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Full text: International Mobil / Engler, Marcus

FoRSchUNGSBEREIch

International Mobil
Motive, Rahmenbedingungen und Folgen der
Aus- und Rückwanderung deutscher Staatsbürger

Studie des SVR-Forschungsbereichs 2015-1
Studie des SVR-Forschungsbereichs, des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB)
und der Universität Duisburg-Essen, gefördert von der Stiftung Mercator
Der Sachverständigenrat ist eine Initiative von:
Stiftung Mercator, VolkswagenStiftung, Bertelsmann Stiftung, Freudenberg Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
und Vodafone Stiftung Deutschland

Forschungsbereich

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung....................................................................................................................................................................... 	

4

1.	 Internationale Mobilität von Deutschen: Chancen und Herausforderungen. .......................................................... 	

6

2.	
	
	
	

Auswanderung aus Deutschland: statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen. ..... 	 8
2.1	 Auswanderungsland Deutschland? Volumen, Trends und Zielländer................................................................. 	 8
2.2	 Veränderte Rahmenbedingungen für Auswanderung. ......................................................................................... 	 14
2.3	 Drei Wirkungsdimensionen von Abwanderung: Abwesenheit, Diaspora, Rückkehr........................................ 	 16

3.	
	
	
	

Die Befragung International Mobil: methodischer Ansatz und Vorgehen................................................................ 	
3.1	 Zugang zur Zielgruppe................................................................................................................................................ 	
3.2	 Entwicklung des Fragebogens................................................................................................................................... 	
3.3	 Online-Survey und Ausschöpfung der Stichprobe.................................................................................................. 	

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4.	
	
	
	
	
	
	
	
	
	
	
	

Wer wandert aus, wer kommt zurück? Soziostrukturelle Merkmale der international Mobilen. ....................... 	
4.1	 Aus- und Rückwanderer sind deutlich jünger......................................................................................................... 	
4.2	 International Mobile sind höher gebildet................................................................................................................ 	
4.3	 International Mobile kommen aus einem bildungsnahen Elternhaus. .............................................................. 	
4.4	 Geschlechtsspezifische Wanderungsmuster............................................................................................................ 	
4.5	 Migrationshintergrund erhöht Mobilität.................................................................................................................. 	
4.6	 International Mobile sind häufiger erwerbstätig................................................................................................... 	
4.7	 Akademiker und Führungskräfte sind besonders mobil....................................................................................... 	
4.8	 Ungebundene sind mobiler....................................................................................................................................... 	
4.9	 Andere Regionen, andere Aus- und Rückwanderer. ............................................................................................. 	
4.10	 Mehrfachmobilität ist weit verbreitet...................................................................................................................... 	
4.11	 Zusammenfassung und Zwischenfazit. .................................................................................................................... 	

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5.	
	
	
	
	

Warum ins Ausland, warum zurück? Motive und Beweggründe von Aus- und Rückwanderern. ....................... 	
5.1	 Warum wandern Menschen aus Deutschland aus?............................................................................................... 	
5.2	 Motive und Beweggründe der Auswanderer. ........................................................................................................ 	
5.3	 Motive und Beweggründe der Rückwanderer........................................................................................................ 	
5.4	 Zusammenfassung und Zwischenfazit. .................................................................................................................... 	

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6.	
	
	
	
	
	
	

Erwartungen erfüllt? Auswirkungen internationaler Mobilität auf individuelle Lebensbedingungen.............. 	
6.1	 Ökonomische Lebensbedingungen: höheres Einkommen durch Auswanderung. ........................................... 	
6.2	 Soziale Lebensbedingungen: Auswanderer verlieren Freunde und Bekannte. ................................................ 	
6.3	 Spiegelbildliche Situation bei Rückwanderung: ökonomische Einbußen, sozialer Ertrag............................... 	
6.4	 Folgen der Auswanderung: wenig abhängig von sozialer Situation. ................................................................. 	
6.5	 Sozial selektive Folgen von Rückwanderung.......................................................................................................... 	
6.6	 Zusammenfassung und Zwischenfazit. .................................................................................................................... 	

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7.	
	
	
	

Für immer? Rück- und Weiterwanderungsabsichten international Mobiler............................................................ 	
7.1	 Rückwanderungsabsichten von Auswanderern. .................................................................................................... 	
7.2	 Weiterwanderungsabsichten von Rückwanderern. ............................................................................................... 	
7.3	 Zusammenfassung und Zwischenfazit. .................................................................................................................... 	

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8.	 Internationale Mobilität: Fazit und gesellschaftspolitische Handlungsoptionen.................................................... 	 49
	 8.1	 Zentrale Erkenntnisse der Befragung International Mobil.................................................................................... 	 50
	 8.2	 Internationale Mobilität gestalten: zentrale Handlungsfelder............................................................................. 	 52
Literatur.......................................................................................................................................................................................... 	 56
Anhang...........................................................................................................................................................................................	
	 Ergänzende Tabellen.............................................................................................................................................................. 	
	 Abbildungsverzeichnis........................................................................................................................................................... 	
	 Tabellenverzeichnis................................................................................................................................................................	
	 Verzeichnis der Info-Boxen................................................................................................................................................... 	

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Zusammenfassung

Zusammenfassung
Deutschland erlebt seit einigen Jahren einen Zuwanderungsboom. Vor allem die Zuzüge von EU-Bürgern sind
im Rahmen der Freizügigkeit gestiegen, dadurch ergibt
sich seit 2010 eine positive Wanderungsbilanz. Bei der
Bevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit hingegen ist der Migrationssaldo seit Jahren im Minus: Zwischen 2009 und 2013 wurden rund 710.000 Fortzüge
registriert; dem standen nur etwa 580.000 Zuzüge gegenüber. Dies bedeutet einen moderaten Abfluss von
ca. 25.000 Personen pro Jahr. Wandern vorrangig junge und gut ausgebildete Personen dauerhaft ab, kann
dies bei einem demografisch alternden Industriestaat
wie Deutschland die sozialen Sicherungssysteme und
die internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Über die Sozialstruktur der Aus- und Rückwanderer, deren Migrationsmotive und -absichten sowie die
Konsequenzen ihrer grenzüberschreitenden Mobilität
ist jedoch bisher wenig bekannt. Zudem birgt diese
Mobilität durchaus auch Chancen: Aus- und Rückwanderung können zu einem produktiven Austausch von
Ideen und Innovationen führen und zu einer stärkeren
internationalen Vernetzung beitragen, die in einer zunehmend globalisierten Welt immer wichtiger wird.
Die vorliegende Studie betrachtet auf der Basis empirischer Befunde differenziert die Ursachen und Folgen der internationalen Mobilität von Deutschen. Die
Befragung International Mobil hat Pilotcharakter, denn
dafür wurde ein innovativer methodischer Zugang genutzt: Über insgesamt zwölf kommunale Meldebehörden deutscher Großstädte wurde eine systematische
Stichprobe von 3.000 Aus- und 4.500 Rückwanderern
gezogen, die dann zur Teilnahme an einer OnlineBefragung aufgefordert wurden. In die Auswertung
gingen die Antworten von knapp 800 Auswanderern
und rund 900 Rückwanderern ein. Die Ergebnisse sind
nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen
Aus- und Rückwanderer, sie liefern jedoch aussagekräftige und belastbare neue Erkenntnisse zu den soziostrukturellen Merkmalen und den Wanderungsmotiven
deutscher Aus- und Rückwanderer, den individuellen
Folgen internationaler Mobilität sowie den aktuellen
Wanderungstrends und -mustern. Damit erlauben sie
bislang einzigartige Einsichten in die grenzüberschreitende Mobilität von Bürgern eines hoch entwickelten
Landes, die sowohl für die nationale und internationale
Migrationsforschung als auch für gesellschaftliche Entscheidungsträger hochgradig relevant sind.
Die Untersuchung kommt zu folgenden zentralen Befunden:
(1) Die Studie liefert keine Anhaltspunkte dafür,
dass Hochqualifizierte in großem Umfang dauerhaft ins Ausland ‚abfließen‘. Verglichen mit der
in Deutschland lebenden Bevölkerung sind zwar
unter den Auswanderern Akademiker stark überrepräsentiert, dasselbe gilt jedoch für die Rückwanderer: Bei jeweils rund 80 Prozent handelt es sich

4

um Hochqualifizierte bzw. Personen in Ausbildung;
in der nicht mobilen Vergleichsbevölkerung liegt
dieser Anteil nur bei knapp 30 Prozent. Von den
hoch qualifizierten Auswanderern geht zudem nur
eine Minderheit davon aus, dass sie auf Dauer im
Ausland bleiben wird.
(2) Den meisten Auswanderern geht es nicht einfach nur darum, ihr Einkommen zu verbessern;
über 70 Prozent gehen auch ins Ausland, um dort
neue Erfahrungen zu machen. Ebenso wenig kehren die Rückwanderer vorrangig deshalb zurück,
weil sie an ihrem Zielort ökonomisch scheitern;
für rund zwei Drittel sind dafür familiäre und partnerschaftsbezogene Gründe entscheidend. Meist
wirkt ein ganzes Bündel von Motiven. Gerade bei
den berufs- und erwerbsbezogenen Wanderungs­
gründen zeigt sich eine große Bandbreite: Neben
einem höheren Einkommen erhoffen sich Aus­wan­
derer häufig eine interessantere Tätigkeit, bessere
Weiterentwicklungsmöglichkeiten oder bessere
Arbeits­bedingungen.
(3) M
 obilitätserfahrungen wirken nachhaltig auf die
individuellen Lebensbedingungen: In den allermeisten Fällen verbessert sich durch die Auswanderung das Einkommen erheblich. Dieser positive
‚Fahrstuhl-Effekt‘ ist weitgehend unabhängig von
Bildungsniveau und Berufsqualifikationen. Allerdings verschlechtern sich zugleich die sozialen
Lebensbedingungen der Auswanderer merklich,
insbesondere in Bezug auf den Freundes- und
Bekanntenkreis. Rückkehrer erleiden gegenüber
dem Leben im Ausland oftmals finanzielle Einbußen, dafür nehmen sie in ihrem sozialen Leben
deutliche Verbesserungen wahr. In Bezug auf die
Folgen der Rückkehr zeigen sich indes soziale
Unterschiede: Bei Personen mit geringeren Berufsqualifikationen wirkt sich Rückwanderung im
Durchschnitt deutlich negativer auf die ökonomischen Lebensbedingungen aus, während insbesondere bei Hochqualifizierten die Auslandserfahrungen ökonomisch honoriert werden.
(4) Unter den international wandernden Deutschen
sind Menschen mit Migrationshintergrund deutlich überrepräsentiert; ihre Motive unterscheiden
sich jedoch von denen anderer international Mobiler. Auswanderung ist bei ihnen eher partnerschaftlich und familiär motiviert oder aber durch
Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland.
Allerdings wandert nur ein Teil der Deutschen mit
Migrationshintergrund in das eigene Herkunftsland
bzw. das der Elterngeneration. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die eigene Migrationsgeschichte bei dieser Gruppe zu einer allgemein höheren
Migrationsneigung führt.
(5) International mobile Personen wandern mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrfach: Rund sechs von

Forschungsbereich

zehn Auswanderern haben vor ihrem aktuellen
Auslandsaufenthalt schon mindestens einmal in
einem anderen Staat als Deutschland gelebt.

Die Ergebnisse der Befragung International Mobil markieren einen wichtigen empirischen Referenzpunkt für
eine zentrale Einsicht: Auswanderung ist gesellschaftsund migrationspolitisch nicht einseitig als ‚Verlust‘ zu
verstehen, sondern auch als Chance. Deshalb sollte
Mobilität proaktiv gestaltet werden. Akteure in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollten Strategien
entwickeln, um zukünftig die Chancen internationaler
Mobilität – sowohl für die Migranten selbst als auch für
die Ziel- und Herkunftsländer – möglichst umfassend
zu nutzen und ihre Risiken zu minimieren:
(1) Da Migration das Resultat komplexer Motivlagen
ist, spielen dabei die allgemeinen Lebensbedingungen in einem Land eine wichtige Rolle.
Hier überschneiden sich die Überlegungen von
staatlichen Akteuren und Arbeitgebern dazu, wie
deutsche Forscher, Hochqualifizierte und Fachkräfte
zum Bleiben bzw. zur Rückkehr motiviert werden
können, mit Strategien zur Förderung der Zuwanderung ausländischer Akademiker und Fachkräfte.
Attraktive öffentliche Güter und Leistungen sowie Offenheit der Gesellschaft für internationale
Mobilität bergen große Potenziale für Wirtschaft,
Gesellschaft und Kultur. Einflussmöglichkeiten ergeben sich in zahlreichen Politikfeldern, etwa der
Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Sozial-, Familien-, Bildungs- oder Wissenschaftspolitik. Insbesondere die
Arbeits- und Erwerbsbedingungen erweisen sich
als wichtiger Faktor, der Migration auslöst oder
hemmt. Insofern sollten Fragen der Entlohnung,
der Arbeitszeiten, der Gleichstellung und nicht zuletzt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker auch unter dem Aspekt internationaler Zu- und
Abwanderung betrachtet werden.
(2) Aus- und Rückwanderung sollten in politischen
Gestaltungsprozessen wie dem Fachkräftekonzept oder bei der Fortentwicklung der Demografiestrategie der Bundesregierung berücksichtigt
werden. Das Monitoring der Zu- und Abwanderung
könnte zukünftig auch das Migrationsverhalten
deutscher Staatsbürger sowie deren Qualifikationsund Bildungsniveau einbeziehen. Demografiepolitische Handlungsansätze sollten daraufhin geprüft
werden, ob und inwieweit sie einerseits verhindern oder eingrenzen können, dass insbesondere
gut qualifizierte Personen im erwerbsfähigen Alter
dauerhaft auswandern, andererseits mit gezielten
Maßnahmen dazu beitragen können, Fachkräfte
mittel- und langfristig an Deutschland zu binden.
Gleichzeitig sollten sie die Chancen internationaler
Mobilität aufgreifen, die z. B. befristete Aufenthalte im Aus- bzw. Herkunftsland bieten.
(3) Akteure in der deutschen Politik, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft sollten ihre bisherigen Maß-

nahmen der Mobilitäts- und Rückkehrförderung
evaluieren und neue Ansätze transnationaler
Vernetzung im Licht internationaler Erfahrungen
mit ‚Diaspora-Engagement-Politik‘ prüfen. Auf
Bundesebene existieren gezielte Programme dazu
bislang nicht. Einzelne Bundesländer oder Organisationen der Wissenschaftsförderung haben jedoch
Rückkehrinitiativen gestartet; Beratungsstellen
und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung
der Bundesagentur für Arbeit unterstützen Auswanderungswillige und Rückkehrer punktuell mit
ihren Dienstleistungen. Vor dem Hintergrund der
absehbaren demografischen Entwicklung und
des zunehmenden internationalen Wettbewerbs
um Fachkräfte kann es zukünftig in bestimmten
Branchen sinnvoll sein, gezielt solche Programme
aufzulegen. Hierfür sollten bereits bestehende
Ansätze im In- und Ausland systematisch evaluiert und Beispiele gelungener Praxis identifiziert.
werden.
(4) Die Politik sollte darauf hinwirken, die Chancen
internationaler Mobilität möglichst allen gesellschaftlichen Gruppen und sozialen Schichten
gleichermaßen zu eröffnen. Gerade für Personen,
die nicht aus bildungsnahen oder gut situierten
Elternhäusern kommen, können sich durch frühe
Auslandserfahrungen die Ausgangsbedingungen
für sozialen Aufstieg verbessern. Als konkrete
Maßnahmen empfehlen sich niedrigschwellige
Förderprogramme, die die Auslandsmobilität junger Menschen unterstützen, oder Stipendien für
Schüleraufenthalte im Ausland, die gezielt soziale
Kriterien berücksichtigen, um bestehende Mobilitätsbarrieren abzubauen.
(5) Die wissenschaftliche Forschung zu Fragen der
internationalen Mobilität sollte ausgebaut werden. Die Befragung International Mobil hat inhaltlich wie methodisch Neuland betreten und
verschiedenste Erkenntnisse zum Wanderungsverhalten von Deutschen und den Motiven dafür
hervorgebracht. Sie markiert einen methodischen
Ausgangspunkt für ein regelmäßiges Monitoring
der Mobilität der Bevölkerung in Deutschland, mit
dem sich die Datensituation zu internationaler Migration nachhaltig verbessern ließe. Kontinuierlich
erhobene, vertiefende Daten zu den Einflüssen
auf die Wanderungsentscheidungen würden es
auch erlauben, bevölkerungs-, migrations- und
gesellschaftspolitisches Handeln stärker an wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über Aus- und
Rückwanderungsprozesse zu koppeln. Damit könnten politische und zivilgesellschaftliche Akteure ihrer verantwortungsvollen Gestaltungsaufgabe gerecht werden, internationale Mobilität zu begleiten
und dabei Gesichtspunkte des individuellen und
kollektiven Nutzens aus der Perspektive der Migranten selbst, der Ziel- und der Herkunftsstaaten
zu beachten.

5

Internationale Mobilität von Deutschen: Chancen und Herausforderungen

1. Internationale Mobilität von Deutschen: Chancen und Herausforderungen1
Jedes Jahr verlassen mehr Deutsche die Bundesrepublik, als Deutsche aus dem Ausland zurückkehren.
Diese Auswanderung2 wird häufig als ‚Abstimmung
mit den Füßen‘ interpretiert, als Aussage über die Zufriedenheit der Menschen mit den Lebensbedingungen in Deutschland. Gleichzeitig wird sie als Indiz dafür gewertet, dass die Bundesrepublik im weltweiten
Rennen um die ‚besten Köpfe‘ ins Hintertreffen gerät:
Wenn überwiegend Jüngere und besser Qualifizierte
dauerhaft fortziehen, belastet dies die sozialen Sicherungssysteme und beeinträchtigt die internationale
Wettbewerbsfähigkeit eines Landes (Ette/Sauer 2010).
Doch die Risiken der Abwanderung sind im politischen
Diskurs in den Hintergrund gerückt, seit es so aussieht,
als sei „Deutschlands Wandel zum modernen Einwanderungsland“ (SVR 2014) gelungen. Die gestiegene
Zuwanderung von Ausländern3 schlägt sich in einem
anhaltend positiven Gesamtwanderungssaldo nieder.
Dafür sorgte und sorgt neben den migrationspolitischen Reformen der Jahre 2005 bis 2013 und der stabilen Wirtschaftslage vor allem die innereuropäische
Mobilität, die sich aus der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders in Süd- und Südosteuropa ergibt. Es ist
jedoch nicht auszuschließen, dass die Nettozuwanderung wieder deutlich sinkt, etwa wenn die Konjunktur
in Deutschland weiter zurückgeht oder die Wirtschaft
in den Herkunftsstaaten sich erholt. Spätestens dann
werden Fragen der Abwanderung und der ‚Abwanderungspolitik‘ wieder verstärkt auf die migrations- und
gesellschaftspolitische Agenda kommen.

Auswanderung als Problem?
Über Jahrzehnte hinweg stieg die Bevölkerungszahl
in Deutschland nahezu kontinuierlich an. Als dann ab
Mitte der 1960er Jahre die Geburtenzahl stark absank,
verringerte sich der Geburtenüberschuss kontinuierlich, und seit Beginn der 1970er Jahre übersteigen die
Sterbefälle zunehmend die Geburten (Statistisches
Bundesamt 2014a). Trotz des anhaltenden Geburtendefizits ist im Jahr 2014 die Bevölkerung in Deutschland
nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts
zum vierten Mal in Folge wieder gewachsen. Das ist
auf den Zuzug von Ausländern zurückzuführen, der zu
einem positiven Gesamtwanderungssaldo geführt hat
(Statistisches Bundesamt 2015). Für die Zukunft kommen unterschiedliche Berechnungen zu dem Schluss,
dass die Bevölkerung in Deutschland insgesamt, aber
besonders die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter
in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich deutlich
schrumpfen wird.4 Dies stellt das Land vor große Herausforderungen, u. a. bezüglich der Stabilisierung des
Renten-, Gesundheits- und Pflegesystems. Ein weiterer
wichtiger Aspekt dieser Entwicklung ist das Arbeitskräfteangebot, denn mit dem demografischen Wandel
geht auch die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte massiv zurück (BMAS 2011: 10–11). Dadurch werden schon
jetzt in manchen Regionen und Sektoren die Fachkräfte knapp (Bundesagentur für Arbeit 2014). Die damit
verbundenen Engpässe kann die Zuwanderung von
Ausländern nur im Ansatz beheben. In diesem Kontext
sind allerdings auch entwicklungspolitische Aspekte zu
berücksichtigen – denn Zuwanderung nach Deutschland
bedeutet Abwanderung aus einem anderen Staat und
kann für die Migranten wie für deren Herkunftsstaa-

1	Diese Studie wurde begleitet durch Prof. Dr. Heinz Faßmann, Mitglied des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Inte­
gration und Migration (SVR). Verantwortlich für diese Veröffentlichung ist der SVR-Forschungsbereich. Die Argumente und Schluss­
folgerungen spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und
Migration. Die Autoren danken Anastasiia Vishnevskaia für ihre Unterstützung im Rahmen des Projekts. Besonderer Dank gilt
auch Prof. Dr. Frank Faulbaum und Dawid Bekalarczyk vom Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrum (SUZ) in Duisburg für die
kompetente und engagierte Unterstützung bei der methodischen Umsetzung der Pilotstudie, ebenso wie den Mitarbeitern der
zwölf Kommunen (Berlin, Erfurt, Essen, Freiburg, Hamburg, Kiel, Köln, Konstanz, Leipzig, Mannheim, München und Nürnberg),
die uns die Adressen für die Durchführung der Befragung zur Verfügung gestellt haben. Außerdem danken die Autoren
Dr. Ansgar Schmitz-Veltin (Statistisches Amt Stuttgart) sowie Marius Hinte, Susanne Stock, Harun Sulak und Bernhard Gückel für
ihre umfangreiche Unterstützung bei der Vorbereitung der Stichprobenziehung. Lars Eick und Dr. Christian Fiedler danken wir für
ihre Unter­stützung bei der Programmierung der Homepage der Befragung. Dank gilt auch dem Profilschwerpunkt „Wandel von
Ge­gen­wartsgesellschaften“ der Universität Duisburg-Essen für die finanzielle Unterstützung der Pilotstudie. Des Weiteren bedanken sich die Autoren bei den zahlreichen freiwilligen Teilnehmern am Pretest des Online-Fragebogens.
2	Die Begriffe Auswanderung und Abwanderung bzw. Auswanderer und Abwanderer werden in dieser Studie synonym verwendet.
Beide bezeichnen den Fortzug in ein anderes Land, unabhängig von der Dauer und einer etwaigen Rückkehr. Der Begriff ‚internationale Mobilität‘ wird im gleichen Sinne verwendet.
3	Wenn die männliche Form verwendet wird, schließt dies stets beide Geschlechter ein.
4	Die Bundesregierung geht nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts davon aus, dass die
in Deutschland lebende Bevölkerung im Jahr 2060 zwischen 64,7 und 74,5 Millionen liegen wird (BMI 2011: 32). Anfang 2014
lebten in Deutschland knapp 80,8 Millionen Menschen (Statistisches Bundesamt 2015).

6

Forschungsbereich

ten ambivalente Folgen haben. ­Abgesehen davon ist
anzunehmen, dass die hohen Wanderungsüberschüsse
seit 2011 ein zeitlich begrenztes Phänomen darstellen
(Bertoli/Brücker/Moraga 2013; SVR 2013).5 Fachkräfteengpässe und demografische Alterung bleiben somit
langfristig zentrale Herausforderungen für die deutsche
Politik, denen durch weitere Aktivierung der heimischen Potenziale allein nicht begegnet werden kann.
Vor diesem Hintergrund bedeutet die internationale Mobilität deutscher Staatsbürger eine zusätzliche Herausforderung, denn der dauerhafte ‚Verlust‘
vieler Menschen im erwerbsfähigen Alter mit guter
Qualifikation könnte den Rückgang des Arbeitskräfteangebots weiter verschärfen. Gleichzeitig birgt internationale Mobilität auch Chancen. Denn nicht alle,
die dauerhaft im Ausland verbleiben, bedeuten notwendigerweise einen ‚Verlust‘ für die Bundesrepublik;
viele halten auch im Ausland eine enge Verbindung zu
Deutschland, etwa über familiäre oder geschäftliche
Beziehungen. Außerdem verlassen viele Auswanderer Deutschland nicht für immer, sondern kehren nach
einiger Zeit mit neuen Erfahrungen, Fähigkeiten und
Netzwerken zurück (Ette/Sauer 2010; Diehl/Dixon
2005). Auf diese Weise kann Aus- und Rückwanderung zu einem produktiven Austausch von Ideen und
Innovationen führen und zu einer stärkeren internationalen Vernetzung beitragen, die in einer zunehmend
globalisierten Welt immer wichtiger wird.
Begrenztes Wissen zu internationaler Mobilität
Während die Zuwanderung von Ausländern nach
Deutschland in den letzten Jahren stärker ins Blickfeld
von Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft gerückt ist,
gibt es über das internationale Wanderungsverhalten
deutscher Staatsbürger bislang relativ wenig gesicherte Informationen. Dies ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass Auswanderer über die ganze Welt
verstreut leben; dadurch ist es schwierig, verlässliche
Daten zu erheben. Besonders zu den Wanderungsmotiven, aber auch zu den individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen liegen bisher keine belastbaren
Forschungsergebnisse vor (SVR-Forschungsbereich
2012). Wenn Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft
wirksame Handlungsstrategien entwickeln wollen, um
internationale Mobilität (besser) zu nutzen, ist es jedoch unverzichtbar, möglichst detailliertes Wissen über
Aus- und Rückwanderung für hoch entwickelte Staaten
im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen zu gewinnen. Dazu gehören zum einen valide Erkenntnisse

darüber, welche Gründe und Motivationslagen unmittelbar und mittelbar Migration auslösen, zum anderen
Informationen über die soziodemografische Zusammensetzung dieser speziellen Migrantengruppen.
Ziele und Aufbau der Studie
Die vorliegende Studie trägt mit einem innovativen
Verfahren dazu bei, diese Forschungslücke zu schließen: Insgesamt wurden ca. 1.700 deutsche Aus- und
Rückwanderer befragt, die mit Hilfe der Adressdaten
von Meldebehörden ausgewählter deutscher Großstädte identifiziert werden konnten. Die folgende Darstellung der Ergebnisse dieser Befragung wird jeweils
um verfügbare offizielle Statistiken ergänzt.
Um das Phänomen Aus- und Rückwanderung quantitativ einordnen zu können, wird zunächst auf der
Basis amtlicher Statistiken ein kurzer Überblick über
die gegenwärtige Aus- und Rückwanderung deutscher
Staatsbürger gegeben (s. Kap.  2). Dabei sollen vor
allem folgende Fragen beantwortet werden: Wohin
wandern Deutsche aus? Welche quantitative Bedeutung hat Auswanderung? Und wie ist die internationale Mobilität der eigenen Bürger für Deutschland im
Vergleich zu anderen hoch entwickelten Staaten zu
bewerten? Anschließend werden die staatlichen Eingriffs- und Regulierungsmöglichkeiten im Bereich der
Auswanderung kurz diskutiert und mehrere Wirkungsdimensionen internationaler Mobilität identifiziert.
Den Hauptteil der Studie bildet die Auswertung der Befragung International Mobil, die 2014 unter deutschen
Aus- und Rückwanderern durchgeführt wurde. Nach einem Überblick zum methodischen Vorgehen (s. Kap. 3)
werden detailliert die soziostrukturellen Merkmale von
Aus- und Rückwanderern analysiert und mit denen der
nicht mobilen Bevölkerung verglichen (s. Kap. 4). Die
leitende Forschungsfrage ist hier: Bezüglich welcher
Merkmale – darunter Alter, Geschlecht, Bildung und Erwerbsstatus, aber auch soziale und ethnische Herkunft
– unterscheiden sich Aus- und Rückwanderer sowohl
von der nicht mobilen Bevölkerung als auch untereinander? Damit soll festgestellt werden, wer überhaupt
wandert. Im nächsten Kapitel werden die zentralen
Wanderungsmotive analysiert, um die Frage nach dem
‚Wer‘ durch die Frage nach dem ‚Warum‘ zu ergänzen:
Welche Faktoren oder Gründe gaben den Ausschlag
für die Entscheidung zur Aus- bzw. Rückwanderung?
Dabei wird auch geprüft, ob und ggf. inwiefern sich
diese Gründe und Motivlagen für bestimmte Gruppen
unterscheiden (s. Kap.  5). Im nächsten Schritt geht

5	Gegenwärtig sind mehr als zwei Drittel der ausländischen Zuwanderer Bürger aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die
von ihrem Freizügigkeitsrecht Gebrauch machen (Statistisches Bundesamt 2013). Offen ist bisher, wie viele derjenigen, die
in den vergangenen Jahren zugewandert sind, dauerhaft in Deutschland bleiben werden, wenn sich die Wirtschaft in ihren
Herkunftsländern erholt.

7

Auswanderung aus Deutschland: ­statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen

es darum, wie die Aus- und Rückwanderer die Folgen internationaler Mobilität für sich selbst bewerten
(s.  Kap. 6): Hat der Auslandsaufenthalt ihre ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen verbessert?
Geht die räumliche Mobilität mit sozialer Mobilität
einher? Profitieren von internationaler Mobilität alle
gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen oder nur
bestimmte Gruppen? Schließlich werden die Ergebnisse zur geplanten Dauer der Wanderungsprozesse
dargestellt; dabei wird insbesondere auf Bleibe- und
zukünftige Weiterwanderungsabsichten eingegangen
(s.  Kap.  7). Anhand der neuen Erkenntnisse, die die
Studie gebracht hat, werden im letzten Teil Handlungsoptionen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erörtert (s. Kap. 8).

2. Auswanderung aus Deutschland:
­statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen
2.1 Auswanderungsland Deutschland?
Volumen, Trends und Zielländer
Die Auswanderung deutscher Staatsbürger ist keineswegs ein neues Phänomen. Schon in früheren Jahrhunderten gab es zahlreiche, komplexe und facettenreiche internationale Migrationsbewegungen, die
vom (späteren) deutschen Staatsgebiet aus sowohl
nach Europa als auch in andere Weltregionen gingen
(Oltmer 2012; Bade/Oltmer 2007). Mit dem Begriff
der Auswanderung sind im kollektiven Bewusstsein
immer noch Bilder von Menschen verknüpft, die sich
auf Kais drängen, um ein Schiff Richtung Nordamerika
zu besteigen – und die in der Regel nie in ihre Heimat
zurückgekehrt sind. Diese transatlantische Auswanderung von Deutschen erreichte ihren zahlenmäßigen
Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
(Bade 1992; Sternberg 2012); Schätzungen zufolge wanderten allein zwischen 1816 und 1914 rund
5,5 Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten aus
(Bade/Oltmer 2007: 147). Die massive Abwanderung
war eine Folge des krisenhaften Wandels von der Agrar- zur Industriegesellschaft, der mit einem explosionsartigen Bevölkerungswachstum und massenhaf-

ter Armut einherging. Auch in der ersten Hälfte des
20.  Jahrhunderts gab es eine hohe Auswanderung,
die vor allem durch Flucht im Zusammenhang mit
den beiden Weltkriegen bedingt war; darauf folgten
jeweils auch Rückwanderungsbewegungen (Bade/
Oltmer 2007: 149–159). Nicht zuletzt aufgrund dieser
historischen Zusammenhänge wurde Auswanderung
in Deutschland in der Vergangenheit vor allem als Krisenphänomen verstanden. Für die heutige Situation
ist diese Sichtweise aber kaum mehr zutreffend, wie
auch aus den Ergebnissen dieser Studie deutlich wird
(s. Kap. 5).
Entwicklung von Aus- und Rückwanderung: Wanderungssaldo ist dauerhaft negativ
Im Fokus der empirischen Befragung, die für diese
Studie durchgeführt wurde (s. Kap. 3–7), standen die
aktuellen Wanderungsbewegungen deutscher Staatsbürger. Um die daraus resultierenden Erkenntnisse in
einen breiteren Kontext einordnen zu können, wird
aber in den folgenden Abschnitten zunächst anhand
amtlicher Statistiken das Wanderungsverhalten der
Deutschen in den letzten fünf Jahrzehnten analysiert.6
Dabei werden sowohl Abwanderungen (Fortzüge) als
auch Rückwanderungen (Zuzüge) betrachtet sowie
der sog. Wanderungssaldo, die Differenz dieser beiden
Werte. Insbesondere die langfristige Betrachtung des
Wanderungssaldos erlaubt Rückschlüsse auf die Folgen
von Auswanderung.
In der Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamts sind bei der Zuwanderung von Deutschen
die Spät-/Aussiedler einberechnet.7 Bei der Zuwanderung dieser Gruppe handelt es sich allerdings um
einen historischen Sonderfall (Ette/Sauer 2010: 56–
57; SVR 2009; Worbs et  al. 2013), der mittlerweile
weitgehend abgeschlossen ist. Für die Darstellung
des Wanderungsgeschehens in Bezug auf deutsche
Staatsangehörige wurden daher in dieser Studie die
Zuzüge von Spät-/Aussiedlern von den Gesamtzuzügen abgezogen. Auf diese Weise lässt sich vermeiden,
dass das Wanderungsgeschehen in der längerfristigen
Betrachtung verzerrt erscheint.
Der Wanderungssaldo deutscher Staatsangehöriger ohne Spät-/Aussiedler ist seit 1967 stets negativ
(Abb. 1).8 So sind beispielsweise in den Jahren 2009
bis 2013 netto 142.000 Deutsche mehr ausgewandert,

6	Auf Bundesebene liegen ab 1967 belastbare Wanderungsdaten vor, aus denen sich Datenreihen generieren lassen (Ette/Sauer
2010: 55).
7	Dies ist darin begründet, dass Spät-/Aussiedler mit der Ausstellung einer sog. Spät-/Aussiedlerbescheinigung kraft Gesetzes die
deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Bei Spät/Aussiedlern handelt es sich um Angehörige deutscher Minderheiten, deren
Vorfahren z. T. schon vor mehreren Generationen nach Mittel- und Südosteuropa oder nach Asien ausgewandert sind und die
nach dem Bundesvertriebenengesetz (BVFG) ein Recht darauf haben, in die Bundesrepublik einzuwandern.
8	Innerdeutsche Wanderungen von der DDR in die BRD vor 1990 sind hier nicht berücksichtigt.

