Publication:
2013
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729520
Path:
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KVJS

aktuell

Behinderung und Arbeit
Seiten 6/23

Neue Ausbildung und neue Werkstätten für Menschen mit Behinderung

Jugend

Rechte-Telefon für Heimkinder ist an den Start gegangen
Seite 17

Gebündelte Kompetenz: BEM an den Staatstheatern Stuttgart
Seite 20

Integration

Forschung

KVJS-Forschung zum Fallmanagement ist abgeschlossen
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Inhaltsverzeichnis
KVJS 3		 Die Verbandsversammlung beschließt den KVJS-Haushaltsplan 2013 5		 Prof. Roland Klinger für weitere acht Jahre Direktor des KVJS 6		 L.EH: Zwei neue Werkstätten für behinderte Menschen Soziales 8		 Ehemaligen Heimkindern Gehör verschaffen 10		 KVJS erhöht Zuschüsse für Beratungsstellen hörgeschädigter Menschen Jugend 11		 Dr. Frank Mentrup über die Gewinnung von KITA-Fachkräften 13		 Bildungs- und Lerngeschichten für Kindertageseinrichtungen 15		 Mehr Geld für die Schulsozialarbeit 16		 Kleinkinder brauchen Schutz 17		 Rechte-Telefon für Heimkinder ist an den Start gegangen 2 18		 Partizipation und Mitbestimmung junger Menschen Integration 20		 Gebündelte Kompetenz: BEM an den Staatstheatern Stuttgart 22		 Praktische Ausbildung zweier schwerbehinderter Feinwerker 23		 Besser Sehen: Fachmesse für Sehbehinderte 24		 Inklusive Arbeit soll Standard werden 25		 KVJS zertifiziert betriebliche Eingliederungsberater Forschung 26		 Genug Akademiker für die Jugend 27		 KVJS-Forschungsvorhaben zum Fallmanagement ist abgeschlossen Fortbildung 29		 Fallmanagement jetzt auch in der Pflege 29		 Familienbesucher: Hilfe, die ankommt Neu erschienen 30		 Publikationen – beim KVJS erschienen

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Auf soliden Beinen in das neue Jahr
Die Verbandsversammlung beschließt den KVJS-Haushaltsplan 2013
Das Gesamtvolumen des im Dezember von der Verbandsversammlung verabschiedeten KVJSEtats 2013 beläuft sich auf 215,322 Millionen Euro. Der Haushalt verspricht zudem deutlich gesenkte Umlagesätze gegenüber der bisherigen mittelfristigen Finanzplanung.
„Der Sozialetat hat auch 2012 die Rahmenbedingungen der Kreise beeinflusst“, sagte der Verbandsvorsitzende Landrat Karl Röckinger in seiner Haushaltsrede im Dezember 2012. Nach den Haushaltsplänen der Landkreise betrug der soziale Zuschuss rund 106 Prozent des Kreisumlageaufkommens. Von 100 Euro wurden 80 Euro für Soziales ausgegeben. „Dabei bildet die Eingliederungshilfe einen wachsenden Anteil“, so Röckinger. Die demografische Entwicklung und die UN-Behindertenrechtskonvention „fordern ihren Tribut“. Die Politik entwickelt zwar umfassende Visionen zur Inklusion und Konversion von Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe. Eine Finanzierung ist bislang aber noch nicht in Sicht. Weder der Bundes- noch der Landesbehindertenbeauftragte waren der Einladung zur Verbandsversammlung gefolgt, um das Thema zu diskutieren. Der Doppelhaushalt des Landes für 2013/2014 weist für die Umsetzung der UN-Konvention keine zusätzlichen Mittel aus, obwohl derzeit ein Landesaktionsplan in Arbeit ist. „Die Verwirklichung der Inklusion bedarf einer rechtzeitigen Beteiligung der kommunalen Kostenträger und Ihrer Verbände“, mahnte Röckinger. „Der Landesaktionsplan muss bei der Verabschiedung im Landtag verknüpft sein mit zusätzlichen Landesmitteln für den Inklusions- und Konversionsprozess.“ Der KVJS unterstützt den Inklusionsprozess. Aber das muss mit großer Sorgfalt und mit der richtigen Geschwindigkeit ge-

Positive Rechnungsergebnisse beim KVJS.

Foto: Kleusch

3 schehen. Die Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, der auch der KVJS angehört, hat dem Sozialministerium im Dezember ein Impulspapier zur Inklusion übergeben. Es soll dem Land als Entscheidungsgrundlage für dieses Themenfeld dienen. Der KVJS-Haushalt steht auf soliden Beinen Insgesamt hat der KVJS einen soliden und wirtschaftlichen Haushalt. Der Entwurf für das Haushaltsjahr 2013 verspricht gegenüber der bisherigen mittelfristigen Finanzplanung deutlich gesenkte Umlagesätze. Positive Rechnungsergebnisse haben die allgemeine Rücklage beim KVJS weit über den Mindestbestand anwachsen lassen. Das Volumen der Allgemeinen Umlage beläuft sich auf 21,9 Prozent der ordentlichen Erträge im Ergebnishaushalt 2013. Die übrigen ordentlichen Erträge in Höhe von 78,1 Prozent werden vor allem durch den Bund (Erstattung Kriegsopferfürsor-

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ge), das Land (Landesförderprogramme) sowie durch Umlagen bei Unternehmen (Ausgleichsabgabe) und Sozialeinrichtungen (Altenpflegeausbildungsausgleich) erbracht. Da mit der Umstellung auf die Doppik die Rücklage im Basiskapital aufgegangen ist, tritt an die Stelle der Rücklagenentnahme die Planung eines nicht ausgeglichenen Ergebnisses, das nach drei Jahren auf das Basiskapital zu verrechnen ist. Für 2013 sind hierfür 6,4 Millionen Euro geplant. Neue gemeindeintegrierte Strukturen Eine investive Förderung ist erforderlich für neue gemeindeintegrierte Wohn- und Beschäftigungsstrukturen für Menschen mit Behinderungen, aber auch für die Erneuerung im Bestand sowie für die Erfüllung von Brandschutz- und anderen rechtlichen Auflagen. Im KVJS-Haushalt sind für 2013 aus Mitteln der Ausgleichsabgabe für Wohnstätten wie für Werkstätten zwölf Millionen Euro eingeplant. Weitere drei Millionen Euro umlagefinanziert sind veranschlagt für den kommunalen Anteil an der bisherigen Landesförderung für Behinderteneinrichtungen. Denn trotz guter Konjunktur gab es 2012 eine Arbeitslosenquote für Schwerbehinderte von 7,9 Prozent landesweit.

Teilbudgets Die Personalausgaben sind für 2013 mit 27,3 Millionen Euro veranschlagt. Für Forschungsvorhaben sind 450.000 Euro geplant. Für die Entwicklungsprojekte sollen die Mittel an örtliche Träger zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen in Höhe von 300.000 Euro mit 50.000 Euro auf den Bereich der Wohnungslosenhilfe ausgedehnt werden. Die Zuschüsse an Beratungsstellen für hörgeschädigte Menschen sind mit 275.000 Euro veranschlagt. Für den landeseinheitlichen Verbund unter dem Namen „forum b-wohnen“ sind 50.000 Euro eingeplant. Im Haushalt für Soziale Hilfen werden für die gesetzliche Kostenerstattung an die örtlichen Träger für 2013 7,2 Millionen Euro veranschlagt, die umlagefinanziert sind und an die Gemeinden zurückfließen. Über 60 Jahre nach Kriegsende muss der KVJS als überörtlicher Träger der Kriegsopferfürsorge noch knapp acht Millionen Euro veranschlagen. Ebenso bleiben die Leistungen nach dem Soldatenversorgungsgesetz, dem Infektionsschutzgesetz und dem Opferentschädigungsgesetz auf einem hohen Niveau von 3,26 Millionen Euro. Hier erfolgt zu 80 beziehungsweise 100 Prozent eine Kostenerstattung von Bund und Land. Die Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe, die nicht aus der Verbandsumlage finanziert wird, hat einen Anteil von 38 Prozent der ordentlichen Aufwendungen. Diese Mittel gehen zurück. Durch die immer älter werdenden Belegschaften kann die Beschäftigungsquote mit Mitarbeitern, die infolge von Erkrankungen den Schwerbehindertenausweis erlangen, er-

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Information
Die Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege hat im Dezember 2013 ein Impulspapier Inklusion an Ministerin Katrin Altpeter übergeben. Das Impulspapier steht als Download bereit unter www. kvjs.de/soziales/menschen-mit-behinderung.html.

