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Full text: Stadtleben (Rights reserved) Ausgabe 2019,1 (Rights reserved)

stadtleben DAS MIETERMAGAZIN T e! un EPOR ER stadtleben erklärt, wie degewo Sanierungen plant … Hinter den Kulissen R EZ ter Si S TA D T KI 01 / 2019 r wegs fü Seite 08 LEBEN WAS SOLL DER HYPE? Tobias Hoffmann und vier weitere Experten über das Bauhaus Seite 16 2 3 E D I T O R I A L / I N H A LT S e it e1 6 MAKING OF CHICHTE . D E R S TA DT L E B E N - G U I D E EL GES Wie die Redaktion Ihr Mietermagazin produziert? Hinter die Kulissen schauen und mitmachen TE R SANDRA WEHRMANN degewo-Vorstandsmitglied TERMINE Was Sie in Berlin auf keinen Fall verpassen sollten 06 A K T U E L L B E I degewo Nachrichten aus dem Wohnungsbauunternehmen LEBEN 16 TITELGESCHICHTE HINTER DEN KULISSEN Bauhaus – alle sprechen davon, aber was ist das eigentlich? stadtleben klärt auf stadtleben erklärt, wie degewo Wohnungen saniert 24 S TA D T 08 TYPFRAGE AUF EINEN BLICK Die passende Balkon­­ bepflanzung für alle Lagen Was Sie zum Thema Asbest wissen sollten 26 12 DAHEEME & CHILLEN GESPRÄCHSBEDARF Frühlingsfit werden – und zwar ganz einfach zu Hause Die Mieterräte aus Marzahn berichten von ihrer Arbeit 28 14 I S TA D T M E N S C H E N HEEME & CH IN DE R NÄCHSTE N AUSGABE: Trend „Zero Waste“: Wie Sie Müll vermeiden – und richtig trennen. 05 DA Kontakt Ralf Parsch, Tel. 030/ 327986-8538 ralf.parsch@happythinkingpeople.com www.happythinkingpeople.com/de Fragen zum Datenschutz für Teilnehmer? Alle Informationen finden Sie hier: www.htpeople.de/datenschutzhinweise Warum werden manche degewo-Gebäude saniert und andere nicht? stadtleben wollte diese Frage beantworten und hat festgestellt: Die Antwort ist viel zu umfangreich für nur eine Geschichte. Also finden Sie in dieser Ausgabe den Auftakt zu einer ganzen Serie zum Thema „Sanierung“. 8 sich bis zum 18. April bei der Agentur. Wieso? Weshalb? Warum? BESSERWISSEN Zahlen, Bilder und Fragen aus der Stadt te degewo führt den Workshop zusammen mit der Agentur Happy Thinking People in deren Büro in Berlin-Mitte durch. Wer beim Workshop dabei sein will, meldet falls Sie in einem Haus wohnen, das in die Jahre gekommen ist, fragen Sie sich vielleicht: Wie wird eigentlich entschieden, was an welchem Haus gemacht wird? Wir wollen Ihnen in einer neuen Serie ab Seite 8 erklären, wie wir unsere Sanie­ rungsmaßnahmen auswählen und wie wir sie umsetzen. Eins ist dabei für uns selbst­ verständlich: Wir haben immer Ihre Bedürfnisse als Mieter im Blick, denn wir wollen, dass Ihre Wohnung auch nach einer Modernisierung bezahlbar bleibt. Deshalb schauen wir genau, welche Arbeiten erforderlich sind, damit Sie sich in Ihrem Haus auch in den nächsten Jahren richtig wohlfühlen können. Und schmökern Sie auch bitte unbedingt in unserer Titelgeschichte über das Bauhaus! Im Jubiläumsjahr dieser Denk­ fabrik der Moderne erzählen wir, wie sie auch die Architektur unserer Häuser geprägt hat und weiterhin prägt. Viel Spaß beim Lesen! 04 ei Mitmachen Bei degewo LIEBE MIETERINNEN, LIEBE MIETER, N KULISSEN . S SEIEN SIE DABEI! So wie auf dem Foto sieht es aus, wenn sich die Bildredakteurin und die Art Direktorin über die aktuelle stadtleben-Ausgabe beugen. Am Abend des 9. Mai 2019 können Sie das selbst tun. In einem dreiein­ halbstündigen Workshop antworten Sie auf die Fragen „Was schätzen Sie an stadtleben?“, „Was lesen Sie gerne? Was nicht?“ und „Über welche Themen möchten Sie mehr erfahren?“. Jeder Teilnehmer erhält eine Aufwandsentschädigung von 120 Euro in bar. DE AL EINM ACH N S ALLE IHREM K HMAC E G SC I N T TI H LL EN . S e i t e 26 Er lässt Berlin besser klingen: Sebastian Nordmann ist Intendant des Konzerthauses 30 - 31 KOLUMNE R ÄT S E L IMPRESSUM COUPONS 4 B E R L I N E R N OT I Z E N 5 TERMINE BESSERWISSEN Straßennamen raten stadtleben verrät die Geschichten hinter den Wegweisern Wer war So fährt Berlin U-Bahn 563.000.000 FA H R T E N M I T D E R U - B A H N VERZEICHNETE DIE BVG IM JAHR 2018. 1.272 30,9 Wagen fahren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von Stundenkilometern in einem Liniennetz, das insgesamt 146,3 Kilometer lang ist. Sie halten an insgesamt 173 Bahnhöfen, die durchschnittlich 0,79 Kilometer voneinander entfernt liegen. ? Berufe hat er in seinem Leben zahlreiche ausgeübt: Er war Bergarbeiter, Arbeiterdichter, Schriftsteller, Bauund Hilfsarbeiter, Gründungs­ mitglied der Akademie der Künste, Kulturattaché, Politiker. Und er kämpfte an vielen Fronten: als Soldat im Ersten Weltkrieg, als Arbeiter für bessere Löhne, als Offizier im Spanischen Bürgerkrieg, als Kommunist zeit seines Lebens gegen den Kapitalismus. Während des Zweiten Weltkriegs lernte er in den USA seine Frau Hilde Schottlaender kennen und kehrte mit ihr 1946 nach Deutschland zurück. 1947 zogen die beiden nach Babelsberg in die Sowjetische Besatzungszone. Hinter dem Eisernen Vorhang starb er 1965 im Alter von 74 Jahren. Lösung: Hans Marchwitza, in Marzahn ist eine Straße nach ihm benannt. Der Blog „Notes of Berlin“ ist eine Hommage für alle Notizen, die Berlin täglich im Stadtbild hinterlässt, stadtleben zeigt die besten. Auch eine Notiz entdeckt? Senden Sie sie an notes@notesofberlin.com MARZAHN – 14. APRIL Kirschblütenfest In den Gärten der Welt in Marzahn wird die neue Jahreszeit traditionell mit einem Japanischen Kirschblütenfest begrüßt. Es werden Tänze aufgeführt, Speisen aus Japan, China und Korea gereicht und natürlich blühende Kirschbäume bestaunt. 12-17 Uhr, Gärten der Welt, Blumberger Damm 44, 12685 Berlin, gruen-berlin.de, Eintritt 7 €, für Jahreskartenbesitzer frei KREUZBERG – 30. MÄRZ G R O P I U S S TA D T – 1 1 . M A I WILMERSDORF – 15. JUNI S P E E R M Ü L LTAG Einmal ausmisten, bitte! degewo hat die Stadtreinigung gebeten vorzufahren, um Sperrmüll, Elektroaltgeräte und Alttextilien einzusammeln. 8-12 Uhr, Naunynstr. 9-11, 10997 Berlin E I N W E I H U N G Der Spring­brunnen an der Lipschitzallee war seit 1998 außer Betrieb, am 5. Tag der Städtebauförder­ ung wird er wieder sprudeln. degewo beteiligt sich an den Betriebskosten. Brunnen Lipschitzallee 67, 12353 Berlin MARIENGRÜN – 1. MAI MARZAHN – 18. MAI TA N Z I N D E N M A I Um Geister zu verscheuchen und den Wonnemonat Mai zu begrüßen, treffen sich die Marienfelder im Alten Waschhaus. DJ Gary legt Platten auf. 16-20 Uhr, Einlass: 15.30 Uhr, Waldsass­ enerstr. 40a, 12279 Berlin, Eintritt: 2 € für Mitglieder, regulär 4 € K I E Z KO N Z E R T Zwischen den Hoch­ häusern am S-Bahnhof Springpfuhl erklingt Kammermusik von Mozart und Bach. Es spielen Akademisten des Konzerthauses. Es ist die zweite Koope­ ration dieser Art von degewo und der Berliner Musikinstitution. Eintritt frei. 15 Uhr, Helene-Weigel-Platz, 12681 Berlin S C H L A N G E Am 31. Mai ist Anmelde­ schluss für eine Architekturführung durch die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße – organisiert vom Landesdenkmalamt und degewo. Thema: Garten und Terrassen. Anmeldung bis 31. Mai: gfg@spsg.de, Führung: 15. Juni, Treffpunkt: Wiesbadener Str. 50, 13.45 Uhr. Für Mieter kostenfrei S A V E T H E D AT E – 3 0 . A U G U S T M I E T E R F E S T Am 30. August bittet degewo zum jährlichen Open-Air-Festival mit Feuerwerk. Ort des Geschehens in diesem Jahr: die Gärten der Welt in Marzahn. AKTUELL BEI degewo Was ist denn hier los? Eine ganze Menge! stadtleben verrät, welche Themen die degewo-Mitarbeiter an der Potsdamer Straße und in den Kundenzentren beschäftigen Wedding Wiesenburg: Alles auf Los D E R S TA R T S C H U S S I S T G E FA L L E N . Im Dezember starteten die Bauarbeiten für neue Wohnungen und Gewerbeein­ heiten auf dem südlichen Gelände des ehe­maligen Obdachlosenasyls „Wiesenburg“ im Wedding. Bis zum Frühjahr 2021 ent­stehen dort fünf neue Gebäude mit 102 Mietwohnungen, jede ein bis vier Zimmer groß – 51 Einheiten sind gefördert und werden mit Wohnberechtigungs­­­­schein zu beziehen sein. Für den Nutzungsmix entstehen 490 Quadratmeter Gewerbe­ fläche. Das Bebau­­ungskonzept ist in einem zwei­stufigen Werkstattverfahren entstanden, beteiligt war unter anderen der Verein „Die Wiesenburg“. 