Publication:
2014
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729430
Path:
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aktuell
KVJS

Inklusion bleibt 2014 eine wichtige Baustelle
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Neu sortiert: Wechsel im Verbandsvorsitz
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Jugend

Schulsozialarbeit auf dem Vormarsch
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Forschung

Aktuelle Projekte und der Transfer in die Praxis
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Inhaltsverzeichnis
KVJS 	 3	 Inklusion bleibt 2014 eine wichtige Baustelle 	 5	 Verbandsversammlung genehmigt KVJS-Haushaltsplan 2014 	 6	 Engagement auf Bundesebene 	 7	 KVJS-Verbandsvorsitzender im Amt bestätigt Soziales 	 8	 Positiver Trend bei Betreuungsvereinen 	10	 Alt werden in der Gemeinde 	11	 Sieben auf einen Streich: neue Baustein-Projekte 	13	 (K)ein Platz im Warmen 	15	 Hören ist nicht gleich verstehen 	16	 Rechtsgutachten: Das Land kann Grauzonen beseitigen 	17	 Elektronische Aktenarchivierung beim MPD Integration 	18	 Gut arbeiten mit drei Sternen Superior 	20	 Eine Küche für Genießer 2 Jugend 	21	 Zweite Inklusionsmesse in Crailsheim 	23	 Meldungen aus dem Integrationsamt 	24	 Immer mehr wollen Schulsozialarbeit 	26	 Mit NESSIE aus dem Bildungsloch 	27	 Hochzeit ohne Liebe 	29	 Kinderschutz verbessert 	30	 2014: Das Jahr gehört den Kindern 	31	 Kindertagespflege: Gleiches Niveau für alle 	32	 Meldungen aus dem Landesjugendamt Forschung 	33	 Ein steiniger Weg: Inklusion in Kindergarten und Schule 	34	 KVJS-Forschung: Schlüssel zum Wissen 	35	 „Der Transfer wird dort interessant, wo er die Praxis verändert“ Fortbildung 	37	 Neues Fortbildungs-Programm: Hier findet jeder, was zu ihm passt 	39	 Wie Leitungskräfte effektiv steuern 	40	 Für den starken Auftritt 	41	 Neue Reihe zur rechtlichen Betreuung Neu erschienen 	42	 Beim KVJS erschienen

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Inklusion bleibt 2014 eine wichtige Baustelle
Prof. Roland Klinger über die aktuellen Herausforderungen
Die UN-Behindertenrechtskonvention hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Begriff Inklusion in aller Munde ist. Der KVJS hat das Thema früh aufgegriffen und wird es auch im Jahr 2014 weiter begleiten.
Baden-Württemberg will mehr Inklusion. Fraglich ist jedoch, in welchen Teilschritten dies umgesetzt werden kann, was es kostet und wer zahlt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt: bei der Inklusion ist nicht ausschließlich der Sozialstaat gefragt, sondern auch Mitbürger, Wohnungseigentümer, Vereinsvorstände, Geschäftsführer oder Arbeitskollegen. Ein Bewusstsein muss entwickelt werden. Das braucht Geduld und Zeit. 3 In Baden-Württemberg wurde von der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege mit dem Sozialministerium beim Gültstein-Prozess ein landesweiter Prozess Teilhabe am Arbeitsplatz – mit der richtigen Unterstützung. Foto: Heppner/LVW.Eingliederungshilfe angestoßen. Jedoch müssen in allen Bundes- und Landesgesetzen und nicht nur in den Sozialleistungsgesetzen rechtlich Betroffenenbeteiligung zweifelsfreie Rahmenbedingungen geschaffen werden. Der KVJS erwartet 2014 Viele Stadt- und Landkreise, Städte und klare Signale seitens der Politik für ein Gemeinden haben Arbeitskreise, Beiräte Bundesteilhabegeld für Menschen mit und Gremien eingerichtet. Für eine erfolgBehinderung, für eine Eingliederungshilreiche Beteiligung Betroffener und Anfereform und für die Gleichstellung von gehöriger wird vor Ort gefragt: Wer kann Menschen mit Behinderung in der gesetz- und will sich wo beteiligen und welches lichen Pflegeversicherung. Das schließt Ziel wollen wir erreichen? Im Mittelpunkt eine verlässliche, finanzielle Entlastung steht die Zufriedenheit der Betroffenen der Kommunen für diesen Aufgabenbeund dass ihre Stimme gehört wird. reich mit ein. Die Kommunen wollen zudem Klarheit, ob mit dem vom Landtag Örtliche Teilhabeplanung 2014 zu verabschiedenden Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Konventi- Jeder Stadt- und Landkreis, jede Stadt on geweckte Erwartungen auch finanziert und jede Gemeinde hat eine spezifische werden. Ausgangslage. Landesweit hat der Umbau der Komplexeinrichtungen begonAus Sicht des KVJS sind vor allem fünf nen. Aber der Prozess wird Jahre dauern. Punkte wichtig: Es gilt, die Strukturen vor Ort kritisch zu

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würdigen, genau zu untersuchen und mit allen Beteiligten den nächsten Schritt zu definieren und zu gehen. Nur eine sozialraumbezogene Teilhabeplanung, die von allen Akteuren gemeinsam getragen wird, kann konkrete Ziele definieren und umsetzen. Bisher hat der KVJS 25 Stadt- und Landkreise dabei unterstützt und mit Akteuren vor Ort Handlungsempfehlungen erarbeitet. Zudem diskutierte der Verband das Thema mit rund 500 Bürgermeistern. Schulische Inklusion Der Schulbesuch von Kindern mit Behinderung ist eines der schwierigsten und umstrittensten Themen in der Inklusionsdebatte. Neben Sonderschulen, Außen- und Kooperationsklassen, inklusiven Schulen oder Regelschulen mit Sonderpädagogischer Unterstützung (finanziert durch den Kultusetat des Landes) erhalten immer mehr Kinder Leistungen der Eingliederungshilfe. Das KVJS-Forschungsvorhaben „Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung in allgemeinen Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Schulen“ weist Ende 2011 für fast 1.900 Schüler eine Schulbegleitung nach SGB VIII oder XII mit steigender Tendenz aus. Eine ergab, dass die Jugendämter im Schnitt 1.450 Euro, die Sozialhilfeträger 710 Euro monatlich pro Schüler ausgaben. Es stellt sich die Frage, ob dies immer der richtige Weg ist. Zudem ist eine klare Abgrenzung zwischen pädagogischen und begleitenden Hilfen kaum möglich. Deshalb hat der KVJS ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben: „Kann Landesschulrecht aus dem verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag heraus so gestaltet werden, dass ein Schulbesuch behinderter Kinder und Jugendlicher ohne Rückgriff auf nachrangige Sozial- oder Jugendhilfesys-

teme gewährleistet ist?“. In den kommenden Wochen ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen. Wohnen Das Land hat auf der Basis des „Impulspapiers Inklusion“ neue Förderrichtlinien für die investive Förderung verabschiedet. Damit werden die Hälfte der Landesmittel künftig für den Aufbau von neuen, gemeindeintegrierten Wohn- und Beschäftigungsstrukturen reserviert. Ein Viertel der Mittel entfällt auf innovative, inklusive Wohn- und Beschäftigungsangebote. Die neuen Förderrichtlinien beinhalten auch einen qualitativen, richtungsweisenden Ansatz: Die Plätze sollen quantitativ besser verteilt werden und dort entstehen, wo man sie braucht. Offen ist dagegen ein Konversionskonzept für alle bestehenden Einrichtungen der Behindertenhilfe. Beschäftigung Trotz guter Konjunktur sind in BadenWürttemberg rund 17.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote von schwerbehinderten Menschen ist meist doppelt so hoch. Die inklusive Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und die Verringerung des beschützten Arbeitsmarktes ist nur Schritt für Schritt möglich. Die Tarifpartner sollten deshalb prüfen, ob Lösungen für mehr Beschäftigung vereinbart werden können. Inklusion ist ein Entwicklungsprozess, der nie wirklich abgeschlossen ist – also ein Dauerauftrag für alle gesellschaftlichen Gruppen. Deshalb wird sich der KVJS als Träger des Integrationsamts und als überörtlicher Sozial- und Jugendhilfeträger für Baden-Württemberg auch 2014 dafür einsetzen, das Thema voranzubringen. rei

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Land Vorreiter in der Sozialhilfe
Die Verbandsversammlung genehmigt den KVJS-Haushaltsplan 2014
Die KVJS-Verbandsversammlung hat den Haushaltsplan 2014 verabschiedet. Die geplanten ordentlichen Erträge belaufen sich auf rund 213 Millionen Euro. Dem stehen geplante Aufwendungen von knapp 226 Millionen Euro gegenüber.
„Die stetig steigenden Ausgaben für soziale Leistungen bestimmen nach wie vor stark den finanziellen Spielraum der kommunalen Haushalte“, sagte der Verbandsvorsitzende Landrat Karl Röckinger in seiner Haushaltsrede. „Der Bund übernimmt ab 2014 zwar 100 Prozent der Kosten für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, in anderen Bereichen besteht aber nach wie vor ein strukturelles Defizit in der Finanzausstattung der Kommunen: vor allem in der Hilfe zur Erziehung, der Jugendhilfe, der Hilfe zur Pflege und der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung.“ Von besonderer Bedeutung sei im kommenden Jahr die Erarbeitung eines neuen Bundesleistungsgesetzes für Menschen mit Behinderung. Im Vordergrund stehe vor allem die finanzielle Entlastung der Kommunen bei der Eingliederungshilfe. In Baden-Württemberg betrugen die Aufwendungen hierfür im Jahr 2012 1,3 Milliarden Euro netto. Das waren 57,1 Prozent der gesamten Nettoausgaben der Sozialhilfe. Die Sozialhilfestatistik zeigt aber auch einen für unser Land sehr positiven Aspekt, nämlich dass der KVJS als überörtlicher und die Kreise als örtliche Sozialhilfeträger die Aufwandsentwicklung am besten von allen Flächenländern beherrschen: Die Sozialhilfe kostet im Südwesten 215 Euro pro Einwohner, in Bayern 261 Euro und in NRW 358 Euro. „Unser Ergebnis bestätigt: Es wird vernünftig, wirtschaftlich und solidarisch zusammengewirkt“, so Röckinger. KVJS-Haushalt 2014 Im kommenden Jahr profitiert der KVJS von den weiterhin steigenden Steuerkraftsummen. Um deutliche Schwankungen in der Umlagehöhe zu vermeiden, sieht der Haushalt für 2014 einen geplanten Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro vor (das sind 2,6 Millionen Euro weniger als 2013), der nach drei Jahren auf das Basiskapital verrechnet wird. Dieses Vorgehen entspricht einer Entnahme aus der kameralen allgemeinen Rücklage. Der Hebesatz der allgemeinen Umlage kann mit 0,151 Prozent der Steuerkraftsummen auf dem Niveau von 2013 gehalten werden, der Kopfbetrag muss um 0,169 Euro auf 2,112 Euro pro Einwohner angehoben werden. Beide Umlagesätze bleiben jedoch deutlich unter den ursprünglich prognostizierten Werten. Die allgemeine Umlage macht 21,1 Prozent der ordentlichen Erträge im Ergebnishaushalt aus. Die weiteren ordentlichen Erträge werden im Wesentlichen vom Bund (Erstattung Kriegsopferfürsorge), Land (Landesförderprogramme) sowie durch Umlagen bei Unternehmen (Ausgleichsabgabe) und Sozialeinrichtungen (Altenpflegeausbildungsausgleich) aufgebracht. Insgesamt ergibt sich 2014 ein Nettomehrbedarf von 0,7 Millionen Euro gegenüber 2013. Ursache hierfür sind hauptsächlich geringere Zinserträge, geringere Sozial- und Jugendhilfekostenerstattungen sowie Personalkostensteigerungen. Aufgrund des Ausbaus der

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Kindertagesbetreuung hat die Gemeindeprüfungsanstalt beim KVJS-Landesjugendamt einen Stellenmehrbedarf festgestellt. 2014 sind daher drei zusätzliche Stellen vorgesehen. Die Personalaufwendungen von 28,786 Millionen Euro beanspruchen einen Anteil von 12,7 Prozent der ordentlichen Ausgaben. Auch 2014 sind keine Kreditaufnahmen zur Finanzierung von Investitionen vorgesehen, der KVJS bleibt somit weiterhin schuldenfrei. „Insgesamt handelt es sich auch 2014 beim KVJS-Haushalt um einen

soliden und wirtschaftlichen Haushalt, der den mit 21,1 Prozent bemessenen Umlageanteil der Stadt- und Landkreise an den ordentlichen Erträgen in Dienstleistungen umsetzt, die zu Recht von den Kreisen als Unterstützungsleistungen erwartet werden dürfen“, sagte Röckinger zum Abschluss seiner Rede. Somit hat die Verbandsversammlung die Haushaltssatzung und den Haushaltsplan 2014 mit Finanzplan und Investitionsprogramm bis 2017 sowie den Stellenplan 2014 verabschiedet. rei

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Engagement auf Bundesebene
Prof. Roland Klinger Vorsitzender der Höheren Kommunalverbände
Der KVJS-Verbandsdirektor Senator e. h. Prof. Roland Klinger wird ab dem 1. Juli 2014 den Vorsitz im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Höheren Kommunalverbände (HKV) übernehmen. Seit 2009 fungierte er als Stellvertreter des ausscheidenden Vorsitzenden Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe.
Die HKV repräsentieren die kommunalen Interessen ihrer Mitgliedsverbände im sozial-, gesundheits-, schul- und jugendpolitischen sowie kulturellen Bereich. Wichtigstes Feld ist die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Zu der Bundesarbeitsgemeinschaft gehören 18 höhere Kommunalverbände. „Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen wird in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen“, sagt Prof. Klinger, der auf drei Jahre gewählt wurde. „Mit der Ratifizierung der UN-Konvention haben der Deutsche Bundestag und die Landtage einen klaren politischen Auftrag: in allen Bundes- und Landesgesetzen rechtlich zweifelsfreie Rahmenbedingungen zu gewährleisten.“ rei

