Publication:
2013
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729516
Path:
2/2013

KVJS

aktuell

Forschung

Mitreden können – von Kindesbeinen an
Seite 20 KVJS Soziales Jugend

Ehrgeizige Ziele: Was bringt das Jahr 2013?
Seite 3

Bausteine zur Behindertenhilfe vorgestellt
Seite 7

Online zum Kindergartenplatz
Seite 12

KVJS

Inhalt
KVJS 3		 Ehrgeizige Ziele: Was bringt das Jahr 2013? 4		 Kündigungsschutz in der Familienpflegezeit 5		 Inklusion: Gemeinsam umdenken Soziales 6		 Wegweisende Blicke in die Zukunft 7		 Bausteine zur Behindertenhilfe vorgestellt Integration 9		 Ehrungswerte Arbeitgeber 10		 KVJS kommt mit Info-Stand zur REHAB 2013 11		 Innovationspreis Integration für ISAK gGmbH in Sachsenheim Jugend 12		 Online zum Kindergartenplatz 14		 Aktuelle Trends in den Hilfen zur Erziehung 2 15		 Wenn Eltern ständig über den Durst trinken 17		 Pädagogik nimmt Eltern mehr in den Blick 19		 Wann ist ein Schulkind vernachlässigt? Forschung 20		 Mitreden können – von Kindesbeinen an 21		 Kinder sollen im Heimalltag mitentscheiden Fortbildung 22		 Schneller zur richtigen Fortbildung 23		 Forschung für die Praxis vor Ort 24		 Junge Migranten – wer braucht was? 25		 Neu: Sozialmedizinische Fortbildung erster Klasse Neu erschienen 26		 Publikationen – beim KVJS erschienen

2/2013

KVJSaktuell

KVJS

Ehrgeizige Ziele: Was bringt das Jahr 2013?
KVJS stellt sich aktuellen Herausforderungen
Der KVJS will seine Forschung und Fortbildung voranbringen. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen zudem die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und der Ausbau der Kleinkindbetreuung.
Ein paar Schwerpunkte der Arbeit 2013 im Überblick: Forschung und Fortbildung Die Ergebnisse der KVJS-Forschungsvorhaben fanden zuletzt große Beachtung in den Stadt- und Landkreisen. Nun gilt es, die Ergebnisse in der Praxis nachhaltig umzusetzen. Dazu sind Fachtagungen und Berichte geplant. Ebenso gewinnt die Fortbildung an Bedeutung. Immer mehr Hochschulen treten in der beruflichen Weiterbildung in Konkurrenz zum KVJS. Der Verband pflegt daher enge Kontakte zur Wissenschaft und Forschung. Inklusion Nachdem Prof. Roland Klinger als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (LAGÖFW) Ende 2012 das Impulspapier Inklusion an Ministerin Katrin Altpeter übergeben hat, startet das Sozialministerium eine Diskussion auf politischer Ebene. Auch der KVJS stellt sämtliche Arbeitsbereiche unter den Schirm der Inklusion und begleitet den landesweiten Dialog weiter. Soziales Die fachlichen Schwerpunkte des Sozialdezernats liegen unter anderem in der Weiterentwicklung und Begleitung der Eingliederungshilfereform (einschließlich Bundesteilhabegeld). Ebenso erfordert der demografische Wandel in der Pflege, Eingliederungshilfe und Wohnungslosenhilfe neue Lösungsansätze. Der KVJS arbeitet 2013 an der Weiterentwicklung des Landesrahmenvertrags sowie der Strukturen für die rechtliche Betreuung und des Beschäftigungsbereichs für Menschen mit Behinderungen. Schließlich stehen die Entwicklung eines Landespsychiatriegesetzes an sowie weitere Teilhabeund Kreisseniorenpläne, die der KVJS im Auftrag und in Zusammenarbeit mit den Stadt- und Landkreisen entwickelt und umsetzt. Im Bereich Benchmarking, Statistik und Erhebungen präsentiert der KVJS 2013 Berichte zur Eingliederungshilfe in Baden-Württemberg, zu Pflege und Wohnungslosenhilfe. Weiterhin stehen neue Arbeitshilfen und Richtlinien (Sozialhilferichtlinien) an sowie eine Verbesserung des Service und Beratungsangebots für die Mitglieder. Der Medizinisch-Pädagogische Dienst entwickelt 2013 gemeinsam mit Luise Poustka vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim ein spezifisches Fortbildungsangebot für Mitarbeiter interdisziplinärer Frühförderstellen. Sie sollen die spezifischen Bedürfnisse von Kindern mit Autismusspektrumstörungen und ihrer Familien kennenlernen und geeignete Fördermaßnahmen im Rahmen des bestehenden Frühförderangebotes anbieten. Vergleichbare Angebote bestehen bereits in anderen Bundesländern, etwa in Bayern.

3

KVJSaktuell

2/2013

KVJS

KVJS-Integrationsamt Das KVJS-Integrationsamt wird die Aktion 1000 plus weiter verstetigen und im November 2013 mit einer Abschlusstagung abschließen. Ebenfalls zum Abschluss kommt das Forschungsprojekt „Regionale Arbeitsmarktforschung“. Zudem sind weitere Informationsveranstaltungen für Arbeitgeber mit den Kammern und Arbeitgeberverbänden geplant. Außerdem stellt das KVJS-Integrationsamt das bisherige Finanz-Controlling der Ausgleichsabgabe auf die Rahmenbedingungen des Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens – NKHR – um und führt darüber hinaus neue EDV-Bearbeitungsprogramme ein. KVJS-Landesjugendamt 4 Das KVJS-Landesjugendamt hat 2012 vier neue Stellen geschaffen. Sie dienen vor allem dazu, den wachsenden Aufgaben bei der Aufsicht über Tageseinrichtungen und Heime gerecht zu werden. 2013 werden die Anfragen und Anträge zur Erteilung der Betriebserlaubnis im Zusammenhang mit dem Rechtsanspruch auf Kleinkindbetreuung in den Stadt- und Landkreisen erneut stark ansteigen. Auch die Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) begleitet die Arbeit des KVJS im laufenden Jahr weiter. In Abstimmung mit

den Kommunalen Landesverbänden setzt sich unter Federführung des KVJS eine landesweite Arbeitsgruppe mit der weiteren Konkretisierung in Baden-Württemberg auseinander. Darüber hinaus führt das KVJS-Landesjugendamt die Bundesinitiative „Frühe Hilfen und Familienhebammen“ durch sowie die Kindeswohlprojekte „Trennung und Scheidung“ und die Förderung von Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen im Auftrag des Landes. Zudem begleitet es mit einer Beratungsstelle ehemalige Heimkinder. 2013 erscheinen verschiedene Berichte, unter anderem zu Hilfen zur Erziehung und zu Bestand und Struktur der Kindertageseinrichtungen. Im Auftrag der Kommunalen Landesverbände hat das KVJS-Landesjugendamt die Moderation zur Erstellung einer Orientierungshilfe zur Personalbemessung in der Wirtschaftlichen Jugendhilfe übernommen. Die Ergebnisse sollen in einer Broschüre veröffentlicht werden. Das EDV-Programm „Heime-BW“ umfasst mittlerweile den Bereich Hilfen zur Erziehung und Wohnheime/Internate. 2013 wird das Programm um die Einrichtungen der Eingliederungshilfe (SGB XII), in denen Minderjährige leben, erweitert. lö

Kündigungsschutz in der Familienpflegezeit
Anfang des Jahres 2012 ist das Familienpflegezeitgesetz in Kraft getreten. Demnach darf der Arbeitgeber einem Beschäftigten nicht kündigen, während sich dieser in Familienpflegezeit oder in der Nachpflegephase befindet. Nur in Ausnahmen kann eine Kündigung zulässig sein. Anträge auf Zulässigkeit prüft seit diesem Jahr der KVJS, der in Baden-Württemberg auch für Kündigungsanträge während der Elternzeit zuständig ist. Antragstellung/Kontakt: KVJS, Referat 31, Erzbergerstraße 119, 76133 Karlsruhe. mok

