Path:
Volume

Full text: KVJS aktuell (Rights reserved) Issue 2020,4 (Rights reserved)

KVJS Aktuell 04/20 Integration Mit neuen Geschäftsideen Corona trotzen Seite 14 KVJS Soziales Fortbildung Seite 4 Seite 10 Seite 25 Den Landesrahmenvertrag mit Leben füllen KVJS unterstützt Kreise bei der Sozialplanung Neues Design und viele Highlights Impressum KVJS aktuell Oktober 2020 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart www.kvjs.de Verantwortlich: Kristina Reisinger Redaktion: Monika Kleusch Titelfoto: Thomas Brenner Layout: www.mees-zacke.de Bestellungen und Adressänderungen: Telefon 0711 6375-208 publikationen@kvjs.de Druck: Texdat-Service gGmbH, Weinheim Redaktioneller Hinweis: Wir bitten um Verständnis, dass aus Gründen der Lesbarkeit auf eine durchgängige Nennung der weiblichen und männlichen Bezeichnungen verzichtet wird. Selbstverständlich beziehen sich die Texte in gleicher Weise auf Frauen, Männer und Diverse. 2 KVJS aktuell 4/2020 KVJS Inhaltsverzeichnis KVJS 4 Landesrahmenvertrag: KVJS unterstützt mit Infoveranstaltungen 5 Im Gespräch mit dem Ministerium: Verbandsleitung sucht gemeinsame Wege 6 Netzwerken. Teilhabe stärken. 7 Quartiersakademie: Erste Fortbildungsangebote 7 Nichts verpassen mit „Mein KVJS“ HABILA 8 Tannenhof Ulm optimiert Umgang mit schwierigen Klienten SOZIALES 10 KVJS unterstützt Kreise bei der Sozialplanung 12 Online-Besichtigungen in der „Werkstatt Wohnen“ INTEGRATION 13 Das Integrationsamt und die Auswirkungen von Corona 14 Zwei Inklusionsunternehmen entwickeln zeitgemäße Geschäftsideen 16 Behindertenfreundlicher Arbeitgeber: Oftersheim verwaltet inklusiv 17 Lohnsicherung für Beschäftigte der Werkstätten für behinderte Menschen 18 Neue Info-App für Schwerbehindertenvertretungen 18 Neuer Referatsleiter in Karlsruhe JUGEND 19 Neue Pandemieregeln sichern Qualität in der Kindertagesbetreuung 20 FASD-Hilfe Stuttgart informiert und klärt auf FORSCHUNG 22 Forschungsprojekt belegt Wirksamkeit von Wohnangeboten der Sozialpsychiatrie 23 Kurzzeitpflege: Neues KVJS-Forschungsvorhaben untersucht Bedarf FORTBILDUNG 25 KVJS-Fortbildung in neuem Design und mit vielen Highlights NEU ERSCHIENEN 27 Beim KVJS erschienen 4/2020 KVJS aktuell 3 ©Alex from the Rock - stock.adobe.com KVJS Den Landesrahmenvertrag mit Leben füllen KVJS unterstützt mit Infoveranstaltungen Die Verhandlungen zum Landesrahmenvertrag SGB IX sind abgeschlossen. Jetzt hat der KVJS mit einer ersten Informationsveranstaltung den Grundstein gelegt für einen regelmäßigen Austausch mit den Kreisen. Der Landesrahmenvertrag SGB IX ist ein bedeutender Schritt in der Umsetzung der dritten Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Er soll zum 1. Januar 2021 in Kraft treten. In einer ersten Informationsveranstaltung haben Fachleute des KVJS sowie des Städte- und Landkreistags den Sozialdezernenten der Landkreise und Sozialamtsleitungen der Stadtkreise die wichtigsten Eckpunkte erläutert. Die vereinbarten Eckpunkte müssen nun noch in den Gremien der Verhandlungspartner beschlossen werden. Trotz Corona konnte die Veranstaltung mit Rücksicht auf die aktuellen Abstands- und Hygienevorschriften in Gültstein stattfinden und bildete sowohl mit den Vorträgen im Tagungsraum als auch beim Essen im Freien Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Die Veranstaltung ist der Auftakt zu regelmäßigen crossmedialen Info-Veranstaltungen. Sozialdezernent Frank Stahl gab zusammen mit Mitarbeitern der Dezernate einen Überblick und erste finanzielle Einschätzungen zum neuen Rahmenvertrag. Stahl verdeutlichte insbesondere die 4 KVJS aktuell noch unsichere Schätzung der Mehrkosten sowie die komplexe Umstellung der sozialen Teilhabe. Eva Dargel und Rouven Wrtal sprachen über zentrale Aspekte der Sozialen Teilhabe, der Teilhabe am Arbeitsleben und über Grundsätze der Vergütung. Auch die Wirtschaftlichkeits- und Qualitätsprüfung, Steuerungsmöglichkeiten vor Ort und neue Strukturen zur Umsetzung in den Kreisen waren Thema. Die Tagungsunterlagen finden Sie als Download im Mitgliederbereich. Gezielte Infoveranstaltungen Um die Träger der Eingliederungshilfe zu unterstützen, finden seit September Informationsrunden auf unterschiedlichen Ebenen statt. Diese sind nach Zielgruppen oder Themenschwerpunkten aufgebaut und bieten die Möglichkeit, konkrete Details, praktische Fragestellungen sowie das Zusammenspiel von Teilhabeplanung und Finanzierung zu besprechen. Dazu werden Empfehlungen und Handreichungen für die Umsetzung vor Ort zur Verfügung gestellt. Außerdem sollen künftig regelmäßig digitale Live-Chats über die KVJS-Homepage für Leitungskräfte angeboten werden. 4/2020 KVJS Wie auch im Rahmen des bisherigen Verhandlungsprozesses wird das Dezernat Soziales des KVJS dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Als Kompetenz- und Dienstleistungszentrum steht der Verband den 44 Stadt- und Landkreisen auch weiterhin mit fachlicher Expertise zur Seite. Die Dokumentation der Infoveranstaltungen ist im KVJS-Mitgliederbereich unter www.kvjs.de/ KVJS-SPW2 abrufbar. Loggen Sie sich vor Abruf mit Ihrem Benutzernamen und Kennwort ein. Hintergrund Eine vom Ministerium für Soziales und Integration moderierte Arbeitsgruppe aus Städtetag, Land- kreistag, KVJS, der Landesbehindertenbeauftragten sowie Vertretern der Leistungserbringer hatte sich zuvor auf Eckpunkte eines Vertrags geeinigt, Nun müssen diese den Gremien der Verhandlungspartner beschlossen werden. Der Landesrahmenvertrag bildet die Grundlage für die künftigen Leistungen für Menschen mit Behinderungen nach dem BTHG. Im Mittelpunkt steht deren individueller Bedarf für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben durch personenzentrierte Leistungen. Autor Kristina Reisinger / Eva Dargel In eine Richtung laufen Im Gespräch mit dem Ministerium: Verbandsleitung sucht gemeinsame Wege Regelmäßig tauscht sich die KVJS Verbandsleitung mit dem Ministerium für Soziales und Integration aus. Im Juli standen insbesondere der Landesrahmenvertrag BTHG, die Quartiersakademie und die problematische Entwicklung der Ausgleichsabgabe im Fokus. Die langen Verhandlungen zum Landesrahmenvertrag BTHG waren zentrales Thema des letzten Treffens: „Wir wollten immer ein gemeinsames Ergebnis“, sagte Frank Stahl. „Dafür haben wir zuletzt viele Dinge zu lange diskutiert.“ Ende Juli hatten sich die Vertragspartner endlich geeinigt (siehe dazu S. 4). Auch müsse bald Klarheit erzielt werden, inwieweit sich die höheren Einkommensund Vermögensgrenzen auf die Inanspruchnahme von EGH-Leistungen auswirken und welche Mehrkosten durch diese gesetzliche Regelung entstehen, ergänzte Verbandsidirektorin Kristin Schwarz. Über Entwicklungen der Ausgleichsabgabe berichtete der Leiter des KVJS Integrationsamtes 4/2020 Karl-Friedrich Ernst. Durch die Corona Pandemie seien die zuletzt bereits rückläufigen Einnahmen erneut stark eingebrochen. Dem stünden höhere Ausgaben als Nothilfen entgegen, weshalb man jetzt die Ausgaben besonders im Blick haben muss. „Auch das Programm ‚Arbeit inklusiv‘ sowie die institutionelle Förderung von Werkstätten müssen auf den Prüfstand“, forderte er. Dem pflichteten die Vertreter des Ministeriums bei, allerdings müsse man diskutieren, wie es im Detail aussehen könne. Für die Jugendhilfekosten für UMA hat der KVJS kürzlich eine Kostenprognose erstellt: Noch immer stehen politische Zusagen im Raum, dass das Land sie vollumfänglich übernimmt. Doch erneut wollte das Ministerium keine Zusagen machen. Für die Übernahme der Landesweiten Ombudsstelle dankten und lobten die Vertreter des Ministeriums das Engagement des KVJS. Autor Kristina Reisinger KVJS aktuell 5 KVJS Fachlicher Austausch für die Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Fotos: Julia Holzwarth Netzwerken. Teilhabe