590 Kilometer Glasfaserkabel mit bis zu Fasern werden für das Projekt „degewo 52k“ in Berlin verlegt – eine logistische und technische Herausforderung. Kilometer lang wird allein der dafür nötige Tiefbau sein. Die Baustellen kreuzen Bahnanlagen und Gewässer. 244 140 21 12 Berlin Glasfaserschnell CO D E N A M E „ d eg ewo 52k “ – hinter diesem Kürzel verbirgt sich ein Großprojekt von degewo und dem Telekommunikationsunternehmen Vodafone. Das Ziel: Tausende Häuser in Berlin, Potsdam und Falkensee sollen schon bald ans Glasfasernetz angeschlossen werden. „Wir wollen ein eigenes hochleistungsfähiges und zukunftssicheres Netz für unsere Mieter bereitstellen. Das können wir dauerhaft nur mit einer eigenen Investition gewährleisten“, sagt degewo-Vorstand Christoph Beck. Der erste Spatenstich soll am 4. Mai erfolgen. 7 NACHRICHTEN Gesundbrunnen Weg da! F Ü R M E H R B A R R I E R E F R E I H E I T: Wie gut können sich mobilitätseingeschränkte Menschen im Brunnenviertel bewegen? Das wollten der Verein „Rollers“ und das Quartiersmanagement Brunnenviertel-Brunnenstraße in ihrer Studie „Bewegungsfreiräume“ wissen. Die zentralen Fragen: Wo sind die Barrieren? Wie sehen sie aus? Wie kann man sie beseitigen? Die Antworten der Studie beschäftigen auch degewo, schließlich könnten auch Mieter mit Rollatoren, im Rollstuhl oder mit Gehhilfen von Barrieren beeinträchtigt werden. Ob und wie die Lösungsvorschläge umgesetzt werden können, prüft das Unternehmen derzeit. Newsticker WOHNRAUM FÜR MS-BETROFFENE In Köpenick haben die ersten Bewohner ihre Wohnungen im „Betreuungsverbund für Menschen mit Multipler Sklerose“ bezogen. Das Projekt der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft wird von degewo unterstützt: Im Neubau in der Joachimstraße stellt das Unternehmen elf barrierefreie Wohnungen für MS-Betroffene zur Verfügung, eine weitere wird Stützpunktwohnung. Dort ist Raum für Gemeinschaftsaktivitäten und die Büros der Sozialpädagogen, die den Bewohnern im Alltag helfen. PREISWÜRDIGE ARCHITEKTUR degewo ist in diesem Jahr erneut Partner des Berliner Architekturpreises. Das Unternehmen unterstützt die Suche nach neuen Ideen für urbane Wohnformen. BESIEGELT FAIR Fairster Vermieter Deutschlands: Das Wirtschaftsmagazin „Focus Money“ hat die Fairness von degewo und fünf weiteren deutschen Wohnungs­ unternehmen mit „sehr gut“ benotet. degewo allerdings hat als einziges Unternehmen in allen sechs Kategorien mit der Note „sehr gut“ abgeschnitten. Bewertet wurden: Wohnungsvermittlung, Mieterbetreuung, Mieterservice, Wohnobjektund Umfeldgestaltung, Mietkosten und Nachhaltigkeit. degewo darf sich jetzt ein Jahr lang „Fairstes Wohnungsunternehmen“ nennen. RABATTE FÜR MIETER Das Mieterbonusheft ist noch bis Ende 2019 gültig. Einer von vielen Vorteilen: Rabatt auf die Jahreskarte für die Parkanlagen von Grün Berlin. Die Hefte liegen in den Kundenzentren bereit und sind kostenlos. degewo 6 9 SANIERUNG HINTER DEN KULISSEN T E X T Margitta Schulze Lohoff B I L D Gene Glover Te G Alles wird gut u nd rne r mode IERUN N A se il 1 : Analy S Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Altbau (vielleicht tun Sie das ja sogar). Die Fenster sind womöglich nicht mehr dicht, eventuell gab es im Haus schon den einen oder anderen Rohrbruch. Typische Anzeichen, dass das Gebäude in die Jahre gekommen ist. Sie hoffen, dass Ihr Vermieter das Haus sanieren wird. Doch Sie sorgen sich auch: „Wird sich danach die Miete erhöhen?“ „Wie wird die Renovierung ablaufen? Muss ich währenddessen aus meiner Wohnung ausziehen?“ „Wenn ja, wo soll ich hin?“ Das sind berechtigte, oft gestellte Fragen. Sie sind jedoch meist nicht leicht und pauschal zu beantworten. In einem Wohnungsbauunternehmen wie degewo mit rund 70.000 Wohnungen gehören zu einem Sanierungsprozess viele einzelne Schritte. stadtleben schaut deshalb in einer vierteiligen Serie hinter die Kulissen. Teil 1: die „Analyse“. Was passiert eigentlich mit den Wünschen, Reparatur- und Mängelmeldungen, die Sie an degewo schicken? Wie entscheidet degewo, welche Komplettsanierungen in den nächsten Jahren angegangen werden? Zur Beantwortung dieser Fragen treffen wir Janko Jost, Leiter des operativen Portfoliomanagements von degewo, und Wolfgang Medger, Leiter des Kundenzentrums Süd, und blicken zurück auf das Jahr 2018. März 2018 – Phase 1 „Die Vorschläge“ Im Kundenzentrum Süd sitzen Wolfgang Medger und seine Mitarbeiter zusammen. Sie beraten, welchen Modernisierungsbedarf welches Quartier hat. Grundlage der Auswahl: die gespeicherten Daten zu Mängeln und Reparaturen sowie die Einschätzung der Mitarbeiter. „Wir definieren die Maßnahmen und machen intern eine erste Bestandsaufnahme“, erklärt Medger. „Das ist wichtig, denn wir wissen natürlich, dass in der Regel die Budgetmittel nicht zur Abwicklung aller gewünschten Maßnahmen ausreichen.“ Das Team muss Prioritäten setzen. Fünf Projekte tragen sie schließlich in die Investitionsdatenbank von degewo ein. Eines davon: das Greitzer Viertel. Medger: „Die Siedlung ist alt, die Mieter hatten sich neue Fenster gewünscht, weil die alten undicht waren. Damit das erfolgreich ist, würden wir auch die Fassade erneuern und die gesetzlich vorgeschriebene energetische Dämmung durchführen.“ Berechnet, wo sich eine Investition lohnt: Janko Jost, Leiter des operativen Portfoliomanagements S TA D T Wenn die Wohnung saniert wird, ruft das beim Mieter Fragezeichen hervor: Muss das sein? Und: Was bedeutet das für mich? Der Auftakt zur neuen stadtleben-Serie „Sanierung“ erzählt, wie degewo alte Häuser frisch herausputzt S 8 Mai 2018 – Phase 3 „Die Analyse“ Zurück in den Kundenzentren. Janko Jost und sein Team haben den Kundenzentrumsleitern ihre Zusammenstellung aller wesentlichen Fakten zur Verfügung gestellt. Wolfgang Medger blickt auf die eingereichten Vorhaben, sein Team weiß, wo eine Sanierung am dringlichsten ist: Wo sieht degewo den dringendsten Handlungsbedarf? Ein Indiz kann etwa das Alter von Bauteilen sein oder auch das Ausmaß und die Häufigkeit von Reparaturen. Die Kundenzentren müssen sich festlegen: Welche Projekte schicken sie endgültig ins Rennen um die Investitionsmittel? In Süd ist sehr schnell klar: Es ist das Greitzer Viertel mit rund 500 Wohnungen in Marienfelde. Außerdem: Im Frühjahr wird auch der Mieterrat über die erste Vorschlagsliste der Sanierungsvorhaben informiert. Hat immer im Blick, wo im Bestand eine Sanierung nötig wäre: Wolfgang Medger, Leiter Kundenzentrum Süd April 2018 – Phase 2 „Die Schätzung“ In der degewo-Zentrale in der Potsdamer Straße 60 öffnet Janko Jost die Investitionsdatenbank. Circa 20 Vorhaben haben die Leiter der degewo-Kundenzentren dort eingetragen. „Unsere Aufgabe ist es nun, grob zu schätzen, wie viel Geld die einzelnen Projekte kosten würden“, erklärt Jost, „gleichzeitig schauen wir auch: Wie viel Geld steht uns in den nächsten Jahren zur Verfügung?