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füllt werden. „Deshalb sollte überlegt werden, ob zum Beispiel besondere Tarifverträge für die Beschäftigung von Personen mit Minderleistung die bisherigen Abgaben ersetzen könnten“, sagte Röckinger in seiner Rede. In der Kinder- und Jugendhilfe ist vorgesehen, dass der KVJS nahezu unverändert wie im Vorjahr Projekte und Maßnahmen

der Jugendhilfe bei freien Trägern mit 736.000 Euro fördert. Neu im Jugendhilfeetat ist das Projekt „Erweiterung der Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter“ mit 40.000 Euro. Die zweite Jahresrate für den kommunalen Anteil am Entschädigungsfonds „Runder Tisch Heimerziehung“ wird mit 616.000 Euro eingeplant. lö

Prof. Roland Klinger bleibt Direktor des KVJS
Die 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs sprechen langjährigem Verbandsdirektor für weitere acht Jahre Vertrauen aus
Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs haben Senator e.h. Prof. Roland Klinger in der Verbandsversammlung für weitere acht Jahre einstimmig im Amt des Direktors des KVJS bestätigt. Roland Klinger ist seit Gründung des KVJS im Jahr 2005 Verbandsdirektor. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Verband im Bereich der Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe zu einer modernen Sozialbehörde und einem Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für die 44 Stadt- und Landkreise und damit für knapp elf Millionen Menschen. In den kommenden Jahren will Klinger im Dialog mit der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, den Kommunen und der Landesregierung die Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention im Land mitgestalten, sich für eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einsetzen, den Ausbau der Kindertagesbetreuung voranbringen und mit umfangreichen Forschungsprojekten die Stadt- und Landkreise in der Jugendhilfe, der Inklusion und der örtlichen Sozialplanung unterstützen. Eine breite Angebotsstruktur in Fort- und Prof. Roland Klinger. Weiterbildung für soziale Berufe ist ein weiteres Ziel. „Für die wichtigen zukünftigen Aufgaben im Bereich der Inklusion und die Herausforderungen, die die demografische Entwicklung mit sich bringt, ist Prof. Klinger Garant für eine an der Lebenswirklichkeit orientierte Arbeit“, sagt Landrat Karl Röckinger als ehrenamtlicher Verbandsvorsitzender des KVJS. lö 5

Foto: KVJS

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L.EH: Weitere Knotenpunkte im Netzwerk
Zwei neue Werkstätten für behinderte Menschen eröffnet
Die LWV.Eingliederungshilfe GmbH (L.EH) hat im November 2012 ihre neue Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Laichingen in Betrieb genommen. Auch am Tübinger Neckarbogen schafft die neue WfbM weitere Perspektiven. Dort werden verschiedene Assistenzangebote und ein neues, zentral gelegenes Quartier vernetzt.
Von Stephan Gokeler In gut einjähriger Bauzeit entstand in Laichingen für rund 2,4 Millionen Euro ein barrierefreies Gebäude, in dem 52 Menschen mit Behinderung arbeiten können. Im bisherigen Werkstattgebäude ist nun Platz für einen Förder- und Betreuungsbereich für zwölf Personen. Mit dem Neubau erweiterte die L.EH die Palette der Assistenzangebote für Menschen mit Behinderung im Alb-DonauKreis um ein wichtiges Element. Bereits 2008 hatte die L.EH ein Gebäude im Industriegebiet erworben und die frühere Glasbläserei zu einer WfbM-Außenstelle des Tannenhofs Ulm umgebaut. Seither wurden die dezentralen Angebote weiter entwickelt. Wohnangebote entstanden in Heroldstatt, Blaubeuren und in der Laichinger Innenstadt. Als neuer Schwerpunkt wurde in Laichingen ein Bearbeitungszentrum Metall eingerichtet. „Wir streben damit den Einstieg in die industrielle Baugruppenmontage an“, erläutert Friedrich Haselberger, Bereichsmanager Werkstätten und Service. „Hier können wir auch komplexen Anforderungen in hoher Qualität gerecht werden.“ Die neue Werkstatt sieht er als „Knotenpunkt, an dem die Linien zusammenlaufen und von dem immer wieder auch neue Linien ausgehen.“ Neben der Metallbearbeitung werden in der Werkstatt Dienstleistungsaufträge in den Bereichen EDV, Büro, Versand und Verpackung bearbeitet. „Inklusion bedeutet auch, Menschen dort zu fördern, wo ihre Fähigkeiten liegen“, sagte Senator e.h. Prof. Roland Klinger bei der Eröffnungsveranstaltung. Der Direktor des KVJS betonte, dass Werkstätten für behinderte Menschen dafür auch in Zukunft unverzichtbar seien. Um Menschen mit Behinderung einen Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu erleichtern, appellierte Prof. Klinger an die Tarifpartner, spezielle Vereinbarungen für die Entlohnung von Arbeitnehmern zu schaffen, die aufgrund eines Handicaps nicht voll leistungsfähig sind. Landrat Heinz Seiffert freute sich, dass mit der neuen Werkstatt ein weiteres Ziel des Teilhabeplans des Alb-Donau-Kreises erreicht wurde.

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Prof. Roland Klinger (3. von rechts) und L.EH-Geschäftsführer Joachim Kiefer (4. von rechts) zeigen Landrat Heinz Seiffert (5. von rechts) die neue Werkstatt.

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Tübinger Zweigwerkstatt am L.EH-Firmensitz eröffnet
Die Lage direkt am Neckar, der Blick Richtung Österberg und die Nähe zur Tübinger Altstadt machen den Neckarbogen zu einem attraktiven Quartier. Vor allem aber eröffnet er neue und außergewöhnlich gute Perspektiven für Menschen mit Behinderung. Auf einer Industriebrache entsteht ein neues, buntes, städtisches Quartier, in dem Menschen mit Behinderung von Anfang an dazugehören und den Sozialraum mitgestalten können. Ende November wurde die Werkstatt eröffnet. Sie bietet 40 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und verfügt über einen integrierten Berufsbildungsbereich. Ein Förder- und Betreuungsbereich mit acht Plätzen befindet sich unter dem gemeinsamen Dach. Direkt angrenzend an die Werkstatt befinden sich die Verwaltung der LWV.Eingliederungshilfe GmbH, die bereits im Sommer das neue Domizil bezogen hatte, die Büroräume der Integrationsfirma Insiva und eine Kantine. Außerdem bietet die ebenfalls benachbarte Halle 13 die Möglichkeit, gemeinsam mit Firmen des allgemeinen Arbeitsmarkts Aufträge im Bereich der Logistik zu bearbeiten. „Das Netzwerk der Angebote schafft größtmögliche Durchlässigkeit vom Förder- und Betreuungsbereich bis hin zum allgemeinen Arbeitsmarkt“, sagte L.EH-Geschäftsführer Joachim Kiefer bei der Eröffnung. „Entsprechend der individuellen Entwicklung können die Assistenzangebote immer wieder neu ausgerichtet werden.“ Die Nachfrage nach Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung in diesem Umfeld unweit der Tübinger Altstadt ist groß. Mangelware sind in Tübingen allerdings bezahlbare barrierefreie Wohnräume. KVJS-Direktor Prof. Roland Klinger verwies auf die doppelt so hohe Arbeitslosen-

Prof. Roland Klinger und L.EH-Geschäftsführer Joachim Kiefer mit Gästen und Beschäftigten der neuen Werkstatt. Fotos: L.EH

quote bei Menschen mit Behinderung im Vergleich zum Durchschnitt. „Auch wenn man alles dafür unternimmt, die Übergangsquote aus Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen und die Ziele der Inklusion zu verwirklichen, wird es auch in Zukunft einen Bedarf für einen beschützten Arbeitsmarkt geben“, betonte er. Landrat Joachim Walter vom Landkreis Tübingen bestätigte den Bedarf für die Zweigwerkstatt und überzeugte sich persönlich vom Professionellen Standart und Konzept der WfbM.

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Hintergrund

Die L.EH
Die administrative Verantwortung für den Landeswohlfahrtsverband Württemberg Hohenzollern i.A. liegt beim KVJS. Die LWV.EH ist eine kommunale Gesellschaft des LWV WH i.A. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter ww.lwv-eh.de/.

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„Ehemaligen Heimkindern Gehör verschaffen“
Neuer Beirat der Beratungsstelle Fonds Heimerziehung
Die baden-württembergische Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder hat seit November 2012 einen Beirat. Das Gremium ist besetzt mit Vertretern von Betroffenen, Kommunen, Kirchen und vom Land. Wie sich die Fachleute einbringen, erläutern die Vorsitzenden Ulrike Zöller und Birgit Meyer. Beide sind Professorinnen für Soziale Arbeit an der Hochschule Esslingen.
Frau Zöller, Frau Meyer, wie arbeitet der neue Beirat? Zöller: Der Beirat soll in erster Linie die Anlauf- und Beratungsstelle Heimerziehung in Baden-Württemberg unterstützen. Die Solidarisierung mit den betroffenen Heimkindern stellt eine wichtige Ausgangslage für unsere Arbeit dar. Meyer: Außerdem können im Beirat eventuelle Beschwerden eingereicht werden, die auf der Basis der Beschlüsse des Deutschen Bundestages und des Landtages Baden-Württemberg sowie der Beratungen am Runden Tisch Heimerziehung diskutiert und an die zuständigen Stellen vermittelt werden. Was hat Sie bewogen, die Leitung des 19-köpfigen Gremiums zu übernehmen? Meyer: Die Erinnerung an die Heimerziehung in der Nachkriegszeit und die Anerkennung des Unrechts, das Kindern und Jugendlichen über Jahre hinweg angetan wurde, bildet den Rahmen unserer Arbeit und gibt Anlass zu einer grundsätzlichen Reflexion über das, was eine demokratische Gesellschaft tun soll und was sie nicht tun darf. Mit dem Thema Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren geht es um Missstände in der jungen Bundesrepublik, in der bereits das Grundgesetz galt und die sich als Rechtsstaat begriff. Diese formale Rechtsstaatlichkeit war nicht

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Die Vorsitzende des Beirats Prof. Dr. Ulrike Zöller, Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege. Foto: privat

überall Lebenspraxis. Im Bereich Heimerziehung wurden Grundrechte und damit auch Menschenrechte von Kindern und Jugendlichen vielfach und grundlegend verletzt. Unser Wunsch ist es, die Traumatisierungen vieler ehemaliger Heimkinder anzuerkennen und ihre Anliegen zu würdigen. Ihnen soll durch die Beiratstätigkeit Gehör verschafft werden und durch die Unterstützung der Arbeit der Anlauf- und Beratungsstelle im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten geholfen werden. Zöller: Wir haben den Vorsitz unter das Motto der jüdischen Philosophin und