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KVJS-Verbandsvorsitzender im Amt bestätigt
Neuwahlen beim KVJS und LWV in Abwicklung
Landrat Karl Röckinger ist von der Verbandsversammlung erneut zum Verbandsvorsitzenden des KVJS gewählt worden. Auch sein erster Stellvertreter Gunter Czisch, erster Bürgermeister der Stadt Ulm, wurde für weitere fünf Jahre gewählt. Landrat Gerhard Bauer übernimmt die Funktion des zweiten Stellvertreters.
Landrat Karl Röckinger und Bürgermeister Gunter Czisch wurden einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Beide hatten sich zuvor bereit erklärt, für weitere fünf Jahre zu kandidieren. Der bisherige zweite Stellvertreter, Landrat Helmut Jahn (Hohenlohekreis) war im Juli 2013 in Ruhestand getreten und damit aus der Verbandsversammlung ausgeschieden. Für ihn wurde einstimmig Landrat Gerhard Bauer (Schwäbisch Hall) für die restliche Amtszeit bis zum 30. Juni 2014 und für die nächste Amtsperiode gewählt. Die Versammlung wählte ihn zudem zum ordentlichen Mitglied und zum zweiten Stellvertreter des Vorsetzenden des KVJSVerbandsausschusses. Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern i. A. Landrat Bauer wurde zuvor bereits zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbands Württemberg-Hohenzollern in Abwicklung gewählt. Bauer war zuvor zweiter Stellvertreter. Für ihn wählte die Verbandsversammlung Landrat Joachim Walter (Landkreis Tübingen). Zudem wählte die Versammlung Landrat Thomas Reumann (Landkreis Reutlingen) als ordentliches Mitglied und Landrat Edgar Wolff (Landkreis Göppingen) sowie Bürgermeister Harry Mergel (Stadt Heilbronn) als stellvertretende Mitglieder in den Verbandsausschuss. rei

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Landrat Karl Röckinger

Erster Bürgermeister Gunter Czisch

Landrat Joachim Walter

Landrat Gerhard Bauer Fotos: privat

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Die Betreuungsvereine glänzen
Top bei der Akquise von Ehrenamtlichen
Vor drei Jahren hat Baden-Württemberg seine Richtlinien zur Förderung von Betreuungsvereinen geändert. Gute Arbeit sollte durch Leistungsprämien mehr gewürdigt werden. Der KVJS kann erste positive Effekte nachweisen: Betreuungsvereine gewinnen verstärkt Ehrenamtliche für eine oder mehrere rechtliche Betreuungen.
ne Pauschalen, sondern auf eine pauschale Grund- und eine leistungsabhängige Zusatzförderung, zum Beispiel für akquirierte außerfamiliäre ehrenamtliche Betreuungen. Von den neuen Regeln profitieren viele. „86 Prozent der Vereine bekamen 2013 mehr Förderung vom Land als vor der Änderung der Förderrichtlinien“, errechnete Carola Dannecker. Der KVJS verteilt die Landesgelder an die 72 Betreuungsvereine in Baden-Württemberg. Im Schnitt erhielt jeder Verein rund 20.500 Euro pro Jahr. 28 Vereine bezogen die maximal mögliche Summe von 24.600 Euro. Insgesamt stellte das Land im Jahr 2013 knapp 1,6 Millionen Euro bereit. Auch die Stadtund Landkreise unterstützen die Betreuungsvereine. Die meisten haben ihre kommunale Förderung erhöht. Dennoch: Die Gesamtzahl der ehrenamtlichen rechtlichen Betreuungen sinkt. Von 110.000 Betreuungen im Land liegen nur noch etwa 65 Prozent in ehrenamtlichen Händen. Vor zehn Jahren stand die Quote noch bei etwa 70 Prozent. „ Die Bereitschaft Ehrenamtlicher, Betreuungen zu übernehmen, ist gleich. Zugenommen hat aber die Zahl betreuungsbedürftiger Personen“, sagt Dannecker. „Grund sind die Zunahme schwieriger Betreuungen, der soziale und demografische Wandel und der Abbau sozialer Dienste.“ Gleichzeitig steige die Verrechtlichung des Alltags. syr

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Ehrenamtliche werden gebraucht. Foto: fotolia

Vor drei Jahren führten die Vereine noch 5.171 Ehrenamtliche mit 6.964 rechtlichen Betreuungen in ihren Karteien. Ende 2012 kümmerten sich bereits 5.732 Ehrenamtliche um 7.825 Menschen, die ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Für Carola Dannecker steht fest: Die 2011 in Kraft getretenen Richtlinien zur Förderung von Betreuungsvereinen bewähren sich. „Das Ziel, kontinuierlich mehr Ehrenamtliche zu gewinnen, wird erreicht“, erklärt die stellvertretende Leiterin der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS. Die geänderten Verwaltungsvorschriften setzen nicht mehr auf allgemeiEs gibt haupt- und ehrenamtliche Betreuer. Sie werden vom Gericht bestellt, wenn Personen wegen einer psychischen Krankheit oder einer Behinderung ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können.

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„Das ist gut angelegtes Geld“
Drei Fragen an Klaus-Peter Danner vom Landessozialministerium
Die Arbeit der Betreuungsvereine kann sich sehen lassen. Das zeigt die an sie ausgeschüttete Landesförderung im Jahr 2013. Sie ist zum Teil erfolgsabhängig und war um 330.000 Euro höher als im Jahr 2010. Klaus-Peter Danner, Chef des Referats „Sozialer Arbeitsmarkt, Grundsicherung“ beim Landessozialministerium, machte es möglich. Unter seiner Federführung entstand die reformierte Landesförderung.
Herr Danner, war der Finanzminister über die Erfolge ebenso erfreut wie sie, oder bereitet ihm die steigende Fördersumme Sorgen? Die ehrenamtliche Betreuung hat mehrere Vorzüge. Wegen dieser Vorzüge hat ihr der Gesetzgeber auch einen Vorrang eingeräumt: Eine Berufsbetreuung soll nur eingerichtet werden, wenn sich keine ehrenamtliche Betreuung machen lässt. Wer ehrenamtlich betreut, kann sich viel Zeit nehmen, mehr Zeit als ein Hauptamtlicher, der eine Vielzahl an Betreuungen führt. Daneben, und wirklich nur daneben, spart ehrenamtliche Betreuung dem Steuerzahler Geld – und deswegen freut sich der Finanzminister in der Tat über jede ehrenamtliche Betreuung. Übrigens war es gerade die steigende Ausgabenlast für die berufliche Betreuung, die uns nach einer beratenden Äußerung des Landesrechnungshofes veranlasst hat, die ehrenamtliche Betreuung mit Rückenwind zu versehen und verstärkt zu fördern – das ist gut angelegtes Geld. Die Richtlinien helfen, die Zahl der ehrenamtlichen Betreuungen zu erhöhen. Gibt es dennoch Nachbesserungsbedarf? Die Förderrichtlinien haben sich zwar grundsätzlich bewährt. Wie vereinbart werden wir aber im Jahr 2014 die Erfahrungen mit den neuen Richtlinien unter den Beteiligten austauschen. Zum Beispiel beobachten wir, dass sich einige Vereine im ländlichen Raum sehr leicht tun, Ehrenamtliche zu gewinnen und so mehr Ehrenamtliche begleiten, als nach den Richtlinien gefördert werden können. Andere wiederum tun sich schwer, überhaupt die Mindestzahlen zu erreichen. Dies wird einer der Punkte sein, über die wir reden sollten. Was müsste aus Ihrer Sicht darüber hinaus getan werden, um den Anteil ehrenamtlicher Betreuungen zu erhöhen? Wir sollten in der Gesellschaft und vor allem bei den beteiligten Akteuren nochmals die Vorzüge der ehrenamtlichen Betreuung hervorheben. Und alle Akteure, die Betreuungsgerichte, die Betreuungsbehörden und die Betreuungsvereine sollten sich noch viel mehr austauschen und zusammenarbeiten, und zwar fachübergreifend und einzelfallbezogen. Es liegt nicht allein in der Hand der Vereine, wie viel ehrenamtliche Betreuung stattfindet. Das Interview führte Sylvia Rizvi 9

Klaus-Peter Danner behält weitere Verbesserungsmöglichkeiten im Blick. Foto: privat

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Die Teilnehmenden der ersten Arbeitstagung zum „Managementverfahren familienfreundliche, bürgeraktive & demografiesensible Kommune“. 														Foto: Reisinger

Alt werden in der Gemeinde

Kommunen erarbeiten Konzepte zum Leben im Alter
Daheim alt werden: Das wollen viele Menschen. Im Rahmen des kommunalen Managementverfahrens haben mehr als 100 Fachleute und Interessierte Ansätze erarbeitet, wie sie Kommune familienfreundlich, altersgerecht und gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestalten können.
Mit Unterstützung des Sozialministeriums, des Ministeriums Ländlicher Raum, des Kultusministeriums, der kommunalen Landesverbände, der Akademie Ländlicher Raum, der FamilienForschung des Statistischen Landesamtes und des KVJS führen 22 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg das „Managementverfahren familienfreundliche, bürgeraktive & demografiesensible Kommune“ durch. Im November haben sich Vertreter der Ministerien, der Kreise und Gemeinden, Bürgermeister, Fachleute und Ehrenamtliche mit dem Thema „Alter(n) als kommunale Gesamtaufgabe“ beschäftigt. So stellte Sabine Wenng von der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung in München das „Betreute Wohnen zuhause“ vor: Es vereint Trägerübergreifende Beratung und Koordination der Pflege mit Hausbesuchen von Ehrenamtlichen. Weitere Themen waren „Daheim alt werden“, „Pflegeversorgung in kleinen Gemeinden“, „Zusammenleben der Familien und Generationen“, „Netzwerke für das Leben im Alter“, „Leben mit Demenz“ sowie „barrierefreie und inklusive Kommunen“. Bis 2015 sind weitere Arbeitstagungen zu „Infrastruktur und Daseinsvorsorge im demografischen Wandel“ (5. April 2014) und „Familie, Betreuung, Bildung“ (September/Oktober 2014) geplant. Außerdem finden drei Exkursionen zu Projekten vor Ort statt. Für Anfang 2015 sind erste Ergebnisse sowie eine Zwischenbilanz geplant. Beteiligte Städte und Gemeinden: Albstadt, Allmersbach im Tal, Bad Saulgau, Bad Wildbad, Buchen, Burgstetten, Emmingen-Liptingen, Forbach, Friedenweiler, Güglingen, Ingersheim, Külsheim, Künzelsau, Lahr, Müllheim, Salach, Spraitbach, Steinmauern, Sulz am Neckar, Unlingen, Unterensingen, Winden im Elztal. rei

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Sieben auf einen Streich
Neue Projekte zur Eingliederungs- und Wohnungslosenhilfe
Sieben neue Baustein-Projekte zur Eingliederungs- und Wohnungslosenhilfe haben im November 2013 ihre Arbeit aufgenommen. Sie werden von sechs Stadt- und Landkreisen geleitet. Der KVJS stellt 550.000 Euro zur Verfügung. Die Meinung der Betroffenen ist ausdrücklich gefragt.
Die Baustein-Projekte sollen wissenschaftlich fundierte Aussagen liefern, wie Stadtund Landkreise die Sozialhilfe an neue Anforderungen anpassen können. Das Programm „Bausteine zur Weiterentwicklung der Wohnungslosen- und Eingliederungshilfe“ bringt in Baden-Württemberg Betroffene mit Fachleuten aus Sozialhilfe und Wissenschaft zusammen. Es möchte Ergebnisse erzielen, die auch andere Kommunen nutzen können. Den wissenschaftlichen Part übernehmen die Hochschule Ravensburg-Weingarten und das Institut für angewandte Sozialwissenschaften der Dualen Hochschule BadenWürttemberg in Stuttgart. Die nunmehr dritte Projektphase läuft bis Ende 2015. In den ersten beiden Förderabschnitten von 2008 bis 2012 unterstützte der KVJS bereits 20 Projekte mit einer Million Euro. Die neuen Bausteinprojekte Aufbau einer Assistenz- und Ehrenamtsbörse Stadt Stuttgart Die Landeshauptstadt möchte eine barrierefreie Online-Plattform aufbauen. Sie soll Menschen mit Behinderung und Ehrenamtliche, die Leute mit Handicap begleiten möchten, zusammenbringen. Möglichst vielfältige Interessen und Lebensumstände sollen in dieser Plattform abgebildet werden. Inklusionsatlas. Erschließung von Kultur-, Freizeit- Sport- und Tourismusangeboten Stadt Heidelberg Was können Menschen mit Sehbehinderung, mit Hörschädigung oder Rolli-Fahrende in Heidelberg unternehmen? Fachleute mit und ohne Handicap wollen in einem so genannten Inklusionsatlas Auskunft geben. Ihr Atlas macht inklusive Angebote bekannt und zeigt, woran es noch fehlt und wo nachgebessert werden kann. 11 Präventives Fallmanagement. Empowerment für Menschen mit geistiger Behinderung Landkreis Ravensburg Der Landkreis Ravensburg will Menschen mit geistigen Behinderungen stärken, ihre eigenen Fähigkeiten zu nutzen. Insbesondere Mädchen und Jungen, welche die Schule bald abschließen und eine Ausbildung suchen, sollen für eine selbstständige Lebensführung stark gemacht werden und ihre Ideen einbringen. Modellprojekt „Inklusionskonferenz“ Landkreis Reutlingen Zur Inklusionskonferenz treffen sich rund 30 Menschen aus dem Landratsamt, der Stadt sowie Betroffene. Sie möchten Lösungen finden, wie alle Frauen und Männer aus dem Landkreis am kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben teilnehmen können. Bis Ende 2014 soll ein Fahrplan für die dringendsten Schritte

