Publication:
Berlin, 2012
PURL:
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-258426
Path:
Abschlussbericht über die Ergebnisse des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz im Fördergebiet

Altstadt Köpenick
des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin

Bezirksamt TreptowKöpenick von Berlin

Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz

Fördergebiet Altstadt Köpenick

Abschlussbericht

Impressum
Abschlussbericht über die Ergebnisse des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz im Fördergebiet Altstadt Köpenick des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin

Im Auftrag der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Referat IV C Stadterneuerung

Erstellt durch
Steinbrecher und Partner Ingenieurgesellschaft mbH Rungestraße 22-24 10179 Berlin

Fortgeschrieben durch
BSM Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH Katharinenstraße 19-20 10711 Berlin

Fotonachweis
Soweit nicht direkt unter den Fotos angegeben, wurden die Fotos von Steinbrecher u. Partner Ingenieurgesellschaft mbH erstellt , damit liegen die Rechte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Berlin, Juni 2012

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Inhalt

1	

Einleitung						

	

2

	

2	 2.1	 2.2	 2.3	

Das Fördergebiet Altstadt Köpenick			 Lage und Entwicklungsgeschichte des Gebiets		 Städtebauliche und denkmalpflegerische Besonderheiten 	 Ausgangslage 1990, Aufnahme in die Förderkulisse 1991	

	 	 	 	

2	 2 5 5

3	 3.1	 3.2	

Bilanz des Fördermitteleinsatzes				 Ziele der Förderung					 Ergebnisse und Bilanz der Förderung				

	 	

7 7 8

3.3	 in Zahlen							 9 Bilanz 3.4	 Übersicht Fördervorhaben in der Altstadt Köpenick			 11

3.5	 Darstellung ausgewählter Vorhaben				12 3.5.1	 Wohn- und Geschäftshaus Alt-Köpenick 31				 13

3.5.2	 Schlossplatz							14 3.5.3	 Luisenhain							16 3.5.4	 Kultur- und Veranstaltungszentrum „freiheit fünfzehn“		 18

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Einleitung

Die Altstadt Köpenick wurde 1991 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich und hatte 2008 einen Stand erreicht, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu der Entscheidung veranlasste, die Förderung in diesem Gebiet zu beenden. Seit dem Jahr 2008 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt. Mit dem vorliegenden Abschlussbericht wird der Fördermitteleinsatz in der Altstadt Köpenick bilanziert bzw. schlussgerechnet.

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2.1

Das Fördergebiet Altstadt Köpenick
Lage und Entwicklungsgeschichte des Gebiets

Für den Südosten Berlins sind die Altstadt Köpenick mit der Kietzer-Vorstadt historisch sowie räumlich-funktional markante und prägende Orte. Das Luftbild von 2006 vermittelt die exponierte Wasserlage des Fördergebiets gegenüber der Schlossinsel und den unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit der Kietz-Vorstadt.

Luftbild Altstadt Köpenick mit Kietz-Vorstadt, 2006 (Google Earth, 2010)

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Übersichtsplan Fördergebiet Altstadt Köpenick