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Emigrantin Hannah Arendt gestellt. Arendt verweist auf den Zusammenhang zwischen einer demokratischen Gesellschaft und der öffentlichen Reflexion von Schuld und der Anerkennung der moralischen Verantwortung für Dinge, an denen wir selbst unschuldig sind. Sie hat dies in einem Vortrag so formuliert: „Die stellvertretende Verantwortung für Dinge, die wir nicht getan haben, das Auf-uns-Nehmen für Konsequenzen von Dingen, an denen wir vollkommen unschuldig sind, ist der Preis, den wir für die Tatsache zahlen, dass wir unser Leben nicht mit uns allein, sondern unter unseren Gefährten leben.“ Manche ehemalige Heimkinder verlangen von den heutigen Gefährten mehr Einsatz. Sie beklagen etwa, dass sie bis zu einem halben Jahr auf ihr Erstgespräch warten müssen. Andere wollen mehr Entschädigung. Kann der Beirat helfen? Zöller: Auf materielle Unterstützung kann der Beirat im Einzelfall nicht einwirken. Er kann aber die Beratungsstelle hinsichtlich auftretender Unklarheiten, die sich etwa hinsichtlich der Rentenersatzleistungen ergeben, unterstützen. Der Beirat kann zur Klärung von fallspezifischen Fragen durchaus auf den Lenkungsausschuss auf Bundesebene einwirken. Meyer: Die Geschäftsstelle des Beirats an der Hochschule Esslingen, sieht es als ihre

Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Birgit Meyer, Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege. Foto: privat

9 Aufgabe an, der Beratungsstelle zuzuarbeiten. Hierunter fällt beispielsweise die Erarbeitung einer Handreichung, die die Betroffenen darüber informiert, wie sie sich auf den ersten Beratungstermin vorbereiten können und wie sie zum Beispiel die Wartezeit mit der Beschaffung von wichtigen Unterlagen überbrücken können. Dies kann eine wichtige Unterstützung für die Betroffenen sein. Das Interview führte Sylvia Rizvi

Die Beratungsstelle „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ kümmert sich um Betroffene aus Baden-Württemberg. Sie klärt Ansprüche aus dem bundesweiten Fonds Heimerziehung. Der Fonds soll ehemaligen Heimkindern, denen Leid zugefügt worden ist und die noch heute unter den Folgen leiden, finanzielle Hilfen gewähren. Auch Menschen, die aufgrund nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge geringere Rentenansprüche haben, sollen Ausgleichszahlungen bekommen. Der Fonds ist bundesweit mit 100 Millionen Euro Sachleistungen und 20 Millionen für Rentenersatzleistungen ausgestattet.

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KVJS erhöht Zuschüsse für Beratungsstellen hörgeschädigter Menschen
Die Verbandsversammlung hat im Dezember beschlossen, die Zuschüsse für die Beratungsstellen hörgeschädigter Menschen um 25.000 Euro zu erhöhen. Folglich beträgt die finanzielle Unterstützung jährlich insgesamt 275.000 Euro. Diese Änderung tritt im Januar dieses Jahres in Kraft. Hintergrund dieser Entscheidung sind die erheblich gestiegenen Personal- und Sachkosten. Zwischen Januar 2009 und Januar 2013 belaufen sich die Personalkostensteigerungen auf zehn Prozent. Das Beratungsangebot für hörgeschädigte und hörbehinderte Menschen in Baden-Württemberg soll auch weiterhin auf bisherigem Niveau bleiben. Um dies zu gewährleisten, wird die Höhe des Zuschusses regelmäßig angepasst. ako

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Einblick in die Praxis
Die Beratungsstelle half einem gehörlosen Malerhelfer beim Ausfüllen eines Antrags auf Arbeitslosenhilfe. Dem Alleinstehenden wurde Hartz IV genehmigt. Nun aber verlangte die Behörde, sich eine kleinere Bleibe zu suchen. Die Beraterin unterstützte den Mann bei der Suche nach einer Wohnung und einem Umzugsunternehmen. Sie verhandelte mit dem neuen Vermieter und half dem Mann am neuen Wohnort, Kontakte zu Gehörlosen- und Sportvereinen zu finden. Weiter wurde eine Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung initiiert, weil der Arbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt überfordert war. syr

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Bild: Fotolia

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„Wir dürfen nie die Qualität aus den Augen verlieren“
Der künftige Karlsruher Oberbürgermeister und derzeitige Kultusstaatssekretär Dr. Frank Mentrup MdL über die Gewinnung von KITA-Fachkräften.
Langsam wird es eng: Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für die unter Dreijährigen rückt immer näher. Noch fehlt es an Betreuungsplätzen. Vor allem aber fehlt es an qualifiziertem Personal. Ein Gespräch mit Dr. Frank Mentrup MdL, Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium.
Herr Dr. Mentrup, wie ist der aktuelle Ausbaustand in Baden-Württemberg? Am Stichtag 1. März 2012 hatten wir bei den unter Dreijährigen eine Betreuungsquote von 23,1 Prozent. Ich gehe aber davon aus, dass diese Quote inzwischen wesentlich höher ist. Dank des Pakts für Familien mit Kindern, den die Landesregierung im Dezember 2011 mit den Kommunen geschlossen hat, haben Kommunen und andere Träger im vergangenen Jahr viele neue Plätze geplant und teilweise bereits mit dem Bau begonnen. Seit März 2012 haben Kommunen, freie und privat-gewerbliche Träger sowie Tagespflegepersonen weitere rund 113 Millionen Euro an Bundesmitteln beantragt, um neue Betreuungsplätze zu schaffen. Bewilligt worden sind im selben Zeitraum rund 96 Millionen Euro. Wir setzen alles daran, dass der Rechtsanspruch zum 1. August 2013 erfüllt werden kann und unterstützen die Kommunen intensiv bei der Einrichtung weiterer Betreuungsplätze. Jedoch appellieren wir an die Kommunen, die bewilligten Gelder auch rechtzeitig abzurufen. Das Land hat gemeinsam mit dem KVJS die praxisintegrierte, vergütete Erzieherausbildung (PIA) konzipiert mit dem Ziel, neue Ausbildungsplätze zu schaffen und zusätzliche Zielgruppen für dieses Berufsfeld zu

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Betreuung für die Jüngsten: Qualifizierte Fachkräfte sind gefragt. Foto: A.Jüttner-Lohmann, Fotolia

gewinnen. 2012 ist dieses innovative Modell in Baden-Württemberg an den Start gegangen. Mit Erfolg? Die 600 angehenden Erzieherinnen und Erzieher, die in diesem Schuljahr mit der praxisintegrierten, vergüteten Erzieherausbildung begonnen haben, machen deutlich, wie attraktiv dieses Modell ist. Der große Erfolg von PIA zeigt sich auch darin, dass wir über 50 Prozent höher qualifizierte Auszubildende, wesentlich mehr männliche Bewerber und Quereinsteiger aus anderen Berufen gewinnen konnten.

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weise durch Qualifizierungsangebote. Außerdem wollen wir kontinuierlich die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Vollzeit und in Teilzeit ausbauen, um die Kapazitäten dem steigenden Bedarf anzupassen. Aufgrund des Fachkräftemangels hat sich die Zahl der Ausnahmezulassungen von Nichtfachkräften in Kindertageseinrichtungen seit 2011 vervierfacht. Welche Kriterien müssen für Sie erfüllt sein, damit die Qualität der Betreuung nicht darunter leidet? Oberste Priorität hat immer das Wohl der Kinder. Bei Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel dürfen wir nie die Qualität aus den Augen verlieren. Denn: Bildungsarbeit in Kindergärten ist eine zentrale Aufgabe. Wichtig ist, fachfremde Personen immer als Zweitkraft neben den ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher zu sehen. Es kommt auf die ausgewogene Mischung, auf einen sinnvollen Personalmix an. Das bedeutet andererseits auch, dass wir bei Personen ohne pädagogische Ausbildung, aber dafür mit anderen besonderen Fähigkeiten, Ausnahmen zulassen, wenn sie die Kindertagesstätte als Bildungsort bereichern. Was erwartet in diesem Zusammenhang das Land vom KVJS als Aufsichtsbehörde, Beratungszentrum und Fortbildungsanbieter? Wir erwarten eine achtsame Auswahl von Nichtfachkräften, die begleitet wird durch eingehende Beratungen und Fortbildungsangebote. Und auch die Träger brauchen Beratung und Information zu diesen Themen. Hier kann der KVJS einen wichtigen Beitrag zur Behebung des Fachkräftemangels bei gleichzeitiger Sicherung der Qualität in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung leisten. Das Interview führte Gabriele Addow

Dr. Frank Mentrup, Staatssekretär im Kultusministerium BadenWürttemberg. Foto: Kultusministerium

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Damit haben wir es geschafft, ein breiteres Spektrum an Personen anzusprechen. Mit diesem neuen Ausbildungsmodell zählen wir in Baden-Württemberg in der frühkindlichen Bildung zu den Vorreitern in Deutschland. Bereits jetzt schon haben andere Länder ihr Interesse an diesem Modell bekundet. Welche Strategien zur Fachkräftegewinnung sind darüber hinaus geplant? Der Ministerrat hat einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der den Fachkräftekatalog im Kindertagesbetreuungsgesetz erweitern soll. Für die Träger bietet das den Vorteil, dass sie künftig aus einem größeren Angebot an geeigneten Bewerbern auswählen und Teams aus Pädagogen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenstellen können. Und interessierten pädagogischen Fachkräften soll damit der Wechsel in die Kindertagesbetreuung leichter gemacht werden. Es gibt viele geeignete Bewerber, deren Qualifikationen bislang nicht im Fachkräftekatalog enthalten sind. Sie benötigen derzeit eine Einzelgenehmigung des Landesjugendamtes. Das wollen wir in Zukunft einfacher regeln. Auch Wiedereinsteigern wollen wir den Einstieg nach längeren beruflichen Pausen erleichtern, beispiel-

