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Full text: Wie weiter nach der Schule?

Dokumentation des 3. Fachtags

Vietnamesisches Berlin

Wie weiter nach der Schule?
Chancen der beruflichen Ausbildung für Jugendliche mit vietnamesischem Migrationshintergrund

10. November 2013 Im Nachbarschaftshaus ORANGERIE Lichtenberg Berlin

Impressum
Titel
Dokumentation des 3. Fachtags: Wie weiter nach der Schule? - Chancen der beruflichen Ausbildung für Jugendliche mit vietnamesichem Migrationshintergrund

Herausgeber
Verband für interkulturelle Arbeit (VIA) Regionalverband Berlin/Brandenburg e. V. Petersburger Straße 92, 10247 Berlin Tel (030) 2900 7155 Mail info@via-in-berlin.de WEB www.via-in-berlin.de

Redaktion und Gestaltung
Holger Förster Nina Grube Nozomi Spennemann Januar 2014
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichten manche Referent_innen/Autor_innen auf eine Genderschreibweise. Die Bezeichnung von Personengruppen bezieht jedoch die weibliche Form und die Transgender-Form jeweils ein.

Der 3. Fachtag war eine Veranstaltung von VIA in enger Kooperation mit:
Bundesverband der Vietnamesen in Deutschland e.V. IKB - Interkulturelles Bildungszentrum (urban-consult gGmbH) Reistrommel e.V. Vereinigung der Vietnamesen in Berlin & Brandenburg e.V. V.I.E.W. e.V.

Reistrommel e.V.

Für die Finanzierung der Veranstaltung und des Drucks bedanken wir uns bei:

Inhalt
Vorwort..............................................................................................................................2

Programm des Fachtags.....................................................................................................4 Bärbel Olhagaray Grußwort zum Fachtag.......................................................................................................5

Mai-Phuong Kollath Stellenwert der Bildung in der vietnamesischen Community: Verpasste Chancen und neue Möglichkeiten............................................................................................................6

Claudia Kinzel Hurra! WIR bilden endlich junge Menschen aus vietnamesischen Familien aus! ...........10

Arthur Grossmann Berlin braucht dich!..........................................................................................................16

Dilek Intepe Ausbildung mit Zukunftsperspektiven im Handwerk .......................................................23

Podiumsdiskussion...........................................................................................................28

Aussteller der Info-Börse..................................................................................................39

Beteiligte Vereine.............................................................................................................46

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Vorwort
„Wie weiter nach der Schule? Chancen der beruflichen Ausbildung für Jugendliche mit vietnamesischem Migrationshintergrund“ lautete der Titel der diesjährigen Veranstaltung. Vietnamesische Jugendliche und Berufsausbildung sind Begriffe, die für viele erst einmal nicht zueinander passen, da Jugendliche aus dieser Community zum Großteil nach einer erfolgreichen Schullaufbahn das Gymnasium mit dem Abitur abschließen und studieren. Warum dann zu diesem Thema ein Fachtag? Der Hintergrund ist, dass Jugendliche und junge Erwachsene aus der vietnamesischen Community die vielfältigen Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung in der Regel nicht ausnutzen, ja zum Teil gar nicht kennen. Sie konzentrieren sich meist auf Wunsch ihrer Eltern vielmehr auf einige wenige Studiengänge, oft ohne konkrete Vorstellungen bezüglich späterer beruflicher Perspektiven. Die Folge ist, dass nicht wenige nach einem Studium keine Arbeit in ihrem Fachgebiet finden. Im Sinne der interkulturellen Öffnung suchen jedoch gerade in Berlin etliche Branchen, unter ihnen der öffentliche Dienst oder das Handwerk, gezielt Auszubildende mit Migrationshintergrund und haben dabei große Schwierigkeiten insbesondere vietnamesische Jugendlichen für eine Berufsausbildung zu gewinnen. So war das angestrebte Ziel des diesjährigen Fachtags einerseits Eltern aus vietnamesischen Familien über die die Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung zu informieren und anderseits den Austausch und die Vernetzung der Akteure aus der vietnamesischen Community mit Vertreter_innen der Bildungsträger, Berufskammern, des öffentlichen Dienstes u.a. zu fördern. Als Termin wurde – außergewöhnlich für einen Fachtag –absichtlich ein Sonntag gewählt, damit vor allem die erwerbstätigen Eltern die Veranstaltung besuchen können. Der erste Teil des Fachtages am Vormittag richtete sich an die Fachöffentlichkeit. Nach der
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Begrüßungsrede von Frau Bärbel Olhagaray, der neuen Integrationsbeauftragten des Bezirks Lichtenberg, erläuterte Frau Mai-Phuong Kollath (Coaching & Interkulturelle Beratung) den „Stellenwert der Bildung in der vietnamesischen Community“. Sie führte die Fragen aus, welche Rolle die Familie in der vietnamesischen Kultur spielt, wie die Entscheidungsstruktur innerhalb der Familie ist und welchen Stellenwert in dem Kulturkreis Bildung, vor allem eine Hochschulausbildung, hat („Nur das Studium zählt“). Sie gab auch Antworten darauf, weshalb das Angebot der Berufsausbildung nicht angenommen wird und wie relevante Akteure dennoch einen Zugang zu der Gruppe finden könnten. Frau Claudia Kinzel vom Bezirksamt Lichtenberg, die seit Jahren bemüht ist vietnamesische Jugendliche als Auszubildende zu gewinnen, bestätigte die zuvor genannten kulturellen Besonderheiten vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen. Dennoch ist es dem Lichtenberger Bezirksamt bislang gelungen, drei Jugendliche mit vietnamesischem Migrationshintergrund auszubilden. Frau Kinzel zeigte auf, welche Maßnahmen dazu erforderlich waren und was zu diesem Erfolg führte. Informationen in der Muttersprache, Ansprache der Familien vor allem durch Vereine und die simultane Nutzung der gängigen Informationskanäle (Mundpropaganda) waren u.a. Erfolgsfaktoren, wobei die Ansprachen wiederholt umgesetzt werden müssen. „Berlin braucht dich“ ist eine Initiative im Auftrag des Senats, die sich bemüht, Jugendliche mit Migrationshintergrund für öffentliche Arbeitgeber zu gewinnen. Für Herrn Arthur Grossmannn (BQN e.V.) bot der Fachtag die Chance, die bisher kaum erreichte Gruppe von vietnamesischen Migrant_innen über die Initiative zu informieren und sich mit Akteuren der vietnamesischen Community zu vernetzen. Nicht nur der öffentliche Dienst, auch das Handwerk ist an Jugendlichen vor allem mit vietnamesischem Hintergrund interessiert. Frau Dilek Intepe (Handwerkskammer Berlin) erläuterte am Beispiel des Handwerks, welche Vorteile eine Berufsausbildung bietet und welche Perspektiven der Weiterbildung, darunter auch eines Studiums, bestehen. Für eine Ausbildung im Handwerk spricht ihres Erachtens vor allem die Tatsache, dass in der beruflichen Ausbildung viele praxisrelevante Kompetenzen

vermittelt werden, die man sich in einem Studium nicht so schnell aneignen kann. Im Anschluss an die Fachvorträge moderierte Frau Kollath eine Podiumsdiskussion, an der fünf Frauen („lebendige Vorbilder“) ihre Berufswege und die Entscheidungen dazu schilderten. Es wurde dargestellt, warum sie bestimmte Berufe ausgewählt haben, inwiefern die Eltern an der Entscheidung beteiligt waren und was sie Jugendlichen und ihren Eltern, die vor der gleichen Entscheidung stehen, mit auf den Weg geben würden? Herr Ralf Zuch (Arbeitsagentur Berlin) betonte in der Diskussion, dass Informationen über unterschiedliche Berufe die Grundlage aller Entscheidungen bilden und die Jugendlichen in ihren Entscheidungsprozessen viel mehr begleitet und unterstützt werden sollten. Den zweiten Teil des Tages bildete eine Informationsbörse, die allen interessierten Jugendlichen und Eltern aus vietnamesischen Familien offen stand. Bis die berufliche Ausbildung in den vietnamesischen Familien als Alternative zu einem Studium überhaupt denkbar wird, braucht es langen Atem. So entstand die Idee, im Juni 2014 eine Bildungsbörse im vietnamesischen Handelszentrum „Dong-Xuan-Center“ zu organisieren, da dieses Zentrum am Wochenende der Treffpunkt von vietnamesischen Migrant_innen in Berlin schlechthin ist. Wir bedanken uns bei allen Vereinen (Liste auf S. 46), die uns von der Planung bis zur Durchführung des Fachtags unterstützt haben. Die Kooperationspartner von MSO AKtIV, Vereinigung der Vietnamesen e.V. und Reistrommel e.V. , sorgten u.a. für die Öffentlichkeitsarbeit in der vietnamesischen Community. Ein neuer Partner, der Bundesverband der Vietnamesen in Deutschland e.V., übernahm dankenswerter Weise die Finanzierung der Übersetzung von Informationsmaterialien, die nun durch Vereine auch über den Fachtag hinaus verwendet werden können. Sprachmittler_innen an den Infoständen zur Erleichterung der Kommunikation mit den Eltern kamen über den vietnamesischen Studentenverein SiVi-Berlin e.V. IKB (Interkulturelles Bildunsgzentrum) baute Kontakte zu einer vietnamesischsprachigen OnlineZeitung auf und veröffentlichte Beiträge. Ohne die fachliche Unterstützung von Frau Claudia Kinzel (Bezirksamt Lichtenberg, Ausbil3

dungsleitung), Frau Dilek Intepe (Handwerkskammer Berlin) und Herrn Ralf Zuch (Arbeitsagentur Berlin Mitte), von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Veranstaltung, wäre der 3. Fachtag „Vietnamesiches Berlin“ nicht realisierbar gewesen. Dafür bedanken wir uns bei ihnen sehr herzlich! Nicht zuletzt bedanken wir uns bei Herrn Andreas Geisel, Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, der, wie bereits im Vorjahr erneut die Schirmherrschaft für den Fachtag übernommen und ihn auch finanziell unterstützt hat. Der Fachtag „Vietnamesisches Berlin“ hat sich mittlerweile in Berlin als das Forum zum Austausch und zur Vernetzung der Akteure aus der vietnamesischen Community und der Regelversorgungsstrukturen etabliert. Keines der bisher behandelten Themen kann jedoch durch einen einzigen Fachtag als vollständig abgehandelt gelten. Vielmehr gibt der Fachtag Anstoß für weitere Entwicklungen. Nach dem 2. Fachtag „Seelische Gesundheit“ entstand auf diese Weise ein regelmäßiges Treffen von Multiplikator_innen aus der vietnamesischen Community mit Fachleuten aus dem psychiatrischen Versorgungssystem. Nach dem 3. Fachtag gibt es bereits konkrete Vereinbarungen für weitere Aktionen. Dazu gehört vor allem die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der vietnamesischsprachigen Online-Zeitung. Wir, als durch den Europäischen Integrationsfonds (EIF) gefördertes Projekt „VIA MSO AktIV“, werden die vietnamesischen Vereine Berlins weiterhin in ihren Bemühungen begleiten und darin bestärken, mehr Wissen und Akzeptanz hinsichtlich des Themas "Berufsausbildung in der vietnamesischen Community" zu erlangen und freuen uns jetzt schon auf die künftige gute Zusammenarbeit.

VIA Regionalverband Berlin/Brandenburg e.V. Holger Förster, Geschäftsführer Nina Grube, MSO AKtIV Nozomi Spennemann, MSO AktIV

Wie weiter nach der Schule?
Chancen der beruflichen Ausbildung für Jugendliche mit vietnamesischem Migrationshintergrund

am 10.11.2013 im Nachbarschaftshaus ORANGERIE
Programm Teil 1 Vortrag & Podiumsdiskussion (10-13 Uhr)
10.00 Uhr Begrüßung | Bärbel Olhagaray (Integratiosnbeauftragte des Bezirksamtes Lichtenberg) Fachvorträge Stellenwert der Bildung in der vietnamesischen Community: Verpasste Chancen und neue Möglichkeiten Mai-Phuong Kollath (Coaching & Interkulturelle Beratung) Hurra! WIR bilden endlich junge Menschen aus vietnamesischen Familien aus! Claudia Kinzel (Bezirksamt Lichtenberg) Berlin braucht dich! |Arthur Großmann (BQN Berlin) Ausbildung mit Zukunftsperspektiven im Handwerk Dilek Intepe (Handwerkskammer Berlin) 12.00 Uhr Podiumsdiskussion mit: Moderation: Mai-Phuong Kollath und Luong Thanh Thuy (SiVi-Berlin e.V.) Nguyen Thi Loan (Krankenschwester) Phan-Nguyen Mai Thy (Ärztin, V.I.E.W. e.V.) Tran Thanh Thuy (Sozialpädagogin, Ostkreuz gGmbH) Tran Thu Trang (Auszubildende, BA Lichtenberg) Ralf Zuch (Agentur für Arbeit Berlin Mitte) Moderation: Holger Förster (VIA Berlin/Brandenburg)

10.15 Uhr

Teil 2 Infobörse (14-16 Uhr)
Agentur für Arbeit Berlin Mitte (Berufsberatung) BQN „Berlin braucht dich!“ Bezirksamt Lichtenberg - Vorstellung der Ausbildungs-berufe (mittlerer Dienst) Club Dialog e.V.| Migrantenorganisationen als Träger von Freiwilligendiensten Hochschule für Wirtschaft und Recht Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin Ev. Krankenhaus-Königin-Elisabeth-Herzberge, Krankenpflegeschule "Passgenaue Vermittlung“ (Industrie- und Handelskammer Berlin) "Passgenaue Vermittlung" (Handwerkskammer Berlin) Polizei Berlin (mittlerer und gehobener Dienst) Schullaufbahnberatung für Bezirke Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf Senatsverwaltung für Inneres und Sport - Vorstellung der Beamtenlaufbahn (gehobener Dienst) V.I.E.W. e.V.
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Bärbel Olhagaray