8

Forschungsbereich

Info-Box 1 Datengrundlagen zur internationalen Mobilität deutscher
Staatsbürger
Ganz allgemein stehen zu Auswanderung weniger und qualitativ schlechtere Daten zur Verfügung als
zu Einwanderung (Ette/Sauer 2010: 35). Die wichtigste Datengrundlage für Migration aus und nach
Deutschland ist die Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamts. Sie erfasst Fälle von Wanderungen (Fortzüge und Zuzüge) anhand der An- und Abmeldungen bei den kommunalen Meldebehörden.
Das bedeutet, dass z. B. eine Person, die sich zweimal innerhalb eines Jahres in Deutschland an- und
abmeldet, auch zweimal gezählt wird. Eine weitere Ungenauigkeit der Wanderungsstatistik geht darauf zurück, dass einige Auswanderer sich nicht abmelden, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind
(Lederer 2004: 112). Die Wanderungsstatistik erfasst Alter, Geschlecht, Ziel- bzw. Herkunftsland, Staatsangehörigkeit und Familienstand. Nicht erhoben werden Informationen wie die Wanderungsmotive, die
geplante Dauer des Auslandsaufenthalts sowie das Bildungsniveau und der Erwerbsstatus; diese sind
jedoch wichtig für das Verständnis von Wanderungsprozessen. Neben der amtlichen Wanderungsstatistik
werden Informationen zu Auswanderern vereinzelt auch über die Deutsche Rentenversicherung erfasst
(z. B. wenn Renten ins Ausland überwiesen werden) oder über das Auswärtige Amt (z. B. wenn im Ausland lebende deutsche Staatsangehörige ihren Pass verlängern). Anhand solcher ‚prozessproduzierten
Statistiken‘ kann die Zahl der im Ausland lebenden Deutschen allenfalls sehr grob geschätzt werden. Auch
verschiedene Branchenverbände wie z. B. die Bundesärztekammer und Wissenschaftsorganisationen wie
die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder der Deutsche Akademische Austauschdienst erheben Daten
zu Auswanderern unter den Berufs- bzw. Standesgruppen, die sie vertreten. Auch hier wird jedoch nur
ein kleiner Ausschnitt der wandernden Bevölkerung erfasst. Entsprechend ist die Aussagekraft solcher
Statistiken im Hinblick auf das Gesamtbild der Aus- und Rückwanderung deutscher Staatsangehöriger
äußerst beschränkt.
Darüber hinaus können Informationen aus Bevölkerungsbefragungen in Zielländern von Auswanderern gewonnen werden. Eine mögliche Quelle für die Analyse internationaler Migration sind Zensen. Die
OECD hat aufbauend auf der Aggregation der Zensen wichtiger Zielländer die Database on Immigrants
in OECD Countries (DIOC) entwickelt. Aus dieser können für den weltweiten Bestand an Migranten erste
Informationen zu einigen sozioökonomischen Merkmalen (Geburtsort, Altersgruppe, Bildung, Erwerbsstatus, Aufenthaltsdauer) gewonnen werden. Entsprechende Daten liegen in der DIOC für die Jahre 2000/01,
2005/06 und 2010/11 vor (Arslan et al. 2014: 12–13). Eine weitere Bevölkerungsumfrage, die umfangreiche Informationen zur Auswanderung von Menschen mit bestimmten Nationalitäten im europäischen
Kontext zur Verfügung stellen kann, ist die Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (EU-Labour
Force Survey), eine repräsentative Stichprobenbefragung von Privathaushalten in allen Mitgliedstaaten
der EU, die nach einheitlichen Definitionen regelmäßig durchgeführt wird. Anhand dieser EU-Arbeitskräfteerhebung konnten bereits umfangreiche Erkenntnisse über die Bildungs- und Qualifikationsstruktur
sowie die sozioökonomischen Charakteristika von Aus- und Rückwanderern gewonnen werden (Ette/
Sauer 2010). Allerdings ist auch dieser Datensatz in seinen Möglichkeiten beschränkt: Zum einen erlaubt
der Labour Force Survey keine Aussagen über die Gründe und Motivlagen, die Wanderungsbewegungen
auslösen. Zum anderen wird Migration lediglich retrospektiv erhoben, über die Angabe des Wohnorts
in den zwölf Monaten vor dem Befragungszeitpunkt. Dies hat etwa zur Folge, dass Auslandsaufenthalte
von unter einem Jahr nicht erfasst werden; gleichzeitig liegen Angaben zur Beschäftigungssituation nur
für den Befragungszeitpunkt vor, nicht jedoch für den früheren Wohnort (ebd.: 101f.). Daher wurden für
die vorliegende Studie Aus- und Rückwanderer in einer eigenen Erhebung gezielt zu solchen Themen
befragt (s. Kap. 3).

als im selben Zeitraum zurückgekehrt sind (Fortzüge:
709.000, Zuzüge: 567.000).9 Für den gesamten hier
betrachteten Zeitraum (1967–2013) beträgt der ‚Nettoverlust‘ deutscher Staatsangehöriger rund 1.427.000
Personen (Fortzüge: 4.505.000, Zuzüge: 3.078.000;

s.  auch Info-Box 2). Betrachtet man jeweils die absoluten Zahlen der Ab- und Rückwanderungen, so wird
deutlich, dass das Wanderungsvolumen insgesamt
über die Jahre gewachsen ist: Zunehmend mehr Personen verlassen Deutschland und zunehmend mehr

9	Alle in diesem Kapitel angeführten Zahlen wurden auf die Tausenderstelle gerundet.

9

Auswanderung aus Deutschland: ­statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen

Abb. 1 Zuzüge und Fortzüge deutscher Staatsbürger 1967–2013
150.000
100.000
50.000
0
–50.000
–100.000
–150.000
–200.000

67 969 971 973 975 977 979 981 983 985 987 989 991 993 995 997 999 001 003 005 007 009 011 013
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 2 2 2 2

19

Fortzüge

Zuzüge

Saldo

Anmerkung: Die Zuzugsstatistik in Abb. 1 bezieht sich auf deutsche Staatsangehörige ohne Spät-/Aussiedler. Bis zum Jahr 1991 ist
lediglich die Bundesrepublik berücksichtigt (ohne die ehemalige DDR). Der auffällige Kurvenverlauf im Jahr 1989 ist damit zu erklären,
dass in den Jahren unmittelbar vor und nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 Unregelmäßigkeiten in der Statistik entstanden:
Zuziehende Spät-/Aussiedler wurden zweimal erfasst, erst in den Aufnahmeeinrichtungen und dann nach ihrem Umzug innerhalb
Deutschlands; dadurch sind die Zuzugszahlen erhöht. Zur Bereinigung der Statistik wurden diese Fälle nachträglich als Fortzüge
‚rückgebucht’. Dies erklärt die geringen und im Jahr 1989 sogar negativen Werte der Zuzüge von Deutschen (vgl. Ette/Sauer 2010: 56).
Quelle: Statistisches Bundesamt 2014b, BVA 2015, Worbs et al. 2013; eigene Berechnung und Darstellung

Abb. 2 Jährliche Aus- und Rückwanderungsrate 1970–2012
0,25%

0,2%

0,15%

0,1%

0,05%

0%

– 0,05%

70 972 974 976 978 980 982 984 986 988 990 992 994 996 998 000 002 004 006 008 010 012
1
1
1
2
2
1
1
1
1
1
1
2
2
1
1
1
1
1
2
2
2

19

Auswanderung

Rückwanderung

Quelle: Statistisches Bundesamt 2014a, Statistisches Bundesamt 2014b, BVA 2015; eigene Berechnung und Darstellung

10

Forschungsbereich

Info-Box 2 Jahrzehnt der Auswanderung?
In den Jahren 2005 bis 2009 waren die Abwanderungszahlen von Deutschen höher und infolgedessen der
Wanderungssaldo negativer als in den Jahren davor und danach. Hinzu kam, dass in dieser Zeit die Zuzüge von Spätaussiedlern deutlich zurückgingen; so rutschte der Gesamtwanderungssaldo (Deutscher und
Ausländer) kurzfristig in den negativen Bereich. Diese erhöhte Abwanderung deutscher Staatsbürger und
insbesondere die hohen Werte von 2008, als 175.000 Fortzüge, aber nur 108.000 Zuzüge von Deutschen
registriert wurden, hat in der öffentlichen Diskussion zu Krisendiagnosen und einer Dramatisierung des
Phänomens geführt, die aus heutiger Sicht unangemessen und übertrieben erscheinen (Sternberg 2012).
Mit einigen Jahren Abstand kann diese erhöhte Auswanderung überwiegend auf eine statistische Besonderheit und auf konjunkturelle Gründe zurückgeführt werden: Zum einen wurden im Zuge der Einführung
der Steueridentifikationsnummer in den Jahren 2008 bis 2010 zahlreiche Personen von Amts wegen abgemeldet (ihre Zahl ist allerdings nicht genau zu bestimmen), was die Zahl der Fortzüge in diesen Jahren
künstlich erhöhte (Ette/Sauer 2010: 56). Zum anderen war die ökonomische und arbeitsmarktpolitische
Lage in den frühen 2000er Jahren vergleichsweise angespannt: Zwischen 2001 und 2005 stieg die Arbeitslosigkeit deutlich an, während das Wirtschaftswachstum stagnierte. So lag es nahe, dass angesichts der
allgemein gewachsenen Internationalisierung der Arbeitsmärkte für qualifizierte und hoch qualifizierte
Arbeitskräfte die Jüngeren stärker zu Abwanderung neigen (Institut für Demoskopie Allensbach 2007).
Inzwischen hat sich das Land wirtschaftlich erholt, während andere europäische Staaten in tiefen ökonomischen und politischen Krisen stecken. In der Folge ist die möglicherweise auch konjunkturbedingt
erhöhte Auswanderung wieder zurückgegangen. Der Wanderungssaldo deutscher Staatsangehöriger ist
zwar weiterhin negativ, jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau (2012: ca. –20.000, 2013: ca.
–24.300; jeweils ohne Spät-/Aussiedler).

kehren wieder zurück.10 Um auszuschließen, dass die
Zunahme der Wanderungen einfach ein Effekt einer
gewachsenen Bevölkerung ist – u. a. durch die deutsche Wiedervereinigung –, muss das Volumen der
internationalen Wanderungen von Deutschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung betrachtet werden;
dieses Verhältnis bildet die sog. Aus- bzw. Rückwanderungsrate. Es zeigt sich, dass sowohl Aus- als auch
Rückwanderungsrate nahezu linear gewachsen sind
(graue Trendlinien in Abb. 2). 2012 lag die Auswanderungsrate bei 0,18 Prozent und die Rückwanderungsrate bei 0,15 Prozent, das sind immerhin jeweils mehr
als 100.000 Personen pro Jahr (Abb. 2). Die Abbildung
verdeutlicht auch, dass der Anteil der deutschen Bevölkerung, der als international mobil zu bezeichnen ist, sich in den vergangenen 50 Jahren in etwa
verdoppelt hat. Internationale Mobilität hat bei den
Deutschen also in den letzten Jahrzehnten erheblich
an Bedeutung gewonnen.
Wichtigste Zielländer der letzten Jahre
Das mit Abstand wichtigste Zielland für deutsche Auswanderer in den letzten zehn Jahren war die Schweiz
(209.000 Fortzüge zwischen 2004 und 2013), noch
vor den USA (136.000), Österreich (109.000), Polen

(94.000) und dem Vereinigten Königreich (89.000).
Die Hauptzielländer deutscher Auswanderer liegen
überwiegend in Europa; unter den quantitativ wichtigsten zehn Zielländern der letzten zehn Jahre befinden sich mit den USA und Kanada nur zwei nichteuropäische Staaten (Tab. 1).
Von den Auswanderungen in den letzten zehn
Jahren entfielen allein 38,3 Prozent auf die neun direkten Nachbarstaaten Deutschlands, 43,0 Prozent auf
EU-Staaten und 63,2  Prozent auf Europa insgesamt.
Der europäische Mobilitätsraum ist für Deutschland
also nicht nur als Herkunftsregion nichtdeutscher Zuwanderer von großer Bedeutung (zwischen 2007 und
2011 kamen 60,0 Prozent der ausländischen Zuwanderer aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union, vgl.
SVR 2013: 55), sondern auch als Zielregion eigener
Staatsbürger.
Diese hohe Bedeutung als Wanderungsraum für
Deutsche haben die europäischen Staaten erst in den
letzten Jahrzehnten gewonnen. In den 1950er Jahren
zogen noch rund zwei Drittel der deutschen Auswanderer in die klassischen Einwanderungsländer USA,
Kanada, Australien und Neuseeland (Kathmann 2012:
109), Ende der 1960er Jahre war es noch über ein
Drittel (Ette/Sauer 2010: 78). Im Zeitraum 2004–2013

10	Das tatsächliche Wanderungsvolumen liegt sogar noch höher, da Personen, die nur für eine begrenzte Zeit ins Ausland umziehen,
sich häufig nicht abmelden.

11

Auswanderung aus Deutschland: ­statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen

Tab. 1 Wichtigste Zielstaaten deutscher Auswan­
derer 2004–2013

Tab. 2 Bestand von Auswanderern aus Deutschland
2013

Zielstaat

Anzahl
deutscher
Auswanderer

Aufenthaltsland

Anzahl
der Auswanderer
aus Deutschland

Schweiz

209.000

USA

681.000

USA

136.000

Türkei

405.000

Österreich

109.000

Schweiz

357.000

Polen

94.000

Vereinigtes Königreich

311.000

Vereinigtes Königreich

89.000

Spanien

240.000

Spanien

74.000

Frankreich

238.000

Frankreich

71.000

Italien

231.000

Türkei

43.000

Kanada

200.000

Niederlande

36.000

Österreich

200.000

Kanada

35.000

Australien

138.000

sonstige Staaten

982.000

sonstige Staaten
weltweit

600.000
1.496.000

weltweit

3.983.000

Quelle: Statistisches Bundesamt 2014c; eigene Berechnung

Quelle: UNDESA 2013a; erfasst wurden in Deutschland geborene
Deutsche und Ausländer in insgesamt 130 Staaten

hingegen sind es nur noch 14,3  Prozent. Ursächlich
für diese Verschiebung der Zielregionen ist im Wesentlichen der Prozess der europäischen Integration:
Innereuropäische Migration ist durch den Wegfall von
Mobilitätsbeschränkungen (Visa, Grenzkontrollen) und
die Einführung einer gemeinsamen Währung einfacher
und preiswerter geworden; zudem wird sie auch direkt
gefördert, etwa durch universitäre Austauschprogramme oder Städtepartnerschaften (Verwiebe 2006: 302;
Recchi/Favell 2009; Büttner/Mau 2010: 290).
Deutsche Auswanderer finden sich jedoch nicht
nur in Europa, sondern auf allen Kontinenten; ihre
Zielländer sind ausgesprochen vielfältig. Staaten, in
denen die Zahl der zugewanderten Deutschen in den
vergangenen zehn Jahren rapide gestiegen ist11, sind
die Türkei (43.000 Fortzüge zwischen 2004 und 2013),
China (24.000) und die Vereinigten Arabischen Emirate
(14.000). Diese Staaten haben gemeinsam, dass das
Wirtschaftswachstum dort im betrachteten Zeitraum
sehr hoch war (Weltbank 2014a).

Die Herkunftsstaaten deutscher Rückwanderer
überschneiden sich weitgehend mit den Zielstaaten
der Auswanderer. Auch sie liegen überwiegend in Europa. Die wichtigsten Herkunftsstaaten zurückgewanderter deutscher Staatsbürger (ohne ­Spätaussiedler)
im Zeitraum 2004–2013 waren Polen (113.000),
die USA (100.000), die Schweiz (84.000), Spanien
(72.000) und Österreich (58.000).
Unter den wichtigsten Ziel- und Herkunftsstaaten
deutscher Aus- und Rückwanderer befinden sich mit
der Türkei, Polen und Italien auch Länder, die schon
seit Längerem wichtige Herkunftsstaaten von Zuwanderern nach Deutschland sind. Bei den Abwanderern
in diese Staaten handelt es sich also möglicherweise
zum Teil um Personen, die aus diesen Ländern stammen und in Deutschland eingebürgert wurden (oder
um ihre Kinder) und die nun dauerhaft oder zeitweilig
zurück in ihr Herkunftsland ziehen (bzw. in das ihrer
Eltern). Die Wanderungsstatistik erlaubt dazu jedoch
keine gesicherten Erkenntnisse.

11	Es handelt sich hier um Länder, in die im letzten Jahrzehnt insgesamt mehr als 10.000 Deutsche zugewandert sind und in denen
die Zuwanderung von Deutschen gegenüber dem Zeitraum 1994–2003 um mindestens 200 Prozent gestiegen ist.

12

Forschungsbereich

Info-Box 3 In Deutschland geborene, aber im Ausland lebende Personen:
eine ‚deutsche Diaspora‘?
Im Hinblick auf Zuwanderergruppen, die in einem oder mehreren Aufnahmeländern angesiedelt sind,
wird häufig der Begriff ‚Diaspora‘ verwendet. Dieser Begriff ist in Wissenschaft und Politik nicht unumstritten; oftmals mangelt es an einer klaren Definition. Abgeleitet vom griechischen
(‚Verstreutheit‘), bezog er sich ursprünglich nur auf eine kleine Zahl historischer Fälle von Vertreibung. Paradigmatisch war die bereits in vorchristlicher Zeit beginnende jüdische Diaspora, andere klassische Fälle sind die
armenische und die griechische Diaspora. Mittlerweile ist der Begriff jedoch in Migrationsforschung und
-politik sehr verbreitet und hat sich dabei von seiner ursprünglichen Bedeutung teilweise weit entfernt
(vgl. beispielsweise Brubaker 2005; Gamlen 2011; Vertovec 2005). Zur Verbreitung des Begriffs haben
neben Wissenschaftlern (1), politischen Akteuren (2) und internationalen Organisationen (3) auch Mi­
grantengruppen beigetragen, die sich selbst als ‚Diasporen‘ identifizieren (Brubaker 2005; Vertovec 2005).
(1) Innerhalb der Migrationsforschung hat sich die ‚Diasporaforschung‘ mittlerweile als eigener Zweig
etabliert. Seit ihren Anfängen in den 1970er Jahren hat sie sich kontinuierlich weiterentwickelt und
diversifiziert.12 Heute besteht in der Literatur weitgehend Konsens bezüglich der drei Kernelemente
einer ‚Diaspora‘ (Brubaker 2005: 5–6): 1) räumliche Zerstreutheit, 2) die Orientierung auf ein reales oder
imaginiertes ‚Heimatland‘ und 3) die Beibehaltung einer gewissen gruppenspezifischen Identität (in Abgrenzung zur jeweiligen Aufnahmegesellschaft). ‚Diasporen‘ werden dabei in der Regel nicht (mehr) als
homogene, feste Entitäten betrachtet, sondern als flexibel bzw. fluid. Nach diesem Verständnis kann „die
diasporische Identifikation komplett verloren gehen, abebben und zunehmen, heiß oder kalt, an- oder
abgeschaltet sein; sie kann aktiv bleiben oder schlummern. Der Grad der Bindung – und die Mobilisierung
dieser Bindung – hängt oft ab von den Geschehnissen im bzw. um das angebliche Heimatland“ (Vertovec
2005: 3; eigene Übersetzung).
(2) Nicht nur in der Forschung hat sich der Diasporabegriff in den letzten Jahrzehnten erweitert und
teilweise gewandelt. Auch verschiedene Herkunftsstaaten benutzen den Terminus heute, um ihre im
Ausland lebenden Staatsbürger und ggf. deren Nachkommen zu adressieren. So unterschiedliche Länder
wie Tunesien, Ecuador, China, Neuseeland und die Türkei ergreifen mittlerweile politische Maßnahmen,
um im Ausland lebende Bevölkerungsgruppen an ‚die alte Heimat‘ zu binden und sie u. a. mithilfe von
politischen Kampagnen oder finanziellen Anreizen dazu zu motivieren, sich wirtschaftlich, sozial oder
politisch im Herkunftsland zu engagieren, d. h. zum Beispiel Investitionen zu tätigen oder an politischen
Wahlen teilzunehmen (Gamlen 2008, 2011; Aydın 2014). Die Herkunftsstaaten setzen sich zudem oft
nicht nur für allgemeine Belange ihrer Staatsbürger in den Zielstaaten ein, sondern wollen auch ein Verständnis der jeweiligen Kultur und Tradition bei ‚ihren Auswanderern‘ fördern (Aydın 2014).
(3) Auch die Vereinten Nationen und internationale Organisationen verwenden den Diasporabegriff
mittlerweile proaktiv, hauptsächlich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Grundannahme für
diese Aktivität ist die Beobachtung, dass gerade in wenig entwickelten Staaten die Auswanderer zunächst
vor allem gut ausgebildete und ambitionierte Individuen sind. Bleiben diese Migranten im Sinne einer
‚Diaspora‘ ihrem Herkunftsland auf eine Weise verbunden, dass das Land davon profitiert, wirken sie als
transnationale Entwicklungsakteure (Skeldon 2010; s. dazu den von Mitarbeitern von UNDESA und UNDP
herausgegebenen Sammelband „Realizing the Development Potential of Diasporas“, Sharma et al. 2011).
Auch die Weltbank beteiligt sich aktiv an der Diasporaforschung bzw. -debatte, zum Beispiel mit einem
Sammelband zu „Diaspora Networks and the International Migration of Skills – How Countries Can Draw
on Their Talent Abroad“ (Kuznetsov 2006). Die Internationale Organisation für Migration (IOM) unterhält
unter dem Stichwort „Enabling, Engaging and Empowering Diaspora for Development“ eine eigene Webseite für ihre ‚Diaspora‘-Aktivitäten (http://diaspora.iom.int/).

12	Vgl. Cohen (2008: 1–20) für eine Einteilung der Diasporaforschung in verschiedene Phasen; zum erweiterten theoretisch-konzeptuellen und methodischen Diskurs vgl. auch Bauböck/Faist (2010).

13

Auswanderung aus Deutschland: ­statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen

Für die Diskussion der Frage, ob der Diasporabegriff auch auf Teile der deutschen Auslandsbevölkerung angewendet werden kann, ist es sinnvoll, zunächst das Potenzial deutscher Auswanderer in anderen Ländern zu bestimmen. Nach Zahlen von UNDESA lebten 2013 knapp vier Millionen in Deutschland
Geborene in insgesamt 130 Staaten der Welt (Tab. 2); die größten Communitys von aus Deutschland
Ausgewanderten sind in den klassischen englischsprachigen Einwanderungsländern oder in europäischen
Staaten anzutreffen. Diese Personengruppe hat also einen beachtlichen Umfang: Zwanzig in Deutschland
lebenden Personen steht – gemäß dieser breiten Definition – ein Auswanderer gegenüber. Doch ist es
sinnvoll, den Diasporabegriff auf diese Gruppe der ‚Auslandsdeutschen‘ anzuwenden, die nicht nur in
puncto Staatsangehörigkeit sehr heterogen ist? Im Sinne der oben genannten drei Kriterien (Verstreutheit, Heimatland-Orientierung und Beibehaltung einer gruppenspezifischen Identität) ist dies für die
Gesamtheit der deutschen Auslandsbevölkerung höchst fragwürdig. Plausibel ist indes, dass es innerhalb dieser großen ‚Potenzialgruppe‘ bereits Formen kollektiver ‚diasporischer‘ Identität gibt bzw. dass
eine solche potenziell angesprochen werden könnte. In dieser Studie wird der Diasporabegriff daher in
Anlehnung an die aktuelle Migrationsforschung und die Terminologie der UN in diesem letztgenannten
Sinne verwendet.

Mobilität im internationalen Vergleich
Betrachtet man die Auswanderung deutscher Staatsbürger im internationalen Vergleich, wird deutlich,
dass die Bundesrepublik unter den hoch entwickelten
Industriestaaten keinen Sonder- oder Extremfall bildet.
Vielmehr liegt sie im Mittelfeld: Ein negativer Wanderungssaldo bei den eigenen Staatsbürgern ist eher die
Regel als die Ausnahme (Ette/Sauer 2010: 64). Er ergibt sich vor allem daraus, dass einige der Auswanderer dauerhaft im Ausland bleiben, dort versterben oder
die Staatsbürgerschaft ihres Geburtslandes aufgeben.
Um Länder mit unterschiedlich großer Bevölkerung
vergleichen zu können, müsste man ihre Auswanderungsraten – bestimmt über die Zahl der Auswanderer
im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung (Abb. 2) – über
mehrere Jahre gegenüberstellen. Da entsprechende,
für mehrere Staaten vergleichbare Datensätze nicht
vorliegen, kann hilfsweise das Verhältnis von Gesamtbevölkerung zu ins Ausland fortgezogenen Personen
zu einem bestimmten Zeitpunkt grobe Hinweise zur
Größenordnung der Auswanderung im internationalen Vergleich geben. Abb.  3 zeigt auf der Basis von
Berechnungen der OECD für 2010/2011 diese ‚Ausgewandertenquote‘ sowie jeweils die absolute Zahl
der fortgezogenen, im Ausland lebenden Bevölkerung nach Geburtsland für ausgewählte Industrie- und
Schwellenländer. In absoluten Zahlen liegt Deutschland (auch aufgrund der Größe seiner Bevölkerung insgesamt) mit seinem Bestand von rund 3,16 Millionen
Ausgewanderten im oberen Bereich. Dies entspricht
einem Anteil von 4,2 Prozent an der Gesamtbevölke-

rung und ist in etwa vergleichbar mit den ‚Ausgewandertenquoten‘ der Niederlande, der Türkei, Kanadas
oder Frankreichs.

2.2 Veränderte Rahmenbedingungen für
Auswanderung
Weltweit leben heute etwa 232 Millionen Menschen
außerhalb ihres Geburtslandes; das entspricht rund
3  Prozent der Weltbevölkerung (UNDESA 2013b).13
Im Zuge der Globalisierung ist internationale Mobilität kostengünstiger geworden und lässt sich einfacher
realisieren. Zugleich haben Auswanderer dank neuer
Kommunikationstechnologien auch mehr Möglichkeiten, trotz physischer Abwesenheit mit dem Herkunftsland in Kontakt zu bleiben. Oft handelt es sich um eine
zeitlich befristete Wanderung mit anschließender
Rückkehr ins Herkunftsland oder Weiterwanderung
in einen dritten Staat (Castles/de Haas/Miller 2014:
13–17). Somit entspricht Migration nicht mehr durchgehend dem klassischen Muster des einmaligen und
auf Dauer angelegten Umzugs von einem Land in ein
anderes. Stattdessen existieren vielfältige Formen von
Migration nebeneinander: Neben dauerhafter Auswanderung sind zunehmend Formen zeitlich befristeter
und zirkulärer Migration zu beobachten (OECD 2008;
Pries 1998, 2010; IOM 2013; Angenendt 2014).14 Ein
Sonderfall sind sog. transnationale Wanderungsformen, also die gleichzeitige Verortung an mehreren
Lebensmittelpunkten in verschiedenen Staaten, die

13	Die absolute Zahl internationaler Migranten ist zwar kontinuierlich gestiegen, deren Anteil an der Weltbevölkerung bleibt jedoch
seit Jahrzehnten nahezu konstant.
14	Das Konzept der zirkulären Migration wird in Schneider/Parusel (2011: 14–20) eingehend diskutiert.

14

Forschungsbereich

Abb. 3 Ausgewanderte Bevölkerung in absoluten Zahlen und Auswanderungsquoten für
ausgewählte Herkunftsstaaten
18%

12.000

16%

10.000

14%
12%

8.000

10%
6.000

8%
6%

4.000

4%

2.000

2%
0%

0

d al iko len ich nd de ien kei nd da ea ich en en ika d. en an SA en ina
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.
D
in G
Ru
re
Ve
Auswandererbevölkerung (in Tausend)

Auswanderungsquote (in Prozent)

Anmerkung: Während die Auswanderungsraten in Abb. 2 auf jährlichen Stromgrößen (Auswanderungen und Rückwanderungen)
basieren, wird die Auswanderungsrate in Abb. 3 anhand von Bestandszahlen zu einem bestimmten Zeitpunkt (2010/2011) berechnet.
Statistisch erfasst wurden nur Auswanderer in 25 OECD-Staaten: Österreich, Australien, Belgien, Kanada, Tschechische Republik,
Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Luxemburg, Mexiko, Niederlande, Norwegen,
Neuseeland, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten. Unter den Auswanderern
können auch im Herkunftsland geborene Ausländer sein. Erfasst wurden Personen ab 15 Jahren.
Quelle: OECD/UNDESA 2013 (Daten von 2010/11); eigene Darstellung

im Zuge der Globalisierung an Bedeutung gewonnen
hat (Pries 2007; Portes/Guarnizo/Landolt 1999; Faist
2000; Vertovec 1999).
Diese veränderten Rahmenbedingungen internationaler Mobilität zeigen sich insbesondere bei
Staatsangehörigen von Mitgliedstaaten der Europäischen Union, bei denen Migration zusätzlich dadurch
begünstigt wird, dass die Unionsbürgerschaft weitgehende Freizügigkeit garantiert. So ergeben sich gerade
für potenzielle Auswanderer in Deutschland mit seiner politisch, wirtschaftlich und geografisch zentralen
Position zahlreiche Möglichkeiten, zeitweilig oder auf
Dauer in ein anderes Land zu ziehen.15

Vor dem Hintergrund der Globalisierung können
Ziel- und Herkunftsstaaten – unabhängig von ihrem
Entwicklungsniveau – von der internationalen Mobilität
von Arbeitskräften grundsätzlich profitieren. Hoch entwickelte Länder, die wie Deutschland vom demografischen Wandel betroffen sind und dadurch voraussichtlich mit Arbeitskräfteengpässen konfrontiert werden,
haben ein Interesse daran, dass Abwanderung – insbesondere von gut qualifizierten Personen im erwerbsfähigen Alter – nicht zu einem dauerhaften ‚Verlust‘ großer Bevölkerungsgruppen führt. Daher haben Staaten
verschiedene gute Gründe, „staatliche Personalpolitik“
(SVR-Forschungsbereich 2012) zu betreiben, etwa im

15	Ein Recht auf Niederlassung haben allerdings nur erwerbstätige oder arbeitssuchende Unionsbürger. Sofern sie nicht auf dem
Arbeitsmarkt aktiv sind, genießen Unionsbürger nur dann Freizügigkeit, wenn sie über einen Krankenversicherungsschutz verfügen und über ausreichende Mittel, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten (vgl. Art.  7 RL 2004/38/EG; zur Umsetzung im
deutschen Recht vgl. § 4 FreizügG/EU).

15

Auswanderung aus Deutschland: ­statistischer Überblick, Rahmenbedingungen und Wirkmechanismen

Sinne wohlfahrtsstaatlicher Erfordernisse auf Zahl und
Zusammensetzung ihrer Bevölkerung einzuwirken.16

2.3 Drei Wirkungsdimensionen von
Abwanderung: Abwesenheit, Diaspora,
Rückkehr
Neben den individuellen und staatlichen Interessenlagen in Bezug auf Auswanderung und Verbleib
stellt sich die Frage nach den konkreten Folgen von
Abwanderung: Unter welchen Bedingungen ‚nützen‘
oder ‚schaden‘ internationale Wanderungen der eigenen Staatsbürger dem Herkunftsland, in diesem Fall
Deutschland? Das hängt vor allem davon ab, wer abbzw. zurückwandert. Die Braindrain-These geht davon
aus, dass das Herkunftsland durch dauerhafte Abwanderung der ‚besten Köpfe‘ wichtige Ressourcen verliert
(OECD 2008; Boeri/Brücker/Docquier 2012). Allerdings
betrachten klassische Braindrain-Diagnosen Abwanderung in der Regel eindimensional und vollziehen
die komplexen Auswirkungen von Abwanderung auf
ein Land nicht nach. Entsprechende Einsichten – oder
zumindest plausible Annahmen dazu – sind jedoch
entscheidend für einen Staat, um die Notwendigkeit
politischer Gegenmaßnahmen einzuschätzen und
ggf. deren Ausgestaltung festzulegen. Das theoretische Konzept von Kapur und McHale (2005) zu den
verschiedenen Wirkungsdimensionen (channels) von
Abwanderung kann helfen, die komplexen Zusammenhänge zu veranschaulichen. Dabei stehen drei
Wirkungsdimensionen17 im Vordergrund: Die ‚Abwesenheitsdimension‘ (absence channel) umfasst die ne-

gativen Effekte der Abwanderung insbesondere hoch
qualifizierter Personen, nämlich die technologischen,
fiskalischen und sozialen Verluste, die dem Herkunftsland durch die physische Abwesenheit dieser Personen
entstehen. Für Deutschland spielen hier vor allem die
fiskalischen Verluste durch ausbleibende Steuereinnahmen eine Rolle,18 außerdem je nach Branche und
Beruf der Verlust von Innovationsfähigkeit – sofern
tatsächlich ‚die Besten der Besten’ das Land verlassen
– sowie makroökonomische Produktivitätsverluste, die
durch nicht (wieder) zu besetzende Fachkräftestellen
entstehen (Kapur/McHale 2005; GIZ 2013).19
Positive Auswirkungen kann Abwanderung in
der ‚Diaspora-Dimension‘ (diaspora channel) haben,
nämlich durch geschäftliche Verbindungen zwischen
Ausgewanderten und Menschen im Herkunftsland,
die sich z. B. in Handels- oder Kapitalströmen niederschlagen und wohlstandsrelevante Messgrößen
wie Bruttoinlandsprodukt, Steueraufkommen oder
Außenhandelsbilanz tendenziell positiv beeinflussen.
Soziale, berufliche und akademische Netzwerke können die Wirtschaftsbeziehungen und nicht zuletzt auch
den Austausch von Know-how über Grenzen hinweg
fördern, d. h. sie ermöglichen einen Wissenstransfer,
der auch für den Staat wertvoll ist. Der zweite wichtige Aspekt in der Diaspora-Dimension sind finanzielle Rücküberweisungen der Auswanderer an Familienangehörige, kirchliche Träger oder gemeinnützige
Organisationen im Herkunftsland. Dies spielt insbesondere bei abgewanderten Hochqualifizierten aus
­Entwicklungsländern eine enorme Rolle.20 Für Deutschland sind Rücküberweisungen eher von nachgeordneter Bedeutung: Nach Daten der Weltbank flossen 2013

16	 Die Abwanderung eigener Bürger kann Staaten aber auch vor legitimatorische Herausforderungen stellen, denn sie kann als
Ausdruck einer allgemeinen oder spezifischen Unzufriedenheit gedeutet werden, etwa mit dem politischen System, den wohlfahrtsstaatlichen Leistungen oder anderen öffentlichen Gütern (z. B. Bildung, innere Sicherheit oder Kulturangebot).
17	Die vierte von Kapur und McHale (2005) genannte Wirkungsdimension (prospect channel) spielt für die Bevölkerung in
Industriestaaten eine sehr untergeordnete Rolle. Sie basiert auf der Annahme, dass Menschen stärker in ihr Humankapital,
d. h. ihre Bildung investieren, wenn sie davon ausgehen können, dass dies ihre Auswanderungschancen erhöht, weil die bevorzugten Zielländer selektive Einwanderungsregelungen haben. Nimmt man ferner an, dass viele diese Auswanderungschancen
letztlich doch nicht realisieren (können), steigt das Humankapitalniveau des Herkunftslandes, was sich positiv auf dessen
Entwicklungsniveau auswirkt.
18	Nach einer Modellrechnung, die das ifo-Institut im Auftrag des SVR durchgeführt hat, beläuft sich allein der fiskalische Verlust,
der durch die dauerhafte Abwanderung eines 30-jährigen Facharztes entsteht, auf über eine Million Euro (SVR 2009: 7–8).
19	Hier muss auch berücksichtigt werden, dass z. B. bei Abwanderung deutscher Mediziner deren Stellen möglicherweise mit medizinischen Fachkräften aus anderen, weniger entwickelten Staaten besetzt werden und das wiederum dort bestehende Engpässe verstärkt. Dies widerspricht den entwicklungspolitischen Zielen Deutschlands und der EU (Angenendt 2014: 17; Angenendt/Clemens/
Merda 2014).
20	Im Jahr 2014 flossen laut Analysen der Weltbank ca. 435  Milliarden US-Dollar als Rücküberweisungen von internationalen
Migranten in Entwicklungsländer. Dieser Betrag ist mehr als dreimal so hoch wie sämtliche offiziellen Entwicklungshilfezahlungen
an diese Länder zusammengenommen (Weltbank 2014d). Für Entwicklungsländer wurde zudem ein positiver Zusammenhang
nachgewiesen zwischen dem Bestehen einer Auswandererpopulation in Industrieländern und ausländischen Direktinvestitionen,
die aus diesen Ländern getätigt werden (Kugler/Rapoport 2011; Javorcik et al. 2011).

