Publication:
2014
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729490
Path:
4/2014

KVJS

aktuell

Soziales

Zu Hause wohnen bleiben
Seite 13

KVJS kooperiert mit Landesseniorenrat

KVJS

Pflege im Land muss zukunftsfähig werden
Seite 3

Integration

Gute Aussichten für berufliche Inklusion
Seite 18

Jugend

Bildung und Erziehung im Doppelpack
Seite 24

KVJS

Inhaltsverzeichnis
KVJS 	 3	 Pflege im Land muss zukunftsfähig bleiben 	 4	 Fachschule plant heilpädagogische Qualifikation für Kita-Fachkräfte 	 5	 Inklusion in Baden-Württemberg: Kampagnen-Büro eröffnet Soziales 	 6	 Wohnungen für Menschen mit Behinderung in Tübingen eingeweiht 	 7	 Akquise von Ehrenamtlichen: Neue Ideen gesucht 	 9	 Das Persönliche Budget: Komplizierte Freiheit 	11	 Schnelle Hilfen bei psychischen Krisen ausbauen 	12	 Erster AAL-Fachkongress in Karlsruhe 	13	 Zu Hause wohnen bleiben Integration 	14	 Das KVJS-Integrationsamt zieht Bilanz 	16	 Die Wirtschaft braucht alle 17		 BEM-Veranstaltung in Stuttgart 2 17		 Integratives Green City Hotel Vauban erhält Siegel ServiceQualität 	18	 Gute Aussichten für berufliche Inklusion 	20	 Assistenz sichert Berufserfolg Jugend 	21	 KVJS unterstützt Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe 	23	 Fortschritte in der Kindertagespflege 	24	 Bildung und Erziehung im Doppelpack 	25	 Sukzessivadoption für Verpartnerte erlaubt Neu erschienen 	26	 Beim KVJS erschienen

4/2014

KVJSaktuell

KVJS

Pflege im Land muss zukunftsfähig bleiben
Kommunen und Pflegekassen verhandeln neuen Rahmenvertrag
Die Altenpflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg haben die Pflegekassen und Kreise als Träger der Sozialhilfe aufgefordert, den Rahmenvertrag für stationäre Pflege in Baden-Württemberg neu zu verhandeln. Die Gespräche laufen.
Nach einer Modellrechnung des Statistischen Landesamtes (Quelle: Statistisches Landesamt, Modellrechnung, Messe Pflege & Reha 2014) könnte die Zahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg bis 2030 um 102 700 zunehmen. Nicht zuletzt deshalb spielt die Pflege auch für die Kreise in der Daseinsfürsorge eine wichtige Rolle. Die Einrichtungsträger fordern höhere Personalschlüssel und mehr Fachkräfte in den Einrichtungen. Dabei steht Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich der 16 Bundesländer bereits an der Spitze bei der Personalausstattung. Selbst bei heutigem Verhältnis von Pflegebedürftigen zu Pflegepersonen geht das Statistische Landesamt bis 2030 davon aus, dass sich der Bedarf an Personal um 45 Prozent erhöhen wird. Mit den Forderungen der Einrichtungen würde sich bereits jetzt ein Bedarf von 7 550 zusätzlichen Stellen allein in der Pflege ergeben.

3

Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird steigen.

Foto: Fotolia

„Wir müssen die Pflegestruktur in BadenWürttemberg zukunftsfähig machen mit Blick auf die Demografie und auf die inhaltlichen Entwicklungen wie zum Beispiel neue Betreuungskonzepte für Menschen mit Demenz“, sagt Prof. Roland Klinger, Direktor des KVJS zu den Verhandlungen. „Wir hoffen, dass auf beiden Seiten ein Interesse an einer inhaltlichen Weiterentwicklung der Pflege besteht und wir diese rei Chance gemeinsam nutzen.“

KVJSaktuell

4/2014

KVJS

Pilot-Fortbildung geht in Serie
Fachschule plant heilpädagogische Qualifikation für Kita-Fachkräfte
Alle befürworten Inklusion. Doch die Umsetzung bereitet Sorgen. Eine Pilot-Fortbildung der KVJS-Fachschule für Heilpädagogik griff im Juli wichtige Probleme auf – und stieß auf hohen Zuspruch. Nun plant die Flehinger Bildungseinrichtung eine Veranstaltungsreihe zur heilpädagogischen Zusatzqualifikation für Kita-Fachkräfte.
tin und Leiterin des Fachschulbereiches Heilpädagogik. 28 der Teilnehmenden haben schon ein Kind mit Behinderung in ihrer Kita betreut. Oft fühlten sich die Fachkräfte verunsichert durch die rasanten Veränderungen in ihrem Arbeitsbereich, hat Sawall erfahren. Die Diplom-Pädagogin plante die Veranstaltung mit der Hauptfachdozentin für Heilpädagogik Brigitte Jäger und leitete die Gäste mit Fallbeispielen durchs Thema. Nun plant das KVJS-Bildungszentrum eine Veranstaltungsreihe. Die Fortbildung soll Kita-Fachkräften eine heilpädagogische Zusatzqualifikation vermitteln. Das Zertifikat soll zudem auf eine dreijährige Ausbildung zur heilpädagogischen Fachkraft angerechnet werden können. Anfang 2015 könnte die Reihe starten. Die KVJS-Fachschule Heilpädagogik bildet seit 31 Jahren zertifizierte heilpädagogische Fachkräfte aus. „Wir erleben täglich den Druck, den viele Einrichtungen bei diesem Thema verspüren“, berichtet der Leiter der Flehinger KVJS-Fachschulen Klaus Boch. „Wir wollen Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen ein Angebot machen, um dieses aktuelle Thema aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten. Und wir wollen ihnen Karrierechancen eröffnen.“ syr

4

Erzieherinnen diskutierten im Juli über Inklusion. Foto: Bildungszentrum Schloss Flehingen

31 Erzieherinnen und ein Erzieher besuchten das Pilot-Seminar „Wie kann Inklusion gelingen?“. Schon gut zwei Wochen nach der Ausschreibung im Umkreis Flehingens war der Kurs ausgebucht. Was sind die Grundzüge inklusiver Pädagogik? Welche Schwierigkeiten haben Erziehende und Kinder in der Praxis? Wie kann unser Kindergartenteam ein Kind mit Behinderung unterstützen? „Die Teilnehmenden wollten sich zu der Frage der Inklusion im Kindergarten kundig machen, und wir als heilpädagogische Fachkräfte können Kindertageseinrichtungen unterstützen“, sagt Liane Sawall, Referen-

4/2014

KVJSaktuell

KVJS

Alle in einem Boot
Inklusion in Baden-Württemberg: Kampagnen-Büro eröffnet
Anfang Dezember startet das Kampagnenjahr zur Inklusion in Baden-Württemberg. Ziel ist es, ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung anzukurbeln. Jetzt hat das Kampagnen-Büro seine Arbeit aufgenommen.
Das Büro steht allen angeschlossenen Partnern und Organisationen für Fragen zur Öffentlichkeitskampagne, Materialien und Unterstützungsmöglichkeiten offen. Die Aufgabe des Büros ist es, die aktiven Partnerorganisationen vor Ort für das Kampagnenjahr mit Informationen und Materialien zu versorgen. Grundlage für den Erfolg der Kampagne ist die breite gemeinsame Basis: Zusammengeschlossen haben sich das Sozialministerium, die LAG Selbsthilfe, der Landes-Behindertenbeauftragte, der Gemeindetag, der Städtetag und der Landkreistag sowie alle Verbände der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg und der KVJS. Lokale Impulse aufgreifen Die Initiative, Planung und Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen der Kampagne soll von der örtlichen Ebene ausgehen. Dort, wo die Bürger leben sollen die Botschaften der Kampagne erkennbar werden. Das Kampagnen-Büro nimmt auch Meldungen entgegen, welche Aktionen bereits geplant werden, insbesondere lokale Auftaktveranstaltungen am 3. Dezember 2014, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Bereits durch kleine öffentlichkeitswirksame Aktionen oder ein Pressegespräch der lokalen Kampagnenpartner mit der örtlichen Presse kann das Interesse für die Themen Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und die Arbeit vor Ort geweckt werden. rei

5

Infos für Projektpartner
Das Büro arbeitet derzeit ausschließlich mit Blick auf die Vorbereitung der Kampagne und die Unterstützung der Mitgliedsorganisationen der Kampagnenpartner. Die angegebenen Kontaktdaten sind daher bis zum offiziellen Kampagnenstart nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt. Das Kampagnen-Büro ist unter der Telefonnummer 06221/484547 von Montag bis Freitag in der Zeit von 9:30 Uhr bis 13:30 Uhr erreichbar oder per Email unter: info@inklusion-duichwir.de.

