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Full text: Friedrichshagen

Abschlussbericht über die Ergebnisse des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz im Fördergebiet

Friedrichshagen
des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin

Bezirksamt TreptowKöpenick von Berlin

Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz

Fördergebiet Friedrichshagen

Abschlussbericht

Impressum
Abschlussbericht über die Ergebnisse des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz im Fördergebiet Friedrichshagen des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin

Im Auftrag der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Referat IV C Stadterneuerung

Erstellt durch
Steinbrecher und Partner Ingenieurgesellschaft mbH Rungestraße 22-24 10179 Berlin

Fortgeschrieben durch
BSM Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH Katharinenstraße 19-20 10711 Berlin

Fotonachweis
Soweit nicht direkt unter den Fotos angegeben, wurden die Fotos von Steinbrecher u. Partner Ingenieurgesellschaft mbH erstellt , damit liegen die Rechte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Berlin, Juni 2012

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Abschlussbericht

Inhalt
1 Einleitung 2

2 2.1 2.2 2.3

Das Fördergebiet Friedrichshagen Lage und Entwicklungsgeschichte des Gebiets Städtebauliche und denkmalpflegerische Besonderheiten Ausgangslage 1990, Aufnahme in die Förderkulisse 1991

2 2 4 4

3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.5.1 3.5.2 3.5.3 3.5.4

Bilanz des Fördermitteleinsatzes Ziele der Förderung Ergebnisse und Bilanz der Förderung Bilanz in Zahlen Übersicht der Fördervorhaben Friedrichshagen Darstellung ausgewählter Vorhaben Wohnhaus Bölschestraße 9 Villa Balthasar, Josef-Nawrocki-Str. 32

6 6 7 8 9 10 11 12

Müggelsee-Grundschule, Aßmannstraße 63 / Scharnweberstraße 98 13 Marktplatz in der Bölschestraße 15

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Einleitung

Friedrichshagen wurde 1991 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich und hatte 2005 einen Stand erreicht, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu der Entscheidung veranlasste, die Förderung zu beenden. Seit dem Jahr 2007 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt. Mit dem vorliegenden Abschlussbericht wird der Fördermitteleinsatz in Friedrichshagen bilanziert.

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2.1

Das Fördergebiet Friedrichshagen
Lage und Entwicklungsgeschichte des Gebiets

Friedrichshagen liegt im Südosten Berlins im Bezirk Treptow-Köpenick am Nordwestufer des Müggelsees. Das Luftbild von 2006 zeigt das von Forst- und Landschaftsschutzgebieten umgebene Fördergebiet mit exponierter Wasserlage. 	

Luftbild Friedrichshagen, 2006 (Google Earth, 2010)