16

Forschungsbereich

15,2 Milliarden US-Dollar als Rücküberweisungen von
Auswanderern nach Deutschland (Weltbank 2014b),21
das entsprach 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Abgesehen von direkten ökonomischen Vorteilen kann
Auswanderung aber auch dann im (außen-, entwicklungs- und kulturpolitischen) Interesse des deutschen
Staates liegen – oder gar in dessen Auftrag erfolgen –,
wenn Auswanderer z. B. als Entwicklungshelfer oder
als Entsandte internationaler Organisationen in die
Welt ziehen. Für Deutschland ist angesichts seiner
exportorientierten Wirtschaft insbesondere relevant,
dass Auswanderer als Vermittler zwischen Deutschland
und den Zielländern fungieren können.
Die ‚Rückkehr-Dimension‘ (return channel) schließlich bezieht sich darauf, wie die Rückkehr ausgewanderter Staatsangehöriger (bzw. ihrer Nachfahren) sich
auf die Volkswirtschaft und die Gesellschaft im Herkunftsstaat auswirkt. Das hängt u. a. davon ab, welches
Alter die Rückkehrer haben und ob eher die im Ausland
‚Gescheiterten‘ zurückkehren oder die ‚Erfolgreichen‘.
Wie in Kap. 2.1 gezeigt wurde, kehrt der überwiegende Teil der deutschen Auswanderer irgendwann in die
Bundesrepublik zurück. Befunde früherer Forschungen
deuten darauf hin, dass das Phänomen des Braindrains
aus Deutschland im Umfang begrenzt ist und eher von
einer ‚Brain Circulation‘ auszugehen ist (Ette/Sauer
2010; Diehl/Dixon 2005; Erlinghagen 2011). Zudem
kann Deutschland von den Erfahrungen, dem neuen
Wissen, den aufgebauten Netzwerken und den neuen
Kompetenzen (z. B. auch sprachlicher Art) profitieren,
die die Rückkehrer im Ausland gewonnen haben. Diese bringen im besten Fall Schlüsselqualifikationen für
eine international vernetzte Wirtschaft mit. In diesem
Zusammenhang ist wichtig, wie leicht oder schwer es
den Rückkehrenden fällt bzw. gemacht wird, im Herkunftsland wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen
oder sich in anderen Bereichen des gesellschaftlichen
Lebens zurechtzufinden. Für eine erfolgreiche Reintegration spielt es daher neben strukturellen Faktoren in
Deutschland auch eine Rolle, welche Unterstützungsangebote Rückwanderern gemacht werden.
Zwischenfazit
Die gegenwärtige Auswanderung deutscher Staatsbürger erweist sich im internationalen Vergleich als ein
quantitativ begrenztes Phänomen; zum Teil entspricht
sie einfach der ‚normalen‘ internationalen Mobilität im
Zeitalter von Europäisierung und Globalisierung. Den-

noch müssen angesichts des sinkenden Erwerbspersonenpotenzials und des internationalen Wettbewerbs
um Fachkräfte strukturelle Abwanderungstendenzen
genau beobachtet werden. Um zu bewerten, ob die
gestiegene Auslandsmobilität und die nach wie vor
negative Wanderungsbilanz deutscher Staatsangehöriger strukturell zu einem problematischen Braindrain führen, müssen einerseits die potenziellen und
tatsächlichen Wirkungen der Auswanderung in den
Blick genommen werden. Andererseits werden auch
vertiefende Erkenntnisse zum Rück- bzw. Weiterwanderungsverhalten jener Migranten benötigt, die aus
Deutschland ins Ausland gezogen sind.
Die Unterscheidung verschiedener Wirkdimensionen von Abwanderung, die in diesem Kapitel in Anlehnung an Kapur und McHale (2005) vorgenommen
wurde, bietet den Vorteil, dass die Effekte empirisch zu
beobachtender Auswanderungsbewegungen differenzierter analysiert werden können. Wenn Fortzüge ins
Ausland eindimensional als ‚Verlust‘ interpretiert werden, verstellt dies u. U. den Blick auf die unterschiedlichen Auswirkungen internationaler Mobilität und verkennt, dass Auswanderung an anderer Stelle oder zu
einem späteren Zeitpunkt eben auch positive Effekte
haben kann, die den ursprünglichen Verlust ausgleichen oder gar überkompensieren können. Freilich sind
solche Betrachtungen äußerst voraussetzungsvoll, insbesondere wenn ökonometrische Berechnungen vorgenommen werden müssen.22
Um aber die Auswirkungen internationaler Mobilität überhaupt besser voraussagen zu können, müssen
in einem ersten Schritt möglichst präzise und verlässliche Informationen zu den Motiven der Abwanderer
gewonnen werden, ebenso zu ihrem sozioökonomischen Hintergrund, ihren Qualifikations- und Beschäftigungsprofilen, ihren familiären und professionellen
Netzwerken, ihrer bisherigen Wanderungsbiografie,
den individuellen Auswirkungen der Migration und
weiteren ‚Mobilitätsintentionen‘. Nur auf einer ­solchen
Grundlage lassen sich effektive, wirtschafts-, sozial- und wissenschaftspolitisch verankerte staatliche
Maßnahmen entwerfen, um mögliche ‚Verluste‘ zu
reduzieren. Die bisherige Erkenntnislage zu Aus- und
Rückwanderern ist in ihrem Umfang wie auch in ihrer
methodischen Qualität begrenzt (vgl. SVR-Forschungsbereich 2012: 33–36). Diese äußerst unbefriedigende
Situation soll die vorliegende Studie mit Hilfe eines
innovativen Befragungszugangs verbessern.

21	Im Gegenzug überwiesen im gleichen Zeitraum Migranten aus Deutschland 16,7 Milliarden US-Dollar in ihre Herkunftsstaaten
(Weltbank 2014c).
22	Die Auswirkungen von Abwanderung in den verschiedenen Dimensionen wurden bislang fast ausschließlich für Entwicklungs­
länder empirisch erforscht (für eine Übersicht über vier Jahrzehnte ökonomischer Braindrain-Forschung vgl. Docquier/Rapoport
2011).

17

Die Befragung International Mobil: methodischer Ansatz und Vorgehen

3. Die Befragung International Mobil:
methodischer Ansatz und Vorgehen
3.1 Zugang zur Zielgruppe
Auswanderer statistisch zu erfassen ist eine methodische Herausforderung, denn sie leben verstreut
über viele Länder und sind nicht zentral registriert
(s.  Kap. 2.2, Info-Box 1).23 Entsprechend schwer ist es,
einen methodisch verlässlichen Zugang zur Zielgruppe
zu erhalten. Für die Studie wurden im ersten Schritt
über kommunale Meldebehörden Adressen von Deutschen ermittelt, die ins Ausland verzogen sind. Bei
einem Umzug sind Bürger generell verpflichtet, sich
abzumelden, unabhängig davon, ob sie im Inland oder
ins Ausland umziehen. Während bei Umzügen im Inland die genaue neue Anschrift verbindlich angegeben
werden muss, wird bei Fortzügen ins Ausland die neue
Anschrift nur erfasst, wenn die sich abmeldenden Personen sie freiwillig angeben. Trotzdem konnten mit
Hilfe der kooperierenden Meldebehörden in ausgewählten Großstädten genügend verwertbare Adressen
von Auswanderern für die Zwecke dieser Studie ermittelt werden. Rückwanderer konnten ebenfalls über die
Melderegister identifiziert werden, denn wer aus dem
Ausland nach Deutschland zuzieht, muss sich bei der
zuständigen kommunalen Meldebehörde anmelden.
Um die Adressen zu ermitteln, wurde eine Reihe von
Städten mit hohen Fortzugszahlen angesprochen. Folgende Städte haben Aus- und Rückwandereradressen
zur Verfügung gestellt: Berlin, Erfurt, Freiburg, Konstanz, Köln, Leipzig, Mannheim, München und Nürnberg. Darüber hinaus stellten die Städte Essen, Kiel
und Hamburg Adressen nur von Rückwanderern zur
Verfügung.24
Erfasst wurden volljährige deutsche Staatsbürger,
die sich zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2013 aus Deutschland abgemeldet (‚Auswanderer‘)
oder aus dem Ausland kommend wieder angemeldet
hatten (‚Rückwanderer‘). Pro Haushalt wurde nur eine
Person erfasst. Insgesamt übermittelten die beteiligten
städtischen Meldebehörden rund 15.000 Adressen von
Auswanderern und 14.000 Adressen von Rückwanderern. Von den freiwillig angegebenen Anschriften im
Ausland war nur ein Teil verwertbar (z. B. weil wichtige Adressbestandteile fehlten). Nach Bereinigung der

Daten lagen insgesamt 3.616 Adressen von Auswanderern und 13.013 von Rückwanderern vor, die für die
Befragung nutzbar waren. Aus diesem Pool wurden
zwei Stichproben gezogen: 3.000 Auswanderer und
4.498 Rückwanderer (s. Methodenbericht25 Kap. 2).

3.2 Entwicklung des Fragebogens
Um valide Aussagen über die Struktur der Aus- und
Rückwandererpopulation zu ermöglichen, mussten die
im Rahmen der Studie erhobenen sozioökonomischen
und soziodemografischen Daten möglichst gut mit den
vorliegenden Informationen über die deutsche Wohnbevölkerung vergleichbar sein. Zu diesem Zweck wurde eine Reihe gängiger und seit Jahren etablierter Fragen aus dem Katalog des Sozio-oekonomischen Panels
(SOEP) übernommen (vgl. zum SOEP Wagner/Frick/
Schupp 2007). Ein Teil der Fragen zu den Wanderungsmotiven orientierte sich an der SOEP-Befragung von
ins Ausland verzogenen Personen (Schupp et al. 2008;
Erlinghagen/Stegmann/Wagner 2009) bzw. an einer
SOEP-Sondererhebung, bei der (noch) nicht Ausgewanderte zu ihren diesbezüglichen Absichten und Motiven befragt wurden (vgl. Diehl/Mau/Schupp 2008).
Weitere Fragen wurden anhand des Forschungsstands
zu den Motiven von Auswanderern bzw. zu allgemeinen Gründen für Migration neu konzipiert.
Die verwendeten Fragebögen erfassen die Wanderungsmotive sehr detailliert (indem sie sowohl
subjektive Einschätzungen als auch wichtige biografische Ereignisse im Zusammenhang mit der Migration
abfragen). Zusätzlich erfragen sie frühere und für die
Zukunft intendierte internationale Wanderungen, Persönlichkeitsmerkmale sowie subjektive ­Einschätzungen
der Lebenssituation vor und nach der Wanderung
(s.   Metho­denbericht Kap. 3).

3.3 Online-Survey und Ausschöpfung der
Stichprobe
Die ausgewählten Aus- und Rückwanderer wurden
postalisch angeschrieben und gebeten, an der Befragung teilzunehmen. Das Anschreiben umfasste
eine Darstellung des Forschungsprojekts, eine Erklärung zum Datenschutz und die Internetadresse der

23	Auswanderungswillige Personen in Deutschland zu befragen, die sich grundsätzlich vorstellen können auszuwandern, ist keine
Alternative, da nur ein kleiner Teil dieser Personen eine Auswanderung auch tatsächlich realisiert.
24	Im Rahmen der Pilotstudie sollten auf der Basis dieser Stichprobe und mit den verfügbaren Ressourcen möglichst viele verwertbare Befragungen realisiert werden; Repräsentativität für die gesamte Bundesrepublik wurde dabei nicht angestrebt.
25	Eine ausführliche Darstellung des methodischen Vorgehens sowie die verwendeten Fragebögen finden sich im parallel veröffentlichten Methodenbericht zur Studie International Mobil (Ette et al. 2015). Der Bericht ist Online abrufbar unter http://www.
bib-demografie.de/methodenberichte.

18

Forschungsbereich

­ ebseite für die Online-Befragung.26 Um die Umfrage
W
zu starten, mussten die Befragten auf dieser Internetseite einen personalisierten Code eingeben. Dadurch
wurde sichergestellt, dass jede Person nur einmal teilnehmen konnte.
Unter den insgesamt rund 7.500 versandten
Schreiben gab es knapp unter 1.000 stichprobenneutrale Ausfälle: Von den knapp 4.500 Briefen, die
an Rückwanderer geschickt wurden, kamen 503 als
unzustellbar zurück, von den 3.000 Briefen an Auswanderer waren es 484. Rund 3.100 Rückwanderer
wurden zwar postalisch erreicht, nahmen an der Befragung aber nicht teil; bei den Auswanderern waren
es rund 1.700. Ausgewertet werden konnten letztlich
die Fragebögen von 895 Rückwanderern und 776 Auswanderern.27 Berücksichtigt man nur die vollständig
durchgeführten Befragungen (853 bzw. 739) und bezieht diese auf die bereinigte Bruttostichprobe (3.985
bzw. 2.452), beträgt die Ausschöpfungsquote bei den
Rückwanderern 21,4 Prozent und bei den Auswanderern 30,1 Prozent; das sind im Vergleich zu anderen
sozialwissenschaftlichen Umfragen und angesichts der
hier untersuchten mobilen Bevölkerungsgruppe gute
Werte (s. Methodenbericht Kap. 5).

4. Wer wandert aus, wer kommt zurück?
Soziostrukturelle Merkmale der international Mobilen
Worin unterscheiden sich Auswanderer und Rückwanderer, und wie unterscheiden diese beiden international mobilen Bevölkerungsgruppen sich wiederum von
der deutschen Wohnbevölkerung? Um diese Fragen
zu beantworten, werden die Gruppen der Aus- und
Rückwanderer im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Bildungs- und Erwerbsstatus, familiäre Situation sowie
soziale und ethnische Herkunft miteinander und mit
der nicht mobilen Bevölkerung in Deutschland verglichen. Die Informationen über die nicht mobile Bevölkerung stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel
(SOEP) des Jahres 2012.28 Dabei wurden wie bei den
befragten mobilen Bevölkerungsgruppen nur deutsche
Staatsangehörige berücksichtigt. Aus dem Vergleich

ergeben sich erste Antworten auf die Frage, welche
Personen eher dazu tendieren, auszuwandern bzw.
aus dem Ausland nach Deutschland zurückzukehren.

4.1 Aus- und Rückwanderer sind deutlich
jünger
Die Altersstruktur der drei Gruppen wird mit Hilfe sog.
Altersprofile verglichen (Abb. 4). Diese bilden die Altersstruktur der jeweiligen Gruppe ab, indem sie ausweisen, welchen Anteil (in  Prozent) die genannten
Altersklassen jeweils an der gesamten betrachteten
Gruppe haben. Beispielsweise sind gut 21 Prozent aller
Auswanderer 25 bis 29 Jahre alt. In der Gruppe der
Rückwanderer erreicht diese Altersklasse einen Anteil
von etwas mehr als 17 Prozent und bei den nicht Mobilen nur rund 7 Prozent.
Die Analyse der Altersstruktur zeigt klar: Auswanderer und Rückwanderer sind deutlich jünger als die
nicht mobile Vergleichsgruppe. Verglichen mit der
nicht mobilen Bevölkerung in Deutschland sind die
20- bis 40-Jährigen unter den betrachteten Migranten deutlich überrepräsentiert, dafür finden sich hier
deutlich weniger Personen jenseits des 45. Lebensjahres. Das entspricht den Befunden der demografischen
Forschung, dass die Wanderungswahrscheinlichkeit in
der zweiten Lebenshälfte deutlich abnimmt (vgl. z. B.
Ette/Sauer 2010).
Zwischen den Auswanderern und den Rückwanderern zeigt sich beim Vergleich der Altersprofile ebenso wie in der entsprechenden Regressionsanalyse
(Tab. 8 im Anhang; Info-Box 4) kein nennenswerter
Unterschied. Das Durchschnittsalter der Auswanderer
liegt mit 37,1 Jahren nur unwesentlich unter dem der
Rückwanderer (38,4 Jahre); nicht Mobile sind demgegenüber mit durchschnittlich 50 Jahren deutlich älter.

4.2 International Mobile sind höher
gebildet
Die befragten Aus- und Rückwanderer sind nicht nur
jünger als die deutsche Wohnbevölkerung, sondern

26	 Mit der technischen Umsetzung der Befragung wurde das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum (SUZ) in Duisburg beauftragt.
Als Anreiz für die Teilnahme wurde angekündigt, dass unter allen Befragungsteilnehmern ein Tablet-Computer verlost würde.
Etwa vier Wochen nach Versand des ersten Anschreibens wurde ein postalisches Erinnerungsschreiben an jene Personen geschickt, die den Fragebogen noch nicht ausgefüllt hatten.
27	Die in den folgenden Kapiteln dargestellten Analysen berücksichtigen jeweils nur solche Fälle, in denen zu sämtlichen thematisch jeweils einschlägigen Variablen Informationen vorlagen. Die angegebenen Fallzahlen unterscheiden sich daher geringfügig.
Fälle, in denen ein Aus- bzw. Rückwanderungszeitpunkt vor 2010 angegeben wurde, sind ebenfalls nicht eingeschlossen. Zur
Analyse dieser Ausfälle s. Kap. 5 im Methodenbericht.
28	Detaillierte Informationen zum Vorgehen und zur Verwendung des SOEP als Vergleichsdatensatz finden sich im Methodenbericht
(Kap. 3.2).

19

Wer wandert aus, wer kommt zurück? Soziostrukturelle Merkmale der international Mobilen

Abb. 4 Altersstruktur der Auswanderer, der Rückwanderer und der nicht mobilen Bevölkerung
25%
Durchschnittsalter:
Auswanderer: 37,1 Jahre
Rückwanderer: 38,4 Jahre
nicht Mobile: 50,0 Jahre

20%

15%

10%

5%

0%
20–24
Jahre

25–29
Jahre

30–34
Jahre

Auswanderer

35–39
Jahre

40–44
Jahre

45–49
Jahre

Rückwanderer

50–54
Jahre

55–59
Jahre

60–64
Jahre

65–69
Jahre

70–74
Jahre

75+
Jahre

nicht Mobile

Quelle: Studie International Mobil 2015/SOEP 2012 (gewichtet); eigene Berechnung und Darstellung

Abb. 5 Bildungsstruktur der Auswanderer, der Rückwanderer und der nicht mobilen Bevölkerung
100%
80%
70,0

60%

64,1

40%
20%

38,0

33,6

22,3

19,9 18,3

7,8

0%
niedrig
Auswanderer

mittel
Rückwanderer

hoch
nicht Mobile

Quelle: Studie International Mobil 2015/SOEP 2012 (gewichtet); eigene Berechnung und Darstellung

20

16,2

6,1

noch in Ausbildung

Forschungsbereich

Info-Box 4 Verwendung von Regressionsverfahren
Die empirische (auf Daten gestützte) Sozialforschung hat u. a. das Problem, dass zwischen einzelnen
Faktoren, die ein zu erklärendes Phänomen beeinflussen, häufig Wechselwirkungen (Korrelationen) bestehen. So wird beispielsweise für Deutschland immer wieder gezeigt, dass bei Menschen jenseits des
50. Lebensjahres das Arbeitslosigkeitsrisiko höher ist als bei 30-Jährigen. Ist dies nun tatsächlich ein Effekt
des Alters? Hinter diesem vermeintlichen Alterszusammenhang könnte sich auch ‚verbergen‘, dass die
Generation der heute 50-Jährigen und die der heute 30-Jährigen unterschiedliche Bildungsniveaus haben
(Stichwort ‚Bildungsexpansion‘). Während Naturwissenschaftler in Laborexperimenten unterschiedliche
Störeinflüsse einfach kontrollieren können, sind solche Experimente in den Sozialwissenschaften in der
Regel unmöglich. Deshalb greift man hier u. a. auf sog. statistische Regressionsverfahren zurück: Damit
wird letztlich der Einfluss eines bestimmten Faktors (z. B. Alter) auf ein zu erklärendes Phänomen (z. B.
Arbeitslosigkeit) isoliert, indem man andere Einflüsse kontrolliert, die dafür ebenfalls mutmaßlich entscheidend sind (z. B. Bildung) (vgl. z. B. Schnell/Esser/Hill 2013: 444ff.). In einem solchen multivariaten
Verfahren werden also mehrere Einflüsse zugleich betrachtet. Mit Hilfe von Regressionsverfahren lässt sich
feststellen – um im obigen Beispiel zu bleiben –, ob das höhere Arbeitslosigkeitsrisiko älterer Menschen
im Vergleich zu jüngeren bestehen bleibt, wenn Bildungsunterschiede berücksichtigt werden. Lässt sich
ein solcher isolierter (also unter Kontrolle anderer Faktoren festgestellter) Zusammenhang statistisch
gesichert bestätigen, bezeichnet man dies in der Sozialforschung als signifikantes Ergebnis oder signifikanten Zusammenhang; zeigt sich für einen isolierten Faktor keine Wirkung, spricht man davon, dass die
Befunde der jeweiligen Analyse statistisch nicht signifikant sind.

auch deutlich höher gebildet (Abb.  5).29 Das bestätigt bisherige Erkenntnisse, wonach sowohl deutsche
Auswanderer als auch Rückkehrer aus dem Ausland
überdurchschnittlich häufig einen tertiären Bildungsabschluss haben (Ette/Sauer 2010: 90–95; Erlinghagen
2011).
Bei den Auswanderern liegt der Anteil der Hochqualifizierten (tertiäre Bildung mit Fachhochschul- bzw.
Hochschulabschluss) bei 70,0 Prozent. Vergleicht man
zunächst nur diesen Wert mit dem entsprechenden
Anteil in der nicht mobilen Vergleichspopulation (ca.
22 %), scheint sich die Braindrain-These zu bestätigen,
derzufolge besser Qualifizierte aus Deutschland abwandern. Dieser Befund relativiert sich jedoch, wenn
man das Bildungsniveau der Rückwanderer betrachtet:
Auch hier liegt der Anteil der Hochqualifizierten mit
rund 64 Prozent weit über dem in der nicht mobilen
deutschen Wohnbevölkerung. Zusätzlich hat diese
Gruppe mit 16,2 Prozent den höchsten Anteil an Personen, die sich noch in Ausbildung befinden und somit
in der Regel ihren höchsten Bildungsabschluss noch

nicht erreicht haben (bei den Auswanderern beträgt
dieser Anteil 7,8 %). Betrachtet man Hochqualifizierte und Personen in Ausbildung zusammen, ist diese
Gruppe bei den Rückwanderern (80,3 %) sogar etwas
größer als bei den Auswanderern (77,8 %; nicht Mobile: 28,4 %). Daraus kann geschlossen werden, dass
der Abfluss qualifizierter deutscher Staatsbürger ins
Ausland derzeit dadurch kompensiert wird, dass etwa
ebenso viele qualifizierte deutsche Staatsbürger aus
dem Ausland nach Deutschland zurückkehren.
Der generelle Zusammenhang, dass Auswanderer
wie Rückwanderer deutlich besser gebildet sind als die
nicht mobile Bevölkerung, wird auch durch die durchgeführten Regressionsanalysen gestützt (Tab. 9 im Anhang). Somit lässt sich zeigen, dass es zwar mit dem
in Kap. 2.2 beschriebenen negativen Wanderungssaldo
einen quantitativen Verlust gibt, derzeit jedoch nicht
zusätzlich einen ‚qualitativen Verlust‘ besser Gebildeter. Insgesamt weisen die Ergebnisse eher auf zirkuläre
Wanderungen vor allem jüngerer qualifizierter Personen hin (s. Kap. 4.11).

29	Die Bildungskategorien wurden nach der CASMIN-Bildungsklassifikation (vgl. z. B. Lechert/Schroedter/Lüttinger 2006) gebildet:
niedrige Bildung = höchstens Hauptschulabschluss und Berufsausbildung (CASMIN-Kategorien 1a bis 1c); mittlere Bildung =
Realschulabschluss bis Fachhochschulreife mit oder ohne berufliche Ausbildung (CASMIN-Kategorien 2a bis 2c); hohe Bildung =
Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss (CASMIN-Kategorien 3a und 3b). Befragte, die angegeben haben, dass sie zum Zeitpunkt
der Befragung ‚in beruflicher Ausbildung/Weiterbildung‘ bzw. Schüler oder Student waren, werden unabhängig von evtl. bereits
erreichten Schul- bzw. Berufsabschlüssen separat betrachtet.

21

Wer wandert aus, wer kommt zurück? Soziostrukturelle Merkmale der international Mobilen

4.3 International Mobile kommen aus
einem bildungsnahen Elternhaus
Deutsche Aus- und Rückwanderer unterscheiden sich
von der deutschen Wohnbevölkerung auch bezüglich
ihrer sozialen Herkunft. Betrachtet man diese wie in
der Sozialforschung üblich anhand des väterlichen
Bildungsstatus, zeigt sich, dass schon in der Elterngeneration der international Mobilen zu weit größeren
Anteilen höhere Bildungsabschlüsse vorliegen (Auswanderer: 48,3 %; Rückwanderer: 46,3 %) als in der
nicht mobilen Vergleichspopulation (13,8 %) (Tab. 8
im Anhang). Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn der von den Befragten selbst erreichte Bildungsabschluss sowie weitere Einflussfaktoren
statistisch berücksichtigt werden (Tab. 9 im Anhang).
Internationale Mobilität ist folglich nicht nur bei Personen wahrscheinlicher, die selbst über einen hohen
Bildungsabschluss verfügen. Vielmehr sind Menschen
aus Akademikerfamilien grundsätzlich international
mobiler als Menschen aus sozial eher benachteiligten Familien – das gilt selbst für Personen aus sozial
benachteiligten Familien, die selbst einen hohen Bildungsabschluss erreicht haben. Dies geht vermutlich
insbesondere auf Unterschiede in der Ressourcenausstattung zurück, die Individuen aus ihrem Elternhaus
mitbringen (vgl. dazu Myers 1999; Capuano 2012).
Dazu gehört in der Regel nicht nur eine bessere finanzielle Absicherung; plausibel ist auch, dass mit einem
höheren sozialen Status der Eltern die erwachsenen
Kinder über bessere soziale Netzwerke verfügen und
bestimmte Kenntnisse haben, die einen Umzug ins
Ausland erleichtern. Geht man davon aus, dass durch
internationale Wanderungen zusätzliche Fähigkeiten
und Qualifikationen erworben werden können, die
auch auf dem (heimischen) Arbeitsmarkt verwertbar
sind30 und potenziell höhere Einkommen ermöglichen, tragen solche sozial selektiven Wanderungsmuster tendenziell dazu bei, Bildungsungleichheiten
in Deutschland zu vergrößern – und damit mittelbar
auch die Einkommensungleichheit.

4.4 Geschlechtsspezifische
Wanderungsmuster
Hinsichtlich der Geschlechterverteilung zeigt sich zwischen Auswanderern und der nicht mobilen Bevölke-

rung kein signifikanter Unterschied. In der Gruppe der
Rückwanderer sind allerdings etwas weniger Frauen
vertreten. Frauen wandern also nicht seltener aus;
ausgewanderte Frauen bleiben jedoch länger im Ausland als Männer (vgl. dazu auch Erlinghagen 2011).
Dies deutet auf klare geschlechtsspezifische Effekte
hin: Nimmt man an, dass nach wie vor das Modell
des ‚männlichen Familienernährers‘ wirkt, nach dem
in einer Paarbeziehung oder Familie ein männlicher
Vollzeit­erwerbstätiger für den größten Teil des gemeinsamen Einkommens sorgt, während die Frau primär
unbezahlte Familien- und Hausarbeit leistet und allenfalls ‚dazuverdient‘,31 könnte dies bedeuten, dass die
Abwanderung von Frauen tendenziell häufiger auf eine
familienbezogene Entscheidung zurückgeht (s. Kap. 5).
Gleichzeitig ist die eher familienbezogene Wanderung
von Frauen vermutlich seltener eine zirkuläre, sondern
tendenziell eine dauerhafte. Die stärker beruflich motivierten Wanderungen von Männern wären demgegenüber seltener auf Dauer angelegt, weshalb Männer
unter den Rückwanderern stärker vertreten sind. Allerdings ist umstritten, inwieweit Migration von Frauen
tatsächlich eher als familien- bzw. partnerbezogen zu
interpretieren ist (Kanaiaupuni 2000; Ishizawaa/Stevens 2011). Alternativ könnte auch vermutet werden,
dass Frauen ihre Auswanderungsprojekte erfolgreicher
abschließen als Männer, d. h. sich in der neuen Heimat
besser eingliedern, und aus diesem Grund länger im
Ausland bleiben als die weniger erfolgreichen Männer.
Um solche Hypothesen zu überprüfen, müssten jedoch
in zukünftigen Forschungen entsprechende Daten eingehender geschlechtsdifferenziert analysiert werden.

4.5 Migrationshintergrund erhöht
Mobilität
In der Gruppe der international mobilen Personen sind
überproportional viele deutsche Staatsangehörige vertreten, die selbst einen Migrationshintergrund haben:
Etwa ein Viertel der befragten Aus- und Rückwanderer wurde entweder im Ausland geboren (direkter
Migrationshintergrund) oder ist zwar in Deutschland
geboren, hat die deutsche Staatsangehörigkeit aber
erst durch Einbürgerung erhalten bzw. hat Eltern, die
nicht in Deutschland geboren oder nicht im Besitz der
deutschen Staatsangehörigkeit sind (indirekter Migrationshintergrund). Bei den nicht mobilen deutschen

30	Neben der Auslandserfahrung an sich, die am Arbeitsmarkt häufig bereits als positives Kriterium gilt, können das z. B. Sprach­
kennt­nisse oder interkulturelle Kompetenzen sein.
31	Obwohl das male breadwinner model in den vergangenen Jahrzehnten in allen westlichen Staaten an Bedeutung verloren hat
(für einen Überblick sowie unterschiedliche Varianten des Modells s. Lewis 2001), hat es in Deutschland weiterhin eine starke
Wirkung im Hinblick auf die Geschlechterverhältnisse am Arbeitsmarkt, in Familien- und Erziehungsfragen sowie in der privaten
Pflege (Oschmiansky et al. 2014).

22

Forschungsbereich

Staatsangehörigen ist der Anteil von Personen mit
direktem oder indirektem Migrationshintergrund insgesamt nur halb so hoch, er liegt bei rund 12 Prozent
(Tab. 8 im Anhang).32
Da auch unter den Rückwanderern Deutsche mit
Migrationshintergrund deutlich überrepräsentiert sind,
ist zu vermuten, dass es bei internationalen Wanderungen dieser Personen nicht unbedingt darum geht,
dauerhaft in das Herkunftsland (der Eltern) auszuwandern bzw. dorthin zurückzukehren. Es könnte sich vielmehr um ‚transnationale‘ Wanderungsbewegungen
handeln, bei denen sich die betreffenden Personen
im (regelmäßigen) Wechsel in beiden Ländern aufhalten und in beiden Ländern berufliche und familiäre
Anknüpfungspunkte haben.33 Vertiefende Analysen
zeigen zudem, dass nur ein Viertel der Aus- und ein
Drittel der Rückwanderer mit Migrationshintergrund
und deutscher Staatsangehörigkeit im Herkunftsland
(der Eltern) lebt bzw. vor der Rückkehr nach Deutschland dort gelebt hat. Dies lässt den Schluss zu, dass
die befragten deutschen Staatsangehörigen mit Migrationshintergrund ganz allgemein überdurchschnittlich
mobil sind, wobei nicht zwingend die Wanderung in
das eigene bzw. familiäre Herkunftsland im Vordergrund steht.

4.6 International Mobile sind häufiger
erwerbstätig
Im Hinblick auf den Erwerbsstatus zeigen sich zwischen den Aus- und Rückwanderern und der nicht mobilen Vergleichspopulation bereits auf den ersten Blick
deutliche Unterschiede (Tab. 8 im Anhang): Auswanderer sind mit knapp 80 Prozent häufiger erwerbstätig
als Rückwanderer (66,8  %), die wiederum häufiger
erwerbstätig sind als international nicht mobile Personen (60,1 %). Die befragten Rückwanderer befinden
sich außerdem häufiger noch in Aus- bzw. Weiterbildung als die beiden anderen Gruppen und sind nach
der Rückkehr aus dem Ausland auch deutlich häufiger
arbeitslos. Renten- oder Pensionszahlungen empfängt
nur etwa jeder zwanzigste Aus- und Rückwanderer –

im Vergleich zu jedem Vierten innerhalb der deutschen
Wohnbevölkerung.
Auswanderer sind auch bei Kontrolle weiterer
Faktoren signifikant seltener arbeitslos als Rückwanderer und befinden sich seltener in Aus- oder Weiterbildung.34 Diese Unterschiede zeigen sich in der
Regressionsanalyse auch im Vergleich mit der nicht
mobilen Bevölkerung (Tab.  8 im Anhang): Während
Rückwanderer auch gegenüber der deutschen Vergleichspopulation häufiger arbeitslos oder in Aus- bzw.
Weiterbildung sind, gilt dies für Auswanderer nicht.35
Möglicherweise entscheiden Menschen sich zur Auswanderung also oft erst, wenn sie bereits einen gesicherten Arbeitsplatz im Ausland haben, während dies
für die Rückwanderungsentscheidung weniger wichtig ist. Zusätzlich könnte hier eine Rolle spielen, dass
Rückwanderer auf noch bestehende soziale Unterstützungsnetzwerke oder auf Sozialleistungen zurückgreifen können und insofern die Arbeitssuche tendenziell
erst nach der Rückkehr aus dem Ausland aufnehmen.
Schließlich könnte der höhere Anteil von Arbeitslosen
unter den Rückwanderern auch darauf zurückgehen,
dass die Abwanderung im Hinblick auf eine Existenzsicherung gescheitert ist. Der hohe Anteil von Rückwanderern, die sich in Aus- bzw. Weiterbildung befinden, könnte direkt damit zusammenhängen, dass bei
Studenten der Auslandsaufenthalt oft von vornherein
zeitlich befristet und somit eine Rückkehr wahrscheinlicher ist.