Info

KVJSaktuell

4/2014

Soziales

Bezahlbar und barrierefrei
Wohnungen für Menschen mit Behinderung in Tübingen eingeweiht
Von Stefan Gokeler

Der Tübinger Wohnungsmarkt ist bekanntermaßen eng und teuer. Das macht es für Menschen mit Behinderung besonders schwierig, bezahlbare barrierefreie Wohnungen zu finden. Im Schleifmühleweg ist dies dennoch gelungen.
ihre Rendite nicht nur über wirtschaftliche Ergebnisse, sondern auch darüber, dass ihr Geld etwas Sinnvolles im Gemeinwesen bewirkt“, sagte Joachim Kiefer, Geschäftsführer der LWV Eingliederungshilfe. „Menschen mit Behinderung können aktiv zur Vielfalt und zum Zusammenhalt im Sozialraum beitragen.“ 6 KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger würdigte das Projekt als einen „Leuchtturm für Inklusion“. Noch immer gebe es im Land 7500 Menschen mit BeFreuen sich auf das neue Heim: (von links) Wiebke Peters (LWV Einhinderung, die in großen Komplexeingliederungshilfe) mit den neuen Bewohnern Manuel Weiss und richtungen lebten. Auch wenn nicht alle Samuel Epperlein und Ulrike Dimmler-Trumpp (Kreis-Sozialdezernentin). Foto: Gokeler von ihnen ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft führen könnten, so sei es Die Stadt Tübingen hat beim Verkauf des doch unverzichtbar, neue dezentrale AnGrundstücks nicht den möglichen Höchst- gebote zu schaffen. preis erzielt, die Investoren verzichten auf maximalen finanziellen Gewinn. ZusamDie künftigen Bewohner werden von Mitmen ergibt sich daraus die Chance für arbeitern der LWV unterstützt, ihren Allneun Menschen mit Behinderung bezahl- tag so selbstständig und selbstbestimmt baren Wohnraum zu finden. Die LWV Ein- zu gestalten. „Die zentrale Lage, aber auch gliederungshilfe feierte nun dessen Eindie Nachbarschaft werden dazu beitraweihung. gen, dass kein Wohnheim im Kleinformat entsteht“, versprach Joachim Kiefer. Um Errichtet hat den Neubau die Tübinger den Bedarf an Wohnraum für Menschen n.e.s.t. Bauprojektierung und Vermietung mit Behinderung zu decken, brauche es AG (Nestbau). Sie nennt sich Bürger-AG, noch viele Projekte dieser Art in Tübingen weil sich an ihr Personen mit kleineren Be- und Umgebung. Sie seien „im Sinne echträgen beteiligen können, die ihr Geld in ter Inklusion Knotenpunkte in einem Netz nachhaltige und sozial wirksame Baupro- aus Assistenzangeboten für Selbstbestimjekte investieren möchten. „Sie definieren mung und Teilhabe“.

4/2014

KVJSaktuell

Soziales

Akquise von Ehrenamtlichen: Neue Ideen gesucht
Über 100 Fachleute auf der Jahrestagung Querschnittsarbeit
Zu wenig Frauen und Männer wollen ehrenamtliche rechtliche Betreuer werden. Beim Fachtag Querschnittsarbeit am 9. Juli trafen sich knapp 100 Fachleute in Stuttgart, um dies zu ändern.
„Das KVJS-Forschungsvorhaben von 2012 stellt auf anschauliche Weise den Ist-Zustand des Betreuungswesens in Baden-Württemberg dar“, begrüßte Franz Schmeller die Tagungsgäste aus Betreuungsbehörden, -gerichten und -vereinen. Es gelte Lösungsansätze zu diskutieren, um dem wachsenden Mangel an Ehrenamtlichen entgegenzuwirken. „Ziel ist es, dass alle Teilnehmenden eine konkrete Idee mitnehmen, was sie in ihrem Stadt- oder Landkreis Auch 2014 trafen sich wie jedes Jahr Fachleute des Betreuungswesens auf Einladung des KVJS. unternehmen können“, sagte Tagungsleiterin Carola Dannecker stemmen zunehmend bezahlte Profis. vom KVJS. Das Angebot des Fachtags zog. Das belastet den öffentlichen Haushalt. Es bescherte den Veranstaltern – dem Eine der Ursachen ist die steigende Zahl KVJS, den Freiburger Diözesanvereinen hilfebedürftiger Älterer durch den demovon SKM und SkF, dem Evangelischen grafischen Wandel. Zu diesem Ergebnis Landesverband für das Betreuungswesen kommt besagte Studie des KVJS. Heute und der Interessengemeinschaft der Beliegen von rund 111 000 Betreuungen im treuungsvereine in Baden-Württemberg – Land nur noch 63 Prozent in Händen von eine hohe Teilnehmerzahl. Ehrenamtlichen. Denn: Die rechtliche Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen – ursprünglich als Ehrenamt konzipiert – Der Fachtag entwickelte in drei Workshop-Runden Verbesserungsideen zur Querschnittsarbeit, also zur Akquise und

7

Foto: Rizvi

KVJSaktuell

4/2014

Soziales

8

Begleitung Ehrenamtlicher. Zudem präsentierte eine von der Landesarbeitsgemeinschaft für Betreuungsangelegenheiten im Herbst 2012 eingerichtete Arbeitsgruppe Erfahrungen mit bisherigen Lösungsansätzen. Die Tagungsgäste erfuhren, dass Verantwortliche vor Ort verstärkt Öffentlichkeitsarbeit machten oder auf neue Gruppen von Ehrenamtlichen zugingen, etwa auf junge Leute oder Menschen mit ausländischen Wurzeln. Dennoch hake es immer wieder im Netzwerk oder im Informationsfluss. So stünden zuweilen vom Betreuungsverein geworbene Ehrenamtliche bereit, kämen aber nicht zum Einsatz. Grund sei, dass bei den Betreuungsbehörden Informationen über einsatzbereite Ehrenamtliche fehlten. Hier könnten Vereine zum Beispiel eine (anonymisierte) Liste an die Betreuungsbehörde senden, auf denen angeworbene Ehrenamtliche und deren oft beeindruckende Kompetenzprofile verzeichnet seien. Die Arbeitsgruppe strich heraus, wie wichtig vor allem das Zusammenwirken der