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Die Entstehung der Siedlung Friedrichshagen geht auf das Jahr 1753 zurück. Die Siedlung wurde als planmäßige Kolonie für 100 Seidenspinnerfamilien angelegt, deren Ansiedlung König Friedrich II. aus anderen Teilen des Deutschen Reiches initiierte. Die ersten Kolonistenhäuser entstanden entlang der Bölschestraße (damals Dorfstraße). 25 einstöckige Doppelhäuser mit einer Breite von ca. 15 Metern und einer Länge von ca. 7,50 Metern wurden traufständig auf länglichen Parzellen (ca. 10 Meter breit und bis zu 150 Meter tief ) errichtet. Die Errichtung der Bahnstation im Jahr 1842 war eine grundlegende Voraussetzung für den Aufschwung der kommenden Jahrzehnte. Es kam zu einer rasanten Entwicklung der Gewerbe- und Bautätigkeit, im Zuge dessen u.a. die Lindenbrauerei (1869, heute Berliner Bürgerbräu), die Bronzegießerei Gladenbeck (1887) und die Wasserwerke (1893) ihre Tätigkeit in Friedrichshagen aufnahmen. Gleichzeitig wurde Friedrichshagen mit seiner Lage am Müggelsee als Ausflugsziel für viele Berliner interessant und 1880 als Kurort anerkannt. Der Bedeutungswechsel Friedrichshagens als Erholungsort leitete eine neue Entwicklungsphase ein: Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Straßendorf zum bevorzugten Villenort. Die Intension des Bebauungsplans von 1896 war es, den Ort zu einer Villenkolonie auszubauen und steuerkräftige Bürger anzusiedeln. Insbesondere im Bereich des Müggelseedamms entstanden eine Reihe von Villen und neuen Wohnhäusern in z.T. eindrucksvoller architektonischer Qualität. Die Neubauten waren auf die Nutzung als Gasthäuser ausgerichtet und erhielten Balkone und Loggien. Die Entwicklung Friedrichshagens ist 1930 abgeschlossen. Friedrichshagen wird 1920 mit 14.850 Einwohnern nach dem „Gesetz über die Bildung einer Stadtgemeinde Berlin“ in Groß-Berlin eingemeindet. Das städtebauliche Gefüge und die Maßstäblichkeit veränderten sich mit den ersten Abrissen von Häusern und einer Bebauung in Zeilenbauweise mit Plattenbauten in den Jahren 1957 und 1979.
Lageplan der historischen Dorfstraße (Rat des Stadtbezirks Berlin-Köpenick, Friedrichshagen - Eine Chronik,1988)

Topografische Karte der Umgebung von Berlin, Ausschnitt (Leopold Kraatz, 1871)

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2.2

Städtebauliche und denkmalpflegerische Besonderheiten

Friedrichshagen weist einen ganz eigenen Vorstadtcharakter auf, der sich aus der zentralen Straßenachse Bölschestraße mit dem zugehörigen Marktplatz und der sie umschließenden lockeren Bebauung ergibt. Kennzeichnend ist eine lebendige Bau- und Nutzungsmischung, deren Zentrum die 1,1 km lange Bölschestraße ist. Die überwiegend mit Bäumen gesäumten Straßenzüge und die Gärten lassen den Bezug zur Natur erkennen. Sie harmonieren mit den umliegenden Landschaftsschutzgebieten und der Lage am Wasser, worin sich die überörtliche Naherholungs- und Freizeitfunktion begründet. Der ganz eigene stadtstrukturelle Charakter ist historisch begründet. Die historische Parzellierung in schmale und sehr tiefe Grundstücke und die historische Bebauungsstruktur kennzeichnen das Gebiet. Das besondere Erscheinungsbild zeichnet sich durch Gebäude mit ein bis fünf Geschossen verschiedener Epochen aus, die die einzelnen Bau- und Entwicklungsphasen widerspiegeln. Durch die Unterschutzstellung der Bölsche- und Scharnweberstraße im Jahr 1977 konnte das Gebiet mit dem sehr hohen Bestand an Altbausubstanz, 94 Prozent der Gebäude wurde vor 1918 errichtet, seinen einzigartigen Charakter bewahren.
Friedrichshagen (Messtischblatt Berlin, 1876)

2.3

Ausgangslage 1990, Aufnahme in die Förderkulisse 1991
Friedrichshagen 1896 (Heimatmuseum Köpenick)

