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Full text: KVJS aktuell Issue 2018,4

4/2018 KVJS Aus LWV.Eingliederungshilfe wird Habila Seite 4 Soziales Jugend Fortbildung Werkstattjubiläum: Wohnen ohne Hindernis Kita: Inklusion öffnet die Tür zur sozialen Partizipation Kinder besser gegen sexuelle Gewalt schützen Seite 8 Seite 22 Seite 28 Impressum KVJS aktuell November 2018 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart www.kvjs.de Verantwortlich: Kristina Reisinger Redaktion: Monika Kleusch Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Julia Holzwarth (hol) Monika Kleusch (mok) Titelfoto: Rampart Pictures/L.EH Layout: Waltraud Gross Bestellungen und Adressänderungen: Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Druck: Texdat-Service gGmbH, Weinheim 2 KVJS aktuell Redaktioneller Hinweis: Wir bitten um Verständnis, dass aus Gründen der Lesbarkeit auf eine durchgängige Nennung der weiblichen und männlichen Bezeichnungen verzichtet wird. Selbstverständlich beziehen sich die Texte in gleicher Weise auf Frauen und Männer. KVJS Inhaltsverzeichnis KVJS 4 6 Aus LWV.Eingliederungshilfe wird Habila Kunststipendium Rappertshofen: Offen sein und fühlen SOZIALES 8 9 10 11 Werkstattjubiläum: Wohnen ohne Hindernis Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf Austausch und Vernetzung auf Fachtag zur Quartiersentwicklung in Stuttgart Ambulant betreute Wohngemeinschaften neu schaffen und weiterentwickeln INTEGRATION 12 14 15 16 Geschäftsbericht liefert Zahlen-Daten-Fakten zur Arbeit des Integrationsamtes KVJS-Integrationsamt packt Informationspakete Serie Ausgezeichnet! Ein eingespieltes Team Solide Zahlen, verantwortungsvolles Wachstum bei Inklusionsunternehmen JUGEND 19 20 22 24 Landesjugendamt: Kindertagespflege weiter auf dem Vormarsch KVJS fördert fünf Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe Kita: Inklusion öffnet die Tür zur sozialen Partizipation Jugend mit Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt FORSCHUNG 26 KVJS-Forschungsvorhaben zur Schulsozialarbeit ist abgeschlossen FORTBILDUNG 28 30 32 Kinder besser gegen sexuelle Gewalt schützen Prävention als Kernaufgabe für Erziehungs- und Familienberatungsstellen Bundesteilhabegesetz im Praxistest NEU ERSCHIENEN 34 Beim KVJS erschienen 4/2018 KVJS aktuell 3 KVJS Qualifizierte Arbeitsplätze für zufriedene Klienten. Foto: Rampart Pictures/L.EH Aus LWV.Eingliederungshilfe wird Habila Strukturentwicklungskonzept sieht weitere Standorte vor Ab Januar wird die LWV.Eingliederungshilfe unter dem neuen Namen Habila firmieren. Der Name kommt aus dem Lateinischen und steht für Befähigen. Genau das will Habila auch an neuen Standorten unter Beweis stellen. Planungsgespräche dazu gab es unter anderem bereits mit dem Landkreis Heilbronn. „Eine Weiterentwicklung unseres Angebots kann nur in enger partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den einzelnen Stadt- und Landkreisen als Träger der Eingliederungshilfe stattfinden“, betont die Verbandsdirektorin Kristin Schwarz. Vorüberlegungen gibt es auch für die Landkreise Biberach und Rems-Murr. Die Angebotserweiterung ist Teil des Strukturentwicklungskonzepts bis 2025 für die (noch) LWV.Eingliederungshilfe GmbH (L.EH), das jetzt vom zuständigen Ausschuss beim KVJS verabschiedet wurde. 4 KVJS aktuell Die LWV.Eingliederungshilfe GmbH war mit ihrem Konzept der Dezentralisierung in den letzten zehn Jahren bereits Vorreiter. „Das zeigt sich in vielen innovativen Ansätzen wie dem Kulturpark Reutlingen oder dem Wohnen im Ort “, so Schwarz. „Dies gilt es nun, weiter auszubauen. Vor allem aber wollen wir Menschen mit Behinderung mehr Möglichkeiten bieten, ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse zu verwirklichen und sie zu befähigen, beim Wohnen und im Arbeitsleben entsprechende Lösungen zu finden.“ 4/2018 KVJS Quartiersentwicklung in Rappertshofen Eine einzigartige neue Herausforderung bildet die geplante Konversion des gesamten Heimgeländes von Rappertshofen Reutlingen. Im Zusammenwirken mit der Stadt Reutlingen soll nach und nach ein komplett neues Quartier für gelebte Inklusion entstehen. „Der Reutlinger Gemeinderat hat bereits einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst“, erklärt Hans Steinmaier vom KVJS. „Dieses Projekt dürfte bundesweit einmalig sein.“ Doch auch an anderen Standorten tut sich was: „In Ellwangen sind wir ebenfalls in Gesprächen mit der Stadt, um eine weitere Öffnung des dortigen Rabenhofs gemeinsam zu gestalten“ so Kristin Schwarz. „Herzlichen Dank an dieser Stelle an die beiden Städte für ihre Unterstützung und aktive Mitwirkung an diesen zukunftsweisenden Vorhaben.“ Ein positiver Nebeneffekt der Dezentralisierung wurde in Laichingen, wo der Tannenhof Ulm eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) eröffnete, spürbar: „Die Bürger vor Ort haben ein beispielhaftes Engagement entwickelt“, so Referatsleiter Steinmaier. Das sei auch an anderen neuen Standorten spürbar: „Die Leute bieten Hilfe und Unterstützung an.“ Qualifizierung der Werkstattbeschäftigten Die Gestaltung interessanter WfbM-Arbeitsplätze und die Qualifizierung der Werkstattbeschäftigten ist ein weiterer wichtiger Teil des Struktur- 4/2018 konzepts. Immerhin befindet sich ein Drittel der Arbeitsplätze in teilhabeorientierten dezentralen Betriebsstätten und Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes. Zum allgemeinen Arbeitsmarkt gehört auch das Inklusionsunternehmen Insiva für Gemeinschaftsverpflegung. „Es gibt Qualifizierungen zu allem, was mit Selbstständigkeit und Arbeit zu tun hat“, so Steinmaier. Die L.EH ist darum auch als Bildungsanbieter anerkannt. Die Landesheimbauverordnung verlangt, dass Einrichtungen nicht mehr als 100 Heimplätze an einem Standort haben sollen. Bis zum Jahr 2017 hat die L.EH in ihren vier Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Ulm, Reutlingen, Markgröningen und Ellwangen 320 stationäre Plätze aufgegeben. Im Gegenzug entstanden 279 ins Gemeinwesen integrierte stationäre Plätze und ein ambulant betreutes Angebot für 188 Menschen. Auch dieser Trend wird sich fortsetzen. Der neue Name ist Programm Der neue Name leitet sich von den lateinischen Begriffen „habilitare“, „habitare“ und „laborare“ ab – also befähigen, wohnen und arbeiten. „Damit beschreibt er genau die Kernfelder, auf denen unser Sozialunternehmen tätig ist“ erklärt Verbandsdirektorin Schwarz. „Zusammen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir überlegt, was die neue Marke ausmacht, welche Leitgedanken wir damit verfolgen, welche Haltung damit verbunden ist und wie dies transportiert werden kann.“ mok KVJS aktuell 5 KVJS Offen sein und fühlen Kunststipendiatin Jenny Winter-Stojanovic kommuniziert über Material und Begegnungen Als zweite Kunststipendiatin im Reutlinger Kulturpark RT-Nord rückt Jenny Winter-Stojanovic Zugänge und Ausdrucksmöglichkeiten in den Mittelpunkt, die sich über Gefühle entwickeln. Auch für sie selbst sei die Arbeit mit Menschen mit Behinderung in Rappertshofen eine große Bereicherung, sagt die Künstlerin. Die Reutlingerin hat bereits in zahlreichen Ausstellungen ihre Skulpturen, Installationen und Performances präsentiert. In Rappertshofen bietet sie ein „Offenes Atelier“ für Menschen mit und ohne Behinderung, in dem experimentell mit Materialien wie Stein, Seife, Kohle, Wachs, Salz, Gewebe und Honig gearbeitet werden kann. Unter dem Motto „Die Dinge entstehen aus dem Bauch, nicht aus dem Kopf“ gehen die Teilnehmer der Frage nach, welches Phänomen in welcher Materialität steckt. Ihre Ergebnisse verarbeiten sie dann künstlerisch weiter. Berührungsängste kennt Jenny Winter-Stojanovic nicht, auch wenn sie bislang in ihrem persönlichen Umfeld keine unmittelbaren Kontakte zu Menschen mit Behinderung hatte. Sie hat mit Demenzkranken ebenso künstlerisch gearbeitet wie mit hochbegabten Jugendlichen. Ihr nächstes Projekt wird in einem Kinderhospiz stattfinden. „Der Zugang ist immer derselbe: Den Kopf etwas zurückschrauben, wegkommen vom Leistungsdenken, offen sein für neue Erfahrungen. Was dabei herauskommt, ist erst einmal toll“, beschreibt sie ihren Ansatz. Den Blick weiten Materialien eine neue Bedeutung geben. 6 KVJS aktuell Foto: Gokeler Das einzige Tabu, das sie anfangs aufstellt: Bäume, Häuser, Autos und ähnliche Motive sind nicht erlaubt. Das soll den Blick weiten und weglenken von dem, was man zur Genüge kennt. Dazu 4/2018 KVJS passt auch, dass die Teilnehmer ihres letzten Projekts ihren Werken erst zum Abschluss, gleichsam als letzten Schritt, einen Titel geben sollten. Ob Frischhaltefolie, Wolle, Draht oder irgendein anderes Material: Die künstlerische Auseinandersetzung damit soll aufgreifen, was das Medium selbst vorgibt. Ihr selbst mache die Arbeit in Rappertshofen „unendlich viel Freude“, sagt die Künstlerin. Anfangs habe sie lernen müssen, dass Begegnungen mit Menschen mit Behinderung ein eigenes, oft reduziertes Tempo erforderten: „Das tut mir auch persönlich sehr gut, bringt Ruhe und Möglichkeiten zum Auftanken.“ Verstehen ohne Worte „Das Kunststipendium hat seinen eigenen Rhythmus. Nach dem Ankommen entstehen erste Arbeiten, dann gibt es Workshops, Kurse und die eigene künstlerische Arbeit. Zum Abschluss zeigt eine Ausstellung die gemeinsam entstandenen Werke, aber auch eigene Arbeiten des Künstlers“, berichtet Norbert Peichl. Dem Bereichsmanager Wohnen und Soziale Dienste der LWV.Eingliederungshilfe ist besonders wichtig: „Der Kulturpark ist ein inklusives Projekt, und das Kunststipendium ein wichtiger Schlüssel zur Öffnung. Die Angebote richten sich an alle Bürgerinnen und Bürger Reutlingens, ob mit oder ohne Behinderung.