Publication:
2013
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729554
Path:
3/2013

KVJS

aktuell

Genug Betreuungsplätze für unter Dreijährige?
Seite 17

Jugend

KVJS

Was wird aus den Impulsen zur Inklusion?
Seite 4

Integrationsunternehmen mit neuem Dreh
Seite 14

Integration

Forschung

Fachkräfte: Wer hilft der Altenhilfe?
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Inhaltsverzeichnis
KVJS 3		 Tagen und Erholen – eine gelungene Kombination 4		 Was wird aus den Impulsen zur Inklusion? 5		 Soziale Medien: „Mach´ ich!“ 6		 Leuchtturm am Gartentor Soziales 7		 Wenn der (Pflege-)Satz stimmt 9		 Neue Bausteine gehen in die dritte Etappe Integration 10		 KVJS-Tagung zur Initiative Inklusion 11		 Fachwissen trifft Fachmesse 12		 Was nicht passt, wird passend gemacht 14		 Integrationsunternehmen mit neuem Dreh 2 Jugend 16		 Viele Wege führen Fachkräfte in die Kita 17		 Werden die Plätze bis August reichen? 18		 Wer zahlt die Inklusion an Schulen? 19		 Kein Kind soll durch die Maschen fallen Forschung 21		 Mehrheit der Senioren mit geistiger Behinderung blicken positiv auf ihr Leben! 22		 Fachkräfte: Wer hilft der Altenhilfe? 22		 Professor Naegele zu Ergebnissen und Perspektiven des Forschungsprojekts 24		 Forschungsergebnisse zu Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagesschulen Fortbildung 25		 Neu: Sommerwerkstatt Schulsozialarbeit 25		 Behinderung und Beruf: Aus Konflikten lernen 25		 Betreuungsrecht: Die starke „Generation 50+“ Neu erschienen 26		 Publikationen – beim KVJS erschienen

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Tagen und Erholen – eine gelungene Kombination
KVJS-Tagungszentrum Gültstein gewährt Einblicke in die Bilanz 2012
Wie schon in den Jahren zuvor, hat der KVJS als kommunaler Träger einen Bericht über seine privaten Unternehmen vorgelegt. Der Beteiligungsbericht umfasst die rechtlichen Verhältnisse, die Unternehmensaufgaben, die Aufgabenerfüllung und die betriebswirtschaftlichen Unternehmensdaten der KVJS-Tagungszentrum Gültstein GmbH.
Die beim KVJS und vielen Kommunen neu eingeführte doppelte Buchführung basiert auf einer schon seit langem in Wirtschaftsunternehmen praktizierten Form der Finanzbuchhaltung. Erste Erfahrungen mit der doppelten Buchführung sammelte der KVJS bereits in Form des Beteiligungsberichtes für sein privates Unternehmen: die KVJS-Tagungszentrum Gültstein GmbH. Der jetzt vorliegende Beteiligungsbericht für 2012 gewährt unter anderem Einblicke in die Gewinn- und Verlustrechnung des Tagungszentrums Gültstein. Dabei wird deutlich, dass wie bereits im Vorjahr ein kleiner Jahresüberschuss erwirtschaftet werden konnte. Personal- und Sachkosten. Dadurch ist es gelungen, die Einnahmenausfälle zu kompensieren. Gleichzeitig ging das KVJS-Tagungszentrum Gültstein neue Wege: Es bietet nun auch Be3 hindertenfreizeiten und Gruppenreisen für blinde und sehbehinderte Menschen an. Dieses neue Angebot hat sich bereits etabliert und die Buchungssituation Das KVJS-Tagungszentrum Gültstein. Foto: Rippmann für das Jahr 2013 lässt auf ein weiteres Umsatzplus in diesem Bereich hoffen. jw

Gleichzeitig hat sich die positive Entwicklung des Tagungsgeschäftes im Jahr 2012 fortgesetzt. Allein 2012 gab es 535 FortbildungsveranBelegung KVJS-Tagungszentrum Gültstein staltungen, das bedeutet 20.000 eine Steigerung um 22 Fort18.000 16.000 bildungsveranstaltungen 14.000 im Vergleich zum Vorjahr. 12.000 Auf den damit verbunde10.000 nen Anstieg der Teilnehmer8.000 und Übernachtungszahlen 6.000 ist das Umsatzplus von circa 4.000 28 Prozent zurückzuführen. 2.000 Durch den Wegfall der Erho0 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 lungskuren für Kriegsopfer aufgrund einer GesetzesänFortbildungsteilnehmer Übernachtungen derung gab es umfangreiche Einsparungen bei den Fortbildungsteilnehmer = obere Linie, Übernachtungen = untere Linie

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Was wird aus den Impulsen zur Inklusion?
„Impulspapier Inklusion“: Bericht zur Umsetzung durch das Land
Vor einem Jahr hat der sogenannte Gültstein-Prozess begonnen. Unter dem Motto „Gestaltung inklusiver Wohn- und Beschäftigungsangebote – Umbau der Strukturen in der Behindertenhilfe“ haben Betroffene und Beteiligte Eckpunkte zur Zukunft der Hilfen für Menschen mit Behinderung erarbeitet. Daraus entstand das Impulspapier Inklusion, das nun auf politischer Ebene diskutiert werden soll.
Am 15. Juli 2013 plant das Sozialministerium Baden-Württemberg (SM) eine Veranstaltung in Stuttgart. Hierzu soll es Statements von allen Fraktionen aus Landtag geben. Ferner sollen andere Ministerien eingebunden und das Ergebnis der Gespräche innerhalb des Ministeriums bekannt gegeben werden. Denn Inklusion betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche und nicht nur die sozialen Strukturen. 4 Das Impulspapier enthält wesentliche Eckpunkte zur Ausgestaltung der Investitionskostenförderung in der Behindertenhilfe und Impulse für die Neuausrichtung der Behindertenhilfe. Teile finden sich im Entwurf der Verwaltungsvorschrift des SM für die Zuwendungen für Investitionen in Behinderteneinrichtungen wieder, der im März an die Verbände zur Anhörung ging und am 1. Juli 2013 in Kraft treten soll. Der KVJS nahm Stellung und formulierte Handlungsbedarf. Demnach ist ein Umbau der der Behindertenhilfe nur mittel- bis langfristig umsetzbar. Allein in den 22 Großeinrichtungen müssen viele der 5.000 stationären Plätze saniert werden. Um angemessene Lebensverhältnisse für Menschen mit Behinderung auch in alten bestehenden Gebäuden sowie das Wunsch- und Wahlrecht zu gewährleisten, müsste das im Entwurf vorgesehene Fördervolumen hinsichtlich der Erneuerung im Bestand von 25 Prozent auf mindestens auf 30 Prozent erhöht werden. Elf Vorhaben mit Förderempfehlung aus dem Jahr 2012 im Umfang von rund 9,5 Millionen Euro konnten im vergangenen Jahr nicht in ein Förderprogramm aufgenommen werden. Der KVJS fordert eine Übergangslösung und eine Aufstockung der Haushaltsmittel des Landes hierfür. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Angehörigenvertretungen für Menschen mit geistiger Behinderung appellierte in ihrem Memorandum vom März bei einer Regionalisierung der Behindertenhilfe die Selbstbestimmung und Wahlfreiheit der Menschen mit Behinderung nicht einzuschränken. lö

Impulspapier Inklusion
Die Eckpunkte aus dem so genannten Gültstein-Prozess mündeten im „Impulspapier Inklusion“ der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege. Es beinhaltet Impulse zu den Bereichen „Inklusion als Leitidee“, „Wirtschaftliche Aspekte“, „Sozialraumorientierte örtliche Teilhabeplanung“, „Förderimpulse“ und „Berufe in der Behindertenhilfe“. Das Papier finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/soziales/menschen-mit-behinderung.html

