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Full text: Was tun, damit's nicht brennt

BUNDESARBEITSGEMEINSCHAFT KIRCHE & RECHTSEXTREMISMUS; EVANGELISCHE AKADEMIE ZU BERLIN; MOBILE BERATUNG GEGEN RECHTSEXTREMISMUS BERLIN

was tun, damit’s nicht brennt?
leitfaden zur vermeidung von rassistisch aufgeladenen konflikten im umfeld von sammelunterkünften für flüchtlinge

Inhalt
Flüchtlingen helfen und Rassismus bekämpfen ……………………………………………………………………………
Rassistischer Mobilisierung entschieden entgegentreten …………………………………………………………………
Rassist_innen sind nicht immer die Anderen – Angst und Ausgrenzung ………………………………………………
Kommunal analysieren und handeln …………………………………………………………………………………………
Flüchtlinge begleiten und deren Beteiligung ermöglichen ………………………………………………………………..
Formierung eines breiten Willkommensbündnisses ……………………………………………………………………..
Möglicher Grundkonsens eines Willkommensbündnisses ………………………………………………………………
Überprüfung der eigenen Motivlage – Meine Rolle im Willkommensbündnis …………………………………………
Mitglieder eines Willkommensbündnisses …………………………………………………………………………………
Örtliche Zivilgesellschaft und antirassistische Initiativen ………………………………………………………
Kirchliche Zivilgesellschaft und andere Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ……………….…
Individuelles Engagement ……………………………………………………………………………………………
Mögliche Kooperationspartner_innen des Willkommensbündnisses ………………………………………………..
Örtliche Bildungseinrichtungen (Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen) und karitative Einrichtungen ...
Politiker_innen ………………………………………………………………………………………………………….
Lokale Medien …………………………………………………………………………………………………………
Polizei und kommunale Verwaltung …………………………………………………………………………………..
Leitung der Sammelunterkunft ……………………………………………………………………………………….
Örtliche Firmen …………………………………………………………………………………………………………
Herausgeber_innen …………………………………………………………………………………………………………….
Redaktionelles Impressum …………………………………………………………………………………………………….

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flüchtlingen helfen und rassismus bekämpfen
»Du hast gesagt, dass alle Menschen gleich sind, aber du meinst nur die Menschen die so sind wie du...«
(Frances ›Baby‹ Houseman in DIRTY DANCING)
Flüchtlinge werden einmal mehr in der gesamten Bundesrepublik Opfer von rechtsextremer Gewalt und Anfeindungen. Dabei
sind sie als Schutzbedürftige nach ihrer Ankunft in Deutschland auf konkrete Unterstützung innerhalb ihrer neuen Umgebung
angewiesen. Eine engagierte Zivilgesellschaft muss daher beides leisten: Flüchtlingen helfen und rechtsextremen Tendenzen
entschieden entgegentreten.
Mit dieser Veröffentlichung stellen wir Handlungsempfehlungen für ein breites Spektrum zivilgesellschaftlicher Gruppen vor.
Angesprochen sind Kirchengemeinden und andere Religionsgemeinschaften, Nachbarschafts- und Gewerkschaftsgruppen, antirassistische und Flüchtlingsinitiativen sowie Einzelpersonen, die für eine demokratische Vielfalt einstehen und sich gegen
rechtsextreme Mobilisierungen vor Asylbewerber_innenheimen und bei Bürgerversammlungen wehren wollen. Diese Einzelpersonen und Gruppen haben meist sehr unterschiedliche politische Positionen, ethische Orientierungen und Handlungsformen.
Diese Handreichung soll dazu ermutigen miteinander zu arbeiten und die möglichen Unterschiede auszuhalten, sie im besten
Fall produktiv einzusetzen, um im Interesse einer menschenfreundlichen und demokratischen Gesellschaft miteinander in
lokalen Bündnissen gegen rechtsextreme und rechtspopulistische Kampagnen anzugehen und Flüchtlinge zu unterstützen.
Ein solches Bündnis, das wir im Folgenden Willkommensbündnis nennen, besteht aus möglichst vielen lokalen zivilgesellschaftlichen Akteur_innen, die sich für eine offene demokratische Gesellschaft sozusagen vor ihrer Haustür einsetzen. Damit
wehren sie rechtsextreme und rechtspopulistische Kampagnen ab. Den Flüchtlingen wollen sie ein menschenwürdiges Leben
ohne rassistische Anfeindungen ermöglichen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Der zivilgesellschaftliche Charakter