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Bildungs- und Lerngeschichten für Kindertageseinrichtungen
Impressionen der Fachtagung vom 24. und 25. September in Reutlingen

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Hospitationen in Kindertageseinrichtungen standen mit auf dem Plan des Fachtags. Foto: Hans-Werner Klöden, Stadt Reutlingen

Wendy Lee, Direktorin des Educational Leadership Projects, und Kolleginnen aus Neuseeland waren im September 2012 zu Besuch auf einer Fachtagung in Reutlingen, veranstaltet in Kooperation des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg und der Stadt Reutlingen.
von Karin Trautwein Die „Bildungs- und Lerngeschichten“, von Margaret Carr in Neuseeland für die Begleitung der Bildungsprozesse von Kindern entwickelt, finden auch in Deutschland Anwendung. Kommunale und freie Träger setzten den aus dem baden-württembergischen Orientierungsplan resultierenden Auftrag der Beobachtung und Dokumentation mit diesem Verfahren um. Er diente als Grundlage von Bildungsbegleitung. In allen städtischen Tageseinrichtungen in Reutlingen erarbeiteten Teams seit 2006 das Konzept der „Bildungs- und Lerngeschichten“. Die Stadt setzte das Konzept flächendeckend für alle Altersbereiche in Krippe, Kindergarten und Hort um. Im Sommer 2010 war die Delegation ein erstes Mal in Deutschland. Ziel war ein Austausch und fachlicher Diskurs über die bis dahin entwickelte Praxis in den Reutlinger Tageseinrichtungen. Nun waren

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Wendy Lee und ihr Team zum zweiten Mal zu Gast. Der zweite Besuch ermöglichte eine Reflexion und Entdeckung eigener Stärken oder gar Magic Moments, sowie neuer Perspektiven aus der neuseeländischen Kultur der „Bildungs- und Lerngeschichten“. Die Fachtagung richtete sich an Alle, die die Praxis der „Bildungs- und Lerngeschichten“ kennenlernen wollten und an die Fachöffentlichkeit, die bereits damit arbeitet. Über 400 Gäste folgten der Einladung des KVJS und der Stadt Reutlingen.

Betrachtet wurden dabei die Wirkungen unterschiedlicher Beobachtungsmethoden – zum Beispiel „Grenzsteine der Entwicklung“ – und ihr Zusammenspiel mit den „Bildungs- und Lerngeschichten“.

Sustainable Leadership oder: Was braucht es an Führen und Leiten? Wie sieht nachhaltiges Anleiten und Führen aus? Welches Selbstverständnis und welche Haltung brauchen Erwachsene in einer lernenden Gemeinschaft? zogen sich wie ein roter Faden durch die Tage.

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Wendy Lee und ihre Neuseeländischen Kolleginnen zu Gast in Reutlingen. Foto Hans-Werner Klöden, Stadt Reutlingen

Zunächst gab es eine kurze Einführung in die Methode und Anwendung . Workshops mit Hospitationen in Reutlinger Kindertageseinrichtungen, Impulsvorträge und Diskussionen ermöglichten die Verknüpfung konkreter Umsetzungsbeispiele mit den Themen Krippe, Altersmischung, Hort/ Schule, Sprachbegleitung, Inklusion und Nachhaltigkeit. Ebenso standen die Vertiefung der Aspekte von Haltung und professionellem Selbstverständnis, sowie die Verknüpfung mit pädagogischen Handlungskonzepten wie Reggio, Pikler, Montessori, Lernwerkstätten und Marte Meo im Mittelpunkt.

Die eigene Bildungsbiografie, die Familiengeschichte und der gesellschaftliche Kontext, in dem die Familie und die Begleiter der Kinder groß geworden sind, spielt eine bedeutende Rolle, so die Botschaften der Neuseeländerinnen. Diese Erfahrungen prägen und haben somit großen Einfluss darauf, wie Erzieher die Kinder wahrnehmen, was sie wahrnehmen, worauf sie reagieren, wie sie fühlen, denken und handeln und wie sie die Beziehungen und Lebens- und Bildungsräume für das Lernen der Kinder gestalten.

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Die Dokumentation der Fachtagung wird Ende Februar auf der Homepage der Stadt Reutlingen zum Download eingestellt. Bereits heute finden sich dort erste Eindrücke und das ausführliche Programmheft. Mehr über den Reutlinger Weg der Umsetzung des Orientierungsplans gibt es unter www.reutlingen.de/orientierungsplan.

Karin Trautwein.

Foto: privat

Die Autorin
ist Dipl. Sozialpädagogin (FH), Systemische Therapeutin (SG), Multiplikatorin für Bildungs- und Lerngeschichten (DJI), ist tätig als Fachdienst zur Umsetzung des Orientierungsplans bei der Stadt Reutlingen, Abteilung Tagesbetreuung für Kinder.

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Info

Mehr Geld für die Schulsozialarbeit
Träger der Schulsozialarbeit dürfen sich über eine zusätzliche Finanzspritze freuen: Die Schulsozialarbeit wurde aufgrund der Landesförderung erheblich ausgebaut. So gingen im vergangenen Jahr 450 Förderanträge für den Zeitraum vom 01.01.2012 bis 31.07.2012 und 530 Förderanträge für die Zeit vom 01.08.2012 bis 31.07.2013 beim KVJS ein. Im laufenden Schuljahr 2012/2013 werden über 1000 Stellen gefördert. Die für 2012 bereitgestellten Fördermittel von 15 Millionen Euro wurden beinahe komplett ausgeschöpft. Wegen des erwarteten weiteren Ausbaus der Schulsozialarbeit plant das Land die Fördermittel auf 25 Millionen aufzustocken. Ihre Ansprechpartner beim KVJS für Fragen zum Förderprogramm Sabine Krempelhuber (Erreichbar: Montags ganztags, Dienstag und Mittwoch jeweils am Vormittag) Telefon 0711 6375-782 Stefan Müller Telefon 0711 6375-700 www.kvjs.de/jugend/jugendarbeitjugendsozialarbeit/schulsozialarbeit.html add

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Kleinkinder brauchen Schutz
Stadt- und Landkreise können Finanzquellen beim KVJS anzapfen
Familienhebammen und Frühe Hilfen unterstützen Kinder in schwierigen Lebenslagen. Bisher hat Baden-Württemberg dafür Geld gegeben. Jetzt legt auch Berlin nach. Die gefüllten Töpfe warten beim Kommunalverband.
Finanzmittel kommen aus der „Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen“. Im letzten Jahr hat der Verband fast drei Millionen Euro ausbezahlt. „Alle Stadt- und Landkreise aus Baden-Württemberg haben Anträge gestellt“, berichtet Viola Siegmann vom KVJS-Landesjugendamt. Die meisten Gelder seien in Netzwerk-Arbeit geflossen. In diesem Jahr warten 4,32 Millionen Euro darauf, abgerufen zu werden. 2014 und 2015 sind es je fünf Millionen Euro. Das Geld kommt den Frühen Hilfen für Kleinkinder zugute. So können etwa Netzwerke ausgebaut und der Einsatz von Familienhebammen forciert werden. Zudem können Kreise Ehrenamtsstrukturen fördern und entsprechende Modellprojekte in Regelangebote überführen. „Mit der neuen Bundesinitiative können wir die großen Anstrengungen der Stadt- und Landkreise unterstützen“, sagt Reinhard Pilz, der stellvertretende Leiter des KVJSReferats „Jugendhilfe-Service, Grundsatz“. Baden-Württemberg könne auf etliche modellhafte Ansätze aufbauen. Der KVJS zahlt nicht nur Geld aus. Die Fachleute des Verbandes entwickeln auch Veranstaltungen für Koordinatoren von Netzwerken und Ehrenamtlichen, die Familien besuchen und unterstützen möchten. Er berät seine Mitglieder rund ums Bundesprogramm. Zudem kümmert er sich um die Qualitätsentwicklung und -sicherung der Hilfen, den Länder übergreifenden Austausch und wirkt an der wissenschaftlichen Begleitung der Bundesinitiative mit. Zusätzlich stellt das Landesprogramm „Familienhebammen und Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ (FGKiKP) 2013 Fördermittel zur Verfügung. Es soll Schwangere, Eltern oder Alleinerziehende mit Säuglingen und Kleinkindern in schwierigen Lebenslagen unterstützen. Das KVJS-Landesjugendamt zahlt 140.000 Euro für den Einsatz von Familienhebammen aus. Anträge können bis zum 1. Juli gestellt werden. Nicht zuletzt setzt der KVJS das Landeskonzept „Kindeswohl bei Trennung und Scheidung“ um. Der Verband berät die Stadt- und Landkreise sowie Träger von Erziehungsberatungsstellen. Er fördert die Qualifizierung der Fachkräfte von Kitas durch die Kreise und bietet Fortbildungen für die Beschäftigten der Beratungsstellen. Weiter gewährt der Verband Mittel für die Durchführung der vorgesehenen Trennungs- und Scheidungsgruppen für Eltern und Kinder. Das bisherige Landesförderprogramm „Familienhebammen“ läuft weiter bis Ende 2014. Bisher wurden mit Hilfe des KVJS über 250 Hebammen zu Familienhebammen fortgebildet. 		 syr

