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Full text: Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW

Kinder Jugend & Kultur
Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW

www.mfkjks.nrw.de

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Inhalt
	 		 Ministerin Ute Schäfer: Auf dem Weg zum Jugendkulturland	 IMPULSE		 Klaus Hebborn: Kulturelle Bildung und kommunale Bildungslandschaft 	 Johannes Bilstein: Kulturelle Bildung – Warum? Und wie? Begründungen und Qualitäten	 Thomas Coelen: Partizipation an kultureller Bildung in Schule und Jugendarbeit	 4 8 10 13 18

LANDESPROGRAMME, LANDESFÖRDERUNG UND WETTBEWERBE IM KINDER- UND JUGENDKULTURLAND NRW	 Mit dem Kulturrucksack durch Nordrhein-Westfalen 	 Künstlerische Impulse und Kontinuität: Das Landesprogramm „Kultur und Schule“ 	 Vielfalt ist Stärke: Kulturelle Kinder- und Jugendarbeit in NRW 	 GanzTag in bunt: Kulturelle Bildungsangebote erweitern den Horizont 	 Früh übt sich: Kulturelle Bildung für die Kleinsten	 Das Programm „Jedem Kind ein Instrument“	 Der Preis: Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW 	 	 Kunst und Kultur vor Ort: Kommunale Gesamtkonzepte	 	 Kinder und Jugendliche begegnen Künstlerinnen und Künstlern	 	 AUSGEWÄHLTE PROJEKTE UND INITIATIVEN	 Bildung durch Bilder in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen	 Kreativ mit Wort und Bild: Bibliotheken wecken Sprach- und Leselust	 Spielräume für kulturelle Bildung: Die vier Landestheater in NRW	 Klangvoll für junges Publikum: Die drei Landesorchester	 Macht! Platz! – Das tanzhaus nrw	 nachtfrequenz – Die lange Nacht der Jugendkultur 	 Sag, was du denkst. Sag’s auf: spinxx.de	 Immer unterwegs: Kulturstrolche und KulturScouts auf Entdeckungsreise	 Ich sehe dich! Der JUGEND.KULTUR.PREIS NRW 	 Bauen wie die Profis: Architektur und Stadtplanung als außerunterrichtliches Bildungsangebot	 	 ANSPRECHPARTNERINNEN UND ANSPRECHPARTNER 	 IMPRESSUM		

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© Stiftung Jedem Kind ein Instrument

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Unsere Zielsetzungen sind dabei:
	 	 	 	 	 	 Wir wollen die Interessen und Talente aller Kinder und 	 Jugendlichen fördern. Wir wollen dafür sorgen, dass Kunst und Kultur für alle 	 Kinder und Jugendlichen erreichbar sind. Wir wollen es möglich machen, dass die Kinder und 	 Jugendlichen die Angebote mitgestalten können. Und wir müssen bei all dem im Blick behalten, dass Kinder und Jugendliche sehr unterschiedliche Voraus-	 setzungen mitbringen, unterschiedliches Vorwissen und verschiedene Bedürfnisse und Vorstellungen. Ein zentrales Ziel muss dabei sein, möglichst allen Kindern und Jugendlichen Angebote zu machen, die erreichbar, naheliegend, ansprechend, interessant, attraktiv, niederschwellig, umsonst oder kostengünstig sind. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass Teilhabegerechtigkeit bedeutet, dass es keine Ausgrenzung geben darf. Ein gutes Beispiel, wie dies gelingen kann, ist das Landesprogramm Kulturrucksack NRW. Der „Kulturrucksack“ wurde im Jahr 2011 erstmals ausgeschrieben. Heute sind schon 176 Kommunen – als einzelne Stadt oder im Verbund mit anderen – beteiligt. Im vergangenen Jahr wurden etwa 1.300 Veranstaltungen, Projekte, Workshops für 10–14-Jährige in allen Kunst- und Kultursparten gefördert. Die Angebote sind kostenfrei oder deutlich ermäßigt, um möglichst viele junge Menschen unabhängig von sozialer Herkunft und Bildungshintergrund zu erreichen. Was in den Rucksack „hineinkommt“, wird vor Ort entschieden – und immer häufiger mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam. Das ist eine Entwicklung, die mich besonders freut. Der Kulturrucksack lässt darüber hinaus auf der praktischen Ebene sehr gut erkennen, dass vor Ort die Verwaltungen in den Bereichen Kultur, Jugend und Bildung zunehmend kooperieren. Damit geht einher, dass die Akteure der verschiedenen Felder sich besser kennenlernen und zusammenarbeiten. So entstehen Projekte von Jugendzentren mit Museen, Musikschulen mit Offenen Türen, Jugendkunstschulen mit professionellen Tanzkompanien. Um mehr kulturelle Teilhabe zu erreichen, brauchen wir integrierte Konzepte – so wie es sich auch im Zuschnitt meines Hauses widerspiegelt. Wir brauchen die Kultur und die Kinder- und Jugendarbeit. Die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit ist ein zentrales Handlungsfeld der Kinderund Jugendarbeit mit einer beachtlichen Angebotsstruktur. Gerade in der Jugendkulturarbeit wird dabei oft mit zieloffenen Ansätzen gearbeitet, die an die Interessen und Lebenswirklichkeiten der Kinder und Jugendlichen anschließen. Ein zentrales Thema dabei ist, dass Jugendliche hier mit Gleichaltrigen gemeinsam gestalten und sich selbst als kompetent erleben können. Um die Möglichkeiten dazu zu stärken, haben wir nach dem Regierungswechsel 2010 den Kinder- und Jugendförderplan von 80 Millionen Euro wieder auf 100 Millionen Euro angehoben. Die zusätzlichen Mittel sind auch der kulturellen Bildung zugutegekommen. Seitdem gibt es die Förderposition „Jugendkulturland“, durch die im Umfang von 2 Millionen Euro p.a. Projekte gefördert werden können. Und wir haben bei der Neuaufstellung des KJFP im vergangenen Jahr auch die Mittel für Partizipationsprojekte um 400.000 Euro auf 1 Million Euro erhöht.

Kulturelle Bildung gelingt, wenn Kinder und Jugendliche Freiräume erhalten, die sie mit anderen gestalten können. Umgesetzt werden kann ein solches Konzept nur ganz konkret, vor Ort: in der Einrichtung, im Stadtteil, in der Kommune, in der Region. Hier können – und müssen – Kinder und Jugendliche als Nutzer, als Besucher und Akteure mit ihren Interessen und Wünschen ernst genommen werden. In Nordrhein-Westfalen haben wir zusammen mit den Kommunen, Freien Trägern und Initiativen – und nicht zuletzt den Künstlerinnen und Künstlern – schon viel erreicht. Die deutliche Aussage des Deutschen Städtetags zur wichtigen Rolle der kulturellen Bildung für die kommunalen Bildungslandschaften ist dabei eine wichtige Unterstützung. Engagierte Kommunen sind unverzichtbar für die Unterstützung, den Ausbau und die Weiterentwicklung der kulturellen Bildung. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir in NRW alle großen Programme und Projekte der kulturellen Bildung in enger Abstimmung miteinander durchführen. Für mich ist das ein guter und richtiger Weg, wenn wir gemeinsam strukturell dauerhafte Verbesserungen in der kulturellen Bildung – gerade auch in diesen schwierigen Zeiten knapper Kassen – erreichen wollen. Es gibt bereits zahlreiche gute Angebote – entstanden durch die vielfältigen Initiativen des Landes, der Kommunen und der freien Träger und Einrichtungen. Mir ist es sehr wichtig, dass dies überall bei uns im Land gilt. Insofern ist das „Kinder- und Jugendkulturland“ eine Leitvorstellung, um möglichst vielen jungen Menschen einen möglichst einfachen Zugang zu Angeboten der kulturellen Bildung zu ermöglichen. NRW hat dafür sehr gute Voraussetzungen: Wir haben eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft. Kulturelle Bildung ist hier an vielen Stellen ein wichtiges Thema. Aber wir wollen den nächsten Schritt machen und Kinder-, Jugend- und Kulturentwicklung zusammen mit unseren Partnern – den Kommunen, den Trägern der Kinder- und Jugendkulturarbeit, den Kunst- und Kultureinrichtungen, den Künstlerinnen und Künstlern – stärker vernetzen. Es geht dabei nicht darum, die unterschiedlichen Herangehensweisen der Akteure zu egalisieren, sondern in der Zusammenarbeit neue Stärken zu entwickeln.

»Auf dem Weg zum Jugendkulturland«
Rede von Ministerin Ute Schäfer
Gehalten auf der Tagung „Auf dem Weg zum Kinder– und Jugendkulturland“ des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW am 12.03.2014 in der Akademie Remscheid

Sehr geehrte Frau Professorin Keuchel, meine sehr verehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen! Ich freue mich sehr, dass Sie alle gekommen sind! Ich bin davon überzeugt, dass uns heute spannende Vorträge und Diskussionen erwarten und dass uns diese Tagung wichtige Impulse für unseren Weg hin zum Jugendkulturland NRW geben wird. Allen Referentinnen und Referenten – und der Moderatorin Anke Bruns – danke ich herzlich für ihre Mitwirkung. Ihnen, sehr geehrte Frau Professorin Keuchel, danke ich für die Gastfreundschaft. Die aktive Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen am kulturellen Leben ist ein zentrales Thema für die Kultur- und die Kinder- und Jugendpolitik in Nordrhein-Westfalen. Deshalb unterstützen wir Kultureinrichtungen sowie Initiativen der Jugendarbeit, Angebote zu entwickeln, die Kinder und Jugendliche ansprechen und einbeziehen.

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Es geht aber nicht nur um die finanziellen Mittel, sondern auch um die Haltung. Seit gut zwei Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage einer Eigenständigen oder Einmischenden Jugendpolitik. Es geht darum, wie wir Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Gesellschaft und Politik wieder mehr Gehör und Einfluss verschaffen können. Ganz wichtig ist mir dabei, dass wir für Kinder und Jugendliche mehr Freiräume schaffen. Trotz des Ganztags sind Schülerinnen und Schüler mit unterrichtlichen Verpflichtungen sehr stark in Anspruch genommen. Kinder und Jugendliche brauchen aber in der Schule wieder Luft zum Atmen, genau wie in ihrer Freizeit, auch damit sie ihre kulturellen Interessen entwickeln können. Wir unterstützen dies vor allem auch über einen kulturpolitischen Schwerpunkt in der kulturellen Bildung. Zählt man die Fördersummen für kulturelle Bildung aus dem Kulturetat zusammen, kommt man für das Jahr 2012 auf ca. 30 Millionen Euro. Inbegriffen sind die beiden spartenübergreifenden Großprogramme – der Kulturrucksack und das Landesprogramm Kultur und Schule –, aber auch die Förderungen in den Kunstsparten und unterschiedlichen Handlungsfeldern der Landeskulturpolitik. Um nur einige zu nennen: die Kinderund Jugendtheater, die Musikschulen, die kulturelle Filmbildung, die interkulturelle Kulturpolitik, die Projekte der Regionalen Kulturpolitik etc. Dazu werden mit allen landesseitig getragenen oder dauerhaft geförderten Einrichtungen Vereinbarungen abgeschlossen, um die kulturelle Bildungsarbeit zu stärken, zum Beispiel mit der Kunstsammlung NRW oder den Landestheatern. Das geplante Kulturfördergesetz des Landes soll die Bedeutung der kulturellen Bildung unterstreichen. Es stellt sie gleichberechtigt neben die Förderung der Künste und den Erhalt des kulturellen Erbes. Im Kulturfördergesetz soll die Wahrnehmung der kulturellen Bildungsaufgaben für unsere landeseigenen – oder für die institutionell geförderten – Kultureinrichtungen zur Pflicht werden bzw. zur Fördervoraussetzung. Dies wird dazu beitragen, das Angebot für Kinder und Jugendliche weiter zu stärken. Darüber hinaus freue ich mich, dass es im Einvernehmen mit allen beteiligten Ressorts der Landesregierung sowie den Kommunalen Spitzenverbänden gelungen ist, das Landesprogramm „Kultur und Schule“ ab 2014/2015 besser auszustatten. Wir werden ca. 300.000 Euro bereitstellen, um die Honorare der beteiligten Künstlerinnen und Künstler zu erhöhen. „Auf dem Weg zum Jugendkulturland“ gibt es noch einiges zu tun. Ich will abschließend drei Punkte nennen, die aus meiner Sicht besonders wichtig sind.

Erstens:
Wir müssen unsere Zielgruppe noch besser abholen. Wir müssen mit unseren Angeboten und Aktivitäten noch stärker dorthin gehen, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten, und damit beginnen, Beziehungen aufzubauen. Das gilt aus meiner Sicht zumindest für die, die sich für Angebote der kulturellen Bildung sonst kaum ansprechen lassen. Schule spielt dabei eine wichtige Rolle. Vor allem aus dem Auf- und Ausbau des Ganztags heraus haben sich hier mit den Partnern aus Schule, Jugend und Kultur entsprechende Vernetzungen entwickelt. Wir wissen aber auch (zum Beispiel aus dem 2. Jugendkulturbarometer, dass Sie, Frau Dr. Keuchel, erstellt haben), dass die Möglichkeiten der Schule begrenzt sind. Darum müssen wir aus meiner Sicht vielfältige Wege gehen, um Kinder und Jugendliche mit kultureller Bildung zu erreichen. Es bleibt für die Schule, aber auch in unseren – von Freiwilligkeit geprägten – außerschulischen Angeboten eine große Herausforderung, diese Kinder und Jugendlichen besser anzusprechen. Damit steht in engem Zusammenhang: Die Kinder und Jugendlichen sollten weitestgehend partizipieren und gestalten können. Denn wenn Kinder und Jugendliche sich selbst bilden – und davon sollten wir ja ausgehen –, dann gehört dazu, dass wir Bildung auch offen arrangieren – zweckfrei, selbstorganisiert und unbeaufsichtigt.

Zweitens:
Wir wollen Kindern und Jugendlichen etwas zutrauen – und manchmal vielleicht auch zumuten, das heißt, sich mit den Herausforderungen der Künste auseinanderzusetzen. Kulturelle Bildung, die auf Kunst verzichtet, bleibt unter ihren Möglichkeiten. Sich auf Kunst einzulassen, ist eine Anregung, eine Bereicherung, aber auch ein Risiko: Ein Projekt kann und darf scheitern. Unterschiedliche Vorstellungen können in Konflikt geraten. Es kann auch nicht jeder alles gleich gut. Auch die Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern an Projekten der kulturellen Bildung ist für uns ein Qualitätskriterium. Wenn kulturelle Bildungsprojekte im Medium der Künste stattfinden, sind professionelle Künstlerinnen und Künstler unverzichtbar. der außerschulischen kulturellen Jugendbildung müssen wir mehr tun. In meinem Haus wird darum zurzeit geprüft, ob und wie sich eine Qualifizierungsinitiative für die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit umsetzen lässt – mit Blick auf die offenen Einrichtungen und die Verbandsarbeit, die im ländlichen Raum eine wichtige Rolle spielt. Damit wollen wir auch in diese Richtung einen Impuls setzen. Darüber hinaus ist es im ländlichen Raum wichtig, dass dort Kultur-, Jugendund Bildungsbereich enger miteinander kooperieren. Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland wollen wir die kulturelle Bildung und die kulturelle Jugendarbeit noch stärker miteinander verschränken. Wir brauchen vor Ort starke Netzwerke von Jugend, Kultur und Bildung, um das Jugendkulturland weiterzubringen. Wie kann das gelingen? Und wie können wir auch die Prinzipien der Freiwilligkeit und Mitbestimmung, die zum Kern der Jugendpolitik gehören, mit der Kunstfreiheit und den kulturellen und subkulturellen Ausdrucksformen der Jugendlichen zusammendenken? Das sind die zentralen Fragen, mit denen wir uns heute beschäftigen werden. Ich danke Ihnen allen sehr herzlich für Ihr Engagement für die kulturelle Bildung – und freue mich jetzt auf die Vorträge und bin gespannt auf die Ergebnisse der Foren. Vielen Dank!

Drittens:
Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland darf uns der ländliche Raum nicht verloren gehen. Es leben dort weniger Kinder und Jugendliche. Es gibt auch weniger Künstlerinnen und Künstler und Kultur- und Jugendeinrichtungen. Die Mobilität ist eine Herausforderung. Das Landesprogramm Kultur und Schule, genauso wie die Einführung des Ganztags, haben für kulturelle Angebote im ländlichen Raum schon viel verbessert. Auch die Regionale Kulturpolitik, die Landestheater und -orchester, das Kultursekretariat Gütersloh sind hier zu nennen. Aber für die Möglichkeiten

© LKJ NRW, Foto: Dirk Vogel

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Außerschulische kulturelle Bildung gesetzlich absichern! Impulse

Klaus Hebborn

© Rheinisches Landestheater Neuss Produktion: „Ente, Tod und Tulpe“ ab 4 Jahren von Nora Viktoria Dirisamer / Regie: Konstanze Kappenstein; auf dem Foto v. l.: Shari Asha Crosson (Ente) und Linda Riebau (Tod), Foto: Björn Hickmann/Stage Picture

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»Kulturelle Bildung und kommunale Bildungslandschaft«   Klaus Hebborn, Städtetag NRW
Bildung ist – ebenso wie der Mensch selbst – nicht teilbar, etwa in allgemeine, berufliche oder kulturelle Bildung. Bildungsprozesse umfassen neben der kognitiven immer auch die soziale und emotionale Dimension. Die im Zusammenhang mit Zukunftsszenarien in der Bildung häufig verwendeten Begrifflichkeiten wie „Wissensgesellschaft“ oder „Informationsgesellschaft“ greifen in diesem Sinne zu kurz und reduzieren Bildung auf einen kognitiven Teilaspekt.

Erste Konsequenz: Nachhaltigkeit
Aus Sicht der Städte ist deshalb zunächst eine Verstetigung der staatlichen Förderung in der kulturellen Bildung dringend geboten, um den genannten bildungspolitischen und partizipativen Zielen gerecht zu werden - und: um deren bildungspolitischen Stellenwert zu erhöhen (vom „nice to have“ zum „must have“). Ein wirksames Instrument hierfür könnten Ländergesetze zur Förderung der (außerschulischen) kulturellen Bildung darstellen, in denen einerseits die Förderung der in den Kommunen bestehenden Einrichtungen wie Musikschulen, Bibliotheken oder andere Bildungseinrichtungen, andererseits Länderprogramme zur kulturellen Bildung nachhaltig und verlässlich geregelt werden. Entsprechende ländergesetzliche Regelungen zur kulturellen Bildung gibt es nur wenige. Diese beschränken sich zumeist nur auf einzelne Einrichtungen oder Sparten wie das Musikschulgesetz in Brandenburg oder das Hessische Bibliotheksgesetz. In NRW befindet sich seit Längerem ein Gesetz zur Förderung und Entwicklung der Kultur, der Kunst und der kulturellen Bildung – kurz: Kulturfördergesetz – in Vorbereitung. Es ist zu hoffen, dass dieses Gesetz bald auf den Weg gebracht wird und einen wirksamen Beitrag zur Verstetigung und zur Abstimmung in der kulturellen Bildung leisten wird. NRW würde damit seine Vorreiterstellung im Bereich der kulturellen Bildung weiter stärken.

Situation und Befunde
Die kulturelle Bildung ist seit jeher integraler Bestandteil einer auf die Gesamtpersönlichkeit ausgerichteten Bildung. Die positiven Wirkungen kultureller Bildung sind durch vielfältige Studien und Forschungen hinreichend belegt und bekannt und brauchen an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden. Bildungstheoretisch ist somit alles klar, Praxisund Lebenswirklichkeit indes sehen bekanntlich anders aus: An den Schulen werden die musisch-künstlerischen Fächer häufig nicht durchgängig während der gesamten Schullaufbahn unterrichtet. Auch die Ausfallquoten des Musik- und Kunstunterrichtes sind in der Regel noch immer überdurchschnittlich hoch. Dies liegt nicht nur im unzweifelhaft bestehenden Fachlehrermangel, sondern vielfach auch in einer nicht hinreichenden Wertschätzung dieser Fächer begründet. Ein weiterer Befund kommt hinzu: Ebenso wie für die Bildung insgesamt gilt auch für die kulturelle Bildung, dass Zugang und Teilhabe vielfach stark von der Herkunft bzw. dem sozialen Status abhängig sind. Während das Erlernen eines Instrumentes oder Theaterbesuche bzw. zumindest deren Zugang für Kinder aus der Mittel- und Oberschicht eine Selbstverständlichkeit darstellen, sind kulturelle Bildungsangebote für Kinder aus den unteren Schichten sehr viel schwerer zugänglich. Alle Maßnahmen zu inhaltlichen Reformen in der Bildung müssen daher auch den Partizipationsaspekt berücksichtigen und immer im Blick haben. „Kulturrucksack“ sind wichtige und nachhaltige Programme zur Förderung der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen. In den Kommunen gehören kulturpädagogische Angebote der etablierten kommunalen Kulturinstitutionen wie der Theater oder der Museen seit Langem zur Regel. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl außerschulischer Institutionen und Akteure der kulturellen Bildung in vielen Städten und Gemeinden des Landes. Seit Neuestem engagiert sich der Bund (BMBF) mit dem Programm „Kultur macht stark“, das mit einem ansehnlichen Finanzvolumen von 230 Millionen Euro ausgestattet worden ist. Auch die Bundeskulturstiftung hat in den vergangenen Jahren immer wieder kulturpädagogische Initiativen auf den Weg gebracht, aktuell zum Beispiel das Programm „Kulturagenten“, das in fünf Bundesländern, in NRW in Partnerschaft mit der Stiftung Mercator, umgesetzt wird. Gerade das BMBF-Programm „Kultur macht stark“ macht deutlich, dass das Hauptproblem der kulturellen Bildung ausnahmsweise nicht die unzureichende Finanzausstattung der Programme ist. Aus kommunaler Sicht sind bei aller Würdigung der Programme vor allem zwei Probleme zu konstatieren. Zum einen mangelt es an der notwendigen Abstimmung der Programme – in der internationalen Diskussion wird hierfür der Begriff Kohärenz verwendet. Mangelnde Kohärenz führt zu Unübersichtlichkeit und teilweise Doppelförderungen. Beim Bundesprogramm „Kultur macht stark“ kommt hinzu, dass dem Bund aufgrund des bestehenden Kooperationsverbotes im Grundgesetz eine Abstimmung mit Ländern und Kommunen nicht oder nicht hinreichend möglich war. Zum anderen fehlt den Programmen häufig die notwendige Nachhaltigkeit. Vielfach wird Gutes angestoßen, aber wenig Dauerhaftes hervorgebracht. Aus dieser Analyse sind vor allem zwei Konsequenzen zu ziehen.

Auf dieser Grundlage haben das Land NRW und inzwischen 50 der 53 kreisfreien Städte und Kreise seit dem Jahr 2008 Kooperationsverträge abgeschlossen. Mit diesen wurden regionale Bildungsnetzwerke auf Ebene der kreisfreien Städte und Kreise geschaffen, die einen institutionellen übergreifenden staatlichen-kommunalen Kooperationsrahmen zur Ausgestaltung der Bildungslandschaft in der Region bilden. Zentraler Ansatz der Bildungsnetzwerke – der Begriff ist inhaltlich weitgehend deckungsgleich mit dem der Bildungslandschaft – ist es, auf der kommunalen Ebene ein Gesamtsystem von Erziehung, Bildung und Betreuung zu schaffen. Die regionalen Bildungsnetzwerke zeichnen sich vor allem durch drei Strukturelemente aus: Erstens werden Kooperation und Vernetzung der Akteure und Institutionen der unterschiedlichen Bildungsbereiche gefördert und umgesetzt. Zweitens wird eine regelmäßige Bildungsberichterstattung (Bildungsmonitoring) als Datenbasis und Steuerungsgrundlage für politische Entscheidungen etabliert. Drittens werden die erforderlichen administrativen Strukturen wie eine Bildungskonferenz und Bildungsbüros zur Steuerung der operativen Arbeit (Geschäftsführung) geschaffen. Eine Mindestausstattung der Bildungsbüros mit Personal wird von beiden Partnern auf Dauer finanziert. In den Kooperationsverträgen ist eine Evaluation der regionalen Bildungsnetzwerke nach fünf Jahren vorgesehen. Diese Evaluation steht für den Zeitraum von 2013 bis 2015 schrittweise an, Ergebnisse einer ersten Evaluation von 18 Bildungsnetzwerken durch Prof. Hans-Günter Rolff (ehem. IFS Uni Dortmund) liegen bereits vor. Die Evaluation zeigt, dass die regionalen Bildungsnetzwerke gute Arbeit leisten und viele Fortschritte bei der Kooperation und Vernetzung in den vergangenen Jahren erreicht worden sind. Die Partnerschaft von Land und Kommunen auf der Basis der geschlossenen Vereinbarungen sichert die Kontinuität und Nachhaltigkeit der Zusammenarbeit. Die Evaluation hat aber auch auf einige Defizite bzw. Entwicklungsbedarfe hingewiesen. Zum einen ist häufig noch immer eine starke „Schullastigkeit“ der Bildungsnetzwerke festzustellen. Verschiedene Bereiche der Bildung sind nicht hinreichend repräsentiert. Dies gilt vor allem für die Jugendhilfe, die sich vielfach nicht hinreichend einbezogen fühlt, aber auch für die Weiterbildung und die kulturelle Bildung. Zum anderen ist die Etablierung der regionalen Bildungsnetzwerke in den kreisfreien Städten weiter fortgeschritten als im kreisangehörigen Bereich. Konzepte für die Zusammenarbeit der Landkreise mit einer zum Teil erheblichen Zahl kreisangehöriger Gemeinden sind vielfach noch zu entwickeln. Schließlich erweist sich auch die Einbindung der lokalen Politik vor Ort als wichtig, um zu verhindern, dass die Arbeit der Bildungsnetzwerke weitgehend als „Eigenleben“ ohne Einfluss bzw. Kontrolle der durch Wahlen legitimierten Kommunalpolitik empfunden wird.