Grußwort zum Fachtag
Sehr geehrte Damen und Herren, es mag ungewöhnlich sein, dass sich an einem trüben Sonntagmorgen im November zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Projekten und Vereinen, Betrieben und Institutionen und vor allem Jugendliche mit vietnamesischen Wurzeln und ihre Eltern in einem Lichtenberger Stadtteilzentrum treffen , um gemeinsam einen Fachtag zum vietnamesischen Berlin durchzuführen. Ungewöhnlich ist aber weder der Ort, die Kiezspinne in Lichtenberg, in dem Berliner Bezirk wo der Großteil der vietnamesischsprachigen Community von Berlin ansässig ist, noch ein Sonntag, der einzige Tag der Woche an dem vietnamesische Unternehmerinnen und Unternehmer Zeit für die Familie haben. Eine Bildungsmesse für vietnamesische Familien und ihre heranwachsenden Kinder und Institutionen und Unternehmen, welche auf der Suche nach jungen, migrantischen Nachwuchs sind, durchgeführt und vorbereitet vom Verband für Interkulturelle Arbeit Berlin/ Brandenburg, mit Unterstützung anderer Projekte und Partner, hat am 10. November 2013 den anerkennungswerten Versuch unternommen, den Abstand weiter zu abzubauen zwischen den Vorstellungen vietnamesischer Eltern in Hinblick auf die berufliche Zukunft ihrer Kinder und den Realitäten des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes in Deutschland und anderswo. Ein solcher Versuch ist erfolgversprechend zum Beispiel mittels der Schilderung von persönlichen Lebenswegen erfolgreicher Vietnamsinnen und Vietnamesen und Fachvorträgen aus dem Ausbildungssektor der Stadt Berlin. Beide Gruppen präsentierten sich erfolgreich dem Publikum auf dem Fachtag. Vietnamesische Wertvorstellungen zu Beruf, Karriere und Familie trafen auf großes Interesse zum Beispiel der Handwerkskammer von Berlin oder des Bezirksamtes Lichtenberg, beides Ins5

titutionen welche gern junge, vietnamesischstämmige Schulabsolventen ausbilden möchten. Diese Betriebe werben mit einer fundierten Ausbildung und einer gesicherten, beruflichen Zukunft inklusive Aufstiegschancen. Dieser Austausch machte die Veranstaltung so bemerkenswert. Auch wenn eine solche Bildungsmesse nur ein Anfang sein kann für ein Vertrauensverhältnis welches weiter wachsen muss. Deshalb ist eine Folgeveranstaltung bereits in Planung. Ich bin mir sicher, dass ein weiterer Fachtag der Anregungen vom 10. November 2013 aufnehmen und weiterführen wird und in den Bemühungen nicht nachlässt, um das Potenzial der jungen vietnamesischstämmigen Migrantinnen und Migranten für unsere Gesellschaft weiter zu erschließen und ihnen damit die Perspektive für einen vielfältigen, beruflichen und individuellen Lebensweg eröffnet und erweitert. Bärbel Olhagaray Bezirksamt Lichtenberg Integrationsbeauftragte

Mai-Phuong Kollath

Stellenwert der Bildung in der vietnamesischen Community - verpasste Chancen und neue Möglichkeiten I. Statistik
Laut dem internen Bericht des Vietnamesischen Dachverbands in Deutschland von Juni 2011, lebten im Jahre 2007 ca. 125.000 Vietnamesinnen und Vietnamesen in der Bundesrepublik. In diesen Zahlen wurden jedoch weder die Kinder mit einer doppelten Staatsbürgerschaft noch diejenigen ohne jeglichen Status erfasst. Diesem Bericht zufolge stehen die Einwohnerzahl der Bundesrepublik und die Anzahl vietnamesischer Einwanderer in einem Verhältnis von ca. 1000:1. Die Gruppe der 20- bis 55-Jährigen unter ihnen beträgt 67,5 %. Dem statistischen Bericht Berlin-Brandenburg nach, haben rund 26% der Berlinerinnen und Berliner einen Migrationshintergrund. Aktuell (Stand: 31.12.12) leben 21.639 Vietnamesinnen und Vietnamesen in Berlin. Davon besitzen 13.959 die vietnamesische und 7.680 die deutsche Staatsbürgerschaft. Die meisten leben in Berlin-Lichtenberg (6.220), MarzahnHellersdorf (3.232), Friedrichshain-Kreuzberg (2.279) und Berlin-Mitte (2.233). 35% der vietnamesischen Migranten besitzen einen deutschen Pass.

II. Kulturelle Besonderheiten Vietnams
Der Konfuzianismus Viele vietnamesische Werte und Normen wurden durch den Moral- und Verhaltenskodex des aus China stammenden Konfuzianismus sehr stark geprägt. Nach Konfuzius ist Erziehung die wichtigste Methode zur Verwirklichung seiner Lehre und das beste Mittel zur Durchsetzung einer guten Politik. Durch Erziehung und Selbsterziehung entwickeln sich die Mitglieder einer Gesellschaft zu Menschen mit guten Sitten und hohen moralischen Ansprüchen. „Willst du einen Fluss überqueren, bau eine Brücke. Willst du, dass dein Kind ein gebildeter Mensch wird, so liebe seinen Lehrer“ (Konfuzius) Die traditionelle vietnamesische Familie In dem stark konfuzianisch geprägten Gesellschaftssystem Vietnams ist die Familie für den Einzelnen die wichtigste soziale Bezugsgruppe. Der Familienbegriff wird bei Vietnamesen weiter gefasst als bei Deutschen und beinhaltet nicht nur eine strenge Hierarchie, sondern auch viele Verpflichtungen, welche im Migrationskontext auch bis ins Heimatland reichen. Die Familienordnung entspricht demnach einem System der gegenseitigen Unterordnung. Familien- und Gemeinschaftssinn Die Ein- und Unterordnung des Einzelnen ist die Basis für die Ordnung der Familie. Als grundlegende Normen gelten der unbedingte Zusammenhalt der Familienmitglieder und die gegenseitige Verankerung und Fürsorge. Die Familie hat stets unweigerlich den Vorrang und hat damit auch eine wichtige soziale Auffang6

funktion. So finden einzelne Vietnamesen in der Familie einerseits persönliche Geborgenheit und Sicherheit, andererseits ist sie aber auch das Zentrum vielschichtiger Pflichten, denen sich das Individuum unterzuordnen hat. Die strenge Hierarchie innerhalb der Familie bzw. der vietnamesischen Gesellschaft wirkt sich bis in den Bereich der Sprache aus. Je nach Altersunterschied ordnet sich der Sprecher in die Familien- oder Gesellschaftshierarchie ein. Es werden die Verhältnisse Vater/Sohn, Ehemann/Ehefrau, Eltern/Kind und Älterer/ Jüngerer klar definiert. Stets bleibt sich Vietnamesen ihrer jeweiligen Stellung gegenüber ihrem Gesprächspartner bewusst und werden gleichzeitig daran erinnert, wie sie sich als Sohn, Enkel oder als Kunden bei Behörden zu verhalten haben. Diese Strukturen sind allerdings keine starren Rollen, wie aus westlicher Sicht angenommen wird. Das Beispiel der verschiedenen Ich- und Anredeformen im Gespräch macht die Hierarchie in der Familie bzw. in der vietnamesischen Gesellschaft deutlich: ich Kind Frau, ältere Schwester Mädchen, jüngere Frau, jüngerer Mann, Ehefrau anh: Junge, junger Mann, Mann, Ehemann cháu: Enkelkind, Nichte, Neffe, Schüler bà: Oma, ältere Dame, Beamtin ông: Opa, älterer Herr, Beamter : Lehrer cô: Lehrerin, Frau, jüngere Schwester des Vaters bác: ältere/r Schwester/Bruder der Eltern dì: jüngere Schwester der Mutter : jüngerer Bruder der Mutter chú: jüngerer Bruder des Vaters
tôi: con: : em:

Vietnamesische Eltern und ihre Kinder Vietnamesen sind ausgesprochene Familienmensch Gemeinschafts- und Gruppendenken (Zusammenzugehörigkeitsgefühl) Pragmatismus und Praxisorientiertheit: die Fähigkeit, sich auf gegebene Situationen einzustellen und die Fähigkeit, Leid zu ertragen, haben sich als wirksame Überlebensstrategien erwiesen Improvisationsfähigkeit (Nationalsport Nr. 1): aus Nichts etwas zu machen und mit jeder Situation zu recht zu kommen. Vietnamesen stehen nicht herum und klagen, ihnen fehle dies und das. Der bewundernswerte Wille zum Überleben Es gibt Dinge, auf die besonderen Wert gelegt wird: Probleme werden innerhalb der Familie geklärt Negative Informationen über die Familie werden nicht nach außen getragen Eltern erteilen Anweisungen In der Familienversammlung werden Entscheidungen und Lösungen beschlossen Hilfe wird im Familienverband gesucht Es ist völlig selbstverständlich, dass Kinder zur Arbeit angehalten werden (Geschwisterbetreuung, Haushalt, Botengänge erledigen, Hilfe im Geschäft der Eltern) Der Zusammenhalt ist so groß und das Verantwortungsgefühl der Eltern für ihre Kinder so stark, dass sie diese so lange "bemuttern" wollen, bis es wirklich nicht mehr anders geht Von den erwachsenen Kindern erwarten Eltern, dass sie ihnen in materieller und emotionaler Hinsicht Stütze für das Alter sind. Eltern erhoffen auch ganz konkrete Hilfe: Pflege bei Krankheit, Betreuung im eigenen Haushalt und materielle Unterstützung. Die Mehrzahl der Vietnamesen sind im Alter auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Nur das Studium zählt Vietnamesische Eltern sind bereit, für eine glückliche Zukunft ihrer Kinder hart zu arbeiten und sparsam zu leben. Das vietnamesische Sprichwort „Wenn die Kinder erfolgreicher sind
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„Diese verschiedenen Rollen und ihre Beziehung zueinander bestimmen nicht nur die Struktur der Gesellschaft, sondern sind auch Grundbausteine der eigenen Identität. Die Verwirklichung des eigenen Lebens besteht darin, sich in die Harmonie der größeren Ordnung einzufügen“ (KRUMBIER, 110).

als der Vater, hat die Familie großes Glück“ beschreibt den zentralen Stellenwert von Bildung und Erfolg vietnamesischer Kinder. Von deren Erfolgen hängt das Ansehen der ganzen Familie ab. Die Kinder werden dahingehend erzogen, viel Zeit und Fleiß für schulische Belange aufzubringen. Studienplätze und Hochschulabschlüsse sind deshalb in Vietnam sehr begehrt und angesehen.

III. Verpasste Chance/ Herausforderungen
Keine langfristige Planung Die Umstellung vom schnellen Improvisieren auf langfristige Planung fällt vielen Vietnamesen noch schwer. Sie „wursteln“ lieber sofort drauf los, als strategische Konzepte zu entwickeln. Entscheidungen, durch die sie sich langfristig festlegen müssen, fallen ihnen sehr schwer Das „Überleben im Alltag“ hat weiterhin die oberste Priorität. Viele Vietnamesen haben in Deutschland kein großes Interesse an einer beruflichen Qualifizierung, vor allem dann nicht, wenn sie länger dauert. „Wozu sich zwei Jahre lang (Ausbildung) quälen, wenn es keine Arbeitsplatzgarantie gibt“. Auch die (berechtige) Angst, als Migranten bei gleicher Qualifizierung „den kürzeren zu ziehen“, schreckt viele ab. Rollenverständnis Die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau stellt nach wie vor den klassischen Lebensentwurf der meisten Vietnamesen dar. Frauen kümmern sich als nachgereiste Ehefrau oder junge Mutter fast ausschließlich um die Familie und um die Kindererziehung und -betreuung. Sie haben dadurch kaum Kontakt zu Deutschen und damit auch größere Problem mit der deutschen Sprache. Beratungsangebote Kostenlose Beratungen, in Deutschland und für Bildungsträger allgemein üblich, sind vielen Vietnamesen immer noch suspekt. „Wenn man für etwas nicht zahlen muss, kann es nicht gut sein" ist dabei die gängige Einstellung.. Im Beratungsgespräch wird eine sofortige Lösung erwartet.

Das „Angestelltenbild“ in Vietnam Es gibt kein Beamtensystem in Vietnam. Mitarbeiter von Behörden sind Angestellte des Staates. Die Angestellten in Behörden und Ämtern verdienen in der Regel nicht gut oder sind sogar arm, ihre Gehälter sind bescheiden. Versuche, Problemlösungen durch Geschenke zu beschleunigen, sind keine Seltenheit (Korruption in der Verwaltung). In einigen Bereichen wie dem Bildungs- und Gesundheitswesen kommt es bereits zu massiven Abwanderungen in berufsfremde Tätigkeiten. Bildungssystem und Sprachbarrieren Vietnamesen in Deutschland haben wenig Vertrauen in das hiesige Bildungssystem. Aufgrund der unterschiedlichen Systeme der Herkunftsund der Zielsprache haben viele Vietnamesen große Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache. Dies führt wiederum zu Informationsdefiziten in Bezug auf die deutsche Gesellschaft. Selbständige Es gibt eine große Anzahl von vietnamesischen Selbständigen in Deutschland. Obwohl viele von ihnen wirtschaftlich erfolgreich sind, gibt es andererseits auch viele Selbständige, die armutsgefährdet sind. Hinzu kommt, dass viele Selbständige ihre Erfolge auf Selbstausbeutung und die Unterstützung durch Familienangehörige aufbauen.

IV. Neue Möglichkeiten / Zugang zu dieser Gruppe
An erster Stelle steht die Einbeziehung des Familiensystems. Die Ausbildungs- und Berufwahl ist eine langfristige Angelegenheit, die alle Familienmitglieder betrifft, und deshalb sollten alle Familienmitglieder bei der Entscheidung mit einbezogen werden. Dies hätte den Vorteil, dass alle mit den auf sie zukommenden Aufgaben vertraut gemacht werden. Auch sollte den jungen Menschen die Möglichkeit gegeben werden zu prüfen, ob sie für die Ausbildung geeignet sind (zum Beispiel, in dem Schnupperkurse angeboten werden). Gleichzeitig ist es neben der Einbeziehung der Familienmitglieder aber auch notwendig, Azubis dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen (Loslösung von der Familie und Autonomie in der Gestaltung des eigenen Lebens).
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Eine kontinuierliche sozialpädagogische und arbeitsweltbezogene (kulturspezifische) Beratung während der Ausbildung ist unumgänglich, um deren Erfolg zu gewährleisten. Häufig sind es finanzielle, soziale oder aufenthaltsrechtliche Schwierigkeiten, die eine Ausbildung erschweren. Es gibt vielfältige Probleme, die im Alltag parallel zur Ausbildung gelöst werden müssen, z.B.: Umgang mit Behörden und Institutionen, Vermietern, Arbeitgebern, aufenthaltsrechtliche Angelegenheiten Schulprobleme der Kinder Stellung von Anträgen, Verfassen von Behörden- und Geschäftsbriefen Zusammenstellung von Bewerbungsunterlagen Hilfe bei allgemeinen Sozialproblemen schafft ein Vertrauensverhältnis und ermöglicht eine erfolgreiche Beratung zu Zukunftsperspektiven. Gründungswillige Zielgruppe: Themen, die für zukünftig potentiell Selbständige wichtig sind, sollten in der Ausbildung frühzeitig angesprochen werden: Geschäftsführung, Steuerecht, Buchführung, Förderprogramme usw. - getreu dem Motto „Auszubildende sind Ausbilder von morgen!“ Die Hebelwirkung für die Wirtschaft ist nicht zu unterschätzen, da gerade Selbständige mit ihren Betrieben eine Vielzahl an benötigten Arbeitsplätzen schaffen. Zugang über die Migranten(selbst)organisationen (MSO): Der Zugang zu der vietnamesischen Gruppe wird enorm erleichtert durch die Einbindung von Migranten(selbst)organisationen, die die Betreuung und sozialpädagogische Begleitung in der Ausbildung übernehmen könnten. Die MSO übernimmt die Rolle eines Lotsen und hilft bei der Vermittlung der Personen an die zuständigen Ausbildungs- und Beratungsstellen und unterstützt bei den entsprechenden Behördengängen. Berufsausbildung und interkulturelle Kompetenz: Interkulturelle Kompetenz ist gerade im wirtschaftlichen Umfeld ein enormer Vorteil und sollte bei der Ausbildung genutzt werden. Un9

ter dem Aspekt des "Ethnomarketings" bieten sich beispielsweise Berufe wie Immobilienkaufmann und Immobilienverwalter an. Auch können etwa Kenntnisse in der Gastronomie genutzt werden, um spezielle Ausbildungsplätze, für welche Bedarf besteht, zu schaffen, u.a. Koch (vietnamesischer Küche), Inneneinrichter, Restaurantausstatter u.a. Wirtschaft: Die deutsche Aus- und Weiterbildung ist schon jetzt im Ausland anerkannt und sollte als Produkt etabliert (Jobmotor) werden, dies hätte auch den Vorteil, dass ausländische Fachkräfte an das deutsche Patent und die Ausbildungsphilosophie gebunden werden, beispielsweise wäre dies durch eine Altenpflegeausbildung im Rahmen staatlicher Abkommen möglich. Quellenangaben: KOLLATH, Mai-Phuong (2005): Untersuchung des Integrationsprozesses von Vietnamesinnen und Vietnamesen in Nordostdeutschland, Diplomarbeit. KUMBIER, Dagmar (2009): Interkulturelle Kommunikation: Methoden, Modelle, Bespiele. Liebe allein genüg nicht, S. 108-130. Mai-Phuong Kollath Coaching & interkulturelle Beratung www.maiphuong-kollath.de