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Soziale Medien: „Mach´ ich!“
Der KVJS auf Facebook und Youtube online
Immer mehr Kreise, Städte und kommunale Verbände nutzen soziale Medien. Diese digitalen Medien und Techniken bieten neue Chancen zu Vernetzung und Information. Der KVJS ist ab sofort in Facebook und Youtube präsent.
„Der KVJS baut mit einer zurückhaltenden Version von Facebook und Youtube seine Web-2.0-Aktivitäten aus“, sagt KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. In Facebook erläutert der Verband in kurzen, leicht verständlichen Worten seine Aufgaben und leitet Interessierte auf die ausführliche Internetseite www.kvjs.de. In Youtube finden Surfer einen KVJS-Videokanal. Diese Seite bietet KVJS-Filme zur sozialen Arbeit. Der KVJS trifft auch erste Vorbereitungen für moderierte Blogs zu Fachfragen und Tagungen. Damit will sich der Verband den aktuellen Kommunikationsgewohnheiten öffnen. Vor allem junge Leute tummeln sich zum Teil nur noch in sozialen Netzwerken. Dabei gilt es zugleich, sensible Daten aus der Sozialen Arbeit zu schützen. Deshalb wird der Verband im Social Web zu laufenden Anträgen, und Verfahren sowie zu konkreten Einzelfall-Anfragen keine Stellung nehmen. Datenschutz gewährleistet Zum gelungenen Balanceakt aus Offenheit und Datenschutz hat das ganze Haus seinen Beitrag geleistet. Fachleute aus der Sozialen Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Technik fanden sich in einer Arbeitsgruppe zusammen. „Unsere AG diskutierte Chancen und Risiken von Portalen wie Youtube, Twitter und Co.“, sagt AG-Koordinatorin Sylvia Rizvi. „Aus den Ergebnissen entwickelte die AG eine Strategie zur Nutzung der so genannten Social Media.“

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Facebook: Hier können Sie uns kennenlernen.

Screenshot KVJS

Ein halbes Jahr nach dem Start will der KVJS seine Erfahrungen auswerten. Welche Rückmeldungen erhalten wir? Wie viel Arbeitszeit benötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die neuen Kommunikationswege zu pflegen? Ziel ist es, die Aktivitäten nachzubessern, sie möglicherweise zu erweitern oder neu zu überdenken. syr

Gefallen Ihnen unsere neuen Auftritte? Schauen Sie doch mal vorbei! Den Link zur Facebook- und zur Youtube-Seite finden Sie auf der Internet-Seite kvjs.de (ganz unten).

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Leuchtturm am Gartentor
LWV.Eingliederungshilfe eröffnet Wohnprojekt mitten in Reutlingen
Die LWV.Eingliederungshilfe, der Landkreis und die Stadt Reutlingen haben ein gemeinsames Wohnprojekt vorgestellt: In einem Neubau beim historischen Gartentor in der Reutlinger Innenstadt sind Wohnungen für zwölf Menschen mit Behinderung entstanden. Alle Einheiten sind barrierefrei, ein Teil wird aber auf dem allgemeinen Mietwohnungsmarkt angeboten. So leben dort Menschen mit Behinderung Tür an Tür mit Studenten oder jungen Familien.
Von Stephan Gokeler In einem auf drei Jahre angelegten Projekt wollen die Partner Menschen mit Behinderung Schritt für Schritt von der intensiven Betreuung in einer Komplexeinrichtung der Behindertenhilfe zu einem selbstbestimmten Leben mitten in der Stadt begleiten. Die Bewohner mit Behinderung wohnten bislang überwiegend im Behindertenheim Rappertshofen. In der neuen Umgebung stehen ihnen nun alle Assistenzleistungen zur Verfügung, v.l.n.r.: Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn, Prof. Roland eine Rundumversorgung wie ist hier aller- Klinger, L.EH-Bereichsmanager Norbert Peichl, GWG-Geschäftsführer Karl-Heinz Walter, L.EH-Geschäftsführer Joachim Kiefer, dings nicht mehr vorgesehen. „Man muss mehr mitdenken und selbst Verantwortung übernehmen“, berichtet Ohmed Faquirza von seinen ersten Erfahrungen im neuen Umfeld. „Eine eigene Wohnung zu haben, ist aber jede Anstrengung wert.“ Als Vertreter des Gesellschafters der LWV.Eingliederungshilfe GmbH zeigte sich Senator e.h. Prof. Roland Klinger „stolz, dass die kommunale Gesellschaft ein solches Leuchtturmprojekt mitten in der Stadt geschaffen“ habe. Zugleich appellierte er an den Bund, seiner Verpflichtung zur Förderung von Inklusionsvorhaben durch die Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel gerecht zu werden. Diesem Wunsch schloss sich Landrat Thomas Reumann an. Er verwies darauf, dass
Landrat Thomas Reumann im Gespräch mit einem der ersten Bewohner. Foto: Gokeler

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der Landkreis Reutlingen auch mit der frühen Einführung eines Persönlichen Budgets neue Wege in der Eingliederungshilfe gegangen sei. Er hob hervor, dass Mietund Betreuungsverträge in diesem Wohnprojekt am Gartentor entkoppelt sind. Der Reutlinger Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn schilderte, dass durch die Inklusionsprojekte Menschen mit Behinderung normaler Bestandteil des Stadtbildes geworden seien. Die Stadt Reutlingen, die sich intensiv bei der Zusammenführung der Partner engagierte, freue sich auf die Projektphase und hoffe auf eine gesicherte Zukunft des Vorhabens im Anschluss daran.

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Soziales

Wenn der (Pflege-)Satz stimmt
KVJS verhandelt in immer kürzeren Abständen
Für 2.800 baden-württembergische Heime und teilstationäre Einrichtungen müssen regelmäßig neue Pflegesätze festgelegt werden. Mittlerweile geht es um fünf Milliarden Euro im Jahr, über die der KVJS im Auftrag der 44 Stadt- und Landkreise von Baden-Württemberg verhandelt – Tendenz steigend.
15 Mitarbeiter des KVJS fahren regelmäßig mit großen schwarzen Rollkoffern in die Stadt- und Landkreise: Dann müssen Vergütungsvereinbarungen zwischen einem Kreis und einer Einrichtung der Alten-, Behinderten- oder Jugendhilfe getroffen werden. Gab es bis 2004 noch landesweit allgemeine Erhöhungen, werden heute in der Regel einrichtungsbezogene Einzelverhandlungen geführt, die meist nach Tarifabschlüssen erfolgen. Deshalb muss in immer engeren Abständen neu verhandelt werden. Im kommenden Jahr läuft daher der überwiegende Teil der Verträge aus. Auch die individuellen Pflegesätze nach dem SGB XI erfordern Verhandlungsrunden. „Oft sind die Kosten – und geht es auch nur um ein, zwei Euro am Tag – wesentliches Kriterium für die Menschen, sich für eine Einrichtung zu entscheiden“, sagt Uwe Zühlke, Referatsleiter beim KVJS. Deshalb werde dort oft mit harten Bandagen gekämpft. Vereinbarungen auch parallel verhandelt Manchmal laufen mehrere Vereinbarungen ab. Die Fachleute des KVJS bereiten dann im Namen des Stadt- oder Landkreises mehrere Angebote vor und verhandeln zum Beispiel über die stationäre Pflege, die Kurzzeitpflege oder die Tagespflege. 2007 bewältigten zwölf KVJS-Mitarbeiter 1.045 Verhandlungen. Heute finden allein in der Behindertenhilfe mehr als doppelt so viele statt. Insgesamt verhandelten 15 Mitarbeiter im letzten Jahr 3.301 Angebote. Die Höhe des Pflegesatzes ist Verhandlungssache zwischen jenen, die bezahlen (Kreise), und jenen, die Leistungen anbieten (Träger von Diensten und Heimen). Jede Einrichtung hat mit dem Kreis eine eigene Leistungs-, Vergütungs- und Qualitätsvereinbarung für Ausstattung und Personal. Im Interesse seiner Mitglieder verhandelt der KVJS nur notwendige Erhöhungen der Pflegesätze, andere Forderungen der Träger werden dabei nicht erfüllt. „Der Verband nimmt eine kreisübergreifende Sicht ein“, sagt Uwe Zühlke. Wenn eine Einrichtung einen überdurchschnittlichen Pflegesatz durchsetze, erwarteten andere ähnliches. Die Folgen gelte es für das gesamte Bundesland hochzurechnen. Bis es jedoch zu der entscheidenden Vor-Ort-Verhandlung kommt, leisten die KVJS-Kollegen reichlich Vorarbeit. In der Altenhilfe etwa erhalten sie von den Einrichtungen lange vor dem Ortstermin eine Kalkulation. Die Heimleitung listet darin auf, inwiefern sich die Personaloder Sachkosten erhöht haben oder in welcher Pflegestufe die Senioren sind. Jedes Mal muss geprüft werden, ob die Da-