2/2013

KVJSaktuell

KVJS

Inklusion: Gemeinsam umdenken
Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger spricht 2013 vor Bürgermeistern
Das Impulspapier Inklusion markiert einen weiteren Schritt zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Baden-Württemberg. Aber damit Inklusion gelingen kann, braucht es die Gemeinden und die dort lebenden Menschen. KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger spricht in diesem Jahr vor mehr als 500 Bürgermeistern zum Thema Inklusion und diskutiert mit ihnen die Konsequenzen vor Ort.
Die Bürgermeister der 1.101 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg sind Schlüsselpersonen in einem Prozess, der deutlich an Fahrt aufnimmt. Sie können Anreize setzen, das Denken und Handeln in der Gesellschaft zu verändern. Die Vorträge sollen Neugierde wecken, genauer hinzuschauen und Gemeinsinn zu stiften. Gemeinden sind vor allem dort gefragt, wo eine Planung auf Kreisebene umgesetzt und gegebenenfalls örtlich zu ergänzen ist. So können Bürgermeister Kontakte zur örtlichen Wirtschaft nutzen, um wohnortnahe Jobs für Menschen mit Behinderungen zu finden. Sie sind Schlüsselpersonen bei der Dezentralisierung und Regionalisierung, zum Beispiel bei der Vermittlung oder Bereitstellung wohnortnaher und gemeindeintegrierter Wohnangebote. Im Freizeitbereich spielen Gemeinden ebenso eine Rolle. Mögliche Ansatzpunkte sind die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung, die Einbindung in das Vereins- und Gemeindeleben sowie in den örtlichen Handel. „Bürgermeister können als Multiplikator und Motivator agieren“, so Klinger.
LANDESARBEITSGEMEINSCHAFT DER ÖFFENTLICHEN UND DER FREIEN WOHLFAHRTSPFLEGE IN BADEN-WÜRTTEMBERG

Dezember 2012 Gestaltung inklusiver Wohn- und Beschäftigungsangebote Umbau der Strukturen in der Behindertenhilfe unter

Impulspapier Inklusion

5

Die Menschen haben verschiedene Vorstellungen davon, was Behinderung ist. Begleitend zum Vortrag zeigt eine Straßenumfrage, welche Bilder die Menschen im Kopf haben. Den Film finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/soziales/aktuelles-service. html. 		 lö

Impulspapier Inklusion
Das Impulspapier ist auf der Basis der Gültsteiner Tagung „Gestaltung inklusiver Wohn- und Beschäftigungsangebote – Umbau der Strukturen in der Behindertenhilfe unter Berücksichtigung der Konversion von Komplexeinrichtungen“ entstanden. Das Papier finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/soziales/menschen-mit-behinderung.html.

Info

KVJSaktuell

2/2013

Soziales

Wegweisende Blicke in die Zukunft
KVJS erarbeitet mit etlichen Kreisen Teilhabepläne und Kreisseniorenpläne
Als Kompetenz- und Dienstleistungszentrum unterstützt der KVJS die 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg bei der Erstellung von Kreisseniorenplänen und Teilhabeplänen für Menschen mit Behinderung. 23 Kreise haben den KVJS bislang beauftragt, gemeinsam mit ihnen solche Pläne zu erstellen.
Die Stadt- und Landkreise gewährleisten, dass soziale Dienste und Einrichtungen für Senioren sowie für Menschen mit Behinderung in der erforderlichen Qualität zur Verfügung stehen. Der KVJS unterstützt sie bei der Erstellung von Teilhabeplänen und Kreisseniorenplänen als Grundlage dafür. Die Federführung bleibt bei den Kreisen. 21 Kreise suchten seit 2005 Hilfe bei Teilhabeplänen für Menschen mit geistiger Behinderung, elf Kreise erarbeiteten Teilhabepläne für Menschen mit psychischen Erkrankungen und vier Kreise erstellten gemeinsam mit dem KVJS Kreisseniorepläne. „Wir haben für 2013 und 2014 weitere vielversprechende Anfragen für Teilhabepläne, über die wir uns sehr freuen“, sagt Christine Blankenfeld, stellvertretende Referatsleiterin beim KVJS. Insgesamt hat Baden-Württemberg bei der Erstellung von Teilhabeplänen bundesweit Standards Dunkel markiert: Stadt- und Landkreise, die den KVJS für einen Teilhabe- oder Kreisseniorenplan beauftragt haben. Grafik: KVJS gesetzt. Teilhabepläne und Kreisseniorenpläne geben einen fundierten Blick in die Zukunft und bieten eine Grundlage für kommunalpolitische Entscheidungen. Auf dieser Basis können Entwicklungen geplant und gesteuert werden. Ein Teilhabe- oder Kreisseniorenplan gibt Handlungsempfehlungen für die qualitative und quantitative Weiterentwicklung der Angebote im Kreis. Mit einer umfassenden Bestandserhebung 2/2013 wird eine solide Datenbasis geschaffen, die in der Planung durch eine Bedarfsvorausschätzung in die Zukunft fortgeschrieben wird. Die Stadt- und Landkreise können Teilhabe- und Kreisseniorenpläne in den Folgejahren mit einer vergleichsweise einfachen Datenerhebung selbst fortschreiben oder den KVJS beauftragen, die Planung der tatsächlichen Entwicklung anzupassen und neu zu bewerten. lö

6

KVJSaktuell

Soziales

Viele Wege führen zur Inklusion
13 Stadt- und Landkreise stellen Bausteine zur Behindertenhilfe vor
Die einen organisieren Sommerferien, in denen auch Kinder mit Seh- oder Gehbehinderung nicht zu kurz kommen, andere verhelfen Menschen mit schwersten Behinderungen zu Arbeit: 13 Stadt- und Landkreise haben in den letzten zwei Jahren mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) Wege zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben erarbeitet. Am 19. März präsentierten sie ihre neuen Bausteine zur Eingliederungshilfe.
Der KVJS förderte von 2008 bis 2012 Baustein-Projekte zur Weiterentwicklung der Behindertenhilfe. Insgesamt stellt der Verband den Stadt- und Landkreisen eine Million Euro zur Verfügung. Unter wissenschaftlicher Begleitung entwickelten und erprobten sie innovative Ideen. 13 Kreise präsentierten in Stuttgart nun ihre neuen Projekte zu den Schwerpunkten „Inklusion von Kindern und Jugendlichen“, „verbesserte Teilhabe im Bereich Arbeit“ sowie „verbesserte Teilhabebedingungen von Menschen mit Migrationshintergrund in der Behindertenhilfe“. Dabei waren die Stadt - und Landkreise Alb-Donau-Kreis, Biberach, Böblingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Enzkreis, Pforzheim, Esslingen, Karlsruhe, Lörrach, Main-Tauber-Kreis, NeckarOdenwald-Kreis, Schwarzwald-Baar-Kreis, Tübingen. Vielfalt ist normal Gemeinsam ist den Teilnehmenden die Erfahrung: Inklusion ist kein Selbstläufer. In der Bevölkerung gibt es noch oft Berührungsängste, in Einrichtungen ist manchmal auch das Perso- Projektverantwortliche aus der Wissenschaft und den Kommunen berichteten auf der „Bausteine“-Abschlusstagung den Tagungsgästen von ihren Erfahrungen. Foto: Milsch nal skeptisch gegenüber Veränderungen. Wichtig sind deshalb „Fackelträger“ wie etwa engagierte Bürgermeister oder Vereine. Mit ihnen gelingt es, auch Skeptiker ins Boot zu holen. Denn Inklusion ist möglich, Vielfalt ist normal. Kitas und Einrichtungen entdeckten im Projektverlauf neue Blickwinkel und konnten ihr Angebot erweitern. Arbeitsangebote und Praktika für Erwachsene mit Behinderung wurden geschaffen. Vor Ort lernte man sich besser kennen. „Viele haben ihre