Die innerstädtischen Altbauquartiere und die historischen Ortskerne in den neuen Bundesländern befanden sich 1990 verbreitet in einem baulich schlechten, oft desolaten Zustand, der Sofortmaßnahmen erforderte. So auch in Friedrichshagen. Wegen unzureichender Instandhaltung wies die vorhandene Bebauung erhebliche Mängel auf. Dreiviertel der gesamten Bebauung verfügten über mittlere bis schwerste Schäden der Bausubstanz, wovon die vor 1900 errichteten einbis zweigeschossigen Bauten besonders betroffen waren. Doch nicht nur die schwerwiegenden Mängel im Bereich der baulichen Beschaffenheit und im Standard der Ausstattung waren augenscheinlich, auch die Funktionsfähigkeit im Infrastrukturbereich war aufgrund von Defiziten beeinträchtig. Die Zerstörung des Marktplatzes führte zudem zu einer empfindlichen Störung des Stadtbildes. Unter diesen negativen Vorzeichen wurde das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz von den politisch Verantwortlichen und den Eigentümern als besonderer Glücksfall angesehen, um die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und die Wiederherstellung des Ortsbildes in Friedrichshagen einzuleiten. So wurde Friedrichshagen 1991 als eines von vier Gebieten in das neu aufgelegte Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Grundlage war der Beschluss zur Aufstellung einer Erhaltungssatzung gemäß § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB vom 14.08.1991.

Blick über die heutige Bölschestraße, um 1910 (Postkarte)

Heutige Bölschestraße mit Kirche, 1930 (Postkarte)

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Übersichtsplan Fördergebiet Friedrichshagen

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3.1

Bilanz des Fördermitteleinsatzes
Ziele der Förderung

Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz sollte unmittelbar nach der Wiedervereinigung eine wichtige Vorreiterrolle bei der Altbauerneuerung einnehmen. Eine hohe bauliche Qualität der fertig gestellten Häuser sollte Maßstäbe setzen und eine Vorbildfunktion für die frei finanzierte Erneuerung übernehmen. Damals wurden die Weichen für das künftige Erscheinungsbild in den Altbauquartieren der östlichen Bezirke gestellt. Das galt auch für Friedrichshagen. Mit der Bereitstellung der Fördermittel wurden bis 2002 vor allem folgende Ziele verknüpft: •	 Es sollten private Investitionen initiiert und gefördert, preiswerter Wohnraum gesichert sowie das Handwerk und die lokale Wirtschaft unterstützt werden. •	 Mit der Sicherung und dem langfristigen Erhalt der historisch wertvollen Bausubstanz in ihrer gesamten Dichte und Vielfalt war stets die Beseitigung von Leerstand verbunden, damit die Gebäude wieder genutzt werden konnten. •	 Bei umfassenden Maßnahmen war ein zeitgemäßer Ausstattungsstandard herzustellen. •	 Wer wohnen bleiben wollte, sollte wohnen bleiben können. Langfristig bezahlbare, sozialverträgliche Mieten waren als Gegenleistung für die Bereitstellung der Fördermittel unverzichtbar. •	 Die besondere historischen Bebauungsstruktur und die geschichtliche Identität sollten bewahrt werden. Die Individualität und Vielfalt der charakteristischen Remisen und Hofsituationen sollten erhalten werden. •	 In der Phase der Bauvorbereitung waren denkmalpflegerische Detailuntersuchungen durchzuführen, u. a. verformungsgerechtes Aufmass sowie Putzund Farbuntersuchungen, um systematisch zu dokumentieren und zu entscheiden, welche wertvollen Bauteile zu erhalten und wie sie zu behandeln waren. •	 Mit der Förderung war insbesondere auch der Anspruch verknüpft, die kleinteilige Eigentümerstruktur zu erhalten und zu stärken.

In dem Fördergebiet Friedrichshagen wurden die folgenden städtebaulichen Ziele verfolgt: •	 Die besondere stadtgeschichtliche und städtebauliche Struktur von Friedrichshagen ist wesentlicher Maßstab für das Handeln. Die historische Straßenachse Bölschestraße mit Marktplatz sollte gestärkt werden. •	 Bei allen baulichen und städtebaulichen Planungen hat die Erhaltung bzw. Wiederherstellung des historischen Vorstadtcharakters hohe Priorität, wie Grundstücksgrenzen, Straßen und Wegequerschnitte. •	 Die historische Bausubstanz ist in ihrer ganzen Vielfalt als Bestandteil der