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Aufbau einer Clearingstelle Landkreis Biberach Wie können Obdachlose in der Gemeinde Fuß fassen? Oft versorgt sie das Amt mit einem Dach über dem Kopf, Beratung und Geld. Doch was geschieht, wenn die befristeten Hilfen auslaufen? Das Projekt möchte in Biberach auf reguläre Angebote wie etwa die des Seniorenbeauftragten zugehen, um Barrieren für ehemals entwurzelte Menschen abzubauen. Für psychisch Kranke soll ein Team aus Eingliederungshilfe, Wohnungslosenhilfe und dem Jobcenter weitere Hilfen anbieten. Aufbau eines Beratungs- und Versorgungszentrums für wohnungslose Frauen Landkreis Tübingen In Tübingen ist ein Unterstützungszentrum für obdachlose Frauen geplant. Kreis, Stadt und ein Träger wollen den Frauen die übliche Ämtertour ersparen, wozu viele nicht in der Lage wären. In Not Geratene sollen im Zentrum bis zu acht betreute Wohnplätze, eine Tagesstätte und eine Beratungsstelle finden. Sie erhalten dort einen auf sie zugeschnittenen Hilfeplan. Sozialpsychiatrische Beratung und Begleitung von jungen Wohnungslosen Stadt Stuttgart Was kann getan werden, damit es jungen, obdachlosen Erwachsenen mit seelischen Leiden leichter fällt, psychiatrische Hilfe anzunehmen? Wie kann professionelles psychiatrisches Knowhow in der Fachberatung und in Obdachlosen-Wohnheimen verankert werden? Die Stadt Stuttgart und ein Leistungsträger wollen vorhandene Angebote von Sozialpsychiatrie, Gesundheitswesen und Wohnungslosenhilfe für psychisch kranke, wohnungslose junge Erwachsene breiter aufstellen, um diesem Personenkreis gerecht werden zu können. syr

Der KVJS fördert im Programm „Bausteine“ erstmals Projekte zur Wohnungslosenhilfe. Foto: fotolia, Hayward

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stehen. Alle Dezernate des Landratsamts, etwa Verkehrswesen, Eingliederungshilfe oder das Bauamt, sollen beteiligt werden. Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe Der KVJS fördert erstmals die Entwicklung innovativer Konzepte in der Wohnungslosenhilfe. Sie sollen Lücken im Hilfesystem schließen. Entwickelt und erprobt werden sie von Sozialhilfeträgern (Sozialämter), Obdachlosen und Angebotserbringern wie Einrichtungen.

Ihre Ansprechpartnerinnen:

Bausteine Eingliederungshilfe Bettina Süßmilch Telefon 0711 6375-397 Bettina.Suessmilch@kvjs.de Bausteine Wohnungslosenhilfe Barbara Milsch Telefon 0711 6375-217 Barbara.Milsch@kvjs.de Weitere Informationen im Internet unter www.kvjs.de/?id=58

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(K)ein Platz im Warmen
Die Notrufnummer 112 kann Wohnungslosen das Leben retten
Sie nächtigen auf Abluftschächten, Parkbänken oder im eigenen Biwak. Obdachlose, die im Winter draußen schlafen, drohen zu erfrieren. Es gilt mitzuhelfen, den Kältetod zu verhindern.
„In Stuttgart lebt ein Drittel aller Wohnungslosen Baden-Württembergs“, sagt Isolde Faller vom Sozialamt Stuttgart. 2012 waren rund 3.500 Menschen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe untergebracht, 22,5 Prozent davon waren weiblich. „In den letzten beiden Jahren ist es durchaus zu Engpässen gekommen“, berichtet Faller. „Abgewiesen werden musste bislang niemand, weil kein Platz zur Verfügung stand. Allerdings gab und gibt es Wartezeiten, die in einer Notübernachtung oder Ähnlichem überbrückt werden mussten.“ In diesem Winter bietet die Stadt neben den üblichen Unterkünften 75 Winternotquartiere sowie Tagesstätten zum Aufwärmen, Beratungsstellen und ein Medmobil für Kranke. Auch andere Gemeinden halten Notquartiere, Wärmestuben und mobile Hilfen per Kältebus bereit, wie ein Online-Ratgeber beschreibt. Der KVJS und Sozialorganisationen empfehlen, Notrufnummern und Hilfen per Infokarten, Plakate und Anzeigen bekannt zu machen und bieten Vorlagen zum Ausdrucken. Nach dem Grundgesetz muss der Staat jeden Menschen vor dem Erfrieren bewahren. Doch nicht alle Gefährdeten suchen, finden oder schätzen die städtischen Unterkünfte. Keiner kennt die Zahl der Gestrandeten, die in Gartenhäuschen oder Garagen von Bekannten schlafen; unbekannt die Zahl der wohnungslosen Frauen, die versuchen, bei Bekannten unterzuschlüpfen und für Übernachten, Duschen und Essen oft Sex bieten müssen. Auf etwa 50 bis 80 Personen schätzt Faller die

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Verkäufer und alternativer Stadtführer Thomas Schuler und Sozialarbeiterin Martina Wiede von Trott-war wissen Rat. Foto: Thiessen

Zahl jener, die nirgends unterkommen und auf der Straße leben. Da gibt es etwa jene Berber, die seit Jahren im versteckten, eigenen Biwak-Lager nächtigen. „Die wollen nicht mehr in ein Wohnheim“, berichtet Thomas Schuler von der Stuttgarter Straßenzeitung Trottwar. Früher lebte der angestellte Verkäufer selbst fünf Jahre auf der Straße und hat seinen Schlafsack in windgeschützten Kaufhaus-Buchten oder auf Abluftschächten ausgebreitet. „Von unten ist es warm, von oben kalt. Man kann eine Lungenentzündung bekommen und erfrieren.“ Inzwischen hat der gelernte Koch aus Freiburg sein Alkoholproblem in den Griff bekommen und ist seit elf Jahren trocken. Seit Sommer 2008 lotst er Interessierte

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mit der alternativen Trott-war-Stadtführung zu Plätzen, wo sich Obdachlose aufhalten und zu Hilfe-Einrichtungen. „Viele auf der Straße sind Alkoholiker“, weiß Schuler. Sie laufen Gefahr, im Rausch einzuschlafen und zu erfrieren. Trott-war beobachtet auch immer mehr Jüngere ohne Obdach. Gefährdet seien zudem Ortsfremde, die kein Deutsch sprechen oder die nicht wüssten, an wen sie sich wenden sollen. EU-Ausländer haben oft keinen Anspruch auf einen Wohnheimplatz, sondern allenfalls auf ein zeitlich befristetes Notbett. An die Tür der Straßenzeitung klopfte etwa ein arbeitsloser Ungar, weil er seine private Unterkunft nicht mehr bezahlen konnte, berichtet Trott-war-Sozialarbeiterin Martina Wiede. Menschen wie ihn fängt das deutsche soziale Netz nur in Ausnahmefällen auf, etwa, wenn sie schon sehr lange hier leben oder Kinder haben. Alle anderen bekommen eine Fahrkarte ins Herkunftsland und ein Bett bis zur Abreise. Nicht schütteln Bürger können helfen, dass Menschen nicht erfrieren. „Wenn einer längere Zeit auf einer Bank liegt und sich nicht bewegt, sollten Sie den Notruf rufen“, rät der Trott-war-Verkäufer. Unter keinen Umständen sollten Helfende versuchen, einen Schlafenden wachzurütteln. „Der Wohnungslose könnte um sich schlagen.“

Sozialarbeiterin Wiede erklärt: „Menschen, die draußen wohnen, werden oft bestohlen und niedergeschlagen. Wenn einer erwacht, weiß er nicht gleich, ob er es mit einem Dieb zu tun hat oder einem Helfenden. Da reagiert er erst Mal mit Schutzreflexen.“ Schuler schlief auf der Straße mit dem Messer in der Hand und hatte einen scharfen Hund. Helfende könnten aber versuchen, auf andere Weise Kontakt aufzunehmen, empfehlen die Trott-war-Leute: „Sprechen Sie den Schlafenden an oder rufen Sie: ‚Hallo! Geht es Ihnen gut?‘“ Wer öfters einem Verkäufer oder Obdachlosen an seinem Stammplatz begegne, könne direkt Hilfe anbieten und fragen, ob er zum Beispiel einen Schlafsack oder eine Decke brauche. Wer Hilfeeinrichtungen oder Wohnprojekte kennt, kann die Adressen nennen. „Aber bitte duzen sie niemanden“, rät Schuler. 20 Jahre Trott-war Hilfewillige können auch selbst bei Obdachlosen-Anlaufstellen anrufen. Die Straßenzeitung Trott-war zum Beispiel gibt es seit 20 Jahren. Sie verhilft ihren 100 freien und 25 angestellten Zeitungsverkaufenden zu Einkommen, sozialem Rat und zu Wohnungen, etwa beim Trott-war-Wohnprojekt. Ein knappes Viertel sind Frauen. Die meisten haben ein Dach über dem Kopf. Nur ein Mann und eine Frau machten im November Platte. syr

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Der KVJS fördert Projekte zur Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe, unterstützt Einrichtungen mit Geld und organisiert Tagungen.

Info

Online-Ratgeber: Obdachlos? Erfrierungsgefahr? Handreichung zum Erfrierungsschutz von Wohnungslosen, Hrsg.: KVJS, kommunale Landesverbände, Liga der freien Wohlfahrtspflege, 2011; NUR im Internet unter: www.kvjs.de/soziales/wohnungslose.html

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Hören ist nicht gleich verstehen
KVJS-Fachtage zum Leben und Lernen mit Hörschädigung
Das Leben eines Menschen, der schlecht hört, ist anstrengend. Es kostet Kraft, den Alltag zu bewältigen, Mitmenschen zu verstehen und von ihnen verstanden zu werden: An zwei Fachtagen widmete sich der KVJS gemeinsam mit dem Kultusministerium und Einrichtungen für Hörgeschädigte in Baden-Württemberg dem Leben und Lernen mit Hörschädigung.
„Es ist es wichtig, die Hörfähigkeit mit technischen Hilfen zu verbessern“, sagt Christine Blankenfeld, Projektleiterin beim KVJS. „Ein Hörgeät hilft, besser zu hören. Es kann aber die Hörschädigung nicht so ausgleichen wie die Brille einen Sehfehler.“ In Baden-Württemberg werden 45 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Hörschädigung in Regelschulen unterrichtet, wenn man die Außenklassen der Schulen für Hörgeschädigte einbezieht. Nur ein Bruchteil der Erwachsenen mit Hörschädigung lebt in einer der vier Spezialeinrichtungen für Menschen mit Hörschädigung. Sie sind in der Regel zusätzlich geistig behindert oder psychisch erkrankt. Zu den Spezialeinrichtungen zählen st. franzikus heiligenbronn, die Paulinenpflege in Winnenden, St. Vinzenz in Schwäbisch Gmünd und die Zieglerschen in Horgenzell. Spezielle Angebote sind selten wohnortnah. Wie kann Inklusion dennoch gelingen? Auf den Fachtagen beleuchtete der KVJS mit seinen Kooperationspartnern, was Kinder und Erwachsene brauchen, um möglichst eigenständig lernen und leben zu können. nen. Technische Hilfen seien ein Hilfsmittel, aber nicht die Lösung. Denn: „Es geht nicht nur ums Hören, es geht ums Verstehen“, sagte Rien. „Der Hörreiz muss im Gehirn verarbeitet werden.“ Dr. med. Andreas Seimer, Facharzt am Marienhospital in Stuttgart, sprach in Schwäbisch Gmünd über die Diagnose von Hörschäden im Säuglingsalter. Je früher die Hörschädigung behandelt werde, desto höher seien die Chancen, das Hör- und Sprachverstehen für das gesamte spätere Leben zu verbessern und damit eine deutlich höhere Lebensqualität zu schaffen. Im Mittelpunkt der zwei Fachtage standen Menschen, die von Kindheit an mit einer Hörschädigung leben. Auch sie sprachen vor jeweils rund 60 Teilnehmern als Experten in eigener Sache. rei

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Der Diplom-Psychologe Dr. Oliver Rien, Leiter des Cochlear-Implantat-Centrums Würzburg und selbst hörgeschädigt, sprach in Heiligenbronn über die Probleme, die mangelnde Hörfähigkeit im Alltag bereitet. Hörschädigung sei immer noch stigmatisiert, und der Umgang mit Hören- Zu Besuch in der Schule für Hörgeschädigte in Heiligenbronn. den bedeute oft Stress für die BetroffeFoto: Stiftung St. Franziskus

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Soziales

Das Land kann Grauzonen beseitigen
Keine rechtlichen Hindernisse bei Klärung der Schulbegleitung
Wer bezahlt die Schulbegleitung von Kindern mit Behinderung? Das Land? Die Kommunen? Je nach Couleur werden Paragrafen anders ausgelegt. Prof. Thorsten Kingreen von der Universität Regensburg sieht keine verfassungsrechtlichen Hindernisse, das Gesetz zu verdeutlichen und das Land in die Pflicht zu nehmen. Der KVJS hatte im Herbst 2013 ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben.
So viel steht fest: Jungen und Mädchen mit Handicap haben einen gesetzlichen Anspruch auf Schulbegleitung. Fachleute helfen ihnen beim Schreiben, Lesen, Malen und Essen. Sie unterstützen das Kind beim Toilettengang und begleiten es durch den Schulalltag. Unklar ist die Kostenübernahme. Es herrscht Handlungsbedarf. Das Gutachten des Rechtswissenschaftlers Thorsten Kingreen zeigt: Die Verfassungen im Bund und in Baden-Württemberg erlauben ein modernisiertes Landesschulgesetz, das die Schulbegleitung mit Landesgeldern ermöglicht. Es könne so gestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen eine Schulbegleitung in Anspruch nehmen könnten, ohne Leistungen der Sozial- oder Jugendhilfe beantragen zu müssen. Kingreen erörtert im Gutachten ausführlich
Wer zahlt Inklusion an der Schule? Foto: fotolia, Seybert