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Soziales

ten schlüssig sind. Es werden Vergleiche gezogen mit Preisen anderer Heime. „Wir sind auf die Angaben angewiesen, die uns die Einrichtungsträger zukommen lassen“, sagt Zühlke. Einen persönlichen Einblick in die Akten gibt es nicht. Das erfordert Sachverstand. Die Fachleute beim KVJS sind miteinander im ständigen Austausch. Sie kennen die Einrichtungen, haben betriebswirtschaftliches Knowhow und kennen die einschlägigen Passagen des Sozial- und Verwaltungsrechts. Sie sind über andere Pflegesatz-Verträge auf dem Laufenden und wissen, wo ungewöhnliche Umstände zu berücksichtigen sind. Die heiße Phase der Verhandlungen dauert meist einen Tag. Vertreter der Einrichtung begründen ausführlich, warum aus 8

ihrer Sicht die Pflegesätze steigen müssen. Die letzten Verhandlungen liegen in der Regel ein bis zwei Jahre zurück. Am Ende des Tages steht meistens ein Abschluss. Nur selten scheitern die Gespräche. In weniger als einem Prozent musste 2012 die Schiedsstelle Pflegesätze in Einrichtungen der Alten- und Jugendhilfe festsetzen. Nach den Verhandlungen packen die KVJS-Mitarbeiter ihre Aktenkoffer wieder für die Heimfahrt. In Stuttgart wartet die Nacharbeit. Sie bereiten die Verträge zur Unterschrift vor, erstellen die Verhandlungsprotokolle und archivieren die Ergebnisse in Datenbanken. Manche Punkte kommen auf Wiedervorlage. So auch jeder Abschluss. Sei es in einem Jahr, sei es in zwei Jahren: Die Aktenkoffer der Experten stehen bereit. lö/syr

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Soziales

Neue Bausteine gehen in die dritte Etappe
Neue Projekte erfassen weitere Facetten der Eingliederungshilfe
Das KVJS-Programm „Neue Bausteine für die Eingliederungshilfe“ startet in die dritte Förderphase. Der Verband stellt 2013 und 2014 insgesamt 550.000 Euro bereit. Die Gelder gehen an Stadt- und Landkreise, die Weg weisende Projekte für Menschen mit Behinderung ausprobieren wollen. Die Projekte – auch Bausteine genannte – sollen die Eingliederungshilfe verbessern. Erstmals erprobt werden auch innovative Hilfen für Wohnungslose.
Der KVJS hat Stadt- und Landkreise eingeladen, bis 30. Juni Bewerbungen einzureichen. Demnächst werden die neuen Baustein-Projekte ausgewählt. Die ausgeschriebenen Schwerpunkte sind: •	 vernetzte Versorgungskonzepte für Menschen mit geistigen Behinderungen und herausforderndem Verhalten, •	 öffentlichkeitwirksame Konzepte, um Barrieren abzubauen und die Inklusion in der Nachbarschaft zu fördern, •	 Förderkonzepte, die helfen, Menschen mit Behinderung dauerhaft in gesellschaftliche Regelstrukturen einzubeziehen, •	 Konzepte, die sich der Inklusion von Menschen mit seelischer Behinderung widmen, •	 Konzepte in der Wohnungslosenhilfe, die innovative Ansätze an Schnittstellen entwickeln und erproben. Sie sollen übertragbare Erfahrungen für eine Zusammenarbeit von Sozialhilfeträgern und Angebotserbringern unter Beteiligung der Betroffenen erwarten lassen. Bisher 19 Projekte erprobt In den ersten beiden Programmphasen von 2008 bis 2012 schufen 20 Kreise 19 Bausteine zur Eingliederungshilfe der Zukunft. Schwerpunkte waren die Alltagsgestaltung von Senioren mit geistiger Behinderung, die Flexibilisierung von ambulanten und stationären Wohnformen sowie die Stärkung der Selbständigkeit im eigenen Wohnraum. Weitere Schwerpunkte waren Projekte zur außerschulischen Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, zur Beschäftigung von Menschen mit hohem Hilfebedarf sowie Angebote zum Thema Migration und Behinderung. syr

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Integration

KVJS-Tagung zur Initiative Inklusion
Kompetenzen von Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt
Die Initiative der Bundesregierung ist Teil eines nationalen Aktionsplanes zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Durch die Initiative soll die Situation schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden. Die Umsetzung in der Praxis steuert in Baden-Württemberg der KVJS. Während einer zweitägigen Klausurtagung tauschten sich Praktiker aus.
In der mit 140 Teilnehmern ausgebuchten Klausurtagung im Tagungszentrum Hohenwart ging es um Fragen der konkreten Umsetzung der Initiative. Grundlegende Strukturen wurden in Baden-Württemberg bereits seit 2005 mit den KVJS-Aktionen 1000 beziehungsweise 1000plus geschaffen, durch die bisher fast 2.500 wesentlich behinderte Menschen eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fanden. Die in der KVJS-Aktion 1000/plus eingeführten Netzwerke sowie die verstärkte Unterstützung durch die Integrationsfachdienste kommen nun auch den Teilnehmern der Initiative Inklusion zugute. Die lokalen Netzwerke für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung weiter zu stärken war eine Forderung zahlreicher Tagungsteilnehmer. Die Schulen werden bei der Initiative Inklusion bereits frühzeitig beim Thema Berufsfindung mit einbezogen. Was an den Schulen für Geistigbehinderte seit der erfolgreichen Aktion 1000 Standard ist, ist für die übrigen Schulformen neu. Entsprechend groß war auch das Interesse bei Lehrern und Schulleitern an der KVJSFachtagung. Auch das Kultusministerium und das Sozialministerium waren vertreten sowie Die Regionaldirektionen der Agentur für Arbeit, die Integrationsfachdienste und das KVJS-Integrationsamt. Kompetenzinventar klärt Fähigkeiten Unter Federführung des KVJS ist für die Teilnehmer an der Initiative Inklusion ein Kompetenzinventar entwickelt worden, das die berufsbezogenen Fähigkeiten einer Person anhand einer Checkliste erfasst. Für verschiedene Behinderungsarten wie Seh- und Hörbehinderung, Köperbehinderung, Autismus oder Epilepsie stehen spezielle Module zur Verfügung. „Neu ist, dass hier das Können eines Menschen mit wesentlicher Behinderung im Vordergrund steht, im Gegensatz zur früheren Defizit-orientierten Beurteilung“, erklärt Berthold Deusch vom KVJS. Das Kompetenzinventar mit seinen unterschiedlichen Modulen hat nun einen ersten Probelauf in der Praxis bestanden. Dabei kamen einige Änderungswünsche als Rückmeldung. Das zuständige Redaktionsteam wird Für die Anwendung des Kompetenzinventars sollen spezielle Multiplikatoren geschult werden. Zertifizieren von Teil-Ausbildungen Einig waren sich die Tagungsteilnehmer bei der Forderung nach der Zertifizierung einzelner Ausbildungsmodule durch die zuständigen Kammern. Damit könnten lernschwache Jugendliche Teilqualifikationen nachweisen und so ihre Arbeitsmarkt-Chancen verbessern. mok

