring des eh­
renamtlichen KOMCIWAN-Vorstandes
und der hauptamtlichen Projektmit­
arbeiterin durch die djo-Deutsche Ju­
gend in Europa. Es richtete sich nach
den Prinzipien der Integrationsarbeit,
den in der Jugendverbandsarbeit
geltenden Qualitätskriterien (bei­
spielsweise der Juleica) sowie an den
Verbandsthemen von KOMCIWAN
aus. Adressaten waren Funktions­
träger, ehrenamtliche Multiplika­
torinnen und Multiplikatoren. Die
Schulungen umfassten Themen wie
Vorstandsarbeit, Leitbildentwicklung,
Mitglieder, Finanzen, Vernetzung,
Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Vernetzung der Aktivitäten von
KOMCIWAN mit der djo-Deutsche
Jugend in Europa, mit anderen Or­
ganisationen sowie Akteuren der
Jugendhilfe und Integrationsarbeit
war ein weiterer Projektschwerpunkt.
Es wurden Kontakte zum Bundes­
jugendring und der DIDF - Jugend
intensiviert, ebenso zur Landes- und
Stadtjugendringen und den Netz­
werken der Landesverbände der djoDeutschen Jugend in Europa.
Nachhaltige Brücken von lokalen
Gruppen in Regelstrukturen
Neben der Bundes- und Landese­
bene spielte die lokale Ebene eine
Rolle. Es wurden zusätzliche Finanzie­
rungsmöglichkeiten für integrative
Projekte erschlossen. Auch konnten
lokale Gruppen qualifiziert und ihr
Engagement mit Regelstrukturen
– beispielsweise dem Stadtjugend­
ring – verbunden werden. Zu den
Stadtverwaltungen Mannheim und
Duisburg wurden gute Kontakte auf­
gebaut: Projekte können nun auch
mit kommunaler Förderung durchge­
führt werden.
Hauptamtlichkeit blieb begrenzt
Eine finanzielle Verstetigung der
hauptamtlichen Tätigkeit über die
Projektlaufzeit hinaus ist nicht gelun­
gen. Die zweijährige Projektdauer
erwies sich für eine Anschlussfinan­
zierung als zu kurz. Die Geschäftsstel­
le wird ehrenamtlich weitergeführt,
doch müssen dabei Abstriche hinge­
nommen werden. Profitiert werden
kann weiterhin von der Professio­
nalisierung der Arbeitsfelder und
-methoden sowie dem Ausbau der
Netzwerke. Die Multiplikator/innen
werden ihre Arbeit fortsetzen. Das
Ziel, hauptamtliche Strukturen lang­
fristig zu etablieren, bleibt bestehen.

9

Farbe bringt Vielfalt

Brücke zwischen den Kulturen
In Dortmund leben Migranten und
Migrantinnen aus ca. 40 afrikanischen
Staaten. Sie sind kaum organisiert
und haben wenige Kontakte zu Deut­
schen. Öffentliche Hilfesysteme und
Beratungsangebote werden kaum in
Anspruch genommen. Afrikanische
Migrantinnen sind vielfach mit der
Kleinkindversorgung überfordert.
Ihnen fehlen familiäre und soziale
Netzwerke, hinreichende deutsche
Sprachkompetenz und relevantes
Wissen über Strukturen der Gesund­
heitsvorsorge und medizinischen
Versorgung. Der DRK Kreisverband
Dortmund und der Africa Positive
e.V. wollten mit ihrem Projekt „Farbe
bringt Vielfalt“ den Kontakt zwischen
afrikanischen Müttern, Kindern, Fa­
milien und Deutschen fördern. Es
versteht sich als „Brücke“ zwischen
den Kulturen unter besonderer Be­
rücksichtigung frauenspezifischer
Belange. Gemeinsam werden u. a.
Integrationsangebote entwickelt, der
Zugang zu DRK-Angeboten für Mi­
grantinnen und Migranten erleichtert
und die interkulturelle Öffnung des
DRK forciert.
Möglichkeiten der Begegnung
Auf die afrikanischen Frauen in Dort­
mund zugehen, um ihr Vertrauen
werben und Möglichkeiten aufzei­
gen, an den Informationsangeboten
teilzunehmen - das war ein täglich zu
beschreitender Weg der Projektmit­
arbeitenden. Das zweiwöchentliche
Frauenfrühstück, das monatliche
Frauentreffen und vierteljährlich
stattfindende interkulturelle Familien­
treffen waren Orte der persönlichen
Begegnung. Verständnis und Vertrau­
en entstand nicht zuletzt durch ge­
meinsame Aktionen und Treffen
mit Deutschen. Damit wuchs auch

der Kreis derjenigen, die Freunde
und Bekannte auf das Angebot von
„Farbe bringt Vielfalt“ aufmerksam
machten.
Multiplikatorinnen gewonnen
Africa Positive e.V. konnte seine Kon­
takte zu afrikanischen Migrantinnen
und Migranten deutlich ausbauen
und auf eine stabilere Basis stellen.
Mehrere Migrantinnen konnten als
Multiplikatorinnen in ihrer eigenen
länderspezifischen Community ge­
wonnen werden. Die Beratungsnach­
fragen seitens der Migrantinnen –
auch aus dem Umland von Dortmund
– haben deutlich zugenommen. Die
Kontakte zur Stadtverwaltung hat
der Verein intensivieren können. Die
Stadt stellt für Schulungen und Nach­
hilfeangebote des Vereins kostenlos
Räume zur Verfügung. Das DRK in
Dortmund sieht bei der Zielgruppe
eine gesteigerte Kompetenz in den
Bereichen Gesundheit und Ernäh­
rung.