“ Stephan Gokeler 4/2018 Keine Berührungsängste: Jenny Winter-Stojanovic mit Kursteilnehmer. Foto: Gokeler INFO Im Lauf der Monate, die sie nun schon in Rappertshofen arbeitet, seien die Beziehungen immer intensiver geworden. „Auch nonverbal verstehe ich inzwischen immer mehr, auch in Bezug auf die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten“, erzählt Jenny Winter-Stojanovic. Sie mache zwar keine therapeutische Arbeit, sagt sie, aber mit einigen Klienten in Rappertshofen habe sie in Materialien und Formen deren eigene innere Themen erkunden können. Iara Peters ist neue Stipendiatin Über die Vergabe des Kunststipendiums Rappertshofen entscheidet eine von der LWV.Eingliederungshilfe bestellte Jury mit kunstsachverständigen Mitgliedern, darunter auch Christian Malycha, Geschäftsführer des Kunstvereins Reutlingen. Die Jury entschied sich für Iara Peters als Nachfolgerin von Jenny Winter-Stojanovic. Die 25jährige hat in diesem Sommer ihr Studium der Kunsttherapie in Nürtingen beendet. Am 1. Oktober ist sie als Stipendiatin im Kulturpark eingezogen. KVJS aktuell 7 SOZIALES Wohnen ohne Hindernis Werkstatt Wohnen feiert 20-jähriges Jubiläum Wie Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden funktionieren kann, zeigt die Werkstatt Wohnen des KVJS eindrucksvoll. Seit nun 20 Jahren finden sich hinter jeder Tür innovative Lösungen für selbständiges Wohnen. und anschaulichen Informationen zu den barrierefreien Lösungen, wird die Werkstatt Wohnen künftig auch für Interessierte vor dem Computerbildschirm erlebbar sein. Ab Mitte November steht die neue Internetseite unter www.barrierefreiwohnen.kvjs.de zur Verfügung. Zahlreiche Partner Immer mehr ältere Leute und Menschen mit Behinderung leben dauerhaft Zuhause. Um den Alltag auch ohne Unterstützung durch Familie oder Fachkräfte möglichst selbständig bewältigen zu können, bringen bauliche und technische Lösungen sowie praktische Hilfsmittel eine Entlastung. Seit 1998 zeigt die Werkstatt Wohnen, wie Wohnräume barrierefrei und sicher ausgestattet werden können. In den vergangenen Monaten sind einige Bereiche der Musterwohnung neu ausgestattet und Räume modernisiert worden. Auch ein neuer Internetauftritt geht pünktlich zum Jubiläum online: Mit einem virtuellen 360-Grad-Rundgang 8 KVJS aktuell INFO Zum 20. Jubiläum wird sich die Werkstatt Wohnen mit einem neuen Internetauftritt präsentieren. Das Highlight: ein virtueller 360-Grad-Rundgang mit Infos zur barrierefreien Einrichtung und den Hilfsmitteln. Foto: Mees + Zacke Die Musterwohnung ist damals in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut entstanden. Heute kooperiert sie mit der Deutschen Roten Kreuz (DRK)-Wohnberatung Stuttgart sowie zahlreichen Partnern aus Sozial- und Wohnungswirtschaft, Forschung, Ausbildung, Handwerk und Verwaltung. „Die Werkstatt Wohnen erfreut sich auch nach 20 Jahren zunehmender Beliebtheit. 2017 konnten gemeinsam mit der DRK-Wohnberatungsstelle über 70 fachkundige Führungen angeboten werden. Die offene Sprechstunde wurde dann in diesem Jahr wegen der hohen Nachfrage ausgebaut“, berichtet Leiterin Barbara Steiner-Karatas. hol Ihre Ansprechpartnerin: Barbara Steiner-Karatas Telefon 0711 6375-207 barbara.steiner-karatas@kvjs.de 4/2018 SOZIALES Teilhabe am Arbeitsleben sichern „Werkstatt-Transfer“ für Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf In einem mehrjährigen Prozess hat sich der KVJS mit der Entwicklung auseinandergesetzt, dass die Teilnehmerzahlen im Förder- und Betreuungsbereich angestiegen sind: Nutzten in 2005 knapp 20 Prozent der Leistungsberechtigten aus dem Segment der Arbeit und Beschäftigungsangebote eine Förder- und Betreuungsgruppe, so waren es in 2016 schon mehr als 25 Prozent. Über 9.000 Menschen in Baden-Württemberg waren somit von einer aktiven Teilnahme am Arbeitsleben und den Vorteilen der Sozialversicherung in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) ausgeschlossen. Im Juli 2018 wurde ergänzend ein Vereinbarungsmuster als Grundlage für zukünftige Vereinbarungen abgestimmt, das an die örtlichen Verhältnisse angepasst werden kann. Das Vereinbarungsmuster steht im Mitgliederbereich auf der Webseite des KVJS zur Verfügung. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat der KVJS 2012 eine trägerübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Beteiligt waren neben Leistungsträgern und Leistungserbringern auch Menschen mit Behinderung als gewählte Werkstattvertreter sowie deren Angehörige. Darüber hinaus begleiteten das Sozial- und Kultusministerium die Entwicklung auf Ministerialebene sowie Stadt- und Landkreisvertreter in der Erprobung auf Kreisebene. Mehr Informationen zum Thema und den Vorteilen des Werkstatt-Transfers, sowohl für Leistungsträger als auch für Leistungserbringer, stehen in Kürze auf kvjs.de bereit. hol/Süßmilch Im Juli 2017 wurde als Ergebnis der WerkstattTransfer als ergänzendes Leistungsangebot beschlossen. Ziel ist es, Personen auch bei verändertem und erhöhtem Hilfebedarf weiterhin die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Damit können Wechsel in eine Förder- und Betreuungsgruppe vermieden werden. Gleichzeitig ermöglicht das Angebot Übergänge aus diesem Bereich in die WfbM und damit in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. INFO Das 2017 geschaffene Angebot „Werkstatt-Transfer“ soll Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf die Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung ermöglichen. Seit Juli diesen Jahres gibt es ein Muster für künftige Vereinbarungen. 4/2018 Mit dem Angebot „Werkstatt-Transfer“ sollen Menschen mit Behinderung und erhöhtem Unterstützungsbedarf am Arbeitsleben teilhaben können. Foto: © M.Dörr & M.Frommherz / Fotolia Ihre Ansprechpartnerin: Bettina Süßmilch Telefon 0711 6375-397 Bettina.Suessmilch@kvjs.de KVJS aktuell 9 SOZIALES Orte der Gemeinschaft gestalten Austausch und Vernetzung auf Fachtag zur Quartiersentwicklung in Stuttgart Mehr als 300 Fachleute widmeten sich auf dem Fachtag Quartiersentwicklung der Gestaltung zukunftsfähiger Gemeinschaften in den Kommunen. Auch die Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen, die beim KVJS angesiedelt ist, brachte ihre Expertise ein. Leistungen. Sie ist Teil des Informations- und Beratungsnetzwerkes der Strategie Quartier 2020. Die FaWo setzt Impulse zur Einführung innovativer Wohnformen. Ihr Angebot wird von Kommunen, Kreisen, Wohnbaugesellschaften, Trägern, Verbänden, Initiativen und interessierten Bürgern in Anspruch genommen. Von links nach rechts: Wilhelm von Ascheraden (SoNO e.V.), Dr. Alexandra Klein (KVJS) und Frederick Brütting, Bürgermeister von Heubach. Foto: Holzwarth Dr. Alexandra Klein vom KVJS machte in einem Praxisforum die Entstehung bürgerschaftlicher Hilfenetzwerke und ambulant betreuter Wohngemeinschaften zum Thema. Die kommunalen Gesprächspartner waren der Vorsitzende des Sozialen Netzwerkes Ortenberg e. V. (SoNO), Wilhelm von Ascheraden, sowie Frederick Brütting, Bürgermeister der Stadt Heubach. „Die Hilfe zu den Menschen bringen“ Der Fachtag fokussierte die Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten“, die das aktive Zusammenleben aller Generationen in Quartieren fördert. Die Teilnehmer diskutierten darüber, wie Netzwerke und Wohngemeinschaften für ältere Menschen geschaffen werden können und ein gemeinsames Zusammenleben in Quartieren gelingt. Markt der guten Ideen Der Verein SoNO ist ein Beispiel für Quartiersentwicklung durch bürgerschaftliche Initiative und freiwilliges Engagement. Ziel des Netzwerkes ist es, jedem Ortenberger das Wohnen im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Ganz nach dem Vereinsgrundsatz „Die Hilfe zu den Menschen bringen, nicht umgekehrt“ sind zahlreiche Angebote entstanden, wie die Nachbarschaftshilfe, Schulkinderbetreuung oder auch begleitende Fahrdienste. Der „Markt der guten Ideen“ mit Infoständen zu Projekten und Partnern der Landesstrategie war Plattform für Organisationen und Kommunen, die sich aktiv an der Entwicklung von Quartieren beteiligen. Auch die Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen (FaWo) informierte über ihre Der Verein unterstützte die Entwicklung einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft (WG), die ab Ende 2018 in Betrieb gehen wird. Zwölf Bewohner können dort selbstbestimmt leben, über die Organisation des Alltags mitbestimmen sowie über notwendige Betreuungsleistungen 10 KVJS aktuell 4/2018 SOZIALES entscheiden. Von Ascheraden beschrieb, welche Herausforderungen mit dem Projekt verbunden waren. Auch die Frage, wie ältere Menschen und Angehörige für diese Wohnform gewonnen werden können, wurde diskutiert. WG in Wohnviertel integrieren Auch in der Gemeinde Heubach geht Ende 2018 eine neue ambulant betreute Wohngemeinschaft mit elf Plätzen in Betrieb. Im Vorfeld wurden verschiedene Akteure an einen Tisch gebracht, mit dem Ziel, sie als Bündnispartner für das Projekt zu gewinnen. Auch die Ergebnisse einer Befragung in Heubach waren Teil der Planung. Die WG wird von einem Anbieter verantwortet. Auch in dieser Wohnform stehen die Mitbestimmung in der All- tagsgestaltung und die Wahl der Pflegeleistungen durch die Bewohner im Fokus. Sie liegt in einem Neubaukomplex mit zahlreichen Eigentumswohnungen. Bürgermeister Frederick Brütting hob hervor, wie wichtig die Einbindung einer PflegeWG in das Wohnumfeld sei. Durch die direkte Nähe könne bürgerschaftliches Engagement in der Nachbarschaft erzeugt werden. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Ministerium für Soziales und Integration in Kooperation mit der Familienforschung Baden-Württemberg. Mehr Informationen zum Fachtag und der Landesstrategie Quartier 2020 finden Sie unter www.quartier2020-bw.de Mehr Informationen zur FaWo finden Sie unter www.kvjs.de hol Ambulant betreute Wohngemeinschaften neu schaffen und weiterentwickeln Mit der Entwicklung ambulant betreuter Wohngemeinschaften in der Kommune beschäftigt sich die diesjährige Herbsttagung der Stuttgarter Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen (FaWo). Sie findet am 4. Dezember 2018 im Hospitalhof in Stuttgart statt. Ambulant betreute Wohngemeinschaften haben sich in Baden-Württemberg in den letzten Jahren als Baustein der Wohn- und Versorgungslandschaft für Menschen mit Behinderungen oder Pflegebedarf etabliert. Auch aus Sicht der Kommunen sind sie eine interessante Bereicherung des Angebotsspektrums und der Quartiersentwicklung vor Ort. Experten aus Wissenschaft und Praxis zeigen bei der Fachtagung Faktoren auf, die ambulant betreute Wohngemeinschaften begünstigen. In einer moderierten Expertenrunde mit den Refe- 4/2018 renten, Vertretern des Ministeriums, der kommunalen Landesverbände und der FaWo werden diese Inhalte diskutiert und vertieft. Ergänzend stellen Akteure aus der Praxis erfolgreiche Wohngemeinschafts- und Quartiersprojekte vor. Darüber hinaus bietet die gemeinsam vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg und der FaWo veranstaltete Tagung Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Weitere Informationen zu der ganztägigen Fachtagung sind auf der Homepage der Fachstelle (www. kvjs.de/soziales/fawo-fachstelle-fuer-ambulantunterstuetzte-wohnformen.html) eingestellt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich. add/FaWo KVJS aktuell 11 6 INTEGRATION TEILHABE WESENTLICH BEHINDERTER MENSCHEN AM ARBEITSLEBEN Immer mehr Inklusionsunternehmen nisse werden laufend auf ihre Nachhaltigkeit Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und noch weit erfolgrei- überprüft und zeigen eine erfreuliche Konstanz pädagogischen Bildungs- und Beratungszentren teilweise schon seit dem Jahr 2005. Alle Arbeits- plätze für die Zielgruppe zu schaffen) wurde im Bundesvergleich weit Überdurchschnittliches erDie Inklusionsunternehmen mit 30 bis 50 Prozent reicht. Bis zum 31.12.2017 wurden 4.488 schwerBeschäftigten mit Schwerbehinderung wuchbehinderte Menschen, die zugleich wesentlich sen 2017 deutlich: Zehn oder neue behindert im Sinne der Unternehmen Eingliederungshilfe sind, Abteilungen bestehender Unternehmen gingen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt neu denEntwicklung Start oder bereiten darauf undan diese geht imsich Jahr 2018vor. kontiDamit erhöht sich ihre Zahl auf 90. nuierlich weiter. Aufnahmen in die WfbM verzeichnen konnte. Ermöglicht wurden diese Ergebnisse durch gleichen wie nicht-behinderte von der guten mehrereMaß Instrumente. In den 80 bestehenden Unternehmen wurWesentlicher Erfolgsfaktor dafür war und ist den 4.420sich Personen (Vorjahr 3.679) beschäftigt, es, dass die Beteiligten im Land gut verdavon 1.958 (Vorjahr Menschen mit einer netzt haben und eng1.535) zusammenarbeiten. Dazu Schwerbehinderung. Unter den schwerbehindergehören die schulische Seite, vom Kultusten Beschäftigten waren (Vorjahr 1.310) minis terium bis zu den1.570 einzelnen Schulen, Menschen, die ohne Inklusionsbetriebe vermutdie Bundesagentur für Arbeit, die Träger der lich keine Beschäftigung auf dem allgemeinen Eingliederungshilfe, die Werkstätten für behinArbeitsmarkt gefunden hätten. derte Menschen, das Sozialministerium und Förderprogramm Arbeit weiter Konzept durchgängig zurinklusiv Verfügung, vonerfolgder reich Schule bis zur Stabilisierung des vermittelten Geschäftsbericht liefert Zahlen-Daten-Fakten zurvon Arbeit des Integrationsamtes über 84 Prozent dauerhaftem Bestand, cher am Übergang aus der Schule, den Sonder- Das Integrationsamt des KVJS hat seinen Geschäftsbericht 2017/18 vorgelegt: Zehn neue verhältnisse sind tariflich oder ortsüblich ent(SBBZ), auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gearInklusionsunternehmen und fast 400 Neuvermittlungen besonders betroffener Personen lohnt und sind uneingeschränkt sozialversichebeitet. Mit der vom KVJS Baden-Württemberg auf den2005 allgemeinen Arbeitsmarkt stehen der Habenseite. Weiter schwierigistbleibt Baden-Württemberg auch im Jahr initiierten „Aktion 1000“ (Ziel war auf rungspflichtig. die Arbeitssuche fürvon die5 Jahren übrigen schwerbehinderten Arbeitssuchenden. das erste Bundesland, das einen Rückgang der es damals, innerhalb 1000 Arbeits- Situation auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Mit 14.257 Personen machen MenDurchgängiger Einsatzschwerbehinderte der Integrationsschen 3,2 Prozent der Arbeitssuchenden in Badenfachdienste Württemberg aus. Immerhin eine Verbesserung von Prozent im Vergleich zu 2016. Die 0,4 Dienstleistungen der Integrationsfachdiens- te (IFD) stehen in Baden-Württemberg für dieses Arbeitsverhältnisses. Die Kosten hierfür trägt Weiterhin erfolgreich hingegen verlief die Verdas Integrationsamt. mittlung von wesentlich behinderten Menschen, wie etwa geistig oder sinnesbehinderte PersoBerufswegekonferenzen nen, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt: Durch das KVJS-Förderprogramm „Arbeit inklusiv“ fanden Berufswegekonferenzen werden für die ein391 Personen eine sozialversicherungspflichtige zelnen Schüler von der Schule in Kooperation Arbeit. Insgesamt konnten imIn Aktionszeitraum mit dem IFD durchgeführt. ihr werden alle (01.01.2005 bis 31.12.2017) bisher 4.488 wesent- der KVJS mit seinen Dezernaten Soziales und Laut Geschäftsbericht Menschen mit Integrationsamt. Die konnten erreichten Arbeitsverhälteiner Schwerbehinderung nach wie vor nicht im Erreichte Arbeitsverhältnisse für wesentlich behinderte Menschen 500 Summe: 4.488 Arbeitsverhältnisse 400 307 300 200 299 251 360 420 429 374 413 418 386 391 281 Allgemeiner Arbeitsmarkt davon Integrationsunternehmen 159 100 18 26 2005 2006 47 45 38 55 63 58 73 91 87 73 81 0 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Quelle: eigene Erhebung KVJS 30 12 KVJS aktuell Geschäftsbericht KVJS-Integrationsamt 2017/18 4/2018 lich behinderte Menschen vermittelt werden, die überdurchschnittlich stabil in ihrem Job mit einer Nachhaltigkeitsquote von 83,1 Prozent blieben. Neues Inklusionsunternehmen: Die Bioservice Südbaden gGmbH wäscht unter anderem Gemüse und Gemüsekisten. Foto: Andrea Obzerove/Fotolia Mit dem Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) entstand die Frage, ob die bisherigen Instrumente der Aktion Arbeit inklusiv durch eine Förderung mit dem neuen Budget für Arbeit ersetzt werden können. Allerdings unterscheidet sich das Budget für Arbeit in zwei wesentlichen Punkten von dem bisherigen Ansatz: Es führt wegen des Ausschlusses der Arbeitslosenversicherung nicht zu vollwertigen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen und es steht für Schüler zum Übergang von der Schule in das Arbeitsleben nicht zur Verfügung, sondern erst, wenn sie einen Werkstattanspruch erworben haben, also in der Regel erst nach Durchlaufen des Berufsbildungsbereichs einer WfbM. Es stehen künftig zwei Angebote zur Verfügung: Wesentlich behinderte Menschen werden im bisherigen Rahmen und Umfang bei der Teilhabe am Arbeitsleben des allgemeinen Arbeitsmarktes gefördert. Die Förderung mit dem Budget für Arbeit soll als weitere Möglichkeit hinkommen. Dazu wurden die bisherigen Grundsätze „Arbeit Inklusiv“ bis 2022 verlängert und in einem zweiten Teil um Regelungen zum Budget für Arbeit erweitert. mok 4/2018 INFO INTEGRATION Personenkreis und Arbeitsmarkt • Bundesweit waren nach der Statistik des Statistisches Bundesamt zum 31.12.2017 insgesamt 7.766.573 Menschen schwerbehindert, in BadenWürttemberg (Quelle: Statistisches Landesamt) waren 943.183 schwerbehinderte Menschen gemeldet. • In Baden-Württemberg gab es im Jahr 2016 22.465 beschäftigungspflichtige Arbeitgeber mit 3.359.637 Arbeitsplätzen, davon erfüllten 9.808 Arbeitgeber die Beschäftigungspflicht nach dem SGB IX. • Die Beschäftigungsquote in BadenWürttemberg betrug 2016 bei den Arbeitgebern der Privatwirtschaft 4,09 Prozent und bei den Arbeitgebern des Öffentlichen Dienstes 5,41 Prozent. Leistungen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben • 0,75 Millionen Euro an Arbeitgeber zur Schaffung von 61 Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen. • 1,81 Millionen Euro an Arbeitgeber zur behinderungsgerechten Einrichtung von 585 Arbeitsplätzen. • 26,49 Millionen Euro an Arbeitgeber bei außergewöhnlichen Belastungen (ohne Inklusionsbetriebe) – Anzahl der Leistungsempfänger: 8.717. • 4,36 Millionen Euro an schwerbehinderte Menschen – Anzahl der Leistungsempfänger: 876 Besonderer Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen • 2.597 Neuanträge auf Zustimmung zur Kündigung. • 2.598 Fälle (einschließlich nicht abgeschlossener Fälle aus dem Vorjahr) wurden entschieden. Der Arbeitsplatz konnte in 558 Fällen erhalten werden. KVJS aktuell 13 INTEGRATION KVJS-Integrationsamt packt Informationspakete Neuwahl der Schwerbehindertenvertretungen im Herbst In diesem Herbst werden die Vertrauenspersonen der schwerbehinderten Menschen in Unternehmen und Dienststellen neu gewählt. Das KVJS-Integrationsamt bietet ein umfangreiches Informationspaket zur Wahl an. Für frisch Gewählte gibt es ein StarterPaket mit allen wichtigen Informationen. Die Schwerbehindertenvertretungen sind für Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen wichtige Ansprechpartner. Sie sind Teil des Betrieblichen Integrationsteams. Das KVJS-Integrationsamt unterstützt die Vertrauenspersonen der schwerbehinderten Menschen mit Informationsmaterial und einem breit gefächerten Fortbildungsangebot. Wichtig: Wahlergebnis melden! Frisch gewählte Schwerbehindertenvertreter erhalten vom Integrationsamt ein kostenloses Informationspaket zu Aufgaben, Rechten und Pflichten der SbV. Bitte denken Sie also daran, umgehend die Wahlergebnisse mitzuteilen! Schwerbehindertenvertrauensleute können beim KVJS-Fortbildungsprogramm aus einem Angebot von rund 100 Kursen wählen. Im kommenden Jahr werden verstärkt Grundkurse zum Schwerbehindertenrecht angeboten. Mit der Belegung weiterer 14 KVJS aktuell Kurse besteht die Möglichkeit, sich zum Betrieblichen Eingliederungsberater zu qualifizieren. mok INFO Bis Ende November können noch Wahlen zur Schwerbehindertenvertretung (SbV) abgehalten werden. Voraussetzung ist, dass mindestens fünf schwerbehinderte oder gleichgestellte Personen dauerhaft in einem Betrieb oder einer Dienststelle beschäftigt sind. Gewählt wird für einen Zeitraum von vier Jahren. Der KVJS hat ein Informationspaket zur Wahl der Schwerbehindertenvertretung geschnürt, das kostenlos bestellt werden kann. Der Inhalt: Infomaterial, Vordrucke für Aushänge, Formulare und was man sonst noch so braucht, um die Wahl durchzuführen. Infopaket zur Wahl Es enthält alle Informationen zur Durchführung der Wahl der SbV. Im Internet finden Sie die Informationen unter www.kvjs.de/KVJS-MDQ9 Infopaket zur SbV Über die Aufgaben der SbV, ihre Rechte und Pflichten informiert dieses Infopaket. Das Fortbildungsprogramm Das aktuelle Angebot mit Anmeldemöglichkeit steht im Internet unter www.kvjs.de/fortbildung/startseitefortbildung-alt/behinderung-undberuf/ zur Verfügung. Bestellung unter integrationsamt@ kvjs.de, Telefon 0721 8107 942 Mehr Infos Die Seite www.integrationsaemter. de bietet ebenfalls zahlreiches InfoMaterial zur Wahl an, darunter eine Broschüre in leichter Sprache zum herunter laden. 