drei Partner Betreuungsverein, Betreuungsbehörde und Betreuungsgericht sei. „Keiner der beteiligten Akteure kann Veränderungen alleine bewirken“, sagte Carola Dannecker, die auch stellvertretende Leiterin der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS ist. „Ich freue mich, dass die AG-Erkenntnisse auf den Zuspruch der Praxis treffen.“ Gemeinsam Aktionen planen Wer noch Ideen brauchte, konnte sich in den Nachmittag-Workshops von anderen Stadt- und Landkreisen inspirieren lassen. Die Stadt Mannheim wird etwa im September den Aktionstag Betreuerstadt mit etlichen Kooperationspartnern veranstaltet haben. „Die Vorgänger-Veranstaltung war vor zwei Jahren mit 150 Beratungsgesprächen auf große Resonanz gestoßen. In der Innenstadt waren Info-Stände aufgebaut, wo sich ehrenamtliche Betreuende – und solche, die es werden wollten – informieren konnten“, sagte WorkshopTeilnehmer Michael Kühn vom kommunalen Betreuungsverein Mannheim. Am Ende waren sich die Tagungsgäste einig: An Veränderungen muss geduldig und konsequent gearbeitet werden. Langjährige Strukturen lassen sich nicht über Nacht verändern. Die Teilnehmenden ermutigten den KVJS, Betreuungsvereine, -behörden und -gerichte weiter zu unterstützen. „Als konkrete Aufgabe haben uns die Fachleute mitgegeben, für sie verstärkt Fortbildungen zu den Chancen und Risiken der neuen Sozialen Medien im Internet anzubieten. Diese Idee greifen wir gerne auf“, berichtet Carola Dannecker. „Zudem werden wir 2015 unser Angebot an regionalen Inhouse-Seminaren für Betreuungsbehörden ausbauen.“ syr

Rund 111 000 Frauen und Männer können in BadenWürttemberg wegen Krankheit, Behinderung oder Altersdemenz ihren Alltag nicht selbst bewältigen. Rechtliche Betreuer verwalten bei Bedarf zum Beispiel das Einkommen und Vermögen der Betreuten, treffen notwendige Entscheidungen bei medizinischen Maßnahmen oder organisieren weitere Hilfen. Es gibt haupt- und ehrenamtliche rechtliche Betreuer. Ehrenamtliche werden in Baden-Württemberg von den hauptamtlichen Mitarbeitern der 72 anerkannten Betreuungsvereine unterstützt. syr Weitere Informationen: www.kvjs.de/soziales/servicebetreuungsrecht.html

Info

4/2014

KVJSaktuell

Soziales

Komplizierte Freiheit
Das Persönliche Budget für Frauen und Männer mit Handicap
Seit sechs Jahren haben Menschen mit Behinderungen einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget. Es verfolgt emanzipatorische Gedanken: Das Budget will aus Hilfeempfängern Auftraggeber machen. Doch nur zwei von hundert Berechtigten nutzen das Angebot.
Zwar gibt es bundesweit über 1 200 Budgetnehmende. Sie schätzen ihre neuen Freiheiten. Nach einer Studie des Bundesarbeitsministeriums von 2012 fühlen sich 87 Prozent der Befragten selbstständiger als vorher. „Doch noch immer wissen viele Menschen mit Behinderung gar nicht, was ein Persönliches Budget ist“, sagt die Sozialwissenschaftlerin Anke Rammig vom KVJS. „Ein Hemmnis sind zu wenig Beratungsangebote. Zudem fühlen sich manche Menschen mit dem Verwalten und Abrechnen des Budgets überfordert.“ Das Persönliche Budget ist eine besondere Form der Leistungserbringung der Eingliederungshilfe. Es soll mehr Wahlfreiheit ermöglichen. Das Sozialamt überweist die benötigte Geldsumme direkt aufs Konto der Berechtigten. Budget-Nehmende können selbst aussuchen, welchen Dienst oder welche Person sie beauftragen, um zum Beispiel selbstständig in der eigenen Wohnung zu leben. Sie bezahlen die Frauen und Männer, die sie zum Beispiel beim Führen eines eigenen Haushalts unterstützen, zu Veranstaltungen begleiten oder Fahrdienste leisten. Gleichzeitig übernehmen sie als Auftraggeber zum Teil (sozial-) versicherungsrechtliche Pflichten für ihre Assistenzkräfte. „Es wäre wichtig, dass Einrichtungen oder Dienstleister, Sozialhilfeträger sowie Reha-Träger wie die Unfall- oder Rentenversicherung mehr individuelle Beratung anbieten“, sagt Anke Rammig. Die Sozialwissenschaftlerin weiß, dass sich Behindertenverbände auch weniger Bürokratie und mehr Verständnis für ihre Bedürfnisse wünschen. Selbst bei den Ämtern gibt es manchmal Unsicherheiten. Es fehle an Bearbeitungs-Routinen, weiß Rammig. KVJS fördert Budget Der KVJS bietet kontinuierlich Fortbildungen für Fachleute der Sozialämter (vgl. Kasten). „Wir versuchen zudem, durch Fachvorträge die Transparenz zu erhöhen“, sagt Anke Rammig. KVJS-Expertinnen wie sie bekommen zahlreiche Einladungen von Verbänden oder Betreuern. Der KVJS stellt für seine Mitglieder aktuelle Informationen im Internet bereit, zum Beispiel zu rechtlichen Fragen. Seit 2006 gibt der KVJS für die Sozialhilfeträger einen Leitfaden zum Persönlichen Budget

9

Zahlen und Fakten
Persönliche Budgets liegen im Bund durchschnittlich bei 600 Euro pro Monat. Gehandicapte nutzen sie überwiegend, um sich beim Gestalten der Freizeit oder dem Führen ihres Haushalts helfen zu lassen. 47 Prozent sind berufstätig, die anderen in Rente oder erwerbslos. 53 Prozent sind Männer. Weitere Informationen: www.kvjs.de/soziales/menschen-mit-behinderung/persoenliches-budget.html

Info

KVJSaktuell

4/2014

Soziales

heraus, der regelmäßig aktualisiert wird. „Der KVJS möchte zudem die Praxis in Baden-Württemberg weiterentwickeln“, berichtet Anke Rammig. „Wir planen, im nächsten Jahr eine Arbeitsgruppe ‚Persönliches Budget‘ zu gründen und Fachleuten der Eingliederungshilfe eine Plattform zu bieten, wichtige Fragen aufzugreifen und voranzubringen.“ Behindertenverbände fordern zum Beispiel landesweit einheitliche Vorgehensweisen bei der Höhe und Bewilligungspraxis. Viele Forderungen wie etwa die Finanzierung von unabhängigen Beratungsstellen richten sich an die Bundespolitik. Der KVJS wird diese Diskussionen bei den Verhandlungen zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe auf Bundesebene im Auge behalten. 10

Der Verband fördert das Persönliche Budget seit über einem Jahrzehnt. Die damaligen Landeswohlfahrtsverbände – die Vorgängerbehörden des KVJS – haben von 2001 bis 2005 Verfahren der Bemessung, Bewilligung und Überprüfung des Persönlichen Budgets im Rahmen der Eingliederungshilfe entwickelt. Das erfolgreiche Modellprojekt hat die Bundesgesetzgebung beeinflusst. Seit 2008 besteht ein Rechtsanspruch. Damals bewilligten die Sozialämter in BadenWürttemberg 268 Budgets als Eingliederungshilfe. Im Jahr 2012 waren es bereits 1 309. In ganz Deutschland stieg die Zahl der Persönlichen Budgets im Rahmen der Eingliederungshilfe von 4 984 im Jahre 2008 auf 11 493 Budgets im Jahr 2010. syr

Fortbildungen:
Persönliches Budget: Basiswissen Zielgruppe: Fachkräfte in der Eingliederungshilfe KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen, 26.2.2015 Persönliches Budget: „Ich fühle mich wie auf dem Basar“ – Beratung und Gesprächsführung Zielgruppe: Fachkräfte in der Eingliederungshilfe KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen, 19.3.2015 (Trägerübergreifendes) Persönliches Budget Zielgruppe: Fachkräfte bei Betreuungsbehörden und -vereinen KVJS-Stuttgart, 17.3.2015 Ihre Ansprechpartnerin: Anke Rammig Telefon: 0711 6375-350 Anke.Rammig@kvjs.de