„Durch unsere gemeinsamen Akti­
vitäten haben wir den afrikanischen
Migranten und der Mehrheitsgesell­
schaft eine Plattform zum interkul­
turellen Austausch angeboten. Die
regelmäßigen Infoveranstaltungen
über Erziehungs-, Ernährungs- und
Gesundheitsfragen haben die Fami­
lien gestärkt.“
(Africa Positive e.V.)

Africa Positive e.V.
Rheinische Str. 147, 44147 Dortmund
Ansprechpartner/in:
Veye Tatah und Hans Decker
Fon: (0231) 7978590
Deutsches Rotes Kreuz
Kreisverband Dortmund e.V.
Beurhausstr. 71, 44137 Dortmund
Ansprechpartnerin: Suela Hysa
Fon: (0231) 1810412
Tandemprojekt

75

10

GENDER-Lotsin – Starke Frauen – starke Vereine


Lebenslagen verbessern
Frauen mit Migrationshintergrund im
Alter von 20 bis 35 Jahren, die in den
Ortsgruppen der Alevitischen Jugend
in NRW e.V. (BDAJ-NRW) oder deren
Erwachsenenverband engagiert wa­
ren, sollten zu ehrenamtlich tätigen
Lotsinnen ausgebildet, in ihrer Arbeit
in den Ortsvereinen begleitet und
gefördert werden. Beteiligt waren
über 40 Ortsvereine der BDAJ-NRW.
Durch die GENDER-Lotsinnen sollten
die Lebenslagen von Mädchen und
jungen Frauen mit Migrationshinter­
grund verbessert und die Vereine und
die Öffentlichkeit für die Problematik
sensibilisiert werden. Das Multikul­
turelle Forum e.V. unterstützte die
BDAJ-NRW bei Konzeption, Projekt­
management, Dokumentation und
Öffentlichkeitsarbeit.

„Junge Frauen wurden zu Multiplika­
torinnen ausgebildet, um sowohl die
einzelnen alevitischen Ortsvereine als
auch die Öffentlichkeit für das Thema
Gender-Mainstreaming zu sensibili­
sieren.“ (Multikulturelles Forum e.V.)

Multikulturelles Forum e.V.
Münsterstr. 46 b
44324 Lünen
Ansprechpartner/in:
Kenan Kücük, Simone Liebegut
Fon: (02306) 3063010
Alevitische Jugend in NRW e.V.
Geschwister-Scholl-Str. 33-37
44135 Dortmund
Ansprechpartnerin:
Stephanie Bargenda
Fon: (0231) 16740751

Tandemprojekt

76

Engagierte Frauen durch
Schulungen stärken
Insgesamt 22 Frauen haben die Schu­
lungen zur GENDER-Lotsin erfolgreich
durchlaufen. An vier Schulungswo­
chenenden wurde Fachwissen mit
den Schwerpunktthemen „Frau und
Gesellschaft“, „Identität und Ortsbe­
stimmung“, „Frau und Familie“ sowie
„Frau, Beruf, Ausbildung, Bildung“
vermittelt. Dabei wurde das Selbst­
bild der Frauen geschärft, Präsentati­
onstechniken geübt und Organisati­
onskompetenz für die Vereinsarbeit
gestärkt. Sie erhielten überdies eine
Supervision mit Blick auf ihre Rolle als
Multiplikatorin. Von Treffen zu Treffen
wuchs das Vertrauen zwischen den
Teilnehmerinnen.
Es entstand ein stabiles Netzwerk, auf
das die GENDER-Lotsinnen bei ihren
Veranstaltungen gerne zurückgriffen.
Nicht zuletzt trugen neu entstandene
Kontakte zu externen Expertinnen
und Experten dazu bei, weitere

