Publication:
2011
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729762
Path:
KVJS

aktuell
Aus dem Inhalt: Neuer Schub für die Schulsozialarbeit
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Lebensmittelmärkte mit Integrationsfaktor: CAP – das schwäbische Erfolgsmodell
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KVJS-Service für die Generation 65plus
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Bilanz der KVJS-Fachschulen bleibt erfreulich
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2 KVJS aktuell Dezember 2011 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Stefan Wiegandt (wgn) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Sylvia Rizvi (syr) Jürgen Wieland (jw) Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206, 389 oder 205 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de

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Erstmals KVJS-Etat nach dem Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen verabschiedet
Die KVJS-Verbandsversammlung hat am 6. Dezember 2011 erstmals einen Etat verabschiedet, der nach dem Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen aufgestellt worden ist. Dabei hob der Verbandsvorsitzende Landrat Karl Röckinger hervor, dass der Umlagebedarf 2012 gegenüber der mittelfristigen Finanzplanung unterschritten wird.
zusätzlichen Personalstellen für die von den Kreisen geforderten erweiterten Dienstleistungen in den Fachbereichen Medizinisch-pädagogischer Dienst, Kindergarten- und Heimaufsicht.“ In diesem Zusammenhang wies der Verbandsvorsitzende darauf hin, „dass das Volumen der allgemeinen Umlage 2012 bloß 23,1 Prozent der ordentlichen Erträge im Ergebnishaushalt beträgt.“ 76,9 Prozent werden durch den Bund (Erstattung Kriegsopferfürsorge), das Land (Landesförderprogramme) und durch Umlagen bei Unternehmen (Ausgleichsabgabe) und Sozialeinrichtungen (Ausbildungsumlage) finanziert. Zur Stabilisierung der Verbandsumlage werden der allgemeinen Rücklage neun Millionen Euro entnommen. 14,4 Prozent oder 26,3 Millionen entfallen auf die Personalausgaben. Landrat Röckinger kündigte an, „dass auch 2012 der Abbau der so genannten künftig wegfallenden (k.-w.) Stellen fortgesetzt wird.“ Im kommenden Jahr würden sechs, darunter fünf hochwertige Stellen, eingespart. Das bedeute eine Reduzierung der k.-w.-Stellen von 81 im Jahr 2005 auf 19,5 im Jahr 2012. Bis heute sei es dem KVJS zudem gelungen, „eine weit überdurchschnittliche Effizienzrendite zur erzielen“, so der Verbandsvorsitzende. Seit dem Jahr 2005 beträgt der Einsparungseffekt bei den Personal- und Sachkosten 25,7 Prozent.

„Der Entwurf des KVJS-Haushaltes 2012 unterscheidet sich grundlegend von seinen Vorgängern, denn er ist jetzt nach der Aufbauorganisation der Verwaltung produktorientiert gegliedert“, erläuterte Verbandsvorsitzender Röckinger der Verbandsversammlung am 6. Dezember. Durch die damit verbundene Bündelung der Fach- und Ressourcenverantwortung sei eine sehr viel weiterreichende Steuerung möglich, auch sei nunmehr eine sehr viel höhere Transparenz im Vergleich zu den früheren Haushalten gegeben. Neu sei außerdem, dass der Haushalt der Ausgleichsabgabe jetzt einen Teil des KVJSGesamthaushaltes bilde. Das Gesamtvolumen des von der Verbandsversammlung verabschiedeten KVJS-Etats 2012 beläuft sich auf 182 Millionen Euro. Der Hebesatz für die Verbandsumlage 2012 beträgt nach der Steuerkraftsumme 0,150 Prozent „und konnte damit erfreulicherweise gegenüber der mittelfristigen Finanzplanung unterschritten werden, die von einem Hebesatz von 0,160 Prozent ausgegangen ist“, machte der Vorsitzende deutlich. Gegenüber dem Vorjahr erhöht sich das Umlagevolumen wegen erforderlichen Investitionszuschüssen an die Leistungserbringer von Behinderteneinrichtungen aufgrund von Verpflichtungsermächtigungen der Vorjahre und wegen der vom Verbandsausschuss beschlossenen

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Besorgnis erregende Arbeitslosigkeit Der Haushalt Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe macht mit einem Anteil von 42 Prozent einen wesentlichen Bereich des KVJS-Gesamthaushaltes aus. Dieser Teilhaushalt speist sich aus der Ausgleichsabgabe, die Arbeitgeber an den KVJS überweisen, wenn diese weniger schwerbehinderte Menschen beschäftigen als gesetzlich vorgeschrieben. Das Aufkommen der Ausgleichsabgabe stagniert seit dem wirtschaftlichen Krisenjahr 2010 bei 60 Millionen Euro. In Anbetracht der wirtschaftlichen Erholung sind für das kommende Jahr 65 Millionen Euro eingeplant. Besorgnis erregend sei jedoch, wie Karl Röckinger verdeutlichte, dass die schwerbehinderten Menschen bis jetzt nicht am Rückgang der allgemeinen Arbeitslosigkeit teilhaben würden – im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen habe sogar noch um 8,4 Prozent zugenommen. „Umso erfreulicher ist die Tatsache“, so der Verbandsvorsitzende, „dass in denjenigen Bereichen, in denen der KVJS steuert, ein umgekehrter Trend zu verzeichnen ist.“ So sei es mit der Aktion 1000 des KVJS gelungen, bis Ende 2010 mehr als 1.250 wesentlich behinderte Personen in reguläre Beschäftigungsverhältnisse im allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Durch die inhaltlich erweiterte Aktion 1000plus konnten 2011 bereits weitere 350 schwerbehinderte Menschen eine Tätigkeit im allgemeinen Arbeitsmarkt aufnehmen. Enge Einbindung der Kreise In der Verbandsversammlung am 09.12.2009 war beschlossen worden, 450.000 Euro für Forschungsvorhaben des KVJS bereitzustellen. Fünf Forschungsvorhaben zur Eingliederungshilfe, zur Jugendhilfe und zur Betreuung wurden

zwischenzeitlich in Auftrag gegeben. Im Etatentwurf 2012 sind erneut 450.000 Euro vorgesehen – drei weitere Forschungsvorhaben sollen damit finanziert werden. Vorsitzender Röckinger betonte dabei die enge Einbindung der Stadt- und Landkreise als Kennzeichen der KVJS-Forschung. „Gegenwärtig sind zwölf Stadt- und Landkreise unmittelbar in die Projektforschung einbezogen. Leider konnten aus Kapazitätsgründen keine weiteren interessierten Stadt- und Landkreise beteiligt werden. Der Bereich Forschung verdeutlicht ausgezeichnet die Funktion des KVJS als Dienstleister für die Stadt- und Landkreise“, erläuterte Landrat Röckinger. Dies betreffe ebenso weitere Servicebereiche des KVJS wie die Entwicklung von Teilhabeplänen sowie die Berichte zur Entwicklung der Hilfen zur Erziehung. Der Bereich Sozialplanung stoße auf eine ständig zunehmende Resonanz bei den Stadt- und Landkreisen. Am Anfang stand die Entwicklung von Teilhabeplänen zur Versorgung geistig behinderter Menschen, danach wurde der KVJS auch mit der Unterstützung von Plänen für seelisch behinderte Menschen beauftragt und mittlerweile entwickelt der KVJS zusammen mit den Auftraggebern Kreisseniorenpläne. „Darunter befindet sich eine ganze Reihe an Kreisen, die den KVJS schon mehrmals beauftragt haben – wohl das überzeugendste Indiz für Kundenzufriedenheit“, merkte der Verbandsvorsitzende hierzu an. „Ebenfalls eine Erfolgsbilanz lässt sich für die KVJS-Jugendhilfe-Berichterstattung über die Hilfen zur Erziehung ziehen. Der im Oktober 2010 vorgelegte Bericht, der erstmals die Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in der Folge des demografischen Wandels aufzeigt, löste bei den Stadt- und Landkreisen ein geradezu