Info

4/2014

KVJSaktuell

Soziales

Schnelle Hilfen bei psychischen Krisen ausbauen
Landkreis Schwäbisch Hall hat Teilhabeplan
Am 15. Juli 2014 hat der Kreistag Schwäbisch Hall einen Teilhabeplan für Menschen mit wesentlich seelischer Behinderung verabschiedet. Es ist der 13. Teilhabeplan für Menschen mit seelischer Behinderung, den der KVJS in Baden-Württemberg mit begleitet hat.
Im Landkreis Schwäbisch Hall erhielten 481 Frauen und Männer mit seelischer Behinderung zum 30. Juni 2011 Eingliederungshilfe. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) litten unter schizophrenen Erkrankungen. Neun Prozent der Betroffenen hatten (manisch-)depressive Störungen. Der Teilhabeplan gibt einen Überblick über Unterstützungsangebote für Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen und seelischen Behinderungen im Kreis. Unter Federführung des Landratsamtes haben örtliche Leistungserbringer, Betroffene, Angehörige und der KVJS Entwicklungsbedarfe zu jedem Lebensbereich – wie etwa Wohnen, Arbeiten oder Freizeit – formuliert. Sie münden in HandDie Stadt Schwäbisch Hall. Foto: Rudolph, pixelio.de lungsempfehlungen. Das KVJS-Referat Sozialplanung hat den Landkreis zudem auszubauen. Der Dienst unterstützt psybeim Planungsprozess unterstützt und chisch Erkrankte in ihrem privaten Wohneng mit den örtlichen Akteuren zusamumfeld. So könnte er vermehrt in akuten mengearbeitet. Krisen und für kurzfristige Beratungstermine zur Verfügung stehen. Zudem wären Ein besonderes Augenmerk gilt den niemehr Hausbesuche möglich. derschwelligen Angeboten. „Die weitere Entwicklung des EingliederungshilfebeDie Fachleute empfehlen darüber hinaus darfs wird entscheidend davon abhänBehörden und Einrichtungen, die sich um gen, ob psychiatrische Versorgung frühMenschen mit psychischen Behinderunzeitig in Anspruch genommen werden gen kümmern, die regelmäßige Zusamkann und ob eine schnelle Hilfe in Krisen- menarbeit. Dies gelte insbesondere an situationen zur Verfügung steht“, sagen den Übergängen zwischen Jugendhilfe, die beteiligten KVJS-Sozialplaner ChristiAgentur für Arbeit, Suchthilfe, klinischer an Gerle und Barbara Milsch. Der TeilhaVersorgung und Eingliederungshilfe. beplan empfiehlt zum Beispiel, den SoziNoch sei die institutionalisierte Zusamalpsychiatrischen Dienst zu stärken und menarbeit kein landesweiter Standard.

11

KVJSaktuell

4/2014

Soziales

Findet sich zum Beispiel ein wohnortnahes Angebot für Menschen, die nach einer akuten Krise aus der psychiatrischen Klinik entlassen werden? Steht rechtzeitig ein Platz in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe im Landkreis Schwäbisch Hall zur Verfügung oder muss jemand außerhalb oder in einem Pflegeheim untergebracht werden? Um passgenaue Hilfen zu besprechen, treffen sich die Hilfeplaner des Landkreises und der Soziale Dienst des Klinikums am Weissenhof (Weinsberg) regelmäßig. „Das Entlassmanagement ist eine wichtige Schaltstelle“, meint Barbara Milsch. „ Mit ihrem Jour fixe sind Klinik und Landkreis auf einem guten Weg.“

Der Teilhabeplan sieht auch die Notwendigkeit, in manchen Regionen mehr Wohn- oder Arbeitsangebote für Menschen mit seelischen Behinderungen bereitzustellen. Nur so könnte der Landkreis das Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen durch eine entsprechende Angebotsvielfalt gewährleisten. Das Motto der Fachleute: Die Angebote sollen zu den Menschen kommen und nicht die Menschen zu den Angeboten. Der KVJS unterstützt die Stadt- und Landkreise seit 2005 beim Erstellen von Teilhabeplänen für Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung. 24 Kreise haben diese Service-Leistung in Anspruch genommen. Vier Kreise gaben beim KVJS einen Seniorenplan in Auftrag. Das Referat „Sozialplanung, investive Förderung“ beim KVJS erbringt – je nach Auftrag – Teilexpertisen bis hin zu kompletten Teilhabe- oder Kreisseniorenplänen. syr

Info

Weitere Informationen:
www.kvjs.de/soziales/menschen-mit-behinderung/ sozialplanung-teilhabeplaene.html syr

12

Erster AAL-Fachkongress in Karlsruhe
Intelligente Technologien können ältere Menschen und Menschen mit Behinderung im all-täglichen Leben unterstützen und so ein Stück weit unabhängiger machen. Aufgrund des starken öffentlichen Interesses sowie dem großen Zuspruch zur Sonderschau und zum Kongress ALLTAGSUNTERSTÜTZENDE ASSISTENZLÖSUNGEN (AAL) auf der REHAB 2013 – Internationale Fachmesse für Rehabilitation, Therapie und Prävention – findet am 23. Oktober 2014 in Karlsruhe erstmals ein eigenständiger Fachkongress mit begleitender Ausstellung statt. Der KVJS unterstützt als Partner die Aktivitäten durch seine Funktion im Beirat des Kongresses. Alltagsunterstützende Assistenzlösungen beinhalten zum Beispiel Bewegungssensoren, die einen Sturz melden, oder Bügeleisen und Herde, die sich von alleine abschalten. Mit solchen Angeboten können Menschen auch bei gesundheitlichen Einschränkungen länger in ihrer Wohnung leben. add Flyer zum Fachkongress: www.kvjs.de/soziales/aktuellesservice/termine.html

4/2014

KVJSaktuell

Soziales

Zu Hause wohnen bleiben!
Tagung fragt: Wie kann das besser gelingen?
Damit Älter möglichst lange in der vertrauten Wohnung leben können, sollten sie dafür besser als bisher informiert sein. Um das voranzutreiben, rücken der KVJS und der Landesseniorenrat nun näher zusammen.
Auch im Alter zuhause wohnen bleiben – Das war das zentrale Thema bei der Tagung des Vorstands des Landesseniorenrates Baden-Württemberg (LSR). Deshalb hatte das Gremium das Angebot des KVJS angenommen, sich in der Werkstatt Wohnen in Stuttgart über die Angebote des Verbands zu informieren. Der Verbandsdirektor des KVJS, Senator e.h. Prof. Roland Klinger, begrüßt diese Absicht der engeren Kooperation: „Ich freue mich, dass der Landesseniorenrat und der KVJS eng zusammenwirken und das Bewusstsein fördern wollen, sich schon früh Gedanken zu machen über das Leben im Alter.“ Denn mit mehr Vorsorge würden sich viele spätere Aufenthalte in einem Pflegeheim vermeiden lassen. Deshalb wird der Vorstand des LSR seine Mitglieder bitten, bei diesem Thema weiter aktiv zu bleiben. Daher gibt es ein gemeinsames Projekt mit dem KVJS „Länger selbständig leben und pflegen im Alter“ ab 2015. Karl-Otto Völker, stellvertretender LSRVorsitzender, erklärte: „Teilweise haben sich örtliche Räte schon selbst darum bemüht und Ehrenamtliche zu Wohnberatern ausgebildet. Das reicht zahlenmäßig jedoch bei weitem noch nicht aus. Deshalb ist es förderlich, dass wir künftig in der Musterwohnung noch mehr Anschauungsunterricht bekommen und die Hilfe des KVJS auch bei unserer Schulungsarbeit nutzen.“ KVJS-Werkstatt Wohnen In der Werkstatt können Interessierte praktische Möbel begutachten, Notrufgeräte ausprobieren oder sich bauliche Lösungen wie Treppenlifte und bodengleiche Duschen erläutern lassen. Der KVJS hat die Räume im Stuttgarter Westen mit neuester Technik eingerichtet und präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg Beispiele für eine intelligente Wohnungssteuerung. Die Wohnberatung des Stuttgarter Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes berät dort Menschen mit Behinderungen und Senioren, aber auch Fachleute und Auszubildende in Pflegeberufen. rei