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•	 die schul- und sozialrechtlichen Rechtsgrundlagen, •	 die Aufgaben- und Finanzverantwortung für Schulbegleiter, zum Beispiel der Zuständigkeiten von Schul- und Sozialverwaltung sowie •	 die verfassungsrechtliche Zulässigkeit einer Verankerung der Aufgaben- und Finanzverantwortung für die Schulbegleitung beim Land, etwa aus dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag und der Gesetzgebungskompetenz der Länder für die Schulbegleitung. Das Gutachten listet zudem Entscheidungen der Sozial- und Verwaltungsgerichte auf. Vorschläge für Schulgesetz Kingreen arbeitet nun im Auftrag des KVJS an konkreten Vorschlägen zu einem neuen Schulrecht. Sie sollen bis Ende März 2014 vorliegen. „Diese Ergebnisse können für alle Beteiligten Grundlage für den weiteren Dialog mit dem Kultusministerium sein, um bei der absehbaren Novellierung des neuen Schulgesetzes entsprechende Impulse zu setzen“, sagt KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. syr

Info

Thorsten Kingreen, „Schulbegleitung behinderter Kinder in allgemeinen Schulen: Bestand und Reformperspektiven“, Rechtsgutachten, Teil I, Januar 2014. Im Internet unter www.kvjs.de/soziales/aktuellesservice/rundschreiben.html

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KVJS

Elektronische Aktenarchivierung beim MPD
Der Medizinisch-Pädagogische Dienst (MPD) des KVJS wird künftig seine personenbezogenen Unterlagen digitalisieren lassen und elektronisch archivieren. Damit unterstützt der Verband die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Laichingen bei der Etablierung eines neuen Arbeitsfeldes. Für die digitale Archivierung, dem Einscannen von Papierdokumenten und anschließenden Speichern auf Datenträgern stehen in der Ende 2012 eröffneten Werkstatt der LWV.Eingliederungshilfe GmbH (LEH) hochmoderne Maschinen zur Verfügung. Dank dieser Scandienstleistungen kann effektiver und schneller auf die im Papierarchiv gelagerten Informationen zugegriffen werden. So minimiert sich das aufwendige Suchen in Akten zu einer kurzen Abfrage des digitalen Archivs am Computer. Die Computerarbeiten beinhalten unterschiedlich anspruchsvolle Tätigkeiten und stellen damit eine Bereicherung für die Laichinger Werkstatt dar. Denn: „Inklusion bedeutet auch, Menschen dort zu fördern, wo ihre Fähigkeiten liegen“, so Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. Dafür seien Werkstätten für behinderte Menschen auch in Zukunft unverzichtbar. add

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Integration

Gut arbeiten mit drei Sternen Superior
Neues Hotel in Freiburg
Der Handkantenschlag sitzt. Das blütenweiße Kopfkissen zeigt exakt in der Mitte eine steile Falte. Jessica Hauger betrachtet zufrieden ihr Werk. Als Servicekraft im Freiburger Green City Hotel Vauban betreibt sie mehr als nur Kissen-Spaltung. Sie ist Teil eines Integrationsunternehmens, das Drei Sterne Superior Standard bietet.
der Innenausstattung nieder. Senkrechte Holzlamellen bilden die Fassade. Zwischen Dach und Boden spannen Stahlseile, umrankt von Kletterpflanzen. Es ist viel los. Das neue Hotel ist häufig ausgebucht. „Langfristig streben wir eine Auslastung von 70 Prozent übers Jahr an“, erklärt Hotelmanager Johannes Staub. „Die Firmen in der Umgebung buchen häufig bei uns. Diese Firmenkunden wollen uns zum Teil gezielt unterstützen.“ An den Wochenenden kommen Touristen und Hochzeitsgesellschaften, die im nahen Jesuitenschloss von Merzhausen feiern.
Fotos: Kleusch

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Jessica Hauger arbeitet im Freiburger Hotel.

„Ökologie denken – Inklusion leben“ unter diesem Motto eröffnete das Hotel 2013 im Freiburger Stadtteil Vauban. Der gilt als Öko-Vorzeigeviertel der Öko-Vorzeigestadt. Das neue Hotel mit seinen 49 Zimmern und einer Suite trägt der Inklusion schwerbehinderter Menschen nicht nur mit seinem Motto Rechnung: Sie stellen die Hälfte des knapp 20-köpfigen Teams. Auch auf Gäste mit Behinderung ist man eingerichtet. Der Empfangsbereich und der Tagungsraum verfügen über Induktionsschleifen, die drahtlos Audiosignale an Hörgeräte senden. Drei Zimmer sind rollstuhlgerecht. Der ökologische Teil des Anspruchs schlägt sich in der Architektur und in

Der gebürtige Freiburger kehrte für die Leitung des neuen Hotels in seine Heimatstadt zurück. Sozialpädagogische Erfahrung hat er keine. Dafür eine Hotelfachausbildung, Praxiserfahrung und einen gesunden Pragmatismus. Die Freiburger Presse hatte schon während der Planungsphase über das geplante integrative Hotel berichtet. Entsprechend bewarben sich nicht nur Klienten des Integrationsfachdienstes, sondern auch andere Interessenten mit und ohne Behinderung. Straub führte Vorstellungsgespräche, wie er sie so noch nicht kannte: „Manche sind mit ihrer Mutter oder ihrem Betreuer gekommen.“ Schon bei den ersten Gesprächen versuchte Staub die Stärken und Schwächen seiner künftigen Mitarbeiter so einzuschätzen, dass er Arbeitsplätze nach Maß

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Integration

anbieten konnte. Die meisten Mitarbeiter mit Behinderung arbeiten Teilzeit. „Es war ein Kaltstart. Aber alle wurden unbefristet eingestellt.“ Man merkt Heike Döpp vom Freiburger Integrationsfachdienst eine gewisse Verwunderung – vielleicht auch Bewunderung an. Denn bei der Beschäftigung schwerbehinderter Mitarbeiter sind längere Praktika üblich, gefolgt von befristeten Verträgen. Aber in einem Hotel, das noch nicht eröffnet ist, kann man schlecht ein Praktikum machen. Anleiten ist das Geschäft von Hausdame Ulrike Zöllin, Hotelfachfrau seit 25 Jahren. Sie liebäugelte schon seit längerem mit einer Umschulung im sozialen Bereich: „Ich wollte etwas verändern. Und zwar deutlich.“ Nun hat sie den Service-Bereich unter sich. Sechs Mitarbeiter mit Handicap, ein Bufdi, eine Dame im freiwilligen sozialen Jahr, meist auch ein oder zwei Praktikanten. Eines erkannte Zöllin bald: „Schnell geht mal nix.“ Kann sein, eine geistig behinderte Mitarbeiterin schafft nur vier Zimmer am Tag. Zöllin schafft 14. „Manchmal verliert sich jemand und bleibt dann eine Stunde beim Badputzen.“ Zöllin sieht nach dem rechten und sorgt dafür, dass es weiter geht. Sie schätzt den anderen Blick auf die Dinge, den Menschen mit Behinderung manchmal haben: „Sie lehren
Das Hotel Green City in Freiburg.

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mich, auf Details zu gucken. Das merkt man auch der Atmosphäre an.“ Jessica Hauger stellt eine frische Flasche Mineralwasser ins Zimmer und wirft einen letzten Blick in die Runde: perfekt. Der nächste Gast kann kommen. mok

Das Hotel hat 102 Betten. Als Hotel garni bietet es Frühstück sowie kleine Speisen. Der Konferenzraum verfügt über moderne Tagungstechnik. Die Verpflegung für den Tagungsbereich liefert das Hofgut Himmelreich, das erste Hotel, das in Baden-Württemberg als Integrationsunternehmen eingerichtet wurde. Das KVJS-Integrationsamt fördert die Arbeitsplätze mit Lohnkostenzuschüssen und die Investitionskosten mit bisher insgesamt 210.000 Euro. www.hotel-vauban.de

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Integration

Eine Küche für Genießer
Insiva schafft neue Chancen für Menschen mit Behinderung
Eine neue hochmoderne Küche ist in Reutlingen-Rappertshofen entstanden. Die Integrationsfirma Insiva GmbH, eine Tochter der LWV.Eingliederungshilfe GmbH, baut mit dem Neubau ihr Arbeitsplatzangebot für Menschen mit Behinderung weiter aus.
Von Stephan Gokeler 880 Quadratmeter groß ist der eingeschossige Küchenneubau. Hier Das Insiva-Küchenteam. Foto: Gokeler können bis zu 4.000 Essen täglich produziert werden. Moderne Küchentechnik verhindert, dass unnötige einer Werkstatt für behinderte Menschen Warmhaltezeiten die Frische der Lebenshin zu einer Integrationsfirma mit inzwimittel beeinträchtigen. Auch die Vielfalt schen 75 Mitarbeitern ein zukunftsträchtider Menüs wächst. Beliefert werden Kinger Schritt. dertagesstätten, Schülermensen, Firmenrestaurants, Verwaltungskantinen oder Anders als in einer Werkstatt für behinderPflegeheime. te Menschen erhalten alle Beschäftigten branchenüblichen Lohn. Bauherr ist der Für ihre Produktionsverfahren erhielt die Landeswohlfahrtsverband WürttembergInsiva EU-Zertifikate. Dies gilt auch für die Hohenzollern i.A., der als Eigentümer den Zubereitung von Bio-Lebensmitteln. Dank Neubau an die Insiva vermietet. Senator einer Weiterentwicklung des Cook-ande.h. Prof. Roland Klinger als beauftragter chill-Verfahrens kann die Insiva ihren LieDirektor wies auf die Schwierigkeiten von ferradius ausweiten – und neue Kunden Menschen mit Behinderung auf dem Argewinnen. Die Speisen werden gekühlt beitsmarkt hin. Trotz annähernd erreichter transportiert und bleiben frisch – alterna- Vollbeschäftigung im Land seien 17.000 tiv können Kunden in der unmittelbaren Menschen mit Behinderung arbeitslos. Umgebung warm geliefert werden. Auch wegen der geringen Übergangsquote auf den allgemeinen Arbeitsmarkt Zur Eröffnungsfeier sprach Reutlingens komme Integrationsfirmen besondere BeOberbürgermeisterin Barbara Bosch von deutung zu. der „laufend gestärkten Geschäftspartnerschaft“ zwischen der Insiva und der Stadt. Die Kosten des Gebäudes belaufen sich Dass auch städtische Kindertagesstätauf 2,2 Millionen Euro plus 900.000 Euro ten von Rappertshofen aus versorgt werfür die Ausstattung. Möglich wurde der den, sei ein Beweis für das Vertrauen in Bau auch durch das KVJS-Integrationsamt, die „hochwertige und gesunde Ernährung das einen Zuschuss von 270.000 Euro sounserer Kinder“. Vor dem Hintergrund der wie ein zinsloses Darlehen von 150.000 Inklusionsdebatte sei die Transformation Euro gewährte. 1/2014

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Eine Region übernimmt Verantwortung
Zweite Inklusionsmesse in Crailsheim
Unter dem Titel „Chancen – Teilhabe am Arbeitsleben“ hat im Oktober 2013 die zweite Crailsheimer Inklusionsmesse stattgefunden. Flankiert wurde von Vorträgen und Workshops. Ein Gespräch mit zwei der Initiatoren: Gerhard Bauer, Landrat des Landkreises Schwäbisch Hall und Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.
Herr Bauer, Herr Bopp, was war die Idee hinter der Inklusionsmesse? Bauer: Trotz boomendem Arbeitsmarkt und guten Fördermöglichkeiten für schwerbehinderte Menschen ist es zum Teil sehr schwierig, sie auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Vorurteile, fehlende Kenntnisse und Unsicherheiten im Umgang mit Menschen mit Behinderungen erschweren die Integration. Deshalb auch die Idee, dass die Region gemeinsam Verantwortung übernimmt. Bopp: Initiator der ersten Inklusionsmesse 2010 war die Agentur für Arbeit. Mit der Vermittlung von behinderten Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist sie sehr nah an der Thematik „Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben“. Die Inklusionsmesse findet nun zum zweiten Mal statt. Bemerken Sie eine veränderte Haltung zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung? Bopp: Das wäre vielleicht zu viel erwartet. Dennoch ist die Messe und die mediale Begleitung der Messe einer der steten Tropfen, der die Barrieren in den Köpfen abbauen soll. Bauer: Die Inklusionsmesse hat dazu beigetragen, dass mehr Arbeitgeber der Region erkennen konnten, dass ein inklusiver Arbeitsmarkt sowohl Vorteile für betroffene Menschen als auch für das Unternehmen hat. Was war bei der zweiten Messe anders? Bopp: In der Akquise von Arbeitgebern taten wir uns leichter, da wir auf die bereits durchgeführte Messe 2010 verweisen konnten. Bauer: Wir haben den Messeablauf nach Auswertung des Ausstellerfeedbacks 2010 in der Form geändert, dass die Messe jetzt mit einer Auftaktveranstaltung am Vorabend beginnt und anschließend mit einem Messetag fortgesetzt wird. Welches ist Ihr wichtigstes Anliegen bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen? Bauer: Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderungen nicht auf ihre Einschränkungen reduziert werden, sondern als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft betrachtet werden. Dazu gehört für mich, dass ihnen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zugestanden wird. Die Wahl des eigenen Arbeitsplatzes ist für jeden Menschen elementar wichtig. Bopp: Nicht der Mensch mit Behinderung muss sich anpassen, um dabei sein zu können, sondern wir müssen alle gesell21

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Integration

schaftlichen Bereiche – auch die Arbeitswelt – seinen Bedürfnissen entsprechend anpassen und öffnen. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf? Bopp: Die Kammern wollen mit einer auf die Situation schwerbehinderter Menschen im Arbeitsleben zugeschnittener Beratung ermöglichen, dass die Mitgliedsunternehmen mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen bereitstellen oder verbessern.