stärken. KVJS mit kommunalen Behindertenbeauftragten im Gespräch Verbandsdirektorin Kristin Schwarz begrüßte im Juli die kommunalen Behindertenbeauftragten der Region Stuttgart. Gemeinsam mit Fachkräften des KVJS informierte sie über die Rolle und Aufgabe des Verbands bei der Stärkung der Teilhabe von ­Menschen mit Behinderung. Christian Gerle vom KVJS stellte die aktuellen Förderprogramme in der Behindertenhilfe vor und wies auf die neuen Schwerpunkte hin. Kristin Schwarz betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit dezentraler Kooperationen. Die Beteiligten identifizierten den dringenden Bedarf spezieller Wohnbauprogramme, die sich gezielt an Menschen mit Behinderung richten und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Dezernent Karl-Friedrich Ernst informierte über Unterstützung des Integrationsamts für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung. Auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Ausgleichsabgabe waren Thema. Diese Abgabe leisten Betriebe, die die vorgeschriebene Zahl von schwerbehinderten Menschen nicht beschäftigen. Bereits vor Corona überstiegen die Ausgaben die Einnahmen in der Ausgleichsabgabe. Mehraufwendungen wurden seitdem durch die noch vorhandenen Rücklagen gedeckt. Inwieweit sich die aktuelle Situation auf die weitere Kostenentwicklung ausKarl-Friedrich Ernst 6 KVJS aktuell wirke, sei momentan noch nicht absehbar, so Ernst. Die Krise deutlich zu spüren bekämen ebenfalls die 92 Inklusionsbetriebe in Baden-Württemberg. Der Leiter des Integrationsamts betonte in dem Zusammenhang die Wichtigkeit der finanziellen Unterstützung während der Pandemie. Betroffen sind auch Beschäftigte in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Eine kurzfristige Fördermaßnahme soll das Absinken der Löhne soweit als möglich kompensieren. Hierfür hat das Team innerhalb kürzester Zeit die Voraussetzungen der Antragstellung geschaffen, die bis 31. August möglich war. Dr. Andrea Keller richtete den Blick auf das Thema Fortbildung zur Förderung der Quartiersentwicklung. Die Leiterin der KVJS-Koordinierungsstelle stellte die Quartiersakademie als Baustein der Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten“ Dr. Andrea Keller 4/2020 KVJS vor und fasste Aufgaben und Ziele der Koordinierungsstelle zusammen. Expertise gewünscht An dem Austausch beteiligten sich Dr. Eckart Bohn, Behindertenbeauftragter aus dem Landkreis Ludwigsburg sowie Marlis Haller (Landkreis Esslingen), Reinhard Hackl (Landkreis Böblingen) und Roland Noller (Rems-Murr-Kreis). Die kommunalen Behin- dertenbeauftragten planen, sich in Kürze als Landesarbeitsgemeinschaft beim Städte- und Landkreistag zu konstituieren. Auch in Zukunft ist eine fachliche Zusammenarbeit gewünscht: Der KVJS bot an, sich mit Inputs zu Fachthemen einzubringen. Die Interessenvertreter begrüßten die Beteiligung und sahen dies als Chance für die Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes. Autor Julia Holzwarth Qualifiziert ins Quartier: Erste Fortbildungsangebote Die Koordinierungsstelle der Quartiersakademie beim KVJS bietet auf ihrer Website die ersten Veranstaltungshinweise und Qualifizierungsmöglichkeiten für das Themenfeld Quartiersentwicklung an. Sie können sich zu Veranstaltungen anmelden sowie finanzielle Förderung aus Mitteln des Ministeriums für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg beantragen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch unserer Website www.quartiersakademie.de. Der KVJS hat Anfang des Jahres die Koordinierung der Quartiersakademie im Auftrag des Landes übernommen. Die Koordinierungsstelle bringt bereits existierende Angebote im Land zusammen und entwickelt sie weiter. Kontakt für Fragen und Informationen: Andrea Keller E-Mail: Andrea.Keller@kvjs.de oder info@quartiersakademie.de Telefon: 0711 6375-317 Sie wollen nichts verpassen? Seit Anfang des Jahres können Sie mit dem Angebot „Mein KVJS“ Ihre persönliche KVJS-Website selbst zusammenstellen. Einzelne Themenbereiche und Unterthemen lassen sich nach individuellen Wünschen mit wenigen Klicks hinzufügen oder entfernen. So ist es möglich, schneller zu den für Sie relevanten Informationen zu gelangen. Neu: Benachrichtigungs-Service Profitieren Sie ab sofort auch vom Benachrichtigungs-Service. Sie werden per E-Mail informiert, wenn neue Inhalte aus Ihren gewählten Themenbereichen zur Verfügung stehen. Registrieren Sie sich unter www.kvjs.de/mein-kvjs. Foto: Mees+Zacke 4/2020 KVJS aktuell 7 HABILA Positive Verhaltensunterstützung: „Why not“? Tannenhof Ulm optimiert Umgang mit schwierigen Klienten In einer mehrtägigen Fortbildung zeigte Prof. Dr. Georg Theunissen den Mitarbeitenden des Tannenhofs Ulm (Habila) Ideen und Methoden zur Verbesserung der Lebensqualität. „Schwerwiegend herausfordernde Verhaltensweisen“: In der Vergangenheit wurden sie häufig als unvermeidliche Begleiterscheinungen einer Behinderung oder Erkrankung betrachtet. Prof. Georg Theunissen, einer der führenden Heil- und Sonderpädagogen im deutschsprachigen Raum, setzt dieser Sichtweise das Konzept der „Positiven Verhaltensunterstützung (PVU)“ entgegen. denen auch Teile des Tannenhofs zählen. Prof. Theunissen hat an der Entwicklung des Konzepts, das in der internationalen Fachwelt als „Positive Behavioural Support (PBS)“ bekannt ist, entscheidend mitgewirkt. Inhaltlicher Kern ist die Feststellung, dass sich herausforderndes Verhalten deutlich vermindern lässt, wenn die Lebensqualität der Betroffenen verbessert wird. Sie widmet sich dem Umgang mit Menschen in intensiv betreuten Unterbringungsformen, zu Es gehe also darum, so Prof. Theunissen, andere Wege zu eröffnen, auf denen Betroffenen ihre Prof. Dr. Georg Theunissen zu Besuch im Tannenhof in Ulm. Foto: Klaus Günthner 8 KVJS aktuell 4/2020 HABILA Bedürfnisse befriedigen können. Um die genannten Ziele zu erreichen, schlägt der Experte Bausteine für eine entsprechende Konzeption vor: • In den Wohnungen sollten nicht mehr als sechs Personen zusammenwohnen, besser weniger • Wahlmöglichkeiten, wo immer es geht: Beim Essen, bei der Kleidung, im Tagesablauf und bei der Auswahl der Beschäftigungsmöglichkeiten • Prinzip der persönlichen Assistenz • Mitwirkung der Klienten bei der häuslichen Selbstversorgung, der Versorgung der Haustiere, der Pflege der Gartenanlage und damit gleichzeitig das Angebot sinnvoller Beschäftigungsmöglichkeiten Tannenhof-Gebäudeensemble (oben) und Eingang zum Bauerngarten. Fotos: Klaus Günthner Arbeitsgruppe mit Habila-Mitarbeitenden. Foto: Patrizia Franz • Nutzung des Sozialraums für den alltäglichen Bedarf, beim gemeinsamen Einkauf fürs Haus wie auch beim begleiteten Einkauf von Gegenständen des persönlichen Bedarfs Einige Bausteine sind im Konzept der Habila bereits realisiert, wie eine Wohnumgebung, in der die Bewohner ihren individuellen Lebensstil verwirklichen können. Auf dieser Grundlage kommen dann Ideen für gruppenbezogene und individuelle Interventionen zum Tragen. Mit einem geeigneten Wohn- und Gruppenkonzept könnten die weitaus meisten Menschen mit herausfordernden Verhaltensweisen erreicht werden, dennoch werde es auch Bedarf an pädagogischer Einzelhilfe geben, sagte Theunissen. Dabei gehe es vor allem um die Erstellung eines Unterstützungsplans, für den Angehörige, Assistenzleistende, Fachdienste und ehrenamtliche Helfer ein Netzwerk bilden und den gesamten Alltag mit seinen Aufgaben, Anforderungen, Personen, Umgebungsbedingungen und körperlichen Befindlichkeiten in Bezug setzen zu den Bedingungen und Folgen des herausfordernden Verhaltens. Mit dem anvisierten Neubau in Ulm, in dem wesentlich kleinere Wohnungen für jeweils vier Personen vorgesehen sind, würde der Tannenhof einen großen Schritt vorankommen, um die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anwendung