“ Dann wird überschlagen, wie investitionswürdig die einzelnen Maßnahmen sind. „Auch degewo ist ein Wirtschaftsunternehmen. Natürlich müssen wir den Wert unserer Immobilien mindestens erhalten. Das will auch unser Gesellschafter, das Land Berlin“, sagt Jost. Außerdem betrachtet er bei jeder vorgeschlagenen Maßnahme auch Fragen, die sich die Mieter vielleicht stellen. Die sogenannten Nachhaltigkeitsfaktoren von degewo nehmen nämlich auch die Bedürfnisse der Bewohner und der Berliner in den Blick: Wie hoch wird die Belastung für die Mieter durch Dreck und Lärm, ist ein Umzug zwingend erforderlich? Hilft die Modernisierung degewo dabei, seine Klimaziele zu erreichen? Können wir zusätzlichen Wohnraum schaffen, etwa durch eine Dachaufstockung? WAS HEISST WAS? SANIERUNG Soll ein altes Gebäude wieder in Schuss gebracht werden, ist Sanierung der Oberbegriff für verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden. MODERNISIERUNG Von Modernisierung spricht man bei allen Arbeiten, Um- und Einbauten, die dem Gebäude eine neue Qualität verleihen. Wird eine Fassade gedämmt, ist das eine Modernisierungsmaßnahme. Werden alte Holzfenster gegen neue doppelt verglaste ausgetauscht – Modernisierung. Ein energieeffizienterer Durchlauferhitzer wird eingebaut – ebenfalls Modernisierung. Rückblick auf bereits durchgeführte Sanierungsprojekte: Janko Jost (l.) und Wolfgang Medger (r.) im Gespräch Juni 2018 – Phase 4 „Die engere Wahl“ Ein bis zwei Projekte reichen die Kundenzentren im Juni ein. In der degewo-Zentrale gibt das Investitionsmanagement eine detaillierte Kostenschätzung in Auftrag: Die Bauabteilung bauWerk schätzt, wie viel Modernisierung und Instandsetzung kosten würden. Diese Differenzierung ist wichtig, denn nur die Modernisierungskosten fließen in die spätere Miete ein (siehe Kasten rechts) – und die wird jetzt vom Mietenmanagement kalkuliert. Jost: „Am Ende dieser Phase ist klar, aus welchen Erträgen sich das Projekt finanziert.“ INSTANDSETZUNG Wenn ein Holzfenster zum Beispiel nur neu lackiert wird, wird nur der alte Zustand wieder hergestellt, es wird instand gesetzt. Auch wenn das Holzfenster gegen ein baugleiches Holzfenster ausgetauscht würde, spricht man von Instandsetzung. MODERNISIERUNGSUMLAGE Ende Juni 2018 – Phase 5 „Die Entscheidung“ Am 30. Juni muss der Wirtschaftsplan für das nächste Jahr stehen. Das Investitionsmanagement bittet zur Auswahldiskussion: Vorstand, Kundenzentrumsleiter, die Bauabteilung, die Leiter von Finanzierung und Controlling wählen aus: Welche Projekte aus welchen Kundenzentren werden umgesetzt? SANIERUNG November 2018 – Phase 6 „Die Bewilligung“ Das finale „Ja“ muss noch her. Erst wenn der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung im November oder Dezember seine Zustimmung erteilt, können die Planungen für die nächsten Phasen beginnen. Welche das sind, wie degewo genau Sanierungen plant und was Sanierungsprojekte für Sie als Mieter bedeuten – das lesen Sie in der nächsten stadtleben. 11 SANIERUNG HINTER DEN KULISSEN Die Fortsetzung unserer Serie Vom Wunsch zur Wirklichkeit Nach einer Komplettsanierung kann ein Teil der entstandenen Kosten auf die Miete umgelegt werden. Es dürfen aber nur die Kosten für die Modernisierung angerechnet werden (nicht die Instandsetzungskosten). Diese Modernisierungsumlage darf gesetzlich bis zu 8 Prozent der Modernisierungskosten entsprechen. Im Interesse der Mieter und gemäß der Kooperationsvereinbarung mit dem Land Berlin liegt sie bei degewo bei höchstens 6 Prozent. Außerdem besteht die Möglichkeit einer individuellen Härtefallprüfung, sollte die finanzielle Belastung durch die Mieterhöhung zu groß sein. GUT ZU WISSEN TEIL 1 TEIL 2 TEIL 3 TEIL 4 Analyse Planung Miete Sanierung Der in Teil 1 der Serie „Sanierung“ skizzierte Prozess bezieht sich auf Großprojekte. Instandsetzungsmaßnahmen sind bei degewo keine strategische Frage, sondern müssen kurzfristig umgesetzt werden. S TA D T 10 13 ASBEST AUF EINEN BLICK Asbest CHECKLISTE Das Wort beschwört heute Ängste herauf. Bis 1993 war es ein beliebter Stoff in der Bauindustrie. Auch in degewo-Gebäuden wurde es verbaut. Der beste Schutz gegen den gesundheitsgefährdenden Stoff: Aufmerksamkeit IST DAS FÜR MICH ALS M I E T E R G E FÄ H R L I C H ? Wurde Asbest verbaut, sind die gesundheitsgefährdenden Fasern fest gebunden. Sind die Bodenfliesen, die Wandplatten oder der Fußbodenkleber unbeschädigt, besteht laut Lan­ desamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und techni­ sche Sicherheit Berlin (LAGetSi) keine Gefahr. Von fest gebun­ denen Asbestprodukten geht keine Gefährdung aus. I L L U S T R AT I O N Pia Bublies Was ist das? Asbest ist ein natürlicher Stoff, genauer gesagt ein Silikat-Mineral, das man in Fasern verwandeln kann. Man nannte Asbest auch Wunderfaser und setzte es zum Beispiel in der Bauindustrie ein, wo es bis in die frühen 1990er-Jahre beliebt war. Falls Ihre Wohnung im Verdacht steht, dass asbesthaltige Ma­ terialien verbaut wurden, hat degewo Sie bereits darüber informiert. Wichtig ist, dass Sie folgende Verhaltensregeln beachten: Kein Bohren, Schleifen oder Sägen – bearbeiten Sie die Böden und Wände ihrer Wohnung nicht.  uch ein neuer Oberboden wie A Betonestrich, Ausgleichsbelag, Fliesen, Laminat oder Linoleum darf nicht durchbohrt werden. Vorhandene Boden- und Wand­ platten nicht entfernen, auch keine losen Teile. 1000 °C Wenn sich Wand-, Bodenplatten oder andere Gebäudeteile gelöst haben, melden Sie dies dem Kundenzentrum. Legen Sie nie­ mals selbst Hand an. WA R U M I S T D I E FA S E R EIN WUNDER? Weil Asbest Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius standhält sowie resistent ist gegen schwache Säuren und etliche Chemikalien. Die Faser ist sehr langlebig und fester als Stahldraht. WA S U N T E R N I M M T degewo? ! WA R U M I S T E S WURDE ASBEST AUCH IN WER KANN HELFEN? HEUTE VERBOTEN? degewo-GEBÄUDEN VERBAUT? Es besteht das Risiko, dass Krankheiten durch den Stoff ausgelöst werden können. Deshalb wurden 1993 die Herstellung und der Einsatz von Asbest in Deutschland verboten. degewo hat 16.668 seiner rund 70.000 Wohnungen als Verdachtsfälle identifiziert (Stand: 31.12.2018). Dort könnte Asbest in Flexplatten an Wänden und Böden sowie im verwendeten Kleber vorhanden sein. Ein Indiz ist bei West-Berliner Wohnungen die Baualtersklasse 1963er- bis 1993er-Jahre. Melden Sie sich sofort im Kunden­ zentrum, wenn Boden- oder Wand-Flexplatten in Ihrer Wohnung beschädigt sind. Bei begründetem Verdacht wird eine Material­­probe genommen, die von einem zugelas­ senen Institut geprüft wird. Mehr Infos zum Thema: www.degewo.de und in der Broschüre „Ihre degewo-Wohnung. Hinweise zur Erhaltung der Wohnqualität“ Die Asbestbeseitigungsstrategie bei degewo sieht drei Fälle vor: Sie greift