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überwältigendes Interesse aus. Aus diesem Grund wird der KVJS seinen Service im Bereich Jugendhilfe weiter intensivieren“, führte Landrat Röckinger aus. Künftig solle nicht nur die spezifische Situation in den Stadt- und Landkreisen analysiert und der Handlungsbedarf verdeutlicht werden. Der KVJS biete vielmehr an, die Stadt- und Landkreise bei der Umsetzung der Konsequenzen maßgeschneidert zu unterstützen. Optimistische Perspektiven Nicht eingetreten sind bei der KVJSFortbildung Befürchtungen, dass die in den Jahren 2010 und 2011 eingeschränkten kommunalen Fortbildungsbudgets

gravierende Einbußen bei den Teilnehmerzahlen bedeuten würden. Stattdessen sind die Teilnehmerzahlen mit rund 9.500 Interessenten pro Jahr nicht nur stabil geblieben, sondern es war gegenüber 2009 sogar noch eine geringfügige Steigerung möglich. „Dies belegt, dass die Qualität der KVJS-Fortbildung von den Stadt- und Landkreisen in hohem Maße anerkannt und geschätzt wird, weil die Themenangebote treffsicher den Erwartungen und Bedürfnissen der Praxis entsprechen. Auch die Perspektiven für das kommende Jahr stimmen optimistisch: Für die Fortbildungsangebote 2012 liegen bereits 1.400 Anmeldungen vor“, stellte der Verbandsvorsitzende fest. jw

Abwicklung Landesförderprogramm Schulsozialarbeit durch den KVJS
Mit dem Beschluss der Verbandsversammlung am 6. Dezember 2011 wurde der Weg geebnet für die Durchführung des Landesförderprogrammes zur Schulsozialarbeit durch das KVJS-Landesjugendamt, sofern das Land die für diese Aufgabe beim KVJS anfallenden Personalund Sachkosten erstattet. Die neue Landesregierung ist bereit, die Kosten der Schulsozialarbeit mit bis zu 15 Mio. Euro jährlich mitzufinanzieren. Damit sollen die circa 700 vorhandenen Vollzeitstellen zu einem Drittel aus Landesmitteln finanziert werden. Neue Vollzeitstellen sollen ebenfalls zu einem Drittel vom Land mitfinanziert werden, solange der vorhandene Finanzrahmen nicht überschritten wird. Die Abwicklung des Antragverfahrens und die Auszahlung der Förderbeträge möchte das Land dem KVJS übertragen, was durch den Beschluss der Verbandsversammlung nunmehr möglich ist. jw

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Neuer Schub für die Schulsozialarbeit
Schulsozialarbeit wird bald noch mehr an Fahrt aufnehmen: Das Land steigt wieder in die Förderung ein. Baden-Württemberg wird künftig ein Drittel der Kosten übernehmen. „Damit ist jetzt ein solider Einstieg in eine verlässliche Mitfinanzierung durch das Land geschaffen worden“, erklärt Irmgard Fischer-Orthwein vom Landesjugendamt des KVJS.
Als ein wichtiger Baustein einer lebensweltorientierten Jugendhilfe ist die Schulsozialarbeit in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut worden. Dennoch ist bei aktuell rund 600 Vollzeitstellen gegenüber einer Anzahl von 3.790 öffentlichen allgemeinbildenden Schulen – davon 1.176 Hauptschulen – eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung noch lange nicht erreicht. Von der Mitfinanzierung des Landes, das die Kommunen mit bis zu 15 Millionen Euro jährlich unterstützen will, werden nach Ansicht von Irmgard Fischer-Orthwein deshalb entscheidende Impulse zur Verbreitung der Schulsozialarbeit ausgehen. Besonders Realschulen und Gymnasien vermelden weiteren Ausbaubedarf. „In manchen Gemeinden haben sogar die Direktoren aller Gymnasien Schulsozialarbeit beantragt“. Bisher sind nur 64 Vollzeitstellen an Realschulen und sogar nur 26 an Gymnasien eingerichtet. Der Einsatz von Sozialarbeitern und Psychologen an Schulen ist nicht neu, das Bild, das sich von ihrer Arbeit präsentiert jedoch schon. Galt es lange Zeit als Zeichen für ein schwieriges Schulklima, wenn Schulsozialarbeit notwendig wurde, so hat dieses Angebot heute als Qualitätsmerkmal zunehmend in allen Schulformen Fuß gefasst – bis hin zum Gymnasium. Denn dort ist die allgemeine Vorstellung, dass die Welt in den Gymnasien noch heil sei und deshalb keine Sozialarbeiter notwendig sind, längst überholt: „Mobbingfälle, schwierige Situationen, mit denen die Klasse nicht alleine fertig wird, psychosomatische Folgen für die Betroffenen – das gibt es nicht nur in Haupt- und Werkrealschulen oder Grundschulen im sozialen Brennpunkt“, macht Expertin Fischer-Orthwein deutlich. Viele pädagogische Konzepte sehen noch immer ausschließlich ein Eingreifen in Problemsituationen vor, oder leiten Präventionsmaßnahmen erst dann ein, wenn eine deutliche Notwendigkeit bereits sichtbar wurde. Aber: „Schulsozialarbeit hat sich zwar schwerpunktmäßig um die gefährdeten, sozial ausgegrenzten Schülerinnen und Schüler zu kümmern“, so Irmgard-Fischer-Orthwein, „soll aber auch als präventives Angebot der Jugendhilfe zur Gestaltung der Schule als Lebensraum beitragen“. Konzeptionell gelte es daher, die Schulsozialarbeit noch enger mit dem Sozialcurriculum der Schule zu verbinden, um die Aktivitäten und Kompetenzen beider Bereiche zu verzahnen. Pädagogisches Plus Einen Weg in diese Richtung hat hier die Oskar-Paret-Schule in Freiberg am Neckar bei der diesjährigen Jahrestagung Schulsozialarbeit aufgezeigt. Rund 250 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aus dem ganzen Land nutzten die Kooperationsveranstaltung des KVJS mit dem Verein Netzwerk Schulsozialarbeit BadenWürttemberg als Forum zum Austausch