der positiven Verhaltensunterstützung zu schaffen. Doch auch jetzt schon werden zumindest einzelne Elemente dieses Konzepts in der täglichen Praxis erprobt. Autor Klaus Bühler 4/2020 KVJS aktuell 9 Soziales Lebenswelten zukunftsfähig gestalten KVJS unterstützt Kreise bei der Sozialplanung Um Senioren und Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, sollten Angebote auf individuelle Bedarfe zugeschnittenen sein und flächendeckend zur Verfügung stehen. Die Kommunale Teilhabeplanung und Seniorenplanung unterstützt bei der Weiterentwicklung der Angebotslandschaft. Der KVJS begleitet die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg bereits seit mehr als zehn Jahren bei dieser Aufgabe. Auf Wunsch unterstützt er bei der Erstellung von Teilhabeplänen für Menschen mit geistiger Behinderung, psychischer Erkrankung sowie bei der Entwicklung von Seniorenplänen. Die Kernkompetenz des Verbands ist die empirische Erhebung, Auswertung und Interpretation der Daten sowie die fachliche Expertise. Durch eine breite Beteiligung an diesem Prozess werden alle Interessen und Ideen berücksichtigt. Daher sind neben zahlreichen Akteuren auch Betroffene und Angehörige involviert. Um die kommunale Versorgungs- und Infrastruktur weiterentwickeln zu können, beinhalten die Pläne neben Ist- und Bedarfsanalysen auch konkrete Handlungsempfehlungen: Ausgehend von der Situation im jeweiligen Kreis entwickeln die Projektbeteiligten konkrete Vorschläge als Entscheidungsgrundlage für Politik und Verwaltung. Das Angebot des KVJS wird stark nachgefragt. Inklusion fördern Nahezu die Hälfte der Kreise hat mit Unterstützung des Verbands Teilhabepläne für geistig behinderte Menschen sowie für Menschen mit psychischer Erkrankung umgesetzt. Jüngstes Beispiel für letztere Personengruppe ist der Teilhabeplan des Ortenaukreises, der im Mai 2020 veröffentlicht wurde. Einige Kreise haben die ersten Pläne bereits aktualisiert. Fortschreibungen ermöglichen es, die aktuelle Situation und die Umsetzung von Maßnahmen mit der Entwicklung der letzten Jahre zu vergleichen und zu analysieren. Dazu zählen beispielsweise die Teilhabepläne 10 KVJS aktuell für Menschen mit Behinderung des Alb-DonauKreises sowie des Landkreises Konstanz. Je nach Bedarf begleitet der KVJS einzelne Teilbereiche oder die komplette kommunale Teilhabeplanung. Sie gilt als zentrales Instrument, das mit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention noch stärker an Bedeutung gewonnen hat: „Um Inklusion von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen mit Leben zu füllen, müssen die Angebote der Behinderten- und Eingliederungshilfe stetig weiterentwickelt werden. Die Teilhabeplanung ist hierfür ein wichtiger Baustein und schafft die Basis für eine verlässliche und aktuelle Sozialplanung“, fasst Julia Lindenmaier, Leiterin des Referats „Teilhabe und Soziales“, zusammen. Im Rahmen der Teilhabepläne für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung werden zunächst bestehende Angebote aus allen wichtigen Lebensbereichen erfasst. Dazu zählen das Leben im Alter sowie Frühförderung, Kindertagesbetreuung und Schule, Wohnen, Arbeit, Freizeit und Mobilität. Für die Bestandserhebung und Vorausberechnung zukünftiger Bedarfe verfügt der KVJS über fundierte Instrumente, die er an die individuellen Bedingungen des jeweiligen Kreises anpasst. Anschließend werden die Ergebnisse fachlich eingeordnet und mit landesweiten Daten verglichen. Die Teilhabepläne für Menschen mit psychischer Erkrankung und wesentlicher seelischer Behinderung fokussieren Angebote der Eingliederungshilfe und Hilfe zur Pflege. Auch die Dienstleistun- 4/2020 Soziales gen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes sowie der medizinisch-psychiatrische Bereich und das Umfeld der Eingliederungshilfe werden einbezogen. Schnittstellen zur Wohnungslosenhilfe und der Jugendhilfeplanung werden ebenfalls aufgegriffen. Autor Julia Holzwarth ©pressmaster - stock.adobe.com Leben im Alter gestalten Weiter deutlich an Fahrt nimmt auch die kommunale Seniorenplanung auf: „Aktuell erreichen uns sehr viele Anfragen“, stellt Dr. Alexandra Klein fest. „Das hängt insbesondere mit der demografischen Entwicklung zusammen: Die Stadt- und Landkreise bereiten sich auf eine zunehmend älter werdende Gesellschaft vor“, sagt die Leiterin des KVJS-Referats „Pflege und Alter“. Zurzeit unterstützt der KVJS den Stadtkreis Pforzheim sowie die Landkreise Esslingen, Schwäbisch Hall und den Rhein-Neckar-Kreis. Jüngst ist der Kreisseniorenplan für den Landkreis Tübingen verabschiedet worden. Jeder Stadt- und Landkreis hat eigene Anforderungen und Vorstellungen. Für die Ausgestaltung kommunaler Seniorenpläne stehen daher verschiedene Module zur Verfügung, die je nach Schwerpunkt frei wählbar sind. Der Landkreis Tübingen konzentrierte sich unter anderem auf das Wohnen zu Hause, die örtliche Infrastruktur, Mobilität, Gesundheitsversorgung sowie auf das Thema der Quartiersentwicklung. Auch Pflege stand hinsichtlich steigender Betreuungs- und Pflegebedarfe im Mittelpunkt: Auf Grundlage der Bevölkerungsvorausberechnung und der Pflegestatistik hat der KVJS den voraussichtlichen Bedarf an Pflegeleistungen im Landkreis Tübingen und in den kreisangehörigen Gemeinden berechnet. Durch den Abgleich mit den bereits vorhandenen und zukünftig geplanten Angeboten wird ersichtlich, ob weitere Angebote benötigt werden. 4/2020 KVJS aktuell 11 Soziales Virtuelle Tour mit Wohnexperten für Barrierefreiheit Online-Besichtigungen in der „Werkstatt Wohnen“ In Kooperation mit den Wohnberatern des DRK-Kreisverbands Stuttgart e.V. bietet der KVJS in seiner barrierefreien Musterwohnung nun virtuelle Live-Führungen an. Offene Sprechstunden und Gruppenführungen vor Ort sind in den letzten Wochen nicht möglich gewesen, aber die Nachfrage nach Beratung war nach wie vor groß. Die Lösung: Wohnungsbesichtigung in Form eines WebSeminars. Grundlage der virtuellen Besichtigung ist ein 360-Grad-Rundgang, der jeden Winkel der Werkstatt Wohnen online Rundgang mal anders. Zahlreiche Info-Buttons liefern zusätzliche Erklärungen zu den Hilfsmitteln. Grafik: Mees+Zacke abbildet. Wohnberater des Deutschen Roten Kreuzes Stuttgart führen die Lösungen zu vermitteln, beschreiben die Experten Interessierten durch alle Räume und informieren die Funktionsweisen bedarfsorientiert und gehen zu den technischen Hilfsmitteln sowie baulichen individuell auf die Wünsche der Teilnehmer ein. Möglichkeiten. Auch Interaktion ist möglich und Die Online-Besichtigung wird auf Anfrage angeboFragen können unmittelbar gestellt werden. „Das ten. Seit September finden auch zusätzlich wieder Angebot ist eine gute Alternative zu den Vor-OrtVor-Ort-Sprechstunden statt. Eine Anmeldung ist Besichtigungen. Es ist uns wichtig, auch jetzt für unter 0711/6375-237 oder werkstatt-wohnen@ die Menschen da zu sein und sie zu informieren, kvjs.de erforderlich. wie sich Wohnraum alters- und behindertengerecht gestalten lässt“, so Barbara Steiner-Karatas, Die Werkstatt Wohnen kann auch eigenständig Leiterin der Werkstatt Wohnen. erkundet werden: Unter www.barrierefrei-wohnen.kvjs.de steht der virtuelle Rundgang mit allen Die DRK-Wohnberaterinnen Ruthild Gohla und Infos zur Verfügung. Die Website berücksichBritta Schippel haben im August die erste Onlinetigt zudem individuelle Lebenssituationen und Veranstaltung absolviert: „Zwar fehlen uns die Bedürfnisse. In der Rubrik „Lebenswelten“ sind spontanen Reaktionen der Teilnehmer, aber wir Hilfsmittel und Lösungen gezielt nach einzelnen freuen uns, die Interessierten auch zu Zeiten von Themenschwerpunkten wie „Hören“, „Demenz“ Corona mit dem neuen Angebot zu erreichen“. Um oder „Mobilität“ aufbereitet und zusammengeden Teilnehmern