7

KVJSaktuell

2/2013

Soziales

In der Werksiedlung St. Christoph in Kandern (Kreis Lörrach) erproben WfbM so genannte Förderinseln, die Menschen mit hohem Hilfebedarf individuell unterstützen. 								 Bilder: Werksiedlung St. Christoph

skeptische Haltung verändert, das war ein großer Gewinn“, sagt etwa Bürgermeisterin Sarina Pfründer aus Sulzfeld aus dem Kreis Karlsruhe. Nun sollen die BausteinProjekte in den Alltag überführt werden. Der KVJS als überörtlicher Träger der Sozialhilfe in Baden-Württemberg organisiert mit den Baustein-Projekten den fachlichen Austausch zwischen Menschen mit Behinderung, Wissenschaft und Fachleuten aus Behindertenhilfe und Verwaltung. Er begleitet sie inhaltlich und hilft dabei, die Ideen zur Praxisreife zu entwickeln. „Der Verband bietet den Kreisen wissen-

schaftlich fundierte Aussagen, wie sie die Behindertenhilfe wirtschaftlich effizient an neue Anforderungen anpassen können“, sagt Michael Heck vom KVJS. „Von den Ergebnissen profitieren alle 44 Stadtund Landkreise in Baden-Württemberg.“ Bereits 2010 wurden die ersten zwölf Projekte abgeschlossen mit den Schwerpunkten Alltagsgestaltung für behinderte Seniorinnen und Senioren im Ruhestand, Flexibilität beim ambulanten und stationären Wohnen sowie Selbständigkeitstraining. Projekte zur Wohnungslosenhilfe In einer nächsten Phase lädt der KVJS die Kreise ein, zusätzlich Projekte aus der Wohnungslosenhilfe zu erproben. Gefragt sind innovative Konzepte und Beispiele gelungener Zusammenarbeit zwischen Sozialämtern und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Denn immer wieder knirscht es im Hilfe-Dreieck aus Betroffenen, Einrichtungen und Behörden. Da sind die Obdachlosen, die Hilfe benötigen und die Einrichtungen, die was tun wollen. Da sind die Sozialämter, die nicht nur Zahlmeister sein möchten, sondern auch Hilfe planen wollen, denen die betroffenen Menschen aber oft mit Misstrauen begegnen – sie alle haben unterschiedliche Sichtweisen. syr/lö

8

Die bisherigen neuen Bausteine in der Eingliederungshilfe im Internet: www.kvjs.de/soziales/forschung-und-projekte/ bausteine-der-eingliederungshilfe.html Ihre Ansprechpartnerinnen: Projekte der Behindertenhilfe Bettina Süßmilch Telefon: 0711 6375-397 E-Mail: Bettina.Suessmilch@kvjs.de

Info

Projekte der Wohnungslosenhilfe Barbara Milsch Telefon: 0711 6375-217 E-Mail: Barbara.Milsch@kvjs.de

2/2013

KVJSaktuell

Integration

Ehrungswerte Arbeitgeber
KVJS zeichnet Arbeitgeber-Engagement aus
Ein Kleinbetrieb engagiert sich für Beschäftigte mit geistiger Behinderung, ein Callcenter passt Arbeitsplätze für Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer an und zwei große öffentliche Arbeitgeber betreiben ausgezeichnetes BEM: Die Bilanz der KVJS-Auszeichnungsaktion zeigt die Vielfalt von Arbeitgeber-Engagement für schwerbehinderte Beschäftigte.
Die LAKO – Laupheimer Kokosweberei – engagiert sich besonders für Menschen mit geistiger Behinderung. Das Kleinunternehmen hat vier statt der vorgesehenen zwei schwerbehinderten Menschen beschäftigt und arbeitet seit Jahren eng mit dem Heggbacher Werkstattverbund zusammen. In dessen Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) werden Aufträge der LAKO erledigt. Die Werkstatt wiederum hilft der LAKO bei Auftragsspitzen mit Mitarbeitern aus. 2005 wurde der erste Mitarbeiter mit Behinderung von der Werkstatt übernommen. Zwei weitere sind ihm bis heute gefolgt. Die LAKO ist mit 42 Beschäftigten das kleinste ausgezeichnete Unternehmen. Die Firma hat sich auf Türmatten, Autoteppiche und digital bedruckte Werbematten spezialisiert. Es liefert seine Produkte weltweit in mehr als 80 Länder. Das 1936 von dem Großvater der heutigen Inhaber gegründete Unternehmen bietet auch Praktika für Menschen mit Behinderung an. Die Praktikantinnen und Praktikanten, Beschäftigte der Werkstatt oder Klienten des Integrationsfachdienstes, machen so oft ihre erste Erfahrung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Maßgeschneiderte Arbeitsplätze Das Besondere an der ebenfalls als beispielhaft behindertenfreundlich ausgezeichneten SympaTel Telemarketing AG ist ihre große Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer schwerbehinderten Beschäftigten. Im Call-Center in Karlsruhe arbeiten rund 100 Personen. Dort sind auch blinde und sehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer beschäftigt, deren Arbeitsplätze mit Unterstützung des KVJS-Integrationsamtes speziell angepasst wurden. Soziale Kompetenz zeigt das Unternehmen besonders, wenn es um Menschen mit starken Einschränkungen geht. Ein körperlich sehr eingeschränkter Rollstuhlfahrer wird von seinen Kollegen unterstützt und ist fest in das Team integriert. Als ein sehbehinderter Mitarbeiter erblindete, wurde er weiterbeschäftigt, auch wenn er zunächst neue Techniken wie die Blindenschrift erlernen musste – ein besonders erfolgreicher Fall der beruflichen Wiedereingliederung. Ein weiterer Pluspunkt der SympaTel ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst und dem KVJS-Integrationsamt. Mit Begleitung des Integrationsfachdienstes sind am Standort Karlsruhe zehn Praktika durchgeführt worden. Acht Praktikantinnen und Praktikanten wurden übernommen. Mit insgesamt zehn Prozent schwerbehinderter Mitarbeiter liegt das ausgezeichnete Unternehmen genau 100 Prozent über der Pflichtquote.

9

KVJSaktuell

2/2013

Integration

Gleich zwei Mal geehrt Das Ostalb-Klinikum Aalen erhielt gleich zwei Auszeichnungen. Von über 900 Arbeitsplätzen des Ostalb-Klinikums sind mehr als sieben Prozent mit schwerbehinderten Menschen besetzt. Die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote von fünf Prozent wird damit deutlich übertroffen. Die Klinik bemüht sich vorbildlich um die Integration schwerbehinderter Menschen, etwa durch behinderungsgerecht angepasste Arbeitsplätze. Das brachte eine Ehrung als beispielhaft behindertenfreundlicher Arbeitgeber ein. Zudem zeichnete der KVJS das akademische Lehrkrankenhaus der Universität Ulm und Klinikum der Zentralversorgung für sein Betriebliches Eingliederungsmanagement aus. Das BEM soll bei Erkrankungen ab sechs Wochen im Jahr die Rückkehr an den Arbeitsplatz erleichtern, gesundheitliche Belastungen reduzieren, chronische Krankheiten oder Behinderungen verhindern und den Arbeitsplatz langfristig sichern. Die dafür nötige Zusammenarbeit von Arbeitgeber, Betroffenen, Personalrat,

Schwerbehindertenvertretung und Fachleuten setzte das Ostalb-Klinikum besonders erfolgreich um. Das Klinikum vereinbarte konkrete, an den betrieblichen Strukturen orientierte Maßnahmen. Die Führungskräfte des Klinikums wurden durch eine eigene Fortbildung für das BEM-Thema sensibilisiert. So schloss das Unternehmen im Jahr 2010 von 13 Fällen zehn erfolgreich ab, im Jahr 2011 acht von zehn Verfahren. Kündigungen oder vorzeitiger Ruhestand konnten vermieden werden. Darüber hinaus wurden Ausfallzeiten und Krankheitskosten verringert, die Mitarbeitermotivation erhöht und Perspektiven für schwerbehinderte Menschen und Langzeitkranke geschaffen. Eine Auszeichnung für erfolgreiches Betriebliches Eingliederungsmanagement ging ebenfalls an die Staatstheater Stuttgart. Ihr Konzept wurde bereits in der letzten Ausgabe (1/2013) ausführlich vorgestellt. Beide Preisträger wurden bei der Einführung ihres BEM durch das KVJS-Integrationsamt beraten und unterstützt. mok

10

KVJS kommt mit Info-Stand zur REHAB 2013
Vom 25. bis 27. April 2013 findet in Karlsruhe die 17. internationale Fachmesse für Rehabilitation, Therapie und Prävention statt. Mit rund 550 Ausstellern ist die REHAB eine der weltweit führenden und größten Fachmessen für Rehabilitation. Auf dem Messe-Programm stehen sowohl Medizin- und Rehatechnik als auch ganzheitliche, psychologische Rehabilitation. Telemedizinische Geräte, IT-gesteuerte intelligente Hilfsmittel und vieles mehr bieten neue Perspektiven für Patienten und Fachpersonal. Der Info-Stand des KVJS-Integrationsamtes ist in Halle 2, Standnummer O25, zu finden. mok