erstens, wenn eine Sanierung ansteht, zweitens, wenn die Mieter wechseln, oder drittens, wenn Mieter beschädigte Wand- oder Bodenplatten melden. Wird Asbest nachgewiesen, wird er fach­­ gerecht ausgebaut und entsorgt – vor allem in Küchen und Bädern. Für diese Maßnahmen stellt das Unter­ nehmen pro Jahr einen siebenstelligen Betrag in seinen Etat ein. S TA D T 12 Ein Beispiel für Partizipation – Mitwirkungsmöglichkeiten für alle Beteiligten. Ein weiteres Gremium für Partizipation sind Mieterbeiräte, die Sie bereits anfangs erwähnten. RR w I o-M ETE AT Andreas Kleingünther und André Ketzer sind zwei Marzahner Vertreter im Mieterrat. stadtleben hat nachgefragt, was dort gerade los ist I N T E R V I E W Margitta Schulze Lohoff Herr Ketzer, Herr Kleingünther, Sie vertreten gemeinsam mit Natalia Friesen den degewo-Bezirk Marzahn im Mieterrat. Was sind für Sie derzeit die wichtigsten Themen? Andreas Kleingünther: Im Moment stehen die neuen Bauvorhaben und die Zusammenarbeit mit den Mieterbeiräten bei uns in Marzahn im Mittelpunkt. Dass mehr Wohnraum entsteht, müsste doch alle freuen, oder etwa nicht? André Ketzer: Einige Neubauten in Marzahn entstehen auf Flächen, auf denen vor Jahren alter Plattenbau zurückgebaut wurde. Es gibt einige Mieter, die sich nicht unbedingt darüber freuen, dass jetzt wieder Häuser in ihren Innenhof gebaut werden. Sie haben das Gefühl, dass ihr Wohnumfeld an Qualität verliert. Generell versuchen wir in solchen Fällen zu vermitteln. Wie bei den Ringkolonnaden ... Diese drei vertreten Marzahn im elfköpfigen degewo-Mieterrat: André Ketzer, Andreas Kleingünther und Natalia Friesen (v. l. n. r.) 15 Ketzer: Ja, dort werden die maroden Gebäude abgerissen, und wir als Mieterrat hatten die Möglichkeit – zusammen mit anderen Akteuren aus dem Kiez –, am Werkstattverfahren mitzuwirken. Zwei Tage lang haben wir überlegt, wie ein Konzept aussehen könnte, welche Geschäfte zum Beispiel im Erdgeschoss des Neubaus zu finden sein sollten. An einem Freitagnachmittag im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit degewo die Anwohner zu einer Infoveranstaltung eingeladen und befragt. Kleingünther: Die Anzahl der Mieterbeiräte macht uns Sorge. Es gibt zuwenige. Auch in Marzahn. Derzeit gibt es drei Mieterbeiräte für die insgesamt 18.000 Wohneinheiten in unserem Bezirk. Außerdem soll es in Zukunft noch zwei weitere Beiräte geben, einen für insgesamt 5.500 und einen für 6.000 Einheiten. Ketzer: Wir befürchten jedoch, dass bei so großen Einheiten die Idee des Mieterbeirats abhandenkommt. Den vielen Besonderheiten in den einzelnen Häusern kann so unter Umständen nicht mehr ausreichend Sorge getragen werden. Kleingünther: Wir wissen, wie schwer es ist, Mieter für diese Aufgaben zu motivieren – und würden uns wünschen, dass sich mehr unserer Nachbarn engagieren würden. Was meinen Sie? Kleingünther: Es gibt durchaus Themen, bei denen wir mit degewo nicht immer einer Meinung sind. Mieterhöhungsverlangen etwa könnten besser erklärt werden. Gemeinsam mit degewo haben wir dafür eine Orientierungshilfe zur Erläuterung der Spanneneinordnung bei Mieterhöhung entwickelt, die der von der Mieterhöhung betroffene Mieter allerdings gesondert anfordern muss. Ketzer: Ein anderes Beispiel ist das Thema Wohnungseinbrüche. Der Vermieter könnte die Mieter dabei noch besser unterstützen – mit technischen Präventionsmaßnahmen etwa. Herr Kleingünther, Sie sind als Mieterrat auch Mitglied des degewo-Aufsichtsrats. Kleingünther: Ja, ich bin stimmberechtigtes Mitglied, nehme an allen Sitzungen teil, außerdem an denen des Bau- und Vermögensausschusses. Meine Aufgabe ist es, Impulse aus dem Mieterrat in diese Gremien einzubringen. Manchmal ist meine Rolle aber auch etwas schwierig. Denn viele Dinge, die dort besprochen werden, obliegen aufgrund des Aktienrechts der Geheimhaltung (degewo ist eine Aktiengesellschaft; Anm. d. Red.). Ketzer: Aber der Kern unserer Arbeit findet ja sowieso auf einer anderen Ebene statt. Besonders wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit den Kundenzentren – und die ist hier in Marzahn sehr gut. Unsere Hinweise werden aufgenommen, und wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. So soll es sein. Kontakt zum Mieterrat: degewo-Mieterrat, Postfach 400180, 12631 Berlin, www.mieterrat-degewo.de, E-Mail Mieterrat Marzahn: degewo-mieterrat-marzahn@web.de S TA D T „ Wir sprechen im Namen aller “ M I E T E R R AT GESPRÄCHSBEDARF dege 14 So schlicht, so gut stadtleben erklärt, warum das B AU H AU S 100 Jahre nach Gründung immer noch nachwirkt T E X T Mirco Lomoth „Großsiedlung Schillerpromenade“ nennen sie die einen, „Weiße Stadt“* die anderen – doch für alle ist das Quartier eine Ikone des Neuen Bauens 18 D E R R E P O R T 19 B I L D Wolfgang Stahr DAS INTERVIEW 21 D I E E X P E R T E N 23 TIPPS LEBEN 17 BAUHAUS TITELGESCHICHTE * im Besitz der Deutsche Wohnen AG 16 TITELGESCHICHTE 19 BAUHAUS Interview EI s- I ns t SW itut s INE Z M AN au es D i r e k to r i n d Ba uh WA S B AU H AU S WO L LT E I N E S W E I Z M A N , Direktorin des Bauhaus-Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und Planung an der Bauhaus-Universität Weimar. 2019 richtet sie das XIV. Internationale Bauhaus-Kolloquium zur Geschichte und Wirkung des Bauhauses aus. bauhaus-kolloquium.de Ein Beispiel für die Architektur zwischen Expressionismus und Moderne ist die Fontanehofsiedlung von degewo in Oberschöneweide Vor 100 Jahren gründete sich das Bauhaus. Es revolutionierte unter anderem die Art, wie Mietshäuser gebaut wurden. In Berlin-Oberschöneweide sieht man das auch an einem Gebäude von degewo Zeigt Berlinern und Touristen die Siedlungen der Berliner Moderne: Claudia Häuser-Mogge, Stadtführerin E „Einige Wohnungen hatten bereits Strom in Bad und Küche, um Haushaltsgeräte anzuschließen“, sagt Claudia Häuser-Mogge. Damals – in den 1920er-Jahren – sei das revolutionär gewesen. Sie zeigt auf einen alten Stadtplan von Oberschöneweide. Die Spree ist zu sehen, riesige Industriebauten an ihrem Ufer und eine weitläufige Wohnbebauung zur Wuhlheide hin – die Siedlung Oberschöneweide, eines der großen Wohnbauprojekte der Zwischenkriegszeit in Berlin. „Hier reiht sich die Geschichte des modernen Siedlungsbaus auf wie an einer Perlenkette“, sagt Häuser-Mogge. Sie ist Stadtführerin, und 2019, dem Jahr, in dem alle vom 100. Geburtstag des Bauhauses sprechen, führt sie ihre Gäste zu den Großsiedlungen der Moderne, unter anderem nach Oberschöneweide, wo auch degewo eine Wohnanlage besitzt. Keine Bauhaus-Architektur, aber eine, die mit ihr verwandt ist: Die Moderne prägte das Bauhaus, und das Bauhaus prägte die Moderne. Berlin war eines der Experimentierfelder der modernen Architektur der 1920er-Jahre. Gleich sechs Berliner Wohnsiedlungen aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten finden sich auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Darunter die Großsiedlungen Das Bauhaus existierte gerade mal 14 Jahre – von 1919 bis 1933. Welche neuen Ideen hat die Kunstschule in dieser kurzen Zeit hervorgebracht? Das Bauhaus schuf trotz vieler politischer Anfeindungen einen Raum, in dem es möglich war, zu experimentieren. Es ging darum, Ideen eine Form zu geben, die die Gesellschaft verändern sollten. Die