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Die Köpenicker Altstadt entstand aus einem slawischen Fürstensitz auf dem Areal der heutigen Schlossinsel. Im Schutz der Burg entwickelte sich im 13. Jahrhundert entlang der heutigen Straße Alt Köpenick eine kleine deutsche Siedlung, die sich in den folgenden Jahrhunderten nur langsam über die gesamte Insel ausbreitete. Ausländische Glaubensflüchtlinge, die das Textilgewerbe etablierten, brachten erst zum Ende des 17. Jahrhunderts einen Siedlungsschub mit Manufakturgebäuden und Kolonistenhäusern in den nördlichen Bereich. Mit dem repräsentativen Neubau des Schlosses 1677-88 wurde die gewachsene Straßenführung der Altstadt begradigt, die Straßen verbreitert und der Schlossplatz angelegt. Seit dieser Zeit hat die städtebauliche Grundstruktur keine einschneidenden Veränderungen mehr erfahren. Der westliche Teil der Insel mit Kirche, Rathaus und Schlossplatz stellt den eigentlichen städtischen Kern dar. Die Bebauung um den Alten Markt zeigt noch deutlich die ursprüngliche Substanz aus dem späten 17. Jahrhundert. Die Dichte und Vielfalt der Bauten am Katzengraben dokumentieren 300 Jahre Entwicklung kleinstädtischer Wohnhausarchitektur und verdeutlichen den historischen Bezug zwischen Stadt und Wasser. Nur hier ist die typische kammartige Bebauung der Parzellen erhalten, die ursprünglich die Wasserseiten prägte. Die umfassende Sanierung dieses Straßenzuges setzte ein sichtbares Zeichen für die Erhaltung der historischen Identität dieses Ortes und hatte Symbolkraft für die Erneuerung der Altstadt insgesamt. An der Freiheit entwickelten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Teppich-, Tuch- und Papierfabriken. Das heutige Rathaus entstand von 1901 bis 1904. Im Zweiten Weltkrieg wurden nur sieben Häuser zerstört, in den Jahren von 1945 bis 1978 aber 21 alte Gebäude abgerissen. 1979 bis 1981 entstand die Müggelheimer Straße als breite Schneise durch das homogene Altstadtgebilde. Der städtebauliche Zusammenhang zwischen Altstadt, Schloss und Kietz ist damit zerstört.
Köpenicker Schloss, 1910 (www.koepenick.net)

Langebrücke mit Köpenicker Schloss, 1919 (www.koepenick.net)

Fliegeraufnahme aus ca. 120m Höhe, 1937 (www.koepenick.net)

Stadt Cöpenick am Zusammenfluss von Dahme und Spree um 1871 (Leopold Kraatz, 1871)

Topografische Karte der Umgebung von Berlin, Ausschnitt (Leopold Kraatz, 1871)

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2.2

Städtebauliche und denkmalpflegerische Besonderheiten

Die Altstadt Köpenick wird vor allem durch ihre Insellage am Zusammenfluss von Spree und Dahme geprägt und ist sowohl historisch als auch funktional ein wichtiger Identifikationsort für den Südosten Berlins. Von besonderer geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung ist der seit dem 18. Jahrhundert unveränderte Stadtgrundriss mit mittelalterlichem Straßen- und Wegenetz. Die vorhandene Bebauung dokumentiert die bauliche Entwicklung von über 350 Jahren. Durch die reizvolle Wasserlage, die vielen Grünflächen, die Vielzahl der erhaltenen Gebäude und den geringen baulichen Verdichtungsgrad vermittelt die Altstadt Köpenick heute noch den Charakter einer märkischen Kleinstadt. Die historisch gewachsene Struktur ist aufgrund größerer Abrisse in den 1970er und 1980er Jahren nur noch in Teilbereichen abzulesen. Der westliche Teil der Altstadt verdeutlicht mit den auf das Schloss ausgerichteten Straßen Alt-Köpenick und Grünstraße den städtebaulichen Zusammenhang zwischen Schlossinsel und Altstadt. Es umfasst einige zweigeschossige Häuser aus dem 18. Jahrhundert und drei- und viergeschossige Wohn- und Geschäftshäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie drei- bis viergeschossige Gründerzeitbebauung, meist im Stil der Neorenaissance. Der östliche Teil der Altstadt wird von zweigeschossigen Wohn- und Manufakturgebäuden des 18. Jahrhunderts geprägt, ergänzt durch einige drei- bis viergeschossige Gebäuden aus der Gründerzeit. Die charakteristische und kleinstädtische Wohnhausarchitektur, die typische kammartige Bebauung der Parzellen mit Neben- und Wirtschaftsgebäuden, die die Wasserseiten der Altstadt bestimmen, ist in diesem Bereich noch sehr gut erhalten.
Straße Alt-Köpenick und Schlossplatz, 1930 (Postkarte)

Rosenstraße mit Blick auf das Rathaus Köpenick, 1906 (Postkarte)