Aktionen im Rahmen des Projektes
durchzuführen. Hierzu zählte unter
anderem die Fachtagung „Frauen
in Migrantenvereinen“ mit 60 gela­
denen Gästen, bei der neben anderen
Migrantenorganisationen und Fach­
leuten auch das Bundesamt für Mi­
gration und Flüchtlinge vertreten war.
Starke Frauen - starke Vereine
Die GENDER-Lotsinnen sind zu kom­
petenten Ansprechpartnerinnen
in den Ortsvereinen zum Thema
Gender-Mainstreaming geworden.
Sie helfen bei der Professionalisie­
rung der Vereinsarbeit und sind
in der Lage, sich selbstbewusst zu
präsentieren und eigenständige Ver­
anstaltungen durchzuführen. Vier der
GENDER-Lotsinnen haben sich in den
Regionalvorstand NRW wählen lassen
und stellen die amtierende Vorstands­
vorsitzende.
Öffentliche Anerkennungen
Der Landesjugendring NRW e.V. ver­
lieh dem Projekt 2011 die Auszeich­
nung „Goldener Hammer“ für das
besondere Engagement der GENDERLotsinnen, die Verantwortung über­
nehmen sowie nachhaltige Verände­
rungen in ihren Ortsvereinen und in
der Stadtgesellschaft initiieren. Die
Urkunde wurde im Rahmen einer öf­
fentlichen Veranstaltung von der Ju­
gendministerin des Landes Nordrhein
Westfalen, Ute Schäfer, übergeben.
Beim bundesweiten Wettbewerb
„Aktiv für Demokratie und Toleranz“
zählte das Projekt ebenfalls zu den
Preisträgern.
Als kompetente Referentinnen für
Gender-Mainstreaming werden die
GENDER-Lotsinnen auch über die Pro­
jektlaufzeit hinaus angefragt.

11

IKFA – Interkulturelle Freiwilligenagentur


Engagement fördern
Es gibt ein großes Engagementpoten­
zial unter Menschen mit Migrations­
hintergrund, insbesondere türkischer
Herkunft. Diese wollte die Türkische
Gemeinde in Deutschland (TGD) mit
dem Projekt „Interkulturelle Freiwilli­
genagentur“ (IKFA) ansprechen und
ihr Mitwirken nachhaltig verbessern.

TGD in der Stadtgesellschaft aufbau­
en. Berlins Regierender Bürgermeister
Klaus Wowereit wurde als Schirmherr
für das IKFA-Projekt gewonnen.

Zwei Interkulturelle Freiwilligen­
agenturen wurden in Berlin und
Frankfurt am Main aufgebaut. Partner
bei diesem Tandemprojekt war die
Bundesarbeitsgemeinschaft der Frei­
willigenagenturen e.V. (bagfa). Sie
vermittelte im Rahmen des Projektes
über Workshops und Coachings das
notwendige Know-how und stellte
über ihre Kontakte die Einbindung
der IKFA in bundes- und landesweite
Netzwerke her. Eine kontinuierliche
Kommunikation zu migrationsspe­
zifischen Themen wurde angestrebt
und die interkulturelle Öffnung von
bereits bestehenden Freiwilligena­
genturen unterstützt.

Hilfreich für den Aufbau Interkultu­
reller Freiwilligenagenturen war an
beiden Standorten, dass die zuvor in
einem anderen TGD-Projekt ehren­
amtlichen Integrationslotsen nun
unter dem Dach der Integrationsa­
genturen bei der Begleitung von Mi­
granten und der Durchführung nied­
rigschwelliger Informationsangebote
ihre Erfahrungen einbringen konnten.

Kompetenzteams, Fortbildung,
Coachings
In Berlin wurde zunächst ein
Büro für die IKFA eingerichtet. Dann
folgte der Aufbau von Freiwilligen­
teams, die die hauptamtlichen
Mitarbeitenden der Interkulturellen
Freiwilligenagenturen unterstützen
sollten (Kompetenzteams). In einer
zweitägigen Basisfortbildung wurde
die TGD zum Aufbau einer Freiwil­
ligenagentur qualifiziert. Erfahrene
Freiwilligenagenturen führten in
Berlin und Frankfurt am Main Coa­
chings durch, deren Inhalte mit den
Projektpartnern vor dem Hintergrund
der unterschiedlichen Rahmenbedin­
gungen in beiden Städten definiert
wurden. So konnte das Projekt in
Berlin auf eine gute Vernetzung der

Die Ausgangsbedingungen in Frank­
furt am Main hingegen waren für den
Aufbau einer Interkulturellen Freiwilli­
genagentur weniger günstig.

Zusammenarbeit intensiviert für das Thema sensibilisiert
Migrantinnnen und Migranten haben
die Bedeutung und Strukturen des
Ehrenamtes in Migrantenorganisa­
tionen und in Wohlfahrtsverbänden
kennen und schätzen gelernt. Mit et­
lichen Einrichtungen, die Tätigkeiten
für Ehrenamtliche anbieten, arbeiten
die IKFA zusammen.
Die bagfa ist für den „deutsch­
türkischen“ Blick auf Engagement
sensibilisiert worden und hat Ideen
für eine bessere Ansprache einzelner
Zielgruppen gewonnen. Die Teil­
nahme der TGD an verschiedenen
regionalen und nationalen Arbeits­
kreisen und Netzwerken zum Thema
„Bürgerschaftliches Engagement“
zeigt, dass das IKFA-Projekt zu einer
verstärkten Wahrnehmung der TGD
als Akteur in diesem Bereich geführt

hat.