Bauhäusler wollten eine neue Lebensumwelt schaffen, die durchdacht und aufs Minimum reduziert ist. Sie überlegten, was effizient ist, was man in einer Wohnung wirklich braucht und welche Materialien sich dafür eignen. Sie beschäftigten sich auf ganz neue Weise mit den Gegenständen und Themen des Alltags. Ging es ihnen dabei auch um Schönheit? Das Schöne sollte in der Funktion liegen, aber trotzdem einer Harmonie der Farben und Formen folgen, die zum Teil wissenschaftlich erklärt wurden. Wassily Kandinsky und Paul Klee beschäftigten sich etwa mit der Komposition des Raumes und der Formen, Johannes Itten mit der Farbtheorie. Brachte das Bauhaus auch eine neue Art des Lernens mit sich? Walter Gropius holte die kreativsten und innovativsten Köpfe der internationalen Moderne nach Weimar. Als Student oder Studentin hatte man dort ein unglaubliches Angebot frischer Ideen. Die Schüler durchliefen fünf bis sechs Jahre die Werkstätten sehr unterschiedlicher Meister, um den Umgang mit Metall, Glas oder Holz zu studieren. Erst danach kamen sie zur Architektur, die Gropius als ein Gesamtkunstwerk verstand, in dem alle Handwerke zusammenfinden. Ging es den Bauhäuslern auch darum, die Wohnsituation einkommensschwacher Schichten zu verbessern? In den ersten Jahren in Weimar wollten sie vor allem eine neue Ästhetik für kleinste Innenräume entwickeln. Im Haus am Horn, einem Versuchshaus, an dem Meister und Studierende des Bauhauses zusammenarbeiteten, führten sie 1923 vor, wie reduziert und zugleich komplex Architektur im Zusammenspiel mit den Künsten sein kann. Dort finden wir eigens für das Haus gestaltete Lampen, handgewebte Teppiche oder das feine Silber-Teeservice von Marianne Brandt. Das waren sicher nicht alles Produkte für einkommensschwache Schichten, aber es waren Vorläufer, mit denen die Künstler Formen und Materialien für eine industrielle Produktion erprobten. Erst später, in Dessau unter Hannes Meyer, wurden ganz gezielt bezahlbare Innenausstattungen und Ideen für soziale Siedlungsprojekte entwickelt. Deutschlandweit, besonders in Berlin, entstanden damals große Siedlungen der Moderne, die eine neue Art des Wohnens ermöglichen sollten. Kann der Wohnungsbau der Gegenwart etwas vom Bauhaus lernen? Das Bauhaus wollte für die Arbeiterklasse bauen. Heute steht der Name für einen exklusiven Geschmack, der oft unbezahlbar ist. Ich denke, wir müssen die Ideen des Bauhauses wieder einem breiten Publikum zugänglich machen und einkommensschwachen Familien ein anständiges und ästhetisches Wohnumfeld bieten, das sozial, international und multikulturell durchmischt ist – so wie es auch das Bauhaus war. LEBEN 18 TITELGESCHICHTE Schillerpromenade in Reinickendorf, Weiße Stadt genannt, die Hufeisensiedlung in Britz und die Gartenstadt Falkenberg in Treptow-Köpenick von Bruno Taut. Sie alle revolutionierten den Sozialwohnungsbau und sind bis heute stilprägend. Mit dem Stadtplan in der Hand läuft Häuser-Mogge in Richtung Wuhlheide. „Im 19. Jahrhundert befand sich hier noch Weideland, daher der Name Oberschöneweide, erst ab den 1890ern entstand ein neues Wohnquartier.“ Damals ließ sich hier die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG nieder. Oberschöneweide wurde zu einer der größten Berliner Produktionsstätten der Elektro-Industrie. Neuer Wohnraum für die Mitarbeiter musste her. „Gebaut wurde im Stil der Gründerzeit, aber nach dem Krieg stellten Architekten die Frage, wie die Stadt in Zukunft aussehen und wie die Menschen in ihr leben sollten“, sagt Häuser-Mogge. Es war eine Zeit des Aufbruchs. In Weimar gründete Walter Gropius 1919 das Staatliche Bauhaus als Denkfabrik und Schule der Moderne. In Oberschöneweide begann der Architekt Peter Behrens, ein Pionier der sachlichen Architektur, zu der auch das Bauhaus zählt, im Auftrag der AEG mit dem Bau eines Häuserblocks für Arbeiter und Angestellte der AEG – der älteste Teil der Siedlung Oberschöneweide. Die Ein- und Mehrfamilien-Reihenhäuser, die einen großzügigen Hof in ihrer Mitte haben, sind heute größtenteils frisch saniert. Türen und Fensterläden strahlen grün, darüber liegen steile Ziegeldächer, noch keine Flachdächer wie in der Moderne. „Der Entwurf von Behrens ist noch dem Heimatstil und 21 BAUHAUS Typische Details der Neuen Moderne an Haustüren, entworfen von Peter Behrens der Gartenstadtbewegung des 19. Jahrhunderts verbunden, aber die Anlage war sehr fortschrittlich“, sagt Häuser-Mogge. Sie zeigt die vielen kleinen Gärten im Innenhof mit ihren Obstbäumen. „Die Bewohner konnten Obst und Gemüse anbauen, das war schierer Luxus, vorher lebten Arbeiter in Mietskasernen im ersten oder zweiten Hinterhof, hatten nur wenig Licht und sind am Wochenende in die Volksparks gegangen.“ Behrens’ Büro war so etwas wie eine Geburtsstätte der modernen Architektur. Der Bauhaus-Gründer Walter Gropius war hier angestellt, genau wie der spätere Bauhaus-Direktor In der Fontanehofsiedlung geben die großen Fensterflächen bereits einen Hinweis auf die Zeit des Bauhauses, ... Mies van der Rohe. Auch Jean Krämer, ein weiterer Mitarbeiter, saugte die Ideen der Zeit auf, war aber zugleich von alten Denkweisen geprägt. Ab 1923 baute er mit dem Architekten Ernst Ziesel den „Fontanehof“ der Siedlung Oberschöneweide, gleich neben den Behrensbauten. Die Mehrfamilienhäuser mit rund 300 Wohnungen zwischen 2,5 und 4 Zimmern umschließen einen begrünten Innenhof. Wie bei den Entwürfen der Bauhäusler richtete sich die Aufteilung der Zimmer strikt nach ihrer Funktion. „Äußerlich liegen Krämers Bauten zwischen Expressionismus und Moderne und sind sehr abwechslungsreich“, sagt die Stadtführerin. Ein Eingangsportal eines Eckhauses ist mit Kunststeinstufen eingefasst, ein anderes mit schräg gestellten Backsteinwänden, wie sie für den Expressionismus typisch sind. Im nördlichen Teil, nahe der Wuhlheide, werden die Formen rechtwinkliger, die Fensterläden verschwinden, Licht fällt durch große Fenster in Wintergärten und Erker. „Hier kommen wir dem typischen Bauhaus-Stil schon viel näher“, sagt Häuser-Mogge. Nur das Flachdach fehlt. Ein degewo-Hausmeister schließt eines der Mehrfamilienhäuser auf. Ein Terrazzoboden führt in ein freundliches Treppenhaus, Tageslicht fällt durch ein hohes Fenster. In den Wohnungen standen schon 1928 Kochherde und Heißwasserspeicher, alle Räume hatten Steckdosen. degewo vermietet die Wohnungen des Fontanehofs heute und fühlt sich auch bei Neubauprojekten dem Erbe der Moderne verpflichtet: bedürfnisgerechte, hochwertige, bezahlbare Architektur. „Die Moderne hat uns sehr viel Komfort gebracht, die Architekten haben sich damals intensiv damit beschäftigt, wie Menschen leben wollen“, sagt Häuser-Mogge. „Heute haben wir wieder dringenden Bedarf für bezahlbaren Wohnraum. Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Wohnungsunternehmen wieder nach den Ideen von damals bauen werden.