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Info

Weiter Informationen zu den erwähnten Programmen: www.kvjs.de/jugend/kinderschutz.html

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Jugend

Hier kommen die Kinder zu Wort
Rechte-Telefon für Heimkinder ist an den Start gegangen
Was können Heimkinder tun, wenn sie ihre Rechte verletzt sehen? Welche Rechte haben Kinder und Jugendliche überhaupt? Und wer kann ihnen helfen? Solche Fragen beantwortet künftig das „Rechte-Telefon für Heimkinder“. Es wurde vom KVJS Anfang November freigeschaltet.
Unter der Telefonnummer 0711 6375-550 können sich Kinder und Jugendliche über ihre Rechte informieren oder über Missstände in Einrichtungen beschweren. Sie werden beraten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Referats 43 vom KVJSLandesjugendamt, die beim Thema Kinderrechte speziell geschult sind. 17 Anrufen können Jungen und Mädchen aus Heimen, Wohnund Tagesgruppen, Erziehungsstellen sowie aus Pflegefamilien. „Viele Kinder und Jugendliche müssen an ihre Rechte herangeführt werAnrufen und Rat holen beim Rechte-Telefon. den und lernen, Verantwortung dafür zu übernehmen“, weiß Dr. Jürgen Strohmaier, Leiter des Referats „Hilfe zur Erziehung, Heime, Beratung und Aufsicht“. „Sie müsGleichzeitig mit der Freischaltung des sen lernen, wie man seine Rechte wahrRechte-Telefons hat der KVJS in Zusamnimmt. Die öffentliche Erziehung und menarbeit mit dem Sozialministerium Bainsbesondere die Heimerziehung hat hier den-Württemberg eine Pocket-Broschüre einen gesetzlichen und demokratischen herausgegeben. Das 40-seitige Heft im Auftrag“, sagt er. A6-Format heißt „Deine Rechte und Ansprechpersonen“. Eine erste Auswertung und Überprüfung des Rechte-Telefons für Heimkinder wird Das Rechte-Telefon für Heimkinder voraussichtlich im Mai 2013 stattfinden. Basis sind Dokumentationsbögen, auf de- Telefonnummer 0711 6375-550 nen die Telefonate erfasst werden. Auf Montag bis Freitag: 9 – 12 Uhr Wunsch von Hilfesuchenden können die Montag bis Donnerstag: 13.30 – 15.30 Uhr persönlichen Daten anonymisiert werden. syr

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Unsere Erziehung – wir reden mit.

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Jetzt mischen junge Menschen mit
Interview mit Dr. Jürgen Strohmaier über Partizipation und Mitbestimmung
Kinder und Jugendliche, die in Einrichtungen der Erziehungshilfe oder bei Pflegeeltern wohnen, haben seit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes vor rund einem Jahr ein verstärktes Mitspracherecht. Und sie können sich offiziell beschweren, wenn sie etwa mit der Hilfeplanung nicht einverstanden sind oder Probleme im Alltag haben. Ein Gespräch mit Dr. Jürgen Strohmaier vom KVJS-Landesjugendamt.
Herr Dr. Strohmaier, offensichtlich bestanden bisher in der Praxis Defizite, was die Beteiligung der jungen Menschen anbelangt? Die Praxis der Erziehungshilfe ist nach unserer Erfahrung ganz unterschiedlich aufgestellt. Es gibt ausgefeilte Beteiligungskonzepte genauso wie erste Überlegungen, wie so ein Konzept aussehen könnte. Tatsache ist: Mit dem im Januar 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetz ist im § 45 ein deutlicher Hinweis an die Einrichtun-

Erziehung außer Haus
Im Jahr 2011 haben 17.146 junge Menschen unter 27 Jahren erzieherische Hilfen in Unterbringungsformen außerhalb des Elternhauses in Anspruch genommen. In Heimen oder in einer anderen betreuten Wohnform lebten 7.905 Jugendliche, darunter fast 70 Prozent in einer Mehrgruppeneinrichtung. Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, August 2012

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Jugend

gen enthalten, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen konzeptionell zu verankern. Somit sind Beteiligungsstrukturen auch Bestandteil einer Betriebserlaubnis, die vom KVJS-Landesjugendamt erteilt wird. So müssen die Einrichtungen in ihren Konzeptionen unter anderem deutlich machen, wie sie den Beteiligungsauftrag umsetzen und welche Formen sie dazu mit ihren Kindern entwickeln. Was sind Ihre Erwartungen an die Praxis? Auch in der UN-Kinderrechtskonvention wird Kindern und Jugendlichen ein Recht auf Beteiligung eingeräumt. Ich erwarte daher von der Praxis, dass die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen grundsätzlich ernst genommen werden. Der gesetzliche Impetus im Hinblick auf Beteiligung führt dazu, dass Einrichtungen sich jetzt stärker mit ihren Mitbestimmungsstrukturen beschäftigen müssen und die Anliegen von Kindern und Jugendlichen auf diesem Hintergrund anders wahrgenommen werden wie bisher. Wie weit geht das Mitspracherecht? Können die Jungen und Mädchen auch mal das letzte Wort haben oder wird letztendlich doch das gemacht, was die Erwachsenen sagen? Das kommt natürlich auf die jeweiligen Situationen und den Anlass der Auseinandersetzung an. Idealerweise lernen Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen das Streiten und Aushandeln. Die Frage in nächster Zeit wird nicht nur sein, ob oder wie weit das Mitspracherecht geht, sondern in welchen Lebens,- Alltags und Entscheidungsbereichen die Heimbewohner einbezogen werden und diese mitgestalten können. Außerdem kommt es auf die Lebenssituation des Kindes an. In einer Wohngruppe zum Beispiel gibt es andere Formen der Partizipation wie in einer Pflegefamilie. Das muss differenziert betrachtet werden.

Und wie unterstützt der KVJS die Einrichtungsträger? Das KVJS-Landesjugendamt berät die Einrichtungen individuell, etwa im Rahmen der Konzeptionsberatung oder nach gezielter Anfrage. Wir nutzen Tagungen und Konferenzen und stellen dieses Thema dort in den Vordergrund. Wir bringen Beispiele aus der Praxis, geben Anregungen zur Ausrichtung der Konzeptionen und verdeutlichen den Gewinn für das Betriebserlaubnisverfahren. Pädagogische Unterstützung gibt es im Rahmen von KVJS-Fortbildungen, Inhouse-Seminaren oder regionalen Workshops. Die KVJSJahrestagung für Heimleitungen im März 2013 hat das Thema Partizipation zum Schwerpunkt. Der KVJS hat im November letzten Jahres ein Kinderrechte-Telefon für junge Menschen in Heimen eingerichtet. Wie ist die Resonanz? Das Kinderrechte-Telefon muss sich natürlich erst etablieren. Wir haben parallel zur Freischaltung 25.000 Pocket-Broschüren an fast 300 Einrichtungen verteilt, wo auch die Telefonnummer 0711 63755-50 des KVJS-Landesjugendamtes zu finden ist. Das Interview führte Gabriele Addow

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Fortbildung
Partizipation und Beschwerdeverfahren in Einrichtungen der Erziehungshilfe Praxistag am 10. April 2013 KVJS-Tagungszentrum Gültstein, Herrenberg Anmeldung Telefon: 0711 6375-610 fortbildung@kvjs.de www.kvjs.de/fortbildung.html

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Integration

Gebündelte Kompetenz für Probleme aller Art
Betriebliches Eingliederungsmanagement an den Staatstheatern Stuttgart
Hier arbeiten mehr als 1.300 Menschen aus über 50 Nationen: Das Staatstheater Stuttgart ist eines der größten Drei-Sparten Häuser der Welt mit Schauspiel, Oper und Ballett. Für sein Betriebliches Eingliederungsmanagement hat es einen ungewöhnlichen Weg entwickelt, für den es nun vom KVJS ausgezeichnet wurde: In einer großen Feierstunde im Staatstheater.
rates. „Gemeinsam können wir sehr flexibel agieren“, sagt seine Kollegin Martina Lutz. Ausgebildete Disability Manager Martina Lutz und Johannes Egerer haben eine Ausbildung zum Disability-Manager, Martina Lutz ist zudem Suchtberaterin. Bei Prävention und Beruflichem Eingliederungsma20 nagement (BEM) ist das Sozialreferat mit an Bord. Das Integrationsteam aus Arbeitgeberbeauftragtem, Schwerbehinderten- und Personalvertretung bekommt einmal in Monat von der Personalabteilung eine Liste möglicher BEM-Kandidaten. In Johannes Egerer und Martina Lutz vom Sozialreferat der Staatstheater. Foto: Kleusch Frage kommen alle Beschäftigten, die innerhalb von zwölf Monaten mehr als sechs Wochen arbeitsunDer Weg zum Sozialreferat führt durch fähig waren. Um die Situation der Betrofverwinkelte Gänge, an einer Bühne vorfenen beurteilen zu können, werden die bei, durch schwere Brandschutztüren. Arbeitsplätze mit Unterstützung des BeDann steht man in einem kleinen, freund- triebsarztes begangen und Gefährdungslichen Raum. Eine Couch vermittelt Wohn- beurteilungen erstellt. Natürlich geht zimmer-Atmosphäre. Hier soll man sich nichts ohne das Einverständnis des Mitarwohlfühlen. Denn hierher kommt man, beiters. wenn man sich eben nicht wohlfühlt – aus beruflichen Gründen, aus privaten oder Martina Lutz und Johannes Egerer schreiaus gesundheitlichen Gründen. ben die für das BEM in Frage kommenden Kollegen an, informieren über die Inhalte „Die Idee eines Sozialreferates haben wir und bieten ein persönliches Gespräch an. 2009 gemeinsam mit unserer Theaterlei„So ein Brief macht immer noch Angst“, tung entwickelt“, erklärt Sozialreferent sagt Martina Lutz. „Aber das wird weniger, Johannes Egerer. Er ist Sänger im Staatsda sich mit den Jahren herumgesprochen opernchor und Vorsitzender des Personal- hat, dass BEM eine gute Sache ist.“ Fast ein