„Die Interkulturellen Freiwilligen­
agenturen in Trägerschaft einer
Migrantenorganisation bieten die
Chance, Menschen mit Migrations­
hintergrund für bürgerschaftliches
Engagement zu gewinnen. Die Zu­
sammenarbeit mit anderen Vereinen
und Organisationen wird gefördert.“
(bagfa)
Türkische Gemeinde in
Deutschland (TGD)
Obentrautstr. 72
10963 Berlin
Ansprechpartnerin: Nalan Arkat
Fon: (030) 23623328
Petterweilstr. 66
60385 Frankfurt am Main
Ansprechpartner: Atila Karabörklü
Fon: (069) 96865822

Bundesarbeitsgemeinschaft der
Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa)
Torstr. 231
10115 Berlin
Ansprechpartnerin:
Anne Schaarschmidt
Fon: (030) 28094599

Tandemprojekt

77


12

Integration gemeinsam gestalten!


„Gemeinsam Migrantenorganisati­
onen in relevanten Fragen der sozia­
len Arbeit zu qualifizieren bedeutet
auch die Integration in Deutschland
voranzubringen!“
(Der Paritätische Gesamtverband e.V.)

Bundesarbeitsgemeinschaft der
Immigrantenverbände in der
Bundesrepublik Deutschland e.V.
(BAGIV)
Trierer Str. 70-72, 53115 Bonn
Ansprechpartnerinnen:
Athena Leotsakou
Dr. Barbara Gunst
Fon: (0228) 224610

Der Paritätische Gesamtverband e.V.
Zentrale Koordinierungsstelle für
Ausländerarbeit des DPWV
Baumschulallee 2 a
53115 Bonn
Ansprechpartner:
José Povedano Sánchez
Fon: (0228) 604020

Tandemprojekt

78


Durch fundierte Informationen
effektivere Mitwirkung
Eine effektive Mitwirkung vor Ort
bedarf fundierter Informationen zu
Themen der sozialen Arbeit, aber
auch zu den Formen und Möglich­
keiten politischer Partizipation. Im
Tandemprojekt „Integration gemein­
sam gestalten“ führten der PARITÄ­
TISCHE Gesamtverband als etablierter
Träger und die Bundesarbeitsgemein­
schaft der Immigrantenverbände
in der Bundesrepublik Deutschland
e.V. (BAGIV) gemeinsam eine Fort­
bildung durch. Aktive Vereins- oder
Gemeindemitglieder mit Migrations­
hintergrund wurden angeleitet und
qualifiziert, um als ehrenamtliche Lot­
sen in ihrer eigenen Organisation tä­
tig zu sein und die Integrationsarbeit
der BAGIV- Mitgliedsorganisationen
zu stärken.
Theorie und Praxis: Fortbildung mit
Praxisbegehung
Die sechs, jeweils zwei- bis dreitä­
gigen Fortbildungen in Berlin hatten
unterschiedliche inhaltliche Schwer­
punkte:
− Struktur, Aufbau und Arbeitsfelder
der sozialen Arbeit und freien 

Wohlfahrtspflege,

− Jugendsozialarbeit, Bildung und 

Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ),

− Gesundheit, Alter, Behinderung 

und Selbsthilfegruppen,
− Elternarbeit, Familienhilfe und
Frauenpolitik,
− Erwachsenenbildung,
− Projektanträge.
Die Seminarteilnehmenden lernten
gesetzliche Angebote und Möglich­
keiten zur Hilfe kennen. Dies erfolgte
in der Regel durch kleine Vorträge mit
anschließender Diskussion, einer Re­
flexion in Arbeitsgruppen sowie Pra­
xisbesuchen. Sie konnten sich bei ver­

schiedenen Anlaufstellen innerhalb
des DPWV ein konkretes Bild von der
Arbeit machen, z.B. bei einem Besuch
der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH
in Berlin. Während der gesamten
Projektlaufzeit wurden zu den Semin­
arthemen Informationen gesammelt
und den Mitgliedsorganisationen zur
Verfügung gestellt. Zum Ende der
Fortbildungsreihe gab es das The­
menseminar „Projektanträge“, in die­
sem Zusammenhang verfassten die
Seminarteilnehmenden eine Hausar­
beit. Im Mittelpunkt stand dabei die
Erstellung eines Förderantrags.
Partizipation vor Ort gestärkt
Die Mitgliedsorganisationen haben

weitere Handlungskompetenzen
erworben und sind durch diesen Pro­
zess weiter mit der BAGIV verbunden
worden. Die Mitwirkungschancen
im lokalen Bereich haben sich durch
die Qualifizierung von Multiplikator/
innen in den Mitgliedsorganisationen
verbessert. Die Projektveranstal­
tungen haben dazu beigetragen, In­
formationsdefizite bezüglich Themen
der sozialen Arbeit und der politi­
schen Partizipation zu erkennen und

zu beseitigen.
Das zunächst theoretische Wissen
konnte, auch mit Hilfe von Praxisbei­
spielen und -anleitungen im Seminar
angewendet werden, so dass z.B.
politische Mitwirkungsrechte in den
Heimatgemeinden stärker wahr­
genommen wurden. Der Fundus
an erarbeiteten Dokumenten und
Methoden ermöglicht es, die Fortbil­
dungsveranstaltungen nach
Projektende zu wiederholen.

13

Interkulturelle Öffnung – Professionelles und
ehrenamt liches Engagement vor Ort stärken!