“ ... das Treppenhaus fluten sie hingegen mit reichlich Licht DIE KENNER Drei Experten erklären, wie Bauhaus und Moderne unseren Alltag prägen ÜBER Stadtplanung GABI DOLFF-BONEK ÄMPER leitet das Fachgebiet Denkmalpflege am Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin Die Bauhäusler haben die Synthese von Kunst, Handwerk und Technik angestrebt und die Moderne auch in der Architektur als Bewegung vorangebracht. Großsiedlungen lagen nicht im Zentrum ihres Interesses. Der wichtigste Siedlungsbauer im Berlin der 1920er-Jahre, Bruno Taut, war kein Bauhäusler. Vier der sechs Berliner Großsiedlungen der Moderne, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, stammen von ihm. Wie andere Architekten seiner Zeit suchte er nach Antworten auf Fragen der städtebaulichen Komposition. Bei der Carl-LegienSiedlung legte er großzügige Gartenhöfe zwischen viergeschossigen Wohnflügeln an, die sich gegenüberliegen. Das schafft eine Weite, die zugleich innerstädtisch wirkt. Solche Ideen lassen sich auf heutige Verhältnisse übertragen. Die Berliner Siedlungen der Moderne zeigen, dass man Raum nicht verschwendet, wenn man Platz für Grünflächen lässt. Freiraum ist keine Flächenverschwendung, er schafft auch Atem- und Bewegungsfreiheit. Bei der Anordnung von Baukörpern und der Gestaltung von Räumen können wir von der Architektur der 1920er-Jahre viel lernen. LEBEN 20 22 23 BAUHAUS TITELGESCHICHTE .. Internationalitat ÜBER MARION VON OSTEN, TIPPS DAS PHÄNOMEN ERLEBEN Künstlerin und Kuratorin des Ausstellungsprojekts „bauhaus imaginista“ Design TOBIAS HOFFMANN, Kunsthistoriker und Direktor des Bröhan-Museums „Eines der bekanntesten Bauhaus-Objekte ist die Wagenfeld-Leuchte. Wenn man sie anschaltet, wird sie zu einer strahlenden Halbkugel im Raum. Das zeigt eindrucksvoll das Spiel mit geometrischen Formen, aus denen heraus Design am Bauhaus entwickelt wurde. Die Idee des Bauhausgründers Walter Gropius war es, Objekte wie Lampen oder Stühle mit dem Gebäude verschmelzen zu lassen. Die Gestalter schwankten dabei hin und her zwischen der Entscheidung, den künstlerischen Entwurf oder die Funktion in den Vordergrund zu stellen. Das wurde am Bauhaus heftig diskutiert. Im Laufe der Jahre rückte die Funktion immer stärker in den Vordergrund. Es entstanden Objekte, etwa Lampen, die weniger spektakulär waren, aber industriell herzustellen, und die besser funktionierten. Vieles von dem, was wir heute an Möbeln nutzen, basiert auf Bauhaus-Ideen. Damals wurde zum Beispiel Stahlrohr erstmals in der Möbelgestaltung eingesetzt. Ohne diese technische Innovation wären unsere modernen Bürostühle nicht denkbar. So findet sich heute ein gutes Stück Bauhaus in fast jeder Wohnung, auch wenn nicht in jeder der Freischwinger-Stahlrohrstuhl von Marcel Breuer steht.“ Im Bröhan-Museum, dem Landesmuseum für Jugendstil, Art déco und Funktionalismus, läuft bis zum 5. Mai die Ausstellung „Von Arts and Crafts zum Bauhaus“, die Objekte des Bauhauses zeigt. broehan-museum.de Das Projekt „bauhaus imaginista“ erforscht den internationalen Einfluss des Bauhauses. Das Haus der Kulturen der Welt zeigt die Ausstellung vom 15. März bis 10. Juni. www.bauhaus-imaginista.org J U B I L ÄU M S AU S S T E L LU N G „O R I G I N A L B AU H AU S“ Das Bauhaus-Archiv präsentiert in der Berlinischen Galerie berühmte und vergessene Bauhaus-Originale, erzählt die Geschichte hinter den Objekten und zeigt, wie die Ideen des Bauhauses seit 100 Jahren imitiert und weiterentwickelt werden. 6.9. bis 27.1., Berlinische Galerie, Mi-Mo 10-18 Uhr, Alte Jakobstr. 124-128, 10969 Berlin, berlinischegalerie.de T E M P O R A RY B AU H AU S ARCHIV Das von Walter Gropius entworfene Bauhaus-Archiv und Museum für Gestaltung am Landwehrkanal wird in den nächsten Jahren saniert und erweitert. Bis zur Neueröffnung präsentiert sich das Bauhaus-Archiv samt Shop und kleiner Ausstellung zur Geschichte des Hauses an seinem Übergangsstandort in Charlottenburg. Mo-Sa 10-18 Uhr, Knesebeckstr. 1-2, 10623 Berlin, bauhaus.de B AU H AU S WOCHE Eine Woche lang durchdringen die Ideen des Bauhauses die ganze Stadt – in einer Schaufenster-Ausstellung, bei Yogastunden auf Flachdächern, bei Workshops in Ateliers und Werkstätten oder während der Diskussionen und Kunstausstellungen im gläsernen Pavillon mitten auf dem Ernst-Reuter-Platz. 31.8. bis 8.9., Überblick auf bauhaus100.berlin B AU H AU S S TA D T F Ü H R U N G E N „ B AU H AU S UND DIE FOTOGR AFIE“ Was verbindet die Fotografien der Bauhäusler mit den Werken heutiger Fotografen? Das Museum für Fotografie Berlin stellt diese Frage in der Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie: Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“. Mit „art:berlin“ kommen Sie dem Bauhaus ganz nah. Die Agentur bietet thematische Stadtführungen, darunter eine drei­stündige Bustour auf den Spuren der Bauhäusler, die zu ikonischen Bauwerken führt, sowie eine Tour zu den Zeugnissen von Peter Behrens Fabrikarchitektur. Tel. 030-68915008, artberlin-online.de 11.4. bis 25.8., Di-So 11-19 Uhr, Jebensstr. 2, 10623 Berlin, Tel. 030266424242, smb.museum/home M I E S VA N D E R R O H E H AU S Der letzte Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe entwarf dieses Haus kurz vor der Machtübernahme der Nazis und dem damit verbundenen Ende des Bauhauses in Deutschland. Sein schlichtes, lichtdurchflutetes Landhaus Lemke in Alt-Hohenschönhausen allein ist schon einen Besuch wert, im Jubiläumsjahr stellen hier obendrein Künstler aus, etwa zur Farbe Weiß. Di-So 11-17 Uhr, Führungen jeden So um 11.30 Uhr, Oberseestr. 60, 13053 Berlin, Tel. 030-97000618, miesvanderrohehaus.de LEBEN ÜBER „Nach dem Ersten Weltkrieg wollte eine junge Generation wieder Kontakt zur Welt aufbauen. Das Bauhaus und die Bewegung der Moderne waren von Anfang an international geprägt. Die Lehrenden kamen von überall her, sie unterhielten enge Beziehungen ins Ausland und interessierten sich für andere Kulturen. Die Nationalsozialisten störte diese Ausrichtung. Viele Studierende am Bauhaus starben in den Konzentrationslagern oder auf der Flucht vor den Nazis. Einige Privilegierte konnten rechtzeitig auswandern. Walter Gropius und Marcel Breuer etwa gelangten in die USA und waren in Chicago und Boston aktiv. Andere gingen in ihre Heimatländer zurück oder nach Lateinamerika, und Hannes Meyer, der zweite Bauhaus-Direktor, emigrierte in die Sowjetunion, wo er in Stalins Kriegskommunismus geriet. Er floh und wurde schließlich Leiter des Stadtplanungsamtes in Mexiko-City. Einer seiner Schüler, Arieh Sharon, ging nach Tel Aviv und baute in West-Nigeria einen Universitätscampus, der damals schon nahezu alles hatte, was zeitgenössische Architektur heute haben sollte.“ 25 BLÜTENPROMENADE TYPFRAGE Blumen für Balkonien Der Sommer steht vor der Tür. Also nichts wie los nach Marzahn – zum ersten Festival für Blumenfreunde und -käufer 750 Meter soll er lang sein – der größte Blumenmarkt der Stadt. Im Zick-Zack der Marzahner Promenade veranstaltet der Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit degewo als Unterstützer erstmals die „Blütenpromenade“, ein Festival für Blumenliebhaber und Balkongärtner. Am 11. und 12. Mai (Samstag und Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr) reihen sich Stände mit Petunien, Pelargonien und Studentenblumen an Stände mit Kräutern, Chilis und Tomaten in Töpfen. „Die hat man ja auch gerne auf dem Balkon“, sagt Ivette Grafe von der Agentur Strauchpoeten, die das Festival organisiert. Und damit alle Spaß daran haben, gibt es auch Spiel- und Bastelmöglichkeiten für Kinder, jede Menge Köstlichkeiten für Hungrige und etliche Ideen für die Begrünung des eigenen Balkons. S O N N E N P L AT Z Scheint die Sonne mehr als einen halben Tag direkt auf Ihren Balkonkasten? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es hell und warm. Greifen Sie zu Blumen in kräftigen Farben, damit sie in der Sonne leuchten. Gut verträglich mit Hitze und Licht: etwa Pelargonien, Geranien, Lampenputzer-Gras oder Zierpaprika. H A L B S C H AT T E N G E WÄC H S Liegt Ihr Balkon weniger als den halben Tag im Sonnenschein, aber mehr als zwei Stunden, sollten Sie hier Sommerblumen pflanzen, die den Halb­schatten mögen. Knollen­begonien, Zauber­glöckchen und Bunt­nessel kämen da beispielsweise infrage. LEBEN 24 B LÜ T E N P R O M E N A D E BALKONBEPFLANZUNG GEWINNEN! Keine Lust, selbst die Blumen zu kaufen und einzusetzen? Kein Problem! stadtleben verlost 3 x 1 Balkonbepflanzung. Damit die Pflanzen zu Ihrem Balkon passen, geben Sie bitte auf der Teilnahme-Postkarte oder -E-Mail an, ob die Blumen in der Sonne, im Halbschatten oder im Schatten stehen werden. Einsendeschluss: 15. April. S C H AT T E N T Y P Wie man bei Klein und Groß Vorfreude auf den Sommer schürt? Planen Sie Ihre Balkonbepflanzung! Loslegen mit dem Gärtnern sollten Sie aber erst ab dem 15. Mai, nach den Eisheiligen Liegt Ihr Balkon an der Nordseite und das Sonnenlicht erreicht ihn niemals? Wird er weniger als zwei Stunden täglich von der Sonne beschienen, wird er als schattiger Balkon bezeichnet. Auf ihm fühlen sich Fuchsien, Zier-Segge, Zauberschnee und Efeu wohl. Die Blüten kommen in hellen Pastelltönen daher, sie leuchten auch im Schatten. Schicken Sie eine E-Mail an s­ tadtleben@degewo.de oder eine Postkarte an degewo, Unternehmens­kommunikation, Potsdamer Str. 60, 10785 Berlin. Die Gewinner werden benachrichtigt, Telefonnummer nicht vergessen! 27 SPORT DAHEEME & CHILLEN Die Fit-Macher Das Fitnessstudio ist zu teuer? Ein Sportverein zu öde? Keine Sorge, um in Form zu kommen, müssen Sie Ihre Wohnung gar nicht verlassen. stadtleben verrät die besten Übungen mit Haushaltsgegenständen B I L D Katharina Werle BÜCHER ODER WA S S E R F L A S C H E N HANDTUCH Rudern: Auf den Boden setzen, ein Handtuch an seinen Enden greifen, Füße in der Schlinge positionieren, Beine fast ausstrecken. Der Oberkörper ist aufrecht und im 90-Grad-Winkel zum Oberschenkel. Die Arme sind ausgestreckt. Handtuch langsam gegen den Widerstand der Beine an den Körper ziehen, die Oberschenkel bewegen sich so Richtung Bauch. Schulterblätter dabei zusammenziehen und die Arme seitlich am Oberkörper vorbeibewegen. Der Oberkörper bleibt gerade. Spannung des Handtuchs lösen und Beine wieder nach vorne ausstrecken. Mehrmals wiederholen. Armmuskeln stärken: Hände und Arme seitlich aus- und durchstrecken, jeweils ein Buch auf die nach oben zeigenden Handinnenflächen legen. Beine stehen hüftbreit auseinander. Arme jeweils 10 Mal nach vorn und 10 Mal nach hinten kreisen lassen. 30 Sekunden Pause, Übung wiederholen. TREPPE Ideal für Step-ups: Mit einem Bein auf den Treppenabsatz treten und das andere explosionsartig in die Höhe ziehen, Seite wechseln. 1 Minute lang wiederholen, 1 Minute Pause machen. Die Übung 5 Mal wiederholen. Dabei auf Spannung im Körper und schnelle Wechsel achten. KISSEN STUHL Trizeps-Dips: Rückwärts vor den Stuhl stellen, mit den Handinnenflächen auf der Sitzfläche abstützen, Finger zeigen nach vorne. Füße ein paar Schritte nach vorne schieben, bis die Arme das Körpergewicht großteils tragen. Arme leicht anwinkeln. Arme beugen, bis sie einen 90-Grad-Winkel am Ellenbogen bilden, Oberarme sind parallel zum Boden. Position 1 Sekunde halten. Wieder in die Ausgangsposition drücken. 15 Mal wiederholen. Bauchmuskeltraining: Auf den Rücken legen, Beine anwinkeln, Kissen zwischen die Knie klemmen, zusammenpressen. Arme locker neben den Körper legen. Schultern bleiben am Boden. Beine nach vorne absenken und durchstrecken, dabei nicht den Boden berühren und kein Hohlkreuz bilden. Beine wieder anwinkeln. 20 Mal wiederholen. TENNISBALL Massage gefällig? Ein Tennisball eignet sich prima als Hilfsmittel. Einfach mit dem gewünschten Druck über den Fuß rollen oder über den Nacken, die Arme, die Unterschenkel ... LEBEN 26 29 MUSIK S TADTM E N S CH E N e! ter Si … un r wegs fü T E X T Dominik Schottner B I L D Gene Glover Klassische Orchestermusik als Erlebnis für alle Berliner? Sebastian Nordmann, Intendant des Konzerthauses Berlin, zeigt, wie das geht – mit guten Ideen A Fingerzeig in Richtung Zukunft? Intendant Sebastian Nordmann träumt von einem Konzerthaus, in dem den ganzen Tag lang musiziert wird Ab und zu muss Sebastian Nordmann raus. Ans Meer, in die Berge. „Ich bin ein Landei, ich komme von der Ostseeküste“, sagt er. Ein paar Tage später wird der Mann, 47 Jahre alt, in den Skiurlaub nach Bayern fahren. Eine kurze Erholung von seinem Job als Intendant des Berliner Konzerthauses. Sein tagtäglicher Weg zur Arbeit führt also nicht raus, sondern mitten hinein ins Herz von Berlin. Das Konzerthaus residiert im ehemaligen Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt. Ein Schinkel-Bau mit dicken Säulen und einer großen Freitreppe, links und rechts flankiert vom Französischen und Deutschen Dom. Innen versprüht es aber ganz und gar nicht den Geist des klassizistischen Berlins. Dort soll es, so Nordmanns Vision, sein, wie das Berlin von heute: vielfältig, bunt, attraktiv für alle Altersklassen, Geldbeutel und Kenntnisstände. Und digital! „Wer die Digitalisierung verpennt, hat kaum Chancen“, sagt Nordmann. In der Eingangshalle tauchen Besucher deshalb in eine virtuelle Ausstellung über das Konzerthaus ein. Kostenlos. „Wir wollen damit kein Geld verdienen, sondern Menschen an das Konzert heranführen.“ Aus dem gleichen Grund hat sein Haus auch etliche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche im Programm, kooperiert mit Schulen, Kindergärten und degewo (siehe Kasten) oder organisiert mit degewo Kiezkonzerte (siehe Seite 5). Sebastian Nordmann ist das beste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man früh musikalisch geprägt wird. In seinem Elternhaus in Eutin wurde viel musiziert, er lernte Klavier spielen, studierte Musikwissenschaften und promovierte in dem Fach. Er arbeitete bei Festivals, als Orchestermanager und Intendanzassistent. Dann wurde er selbst Intendant – zunächst bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, 2009 im Konzerthaus. Die Konkurrenz in Berlin ist hart und vielfältig, das Publikum sucht stets das Beste und Neueste. Nordmanns Konzept, es zu erreichen: Formate wie „Mittendrin“, wo die Orchestermusiker zwischen den Zuschauern im Saal sitzen, oder die 45-minütigen „Espresso-Konzerte“ während der Mittagspause. 650 Veranstaltungen finden pro Jahr in den vier Sälen statt. „Ich träume von einem Konzerthaus, in dem den ganzen Tag lang Konzerte stattfinden. Jedes mit Festivalcharakter“, sagt er. Doch im Mittelpunkt stehe immer die Qualität. Denn eines ist ganz klar: „Unser Orchester ist der Motor unseres Hauses.