einen umfangreichen und mögfasst. lichst realistischen Eindruck zu den barrierefreien Autor Julia Holzwarth 12 KVJS aktuell 4/2020 Integration „Arbeitgeber versuchen Mitarbeiter zu halten“ Das Integrationsamt und die Auswirkungen von Corona Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes im Gespräch über die aktuelle Situation bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen und die Lage beim Integrationsamt. Herr Ernst, wie ist die Lage für schwerbehinderte Beschäftigte? Rollt eine Kündigungswelle auf sie zu? Beim besonderen Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen spüren wir derzeit keine großen Auswirkungen. Die Anträge auf Zustimmung zur Kündigung bewegen sich im üblichen Rahmen. Wir führen das auf die Maßnahmen der Politik zurück: Die Kurzarbeit ist ein wirksames Mittel, Arbeitsplätze zu sichern. Wir haben den Eindruck, dass die Arbeitgeber bestrebt sind, ihre bewährten Mitarbeiter zu halten. Machen sich die wegen Corona geänderten Arbeitsbedingungen bei den Anträgen auf Leistungen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben bemerkbar? Auch hier ist keine signifikante Änderung zu erkennen. Es gibt einzelne Anfragen zum Homeoffice von schwerbehinderten Arbeitnehmern. Mehr nicht. Unsere Leistungen sind aber auch nicht dafür gedacht, speziell Pandemiefolgen zu bewältigen. Wie sieht es bei der Ausgleichsabgabe aus? Ist das Aufkommen zurückgegangen? Einige Arbeitgeber haben einen Antrag auf Stundung der Ausgleichsabgabe gestellt. Doch entgegen unseren Befürchtungen erreicht die Höhe der bei uns eingegangenen Ausgleichsabgabe fast den gewohnten Umfang. Das hat natürlich damit zu tun, dass in diesem Jahr die Ausgleichsabgabe für das Jahr 2019 zu zahlen ist– da war die Welt noch in Ordnung. Wir befürchten aber, dass die Einnahmen im kommenden Jahr wegen eines Arbeitsplatzabbaus spürbar zurückgehen werden, denn dann ist 2020 das Bezugsjahr. 4/2020 Mit einem Teil der Ausgleichsabgabe werden die Löhne der Beschäftigten in Werkstätten für behinderte Menschen subventioniert. Eine sinnvolle Maßnahme? Die Werkstattbeschäftigten bekommen kein Kurzarbeitergeld, von daher ist es ein wirksamer Beitrag, um die ohnehin geringen Löhne dieser Personengruppe zu stabilisieren. Der Bund hat dafür Ausgleichsabgabe in Höhe von 8,6 Millionen Euro aus seinen eigenen Mitteln zur Verfügung gestellt, die wir dafür verwenden können. 60 von 83 Werkstätten in Baden-Württemberg haben diese Coronahilfe beim KVJS-Integrationsamt beantragt. Die Förderung kommt rund 20.000 Personen zu Gute, die sonst große Einkommenseinbußen gehabt hätten. Wie ist die Situation der Inklusionsbetriebe? Hier haben wir große Sorgen. Inklusionsbetriebe müssen sich am Markt behaupten und sind in vielen Branchen tätig. Besonders diejenigen, die Hotels und Gaststätten betreiben oder die Catering für Schulen und Kindergärten anbieten, hat es ganz schwer getroffen. Nur sehr wenige Inklusionsbetriebe spüren keine wirtschaftlichen Folgen. Hier unterstützt das KVJS-Integrationsamt sehr massiv, damit keine Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen verloren gehen. Wir hoffen auch auf ein Programm des Bundes, das angekündigt, aber bisher noch nicht realisiert wurde. Die Fragen stellte Monika Kleusch KVJS aktuell 13 Integration Schneiderin Nadine Feist und Geschäftsführer Daniel Kowalewski von Wasni haben derzeit gut lachen. Foto: Thomas Brenner Mit Erfolg Corona trotzen Zwei Inklusionsunternehmen entwickeln zeitgemäße Geschäftsideen In der Krise hat die kleine Textilmanufaktur WASNI auf Masken umgestellt – mit überraschend großem Erfolg. Der Metallbetrieb AIZ nutzte mit einem selbst entwickelten Desinfektionsständer die Gunst der Stunde. Schon Anfang März ging bei WASNI der Absatz deutlich zurück. Zwei Wochen später kam der „Shutdown“: Auch die kleine Bekleidungsmanufaktur musste ihren Laden in der Esslinger Innenstadt schließen. „Noch am gleichen Tag haben wir Kurzarbeit angemeldet“, erinnert sich der Geschäftsführer Daniel Kowalewski. Das war auch der Plan für die nächsten Monate. Doch es sollte anders kommen. Das Team von WASNI hatte nämlich die Idee, Mund- Nasen-Masken zu nähen. „Das haben wir in einer Hauruckaktion innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt.“ 14 KVJS aktuell Überwältigende Resonanz Das neue Angebot wurde zunächst nur per Newsletter beworben. Die Resonanz war überwältigend. Innerhalb von zwei Stunden gingen online so viele Bestellungen ein, wie für das ganze Wochenende erwartet wurden. „Seitdem machen wir Überstunden statt Kurzarbeit! Das war krass, damit haben wir nicht gerechnet“, berichtet Daniel Kowalewski immer noch begeistert. WASNI ist das erste Inklusionsunternehmen, das in Deutschland Kleidung herstellt. Nur den Stoff aus Biobaumwolle kauft der Betrieb ein – den Rest macht das siebenköpfige Mitarbeiterinnenteam selbst: vom Entwurf über das Zuschneiden bis zum Nähen. 4/2020 Integration Mittlerweile konzentriert sich der Betrieb vor allem auf sein Hauptgeschäft: Sweatshirts, Kapuzenpullover – sogenannte Hoodies – und Jacken. Mit dem „WASNI-Konfigurator“ im Onlineshop können sich Kunden ihr individuelles Exemplar kreieren. „Dass wir den Onlineshop haben, das ist unser Glück!“, sagt Daniel Kowalewski, der das Inklusionsunternehmen 2015 mit Unterstützung des KVJS-Integrationsamtes gegründet hat. Die schwäbischen Tüftler Als sich um die Faschingszeit herum das neuartige Coronavirus immer stärker ausbreitete, haben viele Einrichtungen zusätzliche Hygienemaßnahmen wie die Desinfektion der Hände eingeführt. Auch in den Werkstätten und Betrieben der Stiftung Lebenshilfe Zollernalb in Baden-Württemberg. Dort stellte man sich die Frage: Desinfektionsständer kaufen oder selbst bauen? Der Ehrgeiz von Daniel Gonser, Betriebsleiter beim Inklusionsunternehmen AIZ gGmbH, war geweckt. In schwäbischer Tüftlermanier wurde umgehend mit der Konstruktion begonnen. Schon eine Woche später ging die Produktion in Serie. Bei AIZ werden die einzelnen Bauteile aus Edelstahl im Laserverfahren geschnitten, weiterverarbeitet und die Verpackungsmaterialien hergestellt. Die restlichen Arbeitsschritte übernehmen andere Betriebe und Werkstätten innerhalb der Lebenshilfe Zollernalb. 4/2020 Bis hin zur Verpackung selbst entwickelt: Der Desinfektionsspender der AIZ. Foto: AIZ „Dadurch erzielen wir eine sehr hohe Wertschöpfung“, erklärt AIZ- Geschäftsführer Holger Klein. Denn der „Desi2go“ wird nicht nur für den Eigenbedarf produziert, sondern inzwischen auch tausendfach in ganz Deutschland vertrieben. Über den wirtschaftlichen Erfolg freuen sich nicht zuletzt die 52 Beschäftigten von AIZ, mit und ohne Behinderung, deren Arbeitsplatz auch in Corona-Krisenzeiten gesichert ist. „Dies war nur möglich, weil wir in den zurückliegenden Jahren gezielt Kompetenzen aufgebaut und neue Technologien eingeführt haben“, ist sich Holger Klein sicher. „Beides hat das KVJSIntegrationsamt vorbildlich unterstützt und damit die Voraussetzungen geschaffen.“ Autor Elly Lämmlen KVJS aktuell 15 Integration Oftersheim verwaltet inklusiv Ein beispielhaft behindertenfreundlicher Arbeitgeber „Immer mittendrin“ – so stellt sich Oftersheim auf seiner Homepage vor. Ob Bauhof oder Bücherei: Immer mittendrin sind auch die Mitarbeiter mit Behinderungen der Gemeindeverwaltung. Für Bürgermeister Jens Geiß ist es mehr als eine Pflichtaufgabe: „Die Rathausverwaltung ist seit Jahren ein behindertenfreundlicher Arbeitgeber. Die Quote der schwerbehinderten Mitarbeiter liegt mit 12,22 Prozent deutlich über dem Bürgermeister Jens Geiß geforderten Pflichtwert, darauf können wir stolz sein. Das zeigt, behindertenfreundliches Arbeiten ist bei uns möglich und funktioniert auch.