4/2018 INTEGRATION Serie Ausgezeichnet! Ein eingespieltes Team Passgenaue Perfektion bei Schaumaplast Die drei arbeiten Hand in Hand: Styroporbehälter anreichen, auf Palette stapeln, den Stapel gründlich mit Folie umwickeln. Fertig. Nächste Palette. Das eingespielte Team arbeitet bei Schaumaplast in Reilingen. Und es ist der Grund, warum das Unternehmen vom KVJS als beispielhaft behindertenfreundlich ausgezeichnet wurde. Mit passgenauer Perfektion kennt man sich aus bei Schaumaplast: Das international aufgestellte Unternehmen produziert an die 1.000 Formteile und Verpackungen aus speziellen Schäumen. Auch bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung fand Schaumaplast passgenaue Lösungen. Sinnvolle Strukturen, klare Ziele und feste Ansprechpartner für die Beschäftigten mit Behinderung sind Grundlagen des Erfolgs. Bei Jochen Beck, Osman Sömcerik und Luis Müller stand jeweils ein Praktikum, vermittelt und begleitet durch den Integrationsfachdienst, am Beginn ihrer Tätigkeit bei Schaumaplast. Die wesentlich behinderten jungen Männer haben ihren Platz in der Verpackung gefunden. Sie machen meist die gleiche Arbeit, aber in unterschiedlichen Hallen, je nachdem wo sie gebraucht werden. Win-Situation“, freut sich der Geschäftsführer. Nur an eines muss das tatkräftige Trio immer wieder erinnert werden: Doch auch mal Pause zu machen. mok Luis Müller, Osman Sömcerik und Jochen Beck sind aufeinander eingespielt. Luis Müller zum Beispiel wird auch beim Recycling von Styropor eingesetzt, das Schaumaplast ebenfalls anbietet: „Das Material ist zu 100 Prozent recycelbar“, erklärt Geschäftsführer Ralph Wittemann. Die beiden anderen verpacken vorwiegend auf Paletten und das gerne: „Ich mache das nicht, weil ich muss“, erklärt Osman Sömcerik. „Mir gefällt die Arbeit hier.“ Ralph Wittemann kann das nur bestätigen: „Unsere schwerbehinderten Mitarbeiter arbeiten gerne bei uns.“ Was man auch daran sieht, dass sie praktisch keine Krankheitstage haben. „Eine klassische Win- 4/2018 Die Arbeit geht Hand in Hand. Fotos: Kleusch KVJS aktuell 15 INTEGRATION Solide Zahlen, verantwortungsvolles Wachstum Die inklusiven Unternehmen Baden-Württembergs trafen sich zum Fachtag Wo stehen die Inklusionsbetriebe in Baden-Württemberg und wo soll es hin gehen? Allein im vergangenen Jahr kamen zehn neue hinzu. Von den mittlerweile 92 Inklusionsbetrieben, sind 90 Prozent eigenständige Unternehmen und zehn Prozent Inklusionsabteilungen. Wachstum mit Augenmaß ist gefragt. tential zu gering.“ Weiteres Potential sieht Pflaum darin, dass sich bisher zwei Inklusionsfirmen Angebote zur Qualifizierung schwerbehinderter Menschen entwickelt haben. „Das möchten wir unterstützen.“ Wesentlichen Anteil daran hat das Bundesprogramm „AlleImBetrieb“. Der KVJS fördert daraus bis zu 35.000 Euro pro Arbeitsplatz für schwerbehinderte Menschen mit besonderen Schwierigkeiten bei der Teilhabe am Arbeitsmarkt. Aber: „Wir wollen kein Geld in einem Strohfeuer verbrennen“, erklärte Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes in seinem Einführungsvortrag. Gefördert wird deshalb nur, wenn davon auszugehen ist, dass sich Geschäftskonzepte möglichst dauerhaft am Markt behaupten können. Thomas Weichert, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsunternehmen wies darauf hin, dass die übliche Förderhöhe von maximal 15.000 Euro pro neuem Arbeitsplatz in einigen Bereichen knapp bemessen ist: Die Eröffnung eines Lebensmittelmarktes würde allein ein Finanzierungsvolumen von 350.000 bis 400.000 Euro voraussetzen. „Sind dann von zwölf Mitarbeitern sechs besonders betroffene schwerbehinderte Menschen, steht dem eine Förderung von maximal 90.000 Euro gegenüber.“ Weichert weiter: „Die meisten von uns sind gemeinnützige Unternehmen und haben keine großen Kapitalreserven.“ Karl-Friedrich Ernst dazu: „Leider müssen mit unseren Ausgaben in der Ausgleichsabgabe auf Sicht fahren, unsere eigenen Mittel sind begrenzt. Die Mittel des Bundesprogramms sind bereits verplant. Aber wir werden das nochmals prüfen.“ Zusammenarbeit auf Augenhöhe Zum Thema Zukunftsfähigkeit gehört auch die Forderung von Bernhard Pflaum, dem Verantwortlichen für Inklusionsunternehmen beim KVJS: „Die Unternehmen müssen so viel erwirtschaften, dass es möglich ist, eine professionelle Geschäftsführung zu bezahlen, sonst ist das Entwicklungspo- 16 KVJS aktuell Weichert lobte indessen die gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Fachberatern des KVJS-Integrationsamtes: „Wir können auf Augenhöhe reden.“ Auch das gemeinsam entwickelte spezielle Berichtswesen für die Inklusions- 4/2018 INTEGRATION firmen sei gelungen: „Damit versucht man, die Situation der Beschäftigten und die Auswirkungen auf das Gemeinwohl abzubilden“, so Weichert. „Das ist notwendig.“ Einige Inklusionsunternehmen sind aus Selbsthilfefirmen für psychisch Kranke hervorgegangen. Ein immer wiederkehrendes Problem ist die Beschäftigung von chronisch psychisch kranken Mitarbeitern ohne Schwerbehindertenstatus, denn ohne den Schwerbehindertenausweis kann das Integrationsamt keine Leistungen gewähren. Karl-Friedrich Ernst dazu: „Durch eine richtige Beratung dieser Menschen, etwa durch den Integrationsfachdienst, lässt sich viel erreichen. Am Ende auch die Akzeptanz des Schwerbehindertenstatus.“ Eine psychische Erkrankung würde heute längst nicht mehr so stigmatisierend wahrgenommen, wie vor Jahrzehnten. Die Teilnehmer nutzten rege die Gelegenheit zum Austausch. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sagte Klaus Meyer zu Brickwedde, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen: „Wir sehen die Inklusionsunternehmen als absolute Erfolgsgeschichte. Vor 40 Jahre wurden nach der Psychiatrie-Enquete die ersten Selbsthilfeunternehmen gegründet. Heute sind es bundesweit mehr als 900 Unternehmen mit rund 26.000 Mitarbeitern, davon 12.000 Menschen mit Behinderungen.“ Land bevorzugt Inklusionsunternehmen bei Ausschreibungen 4/2018 Thomas Weichert, Geschäftsführer Markthaus Mannheim. INFO Zum Schluss der Veranstaltung gab der Vertreter des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales und Integration, Dr. Andreas Grünupp, bekannt, dass das Land seine Vergaberichtlinien geändert hat. Neben Werkstätten für behinderte Menschen und Blindenwerkstätten gehören nun auch Inklusionsunternehmen zu den bevorzugten Betrieben. Die Landesverwaltung ist damit gehalten, sie bei der Auftragsvergabe vorrangig zu berücksichtigen. mok Material zum Fachtag Eine Dokumentation zum Fachtag 2018 der Inklusionsbetriebe finden Sie auf der KVJS-Homepage unter www. kvjs.de/?id=620 KVJS aktuell 17 Fotos: Kleusch INTEGRATION Sozialunternehmen Wasni ausgezeichnet Wenn anders sein normal ist, oder kurz Wasni – der Firmenname ist Programm. Das Esslinger Sozialunternehmen stellt individuelle Shirts und Jacken her und beschäftigt vorwiegend Mitarbeiterinnen mit Behinderung. Nun konnte sich das kleine Unternehmen über die Auszeichnung als einer von 100 innovativen Preisträgern des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2018 freuen. 1.500 Bewerbungen waren für die Auszeichnung eingegangen. Eine unabhängige Jury entschied sich mit folgender Begründung für Wasni: „Zum Jahresmotto `Welten verbinden – Zusammenhalt stärken´ zeigt das Projekt, dass unterschiedlichste Handicaps großartig zusammenarbeiten und so zukunftsweisende Innovationen im handwerklich produzierenden Textil-Bereich entstehen können.