2.3

Ausgangslage 1990, Aufnahme in die Förderkulisse 1991

Die innerstädtischen Altbauquartiere und die historischen Ortskerne in den neuen Bundesländern befanden sich nach der Wiedervereinigung 1990 verbreitet in einem baulich schlechten, oft desolaten Zustand, der Sofortmaßnahmen erforderte. So auch in der Altstadt Köpenick, die seit 1977 unter Denkmalschutz steht. Bereits 1990 erfolgte die Festsetzung der Altstadt Köpenick zu einem Untersuchungsgebiet im Sinne des besonderen Städtebaurechts, das die Untersuchung der städtebaulichen Zusammenhänge und der sozialen Belange zum Ziel hatte. Das Quartier wies massive funktionale und städtebauliche Missstände und Mängel auf. Wegen unzureichender Instandhaltung waren die Gebäude marode und wiesen Defizite im Standard der Ausstattung auf. Viele der Wohnungen, die nicht von den Rekonstruierungsmaßnahmen der 1980er Jahre erfasst worden waren, waren noch mit Außentoiletten ausgestattet und nur selten war ein Bad vorhanden. 82 % wurden mit Kohleöfen beheizt und ungefähr ein Drittel der Wohnungen stand leer. Die Einwohnerzahl in der Altstadt ging von 1971 bis 1991 stetig zurück. Doch nicht nur die schwerwiegenden Mängel im Bereich der baulichen Beschaffenheit waren augenscheinlich, auch die Funktionsfähigkeit des Infrastrukturbereichs war aufgrund von Defiziten beeinträchtigt. Den Bewohnern fehlte es an Einkaufsmöglichkeiten und der überdimensionierte Ausbau der Müggelheimer Straße verursachte nicht nur starken Durchgangsverkehr, sondern zerstörte auch das städtebauliche Ensemble von Altstadt, Schlossinsel und Kietz-Vorstadt.

Schlossplatz, 1960 (Postkarte)

Schüsslerplatz, vor Juli 1942 (www.koepenick.net)

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Mit dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz wurde die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und die Wiederherstellung des Ortsbildes in der Altstadt Köpenick unterstützt. So wurde die Altstadt Köpenick 1991 als eines von vier Gebieten in das neu aufgelegte Bund-Länder-Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen, nachdem die Voraussetzungen zur Fördermittelvergabe mit dem Beschluss zur Aufstellung einer Erhaltungssatzung gemäß § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB am 14.08.1991 geschaffen worden waren. 1993 wurde die Erhaltungssatzung zur Wahrung der städtebaulichen Eigenart und der historischen Bausubstanz dann auf Rechtsgrundlage des § 172 BauGB erlassen. Im selben Jahr erfolgte die förmliche Festlegung als Sanierungsgebiet, das 2007 nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen aufgehoben wurde.

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3.1

Bilanz des Fördermitteleinsatzes
Ziele der Förderung

Das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz sollte unmittelbar nach der Wiedervereinigung eine wichtige Vorreiterrolle bei der Altbauerneuerung einnehmen. Eine hohe bauliche Qualität der fertig gestellten Häuser sollte Maßstäbe setzen und eine Vorbildfunktion für die frei finanzierte Erneuerung übernehmen, damals wurden die Weichen für das künftige Erscheinungsbild in den Altbauquartieren der östlichen Bezirke gestellt. Das galt auch für die Altstadt Köpenick.

Mit der Bereitstellung der Fördermittel wurden bis 2001 vor allem folgende Ziele verknüpft: •	 Es sollten private Investitionen initiiert und gefördert, preiswerter Wohnraum gesichert sowie das Handwerk und die lokale Wirtschaft unterstützt werden. •	 Mit der Sicherung und dem langfristigen Erhalt der historisch wertvollen Bausubstanz in ihrer gesamten Dichte und Vielfalt war stets die Beseitigung von Leerstand verbunden, damit die Gebäude wieder genutzt werden konnten. •	 Bei umfassenden Maßnahmen war ein zeitgemäßer Ausstattungsstandard herzustellen. •	 Wer wohnen bleiben wollte, sollte wohnen bleiben können. Langfristig bezahlbare, sozialverträgliche Mieten waren als Gegenleistung für die Bereitstellung der Fördermittel unverzichtbar. •	 Die besondere historischen Bebauungsstruktur und die geschichtliche Identität sollten bewahrt werden. •	 In der Phase der Bauvorbereitung waren denkmalpflegerische Detailuntersuchungen durchzuführen, u. a. verformungsgerechtes Aufmass sowie Putzund Farbuntersuchungen, um systematisch zu dokumentieren und zu entscheiden, welche wertvollen Bauteile zu erhalten und wie sie zu behandeln waren.