Arthur Grossmann

Berlin braucht dich!“
Ich vertrete das berufliche Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten, das im Auftrag des Senats die Initiative "Berlin braucht dich!" koordiniert. Unter diesem Motto wenden sich schon seit 2006 die wichtigsten öffentlichen Arbeitgeber Berlins, aber inzwischen auch zunehmend private Arbeitgeber, an Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ganz im allgemeinen, um sie für eine Ausbildung zu gewinnen und sie von den Vorteilen einer Ausbildung gerade auch im Öffentlichen Dienst zu überzeugen. Einige von Ihnen sind schon Partner in unserer Kampagne und kennen das, was jetzt kommt, aber viele von Ihnen kennen es noch nicht. Deswegen werde ich etwas ausholen: Wer steht hinter dieser Initiative? Was strebt sie an? Und wie arbeitet sie? Und am Schluss darf ich noch ein paar Hoffnungen zum Ausdruck bringen bezüglich der Kontakte, die wir hier knüpfen möchten. Hinter Berlin braucht dich! steht eine gewachsene Partnerschaft, die inzwischen von 32 Berliner Schulen getragen wird, die einen besonders hohen Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben. Leider ist bisher darunter noch keine Schule aus Lichtenberg und Umgebung dabei. Das möchten wir aber gern so bald wie möglich ändern. Und vor allem stehen hinter Berlin braucht dich! ca. 70 wichtige Arbeitgeber dieser Stadt. Hier sind in erster Linie die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen zu nennen. Es sind aber auch sämtliche Bezirksverwaltungen dabei, auch das Bezirksamt Lichtenberg. Die Berliner Polizei ist schon seit Jahren unser Partner und auch die wichtigsten städtischen Unternehmen sind dabei; angefangen von den großen Krankenhäusern (Vivantes, Charité) über die Berliner Stadtreinigung, die BVG, die Berliner Bäderbetriebe, aber auch die ganzen großen Wohn- und Wohnungsgesellschaften, wie z.B. die HOWOGE hier in Lichtenberg, die ein wichtiger Partner von uns ist und auch selber ausbildet (s. Folie 1).

Diese Betriebe haben alle gesagt: Wir brauchen mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund! Für uns als öffentliche Betriebe ist es nicht in Ordnung, wenn weniger als 10% der Beschäftigten aus Einwandererkreisen kommen, was 2006, als wir anfingen, der Stand war. Das geht schon allein aus politischen Gründen nicht, das ist nicht gerecht. Man hat schon damals gesehen, dass die Entwicklung der demografischen Zusammensetzung der Gesellschaft dazu führen wird, dass langfristig alle Arbeitgeber dieser Stadt auf Jugendliche aus Einwandererkreisen angewiesen sein werden, wenn sie überhaupt genug Nachwuchs finden wollen. Die Betriebe werden jährlich von uns befragt, wie sich die neuen Auszubildenden zusammensetzen nach ihrem Migrationshintergrund. Das messen die Betriebe jedes Jahr, das ist eine ihrer Verpflichtungen. Die Schulen ihrerseits verpflichten sich, systematisch Jugendliche aus Einwandererkreisen anzusprechen, um ihnen die Möglichkeiten der Ausbildung im Öffentlichen Dienst, aber auch in privaten Unternehmen, darzustellen und sie zu ermutigen, Berufsorientierungsangebote aus diesen Bereichen anzunehmen. Beide Partner arbeiten auch in persönlichen Treffen und Arbeitsgruppen daran, die Barrieren wegzuräumen, die es jetzt noch gibt für die Einstellung und die Ausbildung von Jugendlichen, deren Eltern und Großeltern nicht in Berlin geboren sind. Diese Barrieren, Missverständnisse und Informationslücken, die soeben

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auch für die vietnamesische Community beschrieben worden sind, sollen allmälich reduziert und nach Möglichkeit auch abegtragen werden. Die Folie 2 zeigt, wie breit und interessant das Angebot an Berufsausbildungen in unserer Partnerschaft ist. Es sind allein im öffentlichen Dienst über 100 Berufe. Dazu kommen weitere ca. 70 Berufe in der Metall- und Elektroindustrie, die seit diesem Schuljahr ebenfalls unser Partner ist. Wer weiß schon, dass z.B. in einem Berliner Bezirksamt nicht nur Verwaltungsbeamte und Politiker arbeiten, sondern auch Gärtner, Vermessungstechniker, medizinisches Personal, Informatiker und andere Fachleute. Das muss man bekannt machen und das trägt "Berlin braucht dich!" in die Schulen und Kommunen hinein. Weil das so eine Wust an Berufen und Möglichkeiten ist, haben wir die Berufe von Berlin braucht dich! mit Hilfe der Arbeitsagentur in zwölf Berufsfelder und diese nochmal in vier Neigungsgruppen klassifiziert. Mit dem Informationssystem, das wir den Schulen zur Verfügung stellen, können z.B. Schüler mit technischen Interessen relativ leicht finden, welche Berufe es in diesen Feldern gibt und welche davon auch im Öffentlichen Dienst angeboten werden. Wer sich mehr zur Gesundheit hingezogen fühlt, findet wiederum ganz andere Berufe. Es gibt auch die Bereiche Büro/Verwaltung sowie Schutz und Sicherheit (Polizei, aber auch andere Sicherheitsberufe). Das sind Kriterien, mit denen man als Jugendlicher leichter nach Beruchen suchen kann, welche einen tatsächlich interessieren. Wie arbeitet unsere Partnerschaft "Berlin braucht dich!"? Zunächst spricht sie die Jugendlichen möglichst direkt an und zwar an der Schule, wo sie sich ohnehin mit Fragen der Berufsorientierung beschäftigen. Wie werden die SchülerInnen angesprochen? Natürlich in erster Linie über ihre Lehrer, aber auch auf Informationsveranstaltungen unserer Betriebe an den Schulen, wo die Berufe direkt in der Klasse vorgestellt werden. Die Schüler/innen werden aber auch über unsere Website www.berlin-braucht-dich.de und inzwischen auch über Facebook angesprochen (Folie 3).
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Es hat sich schnell gezeigt, dass es nicht reicht, einfach nur zu informieren. Die Jugendlichen müssen auch mal an der Praxis schnuppern können. Sie müssen die Berufe kennenlernen, und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch in der Realität. Deswegen bietet "Berlin braucht dich!" systematisch auch Betriebserfahrung und Betriebsbegegungen an, z.B. Betriebspraktika. Sie sehen, dass wir mit unserer Werbung u.a. versuchen die typischen "Männerberufe", z.B. technische Berufe, auch Frauen vorzustellen und schmackhaft zu machen. Und dass wir typische "Frauenberufe", wie die Pflegeberufe, auch versuchen Männern vorzustellen und sie dafür zu sensibilisieren (Folie 4). Es gibt dabei eine Besonderheit (Folie 5): Berufspraktika bieten ja viele an. Sie sind sogar Pflicht in der neunten Klasse in der integrierten Sekundar-schule. Was ist also das besondere an den Angeboten von "Berlin braucht dich!"? Bei uns beginnen die Angebote und Betriebskontakte bereits in der siebten Klasse. Es ist uns sehr wichtig, dass die Schüler/innen schon von der siebten Klasse an erste Eindrücke in der Arbeitswelt sammeln können. In der siebten Klasse gehen sie einen halben Tag in einen Betrieb und machen eine Erkundung: Sie werden geführt, aber sie stellen auch Fragen und führen Interviews in einem unserer Partnerbetriebe, um mal zu schnuppern, wie die Arbeitswelt riecht und wie sie sich z.B. von der Schule unterscheidet. In der achten Klasse haben wir ein einwöchiges Schnupperpraktikum im Angebot, wo sie schon ein bisschen fester in einen Betrieb reinkommen und mitarbeiten können. Und dann haben wir das klassische Betriebs-praktikum in der neunten und einen Bewerbertag in der zehnten Klasse. Bei einem Bewerbertag findet ein normales Bewerbungsgespräch statt. Wenn das Ergebnis gut ist, dann führt es weiter und dann kann man auch in das reguläre Einstellungsverfahren übernommen werden. Wenn es nicht so gut ist, dann gibt es einfach eine Rückmeldung an die Teilnehmer: "Da musst du noch ein bisschen besser werden. Dort musst du dich selbst noch ein bisschen anders darstellen und dann hast du das nächste Mal bessere Chancen". Alle diese Angebote sollen dazu führen, dass die Jugendlichen im Lauf der Jahre merken, was

Ausbildungsberufe überhaupt sind, z.B. im Unterschied zu einem Studium. Und zweitens, dass sie auch sehen, welche Chancen sie in diesem Bereich haben. Ist es eine Ausbildung, wo ich Tnur ein Handwerk lerne und dann bleibe ich an dieser Stelle stehen? Oder gibt es auch Möglichkeiten, weiter zu kommen? Und was ist ein Beruf im Öffentlichen Dienst in Deutschland wert? All diese Dinge erfahren sie und haben dann zum Schluss, wenn sie nach der zehnten Klasse eine Berufswahl und eine erste grundlegende Entscheidung – z.B. Ausbildung oder Studium – treffen müssen, schon ein bisschen bessere Kriterien und Erfahrung, nach denen sie entscheiden können. Eine zweite Besonderheit von "Berlin braucht dich!" ist, dass unsere Schnuppertage, Praktika, und Bewerbungstrainings von vielen Betrieben zusammen organisiert werden (Folie 6). So haben die Schüler/innen am gleichen Tag immer eine Auswahl. Wer mehr in die Gesundheitsberufe will, kann dort ein Praktikum machen, wer lieber im technischen Bereich Erfahrungen sammeln will, kann das dort tun. So sind sie nicht gezwungen in irgendeinen Betrieb zu gehen, nur weil sie ein Pflichtpraktikum machen müssen. Sowas muss gut organisiert werden. Wenn es Angebote mehrerer Betriebe gibt, dann müssen auch genug Schulen mitmachen, damit die angebotenen Plätze besetzt werden. Das muss sehr gut organisiert sein. Man muss sehr viel zusammenarbeiten, aber es lohnt sich, weil die Betriebserfahrungen, die die Jugendlichen machen, von der Qualität her super sind. Die sind wirklich so, dass sie dort etwas erleben und wirklich mitmachen können und nicht nur Kaffee kochen und den Kopierer bedienen müssen in einem Büro. Sie erleben z.B., wie sich eine Verwaltungsarbeit konkret anfühlt. Da fallen mir Gespräche mit Jugendlichen ein, die ein Praktikum als Fachangestellte in einem Bezirksamt gemacht hatten. Die meisten waren mit der Vorstellung reingegangen, dass das eine einfache und langweilige Arbeit sein werde. Nach dem Praktikum sagen die meisten dann: "Oh, das war ja viel schwieriger! Das war ja viel anspruchsvoller und interessanter." Denn Verwaltung bedeutet heute sehr viel Management, sehr viel Informatik und auch viele Entscheidungen treffen zu müssen. Durch solch eine
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Erfahrung kann sich das Bild von einem Beruf ganz enorm verschieben. Dass diese Angebote gut, spannend und attraktiv sind, erfahren wir immer wieder, wenn wir unsere Teilnehmer befragen, wenn sie rauskommen aus diesen Erfahrungen. Hier haben wir z.B. im letzten Jahr Jugendliche befragt, die an Betriebspraktika in der neunten Klasse teilgenommen haben. Und siehe da: fast 70% von ihnen haben gesagt: "Ausbildung ist für mich jetzt ein spannenderes Thema als vorher" (Folie 7). 20% haben gesagt: "In diesem Praktikum habe ich gemerkt, dass dieser Beruf überhaupt nichts für mich ist." Das ist natürlich auch ein Ergebnis und es ist auch gut und wichtig, dass man in der Praxis feststellt, was zu einem passt und was nicht passt. Wir wollen die Jugendlichen ja nicht in einen Beruf hineinzwingen, sondern sie sollen am Schluss selbst kompetent entscheiden können, was zu ihnen passt. Jetzt noch ein paar Worte noch zu den Erwartungen, mit denen wir heute hierher gekommen sind (Folie 8): Mit Lichtenberg und dem Bezirksamt arbeiten wir schon lange zusammen und haben auch Betriebspraktika zusammen organisiert, aber leider haben wir hier im Bezirk weder Schulpartner noch andere Bildungseinrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten könnten. Wir haben auch noch kaum Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der vietnamesischen Community und Jugendliche mit diesem Hintergrund. Vor allem deswegen sind wir heute gekommen. Wir wollen von Ihnen lernen, von Ihren Erfahrungen. Ich habe schon sehr viel aus den bisherigen Beiträgen gelernt. Ich hoffe, dass ich das anschließend ausbauen und an unsere Partner weiter vermitteln kann. Wir würden sehr gerne Kontakte zu Schulen hier im Bezirk knüpfen. Ich habe gehört, dass das Barnim-Gymnasium ein ganz heißer Tipp ist. Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie noch mit weiteren Tipps auf mich zukommen, z.B. Nachher an unserem Infotischn. Vielen Dank! Arthur Grossmann BQN Berlin e.V. ag@bqn-berlin.de www.bqn-berlin.de www.Berlin-braucht-dich.de

Eine Partnerschaft von Schulen und Arbeitgebern für mehr Vielfalt in der Berliner Arbeitswelt

Folie 1

Ausbildungsangebote in über 170 Berufen, 12 Berufsfeldern und 4 Neigungsgruppen

Folie 2

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Direkte Ansprache von Schüler/innen mit Migrationshintergrund

Folie 3

Betriebsbegegnungsangebote

Folie 4

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Betriebsbegegnungen schon ab der 7. Klasse

Folie 5

Schul- und betriebsübergreifende Organisation der Betriebsbegegnungen

Folie 6

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Mein Interesse an einer Ausbildung wurde bestärkt