Der Multikulturelle Familienverein
e.V. und die Caritas-Sozialdienste e.V.
verfolgten mit dem Tandem-Projekt
das gemeinsame Ziel, ehrenamtliches
und professionelles Engagement
zu verbinden, um so die Angebote
für Familien mit Zuwanderungs­
geschichte zu verbessern und die
interkulturelle Öffnung kommunaler
Regeldienste voranzutreiben.
Erfolg durch Qualifizierung
Dabei wurde der Fokus auf Mütter,
die in den Familien eine zentrale Rolle
innehaben, gerichtet. Im Rahmen
einer einjährigen Qualifizierung wur­
den insgesamt 26 Teilnehmerinnen
durch professionelle Fachkräfte,
auch aus den kommunalen Gesund­
heits- und Bildungseinrichtungen,
zu interkulturellen Gesundheitsme­
diatorinnen ausgebildet. Ein zen­
traler Kooperationspartner war das
Gesundheitsamt der Stadt Mülheim,
das wichtige Inhalte aus dem Bereich
der Kinder- und Jugendgesundheit
vermittelte und Praktikumsplätze zur
Verfügung stellte.
Die gesamte Qualifizierung bein­
haltete 216 Unterrichtsstunden, 30
Stunden Praktikum sowie die öffent­
liche Präsentation eines Gesund­
heitsthemas. Mit den Zertifikaten, die
von der Stadt Mülheim ausgestellt
wurden, erhielten die Teilnehmerin­
nen zugleich einen Nachweis über
die erworbenen Kenntnisse. Neben
der Vermittlung von grundlegenden
Informationen zu den Themenfeldern
Gesundheit, Bildung und Erziehung,
wurde ein Schwerpunkt auf die
Vermittlung kommunikativer Kom­
petenzen, auf die Persönlichkeitsent­
wicklung und -stärkung sowie auf ein
begleitendes Coaching gelegt.
22 Teilnehmerinnen haben das Zerti­
fikat im November 2011 erhalten.

Nachhaltige Brücken
Institutionen können die Interkultu­
rellen Gesundheitsmediatorinnen,
die aus zehn verschiedenen Sprachund Kulturkontexten kommen, als
Dozentinnen/Brückenbauerinnen in
ihre Beratungs- und Sozialdienste
auf Honorarbasis einbinden. Der
Multikulturelle Familienverein e.V. ist
weiterhin als Ansprechpartner für die
Vermittlung der Gesundheitsmedia­
torinnen zuständig.
Gemeinsam mit den Institutionen
werden Einsatzmöglichkeiten ent­
wickelt. Ein Beispiel dafür ist der
Mülheimer Sportbund, bei dem die
Gesundheitsmediatorinnen als Ver­
einslotsinnen aktiv sind, die Eltern
über Sportgutscheine oder Bewe­
gungs- und Kursangebote im Rah­
men der Offenen Ganztagsschule der
Caritas-Sozialdienste e.V. informieren.
Ein weiteres Beispiel ist das KochKul­
turProjekt des Multikulturellen Famili­
envereins e.V.
Als wichtiger Kooperationspartner
wurde das Evangelische Krankenhaus
in Mülheim an der Ruhr gewonnen.
Es wurde ein Konzept zur kultursen­
siblen Ausrichtung der Stillberatung
entwickelt. Es sieht neben der profes­
sionellen pädagogischen Begleitung
den Einsatz von Interkulturellen Ge­
sundheitsmediatorinnen zur Unter­
stützung des Pflegepersonals vor und
wird in engem Austausch mit dem
Pflegemanagement prozessorientiert
weiter entwickelt. Dieses Projekt soll
bis 2013 modellhaft erprobt werden
– mit dem Einsatz von vier Gesund­
heitsmediatorinnen ist der Anfang
gemacht. Neben der Vermittlung
sprachlicher Inhalte geht es in erster
Linie um das Kulturdolmetschen, d.h.
der Vermittlung des Verständnisses
für kulturgeprägte Sichtweisen.

Foto: Prof. Heiner Schmitz

„Durch die Qualifizierung der Frauen
mit Zuwanderungsgeschichte zu ‚In­
terkulturellen Gesundheitsmediato­
rinnen‘ in Kooperation mit dem Ge­
sundheitsamt ist es gelungen, in die
kommunalen Strukturen zu gelangen
und neue Angebote zu entwickeln.“
(Multikultureller Familien­
verein e.V.)
Multikultureller Familienverein
Mülheim a.d. Ruhr e.V.
Schillerstr. 10
45468 Mülheim an der Ruhr
Ansprechpartnerin: Serap Tanis
Fon: (0208) 3027024
Caritas Sozialdienste e.V. Mülheim
an der Ruhr
Integrationsagentur
Caritas-Zentrum Eppinghofen
Vereinstr. 10-12
45468 Mülheim an der Ruhr
Ansprechpartnerin: Dorothee Hüllen
Fon: (0208) 9696003

Tandemprojekt

79

14

KING – Kompetent Integration gestalten


Verein stärken
Die Zusammenarbeit mit dem Di­
akonischen Werk führte beim Yezi­
dischen Forum Oldenburg e.V. als
lokal und regional ausgerichteter
Migrantenorganisation zu einem
Zuwachs an Kompetenzen, Aktions­
möglichkeiten und ehrenamtlicher
Mitarbeit. Dadurch wurden die Struk­
turen und Potenziale des Vereins
gestärkt. Für das Diakonische Werk
der ev.-luth. Kirche in Oldenburg e.V.
ergaben sich Impulse für die interkul­
turelle/religiöse Sensibilisierung und
Öffnung der eigenen Dienste und
Einrichtungen.

