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Full text: Rundbrief: Energetischer Umbau im Quartier Issue 5.2016

Ministerium für Infrastruktur
und Landesplanung

Ministerium
für Infrastruktur
Rundbrief:
Energetischer
und Landesplanung

Umbau im Quartier

Nr. 4 | September 2015

Rundbrief:
Energetischer
Umbau
im Quartier
Nr.
52015
| Februar 2016
Rundbrief:
Energetischer
Umbau
im Quartier
Nr. 3 | Mai
Erste Energieprojekte
im
Nach vier Jahren des energeti-

schen Umbaus im Quartier ist es
Zeit, ein erstes Zwischenfazit zu
ziehen. Wo stehen wir im Land
Brandenburg, was wurde erreicht?
Als sogenannte Schnellläufer konnten branAber auch: Was fehlt, was ist zu
denburgische Kommunen im Stadt-UmlandLiebe
Leser,
tun, Leserinnen
was wirdund
gebraucht?
Eine
Wettbewerb (SUW) bis zum 15. Juni 2015
erste Auswertung der bislang vorihren Wettbewerbsbeitrag einreichen. Bis zu
dieser Rundbrief berichtet von der erDie KfW hat ihre Förderbedingungen im Pro• Die energetischen Quartierskonzepte bilden
OLHJHQGHQ
.RQ]HSWH
¿QGHQ
6LH
25gramm
% der432
zur„Energetische
Verfügung stehenden
EU-Mittel
folgreichen Arbeit von zwei brandenStadtsanierung“
nocheine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine
in den Mittelseiten
dieses Rundkönnen
in dieserGefördert
ersten werden
Tranche
burgischen
Sanierungsmanagern
und
mals verbessert.
die vergeben
Erstellung
an der Gesamteffizienz energetischer Maßnahlegt
einen
Schwerpunkt
auf wir
verschiequartiersbezogener energetischer Konzepte und
men ausgerichtete quartiersbezogene Investibriefs.
Zusätzlich
haben
alle 13
werden.
Diedene
ersten
brandenburgischen
Städte ha- ein
merSanierungsmanagement,
ist überschaubar unddas
technische
Lö- Der
energetische
Umbau
im Quartier
Neuerungen
bei der Förderung
die Umsetzung
tionsplanung.
Aussagen
zur altersgerechten
Kommunen
mit fertigen
Quartiersbender
sichenergetischen
vor drei Jahren
aufund
denQuarWeg ge- der
sungen
können
vergleichsweise
einfach ist
eine Querschnittsaufgabe
der StadtStadtin
den
Konzepten
vorgesehenen
MaßnahSanierung
des
Quartiers
und
zum
Barriereabbau
konzepten für den 21. September
Die eingereichten Strategien beinhalten
tierssanierung,
sich in diesem
Sekmen
begleitetwerden.
und koordiniert.
im Gebäudebestand können
macht,
Quartiereda
energetisch
umzubauen.
umgesetzt
Und: Im Quartier kann entwicklungspolitik.
Um diekünftig
Städteebenso
zu
2015
zu
einem Workshop
in das
Maßnahmen und Projekte aus allen drei The- Bestandteile der Konzepte sein, wie Aussagen
tor
auf
Bundesebene
aktuell
einiges
Ziel ist es, Energie im Gebäudebereich eine zentrale Energieanlage eingerichtet unterstützen, führen wir seit drei Jahren
Ministerium
für Infrastruktur und
menfeldern:
Infrastruktur/Umwelt,
Mobilität/
getan
hat.
Zum 1. Dezember
2015 traten folgende
Neuezur Sozialstruktur des Quartiers und zu Auswireinzusparen und die Wärmeversorgung werden, die mehrere Gebäude mit Wärme regelmäßig Fachtagungen und WorkLandesplanung (MIL) eingeladen,
Energie
rungen sowie
in Kraft:Wirtschaft/Tourismus. Im The- kungen des Sanierungsmanagements auf die