“ Es ist nicht die erste Auszeichnung für die erfolgreiche kleine Firma. Im Mai 2017 hatte eine andere Jury Wasni zum besten Jung-Sozialunternehmen 2017 in Baden-Württemberg gekürt. Als aktiver Unterstützer freut sich das KVJS-Integrationsamt mit dem Preisträger. mok Eine Druckerei, die jetzt auch mehr kann Das Inklusionsunternehmen ARBEG in Wernau hat seine vor 22 Jahren gegründete kleine Druckerei zu einem Medienteam ausgebaut. Entstanden ist eine moderne Werbeagentur mit angeschlossener vielfältiger Druckerei. Das KVJS-Integrationsamt unterstützte die Betriebserweiterung mit einem Zuschuss für diese notwendigen Modernisierungskosten. Das Medienteam bietet alles, was für eine erfolgreiche Präsentation benötigt wird: Drucksachen, Werbemittel, 3D-Druck, Fahrzeugbeschriftung, Laserbeschriftung oder einen Webauftritt. Es 18 KVJS aktuell übernimmt die Komplettabwicklung von der Konzeption über die Gestaltung bis hin zum fertigen Produkt und dessen Weiterverarbeitung oder Versendung – sowohl im Print- als auch im Non-PrintBereich. Die ARBEG Inklusion gGmbH mit Sitz in Wernau besteht aus vier Abteilungen: der Metallabteilung, Elektromontageabteilung, allgemeinen Montageabteilung und dem Medienteam. Hier bekommen vor allem psychisch behinderte Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz. mok 4/2018 JUGEND In guten Händen Landesjugendamt: Kindertagespflege weiter auf dem Vormarsch Viele berufstätige Eltern wünschen sich gerade für ihre ganz kleinen Kinder möglichst familiennahe und flexible Betreuungsangebote, sie setzen auf die Tagespflege. Bei rund jedem fünften Kleinkind in Kindertagespflege findet die Erziehung, Bildung und Betreuung nicht bei den Tageseltern zuhause statt, sondern in anderen geeigneten Räumen, die diesen gehören, von ihnen angemietet wurden oder die ihnen beispielsweise die Kommune zur Verfügung gestellt hat. Mit 481 hat sich die Zahl dieser Kindertagespflegestellen in anderen geeigneten Räumen im Vergleich zum Jahr davor um elf erhöht. Weitgehend konstant geblieben sind hingegen die Personalschlüssel für die fachliche Beratung und Begleitung: In 29 Jugendamtsbezirken wird der landesweit empfohlene Personalschlüssel von 1:90 bis 1:130 bereits umgesetzt, vier Jugendämter haben sogar eine bessere Personalausstattung. Der Personalschlüssel sagt aus, wie viele Betreuungsverhältnisse von einer pädagogischen Fachkraft betreut werden. Nach wie vor sind weitere Anstrengungen nötig, um das Ausbauziel an Betreuungsplätzen für Kleinkinder in der Kindertagespflege zu erreichen, so das Ergebnis der diesjährigen Erhebung. Hierfür bieten nicht zuletzt die 1.522 qualifizierten Tagesmütter und Tagesväter, die zur Betreuung von Kindern zur Verfügung stehen, momentan jedoch keine Kinder betreuen, ein großes Potential. 4/2018 Das KVJS-Landesjugendamt begleitet die Entwicklungen in der Kindertagespflege bereits seit 2010 durch jährliche Erhebungen. add INFO Die neunte Erhebung des KVJS zur Weiterentwicklung der Kindertagespflege belegt, dass in BadenWürttemberg immer mehr Kinder von dieser Betreuungsform profitieren. So betreuten am 1. März 2018 6.347 Tagespflegepersonen insgesamt 21.467 Kinder. Davon waren 13.507 Mädchen und Jungen (63 Prozent) jünger als drei Jahre. Im Vorjahr waren es 12.964 Kinder (58 Prozent). Qualifizierungskonzept sichert Standards Tagespflegepersonen müssen auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe gut vorbereitet und von Fachkräften vor Ort kontinuierlich beraten und begleitet werden. Der KVJS entwickelte bereits 2007 gemeinsam mit dem Landesverband Kindertagespflege Baden-Württemberg e. V. (damals noch Landesverband der TagesmütterVereine Baden-Württemberg e. V.) und in Abstimmung mit dem damals zuständigen Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Senioren s Baden-Württemberg ein Qualifizierungskonzept. Das Konzept wurde 2011 überarbeitet und stellt eine landesweit einheitliche Qualifizierung von Tagespflegepersonen sicher. Eine weitere inhaltliche Aktualisierung vor allem unter dem Aspekt des Kinderschutzes ist in Arbeit. Das Qualifizierungskonzept und weitere Informationen zur Kindertagespflege finden Sie im Internet unter: www. kvjs.de/jugend/tagesbetreuungvon-kindern/kindertagespflege KVJS aktuell 19 JUGEND In der Jugendhilfe sind innovative Ideen gefragt. Foto: oksix/Fotolia Schub für neue Ideen KVJS fördert fünf Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe Mit insgesamt 344.552 Euro unterstützt das KVJS-Landesjugendamt fünf neue Modellprojekte zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe. Das hat der Landesjugendhilfeausschuss beschlossen. Die Vorhaben starten im Herbst und haben eine Laufzeit von drei Jahren. Die Förderung betrifft zwei Vorhaben aus den thematischen Schwerpunkten „Risiko- und Armutslagen junger Heranwachsender“ und „Integration von Kindern, Jugendlichen und Familien mit Fluchterfahrung“. Drei Projekte widmen sich weiteren sehr aktuellen und grundlegenden Themen der Jugendhilfe. Jedes Projekt wird von einer Fachkraft des KVJS-Landesjugendamtes begleitet. Die Modellvorhaben lassen Ergebnisse erwarten, die zum Beispiel in Form von Tagungen, Leitfäden und Handreichungen auch anderen Regionen zur Verfügung gestellt werden. Folgende Ansätze profitieren von diesem Förderprogramm: 20 KVJS aktuell GO!ES-Jugendbüros im Landkreis Esslingen (Träger: Landratsamt Esslingen): Ein neues Projekt an der Schnittstelle von Jugendhilfe zum Übergang in Arbeit oder Ausbildung hilft jungen Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf eine schulische oder berufliche Ausbildung abzuschließen. Das Konzept wurde im Rahmen des Arbeitsbündnisses Jugend und Beruf von Vertreterinnen aus SGB VIII, II und III gemeinsam entwickelt und soll an fünf Standorten im Landkreis Esslingen passgenau umgesetzt werden. Die Steuerung und Koordination liegt beim Jugendamt. 4/2018 JUGEND Geflüchtete Mädchen und junge Frauen sind nach der Flucht – aufgrund der patriarchalischen Familienstrukturen – häufig in einer besonderen Situation. Lilith e. V. möchte deshalb deren Entwicklungschancen erhöhen und plant Angebote zur Teilhabe an Freizeitmöglichkeiten und damit an außerschulischer Bildung. Praxismodellprojekt zum Einbezug von Eltern in der Pflegekinderhilfe (Träger: Stadt Stuttgart): Die Projektteilnehmer wollen konkrete Angebote erproben und weiterentwickeln, die Herkunftsfamilien kontinuierlich in die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe und der zuständigen sozialen Dienste einbeziehen. Ziel ist es, Loyalitätskonflikte für Kinder und Jugendliche zu reduzieren und die Akzeptanz der Eltern gegenüber dem Pflegeverhältnis zu verbessern. Diese sollen einen stabilen Platz im Leben ihrer Kinder behalten können. Einführung des Ansatzes „Signs of Safety“ für Kinderschutz und Gefährdungsabklärung (Träger: Landratsamt Biberach, Kreisjugendamt): „Signs of Safety“ ist ein fachlich fundiertes komplexes Verfahren, das vor allem für die Kinderschutzarbeit im Jugendamt entwickelt und erprobt worden ist. Es unterstützt professionelle Helfer dabei, eine wertschätzende Haltung gegenüber den Familien zu zeigen und gleichzeitig dem Auftrag des Jugendamts – Überprüfung und Sicherstellung des Kindeswohls – gerecht zu werden. Bisher arbeitet noch kein Jugendamt in Baden-Württemberg mit diesem Ansatz. Die bespielhafte Implementierung im Landkreis Biberach lässt auf Ergebnisse hoffen, von denen nicht nur Impulse auf andere Jugendämter ausgehen, 4/2018 sondern die auch in die Beratungs- und Fortbildungsarbeit des KVJS selbst übertragbar sind. Familie 2.0 – Praxisentwicklungsprojekt zur Weiterentwicklung von Unterstützungsmöglichkeiten für Familien in Patchwork- und Stiefelternkonstellationen in den Erziehungshilfen (Träger: Albert-Schweitzer Kinderdorf e. V., Waldenburg): Neben der klassischen Kernfamilie sind heute Familien mit einem Elternteil oder Patchwork- und Stiefelternkonstellationen weit verbreitet. Diese Familien, aber auch die Kinder- und Jugendhilfe sehen sich Herausforderungen gegenüber, die mit den bisherigen Angeboten nur unzureichend zu bewältigen sind. Das Vorhaben sieht vor, gemeinsam mit allen Beteiligten neue Ansätze im Rahmen von Workshops, Zukunftswerkstätten und Biografiearbeit zu entwickeln. Fachkräfte sollen weiter sensibilisiert sowie die Familienarbeit und pädagogische Arbeit mit den jungen Menschen intensiviert und weiter qualifiziert werden. add INFO Förderung der Gleichstellung und der gesellschaftlichen Teilhabe geflüchteter Mädchen durch geschlechterbezogene Angebote (Träger: Lilith e. V. Pforzheim – Verein für ein selbstbestimmtes Leben frei von sexueller Gewalt): Innovative Jugendhilfe Auf den ständigen Wandel der Lebenslagen junger Menschen und ihrer Familien muss die Jugendhilfe mit neuen Angeboten und Methoden reagieren. Gefragt sind effektive Angebotsformen und Hilfen, die Eltern, Schule und das Gemeinwesen einbeziehen. Das KVJS-Landesjugendamt unterstützt deshalb Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe. Die Förderung ist auf innovative Vorhaben mit überregionaler Bedeutung beschränkt. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/jugend/modellvorhaben/ KVJS aktuell 21 JUGEND Eine Kita für alle Inklusion öffnet die Tür zur sozialen Partizipation Integrative Kitas gibt es bereits viele im Land. Inklusion geht jedoch noch einen Schritt weiter. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen ein Recht auf Förderung haben. Hierzu ein Gespräch mit Evelyn Samara vom KVJS-Landesjugendamt. Frau Samara, viele Kitas haben sich schon seit Jahren die gemeinsame Erziehung und Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung auf die Fahnen geschrieben. Ist der Inklusion damit nicht schon Genüge getan? Nein, denn trotz hohen Engagements der Einrichtungen reichen die strukturellen Rahmenbedingungen für inklusive Kita-Arbeit leider noch lange nicht aus. Die Fachkräfte wissen: Wenn alle Kinder gemeinsam leben, spielen und lernen, lernen alle mehr. So wird im Bereich der frühkindlichen Bildung Inklusion zum Türöffner sozialer Partizipation. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Zur Inklusion gehört auch eine passende Finanzierung, damit Teilhabe gelingt. Was zeichnet denn eine inklusive Kita aus? Ich gehe konform mit der Deutschen UNESCO, die für alle Menschen weltweit den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung einfordert. Jeder muss in die Lage versetzt werden, seine Potenziale entfalten zu können. Dieser Anspruch bedeutet, dass 22 KVJS aktuell Evelyn Samara leitet beim KVJS-Landesjugendamt das Referat Tagesbetreuung für Kinder, Betriebserlaubnis, Beratung und Aufsicht. Foto: KVJS INFO Durch die Umsetzung inklusiver Prozesse in Einrichtungen werden Veränderungen deutlich, die den Wandel zu einer inklusiven sozialen Gesellschaft untermauern. Der Weg dazu ist je nach Standort der Einrichtung sehr unterschiedlich. Schlüsselbegriffe, die in allen Kitas zu finden sind, die sich auf diese inklusive Pädagogik verständigt haben, sind Barrieren abbauen, viele Möglichkeiten der Begegnung schaffen, Vielfalt stärken, Vernetzung pflegen. Ab der nächsten Ausgabe startet der KVJS eine neue Serie. Wir stellen beispielhaft Stadt- und Landkreise mit erfolgreichen Konzepten und Strategien für inklusive Kitas vor. 4/2018 JUGEND Stichwort: „Inklusion leben“: Was bedeutet das ganz konkret für den Alltag, das Miteinander und die Haltung pädagogischer Fachkräfte in einer Kindertageseinrichtung? Inklusion ist ein Prozess auf unterschiedlichen Ebenen. Da geht es zunächst um die eigene Haltung. Dem Anspruch, den Einrichtungen an die praktische Umsetzung von Inklusion haben, also gemeinsam leben, spielen und lernen, geht eine gemeinsame Auseinandersetzung der Fachkräfte im Team voraus – über inklusive Werte und Kulturen in der Einrichtung, über inklusive Strukturen und über eine inklusive Praxis. Eine Einrichtung, die sich eine inklusive Ausrichtung auf die Fahne geschrieben hat, nimmt die Herausforderungen einer zukunftsorientierten Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung an. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass zu einer nachhaltigen Bildungsoffensive auch die Weiterqualifizierung der Fachkräfte, eine Neuausrichtung der finanziellen Ressourcenverteilung sowie ein erweitertes Unterstützungssystem gehören. Nur so kann dieser Prozess des gemeinsamen Lernens zur Normalität werden. Um Inklusion erfolgreich umzusetzen, ist die Kooperation verschiedenster Akteure erforderlich. Wie ist der KVJS in ein solches Netzwerk eingebunden? Wir sind intensiv in die Gremienarbeit mit dem Kultusministerium eingebunden. Eine enge Kooperation besteht auch mit der Arbeitsgemeinschaft Frühkindliche Bildung, der Überregiona- 4/2018 len Frühförderstelle, mit den kommunalen und den kirchlichen Verbänden, der Lebenshilfe und dem Landesverband für Kindertagespflege. In alle Netzwerke bringen wir unsere fachlichen Standards stets mit Blick auf Inklusion ein. Wie engagiert arbeiten die Stadt- und Landkreise an der Umsetzung von Inklusion? Das ist regional sehr unterschiedlich. Projekte wie etwa in Göppingen, Reutlingen und Ludwigsburg gehen strukturell die Thematik in Form von verbesserten Rahmenbedingungen in Verwaltungsabläufen und in der Umsetzung der Hilfen und Unterstützungsangebote für die Einrichtungen an. Wir hoffen, dass in Baden-Württemberg mit den angedachten Maßnahmen von regionalen Modellstandorten in den Stadt- und Landkreisen ein bedarfsgerechtes Unterstützungssystem für die Begleitung inklusiver Konzeptionen in der Praxis aufgebaut werden kann. Denn alle jungen Menschen, auch Kinder mit Behinderungen oder einem höherem Förderbedarf haben ein Recht auf eine bruchlose Bildungsbiographie. Das Interview führte Gabriele Addow INFO alle Kinder in der Kita – mit oder ohne Migrationshintergrund, mit oder ohne Sprachschwierigkeiten, mit oder ohne Entwicklungsauffälligkeiten und unabhängig vom Geschlecht – so betreut und gebildet werden sollen, wie es ihrer Entwicklung entspricht. Beim KVJS-Landesjugendamt ist eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet. Das vierköpfige Team mit der langjährig erfahrenen Expertin Gabriele Ulrich befasst sich inhaltlich mit den unterschiedlichen Fragestellungen rund um das Thema Inklusion. Weitere Informationen unter www.kvjs.de/jugend/tagesbetreuung-von-kindern/inklusion KVJS aktuell 23 JUGEND Die Wirtschaft braucht alle jungen Menschen. Foto: William Perugini/Fotolia Jugend mit Chancen Entwicklungen auf dem Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt Als Schüler einer Förderschule ist der Hauptschulabschluss vermeintlich in weiter Ferne? Als Migrant außen vor in der „einheimischen“ Gesellschaft? Kein Ausbildungsplatz in Sicht? Vielleicht auch deshalb nicht, weil man „null Ahnung“ hat, welcher Beruf geeignet ist? Landesweit gibt es ein breites und differenziertes Angebot an Leistungen und sozialpädagogischen Hilfen für junge Menschen, die sich selbst in einer solchen oder ähnlichen Situation sehen. „Es geht darum, Schulversagen zu vermeiden und die Ausbildungsreife von schwächeren Schülern zu erhöhen, aber auch die Berufswahl- 24 KVJS aktuell INFO Die aktuelle Statistik zeigt ein paradoxes Bild: Einerseits ist die Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen mit 2,2 Prozent so gering wie noch nie und es stehen 7.659 freie Ausbildungsstellen zur Verfügung. Andererseits gibt es immer noch 978 junge Menschen im Land, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Kompass: Berufliche Inklusion Der KVJS begleitet Menschen mit Behinderungen und ihre Ansprechpartner in verschiedenen Lebensphasen mit dem Ziel der langfristigen beruflichen Integration. Mehr Informationen im Internet unter www.kvjs.de/ jugend/berufliche-inklusion 4/2018 JUGEND kompetenz bei Schülerinnen und Schülern zu verbessern“, sagt Silke Glamser vom KVJS-Landesjugendamt. Ein neues Landeskonzept zur Beruflichen Orientierung für die allgemein bildenden Schulen hat hier beispielsweise zum Ziel, die bestehenden vielseitigen Angebote im Feld des Übergangs Schule in den Beruf besser aufeinander abzustimmen und die berufliche Orientierung noch verbindlicher in den Unterricht zu integrieren. Entsprechend breit gefächert präsentiere sich daher die Angebotspalette, die von der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und Problemlösungsstrategien über die Betreuung und Begleitung durch ehrenamtliche Mentoren bis zu Sprachunterricht und Elternarbeit reicht. add Trotzdem gibt es Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen die üblichen Angebote der Sozialleistungssysteme nicht ankommen. Mit dem neuen Paragraf 16h SGB II, der die bestehende Förderung schwer erreichbarer junger Menschen erweitert, hat der Gesetzgeber im August 2016 das Angebot für die Zielgruppe erweitert. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, den Kommunalen Landesverbänden sowie dem Sozialund Wirtschaftsministerium erarbeitete der KVJS Hinweise zur Umsetzung vor Ort. Zur Umsetzung der Handlungserfordernisse im Übergang von der Schule in den Beruf bietet der KVJS umfangreiche Unterstützung an. Neben Beratung und Coaching der beteiligten Projekte, Monitoring und Evaluation nehmen vor allem Fachtage und Fortbildungsangebote für die Fachkräfte einen breiten Raum im KVJS-Leistungspaket ein. Neue Fortbildung Im vergangenen Jahr hat das KVJS-Landesjugendamt zum Beispiel das Fortbildungsformat „Junge Ausländer in Schule und Beruf – Ankommen, Förderung und Integration“ entwickelt. Diese Fortbildung wurde bis heute zweimal erfolgreich durchgeführt und steht auch 2019 wieder auf dem Programm. „Denn gerade die nichtheimischen jungen Leute haben ohne adäquate Unterstützung besonders schlechte Karten, nach der Hauptschule einen Ausbildungsplatz zu ergattern“, so Silke Glamser. 4/2018 INFO Angebot für schwer Erreichbare Welche Hilfe für wen? Seit 2007 erstellt der Arbeitskreis Jugendberufshilfe in Baden-Württemberg unter der Federführung des KVJS regelmäßig einen Überblick über die Programme, Angebote und Hilfen in der Jugendberufshilfe. In der Übersicht werden unter anderem die Ziele und Inhalte der Leistungen beschrieben, die jeweiligen Zielgruppen vorgestellt und die Finanzierungsquellen benannt. Das sorgt für Transparenz und trägt sowohl bei der individuellen Hilfe als auch bei der Projektgestaltung zu passgenauen Lösungen vor Ort bei. In der aktuellen Fassung von 2017 nimmt jetzt insbesondere auch die berufliche Förderung von Flüchtlingen und Migranten einen großen Raum ein. Die Übersicht sowie weitere Informationen zur Jugendberufshilfe finden Sie unter: www.kvjs.de/ jugend/jugendarbeit-jugendsozialarbeit/jugendberufshilfe KVJS aktuell 25 FORSCHUNG „Die Infrastruktur lässt sich effektiver nutzen“ KVJS-Forschungsvorhaben zur Schulsozialarbeit ist abgeschlossen Seit April letzten Jahres hat der KVJS die Schulsozialarbeit an Grundschulen in BadenWürttemberg untersuchen lassen. Nun ist das Forschungsvorhaben abgeschlossen. Welche sozialraumorientierten Konzepte werden umgesetzt und wie ist ihre Wirkung? Hierzu ein Gespräch mit KVJS-Projektleiter Volker Reif und Dr. Mirjana Zipperle, Leiterin des Forschungsteams der Eberhard Karls Universität Tübingen. Warum wurde die Schulsozialarbeit zum Forschungsthema? Reif: Schulsozialarbeit soll junge Menschen nicht nur im schulischen Umfeld unterstützen, sondern auch helfen, Benachteiligungen im sozialen und familiären Bereich auszugleichen. Der sozialräumliche Aspekt wurde bisher jedoch weder in der Praxis noch in der Wissenschaft ausreichend berücksichtigt. Bisherige Untersuchungen richteten sich in erster Linie auf die Erfolgsfaktoren im Kontext der Schule und auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler. Im Fachaustausch mit kommunalen Trägervertretern waren wir uns daher schnell einig darüber, dass sich dieses Jugendhilfeangebot mit seinem intervenierenden und präventiven Ansatz nicht allein auf Einzelfallhilfe beschränken darf, sondern auch die Bedingungen des Aufwachsens außerhalb der Schule und damit das Gemeinwesen im Blick haben muss. saten, außerschulische Kooperationspartner und insbesondere die Kommunen, profitieren. Zum einen werden Kindern, Jugendlichen und deren Familien Zugänge in außerschulische Angebote erleichtert, zum anderen erreichen bestehende Angebote ihre Zielgruppen besser. Somit lässt sich vorhandene Infrastruktur effektiver nutzen. Schulsozialarbeit erhöht durch eine sozialraumorientierte Ausrichtung ihr Potential in allen Tätigkeitsbereichen und kann somit ihrer Brückenfunktion besser gerecht werden. Voraussetzung hierfür ist eine systematisch reflexive-räumliche Haltung bei den Fachkräften und förderliche Rahmenbedingungen. Ich denke hierbei insbesondere an eine personelle Kontinuität, einen