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einer solchen Gruppe ist für das Selbstverständnis eines im besten Sinne bürgerlichen politischen Engagements wichtig,
weshalb Vertreter_innen der Kommune und der Polizei, deren professionelle Aufgabe die menschenwürdige Behandlung von
Flüchtlingen und die Abwehr antidemokratischer Kräfte ist, sehr wohl Partner_innen eines Willkomensbündnisses sein können, aber nicht deren Mitglieder.
Die hier vorgeschlagenen Willkommensbündnisse agieren in vorgegebenen Strukturen und innerhalb politischer Rahmenbedingungen. Auch wenn die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften aus Sicht der Herausgeber_innen gesellschaftspolitisch falsch ist, muss mit diesen Rahmenbedingungen umgegangen und im Interesse der Flüchtlinge vor Ort Hilfe
geleistet werden. Die Auseinandersetzung mit der deutschen und europäischen Asylpolitik ist ein politisches Arbeitsfeld, das
nicht Teil dieser Handlungsempfehlung ist.
Im kirchlichen Kontext hat die Unterstützung von Flüchtlingen eine lange Tradition und drückt sich in vielen Gruppen, wie
auch in dem inzwischen bundesweiten Verein ›Asyl in der Kirche‹ aus.
Der Titel ›Was tun, damit´s nicht brennt‹ drückt die Befürchtung aus, dass sich Ereignisse wie die rassistischen Angriffe Anfang
der 1990er Jahre in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und anderswo auch heute noch wiederholen können. Ein humaner
Umgang mit Flüchtlingen und die Gründung eines zivilgesellschaftlichen Zusammenschlusses, der diese willkommen heißt
und begleitet, ist somit auch ein wirkungsvoller Schutz vor rassistischen Ausschreitungen. Fakt ist: Rechtsextreme Gruppierungen schüren Ängste vor Flüchtlingen und die »Asylpolitik [wird] im kommenden Jahr zu einem zentralen Aktions- und
Wahlkampfthema rechtsextremistischer Parteien« * werden. Engagierte finden in dieser Handreichung Unterstützungsvorschläge für Flüchtlingee in Sammelunterkünften, Hinweise zum Umgang mit Rechtsextremen auf öffentlichen Veranstaltungen sowie einen Leitfaden für die Formierung eines breiten kommunalen Willkommensbündnisses.
* Deutscher

B u n d e s t a g , 1 8 . Wa h l p e r i o d e (1 8 .1 2. 2 0 1 3 ) : P r o t e s t e u n d Ü b e r g r i f f e v o r F l ü c h t l i n g s u n t e r k ü n f t e n, D r u c k s a c h e 1 8/ 2 03.
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Gründe für eine Flucht aus der eigenen Heimat können vielfältig sein, niemand flieht jedoch freiwillig: Armut, Hunger, Krieg,
Verfolgung, staatliche Repressionen und Klimaveränderungen sind nur einige Beispiele von Fluchtmotiven. Nur die Allerwenig­
sten erreichen ein reiches Industrieland wie die Bundesrepublik Deutschland. Doch auch nach der Ankunft bleiben Hindernisse: Flüchtlinge müssen sich trotz ihrer Fluchtgeschichte und nicht selten traumatischen Erlebnissen an neue Begebenheiten
anpassen, jahrelang ohne Arbeitserlaubnis leben, ungeklärten Aufenthaltsstatus und Beschränkungen der Bewegungsfreiheit
hinnehmen oder werden im schlimmsten Fall wieder ausgewiesen. Dazu kommen begründete Ängste vor den sich in Deutschland wieder häufenden rassistischen Anfeindungen und gewalttätigen Angriffen auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte.

rassistischer mobilisierung entschieden entgegentreten
Hetze gegenüber Asylbewerber_innen ist ein thematischer Schwerpunkt rechtsextremer Parteien und Initiativen. Die Ausgrenzung von Asylsuchenden wird allerdings auch teilweise im sogenannten bürgerlichen Lager propagiert.
Rechtsextreme Strukturen haben eine Strategie in Bezug auf Sammelunterkünfte für Flüchtlinge entwickelt und versuchen
damit direkte Anwohner_innen für ihre rassistischen Positionen zu gewinnen. Ob in Berlin-Hellersdorf, in Duisburg oder dem
sächsischen Schneeberg – die Vorgehensweise bleibt stets dieselbe: Getarnt als Bürgerinitiative, jedoch im Hintergrund gut
vernetzt und organisiert durch Rechtsextreme, behaupten sie, die Meinung der Anwohner_innen zu vertreten. Durch den
Hinweis auf fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten gaukeln sie der Öffentlichkeit vor, kommunale politische Entscheidungen
demokratisch verändern zu wollen. Die rassistische Absicht dieser Strategie ist eindeutig auszumachen, denn die fehlende

