Path:

Full text: Das Humboldt-Forum, ein Denkraum für die Zukunft der Welt

Das Humboldt-Forum, ein Denkraum für die Zukunft der Welt Die Mitte der Spreeinsel ist Berlins zentraler Ort, geografisch wie historisch. Aus dem Kaiserschloss heraus wurde 1918 die „freie sozialistische Republik“ ausgerufen, und im Palast der Republik votierte 1990 die Volkskammer für die Vereinigung der DDR mit der Bundesrepublik. Das ist deutsche Geschichte. Die monumentalen Zeugnisse untergegangener Staatsformen wurden gesprengt und abgeräumt. Heute ist Zukunft kein nationales Projekt mehr. Deshalb ist es eine richtige Entscheidung, dass dieser zentrale Ort Deutschlands den Menschen aller Kontinente zur Verfügung steht als ein Ort kreativen Denkens und der Auseinandersetzung mit den Problemen der Zukunft im Miteinander der Kulturkreise. Dafür wird das Humboldt-Forum gebaut. Die Museumsinsel mit ihren Schätzen europäischer, vorderasiatischer und islamischer Kunst in unmittelbarer Nachbarschaft sowie die Sammlungen außereuropäischer Kunst und Lebenszeugnisse treten dort miteinander in einen imaginären Diskurs. Sie müssen fruchtbar gemacht werden als Denkanstöße für die Auseinandersetzung mit Gegenwart und Zukunft der Kulturen der Welt, die hier ihr Haus beziehen mögen, ein Haus, in dem sie nicht Gegenstand, sondern selbstbestimmtes Subjekt des Nachdenkens sind. Ein Forum, das sich auf Alexander und Wilhelm von Humboldt beruft, muss mehr sein als ein Museum, vielmehr ein Haus der Begegnungen, in dem die Kulturkreise miteinander ihre gesellschaftlichen und politischen, ihre ökonomischen, sozialen und ökologischen, ihre intellektuellen, religiösen und künstlerischen Perspektiven sichten und diskutieren. Das Humboldt-Forum muss ein Umschlagplatz weltweiter Ideen werden, die dem Überleben und dem Zusammenleben der Menschen dienen. Es soll helfen, Strategien zu entwickeln, mit denen Armut und Hunger, Flucht und Vertreibung, Klimakatastrophen und Ressourcenverknappung, ungehemmter Digitalisierung und missbräuchlicher Ausspähung zu begegnen sein wird, um Menschenwürde und Menschlichkeit zu stärken, die hassgeprägte Unmenschlichkeit der neuen Glaubenskriege zu deeskalieren und damit den ökonomischen wie machtpolitischen Missbrauch kultureller Konflikte zu unterbinden. So könnte ein vielsprachiges Forum des intellektuellen und künstlerischen ‚Polylogs‘ entstehen, eine Produktionsstätte lebenswerter Zukunft, geplant von Architekten, die das Haus durchlässig, flexibel und multifunktional gestalten. Nicht Vortragssäle und Ereignisorte auf der einen Ebene und Ausstellungsräume auf der anderen sind das primäre Planungsziel, sondern „Drehbühnen“ und variable Spielstätten der Innovation, eine „Agora“, die das Haus gedanklich auch vertikal durchdringt, damit die zu zeigenden großartigen Sammlungen sich mit den Denkbewegungen des Forums vereinen. In dieser Symbiose wird das neue Haus, das nur äußerlich und auf drei Seiten eine Nachbildung des historischen Stadtschlosses sein wird, nicht ein weiterer Ort, an dem sich uns fremde Kulturen und Zivilisationen darstellen, sondern ein „dritter Ort“, ein exterritorialer kreativer Denkraum für alle, die Fragen stellen und Fragen beantworten. Kein Ort beliebiger Veranstaltungen, sondern eine Produktionsstätte neuer Ideen und interaktiver Prozesse. Ein ganzheitliches Gebilde wie der Humboldt’sche „Kosmos“ ist anzustreben: ein Ort ohne Grenzen, im Sinne einer großen fruchtbaren Akademie. Dafür sollen international anerkannte Wissenschaftler, Künstlerinnen und Literaten, Friedensforscherinnen und Menschenrechtler in ein einflussreiches, sich immer wieder erneuerndes Kuratorium berufen werden, das die ‚polylogen‘ Diskurse und ihre Themen anzustoßen und sie wirkungsvoll zu inszenieren vermag. Die Intendantin / der Intendant muss ein kundiger Kosmopolit, eine weltoffene Koordinatorin für dieses Haus sein, in dem die Welt nicht nur zu Gast, sondern zu Hause ist. AG Humboldt-Forum der Stiftung Zukunft Berlin, Juni 2014
Kontakt: Anett Szabó Stiftung Zukunft Berlin Projektmanagement Klingelhöferstraße 7 10785 Berlin Tel. +49 30 26 39 229-14 Fax +49 30 26 39 229-22 szabo@stiftungzukunftberlin.eu www.stiftungzukunftberlin.eu
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.