“ In Oftersheim versucht man auch stärker eingeschränkte, bewährte Mitarbeiter zu halten. Beraten und unterstützt wird die Gemeindeverwaltung dabei vom KVJS-Integrationsamt und seinen Fachdiensten wie dem Integrationsfachdienst oder dem Technischen Beratungsdienst. „Egal welche Einschränkungen bestehen, gemeinsam versuchen wir Lösungen zu finden“, erklärt Bürgermeister Geiß. „Einer körperlich eingeschränkten Mitarbeiterin in der Bücherei fällt das Tragen schwer, wir haben ihr eine Aushilfskraft mit Hilfe des Integrationsamtes zur Seite gestellt.“ Für zwei schwerbehinderte Mitarbeiter des Bauhofs wurden mit Förderung des KVJS-Integrationsamtes spezielle Fahrzeuge angeschafft. Nun sind sie wieder voll einsatzfähig. 16 KVJS aktuell Gemeinsam stark Dass in der Oftersheimer Verwaltung bei der Beschäftigung von Mitarbeitern mit Handicap alles rund läuft, hat auch damit zu tun, dass die Schwerbehindertenvertretung regelmäßig mit einbezogen wird. „Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Bürgermeister und der Schwerbehindertenvertretung ist wirklich gut, wir kommunizieren auf Augenhöhe“, erklärt Michael Fischer, Vorsitzender der Schwerbehindertenvertretung und Gesamtpersonalratsvorsitzender. „Wir werden regelmäßig vom Personalamt informiert, der Austausch ist lobenswert. Die Verzahnung von allen Beteiligten funktioniert, man spricht sich Michael Fischer ab und berät sich.“ Die gute Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Schwerbehindertenvertretung ist eines der Kriterien für die Auszeichnung als beispielhaft behindertenfreundlicher Arbeitgeber durch den KVJS. Unter anderem. Die weit übertroffene gesetzliche Pflichtquote für schwerbehinderte Beschäftigte und die Bereitschaft, auch stärker eingeschränkte Mitarbeiter zu beschäftigen, tragen zum positiven Gesamtbild bei. 4/2020 Integration Inklusive Verwaltung. Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes, über den Preisträger Oftersheim: „Das Bürgermeisteramt Oftersheim ist ein vorbildlicher behindertenfreundlicher Arbeitgeber im Bereich der Öffentlichen Verwaltung, der aufgrund seines großen sozialen Engagements seine Vorbildfunktion in herausragender Weise wahrnimmt.“ Eines der geförderten Fahrzeuge. Fotos: Gemeindeverwaltung Oftersheim Dabei ist das Geheimnis des Erfolgs eigentlich keines: „Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Inklusion liegt bei der individuellen Anpassung von Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld“, erklärt Bürgermeister Jens Geiß. „Ich kann nur dafür werben, sich aktiv mit Inklusion und Integration zu beschäftigen – die Dankbarkeit, die man hier erleben kann, ist auf vielen Ebenen mehr als zufriedenstellend.“ Autor Monika Kleusch Nicht im Regen stehen lassen Lohnsicherung für Beschäftigte der Werkstätten für behinderte Menschen Auch die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) haben unter den Auswirkungen der Coronakrise gelitten. Doch die Menschen mit Behinderungen, die in den Werkstätten arbeiten, haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Daher subventioniert das KVJSIntegrationsamt im Auftrag des Bundes nun ihre Löhne. Zahlreiche Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) mussten in der Zeit des Lockdowns coronabedingt ihre Beschäftigten nach Hause schicken, was bei diesen zu erheblichen Lohneinbußen führte. Denn anders als Arbeitnehmer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen sie kein Kurzarbeitergeld. Der Bund hat deshalb Mittel zur Verfügung gestellt, um die Lohnkürzungen abzumildern. Für Baden-Württemberg sind dies 8,6 Millionen Euro. Betroffen sind in Baden-Württemberg über 28.000 Menschen mit Behinderung, die in Werkstätten arbeiten. 60 von den 83 WfbM‘s im Land, in denen rund 20.000 Menschen arbeiten, hatten die Lohnunterstützung für ihre Mitarbeiter beantragt. Verteilt wird dieses Geld durch das KVJS-Integrationsamt. Vom 1. bis zum 31. August konnten 4/2020 die Werkstätten für behinderte Menschen die Lohn-Unterstützung für ihre Mitarbeiter beantragen. Vier Wochen nach Ende der Antragsfrist verschickte das KVJS-Integrationsamt bereits die Zuwendungsbescheide. „Die eingesetzten Mittel sind ein wirksamer Beitrag, um die ohnehin geringen Löhne dieser Personengruppe zu stabilisieren“, sagt Berthold Deusch, beim KVJS für das Programm zuständig. „Den Menschen mit Behinderung stehen für ihre Tätigkeit normalerweise im Durchschnitt cirka 240 Euro im Monat zur Verfügung. Mit den jetzt eingesetzten Mitteln konnten wir erreichen, dass rund 80 Prozent des Werkstatt-Lohns erhalten bleiben“. Autor Monika Kleusch KVJS aktuell 17 Integration Neue Info-App für Schwerbehindertenvertretungen ©Production Perig - stock.adobe.com Mit der neuen Web-App „SBV aktiv“ sind Schwerbehindertenvertretungen jetzt stets gut informiert. Sie steht ab sofort kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung. „SBV aktiv“ bietet neben allen 350 Stichworten aus dem ABC Fachlexikon viele zusätzliche Funktionen, eine Feedback-Möglichkeit sowie Erklärvideos zu wichtigen Inhalten. Auf der Startseite kommt man direkt zum Lexikon und zu weiteren Anwendungen wie dem „Leistungs-NAVI“ und dem „Wahl-NAVI“. Die barrierefreie Web-App kann mit allen modernen Browsern genutzt werden: am PC, auf dem Tablet oder mit dem Smartphone. Bei älteren Browsern können Darstellung und Funktionsumfang eingeschränkt sein. Grundsätzlich ist die App ohne Registrierung zugänglich. Mit der Registrierung kann die App auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden mit eigenen Listen und Notizfunktion. Autor Monika Kleusch Informationen über die App gibt es auch in Deutscher Gebärdensprache. Videos geben einen Einblick in Inhalt und Funktionen der App „SBV aktiv“ und führen durch die Navigation. Hier geht es zur App: https://sbvaktiv.integrationsaemter.de Hier geht es zum Erklärfilm: https://youtu.be/Iusmk-6EL-g Neuer Referatsleiter in Karlsruhe Marco Hirsch ist neuer Leiter des Referats Kündigungsschutz und Begleitende Hilfen in Karlsruhe. Bereits seit 2017 war er stellvertretender Leiter des Referates. Marco Hirsch studierte an der Verwaltungshochschule in Kehl und kam nach seinem Abschluss als Verwaltungsfachwirt 1999 zum damaligen Landeswohlfahrtsverband Baden in die Zweigstelle Freiburg. „Ich wohne zwischen Freiburg und Karlsruhe und habe auch nach meinem Wechsel nach Karlsruhe immer wieder in Freiburg ausgeholfen“, erklärt der erfahrene Praktiker. Dadurch hat er einen guten Überblick über den gesamten badischen Teil des Verbandsgebietes. Die Arbeit im KVJS-Integrationsamt betrachtet Hirsch als spannende Herausforderung: „Man muss lange suchen, bis man in der öffentlichen 18 KVJS aktuell Verwaltung Bereiche findet, in denen man so viel gestalten kann. Unser Job ist es, Probleme und Konflikte in den Betrieben zu lösen. Das geht nicht allein mit Geld.“ Zur aktuellen Corona-Krise sagt Hirsch: „Wir sind froh, dass wir in Karlsruhe als Marco Hirsch, Foto: Monika Kleusch Erste im KVJS die E-Akte eingeführt haben. Das hat die Arbeit im Homeoffice sehr erleichtert. Wir bleiben in den Betrieben präsent, müssen aber jeden Besuch abwägen.