Zweite Konsequenz: Kulturelle Bildung in der kommunalen Bildungslandschaft
Ein wichtiger Schritt im Hinblick auf einen ganzheitlichen Bildungsansatz und mehr Abstimmung ist die Entwicklung kultureller Gesamtkonzepte und deren Einbeziehung in Konzepte der kommunalen Bildungslandschaft. Der Begriff der kommunalen Bildungslandschaft ist maßgeblich geprägt und propagiert worden durch die „Aachener Erklärung“ des Deutschen Städtetages aus dem Jahre 2007. Wir beanspruchen nicht die Urheberschaft des Begriffes. Diese liegt indes bei der Kommission „Zukunft der Bildung – Bildung der Zukunft“ von Johannes Rau, die 1996 für eine stärkere Verantwortung der Kommunen in den Bereichen Schulen und Bildung insgesamt plädiert hat. Seitdem, vor allem aber seit den Ergebnissen der ersten PISA-Studie nach der Jahrtausendwende, haben viele (noch nicht alle!) Städte und Gemeinden einen Paradigmenwechsel vollzogen. Sie haben ihre bis dahin vor allem auf die Bereitstellung der Infrastruktur für Bildung beschränkte Rolle in eine aktive, Bildung und Partizipation auch qualitativ fördernde Verantwortung weiterentwickelt. Bildung wird zunehmend zur Zukunftsstrategie und zu einem aktiven Instrument kommunaler Entwicklung.

Viele Programme – wenig Kohärenz
Kulturelle Bildung hat Konjunktur. Programme und Initiativen zur Förderung kultureller Bildung gibt es in großer Zahl auf den verschiedensten Ebenen, zumeist verantwortet von den Ländern wie auch von Kommunen. Nordrhein-Westfalen nimmt dabei eine führende Stellung mit seinen Programmen ein. „Kultur und Schule“, „Jedem Kind ein Instrument“ mit seinen verschiedenen kommunalen Ausprägungen oder der

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Die kulturelle Bildung gehört ohne Zweifel in die Konzepte der regionalen Bildungsnetzwerke. Dies gilt zum einen für den schulischen Bereich, insbesondere für ihre Verankerung im Ganztag. Zum anderen ist die außerschulische kulturelle Bildung mit ihren Institutionen und Akteuren, seien sie nun kommunal oder in anderen Trägerschaften organisiert, in die regionalen Bildungsnetzwerke einzubeziehen. Bildung ist weit mehr als Schule. Sie findet informell in vielen unterschiedlichen Kontexten, Einrichtungen und Strukturen statt. Kulturelle Prägungen, Interessen und Partizipation müssen daher auch außerschulisch gefördert und weiterentwickelt werden. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche Bildung auch außerhalb des schulischen Kontextes erfahren und erleben, mit anderen Herangehensweisen und anderen Zugängen. Hierfür eignet sich in besonderer Weise die kulturelle Bildung. Kulturelle Partizipation muss daher auch außerschulisch gefördert und weiterentwickelt werden. Konkret bedeutet dies, die kulturelle Bildung entsprechend der staatlichkommunalen Partnerschaft in den regionalen Bildungsnetzwerken zu verankern und zwar gleichberechtigt in den Bildungskonferenzen, in Lenkungsgremien und Ausschüssen. Die Zusammenarbeit sollte allerdings auf der Basis von Eigenständigkeit, Freiwilligkeit und Selbstbestimmung erfolgen. Es darf keine Dominanz staatlicher Ebenen, auch nicht der Kommunen, geben. Die Rolle der Kommunen in diesem Kontext ist vor allem die Sicherung der Arbeitsfähigkeit der Bildungsnetzwerke durch die Bildungsbüros, die Moderation unter den Beteiligten sowie die Verbindung in die lokale Politik.

Fazit
Die kulturelle Bildung gehört unverzichtbar zu einem ganzheitlichen Bildungsverständnis. Entsprechend ist die kulturelle Bildung mit ihren kommunalen Institutionen wie auch mit den nicht öffentlichen Trägern und Einrichtungen in die regionalen Bildungsnetzwerke einzubeziehen. Die Zusammenarbeit in den Bildungsnetzwerken verlangt von allen Beteiligten die Bereitschaft zur Abstimmung und Kooperation, sie bietet andererseits auch vielfältige Chancen: mehr Partizipation, weniger soziale Segregation, qualitative Weiterentwicklung und nicht zuletzt besseren Einsatz der knappen Ressourcen. Darüber hinaus trägt die Zusammenarbeit in den Bildungsnetzwerken dazu bei, auch in schwierigen finanziellen Zeiten Nachhaltigkeit und politischen Stellenwert zu sichern. Ein letzter Aspekt: Getreu dem afrikanischen Sprichwort, dass es für die Erziehung eines Kindes eines ganzen Dorfes bedarf, kann gute und mehr Chancengerechtigkeit sichernde Bildung nur gemeinsam gelingen. Land, Kommunen, Verbände und weitere zivilgesellschaftliche Akteure müssen daher – trotz unterschiedlicher Herangehensweisen, Verfasstheit und trotz mancher Befindlichkeiten – zusammenarbeiten. Wo bestehen bessere Chancen, dass dies gelingen kann, als in den Städten und Gemeinden vor Ort.
Vortrag auf der Tagung „Auf dem Weg zum Kinder – und Jugendkulturland“ des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW am 12.03.2014 in der Akademie Remscheid

»Kulturelle Bildung – Warum? Und wie? 	 Begründungen und Qualitäten« 	 Prof. Dr. Johannes Bilstein, Kunstakademie Düsseldorf
Zwei Fragen will ich heute ansprechen, die mir in Bezug auf Kulturelle Bildung augenblicklich als wichtig erscheinen: die Frage nach der Legitimation und die Frage nach der Qualität. dieser Sicht darin, dass das allen Künsten Gemeinsame in den Blick gerät: das Hinterfragen, das Ausprobieren, das Herantasten an neue Lösungen. Die Qualifikationen, die hier erworben werden, lassen sich nur schwer quantifiziert messen, sind aber für die Einzelnen mit einem deutlichen Gewinn an Lebensmöglichkeiten verbunden. Große Teile der anglo-amerikanischen Transferforschung verfolgen genau diese These. 2. Kompensation Aber es geht nicht nur ums Lernen, es geht auch um Gerechtigkeit. Viele Kinder in unserer Gesellschaft haben durch ihre Herkunft nur sehr reduzierte Möglichkeiten der Teilhabe am kulturellen Reichtum. Die Zugänge zu Literatur, zu Bild-Kunst-Werken oder zu ernsthaft gemeinter Musik sind ihnen versperrt. Dass dies so bleibt, dass es also großen Teilen der nachwachsenden Generation verwehrt ist, an der Fülle unserer Kultur Anteil zu nehmen, können wir nicht wollen. Aus Gründen der Gerechtigkeit, aber auch um des sozialen Friedens willen müssen wir dafür sorgen, dass der Zugang zu dem symbolischen und kulturellen Reichtum einigermaßen offen bleibt. Gerade Kinder also, die nicht wissen, wie ein Theater von innen aussieht, die nicht selbstverständlich in einer Welt des Lesens und der Bücher aufwachsen, brauchen Kulturelle Bildung. Nun ist ja die Schule diejenige Pflicht-Institution, die tendenziell alle erreicht, die „bürgerlichen“ Kinder und die „bildungsfernen“, die deutschsprachigen und diejenigen aus Migrantenfamilien. Deshalb macht es besonderen Sinn, hier, bei der universellen Institution Schule, anzusetzen. Darüber hinaus aber gilt dieses kompensatorische Argument auch für alle anderen Projekte Kultureller Bildung. Sie können dazu beitragen, Teilhabedefizite auszugleichen.

I. Warum soll man das machen?
Alle Projekte und Programme kultureller Bildung haben sich im Rahmen teilweise heftiger Ressourcen-Konkurrenzen zu behaupten. Zeit und Geld sind begrenzt, und so muss man begründen, warum man die Zeit der Kinder und Jugendlichen, die öffentlichen Gelder für Malkurse, Medienwerkstätten, Tanzworkshops etc. einsetzt. In der intensiven, international geführten Diskussion lassen sich meines Erachtens vier Hauptlinien erkennen. 1.Qualifikation Wer sich mit Kunst und Kultur auseinandersetzt, erwirbt Fähigkeiten und Fertigkeiten, die im Bereich curricular standardisierten Lernens nicht ohne Weiteres vermittelt werden können: sich auf Neues einzulassen, gewohnte Wahrnehmungen und Handlungszusammenhänge in Frage zu stellen, sich selbst und die Welt jenseits etablierter und schablonierter Bewältigungsmuster zu erleben und zu gestalten. Insbesondere die anglo-amerikanische Diskussion (Paul Collard) verweist immer wieder darauf, dass genau diese Fähigkeiten in sich modernisierenden Kulturen immer wichtiger werden. Wir müssen den kommenden Generationen die Fähigkeit vermitteln, sich selbst Neues auszudenken und mit allem, was ihnen begegnet, innovativ und kreativ umzugehen. Dazu bieten die Künste ein unüberbietbar wirkungsvolles Trainingsfeld. Der Gewinn Kultureller Bildung besteht aus

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3. Reproduktion Aber es geht nicht nur um Lernen und Gerechtigkeit, es geht auch um die Weiterentwicklung, um die Reproduktion unserer Kultur. Gerade die etablierten Kulturinstitutionen, die Theater, die Orchester, die Tanzhäuser, müssen sich heftig um den Publikumsnachwuchs kümmern. Wenn wir also wirklich wollen, dass unsere Kultur weiter besteht und sich weiter entwickelt, dann brauchen die Kinder und Jugendlichen Berührungsmöglichkeiten mit dieser Kultur. Dieses reproduktive Argument mag nicht immer im Vordergrund der Begründungen stehen, spielt aber insbesondere bei der Legitimation und Motivation von Kooperationsprojekten eine wichtige, wenn nicht zentrale Rolle. Für die Kulturinstitutionen ist Kulturelle Bildung im ureigenen Interesse. 4. Sinnstiftung Aber es geht nicht nur um Lernen und Gerechtigkeit und Weitergabe, nicht nur um Qualifikation, Kompensation und Reproduktion, sondern auch und schlicht um Freude und Sinn. Viele Evaluationsberichte weisen darauf hin, dass die Kinder und Jugendlichen in Projekten der Kulturellen Bildung Erfolgs- und Anerkennungserfahrungen machen, die ihnen sonst verwehrt bleiben, dass die Arbeit an der eigenen Wahrnehmung und Gestaltung ihnen Paradigmen sinnerfüllten Tätigseins vermittelt. Sie mühen sich, strengen sich an, überwinden Rückschläge und erreichen schließlich ein Produkt, das sie selber wertschätzen und das von außen, von den Lehrern, Betreuern, Eltern, der Schulöffentlichkeit Anerkennung erfährt. Viele Kinder lernen auf diese Weise erstmals die Freude und den Sinn kennen, etwas zu machen, zu gestalten, zu erarbeiten. Bei Horaz hieß das „erfreuen und nützen“, „delectare et prodesse“, und genau diese Mischung kann auch in Projekten der Kulturellen Bildung als geradezu prototypisch sinnstiftend erlebt werden.

II. Wie es gut wird
Die Diskussion zur Qualität Kultureller Bildung hat sich in den vergangenen Jahren in der Folge von PISA deutlich intensiviert. Im Bestreben, Unterricht und Schule zu verbessern, entstand eine Vielzahl von Qualitätskatalogen, die organisatorische, pädagogische und inhaltliche Mindeststandards zu benennen versuchten. Die Frage ist: Kann man, soll man die dort entwickelten Kriterien auf das Gebiet der ästhetischen Bildung, der kulturellen Bildung übertragen? Ansätze zu Reflexionen auf Qualität gibt es auch hier durchaus, vor allem im Kontext von Evaluationsprojekten, im weiteren Umfeld der fachdidaktischen Diskussionen und von Seiten der Träger Kultureller Bildung. Hinweisen will ich als ein Beispiel auf den „Qualitäts-Baukasten“ den die DKJS 2009 vorgelegt hat. Woher aber will man im Bereich der Kulturellen Bildung die Kriterien für Qualität gewinnen? Selbstverständlich sind die ja gar nicht. Man kann Qualitätskriterien politisch begründen oder pädagogisch, organisationssoziologisch oder lernpsychologisch etc. Aber Kulturelle Bildung hat einen ganz eigenen Referenzrahmen für die Entscheidung darüber, was man als „gelungene“ oder doch wenigstens „gelingende“ Bildung betrachten kann, und das sind die Künste. Sie liefern ein eigenes Bezugsfeld, das in sich höchst polyvalent ist und durchaus eigenen Logiken folgt. Ich will also im Folgenden einen – vorläufigen – Katalog von Kriterien für die Qualität kultureller Bildung vorschlagen, der sich aus dem Bezug auf die Künste ergibt. 1. Leiblichkeit Der Begriff der Ästhetik, der ja im Bereich der kulturellen Bildung eine zentrale Rolle spielt, geht auf das griechische Wort „Aisthesis“ zurück. Und das meint schlicht Wahrnehmung. Es geht ums Sehen, Hören, Riechen etc. Dabei ist die Bewertung nicht eindeutig. Von Platon aus zieht sich eine lange Tradition der Skepsis gegenüber aller Sinnlichkeit, überhaupt aller Körperlichkeit durch unsere christlich geprägte Mentalitätsgeschichte. Wahrnehmung führt uns zu Irrtümern und Illusionen, sie täuscht uns, produziert nichts als Trugbilder, Idole, „eidola“. Und die muss man zerschlagen, zerstören. Und der Körper, das ist in dieser Tradition nichts anderes als das Gefängnis der Seele, das ihr die Freiheit raubt und sie an der Entfaltung hindert. Es gab Gegenpositionen dazu, zum Beispiel in der Stoa, auf jeden Fall aber spielt auch in unserem späteren Begriff der Ästhetik die sinnlich-leibliche Wahrnehmung immer noch eine Rolle. Wenn wir also von kultureller Bildung sprechen, dann ist da der Bezug auf den Leib und seine Erfahrungsund Handlungsmöglichkeiten immer mitgedacht.

2. Kontingenz Die Geschichte der Künste und der Künstler ist von Anfang an eng mit theologischen Imaginationen verbunden. Die Künstler sind Quasi- oder Zweit-Götter, in den Künstlern wirken die Götter. Zugleich werden auch die Götter oder, im Christentum, der eine Gott immer wieder als Künstler begriffen, als Schmied, als Bildhauer, als Architekt. Das entscheidende Merkmal all dieser Götter-Künstler und Künstler-Götter ist ihre Willkür: Sie können alles, bei ihnen ist jederzeit alles möglich. Und so verkörpern sie diese Erfahrung der Kontingenz, die unvermeidlich zum Menschenleben gehört, dass jederzeit alles möglich ist. Auch in weltlich-aufgeklärten Zeiten brauchen wir symbolische Repräsentanten dieser Grunderfahrung der Kontingenz: Instanzen, an denen wir uns vor Augen führen können und anhand derer wir diskutieren können, dass das Leben nicht sicher ist, dass es nicht ausrechenbar ist, dass jederzeit alles möglich ist: Glück und Leid, Erfolg und Desaster. Und da bieten sich die Künste an. Wenn ein Künstler das will, kann ein Baum auch blau sein, kann ein Mensch vier Beine haben, können Elefanten fliegen. Und so macht die Imagination der unbeschränkten Möglichkeiten denn auch einen zentralen Reiz kulturellen Handelns, auch kultureller Bildung aus: dass Imaginarien entstehen, die keiner Beschränkung unterliegen. Hierin begründet sich das fundamentale Pathos der Befreiung, das – spätestens seit Schiller – mit dem ästhetischen Handeln verbunden ist. Kulturelle Bildung, die ihre Bezeichnung verdient, kann man auch daran messen, ob ihr dieser Befreiungsakt gelingt - vom Material, von den eigenen Konventionen, von den Erwartungen der anderen –, also daran, ob sie Kontingenz repräsentiert und ermöglicht. 3. Wahl/Entscheidung (cultura) Unser Kulturbegriff – das ist bekannt – geht zurück auf Ciceros Gärtner-Gleichnis. Die Pflege der Seele, die cultura animi, ist vergleichbar dem Handeln des Gärtners. Der muss die jungen Pflanzen begießen und stützen, er muss sie klug aussäen und sinnvoll verpflanzen. Vor allem aber muss der kluge Ackersmann wählen, entscheiden und selektieren. Unserem Kultur-Begriff wohnt so von Anfang an die Imagination des Entscheidens, der Wahl und des Ausschlusses inne. Für kulturelle Bildung heißt das: Selbst auf der Grundlage eines weiten Kulturbegriffes geht es immer auch um Prozesse des Ausschlusses und Verwerfens. Das kann geradezu trainiert werden in diesem Bereich, dass man viele Bilder malt und dann entscheidet, welches das bessere ist, dass man nicht allen Lärm in sich hereinlässt, der einem entge-

gendröhnt, sondern bewusst und auswählend hört, dass man eine kritisch-distanzierte, wählend-entscheidende, eben kultivierte Haltung gegenüber den eigenen Produktionen erwirbt. Und die Qualität kultureller Bildung wird sich auch darüber definieren, ob sie diese Wahl- und Entscheidungsprozesse befördert und eintrainiert. 4. Prozess-Sensibilität In der Kunst geht es zunächst und vor allem um das Ergebnis, das Werk. Die Größe der Künstler ergibt sich aus der Größe, der Qualität ihrer Werke, ihrer Statuen, ihrer Bilder etc. Das ist so seit der Antike. Mit dem Genialismus jedoch, der in Europa seit dem 17. Jahrhundert entsteht, beginnt sich diese Aufmerksamkeit zu verschieben. Gerade weil der genialische Schöpfer so sehr in den Mittelpunkt rückt, geraten mit der Zeit auch die Schöpfungsprozesse selbst immer mehr in den Blick. Das Wirken des Genius wird als Prozess interessant. Schließlich rückt diese Aufmerksamkeit auf den Prozess immer mehr in den Vordergrund bis hin zu Konzeptionen vom „Work in Progress“, zu Habitualisierungen radikaler Bescheidenheit, bei denen der Künstler völlig hinter einem Werk verschwindet, das seinerseits sich als Prozess definiert. Auch dies also kann man als Lehre aus den Künsten ziehen: dass es auf den Prozess ankommt, dass wir uns nicht nur mit dem fertigen Produkt, sondern vor allem mit dem Werden dieses Produktes auseinanderzusetzen haben. Bei der Kunst geht es ums Werden, nicht ums Sein. Daraus lässt sich eine wichtige Qualitätsforderung an Kulturelle Bildung ableiten: Gegen die fetischistische Fixierung aufs Produkt, gegen die blinde Bindung ans Sein übt sie Sensibilität für Prozesse ein, bietet sie ein Trainingsfeld für Aufmerksamkeiten aufs Werden: aufs Werden des Klanges, auf den Prozess des Malens, auf die Entwicklungswege einer Plastik. 5. Übersummation/Ganzheit Zu den Besonderheiten eines Kunstwerkes gehört, dass alles dazugehört. Man kann die Mona Lisa nicht verstehen, wenn man davon ausgeht, dass es auf die Ecke oben rechts nicht so ankommt. Vielmehr stehen die Kunstwerke gerade für eine Erfahrung der Ganzheit und Übersummation. Sie sind mehr als die Summe ihrer Teile. Im Alltag erleben wir das ständig. Wir wissen, dass es „irgendwie“ auf die Atmosphäre ankommt, wenn wir einen Eindruck von einem Gebäude, einer Institution oder einem Menschen gewinnen; und wir meinen damit, dass da unendlich viele, letztlich alle Faktoren zusammenspielen, auch wenn wir die im Einzelnen nicht erkennen können.

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In den Kunstwerken verdichtet sich diese Erfahrung. Sie wirken übersummativ, sind immer und grundsätzlich mehr als die Summe ihrer Teile. Wenn ich also ein Kunstwerk betrachte, dann kann ich mich auf alle möglichen Einzelheiten konzentrieren, auch auf die Ecke oben rechts – aber letztlich wird sich die Qualität dieses Kunstwerkes übersummativ ergeben und erschließen, als Überschuss über der Summe seiner Teile. Daraus ergibt sich für kulturelle Bildung, dass sie eine Art Übungsfeld bereitstellen kann, auf dem sich die Sensibilitäten für Ganzheiten und Atmosphären herausbilden. 6. Begeisterung/Appreciation Die Künste – so wird es lange tradiert – sind enthusiastischer Herkunft. Im künstlerischen Schaffensprozess ist eine nicht-menschliche Kraft am Werke: im göttlichen Wahnsinn der Dichter zum Beispiel oder – später – im Wirken des Genies. Bekanntlich wurde dieser Begriff des Enthusiasmus („en“ drinnen, „Theou“ – Gott) dann in das lateinische „inspiration“ übersetzt. Auch hier ist ein fremder Geist – spiritus – im Spiel, der in die Menschen fährt. Und im Deutschen wurde daraus dann Be-Geisterung. Wichtig ist hier die Unterstellung, dass es um irgendetwas geht, das nicht oder nicht nur menschlich ist, sondern eigenen Gesetzen und eigenen Motivationen folgt. Es geht bei Kunst eben nicht nur um Ausdruck – Expressivität – sondern auch um die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf Anderes einzulassen als die direkten eigenen Bedürfnisse – eben um Begeisterung. 7. Selbst-Gestaltung (Bildung) Ein Kunstwerk wird gemacht, es ist Ergebnis von gestaltendem und formendem Zugriff. Nur als gemachtes kann man es wirklich verstehen. Und so ist das auch, jedenfalls traditionellerweise, mit „Bildung“. „Bildung“ – der Begriff hatte von Beginn an immer einen deutlichen Akzent auf Selbstgestaltung. „Bildung“ meint, dass wir Menschen in der Lage und dazu verdammt sind, uns ständig selber zuzuschauen, in Distanz zu uns zu treten und uns dann selbst unsere Gestalt zu geben. Der deutsche Terminus „Bildung“ will genau diese Paradoxie zu Begriff bringen, dass man Menschen nicht machen kann, und dass wir doch gemacht werden müssen. Für kulturelle Bildung gilt das in zugespitztem Maße. Sie handelt vom Machen und Gestalten und bietet Übungsfelder an für das lebenslange Unternehmen, der Welt, dem Leben, sich selbst Form und Gestalt zu verleihen. Ihre Qualität bemisst sich daran, ob und wie sie diese Paradoxie offen hält: dass wir immer zugleich Werk der Gesellschaft, Werk der Natur und Werk unserer selbst sind (Pestalozzi).