Dabei soll nach Möglichkeit auch das Spektrum der Berufe erweitert werden, in denen schwerbehinderte Menschen ausgebildet werden können. Bauer: Mit Blick auf Kündigungsschutz oder Minderleistung reagieren noch immer viele Arbeitgeber mit Vorsicht. Den Austausch untereinander halte ich an dieser Stelle für besonders wichtig, um negative Befürchtungen abzubauen. Das Interview führte Monika Kleusch

Viele Partner
Die Inklusionsmesse in Crailsheim wurde von der Agentur für Arbeit, der Deutschen Rentenversicherung, dem Landkreis Schwäbisch Hall und dem Hohenlohekreis veranstaltet. Unter den Ausstellern waren das KVJS-Integrationsamt und der Integrationsfachdienst Heilbronn-Franken, die Handwerkskammer sowie Schulen, Bildungsträger, Werkstatträte RAG/WR Franken, Aussteller für technische Hilfsmittel, Verbände, Selbsthilfegruppen und der Verein Barrierefrei Schwäbisch Hall.

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Betriebliche Eingliederungsberater zertifiziert
17 Vertrauenspersonen schwerbehinderter Menschen wurden im November vom KVJS-Integrationsamt als Betriebliche Eingliederungsberater zertifiziert. Das Zertifikat steht am Ende eines Fortbildungsprogramms des KVJS-Integrationsamtes. Es bietet rund 100 Kurse jährlich zu allen Themen rund um das Schwerbehindertenrecht an. Wer bestimmte Module des Programms erfolgreich absolviert, kann sich als Betrieblichen Eingliederungsberater zertifizieren lassen. Dafür ist der Besuch des Grund- und des Aufbaukurses, eines Kurses zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement und eines PraxisWorkshops verpflichtend, in dem mindestens ein dokumentierter erfolgreich gelöster eigener Problemfall vorgestellt wird. Das aktuelle Fortbildungsprogramm steht im Internet unter: www.kvjs.de/fortbildung/behinderungund-beruf.html mok

Gesuchte Gastro-Mitarbeiter
Zwölf junge Menschen mit Behinderung haben im Herbst an der integrativen Akademie Himmelreich ihre berufliche Qualifizierung im Hotel- und Gaststättenbereich begonnen. Sie sind bereits der siebte Jahrgang, der sich in Kooperation mit dem seit 2004 integrativ geführten schwarzwälder Hofgut das nötige Fachwissen für den Gastro-Bereich aneignet. Von den bisher rund 60 Absolventen fanden bisher fast alle eine entsprechende Stelle, denn in der Gastronomie sind Arbeitskräfte gesucht. Neben der theoretischen Grundqualifizierung sammeln die Teilnehmer praktische Erfahrung im Hofgut Himmelreich oder einem anderen Partnerbetrieb des Hotel- und Gaststättengewerbes. Den Kursteilnehmern stehen Bildungsbegleiter zur Seite, die sie während der 18 Monate der Qualifizierung persönlich unterstützen. mok 23

Sozialunternehmen eröffnet Drogeriemärkte
Mit „iD – Ihr Drogeriemarkt“ eröffnete am 5. Dezember in Asperg ein neuer Drogeriemarkt. Am Standort des ehemaligen Schlecker-Marktes warten nun rund 4.000 Artikel auf Kundschaft. Das Besondere: Die iD-Märkte werden als Integrationsunternehmen geführt, in dem Mitarbeiter mit und ohne Behinderung Hand in Hand arbeiten. Am 3. Dezember öffnete bereits ein iD-Markt im Stadtteil Bissingen von Bietigheim-Bissingen seine Pforten. Träger ist das Sozialunternehmen Neue Arbeit. Das KVJS-Integrationsamt unterstützt die neuen Integrationsunternehmen durch Zuschüsse. mok

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Jugend

Schulsozialarbeit bietet ein breites Leistungsspektrum.

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Immer mehr wollen Schulsozialarbeit
Jahrestagung zu Chancen und Herausforderungen
Jugendhilfe an der Schule soll Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung vielfältiger Herausforderungen und Krisen unterstützen. Die meisten Schulsozialarbeiter sind an Grund- und Werkrealschulen. Aber auch andere Schulen nutzen zunehmend dieses Angebot. Mit dem Ausbau der Ganztagsschulen sehen sich die Fachkräfte vor neue Aufgaben gestellt.
Mitte Oktober befasste sich die Jahrestagung Schulsozialarbeit in Pforzheim unter dem Motto „Wir werden immer mehr …. Chancen und Herausforderungen“ mit aktuellen theoretischen und methodischen Ansätzen. An der Kooperationsveranstaltung des KVJS mit dem Verein Netzwerk Schulsozialarbeit Baden-Württemberg (Surftipp: www.netzwerk-schulsozialarbeit.de) nahmen rund 250 Schulsozialarbeiter aus dem ganzen Land teil. Derzeit gibt es rund 1.600 Ganztagsschulen in Baden-Württemberg. In vielen ist Schulsozialarbeit fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts. Doch wie entwickelt sich Schulsozialarbeit im Kontext von Ganztagsschulen, welche Aufgaben kommen ihr zu und wie verändert sich ihr Profil? „Schule, Jugendhilfe und Kommune entwickeln sich zwar gleichzeitig, aber meist nicht miteinander koordiniert“, stellte Prof. Dr. Angelika Iser von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München in ihrem Vortrag fest. Der zusätzliche Bedarf an sozialpädagogischem Personal im Ganztagsbereich führe oft zur Vermischung zwischen verschiedenen

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Professionen, Aufträgen und Institutionen. „Damit besteht die Gefahr, dass Qualitätstandards der Sozialen Arbeit unterlaufen werden“. Soziale Arbeit an der Ganztagsschule kann bei den oft ungünstigen Ausgangsbedingungen nur dann gelingen, „wenn die gesunde und glückliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit gestellt wird“, betonte die Referentin. Dazu sei es notwendig, in der täglichen Zusammenarbeit mit Schülern, Lehrern, Eltern und Kollegen aus der Jugendhilfe für sich und andere immer wieder die Position zu klären. „Denn Sozialpädagogen laufen leicht Gefahr, das eigene Profil aufzugeben, indem sie etwa zu preisgünstigen Gehilfen für die Hausaufgaben- und Pausenbetreuung werden“, so Angelika Iser. Aber auch das andere Extrem, auf hilfesuchende Anfragen der Schule mit massiver Gegenwehr zu reagieren, sei meist nicht hilfreich. „Die Verwirklichung einer guten Ganztagsschule und einer Bildungsregion ist ein Großprojekt, das Schulsozialarbeiter nicht alleine stemmen können“, gab Iser weiterhin zu bedenken. Diese bräuchten Unterstützung und klare Strukturen. Aufgabe des Trägers und des Jugendamtes sei es, die verschiedenen sozialpädagogischen Fachkräfte in einem Sozialraum

zusammenzuführen. Das ermögliche Sozialraum-Teams und erkennbare Ansprechpartner für Schulen und Kommunen. Wertvolle Impulse können darüber hinaus von Mitarbeitern der verschiedenen Professionen in der Schule und der Schulleitung, vom Anstellungsträger, den Jugendhilfekollegen sowie von Eltern und Familien kommen. Schließlich sei es unverzichtbar, Kooperation durch Rahmenverträge zu sichern, Planungsprozesse zu verzahnen sowie die Finanzierung zu optimieren. Und: „Schulsozialarbeiter müssen für ihre Aufgaben im Kontext der Ganztagesschule qualifiziert werden“, sagte Angelika Iser. Hier bietet der KVJS eine umfangreiche Palette an Fortbildungen an. Träger und Fachkräfte der Schulsozialarbeit sehen sich in ihrem Arbeitsalltag vor Ort mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert. Die weiteren Beiträge in den Workshops waren deshalb auf die Vermittlung von Methoden und Kenntnissen zu spezifischen Themen wie neue Medien, Soziale Netzwerke, Mobbing oder Kindeswohlgefährdung ausgerichtet. Die Dokumentation der Tagung steht unter www.kvjs.de/jugend/aktuellesformulareservice/tagungsunterlagen.html im Internet zum Herunterladen bereit. add

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Neuer Schub für die Schulsozialarbeit
15 Millionen Euro waren im Budget der grün-roten Landesregierung im vergangenen Jahr für zusätzliche Schulsozialarbeiter eingestellt. Doch bald schon musste aufgestockt werden. Bis Ende Juli 2013 erhielten in Baden-Württemberg mehr als 2.600 Schulen und Schulbereiche Gelder für rund 1.600 Voll- und Teilzeitstellen. Landesweit stieg die Zahl der Schulsozialarbeiter in einem Jahr um 24 Prozent. Im Haushalt 2014 sind nun 25 Millionen Euro eingeplant. Damit ist die Finanzierung für 2013/2014 gesichert. Über die weitere Landesförderung wird im 1. Halbjahr 2014 beraten.

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Jugend

Mit NESSIE aus dem Bildungsloch
Europäisches Innovations-Projekt verbessert Beschäftigung
Qualifizierte Fachkräfte mit persönlichen und sozialen Kompetenzen sind immer mehr gefragt. Europaweit. Wie Schlüsselqualifikationen verbessert werden können, zeigt NESSIE – ein innovatives Bildungsprojekt.
Im Rahmen von NESSIE entwickeln, überprüfen und vermitteln Projektpartner aus sieben europäischen Ländern Lernmaterialien. Sie sollen Beschäftigten und Auszubildenden bei der Entwicklung ihrer Schlüsselqualifikationen helfen und jungen arbeitssuchenden Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Wichtige persönliche und soziale Kompetenzen sind etwa die Kommunikation, das Verhalten am Arbeitsplatz oder das Zeitmanagement. An dem Bildungsprojekt, das von 2012 bis 2014 läuft, sind 16 Partner aus Großbritannien (Schottland), Schweden, den Niederlanden, Griechenland, Italien, Rumänien und Deutschland beteiligt. Zu den Partnern zählen Unternehmen, Unternehmensverbände, Einrichtungen der Berufsbildung, Verbände und Behörden.
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Die NESSIE-Idee und die Materialien werden in jedem Land über Netzwerke verbreitet. Der KVJS hilft den europäischen Partnern beim Aufbau der Netzwerke und evaluiert die Aktivitäten. Die Treffen von NESSIE finden abwechselnd in den jeweiProject number: UK/12/LLP-LdV/TOI-553 This Project has been funded with support from the European Commission. This Publication (communication) reflects the views only of the author, and the Commission cannot be held responsible for any use which may be made of the information contained therein.

Flyer zum NESSIE-Projekt.

Ihre Ansprechpartner beim KVJS
Irma Wijnvoord Telefon 0711 6375-429, Irma.Wijnvoord@kvjs.de Andreas Pchalek Telefon 0711 6375-441, Andreas.Pchalek@kvjs.de

ligen Partnerländern statt. Im Dezember 2013 war der KVJS Gastgeber. In Stuttgart standen die Übersetzung der Lernmaterialen, die Verbreitung der NESSIE-Idee, die Entwicklung von Netzwerkaktivitäten und die Evaluation der Lernmaterialien im Mittelpunkt. Die Übersetzung der ersten Lernmaterialien in sechs Sprachen konnte abgeschlossen werden. Diese Materialien werden sowohl in elektronischer Form als E-Learning und in gedruckter Fassung 2014 an den Start gehen. add

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Hochzeit ohne Liebe
Jugendämter helfen Zwangsehen zu verhindern
Nayla sträubte sich gegen eine Ehe mit dem Cousin. Aylin wurde im Türkei-Urlaub verlobt. Und Bekir sollte seinen Drogenkonsum in Griff bekommen und Verantwortung übernehmen lernen. Noch immer werden in Deutschland junge Menschen gegen ihren Willen verheiratet. Jugendämter haben eine Schlüsselrolle, wenn Minderjährige von einer Zwangsheirat bedroht sind.
Meist trifft es Jugendliche mit Migrationshintergrund. Falls sie aus bildungsfernen, streng religiösen Familien kommen, gibt es leicht Konflikte über den Lebenswandel. Die Jugendlichen möchten mit Gleichaltrigen Spaß haben. Die Familie sorgt sich um den Ruf. Es kann zu erbittertem Streit über Tradition, Religion oder das richtige Verhalten kommen. Aktuelle Zahlen über drohende oder erfolgte Zwangsehen gibt es nicht. Die neuesten Zählungen in Baden-Württemberg stammen aus dem Jahr 2005. Damals gab es 215 erwachsene und minderjährige Betroffene. Eine bundesweite Studie erhob Beratungsfälle im Jahr 2008: Es waren 3.443 Personen. Knapp 30 Prozent von ihnen waren minderjährig. In solchen Fällen sind auch die Jugendämter gefragt. Dort haben die Jugendlichen ein Recht auf Beratung, und zwar ohne Wissen der Eltern. Das Amt muss sie an einem sicheren Ort unterbringen und schützen, wenn sie um Inobhutnahme bitten. Auch junge Volljährige (18 bis 21 Jahre) haben nach Paragraf 41 I Achtes Sozialgesetzbuch einen Anspruch auf Hilfeleistungen, etwa die Unterbringung in spezialisierten Einrich-

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Foto: TERRE DES FEMMES/Sachs.

tungen, wenn sie dringend Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und für eine eigenverantwortliche Lebensführung benötigen. Dennoch suchen Jugendliche nicht ohne weiteres Hilfe beim Jugendamt, weiß Monika Michell, Leiterin des Referats „Gewalt im Namen der Ehre“ bei der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes (TDF). Häufig brauche es professionelle oder private Unterstützer, die sie dorthin begleiten oder vermitteln. „Oft hatten die Ratsuchenden schon Kontakt mit dem ASD, haben das Problem dort aber nicht