“ Autor Monika Kleusch 4/2020 Jugend Alle Kinder dürfen wieder in die KiTa. Foto: Gabriele Addow Alle Kinder sind zurück Neue Pandemieregeln sollen die Qualität in der Kindertagesbetreuung sichern Seit Ende Juni sind die Kindertageseinrichtungen wieder als Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen geöffnet. Hierfür gibt es neue Bestimmungen, die bis zum Ende des Kindergartenjahres 2020/2021 gelten sollen. Trotz pandemiebedingt eingeschränkter personeller Ressourcen sollen die Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen und auch unter erschwerten Bedingungen wieder für alle Kinder eine qualifizierte Kindertagesbetreuung ermöglichen. Die Regeln bringen aktuell und voraussichtlich auch im Kindergartenjahr (Stand: 19.10.2020) die nötige Handlungssicherheit und Transparenz für alle beteiligten Stellen, vor allem aber für die Kinder und deren Eltern. Kultusministerium, Die aktuellen Regelungen auf einen Blick: • Die Träger können den Mindestpersonalschlüssel bei pandemiebedingten Personalausfällen um bis zu 20 Prozent unterschreiten, sofern die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht dennoch uneingeschränkt möglich ist. Wird die Mindestpersonalzahl um mehr als 20 Prozent unterschritten, ist insoweit Ersatz durch eine geeignete Betreuungs- und Erziehungsperson erforderlich. • Die Unterschreitung des Mindestpersonalschlüssels ist dem KVJS anzuzeigen. Darüber hinaus kann mit Zustimmung des KVJS von den Höchstgruppengrößen abgewichen werden. 4/2020 Kommunale Landesverbände, kirchliche und freie Trägerverbände sowie der KVJS haben gemeinsame Orientierungshinweise zu den gesetzlichen Vorgaben entwickelt. „Wichtig war allen Beteiligten, dass sie einfach, schnell und unbürokratisch umsetzbar sind. Das ist gelungen“, zieht Evelyn Samara vom KVJS-Landesjugendamt Bilanz. „Damit der Regelbetrieb funktioniert, begleiten wir die Umsetzung intensiv mit entsprechenden Beratungsangeboten.“ Autor Gabriele Addow • Der Betrieb von Teilen der Einrichtung ist in anderen als den im Antrag auf Erteilung der Betriebserlaubnis genannten Räumen zulässig, sofern der Träger gegenüber dem KVJS erklärt, dass von den baulichen Gegebenheiten und der Ausstattung keine Gefährdungen für die Kinder ausgehen. • Die gemeinsamen Schutzhinweise des KVJS, der Unfallkasse Baden-Württemberg und des Landesgesundheitsamts für die Betreuung in Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen (www.kvjs.de/jugend/kindertageseinrichtungen/aktuelle-gesetzliche-vorgaben-undempfehlungen/#c26613) sind während der Corona-Pandemie umzusetzen. KVJS aktuell 19 Jugend Schwanger? Finger weg vom Alkohol! FASD-Hilfe Stuttgart informiert und klärt auf In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 10.000 Babys mit dem fetalen Alkoholsyndrom (FASD) auf die Welt. Sie sind ein Leben lang körperlich, seelisch oder geistig schwerbehindert. Wie diesen Kindern und ihren Angehörigen geholfen werden kann, erprobt die FAZIT Gesellschaft für lösungsorientierte Jugendhilfe mbH in Stuttgart in einem dreijährigen vom KVJS geförderten Modellvorhaben. Hierzu ein Interview mit Erziehungsleiterin Christiane Schute. Frau Schute, viele Frauen trinken in der Schwangerschaft, weil sie nicht wissen, dass ihr Baby mit Schädigungen zur Welt kommen kann. Seit wann begleitet Sie dieses Thema? Schon seit nunmehr über zehn Jahren. FAZIT bietet ein breites Leistungsspektrum für Kinder, Jugendliche, junge Volljährige und deren Familien. Das reicht von ambulanten sozialpädagogischen Angeboten bis hin zu unterschiedlich ausgestalteten stationären Maßnahmen. Kolleginnen und Kollegen haben mir damals von Kindern und Jugendlichen berichtet, die trotz intensiver Förderung und Begleitung immer wieder an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen. So bin ich auf FASD aufmerksam geworden. Später habe ich eine Zusatzqualifikation als FASD-Beraterin absolviert und damit begonnen, Eltern zu beraten, deren Kinder stationär untergebracht sind. Christiane Schute von der FASD-Hilfe Stuttgart Foto: Gabriele Addow 20 KVJS aktuell 2015 hat unser Team eine Konzeption für FASD-Wohngruppen erarbeitet, die aber aus verschiedenen Gründen leider nicht umgesetzt wurde. Wir waren damals schon mit dem KVJS in Kontakt, 2017 startete dann das Modellvorhaben. Was will FAZIT mit dem Modellvorhaben erreichen? Unser Ziel ist es, durch präventive Projekte, Öffentlichkeitsarbeit und direkte und umfassende Beratung von Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften über das FASD zu informieren und aufzuklären. Es ist uns ein wesentliches Anliegen, die Nöte von Menschen mit FASD zu verstehen und für sie oder mit ihnen Perspektiven zu entwickeln. Welche Hilfsmöglichkeiten und Strategien bieten Sie an, mit FASD umzugehen? Was die Prävention angeht, sind das insbesondere Vorträge, Supervisionsgruppen, Pressemitteilungen, Workshops, Arbeitskreise und Kooperationsgespräche in den Bereichen Medizin, Soziale Arbeit und Selbsthilfegruppen. In unserer Beratung geht es uns darum, die Menschen dabei zu unterstützen, sich zu orientieren und die bestehende Situation vor dem Hintergrund des neuen Wissens einordnen zu können. Auch während der Diagnostik steht FAZIT als Ansprechpartner zur Verfügung. Ihre bisher wichtigsten Erkenntnisse? Betroffene und Helfer fühlen sich durch die Beratung und Unterstützung deutlich entlastet, sie fühlen sich motivierter und arbeiten an gemeinsamen Zukunftsperspektiven. Auch werden die Eltern bei weitem nicht mehr in diesem Ausmaß stigmatisiert wie früher, als ihnen die Verhaltens­ auffälligkeiten ihrer Kinder als Erziehungsfehler 4/2020 Jugend Der fatale Griff zur Flasche Alle Formen vorgeburtlicher Schädigungen durch mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft werden unter dem Begriff FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) zusammengefasst. FASD kann sich in seiner Ausprägung sehr unterschiedlich darstellen, was die Diagnostik erschwert. Merkmale sind Minderwuchs, Störungen des zentralen Nervensystems, typische Gesichtsmerkmale, Lern- und Verhaltensauffälligkeiten sowie psychische und physische Beeinträchtigungen. Die größten Probleme von Kindern mit FASD liegen oft in der Bewältigung des Alltags. Ein normales Leben in der Gesellschaft ist nur den wenigsten Jugendlichen und Erwachsenen mit FASD möglich. Intensive Begleitungen, Beratungen und Entlastungen des Helfersystems können dazu beitragen, die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Foto: Gabriele Addow angekreidet wurden bis hin zu der Drohung, sie aus der Familie herauszunehmen. Aber: Es braucht dringend mehr Diagnostiker in Baden-Württemberg und es braucht noch sehr viel mehr Aufklärung auf allen Ebenen. Jugendämter, Eingliederungshilfe, gesetzliche Betreuer, Justiz, Krankenversicherung, Versorgungsämter, Betreuungsgerichte und Pflegedienste brauchen Wissen, Verstehen und Handlungsideen. Der KVJS fördert das Projekt noch bis März 2021. Wie geht es danach weiter? Fest steht, dass wir auf jeden Fall an einem Tag in der Woche mit unserer FASD-Hilfe weitermachen werden. Leider können wir auf keinen Finanzierungstopf zugreifen, so dass über dieses begrenzte Angebot hinaus derzeit noch keine weiteren Planungen möglich sind. Die Fragen stellte Gabriele Addow 4/2020 Abschlussbericht des Modellvorhabens „FASD-Hilfe“ Am 18. Mai 2021 werden die Ergebnisse und der Abschlussbericht des Modellvorhabens „FASD-Hilfe“ auf einer Veranstaltung des KVJS in Gültstein präsentiert. Zur Homepage von FAZIT geht es hier: https://fazit-jugendhilfe.de/ Innovative Jugendhilfe Auf den ständigen Wandel der Lebenslagen junger Menschen und ihrer Familien muss die Jugendhilfe mit neuen Angeboten und Methoden reagieren. „Gefragt sind innovative und effektive Angebotsformen und Hilfen, die Eltern, Kinder und Jugendliche sowie das Gemein­wesen ein­beziehen“, sagt Ulrike Gfrörer vom KVJS-Landesjugendamt. Das KVJS-Landesjugendamt unterstützt deshalb Modellprojekte zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe. Die Förderung ist auf größere Vorhaben mit überregionaler Bedeutung beschränkt. Weitere Infos im Internet unter www.kvjs.de/jugend/modellvorhaben KVJS aktuell 21 Forschung Unterstütztes Wohnen fördert psychische Stabilität Forschungsprojekt belegt Wirksamkeit von Wohnangeboten der Sozialpsychiatrie Das Bundesteilhabegesetz erfordert von den Stadt- und Landkreisen, die Wirksamkeit von Unterstützungsleistungen noch stärker in den Blick zu nehmen. Das KVJS-Forschungsvorhaben