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Integration

Fachwissen trifft Fachmesse
KVJS auf der REHAB: Neuer Schwerpunkt Alltagsunterstützung
Mit einer Bilanz von 20.702 Besuchern schloss die REHAB in Karlsruhe ihre Tore. Auf der Fachmesse für Rehabilitation, Therapie und Prävention hatten 504 Aussteller aus elf Ländern ein breites Spektrum an Hilfsmitteln und Dienstleistungen präsentiert. Auch das KVJS-Integrationsamt war mit einem Stand vertreten. Im Messe-Beirat war ebenfalls KVJS-Kompetenz gefragt.
In diesem Jahr wurden neben zahlreichen Hilfsmitteln auch verstärkt Angebote zur Rehabilitation gezeigt. Neu war die Sonderschau zu Alltagunterstützenden Assistenzlösungen. In einer Musterwohnung waren Komfortsysteme zur Ausschaltung elektrischer Geräte beim Verlassen der Wohnung, Erinnerungssysteme beispielsweise zur Medikamenteneinnahme und innovative sensorgesteuerte Überwachungssysteme zur Erkennung von Notfallsituationen zu sehen und zu testen. Die vielen intelligenten Helfer, die auf der REHAB zu sehen waren, wurden vom Karlsruher Forschungszentrum Informatik (FZI) im Rahmen eines durch den KVJS mit Landesmitteln geförderten ModellSonderschau mit neuen Unterstützungssystemen. projektes entwickelt. „Alltags-Unterstützungs-Systeme werden für das Wohnen im Alter und bei Behinderung immer wichtiger“, erklärt Werner Stocker vom KVJS. Stocker ist beim forum b-wohnen des KVJS mitverantwortlich für die Werkstatt Wohnen, eine barrierefreie Musterwohnung auf dem KVJS-Gelände. Zudem prüft er Seniorenwohnanlagen für die Vergabe des Qualitätssiegels Betreutes Wohnen. Als Experte vertrat er den KVJS im Beirat der REHAB. „Alte Leute sollen – und wollen – so lange wie möglich in ihrer Wohnung möglichst selbstständig leben. Die neue Technik kann sie dabei unterstützen.“ Pflege: KVJS bleibt am Ball Neue Entwicklungen in Rehabilitation und Pflege werden im jährlichen Wechsel auf der REHAB in Karlsruhe und auf der Pflege & Reha in Stuttgart vorgestellt. In Stuttgart beteiligt sich der KVJS seit 1996 regelmäßig auch an dem angeschlossenen Fachkongress: „Unsere Veranstaltungen haben immer einen sehr großen Besucherzuspruch“, so Werner Stocker. Die Veranstaltungs-Dokumentationen und weitere Informationen sind im Internet zu finden: www.kvjs.de/soziales/senioren/ forum-b-wohnen.html mok

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Foto: Kleusch

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Integration

12 Empfangsmitarbeiter Thomas Glaser hat eine Fußbogenheizung in seiner Loge.

Fotos: Kleusch

Was nicht passt, wird passend gemacht
Barrierefrei im Baudenkmal – Hilfen durch den Technischen Beratungsdienst
Der Technische Beratungsdienst (TBD) des KVJS-Integrationsamtes räumt Hindernisse aller Art bei der Beschäftigung von schwerbehinderten Mitarbeitern aus dem Weg. Unter anderem sorgt er für behinderungsgerechte Arbeitsplätze und ein barrierefreies Arbeitsumfeld. In der Barockstadt Ludwigsburg stand der TBD mit der Anpassung eines Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert vor ganz besonderen Herausforderungen.
Für die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg war es ein Glücksfall, als ihr direkt neben der Stadtkirche und dem Dekanat ein Gebäude am historischen Marktplatz zum Kauf angeboten wurde. So bot sich die Gelegenheit, die Kirchenpflege mit ihren zahlreichen Verwaltungsaufgaben, Diakonie- und Sozialstation und verschiedene kirchliche Beratungsstellen zentral zusammenzufassen. Da auch Mitarbeiter mit Mobilitäts-Einschränkungen betroffen waren, wandte sich die Kirche an das KVJS-Integrationsamt, um schon bei der Planung des neuen Hauses der Kirche und Diakonie die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zu berücksichtigen. Das denkmalgeschützte Gebäude – die ehemalige Hofbäckerei – musste saniert werden. Zudem war direkt dahinter im Garten des Dekanats ein Neu-

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bau geplant. Der sollte an das historische Gebäude angeschlossen werden. Aufzug erschließt alle Ebenen Da der Neubau höhere Geschosse haben würde, als das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit seinen niedrigen Decken, sind die Stockwerke jeweils um einen halben Stock versetzt. „Um die beiden Gebäudeteile barrierefrei zugänglich zu machen, wurde ein Aufzug geplant, der auf jedem Halbstock hält“, erklärt Peter Kattner vom TBD. „Der Aufzug ist ganz entscheidend, damit jeder überall hin kann.“ Die Druckknöpfe des Aufzugs sind außerdem zusätzlich mit Blindenschrift markiert. Das große Tor der ehemaligen Hofbäckerei bildet heute den Haupteingang zum neuen Haus der Kirche und Diakonie. Dort wurde eine zweiflügelige automatische Tür installiert. Eine kurze Treppe führt innen zum Eingangsbereich auf dem ersten Halbstock. Für Rollstuhlfahrer Thomas Glaser, Mitarbeiter am Empfang, empfahl der TBD eine Hebebühne, der ihn auf die Höhe seines Arbeitsplatzes bringt. Praktischer Nebeneffekt: Besucher mit Bewegungseinschränkungen oder mit Kinderwagen, die zum großen Gemeindesaal im Erdgeschoss des Neubaus wollen oder zu einer der diakonischen Beratungsstellen im Haus profitieren ebenfalls von diesem offenen Lift. Im Durchgang zum Gemeindesaal ist auch eine geräumige Behindertentoilette installiert. Wärme von unten Damit Thomas Glaser an seinem naturgemäß etwas zugigen Empfang nicht frieren muss, wurde statt einer herkömmlichen Wandheizung eine Fußbodenheizung im Empfangsbereich eingebaut, so dass die angenehme Wärme nun von unten hochsteigt.

Fußböden in Schräglage Das ehrwürdige Gemäuer aus der Barockzeit hat unzweifelhaft Charme, aber auch einige Schwachstellen für die heutige Nutzung: niedrige Decken, kleine Räume mit kleinen Fenstern. Stufen müssen ausgeglichen werden. Für die barrierefreie Nutzung wurde hier eine flach ansteigende Rampe eingebaut. Notwenige Brandschutztüren werden von Magneten an der Wand offen gehalten. Im Alarmfall löst sich die Befestigung automatisch, die Tür schließt sich. Praktisch für Rollstuhlfahrer – sie müssen nicht ständig Türauf-Tasten drücken.

Das KVJS-Integrationsamt beteiligte sich nicht nur mit gutem Rat an der Herstellung von Barrierefreiheit, es übernimmt auch einen Teil der dafür anfallenden Kosten. Insgesamt hat die evangelische Gesamtkirchengemeinde rund 4,5 Millionen Euro in den Neubau und der Sanierung des Altbaus gesteckt. Eine Investition, die sich gelohnt hat. Durch die Konzentration der verschiedenen Dienste, Wärmedämmung und die Nutzung von Fotovoltaik können pro Jahr rund 100.000 Euro Betriebskosten eingespart werden, wie Kirchenrechner Lothar Rücker schätzt. Sanierungsbedürftige, nicht mehr benötigte Gebäude, konnten abgestoßen werden. Nun arbeiten rund 50 Menschen mit und ohne Behinderung in dem zentral gelegenen Haus mit seinem hellen Anbau, der von der Straße aus nicht zu sehen ist. Über der nach hinten gelegenen Tiefgarage für Mitarbeiter entsteht noch ein kleiner Barockgarten. Passend zur Barockstadt Ludwigsburg. mok

Peter Kattner vor der neu eingebauten Hebebühne.

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Die neue Fräsmaschine fertigt Präzisionsteile.

Foto: Kleusch

Integrationsunternehmen mit neuem Dreh
KVJS-Integrationsamt fördert neue CNC-Dreh- und Fräsmaschinen
120.000 Euro ließ sich das KVJS-Integrationsamt die Förderung der beiden neuen CNC-gesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen für den Metallbereich der OKIN kosten. Die OKIN ist ein Integrationsunternehmen in Trägerschaft der Nikolauspflege, einer Stiftung für blinde- und sehbehinderte Menschen. Sie bietet anspruchsvolle Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung.
Der flache Bau im Gewerbegebiet im Stuttgarter Osten beherbergt nicht nur den Metallbereich der OKIN, sondern auch die Montage und die Abteilung Hauswirtschaft. Die Metallverarbeitung mit ihren schweren Maschinen ist im Erdgeschoss. In der Luft liegt ein feiner Geruch: ein Mix aus Metall und Maschinenöl. „Metaller stinken immer“, sagt Bereichsleiter Herbert Greschner. Er klingt ein bisschen stolz. Die Lüftungsanlagen für die beiden neuen Maschinen müssen noch montiert werden. Aber im Moment kommt man zu nichts – ein Auftrag muss fertig werden.