4.7 Akademiker und Führungskräfte sind
besonders mobil
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat eine
International Standard Classification of Occupations
(ISCO) erstellt; danach lassen sich unterschiedliche
Berufe und Tätigkeiten klassifizieren und in Gruppen
einteilen (ILO 2012). Ein Vergleich der Berufsstruktur
in den verschiedenen Gruppen zeigt, dass unter den
Migranten Führungskräfte (ISCO 1) und Wissenschaftler/Akademiker (ISCO 2) gegenüber der nicht mobilen deutschen Bevölkerung deutlich überrepräsentiert

32	Dieser aus dem SOEP generierte Anteil entspricht auch den Zahlen des Mikrozensus: Danach waren unter den rund 80,7 Millionen
in Deutschland lebenden Personen gut 15,9 Millionen Deutsche mit einem Migrationshintergrund (19,7  %) (Statistisches
Bundesamt 2014d).
33	Für Deutsche mit einem türkischen Migrationshintergrund wurde Letzteres in mehreren Studien bereits gezeigt (Aydın 2013;
Bürgin/Erzene-Bürgin 2014; Rittersberger-Tiliç/Çelik/Özen 2013).
34	Der Erwerbsstatus ist im Allgemeinen eng verknüpft mit anderen soziodemografischen und sozioökonomischen Faktoren wie
Alter, Geschlecht und Bildung. Die Unterschiede zwischen Aus- und Rückwanderern hinsichtlich des Erwerbsstatus bleiben aber
selbst dann zum Teil bestehen, wenn diese Merkmale in der entsprechenden Regressionsanalyse statistisch konstant gehalten
werden (Tab. 9 im Anhang).
35	Allerdings beziehen Auswanderer bei Kontrolle weiterer Faktoren (darunter das Alter) signifikant häufiger Rente als die deutsche
Wohnbevölkerung.

23

Wer wandert aus, wer kommt zurück? Soziostrukturelle Merkmale der international Mobilen

Abb. 6 Berufsstruktur (ISCO) der Auswanderer, der Rückwanderer und der nicht mobilen Bevölkerung

12,3

Auswanderer

Rückwanderer

nicht Mobile

57,7

17,2

4,2
0%

13,9

55,5

19,9

12,2

26,5
20%

Führungskräfte (ISCO 1)

40%

16,1

15,1

49,5
60%

80%

100%

Techniker u. ä. Fachkräfte (ISCO 3)

Wissenschaftler/Akademiker (ISCO 2)

sonstige Berufe (ISCO ≥ 4)

Quelle: Studie International Mobil 2015/SOEP 2012 (gewichtet); eigene Berechnung und Darstellung

sind. Dies gilt für Aus- und Rückwanderer gleichermaßen (Abb. 6). Das deutet ebenso wie die bereits erörterten Ergebnisse zur Qualifikation (s. Kap. 4.2) auf
eine Tendenz zur zirkulären Wanderung von Hochqualifizierten hin, auch wenn aufgrund der relativ groben
Zusammenfassung verschiedener Berufe ein Braindrain in einzelnen Berufen nicht ausgeschlossen werden kann.36 Auswanderer sind eine positiv selektierte,
d. h. überdurchschnittlich gebildete Gruppe, und diese
positive Selektion verstärkt sich bei den Rückwanderern: Tendenziell kommen diejenigen zurück, die viel
berufliche Erfahrung im Ausland gesammelt haben
und diese für einen Karriereaufstieg in Deutschland
nutzen wollen (Ette/Sauer 2010: 142–143).

4.8 Ungebundene sind mobiler
In Bezug auf den familiären Status finden sich unter
den international mobilen Deutschen mehr Familien
mit Kindern als in der deutschen Wohnbevölkerung
(Tab. 8 im Anhang). Der Familienstatus hängt jedoch
eng mit anderen Faktoren zusammen, etwa dem Alter.
Tatsächlich zeigt sich bei einer Kontrolle solcher wesentlichen Variablen, dass Auswanderer öfter als die

nicht mobile Bevölkerung allein oder in einer kinderlosen Paarbeziehung leben (Tab. 9 im Anhang). Auch
unter den Rückwanderern finden sich signifikant häufiger allein lebende Personen. Diese Befunde deuten
darauf hin, dass Wanderungsentscheidungen stark von
familiären Verpflichtungen und Verantwortungen beeinflusst werden. Ungebundene gehen offenbar eher
das ‚Wagnis‘ eines längeren Auslandsaufenthalts oder
einer Auswanderung ein, sind also deutlich mobiler als
familiär gebundene Personen.

4.9 Andere Regionen, andere Aus- und
Rückwanderer
Die Auswanderer, die für die vorliegende Studie befragt wurden, hielten sich zum Zeitpunkt der Befragung (im April/Mai 2014) in über 40 Zielländern auf.
Weitgehend analog zu den Befunden der offiziellen
Wanderungsstatistik (s. Kap. 2.1) ist die Schweiz das
mit Abstand häufigste Auswanderungsland, Österreich
das zweithäufigste. Auch insgesamt konnten vor allem Auswanderer in anderen Staaten Europas erreicht
werden. Diese zentrale Bedeutung innereuropäischer
Wanderung wurde bereits anhand der offiziellen

36	Aus früheren Untersuchungen ergeben sich berufsspezifische Unterschiede bezüglich der Dauerhaftigkeit der Auswanderung:
Während Wissenschaftler eher zurückkehren und mehrere kürzere Auslandsaufenthalte absolvieren, bleiben Führungskräfte,
technische Experten und Ingenieure eher langfristig im Ausland (Thorn/Holm-Nielsen 2008: 151; Mahroum 2000; Ette/Sauer
2010; Pfeiffer/Heimer 2007). Solche Differenzen lassen sich anhand der vorliegenden Daten aber nicht bestätigen, da sich die
Verteilung der Berufsgruppen bei Auswanderern und Rückwanderern nur geringfügig unterscheidet.

24

Forschungsbereich

Z­ ahlen festgestellt. Das wichtigste nichteuropäische
Auswanderungsland sind die USA, die in der Liste der
häufigsten Zielländer der hier Befragten an vierter
Stelle stehen.
Auch die befragten Personen, die nach einem Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurückgekehrt sind,
sind am häufigsten Rückwanderer aus der Schweiz,
wobei der Anteil hier niedriger liegt als in der Gruppe
der Auswanderer. An zweiter Stelle liegen wie auch
in der Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamts die USA. Neben verschiedenen europäischen
Staaten, die auch bei der Rückwanderung insgesamt
am häufigsten genannt werden, findet sich unter den
zehn häufigsten Herkunftsländern der Rückwanderer
beispielsweise auch China. Insgesamt zeigt sich hier
eine deutlich größere Vielfalt als bei den Zielstaaten
der Auswanderer: Die befragten Rückwanderer kehren
aus nahezu 100 verschiedenen Ländern zurück.37
Dabei ist zu beobachten, dass sich die Hauptausbzw. Hauptrückwanderungsregionen38 nach Bildungsstatus oder Alter der Migranten unterscheiden (Tab. 10
im Anhang).39 Im Vergleich der Regionen zeigt sich
beispielsweise, dass auf die EU14- und die EFTA-Länder
(ohne Österreich und die Schweiz) überdurchschnittlich viele junge Auswanderer und Rückwanderer entfallen. Gleichzeitig sind Aus- und Rückwanderer in
diese bzw. aus diesen Staaten seltener erwerbstätig
als der Durchschnitt. Diese Befunde weisen auf einen
besonders starken Austausch von Studierenden hin.
Auswanderer in die klassischen Einwanderungsländer USA, Kanada, Australien und Neuseeland wie auch
Rückwanderer aus diesen Ländern sind dagegen nicht
nur häufiger erwerbstätig als die eben Genannten,
sondern haben auch häufiger hohe Bildungsabschlüsse. Das Bildungsniveau, das unter den international
mobilen Befragten schon insgesamt hoch ist, erweist
sich hier noch einmal als deutlich erhöht: Der Anteil
der Hochgebildeten beträgt bei den Auswanderern in
diese Länder 78,0 Prozent und bei den Rückwanderern
70,1 Prozent.

Die höchste Erwerbsquote unter den Auswanderern haben diejenigen in den Nachbarländern Österreich und Schweiz: Hier gaben 87,4 Prozent der Befragten an, erwerbstätig zu sein. Dies ist vor allem darauf
zurückzuführen, dass die gemeinsame Sprache eine
Integration in den Arbeitsmarkt erleichtert und die
geografische Nähe eine beruflich motivierte Wanderung begünstigt (s. Kap. 5.2.3). Von den Auswanderern
nach Österreich oder in die Schweiz, die bereits vor
der Abwanderung erwerbstätig waren, gab zugleich
fast jeder Fünfte an, vor dem Wegzug aus Deutschland
Grenzpendler gewesen zu sein. Es kann also davon
ausgegangen werden, dass sich bei einem Teil der
Befragten in dieser Zielregion mit der Auswanderung
zwar der Wohnort, aber nicht zwingend auch der Arbeitsplatz geändert hat. Auch bei den Rückwanderern
aus Österreich und der Schweiz liegt der Anteil der
Erwerbstätigen mit 76,3 Prozent deutlich höher als bei
Rückwanderern aus anderen Regionen.

4.10 Mehrfachmobilität ist weit verbreitet
Viele der Befragten haben nicht zum ersten Mal in
ihrem Leben für längere Zeit (d. h. länger als vier Monate) im Ausland gelebt. Fast zwei Drittel der Auswanderer geben an, dass sie vor dem betreffenden
Auslandsaufenthalt schon mindestens einmal für längere Zeit außerhalb von Deutschland gelebt haben;
bei den Rückwanderern sind es etwa 60 Prozent. Rund
16 Prozent der Auswanderer bzw. 15 Prozent der Rückwanderer haben nach eigenen Angaben sogar dreimal
oder öfter eine längere Zeit außerhalb Deutschlands
verbracht (Abb.  7). Anhand der Daten kann nicht
festgestellt werden, ob diese Auswanderer zwischen
Deutschland und einem oder mehreren anderen Staaten hin- und herwandern; die genauen Wanderungsmuster müssen in künftigen Untersuchungen präzisiert
werden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass es sich zumindest bei einem Teil der hier betrachteten Personen

37	Der Unterschied bei der Zahl der Ziel- bzw. Herkunftsländer ist vor allem auf die schlechte Adressqualität in nichtwestlichen
Industriestaaten zurückzuführen (s. Methodenbericht Kap. 5.3).
38	Um Vergleiche nach Zielregion der Auswanderer bzw. Herkunftsregion der Rückwanderer zu ermöglichen, werden die einzelnen
Länder zu Gruppen zusammengefasst. So bilden die Schweiz und Österreich die Gruppe der deutschsprachigen Nachbarländer
Deutschlands, die bei deutschen Auswanderern besonders beliebt sind (s. Kap. 2.1). Die englischsprachigen Länder USA, Kanada,
Australien und Neuseeland werden zur Gruppe der ‚klassischen‘ (überseeischen) Auswanderungsländer zusammengefasst. Eine
weitere Gruppe bilden die Staaten der Europäischen Union, die bereits vor der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 Mitglieder waren,
also die EU15 ohne Deutschland (im Folgenden als EU14 bezeichnet), und die sog. EFTA-Staaten. Die Schweiz und Österreich werden dabei nicht berücksichtigt, da sie die o. g. Sondergruppe der deutschsprachigen Länder bilden. Zur Gruppe der EU- und EFTAStaaten zählen folglich Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Irland, Luxemburg, die
Niederlande, Portugal, Schweden und Spanien sowie Liechtenstein, Norwegen und Island. Alle übrigen Ziel- bzw. Herkunftsländer
sind in der Kategorie ‚sonstige‘ zusammengefasst.
39	Da bei einer solchen Einteilung in Regionen die Fallzahlen zum Teil sehr niedrig sind, können die dargestellten Zusammenhänge
allerdings nur als mögliche Tendenzen interpretiert werden.

25

Wer wandert aus, wer kommt zurück? Soziostrukturelle Merkmale der international Mobilen

Info-Box 5 Persönliche Eigenschaften der Aus- und Rückwanderer:
offen für Erfahrungen, hilfsbereit, gesund
Neben den soziostrukturellen Merkmalen, die in diesem Kapitel diskutiert werden, wurden für die Befragung International Mobil auch Items zur Abbildung der Persönlichkeitsstruktur aus dem SOEP übernommen (die sog. Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale): Offenheit für Erfahrungen, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Verträglichkeit (vgl. Dehne/Schupp 2007). Damit lässt sich auch die
Persönlichkeitsstruktur der verschiedenen Bevölkerungsgruppen vergleichen. Im SOEP wurden diese
Informationen allerdings zuletzt im Jahr 2009 erhoben, darum werden als Vergleichspopulation hier die
deutschen Staatsangehörigen im Jahr 2009 herangezogen. Die multivariaten Modelle wurden anhand
dieser Daten um Informationen zur Persönlichkeitsstruktur und um subjektive Einschätzungen der Befragten zu ihrer Gesundheit und Lebenszufriedenheit ergänzt.
Die Ergebnisse zeigen: Aus- oder Rückwanderer sind nicht nur offener für Erfahrungen als die nicht
mobile Bevölkerung, sie haben auch eine ‚sozialere‘ Persönlichkeitsstruktur, beispielsweise sind sie hilfsbereiter. Auswanderer sind darüber hinaus gewissenhafter. Im direkten Vergleich zwischen Auswanderern
und Rückwanderern zeigen sich hingegen bei Kontrolle weiterer Eigenschaften keine signifikanten Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur. Die beiden mobilen Gruppen unterscheiden sich in der multivariaten Analyse auch nicht bezüglich der Einschätzung ihrer Gesundheit. Im Vergleich zur nicht mobilen
deutschen Bevölkerung schätzen sie dagegen ihre Gesundheit eher als gut oder sehr gut ein. Dies kann
u. a. darauf zurückzuführen sein, dass es z. B. für chronisch Kranke schwieriger ist, ins Ausland zu gehen,
allein schon weil die Möglichkeiten der Krankenversicherung stark eingeschränkt sind. Durchschnittlich
geben Aus- und Rückwanderer zudem eine höhere Lebenszufriedenheit an als die Vergleichsgruppe. Wird
allerdings für weitere Eigenschaften kontrolliert, so verschwinden diese Unterschiede. Rückwanderer
weisen dann tendenziell sogar eine niedrigere Lebenszufriedenheit auf als nicht Mobile.

um sog. transnationale Migranten handelt, die aus familiären oder anderen Gründen starke Bindungen zu
einem zweiten Land haben und für die wiederholte
internationale Umzüge zur Lebensrealität gehören
(s.  Kap.  2.2). Die Befunde deuten auch darauf hin,
dass Personen, die einmal auslandsmobil waren, mit
höherer Wahrscheinlichkeit noch einmal auswandern.

4.11 Zusammenfassung und Zwischenfazit
Die Analyse des Datensatzes der Studie International
Mobil ergibt keine Anzeichen für einen dauerhaften
‚Abfluss‘ hoch qualifizierter Personen aus Deutschland
ins Ausland. Zwar sind Akademiker und Führungskräfte
unter den Auswanderern deutlich überrepräsentiert,
das gilt jedoch auch für die Rückwanderer. Auswanderung aus Deutschland hat tendenziell einen zirkulären
Charakter; gerade von den Hochqualifizierten kehren
viele nach einer gewissen Zeit wieder nach Deutschland zurück.
Die Auswertung der soziostrukturellen Merkmale
international mobiler Personen und ein Vergleich mit
der in Deutschland lebenden nicht mobilen Bevölkerung liefern eine Vielzahl von Erkenntnissen, die für
die Gestaltung der wanderungspolitischen Rahmenbedingungen wichtig sind (s. Kap. 8.2). So zeigt sich,
dass für internationale Mobilität nicht nur die eigene
Qualifikation eine Rolle spielt: Personen aus sozial

26

bessergestellten Familien sind insgesamt international
deutlich mobiler. Geht man davon aus, dass durch internationale Wanderungen zusätzliche Qualifikationen
erworben werden (können), die sich nicht zuletzt auch
auf dem Arbeitsmarkt verwerten lassen, trägt dieser
Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und internationaler Mobilität potenziell dazu bei, Bildungsungleichheiten in Deutschland noch zu vergrößern.
Bei der Aus- und Rückwanderung aus bzw. nach
Deutschland zeigen sich auch geschlechtsspezifische
Unterschiede: Während Frauen und Männer etwa im
gleichen Maß aus Deutschland auswandern, verbleiben Frauen häufiger als Männer dauerhaft im Ausland.
Hierfür könnten unterschiedliche Rollenerwartungen
verantwortlich sein. Die Analysen bestätigen darüber
hinaus, dass unter den international Mobilen familiär
ungebundene Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 25 und 40 Jahren deutlich überrepräsentiert sind.
Unter den international wandernden deutschen
Staatsangehörigen sind weiterhin Menschen mit
­Mi­grationshintergrund gemessen an der deutschen
Wohnbevölkerung deutlich überrepräsentiert. Die be­
tref­fenden Personen wandern aber nicht zwangsläufig in das eigene Herkunftsland bzw. das ihrer Eltern.
Vielmehr ist diese Bevölkerungsgruppe generell überdurchschnittlich mobil.
Sowohl Aus- als auch Rückwanderer sind zu großen
Teilen erwerbstätig. Allerdings befinden sich Rückwanderer tendenziell häufiger in Aus- oder Weiterbildung

Forschungsbereich

Abb. 7 Häufigkeit früherer Auslandsaufenthalte (über 4 Monate) bei Aus- und Rückwanderern

Auswanderer

29,1

Rückwanderer

29,4
0%

18,8

15,4
20%

einmal

zweimal

40%

16,5

35,7

15,0

39,3
60%

dreimal oder häufiger

80%
nie

100%

keine Angabe

Quelle: Studie International Mobil 2015; eigene Berechnung und Darstellung

als Auswanderer und nicht Mobile und sind auch häufiger arbeitslos. Dies könnte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass in dieser Gruppe zeitlich befristete
Auslandsaufenthalte von Studierenden eine größere
Rolle spielen. Andererseits könnte es darauf hindeuten, dass die Entscheidung zur Rückwanderung von einer gesicherten Erwerbstätigkeit eher unabhängig ist.
Um Prozesse internationaler Mobilität besser zu
verstehen und insbesondere um politische und gesellschaftliche Handlungsoptionen zu bewerten, müssen
jedoch auch die Motive für Wanderung analysiert werden. Darum geht es im nächsten Kapitel.

5. Warum ins Ausland, warum zurück?
Motive und Beweggründe von Aus- und
Rückwanderern
Aus welchen Gründen wandern Menschen über Landesgrenzen hinweg? Diese Frage ist von zentraler Bedeutung, um Migrationsprozesse zu verstehen und zu
erklären. Denn nur wenn genau bekannt ist, welche
Gründe internationale Mobilität auslösen oder fördern,
lässt sich fundiert einschätzen, ob und wie politische
Rahmenbedingungen die Migrationsentscheidungen
von Bürgern aus hoch entwickelten Staaten beeinflussen können, und die Politik kann ggf. Ansätze entwickeln, um solche Wanderungsprozesse zu steuern.

5.1 Warum wandern Menschen aus
Deutschland aus?
Die Frage, warum Menschen dauerhaft oder zeitweilig
in ein anderes Land umziehen, hat die Migrationsforschung auf vielfältige Weise und mit Blick auf zahlreiche Faktoren untersucht (Castles/de Haas/Miller
2014: 27–51; de Haas 2011: 7).40 Einige dieser Faktoren können Individuen zugerechnet werden, etwa
persönliche Eigenschaften (wie Alter, Bildung, Familienstand, Sprachkenntnisse, Erwerbssituation) oder
charakterliche Eigenschaften (z. B. Risikobereitschaft
oder Selbstbewusstsein). Andere Wanderungsentscheidungen hängen mit Familie (Mincer 1978; Stark/
Bloom 1985; Stark 1991) oder sozialen Netzwerken
zusammen (Boyd 1989; Haug 2008). Auch Faktoren
auf der Makroebene können Wanderung auslösen; das
betrifft die jeweilige ökonomische, soziale und politische Situation in Ziel- und Herkunftsstaat (Massey
et al. 1993; Zolberg/Suhrke/Aguayo 1989).
Zu den hier relevanten Motivkonstellationen deutscher Auswanderer liegen bislang keine methodisch
belastbaren und generalisierbaren empirischen Ergebnisse vor, die fundierte Rückschlüsse auf den Umfang
und die Auslöser von Abwanderungsbewegungen erlauben. Einige Studien befragen wanderungsaffine Personen, die (noch) nicht abgewandert sind, im ­Vorfeld
nach ihren diesbezüglichen Absichten und ­Motiven

40	Bei den hoch entwickelten westlichen Staaten kann aufgrund der strukturellen Ähnlichkeiten ihrer Gesellschaften von ähnlichen Motivlagen ausgegangen werden. Unabhängig vom konkreten Herkunftsland haben international mobile Personen aus
Industriestaaten gemeinsam, dass ihre Wanderungsentscheidung ganz überwiegend als eine freiwillige aufgefasst werden
kann. Zudem sind internationale Wanderungen für Menschen aus Industriestaaten in der Regel einfacher zu realisieren als für
Menschen aus ärmeren Staaten, da sie in ihrer Mobilität weniger durch restriktive Visaregelungen beschränkt sind und über mehr
Ressourcen verfügen.

27

Warum ins Ausland, warum zurück? Motive und Beweggründe von Aus- und Rückwanderern

Info-Box 6 Rückblickende Erfassung der Wanderungsmotive in der
­Befragung International Mobil (Ex-post-Erhebung)
Die Studie setzt auf der Mikroebene der individuellen Entscheidungen an. Methodisch umgesetzt wird
dies dadurch, dass international mobile Personen zu ihren Wanderungsmotiven befragt werden. Diese
Perspektive hat den Vorteil, dass sie neben detaillierten persönlichen Angaben auch erfasst, wie die
betreffenden Personen ökonomische und politische Entwicklungen einschätzen oder Lebensqualitäten
wahrnehmen. Denn den Ausschlag für individuelle Migrationsentscheidungen geben nicht allein objektiv
feststellbare Unterschiede in Bezug auf den Arbeitsmarkt, den Wohlstand oder das politische System in
Herkunfts- und potenziellen Zielländern, sondern vor allem die Frage, wie Wanderungswillige solche
Differenzen wahrnehmen (van Dalen/Henkens 2007). In diesem Sinne ist zu berücksichtigen, dass es
nicht auf absolute Unterschiede ankommt; ausschlaggebend ist immer die von den Migranten wahrgenommene Relation zwischen Herkunfts- und Zielland.
Konkret lautet die erste Frage: „Es gibt viele mögliche Gründe dafür, aus Deutschland wegzuziehen“ (Auswandererfragebogen)/„zurückzukehren“ (Rückwandererfragebogen). „Bitte nennen Sie uns
alle Gründe/Lebensbereiche, die dabei für Sie von Bedeutung waren.“ In Anlehnung an bisherige Erkenntnisse der Migrationsforschung zur Wanderung aus und zwischen hoch entwickelten Staaten (van
Dalen/Henkens 2007; Murray et al. 2012; Pfeiffer/Heimer 2007; Kathmann et al. 2007; Khoo/Hugo/
McDonald 2011; Labrianidis/Vogiatzis 2013) wurden bei den Auswanderern folgende mögliche Gründe/
Lebensbereiche vorgegeben: 1) berufliche Gründe, 2) ausbildungs- bzw. studienbezogene Gründe, 3)
partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe (auch Eltern oder ihre Herkunft), 4) erwartetes Einkommen
bzw. Lebensstandard, 5) Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland bzw. im Ausland; als zusätzliche Möglichkeit wurde angeboten: 6) der Wunsch, neue Erfahrungen zu machen bzw. den eigenen
Horizont zu erweitern.
Für Rückwanderungsentscheidungen sind nach bisherigen Erkenntnissen generell die gleichen Motive
relevant wie für Auswanderungsentscheidungen (Pfeiffer/Heimer 2007; Khoo/Hugo/McDonald 2011;
Kathmann et al. 2007; Labrianidis/Vogiatzis 2013). Daher wurden bei den Rückwanderern weitgehend
dieselben Gründe abgefragt wie bei den Auswanderern. Das Motiv „neue Erfahrungen machen bzw. den
eigenen Horizont erweitern“ wurde weggelassen, stattdessen wurden hinzugenommen: ein von vornherein befristeter Auslandsaufenthalt und ein befristetes Visum/Aufenthaltstitel. Die Befragten konnten
jeweils „ja“, „nein“, „weiß nicht“ oder „keine Angabe“ ankreuzen. Wenn sie einen der genannten Gründe
als wichtig benannten, wurden sie anschließend durch einen Filter zu detaillierteren Gründen aus diesem
Bereich geleitet. Um sicherzustellen, dass alle relevanten Wanderungsmotive erfasst werden, konnten
die Befragten zusätzlich in einem offenen Feld ausführlich zu ihren Wanderungsmotiven Stellung nehmen
(s. Methodenbericht Kap. 3.4, 6.4)

(­ Ex-ante-Befragungen). Besonders in den letzten Jahren wurde jedoch verstärkt zu Lebensbedingungen und
Wanderungsmotiven von Deutschen im Ausland geforscht (Rother 2005; Braun/Recchi 2008; Geis/Übelmesser/Werding 2011; Pfeiffer/Heimer 2007) und die
mobile mit der nicht mobilen Bevölkerung verglichen,
um Aufschluss über mögliche Wanderungsmotive zu
gewinnen (Ette/Sauer 2010; Erlinghagen 2011). In
verschiedenen qualitativen Studien wurden jeweils
bestimmte Gruppen deutscher Auswanderer befragt
(Nieberg 2013; Aydın 2010). Einzelne Untersuchungen
fokussieren auch auf Rückwanderer (Ette/Sauer 2010;
Liebau/Schupp 2010), allerdings bietet die wissenschaftliche Literatur zu den Motiven für die Rückkehr
nach Deutschland bislang kaum Erkenntnisse. Um methodisch belastbare Daten zu gewinnen, anhand derer

28

sich migrationspolitische Push- und Pull-Faktoren klar
bestimmen lassen, müssen Aus- und Rückwanderer
– also Personen, die ihre Wanderungsintentionen tatsächlich realisiert haben – retrospektiv zu den Motiven
und Auslösern ihrer Wanderung befragt werden (SVRForschungsbereich 2012: 33).
Die Studie International Mobil erfüllt diesen Anspruch erstmals mit einem großen Sample an Befragten und diskutiert umfassend die Motive sowohl
von Auswanderern (s. Kap.  5.2) als auch von Rückwanderern (s. Kap. 5.3). Im ersten Schritt wird jeweils
untersucht, welche Motive insgesamt wanderungsentscheidend waren (Info-Box 6). In einem zweiten
Schritt wird dann analysiert, wie sich einzelne Personengruppen im Hinblick auf ihre Wanderungsmotive
unterscheiden.

Forschungsbereich

Abb. 8 Hauptmotive für die Auswanderung nach Häufigkeit

neue Erfahrungen machen

72,2

Beruf

66,9

Partner/Familie

50,9

Einkommen/Lebensstandard

46,9

Unzufriedenheit mit Leben in Deutschland

41,4

Ausbildung/Studium

17,1
0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: Studie International Mobil 2015

5.2 Motive und Beweggründe der
Auswanderer
5.2.1 Vielfalt der Auswanderungsgründe
Abwanderung ist kein monokausaler Prozess. Das zeigt
sich schon daran, dass die Befragten im Durchschnitt
drei Gründe angeben, die für die Auswanderungsentscheidung ausschlaggebend waren. Nur 13,4 Prozent
nennen lediglich einen Grund und 24,1 Prozent zwei
Gründe. Bei 28,1 Prozent der Befragten sind es dagegen drei Gründe, und 34,3 Prozent nennen vier oder
mehr Gründe.
Am häufigsten (72,2 %) benennen die Befragten
für ihre Wanderungsentscheidung kulturelle Gründe
wie den Wunsch, neue Erfahrungen zu machen und
ihren Horizont zu erweitern (Abb.  8). Am zweithäufigsten werden berufliche Gründe genannt (66,9 %).
Dann folgen soziale Gründe aus dem Bereich Partnerschaft und Familie (50,9 %), erwartetes Einkommen bzw. Lebensstandard (46,9 %), Unzufriedenheit
mit dem Leben in Deutschland (41,4 %) und zuletzt
ausbildungs- bzw. studienbezogene Gründe (17,1 %).
Dabei sind diese Gründe vermutlich individuell sehr
unterschiedlich gewichtet.41 Werden z. B. die Motive
derer betrachtet, die für ihre Auswanderungsentscheidung nur einen Grund benennen, spielen der Wunsch,
neue Erfahrungen zu sammeln bzw. den eigenen Horizont zu erweitern, Unzufriedenheit mit dem Leben in

Deutschland oder das erwartete Einkommen bzw. der
Lebensstandard nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Am wirkungsstärksten sind in dieser Perspektive berufliche Motive und familiäre bzw. partnerschaftsbezogene Gründe.
5.2.2 Breites Spektrum beruflicher und sozialer
Auswanderungsgründe
Denjenigen, die für die Auswanderung berufsbezogene Gründe angeben, geht es zu einem großen
Teil darum, dass sie im Ausland eine interessantere
berufliche Tätigkeit ausüben können (69,8  %), bessere Weiter­entwicklungs­möglichkeiten (60,4 %) oder
bessere Arbeitsbedingungen (56,0 %) haben (Tab. 3).
40,7 Prozent nennen als wichtigen Grund, dass die Abwanderung ihre Aufstiegschancen in Deutschland verbessere. Allerdings geben auch 10,4 Prozent als Grund
an, dass sie ihren Arbeitsplatz in Deutschland verloren
haben. 17,3 Prozent haben sich firmenintern beworben
oder wurden vom Arbeitgeber entsendet. 8,8 Prozent
schließlich geben an, dass Auslandsaufenthalte ein
zentraler Bestandteil ihrer beruflichen Tätigkeit seien;
das betrifft etwa Auslandskorrespondenten, Mitarbeiter im diplomatischen Dienst und Personen, die in
der Entwicklungshilfe, in deutschen Kulturinstituten,
Auslandsschulen und Stiftungen mit Auslandsbezug.
tätig sind.

41	Nach einer Gewichtung der einzelnen Gründe wurde in der Studie nicht gefragt, dadurch wäre sie zu umfangreich geworden.
Künftige Untersuchungen sollten dies aber vorsehen.

29

Warum ins Ausland, warum zurück? Motive und Beweggründe von Aus- und Rückwanderern

Tab. 3 Spezifische Auswanderungsgründe
Anteil an Befragten, für die
das jeweilige
Hauptmotiv
relevant war

Anteil an allen
Befragten
(N = 544)

interessantere berufliche Tätigkeit im Ausland

69,8 %

46,7 %

bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Ausland

60,4 %

40,4 %

bessere Arbeitsbedingungen als in Deutschland

56,0 %

37,5 %

durch Auslandsaufenthalt bessere Aufstiegschancen in Deutschland

40,7 %

27,2 %

sichererer Arbeitsplatz als in Deutschland

27,5 %

18,4 %

firmeninterne Bewerbung/Entsendung durch Arbeitgeber

17,3 %

11,6 %

Verlust des Arbeitsplatzes in Deutschland

10,4 %

7,0 %  

8,8 %

5,9 %

durch Ausbildung/Studium im Ausland zukünftig bessere berufliche
Möglichkeiten

69,9 %

11,9 %

interessantere Ausbildungs-/Studieninhalte als in Deutschland

55,9 %

9,6 %

bessere Ausbildungs-/Studienbedingungen als in Deutschland

54,8 %

9,4 %

 

berufsbezogene Gründe, N = 364

zentraler Bestandteil der beruflichen Tätigkeit
ausbildungsbezogene Gründe, N = 93

soziale Gründe, N = 277
größere Nähe zum im Ausland lebenden Partner

53,4 %

27,2 %

Partner stammt aus dem Zielland

41,2 %

21,0 %

gemeinsame Wanderung mit Partner von Deutschland ins Ausland

39,4 %

20,0 %

größere Nähe zu im Ausland lebenden Familienangehörigen

22,0 %

11,2 %

Kinder sollen anderes Land kennenlernen

18,1 %

9,2 %

Kinder sollen in einem anderen Land aufwachsen

10,8 %

5,5 %

8,7 %

4,4 %

höheres Einkommen als in Deutschland

86,7 %

40,6 %

besserer Lebensstandard als in Deutschland

77,7 %

36,4 %

niedrigere Steuern als in Deutschland

67,1 %

31,4 %

niedrigere Lebenshaltungskosten als in Deutschland

12,2 %

5,7 %

Erfahrung machen, länger im Ausland zu leben

82,7 %

59,7 %

andere Kultur

72,8 %

52,6 %

andere Sprache

42,5 %

30,7 %

besseres Lebensgefühl als in Deutschland

79,1 %

32,7 %

besseres politisches System als in Deutschland

34,7 %

14,3 %

besseres Wetter/Klima als in Deutschland

26,2 %

10,8 %

Benachteiligung in Deutschland

17,8 %

7,4 %

bessere medizinische Versorgung als in Deutschland

12,0 %

5,0 %

eigenes Herkunftsland bzw. Herkunftsland der Eltern
erwartetes Einkommen/Lebensstandard, N = 255

kulturelle Gründe, N = 393

Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland, N = 225

Quelle: Studie International Mobil 2015

30

Forschungsbereich

Ein ähnlich breites Spektrum zeigt sich auch bei den
partnerschafts- bzw. familienbezogenen Gründen. Betrachtet man diese detaillierter, zeigt sich, dass überwiegend soziale Gründe genannt werden, die mit dem
Partner zusammenhängen, z. B. die Nähe zu einem im
Ausland lebenden Partner (53,4 %) oder der Wunsch,
gemeinsam mit dem Partner auszuwandern (39,4 %).
Auf Kinder oder das Herkunftsland der Eltern bezogene
Gründe werden dagegen deutlich seltener angeführt.
5.2.3 Gruppenspezifische Motive
Die Analysen zu den soziostrukturellen Merkmalen haben gezeigt, dass sich nicht nur international mobile
von nicht mobilen Bevölkerungsgruppen unterscheiden, auch innerhalb dieser Gruppen gibt es deutliche
Unterschiede (s. Kap.  4). Die meisten Motive sind
jeweils vor allem für bestimmte Gruppen relevant.
So zeigen die Analysen, dass je nach Alter und damit auch nach Lebensphase bestimmte Gründe eine
größere Rolle spielen als andere. So sind etwa Studien- und Ausbildungsbedingungen im Ausland überwiegend für Jüngere wichtig: 43,7 Prozent der unter
30-Jährigen geben entsprechende Gründe an, bei den
über 45-Jährigen liegt dieser Anteil lediglich im einstelligen Bereich. Dagegen nennen von den 30- bis
44-Jährigen und den 45- bis 59-Jährigen jeweils knapp
drei Viertel berufliche Gründe, die insbesondere die
älteren Kohorten wesentlich seltener anführen.
Mit dem Alter bzw. den Lebensphasen hängen
auch bestimmte Lebensformen42 und damit bestimmte Auswanderungsgründe zusammen. So nennen
73,9  Prozent derjenigen, die mit ihrem Partner und
Kindern in einem Haushalt leben, für die Abwanderung partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe,
während nur 26,5 Prozent der Singles und 19,3 Prozent der bilokal Lebenden43 solche Gründe anführen.
Berufliche Gründe nennen demgegenüber 88,0 Prozent der bilokal Lebenden und 74,4 Prozent der Singles, aber nur 61,0 Prozent der Personen, die mit ihrem Partner in einem Haushalt zusammenleben, und
56,7 Prozent derer, die mit ihrem Partner und Kindern
in einem Haushalt leben.
Bei den Wanderungsgründen zeigen sich zudem
geschlechtsspezifische Unterschiede, die die in Kap. 4.4
aufgestellten Vermutungen teilweise bestätigen: Be-

rufliche Gründe nennen 75,6 Prozent der Männer, aber
nur 59,3 Prozent der Frauen. Zudem nennt jeweils rund
die Hälfte der Männer als entscheidende Auswanderungsgründe Einkommen bzw. Lebensstandard und
Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland. Frauen geben diese Motive deutlich seltener an (jeweils
ca. 40 %). Im Gegenzug nennen sie deutlich häufiger
als Männer partnerschaftsbezogene und familiäre Auswanderungsgründe (61,4 % gegenüber 39,0 %).
Besondere Auswanderungsgründe können auch
für Personen mit Migrationshintergrund gelten. In
der Literatur finden sich hier als Motive etwa das Gefühl von Diskriminierung, Heimweh bzw. der Wunsch,
das Herkunftsland der Eltern besser kennenzulernen,
oder der Wunsch, den Lebensabend im Herkunftsland zu verbringen und an dortige Familiennetzwerke anzuknüpfen (Diehl/Liebau 2014; Aydın 2013;
Esentürk-Ercan 2004: 7; Bürgin/Erzene-Bürgin 2014;
Rittersberger-Tiliç/Çelik/Özen 2013). Diese Ergebnisse
werden durch die vorliegende Studie zum Teil bestätigt. So sind für 69,7 Prozent der Personen mit einem
direkten und 58,1  Prozent der Personen mit einem
indirekten Migrationshintergrund partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe ausschlaggebend, was
auf eine große Bedeutung von sozialen Netzwerken in
den Zielländern hindeutet; bei den übrigen Personen
trifft das nur auf 46,3 Prozent zu. Untersucht man diese
Gründe differenzierter, zeigt sich, dass für Personen
mit Migrationshintergrund am häufigsten die Nähe
zum im Ausland lebenden Partner (52,2 %) bzw. zu
Familienangehörigen (40,4 %) oder die gemeinsame
Auswanderung mit dem Partner (36,0  %) den Ausschlag gibt. Das Herkunftsland der Eltern ist für immerhin 27,6 Prozent von ihnen wichtig, während es in
der Gesamtgruppe der Auswanderer keine große Rolle
spielt. Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland
(bei der auch das Motiv der Benachteiligung abgefragt
wurde) ist bei Personen mit Migrationshintergrund mit
über 45 Prozent etwas höher als bei Personen ohne
Migrationshintergrund (39,9 %).
Unterschiede nach Bildung, Erwerbsstatus und Beruf
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch nach Bildungsniveau, Erwerbsstatus und ausgeübtem Beruf.
Personen mit einem hohen formalen Bildungsabschluss nennen vor allem berufliche Gründe (73,5 %)
und das Bedürfnis, neue Erfahrungen zu machen

42	Als Lebensformen werden verschiedene Formen der sozialen Beziehung bezeichnet, die nach Art der Paarbeziehungen und
Elternschaft unterschieden werden (Statistisches Bundesamt 2006).
43	Unter bilokalen Beziehungen (auch bezeichnet als living apart together) werden Paare oder Familien verstanden, die in getrennten Haushalten leben. Im Rahmen der Studie International Mobil werden dieser Kategorie Befragte zugeordnet, die nach eigenen
Angaben eine/n Partner/in haben, mit der bzw. dem sie aber nicht in einem Haushalt zusammenleben, weil der/die Partner/
in entweder (noch) in Deutschland lebt oder in einem anderen Haushalt im Zielland oder einem weiteren Land.