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verschiedener Schulen zu unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen. Sie erfuhren aus erster Hand: Die Schule mit dem „Pädagogischen Plus“, wie sich die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe nennt, hat eine Konflikt-Regelungsstelle eingerichtet. Gemäß dem Motto „Gewalt vorbeugen – aus Gewalt lernen! Hilfe vor Strafe“ arbeitet hier im Auftrag und nach den hohen, von der Schulgemeinschaft beschlossenen pädagogischen Standards ein interdisziplinäres Team unter der fachlichen Leitung des Fachsozialarbeiters. Aufgabe ist es, Konflikte zwischen Schülern unterschiedlicher Klassen aufzuklären, zu analysieren und den verantwortlichen Klassenlehrern eine Konflikt-Diagnose und einen Konflikt-Regelungsvorschlag zu unterbreiten. Dieser soll den Schülern helfen den Konflikt positiv zu verarbeiten – sei es als Opfer oder Täter oder auf gleicher Augenhöhe. Konflikt-Regelungen, wie Wieder-GutMachung, Täter-Opfer-Ausgleich, Mediation oder Mobbing-Interventionen werden fachlich begleitet. „Schüler merken: Gewalt lohnt sich nicht! Es gibt andere Wege sich zu wehren“, lobt Irmgard FischerOrthwein das Konzept der Oskar-ParetSchule als nachahmenswertes Beispiel einer modernen und die ganze Schule umfassenden Konfliktkultur. Entsprechend häufen sich bei der Sozialpädagogin seit geraumer Zeit die Anfragen von Trägen und Fachkräften nach

konzeptionellen Beispielen für die Umsetzung der Schulsozialarbeit an Grundschulen und Gymnasien. Aber auch Fragen zu Kooperationsvereinbarungen und dem Aufgabenzuschnitt für die Schulsozialarbeit sowie die Klärung rechtlicher Sachverhalte in Bezug auf Kinderschutz und Schweigepflicht stehen häufig im Mittelpunkt der Beratung. Um gut für die Herausforderungen gerüstet zu sein, ist eine gründliche Einarbeitung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in ihr Tätigkeitsfeld nach Ansicht des KVJS grundlegend für eine erfolgreiche Schulsozialarbeit. Das Landesjugendamt des KVJS bietet deshalb auch im Jahr 2012 Seminare zur Einführung in die Schulsozialarbeit. Die gesamt Palette an Tagungen und Fortbildungen zu diesem Jugendhilfeangebot gibt es im Netz unter http://www.kvjs.de/fortbildung.html. Einfach Kästchen „Jugendhilfe“ anklicken und als Such-begriff „Schulsozialarbeit“ eingeben. Das komplette Fortbildungsprogramm 2012 für Träger und Fachkräfte in der Jugendhilfe als Download unter http://www.kvjs.de/fortbildung/publikationen.html add

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Weitere Informationen:
Irmgard-Fischer Orthwein, Telefon 0711 6375-445, Irmgard.Fischer-Orthwein@kvjs.de

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Ausgezeichnete Arbeitgeber: Keine Barrieren am Arbeitsplatz
Fünf Arbeitgeber konnten sich 2011 über die Auszeichnung als „beispielhaft behindertenfreundlich“ durch den KVJS freuen. Neben der Übererfüllung der Beschäftigungsquote hatten sich die Ausgezeichneten jeweils auf besondere Art um die berufliche Integration ihrer schwerbehinderten Beschäftigten verdient gemacht.

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Bei der Stuttgarter Innenausbaufirma Alfred Kies kann ein Teil der Belegschaft auch nonverbal Gespräche führen: mit Gebärdensprache – und nicht nur die beiden gehörlosen, beziehungsweise schwerhörigen Mitarbeiter sondern auch ihre Kollegen. Neben den hörbehinderten Mitarbeitern zählen weitere zwei schwerbehinderte Menschen zur Belegschaft. Dabei wäre das Unternehmen mit 50 Arbeitsplätzen nach dem Gesetz nur verpflichtet gewesen, einen scherbehinderten Menschen zu beschäftigen. “Nicht nur Integration, sondern Inklusion, wie sie von der im Jahr 2009 in Kraft getretenen UN Behindertenrechtskonvention gefordert wird, wird bei Kiess Innenausbau praktiziert und gelebt. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen mit und ohne Handicap am Leben in der Gemeinschaft teilhaben sollen“, lobte Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger. Denn das Besondere an dem Unternehmen ist, dass es seinen nicht behinderten Beschäftigten die Möglichkeit, Gebärdensprache zu erlernen bietet, damit sie mit den gehörlosen Kollegen auf deren Weise „ins Gespräch“ zu kommen. Die beiden Arbeitsplätze für wurden eigens für die hörbehinderten Mitarbeiter mit Unterstützung des KVJS-Integrationsamtes neu geschaffen. Das Integrationsamt übernahm ein Viertel der notwendigen Investitionskosten von 200.000 Euro.

„Unsere schwerbehinderten Mitarbeiter sind hochmotiviert und engagiert“, betonte Tilo Kiess, einer der beiden Geschäftsführer des Familienbetriebs. Die Möglichkeit, Engagement zu zeigen bietet Kiess auch jungen Menschen von der Sonderschule oder Beschäftigten der Werkstatt für behinderte Menschen. Sie können sich bei Kiess in Praktika erproben.

Barrierefrei im Handelshof Der Preisträger Globus Handelshof in Waghäusel-Wiesental konnte ebenfalls mit dem Abbau von Hindernissen für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen punkten. Der Handelshof, einer von insgesamt 61 Globus-Handelsbetrieben in Deutschland, Tschechien und Russland, bietet auf 17.000 qm alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Zu den fast 400 Frauen und Männern der Belegschaft zählen auch 30 schwerbehinderte Mitarbeiter. „Die vom KVJS einberufene Jury, der Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaft, VdK und KVJS angehören, hat unter den eingereichten Vorschlägen den Globus Handelshof nicht nur wegen der Übererfüllung der Beschäftigungsquote ausgewählt, sondern auch, weil sich das Unternehmen vorbildlich um eine barrierefreie Ausstattung von Arbeitsplätzen bemüht“, hob Verbandsdirektor Klinger in seiner Laudatio hervor.

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Beispielweise wurden im Rahmen der Einführung eines neuen Kassensystems an fünf Arbeitsplätzen die Kassen behinderungsgerecht gestaltet. Das Integrationsamt des KVJS übernahm dabei einen Teil der Investitionskosten. Auch Arbeitsplätze im Wareneingang sowie im Lagerbereich wurden angepasst. Teil der Erfolgsstrategie des Unternehmens bei der beruflichen Integration schwerbehinderter Menschen ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der rührigen Schwerbehindertenvertretung. Sie setzt sich in allen Belangen für die schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, organisiert das Betriebliche Eingliederungsmanagement und arbeitet eng mit der Personalabteilung und dem Betriebsrat zusammen. Des Weiteren steht hält sie den Kontakt mit dem KVJS-Integrationsamt, dem Integrationsfachdienst und dem Betriebsarzt. Die Vernetzung mit internen und externen Partner ist eine solide Grundlage für den Erfolg einer Schwerbehindertenvertretung. Weitere Preisträger Die Landbauwerkstatt Hof Dinkelberg in Schopfheim beschäftigt auf sechs seiner elf Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen. Besonders bemerkenswert ist, dass zusätzlich in Kooperation mit der Werksiedlung St. Christoph bei Kandern Außenarbeitsplätze für Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) angeboten und Aufträge an WfbM vergeben werden. Darüber hinaus werden in der Gemüsewerkstatt bis zu zwölf Menschen des angrenzenden Heims für pflegebedürftige Menschen „Markus-Pflüger-Heim“ im Rahmen von Tagesstrukturierung beschäftigt. Abgerundet wird das sozi-