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angesprochen“, sagt auch Bernhild Manske-Herlyn von der Aktion Jugendschutz (ajs). Betroffene fürchteten, die Gräben in der Familie weiter zu vertiefen. Viele erleben zu Hause körperliche und seelische Gewalt. Sie werden geschlagen, eingesperrt oder überwacht. Schulungen im Land Die Jugendämter sowie andere Behörden und Einrichtungen nutzen deshalb Fortbildungen für Ihre Mitarbeitenden. TDF und ajs bieten vom Landes-Integrationsministerium geförderte Veranstaltungen, die helfen Notlagen besser zu erkennen. Die Seminare waren rasch ausgebucht. Teilnehmende erfahren zum Beispiel: 58 Prozent der Betroffenen sollten laut Bundesstudie vermählt werden, um das vermeintlich ramponierte Familien-Ansehen wiederherzustellen. Bei 19,1 Prozent floss Geld für die Eheschließung, bei 13,4 Prozent sollten Gatte oder Gattin in spe einen Aufenthaltstitel in Deutschland erhalten. Knapp vier Prozent der Betroffenen sollten vergessen, dass sie lesbisch oder schwul waren und sind. Nur sieben Prozent der Hilfesuchenden waren männlich. Die zertifizierten Fortbildungen der ajs sollen in allen Stadt- und Landkreisen kommunale Ansprechpersonen für die Bekämpfung von Zwangsverheiratung qualifizieren. Der erste Lehrgang von Juni bis November 2013 wurde von 23 Teilnehmerinnen belegt, der zweite (ab April

2014) ist mit 20 ausgebucht. Weitere Kurse sind angedacht. Zudem soll es regionale Veranstaltungen geben. Von 2010 bis November 2013 hat TDF 538 Interessierte geschult und Diskussionen ermöglicht. Mitunter falle es etwa Jugendamtsmitarbeiterinnen schwer zu begreifen, wenn Mädchen ein gewalttätiges Zuhause nicht verlassen möchten, berichtet Michell. Seit Februar können Ämter auf eigene Kosten Referentinnen buchen. Um Jungen und Mädchen besser zu schützen, diskutieren Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen, Zufluchtsstätten sowie Ministerien und Ämter darüber hinaus über Verbesserungen, etwa im Landesforum Zwangsverheiratung. Laut TDF fehlt es an Handlungsanleitungen oder Falldarstellungen in Behörden. Häufig werde etwa bei jungen Volljährigen der Jugendhilfebedarf verneint. Die Folge: „Sie fallen in die Zuständigkeit des Jobcenters oder Sozialamtes. Die Unterbringung erfolgt in einem Frauenhaus, das jedoch die Betreuung und psychosoziale Begleitung nicht leisten kann“, sagt Michell. Unerlässlich sind laut ajs auch spezialisierte, muttersprachliche Beratungsstellen wie Yasemin in Stuttgart, die eng mit den Jugendämtern zusammenarbeiten und ein Kooperationskonzept. „Es ist wichtig, gangbare Wege für Mädchen und Jungen zu finden und die Fachkräfte zu sensibilisieren, dass es sich um außergewöhnliche Situationen handelt, die besonderen Schutz erfordern“, sagt Dr. Jürgen Strohmaier, Leiter des KVJS-Referats „Hilfen zur Erziehung“. Der KVJS bringt seine Expertise aus der Jugendhilfe beim Landesforum Zwangsverheiratung oder im Begleitkreis von Yasemin ein. Zum Schutz von Nayla, Aylin und von Bekir. syr

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Aktion Jugendschutz, Stuttgart www.ajs-bw.de Terre des Femmes, Berlin: Internetportal für Jugendliche und Fachkräfte www.zwangsheirat.de

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Kinderschutz verbessert
Sozialministerin Altpeter ehrt vorbildliche Kommunen
Landes-Sozialministerin Katrin Altpeter hat im Oktober 17 Stadt- und Landkreise für ihren vorbeugenden Kinderschutz ausgezeichnet: Sie erhielten das „Zertifikat für Qualitätsentwicklung im Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz“.
Ziel des vom Sozialministerium mit rund 500.000 Euro geförderten Qualifizierungsprogramms war es, überall in Baden-Württemberg die Zusammenarbeit zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und den Einrichtungen des Gesundheitswesens zu verbessern und regional strukturierte Netzwerke auf- und auszubauen. „Ich will sicherstellen, dass jedes bedürftige Kind den Schutz, die Hilfe und die Förderung erhält, die es braucht“, so die Ministerin. Beim Erreichen dieses Ziels sieht sich Altpeter auf einem guten Weg. „Nachdem bereits im vergangenen Jahr 18 Kreise erfolgreich an dem Programm teilgenommen haben, sehen wir heute in 32 der 44 Stadt- und Landkreise sowie in zwei Großen Kreisstädten eindeutige Qualitätsverbesserungen beim Kinderschutz“, betonte sie. „Gerade mit Blick auf den Kinderschutz hat Baden-Württemberg mit diesen Netzwerken Vorbildfunktion in ganz Deutschland“, sagte KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. „Die beteiligten Jugendämter konnten mithilfe dieses Projekts ihre Netzwerke bei den Frühen Hilfen erfolgreich ausbauen und dabei auf innovative Ideen zurückgreifen, die sie gemeinsam mit der Uni Ulm und dem KVJS-Landesjugendamt erarbeitet haben.“ Die 17 neu ausgezeichneten Kreise und Großen Kreisstädte mit eigenem Jugendamt sind: Biberach, Enzkreis, Heidelberg, Heilbronn, Hohenlohekreis, Konstanz, Lörrach, Ostalbkreis, Pforzheim, Rastatt, Ravensburg, Rems-Murr-Kreis, Reutlingen, Schwäbisch Hall und Tuttlingen sowie in Konstanz und Villingen-Schwenningen. Begleitet wurde die Umsetzung des Programms von der Universitätsklinik Ulm und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Mit der Auszeichnung endet das dreijährige Qualifizierungsprogramm. syr

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Weitere Informationen finden Sie auf der Internet-Seite www.kvjs.de/jugend/kinderschutz/landesprogramm-netzwerk-fruehe-hilfen.html Definition: Frühe Hilfen sind lokale und regionale Unterstützungssysteme mit aufeinander abgestimmten Hilfsangeboten für Eltern und Kinder in den ersten Lebensjahren. Sie sollen Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig verbessern.

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2014: Das Jahr gehört den Kindern
KVJS mit breiter Fortbildungspalette
Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor Gewalt, das Recht auf Beteiligung, Bildung und Gesundheit. Alljährlich wird in Deutschland am 20. September der Weltkindertag gefeiert, um auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen. Im Jahr 2014 jährt sich dieser Tag zum 25. Mal.
Die Kinderrechte sind in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben, die in Deutschland den Rang eines Bundesgesetzes hat. Die UN-Kinderrechtskonvention wurde am 20. November 1989 von der UN-Generalversammlung angenommen. Zum Thema Kinderrechte bietet das KVJSLandesjugendamt eine breite Palette an Fortbildungsveranstaltungen. Das Themenspektrum reicht vom Fachtag zur Inklusion und Eingliederungshilfe in Kindertageseinrichtungen bis hin zu Seminaren über chancengerechte Erziehung in der Wohlstandsgesellschaft oder zu Konfliktgesprächen mit Erziehungsberechtigten. Folgende Seminare und Tagungen können ab sofort gebucht werden: Austauschtreffen der Multiplikator/-innen „Familienbesucher“ am 04.02.2014 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Fachtag zur Inklusion und Eingliederungshilfe in Kindertageseinrichtungen am 19.03.2014 beim KVJS Stuttgart „Familienbesucher“-Qualifizierung von Multiplikator/-innen vom 19. bis 20.03., 30.06. bis 01.07. und 21. bis 22.10.2014 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Chancengerechte Erziehung in der Wohlstandsgesellschaft am 14.05.2014 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Kindeswohlgefährdung und Konfliktgespräche mit Erziehungsberechtigten vom 14. bis 15.05. und 30.09. bis 01.10.2014 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Basiswissen Kindergarten heute: Bindung, Bildung und Partizipation in der Begleitung von Kindern vom 26. bis 27.06 2014 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein Enge Maschen starke Knoten-strukturelle Netzwerkarbeit vom 09. bis 10.07.2014 und 14.01.2015 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Kinder entscheiden mit! vom 25. bis 26.09.2014 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein 6. Fachtag für Multiplikator/-innen im Kinderschutz in Baden-Württemberg am 23.10.2014 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein Die komplette Liste gibt es im Internet unter www.kvjs.de/fortbildung/jugendhilfe. html. add

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KVJSaktuell

Jugend

Gleiches Niveau für alle
Runder Tisch legt Empfehlungen zur Kindertagespflege vor
Der Runde Tisch Kindertagespflege hat Empfehlungen für einen einheitlichen Qualitätsstandard in der Kindertagespflege verabschiedet. Mit der Festlegung auf einen Personalschlüssel bei der fachlichen Begleitung der Tagesmütter ist Baden-Württemberg in Sachen Qualität bundesweiter Spitzenreiter.
Ziel des Runden Tisches war es, die Kindertagespflege als rechtlich gleichrangiges und qualitativ gleichwertiges Angebot zur Kindertagesstätte für die Betreuung und Erziehung von Kindern zu verankern. Die Empfehlungen des Runden Tisches enthalten Hinweise zur fachlichen Begleitung, Beratung und Vermittlung von Tagesmüttern, zur Angleichung der Elternbeiträge an die Kita-Beiträge, zur Entbürokratisierung der Abrechnungsmodalitäten sowie zum weiteren Ausbau von Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen. Hinweise zu beruflichen Perspektiven, Qualifizierung und Weiterbildung runden die Empfehlungen ab. Baden-Württemberg ist das erste Bundesland mit einem Fachbegleitungsschlüssel, das damit besondere Standards setzt. „Die Ergebnisse des Runden Tisches bringen die Struktur der Kindertagespflege in Baden-Württemberg entscheidend weiter. Sie leisten einen guten Beitrag zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr“, betont Senator e. h. Prof. Roland Klinger, Direktor des KVJS. Teilnehmer des Runden Tisches waren das Kultusministerium, der KVJS, der Landkreistag, der Städtetag, der Gemeindetag, der Landesverband der Tagesmütter-Vereine BW e. V., der Paritätische, die 4-Kirchen-Konferenz, das Mütterforum BW e. V. und der Landfrauenverband Württemberg-Baden e. V.. Parallel hat das Kultusministerium die Verwaltungsvorschrift zur Kindertagespflege weiterentwickelt, die am 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist. Die Verwaltungsvorschrift gibt Standards zur rechtlichen Ausgestaltung sowie für die qualitative Weiterentwicklung der Kindertagespflege vor. Künftig bezuschusst das Land den Ausbau von Betreuungsangeboten in der Kindertagespflege mit 2,3 Millionen Euro pro Jahr. Daneben fördert es die Betriebsausgaben der Kleinkindbetreuung nach dem Finanzausgleichgesetz. rei

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KVJSaktuell

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Jugend

didacta 2014: Bildungstag in Stuttgart
„Fachkräfte in Kitas – im Spannungsfeld zwischen Qualität und Realität“, so lautet das Thema des diesjährigen Didacta Bildungstages, den der KVJS zusammen mit dem didacta Verband der Bildungswirtschaft im Rahmen der Bildungsmesse am 29. März 2014 in Stuttgart veranstaltet. Als größte internationale Bildungsmesse bietet die didacta Angebote von mehr als 900 Ausstellern und ein umfangreiches Fortbildungsprogramm für Lehrer, Erzieher, Ausbilder, Pädagogen und pädagogische Fachkräfte. Sie findet vom 24. bis 29. März 2014 auf der Messe Stuttgart statt. Auch das Landesjugendamt des KVJS informiert mit einem Stand über seine Bildungsangebote. Weitere Informationen unter www.kvjs.de (Suche Stichwort „Didacta“) add

Die nächste Runde für das Gütesiegel
32 Im Auftrag des Kultusministeriums BadenWürttemberg verleiht der KVJS auch im kommenden Jahr das Gütesiegel an Bildungsträger von Qualifizierungsmaßnahmen für Tagespflegepersonen. Ziel ist es, eine standardisierte Mindestqualifizierung für jede Tagespflegeperson sicherzustellen, die bundesweit anerkannt wird. Das Gütesiegel legt Standards für die Bildungsträger und verbindliche Qualifikationen von Referenten fest. Bildungsträger erhalten das Zertifikat für drei Jahre. Nach einem Jahr findet eine vereinfachte Wiederholungsprüfung statt. Allein in Baden Württemberg gibt es mittlerweile mehr als 45 Bildungsträger, die im Jahr 2013 3.100 Tagespflegepersonen ausgebildet haben. Das Gütesiegel ist kostenlos. Träger können Volkshochschulen, Tageseltern-Vereine oder andere Bildungseinrichtungen sein. Alle Antragsformulare finden Sie auf unserer Homepage unter www.kvjs.de unter der Rubrik Jugend. gt

Neuer KITA-Fachkräftekatalog geplant
Das Kultusministerium hat in Kooperation mit dem KVJS eine wissenschaftliche Untersuchung multiprofessioneller Teams in Kindertageseinrichtungen beschlossen. Mit der Evaluation der Auswirkungen des erweiterten Fachkräftekatalogs wurde das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg beauftragt. Die Untersuchung beinhaltet eine onlinegestützte Befragung von Einrichtungen zur Einstellungspraxis und den strukturellen sowie persönlichen Arbeitsbelastungen. Darüber hinaus sollen 25 ausgewählte Kindertageseinrichtungen über zwei Jahre wissenschaftlich begleitet werden. add