13

Die Besichtigung der Werkstatt Wohnen ist möglich nach vorheriger Vereinbarung. Kontakt: Werner Stocker, Leiter der KVJS-Werkstatt Wohnen Lindenspürstraße 39, 70176 Stuttgart Telefon: 0711 6375-0, werkstatt-wohnen@kvjs.de; www. kvjs.de

Info

KVJSaktuell

4/2014

Integration

Das KVJS-Integrationsamt zieht Bilanz
Der neue Geschäftsbericht 2013/2014 des KVJS-Integrationsamtes liegt vor
Die gute Konjunkturentwicklung ändert nur wenig an der Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen. Die Nachfrage nach Beratungs- und Schulungsangeboten des KVJS-Integrationsamtes ist ungebrochen und das Aufkommen der Ausgleichsabgabe hat sich erhöht.

14

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf Datenstand: Dezember 2013

„Für die Beschäftigungssituation arbeitsloser schwerbehinderter Menschen hatte der Aufschwung bislang leider keine nachhaltig positive Wirkung“, gibt KarlFriedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes, zu bedenken. Damit bringt er zum Ausdruck, was sich auch in den Arbeitslosenzahlen widerspiegelt. Die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen ist in Baden-Württemberg zum 31.12.2013 gegenüber 2012 um weitere 1,6 Prozent gestiegen – auf insgesamt 17 253 arbeitslose Menschen. Die Bundesagentur für Arbeit führt dies zurück auf das Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen bei den über 55-Jährigen und auf die Dynamik der Arbeitslosigkeit, die

im Vergleich zu nicht schwerbehinderten Arbeitslosen deutlich geringer ausfällt. Ausgleichsabgabe fast auf Niveau von 2009 Ernst erklärt die gestiegenen Einnahmen bei der Ausgleichsabgabe damit, dass „die Staffelbeträge der Ausgleichsabgabe erhöht wurden und insgesamt 1 100 neue Arbeitgeber aufgrund gestiegener Beschäftigungszahlen verpflichtet sind, auf fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen“. Eine Gesetzesänderung als auch die steigende Zahl neugeschaffener Arbeitsplätze haben demnach dazu geführt, dass das

4/2014

KVJSaktuell

Integration

Aufkommen an Ausgleichsabgabe im Jahr 2013 um 5,56 Millionen Euro auf 70,10 Millionen Euro gestiegen ist. Damit nähert sich das Aufkommen wieder dem Niveau von 2009 an, als die Einnahmen aus der Ausgleichsabgabe 71,05 Millionen Euro betrugen. Schulungs- und Beratungsangebot stark nachgefragt Die Nachfrage der Schwerbehindertenvertretungen, Betriebs- und Personalräte und der Beauftragten der Arbeitgeber für Schwerbehindertenangelegenheiten nach dem Schulungs- und Beratungs-

angebot des Integrationsamtes des KVJS ist ungebrochen. Insgesamt erreichte es mehr als 6 400 Teilnehmer in 111 Veranstaltungen (Ein- und Mehrtageskurse und Inhouse-Veranstaltungen). „Dass die Kurse überwiegend ausgebucht waren, ist sicher ein Indiz für das ausgewogene, aber auch im Kostenvergleich mit anderen Anbietern sehr attraktive Angebot“, so Ernst. Seiner Meinung nach zeichnet sich das Angebot auch dadurch aus, dass dem Bedarf der Kursteilnehmer Rechnung getragen wird. So wird 2014 erstmalig ein Kurs zum Arbeitsrecht bei kirchlichen Trägern und ein Kurs Schwerbehindertenrecht bei Beamten angeboten. jrb

15

Zahlen aus dem Jahresbericht 2014
•	 82,44 Millionen Euro Einnahmen, davon 70,10 Millionen Euro Ausgleichsabgabe •	 77,68 Millionen Euro Ausgaben (an Arbeitgeber, Integrationsfachdienste, institutionelle Förderung, Ausgleichsfonds). •	 Schaffung von 81 Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen •	 behinderungsgerechte Einrichtung von 517 Arbeitsplätzen •	 2013 gab es 75 Integrationsprojekte mit 2 846 Beschäftigten, davon 1 276 schwerbehinderte Menschen, 3 neue Integrationsprojekte •	 13 105 (schwer)behinderte Menschen wurden beraten oder umfassend unterstützt. •	 654 Vermittlungen in Arbeitsplätze des allgemeinen Arbeitsmarkts, davon 429 für wesentlich behinderte Menschen. •	 3 260 Anträge auf Zustimmung zur Kündigung wurden entschieden. Der Arbeitsplatz konnte in 683 Fällen erhalten werden. •	 In 55 Tagesveranstaltungen und 56 mehrtägigen Seminaren erreichte das Integrationsamt 2 325 Personen. Aktion 1000 •	 429 Vermittlungen von wesentlich behinderten Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit einer Nachhaltigkeit von 84 Prozent. Weitere Informationen Geschäftsbericht auf der Internetseite des KVJS Baden-Württemberg: www.kvjs.de unter der Rubrik Service / Publikationen / Behinderung und Beruf

Info

KVJSaktuell

4/2014

Integration

Die Wirtschaft braucht alle
Projekt „Wirtschaft inklusiv“ will 10 000 Unternehmen erreichen
Das Beratungsprojekt „Wirtschaft inklusiv“ bietet Wirtschaftsunternehmen Informationen und Unterstützung zu Fragen der Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit einer Schwerbehinderung. Das KVJS-Integrationsamt ist einer der Projektpartner.
de hat das Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e.V. die Umsetzung des Projektes übernommen. Das Beratungsangebot ist für die Unternehmen kostenlos. Die Finanzierung kommt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. „Zentrales Ziel ist es, noch mehr Unternehmen für eine Beschäftigung und Ausbildung schwerbehinderter Menschen zu gewinnen und zugleich das Engagement der Wirtschaft für Inklusion zu verstärken und zu dokumentieren“, erklärt Projektleiter Dr. Gerrit Grünes. „Die Projektumsetzung erfolgt in Abstimmung und enger Zusammenarbeit mit dem KVJS-Integrationsamt, den Arbeitgeberverbänden, der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Rentenversicherung, den Kammerorganisationen sowie weiteren Netzwerkpartnern, wie etwa den Integrationsfachdiensten.“ „Wir freuen uns, dass wir gerade bei kleinen und mittleren Betrieben einen neuen Türöffner haben“, erklärt Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes. Mit Wirtschaft inklusiv sollen sie eine betriebsnahe Unterstützung zum Thema Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung erhalten. „Die Berater können einen ersten Überblick über die unterschiedlichen Angebote etwa der gemeinsamen Servicestelle, der Rehabilitationsträger und des KVJS-In-

16

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen stehen im Fokus der im April gestarteten Initiative. Das Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation e. V. wird in acht Bundesländern durchgeführt. Hierzulan-

4/2014

KVJSaktuell

Integration

tegrationsamtes geben“, so Ernst. Fortbildungsangebote und regelmäßige runde Tische zum Erfahrungsaustausch sind ebenfalls Bestandteile der Initiative. Die Beratung soll kurzfristig vor Ort im Betrieb erfolgen. In Baden-Württemberg gibt es dafür 2,5 Projektstellen, die als Inklusionslotsen fungieren. Projektleiter Grünes: „Wir wollen aktiv auf Unternehmen zugehen und dort in persönlichen