weitgehend
auf hier
erneuerbare Energien
shops durch. Fachbroschüren runden das
Zu
sind
die
umnennen
mit ihnen
überinsbesondere
den erreichten
menfeld Energie werden z. B. Projekte im Be- Bewohner und Bewohnerinnen.
umzustellen.
Inzwischen
arbeiten
19
StädBeratungsangebot für die Kommunen ab.
Neuerungen
im KfW-Programm
„Ener• DieNahFörderung
der Personal- und und
Sachkosten
Arbeitsstand,
über aufgetretene
reich
und Fernwärmenetze
Solargetische
– Zuschüsse
für ein Sanierungsmanagement wird in der Regel
• Im Jahr
2016 durch
ist einediesen
Evaluierung
des KfW-Prote an
dem Stadtsanierung
Thema, 12 Quartierskonzepte
Nicht
zuletzt
Rundbrief
könProbleme und Hemmnisse und
thermie angesprochen. Beurteilt werden die
für schon
Quartierskonzepte
undsind
Saniegramms
liegen
vor, 11 weitere
in Arbeit. für einen Zeitraum von drei Jahren gewährt, sie nen
Sievorgesehen.
sich über die aktuellen Entwicküber die nächsten
gemeinsamen
Wettbewerbsbeiträge
nach
derverlängert
Qualität
rungsmanager“,
die bereits
Änderungen
in
kann jetzt aber auf bisu.zua.fünf
Jahre
Einige
Städte haben
sogenannte
lungen in Brandenburg informieren.
Schritte
zu
beraten.
der
Strategie,
der
Nachvollziehbarkeit
und Bisher haben 19 Kommunen im Land Brandender Kommunalrichtlinie und die neue
werden. Damit verbunden erhöht sich der FörSanierungsmanager
ernannt,
die
dafür
Förderung von Energieberatungen
derhöchstbetrag auf bis zu der
250.000
Euro. Die
burg das seit dem Jahr 2012 bestehende KfWRealisierungsmöglichkeit
Maßnahmen
sorgen
sollen, dass der energetische Um- Höhe des Zuschusses der KfW liegt weiterhin Neu
ist ab diesem Jahr, dass wir auch
und
Der Energie-Effizienz-Netzwerken.
energetische Umbau im Quarund nach der integrierenden Wirkung der Programm „Energetische Stadtsanierung“ in Anbau in den jeweiligen Quartieren umge- bei 65 Prozent. Allerdings kann der Eigenanteil Fördermittel
gezielt
fürKommunen
den Umbau
derim
spruch
genommen.
Sechs
haben
tier geht nun bald auch in die
sektoralen bzw. räumlichen Kooperation.
Zuwird.
den neuen Förderprogrammen des
durch eine Kofinanzierung mit StädtebauförderAnschluß ein Sanierungsmanagement
installiert.
setzt
Wärmeversorgung
in den Städten
und
Förderung. Die Schnellläufer des
Bundes und des Landes Brandenburg
mittel sehr deutlich reduziert werden.
Gemeinden einsetzen können. Hierfür
Stadt-Umland-Wettbewerbs
Die spätere Förderung der Energieprojekte
führen
wir am 22. April 2016 diehaben
VerBiomasseheizkraftwerke
– ein Europäischen
wichtiger Baustein
Der energetische Umbau im Quartier ist
stehen uns Mittel aus dem
ihre Beiträge
abgegeben,
demwird auf Grundlage der Richtlinie zur nach- Weiterführende Informationen unter:
anstaltung
„Licht im
Förderdschungel
der
Wärmewende
ein –wichtiger
Beitragder
zurenergetischen
Umsetzung der
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)
Förderinstrumente
nächst
wird die neue
Richtlinie des
haltigen Entwicklung von Stadt und Umland http://www.energetische-stadtsanierung.info
Energiestrategie
des
Landes.
Energiezur
Verfügung, die wir derzeit im Rahmen