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räumlichen, architektonischen und historischen Identität des Ortes zu erhalten, unter denkmalpflegerischen Aspekten instand zu setzen und behutsam zu modernisieren. Neue Nutzungen sind vorrangig in vorhandenen Gebäuden unterzubringen. •	 Neue Gebäude sollen sich mit eigener Form und Gestalt in die Maßstäblichkeit der vorhandenen Bebauung einfügen und zur weiteren Entwicklung des Gebietes beitragen. •	 Die kleinteilige Nutzungsmischung von Wohnen und Gewerbe sollte grundsätzlich erhalten bleiben, Einzelhandel und Dienstleistungen sollen vorrangig in Ladenräumen angesiedelt werden. •	 Die soziale Infrastruktur ist unter Beachtung der denkmalpflegerischen Prämissen den modernen Standards anzupassen. •	 Stärkung der überörtlichen Naherholungs- und Freizeitfunktion.

3.2

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Die städtebaulichen Ziele konnten realisiert werden. Mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bis 2007 folgende Ergebnisse erreicht: •	 Die zentrale Einkaufsstraße „Bölschestraße“ wurde wieder belebt und dient wieder als Achse und Ortsteilkern des Quartiers. Sie erfüllt den Charakter eines Baudenkmals, an dem die unterschiedlichen Epochen und Entwicklungsstadien des Viertels nachvollzogen werden können. •	 Die besondere historischen Bebauungsstruktur, Grundstücksstruktur und das Verhältnis von bebauter und unbebauter Fläche konnte erhalten werden. •	 Der Wohnungsleerstand wurde beseitigt. •	 Die kleinteilige Eigentümerstruktur und Nutzungsmischung konnten erhalten und weiterentwickelt werden. •	 Der Wohnstandort konnte gestärkt und die Mieten sozialverträglich gestaltet werden. Die durchgeführten Maßnahmen konnten zur Gebietsaufwertung, zur nachhaltigen Qualifizierung des Stadtbilds und zur Identitätsstärkung der Anwohner beitragen. In Friedrichshagen ist die vorstädtische Atmosphäre mit den vorherrschend niedrigen Gebäuden bis heute erhalten geblieben. Die Bewohner sind sehr zufrieden mit dem Wohngebiet, was sich durch eine lange Wohndauer und eine hohe Intensität an nachbarschaftlichen Kontakten auszeichnet. Die starke soziale räumliche Gebundenheit der Wohnbevölkerung machte sich durch großes Engagement der Eigentümer bemerkbar und zeigte so eine schnelle Wirkung des Fördermitteleinsatzes in Friedrichshagen. Die ersten sanierten Häuser wirkten auf die Bewohner als Signal zur Nachahmung und setzten priva-

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te Investitionen in die Instandsetzung der Häuser frei. So ist es gelungen, Friedrichshagen in seiner charakteristischen Struktur und kleinteiligen Vielfalt zu erhalten und neu zu beleben. Die Einwohnerzahl im Programmgebiet ist im Förderzeitraum von 3.845 um mehr als ein Drittel auf 5.735 Einwohner angestiegen. Insgesamt wurden 768 Wohneinheiten und 130 Gewerbeeinheiten, 2 Schulen und ein Marktplatz erneuert. Die in Friedrichshagen durchgeführten Maßnahmen wurden mit insgesamt 62,58 Mio. Euro Fördermitteln (Zuschusse, Baudarlehen und Aufwendungszuschüsse) unterstützt.