2/2013

KVJSaktuell

Integration

Freude im Holderbusch
Innovationspreis Integration für ISAK gGmbH in Sachsenheim
Die Mischung macht´s bei der ISAK: Lohndienstleistungen einerseits, Weinstube und eigener Weinbau andererseits bieten viele unterschiedliche Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Dafür gab es den „Innovationspreis Integration“.
Mit dem Preis für die gemeinnützige Integrations-GmbH „ISAK – Initiative zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Körperbehinderte“ würdigt der KVJS ein erfolgreiches Integrationskonzept für den Übergang von besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. 1991 in Sachsenheim gegründet, bietet die ISAK industrielle Lohndienstleistungen an wie Kommissionierung, Montagen, Sichtkontrollen und Verpackung. Im Jahr 2007 kam der Bereich Weinbau mit Sommerbesenwirtschaft hinzu. 2010 schließlich öffnete die Weinstube „´sHolderbüschle“ mit 120 Plätzen. Mit der neuen Weinstube gelang es der ISAK, ein neues, selbstbestimmtes Geschäftsfeld zu etablieren. Für die rund 100 schwerbehinderten Mitarbeiter gibt es so in den verschiedenen Geschäftsfeldern der ISAK Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Anforderungen. Zudem kooperiert die ISAK beispielhaft mit der Ludwigsburger Schule am Favoritepark für Geistig- und Körperbehinderte. Die Schülerinnen und Schüler können sich in Praktika in der Gastronomie regelmäßig in verschiedenen Bereichen erproben. Ein Schul-Abgänger bekam bereits nach einem Weinstube ohne Barrieren Langzeitpraktikum eine feste Arbeitsstelle. Das KVJS-Integrationsamt fördert das Unternehmen mit Zuschüssen zu den Investitionskosten sowie Lohnkostenzuschüssen. 		 mok

Foto: Löpker

11

Von links: KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger und Landesbehindertenbeauftragter Gerd Weimer überreichen den Innovationspreis Integration 2012 an Manfred Renk, Margot Müller und Thomas Wenzler von der ISAK. Foto: ISAK/ Possler

KVJSaktuell

2/2013

Jugend

Online zum Kindergartenplatz
Neues Modul des Programms „Kita-Data-Webhouse
Bernd Hausmann vom KVJS-Landesjugendamt hat bei der Sitzung des KVJS-Landesjugendhilfeausschusses im März ein neu entwickeltes EDVAngebot für Städte und Gemeinden präsentiert. Es ermöglicht den Eltern für die Kindertagesbetreuung eine zentrale Vormerkung.
Schon seit mehreren Jahren verfügt ein Großteil der Träger von Kindertageseinrichtungen über ein vom KVJS und den kirchlichen Trägerverbänden in BadenWürttemberg entwickeltes EDV-Programm namens „Kita-Data-Webhouse (KDW)“. Die moderne und kundenfreundliche Melde- und Statistiksoftware dient den Trägern als Instrument zur Erfüllung ihrer Meldepflicht. Bis heute nutzen 78 Prozent der rund 8.420 Einrichtungen in Baden-Württemberg einen Online-Zugang zu dem Programm. Besserer Service für Eltern Interessierte Städte und Gemeinden sowie der Städte- und Gemeindetag BadenWürttemberg hatten den KVJS angefragt, inwieweit das Programm „Kita-Data-Webhouse“ um ein Modul für die zentrale Vormerkung für die Kindertagesbetreuung ergänzt werden könne. Die Kommunen signalisierten Interesse an einem Verfahren, mit dem zentral die Bedarfsanmeldung der Eltern erfasst, der weitere Prozess der Platzvergabe begleitet und die Angebote einer bedarfsgerechten Betreuung gesteuert werden können. Gleichzeitig wünschten sich die Eltern ein transparentes und nachvollziehbares Verfahren, das ihnen die Suche nach einem Betreuungsplatz so einfach wie möglich macht. Mit dem neu entwickelten Modul „Zentrale Vormerkung“ ist es gelungen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Für das Modul wurde bewusst die Bezeichnung „Zentrale Vormerkung“ gewählt, nachdem es dabei nicht um eine verbindliche Anmeldung in einer konkreten Einrichtung oder um eine zentrale Platzvergabe geht, sondern um die Anmeldung des gewünschten Betreuungsbedarfes und der Auswahl der favorisierten Einrichtungen. Bernd Hausmann vom KVJS-Landesjugendamt betonte in diesem Zusammenhang: „Eltern können angeben, ab welchem Zeitpunkt ihr Kind betreut werden soll, in welchem zeitlichen Umfang am Tag oder in der Woche die Betreuung in Anspruch genommen werden soll und in welchen Einrichtungen die Betreuung gewünscht wird. Maximal drei können genannt werden. Die konkrete Platzvergabe und Anmeldung mit Abschluss des Betreuungsvertrages wird dann zwischen den Eltern und der Einrichtung verhandelt und vereinbart.“ Am Ende dieses Prozesses macht die Einrichtung das Ergebnis im Modul „Zentrale Vormerkung“ sichtbar, sodass die Gemeinde signalisiert bekommt, ob das Kind einen wunschgemäßen Betreuungsplatz erhalten hat. Wie erfolgt die zentrale Vormerkung? Es gibt zwei Wege, wie die zentrale Vormerkung erfolgen kann. Auf der einen Seite können sich die Eltern über ein gesichertes Verfahren online registrieren und die notwendigen Angaben für die Vor-

12

2/2013

KVJSaktuell

Jugend

merkung eintragen und speichern. Auf der anderen Seite kann die jeweilige Gemeinde eine zentrale Anlaufstelle schaffen, an die sich die Eltern wenden können. Die Anlaufstelle überträgt die Angaben der Eltern in das System. Beide Wege haben gemeinsam, dass eine zentrale Stelle bei der Gemeinde im Anschluss die Angaben validiert. Erst danach folgt die Weitergabe der Angaben an die ausgewählten Tageseinrichtungen. Die Gemeinden können weitere Abfragen, die das Modul noch nicht enthält, einfließen lassen, wenn es dabei um die Merkmale von Kindern und Eltern geht und die örtlichen Vorgaben oder politischen Prioritätensetzungen dies erfordern. Dabei müssen die Gemeinden die datenschutzrechtlichen Vorgaben (wie Einwilligungserklärung der Eltern) beachten.

Am Ende handelt es sich bei dem neuen Modul nicht nur um ein transparentes und benutzerfreundliches EDV-Programm, sondern auch um ein kostenloses Angebot für die Städte und Gemeinden zur zentralen Vormerkung der Kindertagesbetreuung. jw

Kontakt
Bernd Hausmann Telefon: 0711 6375-211 E-Mail: Bernd.Hausmann@kvjs.de Hans-Jürgen Peckruhn Telefon: 0711 6375-412 E-Mail: Hans.Peckruhn@kvjs.de Weitere Informationen www.kvjs.de/jugend/jugendhilfeplanung/ kita-data-webhouse.html www.kitaweb-bw.de

13

Info

Freie Kita-Plätze ab jetzt im Internet.					