„Zusammenarbeit auf Augenhöhe:
Die Kompetenzen des Vereins als
Akteur und Berater im Integrations­
geschehen werden jetzt noch stärker
wahrgenommen und bringen viele
Impulse für die lokalen Institutionen.“
(Yezidisches Forum e.V.)

Yezidisches Forum Oldenburg e.V.
Eidechsenstr. 19
26133 Oldenburg
Ansprechpartner/innen:
Behiye Tolan, Ilyas Yanc
Fon: (0441) 4850555
Diakonisches Werk
der ev.-luth. Kirche in Oldenburg e.V.
Kastanienallee 9-11
26122 Oldenburg
Ansprechpartner:
Ulrich Schleppegrell
Fon: (0441) 97093-0/-16
Tandemprojekt

80


Kompetenzen und Kontakte
Im Rahmen des Projektes wurden
u. a. die Vereinsstruktur optimiert,
Qualifizierungen zu verschiedenen
Schwerpunktthemen - z.B. eh­
renamtliches Engagement - und
Hospitationen angeboten. Es gab
gemeinsame Aktionen der Projekt­
partner bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Für das Projekt wurde von beiden
Projektpartnern eine Steuerungs­
gruppe eingerichtet, die das Projekt
konzeptionell leitete, Impulse für
eine verbesserte kommunale „Vernet­
zung der Integrationsarbeit“ gab und
einen Beitrag zur interkulturellen Öff­
nung lieferte. Bestehende Angebote
und Gruppen wurden gefestigt, neue
Gruppen aufgebaut und das Kennen­
lernen zwischen leitenden Mitarbei­
tenden des etablierten Trägers und
der Migrantenorganisation gefördert.
Als Schirmherr des Projektes konnte
der Staatssekretär im Bundesvertei­
digungsministerium Thomas Kos­
sendey (MdB) gewonnen werden.
Integrationspartner, nicht nur
Religionsgemeinschaft
Das Yezidische Forum wurde vor
Projektbeginn vor allem als eine

besondere Religionsgruppe wahr­
genommen. Mit dem Modellprojekt
wurde der Verein in der Öffentlichkeit
und der Kommunalpolitik als kompe­
tenter Partner für Integrationsarbeit
verankert. Mitglieder des Vereins
wurden in Gremien und Ausschüsse
berufen. Die Politik in Oldenburg
kann die Potenziale der Migran­
tinnen und Migranten nun stärker
beachten – und nutzen. Während der
Projektlaufzeit hat eine verstärkte
Neuzuwanderung von Yeziden den
Bedarf an Fachwissen zu dieser religi­
ösen Gemeinschaft steigen lassen. Es
gab vermehrt Anfragen hinsichtlich
allgemeiner Informationen über die
Yeziden, nach Führungen durch das
Yezidische Forum, Vorträgen in Schu­
len sowie fachlicher Beratung und
Übersetzung. Es wurde ein lokales
Netzwerk der Migrantenorganisati­
onen initiiert und stabilisiert, das auf
Basis von gegenseitigem Vertrauen
zusammen arbeitet: DizMO = Dialog
zwischen Migrantenorganisationen.
Kooperation wird verstetigt
Der etablierte Träger wird dieses
Netzwerk weiter begleiten und kann
von den Kontakten in vielfältiger Wei­
se profitieren, insbesondere ist ein
unmittelbarer und auch „kollegialer“
Kontakt zur Basis entstanden. Darü­
ber hinaus hat das Yezidische Forum
mit Unterstützung des Tandempart­
ners seine Vereinsräumlichkeiten für
lokale, regionale und überregionale
Veranstaltungen geöffnet. Dadurch
wird das Yezidische Forum jetzt auch
als kompetenter Ansprechpartner
u.a. für Sitzungen und Tagungen
geschätzt. Bestehende Kontakthem­
mungen bei „deutschen“ Instituti­
onen wurden abgebaut. Vorstand
und ehrenamtlich Engagierte haben
erkannt, dass sie aktiv sein und etwas
bewirken können.