8. Freude Sinnstiftung und Freude wirken nicht nur als Begründung und Legitimation, sondern auch als Qualitätsmerkmal, das sich direkt aus der Diskursgeschichte der Kunst herleiten lässt. Das Motto „erfreuen und nützen“, „delectare et prodesse“ wird schon bei Horaz allen Künsten vorangestellt. Sie sollen für irgendetwas gut sein, dazu aber auch noch Vergnügen bereiten. Horaz diskutiert das ausgiebig und durchaus differenziert, aber das Motiv der schlichten Freude bleibt der Kunst seitdem immer weiter verbunden. Und das ist denn auch tatsächlich eine zentrale Qualität gelingender Kultureller Bildung, dass sie Sinn und Freude vermittelt, dass wir uns nicht nur mit dem unmittelbar Nützlichen, sondern auch mit dem beschäftigen, was uns – jenseits allen Nutzens – beglückt. Auch diese Erfahrung müssen wir den nachfolgenden Generationen weitergeben. Damit aber sind wir im Bereich des Normativen und des Bewertens. Indem wir den Jüngeren unsere eigene Wertschätzung von Kultur vorleben, geben wir ihnen eine Empfehlung ab für das, was wir uns unter einem gelingenden Leben – jenseits von Geldverdienen und sozialer Anerkennung – vorstellen. Die Künste, wie wir sie verstehen, liefern uns Modelle für Sinnstiftung in säkularen Zeiten, Modelle, welche den Diskurs offen halten darüber, wie unser Leben gelingen kann.
Vortrag auf der Tagung „Auf dem Weg zum Kinder – und Jugendkulturland“ des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW am 12.03.2014 in der Akademie Remscheid

© Kulturrucksack NRW Ratingen, Foto: Stadt Ratingen

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19 Impulse

» Partizipation an kultureller Bildung 	 in Schule und Jugendarbeit «  Prof. Dr. Thomas Coelen, Universität Siegen
Kulturelle Kinder- und Jugendbildung ist aus meiner Sicht umso sinnvoller, je einladender die Kulturpädagoginnen und -pädagogen (im weitesten Sinne, von Kunst-/Musiklehrkräften über außerschulische Kulturvermittler bis hin zu Künstlerinnen und Künstlern) die Verbindungswege zwischen schulischen und außerschulischen Lerngelegenheiten aktiv und motivierend gestalten. Wenn die Wege zwischen zum Beispiel einer „Kulturschule“ und diversen außerschulischen Kultureinrichtungen (ob nun eine staatliche Bühne, eine kommunale Musikschule, ein soziokulturelles Stadtteilzentrum in frei-gemeinnütziger Trägerschaft oder eine privatgewerbliche Malwerkstatt) gebahnt werden, wenn also die Kooperation zwischen differenten Lernsettings gelingt, dann wird die so wichtige Verknüpfung zwischen formellen und informellen Lernprozessen bei Kindern und Jugendlichen unterstützt. Falls außerschulische Kulturpädagoginnen und Kulturpädagogen zu einer kulturellen Schulentwicklung beitragen, erscheint mir das bereits vieler Ehren wert. Bildungstheoretisch und -praktisch wird dieses Engagement jedoch meiner Ansicht nach umso sinnvoller, je breiter, zahlreicher und vielfältiger die Wege in die außerschulische Kulturszene verlaufen.

gelnde Durchlässigkeit in den Schulen und kaum geregelte Kooperationen sowie einen unbefriedigenden Einbezug der kulturellen Jugendbildung innerhalb der Kultureinrichtungen selbst gab. Entwicklungspotenzial sichtete unser Evaluationsteam deshalb vor acht Jahren in Bezug auf die Mitbestimmung der Kinder und Jugendlichen, die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Künstlern/Künstlerinnen sowie die Wegbereitung in das normale Kulturprogramm der Häuser. 3. In der aktuellen und für unser Bundesland repräsentativen Panoramastudie „Jugend.Leben NRW 2012“ wurden die 10- bis 18-jährigen Landeskinder unter anderem nach ihren Lieblingsfächern befragt. Im Vergleich zu 2001 – wo dieselbe Befragung unter dem Titel „NRW Kids“ durchgeführt worden war – fällt auf, dass das Fach Kunst, das damals noch auf Platz zwei lag (und vor allem bei Mädchen beliebt war), in den letzten elf Jahren an Beliebtheit verloren hat. Nur noch etwa ein Viertel sieht dieses Fach aktuell als sein Lieblingsfach an, elf Jahre zuvor tat dies noch etwa ein Drittel. Das Fach Musik mögen circa 10 Prozent der Befragten „gar nicht“. Aber in der Freizeit ist ein Musikinstrument bei 9 Prozent das wichtigste Hobby (Tanzen sogar bei 23 Prozent der Mädchen), und Malen/Zeichnen ist bei 9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine Lieblingsbeschäftigung (liegt somit erstaunlicherweise gleichauf mit Computerspielen und SMS schreiben/chatten). Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass außerschulische Kunst und Musik beliebter, vielleicht auch effektvoller ist als kulturelle Bildung in der Schule.

wenn eben möglichst viele Settings Teile eines wahrnehmbaren Ganzen sind. Teilhabe wird ermöglicht oder eingeschränkt je nach örtlicher Erreichbarkeit, legaler und informeller Zugangsberechtigung, zu zahlenden Kosten und persönlicher Bildung. Dabei ist die Besonderheit des letztgenannten Faktors „Bildung“, dass diese gleichermaßen durch Teilhabe an entsprechenden Aktivitäten entsteht, Bildung und Teilhabe also einander Bedingung und Medium zugleich sind. Ähnlich ist Mitbestimmung sowohl eine Voraussetzung, als auch ein Medium sowie ein Ziel jeder zeitgemäßen Pädagogik. Teilhabe und Mitbestimmung – zusammengefasst als Partizipation – sind an den unterschiedlichen Lernorten (insbesondere Schule, Kultureinrichtung, Jugendarbeit) auf verschiedene Weise möglich: Da Schulen alle Kinder und Jugendlichen – qua Schulpflicht – erreichen, kann sich hier durch die Entwicklung eines kulturellen Profils ein selbstverständlicher Umgang mit ästhetischen Ausdrucksformen entwickeln. Hingegen haben (Hoch-)Kultureinrichtungen seltener pädagogische Erfahrung, und einige Jugendlichen finden den Weg ins Theater schwerer als andere. Angebote der Jugendarbeit werden – qua Freiwilligkeit – von besonders Interessierten genutzt, hier können ästhetische Ausdruckformen intensiv erprobt werden. Insbesondere können die kulturpädagogischen Einrichtungen der Jugendarbeit als sozialräumliche Partner sowohl für die Schule als auch für die Kultureinrichtungen das Knowhow für jugendpädagogische Ansätze mitbringen und so als Wegweiser für Kooperationen fungieren. Diesen Grundgedanken macht auch das Qualitätstableau „Kultur macht Schule“ deutlich: Eine Verankerung von kultureller Bildung in Schulen sollte vor dem Hintergrund des subjektorientierten Lernziels „Lebenskunst“ gestaltet werden, und dieses Ziel braucht eine Zusammenwirkung vieler Ebenen. Ebenso macht das Tableau deutlich, dass Kulturschulen in Netzwerkbeziehungen zu zahlreichen Bildungspartnern des regionalen Umfeldes stehen, denn eine einzelne Schule allein kann das „Lernziel Lebenskunst“ nicht vermitteln. Sie braucht langfristige und nachhaltige Kooperationen mit Trägern und Einrichtungen der kulturellen Bildung, mit weiteren Schulen und Kindertagesstätten sowie mit Partnern der Kinder- und Jugendhilfe. So könnten Übergänge und Verbindungswege durch die Künste gestaltet werden. Denn kulturelle Kinder- und Jugendbildung ist umso sinnvoller, je einladender die Kulturpädagoginnen und -pädagogen die Verbindungswege zwischen schulischen und außerschulischen Lerngelegenheiten aktiv und motivierend gestalten.
Vortrag auf der Tagung „Auf dem Weg zum Kinder – und Jugendkulturland“ des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW am 12.03.2014 in der Akademie Remscheid

Genau deshalb ist die Jugendarbeit in differenter Weise als die Schule geeignet, Reflexionsprozesse und Persönlichkeitsveränderungen zu fördern.

Empirie: Kultur in Ganztagsschulen, von „großen Häusern“ und im sonstigen Jugendleben
Diese theoretischen Vorüberlegungen grundieren meine eigenen empirischen Untersuchungen über kulturelle Jugendbildung, wovon ich hier einige Ergebnisse kurz zusammenfasse: 1. In vielen Offenen Ganztaggrundschulen in NRW werden seit nunmehr über zehn Jahren zahlreiche Kulturangebote von außerschulischen Akteuren und Institutionen arrangiert. Diese Angebote reichern die schulische Arbeit in immenser Weise an: Schule wird dadurch sicherlich künstlerischer. Allerdings erbrachte eine von mir 2004 erstellte Evaluation im Auftrag der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung NRW e.V., dass nur wenige Kulturpädagoginnen und -pädagogen die Kunst im schulischen Rahmen als ein Medium sahen, möglichst viele Kinder an die erweiterten Angebote der vielfältigen non-formalen Settings außerhalb des Schule heranzuführen, also an jene Lernorte, aus denen die Kulturpädagoginnen und -pädagogen selbst stammen. Das ist im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses sicherlich zu kurz gegriffen. 2. Die Berliner „Hochkultureinrichtungen“ boten 2006 eine große Vielfalt von kulturellen Angeboten für Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen sowie einzelne Kinder und Jugendliche an. Eine empirische Bestandsaufnahme im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung erbrachte neben einem „Kommentierten Katalog Kunst für Kids“ die Erkenntnisse, dass es ein verbreitetes Bewusstsein über kulturelle Jugendbildung als Querschnittsaufgabe, jedoch eine man-

Theorie: Jugendbildung sowohl in Jugendeinrichtungen als auch in Schulen
Kulturelle Kinder- und Jugendbildung geschieht – wie allseits bekannt – an unzählig vielen Lernorten und in den verschiedensten Kunstsparten. Nicht zuletzt deshalb sollte man den Begriff „Jugendbildung“ als institutionenverbindenden Terminus fassen und nicht allein als Terminus für das Außerschulische. Denn Bildung ist weder zeitlich noch räumlich eingrenzbar; vielmehr geschieht Bildung dann, wenn sich Subjekte in Kommunikations- und Handlungszusammenhänge begeben, die geeignet sind, Veränderungen im Individuum anzuregen und seine Reflexionsfähigkeit zu fördern. Die Schule leistet dabei vorwiegend – aber nicht ausschließlich! – die Vermittlung von kulturellem Wissen und sie fördert die Aneignung von materiell-praktischen Alltagskompetenzen; die außerschulischen Lernorte hingegen schaffen vorwiegend – ebenfalls nicht ausschließlich! – soziale Integration und unterstützen die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere die verbandliche und die Offene Kinder- und Jugendarbeit besitzen spezifische Rahmenbedingungen für die Schaffung von Bildungsmöglichkeiten, nämlich Freiwilligkeit, Bewertungsfreiheit, Interessenorientierung, Geselligkeit, biographische Relevanz, Raumaneignung und vieles andere mehr.

Konzept: Partizipation als Teilhabe und Mitbestimmung
Partizipation wird in politischer Lesart oft synonym mit Teilhabe verwendet, in der Pädagogik überwiegt die Wortbedeutung von Mitbestimmung. Gemeinsamer Kern sowohl der politischen als auch der pädagogischen Verwendungen ist ihre lateinische Wurzel „Teil eines Ganzen“ (zum Beispiel einer Schulklasse, einer Kindergruppe oder Clique, eines Stadtteil etc.) zu sein. Jede/r Einzelne konstituiert ihre/seine Subjektivität im Umgang mit Anderen; auch das Ganze wird erst durch die Aktivitäten der Einzelnen lebendig. Insbesondere ästhetische Praxis bietet hier Möglichkeiten, das Verhältnis von Einzelnen und Ganzem zu gestalten, denn die Künste haben es mit der formenden Wahrnehmung von Dingen und Prozessen zu tun, die öffentlich zugänglich sind und an denen man somit teilhaben kann. Beispielsweise in einer „Kulturschule“ ist diese politisch-pädagogische Dimension der ästhetischen Praxis sichtbar, wenn möglichst viele Akteure und Orte rund um die Schule mitbestimmend in die Gestaltungsprozesse einbezogen werden bzw. die kulturellen Ort auch die Schule als Setting für Ästhetik begreifen,

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Landesprogramme, Landesförderung Klaus Wettbewerbe Außerschulische kulturelle Bildung gesetzlich absichern!und Hebborn im Kinder- und Jugendkulturland NRW

© Stiftung Jedem Kind ein Instrument

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23 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Eine Analyse der kulturellen Infrastruktur bildet vielerorts den Ausgangspunkt für die Kulturrucksack-Bewerbung einer Kommune oder eines kommunalen Verbundes: „Was können wir Kindern und Jugendlichen bieten?“, „Was wünschen sich Kinder und Jugendliche?“ und „Wer kann mit wem zusammenarbeiten?“, sind dabei zentrale Fragen. Die Umsetzung geschieht zum Beispiel in freien oder städtischen Kultureinrichtungen, Kinder- und Jugendbildungseinrichtungen, Jugendzentren oder Künstlerateliers, auch in Zusammenarbeit mit Schulen außerhalb des Unterrichts. Je nach der Situation von Kindern und Jugendlichen sowie von Anbietern vor Ort entwickeln die Kommunen spezifische jugend- oder kulturpolitische Konzepte oder setzen Spartenschwerpunkte. In den Projekten kommen häufig Partner der Bereiche Jugend, Kultur und Bildung zusammen. Alle erdenklichen Orte werden kulturell und künstlerisch erschlossen. Das kann der Stadtteil sein oder Kulturorte wie Museen oder Theater, es kann sich um Jugend- und Soziokulturelle Zentren handeln, große Plätze oder den umliegenden Wald. Auch die Form der Angebote ist beim Kulturrucksack nicht vorgeschrieben. Es gibt einmalige Workshops genauso wie längere Kurse oder Ferien-Camps. Ebenso vielfältig ist ihre Größe – von kleinen Intensivangeboten bis hin zu großen Veranstaltungen für mehrere hundert Teilnehmer, immer abhängig von den jeweiligen Inhalten und Zielgruppen. Vor allem aber sind alle Sparten der Kultur vertreten – Bildende Kunst, Literatur, Film, Musik, Tanz, Theater und Neue Medien.

nen am Kulturrucksack. Mit dabei sind Altenberge, Emsdetten, Horstmar, Laer, Lengerich, Lienen, Metelen, Nordwalde, Ochtrup, Rheine, Saerbeck, Steinfurt und Wettringen. „Connected – der Kreis ist rund“ lädt hier Jugendliche in die Welt der Kunst und Kultur ein – anhand von regelmäßigen außerschulischen Kursen, Workshops und in Verbindung von Kultur- mit Verkehrsangeboten. Bestehende kulturelle Angebote zwischen den Gemeinden werden dabei vernetzt. Die Ideen reichen von einem Poetry Slam in Bus und Bahn, Kulturrucksackreportern, die über Projekte in allen Kommunen berichten, über Lesungen im Zug bis hin zu Mini-Museen in ausgedienten Telefonzellen oder einem „Flashmob(il)“, bei dem Jugendliche mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln zu Treffpunkten fahren, um dort Flashmobs durchzuführen. Es gibt örtliche wie interkommunale Projekte. Und als zentrales kreisweites Projekt präsentieren sich zum Abschluss alle Akteure bei einer gemeinsamen Großveranstaltung.

© Kulturrucksack NRW Minden, Foto: Paul Olfermann

Mit dem Kulturrucksack durch Nordrhein-Westfalen
Kunst und Kultur für alle Kinder und Jugendliche erreichbar zu machen, ist erklärtes Ziel der Kultur- und Jugendpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen. Wie aber kann es gelingen, möglichst viele Kinder und Jugendliche für Kultur zu begeistern? Diese Frage war der Ausgangspunkt für das Landesprogramm „Kulturrucksack NRW“, das 2011 initiiert wurde. Ziel des landesweiten Vorhabens ist es, noch mehr Kindern und Jugendlichen als bisher mit attraktiven kostenlosen bzw. deutlich kostenreduzierten kulturellen Angeboten die Teilhabe an Kunst und Kultur zu ermöglichen. Gemeinsam mit den Kommunen und anderen Kultur- und Bildungsträgern sollen damit die Chancen auf Partizipation am kulturellen Leben verbessert und die aktive Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur gefördert werden. Dabei wandte sich der Kulturrucksack von Anfang an explizit an Kinder und Jugendliche von 10 bis 14 Jahren; eine meist unterrepräsentierte Altersgruppe, obwohl in diesem Alter wichtige Weichen für Bildung und Entwicklung gestellt werden. Um vor allem die lokale und regionale Landschaft der Kultur- und jugendkulturellen Bildungseinrichtungen systematisch für Kinder und jüngere Jugendliche zu öffnen, werden Kommunen im Rahmen des Programms vom Land finanziell dabei unterstützt, gemeinsam mit lokalen Kultur- und Jugendeinrichtungen attraktive und altersgemäße Angebote für diese Zielgruppe zu entwickeln.

Alles ist drin
Zehn- bis Vierzehnjährige für Kunst und Kultur zu gewinnen, ist allerdings nicht ganz einfach. Erfahrungsgemäß fühlen sich gerade Kinder und Jugendliche in diesem Alter den Angeboten ihrer Kindergarten- und Grundschulzeit entwachsen, für Aktionen der Jugendarbeit jedoch zu jung. Nicht nur der Zuschnitt der Aktivitäten, auch die Art der Zielgruppenansprache ist wichtig für eine gute Resonanz. So tourten in der Startphase junge Musikerinnen und Musiker durch Schulen, animierten zum Rap-Experiment und luden anschließend zu Workshops ein. Engagierte Kräfte im freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) organisierten Werbetouren durch Schulen und Innenstädte oder organisierten selbst Projekte, um eigenes Wissen und Können beispielsweise im Bereich Hip-Hop weitergeben zu können. Die persönliche Ansprache, der Experimentiercharakter, die Möglichkeit mitzugestalten und die Attraktivität der Angebote spielten dabei eine entscheidende Rolle. So konnte eine bunte Palette kreativer Angebote entstehen, die allem Raum gibt, was die Kultur für Kinder und Jugendliche in diesem Alter zu bieten hat: Es wurde mit Akryl gemalt und Hip-Hop getanzt, Theaterstücke entwickelt und Trickfilme gedreht, aber auch Kleider gestaltet oder Rap-Songs und Poetry Slam-Texte geschrieben.

Gesamtkonzepte schultern
Die Konzepte der jeweiligen Standorte variieren entsprechend der örtlichen Ausgangsbedingungen. Kommunen wie Düsseldorf, Dortmund oder Köln haben umfangreiche Programme entwickelt. So finden beispielsweise in Köln alle Projekte in elf ausgewählten Sozialraumgebieten statt. Kulturakteure führen hier an Jugendeinrichtungen Kreativangebote durch, wobei als fester Bestandteil mindestens einmal ein professionelles Kulturangebot besucht wird. In Düsseldorf werden 23 Jugendfreizeiteinrichtungen mit kulturellem Schwerpunkt mit künstlerischen Mentoren zusammengebracht. Gemeinsam mit diesen entwickeln die kulturpädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Jugendlichen vor Ort die Kreativangebote, die in ihrer Jugendfreizeiteinrichtung stattfinden. Der ländliche Raum erfordert andere konzeptionelle Herangehensweisen. In Nettetal, Grefrath, Tönisvorst und Brüggen wurden die Angebote als „Öffentlicher KulturNahverkehr“ gebündelt. Zwei Wochen lang fährt ein amerikanischer Schulbus durch die vier Kommunen und bringt Kulturangebote zu verschiedenen Jugend- und Kulturorten. Der Kreis Steinfurt beteiligt sich mit 13 seiner 24 Kommu© Kulturrucksack NRW Dortmund, Foto Ulrike Halene, Dortmund

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25 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Think big!
Apropos Großveranstaltung: 2012 fand in Solingen die Abschlussveranstaltung „Klänge der Dunkelheit“ im Rollhaus statt. Dort wurden die Kulturrucksack-Projekte auf den Rampen des Indoor-Skaterparks präsentiert, die jeweils nur dann beleuchtet wurden, wenn das Projekt an der Reihe war. Unter dem Motto „Maschinenstürmer“ enterte man im Jahr 2013 das LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs. Dort stellten sich die Projekte über alle Räume verteilt dar – von einer Modenschau über Videopräsentationen, Ausstellungen von Bildern, Live-Musik bis hin zu Hörspielen, Graffiti-Sprayen vor Ort und Ausschnitten aus einem Theaterstück. In Ibbenbüren und Hörstel führten alle Projekte hin zu einem gemeinsamen „Jugendkulturtag“, an dem sie alle im Jugendkulturzentrum Scheune in Ibbenbüren präsentiert wurden. Auch die gesamte Organisation, Gestaltung und Technik wurde von 10- bis 14-Jährigen durchgeführt, angeleitet und unterstützt von der Jugendkunstschule des Pink Pop e.V. und dem Jugendkulturzentrum Scheune.

Vernetzung ist alles
Die im Rahmen des Kulturrucksacks im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen praktizierte Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen - „Kinder/Jugend“ und „Kultur“ findet ihre Fortsetzung in den Kommunen. Die kommunale Projektsteuerung ist überwiegend bei den Ressorts Kultur, Jugend und Bildung angesiedelt, aber auch Bildungsbüros, freie Träger und Jugendkunstschulen koordinieren die lokale Vernetzungsarbeit. Der langfristige Aufbau einer solchen Struktur ist ein erklärtes Organisationsziel des Landesprogramms. Ansatzpunkte hierfür gibt es in der lokalen Kultur-, Jugend- und Bildungslandschaft reichlich. Neben Bibliotheken, Archiven, Museen und Theatern führen auch Jugendeinrichtungen, freie Gruppen und Soziokulturelle Zentren Kulturrucksack-Projekte durch.

Die Zusammenarbeit geht häufig über die Ortsgrenzen hinaus. Denn um sich am Kulturrucksack beteiligen zu können, muss es eine Mindestanzahl von 3.500 vor Ort lebenden 10- bis 14-Jährigen geben. Viele Kommunen können sich damit direkt bewerben, kleinere Städte und Gemeinden im ländlichen Raum gehen dafür oft einen Verbund mit anderen ein – wodurch sich fruchtbare Allianzen ergeben können. So fehlte in Menden und Fröndenberg/Ruhr schon lange ein attraktives Ferienprogramm. Diese Lücke schließt seit 2012 der Kulturrucksack mit dem „Kultur-Camp - am Ufer der Ruhr“. Auf dem Gelände des Kettenschmiedemuseums werden nun während der Sommerferien zwei Wochen lang viele Aktivitäten wie Fotografie, Tanz, LandArt oder Tonarbeiten angeboten. Das Flussufer, das malerisch zwischen beiden Städten liegt, wird zur Werkstatt, liefert Material sowie Inspiration und fungiert als Platz im Grünen zum „Chillen“ für die fast 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Super-Bilanz
Die Bilanz des Kulturrucksack-Programms kann sich sehen lassen. Gestartet 2012 mit 28 Pilotkonzepten in 55 Städten und Gemeinden, sind im Jahr 2014 über 170 Städte und Gemeinden beteiligt, an 60 Kulturrucksack-Standorten, in 35 Einzelkommunen, einer Städteregion, acht Kreisen und 16 interkommunalen Verbünden mit jeweils zwei bis fünf Partnern. Allein 2013 fanden so über 1.300 Angebote statt. Die Koordinierungsstelle Kulturrucksack NRW bietet Beratung, Begleitung und Unterstützung beteiligter wie interessierter Kommunen, organisiert Erfahrungsaustausch und Qualifizierung und informiert rund um das Programm.

Cross-over
Vieles geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Unter dem Dach eines kommunalen Konzeptes können dann auch neue Allianzen zustande kommen: In Hamm wurde im Projekt „Nussknacker – Klassik trifft Streetart“ das klassische Ballett mit Streetdance-Einschüben kombiniert. Dafür wurden die Schülerinnen und Schüler einer Ballettschule mit 30 Teilnehmern eines Kulturrucksack-Projekts zusammengebracht, von denen viele noch nie zuvor getanzt hatten. In Neuss entstand eine ungewöhnliche Kooperation zwischen der Jugendarbeit der Reformationskirche und dem Schützenmuseum. In einer gemeinsamen Ferienaktion bastelten Jugendliche in letzterem an ihren Ideen einer Kirmes im Jahre 2050. Als Inspiration dienten Materialien des Schützenmuseums über die Entwicklung der Kirmes über die Jahrhunderte. Die fantasievollen Entwürfe der Jugendlichen wurden anschließend im Schützenmuseum ausgestellt. Im Kreis Heinsberg verwandelte sich das Feuerwehrmuseum in Erkelenz in einen Drehort für einen James BondKrimi. Mit Unterstützung eines professionellen Schriftstellers fertigten die Jugendlichen ein eigenes Drehbuch. Bei den Dreharbeiten in der ungewöhnlichen Kulisse lernten sie dann auch die Geheimnisse von Kameraführung, Bildeinstellung und Regie kennen. In Mönchengladbach führte der Verein Waldhaus 12 e.V. mit Jugendlichen aus der Altstadt eine Schreibwerkstatt unter dem Titel „LiteraTour“ durch. Für die Präsentation der Ergebnisse meldete sich ein außergewöhnlicher Partner: Das renommierte Museum Abteiberg stellte seine Ausstellung „Ein ahnungsloser Traum vom Park“ als Vorführungsort zur Verfügung.
© Kulturrucksack NRW Düsseldorf, Foto: Sven Schneider

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27 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Künstlerische Impulse und Kontinuität: Das Landesprogramm »Kultur und Schule«
Ob in Aachen oder Espelkamp, in Bonn oder Bielefeld – bereits seit 2006 wird an nordrhein-westfälischen Schulen außerhalb des Unterrichts mit Künstlern getanzt, gefilmt und gesungen, getrommelt, gedichtet, fotografiert oder inszeniert. Möglich macht dies das Landesprogramm „Kultur und Schule“, das Künstlerinnen und Künstler in die Schulen des gesamten Landes bringt. Dort realisieren sie gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern künstlerische Projekte, die die Kreativität von Kindern und Jugendlichen fördern und das schulische Lernen durch ästhetische Ansätze und Ausdrucksformen ergänzen. Inzwischen ist das NRW-Landesprogramm zu einem flächendeckenden Instrument der kulturellen Bildung mit beeindruckenden Dimensionen geworden: In den nahezu acht Förderjahren wuchsen sowohl die Anzahl der beteiligten Künstlerinnen und Künstler als auch die der Projekte um ein Mehrfaches und ebenso die der teilnehmenden Schulen. Das Programm stieß von Anfang an auf eine fast überwältigende Resonanz. Waren es im Startjahr 2006/07 bereits 707 Kunstprojekte, stieg die Zahl bis zum Schuljahr 2013/2014 auf circa 1.500 Projekte pro Förderjahr an. Damit konnten in den fast acht Jahren etwa 210.000 Kinder und Jugendliche in insgesamt 10.378 Projekten ästhetische und künstlerische Erfahrungen machen. Rund 3.430 professionelle Künstlerinnen und Künstler machten in der Zeit mit und führten Projekte an 3.890 Schulen aller Schulformen durch. Und jedes Jahr kommen neue Künstler und Schulen hinzu.