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KVJSaktuell

Forschung

Ein steiniger Weg
Wie läuft es mit der Inklusion an Kitas und Schulen?
Ein gemeinsames Forschungsprojekt des KVJS mit der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zeigt den aktuellen Stand der Inklusion an Kitas und Schulen – und die größten Stolpersteine.
Die Nachfrage steigt ständig: Immer mehr Eltern wünschen sich für ihr behindertes Kind eine Betreuung im Regelkindergarten und Bildung auf der Regelschule. Häufig gewährt dafür das Sozial- oder Jugendamt eine Integrationshilfe: Zum Stichtag 31.12.2011 betraf dies landesweit 4.050 Kinder in Kindertagesbetreuung und 1.852 Schulkinder. Eine Vielzahl von Akteuren bemüht sich um die Inklusion der Jüngsten: Eltern, Kita, Schule, Jugendhilfe, Sozialhilfe und Leistungserbringer. Jedoch: „Auch in gelungenen Fällen wird die Intransparenz von Verfahren und das Fehlen von Ansprechpartnern thematisiert“, so Petra Deger, beteiligte Professorin von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. „Es ist sinnvoll, eine zentrale Anlaufstelle im Kreis zu haben“, erklärt Gabriele Hörmle vom KVJS das Ergebnis. Das Wissen um die verschiedenen Angebote, die zur Inklusion beitragen, kann dort gebündelt und abgefragt werden. Die verbesserte Kooperation der beteiligten Systeme und Fachkräfte stand auch ganz oben auf der Wunschliste der Studien-Beteiligten vor Ort. Weitere Hindernisse auf dem Weg zur erfolgreichen Inklusion sind unklare Diagnosen bei den Kindern und der Mangel an Assistentinnen – vor allem im schulischen Bereich. Wie soll man einem Kind helfen, wenn seine Probleme nicht richtig erkannt sind? Bei den Assistenzkräften kommt häufig die Frage nach der passenden Qualifikation auf. Deutlich wurden auch systematische Schwierigkeiten beim Einsatz von Schulbegleitungen durch die Eingliederungshilfe: wo die Grenzen zwischen Begleitung (Assistentin) und Pädagogik (Lehrerin) verlaufen ist häufig unklar und in der Unterrichtspraxis kaum zu trennen. Die Beteiligten brauchen hier eindeutige gesetzliche Regelungen. Ebenso wichtig sind genügend Personal und fachliche Unterstützung für die Regeleinrichtungen, aber auch Offenheit für Vielfalt. mok

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Die Forscher befragten die Sozial- und Jugendämter aller 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs. Die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Esslingen, Neckar-Odenwald, Ortenaukreis und Ravensburg sowie die Städte Karlsruhe und Ulm beteiligten sich an der vertiefenden Untersuchung. Dabei wurden 862 Fälle untersucht. 76 Prozent davon betrafen Kinder mit Behinderung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, 24 Prozent waren Schulkinder. Probleme und erste Lösungsansätze kamen auf einem Fachtag des KVJS Ende 2013 zur Sprache (Materialien unter www.kvjs.de, Stichwort Forschung). Derzeit arbeitet die Forschungsgruppe an dem ausführlichen Abschlussbericht sowie an einer Orientierungshilfe für die Sozial- und Jugendämter.

Info

KVJSaktuell

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Forschung

Schlüssel zum Wissen
Die KVJS-Forschung untersucht aktuelle Praxis-Themen
Die kommunale Daseinsfürsorge nachhaltig, effizient und zukunftsweisend gestalten – das ist das Ziel der KVJS-Forschung. Daran orientieren sich die Forschungsthemen und daraus ergibt sich das Umsetzungskonzept: Seit 2010 wurden insgesamt neun Forschungsvorhaben realisiert.
Der KVJS organisiert Forschung als Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Praxisbezug und Dialog sind die Markenzeichen der KVJS-Forschung, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Forschungsprozess ziehen. KVJS-Forschung hat viele Ansprechpartner, insbesondere Kreise, Leistungs- und Angebotsträger, Schulen und Justiz. Der KVJS initiiert und begleitet den fachlichen Austausch zwischen den Hochschulen und der Praxis. „Wir vermitteln zum Beispiel Kontakte, stellen Daten zur Verfügung, beraten die Hochschulen bei der Entwicklung von praxistauglichen Analyseinstrumenten und organisieren Fachgespräche“, erläutert Heide Trautwein, Geschäftsführerin der KVJSForschung. Je nach Thema ist es notwendig, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und miteinander zu verknüpften: Landesweite Erhebungen geben einen Überblick. In regionalen Untersuchungen ist es möglich in die Tiefe zu gehen und Unterschiedlichkeiten herauszuarbeiten. Die Forschungsprojekte berücksichtigen weitere Erkenntnisse aus bundesweiten Forschungen sowie die Erfahrungen von Fachkräften aus der Praxis vor Ort. Bei fünf KVJS-Forschungsvorhaben wurden bisher umfassende landesweite Erhebungen durchgeführt. „Die Beteiligung der Kreise war hier in der Regel sehr gut“ – betont Heide Trautwein – „die Rücklaufquoten lagen zumeist bei über 90 Prozent.“ Auch bei den vertiefenden Analysen in ausgewählten Kreisen war das Interesse groß: Zwischenzeitlich haben sich 26 Kreise an regionalen Analysen beteiligt – einige sogar mehrfach. Das sind immerhin fast 60 Prozent der Kreise in BadenWürttemberg. Die Zahlen zeigen, dass die KVJS-Forschung bei den Kreisen nicht nur auf großes Interesse stößt, sondern auch auf Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung. Die Zahlen zeigen auch, dass die KVJSForschung landesweit wirksam wird: Bereits in der Umsetzungsphase der Forschungsvorhaben – also nicht erst wenn Ergebnisse vorliegen – setzt zwischen Beteiligten und Forschern ein fachlicher Diskurs ein, der vom KVJS durch begleitende Expertenrunden oder Workshops unterstützt wird. ht/add

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Forschung

Wissenschaft und Praxis im Dialog
Soziale Daseinsvorsorge zukunftsfähig gestalten

Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg

Ein Werbeplakat der KVJS-Forschung.

Über die Durchführung der Forschungsprojekte entscheidet der KVJS-Forschungsbeirat unter Vorsitz von Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger, dem unter anderem Landräte, Sozialdezernenten und Amtsleiter der Kreise sowie Wissenschaftler von Hochschulen angehören.

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Forschung

„Der Transfer wird dort interessant, wo er die Praxis verändert“
KVJS-Forschung: Ein Gespräch mit Verbandsdirektor Professor Roland Klinger
Herr Klinger, der KVJS investiert seit einigen Jahren verstärkt in die Forschung. Wie bewerten Sie den Nutzen? Nach unseren bisherigen Erfahrungen besteht der Nutzen von Forschung vor allem in der differenzierten Analyse und Darstellung der sozialen, institutionellen und rechtlichen Zusammenhänge und Realitäten. Die Praxis erwartet nicht Rezepte wie es besser zu machen ist, sondern eine fundierte Grundlage, um tragfähige Lösungen entwickeln zu können. Dazu gehören auch Aussagen zu unterschiedlichen Bewertungspräferenzen beteiligter Akteure, zu Risikofaktoren, die im Moment schwer einschätzbar sind und daraus resultierenden unterschiedlichen Entwicklungsperspektiven. Eine Forschung, die dies zuverlässig beschreibt, ist von sehr hohem Nutzen. In der KVJS-Forschung erwarten wir zudem, dass die Ergebnisse komprimiert und mit Hinweisen für die Fachpraxis verständlich aufbereitet werden. Auf dieser Basis kann der Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis stattfinden. Wie muss man sich den Transfer konkret vorstellen? Wir informieren über alle Forschungsergebnisse zeitnah über unsere Homepage aber auch über Fachtage und Fortbildungen. Selbstverständlich fließen die Erkenntnisse auch in die KVJS- Beratungsangebote ein. Insofern profitieren alle 44 Stadt- und Landkreise von den Ergebnissen. Der Transfer wird allerdings gerade dann besonders interessant, wenn er die Praxis unmittelbar zu Veränderungen anregt: In zwei Forschungsvorhaben wurde unabhängig voneinander sichtbar, dass es Verbesserungsbedarf bei der Evaluation und Dokumentation des Fallmanagements in der Eingliederungshilfe gibt. Der KVJS konzipiert und erprobt deshalb gemeinsam mit Experten aus den Kreisen ein inhaltliches Anforderungsprofil zur EDV-gestützten Falldokumentation und Evaluation. Es soll den Kreisen eine Grundlage bieten, um auf dieser Basis ihre eigene Systematik zu entwickeln. Darüber hinaus regt der KVJS – sofern möglich – aktivierende Forschungsprozesse an. Hier werden zum Beispiel bereits im Verlauf des Forschungsvorhabens „Beteiligung leben!“ gemeinsam mit den Betroffenen neue Formen der Beteiligung entwickelt. Welche Perspektiven hat die KVJS-Forschung? Das Sozialbudget der Kreise steigt wegen der Demografie und dem medizinischen Fortschritt stetig. Die Nettoausgaben der Sozialhilfe betragen 2,3 Milliarden in Baden-Württemberg und die der Jugendhilfe 2,6 Milliarden. Deshalb ist es unabdingbar durch praxisrelevante Forschung die Effizienz und Wirksamkeit der Hilfesysteme im Fokus zu haben. Die KVJS-Forschungsprojekte leisten dazu einen wesentlichen Beitrag, insbesondere wenn die Forschungsfragen zunehmend ressort- beziehungsweise arbeitsfeldübergreifend gestellt werden. Letzteres er-

Senator e. h. Prof. Roland Klinger. Foto: KVJS

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Forschung

gibt sich zum Beispiel aus der Tatsache, dass Angebote und Arbeitsweisen von Jugend- und Sozialhilfe sowie Angebote zur Integration in den Arbeitsmarkt vor Ort vernetzt und abgestimmt werden müssen, um effektiv und effizient zu wirken. Deshalb ist ein arbeitsfeldübergreifend angelegtes Forschungsdesign und ein

Forschungsansatz, der verschiedene wissenschaftliche Disziplinen integriert, häufig die richtige Lösung. Notwendig sind künftig: Forschungen, bei denen Wirtschaftswissenschaftler, Mediziner und Sozialwissenschaftler zusammenarbeiten. Das Interview führte Gabriele Addow

Die KVJS-Forschungsvorhaben
•	 Alter erleben - Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit wesentlicher geistiger Behinderung im Alter •	 Wirkungsanalyse des Fallmanagements in der Eingliederungshilfe (abgeschlossen) •	 Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagsschulen auf die Strukturen und Arbeitsweisen der Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg •	 Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung in allgemeine Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Schule •	 Personalbedarf in der Altenhilfe und Altenpflege in Baden-Württemberg. Expertise unter Berücksichtigung des Bedarfs an nicht-medizinischen Fachkräften mit akademischer Qualifikation •	 Regionale Arbeitsmarktforschung und -planung zur Integration von Menschen mit wesentlicher Behinderung •	 Perspektiven der einschlägigen Hochschulstudiengänge für die Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg (abgeschlossen) •	 Umsetzung § 8a SGB VIII/Schutzauftrag in der Jugendhilfe (abgeschlossen) •	 Strukturen der rechtlichen Betreuung in Baden-Württemberg und Chancen der Weiterentwicklung (abgeschlossen) Informationen zur KVJS-Forschung finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/forschung.html Ihre Ansprechpartnerin Heide Trautwein Geschäftsführung KVJS-Forschung Telefon 0711 6375-716 Heide.Trautwein@kvjs.de

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Info

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KVJSaktuell

Fortbildung

Hier findet jeder, was zu ihm passt
KVJS-Fortbildung auch 2014 mit einem breiten Angebot
Seminare, Fachtagungen, Workshops: Die Fortbildungsprogramme des KVJS bieten auch in diesem Jahr wieder eine breite Palette an Bildungsangeboten.
Neue Angebote zum Thema Kinderschutz und zur Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes gibt es für Fachkräfte der Jugendhilfe. Auch den Ausbau der Ganztagesschulen und der Schulsozialarbeit begleitet der KVJS durch entsprechende Qualifizierungsangebote. So wurden zum Beispiel die Fortbildungen in den Bereichen „Schulsozialarbeit“ und „Jugendhilfe und Schule“ aktualisiert: Neben den bewährten Veranstaltungen für Schulsozialarbeiter gibt es 2014 erstmals einen Fachtag für die Träger der Schulsozialarbeit. Fachkräfte der Jugendhilfe und Schule dürfen auf die neuen Seminare „Resilienz-Anleitung zur Stärkung psychischer Widerstandskraft von Kindern und Jugendlichen“ und „Systemisches Konfliktmanagement in Schule und Jugendhilfe“ gespannt sein. Für neue Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste der Jugendämter hat der KVJS ein umfassendes Fortbildungsangebot konzipiert. Weitere Einführungsveranstaltungen gibt es für neue Mitarbeiter in der Jugendhilfeplanung, der Kinder- und Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit, der Sozialpädagogischen Familienhilfe, der Wirtschaftlichen Jugendhilfe und im Vormundschaftsrecht. Die Fortbildungsreihe „Leitungskompetenz in der Sozialen Arbeit“ ist ein bewährtes und sehr nachgefragtes Angebot für Leitungskräfte öffentlicher und freier Träger der Jugend- und Sozialhilfe. Sie wird 2014 fortgesetzt und thematisch erweitert.

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In den Fortbildungen des KVJS können Fachkräfte ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen. Foto: Rippmann

Im Bereich der Kindertagesbetreuung erfordert der Rechtsanspruch für Kinder auf einen Tagesbetreuungsplatz ab Vollendung des 1. Lebensjahres zusätzlich qualifizierte Fachkräfte. Für neue Betreuungsfachkräfte, die nachqualifiziert werden müssen, bietet der KVJS Angebote. Ferner finden sich im Fortbildungsprogramm Veranstaltungen zu den neuen Herausforderungen, die sich für die Teams, Einrichtungsleitungen und Träger stellen. Nicht zuletzt das Thema Inklusion: Hier fließen zum Beispiel Ergebnisse des KVJS-Forschungsvorhaben „Inklusion von jungen Menschen mit einer Behinderung in allgemeine Einrichtungen der Kindertagesbetreuung“ in das aktuelle Tagungsund Fortbildungsangebot ein.