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Drittel der Angeschriebenen nehmen das Angebot an. Mittlerweile kommen Mitarbeiter auch aus eigenem Antrieb oder weil es ihnen jemand empfohlen hat. „Kollegen, bei denen BEM erfolgreich war, sind die beste Werbung“, erklärt Martina Lutz. Auch bei psychischen Auffälligkeiten oder Suchtproblemen wenden sich Kollegen oder Vorgesetzte an das Sozialreferat. „Psychische Erkrankungen sind nicht in 14 Tagen ausgeheilt“, so Martina Lutz. „Durch die Einführung des BEM werden solche Probleme jedoch häufig schneller sichtbar als früher.“ Messbarer Erfolg Wenn wegen der Krankheit oder der Behinderung eine Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz nicht möglich ist, prüft das Sozialreferat gemeinsam mit dem Betriebsarzt andere Möglichkeiten. Auch das KVJS-Integrationsamt und sein Technischer Beratungsdienst werden bei Bedarf hinzugezogen. Nach Möglichkeit wird Betroffenen ein Praktikum auf einem anderen Arbeitsplatz angeboten: Ein ehemaliger Mitarbeiter im Bühnendienst erledigt heute Verwaltungsaufgaben am PC. Für die nötige Qualifizierung gab es Zuschüsse von der Rentenversicherung. Die beiden Disability Manager finden sich oft in der Vermittlerrolle wieder. Mal müssen Bedenken bei Vorgesetzten und Kollegen beseitigt werden. Mal ist das Klima in einer Abteilung schlecht, weil ein länger erkrankter Mitarbeiter zu Mehrarbeit für die anderen führt. Wenn nötig organisiert das Sozialreferat auch externe Mediatoren und Moderatoren. Ergonomie im Blick Zwar ist beim künstlerischen Personal die Fluktuation hoch, in Verwaltung und Werkstätten jedoch niedrig. Entsprechend

liegt das Durchschnittsalter etwa in der Bühnentechnik bei weit über 40 Jahre. Das Augenmerk richtet sich daher in den letzten Jahren auf Prävention, etwa durch Sportangebote wie Pilates, Ausgleichsgymnastik oder Qui Gong. „In den nächsten Jahren wollen wir alle Arbeitsplätze mit Hilfe unseres Betriebsarztes und eines Physiotherapeuten ergonomisch untersuchen“, erklärt Johannes Egerer. Dafür kooperiert das Sozialreferat mit dem Studiengang Gesundheitsmanagement der Fachhochschule Aalen. Studenten machen eine Analyse der Arbeitsplätze und erstellen daraus ein Handlungskonzept. Das Sozialreferat kümmert sich auch um Chancengleichheit zwischen Mann und Frau, Sprachkurse für neue ausländische Mitarbeiter, die eigene Kinderbetreuung. Die Erfolgsquote von Egerer und Lutz kann sich sehen lassen: 2010 waren von 28 BEM-Verfahren 26 erfolgreich, 2011 waren es 21 von 22. Ein Kollege, der dabei erfolgreich war, brachte es auf den Punkt: „Ich brauche euch jetzt nicht mehr, aber es ist gut, dass es euch gibt.“ mok

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Die Staatstheater Stuttgart …
… bieten ein anspruchsvolles Programm in den Sparten Schauspiel, Oper und Ballett. Es wurde vielfach ausgezeichnet. Seine Mitarbeiter sind in den drei künstlerischen Sparten und im Zentralbereich tätig. Der Zentralbereich umfasst Technik, Kostüm und Verwaltung. Neben den künstlerischen gibt es daher zahlreiche handwerkliche Berufsgruppen wie Schlosser, Schreiner, Bühnenhandwerker, Ton- und Beleuchtungstechniker, Kulissenmaler, Bildhauer, Maskenbildner, Dekorateure und Haustechniker sowie Schneider, Hutmacher, Färber/Kostümmaler, Kunstgewerbler, Rüstmeister und Schuhmacher. In fast allen Bereichen wird auch ausgebildet.

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Integration

Was der Markt nicht hat, bildet die Zemo aus
Zemo: Kooperationsvertrag über die praktische Ausbildung zweier Feinwerker
Ein Job in der Verwaltung: Das wäre nicht sein Ding: „Ich brauche was in den Händen“, sagt Alexander Draheim selbstbewusst. Jetzt arbeitet der 18-Jährige bei der Zemo Zerspanung + Montage gGmbH des Landeswohlfahrtsverbandes Württemberg-Hohenzollern. Er und Timo May sind die ersten schwerbehinderten Auszubildenden, die der Integrationsbetrieb ausbildet.
Die Beweggründe des 1993 gegründeten Betriebs, in Ausbildung zu investieren, waren eindeutig: „Es gibt nicht genug schwerbehinderte Menschen für die Montage und die Metallbearbeitung, um in Zukunft den Personalbedarf der Zemo abzudecken“, sagt der Technische Geschäftsführer Hans Löcher. „Außerdem sehen wir uns in der Pflicht, jungen Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben, sich für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren.“ Das Kolpingbildungswerk Ellwangen und die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (BFZ) fungieren als Ausbildungsträger. Sie begleiten, betreuen und fördern die Auszubildenden und bereiten sie auf die Berufsschule vor. Die Zemo bildet die zwei Fachwerker für Feinwerktechnik für den eigenen Bedarf aus, will aber langfristig für den allgemeinen Markt ausbilden. Maschinentechnisch auf dem neuesten Stand, bietet die Werkstatt in Ellwangen beste Voraussetzungen, auch in der freien Wirtschaft zu bestehen. Praktikum als Einstieg Alexander Draheim und Timo May kamen über ein Praktikum. Alexander war zuvor in einer Verwaltung. „Aber das Papier hat mich gelangweilt“, sagt er. Timo May machte nach dem Ende der Förderschule diverse Praktika: beim Bäcker, in einer Baumschule. Jetzt dürfen sie CNC-Maschinen bedienen, Teile einspannen, Werkstücke kontrollieren und nachmessen. Die Erfolgsquote bei der Arbeitsplatzsuche nach einer Ausbildung ist groß: „85 Prozent der Teilnehmer sind am Ende erfolgreich“, sagt Sabine Knappmann von der BFZ. Schwieriger sei es eher, einen passenden Ausbildungsbetrieb zu finden. Nach der Ausbildung ist es ihre Aufgabe, beim Sprung auf den Arbeitsmarkt zu helfen. „Aber die zwei hier können nach ihrer Ausbildung wahrscheinlich bei der Zemo bleiben“, sagt Margit Wilkens vom Kolpingwerk. „Das freut uns besonders, zumal sie hier einen besonderen Betrieb gefunden haben.“ lö

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Timo May und Alexander Draheim (vorne von rechts) gemeinsam mit ihren Ausbildern. Foto: Löpker

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Integration

Besser Sehen
Fachmesse für Sehbehinderte präsentiert neueste Entwicklungen
Die zweite Fachmesse der Nikolauspflege in Stuttgart verzeichnete mehr als 2.000 Besucher. Auf zwei Etagen des Treffpunkts Rotebühlplatz informierten sie sich über bewährte und neue Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen. Das KVJS-Integrationsamt stellte seine Leistungen für sehbehinderte Berufstätige und ihre Arbeitgeber vor.
Sprechende Waagen und Wecker, für Blinde angepasste Gesellschaftsspiele, Lupen, Vorlesegeräte: 14 Aussteller zeigten ihre Produkte auf der Fachmesse. Vieles davon ist auch im Sehzentrum der Nikolauspflege zu finden. „Wir beraten neutral und Herstellerunabhängig“, betonte Stefanie Krug von der Nikolauspflege. Mit einem Bildschirmlesegerät, das den Text vorlesen kann, präsentierte ein Aussteller eine besonders interessante Neuentwicklung. „Die Entwicklung geht immer weiter“, sagt Stefanie Krug. „Mittlerweile gibt es auch erste Orientierungs-Apps für Smartphones.“ Im ersten Oberge- Augenmodell im Foyer. schoss stellten außerdem Sozialorganisationen und Spezialkliniken ihr Angebot vor. „Beruflich am Ball bleiben. Unterstützung sehbehinderter Menschen am Arbeitsplatz“ lautete der Titel des Fachvortrags des KVJS. Demnach fördert das KVJS-Integrationsamt zum Beispiel die Investitionskosten für einen neuen Arbeitsplatz. Der Reha-Träger steuert Zuschüsse zur behinderungsgerechten Arbeitsplatz-Anpassung bei. Beratung durch seinen Technischen Fachdienst und den Integrationsfachdienst und mögliche Zuschüsse zu den Lohnkosten runden das Angebot des KVJS-Integrationsamtes für blinde und sehbehinderte Menschen und ihre Arbeitgeber ab. 			 mok