Alle Sparten machen mit…
Bildende Kunst, Film, Tanz, Theater, Architektur, Musik, Neue Medien oder Literatur – die Projekte finden in großer Breite in allen Kunstsparten statt; auch viele spartenübergreifende Projekte sind dabei und erfreuen sich von Jahr zu Jahr einer großen Beliebtheit. Mit etwa einem Drittel sind Projekte der Bildenden Kunst (34 Prozent) regelmäßig Spitzenreiter. Doch auch spartenübergreifende Projekte (27 Prozent) sind immer besonders stark vertreten. „Spartenübergreifend“ kombinieren sie meist Elemente aus Theater und Musik. Die Bereiche Theater und Musik werden zudem am dritt- und vierthäufigsten bei den Spartenprojekten gewählt. Es folgen Projekte in den Bereichen Tanz, Neue Medien und Film sowie Literatur.

… und viele Künstlerinnen und Künstler
Unter den freiberuflichen Künstlerinnen und Künstlern sind Frauen aktuell mit 59 Prozent in der Mehrzahl. Viele von ihnen kooperieren mit Grundschulen. Allerdings ist mehr als jeder dritte Künstler, der im Primarbereich tätig war, männlich – durchaus ein Kontrapunkt im sonst üblichen Geschlechterverhältnis in den Schulen im Primarbereich. In der Regel werden die Projekte von einer Künstlerin oder einem Künstler geleitet. In den sogenannten Sonderprojekten (Kooperationsprojekten) arbeiten mehrere Künstlerinnen und Künstler mit mehreren Schulen – auch schulform- und kommunenübergreifend sowie unter Beteiligung örtlicher Kultureinrichtungen – in einem Projekt zusammen. Viele der Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich schon mehrmals am Programm.

Alle Schulformen sind dabei
Mit gegenwärtig 48 Prozent haben die Grundschulen den größten Anteil am Programm, bei ihrem Gesamtanteil von 50 Prozent an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen eine erfreuliche Quote. Denn damit hat das Programm eines seiner Ziele erfüllt. Auf die Förderung von Grundschulen wird besonderer Wert gelegt, weil hier Kinder aus allen Bildungsgruppen und sozialen Schichten erreicht werden. Aber auch andere Schulformen sind proportional zu ihrem Gesamtanteil – teilweise sogar überproportional – vertreten. Förderschulen erreichen einen Anteil von 15 Prozent, Hauptschulen zehn Prozent, Realschulen neun Prozent. Einen Schwerpunkt legt das Programm auf die Förderung von Schulen in Stadtteilen, die am Programm „Soziale Stadt“ teilnehmen. Hier wurden im aktuellen Förderjahr 261 Projekte gefördert, das ist knapp ein Fünftel aller Projekte. Viele Schulen sind „Wiederholungstäter“. Die guten Erfahrungen mit den Kooperationen führen dazu, dass 84 Prozent der beteiligten Schulen in den zurückliegenden acht Jahren schon mehr als einmal am Programm teilgenommen haben. Seit dem Schuljahr 2011/12 werden auch Projekte unterstützt, die Kindertagesstätten einbeziehen. Dabei handelt es sich um Sonderprojekte, bei denen mehrere Partner, eine oder mehrere Kindertageseinrichtungen mit einer oder mehreren Schulen, kooperieren.

© LKJ NRW, Foto: Dirk Vogel

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29 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Kultur und Schule
Die Projekte im Programm „Kultur und Schule“ finden in der Regel in 40 Einheiten à 90 Minuten verteilt über das ganze Schuljahr statt. Die Künstlerinnen und Künstler verpflichten sich bei Neueinstieg ins Programm, an vier eintägigen Seminaren teilzunehmen, in denen sie über die Arbeitsbedingungen im schulischen Alltag informiert werden und Unterstützung bei der Entwicklung konkreter Umsetzungsmöglichkeiten für ihre Projekte erhalten. Nach dem Besuch können sich alle Künstlerinnen und Künstler, die dies wünschen, in einen internetgestützten Künstlerpool aufnehmen lassen, der Schulen für die Suche nach geeigneten Künstlern zur Verfügung steht. Gefördert werden die Projekte mit maximal 3.050 Euro. Die jeweiligen Kommunen übernehmen grundsätzlich einen Eigenanteil. Innovative Kooperationsprojekte mehrerer Schulen und Kommunen können ebenfalls gefördert werden. Das Gesamtvolumen des Landesprogramms liegt bei 3,2 Millionen Euro. Ab dem Schuljahr 2014/2015 kommen 300.000 Euro für eine Erhöhung der Honorarsätze der Künstlerinnen und Künstler im Landesprogramm hinzu. Zu solchen Informationen gelangen Interessierte, wenn sie den „Künstlerpool“ im Web-Portal von „Kultur und Schule“ anklicken. In diesem Künstlerpool können sich alle Künstlerinnen und Künstler des Landesprogramms, die bereits Projekte durchgeführt und an den Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen haben, aufnehmen lassen, wenn sie dies möchten. Besucher der Seite können sich über Werdegang, Ausbildung und bereits durchgeführte Projekte der Künstlerinnen und Künstler informieren. Ein „Projektpool“ präsentiert im Rahmen des Landesprogramms durchgeführte Projekte. Durch einen Klick auf das Projekt ist es möglich, sich über die Projektinhalte und -ziele zu informieren. Darüber hinaus erfährt man, für welche Zielgruppe das Projekt bestimmt war, wie viele junge Menschen an dem Projekt teilnehmen können, welche räumlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen und an welcher Schule und wann das Projekt stattgefunden hat. Diese Schulen sind im sogenannten „Schulpool“ aufgelistet.

Alles ist vernetzt
Alle drei Datenbanken (Künstler, Projekte, Schulen) sind so miteinander verknüpft, dass ersichtlich wird, welche Künstlerin oder welcher Künstler an welcher Schule welches Projekt durchgeführt hat. Im Sinne der Vernetzung hat hier eine Schule beispielsweise die Möglichkeit, nach geeigneten Künstlerinnen und Künstlern in ihrer Nähe zu suchen, zu kontaktieren und zukünftige Projekte zu planen. Auch die Künstlerinnen und Künstler können Schulen in ihrer Umgebung finden, die bereits Projekte im Rahmen von Kultur und Schule durchgeführt haben. Zudem können sie in anderen Künstlern mögliche Projektpartner finden oder sich über neue Projektideen informieren. Unter www.kulturundschule.de finden die Nutzerinnen und Nutzer außerdem eine Übersicht über das Programm, aktuelle Informationen, Hinweise zur Förderung, Ansprechpartner, Termine zu den Fortbildungen, Materialien und Antworten auf oft gestellte Fragen.

© Jens Ermshaus

Der „Künstlerpool“: Wie Künstlerinnen, Künstler, Kultur und Schule zusammenkommen
(www.kulturundschule.de) Jens Ermshaus, Freiberuflicher Rhythmuslehrer und Perkussionist, bietet Trommelkurse für Kinder und Erwachsene, leitet Trommel-AGs für alle Schulformen und Trommelfortbildungen für Multiplikatoren. Sein Lebenslauf zeugt von seiner Kompetenz. Auf seiner Homepage, die man über einen Link anklicken kann, erfährt man, dass er viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Kitas, Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I hat. Man kann nachlesen, was die Schulleitungen Gutes über ihn zu berichten haben. Wer dadurch neugierig geworden und auf der Suche nach einem Kooperationspartner für Rhythmusangebote ist, kann ihn über seine angegebene Emailadresse oder telefonisch erreichen.

Das Internetportal „www.kulturundschule.de“ wird in Abstimmung mit dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und in seinem Auftrag vom Kultursekretariat NRW Gütersloh betreut.
© Akki e.V.

www.kulturundschule.de

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31 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Vielfalt ist Stärke: Kulturelle Kinder- und Jugendarbeit in NRW
Drei Mädchen sind gerade dabei, auf einem Palettenfundament ein zweistöckiges Haus aus Dachlatten zusammenzubauen. Sie haben vorher eine Genehmigung beim Bauamt erlangt, dafür einen Plan eingereicht und setzen diesen nun um – natürlich nicht, ohne vorher den Sägeund Bohrführerschein gemacht zu haben. Während dessen zieht eine andere Gruppe der Sommerferien-Spielstadt die Strippen für die Radiostation. Sie soll täglich senden, die Redaktionsgruppe tagt schon. Am Wochenende treffen sich 12- bis 16-Jährige, um auf dem Gelände des Jugendtreffs einen großen Street-ArtParcours anzulegen. Sie lernen etwas über Graffiti-Tags und Stencils und studieren Choreografien von Hiphop und Brake. Sonntag kommen die Kids aus dem Stadtteil, um beim MiniFestival zuzuschauen und mitzumachen. Im Park hinter der Jugendkunstschule sind Jugendliche dabei, mit einer Künstlerin die Äste eines Baumes mit dicken Kunststoffbändern so zu umwickeln, dass es aussieht wie ein riesiges Geflecht in der Baumkrone. Das wird eine Ausstellung, die alle Bürgerinnen und Bürger ab der nächsten Woche bestaunen können. Das ganze Haus summt und brummt, es riecht ein bisschen nach Schweiß – kein Wunder, denn hier proben mehrere Gruppen Hiphop, Modern Dance und Tanztheater. Auf den Gängen sitzen kaugummikauende Jugendliche und simsen – sie warten, dass der Raum frei wird, damit sie üben können. Im großen Saal des Gemeindezentrums ist es laut: Hier probt das Jugendblasorchester. In der nächsten Woche ist Stadtjubiläum, da haben die Jungen und Mädchen einen großen Auftritt. dene Professionen zusammen – Musik-, Theater-, Kunst-, Tanz-, Medien-, Kulturpädagoginnen und -pädagogen, Künstlerinnen und Künstler und nicht zuletzt viele ehrenamtlich Engagierte – Handwerker, Laienspieler und -musiker. Der Vielfalt von Angeboten, Sparten und Formaten lässt sich eine ebenso große Vielfalt an Trägern zuordnen. Die meisten Vereine, Initiativen und Einrichtungen sind Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Sie handeln nach dem Prinzip, dass Kinder und Jugendliche nach eigenen Vorlieben und Interessen Form und Thema wählen können, freiwillig und mit Lust an die Sache herangehen, sich eigene Aufgaben stellen.

Die Träger bieten Kindern und Jugendlichen mit kulturpädagogischen Inszenierungen Gelegenheiten, sich eine Vorstellung davon zu machen, wie sie die Welt gern hätten, in diesem Baum, auf diesem Bild, mit diesem Text – und zu lernen, wie sie das erreichen können, wie sie flechten, malen, beschreiben können, was sie gern ausdrücken möchten. Sie bieten Settings, Methoden, Werkzeuge, Technik, Räume, Orte, Themen, Konzepte, oft aufwändig und mühevoll gesucht, durchdacht, verworfen und probiert. Der Zugang zu Kunst, Kultur und Ästhetik soll möglichst offen und kreativ sein. Es geht um das Schaffen von Gelegenheiten und das Wegschaffen von Barrieren. Dazu braucht es eine eigene Expertise, sowohl eine künstlerische als auch eine pädagogische. Die Vielfalt der Träger und Angebote garantiert unterschiedliche Zugänge und Konzepte, die den Interessen und Belangen der Kinder und Jugendlichen entgegenkommen.

Gut organisiert
Für die fachliche Unterstützung haben sich in NordrheinWestfalen acht Landesarbeitsgemeinschaften und 29 Bezirksarbeitsgemeinschaften für Jugend und Literatur, Musik, Tanz, Spiel und Theater, Figurentheater, Arbeit Bildung Kultur, Kunst und Medien sowie Kulturpädagogische Dienste/ Jugendkunstschulen organisiert. Ihre Mitglieder, Standorte und Aktivitäten sind über ganz NRW verstreut. Sie bieten das Knowhow und die Struktur, in der Kulturpädagoginnen und Kulturpädagogen, Künstlerinnen und Künstler und andere, in Kunst und Kultur Aktive, Kinder und Jugendliche beim Suchen und Finden ihrer (Lebens-)Kunst unterstützen. Die Organisationen schaffen die Rahmenbedingungen für gelingende kulturelle Jugendarbeit. Sie sichern durch ihre Professionalität die künstlerische Qualität. Sie sorgen dafür, dass das Pädagogische und das Künstlerische in Balance bleiben, das eine das andere nicht überformt.

Kulturpädagogisches Knowhow
Als kulturelles Bildungsland hat Nordrhein-Westfalen über die erfolgreichen Landesprogramme hinaus noch vieles mehr zu bieten. Die Menge und Vielfalt der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit für und mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist einmalig in Deutschland. Je nach Region gibt es unterschiedliche Ausprägungen und Akteure. Einrichtungen wie Jugendkunstschulen, Jugendmusikschulen, Musikvereine, Tanzhäuser, Gruppen für Darstellendes Spiel, lokale Medienarbeit, Vereine für Jugend und Literatur, Spiel und Theater, Foto und Film bilden das Rückgrat der Angebote. Hier arbeiten fast immer verschie© Akki e.V.

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33 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Darüber hinaus weist eine eigene Position „Jugendkulturland“ Projektmittel in Höhe von 2 Millionen Euro aus. Diese Förderposition ermöglicht den öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen, kreative Angebote in allen Kunst- und Kultursparten (vor allem Musik, Theater, Kunst, Tanz und Neue Medien) sowie für unterschiedliche Zielgruppen (beispielweise Kinder und Jugendliche mit sozialen Benachteiligungen oder eine bestimmte Jugendszene) durchzuführen. Eine von der TU Dortmund vorgenommene Analyse der im Rahmen von „Jugendkulturland“ geförderten Projekte der Jahre 2011 und 2012 hat ergeben, dass sich die Projekte besonders durch ihre thematische Vielfalt, Interdisziplinarität, kreative Multiperspektivität, Lebenswelt- und Produktorientierung auszeichnen. Etwa ein Drittel der Projekte richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 20 Jahren, ein Sechstel an Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre. Bei den Älteren finden die Träger den Zugang zu den Jugendlichen häufig über musikalische Angebote – Hiphop und Rap, Bandprojekte oder Festivals.

Zusammenarbeit im Ganztag
Der Jugendforscher Werner Linder hält kulturelle Kinderund Jugendarbeit „für umfassende Bildungsmaßnahmen im besonderen Maße geeignet“, weil sie „eine der wenigen gesellschaftlichen Instanzen ist, die es erlauben, die essentielle Freiheit der Bildung gegen alle Funktionalisierungen wirklich ernst zu nehmen.“ In diesem Sinne beteiligen sich seit nunmehr zehn Jahren die Träger der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Nordrhein-Westfalen auch an der Gestaltung des Ganztags in den Schulen. Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Schulen ist eine Rahmenvereinbarung über kulturelle Bildungsangebote in Ganztagsschulen der Primar- und Sekundarstufe, die die LKJ NRW im Jahr 2013 mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen abgeschlossen hat. Diese trägt mit dafür Sorge, dass die in der LKJ zusammengeschlossenen Arbeitsgemeinschaften der kulturellen Jugendarbeit und Jugendkunstschulen ihre außerschulischen Projektangebote im Ganztag verlässlich umsetzen können.

NRW-Alleinstellungsmerkmal: Die Jugendkunstschulen
Nordrhein-Westfalen ist auch Jugendkunstschulland. Zurzeit gibt es rund 60 Jugendkunstschulen in kommunaler oder freier Trägerschaft, mehr als in irgendeinem anderen Bundesland. Und das Land favorisiert diese Einrichtungsform: Gut zwei Drittel der Einrichtungen werden aus dem Kinderund Jugendförderplan des Landes unterstützt. Überall im Land nehmen jährlich etwa 70.000 Kinder und Jugendliche an den Angeboten teil. Als Institutionen der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung versammeln sie im Rahmen von Projekten und Kursen ein breites Spektrum von kulturell-ästhetischen Angeboten. Einerseits sind Jugendkunstschulen also in Kunst und Kultur und den Bezügen „ästhetischer Bildung“ beheimatet. Andererseits erfüllen sie einen pädagogischen Auftrag als Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit. Sie entwickeln künstlerisch-kulturelle Angebote für einzelne Zielgruppen unter Berücksichtigung von lokalen oder regionalen Besonderheiten, die niedrigschwellig, qualifizierend, beteiligungs- und interessenfördernd sein sollen. Mit diesem Erfahrungs- und Kompetenzhintergrund stellen die Jugendkunstschulen als dezentrales Netzwerk bedeutsame Knotenpunkte im Kinder- und Jugendkulturland NRW dar. Jugendkunstschulen sind Impulsgeber für die kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Entwickler in kommunalen Bildungslandschaften, Organisatoren soziokultureller Projekte und Partner im Ganztag.

Immer unterwegs
Kulturelle Kinder- und Jugendbildung ist immer unterwegs. Neue kulturelle Interessen und Ausdrucksformen von Kindern und Jugendlichen, die Nachfrage nach zusätzlichen kulturellen Bildungsangeboten und vor allem der wachsende Bedarf nach flexiblen, passgenauen und lebensweltorientierten Einrichtungs- und Angebotskonzepten, auch vor dem Hintergrund konstatierter Defizite im Bildungswesen, fordern die Träger. Zukünftig wird es darum für die Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendkulturlandes NRW auch darauf ankommen, für die Träger der Kinder- und Jugendhilfe mehr Chancen und Anreize zu schaffen, sich mit Projekten zu beteiligen. Ein wichtiger Schritt dorthin ist die Kooperation mit Kultur- und Bildungseinrichtungen, um neue Ideen und zusätzliche Potenziale zu heben. Auf dem Weg zum Jugendkulturland setzen diese und weitere Schritte für die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit wichtige Impulse.

© Akki e.V.

Allein in der LAG Musik sind mehr als 50 überwiegend institutionelle Mitglieder zusammengeschlossen, darunter der Landesmusikrat, der Landesverband der Musikschulen, aber auch die Offene Jazz Haus Schule und Brothers Keepers e.V. Die Landesarbeitsgemeinschaften übernehmen die Umsetzung einiger landesweiter Programme, so beispielsweise die LAG Arbeit Bildung Kultur, die das „Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur“ betreut, die LAG Tanz, die den Landeswettbewerb „Jugend tanzt“ organisiert und das Kinder- und Jugendtanzfestival NRW „GET on STAGE“, die LAG Jugend und Literatur, die das Kinder- und Jugendliteraturzentrum „jugendstil“ leitet, die LAG Musik mit ihrem Schul-Kooperationsprogramm „Musik in Bewegung“ sowie „Kultur in Bewegung“ oder die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendkunstschulen/Kulturpädagogische Dienste NRW e.V. (LKD), die den „Jugend.Kultur.Preis NRW“ durchführt und bei der die Koordinierungsstelle für das Landesprogramm Kulturrucksack NRW angesiedelt ist. Alle sind zusammengeschlossen in einem Dachverband, der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen e.V. (LKJ), die die LAGen in vielerlei Hinsicht unterstützt und das landesweite Projekt „nachtfrequenz – die lange nacht der jugendkultur“ koordiniert.

Das Land unterstützt
Damit dies alles passieren kann, werden die Aktivitäten durch das Kinder- und Jugendförderungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (3. AG-KJHG-KJFÖG) und den Kinder- und Jugendförderplan (2013–2017) unterstützt. Das 3. AG-KJHG-KJFÖG stellt sogar bundesweit einen Meilenstein für kulturelle Bildungsangebote dar. Es wirkte wegweisend, indem es die kulturelle Bildung zu einem Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit zählt: „Sie soll Angebote zur Förderung der Kreativität und Ästhetik im Rahmen kultureller Formen umfassen, zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen und junge Menschen die Teilnahme am kulturellen Leben in der Gesellschaft erschließen.“ Dafür stellt der Kinder- und Jugendförderplan NRW zurzeit 2,6 Millionen Euro für die zentralen Strukturen der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit bereit: 1,6 Millionen Euro für den Dachverband, die Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit NRW (LKJ) und die acht Landesarbeitsgemeinschaften, sowie 1 Millionen Euro für den Großteil der Jugendkunstschulen.

© LKJ NRW, Foto: Dirk Vogel

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GanzTag in bunt: Kulturelle Bildungsangebote erweitern den Horizont
Seit zehn Jahren gibt es die Offene Ganztagsgrundschule in Nordrhein-Westfalen, mittlerweile sind es 2.977. Zusammen mit den 1.129 Ganztagsschulen in der Sekundarstufe I und den 41 ganztägig organisierten neuen Sekundarschulen sind das insgesamt über 4.000 Schulen, die Ganztagsangebote machen. Aktivitäten der kulturellen Bildung – das zeigen die einschlägigen Studien – stellen in fast allen Ganztagsschulen quantitativ wie qualitativ ein bedeutendes Angebotssegment dar. In NRW gibt es im Primarbereich nahezu keine Ganztagsschule ohne ein kulturelles Angebot. So kommen kulturelle Angebote bei 84 Prozent der Primarschulen mindestens einmal in der Woche vor. Ähnliches gilt für die Sekundarschulen. Hier werden Steigerungen von 48 Prozent (ohne Ganztag) auf 94 Prozent (mit Ganztag) verzeichnet. Viele Verbände haben, um diese Zusammenarbeit abzusichern und auf Dauer zu stellen, Rahmenvereinbarungen mit der Landesregierung abgeschlossen, beispielweise die Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen (LKJ NRW e.V.), der Landesverband der Musikschulen (LVdM) NRW und der Landesmusikrat (LMR) NRW, der Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landesverband Museumspädagogik NRW e.V., der Verband Rheinischer Museen e.V. und die Vereinigung Westfälischer Museen e.V. oder auch die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in NRW. Die Verbände verpflichten sich damit nicht nur zu einer engen Zusammenarbeit mit Schulen, sondern auch zur Teilnahme an der Qualitätsentwicklung kultureller Bildung im Ganztag.
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Kooperation ist die Basis
Die Konzeption der Ganztagsschule in Nordrhein-Westfalen basiert auf Kooperationen. Und so arbeiten viele Schulen und die Träger des Ganztags erfolgreich mit außerschulischen Partnern aus dem kulturellen Bereich zusammen, mit Jugendkunst- und Musikschulen, Bibliotheken, Theatern, Museen, Medienwerkstätten oder einzelnen Künstlern und Künstlerinnen.