15

PARTIMO – Partizipation von Migrantenorganisationen

zur Verbesserung der Bildungs- und Jugendarbeit


Impulse für Förderunterricht
und Jugendarbeit
Mit dem als Tandempartnerschaft
angelegten Kooperationsprojekt
wurden wesentliche Beiträge zur
Professionalisierung der Bildungs­
arbeit sowie der Jugendarbeit des
Verbandes der Islamischen Kultur­
zentren e.V. (VIKZ) erbracht: Die bis­
herige Hausaufgabenbetreuung wur­
de zum Förderunterricht ausgebaut,
für die Jugendarbeit ein Konzept
lokal vernetzter Integrationsförde­
rung entwickelt und erprobt. Zwei
Mitgliedsvereine des VIKZ standen
im Mittelpunkt des Projektes: das
Integrations-, Kultur- und Bildungs­
zentrum in Duisburg-Hochfeld mit
seinem Wohnheim für muslimische
Jungen und der Bildungs- und Kul­
turverein in Köln-Ehrenfeld.
Darüber hinaus gab es Fortbildungs­
angebote für VIKZ-Mitarbeiter/innen
in Fragen der Akquisition und Ver­
waltung öffentlicher Mittel. Durch die
Projektarbeit hat die Otto Benecke
Stiftung e.V. (OBS) ihre Kompetenzen
in der Zusammenarbeit mit Migran­
tenorganisationen (in diesem Fall mit
muslimischen Trägern) erweitert und
sich unter diesem Aspekt interkultu­
rell weiter geöffnet.
Informationen und Exkursionen
Ein wissenschaftlicher Beirat, dem
auch die Soziologin Prof. Dr. BoosNünning angehörte, unterstützte von
Beginn an die konzeptionelle Arbeit
im Projekt PARTIMO. Für VIKZ-Mitar­
beiter gab es eine Fortbildungsreihe,
bei der u.a. Informationen über das
KJHG, die Philosophie staatlicher För­
derung und lokale Stiftungen gege­
ben wurden. Zu den Meilensteinen
des Projektes zählten des weiteren
Exkursionen von Jugendlichen des
VIKZ zu verschiedenen Einrichtungen

in Köln-Ehrenfeld und der Region:
− Workshop zu Föderalismus und
Kommunalpolitik als Vorbereitung
auf einen Besuch des Kölner Stadt­
rats,
− Stadtrallye in Köln-Ehrenfeld, um
die nähere Umgebung kennenzu­
lernen,
− Besuch des Tagebaus Garzweiler II
und Gespräch mit dem RWE Pow­
er-Betriebsrat über Ausbildungs­
wege,
− Informationsgespräch bei der Eh­
renfelder Polizeibehörde über de­
ren Arbeit und Berufsmöglich­
keiten. Die Aktion wurde gemein­
sam mit Mitarbeitern und
Jugendlichen der Offenen Tür Vita­
lisstraße in Köln durchgeführt und
beinhaltete einen Besuch der Eh­
renfelder Moscheegemeinde.
− Im Schülerwohnheim Duisburg
Hochfeld wurde ein Lesecafé für
Jugendliche eröffnet. Es umfasst
über 3000 Bücher und soll das Inte­
resse an Literatur, die Begegnung
und den Austausch zwischen Ju­
gendlichen fördern.
Blick geweitet, Kontakte gestärkt
Durch gegenseitige Unterstützung
hat sich die Reichweite der Arbeit der
Migrantenorganisationen erhöht.
Durch das Aufgreifen und gemein­
same Bearbeiten von Arbeitsan­
sätzen wurden Vorstellungen der
Migrantenorganisation zielgruppen­
gerechter modifiziert. Ein Konzept für
den Förderunterricht wurde erstellt.
Die lokalen Partizipationsmöglich­
keiten haben sich durch das explizite
Hinarbeiten auf Mitwirkung, die
Kontaktaufnahmen durch Projektmit­
arbeiter, VIKZ, OBS und wissenschaft­
liche Begleitung, verbessert. In den
Stadtteilen wurden neue Kontakte
mit Vereinen und Akteuren der Inte­
grationsarbeit geknüpft.

„Mit der Tandempartnerschaft wur­
den Beiträge zur Professionalisierung
der Bildungsarbeit sowie der Jugend­
arbeit des Verbandes der Islamischen
Kulturzentren e.V. (VIKZ) erbracht:
Hausaufgabenbetreuung wurde zum
Förderunterricht ausgebaut und für
die Jugendarbeit ein Konzept lokal
vernetzter Integrationsförderung
erprobt.“
(Otto Benecke Stiftung e.V.)

Verband der islamischen
Kulturzentren e.V. (VIKZ)
Vogelsanger Str. 290, 50829 Köln
Ansprechpartner: Seyfi Ögütlü
Fon: (0221) 95441015
Otto Benecke Stiftung e.V. (OBS)
Kennedyallee 105-107
53175 Bonn
Ansprechpartner:
Peter Rummel
Hans-Georg Hiesserich
Fon: (0228) 8163208

Tandemprojekt

81


82


ANHANG


LITERATURVERZEICHNIS
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In: Stefan Nährlich/ Annette Zimmer (Hrsg.): Management in Nonprofit-Organisationen. Eine praxisorientierte Einführung.
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Terkessidis, Mark (2010): Interkultur. Berlin.
Volke, Anika (2008): Aktivierung von Migranten zur Teilnahme an gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen am Beispiel von
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Bürgerschaftliches Engagement (Hrsg.): Ingtegrationsförderung durch Migrantenorganisationen. Dokumentation zur Fachta­
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Wowereit, Klaus (2011): Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander. Berlin.
Zentrum für Türkeistudien (1999): Bestandsaufnahme der Potentiale und Strukturen von Selbstorganisationen von Migrantinnen
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Migrantinnen und Migranten in Nordrhein-Westfalen. Wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Düsseldorf, S. 75-127.
Zentrum für Türkeistudien (2003): „Euro-Islam“. Das neue Islamverständnis der Muslime in der Migration. Essen.
Zitzelsberger, Olga / Latorre Pallares, Partricia / Kocaman, Iva: Migrantinnen mischen mit! Migrantinnenorganisationen in
Deutschland. URL: www.migration-boe..de/web/integration/47_2818.asp, letzter Zugriff: 14.03.2012.