WieWohnen-BW liefert dazu zentrale empirische Erkenntnisse. Im Bereich des unterstützten Wohnens für Menschen mit seelischer Behinderung war die Wirksamkeit von Angeboten bisher kaum erforscht. Der KVJS hat daher in Kooperation mit der Universität Ulm ein darauf abzielendes Forschungsvorhaben umgesetzt. An den Untersuchungen, die im Frühjahr 2020 abgeschlossen wurden, beteiligten sich die Stadt Heidelberg, der Rhein-Neckar-Kreis, der Landkreis Ravensburg sowie der Bodenseekreis. Neben einer Analyse zu bestehenden Leistungsangeboten und den Personen, die sie in Anspruch nehmen, zeigte eine Verlaufsstudie, wie unterstütztes Wohnen wirkt. Diese wurde mit Neueinsteigern in unterstützte Wohnformen und Wohnformwechslern umgesetzt. Ein weiteres Teilprojekt nahm die Frage in den Blick, was beim unterstützten Wohnen wirkt. Um relevante Kriterien innerhalb der Angebote identifizieren zu können, wurden Interviews mit Experten aus den Bereichen Sozialplanung und Teilhabemanagement durchgeführt. Ebenfalls befragt wurden Betroffene sowie Mitarbeitende in betreuenden Einrichtungen. Mehr Infos zum KVJS-Forschungsvorhaben „Wirksamkeit verschiedener Formen des unterstützten Wohnens für Menschen mit seelischer Behinderung im Rahmen der Eingliederungshilfe in Baden-Württemberg“ finden Sie unter www.kvjs.de/forschung/aktuelleforschungsvorhaben/unterstuetztes-wohnen/ 22 KVJS aktuell Unterstützte Wohnformen helfen Die Ergebnisse aus dem Forschungsvorhaben zeigen, dass personenzentrierte und flexibel ausgestaltete Angebote wirksam sind: Das Forschungsvorhaben identifizierte messbare positive Effekte des unterstützen Wohnens bei der Mehrzahl der teilnehmenden Menschen mit seelischer Behinderung. Im Gesamtergebnis ließ sich zudem feststellen, dass sich die meisten Personen im Verlauf der Untersuchung psychisch stabilisieren konnten und die Angebotsformen als hilfreich bewertet wurden. Video mit zentralen Ergebnissen In einem Video hat der KVJS konkrete Ergebnisse und zentrale Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt zusammengefasst. Es beinhaltet Statements der Forscher Professor Tilman Steinert und Dr. Susanne Jaeger sowie des KVJS-Projektleiters Dr. Gerrit Grünes. Rufen Sie das Video auf dem KVJSYoutube-Kanal „KVJS Medien“ ab www.youtube.com/ watch?v=PWVPpabwH2o Die Ergebnisse stehen den Stadt- und Landkreisen mit dem Abschlussbericht und als Handreichung zur Verfügung. Diese sollen empirisch begründete Qualitätsstandards für Angebote liefern und die Kreise dabei unterstützen, Transparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen. Autor Julia Holzwarth 4/2020 Kzenon – www.istockphoto.com Forschung Fokus auf die Kurzzeitpflege Neues KVJS-Forschungsvorhaben entwickelt neue Ideen Kurzzeitpflege soll einen wesentlichen Beitrag zur häuslichen Pflege leisten. Doch das Angebot ist knapp, die Suche nach einem Platz oft schwierig. Das neue KVJS-Forschungsvorhaben will Lösungen zu Ausbau und Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege in Baden-Württemberg suchen. Dazu ein Gespräch mit der Projektleiterin Bettina Ghiorghita Frau Ghiorghita, welche Notwendigkeit besteht für ein Forschungsvorhaben zur Kurzzeitpflege? Wo liegen die Probleme? In den letzten Jahren hat die Nutzung von Kurzzeitpflege zugenommen. Unabhängig von den steigenden Nutzerzahlen in der Pflegestatistik wird uns bei Fachgesprächen im Rahmen der Seniorenplanungen der Stadt- und Landkreise bestätigt, dass es nicht genügend Plätze gibt. Die Suche nach einem Kurzzeitpflegeplatz wird als besonders herausfordernd beschrieben. Eine wohnort- 4/2020 nahe Versorgung sei in den meisten F­ ällen nicht möglich. Kurzzeitpflege wird in den Einrichtungen häufig als eingestreute Kurzzeitpflege vorgehalten. Diese Plätze können sowohl für die Dauer- als auch für die Kurzzeitpflege genutzt werden. Bei entsprechender Nachfrage wird einer Dauerbelegung üblicherweise der Vorzug gegeben. Es fehlen vor allem Plätze, die ausschließlich für die Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen. KVJS aktuell 23 Forschung Welche Zielrichtung verfolgt das neue Forschungsvorhaben? Das Forschungsprojekt soll Anregungen und Empfehlungen zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege in Baden-Württemberg geben. Ziel sollte sein, die Kurzzeitpflege in Baden-Württemberg so auszugestalten und weiterzuentwickeln, dass die häusliche Pflege dadurch gestärkt wird. Was genau soll jetzt untersucht werden? Zu Beginn des Forschungsvorhabens soll der aktuelle Stand der fachlichen Diskussion zur Kurzzeitpflege kurz skizziert und die vorhandenen Angebote in Baden-Württemberg dargestellt werden. Dies stellt die Grundlage für den Ausbau und eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege dar. Dabei werden wir auf die regionalen Besonderheiten eingehen. Am Ende sollen vor allem Empfehlungen zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege stehen. Wie sieht der Zeitrahmen aus? Das Forschungsvorhaben zur Kurzzeitpflege wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres starten. Als Projektzeitraum sind 24 Monate vorgesehen. Bettina Ghiorghita ist stellvertretende Leiterin des Referats Pflege und Alter. Foto: Monika Kleusch Hat da niemand genauere Zahlen? Das Ministerium für Soziales und Integration hat im Jahr 2017 das Aktionsbündnis Kurzzeitpflege ins Leben gerufen. Hierbei wurde für Baden-Württemberg eine Versorgungslücke in der Kurzzeitpflege festgestellt. Es gelang jedoch nicht, die Nachfrage zu quantifizieren. Eine Recherche des KVJS ergab, dass es bundesweit nur vereinzelt Studien zur Kurzzeitpflege gibt. Weder ist bekannt, wie viele Angebote es aktuell und zukünftig braucht, noch wie viele Menschen einen Platz in der Kurzzeitpflege suchen und nicht finden. 24 KVJS aktuell Was sind jetzt die ersten Schritte? Die möglichen Partnerhochschulen werden sich demnächst im KVJS vorstellen. Danach wird der KVJS entscheiden, welche Hochschule mit dem Forschungsprojekt beauftragt wird. Diese wird das Forschungsdesign entwickeln und um Partner für die wissenschaftlich Erhebung werben. Es sollen die Stadt- und Landkreise befragt werden, sowie die Pflegekassen und Einrichtungsträger. Die KVJS-Forschung soll der Praxis – und hierbei insbesondere den Stadt- und Landkreisen – zugutekommen. Daher ist sie auch praxisnah konzipiert. Die Fragen stellte Monika Kleusch 4/2020 Fortbildung Achtung: Frisch gestrichen! KVJS-Fortbildung in neuem Design und mit vielen Highlights Das Corporate Design der KVJS-Fortbildung hat einen neuen Anstrich bekommen und präsentiert sich in modernem und frischem Design. Es wird ab sofort Schritt für Schritt an alle Materialien angepasst. Teilweise umgesetzt sind bereits die Programmhefte 2021. 