Beratungen vorhandene Fachdienste und Institutionen der beruflichen Teilhabe und Rehabilitation vorstellen, um bei Bedarf entsprechende Ansprechpartner zu vermitteln.“ mok

Weitere Informationen unter:
www-biwe.de www.wirtschaft-inklusiv.de

Info

BEM-Veranstaltung in Stuttgart
Das KVJS-Integrationsamt beteiligt sich an einer Informationsveranstaltung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) in Stuttgart. Veranstalter ist die Deutsche Rentenversicherung. BEM hilft, Mitarbeiter trotz längerer oder wiederholter Krankheitszeiten dauerhaft im Betrieb zu halten. Die Veranstaltung informiert über die rechtlichen Grundlagen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Praxisbeispiele zeigen, wie BEM erfolgreich im Betrieb umgesetzt werden kann. Weitere Infos und Anmeldung unter 0711 61 466-224 und servicestelle.regionstuttgart@dvr-bw.de Zeit: Mittwoch, 29.10.2014, 16.30 bis 19.00 Uhr Ort: Deutsche Rentenversicherung Adalbert-Stifter-Straße 105 70437 Stuttgart

17

Integratives Green City Hotel Vauban erhält Siegel ServiceQualität
Das Freiburger Green City Hotel Vauban wurde mit dem Siegel ServiceQualität Deutschland Stufe I ausgezeichnet. Es ist das erste integrative Hotel in Baden Württemberg, das diese Auszeichnung für hohe Servicequalität erhält. Als Integrationsunternehmen wird es gefördert durch das KVJS-Integrationsamt. Um die Zertifizierung nach den Qualitätskriterien der Stufe I zu erhalten, wird mindestens ein Mitarbeiter als sogenannter Qualitäts-Coach ausgebildet. Gemeinsam mit seinem Team nimmt er die Unternehmensabläufe aus Kundensicht unter die Lupe, erarbeitet Service-Ketten, Qualitäts-Bausteine und führt ein internes Beschwerdemanagement ein. In Freiburg ist das Green City Hotel Vauban das dritte Hotel, das diese Zertifizierung durchlaufen hat. Die Auszeichnung mit dem Siegel gilt für drei Jahre. mok

KVJSaktuell

4/2014

Integration

Mit Zuversicht ins Jahr 2020
Fachtag zur Fortführung der Aktion 1000
Allgemeiner Arbeitsmarkt statt Behindertenwerkstatt – diese Perspektive eröffnete die KVJSAktion 1000 seit 2005 fast 2 900 schwerbehinderten Menschen. Ein KVJS-Fachtag zog Bilanz und eröffnete neue Persektiven: Bis 2020 sind insgesamt 5 000 Vermittlungen anvisiert.
„Die jahrelang vertretene These, die Nischenarbeitsplätze für beeinträchtigte Menschen seien in unserer globalen Arbeitswelt alle weggefallen, ist so nicht richtig“, stellte Prof. Roland Klinger, Verbandsdirektor des KVJS, auf einer Tagung zur Aktion 1000/plus fest. Dem KVJS und seinen Partnern ist es gelungen, ein Gesamtpaket zu schnüren, dass die Beschäftigung von – meist geistig behinderten – jungen Leuten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch langfristig absichert: Mehr als 80 Prozent bleiben im Job. Dies waren Erkenntnisse auf einer zweitägigen Fachtagung im Juli: In der Evangelischen Akademie Bad Boll trafen sich fast 200 Akteure der Aktion 1000/plus aus ganz Baden-Württemberg. In der dritten Phase unter dem Titel Aktion 1000 – Perspektive 2020 soll die Zahl der vermittelten schwerbehinderten Menschen auf 5 000 ansteigen. Dazu werden der KVJS und seine Partner das Angebot an beruflicher Bildung für die Zielgruppe weiter flächendeckend ausbauen. Ein neu gegründeter Arbeitskreis mit Vertretern der verschiedenen Unternehmens-Kammern wird dazu den Austausch mit der Wirtschaft intensivieren. Erfolgreiches Maßnahmebündel Die bisherige Bilanz der Aktion konnte sich sehen lassen: 2 880 Vermittlungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Frühzeitige Weichenstellung in der Berufsschulstufe der Sonderschule, Begleitung durch die Integrationsfachdienste (IFD) und dauerhafte Lohnkostenzuschüsse sowie Inklusionsprämien von bis zu 10 000 Euro sind wesentliche Erfolgsfaktoren. „Die Arbeitgeber sollen attraktive und verlässliche Förderangebote bekommen“, so Verbandsdirektor Klinger. Die IFD sind die wichtigsten Ansprechpartner für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Sie organisieren Praktika, die wichtig für das gegenseitige Kennenlernen sind. Die Fähigkeiten der Praktikanten werden genau erfasst und gezielt weiterentwickelt. Klinger an die Adresse der Arbeitgeber: „Sie sollen Mitarbeiter bekommen, die vielleicht manchmal etwas langsamer sind und besonders angeleitet werden müssen, die aber oft motivierter und zuverlässiger sind als mancher nichtbehinderte junger Arbeitnehmer.“ Darüber hinaus sind die Beschäftigten mit Behinderung den Unternehmen besonders treu und geschätzt: 83 Prozent aller seit 2005 Vermittelten arbeiten immer noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. mok

18

Weitere Informationen …

Info

… zur Aktion 1000 – Perspektive 2020 und zur Fachtagung finden Sie im Internet unter: www.kvjs.de/behinderung-und-beruf/aktion-1000-perspektive-2020.html

4/2014

KVJSaktuell

Integration

Packt kräftig mit an: Andreas Hilsenbeck.

Foto: Esser

19

Zum Beispiel …
… Andreas Hilsenbeck Schon zu Schulzeiten machte Andreas Hilsenbeck ein erstes Praktikum auf dem Bauhof der Gemeinde Rosenberg im Ostalbkreis. Sein Lehrer, der Integrationsfachdienst, die Berufsberatung und seine Familie unterstützten ihn bei seinem Wunsch nach einer beruflichen Perspektive jenseits der Werkstatt für behinderte Menschen. Bauhofleiter Willi Utz lernte den Praktikanten schätzen: „Er ist ein Schaffer. Er kann handwerklich anpacken.“ Andreas Hilsenbeck bekam seine Chance. Zunächst befristet eingestellt, gehört er heute fest zum Team des Bauhofs. Der Integrationsfachdienst kümmerte sich um die Anträge für die finanzielle Förderung durch die Agentur für Arbeit und das KVJS-Integrationsamt und bleibt ein zuverlässiger Ansprechpartner für Andreas Hilsenbeck wie die Gemeinde Rosenberg. mok

Info

KVJSaktuell

4/2014

Integration

Assistenz sichert Berufserfolg
Neues KVJS-spezial informiert über Arbeitsassistenz
Vivian Hösch ist blind. Das hat sie weder von einer Karriere als Leistungssportlerin im Biathlon noch von einer Ausbildung bei der Stadt Freiburg abgehalten. Unterstützt wurde sie während ihrer Ausbildung durch Arbeitsassistenz.
eine Arbeitsassistenz für die Ausbildung. Die Assistenzkraft digitalisiert für Vivian Hösch Bücher und Skripte, beschreibt Graphiken im Unterrichtsmaterial oder Schaubilder im Unterricht. Aufgaben bearbeitet Vivian Hösch selbstständig an ihrem Laptop mit Braille-Zeile. Arbeitsassistenten sind in der Tat nur Handlanger, die eigentliche Leistung erbring der Mensch mit Behinderung. Die sportliche junge Frau schafft auch die Ausbildung in Bestzeit und ist nun fest angestellt bei der Stadt Freiburg. Dort gehört sie zum Team der EDV-Hotline. Unterstützung braucht sie keine. Vormittags berät sie Kolleginnen und Kollegen mit PC-Problemen, die Nachmittage gehören dem Training. Vielleicht ist sie bei den nächsten Paralympics wieder dabei. Ende des Jahres wird ein KVJS-spezial zum Thema Arbeitsassistenz erscheinen. Neben interessanten Fallbeispielen geht es um die Themen: Für wen kommt diese Leistung in Frage? Wie kommt man an eine Assistenzkraft? Wie fördert das KVJSIntegrationsamt? mok

20

Vivian Hösch ist an ihrem Arbeitsplatz völlig selbständig.