angemessener Ziel unseres Forschungsvorhabens war es hierbei, Erfahrungen und Wirkungsweisen sozialräumlicher Schulsozialarbeit beziehungsweise gelingende sozialräumlicher Ansätze der Schulsozialarbeit an Grundschulen in Baden-Württemberg mittels qualitativer Erhebungen darzustellen. Was sind die zentralen Ergebnisse? Zipperle: Das Forschungsvorhaben zeigt, dass von sozialraumorientierter Schulsozialarbeit die Adres- 26 KVJS aktuell Dr. Mirjana Zipperle von der Eberhard Karls Universität Stuttgart. Foto: Privat 4/2018 FORSCHUNG FORSCHUNG Stellenumfang und ein vielfältiges Kooperationsnetzwerk. Für die Gestaltungsbedingungen von Sozialraumorientierung sind daher mehrere Ebenen verantwortlich und es braucht eine kommunal verortete Verantwortungsgemeinschaft, die Schulsozialarbeit als Teil einer kommunalen Kinder- und Jugendhilfeinfrastruktur mitgestaltet. Welche Konsequenzen zieht der KVJS daraus? Wo sehen Sie weiteren Forschungsbedarf? Zipperle: Sozialraumorientierung als Fachkonzept und Handlungsansatz ist im Bereich der Schulsozialarbeit an Grundschulen sehr passend. Denn Grundschulkinder bewegen sich zwischen Schul- und Wohnort in einem Nahraum, der noch halbwegs überschaubar ist. In der Sekundarstufe müssen die Lebenswelten von jungen Menschen hingegen in ihrer Multilokalität wahrgenommen werden. Wie dies gelingen kann und vor allem welche Unterstützung Jugendliche von Schulsozialarbeit sich dabei wünschen, ist für die Profilschärfung der Schulsozialarbeit von Bedeutung. Dies wäre im Anschluss an die Erkenntnisse des bestehenden Vorhabens eine wichtige Weiterführung. Welche politischen Erwartungen hat der KVJS an das Land? Reif: Die aktuellen Fördergrundsätze des Landes gelten bis zum 31. Dezember 2019. Von zentraler Bedeutung für die Stadt- und Landkreise wie auch für die Fachkräfte selbst ist die Frage, wie das Land 4/2018 Volker Reif vom KVJS-Landesjugendamt. Foto: Addow auf die jährlichen Steigerungsraten des Fachkräfteausbaus von neun Prozent reagiert und die Landesförderung dauerhaft abgesichert werden kann. Dies muss zwischen dem Land und den Stadt- und Landkreisen im Sinne der Planungssicherheit neu verhandelt und entschieden werden. Die entsprechende Neufassung der landesweiten Förderrichtlinie ab 1. Januar 2020 könnte dabei genutzt werden, die inhaltlichen Kernaufgaben der Schulsozialarbeit als Fördergrundlage mit aufzunehmen. Das Interview führte Gabriele Addow INFO Reif: Wir freuen uns, dass das Forschungsvorhaben die Notwendigkeit und Relevanz sozialräumlicher beziehungsweise gemeinwesenorientierter Ansätze bestätigt. Wir werden deshalb unser Portfolio an Fortbildungsangeboten weiterentwickeln und das nun vorhandene Material zur sozialräumlichen Einordnung und Selbstreflektion für die Fachkräfte in die Praxis tragen. Fachtag zum Forschungsvorhaben Ende September hat das Forschungsteam seine Ergebnisse und den Abschlussbericht auf einem Fachtag in Stuttgart präsentiert. Der Bericht ist im Internet eingestellt unter www.kvjs.de/forschung/aktuelleforschungsvorhaben/schulsozialarbeit Hier gibt es auch den Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Deinet von der Hochschule Düsseldorf als Video zu sehen. KVJS aktuell 27 FORTBILDUNG Kinder besser gegen sexuelle Gewalt schützen Fachleute aus Justiz und Jugendhilfe trafen sich in Schwetzingen Der gemeinsame Kinderschutztag des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales, des Ministeriums der Justiz und für Europa und des Ministeriums für Soziales und Integration in Schwetzingen bot für Jugendämter und Familiengerichte Austausch auf hohem Niveau. (Von links:) Stefanie Alter-Betz (KVJS), Richterin Susanne Berning (Justizministerium) und Dr. Jürgen Strohmaier (KVJS) hatten die Tagungsleitung. Foto: Kleusch Welche Faktoren tragen zum Gelingen von Schutzkonzepten in Kooperation von Jugendamt und Familiengericht bei? Welche Möglichkeiten gibt es im Umgang mit abweichenden Einschätzungen vor Gericht? Was brauchen Kinder, damit sie sich Erwachsenen anvertrauen können, wenn sie sexualisierte Gewalt erlebt haben? Diese Fragen 28 KVJS aktuell diskutierten Fachleute aus Justiz und Jugendhilfe auf dem zehnten gemeinsamen Kinderschutztag im Juli. Veranstaltet wird der Kinderschutztag vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS), dem Ministerium der Justiz und für Europa und 4/2018 FORTBILDUNG dem Ministerium für Soziales und Integration. Das diesjährige Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder stieß auf großes Interesse. 80 Fachkräfte der Jugendämter sowie Familienrichterinnen und Familienrichter in der Justizakademie im Schloss Schwetzingen nutzten die Gelegenheit zu einem intensiven interdisziplinären Erfahrungsaustausch. Zusammenarbeit stärken Dr. Jürgen Strohmaier vom KVJS betonte den kontinuierlichen und erkenntnisreichen Charakter des Kinderschutztages: „Die Zusammenarbeit zwischen den Familiengerichten und der Kinder- und Jugendhilfe in Fragen des Kinderschutzes funktioniert noch besser, wenn wir uns regelmäßig zu aktuellen Themen und Fragen verständigen und unser Fachwissen wechselseitig auf dieser Tagung erweitern.“ Hier setzt auch das Ministerium für Soziales und Integration an. „Wir werden die Ergebnisse der Tagung mit großer Sorgfalt prüfen und die gewonnenen Erkenntnisse in unser Kinderschutzkonzept einfließen lassen“, so Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. Das Kinderschutzkonzept wird derzeit vom Ministerium gemeinsam mit dem KVJS und weiteren Partnern aus Praxis und Wissenschaft umgesetzt. Dabei geht es vor allem auch um die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Gerichten, Polizei, Ärzten und Schulen. Minister der Justiz und für Europa Guido Wolf sagte: „Kindschaftssachen sind hochkomplex, oft sind zahlreiche Vertreter aus mehreren Fachgebieten und Berufen beteiligt. Daher ist der interdisziplinäre Austausch in diesem Bereich besonders wichtig.“ Eindrucksvolle Praxisbeispiele Prof. Dr. Michael Günter, Ärztlicher Direktor, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Klinikum Stuttgart, schilderte seine Erfahrungen mit sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Familie aus Klinik und gutachterlicher Praxis. 4/2018 Prof. Michael Günther gab Einblicke in menschliche Abgründe. Foto: Kleusch Im zweiten Fachvortrag referierte Polizeihauptkommissar Norbert Mohr, aus der Abteilung 5 – Cybercrime/ Digitale Spuren – des Landeskriminalamts Baden-Württemberg über Erfahrungen aus den Ermittlungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Zwangsprostitution und schweren Menschenhandels. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des landesweiten Kinderschutztages für Jugendämter und Familiengerichte zogen die Veranstalter ein positives Fazit: Dr. Jürgen Strohmaier: „Das anhaltend große Interesse an dieser Veranstaltung zeugt auch von der hohen Bereitschaft der Fachleute, sich für die Verbesserung der Kooperation im Interesse der Kinder und Jugendlichen zu engagieren. Es hat sich gezeigt, dass gemeinsame Fortbildung wichtige Impulse für die Praxis vor Ort geben kann.“ mok KVJS aktuell 29 FORTBILDUNG Prävention als Kernaufgabe Immer mehr Anforderungen für Erziehungs- und Familienberatungsstellen Die Erziehungsberatung sieht sich angesichts vielfältiger gesellschaftlicher Veränderungen immer wieder vor große Herausforderungen gestellt und muss ihre Angebotsstruktur entsprechend weiterentwickeln. Der KVJS unterstützt die Beratungsstellen unter anderem durch Veranstaltungen, Fortbildungen, Projekte, Vernetzungsangebote und Fachberatung im Einzelfall. Immer komplizierter und komplexer werden auch die Anfragen und Problemkonstellationen. Da ist die Vierjährige, die sich im Kindergarten zunehmend auffällig benimmt, der zehnjährige Schulverweigerer, der 16-jährige, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung gemobbt wird und in einer schweren Lebenskrise steckt. Und da sind die verzweifelten Eltern, die nicht mehr ein noch aus wissen. Im persönlichen Einzelkontakt, mit Gruppenangeboten, durch Vorträge oder auch über Online-Beratung bieten hier die fachlich spezifisch qualifizierten Beratungskräfte ihre Hilfe an. Prävention aktuell wie nie Klassische wie auch hoch aktuelle Aufgabe der Erziehungsberatung ist die Prävention. So sind unter anderem seit mehreren Jahren an zahlreichen Beratungsstellen die sogenannten „ Frühen Hilfen“ angesiedelt, mit vielfältigen präventiven Angeboten für Eltern mit Kindern ab dem Babyalter. 