In der Altstadt Köpenick wurden die folgenden städtebaulichen Ziele verfolgt: •	 Die besondere stadtgeschichtliche und städtebauliche Bedeutung der Altstadt Köpenick ist wesentlicher Maßstab für das Handeln. •	 Bei allen baulichen und städtebaulichen Planungen hat die Erhaltung bzw. Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses hohe Priorität, wie Grundstücksgrenzen, Straßen und Wegequerschnitte. Die bauliche und historisch funktionale Beziehung zwischen Stadt und Wasser ist konsequent zu erhalten. •	 Die historische Bausubstanz ist in ihrer ganzen Vielfalt als Bestandteil der räumlichen, architektonischen und historischen Identität des Ortes zu erhalten, unter denkmalpflegerischen Aspekten instand zu setzen und behutsam zu modernisieren. Neue Nutzungen sind vorrangig in vorhandenen Gebäuden unterzubringen. •	 Das vorhandene Straßen- und Wegenetz mit seinen noch teilweise vorhande-

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nen mittelalterlichen Strukturen soll behutsam saniert werden. •	 Neue Gebäude sollen sich mit eigener Form und Gestalt in die Maßstäblichkeit der vorhandenen Bebauung einfügen und zur weiteren Entwicklung des Gebietes beitragen. •	 Die kleinteilige Nutzungsmischung von Wohnen und Gewerbe sollte grundsätzlich erhalten bleiben, Einzelhandel und Dienstleistungen sollen vorrangig in Ladenräumen angesiedelt werden.

3.2

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Die wesentlichen städtebaulichen Ziele konnten realisiert werden. Mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bis 2008 folgende Ergebnisse erreicht: •	 Erneuerung der bestehenden Bausubstanz, Herstellung moderner Wohnstandards Im Fördergebiet wurde die denkmalgeschützte Bausubstanz mit öffentlichen und privaten Mitteln umfassend instand gesetzt und modernisiert. Durch den konzentrierten Einsatz öffentlicher Förderungsmittel konnten viele Bauten vor dem Verfall gerettet und so zum Erhalt des historischen Stadtkerns beigetragen werden. Private Altbauten wurden denkmalpflegerisch anspruchsvoll restauriert und viele historisch wertvolle Details blieben erhalten. Insbesondere im Straßenzug Katzengraben sind mit den erneuerten Bauten aus drei Jahrhunderten sichtbare Zeichen für die Erhaltung der historischen Identität gesetzt worden. Im Zuge der Durchführung von Sanierungsmaßnahmen erfolgte i. d. R. der Einbau von Bädern und eines modernen Heizungssystems, so dass der Ausstattungsstandard der Altbausubstanz zeitgemäß ist. •	 Erhaltung der vorhandenen städtebaulichen Struktur, Aufwertung des Stadtbildes Die vorhandene städtebauliche Struktur, das historische Stadtbild und die historische Identität sind erhalten geblieben. Dazu haben u. a. die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und Fassaden sowie die Erneuerung des historischen Pflasters und dessen Wiedereinbau in der gesamten Altstadt beigetragen. Ein wichtiges Signal zur Wiederherstellung der Stadtstrukturen ist der Neubau der Mittelpunktbibliothek am Alten Markt. •	 Revitalisierung kultureller und sozialer Infrastruktur Mit der umfassenden und aufwendigen Restaurierung historischer Gebäude in Verbindung mit der Nutzung durch kulturelle und soziale Projekte fand nicht nur ein Beitrag zur Gebietsaufwertung statt, sondern wurde wesentlich zur Stabilisierung als Wohnstandort und Identitätsstärkung der Bewohnerinnen und Bewohner beigetragen. Das Heimatmuseum am Alten Markt ist eines der wenigen erhaltenen Fachwerkgebäude der Altstadt. Die Geschichte Köpenicks und seiner Ortsteile wird hier anschaulich in einer Dauerausstellung gezeigt. Am Wasser der Freiheit entstand durch Umbau der alten Turnhalle der ehemaligen Dorotheenschule das Kultur- und Veranstaltungszentrum „freiheit