3.3

Bilanz in Zahlen

Die nachfolgenden Tabellen beinhalten sämtliche Fördervorhaben mit ihren relevanten Daten. Dem folgt eine Übersicht mit den Standorten der Fördervorhaben, die nach privaten Gebäuden, Einrichtungen der sozialen Infrastruktur, Vorhaben im öffentlichen Raum und nach Programmjahren differenziert dargestellt sind.
Tabelle Gesamtübersicht Vorhaben und Fördermittel, 1991 - 2005

Tabelle Übersicht privater und öffentlicher Vorhaben, 1991-2005

Tabelle Detaillierte Übersicht öffentlicher Bauvorhaben (Infrastruktur), 1991-2005

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3.4

Übersicht der Fördervorhaben Friedrichshagen

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3.5

Darstellung ausgewählter Vorhaben

Stellvertretend und beispielhaft für alle in Friedrichshagen geförderten Vorhaben werden nachfolgend vier dargestellt. Das Wohnhaus Bölschestr. 9 ist eines der Häuser, die an den Stil der Kolonisten-Doppelhäuser erinnern und den Straßenzug der heutigen Bölschestraße prägten. Exemplarisch für die nächste Bauphase gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Villa Balthasar in der Josef-Nawrocki-Straße 32 vorgestellt. Sie ist eine der imposantesten Stadtvillen in Friedrichshagen. Das dritte Vorhaben ist die Sanierung der Müggelsee-Grundschule. Das vierte Vorhaben ist für Friedrichshagen von großer Bedeutung. Der Marktplatz in der Bölschestraße bot Anfang der 1990er Jahre wenig Aufenthaltsqualität. Durch die mit Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz ermöglichte Wiederherstellung nach denkmalpflegerischen Vorgaben erhält der Marktplatz seine ursprüngliche Bedeutung als Aufenthalts- und Begegnungsort wieder. Alle vier Vorhaben repräsentieren in der ihnen eigenen Qualität die positiven Wirkungen, die mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz in Friedrichshagen erzielt werden konnten.

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Baujahr / Entstehung
1879 von Ernst Schrammer, Nebengebäude 1884-1896

Denkmalart
Ensemble

Eigentümer
Privat

Geförderte Maßnahmen
Instandsetzung und Modernisierung des gesamten Gebäudes

Fertigstellung
1992

Teil eines Doppelhauses im Stil der Kolonistenhäuser, 2010

3.5.1	 Wohnhaus Bölschestraße 9
Die Bölschestraße ist das Kernstück der ehemaligen Dorfanlage und zugleich ein Ort der Kommunikation und des engen Nebeneinanders von Wohnen und Arbeiten. Die Gebäude in der Bölschestraße 8 / 9 und 10 erinnern noch an die ursprüngliche Bebauung der Straße. Die Kolonistenhäuser mit den niedrigen Traufhöhen und der sechsachsigen Gliederung zeigen die ursprüngliche Grundform der Doppelhäuser mit Satteldach. Das Gebäude in der Bölschestraße 9 entstand 1879. Nach Abriss eines ursprünglichen Kolonistenhauses wurde es im selben Stil wieder aufgebaut. Die 18841896 errichteten Hofgebäude, eine Reihe aus Seitenflügel, Werkstatt und Remise, vervollständigen die Bebauung. Das Gebäude befand sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Es wurde bereits 1991 als eines der ersten Objekte in Friedrichshagen in die Förderung aufgenommen. Alle Gebäudeteile wurden umfassend erneuert und die bis dahin ungenutzten Hofgebäude wurden zu Atelierwohnungen umgebaut. Modern gestaltete Glasgauben verbessern die Belichtung in den Wohnräumen der nach Norden ausgerichteten Gebäude. Die befestigten Hofflächen sind unter Verwendung der vorhandenen Baumaterialien neu gestaltet. So ist der Hof als wesentlicher Bestandteil der Denkmalförderung wieder belebt. Die Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten waren 1992 abgeschlossen.
Hofsituation mit Instand gesetzter Remise, 1994 (Büro west / Kiesling)

Lageplan

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Baujahr / Entstehung
1887 von Ernst Schrammer, Gartenhaus von 1906

Denkmalart
Baudenkmal

Eigentümer
Privat

Geförderte Maßnahmen
Instandsetzung Hülle Villa, Instandsetzung und Modernisierung Gartenhaus