KVJSaktuell

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Fortbildung

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Schwergewicht der öffentlichen Sozialhaushalte ist die Eingliederungshilfe. Das Fortbildungsprogramm für Fachkräfte in der Sozialhilfe bietet neue Angebote – inspiriert durch das im Jahr 2013 abgeschlossene Forschungsvorhaben „WiFEin“ (Wirkungsanalyse des Fallmanagements in der Eingliederungshilfe). WiFEin hat zahlreiche Ansätze für die Weiterentwicklung des Fallmanagements in Baden-Württemberg aufgezeigt. Diese Ergebnisse fließen deshalb auch in die Seminare der Fortbildungsreihe Fallmanagement ein. Darüber hinaus wurde deutlich, dass eine systematische Dokumentation und Evaluation für das Fallmanagement von großer Bedeutung ist. Der KVJS entwickelte deshalb – gemeinsam mit Experten aus den Kreisen – ein inhaltliches Anforderungsprofil zur EDV-gestützten Falldokumentation und Evaluation. Es soll den Kreisen eine Grundlage bieten, um auf dieser Basis ihre eigene Systematik zu entwickeln. Im Rahmen eines Fachtages werden die erarbeiteten Grundlagen vorgestellt. Die Anzahl der Menschen mit Autismus, die im Rahmen der Eingliederungshilfe gefördert werden, wächst. Ein neues Seminar für Fachkräfte in der Sozial- und Ju-

gendhilfe führt in autistische Störungen und Förderung von Menschen mit Autismus nach dem Vorbild des TEACCHModells ein. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Ansatz in der individuellen Förderung der Selbstständigkeit zur eigenständigeren Bewältigung des Alltags, um somit die allgemeine Lebenszufriedenheit zu erhöhen. So kann sich zunehmend eine Unabhängigkeit von Betreuungspersonen entwickeln. Unter dem Motto „Wir machen Sie fit für die Praxis“ stehen die Fortbildungen des KVJS-Integrationsamtes. 2014 ist Wahljahr für die Schwerbehindertenvertretungen. Hierzu sind landesweit zahlreiche Informationsveranstaltungen geplant. Die Fortbildungsschwerpunkte liegen bei Angeboten zur Wahl sowie verstärkt bei Grundkursen, die den neu gewählten Vertrauenspersonen das nötige Basiswissen vermitteln. Neu im Programm sind erstmals Veranstaltungen zu den Themen „Arbeitsrecht bei kirchlichen Arbeitgebern“ und „Schwerbehinderung bei Beamtinnen und Beamten“. Diese Fortbildungsangebote beleuchten neben den üblichen Regelungen auch spezielle kirchen- oder beamtenrechtliche Aspekte. Der KVJS unterstützt mit seinem Fortbildungsangebot auch die rechtlichen Betreuer in verschiedensten Themenbereichen. Einige Veranstaltungen wurden begleitend zum Forschungsvorhaben „Strukturen der rechtlichen Betreuung in Baden-Württemberg und Chancen der Weiterentwicklung“ neu in das Fortbildungsprogramm aufgenommen. So zum Beispiel eine Veranstaltung, die praxisnah über aktuelle Aspekte in der rechtlichen Betreuung von jungen Erwachsenen informiert. add

Service-Center beim KVJS für Anfragen, Anmeldungen oder Stornierungen
Telefon 0711 6375-610 Mo bis Do 9.00 Uhr bis 16.30 Uhr, Fr bis 12.00 Uhr Fax 0711 6375-125 fortbildung@kvjs.de Das gesamte KVJS-Fortbildungsangebot gibt es im Internet unter www.kvjs-fortbildung.de

Info

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KVJSaktuell

Fortbildung

Wie Leitungskräfte effektiv steuern
KVJS-Fortbildungsreihe mit neuem Präsentations-Modul
Leitungskräfte der Sozialen Arbeit müssen vielfältige Aufgaben bewältigen. Gesellschaftliche Entwicklungen erfordern neue Konzepte und Verfahrensweisen. Auch die internen Anforderungen sind hoch. Leitungskräfte sollen für ihr Team produktive Rahmenbedingungen schaffen und Konflikte in konstruktive Bahnen lenken. Unterstützung bietet hier eine bewährte KVJSFortbildungsreihe.
Die Fortbildungsreihe für Leitungskräfte der öffentlichen und freien Träger stößt in der Praxis auf immer größeres Interesse: Pro Jahr nutzen etwa 170 Teilnehmer dieses Angebot. Seit Beginn der ersten Seminare im Jahr 2010 hat sich die Zahl kontinuierlich erhöht. Die Seminare können einzeln gebucht werden, aber: „Die meisten Teilnehmer besuchen mehrere Veranstaltungen, manche auch alle“, bestätigt die Koordinatorin der KVJS-Fortbildung Heide Trautwein die positive Resonanz. Ein umfassendes Qualifizierungskonzept in zentralen Anforderungsbereichen wie etwa Organisationsentwicklung, Konfliktsteuerung, Controlling oder Mitarbeiterförderung zeichnet die bewährte Fortbildung aus. In den Seminaren treffen sich Leitungskräfte mit vielfältigem professionellem Hintergrund und profitieren vom Austausch ihrer Erfahrungen. Sie kommen aus allen Bereichen der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe. Öffentliche Träger sind ebenso vertreten wie Träger freier Einrichtungen. „Am meisten bewegt die Leitungskräfte das Thema Teamentwicklung – und zwar quer durch alle Arbeitsfelder“, berichtet Heide Trautwein. Die Leitung müsse gut informieren, zielorientiert und kompetent motivieren, anleiten, strukturieren und ein Klima schaffen, das gutes Arbeiten möglich macht. Aber auch der sichere, persönliche Auftritt und die überzeugende Präsentation der Einrichtung sind wichtige Bestandteile von Leitungskompetenz. Der KVJS bietet deshalb in diesem Jahr ein neues Seminar an, das Fachwissen zum Aufbau, zur Vorbereitung sowie zum Medieneinsatz der Präsentation vermittelt. Eine Teilnehmerbefragung bestätigt das Konzept: Die Themen der Fortbildungsreihe sind aus Sicht der Praxis stimmig. Das Angebot als Baukastensystem mit frei wählbaren Seminaren und Teilnahmezertifikat entspricht dem Bedarf nach Planbarkeit und Flexibilität. Den Seminaren wird eine gelungene Mischung aus Praxisbezug und fachlichen Inputs bescheinigt. Alle Veranstaltungen finden im Tagungszentrum Herrenberg-Gültstein statt, www.kvjs.de/gueltstein.html Den Flyer zur Fortbildungsreihe mit allen Terminen finden Sie unter www. kvjs.de/fortbildung.htm add

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KVJSaktuell

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Fortbildung

Für den starken Auftritt
Interview zum neuen Seminarbaustein „Präsentation“
Frau Gehle, Frau Haag, warum ist es für Führungskräfte so wichtig zu lernen, sich ins rechte Licht zu rücken? Gehle: Menschen mit Leitungsverantwortung repräsentieren ihren Arbeitsbereich und ihre Einrichtung. Sie vermitteln zwischen dem Team und allen Personen, die das Angebot nutzen, unterstützen, beobachten und bewerten. Ihre Aufgabe ist es, überzeugende und verständnisvolle Ansprechpartner für alle Seiten zu sein und ein positives Bild der fachlichen Angebote in die Gesellschaft zu vermitteln. Je bewusster sich Leitungskräfte über ihre Wirkung auf andere sind, umso zielorientierter und effektiver können sie diese Gewinn bringend für sich und ihre Aufgabe nutzen. Es gilt als Leitungskraft wahrgenommen und anerkannt zu werden – nicht nur durch fachliche Kompetenz sondern auch als Persönlichkeit. Wie sieht das von Ihnen entwickelte Seminar-Konzept aus? Haag: Das Konzept des Seminars bietet den Teilnehmenden viele Informationen und Anregungen rund um das Thema Präsentation einer Einrichtung. Vor allem aber besteht die Möglichkeit, sich in konkreten Übungssequenzen selbst zu erproben. Videoaufzeichnungen helfen, einen Eindruck von der eigenen Wirkung zu gewinnen, im kollegialen Austausch am persönlichen Profil zu feilen und die eigene Präsenz zu vervollkommnen. Wir wollen die Selbstsicherheit und das Bewusstsein der Teilnehmer und Teilnehmerinnen für die eigene Wirkung stärken. Dies ist die Basis, um künftig noch souveräner in beruflichen Situationen agieren zu können. Sie führen das neue Seminar gemeinsam durch. Hat das Vorteile? Haag: Durchaus. Zwei Referentinnen mit unterschiedlichen beruflichen Erfahrungshintergründen beleuchten verschiedenartige Aspekte der Thematik. Somit bietet sich den Teilnehmern eine Vielfalt an Reflexionsmöglichkeiten, Gedankenimpulsen, Anregungen und Perspektivwechseln. Hinzu kommt, dass die Arbeit mit Video sehr aufwändig ist. Es ist wichtig, die Teilnehmenden mehrmals aufzunehmen, damit diese sich an diese Form des Arbeitens gewöhnen können. Gehle: Gleichzeitig erzielen wir so einen großen, sichtbaren Lernfortschritt. In diesen Übungssequenzen arbeiten wir in zwei Kleingruppen mit rund sechs bis acht Teilnehmern. Das Videofeedback verlangt eine hohe Konzentration von allen, dies ist erfahrungsgemäß ohne Ermüdung nur in kleineren Gruppen möglich. Aber keine Angst: Damit es nicht zu anstrengend wird, setzen wir auch auf Spaß beim Ausprobieren und auf inspirierende Erlebnisse im Miteinander der Weiterbildungsgruppe Das Interview führte Gabriele Addow

Christina Gehle ist Trainerin und Beraterin bei Initial Training GbR, Karlsruhe. Foto: privat

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Elke Haag leitet eine Praxis für systemische Beratung, Supervision und Coaching in Alzey. Foto: privat

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KVJSaktuell

Fortbildung

Neue Fortbildungsreihe zur rechtlichen Betreuung
Der KVJS erweitert sein Veranstaltungskonzept im Jahr 2014 mit einer neuen Fortbildungsreihe. Sie bietet den Fachkräften bei Betreuungsbehörden und Betreuungsvereinen und allen Berufsbetreuenden eine Grundausbildung für die tägliche Arbeit. In fünf Modulen werden theoretische und praktische Grundlagen der Betreuungsarbeit, die alltägliche Betreuungspraxis, rechtliche, medizinische und psychologische Fragen, die Arbeitsorganisation, die Vermögensverwaltung und weitere wichtige Angelegenheiten vermittelt. Beim Besuch aller fünf Modulveranstaltungen erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Bescheinigung. Das Modulsystem wird jedes Jahr angeboten. Die Veranstaltungen können einzeln und im Laufe der Jahre besucht werden. syr Weitere Informationen KVJS, Sabine Weinbrenner Telefon 0711 6375-514 Sabine.Weinbrenner@kvjs.de Im Internet: www.kvjs.de/fortbildung/ publikationen.html

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KVJS

Beim KVJS erschienen
Alle hier aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/service/publikationen.html zum Herunterladen zur Verfügung.

Reihe KVJS-spezial
KVJS-spezial, „Kindertagesbetreuung“, 2013. Auf 36 Seiten bietet das Heft einen Überblick über die Leistungen des KVJS – von der Unterstützung bei der Bedarfsplanung bis zur Betriebserlaubnis, von der Beratung bis zur Fortbildung. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de 42 KVJS-spezial, „Die richtige Einstellung. Perspektiven für junge Menschen mit Behinderung im öffentlichen Dienst“, 2014. Wie wesentlich behinderte junge Leute im öffentlichen Dienst erfolgreich Fuß fassen, zeigt das 32-seitige KVJS-spezial unter anderem anhand von sechs Fallbeispielen. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weimar Telefon 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de

Der besondere Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen nach dem SGB IX, 2013. Antworten auf häufig gestellte Fragen. Tipps für die Praxis. Recht und Gesetz. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weimar Telefon 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de

Behinderung, Pflege
Fallzahlen und Ausgaben in der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII für 2012. KVJS-Berichterstattung zur Unterstützung der Planung und Steuerung für die Stadtund Landkreise in Baden-Württemberg, 2014. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weißenberger Telefon 0711 6375-307 Manuela.Weissenberger@kvjs.de

Betreuungsrecht
KVJS Betreuungsrecht-Info Heft 4, 2013 Neues aus Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Mandy Schlesinger Telefon 0711 6375-279 Mandy.Schlesinger@kvjs.de

Schwerbehinderung und Arbeit
Zeitschrift „Behinderte Menschen im Beruf“, Ausgabe Baden-Württemberg, Heft 4/2013. Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes.

Foto: Fotolia

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KVJSaktuell

KVJS

Impressum

KVJS aktuell Januar 2014 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Kristina Reisinger (rei) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Kristina Reisinger (rei) Sylvia Rizvi (syr) Gesine Thiessen (gt) Heide Trautwein (ht) Titelfoto: fotolia Layout: Waltraud Gross Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206 oder -389 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de Bestellungen und Adressänderungen: Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Redaktioneller Hinweis: Wir bitten um Verständnis, dass aus Gründen der Lesbarkeit auf eine durchgängige Nennung der weiblichen und männlichen Bezeichnungen verzichtet wird. Selbstverständlich beziehen sich die Texte in gleicher Weise auf Frauen und Männer.

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Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart

Hausadresse Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart (West)

Tel. 0711 63 75-0 www.kvjs.de
                            
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