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fünfzehn“. Am Alten Markt entstand 2008 nach Umnutzung des ehemaligen Schulgebäudes und dem Neubau der modernen Mittelpunktbibliothek eine zentrale Serviceeinrichtung für Information-, Kommunikation- und Multimediadienstleistungen. •	 Qualitative Aufwertung des öffentlichen Raumes, Verbesserung des Wohnumfeldes Mit den großräumigen Maßnahmen zur Verkehrsentlastung und der Umgestaltung des Schlossplatzes einschließlich der Herstellung von Fußgängerbereichen in der Grünstraße und der Straße Alt-Köpenick wurden wichtige Maßnahmen im öffentlichen Raum umgesetzt, die wesentlich zu einer gesteigerten Attraktivität und Aufenthaltsqualität der Altstadt beitragen. Die Uferbereiche wurden vom Wasser wie vom Land aus zugänglich gemacht. Durch die Schaffung qualitätsvoller öffentlicher Bereiche am Wasser konnte das Thema „Stadt am Wasser“ hervorgehoben werden. Mit der Umgestaltung des Luisenhains als größte und wichtigste Grünverbindung innerhalb des Fördergebiets wurde ein erlebnisreicher und zugleich grüner Raum geschaffen. Die durchgeführten Maßnahmen konnten zu einer ganzheitlichen Aufwertung des Gebiets beitragen. Neben der Aufwertung des Stadtbilds, der Identitätsstärkung der Anwohner und der Revitalisierung historischer Gebäude, konnten auch positive Effekte bezüglich des Tourismus und der Gastronomie generiert werden. Das unverwechselbare Ortsbild der Altstadt Köpenick und die kleinstädtisch anmutende Atmosphäre ist bis heute erhalten geblieben. Zwar verließen bis zur Wende einige alteingesessene Bewohner die Altstadt, doch ab 1991 begann die Instandsetzung und Modernisierung der Gebäude und des öffentlichen Raumes. Die daraufhin steigende Einwohnerzahl belegt, dass die Altstadt Köpenick zu einem attraktiven Wohnort aufgewertet wurde, der nun zeitgemäßes Wohnen und Arbeiten möglich macht. Fördermitteleinsatz und großes Engagement der Eigentümer, Bewohner und Geschäftsleute zeigten eine schnelle Wirkung in der Altstadt Köpenick. Die ersten sanierten Häuser wirkten auf die Eigentümer als Signal zur Nachahmung und setzten private Investitionen in die Instandsetzung der Häuser frei. So ist es gelungen, die Altstadt Köpenick unter Beteiligung und Mitwirkung der Eigentümer, Bewohner und Geschäftsleute in seiner charakteristischen Struktur zu erhalten, neu zu beleben und als Wohnort zu stabilisieren. Die Ergebnisse der Sanierung prägen inzwischen das Stadtbild und vor allem die jüngeren Bewohner identifizieren sich verstärkt mit dem Quartier.

3.3

Bilanz in Zahlen

Die nachfolgenden Tabellen beinhalten sämtliche Fördervorhaben mit ihren relevanten Daten. Dem folgt eine Übersicht mit den Standorten der Fördervorhaben, die nach privaten Gebäuden, Einrichtungen der sozialen und kulturellen Infrastruktur und Vorhaben im öffentlichen Raum differenziert dargestellt sind.

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Tabelle Gesamtübersicht Vorhaben und Fördermittel 1991 - 2008

Die Einwohnerzahl im Programmgebiet ist im Förderzeitraum von ca. 550 um mehr als das Doppelte, auf 1288, angestiegen. Der Großteil der Modernisierungsmaßnahmen erfolgte beim privaten Eigentum. So wurden insgesamt 129 Wohneinheiten und 52 Gewerbeinheiten instand gesetzt. 15 der geförderten Maßnahmen befinden sich in städtischem Eigentum, hierbei handelt es sich um Vorhaben in den Bereichen öffentlicher Straßenraum, Stadtplätze, Grünflächen und soziale Infrastruktur. Die in der Altstadt Köpenick durchgeführten Maßnahmen wurden mit insgesamt 30,52 Mio. Euro Fördermitteln (Zuschuss, Baudarlehen und Aufwendungszuschüsse) unterstützt.
Tabelle Übersicht privater und öffentlicher Vorhaben, 1991-2008