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Integration

Björn Wiechmann bedient die neue Drehmaschine. Er ist gelernter Zerspanungsmechaniker und bekam für die neue Maschine eine gründliche Einweisung. Das Werkstück, das in der Maschine rotiert, verschwindet hinter dem nassen Nebel der Kühlung. Nach sieben Minuten ist es fertig. Es sieht bis aufs Letzte so aus, wie das Stück davor und das danach. „Die Fertigung im Handbetrieb würde eine Stunde dauern“, erklärt Greschner. „Ohne eine 100prozentige Übereinstimmung der Werkstücke, wie bei der vollautomatischen Fertigung.“ Treue Kunden Die OKIN ist besonders stark beim Anfertigen von kleinen und mittleren Serien. Sie fertigt und bearbeitet Apparate und Werkstücke nach Zeichnungen und Vorgaben von Kunden und stellt Prototypen, Sondermaschinen und Schweißkonstruktionen her. „Manches Stück fertigen wir nur einmal“, so Bereichsleiter Greschner. Neben der Metallverarbeitung bietet die OKIN auch Montagearbeiten sowie Senkund Entgratarbeiten an. Sie ist gut vernetzt mit regionalen Unternehmen, die die Qualität der Arbeit des Integrationsunternehmens schätzen. Die beiden neuen CNC-Maschinen, die vom KVJS-Integrationsamt mit 120.000 Euro gefördert wurden, ersetzen in die Jahre gekommene Vorgänger. Deren Reparaturkosten nahmen allmählich überhand. Die Metallabteilung der OKIN besteht seit 1995. Manche Maschinen wurden gebraucht angeschafft. Eine mannshohe Spindelpresse ist schon fast eine Antiquität. „Sie ist deutlich älter als wir“, sagt Herbert Greschner. Dafür gab es das gute Stück umsonst – von einem Unternehmen, das dafür keine Verwendung mehr hatte.

Zwischendurch muss Greschner kurz einen Stiel an einen Schraubenschlüssel schweißen, damit ein Mitarbeiter eine andere, etwas ältere Maschine an einer schwer zugänglichen Stelle reparieren kann. Seine aufwendig geschliffenen Brillengläser verraten, dass es sich um einen der sehbehinderten Mitarbeiter handelt. Von den 43 Mitarbeitern der drei OKINSparten haben 37 einen Schwerbehindertenausweis. „Die meisten sind sehbehindert. Aber sie machen das mit großem Engagement und Einfallsreichtum wett“, lobt Greschner seine Leute. Die Metallabteilung beschäftigt ausschließlich ausgebildete Fachkräfte. Die sehbehinderten Mitarbeiter haben ihre Ausbildung im Stuttgarter Berufsbildungswerk der Nikolauspflege absolviert. Ab und an wechselt eine OKIN-Fachkraft auch in ein anderes Unternehmen. Integrationsunternehmen sollen zwar fit machen für den allgemeinen Arbeitsmarkt, aber in der Praxis bleibt die Wechselquote aus den Integrationsunternehmen generell bescheiden. mok

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Integrationsunternehmen in Baden-Württemberg
Integrationsunternehmen gehören zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Mindestens 25 Prozent der Belegschaft sind schwerbehinderte Menschen. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 76 Integrationsunternehmen. Die Tätigkeitsfelder reichen von A wie Abenteuergolfanlage bis Z wie Zerspanung und Montage. 2.714 Personen beschäftigten die Integrationsunternehmen Ende 2012. 1.244 waren Menschen mit einer Schwerbehinderung, 1.029 von ihnen hätten ohne diese besondere Unternehmensform vermutlich keine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden. Weitere Integrationsunternehmen stehen derzeit in den Startlöchern.

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Viele Wege führen Fachkräfte in die Kita
Das Land hat den Fachkräftekatalog erweitert
Für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren bedarf es zusätzlicher Fachkräfte. 2012 sind die Anträge auf Ausnahmezulassungen in der Kindertagesbetreuung in Baden-Württemberg sprunghaft gestiegen. Der neue Fachkräftekatalog soll helfen.
Um den Rechtsanspruch ab August erfüllen zu können, rechnet man in Baden-Württemberg mit einem zusätzlichen Bedarf an 3.000 bis 7.000 Fachkräften. Die suchte man zuletzt auch in anderen Berufsgruppen: Gingen früher 50 bis 70 Anträge auf Ausnahmezulassungen im Jahr beim KVJS ein, waren es 2012 mehr als 700. „Das zeigt, wie groß der Mangel an Erzieherinnen inzwischen ist“, sagt Dezernatsleiter Roland Kaiser. 16 Überwiegend handelte es sich um arbeiten. Foto: Fotolia Personen mit neuen Hochschulabschlüssen wie Kindheitspädagogik sound Erziehung in der Kindheit beziewie weiteren pädagogischen und pflehungsweise Kindheitspädagogen war gerischen Abschlüssen, Kinderkrankenlängst überfällig“, sagt Roland Kaiser, Leischwestern, Grund- und Hauptschullehrer. ter des Landesjugendamtes. Der Verband Neben diesen Gruppen können künftig regte an, künftige Änderungen durch auch Sonderschullehrerinnen, Hebameine verbindliche Rechtsverordnung statt men, Familienpflegerinnen, Dorfhelfedurch Gesetz umzusetzen. Anpassungen rinnen sowie Ergotherapeuten und Lokönnten flexibler, zeitnaher und sachgegopäden in Kindertageseinrichtungen recht vorgenommen werden. arbeiten. Letztere waren bislang nur zugeDurch die Erweiterung des Fachkräftekalassen, wenn in den Einrichtungen Kinder talogs dürfen nun aber auch Personen in mit Behinderungen waren. Einrichtungen arbeiten, deren QualifikaQuereinsteiger müssen vorab oder betionen teilweise nur eine geringe pädarufsbegleitend eine 25-tägige Fortbildung gogische Ausbildung umfassen. Daher im frühpädagogischen und entwicklungs- wird hinsichtlich der konkreten Aufgapsychologischen Bereich absolvieren. ben in der Kindertagesbetreuung AnpasMöglich ist auch ein einjähriges Berufssungsarbeit zu leisten sein. Das heißt, die praktikum mit Fachschul-Betreuung. Grundlagen des SGB VIII (z. B. Beteiligung von Kindern und Eltern, Regeln zum KinDie Erweiterung des Fachkräftekatalogs derschutz), sowie Entwicklungspsycholoist aus Sicht des KVJS stimmig. „Vor allem gie, Methodenkompetenz für die Arbeit in die Aufnahme von Personen mit einem Teams, Gruppen und mit Eltern/Familien Bachelorabschluss im Bereich Bildung sind zu vermitteln. lö 3/2013
Künftig dürfen auch Kinderkrankenschwestern in Kindertagesstätten

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Jugend

Werden die Plätze bis August reichen?
Zwischenbericht zur Betreuung der unter Dreijährigen
Ab August gibt es in Deutschland einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Förderung von Kindern unter drei Jahren. Die 44 Stadt- und Landkreise haben ihre Angebote in den letzten Monaten stark ausgebaut. Dennoch: Für die Betreuung von unter Dreijährigen bedarf es noch großer Anstrengungen.
Dies ist gegenüber dem Vorjahr eine SteiDer KVJS-Bericht „Bestand und Struktur gerung um 5.722 betreute Kinder. der Kindertageseinrichtungen in BadenWürttemberg“ (Stichtag 1. März 2012) Aktuelle Zahlen zum Stichtag 1. März zeigt erste Zwischenergebnisse bei dem 2013 liegen kurz vor der Sommerpause Ausbau der Kleinkindbetreuung. Lag die vor. Das Statistische Landesamt wird dann die Betreuungsquote der unter DreijähriZahlen zum 1. März 2013 präsentieren. lö gen in einer Einrichtung oder in der Kindertagespflege 2006 noch bei 8,8 Prozent, so waren es 2012 bereits 23,1 Prozent. Damit liegt Baden-Württemberg im BunPaxisintegrierte Erzieherausbildung desvergleich über dem Durchschnitt der westlichen Bundesländer. Deutliche reIm Zuge des Ausbaus der Kinderbetreuung ist mit gionale Unterschiede zeigen sich in den dem Schuljahr 2012/2013 die praxisintegrierte ErStadt- und Landkreisen: Die Bandbreite Jahr unter 2 Jahrenunter 3 Jahren 1 bis 2 bis der Betreuungsquote reicht von 14,6 0 bis unter 1 zieherausbildung (PIA) gestartet. Dadurch wurden Pro2005 358 2458 8648 600 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen und zent bis zu 40,4 Prozent. Bei den Landkrei2006 511 3442 12345 neue Zielgruppen17681 erreicht: 55 Prozent der Auszubilsen lag die Durchschnittsquote niedriger 668 2007 4537 denden5789 haben Abitur oder Fachhochschulreife, 21 (21,99 Prozent) als bei den Stadtkreisen 2008 880 22641 907 Prozent 8021 eine abgeschlossene Berufsausbilhaben 27432 (27,58 Prozent). 86,5 Prozent der 2009 unter 2010 1090 10025 31313 dung und der Anteil der männlichen Auszubildenden Dreijährigen wurden in Kindertagesein2011 1284 12537 34383 beträgt insgesamt37416 15 Prozent. richtungen betreut, 13,4 Prozent2012 in der 1490 15020 Kindertagespflege. Zum 1. März 2012 gab es im Land 8.335 Kindertageseinrichtungen. Das sind 102 Einrichtungen mehr als noch ein Jahr zuvor. In diesen Tageseinrichtungen für Kinder gab es insgesamt 21.903 Gruppen mit 449.786 genehmigten Plätzen (Vorjahr: 446.094) und 391.554 betreuten Kindern (Vorjahr: 387.759). In allen Formen der Kindertageseinrichtungen wurden 53.926 Kinder unter drei Jahren betreut.
60000 50000 40000 37416