Foto: R. Sturm, pixelio

KVJSaktuell

2/2013

Jugend

Aktuelle Trends in den Hilfen zur Erziehung
KVJS-Berichterstattung zeigt die Entwicklung in Baden-Württemberg
Im September erscheint ein neuer Bericht zu den Hilfen zur Erziehung. Um die Ergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen, bieten die Fachleute des KVJS-Landesjugendamtes in einer Transfer-Phase kreisbezogene Analysen und Expertengespräche an. Bereits jetzt gibt es die ersten Terminvereinbarungen.
Der erste Bericht zu Entwicklungen und Rahmenbedingungen der Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen in BadenWürttemberg erschien 2008. Er stellte erstmals die landesweite Fallzahl- und Ausgabendynamik der Jahre 2003 bis 2006 bei der Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen und der Hilfen für seelisch behinderte Minderjährige dar. Grundlegende Trends und Ursachen der Veränderungen wurden damit sichtbar. Dies wird im neuen Bericht für den Zeitraum von 2006 bis 2011 fortgeschrieben. „Wir werden den Stadt- und Landkreisen und der Fachöffentlichkeit vielschichtige Fakten und neue Erkenntnisse zu den Ursachen der beobachteten Entwicklungen präsentieren können“, berichtet Kathrin Binder vom KVJS-Landesjugendamt. Fachveranstaltungen im September Der Auftakt für die Umsetzung in die Praxis erfolgt auf zwei jeweils halbtägigen, inhaltlich identischen Fachveranstaltungen am 24. September 2013 in Flehingen und am 25. September 2013 in Stuttgart. Dort werden grundlegende Befunde zum Hilfegeschehen und zentrale Erkenntnisse zu den Ursachen der Entwicklungen vorgestellt. Zudem werden die vom KVJSLandesjugendamt angebotenen Transferleistungen näher erläutert. Einladungen zur kostenlosen Teilnahme an diesen Fachveranstaltungen erfolgen im Laufe des April. Bereits jetzt ist es möglich, sich über das Internet unter www.kvjs.de/fortbildung/jugendhilfe.html anzumelden. „Der Transfer bleibt das Herzstück unserer Berichterstattung“, betont Dr. Ulrich Bürger, der den Bericht gemeinsam mit Kathrin Binder erarbeitet. „Der eigentliche Wert einer solchen Ausarbeitung erschließt sich erst in der Weiterarbeit mit dem umfangreichen Datenmaterial auf der örtlichen Ebene und im intensiven fachlichen Austausch zu Befunden und möglichen Folgerungen. Dabei werden wir die Kreise und anderweitig Interessierte in bewährter Weise unterstützen.“ Unabhängig davon empfehlen Kathrin Binder und Ulrich Bürger allen, die an den Transferleistungen interessiert sind, sich schon jetzt wegen verbindlicher Terminvereinbarungen mit ihnen in Verbindung zu setzen. „Vor allem im Blick auf feststehende Gremientermine kann es mit Vortragszusagen schon mal eng werden“, sagt Kathrin Binder. „Allerdings haben wir auch das Jahr 2014 fest für die Erbringung von Transferleistungen eingeplant“, ergänzt Dr. Bürger, „so dass wir tatsächlich allen Terminwünschen im gebotenen Umfang nachkommen können.“ mok

14

Kontakt
Kathrin Binder, Telefon 0711 63 75-214 (Regierungsbezirke Freiburg und Karlsruhe) Dr. Ulrich Bürger, Telefon 0711 6375-442 (Regierungsbezirke Stuttgart und Tübingen)

Info

2/2013

KVJSaktuell

Jugend

Alkohol kann Familien zerstören.

			

Foto: Womue-Fotolia

15

Wenn Eltern ständig über den Durst trinken
Projekt Schulterschluss fördert Hilfenetz für Kinder von Suchtkranken
Sucht in der Familie – ein Thema, über das man nicht spricht. Dabei sind die Fakten alarmierend: In Baden-Württemberg gibt es rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren, deren Eltern alkoholabhängig sind. Mehr Schutz und Unterstützung für diese Kinder verspricht Schulterschluss, ein Kooperationsprojekt des KVJS, der Landesstelle für Suchtfragen und der Liga der freien Wohlfahrtspflege. Gefördert wird das Projekt vom Land mit insgesamt 100 000 Euro.
Kinder suchtkranker Eltern leiden häufig unter sozialen, psychischen und körperlichen Belastungen. Sie sind besonders gefährdet, auch eine chronische Krankheit zu entwickeln und schaffen es in vielen Fällen nicht, ihr Leben später selbst in die Hand zu nehmen. Die Einbindung von Suchtberatungsstellen in die Kooperation der Kinder- und Jugendhilfe kann zu einem wirksameren Schutz junger Menschen beitragen. „Jugendhilfe und Suchthilfe haben ein gemeinsames Ziel: das funktionierende Zusammenleben von Eltern und ihren Kindern“, macht Projekt-Koordinatorin Irmgard Wijnvoord vom KVJS-Landesjugendamt deutlich. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es notwendig, das fachliche Handeln aufeinander abzustimmen. Bereits seit 20 Jahren bemühen sich die Suchthilfeeinrichtungen der Wohlfahrtsverbände in Baden-Württemberg, Angebote für Kinder aus Suchtfamilien auf die Beine zu stellen. Beim Caritasverband Stuttgart beispielsweise gibt es „Pro Kids“ – ein seit 2003 im Fachdienst Suchtberatung und Suchtbehandlung integriertes Angebot für betroffene Kinder und

KVJSaktuell

2/2013

Jugend

ihre Eltern. Präventive Gruppenarbeit für Kinder ab sechs Jahren gehört ebenso zum Programm wie persönliche Beratung, Elternkurse oder Familienferien mit Bildungsangeboten. Oberstes Ziel von „Pro Kids“ ist Im Gespräch: Myriam Klein (links) und Sabine Pohlner von die frühzeitige Abder Caritas-Suchtberatung in Stuttgart. Foto: Addow sicherung des Kindeswohls, um die Entwicklungschancen der Kinder durch ein gezieltes Zusammenwirken der vorhandenen Angebote zu verbessern. Denn „Söhne und Töchter aus suchtbelasteten Familien brauchen besondere Hilfen– um im schwierigen Alltag besser klar zu 16

kommen, um gesundes Selbstvertrauen entwickeln zu können, um später nicht selbst suchtkrank zu werden“, so CaritasMitarbeiterin Myriam Klein. Die erfahrene Sozialpädagogin und systemische Familientherapeutin weiß, wovon sie spricht, begleitet sie dieses Unterstützungsangebot doch schon seit seiner Geburtsstunde. Zwischen Sucht- und Jugendhilfe gibt es zwar eine Kooperationsvereinbarung, die eine Zusammenarbeit im Kinderschutz regelt. Trotzdem sind vielerorts Strukturen und Absprachen noch nicht klar geregelt. „Ein mehr oder weniger loses Netzwerk von verschiedenen Akteuren reicht effektiv nicht aus, um betroffenen Kindern nachhaltig zu helfen“, betont Sabine Pohlner, Fachdienstleiterin der Suchtberatungsstelle. Im Projekt Schulterschluss sieht sie daher die große Chance, dies zu ändern. Die Idee: Mitarbeiter der Jugendund der Suchthilfe werden in gemeinsamen Seminaren geschult und sollen eine spezifische verbindliche Netzwerkstruktur anstoßen, entwickeln oder konsolidieren, je nachdem, welche örtlichen Strukturen bereits bestehen. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, möglichst früh aktiv zu werden und auch lernen, wie die Kontakte zwischen Eltern, Diensten und Einrichtungen verbessert und enger werden können. Einen Projektantrag möchte die Stuttgarter Suchtberatungsstelle der Caritas deshalb auf jeden Fall stellen. „Im Moment laufen noch Abstimmungsgespräche, in welcher Netzwerkform wir künftig eine Zusammenarbeit sicherstellen wollen“, so Sabine Pohlner. Als Suchthilfeverbund Stuttgart trägerübergreifend zu agieren, hätte nach ihrer Einschätzung den Vorteil, dass hierüber die Versorgungsangebote besser aufeinander abgestimmt und gemeinsam weiterentwickelt werden könnten. add

Passgenaue Schulungen vor Ort
Kernstück des Projekts sind zweitägige Inhouse-Seminare. Sie beinhalten die vier Themen-Module „Kinderschutz für Kinder aus suchtbelasteten Familien“, „Lebenslagen von Kindern aus suchtbelasteten Familien“, „Elternarbeit im Suchtkontext“ und „Kooperationsbeziehung zwischen Jugendhilfe und Suchthilfe“. Die Module werden land- und stadtkreisbezogen durchgeführt und in einer Vorplanung mit der KVJSProjekt-Koordinationsstelle passgenau auf die jeweilige Situation der beteiligten Einrichtung abgestimmt. Die Seminare können noch bis zum 30.06.2014 beantragt werden. Alle dafür notwendigen Unterlagen erhalten Sie bei der KVJS-Projekt-Koordinationsstelle: Irma Wijnvoord Telefon 0711 6375-429 Irma.Wijnvoord@kvjs.de Direkt zum Downloaden auf der Internetseite www.suchtfragen.de Bitte wählen Sie den Menüpunkt „Schulterschluss“.