Tabelle Detaillierte Übersicht öffentlicher Bauvorhaben (Infrastruktur), 1996-2008

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3.4

Übersicht der Fördervorhaben in der Altstadt Köpenick

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3.5

Darstellung ausgewählter Vorhaben

Stellvertretend und beispielhaft für alle in der Altstadt Köpenick geförderten Vorhaben werden nachfolgend vier dargestellt. Das Wohn- und Geschäftshaus Alt-Köpenick 31-33 steht exemplarisch für die Bebauung der Gründerzeit. Die bedeutende Lage am Schlossplatz und die markante Gestaltung des Eckhauses machen es zu einem konstituierenden Bestandteil des Ensembles Altstadt Köpenick. Bei der Qualifizierung des öffentlichen Raums lag der Fokus auf der Wiederherstellung von Straßen, Gehwege und Plätzen. Insgesamt befassten sich neun Maßnahmen damit, wovon der Schlossplatz hier beispielhaft erläutert wird. Als drittes Beispiel wird die öffentliche Grünanlage Luisenhain vorgestellt. Mit der Neugestaltung des Luisenhains konnte die Verbindung zwischen Altstadt und Wasser wieder hergestellt werden. Das Leitbild „Stadt am Wasser“ wird mit dieser Maßnahme besonders unterstrichen. Das vierte Vorhaben steht exemplarisch für Förderung der kulturellen Infrastruktur. So wurden die Turnhalle und Teile des Schulhofs der ehemaligen Dorotheenschule zu einem Veranstaltungszentrum umgenutzt, welches durch die Lage am Wasser eine idyllische Atmosphäre für kulturelle Veranstaltungen bietet. Alle vier Vorhaben repräsentieren in der ihnen eigenen Qualität die positiven Wirkungen, die mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz in der Altstadt Köpenick erzielt werden konnten.

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Baujahr / Entstehung
1888, Umbau 1910

Denkmalart
Ensemble

Eigentümer
Privat / Wohnungsbaugesellschaft

Geförderte Maßnahmen
Instandsetzung und Modernisierung

Fertigstellung
1996

Imposante Fassade mit wiederhergestellter Turmhaube, 2010

3.5.1	 Wohn- und Geschäftshaus Alt-Köpenick 31-33
Das am Schlossplatz 1888 errichtete Wohn- und Geschäftshaus Alt-Köpenick 31/33 ist eines der besonders ausgebildeten Eckbauten der Altstadt und konstituierender Bestandteil des Ensembles Altstadt Köpenick. Mit seinen vier Geschossen, den Fassaden im Stil der Deutschen Renaissance und dem neubarocken Zwiebelturm war es das modernste und vor dem Bau des Rathauses auch höchste Gebäude der Altstadt Köpenicks. Bis zur Fertigstellung des neuen Rathauses 1904 war hier der Ratskeller untergebracht. Er wurde als eines der „Köpenicker Weltwunder“ bezeichnet, denn dieser „Keller“ lag im ersten Obergeschoss. 1910 erfolgte der umfassende Umbau des Hauses. Die Commerz & Diskonto Bank zog in die heutigen Bankräume ein. Im ersten Obergeschoss eröffnete 1910 die Lichtspielstätte „Schlosstheater“. Das markante Gebäude war der kommerzielle Mittelpunkt der Altstadt, die vielfältige Werbung reichte bis zum dritten Obergeschoss. Eine denkmalpflegerische Zielsetzung war der Erhalt des Theaters im ersten Obergeschoss. Das Theater belebt inzwischen die Tradition des Hauses als kulturelles Zentrum mit Konzerten, Theater- und Kabarettvorführungen wieder.
Lageplan

Verwinkelter Treppenaufgang in historischer Farbgebung (Eichler)

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Baujahr / Entstehung
um 1680