69%

Folie 7

Erwartungen an den heutigen Fachtag

1. Kooperation mit Partnern in Lichtenberg und Umgebung ausbauen.

2. Einwandererkinder mit vietnamesischen Wurzeln in Angebote von Berlin braucht dich! einbeziehen.

3. Lernen von Erfahrungen der Partnerorganisationen vor Ort.

Folie 8

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Dilek Intepe

Ausbildung mit Zukunftsperspektiven im Handwerk
Ich möchte Sie alle herzlich begrüßen zu diesem Fachtag. Schon beim letzten Fachtag hatte ich die Gelegenheit, mich über diese sehr interessanten und spannenden Themen zu informieren. Es ist wichtig, die vietnamesische Community in ganz vielen Dingen, die die Bildung betreffen, weiter zu unterstützen. Es ist eine Community, die stetig wächst, die sehr jung und innovativ ist und die in ganz viele Bereiche hineingeht. Heute morgen haben wir von Frau Kollath gehört, wie flexibel die Leute sind, und sehr viele Wirtschaftsbranchen und Arbeitgeber in dieser Stadt sind an ihnen interessiert - viel mehr, als Sie glauben. Ich stehe hier für eine Branche, bei der es uns auf den ersten Blick vielleicht gar nicht bewusst wird, dass es sie gibt: nämlich das Handwerk. Das Handwerk begleitet uns jeden Tag, von morgens bis abends. Ohne das Handwerk, ohne die Handwerkerinnen und Handwerker mit ihrer Fachkompetenz könnten wir, wenn wir morgens aufstehen, nicht warm duschen. Die Anlagenmechaniker sorgen dafür, dass unsere Wasserleitungen funktionieren. Ohne das Handwerk hätten wir nicht die Möglichkeit, Qualitäts-Brot und -Brötchen zu kaufen oder zum Fleischer unseres Vertrauens zu gehen und Fleisch zu bekommen, das nicht verseucht ist. Es gibt viel an Handwerklichem, das uns jeden Tag begleitet. Ohne meine Brille, die ich beim Augenoptiker habe machen lassen, könnte ich z.B. nicht sehen. Viele Menschen haben Hörprobleme und müssen sich ein Hörgerät anschaffen. Ohne einen Hörgeräte-Akustiker wäre niemand in der Lage, Ihnen dabei behilflich zu sein. Ohne die Kolleginnen und Kollegen aus dem Elektrohandwerk hätten wir hier keine Lichtinstallation und könnten uns gegenseitig nicht sehen. Ohne die Systemelektroniker hätten wir niemanden, der uns hier die Technik einstellt und genau weiß, wann was funktionieren muss. Ohne die Bodenleger und Parkettleger könnten wir nicht vernünftig laufen. Ohne
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die Maurer hätten wir keine Räume und ohne die Maler hätten wir keine freundlichen Farben an den Wänden und und und… Ich will damit sagen: Handwerk begleitet uns in unserem Leben. Und das Handwerk wird gebraucht, von jedem einzelnen von uns. Das heißt, wir sprechen hier über eine Branche, in der eine Zukunftsperspektive besteht und jeden Tag Bedarf besteht und wo es Kunden gibt, die Handwerkerinnen und Handwerker brauchen. Ich möchte Sie auf das Handwerk neugierig machen und möchte Ihnen darlegen, dass es ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, im Handwerk etwas zu erlernen. Und nicht nur im Rahmen einer dualen Berufsausbildung Handwerk zu erlernen, sondern darin auch Karriere zu machen. Welche Karrierewege gibt es im Berliner Handwerk? All das ist ja wichtig für unsere Jugendlichen, damit sie die entsprechenden Chancen bekommen, auf ihrem Weg weiter zu gehen und nicht stehen zu bleiben. Wenn wir von Handwerk sprechen, sehen wir ganz unterschiedliche Branchen. Angefangen mit der Metall- und Elektrobranche… es ist eine große Vielfalt, wie ich Ihnen gleich darlegen werde. Aber insbesondere möchte ich noch mal die Frage klären: Warum überhaupt eine duale Be-

rufsausbildung? Wir haben heute schon in mehreren Vorträgen gehört, dass anscheinend eine Vorstellung bei Eltern und vielleicht auch bei Jugendlichen vorherrscht: Studium und nichts anderes bringt mich weiter. Ich sage: Nein, das ist nicht so! Das können wir Ihnen auch zeigen und belegen, dass eine duale Berufsausbildung große Vorteile hat und Sie weiter bringt. Warum eine Ausbildung? Eine Berufsausbildung bedeutet, dass Ihre Chancen später auf dem Arbeitsmarkt steigen werden. Sie sind dann eine ausgelernte Fachkraft. Eine Berufsausbildung heißt, dass Sie schon während Ihrer Ausbildung als Auszubildender Geld verdienen. Das ist nicht selbstverständlich. In anderen Ländern, auch in Vietnam, auch aus dem Land, wo ich selbst herkomme, der Türkei, muss man für eine gute Ausbildung bezahlen - und hier wird man als Auszubildender auch noch dafür belohnt etwas zu lernen. Was kann das für ein schönes Konzept sein! Eine abgeschlossene Berufsausbildung bedeutet auch, dass Sie nach Ihrer Ausbildung nicht mehr einfach nur als Angelernter eingestellt werden. Ihr Arbeitgeber gibt Ihnen eine Vergütung, die einer Fachkraft entspricht; Sie haben etwas gelernt. Sie haben Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Ungelernter niemals haben kann. Daher haben Sie in einer Firma den höheren Stand, bekommen mehr Verantwortung und mehr Geld. Das ist ein starkes Argument. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung haben Sie Aufstiegschancen im Beruf. Es ist der erste Schritt, sozusagen der Einstieg in eine Karriere im Handwerk. Im Handwerk ist der höchste Titel, den man erwerben kann, der Meistertitel. Der Meistertitel öffnet die Tür zur Selbstständigkeit. Die Selbstständigkeit ist gerade in der vietnamesischen Community ein sehr hohes Gut. Sich irgendwann mal selbstständig zu machen, einen eigenen Laden oder eine Werkstatt aufzumachen, hat eine sehr große Bedeutung für Sie. Daher möchte ich auch hier noch einmal dafür werben: Im Handwerk haben wir diese Möglichkeit. Ein paar Zahlen, Daten, Fakten (s. Folie 1): Insgesamt haben wir im Berliner Handwerk knapp 31.000 Betriebe. Diese teilen sich auf in unterschiedliche Gewerke, wie zulassungspflichtige Handwerke, wovon es in Berlin die meisten Betriebe gibt, nämlich rund 15.000.
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Was heißt zulassungspflichtig? Das heißt, dass die meisten selbständigen Handwerker, die wir hier in Berlin haben, eine Meisterqualifikation haben. Zulassungspflichtig heißt nämlich, dass sie die deutsche Meisterprüfung abgelegt haben müssen, damit Sie dieses Handwerk ausüben können. Dazu gehören, wie ich schon sagte, die Maler, die Maurer, die Kraftfahrzeugbranche, die bei uns im Handwerk ist, die Elektrohandwerker. Insbesondere auch die Gesundheitsberufe: Hörgeräte-Akustiker, Zahntechniker, Augenoptiker – das ist alles meisterpflichtig. Die meisten selbständigen Handwerkerinnen und Handwerker in Berlin haben auch tatsächlich den Meisterbrief. Es gibt rund 180.000 Beschäftigte und der Umsatz beträgt ca. 10,8 Mrd. Euro pro Jahr, also eine große Summe. Es gibt rund 11.000 Auszubildende; das ist eine große Zahl. Handwerksbetriebe sind immer kleine und mittelständische Betriebe. Das heißt, die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 5-6 Mitarbeitern; Das ist der Mittelstand, der unsere Berliner Wirtschaft am Laufen hält. Sie wissen, dass wir in Berlin nach dem Mauerfall große Umstürze in unserem Wirtschaftssystem hatten. So etwas wie Industrie haben wir im Vergleich mit dem übrigen Bundesgebiet nicht mehr oder kaum noch. Das heißt, wir sind angewiesen auf kleine und mittelständische Betriebe. Die halten unsere Wirtschaft hier am Laufen und die bilden, wie Sie sehen, auch viel aus. Was bedeutet eigentlich die Berufsausbildung Handwerk (s. Folie 2)? Wir haben etwa über 100 verschiedene Ausbildungsberufe im Handwerk. Die teilen sich auf in verschiedene Branchen, z.B. die Bau-Branche, der Holzbereich, der Glas-Bereich, Metall- oder Elektroberufe, die ganze Bekleidungsbranche, das Nahrungsmittelgewerbe oder auch das Gesundheitsgewerbe. Das ist die Vielfalt, die wir haben. Berufsausbildung bedeutet auch einen gewissen Qualitätsstandard. Grundlage für eine Berufsausbildung sind bundesweit anerkannte Ausbildungsordnungen. Bundesweit anerkannt heißt, dass alle nach gewissen Standards ausgebildet werden. Diese Standards werden definiert vom Ministerium für Bildung und vom Ministerium für Wirtschaft. Das heißt, was Sie hier gelernt haben und als

Qualifikation vorzeigen können, da weiß ein Betrieb, was dahinter steckt und was für eine hohe Qualität das ist. Es bedeutet auch, dass Sie in einem dualen System ausgebildet werden. Das ist der Kern, das Wichtigste an der dualen Berufsausbildung. Dual heißt, es sind zwei Organisationen an der Berufsausbildung beteiligt: einmal der Betrieb mit der praktischen Ausbildung, wo Sie drei bis vier Tage in der Woche zubringen. Der andere Ort ist die Berufsschule, wo Sie die fachtheoretische Ausbildung erhalten. Dort sind Sie etwa an ein oder zwei Tage in der Woche. Wobei es in Berlin üblich ist, Blockunterricht zu haben. Wie Sie hier sehen, heißt das, dass Sie während der Ausbildung sowohl Praxis als auch Theorie lernen. Das ist der Vorteil gegenüber einer akademischen Ausbildung, z.B. einem Universitätsstudium, wo Sie eigentlich die ganze Zeit im Hörsaal verbringen - es sei denn, Sie machen eine Fachhochschulausbildung. Das bedeutet, dass Sie in der dualen Ausbildung von Anfang an die Möglichkeit haben, Berufserfahrung zu sammeln, weil Sie viel in der Praxis ausgebildet werden. Die Ausbildungszeit beträgt mindestens zwei Jahre. Es gibt verkürzte Ausbildungen im Handwerk, aber die meisten dauern dreieinhalb Jahre. Die Ausbildungskosten tragen sowohl die Ausbildungsbetriebe, als auch die Berufsschulen. Die Ausbildungsbetriebe zahlen den Auszubildenden eine Vergütung, wobei die Vergütung im ersten Jahr klein anfängt und sich dann von Jahr zu Jahr steigert. Die Berufsschulen, wo die Auszubildenden zur Schule gehen finanziert das Land Berlin. In Berlin sind über 90% aller Ausbildungsverhältnisse dual. Wir haben einen kleinen Anteil von schulischen Ausbildungsverhältnissen, wenn jemand z.B. drei Jahre in einer Schule eine Ausbildung macht. Aber die meisten Lehrlinge in Berlin machen eine duale Berufsausbildung, wo sie von Anfang an im Betrieb lernen und in die Berufsschule gehen. Welche Möglichkeiten der Weiterbildung haben Sie, wenn Sie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben? Der Weg ist folgendermaßen (Folie 3): Sie kommen nach zehn Jahren Schule mit einem Abschlusszeugnis von Ihrer Schule, das kann ein Hauptschulabschluss, ein erweiterter oder ein mittlerer Schulabschluss oder auch ein Abitur sein. Danach haben Sie die Möglichkeit, in die Berufsausbildung zu gehen.
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Im Handwerk wäre das nach einer Ausbildung von drei Jahren, wenn Sie diese erfolgreich abschließen, der Geselle. Das heißt, Sie bekommen den sogenannten Gesellenbrief, der bezeugt, dass Sie alle Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse erlernt haben, die für dieses Handwerk notwendig sind, um als Fachkraft zu arbeiten. Dieser Gesellenbrief ist der Einstieg. Dem Abschluss als Geselle schließt sich dann die Aufstiegsfortbildung an. Sie sehen beim nächsten Kasten das Wort „Meister“. Die Meisterqualifikation, der Meisterabschluss, ist staatlich anerkannt, bundesweit. D.h. den Meister, den Sie hier in Berlin machen, können Sie überall anwenden, egal wohin Sie gehen. Es ist überall der gleiche Standard und es wird als Meistertitel anerkannt. Der Meister ist dann der Abschluss, wo man später weitermachen kann. Was bedeutet das? Sie können zum einen ein Studium beginnen, der Weg ins Studium ist immer offen. Das ist das positive am deutschen Bildungssystem, dass es durchlässig ist. Das Studium wird Ihnen nicht verwehrt. Der Vorteil ist, dass Sie bei solch einem Eintritt ins Studium nicht mal ein Abitur haben müssen. Mit einem Meisterbrief haben Sie direkte Einstiegsmöglichkeiten ins Studium auch ohne Abitur. Das ist ein großer Vorteil. Der andere Weg ist eine Qualifikation, ein „Premium-Angebot“, das wir im Handwerk haben: eine Fortbildung zum Betriebswirt. Bei allem, was Sie im Bereich Handel und Dienstleistungen selbstständig ausführen, müssen Sie ganz viel wissen über Buchhaltung, Rechnungswesen, vielleicht auch Personalführung, wenn Sie Personal haben: Wie manage ich meinen Betrieb, wie organisiere ich ihn, Steuerrecht – all das ist in dieser Fortbildung zum Betriebswirt enthalten. Sie bekommen Kurse mit den Themen Betriebswirtschaft, Buchhaltung, Rechnungswesen, Betriebsmanagement, Recht und Volkswirtschaft. Mit diesem Premium-Abschluss als Betriebswirt können Sie Ihre Selbstständigkeit auf den Weg bringen. Die ganze Zeit über, auch schon als Lehrling, ist es möglich, bestimmte „Bausteine“, modularisierte Weiterbildungen, zu machen. Die können Sie jederzeit, als Auszubildender, aber auch später, wenn Sie beschäftigt sind oder Meister sind, nebenbei noch machen. Das kann

Sie auf Ihrem Weg weiterbringen, z.B. als Selbstständiger. Aber nicht nur als Selbstständiger, sondern auch wenn Sie sich z.B. im höheren Management bewerben möchten. Diese Module werden Ihnen dabei behilflich sein. Wie Sie sehen, liebe Eltern und liebe Jugendliche, gibt es sehr viele Formen von Weiterbildungsmöglichkeiten im Handwerk. Man kann sie nutzen und sie bringen einen Stück für Stück weiter. Angefangen von der Gesellenausbildung über die Meisterqualifikation bis zum Studium sind im Handwerk alle Wege offen. Ich möchte Sie einladen, das einfach noch mal genauer anzuschauen und zu überlegen, ob das nicht auch eine Perspektive wäre, weil Sie hier viele Kompetenzen bekommen, die Sie allein durch eine akademische Ausbildung wahrscheinlich nicht so schnell bekommen werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dilek Intepe Handwerkskammer Berlin Berufsbildung info@hwk-berlin.de

Wir können DAS. Offizieller TV-Spot des Handwerks. Unter: http://www.handwerk.de/das-handwerkerleben/motive-downloads.html

Berliner Handwerk in Zahlen
Betriebe: Anlage A – zulassungspflichtige Handwerke: Anlage AeT – Ausführung einfacher Tätigkeiten Anlage B1 – zulassungsfreie Handwerke: Anlage B2 – handwerksähnliche Gewerbe: Gesamt: 15.161 209 8.047 7.502 30.919

Beschäftigte: Umsätze in Mrd. €: Auszubildende: Durchschnittliche Betriebsgröße:
Stand: 31.12.2012 © Handwerkskammer Berlin · Blücherstraße 68 · 10961 Berlin

ca. 180.000 10,8 11.079 ca. 5 - 6 Mitarb.