Stadtsanierung“
Bitte merken
https://www.kfw.de/
MIL verfügbar durch.
sein. Dann
werden
(NESUR) erfolgen, die derzeit noch in der Gefördert
werden sollen insbesondere inteSie sichLVW
den
Termin
heute
schon vor.
HI¿]LHQ]
GDEHL
HLQ
ZLFKWLJHV
7KHPD
des Stadt-Umland-Wettbewerbs ausloauch EU-Mittel dazu beitragen,
Landesregierung abgestimmt wird. Im The- grierte und komplexe Maßnahmen der enerEinladung
geht Ihnen rechtzeitig
GDVDieKlX¿J
LP =XVDPPHQKDQJ
PLW GHU
ben. Ich würde mich freuen, wenn mögdie
Wärmewende
in
brandenburgiSanierung von städtischen Quarvor der Veranstaltung
zu. wird. Der Um- menfeld Energie sind gegenwärtig folgende getischen
Stromerzeugung
diskutiert
lichst viele Kommunen von der Möglichschen Kommunen voranzubringen.
Fördergegenstände vorgesehen:
tieren auf der Grundlage geeigneter Konbau der Wärmeversorgung spielt bislang
keit Gebrauch machen, in ihren jeweiligen
]HSWH]XU9HUEHVVHUXQJGHU(QHUJLHHI¿]LHQ]
eineMiteher
untergeordnete
Rolle,
ist
aber
Wettbewerbsbeiträgen auch energiebeGrüßen
Mitfreundlichen
freundlichen
Grüßen
ƒ +RFKHI¿]LHQWH.UDIW:lUPH.RSSOXQJV
und zum Einsatz von erneuerbaren Energien.
ebenso wichtig für das Gelingen der Enerzogene Projekte vorzuschlagen. Wir wolAnlagen
Gebäudebezogene Einzelmaßnahmen wergiewende. Bei der Unterzeichnung der
len die ambitioniertesten und innovativsƒ Energiezentralen zur Wärmeerzeugung
den nicht gefördert. Die Förderung von MobiKooperationsverträge mit den vier Städten Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur
ten Vorhaben mit EU-Mitteln fördern und
auf Basis erneuerbarer Energien
litätsprojekten erfolgt nach einer gesonderten
Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder), Witt- und Landesplanung (Foto: Die Hoffotografen)
so die Wärmewende vor Ort voranbringen.
ƒ (QHUJLHHI¿]LHQWH)HUQZlUPHXQG)HUQNlOWH Richtlinie.
stock/Dosse und Wittenberge habe ich
ƒ Pilotvorhaben zum Einsatz neuartiger
deutlich gemacht, dass die Senkung der YHUVRUJW'LHVLVWLQGHU5HJHOHI¿]LHQWHU
Zu Ihrer weiteren Unterstützung stehen
Technologien zur Erzeugung, Speicherung
Abgabetermin des SUW für alle KommuSegebade
COFrank
-Emissionen
auch
für
die
brandenburpreiswerter
und
umweltschonender
als
Ihnen die Kolleginnen und Kollegen aus
2
Frank Segebade
und Nutzung von Wärme und Kälte
nen, die sich nicht als Schnellläufer beteiLeiterKommunen
des Referats eine
22 – Bautechnik,
KfW-Programm 432
erweitert den energetischen
Sanierungsprozess
vom
Einzelgebäude
hin zum
gischen
wichtige Aufgabe Das
gebäudebezogene
Einzelhausanlagen
zu meinem
Haus sowie
aus
der Kontaktstelle
Leiter des
Referats
22 – Bautechnik,
ligt haben, ist der 31. Oktober 2015.
Energie,
Bauund
Stadtkultur
Quartier.
ist. Dabei spielen die Quartiere eine wich- installieren. Ein Beispiel ist der neue
Spei- „Energetischer Umbau im Quartier“ gerne
Quelle: Begleitforschung Energetische Stadtsanierung / BBSR / BMUB
Energie, Bau- und Stadtkultur
tige Rolle: Auf der Quartiersebene kennt cher, der zukünftig Gebäude in Potsdam zur Verfügung.
man sich, die Zahl der Gebäudeeigentü- mit Wärme versorgen soll.