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Info

27432 2 bis unter 3 Jahren 17681 1 bis unter 2 Jahren 0 bis unter 1 Jahr

30000
20000 8648 10000 358 0 2458 2005 2006

15020
8021 4537 1490 2008 2009 2010 2011 2012

2007

Entwicklung der Zahlen von Kindern in der Kindertagesbetreuung.

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3/2013

Jugend

Wer zahlt die Inklusion an Schulen?
KVJS erwägt Rechtsgutachten zur Finanzierung der Schulbegleiter
Die UN-Behindertenrechtskonvention hat die Diskussion über die Inklusion in der Schule neu belebt. Die Landesregierung will die Konvention im Schulbereich konsequent umsetzen und verspricht die dafür notwendige Ausstattung. Doch wer die Kosten der Schulbegleitung übernimmt, ist derzeit noch strittig. Nun erwägt der KVJS ein Rechtsgutachten.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, die eine allgemeine Schule besuchen und auf ergänzende Eingliederungshilfe angewiesen sind, steigt stetig. 2007 erhielten 504 Kinder und Jugendliche Eingliederungshilfe, 2011 waren es bereits 936 Schüler. Der Anteil dieser schulischen Förderung stieg von sieben auf 12 Prozent. 18 Diskutiert wird derzeit, die Lehrerausbildung grundlegend neu zu ordnen. Offen ist, inwieweit die Wer zahlt die ergänzende Eingliederungshilfe für den Schulbesuch von Sonderschullehrerausbildung ab- Kindern mit Behinderung? Foto: Fotolia geschafft beziehungsweise in die allgemeine Lehrerausbildung intergiert werden soll. Eine solche Minderqualifidamit verbundenen strittigen Punkten in zierung im Bereich der Sonderpädagogik Auftrag zu geben. Damit soll dem Land birgt eventuell die Gefahr, dass die Förverdeutlicht werden, dass ein modernes derung von Kindern UnterstützungsanSchulgesetz Inklusion ohne den Einsatz spruch zunehmend an Schulbegleiter und von Sozial- und Jugendhilfemitteln erreiaußerschulische Angebote geht. Diese chen muss. Leistungen werden derzeit überwiegend über die Eingliederungshilfe im Rahmen Bereits 2011 leitete der KVJS eine Erheder Sozial- beziehungsweise Jugendhilbung zur der Gewährung von Leistungen fe finanziert. Und der Druck auf die Sozial- der Eingliederungshilfe in Baden-Würtund Jugendhilfe steigt. Schreibt das neue temberg mit Blick auf die Inklusion ein. Schulgesetz, mit dem nicht vor 2014/2015 Die Abfragen bei den Jugend-, Sozial- und zu rechnen ist, nicht die fachliche Abgren- Schulämtern werden derzeit ausgewertet. zung zur Pädagogik und die finanzielle Die Ergebnisse des KVJS -ForschungsvorVerantwortung der Schule fest, müssen habens „Integrationshilfen der Eingliededie Sozialhilfe- und Jugendhilfeträger mit rungshilfen in allgemeinen Kindertageserheblich steigenden Kosten rechnen. einrichtungen und Schulen“ werden im November vorgestellt. Eine erste ZusamDer KVJS überlegt daher, ein Rechtsgutmenfassung wird vor der Sommerpause achten zur Inklusion an Schulen und den veröffentlicht. lö

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Jugend

Kristina Schröder mit Fachleuten der Jugendämter beim Auftakt der bundesweiten Aktionswochen der Jugendämter (vorne: Birgit Zeller, BAG Landesjugendämter; Kristina Schröder, 2. Reihe rechts: Andreas Reuter vom Landesjugendamt beim KVJS. Foto: Thomas Imo, Photothek

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Kein Kind soll durch die Maschen fallen
Erste Bilanz zu 500 Tagen Bundeskinderschutzgesetz
Eineinhalb Jahre ist das Bundeskinderschutzgesetz in Kraft. Am 5. Juni haben die Landesjugendämter mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in Berlin die erste Bilanz gezogen: Das Gesetz hat den Spielraum der Jugendämter erweitert.
Das Bundeskinderschutzgesetz trat am 1. Januar 2012 in Kraft. Es soll Jungen und Mädchen besser schützen. Bei der Tagung „500 Tage Bundeskinderschutzgesetz – Erfolge und Potenziale“ diskutierten Jugendhilfe-Fachleute der Länder, Kommunen, Jugendämter und der Wissenschaft, ob dies gelungen ist. „Mit dem Gesetz haben wir die Rahmenbedingungen dafür verbessert, dass Kinder bestmöglich geschützt sind“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. „Es hat die richtigen Impulse gesetzt und zu einem regelrechten Innovationsschub in den Jugendämtern geführt.“ Bei dem Fachtag präsentierten sechs Jugendämter aus ganz Deutschland erfolgreiche Beispiele, wie das Gesetz in der Praxis umgesetzt wurde. „Das KVJS-Landesjugendamt führt im Auftrag des Landes zum Beispiel Förderprogramme zum Kinderschutz durch“, sagt der Sozialpädagoge Andreas Reuter vom KVJS-Landesjugendamt in Stuttgart. Dazu gehören etwa die Bundesinitiative “Frühe Hilfen und Fa-

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Jugend

milienhebammen„ oder die Programme „Stärke“ sowie „Kindeswohl bei Trennung und Scheidung“. „Und wir arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern – den Jugendämtern und den freien Trägern der Jugendhilfe – in Gremien von Politik und Verwaltung daran, den Kinderschutz in der Öffentlichkeit, in Familien und in allen Angeboten der Jugendhilfe noch weiter zu optimieren.“ Die Jugendämter erhielten mit dem Bundeskinderschutzgesetz den Auftrag, in

Weitere Informationen zu den Programmen: www.kvjs.de/jugend/kinderschutz.html

ihren Kommunen starke Netzwerke zu knüpfen. Kein Kind soll durch die Maschen fallen. „Heute schon können wir beobachten, dass dadurch vielerorts die Sensibilität für das Wohl von Kindern gewachsen ist – in Kitas, in Arztpraxen, in der Nachbarschaft und an vielen anderen Orten, wo Kinder sind,“ betonte Birgit Zeller, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter. Das Gesetz setzt auf Vorbeugung und Intervention. Frühe Hilfen, insbesondere mehr Familienhebammen und verlässliche, weiterentwickelte Netzwerke sollen dafür sorgen, dass Familien im Alltag unterstützt werden und Kinder gesund und sicher aufwachsen können. Die Bundesregierung wird dem Deutschen Bundestag bis zum 31. Dezember 2015 eine Evaluation zum Gesetz vorlegen. syr

Info
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Weitere Informationen zu den Angeboten der Jugendämter: www.unterstuetzung-die-ankommt.de