Denkmalart
Ensemble

Eigentümer
Bezirksamt Treptow-Köpenick

Geförderte Maßnahmen
Wiederherstellung des historischen Platzes

Fertigstellung
2006

Der denkmalgerecht wiederhergestellte Schlossplatz lädt zum Verweilen ein, 2010

3.5.2	 Schlossplatz
Der Schlossplatz war der erste Marktplatz der Stadt Köpenick und wurde mit dem Bau des Schlosses um 1680 neu angelegt. Der Schlossplatz erstreckt sich von der Schlossbrücke hin zur Grünstraße. Ursprünglich war er axial auf das Köpenicker Schloss ausgerichtet und bildete dessen Verbindung mit der Altstadt. Charakteristisch für den barocken Repräsentationsplatz war die strenge rechteckige Form. Schon um 1900 wurde der Schlossplatz infolge einer Neubebauung überformt. Mit dem Durchbruch der Müggelheimer Straße Anfang der 1980er Jahre wurde die Funktion des Platzes erheblich beeinträchtigt und verlor den historischen Bezug zum Schloss. Der Platz wurde von Straßenbahngleisen durchschnitten und bot keinerlei Aufenthaltsqualität mehr. Die denkmalgerechte Umgestaltung des Schlossplatzes orientierte sich an den historischen Gebäudegrundrissen und an dem Straßenprofil aus dem 18. Jahrhundert. Die charakteristisch rechteckige Form des Platzes wurde wieder hergestellt und in Anlehnung an die Gestaltung um 1900 wurden der Platzbereich und die Grünstraße originalgetreu gepflastert. Entsprechend dem historischen Stadtgrundriss wurde die Grünstraße, durch Bordsteine sichtbar abgegrenzt, über den Schlossplatz geführt. Im nördlichen und südlichen Platzbereich wurden kleinkronige Bäume gepflanzt, die eine Abgrenzung zur Müggelheimer Straße bilden. Der Schlossplatz wurde mit Stadtmobiliar ausgestattet und ein gastronomisch nutzbarer Pavillon markiert die nicht mehr vorhandene östliche Platzkante.

Lageplan

Fußgängerzone ohne Durchgangsverkehr, 2010

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Durch die 2004 eingerichtete Fußgängerzone in der Straße Alt-Köpenick und Grünstraße wurde die Aufenthaltsqualität sichtbar gesteigert und der Platz bietet heute wieder Raum für Kommunikation, Stadtfeste und Markttreiben. Mit der denkmalgerechte Umgestaltung des Schlossplatzes konnte der bedeutendste städtische Platz der Altstadt wiederhergestellt werden.

Der Pavillon an der östlichen Platzkante im Winter, 2009

Gastronomische Nutzung auf dem Schlossplatz im Herbst, 2010

Fahrradtouristen legen am Schlossplatz eine Pause ein, 2010

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Baujahr / Entstehung
1906

Denkmalart
Ensemble

Eigentümer
Bezirksamt Treptow-Köpenick

Geförderte Maßnahmen
Neugestaltung der Grünfläche als Park, Festplatz mit Grünverbindung

Fertigstellung
2007

Der Luisenhain lädt zum Flanieren und Verweilen ein, 2010

3.5.3	 Luisenhain
Die Grünfläche Luisenhain verdankt Köpenick dem Kaufmann Otto Asseburg. Er schenkte 1906 sein 80.000 Reichsmark teures Grundstück Schloßstraße 20 der Stadtgemeinde unter der Bedingung, dass hier gegenüber dem Rathaus zum Gedenken an seine verstorbene Schwester Luise ein Schmuckplatz angelegt wird. Die 1908 realisierte Parkanlage (1.400 m²) wurde zu Ehren von Luise Assenburg auf den Namen Luisenhain getauft. 1924 entstand hier eine öffentliche Dampferanlegestelle. 1928 wurde der Luisenhain vereinfachend umgestaltet und nach Süden am Wasser entlang auf drei der Stadt gehörende Grundstücke um 800 m² erweitert. Erst 1955 folgte die Verbindung zur Grünanlage an der Langen Brücke, 1969 die Erweiterung der Uferpromenade bis zur Dammbrücke und der Fläche gegenüber dem Rathaus um drei Grundstücke. Mit der Erneuerung der Dammbrücke zwischen 1984 und 1986 konnte gleichzeitig die Unterquerung der Brücke für Fußgänger geschaffen werden. Durch die Umgestaltung des vernachlässigten Grünbereichs konnte ein attraktiver, grüner und zugleich städtischer Raum geschaffen werden, welcher die historische Altstadt von Köpenick mit dem Wasser der Dahme verbindet. Leitidee ist eine das Gelände umspannende Harfe: den Rahmen der Harfe bildet eine Uferpromenade am Wasser aus gelbem Naturstein mit eingelegten Bronzebändern, von der Treppen mit breiten Podesten zum kühlen Nass führen. Mit schmaleren Wegen aus großformatigen Granitplatten wird an die historischen Wassergassen der Altstadt erinnert. Die Höfe der Gebäude an der Straße AltKöpenick öffnen sich zum Grün, Cafés nutzen die neu gewonnene Attraktivität. Eine von Bänken gesäumte Promenade aus hellen Granitsteinplatten betont den Platz gegenüber dem Rathaus und schafft die Verbindung zum Wasser und zum Schiffsanleger.
Lageplan