ale Engagement des ausgezeichneten Unternehmens durch das Angebot von Praktika für schwerbehinderte Menschen aus Sonderschulen oder Werkstätten für behinderte Menschen. Die Marquardt GmbH in RietheimWeilheim ist Weltmarktführer im Bereich elektromechanischer und elektronischer Schalter und Schaltsysteme für Fahrzeuge, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte und sonstige industrielle Anwendungen. Das schwäbische Familienunter-nehmen stellt immer wieder schwerbehinderte Menschen mit sehr großen Einschränkungen ein. Hierzu zählen schwerstbrandverletzte, gehörlose, taubstumme, stark körperbehinderte und geistig oder psychisch behinderte Menschen. 2008 wurde beispielsweise einer jungen Frau, die seit ihrer Geburt an Lähmungen leidet und deshalb Rollstuhlfahrerin ist, die Möglichkeit gegeben, eine Ausbildung zur Industriekauffrau zu machen. Dieser Ausbildungsplatz wurde speziell für sie geschaffen und berücksichtigt ihren erhöhten Betreuungsaufwand. Sie wird während der gesamten Ausbildung von anderen Auszubildenden, den Ausbildern und den Fachabteilungen begleitet und unterstützt. Nach Beendigung ihrer Ausbildung Mitte 2011 wurde die schwerbehinderte Frau unbefristet auf einem für sie neu geschaffen Arbeitsplatz bei einem Unternehmen der Marquardt-Gruppe übernommen. Als öffentlicher Arbeitgeber wurde die Stadtverwaltung Biberach ausgezeichnet. Oberbürgermeister Thomas Fettback nahm die Ehrung zum Anlass, bei der Stadt einen Beirat für Inklusion ins Leben zu rufen. Der Beirat aus acht bis zehn Personen will positive Lobbyarbeit für Menschen mit Behinderungen machen. mok

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Hintergrund
Der KVJS zeichnet jedes Jahr beispielhafte behindertenfreundliche Arbeitgeber aus, um deren herausragendes soziales Engagement zu würdigen und publik zu machen. Noch immer engagierten sich viel zu wenige Arbeitgeber so vorbildlich, wie die ausgezeichneten Unternehmen. So gibt es in Baden-Württemberg rund 19.200 beschäftigungspflichtige Unternehmen, von denen etwa 10.500 die gesetzliche Verpflichtung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nicht erfüllen. Anstatt fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen, werden bundesweit 4,3 Prozent, in Baden-Württemberg 4,35 Prozent der Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen bereitgestellt.

Verbandsversammlung stellt Weichen für eine Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder
10 Der KVJS wird im nächsten Jahr ehemalige Heimkinder beraten, wenn das Land den KVJS beauftragt, eine Anlauf- und Beratungsstelle einzurichten. Das beschloss die Verbandsversammlung des KVJS am 6. Dezember 2011. Die Vertreter der Betroffenen und das Sozialministerium können nun weitere Schritte planen. Beide Parteien hatten bis zum 6. Dezember noch keine Entscheidung gefällt, wo sie die Beratungsstelle ansiedeln wollen. Die baden-württembergische Anlaufund Beratungsstelle für ehemalige misshandelte Heimkinder soll Betroffene beraten und begleiten. Sie soll Unterstützung bei der Akteneinsicht bieten. Und sie kann helfen, Therapien zu vermitteln, Gelder aus dem Entschädigungsfonds sowie mögliche sozial- und zivilrechtliche Ansprüche wie etwa Rente oder Opferentschädigung zu beantragen. Die Verbandsversammlung gab dem KVJS am 6. Dezember zudem grünes Licht, den Beitrag der Kommunen zum Entschädigungsfonds über die Verbandsumlage einzuziehen. syr

Aktuelle Informationen im Internet:
www.kvjs.de

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Lebensmittelmärkte mit Integrationsfaktor: CAP - das schwäbische Erfolgsmodell
1999 eröffnete der erste CAP-Lebensmittelmarkt. Behinderte und nicht behinderte Mitarbeiter arbeiteten dort gemeinsam, denn das „CAP“ stand für „Handicap“-Behinderung. Die Mitglieder des Beratenden Ausschusses des KVJS-Integrationsamtes konnten sich beim Besuch eines CAPMarktes in Stuttgart von Erfolg der Integrations-Idee überzeugen. Das Integrationsamt fördert die CAP-Märkte seit der ersten Stunde.
Erfunden wurde das Konzept der CAPMärkte von den Gemeinnützigen Wohnstätten und Werkstätten (GWW) in Sindelfingen. Auslöser war die Schließung des örtlichen Lebensmittelmarktes in Herrenberg-Ziegelfeld. Die Empörung bei der örtlichen Bevölkerung war groß. Fast überall ist zu beobachten, dass Märkte in den Innenstädten mit wenigen Parkplätzen und Lagerraum, schlechten Anfahrten für die LKW und nur geringen Erweiterungsmöglichkeiten, geschlossen werden und neue Märkte auf der grünen Wiese entstehen. Das Ergebnis sind verwaiste Innenstädte, Probleme für alte Menschen und Menschen die kein Fahrzeug zur Verfügung haben. Das Ende der Lebensmittelläden in den Innenstädten ist aber auch oft das Ende der anderen Einzelhändler weil die Kundenfrequenz zurückgeht. Bei der GWW-Tochter FEMOS dachte man sich: Warum nicht den Lebensmittelmarkt übernehmen und damit Arbeitsmöglichkeiten für Beschäftigte der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) schaffen? Also wurde analysiert, wie behinderte Mitarbeiter eingesetzt werden können, was investiert werden müsste und ob sich ein Markt in Herrenberg unter diesen Bedingungen tragen könnte – und kam zu einem positiven Ergebnis. Das Integrationsamt unterstützte die neue Geschäftsidee mit Zuschüssen zu den Investitionskosten. Mittlerweile tragen deutschlandweit fast 90 Lebensmittelmärkte den roten CAPSchriftzug auf gelbem Grund. Innerhalb von zwölf Jahren ist die Idee zum Renner geworden, um die Verödung von – häufig kleineren – Innenstädten oder Stadtteilen aufzuhalten und Menschen mit Behinderung eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verschaffen. Eine klassische Win-Win-Situation also. Viele Gewinner Rund 1 200 Beschäftigte haben die CAPMärkte bundesweit. Von ihnen haben etwa 650 einen Schwerbehindertenausweis, knapp 200 arbeiten dabei auf ausgelagerten WfbM-Arbeitsplätzen. „Die letzten neuen CAP-Märkte waren alles Integrationsunternehmen“, erklärt Thomas Heckmann von der Sindelfinger Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Süd (GDW SÜD), die mittlerweile die Vermarktung des CAP-Konzepts als Franchise übernommen hat. Heckmann ist bundesweit der Ansprechpartner für alle CAP-Märkte – und solche die es werden wollen. „Viele Betreiber wollen ihren schwerbehinderten Beschäftigten sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bieten“, so Heckmann. Schließlich sind einige Betreiber von CAP-Märkten zugleich Träger von Werkstätten für behinderte Menschen.