Folie 1: Berliner Handwerk in Zahlen

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Berufsausbildung im Handwerk – Duales System
Berufsausbildung im Handwerk bedeutet: • Vielfalt (über 100 Ausbildungsberufe) • Qualität (Grundlage sind bundesweit anerkannte Ausbildungsordnungen) und • Duales System (praktische Ausbildung im Betrieb und fachtheoretische Ausbildung in der Berufsschule) • Ausbildungszeiten zwischen 2 und 3,5 Jahren • Ausbildungskosten tragen die Ausbildungsbetriebe und die Berufsschulen (Berliner Landesregierung) • über 90% aller Ausbildungsverhältnisse werden „dual“ durchgeführt
© Handwerkskammer Berlin · Blücherstraße 68 · 10961 Berlin

Folie 2: Berufsausbildung im Handwerk

Fort- und Weiterbildung (1)
Karrierewege im Berliner Handwerk

Betriebswirt/-in (HWK) Abschluss: Diplom staatlich anerkannt

Studium Abschluss: Bachelor Zusatzqualifikationen / Qualifizierungsbausteine

Meister (z.B. Tischler) Abschluss: Meisterbrief staatlich anerkannt

Geselle Abschluss: Gesellenbrief
Schule Abschluss: Zeugnis
© Handwerkskammer Berlin · Blücherstraße 68 · 10961 Berlin

Folie 3: Karriereweg im Berliner Handwerk

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Podiumsdiskussion mit „lebendigen Vorbildern“
Moderation: Mai-Phuong Kollath

Teilnehmer_innen: Nguyen Thi Loan | Krankenschwester Tran Thanh Thuy | Sozialpädagogin, Ostkreuz gGmbH Phan-Nguyen Mai Thy |Ärztin, Vorstand von V.I.E.W e.V. Luong Thanh Thuy | Schulsozialarbeiterin im Barnim-Gymnasium, Vorstand von SiVi-Berlin e.V. Tran Thu Trang | Auszubildende des Bezirksamtes Lichtenberg Ralf Zuch | Berufsberater, Arbeitsagentur Berlin Mitte

Moderation: Ich möchte die Podiumsdiskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer auf die Bühne bitten! Im Titel steht „lebendige Vorbilder“. Wir haben leider nur "Vorbilderinnen", um mit Menschen in Kontakt zu treten, das ist ja ein Ziel des Fachtags. Sie haben entweder eine Ausbildung gemacht, haben studiert und vor allem, das sehen Sie ja, es sind vietnamesisch aussehende Podiumsdiskussionsteilnehmerinnen, außer diesem Herrn dort. Wir freuen uns, dass wir wenigstens eine männliche Person bei der Podiumsdiskussion dabei haben: Herr Zuch, Sie sind von der Arbeitsagentur Berlin Mitte und Sie sind Berufsberater. Wir hoffen auf Ihre Erfahrung und vor allem zur Frage, warum es sich lohnen würde eine Berufsausbildung zu machen statt, wie es die meisten vietnamesischen Eltern tun, ein Studium vorzuziehen. Dann habe ich hier vorne bei mir Tran Thu Trang. Sie ist vorhin schon erwähnt worden von Frau Kinzel. Sie macht zur Zeit eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte und sie ist im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen. Dann habe ich hier Frau Loan. Sie ist Krankenschwester mit Leib und Seele und an der Berliner Charité tätig. Zu meiner linken Seite habe ich Thuy. Thuy, du bist staatlich anerkannte Sozialarbeiterin und
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arbeitest zur Zeit für drei Arbeitgeber. Auch von dir wollen wir natürlich nachher sehr viel hören; wie du dich für diesen Weg entschieden und was du gemacht hast. Dann haben wir hier Mai Thy. Sie ist Ärztin für Humanmedizin und schreibt zur Zeit ihre Doktorarbeit. Ich bin sehr froh, dass sie heute hier mit auf dem Podium sitzt. Sie ist auch bei uns im Verein [V.I.E.W. e.V., Anm. der Redaktion] im Vorstand und ist sehr engagiert und will auch sehr viel für die vietnamesische Community in Berlin beitragen als ehemaliges Kind eines Bootsflüchtlings, zusammen mit ihrer Familie. Dann habe ich hier Thuy. Du hast jetzt einen Magister in Südostasienwissenschaft und bist gleichzeitig Leiterin einer Vietnam-AG am Barnim-Gymnasium und ich möchte gern mehr von deinen Erfahrungen als Vorstandsmitglied eines vietnamesisch-studentischen Vereins hier in Berlin wissen. Welche Erfahrungen machen die Absolventen vietnamesischer Herkunft bei der Arbeitsuche? Was sind deine Beobachtungen und Einschätzungen? Ich fange jetzt einfach mal mit der jüngsten Person in der Gruppe an. Trang, wie kommt das, dass du jetzt die Ausbildung machst? Wieso gehst du nicht studieren? Was sagen deine Eltern dazu? Wieso willst du Fachangestellte werden in der Verwaltung?

Tran Thu Trang: Also, meine Entscheidung für diesen Berufsweg hat verschiedene Gründe. Zum einen hat mich der öffentliche Dienst schon immer interessiert, insbesondere der Kontakt zu den Bürgern. Nach der Schule, nach meinem Abi, standen mir ja drei Möglichkeiten offen: Studium, Ausbildung oder direkt in den Arbeitsmarkt einzusteigen, und ich habe mich gegen das letzte entschieden. Hierbei hat mein Freundeskreis einen großen Einfluss genommen. Viele haben mich beraten, dass es auf lange Sicht nicht vorteilhaft ist, sofort in den Arbeitsmarkt einzutreten. Nur einen Schulabschluss zu haben, reicht in der heutigen Zeit nicht aus. Das Konzept eines Studiums war für mich zu trocken und deshalb habe ich mich für die Ausbildung entschieden. Die Ausbildung ist ja eine Mischung von beidem. Hier kann ich arbeiten und auch die schulische Ausbildung genießen. Ein weiterer Grund für meine Entscheidung ist, dass ich gerne Menschen helfe. Moderation: Was sagen deine Eltern denn? Spielten sie da eine große Rolle bei der Entscheidung? Hast du über ihre Köpfe hinweg deinen Willen durchgesetzt oder wie kam das? Tran Thu Trang: Zuerst war meine Familie etwas skeptisch über meine Entscheidung, weil sie für mich das Studium als Ideal erachtet hatten. Aber nachdem mein Vater einen Zeitungsartikel gelesen hatte über die arbeitslosen Studenten mit Abschluss, war er der Meinung, dass ich doch die richtige Entscheidung getroffen habe und dass die Ausbildung mir eine bessere

ein Jahr wiederholen und noch mal das gleiche... man weiß auch nicht, ob das wirklich funktioniert und wenn man gerade so im Kummer ist, denkt man immer gleich was Negatives. Ich habe mir erst mal zwei, drei Wochen Ruhe und Pause genommen und dann habe ich anschließend, mit Unterstützung von meinen Eltern an einem Beratungsgespräch bei einer Berufsberatung - oder eher Bildungsberatungteilgenommen. Ich wurde da direkt angesprochen, dass es auch noch andere Wege gibt als das, was man so kennt, also Abitur und danach Studium. Er [der Berufsberater, Anm. der Redaktion] hat ein paar Gespräche mit mir durchgeführt und die ganzen Fähigkeiten bzw. Ressourcen, die ich habe, haben wir erst mal ausgewertet. Er meinte: „In welcher Richtung würdest du gerne arbeiten?“ Das einzige, was ich damals gesagt habe, war: „mit Kindern und Jugendlichen oder so“. So kam es, wie er mir den Weg gezeigt hat, wie man die Fachhochschulreife noch mal erreichen kann. Den juristischen Teil habe ich mit der zwölften Klasse geschafft. Dann kam noch 800 Stunden praktischer Teil dazu und anschließend konnte ich direkt mit dem Studium für Sozialarbeit anfangen. Das hat ein bisschen gedauert, aber es war doch schneller, als ein Jahr zu wiederholen. Deine Frage vorhin war ja, wenn ich noch mal entscheiden müsste…ich würde den Weg trotzdem auch weitergehen. Es war schon angenehmer und außerdem habe ich durch die ganze Praktikumszeit eigentlich mehr gelernt als in der Schule, wenn ich ganz ehrlich bin. Moderation: Wir bleiben noch mal kurz bei dir. Du hast vorhin auch den Vortrag gehört. Auch hier war es ja so, dass die Ausbildung schon eine Familienentscheidung ist. Wie hast du deine Eltern miteinbezogen oder wie haben sie dich letztendlich akzeptiert mit deiner Entscheidung? Tran Thanh Thuy: Ich bin erst mit 16 nach Deutschland gekommen, kurz vor meinem 16. Geburtstag. Ganz ehrlich gesagt, war ich in meinen Entscheidungen sehr sturköpfig und will die meiste Zeit auch allein entscheiden. Bereuen tue ich das nicht. Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, waren meine Eltern am Anfang schon ein bisschen skeptisch. Meine Mutter hat zwar auch gesagt, dass es nicht schlecht wäre, Abi
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Aussicht auf einen sicheren Job auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen könnte. Es ist besser als ein Arzt-Studium, wo ich dann arbeitslos bin und im Laden meines Vaters als Angestellte arbeite. Moderation: Thuy (Tran Thanh Thuy), du hast vorhin zu mir gesagt, dass du das Abitur nicht geschafft hast, aber war das entscheidend dabei, warum du heute so geworden bist. Würdest du dem Publikum das mitteilen? Tran Thanh Thuy: Ich fange am besten so an: Ich habe eine Prüfung nicht geschafft. Alle Lehrer kamen zu mir und meinten: „Wiederhole das Jahr noch mal!“ Das war für mich so… na ja,

und Studium zu machen. Aber als sie gemerkt hat, dass ich gerne mal was neues ausprobieren möchte... Ich hab ihr damals auch gesagt, dass sie einfach mal mit zur Beratung kommen soll. Einmal war sie dabei, war interessiert und auch begeistert im Nachhinein. Sie meinte: „Wenn der Weg geht, warum denn nicht?“ Ich habe anschließend volle Unterstützung von beiden hingekriegt. Und ja, man sieht: aus mir ist

geübt wurde oder wo man zu einem Berufsinformationszentrum gehen konnte. Dort habe ich dann auch meine Broschüre gefunden, mich über den Beruf informiert, welche Voraussetzungen man braucht. Das steht nur theoretisch drin, da muss man nicht genau hinkucken. Wenn man das wirklich möchte, dann bewirbt man sich. Darüber habe ich den Beruf dann erlernt. Moderation: Gut, dann gehen wir mal rüber zu Mai Thy. Mai Thy hat einen dieser vier typischen Berufe, in denen die vietnamesischen Eltern ihre Kinder am liebsten sehen. Du bist Ärztin. War das deine Entscheidung? Phan-Nguyen Mai Thy: Nach den beiden tollen Vorträgen könnte man jetzt glauben, das ist das Paradebeispiel für die von den Eltern bestimmte Hochschullaufbahn. Zumal mein Vater auch Mediziner ist, muss ich dazu sagen. Dem war zum Glück nicht so. In Vietnam ist es natür-

was geworden – ohne Abi!
Moderation: Dann gehe ich weiter zu Loan. Du bist als Kind als Teil der sogenannten Boat People nach Deutschland gekommen und du bist seit 1993 mit Leib und Seele Krankenschwester. Und du sagst: „Es gibt Patienten, die mich sehr diskriminieren und beleidigen, aber ich zeigen ihnen meine Intention. Ich bleibe stehen! Ich schaue nicht weg. Ich frage zurück und erzähle ihnen; und vor allem mit unserer Geduld, mit Aushalten. Und so mache ich weiter in meinem Beruf und mit meiner Liebe zu meinem Beruf.“ Wie bist du damals zu diesem Beruf gekommen? Wer hat das entschieden? Du? Nguyen Thi Loan: Ich bin ja alleine nach Deutschland gekommen, ohne Eltern, nur mit einem Bruder. In der Schule habe ich nach der elften Klasse gesagt: „Jetzt ist es genug, ich mache jetzt eine Ausbildung!“ Ich wollte schon früher gerne Krankenschwester werden. Aber mein Hauptgrund ist, dass ich gerne unter Menschen bin und ich bin immer glücklich, wenn ich jemandem geholfen habe und sie dann glücklich sind. Ich dachte, ich bewerbe mich mal. Ich hatte davor immer Ängste, als Ausländer – wie soll ich diese großen Deutschen pflegen? Ich gehöre ja zu den kleinsten Leuten. Ich habe mich alleine für diesen Beruf entschieden und bin froh darüber, ich würde mich auch immer wieder für diesen Beruf entscheiden und ihn auch weiterempfehlen. Ich denke, die Geduld

lich so, dass die Eltern auch mitbestimmen, aber es gibt auch ganz viele Familien, die den Kindern wirklich die Möglichkeit lassen, selbst zu entscheiden. So war es bei mir auch.
Meine Eltern haben immer gesagt: „Es ist egal, was du machst, Hauptsache du machst es richtig. Mach es mit Leib und Seele.“ Ich wollte so viel machen! Ich habe nach dem Abi überlegt, was ich jetzt mache – wo sind meine Stärken, was interessiert mich? Und ähnlich wie Loan wollte ich gerne mit und für Menschen arbeiten. Und so hatte ich zwei Berufszweige, wo ich dachte, die könnten zu mir passen. Eins war die Erziehungswissenschaft und auf der anderen Seite Medizin. Ich habe lange überlegt und dann den Weg der Erziehungswissenschaft gewählt. Weil ich auch, ähnlich wie Loan, Bedenken hatte, weil ich so klein bin und dann als Ärztin – irgendwie stellt man sich das einfach bildlich anders vor. Ich habe mich das nicht getraut. Ich habe dann angefangen, an der TU Erziehungswissenschaft zu studieren und irgendwie war das nicht meins. Das Studium hat nicht gepasst und dann habe ich gesagt: „Komm, Augen zu: Ich bewerbe mich, ich fange mit Medizin an!“ Es ist schon so, dass meine Befürchtungen, die ich hatte, auch so sind. Es ist schwierig, allgemein als Frau. Und in dem Beruf ist es so, dass wenn der Pfleger neben
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und der Fleiß der Vietnamesen passen zu diesem Beruf sehr gut.
Moderation: Im Gegensatz zu Thuy, die zur richtigen Zeit einen Ansprechpartner hatte, hast du diese Berufsausbildung letztendlich durch eine Broschüre gewählt. Nguyen Thi Loan: Genau. In der Schule kriegte man auch Informationen, es gab Stunden, wo

einem steht, der Pfleger automatisch immer als der Arzt wahrgenommen wird. Das ist vor allem bei den älteren Patienten so drin. Aber ich denke, wenn man darüber steht, und immer wieder versucht zu erklären, dass man wirklich die Ärztin ist – auch wenn man gerade als Asiatin immer so jugendlich wirkt und die meisten denken, man sei Krankenschwester oder Schülerin oder so. Es ist manchmal schwierig für sie zu erkennen, dass ich wirklich die Stationsärztin bin. Aber es ist ein toller Beruf und meine Eltern haben mich nicht dazu gezwungen. Mein Vater hat sogar gesagt: „Mach doch etwas anderes!“ Weil er weiß, wie hart der Beruf ist, gerade als Frau, wenn man auch Familie haben möchte und Prioritäten setzen muss. Moderation: Thuy, du hast sowohl mehrere Fortbildungen als auch Studien gewählt, weil du unbedingt diese Brücke zwischen diesen beiden Kulturen haben wolltest. Du wolltest dich auch nicht festlegen, ob du in Deutschland oder in Vietnam bleiben möchtest. Du hast Südostasienwissenschaften und Deutsch als Fremdsprache studiert und du hast auch eine Weiterbildung als Sozialarbeiterin gemacht. Du arbeitest im Barnim-Gymnasium, wo 17% der Schüler einen Migrationshintergrund haben. Du bist Vorstandsmitglied von SiVi-Berlin e.V. Du kennst wahrscheinlich sehr viele Mitstreiter und Mitglieder, die ihren Weg gehen. Entweder sie sind noch Studenten oder sie sind schon fertig. Was haben sie für Biografien? Wo sind sie jetzt? Sind sie erfolgreich im Beruf? Haben sie einen Job bekommen?