30 KVJS aktuell „Von den Profis werden Wertschätzung, Orientierung und Wegbegleitung bis hin zu konkreten Lösungsschritten erwartet“, weiß Christel UlmerGöggel vom KVJS-Landesjugendamt. „Wir bieten deshalb sowohl eine breite Palette an Qualifizierungsmaßnahmen für die Fachkräfte in den Beratungsstellen als auch überregionale Fortbildungsveranstaltungen für die Leitungskräfte an. Ziel ist es, den kollegialen Austausch und die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen zu fördern und Impulse zu geben“. Mit enthalten im Service des KVJS sind die Entwicklung von Arbeitshilfen, Projektberatung und Projektbegleitung sowie die Bearbeitung von INFO In Baden-Württemberg gibt es mehr als 100 Erziehungs- und Familienberatungsstellen. „Nie war Erziehungsberatung so wertvoll wie heute“, konstatiert die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) für Erziehungsberatung in Baden-Württemberg. Denn immer mehr Eltern und Familien wenden sich an Psychologische Beratungsstellen: So ist laut amtlicher Statistik die Zahl der Beratungen von 55.108 im Jahr 2011 auf 56.134 im Jahr 2016 gestiegen. Die Dokumentation der Jahrestagung für Träger und Leitungskräfte von Psychologischen Beratungsstellen in Baden Württemberg „Schutz und Grenzen – Fachliche Herausforderungen im Bereich Prävention sexualisierter Gewalt für die institutionelle Erziehungsberatung“ ist auf der KVJSHomepage eingestellt unter www. kvjs.de/jugend/arbeitshilfen-formulare-rundschreiben-newslettertagungsunterlagen/tagungsunterlagen 4/2018 FORTBILDUNG Einzelfragen, etwa zu Rahmenbedingungen oder Finanzierungsfragen. ckende Praxisberichte zur Entwicklung eigener Schutzkonzepte von Beratungsstellen. add Sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen präventiv begegnen Einrichtungen der stationären und ambulanten Jugendhilfe sowie Kindertagesstätten und Schulen beschäftigt das Thema „sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ in zunehmendem Maße, wie bei der letzten KVJS-Jahrestagung für Träger und Leitungen Psychologischer Beratungsstellen deutlich wurde. Forschung und Praxis haben sich daher auf den Weg gemacht, um neben fachlich qualifizierten Interventionsmethoden präventive Strategien für Einrichtungen und Dienste zu entwickeln, die Kinder und Jugendliche betreuen, begleiten oder beraten. So stellte unter anderem Dr. Inken Tremel vom Deutschen Jugendinstitut München die neuesten Daten, Fakten und Erkenntnisse zu Arbeitsfeldern vor, in denen Beratungsstellen immer wieder zur Unterstützung zu diesen Themen angefragt werden. Ergänzend gab es einige beindru- Dr. Imken Tremel vom Deutschen Jugendinstitut in München referierte auf der KVJS-Jahrestagung. Foto: Addow Neu in der Schwangerschaftsberatung? Berufsanfänger in der Schwangerschaftsberatung benötigen neben Fachwissen psychologische und sozialpädagogische Grundkenntnisse. Sie müssen methodenintegrativ Beratungen durchführen und vielfältige Fragestellungen erörtern – und dies alles zielgruppenorientiert für Frauen und Männer, die entweder unter zeitlichem Druck eine wichtige Entscheidung zu treffen oder während der Schwangerschaft Beratungsbedarf haben. Wie dieser komplexe Beratungsauftrag qualifiziert 4/2018 gemeistert werden kann, zeigt die Fortbildung „Grundqualifizierung für die Schwangerschaftskonfliktberatung und Schwangerschaftsberatung“ vom 19.02.2019 bis 20.02.2019 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen. Weitere Informationen und Anmeldung: www.kvjs.de/fortbildung/veranstaltungssuche/ Bitte geben Sie unter „Freie Suche“ folgende Buchungsnummer ein: 19-2-STI1-1A KVJS aktuell 31 FORTBILDUNG Bundesteilhabegesetz im Praxistest Landkreise stellen Modellprojekt auf Sozialplanertagung vor Die Sozialplaner in der Eingliederungshilfe trafen sich in Gültstein zum Erfahrungsaustausch und diskutierten aktuelle Themen. Fachlicher Schwerpunkt: Das Bundesteilhabegesetz und seine Umsetzung im Land. Um den bevorstehenden Systemwechsel durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) möglichst reibungslos umsetzen zu können, werden Teile der neuen Vorschriften seit Beginn diesen Jahres modellhaft erprobt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert hierfür mehr als 30 Projekte deutschlandweit mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ziel der modellhaften Erprobung ist es, die erweiterten Gestaltungsspielräume wie auch mögliche Schwierigkeiten des neuen Rechts der Eingliederungshilfe zu identifizieren und dem Gesetzgeber Hinweise zu Anpassungsbedarfen zu liefern. Auch der Bodenseekreis und der Rems-Murr-Kreis führen in Kooperation mit der Stiftung Liebenau Birgit Haidlauf vom Bodenseekreis und Harald Goldbach vom Rems-Murr-Kreis stellen das Modellprojekt zur Erprobung des BTHG vor. Foto: Holzwarth 32 KVJS aktuell und der Diakonie Stetten e. V. Modellprojekte zum BTHG durch. Diese laufen bis Ende 2021 und werden zusätzlich wissenschaftlich begleitet. Auf dem Jahrestreffen der Sozialplaner im KVJS-Tagungszentrum Gültstein präsentierten Birgit Haidlauf (Bodenseekreis) und Harald Goldbach (RemsMurr-Kreis) stellvertretend für ihren Kreis konkrete Inhalte. Testlauf für neue Regeln Im Rahmen der Erprobung werden die neuen Leistungs-, Vergütungs- und Vertragsregeln sowie künftige Verfahren angewendet, die ab 2020 in Kraft treten sollen. Dazu gehört beispielsweise die Abgrenzung der Leistungen der Eingliederungshilfe von den existenzsichernden Leistungen. Für die virtuelle Fallbearbeitung werden erwachsene Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung ausgewählt. Die Ergebnisse aus den Modellprojekten zum BTHG sollen allen Akteuren der Eingliederungshilfe wichtige Erkenntnisse liefern. Das BTHG war auch im weiteren Verlauf der Tagung vorherrschendes Thema. Unter anderem referierte Dr. Michael Schubert von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) über Zuständigkeiten und Prozesse im Rahmen der Bedarfsermittlung sowie der Teilhabe- und Gesamtplanung. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer im Rahmen verschiedener Workshops von KVJS-Fachreferenten die Möglichkeit, sich zu aktuellen Themen aus dem Bereich des BTHG auszutauschen und Problemstellungen zu diskutieren. hol 4/2018 FORTBILDUNG Qualifizierungsoffensive BTHG – Neue Fortbildungsreihe des KVJS Das Kompetenzzentrum für das Bundesteilhabegesetz (BTHG) des KVJS hat eine Fortbildungsreihe entwickelt, die sich gezielt an Mitarbeitende der Stadt- und Landkreise richtet. Ziel ist es, landesweit verlässliche Rahmenbedingungen und einheitliche Standards bei der Umsetzung des BTHG zu etablieren. ämter in den Bereichen Bedarfsermittlung sowie Gesamt- und Teilhabeplanung zertifiziert. Das Fortbildungsangebot setzt sich aus aufeinander aufbauenden Modulen zusammen. Die ersten Veranstaltungen vom Medizinisch-Pädagogischen Dienst des KVJS werden ab November 2018 angeboten. hol Im Rahmen der sogenannten „Qualifizierungsoffensive BTHG“ werden Mitarbeitende der Sozial- Wie mit Sexualität umgehen? Viele Erziehungshilfeeinrichtungen stehen vor der Herausforderung, ein Konzept zum Umgang mit Sexualität zu erarbeiten. Im Rahmen eines 2-tägigen Fortbildungsseminars vom 24.01. bis 25.01.2019 im Hohenwart Forum in Pforzheim werden Fachkräften theoretische Hintergründe, Praxisansätze, Methoden und Materialien vermittelt sowie Bausteine zur Entwicklung einer sexualpädagogischen Konzeption und eines Schutz- 4/2018 konzeptes vorgestellt. Weitere Informationen zur Kooperationsveranstaltung mit der Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg e. V. und Anmeldung unter www.kvjs.de/fortbildung/veranstaltungssuche Bitte geben Sie unter „Freie Suche“ folgende Buchungsnummer ein : 19-4-EHSD24-1k KVJS aktuell 33 NEU ERSCHIENEN Beim KVJS erschienen Alle aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/service/publikationen.html zum Herunterladen zur Verfügung. KVJS KVJS Schlaglicht „Neues KVJS-Infoportal für rechtliche Betreuer“, 2018. Das Heft informiert über das Online-Wissensportal zur rechtlichen Betreuung und berichtet über die ehrenamtliche Tätigkeit im Allgemeinen. KVJS Schlaglicht „Kindertagesbetreuung will gestaltet sein“, 2018. Das Heft informiert über die Ergebnisse des KVJSForschungsvorhabens zur integrierten Kita-Planung. Versand Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 publikationen@kvjs.de KVJS Online spezial „Innovation & Inklusion“, 2. Überarbeitung, 2018. In dieser Broschüre werden unterschiedliche innovative Ansätze bei Wohn- und Beschäftigungsangeboten der Behindertenhilfe beschrieben. Sie steht nur online zur Verfügung. Behinderung und Arbeit Geschäftsbericht 2017/2018. Zahlen – Daten – Fakten zur Arbeit des Integrationsamtes, 2018. Versand Manuela Weimar Telefon 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de Soziales, Behinderung, Pflege Praxisinformationen für ambulant betreute Wohngemeinschaften in Baden-Württemberg, Hrsg.: Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen, 2. Überarbeitung, 2018 • „Konzeption“ • „Planung und Gestaltung“ • „Finanzierungsstruktur und Fördermöglichkeiten“ Die drei voneinander unabhängig bestellbaren Broschüren sollen Initiatoren und Projektgruppen eine Orientierungshilfe sein und sie bei ihren Vorhaben unterstützen. „Vertragsgestaltung“, 2018. Hrsg.: Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen, 2018. Diese Broschüre ist eine Neuerscheinung in der Reihe der Praxisinformationen für ambulant betreute Wohngemeinschaften in Baden-Württemberg. Versand Fachstelle ambulant unterstützte Wohnformen Fawo@kvjs.de Zeitschrift „ZB Behinderung & Beruf“, Ausgabe Baden-Württemberg, Heft 2/2018. Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. 34 KVJS aktuell 4/2018 NEU ERSCHIENEN Jugend Jugendhilfe-Service „Jugendhilfeplanung in Baden-Württemberg“, 2018. Die Arbeitshilfe beschreibt fachliche und rechtliche Grundlagen sowie Aufgaben der Jugendhilfeplanung. Versand Ulrike Cserny Telefon: 0711 6375-469 Ulrike.Cserny@kvjs.de KVJS-Berichterstattung „Bericht zu Entwicklungen und Rahmenbedingungen der Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen in BadenWürttemberg“, 2018. Der Bericht greift die Analysen der letzten Fortschreibung aus 2013 auf und untersucht seither eingetretene Veränderungen und deren Ursachen. Versand Diane Geiger Telefon: 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de Online-Broschüre „Angebotsformen der Kindertagesbetreuung in Baden-Württemberg“, 2018. Die Arbeitshilfe informiert über Mindestrahmenbedingungen und enthält fachliche Hinweise. Sie steht nur online zur Verfügung. Werkbuch „Bausteine kommunaler Bedarfsplanung in der Kindertagesbetreuung“, 2018. Das Werkbuch ist eine Arbeitshilfe für die kommunale Planungspraxis. Es steht online zur Verfügung. KVJS-Berichterstattung „Bericht zu Entwicklungen und Rahmenbedingungen der Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen in BadenWürttemberg“, 2018. Die Publikation bündelt als Kurzfassung grundlegende Erkenntnisse und Folgerungen aus dem Gesamtbericht. 4/2018 KVJS aktuell 35 NEU ERSCHIENEN Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart (West) Telefon 07 11 63 75-0 www.kvjs.de info@kvjs.de
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