Fertigstellung
1998

Villa Balthasar mit preisgekrönter Fassade, 2010

3.5.2	 Villa Balthasar, Josef-Nawrocki-Str. 32
Die Stadtvilla in der Josef-Nawrocki-Str. 32 steht stellvertretend für die Villenbebauung in Friedrichshagen im späten 19. Jahrhundert. Die Villa entstand, ebenso wie das Wohnhaus in der Bölschestraße 9, nach Plänen von Ernst Schrammer. Ursprünglicher Eigentümer war der Lederwarenfabrikant Hugo Spiekermann. Die am Ufer des Müggelsees gelegene Villa ist eine der imposantesten Stadtvillen Friedrichshagens. Im Obergeschoss befanden sich ursprünglich zwei, vermutlich als Ferienwohnung genutzte Wohnungen. Das 1906 errichtete Gartenhaus vervollständigt die Bebauung. Struktur, Gliederung und Gestaltung der Villa sind dem Spätklassizismus entlehnt. Das umlaufende, reich verzierte Hauptgesims mit dem weiten Dachüberstand ist ein besonderer Blickfang. Die vorgebauten hölzernen Balkone mit ihrem kunstvollen Schnitzwerk sind typische Holzarbeiten der Jahrhundertwende. Die Fassade ist sorgfältig restauriert. Die gute handwerkliche Arbeit führte zu einem Erhalt eines großen Teils der originalen hölzernen Bauteile. Die spätklassizistische Farbgestaltung der Fassade ist wieder hergestellt. Sie erhielt im bundesweiten Fassadenwettbewerb 1999 mit dem ersten Preis eine besondere Auszeichnung und Anerkennung für die restauratorisch hochwertige Neugestaltung.
Lageplan

Wiederhergestelltes Gartenhaus am See, 1999 (KoSP GmbH)

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Baujahr / Entstehung
1896, erweitert um 1921 und 1933

Denkmalart
Ensemble

Eigentümer
Bezirksamt Treptow-Köpenick

Geförderte Maßnahmen
Instandsetzung Gebäudehülle, Flure und Treppenhäuser; Erneuerung und Neugestaltung der Hoffläche

Fertigstellung
2009

Vorderansicht der Müggelsee-Grundschule, 2010

3.5.3	 Müggelsee-Grundschule, Aßmannstraße 63 / Scharnweberstraße 98
Die Müggelsee-Grundschule an der Ecke Aßmannstraße / Scharnweberstraße wurde 1896 auf dem Grundstück des 1835 geschlossenen Friedhofs eröffnet. Das als Knabenschule errichtete Schulgebäude ist ein dreigeschossiger Sichtziegelbau mit Satteldach. Die Straßenfassade wird durch einen übergiebelten Mittelrisalit, der mit einem gotischen Blendbogen gestaltet ist, geteilt. Anfang der 1920er Jahre wurde neben dem Hauptgebäude ein Anbau errichtet. Die Fassade wurde im Kontrast zum Hauptgebäude mit einer Putzfassade ausgeführt. Der Schulkomplex wurde mit dem Bau einer Turnhalle an der Aßmannstraße erweitert. Die eingeschossige Turnhalle mit abgewalmtem Satteldach und rundem Treppenturm wurde an das benachbarte Wohnhaus angebaut. Die Schulnutzung lässt sich von außen nur durch die großen Fenster erahnen. Seit dem Neubau einer weiteren Turnhalle in der Rahnsdorfer Straße wird diese Turnhalle als Speisesaal genutzt. Mit Mitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden die denkmalgerechte Instandsetzung der Fassade, der Flure und Treppenhäuser des Hauptgebäudes sowie die Instandsetzung der Fassaden und die Dachdeckung des Nebengebäudes in der Aßmannstraße gefördert. Die Sanierungsmaßnahmen wurden 2009 mit der Erneuerung und Neugestaltung einer Teilfläche der Schulhoffreifläche beendet. In diesem Zusammenhang wurde auch die historische Grundstückseinfriedung Instand gesetzt.