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Das Service-Paket der GDW für die CAPMärkte enthält die Beratung im Vorfeld der Unternehmensgründung, die Entwicklung und Bereitstellung des einheitlichen Designs und des Marketings, einheitliche Werbeaktionen und die Prüfung der Roherträge. Aber nicht nur das: „Wir machen die Verhandlungen mit dem Lieferanten Edeka“, erklärt Heckmann. Dadurch können die CAP-Märkte zu Bedingungen einer Filialkette einkaufen und entsprechend wettbewerbsgerechte Preise bieten. Wert gelegt wird auch auf regionale, frische Produkte. „Wir schätzten die CAP-Märkte sehr“, erklärt Bernhard Pflaum, der für Integrationsprojekte zuständige Referatsleiter beim KVJS-Integrationsamt. „Sie bieten ein breites Spektrum an Beschäftigung – vom Einräumen von Regalen bis hin zu anspruchsvolleren Tätigkeiten wie kassieren.“ Auf diese Weise können auch weniger leistungsfähige schwerbehinderte Menschen sinnvoll eingesetzt werden. „Als Integrationsunternehmen beschäftigen die CAP-Märkte auch Leute, bei denen man weiß, dass sie nach zwei Stunden eine Pause brauchen oder dass sie nur in einem bestimmten Bereich eingesetzt werden können.“ Spezielle Fortbildungen Entsprechend sind an die Marktleiter und –leiterinnen höhere Anforderungen gestellt, als in gewöhnlichen Lebensmittelmärkten, ist die Personalplanung doch anspruchsvoller. Die Leitungskräfte der CAP-Märkte, Einzelhandels-Fachleute mit Erfahrung, durchlaufen spezielle Schulungen bei der GDW. „Diese Marktleiterschulungen sind dringend erforderlich“, so Thomas Heckmann. Aber die GDW bietet auch Schulungen für die Mitarbeiter an, ob behindert oder

nicht. Für nicht behinderte Beschäftigte steht der richtige Umgang mit behinderten Menschen im Vordergrund. Welche Auswirkung hat welche Behinderung? Warum kann ein behinderter Kollege manchmal „komisch“ reagieren? Für die Beschäftigten mit Handicap stehen eher fachliche Inhalte wie Warenkunde im Vordergrund. Die CAP-Märkte bieten nicht nur Fortbildung sondern auch Ausbildung an. „Die Marktleiter haben alle die Ausbildungseignungsprüfung“, so Heckmann. Auch im Bereich Ausbildung herrscht Vielfalt. Der CAP-Markt Karlsruhe etwa, mit rund 15.000 Artikel bundesweit der größte, bildet beispielsweise derzeit eine schwerbehinderte junge Frau in zwei Jahren zur Verkaufshelferin aus. Dabei bleibt der Bereich „Kasse“ außen vor. Nach erfolgreicher Prüfung besteht die Möglichkeit, in einem weiteren Jahr den Abschluss „Verkäuferin“ zu machen – und wenn es besonders gut läuft, nach nochmals einem Jahr die Prüfung zur Einzelhandelskauffrau. Der Berufsschulunterricht wird dabei von einem freien Bildungsträger begleitet. Weitere Ideen Die GDW tüftelt derweil an Varianten des Erfolgsmodells. So wurde mittlerweile das Konzept „CAP kompakt“ für Orte mit 500 bis 1.500 Einwohnern entwickelt. Dort sollen Läden in der Größe von 100 bis 300 m² die Versorgung des täglichen Bedarfs mit etwa 1.500 Artikeln gewährleisten. Die Grundvoraussetzung zur Betreibung eines "CAP kompakt" ist das Vorhandensein eines etablierten CAPMarktes, um die Warenversorgung gewährleisten zu können. Für Orte oder Ortsteile ohne Lebensmittelmarkt wurde das „CAP mobil“ entwi-

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ckelt: ein „rollender Lebensmittelmarkt“, eingebaut in einen LKW mit 800 bis 1.200 Artikeln. Hierfür braucht es allerdings einen größeren CAP-Markt als „Heimatbasis“. Aber auch die großen CAP-Märkte sind noch ausbaufähig. Seit einiger Zeit versüßt „CAP pucino“ das Einkaufen, zum

Beispiel in Karlsruhe. Eine gemütliche Café-Ecke mit üppiger Kuchentheke lädt zum Ausruhen nach dem Einkaufen ein. Oder zum Frühstücken. Oder einfach so zum Genießen. mok

Beratungsstellen für hörgeschädigte Menschen erhalten weiterhin Zuschüsse des KVJS
Die Verbandsversammlung beschloss am 6. Dezember, die Beratungsstellen für hörgeschädigte Menschen weiterhin mit insgesamt jährlich 250 000 Euro zu bezuschussen. Damit folgte die Verbandsversammlung dem Votum der Stadt- und Landkreise, die sich bei einer Umfrage mehrheitlich dafür ausgesprochen hatten, die Finanzierung der Beratungsstellen für hörgeschädigte Menschen beim KVJS zu belassen und nicht auf die örtliche Ebene zu verlagern. Das Votum war erforderlich geworden, nachdem die Verbandsversammlung am 02.12.2008 beschlossen hatte, dem KVJS befristet für drei Jahre diese Aufgabe zu übertragen. Der Zuschuss des KVJS belief sich in den Jahren 2009, 2010 und 2011 auf jeweils 250 000 Euro. Das mit den beteiligten Trägern vereinbarte Ziel einer flächendeckenden Beratung hörgeschädigter Menschen konnte dabei zwischenzeitlich erreicht werden. Somit verfügen bereits seit Herbst 2010 auch die zwölf im Jahr 2008 noch unversorgten Kreise über ein entsprechendes Beratungsangebot. jw 13

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Von der Kita in die Grundschule: Bildung ohne Umsteigen
Im Kindergarten wird gespielt, in der Schule wird gelernt. Diese traditionelle Grenzziehung zwischen den beiden pädagogischen Einrichtungen ist so alt wie überholt. Denn heute weiß man es besser: Bildung fängt nicht erst mit der Schultüte an. Das hat die Politik ebenso erkannt und fördert verstärkt den nahtlosen Übergang von der Kita zur Grundschule. Der KVJS unterstützt die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen durch qualifizierte Fortbildung, adäquat auf diese komplexe Herausforderung zu reagieren.
nicht zur Bruchlandung wird, erfuhren die Erzieherinnen im Oktober auf dem Seminar des KVJS „Brüche vermeiden – Brücken bauen“ im KVJS-Bildungszentrum in Flehingen. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen arbeitete Referentin Marlene Jaeger aus Konstanz heraus, welche Anforderungen sich einem Kind und seiner Familie stellen, wie Übergangsbewältigung und Schulfähigkeit zusammenhängen und wie die pädagogische Begleitung des Übergangs konzeptualisiert werden. Lange Zeit ging beispielsweise das Konzept der Ein-chulungsdiagnostik davon aus, nur abwarten zu müssen, bis ein Kind reif für die Schule sei. Aber: „Heute ist bekannt, dass Kinder bei gleichem Förderangebot je nach Ausgangslage und Lebensbedingungen auf Anreize, Hilfen und Unterstützung unterschiedlich reagieren und daher zu unterschiedlichen Zeiten schulfähig sind“, so die Fachfrau für Fortbildung und Teambegleitung. Schwerpunkt Kooperation Wie bei der Tagung deutlich wurde, ist für das Kita-Kind das Ziel die Schulfähigkeit zu erreichen, eine zentrale Entwicklungsaufgabe, die von den pädagogischen Fachkräften im Kindergarten nicht allein