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Beteiligung wird ausschließlich beim Bau einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge beklagt, kaum aber bei anderen kommunalen Entscheidungen. Die »Bürgerinitiativen« benutzen oft vorhandene Ohnmachtsgefühle und Unzufriedenheiten der Anwohner_innen gegenüber staatlichem und kommunalem Handeln. [Pro Menschenrechte Contra Vorurteile]
Erschreckend ist der Erfolg, den rechtsextreme Bewegungen mit dieser Masche in vielen Kommunen verzeichnen können,
zumindest solange kein starkes zivilgesellschaftliches Gegenbündnis existiert. Soziale Ängste, politische Unzufriedenheit,
Ressentiments, Vorbehalte und gruppenspezifisch menschenfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung werden gebündelt
und rassistisch aufgeladen artikuliert.
Die Arbeit gegen diese rechten Initiativen ist ein sehr wichtiges aber auch schwieriges Unterfangen: Rechtsextreme Wortführer_innen sind oftmals rhetorisch geschult und sie lassen sich nur zum Schein auf inhaltliche Auseinandersetzungen mit
Mitgliedern von Willkommensbündnissen ein. Die vorgeblichen Argumente entpuppen sich bei näherem Hinsehen allzu oft als
rhetorische Tricks, mit denen das Gegenüber mundtot gemacht werden soll.
Des Weiteren funktioniert die rechtsextreme Mobilisierung in hohem Maße durch Diffamierungskampagnen gegenüber einzelnen zivilgesellschaftlichen Akteur_innen. Dies dient als Selbstvergewisserung im eigenen Unterstützungskreis, stellt aber
gleichzeitig einen Einschüchterungsversuch politisch Andersdenkender dar. Gerade diese perfide Strategie macht eine direkte
und ernsthafte Auseinandersetzung mit den Anwohner_innen der Sammelunterkünfte durch das Willkommensbündnis notwendig. In privaten Gesprächen aber auch in öffentlichen Veranstaltungen darf die Deutungs- und Argumentationshoheit
nicht rechtsextremen und rassistischen Gruppierungen überlassen werden. [Informationen zur Organisation öffentlicher Veranstaltungen]

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Ein entscheidendes Aktionsfeld rechtsextremer Bewegungen sind soziale Netzwerke wie beispielsweise Facebook und Twitter.
Das Internet begünstigt auf mehreren Ebenen die rassistische Propaganda: Nur wenige Personen müssen sich hierdurch der Öffentlichkeit präsentieren, die Vernetzung mit ähnlichen Zusammenschlüssen im gesamten Bundesgebiet ist erheblich erleichtert
und die Anwohner_innen werden anonym und in extrem einfacher Weise an rechtsextreme Gruppen herangeführt. Ein hoher
Organisationsgrad im Internet erleichtert es außerdem für Demonstrationen und Kundgebungen zu mobilisieren. Es ist wichtig, dass Willkommensbündnisse dieser Entwicklung etwas entgegensetzen und dass in sozialen Netzwerken Alternativen
geschaffen und die rechtsextremen Hetzseiten beobachtet werden, um dagegen vorzugehen. [Facebookseite Hellersdorf hilft]
Sollte eine rassistische Mobilisierung im Umfeld der Sammelunterkunft in Form von Demonstrationen stattfinden, müssen
Gegen­a ktionen organisiert werden, um den Flüchtlingen und anderen Anwohner_innen zu verdeutlichen, dass es sich nicht
um die vor Ort vorherrschende Meinung handelt. Je nach Situation eignet sich hierfür eine Gegendemonstration, eine dauerhafte Mahnwache oder eine Kundgebung vor der Sammelunterkunft. Dabei ist stets die Situation der Flüchtlinge zu bedenken.
Sie sollten in jeder Phase über geplante Schritte informiert werden. [Organisation einer Demonstration]

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rassist _ innen sind nicht immer die anderen
– angst und ausgrenzung
In der wissenschaftlichen Studie ›Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012‹ wurde herausgearbeitet, dass ungefähr ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung rassistischen Äußerungen zustimmt. Die Autor_innen
schlussfolgern hieraus, dass »Ausländerfeindlichkeit als ›Einstiegsdroge‹ in den Rechtsextremismus […] extrem weit verbreitet« * ist.
Es sind nicht immer nur bekennende Rechtsextreme, die durch Hetze gegenüber Flüchtlingen und deren Sammelunterkünfte auffallen. Es kann ebenfalls der befreundete Nachbar oder die angesehene Politikerin einer demokratischen Partei sein.
Der Unterschied liegt in der Gewaltbereitschaft: Menschen, die sich selbst als Demokrat_innen wahrnehmen, würden keine
gewalt­tätigen Anschläge ausführen. Durch die »Das-Boot-ist-voll«-Rhetorik bestätigen und bekräftigen sie jedoch gewalttätige
Rechtsextreme in ihren Aktionen.
Diskussionen über vermeintliche Angst vor Flüchtlingen gilt es immer kritisch zu hinterfragen. Es existiert keine ernstzunehmende Statistik, die beispielsweise ein Anstieg der Kriminalität um Sammelunterkünfte von Flüchtlingen in irgendeiner Weise nachweist. Solche Behauptungen basieren auf rassistischen Einstellungen und dienen dazu, Anwohner_innen gegenüber
Flüchtlingen aufzuhetzen. Demgegenüber stehen aber durchaus berechtigte Ängste innerhalb der Bevölkerung, beispielsweise
die Angst vor einem sozialem Abstieg oder der eigenen Arbeitslosigkeit. Diese Befürchtungen haben jedoch nichts mit Flücht* D e c k e r,