Die ganze Vielfalt
Kulturelle Bildung findet in Ganztagsschulen in ihrer ganzen, bunten Vielfalt statt. Die Gestaltungsfreude und -kompetenzen der Kinder und Jugendlichen werden durch Malen, Theater spielen, Videos drehen, Musizieren, Tanzen, Schreiben, Fotografieren oder die Erfindung von Computerspielen angeregt. Ihre Rezeptionsfähigkeiten – zuhören, sehen, fühlen, verstehen und genießen – werden bei Besuchen im Theater oder im Konzert, im Kino, Museum oder bei der Lesung in der Bibliothek geschärft. Die Partner der Schulen sind einzelne Künstlerinnen und Künstler ebenso wie Kultureinrichtungen oder Träger kultureller Bildung. So kooperieren Schulen mit Opernhäusern ebenso wie mit Musikschulen, mit Theaterpädagogischen Zentren wie mit Stadttheatern, mit Jugendkunstschulen wie mit Kunstmuseen, mit Architekten wie mit Abenteuerspielplätzen. Diese Zusammenarbeit eröffnet viele Möglichkeiten. Durch die vielfältigen Zugänge ist es möglich, Kinder und Jugendliche anzusprechen, die außerhalb der Schulen kaum Gelegenheit haben, den verschiedenen Kunstformen zu begegnen und in diesen Bereichen selbst aktiv gestalterisch tätig zu werden. Projekte kultureller Bildung mit Schulen greifen alters- und fächerübergreifende Themen auf, die die Kinder und Jugendlichen selbst einbringen. Sie bieten Raum und Gelegenheiten, künstlerische und ästhetische Kompetenzen zu zeigen und in den verschiedenen Kunst- und Kulturformen weiterzuentwickeln. Dabei setzen die in den Ganztagsschulen tätigen außerschulischen Träger auf die Partizipation und Selbsttätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Denn sie sind überwiegend anerkannte Träger der freien Jugendhilfe, die wiederum andere Träger wie Kultureinrichtungen oder Künstlerinnen und Künstler beteiligen. Die Träger der freien Jugendhilfe, die kulturelle Kinder- und Jugendbildung anbieten, wissen, dass erst dann, wenn die Teilnahme der Kinder an den kulturellen Angeboten eine Teilnahme aus freien Stücken ist, kulturelle Bildung auf Dauer erfolgreich ist. Sie fühlen sich dem Prinzip verpflichtet, von den künstlerisch-kulturellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen der Kinder und Jugendlichen auszugehen und diese individuell entwickeln zu helfen.
© Akki e.V.

Ein Modell künstlerischer Projektarbeit
Beispielhaft ist hier die Arbeit von Akki e.V. (Aktion und Kultur mit Kindern) aus Düsseldorf. Die Jugendkunstschule ist an der Offenen Ganztagsgrundschule Vennbruchschule in Duisburg für die nachmittäglichen Ganztagsangebote zuständig. Diese stehen unter einem ganzjährigen Leitthema („Heimat“, „Helden“), dessen Teilaspekte, Motive und Inhalte sich in Spielangeboten, künstlerischen Workshops und offenen Werkstätten wiederfinden. Zu jedem Workshop werden Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Disziplinen eingeladen. Die teilnehmenden 120 Kinder können sich an den künstlerischen Workshops gestalterisch, handwerklich oder organisatorisch beteiligen oder ein offenes Spielangebot nutzen. Wann, wo, wie viel und wie lange sie in den jeweiligen Aktivitäten mitwirken, bleibt die tägliche Entscheidung der Kinder. Die Ergebnisse können in Werkschauen, Zirkusvorstellungen oder Theateraufführungen oder als den Schulweg begleitende Kunst-Ausstellung im Stadtteil auch von anderen Mitgliedern der Schulgemeinde besichtigt werden. Akki e.V. möchte mit dem preisgekrönten Konzept außerschulische Qualitäten kulturpädagogischer, interdisziplinärer Projektarbeit in Schule und in die Organisationsstrukturen der Offenen Ganztagsschule übertragen. Die 10-jährige Zusammenarbeit zahlt sich aus und mündet mittlerweile in ein kulturelles Schulprofil. So erweitern kulturelle Bildungsangebote im Ganztag den Horizont – sowohl der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen als auch der Schule als Institution.

Um die zahlreichen Initiativen der kulturellen Bildung in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen, ist vom Schul- und Jugendministerium gemeinsam mit der Akademie Remscheid die „Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW“ gegründet worden. Sie bietet Informationen und Vernetzung. www.kulturellebildung-nrw.de

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37 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Früh übt sich: Kulturelle Bildung für die Kleinsten
Bildung fängt nicht erst in der Schule an, sie hört auch nicht mit dem Abschluss der Schule oder der Ausbildung auf. Sie fängt früher an und ist ein lebenslanger Prozess – deshalb will die Landesregierung Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Kunst und Kultur so früh wie möglich eröffnen. Die Erfolge im NRW-Landesprogramm Kultur und Schule haben deutlich gemacht, wie wichtig für Kinder und Jugendliche die Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern ist, um ihrer Wahrnehmung und Kreativität eine Ausdrucksform zu geben und sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Durch die Arbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern wird die Entwicklung der verbalen und non-verbalen Gestaltungsfähigkeit gestärkt, wodurch somit auch ein Beitrag zur Sprachförderung von Kindern geleistet wird. Kinder sind geborene Forscher, Entdecker, Künstler und Konstrukteure. Nie wieder ist der Mensch so neugierig, so begeisterungsfähig und so kreativ wie in der frühen Kindheit. Kinder haben Begabungen und künstlerische Fähigkeiten, die sie entdecken und entfalten können, wenn man sie lässt und – lenkt. Für die pädagogischen Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen gilt es, diesen Schatz zu heben, denn insbesondere in den ersten Lebensjahren lernen Kinder aus dem, was sie über ihre eigenen Sinne erfahren. Mit den „Grundsätzen zur Bildungsförderung für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertageseinrichtungen und Schulen im Primarbereich“ hat die Landesregierung 2010 allen beteiligten Fach- und Lehrkräften eine fachliche Orientierung für das pädagogische Handeln vorgelegt. Die Bildungsgrundsätze sind in einem Dialogprozess mit Experten aus Praxis und Wissenschaft erarbeitet und bis Ende 2011 erprobt worden. Kindern steht – individuell und unabhängig von Herkunft und Bildungshintergrund der Eltern. Ausgehend von der Überzeugung, dass Kinder sich durch die aktive, kreative Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt entwickeln, hat kulturell-ästhetische Bildung in (früh)kindlichen Bildungsprozessen einen hohen Stellenwert. Den Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege eröffnet dies vielfältige Möglichkeiten für frühkindliche Bildungsarbeit. Für Kultureinrichtungen und Träger kultureller Jugendbildung bieten die in den „Bildungsgrundsätzen“ beschriebenen Bereiche „soziale, kulturelle und interkulturelle Bildung“ sowie „musisch-ästhetische Bildung“ gute Ansätze für eine enge Zusammenarbeit von Kindergärten, Kindertageseinrichtungen und Grundschulen.

So präsentierten 66 kleine Künstler aus der Kita Knirpsmühle in Meerbusch in einer Vernissage 66 Bilder, die sie mit der Künstlerin Beate Brüggen erstellt hatten. Im zweijährigen Projekt „KiTa macht Theater“ erschließt das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen mit 3- bis 4-jährigen Kindern der Kindertageseinrichtung Königstraße schon den Kleinsten die Welt der Oper. Und mit dem „Kleinen Studio“ eröffnete die Kunstsammlung NRW die bundesweit erste spezialisierte Werkstatt für frühpädagogische Projekte in einem Museum. Scharenweise besuchen Kita-Gruppen die Mitmachausstellungen der Jugendkunstschulen wie bei Aber Hallo e.V. in Alsdorf – „Weltwunder“ oder „Pompeji – Leben in der antiken Welt“ – oder bei Akki e.V. in Düsseldorf „Die MitmachMaschine“, „Luffft“ oder die Sprachausstellung „häää?“. Kooperationen werden systematisch angeregt. So legt die Stadt Dortmund ein besonderes Augenmerk auf die „Kulturelle Bildung von Anfang an“. Und in Mülheim an der Ruhr förderten das Land NRW und die Stadt unter dem Titel „Kita macht Kunst“ ein Konzept zur Stärkung der kulturellen Bildung im Elementarbereich des Hauses Ruhrnatur und dem Leder- und Gerbermuseum.

Kulturelle Bildung in der Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften
Auch in die Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern hält das Thema kulturelle Bildung Einzug. An der FH Bielefeld kann man im Bachelorstudiengang „Pädagogik der Kindheit“ die Schwerpunkte „Musikalische Bildung“ sowie „Kultur und Medien“ wählen. An der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach ist am Fachbereich Sozialwesen gerade der neue Bachelorstudiengang „Kindheitspädagogik“ mit dem Schwerpunkt „Bildung durch Bewegung“ gestartet. Und am Gisberg-von-Romberg-Berufskolleg der Stadt Dortmund wie am Kreisberufskolleg Brakel in Ost-Westfalen gehört das Thema „Kulturelle Bildung“ zum Curriculum für angehende Erzieherinnen und Erzieher.

Kulturelle Bildung von Anfang an
„Durch Gestalten, Musik, Singen, freies Spiel, Tanz, Bewegung, Rollenspiel finden Kinder vielseitige Möglichkeiten für sinnliche Wahrnehmung und Erlebnisse sowie Anregung und Unterstützung, die inneren Bilder auszudrücken, Kinder haben durch die Auseinandersetzung mit Künsten die Möglichkeit, ihre kreativen Denk- und Handlungsmuster weiterzuentwickeln.“ Diese Sätze stammen aus den „Grundsätzen zur Bildungsförderung für Kinder von 0 bis 10 Jahren im Elementar- und Primarbereich“, in deren Fokus die optimale Förderung von
© Akki e.V.

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39 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Ab dem zweiten Schuljahr erhalten die Kinder in Kleingruppen von durchschnittlich fünf Teilnehmern Unterricht auf dem von ihnen ausgewählten Instrument. Die Instrumente sind kostenlose Leihgaben nicht nur für den Unterricht, sondern auch für das Üben zu Hause. Im dritten und vierten Schuljahr steht neben dem Instrumentalunterricht auch das Spiel im schuleigenen Orchester „Ensemble Kunterbunt“ auf dem Programm. In einer weiteren Stunde pro Woche üben die Kinder hier das Zusammenspiel mit vielen unterschiedlichen Instrumenten. Inzwischen bieten 80 Prozent der Städte und Gemeinden, die ihren Sitz innerhalb der Grenzen des Regionalverbands Ruhr (RVR) haben, das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ an. In zurzeit fast 600 Schulen und mit rund 60.000 Kindern ist es aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Die notwendige Unterstützung bieten circa 50 Musikschulen in kommunaler und freier Trägerschaft. Welcher Impuls von JeKi ausgeht, zeigen die große örtliche Unterstützung und die zahlreichen Folgeprojekte. So sprang im Essener Stadtteil Kray die Bürgerschaft ein, damit Kinder, deren Wohnung zu klein oder deren Nachbar zu verständnislos ist, auch in ihrer Freizeit üben können. Gemeinsam mit dem Jugendamt wurde im Alten Rathaus ein „Übehaus“ eingerichtet. Ehrenamtliche Mentoren holen die Kinder ab und bringen sie wieder sicher nach Hause. Das Übehaus soll auch fürs Musikmachen in den Ferien zur Verfügung stehen oder für Workshopangebote im Instrumentenbau. Kleine Konzerte hat es schon gegeben. Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW fördert außerdem einige sogenannte JeKi-Modellprojekte außerhalb des Ruhrgebiets in NRW. Auch über die Landesgrenzen hinaus fand das Konzept großen Anklang. So gibt es JeKi-Initiativen der Länder Hamburg, Hessen, und Sachsen. Verbunden mit einer inhaltlichen Neuausrichtung ist es das Ziel, das Programm künftig in ganz Nordrhein-Westfalen anzubieten.

„Da werden Talente entdeckt, die ohne JeKi vielleicht gar nicht zum Vorschein gekommen wären“, sagt Anja Schuchhardt, die gemeinsam mit der Musikschullehrerin Heike Wieboldt von der Musikschule Dortmund den JeKi-Unterricht organisiert. „Plötzlich sitzen im Musikunterricht Schüler, die ein Instrument spielen und als „Experten“ in den Unterricht eingebunden werden können. Plötzlich gibt es in unserer Schulband „Maxi-Music“ Schlagzeug-, Trompeten- und Keyboard-Spieler, die in ihrem JeKi-Unterricht ihre Instrumental-Stimmen intensiv üben.“ Die Begeisterung hat Gründe: Denn die Max-WittmannSchule ist eine „Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung“. Die Schülerinnen und Schüler haben in vielen Entwicklungsbereichen große Probleme, kämpfen mit mentalen und motorischen Einschränkungen. „Aber manche sind im musikalischen Bereich so begabt, dass man nur noch staunen kann – ein Phänomen, das wir an unserer Schule immer wieder beobachten“, erzählt Schulleiter Frank Schmidt-Kamann. „Die Begeisterung und Freude unserer Schüler beim Musizieren, Singen und Tanzen berührt uns immer wieder aufs Neue.“ Der Unterricht macht mit musikalischer Vielfalt vertraut, fördert das Zusammenspiel sowie Kreativität, und Wahrnehmungsfähigkeit. „Zusätzlich leben unsere Schüler über das Entdecken und die Förderung ihrer Talente so auf, dass man sich über die Stärkung des Selbstbewusstseins keine weiteren Gedanken mehr machen muss.“ Kein Wunder, dass JeKi ein fester Bestandteil des Schullebens geworden ist. Die Max-Wittmann-Schule ist eine von drei Modellschulen in Dortmund, in denen in Zusammenarbeit mit der örtlichen Musikschule das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ für den Einsatz an Förderschulen umkonzipiert wurde. Damit macht man den Anspruch wahr, wirklich jedes Kind an Musik und das Spielen eines Instruments seiner Wahl heranzuführen.

© Stiftung Jedem Kind ein Instrument

Das Programm »Jedem Kind ein Instrument«
Aus Anlass der Kulturhauptstadt RUHR.2010 wurde das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand unter Beteiligung der Kommunen des Ruhrgebiets, privater Förderer und der teilnehmenden Familien als Kooperationsprojekt initiiert. Vorbild war das venezolanische „El Sistema“, das hunderttausenden Straßenkindern eine stadtteilbezogene musikalische Grundausbildung zukommen lässt. Seit dem Schuljahr 2011/2012 wird „Jedem Kind ein Instrument“ allein durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen mit rund 8,7 Millionen Euro jährlich gefördert. Kinder aus Familien, die ALG-II, Sozialhilfe oder ähnliche Sozialleistungen beziehen, sind von den Teilnahmebeiträgen, die ab dem 2. Schuljahr anfallen, befreit. Denn eine finanziell schwierige Situation in einer Familie soll kein Grund sein, bei „Jedem Kind ein Instrument“ nicht mitzumachen oder sogar aufzuhören. Herkunft oder ihrem familiären Umfeld, erreicht werden. Im Mittelpunkt steht dabei das aktive Musizieren miteinander. Zusätzlich zum Musikunterricht lernen die Kinder in einer wöchentlichen, 60-minütigen JeKi-Stunde zuerst verschiedene Instrumente kennen und können sie ausprobieren. Sie werden spielerisch und mit viel Bewegung mit Takt, Rhythmus und Dynamik, Tonhöhen und Noten vertraut gemacht. In der zweiten Phase gibt es in Kleingruppen Unterricht auf dem selbst ausgewählten Instrument: Gitarre, Geige und Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Bratsche, Cello, Kontrabass, Horn, Trompete, Posaune und Akkordeon bis hin zu Bağlama, Mandoline und natürlich eine Fülle von Schlaginstrumenten werden erlernt. Das künstlerische Spektrum soll künftig um die Bereiche Singen und Bewegung/Tanz erweitert werden.

Tatsächlich jedem Kind
Musik spielt an der Max-Wittmann-Schule in Dortmund eine große Rolle. Das liegt nicht nur an dem guten Musikunterricht von Frau Schuchhardt. Die Schule nimmt auch am Programm „Jedem Kind ein Instrument“ teil und kann damit ihren Schülerinnen und Schülern einen Bereich der Musikerziehung bieten, der den schulischen Rahmen sprengen würde – das kontinuierliche Spielen eines Instruments. Die Bedingungen an der Max-Wittmann-Schule sind sehr gut. Hier gibt es einen eigenen JeKi-Raum, der für den Instrumentalunterricht zur Verfügung steht und in dem auch die Instrumente aufbewahrt werden.
© Stiftung Jedem Kind ein Instrument

do, re, mi, fa, sol, la…
Unterrichtet werden die Kinder im sogenannten „Tandem“. Die Musikschullehrkraft, die dafür in die Grundschule kommt, unterrichtet die Stunde gemeinsam mit der Grundschullehrkraft. Die JeKi-Stunde ist im Stundenplan verankert und ergänzt den regulären Musikunterricht. Die Teilnahme ist für alle Kinder verpflichtend und kostenfrei.

An der Ruhr summt und brummt es
Ziel des Programms ist es, jedem Kind der Ruhr-Region die Möglichkeit zu bieten, ein Musikinstrument in der Grundschule zu erlernen. Auf Breitenförderung angelegt, sollen damit alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen

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41 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Der Preis: »Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW«
Nordrhein-Westfalen hat eine reiche Kulturlandschaft. Dazu gehören Theater und Museen, Konzert- und Opernhäuser, Chöre, Tanzkompanien, Jugendkunst- und Musikschulen, Literaturhäuser, Jugendzentren, Film- und Medienzentren und Soziokulturelle Zentren. Alle diese Kompetenzen sollen genutzt werden, um Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den Kommunen zu einem „Kinder- und Jugendkulturland’ zu machen. Um jungen Menschen aus allen sozialen und kulturellen Schichten die Tür zu Kunst und Kultur so weit wie möglich zu öffnen, müssen sich alle gemeinsam auf den Weg machen. Die Landesregierung zeichnet jedes Jahr Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung und innovative künstlerisch-kulturelle Projekte aus. Bei der Auswahl der Preisträger wird besonderes Augenmerk auf die Beteiligung und das Zusammenwirken aller Akteure vor Ort (Kinder und Jugendliche, Künstler, Vereine, Besucher und Nutzer) gelegt, um den ‚kulturellen Bewegungsraum‘ von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu erweitern. Des Weiteren werden herausragende Kooperationsprojekte prämiiert, die Künstlerinnen und Künstler oder Kulturpädagogen zusammen mit Kultur-, Bildungs- und Jugendeinrichtungen auch kommunenübergreifend durchgeführt haben, um damit neue Zielgruppen zu erschließen. Für die Kommunalen Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung werden drei Preise in Höhe von 20.000 Euro vergeben, mit sechs Preisen zu je 10.000 Euro werden innovative Projekte von Künstlerinnen und Künstlern mit Kindern und Jugendlichen in Zusammenarbeit mit Bildungs-, Jugend- und Kultureinrichtungen ausgezeichnet. Die gemeinsame Überschrift lautet: „Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland Nordrhein-Westfalen“. Die Landesregierung unterstützt daher den Aufbau von solchen Strukturen und fördert Kommunen und kommunale Verbünde, die planvoll an der Qualität der kulturellen Bildungsprozesse arbeiten. Im Idealfall entsteht daraus ein Gesamtkonzept der kulturellen Bildung, das eine zielgerichtete kooperative Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften ermöglicht. Bei der Unterstützung kommunaler Einrichtungen und freier Träger, die in der kulturellen Bildungsarbeit aktiv sind, setzt die nordrhein-westfälische Landeskulturund Jugendpolitik ebenfalls einen klaren Schwerpunkt. Auch die eigenen Programme des Landes, die Anreize für eine landesweite qualitative Weiterentwicklung der Bildungslandschaft geben, werden in enger Kooperation mit den Kommunen entwickelt und umgesetzt. Denn die kommunale Ebene ist entscheidend für kulturelle Bildung: Kinder und Jugendliche leben in einer Stadt, einer Gemeinde, im Stadtteil, einer Landschaft oder Region. Hier entwickeln sie ihre sozialen und kulturellen Bezüge, hier entfaltet sich ihr Alltag. Öffentliche oder öffentlich geförderte Einrichtungen wie Kitas, Jugendtreffs, Jugendkunstschulen, soziokulturelle Zentren, Ganztagsschulen, Musikschulen, Bibliotheken, Museen, Kinder und Jugendtheater oder Tanzkompagnien tragen deshalb eine besondere Verantwortung. Sie können so etwas wie „Kraftzentren“ für die kulturelle Kinder- und Jugendbildung sein.

Bewerbung
Um den Preis bewerben können sich Kommunale Gesamtkonzepte, die 	 die Verankerung der kulturellen Bildung im kommunalen 	 	 Leitbild/Profil erkennen lassen, 	 Vernetzungsstrukturen von (auch institutionellen) 	 Akteuren einschließlich Politik und Verwaltung in den 	 angesprochenen Handlungsfeldern aufzeigen, 	 neben der Kooperation von Künstlern, 	 Kultureinrichtungen/-initiativen mit Kindertageseinrich	 tungen, Schulen, Einrichtungen der Kinder-/Jugendför	 derung und der Weiterbildung einen Schwerpunkt auf die 	 Einbeziehung/Partizipation aller Akteure vor Ort, 	 insbesondere aber der Kinder und Jugendlichen legen 	 oder durch die Kooperation mit anderen Kommunen 	 Verbünde schaffen, die den „kulturellen Bewegungsraum“ 	 von Kindern und Jugendlichen nachhaltig erweitern. Über die Preisvergabe entscheidet eine unabhängige Jury.

Kunst und Kultur vor Ort: Kommunale Gesamtkonzepte
Will man kulturelle Bildung nachhaltig fördern, müssen Strukturen geschaffen werden, die die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure erleichtern. Kulturelle Bildung kann vor Ort nur dann optimal gelingen, wenn Kultureinrichtungen, Schulen, Kindertageseinrichtungen und die Einrichtungen der außerschulischen kulturellen (Jugend-)Bildung kooperieren und systematisch vernetzt sind. Dazu bedarf es einer gemeinsamen Planung von Kulturförderung, Schulverwaltung und Jugendhilfe auf örtlicher Ebene. Die Kooperation der verantwortlichen Institutionen und Organisationen bildet so die Grundlage für gelingende kulturelle Bildung im kommunalen Raum.

© Kulturrucksack NRW Hamm, Foto: Gustav-Lübcke-Museum, Heinz Feussner

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Ausgezeichnete Kommunen
Die Kommunen, deren Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung von der nordrhein-westfälischen Landesregierung bereits ausgezeichnet wurden, orientieren sich an den Bewerbungs-Leitlinien und suchen jeweils ihren eigenen Weg, um sie umzusetzen. Strukturell entsprechen die Konzepte dem, was die Managementtheorie als „Good Practice“ bezeichnet, als erfolgreiche pragmatische Ansätze, die strategischen Zielen Rechnung tragen, ohne den Anspruch zu erheben, die beste oder gar einzig empfehlenswerte Lösung zu bieten. „Good Practice“ heißt, offen für neue Gesichtspunkte, Vergleichs- oder Veränderungsmöglichkeit zu sein. Im Jahr 2013 beeindruckten die Städte Oberhausen, Löhne und Schmallenberg mit ihren Gesamtkonzepten für kulturelle Bildung, die ganz den jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnissen vor Ort angepasst sind, aber alle eine zielgerichtete kooperative Gestaltung von kommunalen Bildungslandschaften ermöglichen.

Das Oberhausener Modell der kulturellen Bildung basiert auf drei Säulen... …auf der Zusammenarbeit mit Schulen: Um diese zu stärken, verfolgt Oberhausen zwei Modelle. An den Schulen wird eine Lehrkraft als Kulturbeauftragte benannt, die die Wünsche der Schule vertreten und die Anregungen und Möglichkeiten aus dem Kulturbereich in die Schulen tragen soll. Diese Lehrerinnen und Lehrer werden regelmäßig mit Informationen über das Kulturangebot versorgt und in die Entwicklung neuer Konzepte kultureller Bildung einbezogen. Schulen, die sich sogar für eine Schwerpunktbildung im Bereich kultureller Bildung entschieden haben, werden auf ihrem Weg unterstützt, „KulturSchule“ zu werden. Dafür werden mehrjährige Vereinbarungen zwischen Schulen und Kultureinrichtungen geschlossen und langfristige kulturelle Bildungsangebote konzipiert. …auf den Kultureinrichtungen der Stadt: Das Theater Oberhausen, die LUDWIGGALERIE im Schloss Oberhausen, die städtische Malschule, die Städtische Musikschule, das LVR Industriemuseum Oberhausen, die Volkshochschule mit dem Programmsegment „Junge VHS“ und nicht zuletzt die Oberhausener Kurzfilmtage machen alle eigene theater-, museums-, musik- oder medienpädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche und für Lehrerinnen und Lehrer. …auf Partnern in der kulturellen Bildung: Die neu gegründete Jugendkunstschule, die fünf Soziokulturellen Zentren, die Offene Jugendarbeit, die Jugendkirche TABGHA, der Verein kitev - Kunst im Turm e.V., frok e.V. – freie Oberhausener Kreative e.V. und rocko e.V. mit dem zweitägigen umsonstund-draußen-Festival „Olgas Rock“, der Integrationsrat mit seinem interkulturellen Kulturangebot „Mehr Kültür“ und dem interkulturellen Festival „Balkan Express“ und nicht zuletzt die schon berühmte „Multi“, die größte internationale städtische Jugendbegegnung, die alle zwei Jahre stattfindet, bilden in Oberhausen ein vielteiliges Netzwerk von Angeboten kultureller Bildung. Die Koordination des Kommunalen Gesamtkonzeptes erfolgt innerhalb der städtischen Verwaltung. Das Kulturbüro der Stadt Oberhausen vernetzt Kulturinstitutionen und Kulturschaffende. Es arbeitet eng mit dem Bildungsbüro der Stadt Oberhausen zusammen, das die Koordination mit vorschulischen und schulischen Partnern übernimmt. Diese Bündelung von Ideen und Ressourcen wird die Grundlage für eine erfolgreiche, innovative und den Menschen zugewandte Kulturarbeit in Oberhausen.