Info

2/2013

KVJSaktuell

Jugend

Pädagogik nimmt Eltern mehr in den Blick
14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung
Wolfgang Trede, Leiter des Jugendamts des Landkreises Böblingen und Mitglied der zuständigen Sachverständigenkommission, hat bei der letzten Sitzung des Landesjugendhilfeausschusses die wesentlichen Erkenntnisse aus dem 14. Kinder- und Jugendbericht präsentiert.
Herausgeber: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Referat Öffentlichkeitsarbeit 11018 Berlin www.bmfsfj.de

In jeder Legislaturperiode legt der Deutsche Bundestag dem Bundesrat einen Bericht über die Lage junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe vor. Jeder dritte Bericht soll dabei einen Überblick über die Gesamtsituation der Kinder- und Jugendhilfe geben. Der neue Bericht erschien Ende Januar 2013.
Für weitere Fragen nutzen Sie unser Servicetelefon: 030 20179130 Montag–Donnerstag 9–18 Uhr Fax: 030 18555-4400 E-Mail: info@bmfsfjservice.bund.de Druck: Bonifatius GmbH, Paderborn

Bezugsstelle: Publikationsversand der Bundesregierung Postfach 48 10 09 18132 Rostock Tel.: 0180 5 778090*

Fax: 0180 5 778094* Gebärdentelefon: gebaerdentelefon@sip.bundesregierung.de E-Mail: publikationen@bundesregierung.de www.bmfsfj.de

Einheitliche Behördennummer: 115** Zugang zum 115-Gebärdentelefon: 115@gebaerdentelefon.d115.de Artikelnummer: 5BR125 Stand: Januar 2013, 1. Auflage Gestaltung: www.avitamin.de Bildnachweis Frau Dr. Schröder: BMFSFJ/L. Chaperon

Als Mitglied der Sachverständigenkommission, die den 14. Kinder- und Jugendbericht erarbeitet hat, gab Wolfgang Trede bei der Sitzung des Landesjugendhilfeausschusses die zentralen Befunde wieder. Junge Menschen würden in Deutschland immer stärker in öffentlich verantworteten und öffentlich gestalteten Bildungs-, Betreuungs- und ErziehungsRäumen aufwachsen – ohne dass die familiär-private Verantwortung deswegen eine geringere Bedeutung hätte. Der aktivierende Sozialstaat sei bestrebt, Eltern möglichst früh bei einer optimalen Förderung des Kindes zu unterstützen – und überwache gleichzeitig zunehmend die familiäre Erziehungstätigkeit. Kinder zwischen Familie, Jugendhilfe und Internet Die wachsende Bedeutung insbesondere von Internet, sozialen Netzwerken oder Smartphones präge dabei zunehmend den Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und stelle die Kinder- und Jugendhilfe vor neue Herausforderungen.

*

Bericht über die Lebenssituation junger Menschen Darüber hinaus macht der und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe Bericht deutlich, so Wolfin Deutschland gang Trede, dass die Kinder- und Jugendhilfe ihre Angebote immer stärker auf die ganze Familie fokussiert. Die Kinder- und Jugendhilfe erbringe ihre Angebote immer stärker in Kooperation mit anderen Akteuren – sei es mit dem Gesundheitssystem, der 17 Schule oder den Arbeitsagenturen/Jobcentern. Die Kinder- und Jugendhilfe sei aufgrund ihres Wachstums zu einem erheblichen Kostenfaktor in den Kommunalhaushalten geworden und stehe daher unter einem starken Legitimations- und Spardruck.

Vorbildliche „Frühe Hilfen“ im Land Wolfgang Trede zeigte auch die landesspezifischen Besonderheiten von Baden-Württemberg auf. Demnach gebe es einen sehr guten Ausbau- und Entwicklungsstand bei den Frühen Hilfen. BadenWürttemberg sei bundesweit vorbildhaft bei der frühen Eltern- und Familienbildung. Wolfgang Trede führte in diesem Zusammenhang das Landesprogramm STÄRKE an. Der U3-Ausbau liege mit einer Quote der Inanspruchnahme von 23,1 Prozent der unter Dreijährigen zum 1. März 2012 ungefähr im Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer.

KVJSaktuell

14. Kinder- und Jugendbericht

14. Kinder- und Jugendbericht

2/2013

Jugend

Wolfgang Trede stellte abschließend fest: „Die Kinder- und Jugendhilfe, das zeigt der Bericht an vielen Stellen, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie scheint als zunehmend notwendiger und von Familien selbstverständlich genutzter Teil der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur zu fungieren, woraus der Kinder- und Jugendhilfe eine neue Verantwortung erwächst. Zum einen mit Blick auf die Qualität und Wirksamkeit ihrer Leistungen und zum anderen mit Blick auf ihren Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheit.“

Roland Kaiser, Leiter des KVJS-Landesjugendamtes, kommentierte den 14. Kinder- und Jugendbericht wie folgt: „Der vorliegende 14. Kinder- und Jugendbericht ist nach zehn Jahren wieder ein Gesamtbericht und beschreibt wissenschaftlich fundiert die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Nun sind Politik in Bund, Ländern und Kommunen und ebenso die Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe gefordert, die Empfehlungen sorgfältig zu prüfen, Konsequenzen daraus zu ziehen und Umsetzungsschritte zu starten.“ jw

18

Datenschutz, Urheberrecht, Mobbing – im Internet surfende Kids fordern Eltern und pädagogische Fachkräfte. 										Foto: KVJS

Info

Weitere Informationen:
Der Bericht kann beim Bundesjugendministerium als Druckfassung bestellt und als PDF-Datei heruntergeladen werden: www.bmfsfj.de (Service/Publikationen)

2/2013

KVJSaktuell

Jugend

Wann ist ein Schulkind vernachlässigt?
Neue Einschätzskala soll Fachkräften helfen
Sven kommt angetrunken in die Tagesgruppe, Kerstin ist auffällig blass und Selina macht grundsätzlich keine Hausaufgaben. Beweise für Vernachlässigung oder kindliches Fehlverhalten? Der KVJS hat die Entwicklung einer speziellen Einschätzskala für Schulkinder im Alter von sechs bis 14 Jahren in Auftrag gegeben. Sie soll vor allem Fachkräften in Tageseinrichtungen helfen, Anzeichen von Vernachlässigung besser zu erkennen und ihr Handeln danach auszurichten.
Insgesamt werden in Baden-Württemberg 29.464 Schulkinder in betriebserlaubnispflichtigen Tageseinrichtungen betreut. Dazu zählen der Hort, der Hort an der Schule und altersgemischte Gruppen. Durch den erheblichen Ausbau der Ganztagsbetreuung in Baden-Württemberg ist damit zu rechnen, dass sich die Zahl der zu betreuenden Schulkinder wesentlich erhöhen wird. In Baden-Württemberg wurde die „KiWoSkala KiTa“ für Kinder im Alter von null bis Schuleintritt bereits sehr erfolgreich als ein Instrument zur angeleiteten Bewertung und Einschätzung von Auffälligkeiten von Kindern in Kindertageseinrichtungen eingeführt. Sie basiert auf der Lippstädter Einschätzskala, die nach ausführlicher fachlicher Prüfung verändert, erweitert und neu aufgebaut wurde. Eine vergleichbare Einschätzskala gibt es bei der „KiWo-Skala Schulkind“ allerdings nicht. Sie muss deshalb völlig neu entwickelt werden. Wichtig ist hier vor allem die Erfassung typischer alters- und entwicklungsspezifischer Merkmale. Dazu zählen Themen wie zum Beispiel Suizidgedanken, Substanzmissbrauch, extremes Risikoverhalten sowie fehlende Selbstwirksamkeitserfahrung und Leistungsverweigerung. Geprüft werden soll auch ein methodisch erweiterter Einsatz der Skala für den Schulkindbereich, da die älteren Kinder direkter auch zu Anhaltspunkten eines Gefährdungsverdachts selbst befragt werden können. Analog zur KiTa-Skala prüft der KVJS in einer Praxisphase mit öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe, wie zuverlässig die neue Skala misst, ob die Pädagogen mit dem Aufbau und dem Inhalt des Instruments gut arbeiten können und ob die Alltagspraxis damit hinreichend abgebildet wird. Für diesen Schritt plant der KVJS, über die Jugendämter, freien Träger und gegebenenfalls Schulen entsprechende Tageseinrichtungen mit Schulkindbetreuung für die Teilnahme zu gewinnen und in einer zehnmonatigen Praxisphase zu erproben und zu evaluieren. 			 	 add

19

Info

Weitere Informationen rund um das Thema Kinderschutz finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/jugend/kinderschutz.html