O l i v e r/ K i e s s , J o h a n n e s / B r ä h l e r, E l m a r : D i e M i t t e i m U m b r u c h . R e c h t s e x t r e m e E i n s t e l l u n g e n i n D e u t s c h l a n d 2 0 12,

D i e t z -Ve r l a g 2 0 12, S . 3 4 .
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lingen oder deren Sammelunterkünften zu tun. Sie werden erst durch rassistische Argumentationsmuster mit der Fluchtthematik verbunden. In Diskussionen müssen die Ängste der Bevölkerung von der Fluchtthematik getrennt werden. Hilfreich
ist hierbei, direkt nach den Ängsten der Menschen zu fragen und sie anschließend darauf hinzuweisen, dass diese durchaus
unabhängig von den Flüchtlingen bestehen.

kommunal analysieren und handeln
Die Arbeit von Willkommensbündnissen ist nur sehr selten über die kommunale Ebene hinaus bekannt. Trotzdem prägen sie
als Positivbeispiel die örtliche Meinungsbildung.
Trotz der vielen schon bestehenden Positivbeispiele von Willkommensbündnissen, werden Diskussionen über Flüchtlinge in
der Politik immer wieder rassistisch aufgeladen. Hiermit einher geht die Wahrnehmung der Anwohner_innen, die sich vieler­
orts bedeutend von den eigentlichen Fakten unterscheidet. Schätzungen des Flüchtlingsrats Berlin sagen beispielsweise, dass
Ende 2013 rund 15.000 Personen mit Flüchtlingsstatus in Berlin lebten, * was einen prozentualen Anteil von weniger als 0,5
Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt ausmachte. Dies ist ein verschwindend kleiner Anteil und diese Zahl steht in keinem
Verhältnis zur oftmals stattfindenden Hetze gegenüber Flüchtlingen. Ein Willkommensbündnis sollte deshalb individuelle Vorurteile und rassistische Äußerungen mit Verweis auf tatsächliche Faktenlage widerlegen und vor Ort hierüber mit den Leuten
diskutieren. Überzeugte Rassist_innen lassen sich durch Argumente nicht umstimmen. Dagegen lassen sich bei Personen, die
* Siehe

F l ü c h t l i n g s r a t B e r l i n e .V. : Wo h n e n f ü r F l ü c h t l i n g e i n B e r l i n – S a m m e l u n t e r k ü n f t e o d e r M i e t w o h n u n g e n ? , h i e r : S . 4 .

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nicht über ein geschlossenes Weltbild verfügen mitunter Widersprüche aufzeigen, die zum Abbau rassistischer Einstellungen
führen können. Dies zeigte sich im Sommer 2013, als antirassistische Aktivist_innen über mehrere Tage eine Mahnwache
vor einer Sammelunterkunft von Flüchtlingen in Berlin-Hellersdorf abhielten und etliche Diskussionen mit Anwohner_innen
führten.
Es ist wichtig, so früh wie möglich gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, einem Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus oder einer Flüchtlingsinitiative, eine ehrliche örtliche Analyse des rassistischen Potentials innerhalb
der Kommune durchzuführen. Hierdurch kann festgestellt werden, inwieweit eine Mobilisierung gegen die Sammelunterkunft
möglich erscheint, was dem entgegen gestellt werden kann und welche Akteure bei der Bildung eines Willkommensbündnisses
einbezogen werden sollten. [Refugees Welcome - gemeinsam Willkommenskultur gestalten]