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Jungen und Mädchen, für die im Herbst das letzte Jahr in ihrer Kita begonnen hat, sehen mit Spannung einem bedeutendem Ereignis entgegen: Bald werden sie ein Schulkind sein und zu den „Großen“ zählen. Die meisten freuen sich darauf, bisher ungeahnte Chancen und Möglichkeiten zu entdecken und an neuen Herausforderungen wachsen zu können. In die Vorfreude mischt sich gleichzeitig die Angst davor, bekannte und bewährte Strukturen, die bisher Sicherheit vermittelt haben, nicht mehr wiederzufinden. Verunsichert sind auch die Eltern, die häufig befürchten, ihre Sprösslinge seien nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet. „Kinder im letzten Kindergartenjahr brauchen genügend Zeit und Raum, sich auf den neuen Lebensabschnitt Schule einzustimmen, denn was bekannt ist, macht weniger Angst“, erklärt Gabriele Ulrich vom KVJS-Landesjugendamt. Mit etlichen Initiativen, darunter zum Beispiel das Projekt „Bildungshäuser“, hat Baden-Württemberg neue Impulse für die Verzahnung der beiden Systeme gesetzt. In vielen Grundschulen gibt schon altersübergreifende Schuleingangsstufen der Klassen 1 und 2, verbunden mit einer zeitlich flexiblen Einschulung. Wie der Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule zum sicheren Übergang und

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zu meistern ist. „Hier ist Teamarbeit zwischen Eltern, Kindertageseinrichtung und Schule gefordert“, betont Gabriele Ulrich. Dies setze voraus, dass Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen die jeweils andere Ausbildung und die damit erworbenen Kompetenzen akzeptieren und anerkennen. „Es muss sich eine Dialogkultur auf Augenhöhe entwickeln“. Beide Teile profitieren Denn von einer Kooperation zwischen Kita und Schule profitieren nicht nur die Kinder und ihre Eltern, sondern auch die beiden Bildungsinstitutionen. So kann der „sozialpädagogische Blick“ der Erzieherinnen den Lehrkräften helfen, ihre Unterrichtsmethoden individuell auf die Kinder abzustimmen. Und der frühzeitige Kontakt zu ihren zukünftigen Schülern verschafft ihnen bereits bei Schulbeginn einen Vertrauensbonus. Die Erzieherinnen wiederum erweitern durch die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften ihr fachliches Wissen und erhalten eine Rückmeldung über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Für die inhaltliche und organisatorische Gestaltung der Kooperation ist die Erstellung eines Jahresplanes vor Beginn des letzten Kindergartenjahres eine sinnvol-

le Strukturhilfe, von der die Praxis vor Ort immer mehr Gebrauch macht, wie Gabriele Ulrich erfreut feststellt. Darin werden gemeinsame pädagogische Grundlagen und daraus resultierende Maßnahmen kon-zeptionell festgeschrieben: Von gemeinsamen Elternabenden von Kindergarten und Grundschule über Besuche der Kita-Kinder in ihrer zukünftigen Schule, in der sie zum Beispiel an Unterrichtsstunden teilnehmen können über die Möglichkeit der „Nachsorge“ – Erzieher und Erzieherinnen schauen im 1. Schuljahr noch nach den Kindern – bis hin zu den unterschiedlichsten gemeinsamen Aktionen und Projekten. add

Die nächste Fortbildung zum Thema „Kooperation Kindergarten/Schule“ findet am 27.03.2012 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein statt. Anmeldung online: www.kvjs-fortbildung.de Sie finden die Veranstaltung im KVJSFortbildungsprogramm unter www. kvjs.de/fortbildung/publikationen.html

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Fachliche Auskünfte:
Gabriele Ulrich Telefon 0711 6375 426 Gabriele.Ulrich@kvjs.de

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KVJS-Service für die Generation 65plus
Immer mehr Menschen werden immer älter. Alle haben eins gemeinsam: Sie möchten unabhängig und selbstbestimmt leben. Der KVJS hilft ihnen dabei seit Jahren. Jetzt hat auch die Europäische Union (EU) „das Europäische Jahr für aktives Altern“ aus-gerufen. Der KVJS begrüßt die Aktion im Jahr 2012.
Wohnberatungsstellen im Land aufzubauen. Sie sollen Rentnerinnen und Rentnern Tipps zum barrierefreien Wohnen geben. Heute gibt es 43 Wohnberatungsstellen in 34 Stadt- und Landkreisen. Dennoch kann sich niemand zurücklehnen. „Wir benötigen mehr Anlaufstellen für Bürger“, sagt der KVJS-Experte Werner Stocker. Die Zentrale Wohnberatungsstelle wurde 1998 durch die „Werkstatt Wohnen“ ergänzt. Sie ist heute das Herzstück des forums b-wohnen. In den Räumen des KVJS im Stuttgarter Westen können Bürger Beispiele für eine nutzerfreundliche und barrierefreie Musterwohnung besichtigen. Fachleute des Deutschen Roten Kreuzes zeigen ihnen auf Wunsch Musterlösungen für barrierefreies Bauen oder Wohnungsanpassungsmaßnahmen. Es gibt barrierefreie Duschen zu besichtigen oder Badewannenlifter. Nach wie vor bietet der KVJS Beratung und Fortbildungen für Wohnberater, zum Teil zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz. Daneben ist die Werkstatt Wohnen Drehscheibe zur Vernetzung des KVJS im Rahmen des forum b-wohnen. Kooperationspartner sind etwa der Landesfachverband Schreinerhandwerk, das FraunhoferInstitut Stuttgart, der Landesseniorenrat, das Deutsche Rote Kreuz Stuttgart und der Verein AMSEL, der sich für MS-Kranke engagiert.

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Nun wird zwar jeder ohne eigenes Zutun alt. Aktivitäten sind dazu gar nicht nötig. Aber mit „aktiv altern“ meint die EU auch etwas anderes. „Aktiv altern“, das heißt, Menschen sollen im Alter aktiv bleiben und selbstständig ihr Leben gestalten können. Dafür stellen die 27 Staaten der EU Fördergelder bereit. „Die Chance, im Alter aktiv sein zu können, ist wichtig“, sagt Michael Heck, der Leiter des KVJS-Referats Sozialplanung, investive Förderung. „So kann Pflegebedürftigkeit vermieden werden.“ Heck hofft auf eine nachhaltige Wirkung des Europäischen Jahres. Das Thema dürfe für die Gesellschaft kein Strohfeuer bleiben. Es gelte, den demografischen Wandel dauerhaft zu gestalten. In Europa nimmt die Zahl der über 60-Jährigen jedes Jahr um etwa zwei Millionen zu. In Baden-Württemberg stiegen in den letzten Jahren die Kosten für die stationäre Pflege von 242 auf 334 Millionen Euro. Deshalb gewinnt das selbstständige Wohnen im Alter zunehmend an Bedeutung. Der KVJS und seine Vorgängerverbände widmen sich seit langem diesem Ziel. Beratung beim Wohnen Mitte der 90er eröffnete der Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern, der vor sieben Jahren im KVJS aufgegangen ist, die Zentrale Wohnberatungsstelle. Die landesweit koordinierende Stelle hatte die Aufgabe, dezentrale