Gestaltungsentwurf Quelle: ST raum a. Landschaftsarchitekten

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Der Luisenhain wurde als breiter, die historische Stadtstruktur widerspiegelnder Teppich gestaltet. Auf Rasenflächen sind Spielelemente installiert, die Geräusche, Melodien und Klänge erzeugen. So ist eine Grünfläche entstanden, die zugleich viele Funktionen erfüllt. Sie lädt ein zum Flanieren und Verweilen, bietet im Norden und Süden Platz für Veranstaltungen wie den Köpenicker Sommer und schafft mit den neu geschaffenen Uferwegen im Norden der Altstadtinsel eine Grünverbindung vom Schloss über das Kultur- und Veranstaltungszentrum „freiheitfünfzehn“ zum Katzengrabensteg und den Krusenick.

Spazieren entlang des Luisenhains, 2010

Grünfläche mit Blick auf das Rathaus, 2010

Spielelement für die kleinen Besucher, 2010

Treppen mit breiten Podesten führen zum kühlen Nass, 2010

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Baujahr / Entstehung
1907

Eigentümer
Bezirksamt Treptow-Köpenick

Geförderte Maßnahmen
Umbau Turnhalle zu Theatersaal, Anbau als Funktionsgebäude, Neugestaltung Freifläche

Fertigstellung
2000

Ehemalige Schulturnhalle wird als Kultur- und Veranstaltungsraum genutzt, 2010

3.5.4	 Kultur- und Veranstaltungszentrum „freiheit fünfzehn“
Die Straße Freiheit wurde um 1700 angelegt. Französische Wollweber bauten hier Werkstätten und Häuser und ab Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden Textilmanufakturen und Wäschereiunternehmen. 1907 entstand die Dorotheenschule, deren Schulhof und Turnhal-le heute durch das in privater Trägerschaft befindliche Kultur- und Veranstaltungszentrum „freiheit fünfzehn“ genutzt wird. Es umfasst den Theatersaal, eine Cocktailbar, das Restau-rantschiff und den Ufergarten an der Spree. Die Schulturnhalle mit Empore und zweigeschossigem Turmbau wurde im Stil der Neorenaissance erbaut. Ein angegliederter eingeschossiger Gebäudetrakt mit einem ehemals offenen, heute verglasten Säulengang verbindet die Turnhalle mit dem Schulgebäude. Er dient seit dem Umbau als Zugang zum Theater und nimmt auch das Theatercafé und die Sanitärräume für Besucher auf. Leitbild der Erneuerung war der Erhalt des historischen Charakters der Anlage und die Freilegung nicht mehr sichtbarer Schmuckelemente unter bewusster Respektierung von Spuren des baulichen Alterungsprozesses. Neben der Reparatur und Neuanfertigung von Fenstern nach historischem Vorbild und der Restaurierung der wertvollen Holzkonstruktion des Theatersaals erfolgten auch die Freilegung des ehemaligen Arkadengangs, die Reparatur der vorhandenen Innentüren und die Erneuerung der Dacheindeckung mit den ursprünglich verwendeten roten Biberschwanzziegeln. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde ein Erweiterungstrakt zur Wasserseite errichtet, in dem das Kulissenlager und die Garderobenräume für Schauspieler untergebracht sind. Der Neubau hebt sich bewusst vom Bestandsgebäude ab.
Verglaster Säulengang, 2010

Lageplan

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