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flüchtlinge begleiten und deren beteiligung ermöglichen
Das Wohlergehen der Flüchtlinge steht im Mittelpunkt jedes Willkommensbündnisses. Es muss genau abgewogen werden,
welche Aktionen und Bemühungen den Flüchtlingen helfen und welche – auch gutgemeinte – Aktion weniger sinnvoll ist.
Dafür muss ein direkter Austausch zwischen dem Willkommensbündnis und den Flüchtlingen stattfinden. Oft ist in diesem
Zusammenhang die Leitung der Sammelunterkunft von großer Bedeutung, da sie dem Bündnis als erstes Informationen über
Herkunft, Geschichte und Befinden der Flüchtlinge zur Verfügung stellen kann und festangestellte Dolmetscher_innen für sie
arbeiten. Die Leitung der Sammelunterkunft sollte das Unterstützungsangebot des Willkommensbündnisses nicht behindern
und ihnen unbürokratischen Zugang zur Unterkunft ermöglichen.
Für das Willkommensbündnis ist zentral, Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und für die Flüchtlinge so bald wie möglich Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen.
So unterschiedlich die Fluchtgründe, so unterschiedlich sind auch die Flüchtlinge. Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit
verschiedenen Bildungsabschlüssen, unterschiedlichen politischen Einstellungen sowie Erwartungen und Bedürfnissen müssen in Sammelunterkünften auf engem Raum zusammen leben.
Fast alle Flüchtlinge brauchen direkt nach der Ankunft Unterstützung bei Behördengängen, Rechtsberatung und Sprachkurse.
Die jeweils weiteren konkreten Bedürfnisse unterscheiden sich aber von Mensch zu Mensch. Eine direkte Kommunikation über
Wünsche und Möglichkeiten ist daher unerlässlich. Sollte dies aus sprachlichen Gründen nicht möglich sein, ist es ratsam auf
die Übersetzer_innen und Sozialarbeiter_innen der Unterkunft oder auf Übersetzungsangebote externer Initiativen zurückzugreifen.

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formierung eines breiten willkommensbündnisses
Ein zivilgesellschaftliches Willkommensbündnis für Flüchtlinge hat umso höhere Erfolgschancen, je mehr Initiativen, Verbände, Einrichtungen und Einzelpersonen hieran beteiligt sind und je mehr örtliche Entscheidungsträger_innen außerhalb
von Verwaltung und Politik eingebunden werden können. Das Wohl der Flüchtlinge sollte nicht aufgrund von politischen Meinungsverschiedenheiten in Gefahr gebracht werden, weswegen ein gemeinsamer offen gehaltener Grundkonsens von großer
Bedeutung ist. Dies kann heißen, sich mit Menschen an einen Tisch zu setzen, deren Glauben oder Weltanschauung man nicht
teilt. Dies kann auch bedeuten, dass radikalere und weniger radikale Denk- und Handlungsansätze sich nicht gegenseitig ausgrenzen, sondern das Gespräch und einen pragmatischen Konsens suchen.

möglicher grundkonsens eines willkommensbündnisses
h »Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.«
(Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)
h Das Wohl der Flüchtlinge steht im Mittelpunkt der Arbeit.
h Alle Beteiligten grenzen sich gegen jede Form von Rassismus und anderer
gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ab.
h Die Bündnismitglieder unterstützen die Flüchtlinge in unterschiedlicher Art und Weise. Im Bündnis befinden sich Menschen mit verschiedenen Motivlagen und Aktionsformen. Diese werden von allen Beteiligten anerkannt, akzeptiert und bei Bedarf oder gar Konflikt miteinander
besprochen mit dem Ziel, gemeinsam weiter zu arbeiten.

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Das entschiedene Entgegentreten gegen Rassismus und der Kampf für eine humanere Flüchtlingspolitik ist im Wesentlichen
die Aufgabe der Menschen, die seit längerem in dieser Gesellschaft leben. Flüchtlinge sollten nicht für politische Forderungen
instrumentalisiert werden, die nicht ihre Forderungen sind.
überprüfung der eigenen motivlage – meine rolle im willkommensbündnis
Im Engagement innerhalb eines Willkommensbündnisses gilt dasselbe wie in allen anderen Bereichen: Jeder Mensch hat ganz
persönliche Erwartungen und Interessen. Das Bedürfnis zur Unterstützung von Flüchtlingen kann beispielsweise im eigenen
Reichtum oder den eigenen Privilegien begründet sein, es kann einen religiösen oder philosophischen Antrieb haben oder
aufgrund eines historischen Verantwortungsbewusstseins erwachsen sein. Die Bewusstmachung der eigenen Motivlage ist in
einem Willkommensbündnis von besonderer Wichtigkeit, da die Überprüfung eigener Handlungserwartungen in Diskussionen
innerhalb des Bündnisses und bei der Begegnung mit Flüchtlingen hilft. Wichtig ist, dass diese Überlegungen nicht lähmend
wirken, sondern die Qualität des eigenen Handelns stärken. Mögliche Konflikte können durch ein besseres Verständnis des
jeweils eigenen Standpunktes und der möglichen eigenen Widersprüche und Unsicherheiten entschärft werden, da dieser
nachdenkliche Blick aufs Eigene die Toleranz für andere erhöht.

mitglieder eines willkommensbündnisses
Viele Leute möchten gerne helfen, scheuen aber den ersten Schritt oder zu große Verantwortung. Erst nach einem Auftakttreffen des Bündnisses wird daher deutlich werden, wie viele kommunale Unterstützungsangebote tatsächlich existieren. Die
folgende unvollständige Auflistung stellt Gruppen und Strukturen vor, die Teil eines kommunalen Willkommensbündnisses
sein können. Anschließend folgt eine Auflistung von Akteur_innen, mit denen das Willkommensbündnis soweit möglich
kooperieren sollte. Jeder Gruppierung sind mögliche Rollen und Aufgabenfelder zugeordnet, unterschiedliche Verlinkungen

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verweisen auf konkrete Unterstützungsbeispiele aus den letzten Jahren. Sie bilden Ideen ab, die in anderen Kommunen in
abgeänderter Form übernommen werden können.