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Foto: Kleusch

Die Nikolauspflege
Die Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen wurde 1857 gegründet. Heute gehören zu der Stiftung Schulen, Werkstätten für behinderte Menschen, Wohnheime, berufsbildende Angebote und begleitende Dienste. Das Niko-Sehzentrum ist zentral an der Stuttgarter Firnhaberstraße gelegen und biete Kruse für erblindete und neu sehbehinderte Menschen an. Im zugehörigen Reha-Fachgeschäft kann man zahlreiche Hilfsmittel für Haushalt, Freizeit, Schule und Beruf ausprobieren. www.nikolauspflege.de

Hintergrund

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Integration

Inklusive Arbeit soll Standard werden
Regionalkonferenz in Karlsruhe rückt Menschen mit Behinderungen in den Blick
Am 6. Dezember 2012 hat in Karlsruhe die Konferenz „Unternehmen Inklusive Arbeit“ stattgeunden. Initiator der bundesweiten Konferenzreihe ist der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe.
Menschen mit Behinderungen sollen stärker in den Blick von Personalverantwortlichen kleiner und mittelständischer Unternehmen rücken, so der Grundgedanke. In Karlsruhe zeigten Beispiele aus der Praxis, wie Inklusion von Menschen mit Behinderungen ins Arbeitsleben konkret funktioniert. Auch Einstellungshemmnisse von Seiten der Unternehmen wurden diskutiert. Zum Beispiel das hartnäckige Vorurteil, schwerbehinderte Mitarbeiter seien unkündbar. Hier war Karl-Friedrich Ernst, der Leiter des KVJS-Integrationsamtes, einer der Experten auf dem Podium. Das KVJS-Integrationsamt präsentierte sein Angebot zudem an einem Infostand. Am Ende der Veranstaltung nahm der Behindertenbeauftragte mit der AfB gGmbH – Arbeit für Menschen mit Behinderungen – und der Gemeinnützigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft BEQUA gGmbH – zwei badenwürttembergische Unternehmen neu in seine Landkarte der Inklusion auf. mok
Das KVJS-Integrationsamt informierte vor Ort. Foto: Kleusch

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Info

Die Tagungsdokumentation ist im Internet zu finden: www.behindertenbeauftragter.de/DE/Themen/ BildungundArbeit/Arbeit/Regionaltagungen/ Karlsruhe/Karlsruhe_node.html

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Integration

Hilfe auf dem Weg zurück in den Beruf
KVJS zertifizert betriebliche Eingliederungsberater
Beim KVJS-Integrationsamt können Schwerbehindertenvertreter und Arbeitgeberbeauftragte im Rahmen eines Fortbildungsprogramms das Zertifikat als betriebliche Eingliederungshelfer erwerben. Jetzt wurden die ersten Zertifikate verliehen.
Rund 100 Kurse bietet das KVJS-Integrationsamt jährlich zu allen Themen rund um das Schwerbehindertenrecht an. Wer bestimmte Module des Programms erfolgreich absolviert, kann sich als Betrieblichen Eingliederungsberater zertifizieren lassen. Dafür ist der Besuch des Grund- und des Aufbaukurses, eines Kurses zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement und eines Praxis-Workshops verpflichtend. Hier wird mindestens ein dokumentierter erfolgreich gelöster eigener Problemfall vorgestellt. „Die Schwerbehindertenvertretungen sind für uns unverzichtbare Multiplikatoren“, betonte Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes. „Sie leisten sehr gute Arbeit.“ Daher sei es auch wichtig, sie entsprechend zu qualifizieren. Pia Zinser-Flum vom Fortbildungsteam des KVJS-Integrationsamtes entwickelte ein spezielles Kursbuch, in dem die Teilnehmer jeden Lernabschnitt dokumentieren. „Didaktisches Denken und Handeln ist kein linearer Prozess“, so die Fortbildungs-Expertin. „Es erfolgt vernetzt oder in Regelkreisform.“ Solche Regelkreise bietet das Kursbuch, das zugleich Lernund Transfertagebuch ist. Leitfragen dienen der Überprüfung: Was war nützlich und kann in die Praxis umgesetzt werden, welche Ziele wurden erreicht und welche möchte man erreichen, welches sind ersten Schritte in der Praxis? Am Ende des Seminars können die Teilnehmer die Ein-

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Die zertifizierten betrieblichen Eingliederungsberater. Foto: Kleusch

träge noch einmal sichten und ihre Ziele und nächsten Schritte formulieren. Nach vier bis sechs Monaten sollen die Kursteilnehmer anhand ihres Kursbuches überprüfen, ob die Erkenntnisse und Ziele in die Praxis umgesetzt werden konnten. Im darauffolgenden Kurs werden die Ergebnisse abgefragt und in der nächsten Jahresplanung berücksichtigt. Neue Angebote sind „Gesprächsführung beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement“ und „Organisation einer Schwerbehindertenversammlung“. Das Fortbildungsprogramm 2013 ist auch online unter www. kvjs.de/fortbildung.html. mok

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Forschung

Genug Akademiker für die Jugend
Forschung: Perspektiven der einschlägigen Hochschulstudiengänge für die Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe
Reichen die aktuellen Ausbildungskapazitäten an Hochschulen aus, um dem Arbeitsmarkt der Kinder- und Jugendhilfe gerecht zu werden? Und wie entwickeln sich die Beschäftigungsperspektiven in den kommenden Jahren? Antworten hierzu finden sich im neuen Abschlussbericht des Forschungsprojektes zu Hochschulstudiengängen in der Kinder- und Jugendhilfe.
Träger der Kinder- und Jugendhilfe haben zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. Diese Problematik wird sich künftig noch verstärken. Insbesondere demografische und soziale Veränderungsprozesse gelten als ursächlich für diese Entwicklung. Die Datenlage ist allerdings unübersichtlich. Vermisst wurde bislang eine Analyse und Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes, bezogen auf die Situation in Baden-Württemberg. Diese Lücke schließt nun eine Studie des Forschungsverbunds „Deutsches Jugendinstitut (DJI)/Technische Universität Dortmund“, die vom KVJS gefördert worden ist. Demnach ist Baden-Württemberg gut gerüstet und die aktuellen Kapazitäten an den Hochschulen im Land reichen aus, um den Bedarf an akademischen Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe zu decken. „Die insgesamt positive Bilanz darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es regional zu Engpässen kommen kann“, so die Forscher Dr. Matthias Schilling und Katharina Kopp. Die Forscher untersuchten, welche quantitativen Entwicklungen beim Studienplatzangebot und bei den Studienabgängern sich im Hochschulbereich abzeichnen werden. Zudem warfen sie einen Blick darauf, wie sich die Anforderungen der Fachpraxis darstellen und entwickeln werden. Auch qualitative Schnittstellen zwischen Hochschulen und der Praxis wurden untersucht – insbesondere in Bezug auf die Studieninhalte und Praxisanforderungen, den Berufseinstieg und Kooperationen. Die Studie liefert Prognosen zum akademischen Fachkräftebedarf der Jugendhilfe in Baden-Württemberg sowie Anregungen zur Weiterentwicklung von Fortbildungsangeboten. Der Dialog zwischen Hochschulen und Anstellungsträgern soll dadurch wichtige Impulse erhalten. lö

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Info

Den gesamten Abschlussberichten finden Sie im Internet unter www.kvjs.de/forschung/abgeschlosseneforschungsvorhaben.html

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Forschung

Das Fallmanagement auf Erfolgskurs
Projektleiterin Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock über das KVJS-Forschungsvorhaben
Seit einigen Jahren versuchen Sozialämter mit Fallmanagement die Eingliederungshilfe zu verbessern. Doch klappt das auch? Der KVJS und die Katholische Hochschule Mainz haben zwei Jahre lang geforscht. Nun steht fest: Das Fallmanagement ermöglicht es, die Leistungen besser auf jeden einzelnen Menschen mit Behinderung zuzuschneiden – und bringt für Kostenträger auch noch Ersparnisse. Projektleiterin auf Seiten des KVJS war Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock.
Frau Dr. Holuscha-Uhlenbrock, Sie haben am 20. November 2012 in Stuttgart die Ergebnisse der so genannten WiFEin-Studie vorgestellt. Was waren für Sie die wichtigsten Erkenntnisse? Eines der wichtigsten Ergebnisse hat für mich persönlich die Befragung der Leistungsberechtigten ergeben. So hat sich durch das Fallmanagement bei fast allen befragten Menschen mit Behinderung die persönliche Lebenssituation und Lebensqualität verbessert. Die sehr hohe Zufriedenheit der Betroffenen zeigt, wie wichtig es ist, die Hilfeplanung an die individuelle Lage der Einzelnen anzupassen und die Betroffenen zu beteiligen. Gefreut hat mich auch, dass trotz der Unterschiede in der Umsetzung das Fallmanagement in Baden-Württemberg insgesamt seine Wirkung zeigt und zu überwiegend positiven Ergebnissen führt. WiFEin hat auch gezeigt, dass das Fallmanagement nicht nur effektiv, sondern auch effizient ist. So hat das Forschungsvorhaben erkennbare Einsparungspotenziale nachgewiesen. Das Fallmanagement kann zumindest die Kostensteigerungen in der Eingliederungshilfe kompensieren. Die Untersuchung wurde in den Kreisen Böblingen, Emmendingen, Stuttgart, Konstanz sowie im Alb-Donau-Kreis und Enzkreis durchgeführt. Wer schnitt besonders gut ab? Ziel des Forschungsvorhabens war nicht ein Ranking unter den Kreisen. Es ging vielmehr darum in Erfahrung zu bringen, welche Wirkfaktoren sich positiv auf 27 die Umsetzung des Fallmanagements auswirken. Dabei hat sich gezeigt, dass Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock leitete bis insbesondere diejenigen Ende 2012 das WiFEin-Projekt. Foto: Rizvi Kreise gut abgeschnitten haben, die zum Beispiel folgende Faktoren berücksichtigen: Wichtig ist ein standardisiertes Verfahren mit festgelegten Kriterien für die Auswahl der

Information
Menschen mit Behinderung haben Anspruch auf Leistungen der Eingliederungshilfe beim Wohnen, Arbeiten oder der Förderung von stützenden Familienstrukturen. Damit soll eine möglichst vollständige und dauerhafte Eingliederung erreicht werden. Als Fallmanagement bezeichnet man die zielorientierte Hilfeplanung und -steuerung. Mit dieser Methode können Fallmanager des Sozialamts systematisch steuern, dass die eingesetzten (Geld-)Mittel die anvisieren Ziele erreichen. Dabei beraten und begleiten sie die Betroffenen.