Luong Thanh Thuy: Ich muss sagen, unter vietnamesischen Studenten bin ich ein Exot. Die meisten studieren BWL, Ingenieurwesen, Jura und Medizin. In der Sozialwissenschaft kennt man zwar auch ein paar, aber seltener, und in der Erziehungswissenschaft kenne ich fast niemanden. Das ist natürlich schade. Ja, wo sind sie jetzt? Ein paar sind arbeitslos und orientierungslos. Ich glaube aber, das liegt an dem Menschen selbst – wie er sich verkauft und wie er seinen Beruf gewählt hat. Ihr hier macht es mit Leib und Seele, aber die meisten Studenten haben ihr Fach studiert, weil ihre Eltern es wollten. Die Eltern wünschen sich,

dass ihr Kind studiert, und zwar bestimmte Berufe, und die jungen Menschen zwingen sich einfach zur Universität zu gehen. Es hieß
auch, eine Fachhochschule sei anders als eine Universität. Da wurde auch schon unterschieden. Über Ausbildung wurde gar nicht gesprochen. Die, die an der Fachhochschule waren und heute in gut bezahlten Berufen sind, werden mit großen Augen gefragt: „Hast du nicht an der HTW studiert oder an der HWR?“ Sie bekommen die gleichen Chancen oder sogar bessere Chancen, weil sie diese Praxisorientierung haben. Die aus den Universitäten werden natürlich gerne in der Forschung genommen. Aber bei Vietnamesen ist es ja auch so, dass die Eltern sich wünschen, dass die Kinder in Reichweite sind, so dass sie zum einen unterstützen können und zum anderen sie sind sehr an die Familie gebunden. Wenn Maschinenbauer richtig Karriere machen wollen, dann müssen sie oft nach Süddeutschland gehen. Ich kenne viele Menschen, die ganz viel pendeln. Sie machen

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sich eigentlich dadurch auch kaputt. Die Familienplanung ist auch nicht so ideal. Viele wollen bei ihren Eltern bleiben und bei uns Vietnamesen ist es auch so, dass man mit einem bestimmten Alter das oder dies erreicht haben muss. Z.B. muss man mit maximal 30 Jahren eine Familie haben. Die meisten machen das und sind dann arbeitslos, weil sie in Berlin nichts finden. Moderation: Die, die studiert haben, was machen die dann? Luong Thanh Thuy: Sie versuchen natürlich, hier und da etwas zu machen und über die Runden zu kommen. Die meisten Absolventinnen haben jetzt kleine Kinder – massig! Wenn man auf Facebook den Freundeskreis anguckt, und im Studentenkreis ist es auch so: Heiraten, Kinder. Sie sitzen zu Hause, der Mann hat einen akademischen Abschluss und versucht hier in Berlin oder der Umgebung etwas zu finden. Vielen gelingt das und einigen nicht. Das ist sehr schade. Moderation: Dann gehe ich jetzt rüber zu Herrn Zuch. Bei der Vorbereitung für diese Podiumsdiskussion und auch diesen Fachtag habe ich ja gelesen, u.a. über die aktuelle Öffnung in der Verwaltung. Das hat damit zu tun, dass man ganz viele Azubis mit einem Migrationshintergrund gewinnen will. Ich glaube in der taz stand vor ein paar Wochen, dass immer mehr Verwaltungen und Betriebe Azubis mit einem Migrationshintergrund einstellen. Und dennoch ist die Marke von 25% noch lange nicht erreicht. Warum? Hier sind Leute, die studiert haben. Wir haben auch Leute, die eine Ausbildung gemacht haben. Obwohl das Problem existiert, dass in der vietnamesischen Familie nur das Studium zählt. Was ist Ihre Argumentation? Ist es die Politik - „Wir wollen mehr Azubis mit Migrationshintergrund einstellen“? Es gibt ja Fördermaßnahmen. Warum sollen ausgerechnet die vietnamesischen Schülerinnen und Schüler eine Ausbildung machen? Ralf Zuch: Ich würde mal grundsätzlich sa-

tige?“ Es macht wenig Sinn eine Aussage zu
treffen wie, dass man 25% Migranten haben will und dann bestimmte Werbekampagnen macht. Und das hat Herr Grossmann ja dadurch betont, dass er die Berufsfelder definiert hat: Am Anfang steht die berufliche Orientierung – so wie die jungen Damen hier ja auch gesagt haben, dass sie sich am Anfang orientiert haben - und dann wird von mir selbst und meinen Eltern aufgrund meiner Stärken eine Entscheidung getroffen, für welchen Beruf ich geeignet bin. Wenn ich dann die Möglichkeit habe, über solche organisierten Praktika die Andockung an eine Firma zu finden und eine Entscheidung zu treffen zu einem Beruf – sei es ein dualer Ausbildungsberuf, sei es ein Fachhochschulberuf oder sei es ein universitärer Beruf – dann kann ich weitere Gedanken spinnen. Letzte Woche sind mir Werbeplakate eines großen Automobilherstellers aufgefallen, auf denen sinngemäß steht: „Wenn mir die Arbeit und die Ausbildung, die dahin führt, Spaß machen, dann macht es für mich auch Sinn!“ Wir haben in Deutschland 360 betriebliche Ausbildungsberufe. Und ich werbe hier dafür, dass es am Anfang stehen sollte, sich darüber einen Überblick zu verschaffen. In bestimmten Bereichen gibt es relativ wenige Migrantinnen und Migranten und da ist die Bundesagentur für Arbeit nicht gerade ein Paradebeispiel; wir haben relativ wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Migranten. Das ist auch so eine Sache. Das hat auch was mit dem Image von bestimmten Unternehmen zu tun.

Grundsätzlich möchte ich dafür werben, am Anfang die Stärken eines jeden herauszuarbeiten, dann die entsprechenden beruflichen Informationen zu suchen – wir stellen
ja eine Vielzahl von Informationen ins Netz – und dann eine Entscheidung zu treffen, wo ich mich hinbewegen will. Dann muss man die entsprechenden Programme nutzen. Aber am Anfang sollte wirklich stehen, die eigenen Stärken herauszufinden und zu schauen, wo man diese ausleben kann. Und man sollte sich auch überlegen, was man mit dem Beruf machen kann, wie man in 10 oder 20 Jahren leben will und wie man dementsprechend die berufliche Orientierung und den Lebensweg gehen muss. Ich bin ja nun am Ende meines Arbeitslebens.
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gen, jeder sollte sich fragen: „Welche Ausbildung und welcher Berufsweg ist für mich - unabhängig von der Herkunft - der rich-

Ich habe, so wie Frau Intepe das ungefähr dargestellt hat, vor 46 Jahren mit einer Chemielaborantenausbildung angefangen, bin dann über verschiedene Wege in die Kernforschung und Strahlenforschung gegangen, um dann irgendwann nach 25 Jahren Chemie mal zu sagen: „Nur mit den Molekülen zu reden ist auch nicht so spannend. Vielleicht sollten wir mal mit Menschen reden.“ Ich werbe auch dafür, dass man bestimmte Brüche in seiner beruflichen Karriere einfach akzeptieren muss. Wichtig ist aber, dass ich eine Basis habe, z.B. eine gute Ausbildung, ein gutes Studium, um das, was ich gelernt habe zu nutzen und später auch in ganz anderen Bereichen umsetzen zu können. Dieses Wissen kann mir keiner nehmen und es eröffnet mir Chancen. So ein direkter Zugang von der Chemie zur Bundesagentur für Arbeit ist auch nicht nachvollziehbar, aber machbar. Moderation: Bleiben wir noch mal bei der Einstellung von Azubis mit vietnamesischem Hintergrund. Ich komme jetzt noch einmal zu Trang. Vorhin bei dem Vortrag von Frau Kinzel haben wir gehört, dass sie in 80 Bewerbungsgesprächen ungefähr zehn Azubis für eine Einstellung aussuchen. Du hast das geschafft. Wie hast du das gemacht? Hat das auch mit deinem vietnamesischen Migrationshintergrund zu tun? Tran Thu Trang: Ich habe mich für den Bezirk Lichtenberg entschieden, weil er nach meiner Recherche als ein sehr guter Ausbildungsbetrieb bekannt ist. Ein Grund meiner Wahl war auch die Berücksichtigung meines Migrationshintergrundes, denn hier habe ich die Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse zu nutzen, um sowohl den Bürgern als auch der Verwaltung bei der Verständigung und den Sprachproblemen zu helfen. Ich denke, das ist auch der Grund, warum sie mich genommen haben.

realisieren. Das hat nichts zu tun, in ihrem Fall, mit ihrem vietnamesischen Hintergrund. Sie war einfach sehr gut. Moderation: So viel zur Bescheidenheit der vietnamesischen Kultur. Wir sagen ja nicht: „Ich bin sehr gut!“, sondern, „naja...“. Loan, wir wissen , wie wichtig es ist, dass Menschen in medizinischen Berufen arbeiten. Aber mit Patienten und Krankheiten umgehen, in Schichten arbeiten, sehr familienunfreundliche Arbeitsbedingungen.... Warum sollen die jungen Menschen und die Eltern sagen: „Ok, es lohnt sich, in diesen Beruf hinein zu gehen und als Krankenschwester oder Altenpfleger oder so etwas zu arbeiten.“ Nguyen Thi Loan: In diesem Beruf gibt es Vorund Nachteile wie in jedem Beruf. Ich erzähle mal von Nachteilen in diesem Beruf. Ein Nachteil sind die Nachtschichten und in diesen drei Schichten arbeiten zu müssen. Aber als ich jung war, habe ich gerne spät und nachts gearbeitet, weil man jeden Tag ausschlafen kann. Und die meiste stressige Arbeit fällt im Frühdienst an. Deshalb wollte ich wirklich viel in Spät- und Nachtdiensten arbeiten. Später, wenn man eine Familie hat und genug Erfahrung in dem Beruf gesammelt hat, dann kommen die Jugendlichen, der Nachwuchs. Dann kann man mit denen verhandeln: „Du machst gerne früh?“ Da habe ich immer getauscht. Ich brauchte jahrelang nicht Nachtdienst und auch nicht Spätdienst zu machen. Ich habe drei Kinder und ich konnte so meine Schichten auch mit meinen Kindern zu Hause vereinbaren. Ich nenne das „weiterhin mein Privatunternehmen meistern“. Ich denke, man kann das planen. Man denkt: Nachtschicht, Spätschicht! Aber der Vorteil ist, wenn man Spätdienst hat, kann man auch andere Dinge erledigen: Behördengänge, anderen Leuten bei Übersetzungen helfen. Das habe ich als junges Mädchen viel gemacht. So konnte ich mit den Leuten, die nicht deutsch konnten, immer zu Behörden gehen. Das ist ein Vorteil. Termine, die vormittags anstanden, konnte ich immer erledigen. Ein Vorteil ist auch, dass man als Krankenschwester in jedem Land eine Arbeit finden kann. Wenn der Partner in Süddeutschland eine Arbeit bekommt, kann man auch umziehen. Ich als Frau ziehe mit und bekomme dort sofort eine Arbeit, weil diese Arbeit immer
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Claudia Kinzel (aus dem Publikum): Grundsätzlich haben wir ca. 800 Bewerbungen, aber wir führen 80 Gespräche. D.h., da ist man schon durch zwei Vorverfahren durch. Und Trang stand in der Rankingliste deutlich oben aufgrund ihrer Leistungen und ihres Auftretens, das wir in so einem Bewerberverfahren ja auch

gefragt ist. Das ist der große Vorteil. Und für uns als Frauen ist es besonders schwer, eine Arbeit zu finden. Deshalb würde ich das auch wirklich sehr empfehlen. Man braucht auch keine Angst zu haben, dass die Deutschen etwas gegen Ausländer haben. Mit unserer vietnamesischen Geduld und Fleiß muss man da dran bleiben. Es gibt auch Tage, wo sie dich sehen und gleich sagen: „Ach, du bist Ausländer. Du hast sowieso keine Ahnung.“ Aber dann stelle ich mich auch hin und sage: „Was wollen Sie? Was haben Sie für Probleme?“ Und dann können sie keine Antwort geben. Im Nachhinein akzeptieren sie mich dann auch und haben Respekt. Von dieser Angst haben mir viele Jugendliche erzählt, dass sie einen als Ausländer nicht akzeptieren. Und das ist überhaupt nicht so. Das kann ich garantieren, dass das wirklich nicht der Fall wird. Moderation: Ich eröffne jetzt dem Publikum die Runde, treten sie mit ein in den Dialog! Sie können gerne Fragen stellen, Anmerkungen machen. Dr. Nguyen van Huong, Büro der Integrationsbeauftragten (aus dem Publikum): Sehr beeindruckend, die Beispiele hier. Ich möchte noch eine Anmerkung dazu machen, weil ich auch sehr intensiv auf diesem Gebiet arbeite und interessiert bin. Ich will nur eine Anmerkung zu einem Aspekt machen. Hier wird heute von Ahnen berichtet, von dem Vorzug der vietnamesischen Familie, der vietnamesischen Eltern: Flexibilität im Berufsleben. Das ist ein Vorzug, aber es kam wirklich hemmend rüber. Warum? Ich beobachte zur Zeit, dass viele vietnamesische Eltern hier in Deutschland bereits so weit sind, zu erkennen, dass ein Studiumsabschluss nicht unbedingt eine gute Perspektive für ihre Kinder bietet und auch sichert. Deshalb fragen schon viele Leute, ob es für ihre Kinder noch einen anderen Weg gibt. Wenn allerdings über Berufsausbildung gesprochen wird, haben sie Angst, dass ihre Kinder durch eine Berufsausbildung eingeengt werden, weil sie nur einen Beruf haben und später nicht mehr flexibel sein können. Ich beobachte z.B. bei vietnamesischen Selbstständigen, dass sie immer auf dem Sprung sind. Wenn sie heute Blumen verkaufen, schauen sie schon nach Nachrichtenbüro, nach Änderungs34

schneiderei. Und sie wollen das auch bei ihren Kindern, sie erwarten von ihren Kindern, dass das, was sie lernen, so ist, dass sie immer in der Lage sind, etwas Neues zu machen. Wenn auf dem Markt das und das günstig und ertragreich ist, dann sollen sie dazu auch in der Lage sein. So sollten wir daran gehen, den Eltern hier, vor allem den Eltern, die erst vor kurzem nach Deutschland gekommen sind, klar zu machen, dass hier in Deutschland das Fachwissen in einem Bereich nicht unbedingt ein Nachteil ist.