örtliche zivilgesellschaft und antirassistische initiativen
Oftmals ist die örtliche Zivilgesellschaft in Form von antirassistischen Initiativen oder einem Bündnis gegen Rechts die
tragende Säule eines Willkommensbündnisses [Netzwerk ›Refugees Welcome‹, Berlin Treptow-Köpenick]. Der Vorteil liegt in
ihrer Überparteilichkeit, dem inhaltlichen Know-how und der Erfahrung in der Arbeit mit ehrenamtlichen Unterstützer_innen. Sollten zivilgesellschaftliche Initiativen in der Kommune jedoch aufgrund anderer politischer Prozesse in Konflikt mit
weiteren wichtigen demokratischen Gruppierungen stehen, bietet es sich an, die Koordination des Willkommensbündnisses
anderen zu überlassen. Wichtig ist, dass das Bündnis durch eine für die Kommune integrative Persönlichkeit koordiniert wird,
um Spaltungen und Polarisierungen zu vermeiden.

folgende aufgaben können zivilgesellschaftliche akteure in einem willkommensbündnis übernehmen:
h Bei rassistischer Mobilisierung vor Ort:
Organisation einer dauerhaften Mahnwache
vor der Sammelunterkunft zum Schutz der Flüchtlinge
h In sozialen Netzwerken Willkommensinitiativen schaffen
und rechte Seiten beobachten [Facebook-Gruppe Moabit hilft]
h Informationen über die aktuelle Situation von Flüchtlingen vermitteln
[Vortrag am Runden Tisch für Demokratie und Toleranz in Berlin-Spandau]

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h Vorbereitung von Informationsveranstaltungen
[Keine Bühne für Rassismus – Flüchtlinge willkommen heißen]
h Kontakt zu Anwohner_innen der Sammelunterkunft herstellen
h Koordination und Durchführung von Projekten zwischen Flüchtlingen
und Anwohner_innen [interkultureller Garten]
h Koordination von ehrenamtlichen Tätigkeiten wie Sprachkursen und
Übersetzungsangeboten [Deutschunterrichts-AG von Multitude]

kirchliche zivilgesellschaft und andere religions- und weltanschauungsgemeinschaften
Religionsgemeinschaften sind vielerorts regional stark verankert. Es kann sich daher anbieten, dass sie innerhalb von Willkommensbündnissen eine koordinierende Rolle einnehmen und als vermittelnde Instanz zwischen verschiedenen Teilen des
Willkommensbündnisses agieren. Viele evangelische Kirchenleitungen haben Handreichungen zur Unterstützung von Flüchtlingen entwickelt, Kirchengemeinden vor Ort unterstützen Flüchtlinge durch Unterkunft und Solidaritätsaktionen.

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folgende konkrete unterstützung kann seitens kirchlicher zivilgesellschaft
im kontext einer sammelunterkunft geleistet werden:
h Vermittlung zwischen Politik und Zivilgesellschaft/ Polizei und Flüchtlingen
h Gottesdienste mit und für Flüchtlinge (wenn möglich in unterschiedlichen Sprachen)
anbieten [Tag der Fürbitte und des Gedenkens an die Toten an den Grenzen der EU]
h Gespräche zur Lage der Flüchtlinge mit Gemeindemitgliedern und Anwohner_innen
durchführen [Informationen der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Hellersdorf]
h (Weihnachts-)Predigt zu Flucht und Migration [Weihnachtspredigt Remberti Gemeinde]
h Heilige Schrift als Fluchtgeschichte lesen und deuten
[Gemeindebrief Kirchengemeinde Alt-Pankow]
h Räumlichkeiten für Treffen des Willkommensbündnisses zur Verfügung stellen
h Ruhe-Räume für Flüchtlinge zur Verfügung stellen
h Koordination möglicher Spendeneingänge
h Organisation von Kinderbetreuung für Flüchtlinge
h Konkrete gemeinsame Aktivitäten organisieren wie bspw. Kochveranstaltungen
oder einen Chor