Foto: Kleusch

Das KVJS-Integrationsamt fördert notwendige Arbeitsassistenz für schwerbehinderten Menschen im Arbeitsleben. Das erlaubt den Betroffenen im Beruf zu bleiben – oder überhaupt erst einen Beruf zu erlernen, wie bei Vivian Hösch. Nach dem Abitur an einem regulären Gymnasium bewarb sie sich um einen Ausbildungsplatz als Verwaltungsfachangestellte – und wurde genommen. Obwohl sie im „Doppelpack“ anrückte: Das KVJS-Integrationsamt finanzierte ihr – in Vorleistung für die Agentur für Arbeit –

4/2014

KVJSaktuell

Jugend

Mit Moos was los
KVJS unterstützt Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe
Das Landesjugendamt des KVJS fördert in diesem Jahr fünf Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe mit insgesamt 220 000 Euro. Das hat der Landesjugendhilfeausschuss beschlossen. Die Vorhaben starten im Herbst und haben eine Laufzeit von drei Jahren.
Die Förderung betrifft Vorhaben aus den drei thematischen Schwerpunkten „Inklusive Absätze im Gemeinwesen/im Sozialraum“, „Armuts- und Risikolagen im jungen Erwachsenenalter“ und „Partizipation von Mädchen und Jungen“. Alle Vorhaben werden von einer Fachkraft des Landesjugendamtes begleitet und sollen Ergebnisse erzielen, die zum Beispiel in Form von Tagungen, Leitfäden und Handreichungen auch anderen Regionen zur Verfügung gestellt werden. Folgende Ansätze unterstützt der KVJS als Modellvorhaben: Inklusive Förderung von Kindern in Kindertagesstätten (Träger: Kreisjugendamt Göppingen) Die inklusive Betreuung und Erziehung von Kindern mit Behinderungen und Kindern mit einem erhöhten Förderbedarf in den Kitas hat dieses Vorhaben im Auge. In größeren Einrichtungen werden modellhaft kontinuierlich arbeitende interdisziplinäre Teams eingerichtet. Kleinere Einrichtungen sollen auf einen Pool qualifizierter Inklusionsfachkräfte zurückgreifen. Hierfür müssen passgenaue Finanzierungs- und Kooperationsmodelle entwickelt und erprobt werden, die in ein übertragbares Gesamtkonzept münden. Neue Wege der Erziehungsberatung (Träger: DW Ravensburg, Psychologische Beratungsstelle) Sozial benachteiligten Familien, deren Kinder die Förderschule besuchen, soll der Zugang zur Erziehungsberatung erleichtert werden. Der Fokus liegt dabei auf der Kooperation von Erziehungsberatung und Schulsozialarbeit unter Einbindung planerischer und konzeptioneller Weiterentwicklungsprozesse im Landkreis. Geplant sind zum Beispiel gemeinsame Hausbesuche, Runde Tische in der Schule sowie spezielle Angebote im Sozialraum der Schüler. “BUS“ – Aufbau eines tragfähigen Beratungs-und Unterstützungssystems an drei Ganztagsgrundschulen (Träger: Landkreis Tübingen mit Stadt Tübingen und Martin-Bonhoeffer-Häuser). Unterschiedliche Förder-, Unterstützungsund Hilfeangebote für Kinder und Familien inhaltlich verzahnen und integrative Konzepte entwickeln – darum geht es bei dem „BUS“-Projekt. Erreicht werden soll dies durch eine veränderte Kooperation und Koordination der Leistungsträger (Schulverwaltung, Schulträger, Jugendhilfe) an den Schulen und im Sozialraum.

21

KVJSaktuell

4/2014

Jugend

Partizipation und Selbstkompetenz im Kinder- und Jugendhilfezentrum Leonberg (Träger: Waldhaus Hildrizhausen gGmbH) Das Leonberger Kinder-und Jugendhilfezentrum (KIDZ) betreut im Rahmen der ambulanten Hilfen zur Erziehung tagsüber Kinder und Jugendliche von 6 bis14 Jahren, die in belasteten Situationen leben und eine spezielle Förderung benötigen. Bisher war die Beteiligung von Kindern und Eltern im Hilfeprozess schwierig. Das Vorhaben möchte daher neue Ansätze erproben wie zum Beispiel das gemeinsame Entwickeln eines Beteiligungsbuches für Kinder und Eltern, Patenschaften von und für Kinder, Initiierung eines Kinderrates im KIDZ oder regelmäßig stattfindende Eltern-Kind-Seminare. 22 Hilfe für junge Menschen in Wohnungslosigkeit - JuWoLos (Träger: Stadt Schwäbisch Gmünd) Dieses Vorhaben schließt eine Lücke im Hilfesystem zwischen Jugendhilfe (für junge Erwachsene) und Wohnungslosenhilfe in einem ländlich strukturierten Landkreis. Hier können bis zu fünf Heranwachsende im Alter von 18 bis 27 Jahren, die akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind, in einer Wohngruppe intensiv betreut und begleitet werden. Neu an diesem Vorhaben ist die enge Kooperation aller Beteiligten – insbesondere Jugendhilfe, Wohnungsnotfallhilfe und Jobcenter – um ein fachgerechtes Unterstützungssystem zu schaffen. add

Partizipation wird im Kinder-und Jugendhilfezentrum in Leonberg großgeschrieben. Foto: Jugendhilfezentrum

Info

Weitere Informationen finden Sie unter
www.kvjs.de/jugend/forschung-und-projekte/foerderprojekte.html

4/2014

KVJSaktuell

Jugend

Fortschritte in der Kindertagespflege
KVJS-Landesjugendamt präsentierte fünfte Erhebung
Seit 2010 führt das KVJS-Landesjugendamt Erhebungen zu den Entwicklungen in der Kindertagespflege durch. Nun hat es dem Landesjugendhilfeausschuss die aktuellen Zahlen zum 1. März 2014 präsentiert. An der Erhebung haben sich alle 46 Jugendämter in Baden-Württemberg beteiligt.
Die gemeinsamen Empfehlungen des Landkreistags und Städtetags BadenWürttemberg und des KVJS vom April 2012 zur laufenden Geldleistung sehen einen landesweiten Basiswert in der Vergütung von Tagespflegepersonen vor. 24 Jugendämter gewähren die laufende Geldleistung entsprechend den Empfehlungen. 22 Jugendämter liegen über diesem Wert. In 28 Jugendamtsbezirken werden unterschiedliche Zusatzleistungen gewährt. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern bewegt sich die laufende Geldleistung in allen Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs auf einem hohen Niveau. Am 1. März 2014 wurden 20 170 Kinder (2,60 Prozent mehr als im Vorjahr) durch 7.062 aktive Tagespflegepersonen (2,94  Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr) in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut, davon waren 10 194 Kinder jünger als drei Jahre. In der Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen hat der KVJS die Daten 2014 erstmals erhoben: In Baden-Württemberg gab es demnach 369 Kindertagespflegestellen in anderen geeigneten Räumen. Hierbei betreuten 804 Tagespflegepersonen 2.610 Kinder, davon 2 231 Kinder unter drei Jahren. In 30 Stadt- und Landkreisen ist die Kindertagespflege fester Bestandteil der örtlichen Bedarfsplanung. Dies geschieht über enge Absprachen mit den örtlichen Tageselternvereinen, landkreisweit gesteuerte Planungsgespräche mit dem örtlichen Jugendamt oder über feste Quotenregelungen. Der empfohlene Personalschlüssel von Seiten des Kultusministeriums, der Kommunalen Landesverbände, des KVJS, des Landesverbands der Tagesmüttervereine BW e. V., des Paritätischen, der 4 KirchenKonferenz, des Mütterforums und des Landfrauenverbands in der Bandbreite von 1 : 90 bis 1 : 130 wird bereits in 29 Jugendamtsbezirken erreicht, sechs Jugendämter berichten sogar von einem besseren Personalschlüssel. Über die Weiterentwicklungen des Personalschlüssels soll im vierten Quartal 2016 beraten werden. rei

23

Anzahl der betreuten Kinder in der Kindertagespflege.