Stadt-Umland-Wettbewerb

Der energetische Umbau
im Quartier
– eine wichtige
Neuerungen
im KfW-Programm
432
Aufgabe des Ministeriums
für Infrastruktur
„Energetische
Stadtsanierung“
und Landesplanung



Rundbrief: Energetischer Umbau im Quartier

Was macht eigentlich ein Sanierungsmanager?
Interview mit Uwe Brenner und Matthias Bärmann,
Sanierungsmanager in Finsterwalde und in Guben
Im Rahmen des KfW-Programms 432 „Energetische Stadtsanierung“ besteht die Möglichkeit, neben der Erstellung eines energetischen
Quartierskonzeptes auch die Tätigkeit eines Sanierungsmanagers zu fördern. Seit dem 1. Dezember 2015 können Sanierungsmanager sogar
über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren gefördert werden. Bisher haben im Land Brandenburg
sechs Kommunen die Fördermöglichkeiten der
KfW für Sanierungsmanager genutzt. Welche
Aufgaben nehmen sie wahr? Wir haben bei zwei
Sanierungsmanagern nachgefragt.

Herr Brenner, Sie sind seit einem
Jahr Sanierungsmanager für die Innenstadt Finsterwalde. Was sind Ihre
wesentlichen Aufgabenfelder? Welche Ziele verfolgen Sie?
Herr Brenner: Das Team besteht aus dem
Büro Complan und der DSK als Sanierungsmanager und Sanierungsträger, weil wir zugleich
auch Förderprogrammkulisse im Programm ASZ
sind. Das Gebiet in Finsterwalde ist sehr heterogen und aufgrund der Kleinteiligkeit der Baustrukturen gibt es eine hohe Anzahl an Eigentümern. Um frühzeitig viele dieser Eigentümer zu
erreichen, gab es ein offenes Bürgerforum, in
dem der Sanierungsmanager und die Beteiligten
vorgestellt wurden. Dieses Bürgerforum wurde
mit wechselnden energetischen Schwerpunkten fortgeführt. Zu Eigentümern von Gebäuden
mit Sanierungsrückstand, die nicht beim Bürgerforum waren, wurde ganz gezielt Kontakt
aufgenommen. Unsere Aufgabe sehen wir in

Innenstadt von Finsterwalde, Quelle: B.B.S.M.

Herr Uwe Brenner

Herr Matthias Bärmann

DSK Cottbus: Sanierungsträger Innenstadt Finsterwalde
Energetisches Sanierungskonzept von complan
Kommunalberatung, Dezember 2013

Bärmann und Partner: Sanierungsmanager
Hegel­straße in Guben
Integriertes, energetisches Quartierskonzept
von DSK, November 2013

der Erstberatung von Eigentümern und in der
Entwicklung eines Netzwerks von verschiedenen
Fachleuten, die in der Lage sind, Eigentümer zu
beraten. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Stadt. Ziel ist ein Netzwerk von unterschiedlichen Experten, die auf die individuellen
Wünsche und Situationen der Privateigentümer
eingehen. So begleiten wir die Eigentümer bei
der energetischen Sanierung und bauen Umsetzungshürden ab.

im Mai 2014. Hier haben wir uns das erste Mal
der Bevölkerung vorgestellt und gleich eine sehr
positive Resonanz erfahren. Wir haben uns dann
im weiteren Verlauf mit dem vorliegenden Quartierskonzept auseinandergesetzt und folgenden
Schwerpunkte definiert: Öffentlichkeitsarbeit,
CO2-Reduzierung durch Ausbau der Nahwärmeversorgung, Erneuerung der Straßenräume
und der Beleuchtung, Freiraum und Mobilität.
Letztlich sind wir für die Umsetzung des Quartierskonzeptes verantwortlich. Und das erreichen
wir durch Kommunikation, Moderation und das
Wachhalten von Interesse. Als Ziel haben wir
uns gesetzt, nach drei bis fünf Jahren eine spürbare CO2-Reduzierung im Quartier nachweisen
zu können.

Herr Bärmann, Sie sind seit fast zwei
Jahren Sanierungsmanager im Quartier Hegelstraße in Guben. Was sind
Ihre Aufgaben?
Herr Bärmann: Das Gebiet befindet sich in
der westlichen Altstadt von Guben und besteht
größtenteils aus Blockrand- und Zeilenbebauung.
Begonnen haben wir mit einem Tag der offenen
Tür in der Grundschule Friedrich-Engels-Straße

Wer sind ihre Partner bei der Umsetzung des energetischen Quartierskonzeptes? Wen binden Sie in Ihre
Arbeit mit ein?
Herr Brenner: Wichtige Partner bei der Umsetzung des Konzeptes sind Fachleute aus der
Region, die Stadtwerke als zentraler Versorger
und die Verbraucherzentrale.
Es wurde eine sog. Energieeffizienz-Experten­
liste erstellt, in die sich jeder, der Fachplaner ist
und Interesse hat, eintragen kann. Diese Liste
wird den Eigentümern zur Verfügung gestellt.
Teilweise begleiten wir Eigentümer auch bei Gesprächen mit Fachplanern. So erhalten wir eine
direkte Rückkopplung zu möglichen Maßnahmen
und können weitere Schritte mit den Eigentümern
planen. Wir möchten vor allem die Multiplikatoren, z. B. die Hausverwaltungen, erreichen um
einen größeren Bündelungseffekt zu erzielen.
Herr Bärmann: Die Beteiligten bei uns sind
zum einen die Wohnungseigentümer (d. h. die