31

Warum ins Ausland, warum zurück? Motive und Beweggründe von Aus- und Rückwanderern

(72,4 %); dagegen sind partnerschaftsbezogene und
familiäre Gründe (47,5  %), erwartetes Einkommen
bzw. Lebensstandard (47,3  %) oder Unzufriedenheit
mit dem Leben in Deutschland (37,0 %) für ihre Auswanderungsentscheidung offenbar weniger bedeutsam. Personen mit einem niedrigen oder mittleren
Bildungsabschluss nennen dagegen neben neuen
Erfahrungen (73,0 %) am häufigsten partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe (62,6 %), dann folgen
berufliche Gründe (58,0 %), Unzufriedenheit mit dem
Leben in Deutschland (55,0  %) und Lebensstandard
bzw. Einkommen (54,2 %).
Auch beim Erwerbsstatus sind die Unterschiede signifikant. Acht von zehn Erwerbstätigen nennen berufliche Gründe und 53,5 Prozent das erwartete Einkommen bzw. den Lebensstandard. Für nicht erwerbstätige
Personen spielen diese Motive verständlicherweise
keine so große Rolle. Bei einer detaillierteren Betrachtung der beruflichen Motive fällt zudem auf, dass der
überwiegende Teil der Befragten eine interessantere
berufliche Tätigkeit und bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Ausland anführt. Wissenschaftler
und Akademiker geben überproportional häufig an,
dass der Auslandsaufenthalt später ihre Aufstiegschancen in Deutschland verbessere (45,5 % im Vergleich zu
38,6 % bei Führungskräften in der Privatwirtschaft und
30,0 % bei Technikern und gleichrangigen technischen
Berufen). Erwartungen in Bezug auf das Einkommen
bzw. den Lebensstandard scheinen insbesondere für
die Gruppe der Techniker und gleichrangiger technischer Berufe (ISCO  3) (64,7  %) sowie die sonstigen
Berufe (67,8 %) wichtig zu sein.
Andere Länder, andere Motive
In Bezug auf die Zielländer bzw. -regionen der Auswanderer zeichnen sich ebenfalls deutliche Unterschiede ab. So spielen für Personen, die in die Schweiz
abwandern, berufliche Motive sowie das erwartete
Einkommen bzw. der Lebensstandard eine große Rolle.
Insbesondere der letzte Aspekt sticht hervor: Von denen, die in die Schweiz ausgewandert sind, benennen
70,1 Prozent dieses Motiv, bei den anderen Zielländern
bzw. -regionen sind es maximal 40,9  Prozent. Auch
Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland ist bei
Auswanderern in die Schweiz mit fast 50 Prozent deutlich stärker ausgeprägt. Diese Befunde weisen klar darauf hin, dass Auswanderer in die Schweiz besonders
berufs- und einkommensorientiert sind; das spiegelt
sich auch in der hohen Erwerbstätigenquote der Auswanderer in die Schweiz wider (s. Kap. 4.9).

Auch bei den klassischen Einwanderungsländern ist
der Anteil derer, die aus beruflichen Gründen dorthin
ausgewandert sind, mit 70,5 Prozent recht hoch. Bei
Personen, die in die sonstigen (europäischen) Staaten auswandern, scheinen dagegen berufliche Gründe
keine so große Rolle zu spielen (41,7 %), stattdessen
verweisen sie vor allem auf familiäre und partnerschaftsbezogene Motive (70,8 %).
Die EU14-Staaten nehmen eine Zwischenposition
ein: Berufliche Gründe kommen hier zwar gleich nach
dem Wunsch, neue Erfahrungen zu machen, und werden mit 63,5 Prozent ebenfalls häufig genannt; dieser
Anteil liegt jedoch deutlich unter dem der Schweiz und
dem der klassischen Einwanderungsländer. Gleichzeitig spielen partnerschaftsbezogene und familiäre
Gründe mit knapp 47,9 Prozent keine so große Rolle
wie in den sonstigen (europäischen) Staaten. Dafür
ist der Anteil derjenigen, die ausbildungs- oder studienbezogene Gründe nennen, mit knapp unter einem
Viertel deutlich höher als bei den anderen Zielländern
bzw. -regionen. Dies ist vermutlich eine Folge des gemeinsamen europäischen Bildungsraums und mobilitätsfördernder Programme wie Erasmus.

5.3 Motive und Beweggründe der
Rückwanderer
5.3.1 Vielfalt der Rückwanderungsgründe
Auch für die Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland gibt es nach Angaben der Befragten verschiedenste Gründe. Im Durchschnitt werden dafür rund
drei Gründe genannt. Knapp die Hälfte der Befragten
nennt einen oder zwei Gründe, weitere 26,8 Prozent
drei Gründe und 24,5 Prozent vier oder mehr Gründe.
Generell spielen hier die gleichen Motive eine
Rolle wie bei der Abwanderung. Die Analysen zeigen
aber, dass sich die Häufigkeit ihrer Nennung und somit ihre Bedeutung zwischen Aus- und Rückwanderern
deutlich unterscheidet. Auch für die Rückwanderer
spielen berufliche Gründe eine zentrale Rolle (56,5 %)
(Abb. 9). Mit 63,9 Prozent nennen sie aber häufiger
als die Auswanderer auch partnerschaftsbezogene und
familiäre Gründe. Jeweils weitere rund 40 Prozent nennen als Rückwanderungsgrund Unzufriedenheit mit
dem Leben im Ausland oder geben an, dass der Auslandsaufenthalt von vornherein als befristeter geplant
war. Erwartetes Einkommen bzw. erwarteter Lebensstandard, Ausbildung/Studium und befristete Aufenthaltstitel spielen eine eher untergeordnete Rolle.44

44	Diese Reihenfolge ändert sich auch nicht, wenn nur diejenigen betrachtet werden, die für ihre Rückwanderungsentscheidung
jeweils nur einen Grund benennen; lediglich Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland spielt dann eine deutlich geringere
Rolle.

32

Forschungsbereich

Abb. 9 Hauptmotive für die Rückwanderung nach Häufigkeit

Partner/Familie

63,9

Beruf

56,5

Unzufriedenheit mit Leben im Ausland

40,4

befristeter Auslandsaufenthalt

39,7

Einkommen/Lebensstandard

29,7

Ausbildung/Studium
befristetes Visum/Aufenthaltstitel

22,2
12,7
0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: Studie International Mobil 2015

5.3.2 Breites Spektrum beruflicher und sozialer
Rückwanderungsgründe
Bei den berufsbezogenen Motiven geht es den meisten Rückwanderern darum, dass sie in Deutschland
bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben
(56,9 %), eine interessantere berufliche Tätigkeit ausüben können (54,2 %) oder bessere Arbeitsbedingungen vorfinden (45,8 %). 35,8 Prozent meinen auch,
dass in Deutschland ihr Arbeitsplatz sicherer sei, und
12,3 Prozent begründen ihre Rückkehr damit, dass sie
ihren Arbeitsplatz im Ausland verloren haben (Tab. 4).
Bei den sozialen Gründen im Bereich Partnerschaft
und Familie fällt auf, dass ein Großteil der Befragten
(69,8 %) den Wunsch nennt, näher bei der Familie in
Deutschland zu leben. Die Rückkehr gemeinsam mit
dem Partner oder die Nähe zu einem in Deutschland
lebenden Partner spielt eine eher untergeordnete Rolle, insbesondere im Vergleich zur Auswanderung. Diejenigen, die Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland angeben, nennen mit knapp 56 Prozent häufig
auch die fehlende Nähe zu Freunden und Bekannten.
Überhaupt zeigt die Verteilung der einzelnen Gründe
bei „Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland“,
dass für die Wanderung weniger konkrete Probleme
im Zielland entscheidend sind (wie Sprachprobleme
oder eine wahrgenommene Benachteiligung), sondern vielmehr ein besseres Lebensgefühl in Deutschland oder der Wunsch, ins Heimatland zurückzukehren.

5.3.3 Gruppenspezifische Motive
Innerhalb der Gruppe der Rückwanderer insgesamt unterscheiden sich die Gründe wiederum nach Gruppen.
In den folgenden Ausführungen werden die Ergebnisse
zur Rückwanderung immer im Vergleich zu denen für
Auswanderung dargestellt. Wie die Analysen zeigen,
ist der Alterseffekt bei der Rückwanderung nicht so
stark ausgeprägt wie bei der Abwanderung. Studienund Ausbildungsmöglichkeiten sind ebenso wie bei
Auswanderung überwiegend für Jüngere wichtig. So
nennen 61,8 Prozent der unter 30-Jährigen entsprechende Gründe, bei den älteren Kohorten liegt dieser
Anteil im einstelligen Bereich. Damit geht einher, dass
bei 52,6 Prozent der unter 30-Jährigen der Auslandsaufenthalt von vornherein als befristeter geplant war.
Bei partnerschaftsbezogenen und familiären Gründen,
erwartetem Einkommen bzw. Lebensstandard und Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland zeigen sich
zwischen den verschiedenen Altersgruppen dagegen
keine signifikanten Unterschiede.
Bei den Rückwanderungsgründen ergibt sich ein
ähnlicher Geschlechtereffekt wie bei der Abwanderung: Von den Männern führen 62,5 Prozent berufliche
Gründe an, bei den Frauen sind es nur 50,7 Prozent;
dagegen nennen Frauen weitaus häufiger als Männer partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe
(69,3 % vs. 58,3 %). Anders als bei den Auswanderern zeigen sich aber bei den weiteren Gründen keine

33

Warum ins Ausland, warum zurück? Motive und Beweggründe von Aus- und Rückwanderern

Tab. 4 Spezifische Rückwanderungsgründe
Anteil an Befragten, für die
das jeweilige
Hauptmotiv
relevant war

Anteil an allen
Befragten
(N = 731)

bessere Weiterentwicklung in Deutschland

56,9 %

32,1 %

interessantere Tätigkeit in Deutschland

54,2 %

30,6 %

bessere Arbeitsbedingungen in Deutschland

45,8 %

25,9 %

sichererer Arbeitsplatz in Deutschland

35,8 %

20,2 %

bessere Übereinstimmung zwischen Qualifikation und .
Arbeitsplatz in Deutschland

33,9 %

19,2 %

Verlust des Arbeitsplatzes im Ausland

12,3 %

7,0 %

bessere berufliche Möglichkeiten durch Ausbildung/.
Studium in Deutschland

55,6 %

12,3 %

bessere Ausbildungs-/Studienbedingungen in Deutschland

54,3 %

12,0 %

interessantere Ausbildungs-/Studieninhalte in Deutschland

43,2 %

9,6 %

größere Nähe zu in Deutschland lebenden Familienangehörigen

69,8 %

44,6 %

gemeinsame Wanderung mit Partner vom Ausland nach .
Deutschland

34,7 %

22,2 %

Kinder sollen in Deutschland aufwachsen

27,2 %

17,4 %

größere Nähe zu Partner, der in Deutschland lebt

26,8 %

17,1 %

höherer Lebensstandard in Deutschland

71,0 %

21,1 %

höheres Einkommen in Deutschland

61,8 %

18,3 %

niedrigere Lebenshaltungskosten in Deutschland

50,2 %

14,9 %

niedrigere Steuern in Deutschland

11,5 %

3,4 %

besseres Lebensgefühl in Deutschland

62,7 %

25,3 %

nach längerem Aufenthalt Wunsch nach Rückkehr ins Heimatland

61,7 %

24,9 %

größere Nähe zu in Deutschland lebenden Freunden

55,9 %

22,6 %

bessere medizinische Versorgung in Deutschland

47,8 %

19,3 %

besseres politisches System in Deutschland

46,1 %

18,6 %

im Zielland nicht richtig heimisch geworden

43,7 %

17,6 %

mehr Sicherheit/weniger Kriminalität in Deutschland

37,3 %

15,0 %

Wetter/Klima in Deutschland

20,7 %

8,3 %

Benachteiligung im Ausland

20,0 %

8,1 %

Sprachprobleme

10,5 %

4,2 %

 

berufsbezogene Gründe, N = 413

ausbildungsbezogene Gründe, N = 162

soziale Gründe, N = 467

erwartetes Einkommen/Lebensstandard, N = 217

Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland, N = 295

Quelle: Studie International Mobil 2015

34

Forschungsbereich

a­ usgeprägten Geschlechtsunterschiede. Frauen geben
jedoch etwas häufiger als Männer an, dass für die
Rückwanderungsentscheidung Erwartungen in Bezug
auf Einkommen und Lebensstandard in Deutschland
(32,9 gegenüber 26,4 %) sowie Unzufriedenheit mit
dem Leben im Ausland (41,8 zu 38,9  %) den Ausschlag gegeben haben. Dies deutet darauf hin, dass
Frauen im Ausland etwas seltener erwerbstätig bzw.
ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt sind, weil
sie häufiger bei einer beruflich motivierten Auswanderung ihres Partners mitziehen.
Ebenso wie bei der Auswanderungsentscheidung
zeigen sich auch hier bei partnerschaftsbezogenen und
familiären Gründen Unterschiede nach Migrationshintergrund. Allerdings sind es hier Personen ohne Migrationshintergrund, die deutlich häufiger partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe angeben (66,9  %),
während von den Personen mit direktem Migrationshintergrund nur 49,5  Prozent diesen Grund nennen.
Auch in anderen Bereichen zeigen sich deutliche Unterschiede zur Auswanderung. So spielen für Personen
mit direktem Migrationshintergrund Unzufriedenheit
mit dem Leben im Ausland und Erwartungen in Bezug
auf Einkommen/Lebensstandard eine deutlich größere Rolle als für Personen ohne Migrationshintergrund;
Personen mit indirektem Migrationshintergrund nehmen hier eine Mittelposition ein.
Berufliche und soziale Gründe für Hochqualifizierte
wichtig
Personen mit einem hohen formalen Bildungsabschluss nennen als wanderungsentscheidend vor
allem berufliche Gründe (67,7 %), dicht gefolgt von
partnerschaftsbezogenen und familiären Gründen
(64,9  %). Bei Personen mit einem niedrigen oder
mittleren Bildungsabschluss spielen vor allem partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe eine Rolle
(71,4 bzw. 67,9 %), während berufliche Gründe deutlich seltener angeführt werden (35,7 bzw. 48,2  %).
Bei der Abwanderung nennen zudem Personen mit
einem niedrigen oder mittleren Bildungsabschluss
deutlich häufiger als Personen mit einem hohen Bildungsabschluss Unzufriedenheit mit dem Leben am
vorherigen Wohnort sowie erwartetes Einkommen
bzw. Lebensstandard; bei den Rückwanderern führen dagegen Personen mit einem hohen Bildungsabschluss diese beiden Gründe häufiger an als Personen mit einem mittleren Bildungsabschluss. Dass
die Auswanderung von vornherein befristet angelegt
war, geben überproportional häufig Rückwanderer
an, die sich noch in (beruflicher) Ausbildung befinden (57,1  %), oder Hochqualifizierte (40,5  %). Betrachtet man dies im Zusammenhang mit der hohen
Bedeutung, die berufliche Motive für ihre Aus- und
Rückwanderungsentscheidung haben, kann also davon ausgegangen werden, dass bei Personen mit

einem hohen formalen Bildungsabschluss Auslandsaufenthalte Teil ihrer beruflichen Tätigkeit und ihrer.
Karriereentwicklung sind.
Erwerbsstatus, Berufe und Herkunftsregionen sind
entscheidend
Signifikante Unterschiede zeigen sich auch bei den
Rückwanderern erwartungsgemäß beim Erwerbsstatus. Während 69,9 Prozent der Erwerbstätigen für die
Rückkehr berufliche Gründe anführen, spielen diese
für nicht erwerbstätige Personen keine so große Rolle. Bei Befristung des Auslandsaufenthalts als Rückwanderungsgrund zeigen sich leichte Unterschiede
nach Berufsgruppen: Von den Führungskräften in der
Privatwirtschaft nennen dies 45,7  Prozent als Rückwanderungsgrund, bei Wissenschaftlern/Akademikern
sind es 40,6 Prozent, bei Technikern 37,7 Prozent und
bei den sonstigen Berufen 35,5 Prozent. Das erwartete
Einkommen bzw. den Lebensstandard führen Techniker
häufiger als Rückwanderungsmotiv an als andere Berufsgruppen (39,6 %); Personen mit sonstigen Berufen
nennen diesen Grund mit 26,3  Prozent sogar etwas
seltener als Wissenschaftler/Akademiker (30,9 %).
Auch eine Betrachtung nach Herkunftsländern
bzw. -regionen der Rückwanderer macht Unterschiede
deutlich: Rückwanderer aus der Schweiz und den klassischen Einwanderungsländern nennen für ihre Entscheidung zu 49,6 bzw. 52,9 Prozent berufliche Gründe,
während es bei allen anderen Ländern ca. 60 Prozent
sind. Außerdem nennen knapp über 60  Prozent der
Rückwanderer insgesamt dafür familiäre und partnerschaftsbezogene Gründe, nur bei den Rückkehrern aus
Österreich liegt der Anteil mit 87,1  Prozent weitaus
höher.
Unterschiede bestehen auch beim erwarteten Einkommen bzw. Lebensstandard: Während von den aus
der Schweiz Zurückkehrenden nur 8,5  Prozent dies
als Grund anführen, sind es bei den Rückwanderern
aus der EU14 und den sonstigen Herkunftsregionen
38,0 bzw. 34,5 Prozent. Bei diesen beiden Regionen
nennen auch die meisten Rückkehrer Unzufriedenheit
mit dem Leben im Ausland als entscheidendes Motiv.
Eine zeitliche Befristung des Auslandsaufenthalts liegt
überproportional häufig bei Personen vor, die aus den
klassischen Einwanderungsländern oder den sonstigen
europäischen Staaten bzw. Regionen zurückgekehrt
sind. Überraschenderweise nennen dies fast genauso
viele Rückwanderer aus Österreich (48,4 %) als Rückkehrgrund (obwohl ausbildungsbezogene Rückwanderungsmotive bei diesem Zielland eine untergeordnete
Rolle spielen), während dieser Wert bei der Schweiz
und den EU14 mit knapp über 30  Prozent deutlich
niedriger liegt.

35

Erwartungen erfüllt? Auswirkungen internationaler Mobilität auf individuelle Lebensbedingungen

5.4 Zusammenfassung und Zwischenfazit
Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass für Wanderungsentscheidungen in der Regel nicht einzelne Motive den Ausschlag geben, sondern mehrere Gründe
zusammenwirken. Die Motive für Aus- und Rückwanderung ähneln sich, treten aber in unterschiedlichen
Konstellationen auf. Für Auswanderer sind vor allem
der Wunsch nach neuen Erfahrungen und berufliche
Gründe wichtig. Die Rückwanderer haben ebenfalls
(wenngleich etwas seltener) berufliche Motive; eine
größere Rolle spielen für sie aber soziale Gründe im
Bereich Partnerschaft und Familie. Betrachtet man die
Hauptmotive differenzierter, zeigen sich Unterschiede
nach Bildungsniveau, Geschlecht, Berufsgruppen, Alter und Migrationshintergrund sowie nach Ziel- bzw.
Herkunftsregionen. Während z. B. Auswanderer in die
Schweiz deutlich häufiger als Auswanderer in andere
Zielgebiete als entscheidende Gründe Beruf und erwartetes Einkommen/Lebensstandard nennen, führen
die Rückwanderer aus der Schweiz diese beiden Motive selten an. Auswanderer in die EU14 und die sonstigen (europäischen) Staaten nennen dagegen verhältnismäßig selten Unzufriedenheit mit dem Leben
in Deutschland sowie erwartetes Einkommen/Lebensstandard. Bei den Auswanderern in andere Zielländer
bildet allgemeine Unzufriedenheit aber einen weiteren wichtigen Wanderungsgrund. Besonders häufig
nennen ihn Auswanderer in die Schweiz, Personen mit
einem niedrigen formalen Bildungsabschluss, Auswanderer, die in bilokalen Beziehungen leben, männliche
Befragte sowie über 60-Jährige. Unzufriedenheit mit
dem Leben im Ausland benennen überproportional
häufig Rückwanderer aus der EU14 und den sonstigen
(europäischen) Staaten, Personen mit einem niedrigen
oder einem hohen formalen Bildungsabschluss, Paare
mit Kindern im Haushalt, 30- bis 44-Jährige, Erwerbstätige und Frauen.
Der Mehrheit der deutschen Auswanderer geht
es also nicht eindimensional um ein höheres Einkommen. Vielmehr spielen neben vielfältigen beruflichen
Gründen auch soziale und kulturelle Motive eine große
Rolle. Um politische Maßnahmen zum Umgang mit potenziellen Auswanderern zu entwickeln, muss dieser
Befund ebenso berücksichtigt werden wie die Beweggründe der Zurückgekehrten (s. hierzu Kap. 8).

6. Erwartungen erfüllt? Auswirkungen
internationaler Mobilität auf individuelle
Lebensbedingungen
Die Studie International Mobil will nicht nur die gesellschaftlichen Konsequenzen eines möglichen Braindrains untersuchen, sondern auch die individuellen Effekte von Migration: Wie wirkt sich die Auswanderung

36

bzw. die Rückwanderung auf den weiteren Lebensverlauf der international mobilen Personen aus? Erfüllen
sich die Erwartungen, die die betreffenden Personen
an die Wanderung geknüpft haben, und verbessern
sich durch den Auslandsaufenthalt ihre ökonomischen
und sozialen Lebensbedingungen? Die Migrationsforschung hat sich traditionell darauf konzentriert, die
Ursachen von Wanderungsbewegungen zu erklären;
die Untersuchung ihrer Auswirkungen auf den persönlichen Lebensverlauf des Einzelnen steht hingegen
noch am Anfang. Einen theoretischen Rahmen dafür
bietet der Lebensverlaufsansatz, der Veränderungen
im Lebensverlauf als Übergänge zwischen einzelnen
Lebensphasen untersucht (z. B. Verlassen der Schule,
Übergang in den ersten Beruf) (Mayer 2009). Dieser
Ansatz hat in den letzten Jahren auch zunehmend
Eingang in die Migrationsforschung gefunden (z.  B..
Huinink/Kley 2008; Wingens et al. 2011).
Wie Aus- und Rückwanderer ihre eigene Wanderungsentscheidung im Nachhinein bewerten, hängt
von ihren jeweiligen Erwartungen ab. Wenn die Entscheidung vor allem oder ausschließlich berufliche
Gründe hat, sind diese Erwartungen vermutlich noch
recht einfach zu definieren. Nach der ökonomischen
Migrationstheorie kann davon ausgegangen werden,
dass bei dieser Gruppe die Entscheidung für oder gegen eine Migration unmittelbar davon abhängt, ob der
‚Nutzen‘ die monetären und nicht monetären Kosten
der Wanderung übersteigt (vgl. Borjas 1989; Sjaastad
1962; Massey et al. 1993). Ein ‚Nutzen‘ kann dabei unterschiedlich definiert werden: Im einfachsten Fall lässt
er sich als höheres Einkommen verstehen; genauso
können damit aber eine inhaltlich erfüllendere Tätigkeit, höhere Arbeitsplatzsicherheit, bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten oder bessere Karrierechancen
verbunden sein. Für Personen, bei denen berufliche
Gründe keine oder eine untergeordnete Rolle spielen,
muss der Nutzen noch breiter definiert werden. Im Mittelpunkt des individuellen ‚Nutzens‘ stehen dann möglicherweise familiäre Überlegungen oder allgemeine
Aspekte der Lebensqualität. Die Erwartungen an internationale Mobilität können somit ganz unterschiedlich
sein. Die Folgen der Aus- oder Rückwanderung für
die ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen
bilden aber zwei Dimensionen im Lebensverlauf, die
für die individuelle Lebenszufriedenheit und die zukünftigen Lebenschancen aller international mobilen
Personen von zentraler Bedeutung sind (Info-Box 7).

6.1 Ökonomische Lebensbedingungen:
höheres Einkommen durch Auswanderung
Wie wirkt sich Auswanderung auf die individuellen
Lebensbedingungen aus? Kann das Überschreiten der
nationalstaatlichen Grenze genutzt werden, um sie

Forschungsbereich

Info-Box 7 Erfassung der individuellen Auswirkungen der Migration in der
Befragung International Mobil
Um die Auswirkungen internationaler Mobilität auf die Lebensbedingungen zu untersuchen, muss die
berufliche und soziale Situation der mobilen Personen sowohl vor als auch nach der Migration erfasst
werden. Solche Angaben können entweder durch Längsschnittstudien gewonnen werden, in denen die
betreffenden Personen mehrfach befragt werden, oder in Querschnittsstudien durch retrospektive Frageelemente. Bisher gibt es aber nur wenige solcher Migrantenbefragungen. Deshalb war die Studie
International Mobil von Beginn an darauf ausgerichtet, auch die Folgen der Migration im Lebensverlauf
zu untersuchen. Im Rahmen dieser einmaligen Querschnittsbefragung wird retrospektiv erhoben, wie sich
die individuelle Situation der Aus- bzw. Rückwanderer in verschiedenen Bereichen durch die Migration
verändert hat. Dabei wurden die Auswanderer einerseits zu ihrer aktuellen Lebenssituation nach der
Auswanderung befragt, andererseits retrospektiv zu ihrer Lebenssituation drei Monate vor dem Umzug
ins Ausland. Analog dazu wurden die Rückwanderer zu ihrer aktuellen Lebenssituation nach der Rückkehr
nach Deutschland befragt und zu ihrer Lebenssituation im Ausland drei Monate vor ihrer Rückkehr. Erhoben wurden zum einen Informationen zu Familienstand, Lebensform und bestehenden Partnerschaften zu
beiden Zeitpunkten, zum anderen detaillierte Angaben zum Erwerbsstatus und zur beruflichen Situation.
Neben diesen Informationen sollten die Befragten angeben, wie sie selbst die Veränderung ihrer ökonomischen und sozialen Lebenssituation einschätzen. Gerade um mögliche Konsequenzen internationaler
Mobilität zu beurteilen, sind solche Bewertungen der Betroffenen selbst oftmals hilfreicher als ‚harte Fakten‘. Im Mittelpunkt der folgenden Analysen stehen die Aussagen der Auswanderer zu folgender Frage:
„Wenn Sie Ihre jetzige persönliche Situation einmal mit derjenigen vor Ihrem Wegzug aus Deutschland
vergleichen, wie beurteilen Sie allgemein die Situation in den folgenden Lebensbereichen?“ Konkret wurden die Befragten gebeten, die Entwicklung ihres Einkommens (ökonomische Lebensbedingungen) und
die ihres Freundes- und Bekanntenkreises (soziale Lebensbedingungen) zu bewerten, und zwar auf einer
5er-Skala, die von 1 = ‚viel schlechter‘ bis 5 = ‚viel besser‘ reichte. Analog sollten Rückwanderer bewerten,
wie sich ihre Rückkehr nach Deutschland auf diese beiden Lebensbereiche ausgewirkt hat. Zusätzlich
wurde anhand der gleichen Skala bei Erwerbstätigen noch differenzierter nach spezifischen Aspekten der
Arbeitssituation gefragt (z. B. Sicherheit des Arbeitsplatzes, Arbeitsbedingungen, Aufstiegsmöglichkeiten)
und bei Personen mit Kindern nach der Situation der Kinderbetreuung (s. Methodenbericht Kap. 3.3).

zu verbessern, und führt bei einer Abwanderung aus
Deutschland die räumliche Mobilität möglicherweise
auch zu sozialer Mobilität (Beck 2008; Weiß 2005)?
Für den ökonomischen Bereich wird die Entwicklung
des Einkommens untersucht, das einen wesentlichen
Faktor der materiellen Lebensgrundlagen bildet. Bei
den Auswanderern entwickelt sich das Einkommen
durch die Migration zum großen Teil äußerst positiv:
Insgesamt zwei Drittel geben an, dass ihr Einkommen
heute besser bzw. viel besser sei als zuvor in Deutschland; nur bei gut 13 Prozent hat es sich verschlechtert
(Abb. 10). Diese außerordentlich positive Bewertung
zeigt sich auch bei weiteren Indikatoren der Arbeitssituation. So geben lediglich rund 13 Prozent an, dass
sich durch den Umzug ins Ausland ihre Arbeitsbedingungen verschlechtert haben, und nur etwa 10 Prozent nennen eine Verschlechterung ihrer beruflichen
Aufstiegsmöglichkeiten. Einzig bei der Sicherheit des
Arbeitsplatzes zeigt sich eine etwas abweichende Bewertung: Hier sieht immerhin jeder Fünfte eine Verschlechterung gegenüber seiner vorherigen Situation
in Deutschland.

6.2 Soziale Lebensbedingungen:
Auswanderer verlieren Freunde und
Bekannte
Die Studie untersucht auch, wie sich der Auslandsaufenthalt auf die sozialen Kontakte der Aus- und
Rückwanderer auswirkt, also auf den Freundes- und
Bekanntenkreis. Während die Folgen der Auswanderung für die ökonomischen Lebensbedingungen äußerst positiv bewertet werden, ist dies bei den sozialen Lebensbedingungen nicht der Fall. Hier ist die
Bewertung geradezu entgegengesetzt: 43,5  Prozent
geben an, dass sich die Abwanderung auf ihren Freundes- und Bekanntenkreis negativ ausgewirkt habe
(Abb. 10). Dieses Bild wird durch weitere Indikatoren
bestätigt: Für fast 40 Prozent der Befragten hat sich
durch die Auswanderung die Kinderbetreuungssituation verschlechtert. Das lässt sich einerseits darauf
zurückführen, dass die Strukturen öffentlicher Betreuungseinrichtungen im Ausland andere sind, kann aber
andererseits auch als Anzeichen dafür gedeutet werden, dass ein persönliches Netzwerk im Ausland fehlt.

37

Erwartungen erfüllt? Auswirkungen internationaler Mobilität auf individuelle Lebensbedingungen

Abb. 10 Auswirkungen der Aus- bzw. Rückwanderung auf soziale und ökonomische Lebensbedingungen
Auswanderer

Rückwanderer

Einkommen

40%
30%

31,7

34,6
26,8

20%

28,4

20,4

0%

18,6

15,0

10%
5,5

11,1

7,9

Freundes- und
Bekanntenkreis

40%
40,9
30%

38,3

33,9
28,0

20%
17,3

10%
10,3

9,6
0%
viel
schlechter
schlechter

etwa
gleich

besser

5,3
viel
besser

10,8

5,6
viel
schlechter
schlechter

etwa
gleich

besser

viel
besser

Quelle: Studie International Mobil 2015

6.3 Spiegelbildliche Situation bei
Rückwanderung: ökonomische Einbußen,
sozialer Ertrag
Die Auswirkungen der Rückwanderung auf die ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen werden
insgesamt ausgewogener bewertet, sind aber zu den
Bewertungen der Auswanderer weitgehend komplementär: 41,8  Prozent der Befragten geben an, dass
sich durch die Rückwanderung ihre persönliche Einkommenssituation verschlechtert habe (Abb. 10). Bei
insgesamt gut drei Vierteln hat sich die Situation in Bezug auf den Freundes- und Bekanntenkreis entweder
verbessert (38,8 %) oder ist der im Ausland vergleichbar geblieben (38,3  %); nur 22,9  Prozent berichten
von einer Verschlechterung nach der Rückkehr.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Entscheidung zu internationaler Wanderung einem großen Teil
der betreffenden Personen einen ökonomischen Nutzen bringt, im Gegenzug aber in den meisten Fällen
auch mit sozialen Kosten einhergeht. Dem Einkommensgewinn bei vielen Auswanderern entsprechen fi-

38

nanzielle Einbußen bei der Rückkehr nach Deutschland.
Umgekehrt korrespondieren die ungünstigeren sozialen Lebensbedingungen im Ausland damit, dass sich
durch die Rückwanderung oft die Situation in Bezug auf
den Freundes- und Bekanntenkreis deutlich verbessert.