87

ABBILDUNGSVERZEICHNIS, FOTONACHWEIS

Abbildung Titel

Quelle, Erläuterung

Seite

1

Zentrale Handlungsfelder von Migran­
tenorganisationen mit Vor-Ort-Bezug

Beer

12

2

Politische Skala zivilgesellschaftlichen
Engagements

Angelehnt an Coston, Jennifer. 1998. „A Model and Typo­
logy of Government-NGO Relationships.“ Nonprofit and
Voluntary Sector Quarterly, 27(3), 358-382. In: Kommu­
naler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik (2010), http://
www.stuttgart.de/img/mdb/item/385012/61060.pdf,
letzter Zugriff 10.10.2012

17

3

Oberziel, Teilziele und Handlungsfelder
der Modellprojekte

Beer

20

4

Logo des Projektetandems „Integration
gemeinsam gestalten“ (Projekt 12)

Der Paritätische Gesamtverband, BAGIV

21

5

Logo des Projektetandems „

Caritas Sozialdienste e.V. Mülheim a.d.Ruhr und Multi­
kultureller Familienverein Mülheim a.d.Ruhr e.V.

22

6

Standorte der Modellprojekte (Plan)

Fotolia, Beer, Windmüller

23

7

Prozess der fachlichen und wissen­
schaftlichen Begleitung

Beer

27

8

Fragen zur Verstetigung

vgl. Leitfaden zur Entwicklung einer Verstetigungsstra­
tegie JOBSTARTER, ursprüngliche Graphik leicht modifi­
ziert und ergänzt, http://www.q-zwh.de/
imi/jobstarter/080507-RW-ProjekteFR2/080507-WG­
Nachhaltigkeit.pdf, letzter Zugriff: 10.10.2012

54

9

Logo des verstetigten Projekts
„Interkulturelles Konversationscafé“
in Leipzig, hervorgegangen aus
InterTransFair (Projekt 1)

www.konversationscafe.de

55

Die verwandten Fotos zur Illustration des Berichts wurden, soweit nicht selbst erstellt, von den Projekten oder Einzelpersonen
zur Verfügung gestellt. Dies ist in Teil I dieses Berichts bei den Fotos jeweils vermerkt. In Teil II wurden sie uns, mit einer eben­
falls vermerkten Ausnahme, von den jeweils beschriebenen Projektträgern überlassen.

88

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle

Titel

Seite

1

Modellprojekte und beteiligte Träger

24

2

Zielperspektiven der Projekte in der Antrags- und Startphase mit Blick auf das Projektende

25

3

Projektbeteiligte im Überblick

33

4

Erwartete Wirkungen für Migrantenorganisationen durch das Modellprojekt

34

5

Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen etabliertem Träger und MO

37

6

Bewertung der Tandemkooperationen in Stichworten

38

7

Formen der Professionalisierung von Migrantenorganisationen

40

8

Vorgehensweisen bei Vernetzung

43

9

Erfordernisse für die weitere kulturelle Öffnung

50

10

Effekte der Modellprojekte aus Sicht der Migrantenorganisationen

51

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

bagfa
BAGIV
BAMF
BDAF-NRW
BFmF
BMI
BMFSFJ
DAA
DIDIF-Jugend
DizMO
djo
DPWV
DRK
DSB
DV
eT
FSJ
IB
IGL
KOMCIWAN
MO
MSO
OBS
RAA
TGD
THW
VIKZ
ZfTI

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in der Bundesrepublik Deutschland e.V.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Ortsgruppe der Alevitischen Jugend in NRW e.V.
Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V.
Bundesministerium des Innern
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Deutsche Angestellten-Akademie GmbH
Föderation demokratischer Arbeitervereine (Jugend)
Dialog zwischen Migrantenorganisationen
Deutsche Jugend in Europa Bundesverband e.V.
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband/ Der Paritätische Gesamtverband e.V.
Deutsches Rotes Kreuz
Deutscher Sportbund
Deutsche Vereine
Etablierter Träger
Freiwilliges Soziales Jahr
Internationaler Bund
Islamische Gemeinschaft zu Ludwigsburg e.V.
Kurdischer Kinder- und Jugendverband KOMCIWAN e.V.
Migrantenorganisation
Migrantenselbstorganisation
Otto Benecke Stiftung e.V.
Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien
Türkische Gemeinde in Deutschland e.V.
Technisches Hilfswerk
Verband der islamischen Kulturzentren e.V.
Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung

89
        
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