KVJSaktuell

4/2014

Jugend

Bildung und Erziehung im Doppelpack
KVJS-Modellvorhaben bringt Schule und Jugendhilfe einander näher
Schule und Jugendhilfe rücken enger zusammen. Das ist ein Ergebnis des vom KVJS von 2011 bis 2013 geförderten Modellvorhabens „Gemischtes Doppel“.
Der Ausbau der Ganztagsschulen stellt Jugendhilfe und Schule vor neue Herausforderungen. Es gilt, Erziehung und Bildung verstärkt als gemeinsame Aufgabe zu begreifen. Auch sind in enger Kooperation Bedingungen zu gestalten, die allen Kindern und Jugendlichen optimale Bildungs- und Teilhabechancen bieten. Unter dem Dach des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg haben sich dazu drei Jugendhilfeträger mit Sitz in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Böblingen vernetzt und mit Schulen „Gemischte Doppel“ gebildet. Im Verlauf des Modellvorhabens sind Schnittstellen zum Forschungsprojekt des KVJS „Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagsschulen auf die Strukturen und Arbeitsweisen der Kinderund Jugendhilfe in Baden-Württemberg“ gezielt integriert worden. Begleitet wurde das Vorhaben vom Institut für regionale Innovation und Sozialforschung in Tübingen. Wichtig: Gemeinsame Zielsetzungen „Bildung und Erziehung als gemeinsame Aufgabe braucht gemeinsame Zielsetzungen“, zieht Dr. Claudia Daigler vom KVJSLandesjugendamt Bilanz. Es habe sich gezeigt, dass Hilfen zur Erziehung im Kontext von Schule Lehrkräften oft wenig bekannt und transparent sind. Um die Lehrer als Mitgestalter zu interessieren und zu gewinnen, sei es deshalb entscheidend, sie zunächst über das Angebotsspektrum der Jugendhilfe systematisch zu informieren. Zudem seien Checklisten und Beobachtungsbogen wichtige Geländer für die gemeinsame Arbeit und müssten gemeinsam entwickelt werden. Und: „ Es ist wichtig, solche Kooperationsprozesse zu steuern und zu moderieren, insbesondere durch die örtliche Jugendhilfeplanung und hoffentlich zunehmend im Rahmen regionaler Schulentwicklungsprozesse.“ Aus den Erfahrungen mit dem Modellvorhaben „Gemischtes Doppel“ sind zwei Leitfäden entstanden: „So geht es gemeinsam – Von der Problemwahrnehmung zur erzieherischen Hilfe“ und „Miteinander gestalten – Kommunikation, Kooperation und Konzepte“. Sie richten sich an Lehrer, Jugendhilfemitarbeiter und andere Interessenten. Beide Broschüren stehen als Download unter www.paritaet-bw.de und www.kvjs.de/jugend/forschung-und-projekte/foerderprojekte zur Verfügung. Zwei weitere Publikationen, das KVJS-Praxishandbuch „Kinder- und Jugendhilfe gestalten – Ganztagsschule als Impuls kommunale Praxisentwicklungen“ sowie das KVJS-Schlaglicht „KVJS-Forschungsprojekt Ganztagsschule“ finden sich unter www. kvjs.de/forschung/forschung-in-der-praxis-transfer-phase/ganztagesschule.html add

24

4/2014

KVJSaktuell

Jugend

Sukzessivadoption für Verpartnerte erlaubt
Eingetragene Lebenspartner erhalten das Recht auf eine Sukzessivadoption. Das Gesetz wurde am 26. Juni 2014 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Der Bundestag folgte einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes. Die Karlsruher Richter hatten in einem Urteil von 2013 gerügt, dass Sukzessivadoptionen nur heterosexuell lebenden Paaren erlaubt waren und eine Neuregelung verlangt. Der Bundestag hatte den Gesetzentwurf der Bundesregierung am 22. Mai 2014 verabschiedet. Lebenspartner dürfen fortan ein Kind adoptieren, das der andere Partner bereits adoptiert hat. Keine Mehrheit hatte ein Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gefunden. Die Vorlage hatte sich für eine vollständige Übernahme aller Regelungen von Ehepaaren im Adoptionsrecht auf Lebenspartnerschaften ausgesprochen. syr

25

KVJSaktuell

4/2014

Neu erschienen

Beim KVJS erschienen
Alle hier aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/service/publikationen.html zum Herunterladen zur Verfügung.

Schwerbehinderung und Arbeit Behinderung, Pflege
Zeitschrift „Behinderte Menschen im Beruf“, Ausgabe Baden-Württemberg, Heft 3/2014. Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weimar Telefon 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de KVJS-Service forum b-wohnen: Technik hilft Wohnen, 2014. Wie wirken sich technische Hilfen im Alltag aus? Dokumentation der KVJS-Fachtagung auf der Messe Pflege & Reha in Stuttgart am 06.05.2014. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weissenberger Telefon 0711 6375-307 Sekretariat21@kvjs.de

Jugendhilfe
26 Ratgeber Kleinkindbetreuung, 2014. Eröffnung und Betriebsführung von Kleinkindeinrichtungen. Voraussetzungen zur Erteilung einer Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII, 2014. Grundlagenpapier für Tageseinrichtungen für Kinder. Kommunale Orientierungshilfe zur Stellenbedarfsmessung für den Arbeitsbereich der Wirtschaftlichen Jugendhilfe in Baden-Württemberg, 2014. Herausgeber: Städtetag Baden-Württemberg, Landkreistag Baden-Württemberg, KVJS, Gemeindeprüfungsanstalt BadenWürttemberg. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de
Foto: Fotolia

Betreuungsrecht
KVJS Betreuungsrecht-Info Heft 3, 2014. Neues aus der Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Mandy Schlesinger Telefon 0711 6375-279 Mandy.Schlesinger@kvjs.de

KVJS-Fortbildungen
Die Fortbildungsbroschüren erscheinen Ende des Jahres. Viele Veranstaltungen für 2015 sind jetzt schon online buchbar: www.kvjs.de/fortbildung/startseite-fortbildung.html

4/2014

KVJSaktuell

KVJS

KVJS aktuell Oktober 2014 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Kristina Reisinger (rei) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Sylvia Rizvi (syr) Jürgen Romero Brey (jrb) Stefan Gokeler Layout: Silvia Kurucic Bestellungen und Adressänderungen: Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart www.kvjs.de Redaktioneller Hinweis: Wir bitten um Verständnis, dass aus Gründen der Lesbarkeit auf eine durchgängige Nennung der weiblichen und männlichen Bezeichnungen verzichtet wird. Selbstverständlich beziehen sich die Texte in gleicher Weise auf Frauen und Männer.

Impressum
27

KVJSaktuell

4/2014

Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart

Hausadresse Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart (West)

Tel. 0711 63 75-0 www.kvjs.de
                            
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.