6.4 Folgen der Auswanderung: wenig
abhängig von sozialer Situation
Bezogen auf die sozialen Lebensbedingungen ist zu
fragen, ob die sozialen Kosten, die durch das Verlassen der vertrauten Umgebung und die Entfernung
von Freunden und Bekannten entstehen, womöglich
ungleich verteilt sind. Welche Bevölkerungsgruppen
können von einer Aus- bzw. Rückwanderung profitieren und welche nicht? Ist der Einkommensgewinn
bei bestimmten Berufsgruppen höher als bei anderen? Um zu untersuchen, ob internationale Mobilität
für den weiteren Lebensverlauf sozial selektiv wirkt,
wird im Folgenden analysiert, wie verschiedene
­Bevölkerungsgruppen die Veränderungen ihrer ökono-

Forschungsbereich

mischen und sozialen Lebensbedingungen bewerten.
Hierzu werden die Gruppenmittelwerte für die beiden
Indikatoren Einkommen und Freundes-/Bekanntenkreis im Hinblick auf Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss, Berufsqualifikation und weitere Merkmale
verglichen (Tab. 11 im Anhang).45 Aus dem Vergleich
ergeben sich erste Antworten auf die Frage, welche
Personen mehr und welche weniger von internationaler Mobilität profitieren können.
6.4.1 Männer profitieren stärker von Auswanderung
Die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt ist auch
heute noch ganz wesentlich von im weitesten Sinne
ökonomischen Überlegungen geprägt; ohne die Perspektive, dass sich dadurch die Lebenschancen verbessern, würde es in vielen Fällen nicht zur Migration
kommen. Daher ist es nicht überraschend, dass ein
Großteil der Auswanderer die Entwicklung der Einkommenssituation positiv bewertet. Diese Einschätzung ist
aber über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen
nicht gleichmäßig verteilt.
Die Analyse der Konsequenzen der Wanderungsentscheidungen nach verschiedenen sozioökonomischen Merkmalen zeigt erstens ein aus der Migrationsforschung bekanntes Bild: Die Migranten brauchen
eine gewisse Zeit, um sich im Aufnahmeland zurechtzufinden und sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Dies zeigt sich deutlich daran, dass sie die Einkommenssituation mit steigender Aufenthaltsdauer zunehmend positiver bewerten. Während die Lebensform
und das Alter auf die ökonomischen Lebensbedingungen offensichtlich keinen Einfluss haben, zeigen sich
signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
Männer profitieren von der Abwanderung ökonomisch
deutlich mehr als Frauen. Dieses Ergebnis zeigt sich
noch stärker, wenn nur Erwerbstätige untersucht werden. Es bleibt zukünftigen Studien vorbehalten, diesen
geschlechtsspezifischen Effekt genauer zu erklären. Da
berufliche Motive bei der Migration von Männern eine
größere Rolle spielen, erscheinen diese nach dem
klassischen Rollenbild häufiger als der Part, der die
Wanderung auslöst. Den mitziehenden Partnerinnen

fällt es möglicherweise schwerer, im Ausland eine Beschäftigung zu finden, die ihrer Qualifikation entspricht
(s. Kap. 4.4 und 5.2.3).
6.4.2 ‚Fahrstuhl-Effekt‘ der Auswanderung
Wie die persönliche Einkommenssituation bewertet
wird, hängt stark von der aktuellen Erwerbssituation
ab. Während über drei Viertel der im Ausland Erwerbstätigen angeben, dass sich ihr Einkommen durch die
Auswanderung verbessert habe, tun dies von den nicht
erwerbstätigen Personen nur 37,9  Prozent.46 Auch
wenn man nur die durchgängig erwerbstätige Bevölkerung betrachtet, ergeben sich keine weiteren Faktoren, die diese Einschätzung beeinflussen; weder der
höchste erreichte Bildungsabschluss noch die Qualifikation im ausgeübten Beruf haben einen signifikanten
Einfluss auf die Einschätzung der Einkommenssituation.
Die bivariaten Befunde (Tab. 12 im Anhang) können die Annahme, dass die Konsequenzen der Abwanderung zugunsten höher qualifizierter Gruppen sozial ungleich verteilt sind, nicht bestätigen; sie legen
vielmehr einen umgekehrten Zusammenhang nahe:
Insbesondere Personen mit niedriger Bildung und solche mit Fachhochschulabschluss geben im Schnitt eine
positivere Entwicklung ihres Einkommens an als Personen mit Promotion oder Universitätsabschluss.47 Diese
Interpretation wird gestärkt durch eine differenzierte
Analyse nach Berufsgruppen (ISCO) mit unterschiedlichen Qualifikationsanforderungen: Auch diese zeigt,
dass Personen mit Berufen geringerer Qualifikation
die Entwicklung ihres Gehalts tendenziell positiver
einschätzen; dieses Ergebnis bestätigen auch die multivariaten Analysen zumindest für die Personen mit
technischen Berufen (ISCO 3).
Deutliche soziale Unterschiede hinsichtlich der
Einkommenswirkungen der Auswanderung zeigen
die Ergebnisse aber nicht. Daher kann im Sinne der
aus der bildungssoziologischen Forschung bekannten
Metapher eines ‚Fahrstuhl-Effekts‘ davon ausgegangen werden, dass sich nach der Abwanderung die
­ökonomischen Lebensbedingungen für alle sozialen
Gruppen verbessern.

45	Um den Einfluss verschiedener Merkmale zu überprüfen, wurden sämtliche hier präsentierten Zusammenhänge durch ordinale
logistische Regressionsmodelle überprüft (Tab. 12 im Anhang). Zur Verwendung von Regressionsverfahren in dieser Studie s. auch
Info-Box 4.
46	Weil die Bewertung der Einkommenssituation direkt vom aktuellen Erwerbsstatus abhängt, wurden alle Modelle jeweils für zwei
Gruppen berechnet: einerseits für alle befragten Personen (Spalte „alle“ in Tab. 11 und 12), andererseits nur für Personen, die
sowohl vor als auch nach der Wanderung Teil der erwerbstätigen Bevölkerung waren (Spalte „Erwerbstätige“ in Tab. 11 und 12).
Letzteres schließt also auch aus, dass ein Wechsel des Erwerbsstatus – z. B. von Ausbildung zu erwerbstätig oder von erwerbstätig
zu Ruhestand – die Bewertung der Einkommenssituation beeinflusst.
47	Eine Kontrolle der anderen erklärenden Variablen bestätigt diese Ergebnisse zumindest in der Tendenz, wenngleich sie statistisch
nicht signifikant sind.

39

Erwartungen erfüllt? Auswirkungen internationaler Mobilität auf individuelle Lebensbedingungen

6.4.3 Nutzen sozialer Netzwerke für Auswanderung
Während die Auswirkungen der Abwanderung auf
das Einkommen von der Dauer des Aufenthalts im
Ausland, dem Geschlecht und insbesondere dem Erwerbsstatus abhängen, zeigen sich hinsichtlich der
sozialen Lebensbedingungen zwischen diesen Bevölkerungsgruppen nur geringe Differenzen. Bestätigen
lässt sich, dass die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen
Bildungs- oder Berufsgruppen auch auf die Entwicklung der Freundes- und Bekanntenkreise nur einen geringen Effekt hat. Die Ergebnisse sind nur in wenigen
Fällen signifikant und zeigen keine eindeutige Tendenz: Während Personen mit geringeren Bildungsabschlüssen tendenziell eher als Personen mit Promotion
angeben, dass sich ihre sozialen Lebensbedingungen
verschlechtert haben, deuten die Ergebnisse zur Berufsqualifikation einen negativen Zusammenhang an,
d. h. je besser jemand beruflich qualifiziert ist, desto
eher schildert er Verschlechterungen in Bezug auf den
Freundes- und Bekanntenkreis.
Entscheidender als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozioökonomischen Gruppe scheint für die
Entwicklung der sozialen Lebensbedingungen das Alter zu sein: Personen über 50 Jahre und insbesondere
Rentner bewerten die Auswirkungen der Auswanderung auf die sozialen Kontakte deutlich positiver als
alle anderen Befragten; von einer negativen Wirkung
berichtet hier insbesondere die Gruppe der 30- bis
39-Jährigen. Die bivariaten Befunde deuten darüber
hinaus einen Zusammenhang mit der Lebensform an:
Danach erfahren besonders Familien mit Kindern durch
die Abwanderung deutliche soziale Einschnitte. Dieser
Befund lässt sich aber multivariat nicht weiter erhärten.
Einflussreicher ist vermutlich, ob die Auswanderer
im Zielland über Netzwerke verfügen oder nicht. Darauf verweist der Befund, dass bei Personen mit Mi­
grationshintergrund die Auswanderung die geringsten
negativen Auswirkungen auf die sozialen Lebensbedingungen hat. Während bei Personen ohne Migrationshintergrund nur etwa 12 Prozent eine Verbesserung des Freundes- und Bekanntenkreises schildern,
liegt dieser Anteil mit rund 27 Prozent bei Personen
mit Migrationshintergrund deutlich höher. Dies lässt
sich zum Teil damit erklären, dass die betreffenden
Personen sich in ihrem ursprünglichen Herkunftsland
bzw. im Herkunftsland ihrer Eltern aufhalten und dort
auf Netzwerkstrukturen zurückgreifen können. Andererseits lässt sich dieser Befund auch so deuten, dass
diese Personen aufgrund der eigenen bzw. der familiären Migrationserfahrung allgemein über eine höhere

‚Mobilitätskompetenz‘ verfügen (s. Kap. 4.5). Hinsichtlich der ökonomischen Lebensbedingungen scheint allerdings gerade die zweite Generation deutlich weniger von der Abwanderung profitieren zu können als
Personen ohne Migrationshintergrund. Das ist im Fall
einer Rückwanderung ins Heimatland der Eltern bzw.
eines Elternteils möglicherweise auf unterschiedlich
gelagerte Migrationsmotive zurückzuführen.

6.5 Sozial selektive Folgen von
Rückwanderung
Ökonomische Migrationstheorien werten eine Rückwanderung noch immer meist als ‚gescheiterte Migration‘: Weil sich die ursprünglichen Erwartungen an
die Migration nicht erfüllt haben, kehren die Wanderer resigniert ins Herkunftsland und in die vertrauten
Strukturen zurück (Borjas/Bratsberg 1996). Ist die Entscheidung zur Rückwanderung tatsächlich motiviert
durch ein solches Scheitern der Auswanderung? Oder
ist es vielmehr so, dass manche Bevölkerungsgruppen
ihre im Ausland gewonnenen Erfahrungen in Deutschland direkt für ihren weiteren beruflichen Erfolg nutzen
können?
6.5.1 ‚Paternoster-Effekt‘ von Rückwanderung
Deutlicher als bei Abwanderung wirken sich bei einer
Rückwanderung soziale Unterschiede auf die ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen aus. Gesellschaftlich ist dabei vor allem wichtig, dass der positive
‚Fahrstuhl-Effekt‘ der Auswanderung, der alle sozioökonomischen Gruppen betrifft (s. Kap.  6.4.2), sich
im Fall der Rückwanderung nicht bestätigt. Um in der
bildungssoziologischen Metaphorik zu bleiben, liegt
hier eher ein ‚Paternoster-Effekt‘ vor: Die Aufwärtsbewegung der einen Gruppe ist verbunden mit einer
gleichzeitigen Abwärtsbewegung anderer Gruppen.
Insbesondere Personen mit einem Universitäts- oder
Fachhochschulabschluss oder mit mittlerer Bildung
bewerten die Auswirkungen der Rückwanderung auf
ihre ökonomische Situation negativer als Personen mit
Promotion.48 Belastbarer sind die Befunde zu den Berufsqualifikationen, die in die gleiche Richtung ­weisen:
Danach berichten die Befragten mit einer hohen Berufsqualifikation deutlich weniger von sinkenden Gehältern als Personen mit sonstigen Berufen; das heißt,
dass offensichtlich besonders Führungskräfte und Wissenschaftler profitieren.

48	Dieser negative Zusammenhang wird in den Regressionsmodellen zwar prinzipiell bestätigt, signifikant sind die Befunde unter
Kontrolle aller anderen Einflussfaktoren aber nur für die Gruppe der Personen mit Universitätsabschluss.

40

Forschungsbereich

6.5.2 Freundschaften brauchen Zeit
Wie die Analysen zu den Konsequenzen der Auswanderungsentscheidung gezeigt haben, erfordert die
ökonomische Integration im Zielland eine gewisse
Zeit. Für den Aufbau von Freundes- und Bekanntenkreisen scheint dies noch stärker zu gelten. Das zeigt
sich insbesondere bei den Rückwanderern: Hier ist die
Dauer des Aufenthalts im Ausland die zentrale Variable, um die Auswirkungen der Rückwanderung auf die
Entwicklung der Freundes- und Bekanntenkreise zu erklären. Bei den Befragten, die sich maximal zwei Jahre
im Ausland aufgehalten haben, hat die Rückwanderung in der Hälfte der Fälle die sozialen Lebensbedingungen (deutlich) verbessert, nur bei 12,8 Prozent ist
eine Verschlechterung eingetreten. Dieser positive Effekt schwächt sich mit zunehmender Dauer des gerade
abgeschlossenen Auslandsaufenthalts ab. Rückwanderer, die fünf bis zehn Jahre im Ausland gelebt haben,
nehmen schon zu 29,1 Prozent eine Verschlechterung
wahr; von denen, die mehr als zehn Jahre im Ausland gelebt haben, sind es sogar 36,7 Prozent. Nach
mehreren Jahren im Ausland scheinen die dort aufgebauten sozialen Kontakte für die Bewertung der sozialen Lebensbedingungen relevanter zu sein, während
Personen mit kürzerem Auslandsaufenthalt noch an
frühere Freundes- und Bekanntenkreise in Deutschland
anknüpfen können.
Auch bei den Freundes- und Bekanntenkreisen
lässt sich in der Tendenz eine soziale Selektivität beobachten. Insbesondere Personen mit niedriger und
mittlerer Bildung berichten von deutlichen Verbesserungen ihrer sozialen Lebensbedingungen nach der
Rückkehr, was im Umkehrschluss als Unzufriedenheit
mit den sozialen Lebensbedingungen im Ausland interpretiert werden könnte.49
6.5.3 Zielstaatsspezifische Effekte: Sonderfall
Schweiz?
Zuletzt soll auf einen Faktor eingegangen werden, der
die Auswirkungen der Rückwanderung sowohl auf die

sozialen als auch auf die ökonomischen Lebensbedingungen beeinflusst und der sich auch bei den Auswanderern regelmäßig als hoch signifikant erwiesen hat,
nämlich die Ziel- bzw. Herkunftsländer und regionen.
So zeigt sich, dass insbesondere Auswanderer in die
Schweiz, aber auch in die klassischen Einwanderungsländer ökonomisch sehr viel stärker profitieren als
Auswanderer in die traditionellen Mitgliedstaaten der
Europäischen Union (EU14). Insbesondere die Schweiz
fällt auch bei der Rückwanderung dadurch auf, dass
die Rückkehrer nach Deutschland deutlich höhere Gehaltseinbußen hinnehmen müssen, zugleich aber von
einer signifikanten Verbesserung ihrer sozialen Lebensbedingungen berichten. Der Beitrag der Ziel- und
Herkunftsländer zumindest zu diesen unterschiedlichen ökonomischen Auswirkungen erklärt sich möglicherweise über die unterschiedlichen Steuer- und Einkommenssituationen in diesen Staaten: Die positivste
Einkommensentwicklung schildern Auswanderer in
Staaten mit geringer Steuerbelastung und vergleichsweise liberalen Arbeitsmärkten.

6.6 Zusammenfassung und Zwischenfazit
Die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt prägt
die individuellen Lebensbedingungen zum Teil gravierend: Deutliche Einkommensgewinne für Auswanderer
gehen einher mit einer Verschlechterung ihrer sozialen Kontakte. Demgegenüber ist die Rückkehr nach
Deutschland verbunden mit finanziellen Einbußen,
zugleich aber einem Gewinn bei den sozialen Lebensbedingungen.
Diese ersten Befunde zu den Auswirkungen von
Aus- und Rückwanderung auf den Lebensverlauf gilt
es in zukünftigen Untersuchungen weiter zu erhärten.
Dabei sollten die Analysen, die hier auf subjektiven
Einschätzungen basieren, ergänzt werden durch die
Untersuchung objektiver Indikatoren.50
Mit Blick auf die sozial selektiven Auswirkungen internationaler Mobilität lassen sich drei zentrale Befunde festhalten: Erstens profitieren von
einer Abwanderung in ökonomischer Hinsicht alle

49	Personen mit universitären Bildungsabschlüssen berichten in weit geringerem Maße von einer Veränderung ihrer Freundes- und
Bekanntenkreise im Ausland und in Deutschland. Dies könnte beispielsweise auf unterschiedliche Sprachfertigkeiten zurückzuführen sein oder darauf, dass sie von früheren Auslandsaufenthalten her bereits soziale Kontakte im Ausland haben; Genaueres
dazu müssen zukünftige Untersuchungen zeigen.
50	So kann es etwa sein, dass die finanzielle Situation trotz Einschnitten bei der Rückkehr nach Deutschland besser ist als die ursprüngliche Situation vor der Auswanderung aus Deutschland. Bei der Interpretation der hier präsentierten Ergebnisse ist zudem
zu berücksichtigen, dass es sich um Einschätzungen von Aus- und Rückwanderern handelt, die im Durchschnitt seit etwa einem
Jahr im Ausland bzw. seit knapp zehn Monaten wieder in Deutschland leben. Wie oben ausgeführt, hat die Dauer des Aufenthalts
im Ausland jedoch großen Einfluss auf die Einschätzung der Lebensbedingungen. Künftige Studien sollten eingehender untersuchen, wie sich die objektiven und subjektiv wahrgenommenen Lebensbedingungen mit zunehmender Aufenthaltsdauer im
Ausland verändern.

41

Für immer? Rück- und Weiterwanderungsabsichten international Mobiler

­Bevölkerungsgruppen, hier gibt es nur geringe soziale
Unterschiede. Insofern kann von einem positiven Fahrstuhl-Effekt von Auswanderung gesprochen werden.
Zweitens stehen dem ökonomischen Nutzen der
Abwanderung erhebliche soziale Kosten gegenüber:
Fast die Hälfte aller Befragten beklagt, dass sich ihre
sozialen Lebensbedingungen am neuen Lebensort verschlechtert haben. Auch diese nicht monetären Kosten
sind sozial weitgehend gleich verteilt.
Drittens ist das Ergebnis der Rückwanderung ein
deutlich anderes: Die Einkommenseinbußen, von denen viele Rückkehrer nach Deutschland berichten, sind
sozial erheblich ungleicher verteilt als die Zugewinne
bei den Auswanderern. Im Durchschnitt verschlechtern
sich die ökonomischen Lebensbedingungen insbesondere bei Personen mit geringeren Berufsqualifikationen; bei Hochqualifizierten dagegen wird Auslandserfahrung bei einer Rückkehr nach Deutschland stärker
ökonomisch honoriert.

7. Für immer? Rück- und Weiterwanderungsabsichten international Mobiler
Ob Aus- und Rückwanderung volkswirtschaftlich und
gesellschaftlich zu einem Verlust oder einem Gewinn
führt oder ob sie sich ausgleicht, hängt – neben den
soziostrukturellen Merkmalen der Wandernden – auch
davon ab, wie viele Personen dauerhaft im Ausland
verbleiben bzw. nach ihrer Rückkehr in ein anderes
Land weiterwandern. Dass viele Personen nicht nur
einmal ins Ausland gehen, wurde bereits bei der Abfrage weiter zurückliegender Wanderungsepisoden deutlich: Ein Großteil der befragten Aus- und Rückwanderer
war bereits vor dem aktuellen Auslandsaufenthalt international mobil, manche waren sogar mehrfach im
Ausland gewesen (s. Kap. 4.10). In diesem Kapitel wird
daher untersucht, inwieweit die international mobile
deutsche Bevölkerung beabsichtigt, zukünftig zurückoder weiterzuwandern. Einschränkend ist hier allerdings anzumerken, dass eine geäußerte Wanderungsabsicht zwar wichtige Anhaltspunkte gibt, als Indikator
für das tatsächliche spätere Wanderungsverhalten aber
nur begrenzt nutzbar ist, da Wanderungsintentionen
nicht immer umgesetzt werden (Kalter 1997). Zudem
können Auslandsaufenthalte, die ursprünglich auf eine
begrenzte Zeit angelegt waren, sich verstetigen, und
umgekehrt kann ein auf Dauer geplanter Auslandsaufenthalt vorzeitig abgebrochen werden (Massey 1986;
Pagenstecher 1996; Dustmann 2000).51

7.1 Rückwanderungsabsichten von
Auswanderern
Etwa 41 Prozent der im Ausland lebenden deutschen
Auswanderer geben an, dass sie relativ sicher nach
Deutschland zurückkehren werden, während rund ein
Drittel eher im Zielland bleiben will. Weitere 26,0 Prozent wissen (noch) nicht, ob sie bleiben oder wieder
zurückkehren wollen.
Die Rückwanderungsabsichten unterscheiden sich
aber deutlich nach soziostrukturellen Merkmalen, sozialen Beziehungen, bisherigen Mobilitätserfahrungen
und Herkunfts- bzw. Zielland.52
Rückwanderungsabsichten sinken mit zunehmendem Alter
Aus der Migrationsforschung ist bekannt, dass im
Durchschnitt insbesondere jüngere und ledige Personen international mobil sind; das kann auch diese
Studie bestätigen (s. Kap. 4.1). Im Einklang damit äußern insbesondere die jüngeren Auswanderer (20–44
Jahre) häufiger die Absicht, nach Deutschland zurückzukehren. Etwa 40 Prozent der 20- bis 29-Jährigen und
45,1 Prozent der 30- bis 44-Jährigen können sich eine
Rückkehr vorstellen. Von den Personen, die im Alter
von (über) 60 Jahren aus Deutschland ausgewandert
sind, geben dagegen ca. 71 Prozent an, dass sie nicht
die Absicht haben, irgendwann zurückzuwandern. Zwischen den Geschlechtern sind die Rückkehrabsichten
relativ ausgeglichen (Tab. 5).
Soziale Beziehungen im Ziel- oder Herkunftsland
wichtig für Rückwanderungsabsichten
Investitionen in soziale Beziehungen im Zielland begünstigen in der Regel eine Verstetigung des Aufenthalts und bewirken, dass Rückwanderungsabsichten
abnehmen (Dustmann 2003; Esser 2006). Die wichtigsten Formen sozialer Beziehungen in diesem Zusammenhang sind Familie und Partnerschaft, insofern
ist die Haushaltskonstellation bzw. der Wohnort des
Partners für die Wanderungsabsicht sehr wichtig. Gut
die Hälfte derjenigen, die in einer bilokalen Beziehung
leben, will gern nach Deutschland zurückkehren. Bei
zusammenlebenden Paaren – unabhängig davon, ob
sie Kinder haben oder nicht – sowie bei Personen ohne
Partner und Alleinerziehenden ist der Anteil mit jeweils ca. 39 Prozent geringer. Beziehungen zu Freunden und Bekannten haben einen ähnlichen Einfluss auf
Wanderungsabsichten: Diejenigen, die ihre aktuelle
soziale Situation nach der Auswanderung als (deutlich)

51	Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden Rück- bzw. Weiterwanderungsabsichten durch die Frage erhoben, ob die Auswanderer
nach Deutschland zurückkehren bzw. die Rückwanderer noch einmal für längere Zeit in einem anderen Land leben wollen. Fünf
Antwortkategorien standen zur Verfügung: (1) ja, (2) eher ja, (3) eher nein, (4) nein und (5) weiß nicht.
52	Alle im Folgenden präsentierten bivariaten Befunde wurden mit Hilfe multivariater Analysen überprüft.

42

Forschungsbereich

Tab. 5 Rückwanderungsabsichten deutscher Auswanderer
 

ja

nein

weiß nicht

20–29

40,3 %

35,8 %

23,9 %

30–44

45,1 %

25,5 %

29,4 %

45–59

37,0 %

38,3 %

24,7 %

60+

20,6 %

70,6 %

8,8 %

männlich

39,2 %

35,6 %

25,2 %

weiblich

42,8 %

30,5 %

26,7 %

Paar mit Kindern

38,6 %

32,6 %

28,8 %

Paar ohne Kinder

39,3 %

40,3 %

20,4 %

bilokal lebendes Paar ohne Kinder

53,0 %

22,9 %

24,1 %

kein Partner, alleinerziehend

38,6 %

27,2 %

34,2 %

besser

27,2 %

57,6 %

15,2 %

gleich

36,8 %

35,4 %

27,8 %

schlechter

51,4 %

20,0 %

28,6 %

niedrig und mittel

34,1 %

48,8 %

17,1 %

hoch

42,2 %

28,9 %

28,9 %

noch in Ausbildung*

52,2 %

19,6 %

28,3 %

erwerbstätig

39,7 %

32,7 %

27,5 %

Mutterschutz, Elternzeit, Hausfrau/-mann

58,3 %

20,8 %

20,8 %

in Rente/Pension

15,2 %

75,8 %

9,1 %

in Aus-/Weiterbildung*

52,2 %

19,6 %

28,3 %

arbeitslos/sonstige

43,5 %

26,1 %

30,4 %

besser

32,1 %

40,6 %

27,3 %

gleich

54,9 %

22,2 %

22,8 %

schlechter

58,1 %

14,0 %

27,9 %

ja

43,9 %

29,9 %

26,3 %

nein

36,5 %

38,0 %

25,5 %

kein Migrationshintergrund

41,0 %

33,0 %

26,0 %

indirekter Migrationshintergrund

38,3 %

33,3 %

28,3 %

direkter Migrationshintergrund

44,0 %

32,0 %

24,0 %

Altersklassen

Geschlecht

Lebensform aktuell bzw. nach der Auswanderung

Vorher-Nachher-Vergleich: Freunde und Bekannte

Bildung

Erwerbsstatus aktuell bzw. nach der Auswanderung

Vorher-Nachher-Vergleich: Lebensstandard

vorherige Auslandserfahrung

Migrationshintergrund

43

Für immer? Rück- und Weiterwanderungsabsichten international Mobiler

 

ja

nein

weiß nicht

Österreich

30,1 %

35,6 %

34,2 %

Schweiz

36,7 %

32,9 %

30,4 %

EU14 (ohne Österreich)/EFTA (ohne Schweiz)

47,3 %

32,7 %

20,0 %

sonstiges Europa und sonstige Staaten

46,8 %

34,0 %

19,1 %

klass. Einwanderungsländer

51,2 %

27,9 %

20,9 %

176

139

Zielregion

Anzahl der Fälle (N)

220  

Anmerkung: *Personen, die aktuell noch in Ausbildung sind, wurde kein Bildungsabschluss zugeordnet.
Quelle: Studie International Mobil 2015

besser einschätzen, wollen nur zu 27,2 Prozent nach
Deutschland zurückkehren, zu 57,6 Prozent hingegen
im Zielland bleiben. Von denjenigen, die ihre Situation
im Hinblick auf Freunde und Bekannte als (deutlich)
schlechter beurteilen, will über die Hälfte zurückkehren und nur jeder Fünfte bleiben.
Höher Gebildete haben stärkere Rückwanderungsabsichten
Bisherige Studien unterstellen, dass die Rückwanderungsabsicht mit dem ökonomischen Erfolg im Zielland
zusammenhängt: Es wird angenommen, dass Migranten, die in der Zielregion erfolgreicher sind als in ihrem
Herkunftsland, sich eher dafür entscheiden, dauerhaft
oder zumindest langfristig im Zielland zu bleiben. Eine
Rückkehr ins Heimatland wird dagegen häufig als
Ergebnis einer gescheiterten Migration interpretiert
(Borjas/Bratsberg 1996).
In dem zur Verfügung stehenden Datensatz lässt
sich wirtschaftlicher Erfolg zunächst über den formalen
Bildungsabschluss operationalisieren. Dessen Analyse
ergibt in einem ersten Schritt, dass entgegen der Erwartung Auswanderer mit Hochschulabschluss seltener als Auswanderer ohne Hochschulabschluss die
Absicht haben, dauerhaft im Ausland zu bleiben (28,9
vs. 48,8 %). Bei Personen, die sich noch in (beruflicher) Ausbildung befinden, sind die Bleibeabsichten
mit 19,6 Prozent besonders gering und die Rückwanderungsabsichten mit 52,2 Prozent besonders ausgeprägt. Multivariate Analysen bestätigen diesen Zusammenhang.

Lebensstandard 53 vor und nach der Auswanderung
ist für Rückwanderungsabsichten wichtiger als
Erwerbssituation
Bei den erwerbstätigen Auswanderern unterscheiden
sich die Anteile der Personen mit Rückwanderungsund derer mit Bleibeabsichten nur geringfügig (39,7  
gegenüber 32,7 %). Eine Differenzierung der Erwerbstätigkeit nach ausgeübtem Beruf zeigt ebenfalls nur
geringe Unterschiede im Hinblick auf die Rückwanderungsabsichten, mit Ausnahme der Gruppe der Techniker und gleichrangiger technischer Berufe (ISCO 3):
Führungskräfte in der Privatwirtschaft (ISCO 1), Wissenschaftler/Akademiker (ISCO 2) und Personen mit
sonstigen Berufen (ISCO  4–9, 0) äußern zu jeweils
knapp über 40 Prozent eine Rückwanderungsabsicht
(Tab. 6). Differenziert man weiter zwischen Personen
mit der Absicht, im Zielland zu bleiben, und Personen,
die sich noch nicht im Klaren sind, ob sie bleiben oder
zurückwandern wollen, zeigen sich jedoch Unterschiede zwischen den Berufsgruppen: Führungskräfte in der
Privatwirtschaft und Wissenschaftler/Akademiker wollen zu jeweils knapp 30 Prozent im Zielland verbleiben
oder sind noch unentschlossen; Techniker und Personen mit sonstigen Berufen äußern mit jeweils über
40 Prozent deutlich häufiger Bleibeabsichten.
Nicht erwerbstätige Personen äußern häufiger
eine Rückwanderungsabsicht. In dieser Gruppe zeigen
sich allerdings deutliche Unterschiede: Von denjenigen, die sich in Mutterschutz bzw. Elternzeit befinden
oder Hausfrau/-mann sind, äußern 58,3 Prozent die
Absicht zurückzukehren. Demgegenüber wollen von

53	Für die Analysen können die subjektiven Einschätzungen vor und nach der Auswanderung entweder im Hinblick auf den
Lebensstandard oder im Hinblick auf das Einkommen verglichen werden. Die Auswertungen mit diesen beiden Indikatoren
kommen zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Da zum Einkommen deutlich mehr Werte fehlen, wurde für die Analyse der Vergleich in
Bezug auf den Lebensstandard gewählt.

44

Forschungsbereich

Tab. 6 Rückwanderungsabsichten nach gegenwärtig ausgeübtem Beruf
 

ja

nein

weiß nicht

Führungskräfte in der Privatwirtschaft (ISCO 1)

40,0 %

28,9 %

31,1 %

Wissenschaftler/Akademiker (ISCO 2)

40,3 %

28,2 %

31,6 %

Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe (ISCO 3)

33,3 %

43,1 %

23,5 %

sonstige Berufe (ISCO 0,4–9)

41,4 %

41,4 %

17,2 %

Anzahl der Fälle (N)

142

117

101

Anmerkung: *Personen, die aktuell noch in Ausbildung sind, wurde kein Bildungsabschluss zugeordnet.
Quelle: Studie International Mobil 2015

den Ruhestandsmigranten etwa drei Viertel im gegenwärtigen Zielland bleiben (Tab. 5).
Deutlichere Hinweise auf die Rückwanderungsabsicht liefert die subjektive Einschätzung des Lebensstandards vor und nach der Abwanderung (die als weiterer Indikator für ökonomischen Erfolg oder Misserfolg
gelten kann): 58,1 bzw. 54,9 Prozent derjenigen, die
meinen, ihr Lebensstandard nach der Auswanderung
sei schlechter oder genauso wie vor der Abwanderung, möchten gern nach Deutschland zurückkehren,
nur 14,0 bzw. 22,2 Prozent von ihnen wollen im Zielland verbleiben. Von denjenigen, die nach der Auswanderung einen höheren Lebensstandard realisieren
konnten, wollen dagegen 40,6  Prozent bleiben und
nur 32,1 Prozent zurückkehren.
Rückwanderungsmotive und zeitliche Perspektiven
Von den Personen, die angeben, dass sie (eher)
wieder nach Deutschland zurückkehren wollen (das
betrifft 220 der 535 Auswanderer), haben 58,6 Prozent eine ungefähre Vorstellung vom Zeitpunkt ihrer
Rückkehr: 12,7  Prozent wollen innerhalb der nächsten 12 Monate zurückkehren, 21,8 Prozent innerhalb
der nächsten 1–2 Jahre, weitere 18,6 Prozent in den
nächsten 3–5 Jahren; die übrigen 5,5 Prozent geben
an, dass sie länger als 5 Jahre im Ausland bleiben wollen. 41,4 Prozent wissen dagegen (noch) nicht, wann
sie nach Deutschland zurückkehren werden.
Die Gruppe der Rückwanderungswilligen wurde
auch nach den Motiven für ihre potenzielle Rückkehr
gefragt. Wie sich zeigt, hat fast die Hälfte der Personen,
die nach Deutschland zurückkehren wollen, von vornherein einen befristeten Aufenthalt geplant (Abb. 11).
40,5 Prozent geben für die Rückkehr partnerschaftliche
oder familiäre Gründe an, 30,0 Prozent berufliche oder
ausbildungsbezogene Gründe. Als weitere wichtige
Gründe nennen die Befragten fehlende Verbundenheit

mit dem Zielland und eine bessere Lebensqualität in
Deutschland. Gründe, die die Aufenthaltstitel betreffen, sowie Heimweh, finanzielle oder gesundheitliche
Gründe spielen dagegen keine große Rolle.