Nr. 5 | Februar 2016
Wohnungsgesellschaft GUWO, die Genossenschaft GWG und private Eigentümer) und zum
anderen der Energieversorger EVG und die
Stadt Guben. Die Zusammenarbeit beruht auf
Kooperationsverträgen, um sicherzustellen,
dass bei geplanten Vorhaben ein frühzeitiger
Austausch stattfindet. In regelmäßigen Abständen sitzen alle Partner zusammen am Tisch und
besprechen, welche Schritte anstehen und wie
die konkrete Umsetzung des Quartierskonzeptes
erfolgen kann.
Wie schaffen Sie es die Eigentümer
nicht nur auf das Thema der energetischen Sanierung aufmerksam
zu machen, sondern sie auch für die
Umsetzung zu gewinnen?
Herr Brenner: Wir wissen, dass ein langer
Atem erforderlich ist. Daher sind wir bemüht,
immer wieder neue Akzente zu setzen. Aktuell
befinden wir uns in der Vorbereitung eines energetischen Stadtspaziergangs, bei dem verschiedene energetisch besonders gut sanierte Objekte
vorgestellt werden. Damit sollen Erfahrungen
aufgezeigt und ein praktischer Bezug hergestellt
werden. Vor Ort sind dann die jeweiligen Fachplaner, die direkt angesprochen werden können.
Dies dient wiederum dem Abbau von Hürden.
Herr Bärmann: In Guben haben wir es einerseits etwas einfacher, da es im Quartier drei
große Eigentümer gibt. Andererseits verfolgen
diese natürlich jeweils ganz eigene Interessen,
das heißt: Maßnahmen zur Umsetzung müssen
in erster Linie wirtschaftlich sein. Wir versuchen
jeweils eine Abwägung zwischen dem energetischen Optimum und dem wirtschaftlich Vertretbarem.
Ein Vorteil ist, dass wir hier ansässig sind und
die Mitarbeiter des Büros in Guben wohnen, das
erleichtert die Zusammenarbeit: Es ist einfach
authentischer und davon profitieren wir.
Welchen Umsetzungszeitraum streben Sie an?
Herr Brenner: Um sich den Zielen des
Landes anzunähern, muss die Sanierungsrate erhöht werden. Im Fall der Innenstadt von
Finsterwalde bedeutet das eine Sanierung von
fünf bis sechs Gebäuden im Jahr. Aufgrund der
heterogenen Struktur ist es schwierig eine Prognose zu erstellen. Wir werden nach einem Jahr
Bilanz ziehen und prüfen, wie viele Eigentümer
erreicht wurden. Zudem wollen wir von sanierten
Objekten die Energiedaten erfassen, um realistische Werte zur Bestimmung der tatsächlichen
Einspareffekte zu sammeln.
Uns geht es darum, in der Zeit, in der wir präsent
sind, ein starkes Netzwerk aufzubauen, damit die
energetische Sanierung mit ihren Zielen dauerhaft weiterverfolgt wird.

Herr Bärmann: Wir sind, was die Umsetzung
der Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept
betrifft, anfangs sehr optimistisch an die Aufgabe herangegangen. Doch angesichts der derzeit
niedrigen Energiepreise ist es schwierig, das Interesse am Thema bei allen Beteiligten aufrecht
zu erhalten. Dennoch versuchen wir den Aufbau
einer Nahwärmeversorgung im Quartier weiter
voranzubringen. Ob und wann uns dies gelingt,
hängt davon ab, ob es für die Eigentümer wirtschaftlich ist. Ohne Fördermittel wird dies nicht
gelingen. Derzeit prüfen wir, welche Fördermöglichkeiten bestehen und zu welchem Preis wir die
Nahwärme anbieten können. Ich hoffe auf einen
fairen Interessensabgleich und darauf, dass die
Wohnungseigentümer die Entwicklung mittragen.
Nur dann kann das Konzept am Ende aufgehen.
Vor welchen Problemen stehen Sie
bei der Umsetzung des energetischen
Quartierskonzeptes? Was wünschen
Sie sich, um die Umsetzung zu erleichtern?