Reich an Ressourcen: Kulturelle Bildung in Oberhausen
Oberhausen ist eine Stadt, die durch den Strukturwandel besonders geprägt und herausgefordert wird, aber ein reiches Kultur- und Bildungsangebot hat. Daher setzt die Stadt in ihrem Konzept „Kulturelle Bildung in Oberhausen“ auf die Bündelung und Koordination der Angebote und Zugänge. Das Ziel ist die kulturelle Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen, auch solchen, die keinen einfachen Zugang zu Bildung und Kultur haben.

© Kurzfilmtage/ Daniel Gasenzer

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„Kultur entdecken!“ in Löhne
„Kultur entdecken!“ - und das von Anfang an, unter diesem Motto hat die Stadt Löhne im Kreis Herford ihr kommunales Gesamtkonzept für kulturelle Bildung konzipiert. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass „die der kulturellen Bildung zuerkannten Wirkungen wie die Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit, Schaffung von Werturteilsfähigkeit, Stärkung des Selbstbewusstseins zunehmend Relevanz erhalten“. Dafür soll kulturelle Bildung im Kindesalter ansetzen. Denn die Nutzung von Kulturangeboten ist ein Lernprozess. Mit Erreichen der Pubertät sind viele kulturelle Gewohnheiten bereits geprägt. Das Löhner Konzept sieht die enge Kooperation zwischen den Grundschulen und den Kultureinrichtungen vor. Durch Kooperationsverträge sollen feste Strukturen geschaffen werden, die einen verlässlichen Rahmen für eine kontinuierliche Durchführung bieten. Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll. Die Kultureinrichtungen der Stadt Löhne – die Städtische Musikschule, die Jugendkunstschule, die Stadtbücherei und das Heimatmuseum – erstellen in Absprache mit den Grundschulen ein Angebot, das ein verlässliches „Kulturprogramm“ für vier Grundschuljahre darstellt. Die Angebote werden in Absprache mit den Grundschulen organisatorisch in den – zumeist vormittäglichen – Stundenplan der Grundschule aufgenommen. Im ersten Jahr bietet die Musikschule eine Wochenstunde Unterricht in kleinen Gruppen; im zweiten Jahr führt die Jugendkunstschule ein dreimonatiges Projekt durch; im dritten Jahr ist die Stadtbücherei mit einzelnen Veranstaltungen der Hauptakteur und im vierten Jahr das Heimatmuseum. Am Ende gibt es einen „Kulturentdeckerpass“ für die Kinder, der sie als „Kulturexperten“ auszeichnet. Auch nach Beendigung der Einzelprojekte gibt es weiterführende Angebote, die dann außerhalb des Stundenplans, jedoch vor Ort in den Schulen stattfinden und damit für die Kinder leicht erreichbar bleiben. Durch die verschiedenen künstlerischen Aktivitäten können die Schulen ein eigenes kulturelles Profil entfalten, indem sie beispielsweise ein kleines Orchester oder eine Theatergruppe einrichten. Solche Projekte an den Schulen werden von den Kultureinrichtungen auch über die schuljahrgebundenen Angebote hinaus unterstützt. Schließlich ist für die Umsetzung des ambitionierten Projektes eine Anlauf- und Koordinationsstelle erforderlich. Als solche fungiert das Kulturamt der Stadt Löhne, unterstützt durch die Leitungen beteiligter kultureller Einrichtungen, Mitarbeiter des Jugendamtes und Lehrkräften aus den Grundschulen.

Vier Jahre „Kulturprogramm“ Für dieses Ziel setzt die Stadt ganz auf die Grundschulen als Mittler zur Kultur und zu kulturellen Einrichtungen. Alle Kinder in Löhne lernen im Rahmen ihrer Grundschulzeit die verschiedenen Kunst- und Kulturbereiche bzw. die kulturellen Einrichtungen kennen und erhalten die Gelegenheit, sich aktiv zu beteiligen. Um die Nutzungsschwellen niedrig anzusetzen, sind die Angebote in einer Kennenlernphase unentgeltlich.

© Stadt Löhne

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303 Quadratkilometer, 83 Ortsteile: In Schmallenberg kommt die Kunst zu den Kindern
Viele gute Ideen Die Stadt Schmallenberg im Hochsauerlandkreis ist eine Kommune mit 25.000 Einwohnern und mit einer besonderen Siedlungsstruktur: Mit den Kernstädten Schmallenberg und Bad Fredeburg umfasst sie insgesamt 83 Ortschaften. Die Region ist damit von Faktoren geprägt, die Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an Kunst- und Kulturangeboten eher erschweren: die weiträumige Siedlungsstruktur, die weiten Entfernungen und oft nicht ausreichenden Verkehrsanbindungen, aber auch die geringe Zahl an Kindern und Jugendlichen. Anders als in urbanen Räumen ist das Kulturleben nicht an große Institutionen, Kulturbetriebe oder fachspezifische Bildungseinrichtungen gebunden, sondern spielt sich, getragen von zivilgesellschaftlichem Engagement, auf der „Mikroebene“ ab. Typisch sind spezifische Angebote und Initiativen, die auf einzelne Dörfer, Ortsteile und Unterzentren zugeschnitten sind und nur dort eine Identität entwickelt haben. Das Kulturangebot ist damit sowohl von großer Vielfalt und Breite, als auch von hohem laienkulturellem Engagement geprägt. Daher setzt die Stadt Schmallenberg mit ihrem „Gesamtkonzept Kulturelle Bildung“ auf ein Konzept, „das den gewachsenen Identitäten und örtlichen Initiativen Beachtung und Raum gibt“ und die Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern einbindet. Ob die Jugendkunstschule oder die Musikschule Hochsauerlandkreis, ob der von Jugendlichen gegründete Verein Ensible e.V. mit seinem jährlichen „Festival der Kulturen“, ob der Spielmannszug Kirchrarbach oder das Jugendorchester der Kur- und Knappenkapelle Bad Fredeburg, ob der Kinderbuchautor Kurt Wasserfall mit seinen Erzählworkshops oder die Lesemütter der Grundschule Berghausen, ob der Theaterverein „Junges Gemüse“ oder das Familienzentrum Lennetal mit seinen Kindertanzgruppen, ob das Schieferbergbau- und Heimatmuseum Schmallenberg-Holthausen oder die Historische Besteckfabrik Hesse und viele, viele mehr – engagierte Gruppen, Einrichtungen und Einzelpersonen ergeben zusammen ein dynamisches Netzwerk kultureller Bildung. Die einzelnen Bausteine des Konzepts sind ganz auf diese Gegebenheiten zugeschnitten. So ist ein „Kinderkulturkalender“ geplant, der zweimal im Jahr als Print- und Onlineversion veröffentlicht werden soll. Der „KKK“ ist als ein Wegweiser durch die kulturelle Vielfalt Schmallenbergs gedacht – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene genauso wie für alle Kulturakteure. Eine der wichtigsten Instrumente des Konzepts ist ein zu entwickelndes Mobilitätskonzept. Gedacht wird an „Kulturtaxis“ oder „Bildungsfahrten“, die im wahrsten Sinn des Wortes Verbindungen zwischen Angeboten schaffen. Und die Jugendkunstschule plant ein Modell, das kulturpädagogische Projekte in den Ortschaften und Dörfern anbietet und nicht nur im Gebäude der Jugendkunstschule in der Kernstadt. Dann fährt die Kunst übers Land und kommt zu den Kindern - nicht nur als einmalige Aktion, sondern als kontinuierliches Angebot.

Kinder und Jugendliche begegnen Künstlerinnen und Künstlern
Kooperationen gibt es auch im Kleinen: Insgesamt sechs besonders herausragende und innovative Projekte von Künstlerinnen und Künstlern mit Kindern und Jugendlichen in Bildungs-, Jugend- und Kultureinrichtungen des Landes NRW erhalten jährlich den mit je 10.000 Euro dotierten Preis „Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW“ in folgenden Kategorien: herausragende Projekte, die Künstlerinnen/Künstler 	 mit Kindern/Jugendlichen in Kindertageseinrich	 tungen, Schulen oder Jugendeinrichtungen durch	 geführt haben, 	 chulen mit Kulturprofil, S Kindertageseinrichtungen mit kulturellem 	Schwerpunkt. Der Preis wurde 2013 in Anknüpfung an das Landesprogramm „Kulturrucksack NRW“ neu ausgerichtet. Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern mit Kindern und Jugendlichen sowie Kultur-, Bildungs- und Jugendeinrichtungen zu fördern und herausragende Projekte in den Sparten Bildende Kunst, Film/Neue Medien, Literatur, Musik, Tanz und Theater in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Bandbreite der im Jahr 2013 ausgezeichneten Projekte spiegelt die Vielfalt der künstlerischen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen wider.

© Beate Herrmann, Jugendkunstschule Schmallenberg

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Raus mit der Kreativität oder: Schneewittchen mal anders
„Ich fand es gut, dass uns nicht vorgeschrieben wurde, was wir machen sollten. Wir konnten unsere Kreativität rauslassen, was viel Spaß gemacht hat.“ Das schreibt Imke als Kommentar zu ihrem Bild in der Ausstellung „Snow White and the Huntsman“. Sie war eine von 13 Schülerinnen der Marienschule Xanten, die unter dem Titel „working gallery – Schneewittchen mal Anders” selbständig eine Kunstausstellung gestaltet und organisiert haben. Der bildende Künstler Michael Blaszczyk hatte die Idee, ein Projekt mit zu verwirklichen, bei dem sich die Schülerinnen nicht nur künstlerisch erproben, sondern ihre Produkte außerdem der Öffentlichkeit präsentieren sollten. Denn Blaszczyk ist Künstler, aber auch Kurator der „Galerie im DreiGiebelHaus Xanten“. Die Kunst und die Galerie – was lag näher, als den Schülerinnen zugleich die vielschichtige Galeriearbeit nahezubringen?
© Angelika Vienken

Kunstlehrerin Regine Angenendt übernahm den schulischen Part und bot interessierten Schülerinnen als neues Wahlfach „Lektüre Kunst“ an. Der Grundgedanke war, eine Lektüre „künstlerisch zu visualisieren“. Der Ausgangstext „Snow White and the Huntsman“ („Schneewittchen und der Jäger“) ist die Vorlage zu einem Fantasy-Film, der den gegenwärtigen Geschmack von 15- bis 16-jährigen Mädchen ins Mark trifft, ist doch Schneewittchen hier kein Opfer, sondern eine selbstbewusste Kämpferin, die im Showdown gegen die böse Stiefmutter antritt. Frei in ihren Assoziationen und in der Wahl ihrer künstlerischen Mittel, malten, fotografierten die Mädchen oder modellierten Skulpturen. Begleitet wurde die gesamte Schaffensperiode von Michael Blaszczyk und Iris Jurjahn von der Galerie im DreiGiebelHaus. Hier lernten die Schülerinnen zusätzlich Nützliches über Hängung, Ausstellungsorganisation und Pressearbeit. Natürlich war die „working gallery“ ein voller Erfolg – und wie sich das in einer Galerie gehört, haben einige Mädchen ihre Werke sogar verkauft.

Da Vincis in klein: In Gerresheim wurde Forschergeist geweckt
Sie siedeten die Schalen von Walnüssen und schrieben mit der so entstandenen braunen Naturtinte. Sie malten mit Rotkohlsaft in 100 verschiedenen Farbtönen und sie stellten „Milchstein“ her und formten daraus kleine Skulpturen. Sie zersägten Äste im Wald, um eine „Leonardo-Brücke“ nach einer Konstruktion zu bauen, die erstmals von Leonardo da Vinci skizziert wurde. Wer das alles tat? Die „Mini da Vincis“, Schülerinnen und Schüler der Katholischen Grundschule „Unter den Eichen“ in Düsseldorf-Gerresheim. Die Künstlerin und Diplomingenieurin Angelika Vienken ist eine Meisterin darin, naturwissenschaftliches Experimentieren und künstlerischen Ausdruck zu vereinen. Seit fast 20 Jahren arbeitet sie als freie Szenenbildnerin an Konzepten zur Wissensvermittlung für Kinder und Erwachsene. Auch in ihrem Projekt im Rahmen des NRW-Landesprogramms „Kultur und Schule“ vereinte sie Wissenschaft und Kunst. Die Kinder konnten sich einerseits spielerisch, frei, kreativ und experimentell erproben. Anderseits lernten sie dabei fast jede Minute etwas über Naturgesetze.

Viel Fantasie und eine Menge Knowhow Die Kinder aus Gerresheim waren denn auch mit Eifer dabei. Sie bauten eine überdimensionale Luftballonrakete und lernten, wie ein Luftstrom gezielt umgeleitet werden kann. Sie erfuhren, wie das „schwere“ Gas CO2 eine Kerze zum Erlöschen bringt und bunte Vulkane zum Brodeln, wenn Natron mit Essig gemischt wird. Bei schönem Wetter machten sie Feuer wie die Menschen im Mittelalter, nämlich mit Zunderpilz, Rohrkolbensamen und Feuerstein. Oder sie rührten Mixturen für riesige Seifenblasen. Und ganz wie Leonardo da Vinci können sie nun auch spiegelverkehrt schreiben. Nur wenig Material, viel Fantasie und Knowhow waren vonnöten, um schlussendlich sogar einen Animationsfilm herzustellen – mit Schere und schwarzer Pappe wie einst die Pioniere der Scherenschnittfilme.

© Jil Blechschmid

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Vorhang auf für: „Essener Goldstücke“
Eine Woche lang verwandelte sich die Weststadthalle in Essen in eine große Theaterbühne. Über 400 Schülerinnen und Schüler aus neun Schulen ließen sich von einem begeisterten Publikum für die Ergebnisse monatelanger Arbeit bejubeln. Deklamierend, tanzend und singend stellten die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 16 Jahren dar, was sie bewegt. Für Schultheaterfestivals ist das eigentlich nichts Ungewöhnliches. Hier schon: Die Protagonisten der „Essener Goldstücke“, so der Titel von Projekt und Veranstaltung, hatten sich fast alle zum ersten Mal ans Theaterspielen gewagt. Kein Wunder, dass sie vor dem Aufführungserfolg besonders nervös und danach besonders stolz auf sich waren. Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Teamgeist der Gruppen waren deutlich zu spüren. Genau das war die Absicht, erklärt Markus Heijenga, Koordinator eines Teams der schulbezogenen Jugendsozialarbeit beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in EssenMitte e.V. Der SkF arbeitet an der Schnittstelle Jugendhilfe – Schule schon seit längerer Zeit erfolgreich mit kreativen, vor allem theater-, tanz- und musikpädagogischen Ansätzen. Durch den Einsatz theatraler Methoden werden Wahrnehmung und Ausdruck, Selbstgefühl und Zusammenspiel geschult. Vier der neun Schulen waren Förderschulen, die sich allgemeine Inklusionseffekte wünschten. Zugleich wurde an Inhalten aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen gearbeitet. Die Hauptschule Wächtlerstraße brachte das Thema Mobbing in ihrem Stück „Flaschendrehen“ auf die Bühne. Schülerinnen und Schüler der Förderschule Hellwegschule mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale Entwicklung und soziale Entwicklung beschäftigten sich in ihrer Produktion mit dem Klassiker „Romeo und Julia“. Und bei der Förderschule am Steeler Tor ging es um „Freundschaft und andere Gefahren“. Dank der professionellen Hilfe von Theater-, Tanz- und Musikpädagoginnen und -pädagogen gelang es in allen Projekten, die Stärken der Kinder und Jugendlichen hervorzulocken. Alle beteiligten Schulen wollen nun damit weitermachen, wahre Schätze wie die „Goldstücke“ zu heben.

© Korbach

Omas Reise oder: Kibu und die neuen Freunde
„Lange Zeit war es schön in Afrika. Die Sonne schien und alle Tiere lebten friedlich zusammen. Doch eines Tages gab es bösen Streit zwischen den Nashörnern.“ Giraffen und Zebras bekommen Angst und fliehen nach Europa. Leider will sie hier keiner haben: „Die wollen bestimmt meine Nüsse haben“, argwöhnt das Eichhörnchen. Hier geht es um die Geschichte von „Kibu und die neuen Freunde“, dargestellt in einem Animationsfilm und einem gleichnamigen kleinen Bilderbuch. Beides ist das Ergebnis einer kleinen und zugleich großartigen Recherche zur Migrationsgeschichte von Vorschulkindern des Kindergartens Welheimer Mark in Dortmund. Das Projekt war Teil des durch die Europäische Union geförderten Gesamtprojekts „Interkultur“, einer Kooperation des Referats Migration der Stadt Bottrop mit dem Verein Kunstreich im Pott e.V. mit dem Ziel, die kulturelle Teilhabe von Migrantinnen und Migranten zu fördern.

Heimatgeschichten Die Geschichte von Kibu übersetzt in Bilder, was die 5- bis 6-jährigen Kinder unter der Leitung der Filmemacherin Ulrike Korbach zuvor von Eltern und Großeltern gehört hatten. Geschichten vom Verlassen der Heimat, Erfahrungen von Ausgrenzung und das Gefühl der Fremdheit wurden von den Kindern mit Unterstützung der Erzieherinnen auf Tiere übertragen und zu einer emotional nachvollziehbaren Geschichte verwoben. Aus von den Kindern gemalten Giraffen, Nashörnern und anderen Tieren entstand ein Bilderbuch, in dem die Kleinen immer „ihre Geschichte“ anschauen und „Omas Reise“ verstehen konnten. In einem nächsten Schritt wurde die Geschichte in einen Trickfilm umgesetzt. Dafür kneteten die Vorschulkinder gemeinsam mit der Bildhauerin SARIDI die Figuren der Story und bastelten die Kulissen. Im Hauptteil, dem eigentlichen Filmdreh, entdeckten die kleinen Filmemacher dann, wie die Illusion im Film entsteht, probierten Daumenkinos und fügten Einzelbilder am Laptop zusammen. Am Ende hatten sie über 800 Einzelbilder schrittweise animiert und aufgenommen, kurze Videoclips produziert, den Tieren ihre Stimmen verliehen und in der Nachvertonung Geräusche gemacht. So entstand ein sechsminütiger Knet-Animationsfilm, der sogar auf „You Tube“ zu bewundern war.

© SkF Essen-Mitte e.V., Foto: Andel Goy

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53 Landesprogramme, Landesförderung und Wettbewerbe

Alarm! – Theater in Bielefeld
„Das AlarmTheater macht aus Fremden Freunde, aus Ideen Realität und aus dir einen neuen Menschen, egal was für einen Hintergrund du hast.“ Dieses Kompliment von Laurenz, einem ehemaligen Schüler des Oberstufenkollegs Bielefeld, gilt dem AlarmTheater, einem professionellen freien Theater mit eigener Spielstätte im Bielefelder Westen. Jährlich produziert das Theater bis zu acht Schauspiele für Jugendliche und Erwachsene. Darüber hinaus führt das Theater Projekte in Kooperation mit Schulen, Integrationsstätten oder Inhaftierten durch. Das Herzstück der Arbeit bilden Eigen-Produktionen zu aktuellen Themen. Zwei dieser Produktionen mit jungen Erwachsenen wurden im Wettbewerb ausgezeichnet.

© Oberlinschule Volmarstein

© AlarmTheater

Bitte wenden! Im Stück „Bitte wenden!“ spürte ein Team aus 17 jungen Menschen, das sich aus Kollegiatinnen und Kollegiaten des Oberstufenkollegs und Mitgliedern der „Jungen Bühne“ des AlarmTheaters zusammensetzte, Erscheinungsformen des Rechtsextremismus nach. Auf der Grundlage von Informationsmaterial sowie Recherchen im eigenen Umfeld analysierten die Jugendlichen Einstellungsmuster und Gesprächsverhalten rechter Szenen. Daraus entwickelten sie Mosaiksteine für das Stück, das in einem gemeinsamen Arbeits- und Probenprozess aufgebaut wurde. Das Ergebnis war, dass rechtsextreme Einstellungen nicht an Glatze und Springerstiefel festzumachen sind, sondern sich als alltägliche Menschenverachtung in der Mitte der Gesellschaft zeigen. Begleitet wurden die Aufführungen durch Publikumsund Expertendiskussionen sowie einer Ausstellung zu Erscheinungsformen einer „neuen Generation rechts“.

Wie weit gehst du? Ähnlich brisant waren Form und Inhalt des Projekts „Wie weit gehst du?“. Es bot 13 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen aus sechs verschiedenen Ländern die Gelegenheit, sich in einem dreiwöchigen Theaterprojekt zu erproben und zu präsentieren. Für die jungen Flüchtlinge war dies eine große Herausforderung. Denn sie sind völlig auf sich selbst gestellt, verunsichert und oft traumatisiert, mussten ohne ihre Eltern vor Krieg, Gewalt und Verfolgung nach Deutschland fliehen und sprechen die Sprache nicht. Für das gemeinsam erarbeitete Stück wurden Lieder und Tänze aus den Heimatländern, aber auch eine Choreographie aus einem Bollywood-Film genutzt, die die Jugendlichen selbständig erarbeitet hatten. Das fertige Theaterstück zeichnete mit Tanz, kurzen Texten, Liedern und Videoproduktionen den Lebensweg der Protagonisten nach – ein Schauspiel, das weder die Spieler noch ihr junges Publikum kalt ließ.

Unschlagbar! Eine Schule macht sich auf den Weg
Etwa 280 Schülerinnen und Schüler besuchen täglich die Oberlinschule in Wetter an der Ruhr, eine Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung der Evangelischen Stiftung Volmarstein. Die Ganztagsschule hat sich – ganz im Sinne des Wettbewerbs – auf den Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW gemacht. Starthilfe dafür gab das Kinder- und Jugendtheater Hagen, das mit einigen schwerstbehinderten Kindern ein „basales Theater“ entwickelte. Inzwischen gehören Theaterbesuche zum Schulleben eines jeden Oberlinkindes. Viele weitere Kulturschaffende konnten für Kooperationen in Sachen Oper, Literatur, Musik, Tanz und Film gewonnen werden. Projekte und Fortbildungen zur kulturellen Bildungsarbeit wechseln sich hier seit 2006 ab. Mit den Erfahrungen lernten alle Beteiligten, wie auch schwerstbehinderte Kinder einbezogen werden können. Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Inhalte dieser Bilder auf und suchten sie im wirklichen Leben, beim Bummel über einen Markt oder in der Stadt. Immer waren gemischte Gruppen unterwegs, halfen die Vorhaller Hauptschüler den behinderten Kindern und Jugendlichen aus Wetter. Diese Eindrücke flossen in die musikalische und szenische Umsetzung ein. In einer Aufführung präsentierten alle gemeinsam „ihre“ Bilder in einer bunten Mischung aus Aktionen, Sprüchen, Rätseln und Fotos, begleitet vom Direktor des Hagener Kinder- und Jugendtheaters Werner Hahn und dem international bekannten Pianisten Andreas Boyde.

Inklusive Erfahrungen Wie man gemeinsam unschlagbar wird, zeigte eine Zusammenarbeit mit der nahegelegenen Hauptschule Vorhalle in Hagen. Die Hauptschüler kannten den Umgang mit behinderten Menschen durch ein inklusives Sportangebot der Schule für schwerstbehinderte Erwachsene. So wagten sich beide Schulen, unterstützt durch Künstlerinnen und Künstler, gemeinsam an Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Dafür machte man sich den Vorteil von Programmmusik zunutze. Denn die einzelnen Sätze des Klavierwerkes beschreiben reale Werke von Viktor Hartmann, die Mussorgski in einer Ausstellung gesehen hatte.
© Oberlinschule Volmarstein © AlarmTheater

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Ausgewählte Projekte und Initiativen

Im Netz der Spinne: Workshop in Kooperation mit der Architektenkammer NRW“, © Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer

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57 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Von der Lochkamera zur Greenbox
Von der Lochkamera über den Stop-Trick-Film bis zur Greenbox – ausgestattet mit Kameras und Computerarbeitsplätzen bietet die Medienwerkstatt der Kunstsammlung eine ganze Fülle von technischen Möglichkeiten, um kreativ mit Fotografie und Video zu experimentieren. Anknüpfend an die medialen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen werden visuelle Gestaltungsmöglichkeiten und die Manipulierbarkeit digitaler Bilder erkundet. Digitale und analoge Arbeitsweisen schließen sich dabei nicht aus. Stop-MotionAnimationen können auch mit Stift und Papier entworfen oder Storyboards vorgezeichnet werden.