7.2 Weiterwanderungsabsichten von
Rückwanderern
Analog zu den Absichten von Auswanderern, nach
Deutschland zurückzukehren, wurden die Personen,
die nach einem Auslandsaufenthalt nach Deutschland
zurückgekehrt waren, zu ihren Weiterwanderungsabsichten befragt. Äußern Personen nach einer bereits
erfolgten Aus- und Rückwanderung die Absicht weiterzuwandern, kann davon ausgegangen werden, dass
es sich um eine wanderungsaffine und hoch mobile
Gruppe handelt. Mehr als 50 Prozent der Rückwanderer geben an, dass sie noch einmal für längere Zeit in
einem anderen Land leben wollen, etwa jeder vierte
Rückwanderer hat dagegen keine Absicht, erneut auszuwandern, und jeder fünfte ist noch unentschieden.
Jung und männlich wandert weiter?
Auch bei den Weiterwanderungsabsichten zeigt sich
ein negativer Zusammenhang mit dem Alter, der auch
multivariat bei Kontrolle weiterer Merkmale bestätigt
werden kann. Insbesondere in den jüngeren Altersgruppen gibt es mit 72,5 Prozent (20- bis 29-Jährige)
bzw. 57,4  Prozent (30- bis 44-Jährige) einen hohen
Anteil von Weiterwanderungswilligen, während von
den über 60-Jährigen nur 28,3  Prozent eine solche
Absicht äußern. Differenziert man nach Geschlecht,
äußern sowohl von den männlichen als auch von den
weiblichen Rückwanderern jeweils rund 25 Prozent die
Absicht, in Deutschland zu bleiben. Betrachtet man
jedoch die zukünftige Weiterwanderungsabsicht, sind

45

Für immer? Rück- und Weiterwanderungsabsichten international Mobiler

Abb. 11 Motive für angestrebte Rückwanderung nach Häufigkeit

Aufenthalt von vornherein befristet

44,5

familiäre oder partnerschaftliche Gründe

40,5

berufliche oder ausbildungsbezogene Gründe

30,0

im Zielland nicht richtig heimisch geworden

20,0

bessere Lebensqualität in Deutschland
sonstige Gründe
kein unbefristeter Aufenthaltstitel
finanzielle Gründe

17,7
12,3
7,7
4,5

Heimweh/Heimatgefühl
gesundheitliche Probleme
0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: Studie International Mobil 2015

die ­Mobilitätsintentionen bei den Männern um fast
10 Prozentpunkte höher.
Absichten erneuter Wanderung sind unabhängig von
sozialen Beziehungen
Bei den Rückwanderern spielt es für die Frage, ob
sie dauerhaft in Deutschland bleiben oder erneut ins
Ausland wandern wollen, überraschenderweise keine
Rolle, wie sie die Situation im Hinblick auf Freunde
und Bekannte vor und nach ihrem Auslandsaufenthalt
einschätzen. Das ist möglicherweise damit zu erklären, dass diejenigen mit Weiterwanderungsabsichten
nur zu einem kleinen Teil (20,4 %) wieder in dasselbe
Land wandern wollen, in dem sie zuvor schon gelebt
haben (zirkuläre Migration). Insofern können nur relativ wenige überhaupt auf bereits bestehende Netzwerke im Zielland zurückgreifen (s. Kap. 2.2). 34,4 Prozent wollen in ein anderes Land wandern als das, in
dem sie zuletzt gelebt haben. Weitere 44,7  Prozent
haben noch keine Vorstellung, welches die nächste
Zielregion sein könnte.
Einschätzung des Lebensstandards wichtig für Weiterwanderungsabsichten
Eine Betrachtung der Bildung zeigt erneut, dass hoch
qualifizierte und noch in Ausbildung befindliche Per-

46

sonen eine höhere Mobilitätsbereitschaft aufweisen.
83,0  Prozent der Personen, die noch in Ausbildung
sind, und 53,5 Prozent der Personen mit einem hohen
formalen Bildungsabschluss wollen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in ein anderes Land weiterwandern; von denen mit einem niedrigen oder mittleren
Bildungsabschluss sind es nur 45,1 Prozent (Tab. 7).
Die Erwerbssituation ist für die Weiterwanderungsabsicht von untergeordneter Bedeutung. Relevant ist
dagegen die Einschätzung des Lebensstandards im
Auswanderungsland im Vergleich zu Deutschland: Von
denjenigen, die ihre Situation nach der Rückkehr als
besser oder gleich einschätzen, will etwas mehr als
die Hälfte Deutschland wieder verlassen; bei denjenigen, die ihren Lebensstandard als schlechter bewerten, ist dieser Anteil mit 65,1 Prozent deutlich höher.
Einmal mobil, immer mobil?
Von den Personen, die bereits vor der Rückwanderung international mobil waren (d. h. die mindestens
drei Wanderungsprozesse durchlaufen haben), wollen
60,3 Prozent in ein anderes Land weiterwandern und
nur 19,7 Prozent in Deutschland verbleiben. Es handelt
sich hier also um hochgradig mobile Bevölkerungsgruppen. Bei denjenigen, die vor ihrer Aus- und Rückwanderung noch nicht international mobil waren, ist

Forschungsbereich

Tab. 7 Weiterwanderungsabsichten deutscher Rückwanderer
 

ja

nein

weiß nicht

20–29

72,5 %

13,7 %

13,7 %

30–44

57,4 %

20,4 %

22,2 %

45–59

43,9 %

30,4 %

25,7 %

60+

28,3 %

58,3 %

13,3 %

männlich

59,6 %

24,2 %

16,2 %

weiblich

51,2 %

24,6 %

24,3 %

Paar mit Kindern

50,6 %

27,1 %

22,3 %

Paar ohne Kinder

52,3 %

29,6 %

18,1 %

bilokal lebendes Paar ohne Kinder

62,8 %

16,0 %

21,3 %

kein Partner, alleinerziehend

58,9 %

20,6 %

20,6 %

besser

56,4 %

24,8 %

18,8 %

gleich

54,9 %

24,3 %

20,9 %

schlechter

54,3 %

23,8 %

21,9 %

niedrig und mittel

45,1 %

31,3 %

23,6 %

hoch

53,5 %

24,4 %

22,0 %

noch in Ausbildung*

83,0 %

10,6 %

6,4 %

erwerbstätig

53,9 %

24,5 %

21,5 %

Mutterschutz, Elternzeit, Hausfrau/-mann

43,1 %

31,4 %

25,5 %

in Rente/Pension

30,2 %

60,5 %

9,3 %

in Aus-/Weiterbildung*

83,0 %

10,6 %

6,4 %

arbeitslos/sonstige

50,8 %

13,8 %

35,4 %

besser

51,7 %

27,1 %

21,2 %

gleich

53,2 %

26,9 %

19,9 %

schlechter

65,1 %

15,1 %

19,7 %

ja

60,3 %

19,7 %

20,0 %

nein

48,2 %

31,0 %

20,8 %

Altersklassen

Geschlecht

Lebensform aktuell bzw. nach der Rückwanderung

Vorher-Nachher-Vergleich: Freunde und Bekannte

Bildung

Erwerbsstatus aktuell bzw. nach der Rückwanderung

Vorher-Nachher-Vergleich: Lebensstandard

vorherige Auslandserfahrung

47

Für immer? Rück- und Weiterwanderungsabsichten international Mobiler

 

ja

nein

weiß nicht

< 1 Jahr

70,4 %

14,8 %

14,8 %

1–2 Jahre

56,8 %

20,5 %

22,7 %

2–5 Jahre

58,9 %

21,1 %

20,0 %

5–10 Jahre

52,1 %

26,1 %

21,8 %

≥ 10 Jahre

46,0 %

33,5 %

20,5 %

kein Migrationshintergrund

55,9 %

23,0 %

21,1 %

indirekter Migrationshintergrund

56,6 %

27,4 %

16,0 %

direkter Migrationshintergrund

48,5 %

30,3 %

21,2 %

Österreich

53,1 %

28,1 %

18,8 %

Schweiz

44,3 %

31,3 %

24,3 %

EU14 (ohne Österreich)/EFTA (ohne Schweiz)

52,7 %

23,0 %

24,3 %

sonstiges Europa und sonstige Staaten

62,8 %

23,6 %

13,6 %

klass. Einwanderungsländer

60,0 %

20,0 %

20,0 %

Aufenthaltsdauer im Ausland vor Rückkehr

Migrationshintergrund

Zielregion

Anzahl der Fälle (N)

379

167

139

Anmerkung: *Personen, die aktuell noch in Ausbildung sind, wurde kein Bildungsabschluss zugeordnet.
Quelle: Studie International Mobil 2015

der Anteil der Personen mit ­Weiterwanderungsabsicht
mit 48,2 Prozent etwas geringer und der mit Bleibeabsicht mit 31,0 Prozent etwas höher.54 Personen mit
früheren Auslandserfahrungen sind insgesamt mobiler, aber hier vor allem diejenigen, die in Deutschland
geboren wurden (d. h. ohne oder mit indirektem Migrationshintergrund). Während Personen ohne Migrationshintergrund wie auch Personen mit indirektem
Migrationshintergrund zu jeweils ca. 56 Prozent eine
Weiterwanderungsabsicht bekunden, ist dieser Anteil
bei der Gruppe mit direktem Migrationshintergrund
etwas geringer (48,5 %). Das könnte darauf hindeuten, dass Personen, die als Spät-/Aussiedler nach
Deutschland gewandert sind oder die als Migranten
nach Deutschland gekommen sind und sich haben
einbürgern lassen, sich sehr stark mit Deutschland
identifizieren. Multivariate Analysen bestätigen, dass
die Zusammenhänge zwischen Weiterwanderungsabsichten und vorherigen Auslandsaufenthalten bzw.
Migrationshintergrund signifikant sind.

Weiterwanderungsmotive
Von den 685 Rückwanderern geben 379 an, dass
sie (eher) die Absicht haben, erneut auszuwandern.
Ungefähr die Hälfte von ihnen (52,0 %) nennt dafür
berufliche oder ausbildungsbezogene Gründe, dann
folgen sonstige Gründe (37,7  %) und eine bessere
Lebensqualität im Ausland (28,5 %) (Abb. 12). Partnerschaftliche oder familiäre Gründe führt etwas weniger als ein Viertel der Befragten an (23,0  %). Als
weitere Gründe nennen sie fehlende Verbundenheit
mit Deutschland, finanzielle Motive und dass der Aufenthalt in Deutschland von vornherein als befristeter
geplant war.

7.3 Zusammenfassung und Zwischenfazit
Sowohl von den Aus- als auch von den Rückwanderern beabsichtigen viele, erneut in ein anderes Land
zu ziehen. Ihre Gründe unterscheiden sich jedoch:

54	Wie lange die betreffenden Personen vor ihrer Rückkehr nach Deutschland im Ausland gelebt haben, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

48

Forschungsbereich

Abb. 12 Motive für angestrebte Weiterwanderung nach Häufigkeit

52,0

berufliche oder ausbildungsbezogene Gründe
37,7

sonstige Gründe

28,5

bessere Lebensqualität in Deutschland

23,0

familiäre oder partnerschaftliche Gründe

19,5

in Deutschland nicht richtig heimisch
finanzielle Gründe

16,1

Aufenthalt von vornherein befristet

14,2

gesundheitliche Probleme
0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: Studie International Mobil 2015

Z­ urückgekehrte äußern vorrangig berufliche oder
ausbildungsbezogene Gründe. Berufliche Motive sind
zwar auch für die Rückkehrabsichten von Auswanderern zentral; wichtiger ist aber, dass die Auswanderung in vielen Fällen von vornherein befristet angelegt
war. Auch familiäre und partnerschaftsbezogene Gründe spielen hier eine große Rolle. Damit ergeben sich
deutliche Parallelen zu den Motivkonstellationen, die
jeweils als entscheidend für Abwanderung (berufliche
oder ausbildungsbezogene Gründe) oder Rückwanderung (familiäre und partnerschaftsbezogene Gründe)
genannt wurden.
Viele Rückwanderer waren nicht nur zweimal international mobil (Aus- und Rückwanderung), sondern
haben sich auch früher schon im Ausland aufgehalten
und verfügen somit über umfangreiche Auslandserfahrungen. Insbesondere solche früheren Wanderungsepisoden erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass für die
Zukunft weitere Wanderungsabsichten bestehen. Die
sozialen Beziehungen im Ziel- und Herkunftsland haben starke Effekte auf die Rückkehrabsichten von Auswanderern: Eine Verschlechterung der Beziehungen zu
Freunden und Bekannten im Vorher-nachher-Vergleich
verstärkt bei ihnen die Rückwanderungsabsicht. Bei
den Rückwanderern dagegen zeigt sich kein solcher
Effekt auf die Absicht, erneut aus- bzw. weiterzuwandern. Verbesserungen des Lebensstandards durch die
Wanderung, d. h. eine erfolgreiche ökonomische Integration am Zielort verringert sowohl bei Aus- als auch
bei Rückwanderern die Wanderungsabsichten.

8. Internationale Mobilität: Fazit und gesellschaftspolitische Handlungsoptionen
Deutschland profitiert derzeit von einer hohen Nettozuwanderung von Ausländern mit zunehmend
höherem Qualifikationsniveau, die vor allem aus EUStaaten zuwandern. Sie trägt dazu bei, sowohl den
mittelfristigen demografischen Alterungsprozess als
auch einen möglichen Mangel an Fachkräften abzufedern. Die Voraussetzungen dafür wurden nicht zuletzt
dadurch geschaffen, dass die deutsche Arbeitsmigrationspolitik seit 2005 schrittweise liberalisiert wurde.
Zudem haben in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa – und nicht
zuletzt die Wirtschafts- und Finanzkrise in den südlichen EU-Staaten – dazu beigetragen, dass die Bundesrepublik als Zielland insbesondere für diejenigen
Zuwanderer attraktiver geworden ist, die im Rahmen
der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit von ihrem Recht
auf Mobilität Gebrauch machen. Betrachtet man die
gesamte Wanderungsbilanz zwischen 2010 und 2014,
lag der Wanderungsüberschuss in diesen fünf Jahren
im Durchschnitt bei gut 300.000 pro Jahr – und damit
deutlich über den Werten Mitte der 2000er Jahre, als
der Saldo jeweils nahezu ausgeglichen war.
Angesichts dieser „Freizügigkeitsdividende“ (SVR
2013: 17) und des positiven Gesamtwanderungssaldos wird derzeit weniger Augenmerk auf die befristete oder dauerhafte Abwanderung aus Deutschland
gelegt. Dabei können Fragen der Abwanderung und

49

Internationale Mobilität: Fazit und gesellschaftspolitische Handlungsoptionen

der ‚Abwanderungspolitik‘ jederzeit wieder verstärkt
auf die migrations- und gesellschaftspolitische Agenda
gelangen, sollte sich die stabile Konjunktur in Deutschland abschwächen und der Zuwanderungsboom der
letzten Jahre zurückgehen. Auch ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil der Zuwanderer aus anderen EU-Staaten zurückkehren wird, wenn sich die
wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Lage in ihren
Herkunftsländern bessert; gleichzeitig werden weniger
junge Menschen von dort nach Deutschland kommen.
Die vorliegende Studie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Auswanderung und Rückwanderung – kurz: die
internationale Mobilität – deutscher Staatsbürger als
eine Komponente der Abwanderung aus Deutschland
umfassend zu analysieren. Mittels einer eigenen Befragung (International Mobil) wurden neue Erkenntnisse über die soziodemografische Zusammensetzung
der Aus- und Rückwandererpopulation, deren wanderungsauslösende Motive, die individuellen Folgen
von Aus- und Rückwanderung sowie die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Wanderungen gewonnen. Die
Ergebnisse sollen Akteure in Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft dabei unterstützen, Handlungsstrategien
zu entwickeln, um die Vorteile internationaler Mobilität möglichst umfassend zu nutzen und ihre Risiken
– insbesondere den dauerhaften ‚Verlust‘ von Bevölkerungsgruppen mit guter Qualifikation – zu minimieren.

8.1 Zentrale Erkenntnisse der Befragung
International Mobil
Bevor Handlungsoptionen zur zukünftigen Gestaltung der internationalen Mobilität benannt werden,
fasst der folgende Abschnitt die empirischen Analysen aus der Befragung zu zehn zentralen Ergebnissen.
zusammen.
(1) ‚Brain Circulation‘ statt Braindrain
Im Vergleich zur international nicht mobilen Bevölkerung sind sowohl Aus- als auch Rückwanderer deutlich
jünger und besser gebildet. Akademiker und Führungskräfte sind unter den Auswanderern stark überrepräsentiert. Das gilt jedoch, wie die Befragung International Mobil gezeigt hat, auch für die Rückwanderer,
denn es kehren mitnichten nur die ‚Gescheiterten‘
zurück. Auswanderung aus Deutschland hat derzeit
überwiegend zirkulären Charakter; offenbar kehren
gerade Hochqualifizierte nach einer gewissen Zeit im
Ausland wieder nach Deutschland zurück.
(2) Mehrdimensionale Wanderungsmotive
Einer Mehrheit der deutschen Auswanderer geht es
nicht einfach nur darum, ihr Einkommen zu verbessern. Die Studie zeigt vielmehr, dass je nach Gruppe
unterschiedliche Motivbündel eine Rolle spielen. Ne-

50

ben beruflichen Gründen werden auch soziale und kulturelle Motive genannt: Für zwei Drittel der befragten
Auswanderer sind berufliche Gründe relevant, und
mehr als 70 Prozent wollen neue Erfahrungen machen.
Auch Rückwanderer kommen nicht ausschließlich nach
Deutschland zurück, weil ihre Abwanderung ökonomisch oder beruflich ein Misserfolg war. Bei ihnen sind
für die Migrationsentscheidung familiäre und partnerschaftsbezogene Gründe zentral (ca. 64 %), noch vor
beruflichen Motiven (ca. 57 %). Neben solchen PullFaktoren, die Migration motivieren, wirkt Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland bzw. im Ausland
als Push-Faktor.
(3) Vielfältige berufliche Gründe
Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass berufliche Gründe für Wanderungsentscheidungen große Bedeutung
haben. Die konkreten berufs- und erwerbsbezogenen
Motive für eine Wanderung sind vielfältig: Neben einem höheren Einkommen erhoffen sich Auswanderer
insbesondere eine interessantere berufliche Tätigkeit, bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten oder
bessere Arbeitsbedingungen. Diese Punkte gehören
auch bei den Rückwanderern zu den wichtigsten beruflichen Motiven. Dass berufliche Gründe für so viele Aus- und Rückwanderer eine große Rolle bei der
Migrationsentscheidung spielen, macht die arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland zu einem wichtigen Anknüpfungspunkt für Maßnahmen und Handlungsansätze. Dies gilt ungeachtet
der Tatsache, dass ein Teil der Rückwanderer ohne
Arbeitsplatz nach Deutschland zurückkehrt. Zwar sind
sowohl Aus- als auch Rückwanderer zu großen Teilen
erwerbstätig. Rückwanderer sind aber etwas häufiger
arbeitslos, sowohl im Vergleich zu Auswanderern als
auch im Vergleich zur nicht mobilen Wohnbevölkerung
in Deutschland. Dies deutet darauf hin, dass Entscheidungen zur Rückwanderung häufiger unabhängig von
einer gesicherten Erwerbstätigkeit gefällt werden. Im
Gegensatz zu Auswanderern können Rückkehrer aber
in der Regel in Deutschland auf soziale Netzwerke und
Sicherungssysteme zurückgreifen; insofern ist es für
sie weniger notwendig, ihre Rückkehr nach Deutschland von einem Arbeitsplatz abhängig zu machen.
(4) Mobilitätshemmend oder mobilitätsfördernd: die
Rolle von Partnerschaft und Familie
Wanderungsentscheidungen sind auch stark von familiären Bindungen, Verpflichtungen und individueller
Verantwortung gegenüber Angehörigen beeinflusst.
Familiäre und partnerschaftliche Bindungen wirken bei
der Auswanderungsentscheidung tendenziell mobilitätshemmend; familiär ungebundene Personen sind
häufiger mobil. Im Gegensatz dazu sind Familie und
Partnerschaft bei der Rückwanderungsentscheidung
eher mobilitätsfördernd. So gaben etwa 70  Prozent

Forschungsbereich

aller Rückwanderer als Grund für ihre Remigration an,
dass sie näher bei ihrer Familie in Deutschland leben
wollten.
Dabei unterscheidet sich das Wanderungsverhalten nach Geschlecht: Sowohl bei den Auswanderern
als auch bei den Rückwanderern gaben Männer als
Migrationsmotiv deutlich häufiger berufliche Gründe
an, Frauen dagegen häufiger partnerschaftsbezogene
und familiäre Gründe. Eine Erklärung hierfür bietet das
nach wie vor wirkungsstarke Modell des ‚männlichen
Familienernährers‘: Danach ist die Auswanderung
von Männern eher beruflich bzw. wirtschaftlich motiviert, während Frauen eher aus familiären Gründen
auswandern.
(5) Menschen mit Migrationshintergrund sind mobiler
Unter den international wandernden Deutschen sind
Menschen mit Migrationshintergrund deutlich überrepräsentiert, wobei sich ihre Motive von denen der anderen international Mobilen unterscheiden: Sie geben
für Abwanderung häufiger partnerschaftsbezogene
und familiäre Gründe an und sind etwas häufiger mit
dem Leben in Deutschland unzufrieden. Die Analyse
der Zielstaaten zeigt: Entgegen verbreiteten Annahmen wandert nur ein Teil der Deutschen mit Migrationshintergrund – im Sinne einer ‚Heimkehr‘ oder
‚Rückkehr‘ – in das eigene Herkunftsland bzw. das der
Elterngeneration. Auch bei den angeführten Wanderungsmotiven spielt die Rückkehr in das Herkunftsland
eine untergeordnete Rolle. Dieser überraschende Befund deutet darauf hin, dass die eigene Migrationserfahrung bzw. die der Eltern bei dieser Gruppe generell
die Neigung zu internationaler Mobilität erhöht.
(6) Räumliche Muster der internationalen Mobilität
Deutscher
In allen Analysen zeigt sich der Einfluss der unterschiedlichen Ziel- und Herkunftsländer. Auswanderer
in die klassischen englischsprachigen Einwanderungsländer (USA, Kanada, Australien und Neuseeland) sowie in die deutschsprachigen Nachbarstaaten Schweiz
und Österreich (ebenso wie Rückwanderer aus diesen
Ländern) sind nicht nur häufiger erwerbstätig als international mobile Deutsche mit anderen Ziel- bzw.
Herkunftsstaaten, sie weisen auch häufiger hohe Bildungsabschlüsse auf. Das bei den international mobilen Befragten generell hohe Bildungsniveau ist hier
nochmals deutlich erhöht. Für beide Ländergruppen
spielen darüber hinaus berufliche Gründe eine überdurchschnittlich große Rolle für Wanderungsentscheidungen.
In die EU14- und EFTA-Länder (ohne Österreich und
die Schweiz) ziehen dagegen überdurchschnittlich
viele junge Auswanderer, ebenso kehren viele Junge
von dort zurück. Gleichzeitig ist hier auch der Anteil
derjenigen, die für ihre Auswanderung ausbildungs-

oder studienbezogene Gründe nennen, mit knapp
einem Viertel im Vergleich zu den anderen Zielregionen überproportional hoch. Diese Befunde belegen
die gewachsene Bedeutung eines europäischen Bildungsraums, in dem mit Programmen wie Erasmus
die Bildungsmobilität junger Menschen gefördert wird.
Eine wichtige Rolle spielen auch berufliche Motive, die
für knapp zwei Drittel wichtig sind – allerdings sind
sie lange nicht so bedeutend wie für Auswanderer in
die Schweiz und die klassischen Einwanderungsländer.
(7) Einkommensgewinne durch Auswanderung
Auslandsaufenthalte haben einen nachhaltigen Einfluss auf die individuellen Lebensverläufe und Lebensbedingungen der befragten Personen. In den
meisten Fällen verbessert sich dadurch die Einkommenssituation erheblich. Diese positive ökonomische
Konsequenz ist weitgehend unabhängig von Bildungsund Berufsqualifikationen. Im Sinne eines positiven
‚Fahrstuhl-Effekts‘ ist also davon auszugehen, dass
Auswanderung die ökonomischen Lebensbedingungen
für alle Bevölkerungsgruppen tendenziell verbessert.
Im Gegenzug müssen die Auswanderer jedoch bei den
sozialen Lebensbedingungen deutliche Abstriche machen: Bei fast der Hälfte aller Befragten hat sich nach
der Abwanderung die persönliche Situation in Bezug
auf den Freundes- und Bekanntenkreis verschlechtert.
(8) Soziale Ungleichheiten bei internationaler Mobilität
Eine Rückwanderung hat für die meisten international
mobilen Deutschen andere, tendenziell negativere Effekte als die Auswanderung: Sie müssen gegenüber
dem Leben im Ausland finanzielle Einbußen hinnehmen, dafür nehmen sie in ihren sozialen Lebensbedingungen eine deutliche Verbesserung wahr. Allerdings
zeigen sich bei den Folgen für verschiedene soziale
Gruppen erhebliche Unterschiede: Bei Personen mit
geringeren Berufsqualifikationen wirkt sich die Rückkehr nach Deutschland im Schnitt deutlich negativer
auf die individuellen ökonomischen Lebensbedingungen aus, während sich insbesondere bei Hochqualifizierten die Auslandserfahrung nach der Rückkehr
‚auszahlt‘: Je höher die Berufsqualifikation, desto
seltener kommt es nach der Rückkehr zu Gehaltseinbußen. Darüber hinaus zeigt sich, dass Personen aus
sozial bessergestellten Familien international deutlich
mobiler sind als Personen aus soziostrukturell eher
benachteiligten Elternhäusern. Dadurch können sich
strukturelle Bildungsungleichheiten verstärken, denn
durch Auslandsaufenthalte erwerben die betreffenden
Personen in der Regel zusätzliche Qualifikationen, die
ihre Position auf dem Arbeitsmarkt und damit auch
das Einkommen und die Lebenschancen allgemein
verbessern können. Auslandserfahrungen werden
somit tendenziell zu einem neuen Merkmal sozialer

51

Internationale Mobilität: Fazit und gesellschaftspolitische Handlungsoptionen

­ ngleichheit. Das gilt es bei bildungs- und arbeitsU
marktpolitischen Entscheidungen bzw. bei Programmen zur Mobilitätsförderung zukünftig weitaus stärker
zu berücksichtigen.
(9) Mobilitätserfahrungen begünstigen weitere Mobilität
International Mobile wandern häufig mehrfach: Ein
großer Teil der deutschen Auswanderer verlässt die
Bundesrepublik nicht dauerhaft, sondern wandert wiederholt, z. T. für kürzere Zeiträume und in verschiedene
Zielstaaten. Rund sechs von zehn Auswanderern haben
vor ihrem aktuellen Auslandsaufenthalt schon mindestens einmal in einem anderen Staat als Deutschland
gelebt, rund 15 Prozent sogar dreimal oder öfter. Insbesondere bei Personen mit einem hohen formalen
Bildungsabschluss ist Mobilität sehr ausgeprägt. Diese
hoch mobilen Bevölkerungsgruppen tendieren dazu,
auch in Zukunft international mobil zu sein – und ggf.
nach Deutschland zurückzukehren bzw. nach erfolgter
Rückkehr weiterzuwandern.
(10) Wenig dauerhafte Auswanderungen
Auf die Frage nach ihren zukünftigen Wanderungsabsichten gibt nur ein geringer Teil der Auswanderer
an, dass sie für immer im Ausland bleiben wollen. So
äußert rund ein Drittel der Befragten die Absicht, dauerhaft im Zielland zu bleiben, während etwa 41 Prozent der im Ausland lebenden deutschen Auswanderer
nach eigener Aussage relativ sicher nach Deutschland
zurückkehren wollen und etwa jeder Vierte (noch)
unschlüssig ist. Dabei möchten eher diejenigen dauerhaft im Ausland verbleiben, die einen geringen oder
mittleren formalen Bildungsabschluss aufweisen und
nicht in einer Führungsposition bzw. als Wissenschaftler oder Akademiker tätig sind.

8.2 Internationale Mobilität gestalten:
zentrale Handlungsfelder
Wie die empirischen Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, gibt die Auswanderung deutscher Staatsbürger
bislang wenig Anlass zu Sorge; von einem dauerhaften
‚Verlust‘ großer Bevölkerungsgruppen im erwerbsfähigen Alter mit guter Qualifikation ist aktuell nicht
auszugehen. Angesichts des demografischen Wandels
mit seinen Folgen für das Fachkräfteangebot und die
Systeme sozialer Sicherung sollten die Akteure in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft die internationale
Mobilität vielmehr als Chance zur Bewältigung dieser
Herausforderungen begreifen. Denn viele Auswanderer halten auch im Ausland eine enge Verbindung zu
Deutschland oder kehren nach einiger Zeit mit neuen
Erfahrungen, Fähigkeiten und Netzwerken zurück. Internationale Mobilität ist somit Ausdruck dessen, dass

52

sich nationale Gesellschaften – insbesondere innerhalb
der EU – langfristig transnational öffnen. Damit birgt
sie umfangreiche Potenziale für Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die noch gar nicht erschlossen sind.
Die Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen in diesem Abschnitt benennen Ansatzpunkte zur Gestaltung
internationaler Mobilität, die sowohl den Migranten
selbst als auch den Herkunfts- und den Zielländern
ermöglichen, von den Chancen der Mobilität zu profitieren.
Einseitige Verlustperspektive überwinden, Chancen
erkennen
Die Auswirkungen internationaler Mobilität auf die
Herkunftsgesellschaften sind vielschichtig und komplex. Sie lassen sich eher bemessen, wenn die verschiedenen analytischen Perspektiven möglichst klar
differenziert werden. In der vorliegenden Studie wurden modellhaft verschiedene Wirkungsdimensionen
von Abwanderung beschrieben (s. Kap. 2.4).
Mit Blick auf die Abwesenheitsdimension lautet ein zentrales Ergebnis der Studie, dass es die viel
beschworenen negativen Auswirkungen in Form des
Verlusts von Fachkräften durchaus gibt: Unter den
Auswanderern befinden sich überdurchschnittlich viele junge Menschen im erwerbsfähigen Alter, die gut
qualifiziert sind, oft eine Hochschulbildung haben.
Auch wenn sie nach einem kürzeren oder längeren
Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurückkehren,
ist ihre Abwanderung zunächst ein Verlust für das
Land, etwa weil sie in Berufen qualifiziert sind, für die
es bereits heute Anzeichen eines Fachkräftemangels
gibt (z. B. als Fachärzte oder Ingenieure), und weil
dem Staat dadurch Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen entgehen.
Hinsichtlich der Rückkehrdimension kann festgehalten werden, dass sehr viele Auswanderer nach
einiger Zeit nach Deutschland zurückkehren. Das Bildungs- und Qualifikationsniveau der Rückwanderer
unterscheidet sich nicht maßgeblich von dem der Auswanderer, die Rückwanderung gleicht somit den Verlust durch die Abwanderung tendenziell aus. Darüber
hinaus verfügen Rückwanderer häufig über strategisch
nutzbare Kenntnisse und Fähigkeiten (wie z. B. Fremdsprachen), die vor allem in beruflichen Kontexten von
Vorteil sind, und über interkulturelle Kompetenz und
transnationale Netzwerke, die in Zeiten von Europäisierung und Globalisierung unverzichtbar sind – gerade für eine stark exportorientierte Volkswirtschaft wie
Deutschland.
In der Diaspora-Dimension kommt ein weiterer
Aspekt hinzu: Infolge der Auswanderungsprozesse
der vergangenen Jahrzehnte leben im Ausland heute
weltweit mehrere Millionen Deutsche bzw. Menschen,
die einmal für einen längeren Zeitraum in Deutschland
gelebt haben. Diese sog. Diaspora (Info-Box 3) bietet

Forschungsbereich

für das Land erhebliche Chancen. Aufgrund ihrer besonderen Beziehung zu Deutschland und ihrer Sprachund Landeskenntnisse finden sich weltweit zahlreiche
‚Ankerpersonen‘ für transnationale Aktivitäten u. a. in
Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft.
Eine Gesamtbilanz über alle drei Wirkungsdimensionen von Abwanderung, die auch in quantitativer
Hinsicht valide ist, lässt sich auf der Basis der vorliegenden Pilotstudie für Deutschland nicht ziehen. Die
präsentierten Befunde markieren indes einen wichtigen empirischen Referenzpunkt dafür, Auswanderung
gesellschafts- und migrationspolitisch nicht einseitig
als ‚Verlust‘ zu verstehen, sondern sie vielmehr proaktiv zu gestalten.
Allgemeine Attraktivität ist entscheidend
Da Migration oft das Resultat komplexer Motivlagen
ist, kommt den allgemeinen Lebensbedingungen in
einem Land – im Verhältnis zu anderen möglichen
Wohn- und Lebensorten international mobiler Menschen – bei Entscheidungen über internationale Wanderung eine zentrale Rolle zu. Das betrifft sowohl
‚Institutionen‘ (z.  B. das Sozialversicherungssystem,
das Bildungssystem, den Rechtsstaat) als auch die öffentlichen Güter, die diese Institutionen hervorbringen:
soziale Fürsorge, öffentliche Sicherheit, Umweltqualität, Bildung oder gesellschaftliche Integration (van
Dalen/Henkens 2007: 39). Einflussmöglichkeiten ergeben sich also in zahlreichen Politikfeldern, etwa
in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Sozial-, Familien-,
Bildungs- oder Wissenschaftspolitik. Hier überschneiden sich die Handlungsansätze staatlicher Akteure und
Arbeitgeber, deutsche Forscher, Hochqualifizierte und
Fachkräfte zum Bleiben bzw. zur Rückkehr zu motivieren, mit Strategien zur Förderung der Zuwanderung
ausländischer Akademiker und Fachkräfte.
Aus der Befragung International Mobil ergibt sich
zudem, dass für Aus- und Rückwanderer die Arbeitsbedingungen in Deutschland ein sehr wichtiger Faktor
sind, der Migration auslösen oder hemmen kann. Dazu
gehören z. B. Möglichkeiten beruflicher Weiterentwicklung, das Tätigkeitsprofil oder die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Dies betrifft keineswegs nur Hochqualifizierte wie etwa Ingenieure oder Forscher; aufgrund des
demografischen Wandels zeichnet sich gerade auch in
Bereichen mittlerer Qualifikation (z. B. Facharbeiter,
Kranken- und Altenpfleger) ein Fachkräftemangel ab,
der schon allein in quantitativer Hinsicht voraussichtlich hohe volkswirtschaftliche Bedeutung erlangen
wird. Bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen
könnten dazu beitragen, diese Tätigkeiten attraktiver
zu machen und dadurch Engpässe abzufedern. Insofern
sollten Fragen der Entlohnung, der Arbeitszeiten und
der Gleichstellung der Geschlechter und nicht zuletzt
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer
und Frauen unterschiedlicher Qualifikationsstufen in

Zukunft auch stärker unter der Perspektive internationaler Zu- und Abwanderung betrachtet werden.
Aus- und Rückwanderung in langfristigen politischen
Gestaltungsprozessen berücksichtigen
Gesellschaft und Politik sind der demografischen Alterung und dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel
nicht passiv ausgesetzt, sondern können darauf aktiv
einwirken (SVR 2011: 47). Die Bundesregierung hat
in den letzten Jahren zwei politische Beratungs- und
Gestaltungsprozesse angestoßen: das 2011 veröffentlichte Fachkräftekonzept (BMAS 2011) und die ab 2009
entwickelte Demografiestrategie (BMI 2012). Damit
hat sie grundlegende Weichenstellungen vorgenommen, um diese Wandlungsprozesse konstruktiv zu begleiten, zu steuern und dadurch Risiken zu minimieren.
Im arbeitsmarktorientierten Fachkräftekonzept der
Bundesregierung geht es in den verschiedenen ‚Sicherungspfaden‘ darum, die Erwerbsbeteiligung zu Beginn
und am Ende der Erwerbsbiografie sowie speziell die
Erwerbsbeteiligung von Frauen und von Personen mit
Migrationshintergrund zu erhöhen; außerdem sollen
nicht erwerbstätige Personen aktiviert und besser qualifiziert werden. Zu den vorgeschlagenen politischen
Maßnahmen gehören nicht zuletzt solche, die die Attraktivität des Fachkräftestandorts Deutschland allgemein erhöhen sollen. Solche Maßnahmen sind grundsätzlich auch geeignet zu verhindern, dass qualifizierte
Fachkräfte dauerhaft ins Ausland verziehen. Die bevölkerungspolitisch geleitete Demografiestrategie der
Bundesregierung bildet die Grundlage dafür, den demografischen Wandel in einem langfristig angelegten
Dialogprozess als Zukunftsaufgabe zu gestalten. Dabei
wurden strategische Handlungsfelder identifiziert, die
in ressort- und ebenenübergreifenden Arbeitsgruppen
kontinuierlich bearbeitet werden. Migrationsbezogene
Handlungsansätze innerhalb der Demografiestrategie
sind momentan vor allem darauf ausgerichtet, die
durch Alterung und Binnenwanderung geschwächte
Daseinsvorsorge und Infrastruktur in bestimmten Regionen Deutschlands zu verbessern. Einige Themenschwerpunkte der Strategie sind jedoch auch wichtig
dafür, dauerhafte Abwanderung ins Ausland zu verhindern. Dazu gehört z. B., attraktive Arbeits- und Erwerbsbedingungen nachhaltig zu sichern und dabei
auch Empfehlungen für eine bessere Vereinbarkeit von
Familie und Beruf zu berücksichtigen, alle Potenziale
zur Fachkräftesicherung zu mobilisieren oder eine Willkommenskultur zu schaffen bzw. zu erhalten.
Sowohl das Fachkräftekonzept als auch die Demografiestrategie weisen der Migrationssteuerung eine
zentrale Rolle zu. Der Fokus liegt dabei auf einer aktiven Zuwanderungspolitik, die sich an den Bedürfnissen
des Arbeitsmarktes orientiert und gleichzeitig imstande ist, die Folgen der demografischen Alterung abzufedern. Angesichts der Ergebnisse dieser Studie erscheint