Hintergrund

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Forschung

Fälle. Fallmanagement soll sich auch nicht an Defiziten von Betroffenen orientieren, sondern an deren Fähigkeiten und Ressourcen im sozialen Raum. Die Gesamtfallverantwortung sollte in der Hand des Fallmanagers beim Sozialhilfeträger liegen. Er kann die größten Erfolge erzielen, wenn er einen Menschen mit Behinderung über einen möglichst langen Zeitraum begleitet. Weitere Wirkfaktoren sind im Abschlussbericht im Detail nachzulesen. Sie verlassen den Kommunalverband Ende 2012. Im Vorstand des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden Sie künftig die Sozialpolitik auf der Seite der Leistungserbringer entwerfen. Können Sie die Erkenntnisse dabei nutzen? 28 Ich denke schon. WiFEin hat schließlich auch ergeben, dass die Vernetzungsarbeit mit den Leistungserbringern und Dienstleitern noch verbesserungsbedürftig ist. Diese erfolgt bisher überwiegend anlassbezogen im Einzelfall und funktioniert hier auch sehr gut. Eine einzelfallübergreifende Zusammenarbeit findet jedoch noch zu selten statt. Im Rahmen meiner neuen Funktion werde ich versuchen, meinen Beitrag zur Verbesserung der Vernetzung der Caritas-Einrichtungen und -Dienste mit den Kreisen zu leisten. Wich-

tig wäre dabei der Aufbau eines systematischen, regelmäßigen Austausches über die Erkenntnisse aus dem Fallmanagement, insbesondere für die Planung von Angeboten. Schließlich kann es nur in Kooperation gelingen, das Fallmanagement in Richtung eines Teilhabe- und Qualitätsmanagements weiter zu entwickeln. Das Interview führte Sylvia Rizvi

Wirkungsanalyse des Fallmanagements in der Eingliederungshilfe (WiFEin)
Das Fallmanagement ist das zentrale Steuerungsinstrument in der Eingliederungshilfe. Dennoch gab es in BadenWürttemberg darüber noch keine wissenschaftlich fundierte Analyse. Die Studie schließt diese Lücke und ermöglicht gezielte Weiterentwicklungen. Das Forschungsvorhaben hat in sechs Modellregionen fast 600 Einzelfälle aus dem Fallmanagement analysiert. Es wurde durchgeführt von der Katholischen Hochschule Mainz unter der Leitung von Prof. Peter Löcherbach sowie vom KVJS. Die Transferphase zu WiFEin sowie eventuelle Folgeprojekte werden ab 2013 von Ulrich Allmendinger vom KVJS geleitet.

Hintergrund

Abschlussbericht WiFEin
Alle Ergebnisse der WiFEin-Studie und konkrete Umsetzungsvorschläge sind detailliert im Abschlussbericht nachzulesen. Er erscheint Ende Januar 2013. Weitere Informationen in Internet unter www.kvjs.de/ forschung.html, Stichwort „Fallmanagement“.

Info

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Fortbildung

Fallmanagement jetzt auch in der Pflege
Der demographische Wandel macht es deutlich: Das Thema Pflege rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Allein in Baden-Württemberg gab es 2011 rund 237.000 pflegebedürftige Menschen. Bis zum Jahr 2031 werden es 121.000 mehr sein+). Das ist ein Anstieg von mehr als 50 Prozent. Ein gezieltes und individuelles Fallmanagement soll daher nun auch in der Pflege Fuß fassen. Mit der neuen Veranstaltungsreihe „ Fortbildungen Fallmanagement in der Pflege nach SGB XI und SGB XII“ möchte der KVJS Fachkräfte in einem Pflegestützpunkt oder in der Hilfe zur Pflege sowie Begleiter von Hilfeplanung im Rahmen des Fallmanagements fit dafür machen, zielgenaue Hilfen bei effizientem Ressourceneinsatz anbieten zu können. Die sechs Seminare sind frei wählbar und können einzeln gebucht werden. 			 add Die nächste Veranstaltung: „Alles was Recht ist – Fit für die Herausforderungen der Pflegeversicherung“ 04.03.2013, Bildungszentrum Schloss Flehingen http://www.kvjs.de/fortbildung.html Buchungsnummer: 13-2-EHF9 Den Flyer mit allen Terminen gibt es zum Downloaden unter http://www.kvjs.de/ fortbildung/sozialhilfe.html +) Quelle: AOK Baden-Württemberg

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Familienbesucher: Hilfe, die ankommt
Die erste Zeit mit einem Baby ist für „frischgebackene“ Eltern schön und aufregend – oft aber auch geprägt von vielen Fragen und großer Unsicherheit. Hier helfen die Familienbesucher. Die Männer und Frauen sind geschulte Fachkräfte der Jugendhilfe und stehen den Familien mit Rat und Tat zur Seite. Viele sind selbst Eltern und können von daher ihre Erfahrung im Umgang mit Säuglingen mit einbringen. Gefragt sind auch Multiplikatoren, die Familienbesucher qualifizieren und damit dazu beitragen, dass das Familienbesucher-Netzwerk weiter ausgebaut und dauerhaft fortgeführt werden kann. Die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg hat 2007 das „Aktionsprogramm Familienbesucher“ initiiert. In Kooperation mit dem KVJS und der Uni-Klinik Ulm wurden anhand eines speziell entwickelten Curriculums rund 60 Fachkräfte ausgebildet. Diese haben bereits 700 junge Familien besucht und sind ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Der KVJS unterstützt diese Form der aufsuchenden Hilfe und bietet hierzu eine zweitägige Fortbildung an: „Familienbesucher“-Qualifizierung für Multiplikator/innen. Die Veranstaltung besteht aus drei Abschnitten, die mit der Anmeldung verbindlich gebucht sind. Auftakt ist am 10.04.2013 im Bildungszentrum Flehingen. Nähere Auskünfte unter http://www.kvjs. de/fortbildung.html. Geben Sie bitte die Buchungsnummer 13-4-SA7-1A ein. add

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KVJS

Publikationen – beim KVJS erschienen
Alle hier aufgeführten Publikationen des KVJS sind kostenlos. Sie stehen auch im Internet unter www.kvjs.de/service/publikationen/ zum Herunterladen zur Verfügung.

Schwerbehinderung und Arbeit
Zeitschrift behinderte Menschen im Beruf, Ausgabe Baden-Württemberg, Heft 4/2012 Die Hefte bieten Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. KVJS-Ratgeber Integrationsfachdienste, 5. überarbeitete Auflage 2012 Auf 24 Seiten bietet der Ratgeber einen Überblick über das Angebot der Integrationsfachdienste für Arbeitgeber und schwerbehinderte Menschen. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weimar Telefon 0721 8107-942 integrationsamt@kvjs.de

Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weißenberger Telefon 0711 6375-307 Manuela.Weissenberger@kvjs.de

KVJS BtR-Info Betreuungsrecht Heft 4, 2012. Neues aus Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Carola Dannecker Telefon 0711 6375-325 Carola.Dannecker@kvjs.de

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Jugendhilfe
Deine Rechte. Broschüre für Kinder und Jugendliche in Wohn- und Tagesgruppen, Erziehungsstellen und Pflegefamilien, 2012 Die 40 Seiten starke Pocket-Broschüre richtet sich gezielt an Jungen und Mädchen. Sie hält Infos bereit und listet Ansprechpersonen und Anlaufstellen bei Fragen und Problemen auf. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de

Behinderung, Pflege, Betreuungsrecht
KVJS-Schlaglicht, Ausgabe 9, 2012: Wenn die Beraterin gebärdet. In BadenWürttemberg gibt es flächendeckend Beratungsstellen für Hörgeschädigte Die 4-seitige Publikation gibt Einblick in den Alltag der Beratungsstellen. Hilfe zur Pflege 2011. Kennzahlen aus den Stadt- und Landkreisen BadenWürttembergs, 2012 Mit der Broschüre führt der KVJS die Berichterstattung zur vollstationären Hilfe zur Pflege im Land fort. Der Stichtag für die Erhebung 2011 bei den 44 Stadt- und Landkreisen war der 31.12.2011.

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KVJS

KVJS aktuell Februar 2013 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Kristina Löpker (lö) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Sylvia Rizvi (syr) Anne-Laura Koch (ako) Layout: Waltraud Gross Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206 oder -389 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de Bestellungen und Adressänderungen: Petra Wagner Telefon 0711 6375-208 Petra.Wagner@kvjs.de Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart

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Impressum

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Postanschrift Postfach 10 60 22 70049 Stuttgart

Hausadresse Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart (West)

Tel. 0711 63 75-0 www.kvjs.de
                            
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