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Forschung

Mehr als zwei Drittel der Senioren mit geistiger Behinderung blicken positiv auf ihr Leben!
KVJS legt Studie über geistige Behinderung im Alter vor
Wie geht es Menschen mit geistiger Behinderung, wenn sie älter werden? Das war die zentrale Frage, die dem Forschungsvorhaben „Alter erleben“ zugrunde lag. Die Studie wirft einen Blick auf die Lebenslagen von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter. Denn bislang verengte sich die Fachdiskussion oft allzu einseitig auf leistungsrechtliche Fragen wie die nach dem Pflegebedarf.
Das Forschungsteam führte in Baden-Württemberg eine Befragung mit einem umfangreichen Fragebogen durch. Aus den Antworten konnten sie vielschichtige Erkenntnisse ziehen und eine Typologie mit sieben typischen Lebenslagen entwickeln. Die Typologie zeigt, wie unterschiedlich die Lebenslagen von Senioren mit geistiger Behinderung sind. Die einen sind überwiegend gesund und zufrieden. Sie pflegen intensive Freundschaften und stehen in gutem Kontakt zu betreuenden Personen. Die anderen sind gesundheitlich stark eingeschränkt und haben keine privaten Beziehungen. Sie sind in allen Lebensbezügen von professioneller Unterstützung abhängig. Immerhin: 68 Prozent der Älteren ab 65 Jahren finden ihr Leben schön oder sind mit ihrem Leben zufrieden. Erstmalig gesicherte Daten: Lebenserwartung steigt Der zweite Schwerpunkt des Forschungsvorhabens widmet sich der Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung. Der Bericht zeigt: Die Lebenserwartung von Menschen mit geisti-

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Ein gutes Blatt im Alter? Foto: Kleusch

ger Behinderung ist zwar niedriger als die der Allgemeinbevölkerung. Sie ist aber in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen. Erstmalig – auch international – liefert das Forschungshaben „Alter erleben“ empirisch gesicherte Daten zur Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung. Sie sind als Basis für die Sozialplanung unerlässlich. syr

Die Studie
Friedrich Dieckmann, Heidrun Metzler: Alter erleben – Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter, Hrsg.: Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Abteilung Münster, Universität Tübingen, Z.I.E.L., KVJS, Stuttgart 2013

Info

Weitere Informationen
www.kvjs.de/forschung.html

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3/2013

Forschung

Fachkräfte: Wer hilft der Altenhilfe?
Forschungsvorhaben zu Personalbedarf in der Altenhilfe und Altenpflege
Auch in Baden-Württemberg ist die Alterung der Bevölkerung ein brisantes Thema. Bestehende Angebote müssen daraufhin überprüft und teilweise neu entwickelt werden. Die Gewinnung von Fachkräften wird aber gerade in der Altenhilfe und Altenpflege immer mehr zum Problem. Wie viel akademische Fachkräfte in Zukunft gebraucht werden und wie sich Qualifizierungsangebote entwickeln werden, hat der KVJS in einem Forschungsprojekt untersuchen lassen. „Die bisherige Datenlage zum Fachkräftebedarf in sozialen Berufen war unübersichtlich. Es gab zwar Erhebungen in unterschiedlicher Differenziertheit und Aussagekraft. Was jedoch fehlte, war eine Analyse und Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes, bezogen auf Baden-Württemberg“, sagt die Geschäftsführerin der KVJS-Forschung, Heide Trautwein. Mit dem Forschungsvorhaben schließt der KVJS nun eine Lücke. Die Expertise liefert fundierte, auf baden-württembergische Verhältnisse ausgelegte Prognosen zum Fachkräftebedarf sowie Anregungen zur Sicherstellung eines ausreichenden Fachkräfteangebots. Sie gibt Impulse für einen nachhaltigen Dialog zwischen Hochschulen und Anstellungsträgern, insbesondere zur inhaltlich-konzeptionellen Gestaltung von Ausbildungs- und Weiterbildungsangeboten. Ergebnisse stellte das wissenschaftliche Team um Prof. Dr. Gerhard Naegele, Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V. am Institut für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund Ergebnisse in einem Abschlussbericht zusammen. Der findet sich im Internet unter www. kvjs.de/forschung.html. lö

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Wir brauchen ein regionalisiertes Monitoring
Professor Naegele zu Ergebnissen und Perspektiven des Forschungsprojekts
Herr Professor Naegele, das Thema Akademikerbedarf in der Altenhilfe und -pflege wird derzeit bundesweit diskutiert. Welche Bedeutung hat das Thema für Baden-Württemberg? Auch in Baden-Württemberg gewinnt Seniorenpolitik und Seniorenplanung eine immer größere Bedeutung. Dabei wird eine Neuausrichtung kommunaler Sozialpolitik immer bedeutsamer: Die traditionelle Unterstützungsorientierung, die sich zum Beispiel in Angeboten der medizinischen Versorgung, der Pflege und sozialen Betreuung zeigt, muss um die Gestaltung der Gesamtheit der Lebensverhältnisse älter werdender Menschen ergänzt werden. Dabei geht es um Wohnen, Freizeit, bürgerschaftliches Engagement, Kulturangebote, Mobilität und wei-

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KVJSaktuell

Forschung

tere Aspekte eines lebenswerten Alltags. Diese Rahmenbedingungen müssen mitbedacht werden, wenn es um die Einschätzung geht, wie hoch der Bedarf an nicht-medizinischen akademischen Fachkräften ausfallen wird. Zukünftig werden für diese Gestaltungsprozesse in der Altenhilfe und -pflege nicht nur andere, sondern vermehrt auch akademische Qualifikationen benötigt. Welche Entwicklungsperspektiven leiten Sie daraus ab? Aufgrund der unzureichenden Datenbasis ist es für eine valide Personalberechnung in Baden-Württemberg erforderlich, ein im Idealfall regionalisiertes Fachkräfte- und Ausbildungsmonitoring zu etablieren. Auch die Rahmenbedingungen der Beschäftigung von akademisch qualifiziertem Personal sollten dialogorientiert weiter entwickelt werden. Qualifikationsanforderungen können für die Umsetzung neuer kommunaler Gestaltungsaufgaben, für den direkten Kontakt zur älteren Zielgruppe und für die Neugestaltung von Versorgungsstrukturen differenziert werden. Hier ist eine kontinuierliche Abstimmung zwischen Hochschulen und Praxis unter Einbezug der fachspezifischen Qualifikationsrahmen zu fördern. Einschlägige Studienangebote befinden sich im Aufbau; mehr Transparenz zu Studienangeboten und zur Einmündung der Absolventen in den Arbeitsmarkt sollte durch Verbleibsstudien erzielt werden. Auch Anstellungsträger sind für neue Qualifikationsprofile der Absolventen zu sensibilisieren. Maßnahmen zur Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen zielen in Baden-Württemberg auf den Übergang zwischen beruflicher Aus-

bildung und Studium; sie sind aus Sicht der Praxis, die Absolventen mit Berufserfahrung präferiert, weiter zu unterstützen. Was war für Sie an diesem Forschungsvorhaben besonders interessant? Mit dem Forschungsvorhaben greift der KVJS ein innovatives Thema in bislang einmaliger Weise auf: nämlich unter Berücksichtigung der Perspektiven unterschiedlicher Akteure.. Die Expertise bietet Hochschulen, Kommunen, Trägern und weiteren Akteuren eine Diskussionsgrundlage, die für daran anschließende Arbeiten in einem landesweiten Fachdialog fruchtbar gemacht werden sollte. Das Interview führte Gabriele Addow

Wissenschaftlicher Projektleiter Professor Dr. Gerhard Naegele von der Forschungsgesellschaft für Gerontologie/Institut für Gerontologie an der TU Dortmund

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KVJS forscht zu Zukunftsfragen in der Sozialen Arbeit
Der KVJS entwickelt und begleitet Forschungsvorhaben zu praxisrelevanten Feldern der Sozialen Arbeit. KVJS-Forschung ist anwendungsorientiert und geschieht im Dialog mit der Praxis. KVJS-Forschung greift aktuelle Fragestellungen und Problemlagen auf und liefert Grundlagen für praktikable, finanzierbare und effiziente Lösungsansätze für die Alltagsarbeit in den 44 Stadt- und Landkreisen. Zurzeit werden sechs Forschungsvorhaben umgesetzt, drei Projekte sind bereits abgeschlossen. Mehr unter: www.kvjs.de/forschung.html