KVJSaktuell

2/2013

Forschung

Mitreden können – von Kindesbeinen an
Neues KVJS-Forschungsvorhaben startet im Herbst
Der KVJS bringt ein neues Forschungsvorhaben „Beteiligung leben“ auf den Weg: Dabei geht es um Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren für Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Heimerziehung und sonstigen betreuten Wohnformen in Baden-Württemberg.
Im September soll das Forschungsvorhaben im KVJS-Landesjugendamt starten. Ziel ist die Implementierung von geeigneten Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren in Einrichtungen der Heimerziehung und betreuten Wohnformen. Sie sollen die Rechte von Kindern und Jugendlichen sichern. Dass sie mitentscheiden, wie sie ihr Leben führen und nach welchen Regeln sie ihren Alltag gestalten wollen, ist eines der Grundprinzipien der internationalen Kinderrechte und hat bereits eine lange Tradition. Das neue Bundeskinderschutzgesetz konkretisiert die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe: Betriebserlaubnispflichtige Einrichtungen sind verpflichtet, Verfahren der Beteiligung und Beschwerde anzuwenden. Diese neue gesetzliche Verpflichtung zu Beschwerdeverfahren ist insbesondere vor dem Hintergrund der Aufarbeitung von Missbrauchs- und Gewaltfällen wichtig. 2011 betrieben in Baden-Württemberg rund 270 Einrichtungen mehr als 7.830 Plätze in Erziehungsgruppen, im Betreuten Wohnen und Erziehungsstellen – mit sehr unterschiedlichen Beteiligungsformen. Zur Unterstützung der fachlichen Weiterentwicklung soll zunächst die Praxis untersucht werden auf bereits existierende Beschwerdeverfahren. Davon ausgehend soll die Wissenschaft den qualitativen und strukturellen Weiterentwicklungsbedarf und die benötigten Rahmenbedingungen aufzeigen – unter 2/2013

20

Sie wollen mitreden: Kinder und Jugendliche in Einrichtungen 	 				 Foto: fotalia

Berücksichtigung aller Beteiligten. Vor allem sollen Kinder und Jugendliche befragt und in die Umsetzung aktiv einbezogen werden. Außerdem im Blick steht, welche Wirkung die Beteiligung auf den Erfolg von Hilfe hat. Als Ergebnis soll eine praxisnahe Handreichung zur Implementierung von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren für betriebserlaubnispflichtige Einrichtungen der Heimerziehung und sonstigen betreuten Wohnformen entstehen. Das Forschungsvorhaben ist auf 18 Monate angelegt. lö

KVJSaktuell

Forschung

Kinder sollen im Heimalltag mitentscheiden
Der Konzeption muss gelebte Kultur folgen
Einrichtungen der Erziehungshilfe stehen vor der Herausforderung, Beteiligungskonzepte und Beschwerdeverfahren weiter zu entwickeln. Um die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu stärken, reicht es allerdings nicht aus, entsprechende Formen und Instrumente der Beteiligung zu institutionalisieren. Partizipation will vor allem gelebt sein.
KVJS-Tagung der Träger und Leiter von „Beschweren jederzeit erlaubt“, hat sich Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung. die Jugendhilfe-Einrichtung Sonnenschein*) auf ihre Fahnen geschrieben. Eine ernst gemeinte Beteiligung misst Nina, zehn Jahre alt, weiß, dass sie ihren sich nach den bundesweit geltenden Mund aufmachen darf, wenn sie etwas stört. Sie beschwert sich deshalb vertrau- Qualitätsstandards für die Erzieherischen Hilfen daran, wie weitreichend die Partiensvoll bei ihrer Betreuerin Kathrin über zipation von den Fachkräften eingelöst eine anzügliche Bemerkung eines Erziewird. Hier ist eine Grundhalhers, die sie sehr vertung bei den Mitarbeitern geletzt hat: „Du Kathrin, fragt, Selbstbestimmung zu was der Felix da vorhin fördern und die jungen Menzu mir gesagt hat, finschen zur Selbstbestimmung de ich echt blöd.“ Doch zu befähigen. Denn FachkräfKathrin sucht nicht das te verstehen unter Beteiligung Gespräch mit Felix. Aus oft etwas anderes als Kinder Angst in den Augen ihund Jugendliche. Für die ist res Kollegen als prüde es enorm wichtig, sich in der zu gelten, beschwichEinrichtung wohlzufühlen. Betigt sie Nina mit den teiligung muss für sie spürbar Worten: „Ach, das hat sein. Wesentlich ist dabei, ob der Felix doch nicht so Partizipation ist Teil der Betriebs- beteiligungsfördernde und gemeint“. Das Beispiel erlaubnis. für alle akzeptable Kommuzeigt: Beteiligung darf Foto: Gerhard Seybert, Fotolia nikations-, Verhaltens- und nicht nur auf dem PaAusdrucksformen auch gepier stehen. Geeignete Beteiligungsverfahren sind zwar Bestand- lebt werden. Somit ist ein Klima der Beteil einer Betriebserlaubnis, die vom KVJS- teiligung nicht automatisch gegeben, es Landesjugendamt erteilt wird. So müssen muss in allen pädagogischen Interaktionen erzeugt werden. add die Einrichtungen in ihren Konzeptio*) Namen geändert nen unter anderem deutlich machen, wie sie den Beteiligungsauftrag umsetzen und welche Formen sie dazu mit ihDie Tagungsdokumentation finden Sie unter ren Kindern entwickeln. Aber: „Partizipatiwww.kvjs.de/jugend/aktuellesformulare-service/ on kann nicht nur per Aufsicht verordnet tagungsunterlagen-20122013.html: „Jahrestagung der werden, sondern muss von den EinrichTräger und Leiter/-innen von Einrichtungen zur Hilfe zu tungen gewollt sein“, betonte Dr. Jürgen Erziehung“, 20./21.03.2013 Strohmaier vom KVJS bei der diesjährigen

21

Info

KVJSaktuell

2/2013

Fortbildung

Schneller zur richtigen Fortbildung
Seminare, Fachtagungen, Workshops: Der KVJS hält ein breites Spektrum an Bildungsangeboten bereit. Ab sofort gibt es im Internet eine erweiterte Suchfunktion. Neben der altbekannten freien Suche können Interessenten nun gezielt nach Themen aus den Rubriken Behinderung und Beruf, Jugendhilfe, Kindertagesstätten, rechtliche Betreuung und Sozialhilfe suchen. Bei der thematischen Suche kann man in der jeweiligen Rubrik weitere Kategorien auswählen. Unter „Behinderung und Beruf“ finden sich zum Beispiel behinderungsspezifische Veranstaltungen, Grundlagen oder Praxisworkshops. Die Jugendhilfe ist unterteilt in spezifische Fortbildungsreihen, Veranstaltungen zum Thema Führen und Leiten oder zum Kinderschutz. Eine ähnliche Gliederung gibt es für die Rubriken Kindertagesstätten, rechtliche Betreuung und Sozialhilfe. In der freien Suche können Interessenten nach wie vor einen Suchbegriff oder eine Kursnummer eingeben oder die Suche mithilfe eines Datums einschränken. Zudem finden sich auf den Fortbildungsseiten auch die Broschüren oder Flyer zu Veranstaltungsreihen. lö

Info
22

Die neue Suchfunktion sowie aktuelle Veranstaltungen finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/Fortbildung.

Ergänzt wurde die Suche nach Themen.

Screenshot: KVJS

2/2013

KVJSaktuell

Fortbildung

Forschung für die Praxis vor Ort
KVJS präsentiert Ergebnisse auf Fachtagungen
Erkenntnisse aus seiner Forschung schnell in die Praxis umsetzen – das garantiert der KVJS mit landesweiten Fortbildungsangeboten. Im Juni stehen zwei Fachtagungen auf dem Programm.
Jugendhilfe: Ausbau von Ganztagesschulen Der landesweite Ausbau von Ganztagesschulen ist ein ambitioniertes Ziel. Die Schule entwickelt sich vom Lern- zum Lebensort, an dem Jungen und Mädchen durch mehr Zeit bessere Chancen haben, individuell gefördert, aber auch gefordert zu werden. Schule und Jugendhilfe sollen diesen LeKVJS-Forschung ist anwendungsorientiert und geschieht im Dialog mit der Praxis . bensort gemeinsam gestalten. 						Foto: Henry Schmitt, Fotolia Wie sich die Kinder-und Jugendhilfe im Prozess dieser System übergreifenden Neuorientierung von Bildung, Betreuung und Erziehung fachlich positionieren kann, zeigt die Veranstaltung „Ergebnisse des KVJS-Forschungsvorhabens „Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagsschulen auf die Strukturen und Arbeitsweisen der Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg“ am 19.06.2013 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein. Nähere Auskünfte unter www.kvjs. de/fortbildung.html. Geben Sie bitte die Buchungsnummer 13-4-JS1-1 ein. Altenhilfe: Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal Unsere Gesellschaft wird immer älter. Mit der demografischen Entwicklung wächst auch der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal. Schon jetzt kämpft Baden-Württemberg um Fachkräfte. Und alle bekannten Prognosen deuten darauf hin, dass sich diese Problematik verschärfen wird. Wie viel akademische Fachkräfte in Zukunft gebraucht und wie sich Qualifizierungsangebote entwickeln werden, hat der KVJS untersuchen lassen. Die Ergebnisse sowie Perspektiven zur Weiterentwicklung der Altenhilfe und Altenpflege werden vorgestellt auf dem Fachtag „Personalbedarf in der Altenhilfe und Altenpflege in Baden-Württemberg –Bedarf an nicht-medizinischen Fachkräften mit akademischer Qualifikation“. Termin: 03.06.2013 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein. Detaillierte Infos unter www.kvjs.de/fortbildung.html. Buchungsnummer: 13-2-EHA4-1. add