Herr Bärmann: Das Thema der Energie- und
CO2-Einsparung steht bei den meisten Eigentümern nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Wir
müssen dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit
steigt und kein Geld in Gebäude und Quartiere investiert wird, bevor nicht auch aus energetischer
Perspektive „grünes Licht“ gegeben wurde.
Wenn Sie anderen Städten einen Rat
geben sollen, wozu brauchen die
Kommunen einen Sanierungsmanager? Was können Sie leisten, was die
Kommune selbst nicht kann?
Herr Brenner: Es geht nicht nur um die eigentliche Sanierung, sondern vielmehr um eine
ganzheitliche Planung. Die wenigsten Städte
können die notwendige Beratung selbst leisten
– nicht unbedingt fachlich, sondern vielmehr zeitlich. Gerade in einem heterogenen Gebiet ist die
Beratung der Eigentümer ein wichtiger Schwerpunkt, der aber sehr zeitintensiv ist.
Als Rat kann ich folgendes mitgeben: Von der

Hegelstraße in Guben, Quelle: B.B.S.M.

Herr Brenner: Viele Eigentümer haben sich
mit dem Thema der energetischen Sanierung
noch nicht auseinandergesetzt. Der hohe Sanierungsrückstau einzelner Gebäude hat jeweils
spezifische Gründe, die eine Sanierung oft erst
nach einem Eigentümerwechsel ermöglichen.
Diese Prozesse können wir unterstützen, doch
sie erfordern Durchhaltevermögen. Andere Eigentümer, die an dem Thema dran sind, setzen
meist nur kleine Maßnahmen um. Hier könnten
zusätzliche Förderanreize helfen, dass sie sich
für innovativere und energieeffizientere Lösungen entscheiden.
Bei gewerblich genutzten Gebäuden haben wir
in der Anfangsphase die Umstellung der Beleuchtung auf LED unterstützt. Für die Gewerbetreibenden gab es hier schnell eine sichtbare
Ersparnis. Oftmals haben Eigentümer bei umfassenderen Maßnahmen aber noch kein Vertrauen,
dass die Einspareffekte die zusätzlichen Investitionskosten rechtfertigen. Hier bauchen wir gute
vorzeigbare Beispiele.

Entwicklung eines energetischen Quartierskonzeptes bis zu ersten Umsetzungsschritten durch
einen Sanierungsmanager sollte nicht zu viel Zeit
vergehen, da sonst Daten veralten und Kontakte
versanden. Dies würde bedeuten, dass man
Schritte erneut durchlaufen muss, was für die
Beteiligten nicht immer nachvollziehbar ist.
Herr Bärmann: Die Stadt übernimmt die administrativen Aufgaben und wir übernehmen die
technische Umsetzung. Um die energetischen
Ziele zu erreichen bedarf es einer konkreten Planung und damit einem gewissen Know-How und
das gelingt nur über ein Netzwerk von mehreren
Leuten. Das Thema der CO2-Reduzierung ist so
facettenreich, dass es schwierig ist, dies an einer Person in der Stadtverwaltung festzumachen
und das ist auch nicht notwendig, denn dafür gibt
es ja die Sanierungsmanager. Unsere Aufgabe
ist es, diese unterschiedlichen Stränge zusammenzubinden und sie kontinuierlich im Gespräch
zu halten.





Rundbrief: Energetischer Umbau im Quartier

Nr. 5 | Februar 2016

Bessere Förderung für kommunalen Klimaschutz
- Kommunalrichtlinie 2016/2017 veröffentlicht
Seit Sommer 2008 fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) auf Basis der „Richtlinie zur
Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen,
kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im
Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative“
(Kommunalrichtlinie) Klimaschutzprojekte in
Kommunen. Bislang wurden deutschlandweit
über 8.000 Vorhaben gefördert.
Mit dem „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“
wurden jetzt zusätzliche Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beschlossen. Die neue Kommunalrichtlinie ist ein wichtiger
Schritt auf diesem Weg und bietet nun noch mehr
Handlungsmöglichkeiten. Deutlich verstärkt wurde die investive Förderung bspw. zur Umrüstung
der Straßenbeleuchtung auf LED. Für Maßnahmen in Kindertagesstätten, Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Sportstätten und Schwimmhallen wurden höhere Förderquoten beschlossen.
Gefördert werden bspw. die Sanierung bzw. der
Austausch von Lüftungsanlagen, die Umrüstung
der Beleuchtung auf LED, die Erneuerung ge-