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Qualitätssiegel für Betreutes Wohnen Älteren Menschen, die ins Betreute Wohnen ziehen möchten, bietet der KVJS Entscheidungshilfen. Er gibt ein Verzeichnis der Domizile heraus, die mit dem Qualitätssiegel „Betreutes Wohnen für Senioren Baden-Württemberg“ zertifiziert wurden. Der Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern hatte das Qualitätssiegel maßgeblich mit entwickelt. Heute übernimmt der KVJS als Geschäftsstelle die Zertifizierung der Anlagen. Er hilft damit Interessenten, bei Senioren-Wohnanlagen die Spreu vom Weizen zu trennen. Seit seiner Einführung Ende 1995 hat das Zertifikat die Qualität im Betreuten Wohnen deutlich gesteigert. Die Anforderungen des Qualitätssiegels sind in einem Handbuch zusammengefasst, das Kommunen, Planern, Architekten, Handwerkern oder Bauträgern beim Erstellen von Wohnanlagen als Planungsgrundlage dient. „Unser Handbuch ist heute anerkannter Standard weit über Baden-Württemberg hinaus“, sagt Sozialplaner Werner Stocker. Die Standards wurden Grundlage für eine allgemeine Norm – die DIN 77800 für Betreutes Wohnen von 2006. Die DIN-Norm, an welcher der KVJS mitgewirkt hat, ist derzeit Grundlage für einen europäischen Normungsprozess. Er soll Ende 2012 abgeschlossen sein. Die Zukunft planen Damit ältere Leute in Zukunft genügend Betreutes Wohnen oder andere Formen wohnortnaher Unterstützung finden, machen Sozialplaner des KVJS Expertisen über existierende und benötigte HilfeAngebote. Diese Erhebungen nennt man Kreisseniorenpläne. Der KVJS erstellt sie auf Wunsch der Stadt- und Landkreise. Die Experten der Kreise können beim KVJS auf Fachleute mit sozialwissenschaftlicher Ausbildung und ausgewiesenen

Kenntnissen in der empirischen Sozialforschung zurückgreifen. Sie sind darauf spezialisiert, Fakten zu interpretieren und den zukünftigen Bedarf zu ermitteln. Bei den Planungen reden die Bürgerinnen und Bürger in Arbeitskreisen und Runden Tischen mit. „Ein Kreissozialplan bietet ein zwischen allen Beteiligten abgestimmtes Gesamtkonzept für die zukünftige Entwicklung der Kreisseniorenpolitik“, fasst Michael Heck zusammen. Es herrscht Transparenz, wie es zu Ideensammlungen oder Handlungsempfehlungen kommt. „Dazu gehört übrigens auch, dass die Arbeitgeber mit einer älter werdenden Belegschaft zu rechnen haben.“ Gewinn für den Betrieb Die Sozialplaner des KVJS müssen die Wirtschaft oft an den Gewinn erinnern, den ältere Menschen ihren Betrieben bringen. „Es ist leider durchaus verbreitet, älter werdende Beschäftigte als Last zu betrachten“, sagt Heck. „Dabei sind sie eine wichtige Säule betrieblicher Kontinuität. Ihre langjährige Erfahrung ist nur schwer zu ersetzen.“ Und diese Erfahrung gelte es zu nutzen. „Unsere Wirtschaft ist darauf aufgebaut, dass der 30-Jährige und der 60-Jährige grundsätzlich die gleiche Arbeit machen.“ Ob Lkw-Fahrer, Lehrer oder Akkordarbeiter – das Alter spielt für Personalabteilungen oft keine Rolle. Immer wieder gehen deshalb Beschäftigte in Frührente. Kein Zustand, meint Heck. „Wir müssen stattdessen genau hinsehen, welche Wissensschätze ein Arbeitnehmer angehäuft hat.“ So könne man etwa den älteren Brummi-Fahrer verstärkt bei der Routenplanung einsetzen, statt ihn tausende Kilometer über die Landstraßen zu hetzen. Beim KVJS selbst gibt es übrigens auch Workshops zum „Intergenerativen Wissenstransfer“.

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Den Wissenstransfer im Land fördert der KVJS durch Publikationen und Vorträge. So informieren der KVJS und seine Vorgängerverbände seit 1996 auf der Stuttgarter Messe „Pflege und Reha“ über innovative Konzepte von Gemeinden und Trägern. Auch vom 22. bis 24. Mai 2012 werden die Expertinnen und Experten vom KVJS auf der Fachmesse wieder die neues-ten seniorenpolitischen Konzepte vorstellen. Intelligente Fernsehsessel Last but not least fördert der KVJS seniorengerechte Angebote durch Projekte. Der KVJS hat in Seniorenbegegnungsstätten Freizeitangebote erprobt, die Ältere mit geistigen Behinderungen integrieren. Und der Verband hat mit Partnern ein Seminar entwickelt, das ältere Beschäftigte mit geistigen Behinderungen auf ihren Ruhestand vorbereitet. Denn die Zahl der älteren Menschen mit Behinderungen wird steigen. Wegen ihrer systematischen Ermordung im Dritten Reich gab es bisher

nur wenig Betagte mit angeborenen Behinderungen. Jetzt, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, ändert sich das langsam. Auch im Auftrag der rot-grünen Landesregierung ist der KVJS aktiv. Die Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag die Förderung von modellhaften Projekten zur Verbesserung der Struktur und Qualität in der Pflege beschlossen. Der KVJS ist Förderbehörde und berät im Auftrag des Landes die Antragssteller, bewilligt und überweist Fördermittel. Erprobt werden Sinnesgärten in Altenheimen oder innovative Konzepte für die Tagesgestaltung von Senioren auf dem Land. Sei es der Fernsehsessel, der den Blutdruck messen kann, seien es intelligente Bodenfliesen, die Stürze von alten Menschen erkennen und melden – es gibt keine Denkverbote. syr

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Weitere Informationen im Internet:
www.kvjs.de/soziales/senioren

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KVJS-Integrationsamt startet Kooperation mit Arbeitgeberverbänden
Gleich die erste Veranstaltung war ein Erfolg: Das KVJS-Integrationsamt hat erstmalig eine Informationsveranstaltung für Arbeitgeber in Kooperation mit zwei Arbeitgeberverbänden durchgeführt. Knapp 70 Personalverantwortliche vom Weltkonzern bis zum Kleinbetrieb informierten sich in Ettlingen über das Betriebliche Eingliederungsmanagement.
sie zuvor kein BEM durchgeführt haben. Entsprechend ist die Bedeutung des BEM in den letzten Jahren immer mehr gestiegen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nicht nur über die juristischen Aspekte des BEM aufgeklärt, anhand des Beispiels des Bruchsaler Unternehmens SEW Eurodrive, Spezialist für Getriebemotoren, Antriebselektronik, Steuerungen und Software, bekamen sie auch einen Einblick in die Praxis des BEM. Die Gemeinsame Servicestelle Karlsruhe präsentierte ihre Unterstützungsmöglichkeiten beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Die Gemeinsamen Servicestellen beraten untern Anderem kleinere und mittlere Betriebe in Fra-gen der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Der Vortrag „BEM aus arbeitsmedizinischer Sicht: Integriertes Betriebliches Eingliederungsmanagement – ein Gewinn für jedes Unternehmen" von Dr. Hanns Wildgans, IAS - Institut für Arbeitsund Sozialhygiene Stiftung, München, rundeten das Vortragsprogramm ab. „Für das kommende Jahr planen wir weitere regionale Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden“, berichtet Integrationsamtsleiter Ernst. „Das BEM wird Schwerpunkt bleiben, aber auch andere Themen sind vorstellbar.“ mok