23
	

KVJSaktuell

2/2013

Fortbildung

Junge Migranten – wer braucht was?
KVJS-Seminar informiert Fachkräfte
Um Chancengleichheit für junge Migranten gewährleisten zu können, müssen Bedarfe differenziert ermittelt und in der Jugendhilfeplanung umgesetzt werden. Was ist dabei zu beachten? Vor welchen Herausforderungen steht eine Planung, die strukturelle Benachteiligungen beheben oder zumindest mindern will? Aktuelle Informationen und fachlichen Austausch bietet ein Seminar des KVJS.
24 In Baden-Württemberg lebten im Jahr 2010 rund Chancengleichheit für junge Migranten – Herausforderung für die Jugendhilfe. 2,8 Millionen Menschen 							Foto: fotolia mit Migrationshintergrund. Das sind gut 26 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und: 35 Prozent der der- und Jugendhilfe MigrantenfamiliMigranten sind unter 25 Jahre alt. Bei den en und deren Kinder nicht im gleichen Kindern, Jugendlichen und jungen ErUmfang wie einheimische erreichen und wachsenen ohne Migrationshintergrund dass sich daran nichts Wesentliches über dagegen liegt der Anteil nur bei 23 Prodie Jahre verändert hat. Zugangsbarriezent*). Integrationsfragen rücken daher ren existieren zum Beispiel bei Sucht- und immer mehr ins Zentrum kommunalpoliGewalterfahrungen, präventiven Maßnahtischer Gestaltungsprozesse. men, Beratungsleistungen oder der InanStudien zeigen, dass Angebote der Kinspruchnahme von Gesundheitsdiensten, bei den meisten Angeboten der erzieherischen Hilfen sowie der Teilhabe in Vereinen und Verbänden. add
*) Quelle: „Statistik Aktuell“, Ausgabe 2012, Hrsg.: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Das Seminar

Jugendhilfeplanung und Migration vom 07.05 – 08.05.13 im KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Informationen und Anmeldung hier: www.kvjs.de/?id=219&kursnr=13-4-JPL2-1.

Info

2/2013

KVJSaktuell

Fortbildung

Neu: sozialmedizinische Fortbildung erster Klasse
Höchste Zertifizierung durch Landesärztekammer
Ein neues Fortbildungsangebot des KVJS greift Fragestellungen der Eingliederungshilfe auf, mit denen sich die Ärzte der Gesundheitsämter als Gutachter auseinander setzen müssen. In fünf aufeinander aufbauenden Modulen bekommen sie hierfür nützliches Hintergrundwissen.
Für ihre Gutachtertätigkeit im Rahmen der Eingliederungshilfe brauchen die Ärzte an den Gesundheitsämtern zusätzliche sozialmedizinische Kenntnisse. Auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Anforderungen an die Feststellung der Anspruchsvoraussetzungen in der Eingliederungshilfe müssen sie Bescheid wissen. Als Unterstützung für die Stadt- und Landkreise hat der KVJS eine entsprechende Fortbildungsreihe konzipiert. Bereits die erste Veranstaltungsreihe im Januar war ausgebucht. „Gesundheitsämter und Sozialhilfeträger haben an uns die Bitte herangetragen, eine Fortbildung den besonderen zu Fragen der Eingliederungshilfe anzubieten“, erklärt Dr. Birgit Fuchs. Sie ist Leiterin des Medizinisch-Pädagogischen Dienstes (MPD) des KVJS und hat das FortbildungsProgramm entwickelt. Das Programm mit dem Titel „Spezielle sozialmedizinische Begutachtung in der Eingliederungshilfe“ besteht aus fünf Modulen. „Es ist als curriculäre sozialmedizinische Fortbildung von der Landesärztekammer zertifiziert“, so Dr. Fuchs. „Da die Fortbildungsreihe wesentliche Grundlagen vermittelt, kann die Teilnahme auf die Zusatzweiterbildung Sozialmedizin angerechnet werden. Damit haben wir die höchste Fortbildungs-Kategorie bekommen.“ Fünf Module Die fünf eintägigen Module bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln gebucht werden. „Für manche Gesundheitsämter ist es problematisch, Ärzte gleich für fünf Tage freizustellen“, weiß Birgit Fuchs. In Modul eins wird der rechtliche Rahmen der Eingliederungshilfe vorgestellt. Das zweite Modul beschäftigt sich mit der Feststellung der wesentlichen Behinderung nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch. Im dritten Modul geht es um die Anwendung der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) zur Prüfung der Einschränkung von Aktivität und Teilhabe bei Erwachsenen und Kindern. Die ICF dient fach- und länderübergreifend als einheitliche und standardisierte Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren eines Menschen. Modul vier befasst sich mit den Schnittstellen zwischen Jugendhilfe und Eingliederungshilfe. Das letzte Modul beleuchtet die Eingliederungshilfe in Kindergärten und Schulen.

25

Die Veranstaltungsreihe wird auch im kommenden Jahr wieder angeboten. Birgit Fuchs: „Wir hatten eine große Nachfrage und konnten 2013 nicht alle Anmeldungen berücksichtigen.“ In die inhaltliche Gestaltung der kommenden Fortbildungsreihe werden auch Anregungen und Wünsche einfließen, die Teilnehmende in ihren Rückmeldungsbögen formuliert haben. mok

KVJSaktuell

2/2013

Neu erschienen

Publikationen – beim KVJS erschienen
Alle hier aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/service/publikationen.html zum Herunterladen zur Verfügung.

Schwerbehinderung und Arbeit
KVJS-spezial, Integrationsunternehmen, 2013 Integrationsunternehmen bieten Menschen mit Behinderung vielfältige Jobs. Das Heft stellt einige Unternehmen vor und bietet Einblicke, wie Integrationsunternehmen entstehen und wie vielfältig die Szene im Land ist. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weimar Telefon: 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de 26

Behinderung, Pflege, Betreuungsrecht
Fallzahlen und Ausgaben in der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII für 2011 Die 131 Seiten starke Dokumentation (erschienen im Januar 2013) unterstützt die Planung und Steuerung in den Stadt- und Landkreisen mit Daten und Fakten aus Baden-Württemberg. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weißenberger Telefon 0711 6375-307 Manuela.Weissenberger@kvjs.de KVJS BtR-Info Betreuungsrecht, Heft 1, 2013 Neues aus Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Mandy Schlesinger Telefon 0711 6375-279 Mandy.Schlesinger@kvjs.de 2/2013

Foto: Fotolia

Jugendhilfe
Voraussetzungen zur Erteilung einer Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII, März 2013 Das KVJS-Landesjugendamt erteilt für Einrichtungen, in denen Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages betreut werden, eine Betriebserlaubnis. Die Voraussetzungen zur Erteilung sind in dieser Broschüre detailliert ausgeführt. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de

KVJSaktuell

KVJS

Impressum

KVJS aktuell April 2013 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Kristina Löpker (lö) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Kristina Löpker (lö) Sylvia Rizvi (syr) Jürgen Wieland (jw) Redaktioneller Hinweis: Wir bitten um Verständnis, dass wir für eine bessere Lesbarkeit in der Regel die männliche Form verwenden. Selbstverständlich beziehen sich alle Texte in gleicher Weise auf Frauen und Männer. Layout: Waltraud Gross Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206 oder -389 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de Bestellungen und Adressänderungen: Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart

27

KVJSaktuell

2/2013

Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart

Hausadresse Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart (West)

Tel. 0711 63 75-0 www.kvjs.de
                            
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.