Im Gegenteil, dass heutzutage das hohe Fachwissen – und sei es auch „nur“ in einer Ausbildung – in dieser Gesellschaft einen hohen Wert hat. So dass Kinder, die nur einen
Beruf erlernen, z.B. Tischler, dann auch nicht Blumen verkaufen können und auch keine Änderungsschneiderei aufmachen können, aber dafür einen sicheren Arbeitsplatz haben und eine Zukunft. Und sie werden gebraucht und bringen gute handwerkliche Leistungen hervor. Das müssen wir den vietnamesischen Eltern klar machen. Es scheint mir sehr wichtig, diesen Aspekt hervor zu heben. Ralf Zuch: Vielleicht als Ergänzung: Wie Frau Intepe vorhin dargestellt hat, haben wir ja eine dreijährige Ausbildung. Und eine dreijährige Ausbildung heißt, dass man eine breite Ausbildung in einem bestimmten Beruf bekommt und wo ich dann später nach der Ausbildung in dem Beruf arbeite, das liegt auch ein bisschen an meiner Kreativität. Bleiben wir mal beim Tischler. Beim Tischler denkt man, er ist relativ eingeschränkt in seiner Arbeit, aber ich kann auf dem Bau als BauTischler arbeiten, ich kann Möbel restaurieren, ich kann mich zum Restaurator weiterentwickeln. Eine dreijährige Ausbildung bedeutet

eine breite Ausbildung mit vielen Facetten, die mir später die Möglichkeit gibt, in dem einen Bereich, der mich interessiert und wo ich meine Stärken habe und auch meine Wünsche ausleben kann, einen Beruf zu finden.
Es gibt eine breite Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten in einem dual ausgebildeten betrieblichen Beruf. Dafür sollte man sich informieren, wie die jungen Damen das ja auch gemacht haben, um diese Facetten des Berufes zu erkennen und dann vielleicht später, wenn

man besonderen Spaß und Engagement in diesem Teilbereich entwickelt hat, sich auch weiter zu entwickeln und evtl. dann später auch noch einen Studienabschluss zu machen. Dann bitte daran denken: Um einen Studienabschluss zu erreichen, muss man schon ein gewisses Maß an Wissen haben, um darauf aufzubauen. Auch bei der betrieblichen Ausbildung ist es so, dass man ein gewisses Wissen anhäufen muss, um die Berufsschule zu schaffen. Das muss man einfach akzeptieren, arbeiten, fleißig sein und dann ist auch hier der Erfolg gegeben. Man muss auch einfach diese Kreativität in den Berufen für sich selber ausnutzen, um dann auch später Spaß an der Arbeit zu haben. Moderation: Wir bleiben noch mal bei der Wortmeldung von Huong und Thuy. Darf ich trotzdem noch mal sagen, was du vorhin zu mir gesagt hast, obwohl dein Vater hier sitzt? Du hast zu mir gesagt, dass das Problem ist, wie man die Eltern überzeugen kann. Und sie hat ganz klar gesagt: „Mitnehmen! Einfach mitnehmen!“ Würdest du das noch mal erzählen? Tran Thanh Thuy: Ich glaube, wenn ein Elternteil mitkommen würde, wäre das wirklich das Beste, weil sie, selbst wenn sie nicht alles verstehen, eine Sicherheit bekommen. Dass die Eltern merken: „Wir nehmen das in die Hand. Wir nehmen die Beratungen an.“ Das heißt, dass sie schon sehr aktiv sind, und das gibt Sicherheit und Vertrauen. Da merken sie auch, dass man etwas für sein Leben und seine Zukunft tut. Meine Erfahrung ist, dass das einfach funktioniert hat, aber das muss nicht bei jeder Familie so sein. Marina Mai (aus dem Publikum): Ich habe eine Frage an die Auszubildende aus Lichtenberg. Sie sagten, dass Ihr Vater umgestimmt wurde, als er einen Zeitungsartikel gelesen hat über arbeitslose Akademiker. Ich bin Journalistin, deshalb muss ich das natürlich fragen: Geht es hier um arbeitslose Akademiker in Vietnam oder in Deutschland und war es eine deutsche oder eine vietnamesische Zeitung? Tran Thu Trang: Es war eine vietnamesische Zeitung über arbeitslose Akademiker in Deutschland.
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Vietnamesischer Herr, Elternsprecher des Barnim-Gymnasiums (aus dem Publikum): Wir haben hier über Fragen der vietnamesischen jungen Leute gesprochen. Und andere Teilnehmer, wie wir Elternteile, haben heute wenig gesprochen. Aber bei der Berufsorientierung für Kinder müssen auch die Eltern mitbestimmen können. Es ist nicht gut, wenn Eltern die Kinder zwingen, aber ihr habt auch Vorteile davon. Eure Eltern haben auch vieles mitgebracht. Lernen ist auch Tradition von Vietnam. Es gibt auch andere Migrantengruppen, die sich vielleicht nicht für die Zukunft ihrer Kinder interessieren. Sie lassen Kinder selbst entscheiden, aber sie gucken nicht, was die Kinder dann tatsächlich machen. Viele Leute aus anderen Communities lassen die Kinder auch einfach auf der Straße und die Schule ist ihnen egal. Das sind einige Vorteile, die ihr habt. Das müssen wir auch klar sagen! Die vietnamesischen El-

tern investieren in eure Zukunft und das bringt eben was. Ihr müsst besser sein als wir Eltern. Wir sind sowieso zu alt, wir können
nicht mehr machen, aber die Zukunft liegt in eurer Hand. Das sind die beiden Seiten und wir müssen mit den Eltern besser kommunizieren. Das können wir gemeinsam. Und wie mir Herr Schmidt-Ihnen (Schuleiter des Barnim-Gymnaiums, Anm. der Redaktion) in der Schule gesagt hat: Die Bildung hat drei Aspekte: Schule, Eltern und Schüler. Diese drei Faktoren müssen gut kommunizieren. Danke schön! Luong Thanh Thuy: Frau Kollath, darf ich etwas dazu sagen? Ich habe eine Forschung in Bezug auf Leistungsdruck gemacht und es gibt einen hohen Leistungsdruck, besonders an den Gymnasien, für vietnamesische Schülerinnen und Schüler. Die vietnamesischen Eltern kümmern sich sehr, das ist ein Aspekt, den auch Sie schon angesprochen haben. Die Schüler haben als Nachteil daran gesehen, dass dieser Leistungsdruck da ist. Auf der anderen Seite müssen sie zugeben, dass ihre Eltern sich um sie kümmern. Diese Bemutterung, die ich in deinem Vortrag gesehen habe, die stimmt. Kommunikation ist wichtig, Mitkommen ist wichtig und vietnamesische und auch deutsche Zeitungen sind wichtig. Aber ich glaube, die Eltern müssen das

Kind auch als eine Person, als ganzen Menschen sehen. Egal, welchen Abschluss er

dann machen wird. Jedes Kind hat ein Hobby
und eine Vorliebe. Also nicht immer gucken, was das Nachbarkind macht und vergleichen. Vergleichen mit Geschwistern, mit Freunden, mit Klassenkameraden das ist bei Jugendlichen überhaupt tabu. Ich glaube, keiner will verglichen werden, auch Erwachsene nicht. Vu Quoc Nam, Bundesverband der Vietnamesen (aus dem Publikum): Wir haben gerade gehört, dass die meisten sehr orientiert und selbstständig ihren Beruf wählen und auch ihre Eltern überzeugen, euch zu unterstützen. Ich habe Fragen: Wie beurteilt ihr eure Mitschüler? Bei fast allen vietnamesischen Schülern, auch aktiven und orientierten wie Euch, die Berufsschulen wählen, habe ich das Gefühl, dass bei vielen vietnamesischen Jugendlichen etwas schief läuft mit dem Beruf und sie sich wenig über das Berufsleben informieren. Ich habe vietnamesische Jugendliche mit Abitur gefragt, was sie studieren möchten und die Antwort war immer: „Weiß ich nicht.“ Ist es wirklich so, dass es auch solche Mitschüler gibt, die so anders sind als ihr? Die zweite Frage ist: Wie ist eure Botschaft an die ältere Generation? Was können die Eltern besser machen, damit sie euch besser unterstützen können? Moderation: Das ist eigentlich meine Frage – also bitte noch nicht antworten. Bitte vielleicht erst mal nur die erste Frage beantworten. Mai Thy Phan-Nguyen: Ich denke, dass das ja auch nicht schlimm sein muss. Man muss ja nicht sofort, wenn man das Abitur fertig hat, wissen, was man wird. Hier gibt es so viele tolle Berufe und Möglichkeiten, die man hat. Ich denke, es ist gut, wenn die Jugendlichen dann erst mal ein Praktikum machen. Ich habe ja auch im Kindergarten gearbeitet, dann habe ich ein Krankenpflege-Praktikum gemacht. Man schaut sich halt um, wenn man sich ein bisschen entschlossen hat, welche Berufe in Frage kommen. Aber ich denke, die Eltern dürfen auch nicht diesen Druck machen, dass die Kinder schon wissen müssen, was sie sofort nach dem Abi im Wintersemester anfangen. Ich habe mir auch ein halbes Jahr lang Erziehungswissenschaft angeschaut und das war

dann doch nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und ich finde, es ist ja auch nicht schlimm zu sagen, dass das doch nicht die richtige Entscheidung war und sich für etwas anderes zu entscheiden…und da brennt´s, das ist meine Leidenschaft und das mach ich auch. Ich finde, da muss man als Eltern auch ganz entspannt sein und die Kinder beim Überlegen unterstützen. Man muss sich überlegen, was der Beruf bedeutet. Viele, die ich kenne sagen, dass Biotechnologie gerade in ist. Ich habe sie gefragt, ob sie auch wissen was das bedeutet? Das bedeutet nämlich, dass man oft im Labor ist und das war ihnen erst gar nicht klar, dass sie wenig Kontakt mit Menschen haben, sondern eher im Labor sind und forschen. Ich glaube, es ist wünschenswert, die Kinder sich erst mal ganz entspannt orientieren zu lassen und dann gucken sie sich schon um und suchen sich das richtige raus. Man darf eben nur nicht sagen,

es muss das Studium sein, sondern es muss auch das sein, was ihnen auch Spaß macht und wohinter sie auch stehen.
Tamara Hentschel, Reistrommel e.V. (aus dem Publikum): Wir haben jetzt vier, fünf sehr selbstbewusste jungen Damen vor uns zu sitzen, die eigentlich ihre Eltern mitgenommen haben. In vielen Fällen kommen die Eltern nicht mit. Wir haben ja am Gymnasium angefangen mit dem Berufsorientierungstag und da waren keine Eltern anwesend. Da sind nur die Jugendlichen gekommen. Einerseits sollen die Eltern den Jugendlichen mehr Vertrauen geben. Sie sollen schon wissen, dass sie die ganzen Jahre eine gute Erziehung geleistet haben und sie sollen an irgendeinem Punkt ihren Kinder auch mal vertrauen, dass sie sich um ihr Leben wirklich Gedanken machen. Und sie sollen sich beteiligen, aber nicht unter Druck, sondern motivieren. Ich kenne sehr, sehr viele, die etwas anderes studieren wollten und letztlich dann BWL studiert haben. Moderation: Diese fünf wunderbaren Damen und Herr Zuch sind noch eine Weile da. Sie haben danach noch die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Abschlussrunde! Ich fange bei dir an, Trang. Wir haben jetzt mitbekommen: da sind Eltern, da sind Berufsausbilder, da sind die Sozialarbei36

ter, da sind junge Leute und alte. Welche Botschaft möchtest du vermitteln? Tran Thu Trang: Die Entscheidung für den Schritt nach der Schule ist schon von großer Bedeutung und muss auch mit Bedacht getroffen werden, denn diese Entscheidung ist ausschlaggebend für die eigene Zukunft und die Betonung liegt auch wirklich auf „eigene“.

Denn der junge Erwachsene muss auch selbst für sich entscheiden, was das passende für ihn ist, und nicht auf die Oma oder die Eltern hören: „Du musst Pilot werden oder Arzt oder Jura studieren!“ Ich
denke, egal welche Richtung gewählt wird, solange es etwas ist, das einen interessiert und man alles gibt und geben kann, ist das das Richtige. Luong Thanh Thuy: Meine Botschaft habe ich eigentlich vorhin schon gesagt, ich ergänze nur noch kurz. Was Tamara Hentschel gesagt hat, ist richtig: Vertrauen in die Kinder haben,

einbeziehen möchte, weil sie keine Ahnung haben; weil sie kein Deutsch können, nicht hier studiert oder hier keine Ausbildung gemacht haben und sie deshalb angeblich nicht mitreden können. Das ist ein großer Aspekt, dass man auch den Eltern das Gefühl gibt, dass man ihnen vertraut und ihnen auch mitteilen möchte, was einen bewegt und interessiert, und sie zu fragen, was sie davon halten. Ich glaube, das ist noch mal so ein Punkt, an dem beide Generationen arbeiten können, damit beide Seiten das Gefühl haben, dass keiner übergangen wird; weder das Kind noch die Eltern. Dass man einfach offen ist

und mehr Vertrauen schafft, was so ein bisschen ein Defizit ist in den vietnamesischen Familien.
Nguyen Thi Loan: Wie Sie gesagt haben, investieren die Eltern in ihre Kinder, damit es besser wird als für sie. Das sind die typischen Vietnamesen: Sie arbeiten, sie können auch fünf Jobs haben, und das Geld ist für die Kinder, um Nachhilfe zu nehmen, dass sie besser lernen.

aber auch Vertrauen in sich selbst. Sie sollen ihrer Erziehung selbst vertrauen. Ich arbeite
nebenbei auch noch als Familienhelferin und im Jugendamt sitze ich dann mit der Mutter und die Sozialarbeiterin sagt auch: „Sie haben wirklich auch eine gute Erziehung gemacht! Sie sind nicht im Jugendamt, weil Sie Ihr Kind misshandeln, sondern wir wollen Ihnen nur helfen.“ Wenn die Eltern „Jugendamt“ hören, dann ist das für sie gleich etwas Schlechtes. Nein, die helfen nur. Ja, Vertrauen haben, informieren. Mehr kann ich da auch nicht sagen. Phan-Nguyen May Thy: Ich sage noch etwas zu den Jugendlichen und zu denen, die vor der Entscheidung stehen. Ich denke, es ist wichtig, auch die Eltern zu verstehen. Letztendlich ist es ja so, dass sie eigentlich nur unser Bestes wollen. Das steht fest. Aber dass wir

Das müssen die Kinder auch respektieren und das beste daraus machen. Wenn die
Kinder nicht wissen, was sie als Beruf machen wollen, müssen sie sich auch durchkämpfen und beweisen, dann mache ich diesen Beruf und ich bleibe dran und bin fleißig und im selben Beruf kann man sich auch weiterbilden und man muss nicht auf einer Stelle bleiben. Das ist

der große Vorteil in Deutschland: man kann sich immer weiterbilden. Als Krankenschwester kann ich auch als Lehrerin arbeiten, als Stationsleiterin und auch als Pflegedirektorin. Man kann sich immer weiter bilden. Als Pflegedirektorin ist man für die ganze Charité zuständig und die Charité ist ein großes Krankenhaus. Das ist der Beweis dann später für die Eltern, wenn man sich nach der Ausbildung einfach weiterbildet. Deshalb denke ich, auch wenn die Eltern die Kindern zwingen, aber die Kinder stur bleiben und doch erst mal das lernen wollen, dann müssen sie auch fleißig dran bleiben und nicht aufhören. Denn wir müssen auch Respekt

Jugendlichen auch lernen, und ich finde, das haben viele ja auch gelernt, die Eltern mehr einzubeziehen. Also z.B.: „Guckt mal, Mama
und Papa, es gibt diese Möglichkeiten…“ Ihnen das Gefühl zu geben, teilzuhaben und dass man auch möchte, dass sie verstehen, was man machen möchte. Es ist ja auch oftmals so, dass die Eltern das Gefühl haben, dass man sie gar nicht

vor unseren Eltern haben und davor, was sie für uns ihr Leben lang investiert haben.