Peerlearning in der Kunst: Die Klee-Kinder
Genau 100 Werke des Künstlers Paul Klee besitzt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Sie legten den Grundstock für die bedeutende Sammlung des Museums. Wenn es da gleichzeitig eine Düsseldorfer Schule gibt, die nach Paul Klee benannt ist – was könnte da näher liegen als eine Zusammenarbeit? Anfang 2012 schloss die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen einen Kooperationsvertrag mit der Schule. Der Zeitpunkt war kein Zufall, denn im Herbst 2012 wollte das Museum die große Ausstellung „100 mal Paul Klee“ zeigen. Im Mai 2012 war es soweit: Jede Woche besuchte die Klasse 2b das Museum oder die Museumspädagoginnen kamen in die Schule. Gemeinsam plante man eine Ausstellungseröffnung speziell für Kinder. In Gruppen mit verschiedenen Arbeitsaufträgen legten die „Klee Kinder“ los.

© Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer

© Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer

Bildung durch Bilder in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Bildung durch Bilder in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Junge Besucher an Kunst und Kultur heranzuführen hat sich die Kunstsammlung zu einer besonderen Aufgabe gemacht. Die Abteilung Bildung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen konzipiert und organisiert das Begleitprogramm des Museums für verschiedene Alters- und Interessensgruppen. Die Angebote gründen auf der Erfahrung, dass die Auseinandersetzung mit Kunst Kinder und Jugendliche über die konkrete Betrachtung der Werke hinaus in ihrer sinnlichen und ästhetischen Wahrnehmung fördert. Deshalb schlagen die Workshops, Kurse und Führungen für Besucher aller Altersgruppen eine inhaltliche Brücke von der Kunstbetrachtung zu Erfahrungen des Alltags. So sensibilisieren sie dafür, die vertraute Umwelt mittels der Kunst „mit anderen Augen“ zu sehen.

Multimedia-Guide für Kinder
Inzwischen mehr als kundig, wirkten die „Klee Kinder“ anschließend an einem Multimedia-Guide für das jüngere Publikum zur Sammlung des Museums mit. Zu 19 Werken, unter anderem von Klee, Picasso, Max Ernst, Kandinsky, Franz Marc, Warhol, Rauschenberg und Beuys, wurden Fragen entwickelt und O-Töne der Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Die wurden mit O-Tönen der Künstler und weiteren Texten kombiniert und zu Features verarbeitet, die nun von allen Museumsbesuchern im MultimediaGuide abgerufen werden können. Außerdem sind im Guide Videointerviews zu sehen, die die Klee Kinder mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kunstsammlung NordrheinWestfalen geführt haben. Als besonders gelungenes Projekt wurden die „Klee Kinder“ bereits ausgezeichnet.

Kunst mit allen Sinnen
Mit dem „Kleinen Studio“ hat die Kunstsammlung eine Werkstatt für frühpädagogische Projekte eingerichtet, deren Ansatz speziell auf die Bedürfnisse von Kindern ab zwei Jahren zugeschnitten ist. Ausgerichtet auf spielerische, offene kreative Prozesse, fördern und begleiten die Projekte die natürliche Neugier und den Forscherdrang der Kinder. Im Zentrum der Arbeit steht das pädagogische Ziel, die Selbstbildungsfähigkeit der Kinder zu unterstützen und ihnen einen entwicklungsgemäßen Zugang zur Kunst zu ermöglichen.

Wie die Profis
Die für die Begrüßung zuständige Gruppe probte und überarbeitete die Rede. Die Bilder-Experten spezialisierten sich auf je ein Werk, das sie in der Ausstellung vorstellen wollten. Die Workshop-Gruppe stellte Materialien für künstlerische Techniken zusammen und übte das Anleiten der kreativen Arbeit. Im Dokumentationsteam wurde der Umgang mit Foto- und Videokameras geprobt und eine Bodenzeitung mit Texten und Fotos entworfen. Als Einladung wurde eine Karte mit dem Foto der Klasse gedruckt. Bei einer so guten Vorbereitung konnte am Tag der Eröffnung nichts schiefgehen: Mit einer Schautafel zum Leben des Künstlers wurden die Besucherinnen und Besucher durch den BiografieExperten empfangen. In den Ausstellungsräumen gaben die jungen Kunstkenner Auskunft über ihr jeweiliges Werk. Und im Innenhof des Museums demonstrierten die WorkshopSpezialisten anderen Kindern Klees kreative Experimente. Das Dokumentationsteam fotografierte, filmte und führte Interviews mit den Besuchern.

© Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer

© Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer

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59 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Kreativ mit Wort und Bild: Bibliotheken wecken Sprach- und Leselust
Öffentliche Bibliotheken spielen für die kulturelle Bildung eine zentrale Rolle. Zum einen sind sie gerade in kleineren Kommunen oft die einzige Kultureinrichtung. Zum anderen ist die Zugangsschwelle vergleichsweise niedrig. Bibliotheken sind vieles gleichzeitig. Sie sind Informationszentren und Orte des lebenslangen Lernens, außerschulische Bildungspartner, Freizeit- und Begegnungseinrichtungen, Literaturvermittler und -veranstalter und – je nach konzeptioneller Ausrichtung – auch noch einiges mehr. In all ihren Funktionen sind sie immer auch Orte der kulturellen Bildung. Auch wenn die Bibliothek schon mit ihrem Kernangebot – der Bereitstellung von Büchern, Filmen, Tonträgern und anderem – kulturell bildet, bieten fast alle Bibliotheken gezielte Angebote für Kinder und Jugendliche. Zu den Klassikern gehören dabei Aktionen zur Leseförderung. Bilderbuchkino und Vorlesestunden richten sich in der Regel an Kindergarten- und Grundschulkinder. Hier stehen besonders Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache im Fokus. Viele Bibliotheken haben einen festen Stamm ehrenamtlicher und geschulter Vorlesepaten, die regelmäßige und gefragte Angebote machen. Projekttage sind regelmäßiger Bestandteil des Schulalltags, bei denen Bibliotheken eine wichtige Rolle spielen können. Sie gestalten Angebote für Lesefreudige und Literaturinteressierte, sorgen mit attraktiven Medienkisten – ohne Schulbücher – dafür, dass auch Unterrichtsthemen einen neuen Reiz bekommen oder organisieren Entspannungsphasen am Projekttag, indem sie Leseecken einrichten und bestücken, Vorlesen anbieten oder zum kreativen Umgang mit Texten anleiten. Angebote öffentlicher Bibliotheken zur kulturellen Bildung finden oft in Kooperation mit Partnern statt. In erster Linie sind es Kindertageseinrichtungen und allgemeinbildende Schulen, vor allem Grundschulen, die gemeinsam mit der Bibliothek Veranstaltungen für „ihre“ Kinder durchführen. So werden viele erreicht, die allein vielleicht nicht den Weg in die Bibliothek finden würden. Gleichzeitig entdecken manche Kitas und Schulen erst durch die Zusammenarbeit mit der Bibliothek, wie sie auch für ihre eigene Arbeit von den vielfältigen Möglichkeiten der Bibliotheksbestände profitieren können – eine echte Win-win-Situation, die vielerorts zu langfristigen und nachhaltigen Kooperationen führt. Neben der direkten Ansprache von Kindern und Jugendlichen ist es fast ebenso wichtig, Multiplikatoren zu erreichen: Eltern, Erziehende in Kindertageseinrichtungen und Lehrkräfte. Für sie organisieren Bibliotheken Informationsveranstaltungen und Fortbildungen, damit sie die Bibliotheksangebote unterstützen, aber auch lernen, eigene Angebote zu entwickeln und umzusetzen. Denn keine Bibliothek ist personell so gut ausgestattet, dass sie allein den Bedarf decken könnte. Auch für Fachschüler und Studierende organisieren manche Bibliotheken bereits Fortbildungsveranstaltungen, um diese schon vor dem Start in den Beruf für das Thema kulturelle Bildung durch Sprach- und Leseförderung zu sensibilisieren. Viele Veranstaltungen und Angebote der öffentlichen Bibliotheken sind ein Beitrag zur kulturellen Bildung, ohne dass sie unter dieser Überschrift erscheinen. Das Spektrum ist jedenfalls riesig. Es lohnt sich immer, Bibliotheken darauf anzusprechen oder sich in ihrem Veranstaltungskalender zu informieren.

© Stadtbibliothek Hattingen

Produzieren und rezipieren
Autorenbegegnungen und Schreibworkshops richten sich vor allem an Schülerinnen und Schüler. In Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis NRW oder in eigener Regie werden Autorinnen und Autoren eingeladen, um mit einer Schulklasse oder in einer offenen Veranstaltung unmittelbar mit Texten zu arbeiten. Oft lernen Kinder erst so zu verstehen, was es heißt, einen literarischen Text zu produzieren. Aber auch Lesezugänge lassen sich bei einer Autorenbegegnung ganz anders vermitteln als zum Beispiel im Deutschunterricht. In vielen Städten gehört auch der SommerLeseClub zum regelmäßigen Programm: Schülerinnen und Schüler, die in den Sommerferien mindestens drei Bücher lesen, bekommen dafür ein Zertifikat und einen Eintrag im Zeugnis.

© Stadtbibliothek Bielefeld

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61 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Spielräume für kulturelle Bildung: Die vier Landestheater in NRW
Landestheater erfüllen eine Doppelfunktion: Zum einen bespielen sie in ihrer Stadt die eigene Bühne am Standort. Zum anderen gastieren sie in Städten und Gemeinden, die über kein eigenes Theaterensemble verfügen. So gewährleisten die Landesbühnen mit künstlerisch anspruchsvollen Inszenierungen ein dezentrales Kulturangebot zu vertretbaren Preisen auch außerhalb der Ballungsgebiete. Und hierfür reisen die vier nordrhein-westfälischen Landestheater – die Burghofbühne Dinslaken, das Landestheater Detmold, das Rheinische Landestheater Neuss und das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel – quer durch NRW und präsentieren pro Spielzeit über 100 Produktionen in ihrem Gesamtprogramm. Aus Kulturmitteln wird ihre Arbeit mit rund 14.392.000 Euro (Kulturförderung 2012) gefördert. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt im Bereich der kulturellen Bildung. Etwa ein Drittel aller Inszenierungen richtet sich an Kinder und Jugendliche. Eine Besonderheit des Kinderund Jugendtheaterspielplans ist das Angebot an speziellen Stücken nach Altersstufen. Dazu gehören unter anderem fremdsprachige Stücke fürs Klassenzimmer sowie Theater für die ganz Kleinen, aktuelle Jugendtheaterstücke oder natürlich auch das große Weihnachtsmärchen. Allerdings kommen die Kinder und Jugendlichen nicht nur ins Theater – auch die Landestheater kommen direkt zu ihrem jungen Publikum und zeigen ihre Produktionen, unter anderem in Schulen oder Kindergärten. Zudem können die Veranstalter in ganz NRW auch für ihre Zuschauer vor Ort mit den Theaterpädagogen der Landestheater ein besonderes Begleitprogramm zu den Gastspielaufführungen mit Vor- und Nachbereitungen realisieren, zum Beispiel Einführungen, Treffen mit Schulklassen oder Theaterworkshops. Das Arbeitsumfeld der Landestheater außerhalb der Metropolen ermöglicht ein Theater, das möglichst viele Menschen erreicht. So bringt beispielsweise der Theaterbus der Kinderund Jugendbühne des Landestheaters Detmold oder das mobile Clownstheater für drinnen und draußen des Rheinischen Landestheaters Neuss seine Inszenierungen direkt in interkulturell geprägte Stadtviertel, in die Kitas, auf den Schulhof oder vor das Jugendzentrum. Weitere Beispiele unterstreichen die Vielfalt und Qualität der Landestheater NRW im Bereich der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche. So zeugen beim Rheinischen Landestheater mehrere Einladungen zum NRW Theatertreffen wie auch zum Festival „Westwind“, dem Theatertreffen NRW für junges Publikum, von der überregionalen Akzeptanz des Theaters. Auch das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel wurde mit der Produktion „Zigeuner-Boxer“, die auf kleinen Bühnen, in Klassenzimmern oder gar direkt in Boxringen aufgeführt wird, als „herausragende Inszenierung für Kinder und Jugendliche aus NRW“ zum Westwind-Festival eingeladen. Das junge Publikum spielt auch bei der Burghofbühne Dinslaken eine große Rolle: Das Förderprogramm „Jedem Kind einen Theaterbesuch“ zum Beispiel garantiert jedem Dinslakener Kindergartenkind einen kostenlosen Theaterbesuch pro Jahr. Außerdem verleiht die Burghofbühne alle zwei Jahre gemeinsam mit der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe den „Kathrin-Türks-Preis“ für Nachwuchsautorinnen im Jugendtheater. So nehmen die Landestheater NRW die Herausforderung einer sich verändernden Gesellschaft an und bieten ein kulturelles Bildungsangebot für Menschen jeden Alters und jeder kulturellen Herkunft.

Klangvoll für junges Publikum: Die drei Landesorchester

Bei den drei Landesorchestern in Nordrhein-Westfalen – der Nordwestdeutschen Philharmonie, der Neuen Philharmonie Westfalen und der Philharmonie Südwestfalen – nimmt die musikkulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche einen großen Raum ein. Im Zentrum dieses Engagements stehen die Kinderkonzerte, mit denen von Jahr zu Jahr Tausende von Kindern erreicht werden. Für Kinder im Kindergartenalter wurden die „Teddybärenkonzerte“ der Philharmonie Südwestfalen gestartet. Auch die Neue Philharmonie Westfalen bietet zweimal jährlich stattfindende Kinderkonzerte, in denen das junge Publikum auf kindgerechte Weise Konzertluft schnuppern und dabei die Instrumente und deren Funktion im Orchester besser kennenlernen kann.

Zusätzlich werden Kinderkonzerte für Schulklassen angeboten, in denen klassische Werke von Mozart oder Vivaldi den Schülerinnen und Schülern durch spannende Erläuterungen nahegebracht werden. Im Rahmen des Projektes „Musikwerkstatt im Klassenzimmer“ werden interessierte Schulklassen von einzelnen Orchestermusikern in ihren Klassenzimmern besucht. Mit den Erläuterungen der Musiker und dem selbstständigen Ausprobieren der Instrumente werden die Kinder auf die bevorstehenden Kinderkonzerte eingestimmt. Die Nordwestdeutsche Philharmonie nimmt sich im Rahmen ihres Bildungsprogramms ebenfalls des Nachwuchses an. Das Orchester steht durch regelmäßige Lehrerworkshops in kontinuierlicher Verbindung mit den Grund- und weiterführenden Schulen und diesen als außerschulischer Partner zur Verfügung. Zu den regelmäßigen Aktivitäten gehören die Kinderkonzerte, „Konzerte für Junge Leute“, „Konzerte von Schülern für Schüler“ und die Angebote „Musiker kommen in die Schule“ und „Proben mit den Profis“. Neugierige Kinder und Jugendliche sind immer gern gesehene Gäste bei der Probenarbeit der Nordwestdeutschen Philharmonie.

© Burghofbühne Dinslaken Produktion: „Warten, dass das Leben beginnt“ ab 14 Jahren von Anja Tuckermann (Kathrin-Türks-Preis 2012) / Regie: Ismail Deniz; auf dem Foto v. l.: Lara Christine Schmidt, Massud Noori, Carsten Caniglia, Erwin Kleinwechter, Stefanie Obermaier-Staltmeier, Foto: Martin Büttner © Westfälisches Landestheater Produktion: „Tschick“ ab 12 Jahren von Robert Koall, nach Wolfgang Herrndorf / Regie: Katrin Herchenröther; auf dem Foto v. l.: Daniel Printz, Steffen Weixler, Foto: Volker Beushausen

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63 Ausgewählte Projekte und Initiativen

© Connect the Dots, Erik Kaiel, Foto: Andreas Endermann

Macht! Platz! – Das tanzhaus nrw
Wo eigentlich treffen sich junge Menschen heutzutage? In sozialen Netzwerken oder an der Bushaltestelle? Bei Skype oder am Kiosk? Inspiriert von dem Stück „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke erforschten Jugendliche von 14 bis 19 Jahren am tanzhaus nrw, was passiert, wenn Einzelne aufeinandertreffen, zu einer Gruppe zusammenwachsen oder alleine bleiben. „Macht! Platz!“ ist auch eine Geschichte von zwei sich Liebenden, die aber immer an verschiedenen Orten sind und sich nicht finden. Gemeinsam mit einer Choreografin, einem Regisseur und – eigens für dieses Projekt – mit einer Videokünstlerin erarbeiteten die Jugendlichen, die vorher erfolgreich ein Casting absolvierten, ein Bühnenstück. Herausgekommen ist eine berührende Produktion, angesiedelt zwischen Tanztheater, Hiphop, Jazz und zeitgenössischem Tanz. Parallel dazu wurde eine Videoarbeit erstellt. In einer Mischung aus realen Bildern und Zeichentrick ging es um männliche und weibliche Kommunikationsrituale oder um Fragen wie „Wie trifft man sich, nähert sich an, entfernt sich, verpasst man sich?“ Für das Projekt „Benedikt Next Generation (BNG)“ kooperiert das tanzhaus nrw mit der Katholischen Hauptschule St. Benedikt sowie mit dem Familienzentrum Zitty und bietet regelmäßigen Tanzunterricht, Theaterbesuche sowie eine eigene Tanzkompanie an. Seit 2013 engagiert es sich im Rahmen der bundesweiten Initiative „Chance Tanz“ mit tanzkünstlerischen Projekten, die sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche richten. Und mit „Fresh Tracks Europe (FTE)“ hat das tanzhaus nrw ein Netzwerk mit anderen europäischen Tanzhäusern und -festivals aufgebaut und unterstützt Choreografen bei ihrer Arbeit für junges Publikum.

Take-off: Junger Tanz
Herzstück der Breitenarbeit aber ist das Programm „Take-off: Junger Tanz“. Es führt Kinder und Jugendliche im Alter von null bis 18 Jahren an die Ästhetik und Technik der zeitgenössischen Tanzkunst heran. Seit 2006 arbeitet eine Vielzahl Düsseldorfer Partner aus Kultur, Pädagogik, Wissenschaft und Politik unter der Federführung des tanzhaus nrw an neuen und nachhaltigen Strukturen für junge Tanzkunst. Zu den beteiligten Partnertheatern zählen das Junge Schauspielhaus, das FFT Düsseldorf sowie das Konzerthaus Tonhalle. „Take-off: Junger Tanz“ verankert Tanz im Theater und in Schulen. So entstehen regelmäßig Tanzkunstproduktionen für die junge Zielgruppe, wobei die Einbeziehung junger Menschen in die künstlerische Arbeit zentrales Anliegen ist. Dank „Take-off: Junger Tanz“ hat die Tanzvermittlung einen festen Platz im Kulturleben der Region.

Junges Tanzen auf hohem Niveau
So wie mit dem Projekt „Macht! Platz!“, das im Rahmen des Kultur-Medien-Projekts „rhein/medial“ stattfand, engagiert sich das tanzhaus nrw seit vielen Jahren für den Tanz für und mit Kindern und Jugendlichen. Mit dem „Jungen Tanzhaus“ hat es dafür innerhalb des Hauses eine eigene Programmlinie geschaffen. Neben einer Vielzahl an offenen Kursen und Workshops machen vier Projekte den Teilbereich Junges Tanzhaus aus.

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65 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Keine Frage: Dieser Abend ist etwas Besonderes
Einmal im Jahr präsentieren überall in Nordrhein-Westfalen Jugendliche ihre Kunst, bei der „nachtfrequenz“ – der „langen nacht der jugendkultur“, veranstaltet von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen e.V. (LKJ). Im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 ins Leben gerufen, geht die Nacht der Jugendkultur im Jahr 2014 in die fünfte Runde. Sie bietet nicht nur Kultur für Jugendliche, sondern vor allem Kultur von Jugendlichen. Die Jugendlichen sind es selbst, die bestimmen. Sie sind es, die Nordrhein-Westfalen in zuletzt 46 Städten und Gemeinden mit über 100 Veranstaltungen und 350 Aktionen bewegen. Tanz, Theater, Musik, auf der Bühne und im Studio, Fotografie, Film und Video, in den Straßen oder im Schwimmbad, Malen, Graffiti, Rock und Hip-Hop, in Straßen und in Parks, Akrobatik und Poetry Slam, im Konzerthaus und im Jugendzentrum – je innovativer desto frecher. In Schwerte wurde die gesamte Innenstadt zur Bühne, in Attendorn gab es an unterschiedlichen Orten Kunstworkshops. In Oer-Erkenschwick und Herten stand die Musik im Vordergrund, während die Jugendlichen in Ratingen bei den Trendsportarten Skaten und BMX-Fahren aktiv waren. Und der Song „Faces“ der Bochumer Band „The Daydreamers“, nach einem Wettbewerb als Hymne der Nacht ausgewählt, verband alle, von Stemwede nach Euskirchen, von Krefeld nach Büren. Bis zum nächsten Jahr, wenn wieder die Nacht zum Tag gemacht wird.

© LKJ NRW, Foto: Beni Veltum

nachtfrequenz – Die lange Nacht der Jugendkultur
Auf der Bühne eines Dortmunder Jugendzentrums steht eine junge Band. Der Schweiß steht Keyboarderin Anna auf der Stirn, aber sie strahlt über das ganze Gesicht. Als die Gruppe den letzten Akkord spielt, applaudiert das Publikum langanhaltend. „Das ist das erste Mal, dass wir zusammen auftreten“, verrät Anna. „So ein Gefühl hatte ich noch nie: Vorher diese Aufregung, dann vergisst man alles um sich herum – und dann klatschen die Leute vor der Bühne. Das ist einfach nur schön.“ Zur gleichen Zeit in Oberhausen steht Fadma mit einem Manuskript vor ihren Zuhörern. Die Deutsch-Türkin kam vor 15 Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihre Erinnerungen führt sie mit viel Humor zusammen, der das Publikum ein ums andere Mal zum Lachen bringt. Sie zeigt die kulturelle Reibung, aber auch das kulturelle Zusammenspiel auf, wie sich alles mischt und etwas Neues entsteht – ebenso wie ihr Programm, mit dem sie regelmäßig bei Poetry Slams auftritt. „Ich finde es unglaublich wertvoll, dass das Land Nordrhein-Westfalen uns so etwas bietet“, sagt sie glücklich. In Krefeld führt am selben Abend eine Theatergruppe von 14- bis 21-Jährigen ein Musical auf, ein Stück über unterschiedliche soziale Milieus. Die Jugendlichen haben für die Aufführung unter der Leitung einer Theaterpädagogin über zwei Monate geprobt. „Ich habe noch nie auf einer Bühne gestanden und ein Lied gesungen. Mir war das immer peinlich. Aber wenn wir zusammen singen, macht es Spaß“, erzählt Christian nach der Aufführung.

© LKJ NRW, Foto: Dirk Vogel

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© spinxx, Foto: Claudia Ferda

Es gibt vielfache Unterstützung
spinxx.de versteht sich als breit angelegte Qualifizierungsinitiative im Bereich Film- und Fernseherziehung. Es versteht sich daher von selbst, dass die Kinder und Jugendlichen nicht allein gelassen werden. Das jfc Medienzentrum Köln initiiert und begleitet die lokalen und regionalen Redaktionsgruppen, die bei Medieneinrichtungen, Trägern der Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Wohlfahrtsverbänden und anderen Akteuren vor Ort angesiedelt sind. Hier werden zusätzlich zur Medienkritik auch eigene Filme gedreht und dafür Kurse in Interviewtechnik und Storyboard-Schreiben angeboten. Außerdem finden regelmäßig „Kritikergipfel“ und Mediencamps statt – zentrale Veranstaltungen zum Austausch, zur Fortbildung und Präsentation für die jungen Spinxx-Redakteure und andere interessierte Kinder und Jugendliche. Den Pädagoginnen und Pädagogen, die die Redaktionsgruppen betreuen, bietet das jfc Medienzentrum medienpädagogische Qualifizierungen an. Die Redaktionen sind in ein landesweites Netzwerk eingebettet, das den beteiligten Multiplikatoren Austausch ermöglicht sowie praktische Hilfestellungen und Impulse für die medienpädagogische Arbeit gibt.