Lageplan

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Sanierte Hoffassade mit Altbau und anschließendem Erweiterungsbau, 2009

Straßenansicht der ehemalige Turnhalle, heute Speisesaal, in der Aßmannstraße, 2009

Neugestaltete Schulhoffreifläche mit Turnhallengebäude, 2010

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Baujahr / Entstehung
1753

Denkmalart
Ensemble

Eigentümer
Bezirksamt Treptow-Köpenick

Geförderte Maßnahmen
Wiederherstellung des historischen Platzes

Fertigstellung
2009

Marktplatz mit Standbild Friedrich des Großen im Hintergrund, 2010

3.5.4	 Marktplatz in der Bölschestraße
Der Marktplatz wurde im Zuge der ersten Bebauung Friedrichshagens entlang der heutigen Bölschestraße im Jahr 1753 angelegt. In der Mitte des Straßenzuges wurde ein Karree ausgespart, auf dem später die Kirche errichtet werden sollte. Zunächst wurde an der Ostseite des Platzes ein Schul- und Bethaus für die Anwohner errichtet, hinter dem sich der Schulgarten befand. Daran anschließend war der Friedhof zu finden (Grundstück der heutigen Müggelsee-Grundschule). Die Westseite des Platzes wurde durch Kolonisten-Doppelhäuser begrenzt, die um 1800 erweitert und umgebaut wurden. Zur gleichen Zeit wurden das Schulund Bethaus durch eine Schule und eine Dorfkirche ersetzt. Auf dem Platz wurde ein Denkmal errichtet, welches den Kriegsgefallenen der Jahre 1864, 1866 und 1870 gewidmet ist. Der Platzbereich zur Aßmannstraße war stets dem Wochenmarkt vorbehalten. Bis auf das bis heute erhaltene Toilettenhäuschen auf der Ecke Aßmannstraße / Bölschestraße war keine weitere Möblierung auf den Platz. 1903, zum 150jährigen Jubiläum Friedrichshagens, wurde der schlichte Dorfplatz in einen Schmuckplatz umgestaltet. Der alte Baumbestand wurde erhalten, differenziert bepflanzte Beete mit niedriger Einfassung und Spazierwegen angelegt und Sitzbänke aufgestellt. Die Dorfkirche wurde durch die heutige Christophorus-Kirche ersetzt. Das Kriegerdenkmal, das ursprünglich auf der Westseite des Platzes stand, erhielt seinen heutigen Standort im Rondell vor dem Kirchenportal. Auf dem Marktplatz wurde stattdessen, ebenfalls 1903, ein Standbild vom Ortsgründer Friedrich II. platziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand aus unbekannten Gründen das Denkmal. Die Kolonistenhäuser an der westlichen Platzgrenze wurden Ende der 1960er Jahre abgerissen und durch eine Kaufhalle und ein zehngeschossiges Wohngebäude in industrieller Bauweise ersetzt.

Lageplan

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Abschlussbericht

Durch den Abriss wurden die alte Parzellierung und die bauliche Fassung des Platzes zerstört. Zum 250-jährigen Jubiläum Friedrichshagens wurde im Mai 2003 eine Kopie des Denkmals Friedrich des Großen am originalen Standort eingeweiht. Im Rahmen des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurde der Marktplatz Friedrichshagen, der Bereich um die Christophoruskirche, um das Denkmalrondell und die Bölschestraße nach denkmalpflegerischen Vorgaben wiederhergestellt bzw. umgebaut.

Historisches Toilettenhäuschen Ecke Aßmannstraße / Bölschestraße, 2009

Christophorus-Kirche, 2010

Rondell mit Kriegerdenkmal, Marktplatz im Hintergrund, 2009

Denkmal Friedrich des Großen, 2010

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