bäudetechnischer Anlagen in Schwimmbädern
und Turnhallen. Die Förderung finanzschwacher
Kommunen wurde ebenfalls deutlich verbessert.
Neue Fördermöglichkeiten gibt es außerdem für
die nachhaltige Mobilität. So wird die Errichtung
verkehrsmittelübergreifender Mobilitätsstationen,
die Einrichtung von Wegweisungssystemen für
den Radverkehr, die Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur (Lückenschluss durch Radwege, Fahrradstraßen, Radschnellwege oder
Radfahr- und Schutzstreifen), die Umgestaltung
von Knotenpunkten sowie die LED-Beleuchtung
der neu errichteten Radwege und die Errichtung
von Radabstellanlagen an Verknüpfungspunkten
mit bis zu 50 Prozent gefördert.
Daneben bleibt das bewährte Förderangebot
bestehen: von der Einstiegsberatung über die
Erstellung und Umsetzung von Klimaschutzkonzepten bis hin zu investiven Maßnahmen.
Anträge auf Förderung können bis zum 31. März
2016 und dann wieder zum 30. September 2016
beim Projektträger Jülich gestellt werden.

Die wichtigsten Änderungen
im Über­­blick:
•	 erhöhte Förderquoten für Investitionen in
Klimaschutzprojekte finanzschwacher Kommunen
•	 Sanierung von Außen-, Straßenbeleuchtungs- und Lichtsignalanlagen durch LEDBeleuchtung wird wieder gefördert
•	 Sanierung und Austausch raumlufttechnischer Geräte wird bezuschusst
•	 erhöhte Förderquoten bei Klimaschutzinvestitionen in Kindertagesstätten, Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Sportstätten und
Schwimmhallen
•	 erweiterte Förderung nachhaltiger Mobilität,
insbesondere Radverkehr
•	 neues Starterpaket für die pädagogische Arbeit und geringinvestive Maßnahmen

Weiterführende Informationen unter:
http://www.klimaschutz.de

Richtlinie „Energieberatung und
Energieeffizienz-Netzwerke“ novelliert
Zum 1. Januar 2016 wurde die Richtlinie zur
Förderung von Energieeffizienz-Netzwerken
von Kommunen und gemeinnützigen Organisationen novelliert. Wesentliches Handlungsfeld der
Richtlinie ist die Steigerung der Energieeffizienz
im öffentlichen Bereich. Damit soll ein Beitrag
zum Klimaschutz geleistet werden, gleichzeitig
wird die Übernahme einer Vorbildfunktion bei
der Steigerung der Energieeffizienz und der Senkung des Energieverbrauchs durch die Kommunen angestrebt.

Die Richtlinie unterstützt die Energieberatung in
den folgenden Bereichen:
• Energieeffizienz-Netzwerke in Kommunen
Gefördert wird die Einrichtung und Betreuung
von Energieeffizienz-Netzwerken auf kommunaler Ebene. Netzwerk- und Energieexperten
sollen diese Energieeffizienz-Netzwerke initiieren, geeignete Maßnahmen zur Minderung des
Energieverbrauchs identifizieren und deren Umsetzung begleiten.

Brandenburger Kontaktstelle für den
Energetischen Umbau im Quartier
Ihre Ansprechpartner:
Prof. Dr. Heike Liebmann
Franziska Bathmann
B.B.S.M. Brandenburgische Beratungsgesellschaft für
Stadtentwicklung und Modernisierung mbH
0331 - 289 970
kontaktstelle-energie@bbsm-brandenburg.de

Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg:
Kirsten Kleinheyer
Referat 22 - Bautechnik, Energie, Bau- und Stadtkultur

0331 - 866 8187
kirsten.kleinheyer@mil.brandenburg.de

• Energetische Sanierungskonzepte für Nichtwohngebäude
Gefördert wird die Energieberatung zur Erstellung eines energetischen Sanierungskonzepts
oder die Neubauberatung für Nichtwohngebäude.
• Energieanalysen für öffentliche Abwasseranlagen
Weiterführende Informationen unter:
http://www.bafa.de/bafa/de/energie/energieberatung_netzwerke_kommunen

Impressum
Herausgeber:
Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des
Landes Brandenburg
Presse, Öffentlichkeitsarbeit
Henning-von-Tresckow-Str. 2-8, 14467 Potsdam
oeffentlichkeitsarbeit@mil.brandenburg.de
www.mil.brandenburg.de
Redaktion: B.B.S.M. mbH
Auflage: 300
        
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