© spinxx, Foto: Claudia Ferda

Sag, was du denkst. Sag’s auf: spinxx.de
„Die Drachenjäger (Film): Aus meiner Sicht war der Film gut. Er war sehr actionreich, spannend und an manchen Stellen wirklich witzig. Langweilig war der Film nie. Meine Lieblingsfigur ist Zoe, weil sie in die Geschichte noch mehr Schwung bringt.“ Ann (10) „Wann ist Krieg und wann ist Frieden? (TV-Dokumentation): Es ist schwierig, über den Film zu schreiben, weil es sich um ein sehr ernstes Thema handelt. Aber ich will es versuchen, weil man als Kritiker auch über ernste Themen schreiben sollte. Die Welt ist nicht nur schön.“ Felix (13)

Auch wenn Kinder und Jugendliche wichtige Medien-Konsumenten sind, ein Urteil sprechen häufig Erwachsene. Ann und Felix aber, von denen diese Filmrezensionen stammen, machen bei „spinxx.de“ mit, einem medienpädagogischen Projekt, das vom jfc Medienzentrum in Köln ausgerichtet wird. Ihre Rezensionen werden im Online-Magazin spinxx. de veröffentlicht. Hier veröffentlichen Kinder und Jugendliche ihre Sicht auf die Medienwelt. Sie verfassen Kritiken zu Filmen, Fernsehsendungen, Computerspielen und Büchern oder bringen Reportagen, Interviews und Filme rund ums Mediengeschehen. Das geht ganz einfach von zu Hause aus. Sie können aber auch in einer Redaktionsgruppe mitmachen. Dort treffen sich wöchentlich Spinxxer zwischen 10 und 15 Jahren unter anderem in Köln, Gelsenkirchen, Münster, Hamm und Siegen, um Kinofilme zu diskutieren, Kritiken, Berichte von Filmveranstaltungen, Interviews mit Schauspielern und Hintergrundreportagen zu schreiben oder auch eine eigene Fotostory zu produzieren.
© spinxx, Foto: Claudia Ferda

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69 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Immer unterwegs: Kulturstrolche und KulturScouts auf Entdeckungsreise
Strolchen ist Programm
Dass Aufräumen nicht gerade das Lieblingsthema von Kindern ist, ist kein Geheimnis. Bei den „Kulturstrolchen“ der Karlschule in Paderborn trifft das aber offensichtlich nicht zu. Denn die Drittklässler nahmen sich des „Problems“ künstlerisch an und stellten dazu eine eigene Fotoausstellung auf die Beine. die Projektidee und bietet seitdem das Programm seinen Mitgliedskommunen an. Seit 2011 fördert auch das NRW KULTURsekretariat Wuppertal das Projekt der Kulturstrolche in ausgewählten Mitgliedskommunen. Im Klassenverbund besuchen die Kinder die Einrichtungen und nutzen speziell für sie entwickelte, kostenlose Angebote, lernen dort Menschen, deren Arbeit und die jeweilige Kulturform kennen. Kulturinstitutionen und Künstlerinnen oder Künstler öffnen dazu ihre Türen und laden die Kulturstrolche ein, hinter die Kulissen zu blicken. Die können ausprobieren und selbst entdecken, was ihnen gefällt und besonderen Spaß macht. Denn Kulturstrolche gucken nicht nur zu, sie sind ganz aktiv mit dabei. Dabei erleben sie, dass Kultur keine abstrakte, ferne Sache für Erwachsene ist. Und sie erfahren, dass sie willkommen sind und was Kultur ihnen bieten kann. Oft greifen die Themen der Kulturbesuche Fragen des Unterrichts auf oder stoßen diese an. Und lassen sich nicht alle Themen des Unterrichts mit Bildender Kunst, Musik, Theater, Tanz, Sprache, Schreiben, Literatur oder Geschichte verknüpfen und verstärken?

Strolchen heißt vernetzen Das „Strolchen“ ist dabei zu einer Art Handlungsmuster für alle Beteiligten geworden. Immer weitere Akteure werden einbezogen, Organisationen, Institutionen und freie Kulturschaffende, und es ist auch möglich, Kulturinstitutionen der Nachbarstädte einzubeziehen. Alle Ämter und Einrichtungen im Bereich Kultur kooperieren dafür: das Stadtarchiv, das Stadtmuseum, die Bibliothek, die Volkshochschule, Theatergruppen, Orchestervereinigungen, Chöre, die Musikschule, Jugendkunstschule und viele andere. Das zuvor meist lose Zusammenwirken von Schulen, Institutionen und Kulturämtern wird durch Kooperationsverträge gefestigt. In drei Schuljahren durchlaufen die Kinder mindestens sechs Projekte, also mindestens zwei Projekte in zwei unterschiedlichen Sparten in zwei Schulhalbjahren. Eine Kultureinrichtung wird bis zu dreimal besucht. Der Gewinn für die kleinen Strolche liegt auf der Hand: „Für mich ist ein Kulturstrolch ein Traumjob“, sagt Malte lapidar. Aber auch die Kultureinrichtungen profitieren. Sie lernen, das eigene Profil und bestehende Konzepte für die junge und hoffentlich bleibende Zielgruppe zu differenzieren. Für die Schulen springen dabei verbindliche Partnerschaften heraus, und für die Stadt sind die systematischen Kooperationen von Schulen und Kultureinrichtungen wichtige Wegmarken in der kommunalen Bildungslandschaft. Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Ab dem Schuljahr 2014/15 besteht auch für Nichtmitgliedsstädte der Kultursekretariate, die sich am Kulturrucksack beteiligen, die Möglichkeit, eine Kulturstrolcheförderung aus Landesmitteln zu bekommen.

© Kulturstrolche

Doch zuerst ging es zum „Raum für Kunst“, einer Ateliergemeinschaft im Gebäude einer ehemaligen Großbäckerei. Dort strolchten die Strolche gemeinsam mit dem Künstler Elmar Brinkmöller durch die Räume und lernten einiges über den Künstler Ursus Wehrli und seine Fotografie. Wehrli setzt sich in seiner Kunst viel mit dem Thema „Aufräumen“ auseinander. Das gefiel den Strolchen so gut, dass sie seine Grundidee einfach mit nach Hause nahmen. Zurück in der Schule suchten sie dann gemeinsam mit Elmar Brinkmöller nach geeigneten Fotomotiven – zum Beispiel einem Bücherregal – und fotografierten diese im unordentlichen, chaotischen und im aufgeräumten Zustand. Die Fotos wurden anschließend in einer Ausstellung gezeigt, deren Organisation ebenfalls in den Händen der Kulturstrolche lag. Sie schrieben die Einladungen zur Eröffnung und sorgten für das leibliche Wohl ihrer Gäste. Die Paderborner Kulturstrolche waren – zu Recht – sehr stolz auf ihre künstlerische und organisatorische Leistung.

© KulturScouts OWL

Unter den 26 Kultureinrichtungen, die sich an dem Projekt beteiligen, finden sich sämtliche Sparten, darunter Schlösser, Theater, Klöster, Museen und ein Philharmonie-Orchester. Jede Einrichtung ist in einem der sechs Kreise oder der Stadt Bielefeld verortet und verfügt über spezifische Annäherungsmöglichkeiten an Kultur.

Über den kulturellen Tellerrand: „KulturScouts“ erobern OWL
Scouts - das klingt nach Entdeckern und Spurensuchern – so wie die Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 16 Jahren, die in Ostwestfalen-Lippe im Programm „KulturScouts“ zweimal im Schuljahr auf Spurensuche in die Kultureinrichtungen der Region ausschwärmen. Klassenweise nehmen sie an eigens für sie konzipierten Kulturangeboten teil, werfen einen Blick hinter die Kulissen der Institutionen und werden in Werkstätten, Ateliers und Proberäumen selbst zu Kreativen. Hauptziel der „KulturScouts OWL“ war und ist die Qualifizierung der Kultureinrichtungen in der zielgruppenspezifischen Arbeit für diese Altersgruppe. Seit 2010 werden die gesamten Angebote der Einrichtungen in einem umfangreichen Katalog zusammengestellt, aus dem die Schulen auswählen und „buchen“ können.
© Kulturstrolche

Close the gap! Für die inzwischen 70 Schulklassen und Gruppen der Offenen Jugendarbeit und insgesamt rund 1700 teilnehmenden Jugendlichen ist es fast selbstverständlich geworden, sich auf den Weg zu den Kultureinrichtungen zu machen. So reisen sie von Gütersloh nach Paderborn, von Minden nach Höxter, von Herford nach Bielefeld. Möglich macht dies eine gelungene Kooperation zwischen KulturScouts OWL und den Trägern des öffentlichen Nahverkehrs. Sitz der Koordinationsstelle „KulturScouts OWL“ ist das Museum Marta Herford. Die Übernahme von Projekt- und Transportkosten aus Landesmitteln ermöglicht den Kindern und Jugendlichen, unabhängig von den finanziellen Voraussetzungen ihres Elternhauses die Angebote kultureller Bildung wahrzunehmen.

Strolchen heißt entdecken So wie die Paderborner Kids machen es auch die Kulturstrolche in Ahlen, Bad Salzuflen oder Jülich und vielen anderen Städten in NRW: Sie streifen durch Orchestergräben, Museumskeller oder Bücherfluchten. Sie schauen zu, sie fragen, machen mit und experimentieren. Das Konzept kommt aus Münster. Hier setzte das Dezernat für Bildung, Familie, Jugend, Kultur und Sport die Idee um, dass Grundschulkinder während des 2. bis 4. Schuljahrs (mindestens) mit allen städtischen Kultureinrichtungen in Berührung kommen sollten. Interessierte Schulen kamen mit ihren Klassen ins Theater, ins Museum oder ins Stadtarchiv. 2008 übernahm das Kultursekretariat NRW Gütersloh

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71 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Der Jugendkulturpreis NRW zeichnet modellhafte Kulturaktivitäten von und mit Jugendlichen aus. 2012 ging der Preis an „theartmonkeys‘ society“, einem aus einem Atelierkurs des Kunstmuseums Bochum entsprungenem „quirligen Kunstkollektiv“ von 15- bis 20-Jährigen, die bei Kursen und künstlerischen Projekten mitwirken und ihre jugendlichen Ideen mittels verschiedener künstlerischer Mittel, Ausstellungen, Aktionen und Performances einbringen. Der Kinderkulturpreis NRW ist Kulturaktivitäten von und mit Kindern, mehrheitlich unter 14 Jahren, vorbehalten. Die letzte Preisverleihung sah gleich zwei strahlende Sieger. 30 Kinder der Gemeinschaftsgrundschule Westerwaldstraße aus Köln produzierten mit dem gemeinnützigen Autorenverein „AURA 09“ das Buch „Laulali, Vanillekind“. Die Kinder hatten gemalt, gedruckt, fabuliert und in mehreren Sprachen gedichtet. Kinder der Oberlinschule, einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung in Wetter, führten den „Karneval der Tiere“ von Charles Camille Saint-Saëns auf. Die teilweise schwerstbehinderten Kinder setzten den klassischen Musik-Zyklus in Bewegung, Musik und Gestaltung um.

Der Jugend.Kultur.Preis NRW wird von der Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste/Jugendkunstschulen NRW e.V. (LKD) sowie der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendarbeit NRW e.V.(LKJ NRW) veranstaltet.

© Hermann Willers Jugend.Kultur.Preis NRW 2012

Der Young Europe Award wird an Projekte von und mit Kindern und Jugendlichen vergeben, die zusätzlich zu den allgemeinen Kriterien des Jugendkulturpreises einen ausdrücklichen Bezug zu Europa haben. Preisträger 2012 war „Third Class Titanic“, ein Beitrag des Theater Cactus aus Münster mit dem Chor des Gymnasiums Paulinum Münster, dessen Theatergruppe, der der Geistschule Münster sowie der Marimbagruppe der Schule am Bagno in Steinfurt. Die Theaterproduktion setzte sich mit dem Thema „Flucht nach Europa“ und der Not der vor Lampedusa gestrandeten Afrikaner auseinander. Für den Online-Award können sich zusätzlich alle Bewerberprojekte im Internet einem öffentlichen Online-Voting stellen. Aktueller Sieger des Publikumspreises war die IBB Media Group des Jugendkulturzentrums (JKZ) Scheune in Ibbenbüren. In dem Videoprojekt ging es um die Frage „Was bedeutet mir das JKZ?“ und um ein medial vermitteltes Bekenntnis zur eigenen Jugendkultur.

Ich sehe dich! Der JUGEND.KULTUR.PREIS NRW
250 Projekte, 22.000 aktive Kinder und Jugendliche aus ganz Nordrhein-Westfalen, 100 Kommunen und 2.500 Festivalbesucherinnen und -besucher – die Bilanzen des Jugend. Kultur.Preises NRW können sich sehen lassen. „SEE YOU“ heißt denn auch nicht nur das große Abschlussfestival, sondern kann als Motto über der Idee überhaupt stehen. Alle zwei Jahre wird beispielhafter Kulturarbeit von und mit Kindern und Jugendlichen eine Plattform und Öffentlichkeit geboten. Die Bewerber für die vier Preiskategorien sind so vielfältig wie die Projekte selbst. Theater, Jugendzentren, Musikschulen, Kindertagesstätten, Soziokulturelle Zentren, Jugendkunstschulen, Museen, Schulen, Stadtteilinitiativen und natürlich Kinder und Jugendliche melden ihre Projekte aus allen künstlerischen Sparten an. Die Preise im Gesamtwert von 15.000 Euro verteilen sich auf vier Kategorien.

© Hermann Willers Jugend.Kultur.Preis NRW 2012

© Hermann Willers Jugend.Kultur.Preis NRW 2012

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73 Ausgewählte Projekte und Initiativen

Bauen wie die Profis: Architektur und Stadtplanung als außerunterrichtliches Bildungsangebot
Architektur, Wohnen, Stadtentwicklung, Landschaftsplanung – das sind Themen, die sich bisher nur selten in schulischen Zusammenhängen finden. Es sind gleichzeitig aber auch Themen, mit denen Kinder und Jugendliche jeden Tag in Berührung kommen, meistens ohne es zu merken. Der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist es ein Anliegen, den Blick von Kindern und Jugendlichen auf ihre gebaute Umwelt zu schärfen. Architektur, Wohnen und Stadtentwicklung sind klassische Schnittstellen-Themen, die in den verschiedenen Schulfächern behandelt werden können, zum Beispiel in Gesellschaftswissenschaften, Kunst, Mathematik, Geschichte oder Sozialkunde. Um Kindern und Jugendlichen möglichst früh in ihrer Entwicklung ein Gespür für ihre gebaute Umwelt zu vermitteln, hat die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen im Jahr 2002 das Aktionsprogramm „Architektur macht Schule!“ gestartet. Damit fasst die Kammer ihre Aktivitäten und Projekte im Bereich Schule zusammen und bietet den Schulen in Nordrhein-Westfalen Konzepte für spannende Unterrichtsreihen und konkrete Projekte an. Seit 2008 beteiligt sie sich auch am Landesprogramm „Kultur und Schule“. Die Projekte finden aktuell an zwanzig nordrhein-westfälischen Standorten statt und verzeichnen damit bislang die stolze Wachstumsrate von 100 Prozent. Beteiligt sind Vertreterinnen und Vertreter aller in der Architektenkammer NRW organisierten Fachrichtungen, das heißt Architektur-, Innenarchitektur-, Stadtplanungs- und Landschaftsarchitektur-Aufgaben sind im Angebot. Besonderes Interesse erwecken die Aufgaben, die sich konkret mit dem eigenen Umfeld befassen oder gar mit der Realisierung locken. Die gründliche Evaluierung aller Projektphasen zeichnet ein durchweg positives Bild und bestätigt regelmäßig die Sinnhaftigkeit von Architektur und Stadtplanung als außerunterrichtliches Bildungsangebot.

Bauen will gelernt sein
In der Projektreihe „Wohnen in der Welt“ motivierte zum Beispiel eine engagierte Architektin die 9. Klasse der Janusz-Korczak-Förderschule in Lennestadt. Den Einstieg für die lernbehinderten Schülerinnen und Schüler boten jeweils Informationen und Bilder zu verschiedenen Baumaterialien und -typen: Die Jugendlichen lernten Lehm als Baustoff einer jemenitischen Stadt und eines afrikanischen Rundhauses kennen, indem sie ein arabisches Stadtbild auf Papier gestalteten und das Tonmodell einer Hütte erstellten. Mit dem Thema Putz beschäftigten sie sich am Beispiel der weißen Häuser auf den griechischen Kykladen-Inseln und probierten ihn auch gleich selbst aus: Mittels eines Rollputzes entstand auf einer Spanplatte ein typisches kykladisches Dorf. Dafür wurden in einem ersten Schritt die Grundplatten aus Span mit Putz überzogen, eine nächste Putzschicht wurde aufgetragen, eine Häuserstruktur entwickelt. Anschließend hob blaue Farbe die typischen Strukturelemente der Häuser hervor. Jedes Material bekam die ihm angemessene Form. So wurde aus vorgefertigten Elementen und anhand eines Bauplanes ein traditionelles Holzhaus auf Pfosten, wie es sie auf den Philippinen gibt, gebaut. Höhepunkt der Projektreihe war die Planung und der anschließende modellhafte Nachbau eines modernen Wohnhauses mit zwei Etagen. Die Raumaufteilung war freigestellt. Diese Aufgabe beinhaltete gleichzeitig die Einführung in die Maßstäblichkeit. Beim Zeichnen bemerkten die Schülerinnen und Schüler, dass es gar nicht so einfach ist, Größenverhältnisse einzuschätzen und Raumbezüge herzustellen. Beim Schritt von der Planungszeichnung zum Modell sahen sie die Notwendigkeit ein. „Oh, in dem Raum habe ich ja gar kein Fenster?“, oder „Wie komme ich jetzt vom Flur in dieses Zimmer?“ waren typische Fragen. Am Ende standen die fertigen Modelle, sogar mit Tapeten und Teppichen versehen, vor den stolzen „Hausbesitzern“.

Architekt trifft Schule
Bei landesweit ausgeglichener regionaler Streuung sowie Berücksichtigung möglichst aller Schulformen entsteht eine Projektpalette, die von Detmold bis Aachen und von der Förderschule bis zum privaten Gymnasium reicht. Da die Projektinhalte zwischen den lehrenden Architektinnen und Architekten und der gastgebenden Schule beraten werden, entstehen maßgeschneiderte Programme. Architekturtheoretische Einheiten werden altersgemäß ausgestaltet und können ebenso als anschauliches Exkursionspaket wie als Einführung in das maßstabsgerechte Zeichnen vermittelt werden.

© Maria Luise Wiethoff

Planen, bauen, gestalten
So wie an der Janusz-Korczak-Förderschule machen an vielen Schulen Nordrhein-Westfalens Schülerinnen und Schüler die Erfahrung, wie es ist, ihre Umwelt verändern zu können. So geschieht es augenblicklich an der Ursulinenschule Hersel in Bornheim: Die Schule hat angeregt, im Rahmen der Projektarbeit die hauseigene Kapelle umzugestalten. Unter Anleitung einer Innenarchitektin experimentieren die Schülerinnen mit Licht, Schatten, Farben und Stoffen und freuen sich, ihre Erkenntnisse demnächst umsetzen zu dürfen. Für ältere Schülerinnen und Schüler ist oft auch die kritische Auseinandersetzung mit Funktion und Ästhetik, Planung und Umsetzung, Ökologie und Ökonomie ein wichtiger Projektbestandteil. An der Düsseldorfer Hulda-PankokGesamtschule haben sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der 9. und 10. Klasse in der „Projektgruppe Architektur“ intensiv mit der Fragestellung „Wie wollen wir in der Stadt wohnen?“ beschäftigt. Konkret wurde das Thema Stadtplanung anhand eines zu beplanenden Areals nahe der Schule. Die Fläche, die fußläufig von der Hulda-Pankok-Gesamtschule aus erreichbar ist, lag jahrelang brach, bis sie von einer Wohnungsbaugesellschaft aufgekauft wurde. Dann wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Nachdem sich die Schülerinnen und Schülern vor Ort und anhand der Planungsunterlagen kundig gemacht hatten, entwickelten sie, allein und im Team, eigene Entwürfe. Zuletzt wurden die Entwürfe in städtebauliche Modelle umgesetzt, die interessierten Besuchern schließlich präsentiert wurden.

© Maria Luise Wiethoff

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Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der Programme und Initiativen

Formen in Bewegung: Projekt am Thementag für Familien im K21 Ständehaus“, © Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Wilfried Meyer

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77 Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW Küppelstein 34 42857 Remscheid www.kulturellebildung-nrw.de Architektenkammer Nordrhein-Westfalen Haus der Architekten Zollhof 1 40221 Düsseldorf www.architektur-macht-schule.de Koordinierungsstelle Kulturrucksack NRW Kurpark 5 59425 Unna www.kulturrucksack.nrw.de Kultursekretariat NRW Gütersloh Kirchstraße 21 33330 Gütersloh www.kultursekretariat.de www.kulturstrolche.de KulturScouts OWL Lilian Wohnhas Marta Herford gGmbH Goebenstraße 2-10 32052 Herford www.kulturscouts-owl.de Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Grabbeplatz 5 40213 Düsseldorf www.kunstsammlung.de Landestheater NRW Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Verkauf E-Mail: buero@landestheater-nrw.de www.landestheater-nrw.de

Jugendkulturpreis: LKD – Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste/Jugendkunstschulen NRW e.V. (LKD) / Jugend.Kultur.Preis NRW Kurpark 5 59425 Unna www.lkd-nrw.de/lkd/jugendkulturpreis.html www.jugendkulturpreis.de lange nacht der jugendkultur LKJ NRW e.V. Wittener Str. 3 44149 Dortmund www.lkj-nrw.de www.nachtderjugendkultur.de spinxx jfc Medienzentrum Hansaring 84-86 50670 Köln www.spinxx.de Stiftung Jedem Kind ein Instrument Willy-Brandt-Platz 1-3 44787 Bochum www.jedemkind.de tanzhaus nrw Erkrather Str. 30 40233 Düsseldorf www.tanzhaus-nrw.de www.take-off-junger-tanz.de

Verband der Bibliotheken des Landes NRW / Vbnw Stadtbibliothek Bielefeld Harald Plizer Neumarkt 1 33529 Bielefeld www.vbnw.de

Ansprechpartner der ausgezeichneten Projekte im Wettbewerb „Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland“ Michael Blaszczyk Galerie im DreiGiebelHaus Xanten Kapitel 18 46509 Xanten Marienschule Xanten Regine Angenendt Kleverstraße 9 46509 Xanten Oberlinschule Volmarstein Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung der Ev. Stiftung Volmarstein Carla Klimke Hartmannstraße 18 58300 Wetter www.esv.de Sozialdienst katholischer Frauen Essen Markus Heijenga Dammannstraße 32-38 45138 Essen www.skf-essen.de www.goldstuecke-festival-essen.de Ulrike Korbach Burgunderstr. 26 Filmatelier Am Heedbrink 29 44263 Dortmund www.ulrikekorbach.de Carla Klimke Hartmannstraße 18 58300 Wetter www.esv.de AlarmTheater e.V. Gustav-Adolf-Str. 17 33615 Bielefeld www.alarmtheater.de Angelika Vienken Hasselbeckstrasse 45 40625 Düsseldorf E-Mail: info@minidavincis.de, avienken@t-online.de www.innere-einkehr.de Stadt Schmallenberg Amt für Bildung, Kultur und Sport Frau Dr. Brockmann Postfach 1140 57376 Schmallenberg Stadt Oberhausen Kulturbüro Sabine Bergforth Langemarkstraße 19-21 46042 Oberhausen Stadt Löhne – Kulturbüro Gaby Wellensiek Alte Bünder Strasse 14 32584 Löhne

78 Auf dem Weg zum Kinder und Kulturland

IMPRESSUM Herausgeber Ministerium für Familie, Kinder, Jugend Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen Haroldstraße 4, 40213 Düsseldorf Telefon: 0211 837-02 info@mfkjks.nrw.de www.mfkjks.nrw.de © 2014 MFKJKS 2062 1. Auflage 2.000 Stück Die Druckfassung kann bestellt werden Im Internet: www.mfkjks.nrw.de/publikationen Telefonisch: Nordrhein-Westfalen direkt: 01803 100110 Bitte Veröffentlichungsnummer 2062 angeben Gestaltung pars pro toto, Agentur für Kommunikation, www.pars-pro-toto.de Produktion Digiprint Münster, www.digi-print.eu Titelfoto © Connect the Dots, Erik Kaiel, Foto: Andreas Endermann Foto Seite 4 © MFKJKS, Foto: Kerstin Kokoska Foto Seite 10 © Deutscher Städtetag Foto Seite 13 © Prof. Johannes Bilstein Foto Seite 18 © Prof. Dr. Thomas Coelen

Hinweis Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerberinnen bzw. Wahlbewerbern oder Wahlhelferinnen bzw. Wahlhelfern während eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Landtags-, Bundestags- und Kommunalwahlen sowie auch für die Wahl der Mitglieder des Europäischen Parlaments. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Eine Verwendung dieser Druckschrift durch Parteien oder sie unterstützende Organisationen ausschließlich zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder bleibt hiervon unberührt. Unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.

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