2021 Kursangebote zum Schwerbehindertenrecht 2021 Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart Hausanschrift Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Fortbildungen und Tagungen für den Bereich Fortbildung Telefon 07 11 63 75-610 Telefax 07 11 63 75-125 Die neuen Fortbildungsbroschüren zeigen sich aber nicht nur äußerlich im schmucken Kleid, sondern glänzen auch mit vielen attraktiven Präsenz- und Onlineveranstaltungen. Hier einige Schwerpunkte: Kinder- und Integration Jugendhilfe www.kvjs-fortbildung.de fortbildung@kvjs.de 2021 2021 Jugend Fortbildungen und Tagungen für den Bereich Kinder- und Jugendhilfe Kursangebote zum Betreuungsrecht 2021 Jugendhilfe Unser breites Angebot für die Sozialen Dienste der Jugendämter führen wir fort. Aber: Es gibt auch Neuerungen! So haben wir die Seminare der Fortbildungsreihe „Systemisches Arbeiten“ auf die Fachkräfte der Allgemeinen Sozialen Dienste fokussiert. Angebote zu den Auswirkungen des BTHG auf die Jugendhilfe finden Sie in einer neuen separaten Rubrik. Neu sind auch Angebote zur Entwicklung einer interkulturellen, nichtdiskriminierenden Praxis der Jugendhilfe. Mehrere vom KVJS geförderte Modellprojekte präsentieren ihre Ergebnisse im Rahmen von Fachtagungen. Sie finden diese Angebote in der Rubrik „Hilfe zur Erziehung, Soziale Dienste“. Den in 2020 ausgefallenen Fachtag „Systemsprenger“ bieten wir nun in diesem Programm an. Fortbildungen „Professionelles Kita Management“ und „Basisqualifizierung Kleinkindpädagogik“ bieten Ihnen die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung in einem spezifischen Bereich. Kindertagesbetreuung Viele spannende Veranstaltungen halten wir für Sie bereit, zielgruppenorientiert und nach Themenbereichen dargestellt. Dies sind zum Beispiel ein landesweiter Fachtag zum Thema Kinderschutz, die „Qualifizierung von Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg“, ein Aktionstag bei der didacta Stuttgart und viele weitere neu entwickelte Fortbildungen und Online-Schulungen. Die langfristig angelegten Soziales Die Fortbildungen und Tagungen für Fachkräfte in der Eingliederungshilfe und Sozialhilfe im Jahr 2021 knüpfen inhaltlich an die des Jahres 2020 an. Weiter führen wir insbesondere die Qualifizierungsreihen “Bedarfsermittlung“ und „Teilhabemanagement“ sowie die Basisseminare „Eingliederungshilfe SGB IX, Leistungsrecht“. Dabei sollen auch die Veranstaltungen, die bedingt durch die Corona-Pandemie ausgefallen sind, kompensiert Fachkräfte der Fortbildung beratung 2021 Fortbildungen und Tagungen für den Bereich Betreuung Schwangerschafts- Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart Jugend Fortbildungen und Tagungen für den Bereich Hausanschrift Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Fortbildungen und Tagungen für den Bereich Fortbildung Telefon 07 11 63 75-610 Telefax 07 11 63 75-125 Fachkräfte der Sozialhilfe www.kvjs-fortbildung.de fortbildung@kvjs.de Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart Hausanschrift Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Fortbildung Telefon 07 11 63 75-610 Telefax 07 11 63 75-125 www.kvjs-fortbildung.de fortbildung@kvjs.de 4/2020 Fortbildungen und Tagungen für den Bereich Soziales Die KVJS-Fortbildungs­ programme im neuen Outfit/Foto: mees+zacke KVJS aktuell 25 Fortbildung werden. Im Hinblick auf den Rahmenvertrag SGB IX und den Gesamtplan in der Eingliederungshilfe mit seiner Schlüsselfunktion in der neuen Eingliederungshilfe bieten wir ab 2021 ergänzend zu den Qualifizierungsreihen Intensivseminare zu den angrenzenden Rechtsbereichen an. Betreuungsrecht Wir unterstützen mit unserem Fortbildungsangebot auch die rechtlichen Betreuer in verschiedensten Themenbereichen. Das Inkrafttreten der dritten Stufe des Bundesteilhabegesetzes hat die rechtlichen Rahmenbedingungen in der gesetzlichen Betreuung umfassend verändert. Diese Veränderungen und ihre Folgen für die tägliche Arbeit mit den Betroffenen sind ein besonderer Schwerpunkt im Programm. Die Themen reichen von „Eingliederungshilfe nach dem Bundesteilhabegesetz“ bis zu „Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes auf die rechtliche Betreuung“. Schwangerschaftsberatung Schwangere stehen unter einem besonderen gesetzlichen Schutz. Alles Wissenswerte von arbeitsrechtlichen Bestimmungen über Unterhaltsfragen bis zum Sorge- und Umgangsrecht bietet zum Beispiel die Veranstaltung „Rechtliche Fragen rund um die Schwangerschaft“. Eine große Herausforderung sind für die Fachkräfte in der Schwangerschaftskonfliktberatung oft Gespräche mit Paaren. Mit der Fortbildung „Paarberatung“ unterstützen wir Sie in diesem sensiblen Arbeitsfeld. Neu in unser Programm aufgenommen haben wir das Thema „Im Ernstfall richtig reagieren! Wie Sie Suizidalität erkennen und Betroffene begleiten können“. Behinderung und Beruf Ein breites Spektrum an praxisrelevanten Informationsveranstaltungen und Seminaren bietet unser Integrationsamt für alle, die sich in Betrieben und Dienststellen um Fragen der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen kümmern. Sie haben es nicht leicht als Schwerbehindertenver- 26 KVJS aktuell tretung, weil Sie ganz auf sich gestellt sind und wenn Sie wichtige Infos brauchen, ist keiner da, der Ihnen helfen kann? Die Erleuchtung scheint vom Touch-Screen, die Rettung surft online daher. Mit „SBV goes digital“ stellen wir 2021 erstmals einen Kurs mit einer Reihe von hilfreichen Apps vor, die Ihnen bei Ihrer Arbeit Rückhalt geben. Autor Gabriele Addow Corona: Wir fahren auf Sicht Mit Beginn der Corona-Pandemie war auch in der KVJS-Fortbildung plötzlich nichts mehr, wie gewohnt: Sämtliche Veranstaltungen mussten zum Schutz aller Beteiligten abgesagt werden. Doch unser oberstes Credo blieb ein verlässlicher Partner für Sie zu sein – insbesondere in diesen turbulenten Zeiten. Darum haben wir zahlreiche Veranstaltungen als Online-Seminare konzipiert und neue Angebote entwickelt. „Wir fahren auf Sicht“ - diese Redewendung gilt auch für den Fortbildungsbetrieb. Das heißt: Wir werden immer in Abhängigkeit von den weiteren Entwicklungen der Corona-Pandemie agieren und reagieren. Sie erhalten weiterhin so früh wie möglich Infos über Veranstaltungen und in welcher Form – Präsenz oder Online – diese stattfinden. Auch die KVJS-Website wird ständig aktualisiert – schauen Sie mal wieder vorbei. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldungen und nehmen Anregungen zur Weiterentwicklung des Fortbildungsprogramms gerne entgegen. Näheres finden Sie auf unserer Homepage www.kvjs-fortbildung.de 4/2020 Neu erschienen Alle aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/der-kvjs/service/publikationen-und-videos/ zum Herunterladen zur Verfügung. Soziales Abschlussbericht des Forschungsvorhabens WieWohnen-BW, Juli 2020. In Kooperation mit der Universität Ulm wurde die Wirksamkeit des unterstützten Wohnens im Rahmen der Eingliederungshilfe für Menschen mit seelischer Behinderung untersucht. Versand Manuela Weissenberger Telefon 0711 6375-307 sekretariat21@kvjs.de Neue Bausteine der Eingliederungshilfe 2016 – 2019, Ältere Menschen mit Behinderung, Juni 2020. Im Mittelpunkt der Projektreihe stand die Entwicklung von Konzepten, die ältere Menschen mit Behinderung in gesellschaftliche Regel­strukturen einbeziehen. Teilhabemanagement – Eingliederungshilfe in der Gesamt- und Teilhabeplanung nach SGB IX. Vorläufige Orientierungshilfe, Juli 2020. Die vorläufige Orientierungshilfe Teilhabemanagement in der Gesamt- und Teilhabeplanung soll dabei unterstützen, den gesetzlichen Auftrag umzusetzen. Integration Geschäftsbericht des KVJS-Integrationsamtes 2019/20, Juni 2020. In diesem Geschäftsbericht geht es in erster Linie um die Zahlenbilanz des Jahres 2019. Die Auswirkungen der aktuellen Ereignisse des Jahres 2020 werden im nächsten Geschäftsbericht aufgegriffen. Versand Manuela Weimar Telefon: 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de Zeitschrift „ZB Behinderung & Beruf“, Regionalbeilage Baden-Württemberg, Heft 3/2020. Das Heft gibt Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. Jugend Schutz von jungen Menschen in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe, Juli 2020. Aktualisierte Arbeitshilfe zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung. Verwaltungsrechtliche Hinweise für das Verfahren der Inobhutnahme, Juni 2020. Die Inobhutnahme zählt zu den großen Herausforderungen bei der täglichen Arbeit in den Allgemeinen Sozialen Diensten der Jugendämter. Die Publikation fasst notwendige Kenntnisse der verwaltungsrechtlichen Umsetzung einer Inobhutnahme zusammen. 4/2020 Versand Ulrike Cserny Telefon 0711 6375-469 ulrike.cserny@kvjs.de Nur online verfügbar KVJS aktuell 27 ©fotofabrika - stock.adobe.com Neu erschienen
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.