53

Internationale Mobilität: Fazit und gesellschaftspolitische Handlungsoptionen

es sinnvoll, das internationale Wanderungsverhalten
deutscher Staatsangehöriger bei der Fortentwicklung
der Demografiestrategie systematischer zu berücksichtigen; dafür könnten beispielsweise zukünftig
beim Monitoring der Zu- und Abwanderung auch das
Migrationsverhalten deutscher Staatsbürger sowie deren Qualifikations- und Bildungsniveau berücksichtigt
werden. Weiterhin wären die diskutierten demografiepolitischen Handlungsansätze auch im Hinblick darauf
zu überprüfen, ob bzw. inwieweit sie dazu beitragen
können, dauerhafte Auswanderung insbesondere von
gut qualifizierten Personen im erwerbsfähigen Alter
zu reduzieren, Fachkräfte mittel- und langfristig an
Deutschland zu binden und gleichzeitig die Chancen
internationaler Mobilität zu nutzen, z. B. durch befristete Aufenthalte im Aus- bzw. Herkunftsland.
Rückkehrförderung und ‚Diaspora-EngagementPolitiken‘ prüfen
Nicht nur Entwicklungs- und Schwellenländer versuchen, mit ihrer im Ausland lebenden Bevölkerung in
Kontakt zu bleiben bzw. diese zur Rückkehr zu bewegen. Auch Industriestaaten wie Österreich, Belgien,
Frankreich, Irland, Kanada, die Vereinigten Staaten,
Portugal, Spanien, Neuseeland und die Schweiz haben spezielle Regierungseinheiten gebildet, die sich
explizit um die Belange der sog. Diaspora kümmern
sollen (UNDESA 2013b). Irland hat 2014 das Amt eines
„Staatsministers für die Diaspora“ eingerichtet. Einige
Staaten – darunter Spanien, Österreich und Neuseeland
– haben gezielte politische Maßnahmen implementiert, mit denen sie Mitglieder ihrer ‚Diaspora‘ motivieren wollen, im Herkunftsland zu investieren (UNDESA 2013b). Darüber hinaus stellen zahlreiche Staaten
Unterstützungsprogramme bereit, um durch monetäre
Anreize oder Beratungsangebote die Rückkehr eigener
Staatsbürger aus dem Ausland zu fördern. In Deutschland existieren solche Programme auf Bundesebene
bislang nicht. Einzelne Bundesländer oder Organisationen der Wissenschaftsförderung haben aber Rückkehrinitiativen gestartet (z.  B. das GAIN-Netzwerk).
Zudem gibt es ein Netzwerk von Beratungsstellen
für Auswanderungswillige und Rückkehrer, das vom
Raphaelswerk koordiniert wird. Darüber hinaus unterstützt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung
(ZAV) der Bundesagentur für Arbeit Auswanderer und
Rückkehrer bei der Jobsuche. Angesichts der absehbaren demografischen Entwicklung und des zunehmenden internationalen Wettbewerbs um Fachkräfte kann
es zukünftig sinnvoll sein, in bestimmten Branchen
gezielt solche Programme aufzulegen. Hierfür sollten
die bereits bestehenden Programme im In- und Ausland systematisch evaluiert und Beispiele gelungener
Praxis identifiziert werden.
Um Maßnahmen entwickeln zu können, die den
Kontakt mit der ‚deutschen Diaspora‘ stärken, sollte

54

zunächst untersucht werden, ob bzw. inwieweit die
im Ausland tätigen deutschen Institutionen und Netzwerke (z. B. Auslandsvertretungen, Goethe-Institute,
Handelskammern) mit ihren vielfältigen Aktivitäten
im Ausland lebende Deutsche bereits ansprechen und
einbinden. Bislang gibt es im Rahmen der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit einzelne Initiativen, die
das Diaspora-Engagement von in Deutschland lebenden Migrantengruppen für die Entwicklung ihrer jeweiligen Herkunftsländer fördern (z. B. das Programm
„Rückkehrende Fachkräfte“ des Centrums für internationale Migration und Entwicklung, CIM). Analog
dazu sollten Akteure in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auch den im Ausland lebenden Deutschen
Möglichkeiten eröffnen, in Form von Wissenstransfer,
geschäftlichen oder kulturellen Aktivitäten weiterhin
mit Unternehmen und Organisationen in Deutschland
zusammenzuarbeiten und sich enger zu vernetzen.
Chancen internationaler Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen stärken
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass internationale Mobilität und ihre Auswirkungen auf die individuellen Lebensverläufe sozial selektiv sind und damit
bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten zementieren oder sogar verstärken. Es hat sich gezeigt, dass
Personen, die nicht aus bildungsnahen oder gut situierten Elternhäusern kommen, seltener international
mobil sind und somit seltener an den Prozessen der
Globalisierung und der Europäisierung aktiv teilhaben
und davon profitieren können. Die Befunde weisen
aber auch darauf hin, dass solche Personen von internationaler Mobilität besonders profitieren könnten.
Angesichts dieser Erkenntnisse sollten die bildungspolitischen Akteure verstärkt darauf hinarbeiten,
Mobilitätsbarrieren für bildungsbenachteiligte junge
Menschen abzubauen, denn gerade frühe Auslandserfahrungen sind es, die spätere Mobilität im beruflichen
Werdegang wahrscheinlicher machen. Ein konkreter
Ansatzpunkt dafür ist, niedrigschwellige Förderprogramme zu schaffen, die die Auslandsmobilität junger
Menschen begünstigen (z.  B. das Programm „Erasmus+“ für Auszubildende bzw. Berufsschulabsolventen
oder die verbesserte Auslandsförderung im novellierten BaföG, das am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist).
Ein anderer sind Stipendien für Schüleraufenthalte im
Ausland, die gezielt soziale Kriterien berücksichtigen
(z. B. das Get Active-Programm).
Weiterführende Forschung nötig
Das Wissen über die Motivlagen, die zu internationaler Mobilität zwischen hoch entwickelten Staaten
führen, ist in der Migrationsforschung bislang äußerst begrenzt. Die vorliegende Studie hat zahlreiche neue Erkenntnisse zum grenzüberschreitenden
Wanderungsverhalten von Deutschen gewonnen, die

Forschungsbereich

es ermöglichen, deren individuelle Migrationsmotive besser zu verstehen. Daneben hat die Befragung
International Mobil ein methodisches Fundament
gelegt, auf dem ein regelmäßiges Monitoring der internationalen Mobilität der Bevölkerung in Deutschland etabliert werden kann. Sie leistet damit einen
wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Datensituation zur internationalen Migration aus und nach.
Deutschland.
Die empirischen Befunde können Akteuren in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft helfen, die mit
wachsender Mobilität verbundenen Chancen zu verstehen und nachhaltig zu nutzen. Die Studie hat aber
auch neue Fragen aufgeworfen, auf die vor allem Wissenschaft und Politik zukünftig ihr Augenmerk richten
sollten. Besonders hervorzuheben sind hier folgende
Fragen: Wie lassen sich die Unterschiede im Wanderungsverhalten zwischen Männern und Frauen erklären? Warum ist bei Deutschen mit Migrationshintergrund die Wanderungswahrscheinlichkeit insgesamt
höher, ohne dass dabei zwingend das eigene (familiäre) Herkunftsland im Vordergrund steht? Welche

spezifischen Wanderungsmuster weisen binationale
Familien auf? Worin genau bestehen die neuen Fähigkeiten, Kenntnisse und Netzwerke, die Rückwanderer
mitbringen, und welchen ‚Wert‘ haben sie für die betreffenden Personen selbst und für die Gesellschaft?
Eingehender untersucht werden sollte auch, wie die
einzelnen Wanderungsmotive gewichtet sind und welche Effekte die verschiedenen Ziel- und Herkunftsländer auf internationale Wanderung haben.
Vertiefende, kontinuierlich erhobene Daten zu den
Einflussfaktoren für die Wanderungsentscheidungen
international Mobiler würden es zukünftig auch erlauben, bevölkerungs-, migrations- und gesellschaftspolitisches Handeln stärker an wissenschaftlich fundierte
Erkenntnisse über Aus- und Rückwanderungsprozesse
zu koppeln. Es ist eine verantwortungsvolle politische
Gestaltungsaufgabe, entsprechende Maßnahmen und
Handlungsstrategien zu entwickeln, die internationale
Mobilität bzw. Transnationalität begleiten und dabei
Gesichtspunkte des individuellen und des kollektiven
Nutzens aus der Perspektive der Migranten selbst, der
Ziel- und der Herkunftsstaaten beachten.

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Zolberg, Aristide R./Suhrke, Astri/Aguayo, Sergio
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Crisis in the Developing World, Oxford.

61

Anhang

Anhang
Ergänzende Tabellen
Tab. 8 Verteilung soziostruktureller Merkmale nach Bevölkerungsgruppen
 

Auswanderer

Rückwanderer

nicht Mobile

20–29

25,4 %

25,5 %

14,5 %

30–39

42,6 %

37,3 %

14,1 %

40–49

18,5 %

19,7 %

19,9 %

50–59

9,2 %

10,6 %

19,8 %

60–69

3,2 %

4,6 %

15,4 %

70+

1,1 %

2,4 %

16,3 %

männlich

45,8 %

51,1 %

48,9 %

weiblich

54,2 %

48,9 %

51,1 %

niedrig

2,3 %

1,4 %

33,6 %

mittel

19,9 %

18,3 %

38,0 %

hoch

70,0 %

64,1 %

22,3 %

7,8 %

16,2 %

6,1 %

34,6 %

43,6 %

32,4 %

1,1 %

4,6 %

3,1 %

Paar ohne Kinder

37,5 %

28,4 %

46,4 %

Paar mit Kindern

26,8 %

23,4 %

18,1 %

79,6 %

66,8 %

60,1 %

arbeitslos

1,4 %

6,3 %

3,7 %

in Aus-/Weiterbildung*

7,8 %

16,2 %

6,0 %

in Rente/Pension

4,6 %

5,0 %

25,3 %

sonstige

6,6 %

5,6 %

4,8 %

kein Migrationshintergrund

76,0 %

74,7 %

88,0 %

indirekter Migrationshintergrund

10,3 %

12,8 %

5,7 %

direkter Migrationshintergrund

13,7 %

12,5 %

6,3 %

Altersklassen

Geschlecht

Bildung

noch in Ausbildung*
Lebensform
allein lebend
alleinerziehend

Erwerbsstatus
erwerbstätig

Migrationshintergrund

62

Forschungsbereich

 

Auswanderer

Rückwanderer

nicht Mobile

niedrig

21,1 %

23,8 %

66,5 %

mittel

30,7 %

29,9 %

19,7 %

hoch

48,3 %

46,3 %

13,8 %

437

585

15.131

Bildung des Vaters

Anzahl der Fälle (N)

Anmerkung: *Personen, die aktuell noch in Ausbildung sind, wurde kein Bildungsabschluss zugeordnet. Der Anteil dieser Personen in der SOEPPopulation unterscheidet sich wegen der unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen geringfügig vom Anteil der Personen mit dem Erwerbsstatus .
„in Aus-/Weiterbildung“.
Quelle: Studie International Mobil 2015/SOEP 2012 (gewichtet); eigene Berechnung

63

Anhang

Tab. 9 Vergleich Auswanderer, Rückwanderer, nicht Mobile: Ergebnisse logistischer Regressionsmodelle
Auswanderer

Rückwanderer

Auswanderer

(vs. nicht
Mobile)

(vs. nicht
Mobile)

(vs. Rück­
wanderer)

20–29

0,673***

0,017

0,382

30–39

0,942***

0,744***

0,167

50–59

–0,959***

–0,710***

–0,115

60–69

–2,346***

–1,393***

–0,880

70+

–3,401***

–1,747***

–1,474*

 
Altersklassen (Ref.: 40–49 Jahre)

Geschlecht (Ref.: männlich)
weiblich

0,026

–0,198*

0,364**

–1,208***

–1,889***

0,829

1,613***

1,653***

0,0169

0,434**

0,775***

–0,261

0,220

–1,572**

0,141

0,223

Bildung (Ref.: mittel/noch in Ausbildung)
niedrig
hoch
Lebensform (Ref.: Paar mit Kind/ern)
allein lebend
alleinerziehend
Paar ohne Kinder

–1,139*
0,413**

Erwerbsstatus (Ref.: erwerbstätig)
arbeitslos

–0,198

1,131***

–1,836***

in Aus-/Weiterbildung

0,087

1,156***

–1,163***

in Rente/Pension

0,988**

0,127

sonstige

0,846***

0,800***

–0,130

indirekter Migrationshintergrund

0,715***

0,912***

–0,200

direkter Migrationshintergrund

1,168***

1,127***

0,121

–0,880***

–0,770***

–0,250

0,284*

0,288**

–0,027

–4,368***

–4,063***

–0,283

15.744

15.892

1.022

0,2589

0,2485

0,0608

0,725

Migrationshintergrund (Ref.: kein Migrationshintergrund)

Bildung des Vaters (Ref.: mittel)
niedrig
hoch
Konstante
Anzahl der Fälle (N)
McFadden’s

R2

* p<0,05 / ** p<0,01 / *** p<0,001
Anmerkung: Die beiden ersten Spalten in Tab. 9 zeigen die Koeffizienten logistischer Regressionsanalysen (hierzu Info-Box 4) für den Vergleich von
Aus- bzw. Rückwanderern mit der nicht mobilen SOEP-Bevölkerung. Als abhängige Variable wird hier die Eigenschaft ‚Auswanderer‘ (erste Spalte)
bzw. ‚Rückwanderer‘ (zweite Spalte) verwendet. So lässt sich beispielsweise den signifikant positiven Koeffizienten der entsprechenden Variablen
in der ersten Spalte der Tabelle entnehmen, dass die jüngeren Altersklassen 20–29 und 30–39 Jahre im Vergleich zu Älteren eher zur Gruppe der
Auswanderer gehören als zur nicht mobilen Bevölkerung. Die dritte Spalte fasst die Ergebnisse einer Modellschätzung zusammen, bei der der
Zusammenhang zwischen den verschiedenen Variablen und der Zugehörigkeit zur Gruppe der Auswanderer im Vergleich zur Rückwanderergruppe
untersucht wurde. Signifikanzniveaus: * <0,05; ** <0,01; *** <0,001.
Quelle: Studie International Mobil 2015/SOEP 2012; eigene Berechnung

64

Forschungsbereich

Tab. 10 Verteilung ausgewählter Strukturmerkmale nach Ziel-/Herkunftsregion
 

Auswanderer (N = 436)

Rückwanderer (N = 585)

Österreich/
Schweiz
(N = 231)

EU14/EFTA
(N = 130)

klassische
Einwanderungsländer
(N = 41)

sonstige
(N = 34)

Österreich/
Schweiz
(N = 114)

EU14/EFTA
(N = 205)

klassische
Einwanderungsländer
(N = 87)

sonstige
(N = 179)

20–29

22,1 %

33,8 %

17,1 %

26,5 %

19,3 %

30,2 %

27,6 %

22,9 %

30–49

64,9 %

54,6 %

65,9 %

55,9 %

66,7 %

54,1 %

54,0 %

55,3 %

50+

13,0 %

11,5 %

17,1 %

17,6 %

14,0 %

15,6 %

18,4 %

21,8 %

männlich

46,3 %

42,3 %

39,0 %

64,7 %

50,0 %

46,3 %

55,2 %

55,3 %

weiblich

53,7 %

57,7 %

61,0 %

35,3 %

50,0 %

53,7 %

44,8 %

44,7 %

69,7 %

69,2 %

78,0 %

67,6 %

65,8 %

61,0 %

70,1 %

63,7 %

21,6 %

23,8 %

17,1 %

50,0 %

16,7 %

21,0 %

20,7 %

38,0 %

87,4 %

69,2 %

82,9 %

61,8 %

76,3 %

63,4 %

70,1 %

63,1 %

allein/alleinerziehend

36,8 %

37,7 %

26,8 %

32,4 %

44,7 %

51,7 %

43,7 %

48,6 %

Paar ohne
Kinder

39,0 %

37,7 %

36,6 %

26,5 %

33,3 %

26,8 %

35,6 %

23,5 %

Paar mit
Kindern

24,2 %

24,6 %

36,6 %

41,2 %

21,9 %

21,5 %

20,7 %

27,9 %

63,1 %

58,5 %

29,4 %

49,1 %

50,2 %

41,4 %

42,5 %

 

Altersklassen

Geschlecht

Bildung
hoch

Migra­tions­hinter­grund
mit
Migrations­
hintergrund
Erwerbs­status
erwerbstätig
Lebensform

Bildung des Vaters
hoch

41,1 %

Quelle: Studie International Mobil 2015

65

Anhang

Tab. 11	 A
 uswirkungen der internationalen Mobilität auf ökonomische und soziale Lebensbedingungen 	
für verschiedene Bevölkerungsgruppen (Mittelwerte)
Auswanderer
Einkommen

Rückwanderer

Freunde

Einkommen

Freunde

alle

Erwerbstätige

alle

Erwerbstätige

alle

Erwerbstätige

alle

Erwerbstätige

männlich

3,91

4,07

2,73

2,66

2,75

2,74

3,22

3,27

weiblich

3,74

3,92

2,63

2,62

2,93

2,90

3,20

3,20

20–29

3,89

4,00

2,87

3,00

3,20

3,22

3,39

3,62

30–39

3,85

4,00

2,55

2,51

2,77

2,79

3,26

3,30

40–49

3,80

4,02

2,59

2,61

2,60

2,70

3,17

3,18

50–79

3,60

4,00

2,86

2,87

2,83

2,74

2,96

2,90

Geschlecht

Altersklassen

Aufenthaltsdauer im Ausland seit Auswanderung
< 0,6 Jahre

3,64

4,00

2,65

2,49

–

–

–

–

0,6 bis < 1,2 Jahre

3,83

3,97

2,64

2,64

–

–

–

–

1,2 bis < 1,8 Jahre

3,82

4,05

2,86

2,82

–

–

–

–

1,8 bis < 2,4 Jahre

4,21

4,44

2,71

2,78

–

–

–

–

≥ 2,4 Jahre

4,09

3,95

2,66

2,68

–

–

–

–

Aufenthaltsdauer im Ausland vor Rückwanderung
< 1 Jahr

–

–

–

–

3,28

3,29

3,52

3,65

1 bis < 2 Jahre

–

–

–

–

2,90

2,76

3,56

3,70

2 bis < 5 Jahre

–

–

–

–

2,75

2,73

3,37

3,49

5 bis < 10 Jahre

–

–

–

–

2,74

2,82

3,07

3,11

≥ 10 Jahre

–

–

–

–

2,79

2,81

2,80

2,67

allein/alleinerziehend

3,89

3,98

2,68

2,62

2,89

2,88

3,24

3,25

Paar ohne Kinder

3,90

4,11

2,71

2,68

2,83

2,80

3,27

3,32

Paar mit Kindern

3,60

3,79

2,59

2,59

2,79

2,74

3,07

3,12

kein Migrations­
hintergrund

3,84

4,02

2,61

2,57

2,83

2,82

3,23

3,25

indirekter Migrations­
hintergrund

3,72

3,93

2,79

2,86

2,81

2,65

3,28

3,31

direkter Migrations­
hintergrund

3,79

3,97

2,95

2,90

2,96

3,00

2,92

3,00

Lebensform

Migrationshintergrund

66

Forschungsbereich

Auswanderer
Einkommen

Rückwanderer

Freunde

Einkommen

Freunde

alle

Erwerbstätige

alle

Erwerbstätige

alle

Erwerbstätige

alle

Erwerbstätige

niedrige Bildung

3,96

4,30

2,57

2,61

2,90

2,93

3,21

3,30

mittlere Bildung

3,69

3,97

2,94

2,88

2,96

2,81

3,30

3,41

Fachhochschule

3,87

4,03

2,54

2,52

2,77

2,78

3,00

3,04

Uniabschluss

3,75

3,97

2,66

2,63

2,77

2,69

3,23

3,29

Promotion

3,98

3,91

2,65

2,63

2,90

3,04

3,23

3,13

erwerbstätig

4,05

–

2,64

–

2,84

–

3,25

–

nicht erwerbstätig

3,15

–

2,78

–

2,84

–

3,13

–

Führungskräfte (1)

–

4,13

–

2,61

–

2,93

–

3,32

Wissenschaftler (2)

–

3,92

–

2,54

–

2,81

–

3,21

Techniker (3)

–

4,05

–

2,76

–

2,77

–

3,31

sonstige (0, 4–9)

–

4,15

–

2,89

–

2,69

–

3,22

EU14

3,43

3,45

2,71

2,67

3,07

3,11

3,19

3,24

Schweiz

4,38

4,51

2,52

2,52

2,26

2,02

3,55

3,58

klassische Einwanderungsländer

3,84

4,00

2,79

2,81

2,85

2,91

3,10

3,02

sonstige Welt

3,06

3,26

3,17

3,16

2,82

2,83

3,11

3,13

Anzahl der Fälle (N)

457

285

457

285

585

329

585

329

Bildung (CASMIN)

Erwerbsstatus

Berufsqualifikation (ISCO)

Ziel-/Herkunftsland

Anmerkung: Die Werte basieren auf den subjektiven Bewertungen der Befragten zu ihrer Lebenssituation nach der Wanderung im Vergleich zu vorher.
Diese wurde anhand einer 5er-Skala erfasst (1 = „viel schlechter“, 2 = „schlechter“, 3 = „etwa gleich“, 4 = „besser“, 5 = „viel besser“). Dargestellt .
sind jeweils die Gruppenmittelwerte, die aus den Antworten aller Gruppenzugehörigen berechnet wurden. Beispiel: Der Wert 3,91 für alle befragten
männlichen Auswanderer zeigt, dass sich das Einkommen der Männer im Durchschnitt deutlicher verbessert hat als das der Frauen. Der Vergleichs­
wert der Frauen liegt aber immer noch bei 3,74, somit ist auch ihr Einkommen im Schnitt deutlich gestiegen.
Quelle: Studie International Mobil 2015

67

Anhang

Tab. 12	 A
 uswirkungen der internationalen Mobilität auf ökonomische und soziale Lebensbedingungen:
Ergebnisse ordinaler logistischer Regressionsmodelle
Auswanderer

Rückwanderer

Einkommen
alle

Freunde

Erwerbs­
tätige

Einkommen

alle

Erwerbs­
tätige

0,126

0,106

–0,157

0,074

Freunde

alle

Erwerbs­
tätige

alle

Erwerbs­
tätige

–0,235

–0,370*

0,150

0,272

0,681

0,243

0,732*

Geschlecht (Ref.: weiblich)
männlich

0,102

0,376**

Alter (Ref.: 50–79 Jahre)
20–29

0,380*

0,303

0,455*

30–39

–0,026

0,260

–0,718**

–1,011**

–0,221

–0,025

0,034

0,190

40–49

0,074

0,240

–0,454

–0,525

–0,493*

–0,187

0,088

0,220

0,021

0,064

–

–

–

–

–

–0,005

–0,012

Aufenthalt im Ausland
seit Auswanderung
vor Rückwanderung

0,285***

0,233*

–

–

–

–0,046***

–0,084***

Lebensform (Ref.: Paar mit Kindern)
allein/alleinerziehend
Paar ohne
Kinder

0,033

0,133

0,223

0,159

–0,198

–0,134

0,281

0,022

–0,011

0,218

0,311

0,323

–0,229

–0,193

0,170

–0,004

Migrationshintergrund (Ref.: kein Migrationshintergrund)
indirekter
Migrations­
hintergrund

–0,410**

–0,350

0,316

0,767**

0,061

–0,219

0,208

0,242

direkter
Migrations­
hintergrund

0,102

0,197

0,499*

0,579*

0,187

–0,216

–0,396

0,136

Bildung (Ref.: Promotion)
niedrige
Bildung

0,125

0,367

–0,418

–0,991*

–0,223

0,258

0,212

0,756*

mittlere
Bildung

0,090

0,176

0,324

–0,114

–0,324

–0,154

0,220

0,750*

Fachhochschule

0,180

0,304

–0,284

–0,348

–0,341

–0,336

–0,279

0,014

–0,120

–0,007

–0,116

–0,234

–0,419*

–0,378

0,058

0,436

–0,046

–

–0,270

–

–0,192

Uniabschluss

Erwerbsstatus (Ref.: erwerbstätig)
nicht erwerbstätig

–0,636***

–

–

Berufsqualifikation (Ref.: sonstige)

68

Führungs­
kräfte (1)

–

–0,413

–

–0,669

–

0,990**

–

0,373

Wissen­
schaftler (2)

–

–0,359

–

–0,890**

–

0,636*

–

0,152

Techniker (3)

–

–0,581*

–

–0,581

–

0,226

–

0,354

Forschungsbereich

Auswanderer
Einkommen
alle

Erwerbs­
tätige

Rückwanderer
Freunde

alle

Einkommen

Erwerbs­
tätige

alle

Erwerbs­
tätige

Freunde
alle

Erwerbs­
tätige

Ziel-/Herkunftsland (Ref.: EU14)
Schweiz

1,203***

1,573***

–0,407**

–0,437*

–1,271***

–1,916***

klass. Einwanderungsländer

0,614***

0,853***

0,055

0,018

–0,312

–0,306

–0,260

0,618***

–0,515*

0,459

0,734**

0,645

–0,328*

–0,347

–0,143

–0,409

sonstige Welt

–0,317

–0,099

Nagelkerke R2

0,29

0,31

0,08

0,12

0,09

0,16

0,10

0,18

457

285

457

285

585

329

585

329

Anzahl der
Fälle (N)

Anmerkung: Dargestellt werden unstandardisierte Regressionskoeffizienten ordinaler logistischer Regressionen. Auf die Darstellung der Regressions­
konstanten (Schwellenwerte) wird zugunsten der Übersichtlichkeit verzichtet. Alle Modelle wurden zusätzlich auf der Grundlage von OLSRegressionen geschätzt, wodurch alle wesentlichen Effekte bestätigt werden konnten. Signifikanzniveaus: * <0,1; ** <0,05; *** <0,01.
Quelle: Studie International Mobil 2015

69

Anhang

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1	 Zuzüge und Fortzüge deutscher Staatsbürger 1967–2013. .................................................................................. 	
Abb. 2	 Jährliche Aus- und Rückwanderungsrate 1970–2012............................................................................................ 	
Abb. 3	Ausgewanderte Bevölkerung in absoluten Zahlen und Auswanderungsquoten .
für ausgewählte Herkunftsstaaten........................................................................................................................... 	
Abb. 4 	 Altersstruktur der Auswanderer, der Rückwanderer und der nicht mobilen Bevölkerung............................. 	
Abb. 5	 Bildungsstruktur der Auswanderer, der Rückwanderer und der nicht mobilen Bevölkerung........................ 	
Abb. 6	 Berufsstruktur (ISCO) der Auswanderer, der Rückwanderer und der nicht mobilen Bevölkerung................ 	
Abb. 7	 Häufigkeit früherer Auslandsaufenthalte (über 4 Monate) bei Aus- und Rückwanderern............................. 	
Abb. 8	 Hauptmotive für die Auswanderung nach Häufigkeit........................................................................................... 	
Abb. 9	 Hauptmotive für die Rückwanderung nach Häufigkeit......................................................................................... 	
Abb. 10	 Auswirkungen der Aus- bzw. Rückwanderung auf soziale und ökonomische Lebensbedingungen............. 	
Abb. 11	 Motive für angestrebte Rückwanderung nach Häufigkeit.................................................................................... 	
Abb. 12	 Motive für angestrebte Weiterwanderung nach Häufigkeit................................................................................. 	

10
10
15
20
20
24
27
29
33
38
46
49

Tabellenverzeichnis
Tab. 1	 Wichtigste Zielstaaten deutscher Auswanderer 2004–2013................................................................................ 	
Tab. 2	 Bestand von Auswanderern aus Deutschland 2013.............................................................................................. 	
Tab. 3	 Spezifische Auswanderungsgründe.......................................................................................................................... 	
Tab. 4	 Spezifische Rückwanderungsgründe........................................................................................................................ 	
Tab. 5	 Rückwanderungsabsichten deutscher Auswanderer............................................................................................. 	
Tab. 6	 Rückwanderungsabsichten nach gegenwärtig ausgeübtem Beruf. ................................................................... 	
Tab. 7	 Weiterwanderungsabsichten deutscher Rückwanderer........................................................................................ 	
Tab. 8	 Verteilung soziostruktureller Merkmale nach Bevölkerungsgruppen................................................................. 	
Tab. 9	 Vergleich Auswanderer, Rückwanderer, nicht Mobile: Ergebnisse logistischer Regressionsmodelle............ 	
Tab. 10	 Verteilung ausgewählter Strukturmerkmale nach Ziel-/Herkunftsregion......................................................... 	
Tab. 11	Auswirkungen der internationalen Mobilität auf ökonomische und soziale Lebensbedingungen .
für verschiedene Bevölkerungsgruppen (Mittelwerte). ....................................................................................... 	
Tab. 12	Auswirkungen der internationalen Mobilität auf ökonomische und soziale Lebensbedingungen: .
Ergebnisse ordinaler logistischer Regressionsmodelle. ........................................................................................ 	

12
12
30
34
43
45
47
62
64
65
66
68

Verzeichnis der Info-Boxen
Info-Box 1	 Datengrundlagen zur internationalen Mobilität deutscher Staatsbürger..................................................... 	 9
Info-Box 2	 Jahrzehnt der Auswanderung?............................................................................................................................. 	 11
Info-Box 3	 In Deutschland geborene, aber im Ausland lebende Personen: eine ‚deutsche Diaspora‘?..................... 	 13
Info-Box 4	 Verwendung von Regressionsverfahren............................................................................................................. 	 21
Info-Box 5	 Persönliche Eigenschaften der Aus- und Rückwanderer: offen für Erfahrungen, hilfsbereit, gesund..... 	 26
Info-Box 6	Rückblickende Erfassung der Wanderungsmotive in der Befragung International Mobil .
(Ex-post-Erhebung). ............................................................................................................................................... 	 28
Info-Box 7	 Erfassung der individuellen Auswirkungen der Migration in der Befragung International Mobil............ 	 37

70

Impressum
Studie des SVR-Forschungsbereichs 2015-1
Herausgeber:
Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), .
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) und Lehrstuhl für Empirische Sozialstrukturanalyse an der .
Universität Duisburg-Essen
Anschrift:
Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR)
Neue Promenade 6
10178 Berlin
Tel. 030/288 86 59-0
Fax: 030/288 86 59-11
info@svr-migration.de
www.svr-migration.de
Verantwortlich:
Dr. Cornelia Schu
Gestaltung:
KALUZA+SCHMID GmbH
Druck:
Hausdruckerei Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
© SVR GmbH, BiB, Lehrstuhl für Empirische Sozialstrukturanalyse an der Universität Duisburg-Essen, Berlin 2015
ISSN 2363-734X

Die Autoren
Marcus Engler | Wissenschaftlicher Mitarbeiter des SVR-Forschungsbereichs
Prof. Dr. Marcel Erlinghagen | Lehrstuhl Empirische Sozialstrukturanalyse am Institut für Soziologie,
Universität Duisburg-Essen
Andreas Ette | Leiter der Forschungsgruppe Internationale Migration, Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung
Dr. Lenore Sauer | Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Dr. Friedrich Scheller | Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie, Universität Duisburg-Essen
Dr. Jan Schneider | Leiter des SVR-Forschungsbereichs
Caroline Schultz | Wissenschaftliche Mitarbeiterin des SVR-Forschungsbereichs

Über den Forschungsbereich beim Sachverständigenrat
Der Forschungsbereich beim Sachverständigenrat führt eigenständige, anwendungsorientierte Forschungsprojekte zu den Themenbereichen Integration und Migration durch. Die projektbasierten Studien widmen
sich neu aufkommenden Entwicklungen und Fragestellungen. Ein Schwerpunkt der Forschungsvorhaben
liegt auf dem Themenfeld Bildung. Der SVR-Forschungsbereich ergänzt die Arbeit des Sachverständigenrats. Die Grundfinanzierung wird von der Stiftung Mercator getragen.
Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration geht auf eine Initiative der
Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung zurück. Ihr gehören weitere fünf Stiftungen an: Bertelsmann
Stiftung, Freudenberg Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und
Vodafone Stiftung Deutschland. Der Sachverständigenrat ist ein unabhängiges und gemeinnütziges Beobachtungs-, Bewertungs- und Beratungsgremium, das zu integrations- und migrationspolitischen Themen
Stellung bezieht und handlungsorientierte Politikberatung anbietet.
Weitere Informationen unter: www.svr-migration.de/Forschungsbereich

Über das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Es untersucht die Ursachen und Folgen des demografischen
Wandels und hat die Aufgabe, Politikberatung auf Grundlage wissenschaftlicher Forschung zu betreiben.
Das Institut ist in drei Forschungsbereiche gegliedert: „Familie und Fertilität“, „Migration und Mobilität“
sowie „Demografischer Wandel und Alterung“. Einen Schwerpunkt der Arbeiten im Bereich Migration und
Mobilität bildet die Erklärung der zunehmenden Diversifizierung der internationalen Migrationsprozesse
und ihrer individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Dabei steht traditionell nicht nur die Zuwanderung, sondern auch die internationale Mobilität der Bevölkerung in Deutschland im Mittelpunkt des
Forschungsinteresses.
Weitere Informationen unter: http://www.bib-demografie.de

Über den Lehrstuhl Empirische Sozialstrukturanalyse an der Universität Duisburg-Essen
Das Team des Lehrstuhls Empirische Sozialstrukturanalyse an der Universität Duisburg-Essen forscht insbesondere zum Thema Arbeitsmarktmobilität und Beschäftigungssicherheit, zur innerfamiliären Transmission
sozialer Ungleichheit, zur Entwicklung sozialen Engagements und zu Fragen von Migration und Integration.
Ein Schwerpunkt war dabei in den vergangenen Jahren die Beschäftigung mit den Ursachen, Bedingungen
und Folgen der Auswanderung aus und Rückwanderung nach Deutschland.
Weitere Informationen unter: https://www.uni-due.de/soziologie/sozialstrukturanalyse.php

ISSN 2363-734X
        
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