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Tran Thanh Thuy: Als letzte – jetzt wurde schon fast alles gesagt! Ich habe nur ein kleines Beispiel: Mich hat eine Mutter angesprochen, ob ich ein Beratungsgespräch mit ihrem Sohn durchführen könnte. Er ist 16. Er kam mit seinem Vater zu mir und mein Auftrag war, ihm zu sagen, was er alles nicht darf – mit 16! Bzw. ihm zu sagen, was er in der letzten Zeit alles falsch gemacht hat, dass er mehr in der Schule machen sollte. Das habe ich natürlich nicht gemacht. Ich habe ihm gesagt, was er mit 16 vom Gesetz her machen darf. Bei vielen Sachen habe ich gesagt, dass das mit 16 angemessen ist. Das hat dem Vater nicht gefallen und ich glaube, er hat sich in den Rücken gefallen gefühlt, als ich das gesagt habe.

mand eine Entscheidung von mir erwartet hätte darüber, was ich jetzt, mit 61, beruflich leisten soll, hätte ich mich damals etwas überfordert gefühlt. Also mehr Gelassenheit und mehr Akzeptanz!

In dieser Lebensaltersstufe geht es natürlich auch darum, die Kinder bei diesem Informationsprozess zu begleiten und vor der Podiumsdiskussion sind ja schon einige Informationen gekommen. Ich kann sehr dafür werben, die Angebote der Berufsberatung – und die sitzen ab der siebten Klasse in jeder Schule – wahrzunehmen. Ich bitte auch, die Elternabende zu besuchen. Wir leiden leider darunter, dass es bei Eltern- und Erziehungsveranstaltungen relativ wenig Teilnahme gibt.

Was ich mir von den Eltern wünsche, sind mehr Kompromisse und Akzeptanz. Das würde ich jetzt nicht weiter ausführen, weil es ja schon sehr ausführlich besprochen wurde. Wirklich Kompromisse einzugehen. Ralf Zuch: Ich möchte eigentlich nur zwei Sachen sagen, die hier auch schon ganz stark angeklungen sind: Die Schüler kommen heute teilweise mit 5 in die Schule und sind dann mit 15 in der zehnten Klasse. Da empfehle ich, sich mal selbst zu überlegen: Welche Gedanken hatte ich denn mit 15 oder 16? Wenn damals je-

Begleiten Sie Ihre Kinder bei dem Prozess der Berufsorientierung! Bei 360 Berufen
durchzuschauen und herauszufinden, wo meine Stärken liegen und woran ich Spaß habe, das zu erfahren ist manchmal auch für die Eltern eine Entwicklung. Moderation: Ganz vielen Dank! Das war sehr interessant! Ich persönlich habe ganz viel dazugelernt. Danke, dass Sie uns das mitgeteilt haben! Und ich danke dem Publikum für die Geduld, die Neugier und die Aufmerksamkeit.

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Aussteller der Info-Börse
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Personalentwicklung / Aus- und Fortbildung Claudia Kinzel Alt Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin 030 / 90296 - 6822 nach Vereinbarung claudia.kinzel@lichtenberg.berlin.de http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/buergerservice/bildung Ausbildung für den mittleren Verwaltungsdienst: - Verwaltungsfachangestellte_r - Fachangestellte_r für Medien- und Informationsdienste (Bibliotheken) - Vermessungstechniker_innen - Gärtner_innen (Garten- und Landschaftsbau) - Altenpfleger_innen ... wir in unserer Lichtenberger Verwaltung viele Bürger in ihrer eigenen Sprache beraten möchten. Deswegen möchten wir junge Kolleg_innen einstellen, die ihren Mitbürgern in vietnamesischer Sprache kompetent weiter helfen können.“

Wir brauchen dich, weil ....

BQN Berlin
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Berlin braucht dich! Arthur Grossmann Alte Jakobstraße 85 - 86, 10179 Berlin 030 / 275 90 87 20 ag@bqn-berlin.de http://www.berlin-braucht-dich.de Vermittlung von Betriebsbesuchen, Praktika und Bewerbungstraining für 7. – 10. Klassen der Partnerschulen von Berlin braucht dich!, in öffentlichen Unternehmen und Verwaltungen Berlins, und zwar in den Berufsgruppen: - gewerblich- technische Berufe - Gesundheitsberufe und Bäderbetriebe - Büro- und Verwaltungsberufe - Schutz- und Sicherheitsberufe Mit der Aufforderung „Berlin braucht dich!“ und der gleichnamigen Kampagne wenden sich die Verwaltung und die öffentlichen Unternehmen Berlins gezielt an Schüler/innen aus Einwandererfamilien, um sie für eine Ausbildung bzw. als MitarbeiterInnen im öffentlichen Dienst zu gewinnen und damit kulturelle Vielfalt des öffentlichen Personals zu stärken.
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Wir brauchen dich, weil ....

Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege Frau Brigitte Poek Herzbergstraße 79, 10365 Berlin 030 / 5472-5100 oder -5101 07.30 – 16.00 Uhr b.poek@keh-berlin.de www/keh-berlin.de 3-jährige Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege (Beginn: 1. Oktober) Dualer Studiengang „Bachelor of Nursing“ in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Berlin (3 Jahre ausbildungsintegriertes Studium + 1 wissenschaftliches Jahr) Ausbildung Operationstechnische Assistenz in Kooperation mit der Akademie der Gesundheit Berlin-Buch (Beginn: 1. April) – 1 Ausbildungsplatz / Jahr ...in unserem Krankenhaus auch zunehmend Patienten mit vietnamesischer Herkunft behandelt werden und wir benötigen deine heimatsprachliche Kompetenz. Wir sind eine leistungsorientierte Schule, an der neben der Entwicklung der fachlichen Kompetenz auch großer Wert auf die Entwicklung der sozialen und personalen Kompetenz gelegt wird. Als Einrichtung der Evangelischen Diakonie erwarten wir von dir, dass du christlichen Werten wie Akzeptanz, Toleranz, Zuwendung zum Hilfebedürftigen gegenüber aufgeschlossen bist.

Wir brauchen dich, weil ....

Hochschule für Wirtschaft und Recht
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Zentrale Studienberatung / Career Service Hr. Hirsch-Landau (Lichtenberg), Hr. Lange (Schöneberg) Alt-Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin 030 / 30877-2520 Di 10 – 12, Do 15 – 17 Uhr studienberatung@hwr-berlin.de www.hwr-berlin.de Die HWR Berlin bietet Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Management von privaten, öffentlichen und gemeinnützigen Institutionen an

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Handwerkskammer Berlin
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Passgenaue Vermittlung Fr. Viola Ertel Blücherstraße 68, 10961 Berlin 030/ 25903-395 variabel ertel@hwk-berlin.de www.hwk-berlin.de Information und Beratung zur betrieblichen Ausbildung von Handwerksberufen. Hier eine kleine Auswahl von Handwerksberufen: z.B. Augenoptiker/in, Automobilkauffrau/-mann, Bäcker/in, Elektroniker/in, Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Feinwerkmechaniker/in, Friseur/in, Hörgeräteakustiker/in, Informationselektroniker/in, Kauffrau/-mann für Bürokommunikation, Konditor/in, Kosmetiker/in, Kraftfahrzeugmechatroniker/in, Maßschneider/in, Maurer/in, Tischler/in, Zahntechniker/in und viele andere mehr. … es im Handwerk viele gute Ausbildungsmöglichkeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt.

Wir brauchen dich, weil ....

Industrie- und Handelskammer Berlin
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Passgenaue Vermittlung Jakob Schmachtel Fasanenstraße 85, 10623 Berlin 030 / 31510-523 Mo-Do in der Zeit von 08:00 Uhr bis 17:00 Uhr Freitags von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr Jakob.Schmachtel@berlin.ihk.de http://www.ihk-berlin.de Das Projekt "Passgenaue Vermittlung" bietet eine kostenfreie Ausbildungsvermittlung für Betriebe und für Ausbildungssuchende vom Schulabgänger (mit oder ohne Abschluss) bis zum Studienabbrecher. Grundsätzlich ist somit die Vermittlung in alle Ausbildungsberufe, welche die IHK Berlin betreut, möglich. ... die Berliner Wirtschaft Sie in den unterschiedlichsten Berufen braucht. Aufgaben im Außenhandel, als Industriekaufleute, Veranstaltungskaufleute, Immobilienkaufleute, als MechatronikerInnen, FachinformatikerInnen aber auch in der Hotellerie/Gastronomie und vielen weitere Berufsbildern warten auf Sie. Wir wollen Ihnen helfen die richtige Ausbildung im richtigen Unternehmen zu finden.“

Wir brauchen dich, weil ....

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Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Studium im Bereich Sozialwesen, Studienberatung Johanna Stierl, Christiane Paul Köpenicker Allee 39-57; 10318 Berlin 030/50101010 variabel, Schauen Sie deshalb immer auf der Homepage nach. studienberatung@khsb-berlin.de www.khsb-berlin.de Unsere Hochschule bietet Studiengänge im sozialen Bereich an: Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung, Heilpädagogik und schulische Religionspädagogik. Es gibt an unserer Hochschule Bachelorstudiengänge im Vollzeitprogramm und berufsbegleitend, sowie vier Masterstudiengänge im Bereich der sozialen Arbeit. ... Berlin qualifiziertes pädagogisches Personal braucht. Vielfalt bereichert – bewirb dich jetzt!

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Polizei Berlin
Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Berufsinformation Frau Daschek Keibelstraße 36, 10178 Berlin 3323003 Di 9-16 Uhr, Mi und Do 13-16 Uhr berufsinfo@polizei.berlin.de www.polizei.berlin.de - Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst der Schutzpolizei - Studium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst der Schutz- und Kriminalpolizei Als moderne Hauptstadtpolizei stellt sich die Polizei Berlin den vielschichtigen Anforderungen einer multikulturellen Weltmetropole. Dazu gehören Großveranstaltungen, wie zum Beispiel Demonstrationen, Sportveranstaltungen, Staatsbesuche und Straßenfeste. Auch das alltägliche Zusammenleben der Bürgerinnen und Bürger stellt die Polizei vor immer neue Herausforderungen. So unterschiedlich und facettenreich die Menschen in dieser Stadt sind, so abwechslungsreich ist auch der Beruf einer Polizeibeamtin bzw. eines Polizeibeamten. Für die Erfüllung der vielfältigen Aufgaben braucht die Polizei Berlin Nachwuchskräfte, die sich engagiert mit Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen diesen Aufgaben stellen wollen. Darüber hinaus ist die Polizei Berlin sehr an Bewerberinnen und Bewerbern interessiert, die über - möglichst muttersprachliche - Fremdsprachenkenntnisse verfügen, insbesondere Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch oder Vietnamesisch.
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Wir brauchen dich, weil ....

Senatsverwaltung für Inneres und Sport – Abteilung Zentraler Service Abteilung/Projekt Ansprechpartner_in Anschrift Telefon Sprechzeiten E-Mail Homepage Angebote Einstellungs- und Ausbildungsbehörde - ZS B 11 Frau Andrea Orhan Klosterstraße 47, 10179 Berlin 030 / 90223-2327 eignungspruefungsbereich@seninnsport.berlin.de www.berlin.de/sen/inneres Information und Beratung: - zur Ausbildung zur/ zum Verwaltungsfachangestellten (auch mit Erwerb des Fachabiturs) - zum Zugang in ein Beamtenverhältnis im Anschluss an das Studium der öffentlichen Verwaltungswirtschaft ... wir die Vielfalt in der Bevölkerung auch innerhalb unserer Mitarbeiter abbilden wollen.

Wir brauchen dich, weil ....

Agentur für Arbeit Berlin Mitte, Berufsberatung
http://www.arbeitsagentur.de

Schullaufbahnberater in Lichtenberg, Herr Haring Schullaufbahnberaterin in Marzahn-Helelrsdorf, Frau Sens
http://www.oberstufenzentrum.de/schullaufbahnberatung-an-den-oberstufenzentrenund-beruflichen-schulen

Projekt "Migrantenorganisationen als Träger von Freiwilligendiensten“| Club Dialog e.V.
http://www.mo-freiwilligendienste.de/

V.I.E.W. e.V.
http://view-ev.com/

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Beteiligte Vereine
Einrichtungen Bundesverband der Vietnamesen in Deutschland e.V. Bürgerlotsen Lichtenberg (VIA) Kontakt Herzbergstraße 33-34 10365 Berlin www.lienhiepnguoiviet.de Weißenseer Weg 2 10367 Berlin T 030/ 762 185 32 www.via-in-berlin.de Münsterlandstraße 33 10317 Berlin T 030/ 67 12 97 22 www.urban-consult.de ikb@urban-consult.de Bayerischer Platz 9 10779 Berlin T 030/ 2887 9511 http://www.susi-frauenzentrum.com Oranienstraße 34 10999 Berlin 030/69 53 67 88 www.mrbb.de Eichhorster Straße 38 12689 Berlin 030/ 21 75 85 48 www.reistrommel-ev.de Postfach 02 66 38 10129 Berlin www.sivi-berlin.de Angebote

Begleitung, Behördenhilfe

Interkulturelles Bildungszentrum (IKB)

Interkulturelles Frauenzentrum S.U.S.I.

Kommunikationskurs Deutsch, Kultursensible Familientrainings, Vermittlung von Hilfeleistungen, "Interkulturelles Familiencafé" Soziale Beratung, gesundheitliche Beratung, Veranstaltungen

Migrationsrat Berlin-Brandenburg e.V.

Härtefallberatung für FlüchtlingeFrau Thúy Nonnemann Mo und Do, 10 h–14 h MBE, Integrationskurs, Begleitung von Familien, Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche

Reistrommel e. V.

SiVi-Berlin e.V. Verein vietnamesischer Studenten in Berlin

Vereinigung der Vietnamesen in Sewanstraße 43 Berlin-Brandenburg e. V. 10319 Berlin T 030/ 541 11 77 http://vietnam-bb.de/ V.I.E.W. e.V. http://view-ev.com info@view-ev.com

Beratung, Kurse, Gruppenangebote

Soziale Beratung (in der Vietnam-Ambulanz, Eschenallee 3, 14050 Berlin) nur Voranmeldung

44

Verband für interkulturelle Arbeit (VIA) Regionalverband Berlin/Brandenburg e. V.
        
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