Info

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Forschung

Jugendhilfe Hand in Hand
Forschungsergebnisse zu Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagesschulen
Der Ausbau der Ganztagesschulen gewinnt an Dynamik. Neben die Wissensvermittlung treten zunehmend erzieherische und betreuerische Aufgaben. Der KVJS hat in einem Forschungsvorhaben untersuchen lassen, welche Auswirkungen der Ausbau auf die Bildungs-, Betreuungsund Erziehungsangebote der Jugendhilfe hat. Jetzt wurden Ergebnisse vorgestellt.
Jugendhilfe kann durch die Ganztagesschulen ihren Aktionsradius erweitern. Gerade bei besonderen Erziehungsproblemen kann die Schule kaum ohne Hilfe durch die Jugendhilfe funktionieren. Jugendverbände können ihre Angebote einer größeren Zahl von jungen Menschen erlebbar machen. Andererseits hat der längere Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen in der Schule Auswirkungen auf die Jugendhilfe. Im Auftrag des KVJS untersuchten Wissenschaftler von der Hochschule Osnabrück und des Instituts für soziale Arbeit e.V., ob die Jugendhilfe bestimmte Leistungen reduzieren kann, wo und wie sie sich selbst in die Ganztagesschule einbringen muss oder welche ihrer Leistungen angepasst werden müssen. Ergebnisse der empirischen Erhebungen sind in vier Materialbänden veröffentlicht (als download unter www.kvjs.de/ Forschung). Als Gesamtergebnis liegt ein Praxishandbuch „Kinder- und Jugendhilfe gestalten – Ganztagsschule als Impuls für kommunale Praxisentwicklungen“ vor. Der KVJS-Landesjugendhilfeausschuss empfiehlt den öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sowie den Schulträgern und der Kultusverwaltung, die Erkenntnisse des Forschungsvorhabens bei ihrer Planung zu berücksichtigen. Landesjugendhilfeausschuss empfiehlt Praxishandbuch

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Entscheidende Rahmenbedingungen Dabei kommen die Wissenschaftler zu für das Zusammenwirken von Jugenddem Ergebnis, dass die Kinder- und Juhilfe und Ganztagsschule muss das Land gendhilfe auf ihren originären Feldern der schaffen. Neben einer gesetzlichen RegeBildung, Betreuung, Erziehung und Förde- lung der Ganztagsschule, die auch entrung von jungen Menschen auch künftig sprechende Rahmenbedingungen für eine wichtige Rolle spielen wird. Ihre Andas Zusammenwirken mit der Jugendgebote werden sich jedoch zeitlich und hilfe regeln muss, kommt es ebenso auf konzeptionell verändern. Gerade deshalb landesweite Regelungen zur regionalen ist eine sinnvolle Verzahnung von Jugend- Schulentwicklung an. hilfeplanung und Schulentwicklungsplanung in die Wege zu leiten, ebenso wie Der ausführliche Abschlussbericht zum aufeinander abgestimmte pädagogische Forschungsvorhaben findet sich im InterKonzepte von Jugendhilfe und Ganztags- net unter www.kvjs.de/forschung.html. lö schule.

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Fortbildung

Neu: Sommerwerkstatt Schulsozialarbeit
Mit den Sommerferien ist nicht nur das Schuljahr zu Ende. Auch die Schulsozialarbeit schließt das Arbeitsjahr ab. Wie im Fluge vergehen die Ferientage und schon steht das neue Schuljahr vor der Tür. Zeit für Reflexion, Planung, Erfahrungsaustausch. Was liegt noch schwer im Magen und will nun endlich verdaut werden? Welche Schwerpunkte will ich künftig setzen? Diese Fragen und mehr finden ihre Antworten in einer neuen Veranstaltung „Sommerwerkstatt Schulsozialarbeit – verdauen, loslassen und neu orientieren“ vom 31.07. - 01.08.2013 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein. Hier kommt auch der Sommer nicht zu kurz. Lassen Sie sich überraschen! Weitere Informationen und Anmeldung hier: www.kvjs.de/fortbildung/startseitefortbildung/freie-suche.html Bitte geben Sie die Buchungsnummer 13-4-JSA11-1 ein. add

Behinderung und Beruf: Aus Konflikten lernen
Konflikte gehören für das Integrationsteam zum betrieblichen Alltag. Ob eigene Konflikte oder solche, die im Arbeitsumfeld schwerbehinderter Menschen entstehen – häufig sind sie nervenaufreibend, immer kosten sie Zeit und Energie. Aber Konflikte sind auch wichtig: Sie geben die Möglichkeit, sich mit Problemen bewusst auseinander zu setzen, daraus zu lernen und Weiterentwicklung voranzutreiben. Wie das geht, erfahren Sie in der Veranstaltung „Konflikte anpacken und meistern – Das betriebliche Integrationsteam im Einsatz“ vom 18.09.2013 – 19.09.2013 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen. Weitere Informationen und Anmeldung hier: www.kvjs.de/index.php?id=215& dezernat%5B%5D=3&sb=konflikte+ anpacken&beginn1=&ende1=&fobikubu_ action=query add 25

Betreuungsrecht: Die starke „Generation 50+“
Jeder wird älter. Doch wer zur „ Generation 50 +“ zählt, macht sich im Hinblick auf seine Arbeitsbiografie verstärkt Gedanken um die berufliche Leistungsfähigkeit und die Erhaltung der Arbeitskraft. Dabei kommt es darauf an, das Mehr an Erfahrung, an Überblick, an Gelassenheit und an Sozialkompetenz immer wieder aufs Neue als Stärke zu sehen. Wie man mit dem Älterwerden konstruktiv umgehen kann, zeigt das Seminar „Älter werden im Beruf“ am 23.09.2013 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein. Weitere Informationen und Anmeldung hier: www.kvjs.de/index.php?id=215& dezernat%5B%5D=0&sb=%C3%84LTER+ WERDEN&beginn1=&ende1=&fobikubu_ action=query add

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3/2013

Neu erschienen

Publikationen – beim KVJS erschienen
Alle hier aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/service/publikationen.html zum Herunterladen zur Verfügung.

Schwerbehinderung und Arbeit
Zeitschrift behinderte Menschen im Beruf, Ausgabe Baden-Württemberg, Heft 2/2013 Die Hefte bieten Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weimar Telefon: 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de

Kostenlos zu beziehen beim KVJS Mandy Schlesinger Telefon 0711 6375-279 Mandy.Schlesinger@kvjs.de

Forschung
Personalbedarf in der Altenhilfe und Altenpflege in Baden-Württemberg – Expertise unter Berücksichtigung des Bedarfs an nicht-medizinischen Fachkräften mit akademischer Qualifikation, Abschlussbericht, März 2013 Alter erleben – Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter, Abschlussbericht, Juni 2013 Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Kinder- und Jugendhilfe gestalten – Ganztagsschule als Impuls für kommunale Praxisentwicklungen, Praxishandbuch mit CD, Juni 2013 Diane Geiger Telefon: 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de

Behinderung, Pflege, Betreuungsrecht
Fallzahlen und Ausgaben in der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII für 2011 Die 131 Seiten starke Dokumentation (erschienen im Januar 2013) unterstützt die Planung und Steuerung in den Stadt- und Landkreisen mit Daten und Fakten aus Baden-Württemberg. Hilfeplanung und Fallmanagement im Bereich der Teilhabe am Arbeitsleben, Arbeitshilfe für das Fallmanagement, März 2013 Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weißenberger Telefon 0711 6375-307 Manuela.Weissenberger@kvjs.de KVJS BtR-Info Betreuungsrecht Heft 2, 2013 Neues aus Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare.
Foto: Fotolia

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KVJSaktuell

KVJS

Impressum

KVJS aktuell Juli 2013 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Kristina Löpker (lö) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Kristina Löpker (lö) Sylvia Rizvi (syr) Jürgen Wieland (jw) Redaktioneller Hinweis: Wir bitten um Verständnis, dass wir für eine bessere Lesbarkeit in der Regel die männliche Form verwenden. Selbstverständlich beziehen sich alle Texte in gleicher Weise auf Frauen und Männer. Layout: Waltraud Gross Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206 oder -389 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de Bestellungen und Adressänderungen: Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart

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Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart

Hausadresse Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart (West)

Tel. 0711 63 75-0 www.kvjs.de
                            
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