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individuelles engagement
Es gibt viele Menschen, die sich keiner Gruppe oder Initiative anschließen aber konkret helfen möchten. Diese Unterstützung
sollte durch das Willkommensbündnis angenommen werden. Hierfür sollten mögliche Hilfsmöglichkeiten für individuell Engagierte beschrieben und vom Willkommensbündnis koordiniert werden. Die Koordination der Ehrenamtsarbeit ist in Willkommensbündnissen unterschiedlich geregelt. Teilweise gibt es Unterstützung durch kommunale Strukturen und deren hauptamt­
liche Mitarbeiter_innen, in anderen Bündnissen wird diese Arbeit selbstständig koordiniert. Beide Lösungsmöglichkeiten haben
Vor- und Nachteile, zu Bedenken bleibt, dass die Koordination ehrenamtlichen Engagements viel Zeit in Anspruch nimmt.
individuelle unterstützung für flüchtlinge kann folgendermaßen aussehen:
h Diskussion mit Nachbar_innenn, Freund_innen und Mitgliedern des eigenen (Sport-) Vereins,
um sie von der Notwendigkeit der Sammelunterkünfte für Flüchtlinge zu überzeugen
h Teilnahme an vom Willkommensbündnis organisierten Veranstaltungen
[Mitglieder der Initiative ›Willkommen im Westend und Anwohner_innen
verteilen Weihnachtsgeschenke]
h Begleitung eines Flüchtlings [Mentoringprogramm von Xenion]
h Deutschunterricht für Flüchtlinge
h Dem Willkommensbündnis Sachspenden zur Verfügung stellen
[Spendenaufruf der Pankower Initiative]
h Finanzspende an das Willkommensbündnis

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mögliche kooperationspartner_innen
des willkommensbündnisses
örtliche bildungseinrichtungen (schulen, volkshochschulen, hochschulen) und karitative einrichtungen
Örtliche Bildungseinrichtungen und karitative Einrichtungen verfügen durch ihre Vernetzung in der Kommune über viele
Möglichkeiten politische Prozesse und die örtliche Meinungsbildung zu beeinflussen. Gleichzeitig können sie dazu beitragen,
die Sammelunterkunft in der Kommune zu integrieren und Flüchtlingen Teilhabe an Bildungsmodulen ermöglichen.
weitere unterstützungsbeispiele:
h Konkrete politische Äußerung in Form eines offenen Briefes
zur Unterstützung der Flüchtlinge durch das Leitungspersonal
der Bildungseinrichtung
[Pressemitteilung der Alice Salomon Hochschule]
h Durchführung von Seminaren, Schulstunden oder Vorlesungen
in der Sammelunterkunft [Bericht bei ZDF-Aspekte]
h Bereitstellung von Interneträumen für Flüchtlinge
[Hochschule stellt Computerplätze zur Verfügung]
h Unbürokratische Unterstützungsangebote bei der Suche nach Kita- und
Schulplätzen ermöglichen
h Räumlichkeiten für das Willkommensbündnis bereitstellen

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politiker _ innen
Politiker_innen haben eine Vorbildfunktion. Daher ist es wichtig, dass sie in öffentlichen Reden ihre Wortwahl gut abwägen
und sich uneingeschränkt für die Sicherheit der Flüchtlinge einsetzen. Alle demokratischen Parteien müssen hierbei mit einer
Stimme sprechen, da es die Strategie von Rechtspopulist_innen ist, sich auf nicht eindeutige Meinungsäußerungen demokratischer Parteien zu berufen. Sobald Politiker_innen von demokratischen Parteien ebenfalls Rassismus schüren, steigt die
Gefahr einer Hetzkampagne gegenüber den Flüchtlingen erheblich.
folgende unterstützungsmöglichkeiten seitens politiker _ innen sind denkbar:
h Parteiübergreifend rassistische Mobilisierung gegen Sammelunterkunft verurteilen
[Aufruf aller Parteien der BVV Tempelhof-Schöneberg gegen die NPD:
›Marienfelde gehört allen Menschen‹].
h Sich vor Ort den Diskussion mit Anwohner_innen stellen
h Diskussionen und Sensibilisierung zu Rassismus in der eigenen
Partei vorantreiben
h Selbstkritische Befragung, inwieweit die eigene Partei,
bzw. einzelne Politiker_innen zu einer rassistischen
Stimmung beitragen [Aziz Bozkurt über die SPD und Sarrazin]
h Klare Garantie für die Sicherheit der Sammelunterkunft aussprechen
[Treptow-Köpenick sagt: Willkommen! – Refugees Welcome!]
h Kontakt zum Willkommensbündnis halten und gemeinsam
Strategien entwickeln

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lokale medien
Medien sind für eine diskriminierungsfreie Berichterstattung verantwortlich. Journalist_innen nehmen durch Ihre Themenauswahl Einfluss auf die Darstellung politischer Gegebenheiten. Durch Berichterstattungen können Ressentiments geschürt
oder abgebaut werden. Diese Einschätzung hat sich erfreulicherweise auch in vielen Redaktionen durchgesetzt. Als Folge ist
die heutige Berichterstattung zum Thema Flucht und Migration überwiegend eine andere als Anfang der 1990er. Dennoch
tragen Medien zur Verbreitung und Festigung rassistischer Bilder bei.