“ mit degewo SCHULMUSIK „Konzerthaus meets degewo“ heißt es bereits seit 2011. Rund 6.500 Schüler aus degewoQuartieren besuchten seitdem das Konzerthaus. Der Ausflug wird im Vorfeld vorbereitet: von Musikpädagogen des Konzerthauses. Sie kommen in die Schulen, um die Kinder ein­zustimmen. Im Jahr 2012 wurde das Projekt sogar von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. Damals ging es speziell um Schüler aus Gropiusstadt. LEBEN EPOR T ZR ER E Der Intendant KI 28 30 Der Großstadtindianer stadtleben-Kolumnistin Annett Heide trifft unglaubliche Typen in Berlin. Diesmal: einen Vogelliebhaber mit Amazonasausrüstung im Flur I L L U S T R AT I O N Christina Gransow W O H N E N S I E E I N E N M O N AT M I E T F R E I ! Ortsteil im Bezirk Neukölln Sitz des Berliner Senats musikalisches Bühnenwerk Berliner Bezirk Hochschule (kurz) Tunke Schwarz beim Roulette Großvater Toralf habe ich kennengelernt, weil ich ihm mal beim Umzug geholfen habe. Er ist so ein Outdoortyp mit langen Haaren, der damals gerade sein Biologiestudium abgeschlossen hatte. Es war der organisierteste Umzug, bei dem ich je war. Toralf hatte die Helfer in zwei Gruppen geteilt, Gruppe Auszug und Gruppe Einzug, sodass für jeden nur einige Stunden draufgingen, nicht der ganze Tag. Außerdem gab es für jede Gruppe Suppe und Kuchen. Ich gehörte zur Gruppe Einzug und war demzufolge in der neuen Wohnung. Eine dunkle Erdgeschosswohnung mit einem langen, engen Flur mit hohen Decken, die nah an der Autobahn liegt. Es war mir ein Rätsel, was einem Mann, der eins zu sein schien mit der Natur, an dieser Wohnung gefiel. Toralf steht gern zum Sonnenaufgang auf, um Vögel zu beobachten, übernachtet lieber in Zelten als in Zimmern und trägt ein breites Stirnband wie früher Björn Borg auf dem Center Court. Er ist so eine Art Großstadtindianer, bei dem sich niemand wundern würde, wenn er mit Pfeil und Bogen unterwegs wäre. Einmal hat er mir und ein paar anderen im Schwimmbad in der Nähe gezeigt, wie man eine Eskimorolle macht. So eine 360-Grad-Rolle durchs Wasser, wenn man im Kajak sitzt. Als wir während des Umzugs eine Pause machten, Kuchen aßen und uns unterhielten, entdeckte Toralf draußen vorm Fenster ein Vogelnest. Ein Vogel war mit dem Bau beschäftigt. Toralf begann daraufhin, einen kleinen Vortrag über Vögel zu halten. Es war unerwartet interessant. Manche Vögel legen mehrmals im Jahr Eier, Amseln, Finken und Sperlinge etwa. Wie oft, hängt vom Wetter ab. Amseln beispielsweise legen bei schönem Wetter bis zu drei Mal Eier, zwischen März und August. Welche Form ein Ei hat, hängt häufig mit der Körperform des Vogels zusammen, Tauchvögel zum Beispiel legen lange, schmale Eier. Auch die Anzahl der Eier in einem Gelege hängt damit zusammen. Hühner legen viele Eier, weil sie mit ihrem breiten Körper bequem auf ihnen sitzen können. Tauben hingegen legen zwei Eier, wenn sie aber ein Nest finden, in dem schon ein Ei liegt, legen sie bloß eins dazu. Ganz schön faul, diese Tauben. Trotzdem gibt es eigentlich in jeder Stadt zu viele. Toralf lebt noch immer in der Wohnung. Sie ist perfekt für ihn. Unter der Decke im Flur hat er Gestelle eingezogen, in denen er Kajaks und Paddel lagert, eine Kletterausrüstung und ein ausgestopftes Gürteltier, das er auf einer Amazonasexpedition geschenkt bekommen hat. Durch die Autobahn ist er schnell im Grünen, wo er jede freie Minute verbringt. Doch interessante Naturbegegnungen gibt es selbst vor scheinbar wenig attraktiven Wohnungen in scheinbar reizlosen Gegenden. elektrische Energie spanische Bejahung Ortsteil Bauhaus- mit dem BauhausStadt Archiv 6 Hühnerprodukt der Weiße Sport T 31 R ÄT S E L KOLUMNE Wüsteninsel Weinstock Wunderschale Berliner Basketballteam Schuldgefühl niederBerliner ländisch: Wappeneins tier Kammerton Ausflug zu Pferd Universum 4 Staat in Nordamerika indonesische Insel Skatansage Vorzeichen Schulsaal Stadt der BauhausGründung norddeutsch: klein Drall des Balles Waldgeist Papyrusboot Heyerdahls kurz: et cetera Zeugnisnote: gut sächlicher Artikel Strauchfrucht USBasketballverband 5 nordischer Frauenname Bauwerk auf der Spreeinsel reizvoll, elegant großer Teich RM215818 201901 TEILNEHMEN & GEWINNEN ANNETT HEIDE, 51, lebt seit rund 20 Jahren in Berlin. Die ehemalige Lokal­ reporterin kennt die ganze Stadt so gut wie ihren eigenen Kiez: Wilmersdorf. Was sie dort und in anderen Ecken Berlins erlebt – darüber schreibt sie in stadtleben. Redaktion TERRITORY Content to Results GmbH, Bei den Mühren 1, 20457 Hamburg, www.territory.de Geschäftsleitung Marius Darschin Creative Direction Maja Nieveler Publishing Management Edith Fleckenstein-Sternsdorff Chefredaktion Margitta Schulze Lohoff (FR), stadtleben@territory.de Art Direction Elisabeth Holzer Bildredaktion Sibel Soycetin Schlussredaktion Dr. Egbert Scheunemann (FR) Titelfoto Wolfgang Stahr Fotos Natalie Brychcy (S. 2); Martin Birkner (S. 3); Gene Glover (S. 3, 9-11, 14, 28); Wolfgang Stahr (S. 3, 16-18, 20-22); Notes of Berlin (S. 4); Dominik Butzmann (S. 5); degewo (S. 8); Danalka (S. 19); Corbis Documentary, imageBROKER via Getty Images, ddp/imagebroker (S. 23); OJO Images/Getty Images (S. 24); Getty Images (S. 25); Katharina Werle (S. 26-27); Matthias Günther (S. 30); RätselManufaktur (S. 31) Illustrationen Christina Gransow (S. 6-7, 30); Pia Bublies (S. 9, 12-13, 15) Druck ­Neef + Stumme, Wittingen Auflage ca. 75.000 Exemplare; stadtleben erscheint viermal im Jahr Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichtet stadtleben auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen. Redaktionsschluss: 15.02.2019 Datenschutz: Informationen zum Datenschutz bei unseren Gewinnspielen finden Sie auf www.degewo.de/datenschutz Schieferfelsen 2 englische Herrenanrede Berliner Krankenhaus Monokel 3 Aktion Walöl Rage weiser biblischer König Berliner Fußballverein hochbetagt Mittellosigkeit zu welchem Zweck Berliner Schloss witziger Einfall Hafenstadt in Norditalien 1 Berliner Flughafen Ausruf der Empörung Zeichen f. Strontium kleiner Kobold deutschfranzös. TVSender Kochstelle 7 englische Kurzform von Samuel IMPRESSUM Herausgeber und Verleger degewo Aktiengesellschaft, Potsdamer Str. 60, 10785 Berlin Projektleitung Nadine Falkowski-Koch (V. i. S. d. P.), Isabella Canisius, 030 / 26485 1513, stadtleben@degewo.de, www.degewo.de Bringen Sie die Lösungsbuchstaben in die richtige Reihenfolge. Schicken Sie uns das Lösungswort und geben Sie Ihre voll­ständige Adresse und die Mietvertragsnummer an: degewo, Unternehmenskommunikation, Stichwort: Kreuzworträtsel, Potsdamer Str. 60, 10785 Berlin, oder per E-Mail an quiz@degewo.de, Einsendeschluss ist der 15. April. Mit etwas Glück wohnen Sie schon bald einen Monat mietfrei (eine Kaltmiete). Der Gewinner wird in der nächsten Ausgabe bekannt gegeben. Gewinner des Rätsels im vergangenen Heft ist Christine Ewald aus Johannisthal. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter der degewo AG und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen. S C H A R L O T S T E N B J U R G H E R T H A E S A H A E U G U S S E A R I L L L A U I S L A S A S E A L R N C S E B E N K E L I L L H E T A V H U Z N E F P A R K N I N E O S A P I R S K H A B E A A L T E R S E R E E G E N E N T N I L H E A L A R A E S O R E M B O L D T P E T A I B E R E R I T S S C P H A E M I D A P L E A T T Z Lösung Heft 04/18 Lösungswort: Lichterkette chen & a m t i M en gewinn - ben r stadtle ie unse nen Sie h o w Lösen S d n rätsel u rt o re w tf z ie i! Kreu onat m einen M Seite 3 1
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