mögliche aufgabenfelder in kooperation mit dem willkommensbündnis wären:
h Rechtsextremen keine Möglichkeit geben, sich der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren;
stattdessen den Rassismus entlarven und darstellen
h Aufrufe zur Unterstützung der Flüchtlinge und des Willkommensbündnisses publizieren
h Die Flüchtlinge im Bewusstsein ihrer Privatsphäre selbst sprechen lassen
h Hintergrundberichte über die Situation in den Ländern der Flüchtlinge anfertigen
h Berichte über die Aktivitäten des Willkommensbündnisses veröffentlichen
h Gefahren benennen, die von gewaltbereiten Gegner_innen der Unterkunft ausgehen

polizei und kommunale verwaltung
Polizei und kommunale Verwaltung stehen in einem Spannungsverhältnis zu den Flüchtlingen: Sie sind von Beruf aus für den
menschenwürdigen Umgang und für deren Sicherheit, gleichzeitig aber auch für Abschiebung oder andere Formen der Umsetzung von Vorschriften und Gesetzen gegenüber Flüchtlingen zuständig. Viele Flüchtlinge haben zudem durch ihre persönli-

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chen Erlebnisse im Herkunftsland, in anderen Ländern oder in Deutschland, das Vertrauen in staatliche Strukturen verloren.
Es ist daher notwendig, verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen und traumatisierte Menschen nicht durch unnötige
Kontrollen und Bestimmungen weiter unter Druck zu setzen.

in folgender weise kann durch die kommunale verwaltung
das willkommensbündnis aktiv unterstützt werden:
h Frühzeitige Information der Zivilgesellschaft über die Planung
der Sammelunterkunft, damit diese ein Willkommensbündnis
aufbauen kann
h gemeinsame Erarbeitung eines Sicherheitskonzeptes
unter Anerkennung unterschiedlicher Expertisen und Zugänge
[Flüchtlingsrat fordert Sicherheitskonzept]
h Schulung des Wachpersonals von Sammelunterkünften
durch Expert_innen der Zivilgesellschaft, z.B. Mobile Beratungsteams
h Individuelle hilfsorientierte Anwohner_innen-Sprechstunden
durch die kommunale Verwaltung anbieten, um mögliche
Fragen der Bevölkerung in einem direkten Gespräch zu klären
[Info-Sprechstunde in Pankow]

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leitung der sammelunterkunft
Auch die Leitung der Sammelunterkunft hat eine besondere Rolle: Sie trägt die hauptamtliche Verantwortung für die Wohnsituation der Flüchtlinge. Ein reger Austausch mit dem Willkommensbündnis ist notwendig, damit Unterstützungsangebote bei
den Flüchtlingen ankommen können.
Die Leitung der Sammelunterkunft sollte folgendes beachten:
h Die Sammelunterkunft als einen Teil der Kommune betrachten und diese,
mit Rücksicht auf die Interessen der Bewohner_innen, in jener integrieren
h Anwohner_innen vor Einzug der Flüchtlinge in die Sammelunterkunft einladen
um sie über die dortige reelle Wohnsituation aufzuklären
[Wohnen für Flüchtlinge in Berlin – Sammelunterkünfte oder Mietwohnungen?]
h Dem Willkommensbündnis unkompliziert Zugang zur Sammelunterkunft ermöglichen
h Dem Willkommensbündnis bei Bedarf Dolmetscher_innen zur Verfügung stellen
h Konkrete Bitten um Unterstützung an das Willkommensbündnis herantragen
h Die Einrichtung eines – nach Möglichkeit von den Flüchtlingen betriebenen – Cafés
oder eines freundlich eingerichteten Begegnungsraums in der Sammelunterkunft ermöglichen

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örtliche firmen
Örtliche Firmen können Flüchtlinge in der Kommune unterstützen und hierdurch die Stimmung in der direkten Anwohner_innenschaft beeinflussen. Hierbei ist folgendes denkbar:
h Sich in öffentlichen Reden für eine humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen
h Informationsmaterial des Willkommensbündnisses auslegen
h Praktika, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge schaffen
h Dem Willkommensbündnis Spenden zukommen zu lassen

herausgeber _ innen:
Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus
Evangelische Akademie zu Berlin
Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin
redaktionelles impressum:
Bianca Klose, Dr. Christian Staffa (V.i.S.d.P.), Jakob Stürmann, Sebastian Wehrhahn
Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) ist ein Projekt des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin e.V.
(VDK) und wird gefördert im Rahmen des Landesprogramms »Demokratie.Vielfalt.Respekt. In Berlin – Gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus« der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen.

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Alle Rechte vorbehalten. Diese Publikation wird für nicht-kommerzielle Zwecke kostenlos zur Verfügung gestellt.
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Die Hinweise in dieser Broschüre wurden nach bestem Wissen und Gewissen formuliert. Diese Handreichung ersetzt keine
individuelle (juristische) Beratung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen übernehmen wir
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