Die Informationsveranstaltungen und Kurse des KVJS-Integrationsamtes sind in der Regel nicht nur gefragt – sie sind meist überbucht. Vor allem Schwerbehindertenvertreter, Betriebs- und Personalräte nutzen das umfangreiche Fortbildungsangebot. In der Minderheit sind dabei jedoch die Arbeitgebervertreter. Um gezielt auch Personalentscheider über das Angebot des KVJS-Integrationsamtes zu informieren, fand nun erstmalig eine Informationsveranstaltung in Kooperation mit zwei Arbeitgeberverbänden statt. Südwestmetall-Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V., Bezirksgruppe Karlsruhe und der Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg e. V., Baden-Baden luden ihre Mitglieder zu der Veranstaltung „Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) in der Praxis" ins Hotel Radisson BLU in Ettlingen ein. Die Organisation leistete Südwestmetall, die fachliche Konzeption lieferte das KVJS-Integrationsamt. BEM als Zugpferd „Das Thema BEM brennt den Unternehmen auf den Nägeln“, erklärt Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes, der in die aktuellen rechtlichen Aspekte im BEM einführte. Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hat die Beweislast im Kündigungsverfahren zu Lasten der Arbeitgeber verändert, wenn

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BEM-Auszeichnung für Universitätsmedizin Mannheim
Der KVJS ehrte in diesem Jahr mit der Universitätsmedizin Mannheim zum zweiten Mal einen Arbeitgeber, der auf vorbildliche Weise Betriebliches Eingliederungsmanagement betreibt. Die Ehrung ist mit einem Preisgeld von 3.000 Euro verbunden, zweckgebunden für gesundheitsfördernde, präventive Maßnahmen.
Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger übergab die Auszeichnungs-Urkunde am 7. November an Geschäftsführer Alfred Dänzer und an Geschäftsbereichsleiter Torsten Hintz. Mannheims Gesundheitsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb gratulierte zur Auszeichnung. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement – kurz: BEM – soll bei längerer Erkrankung – ab sechs Wochen im Kalenderjahr – Mitarbeitern die Rückkehr an den Arbeitsplatz erleichtern, gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz reduzieren, chronische Krankheiten oder Behinderungen verhindern und den Arbeitsplatz langfristig sichern. Dabei gilt das Betriebliche Eingliederungsmanagement für alle Mitarbeiter – nicht nur solchen mit Schwerbehindertenausweis. Die für ein erfolgreiches BEM nötige konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Arbeitgeber, Betroffenen, Personalrat, Schwerbehindertenvertretung und Fachleuten hat die Universitätsmedizin Mannheim besonders erfolgreich umgesetzt. Im September 2008 wurde zwischen der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und der Schwerbehindertenvertretung eine BEM-Vereinbarung abgeschlossen. „Besonders hervorzuheben ist, dass Sie ein großes BEM-Team installiert haben mit einem BEM-Beauftragten des Arbeitgebers, einem Mitglied des Betriebsrates, der Schwerbehindertenvertretung, der JAV und internen Fachkräften wie Betriebsarzt, Beauftragter der Arbeitssicherheit, Konfliktmanager, Beauftragter für die psychologische Beratung der Mitarbeiter, Suchtbeauftragter, Frauenbeauftragte“, erklärte Verbandsdirektor Klinger. Eigenständiges Team Dieses Team ist dafür verantwortlich, dass jeder betroffene Mitarbeiter seinem Gesundheitszustand entsprechend wieder in den Betriebsablauf eingegliedert wird. Das BEM-Team ist nicht weisungsgebunden und trifft sich mindestens einmal im Monat. „Diesem engagierten Team möchte ich heute für seine erfolgreiche Arbeit, bei der viel Fingerspitzengefühl notwendig ist, besonders herzlich danken“, so Klinger. Das erste BEM-Gespräch führen betroffene Mitarbeiter jedoch grundsätzlich nur mit einem Integrationsteam-Mitglied ihres Vertrauens – und nicht mit dem kompletten Gremium. So kann der Einstieg in das BEM-Verfahren sehr persönlich gestaltet werden. Der Information der Belegschaft dient ein Leitfaden „Betriebliche Prävention und Eingliederungsmanagement“. „Sowohl die Betriebsvereinbarung als auch der Leitfaden wurden von der Auszeichnungsjury beim KVJS, die sich aus Vertretern von Arbeitnehmern, Gewerkschaften, dem VdK und dem KVJS zusammensetzt, als besonders positiv und praxistauglich bewertet“, hob Roland Klinger hervor. Der komplette Verfahrensablauf ist zeitlich genau festgelegt, ebenso die entsprechenden Verantwortlichkeiten. Der Handlungsleitfaden wird jährlich auf seine Wirksamkeit geprüft. Die Führungs-

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kräfte der Universitätsmedizin Mannheim werden auf regelmäßigen Fortbildungen für das Betriebliche Eingliederungsmanagement sensibilisiert. Seit der Einführung des BEM im Jahr 2008 konnte nahezu die Hälfte der bislang 94 BEM-Verfahren erfolgreich abgeschlossen und Kündigungen so vermieden werden. Außerdem gingen die Ausfallzeiten wegen Krankheit spürbar zurück. Auch auf die Motivation der Mitarbeiter hat sich die Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements positiv ausgewirkt. Die hohe Akzeptanz für das BEM zeigt auch der Anstieg der Verfahren von 35 im Jahr 2009 auf 59 im Folgejahr. In seiner Dankesrede erklärte Geschäftsführer Alfred Dänzer: "In der Universitäts-

medizin Mannheim hat ein verlässlicher und fairer Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Tradition. Wir versorgen über 70.000 Patienten pro Jahr, da sind die Themen Krankheit und Genesung omnipräsent – eine gewisse Vorbildrolle hinsichtlich des Bemühens um die Gesundheit der eigenen Beschäftigten ist da fast schon Ehrensache. Dies umso mehr, als das Betriebliche Eingliederungsmanagement eine gute Ergänzung zu unseren Aktivitäten auf dem Gebiet des Gesundheitsmanagements darstellt." mok

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Ausgleichsabgabe wird erhöht
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat die Berechnungsgrundlage für die Ausgleichsabgabe aktualisiert. Die Ausgleichsabgabe müssen alle Arbeitgeber zahlen die weniger schwerbehinderte Menschen beschäftigen, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Ab dem ersten Januar 2012 ist je nach Beschäftigungsquote pro unbesetzten Pflichtplatz zwischen zehn und 30 Euro mehr pro Monat abzurechnen: Bei einer Erfüllungsquote von drei bis unter fünf Prozent sind dies 115 Euro, bei zwei bis unter drei Prozent 200 Euro und bei null bis unter zwei Prozent 290 Euro. Die Erhöhung gilt für Pflichtplätze, die ab dem 1. Januar 2012 nicht besetzt sind. Damit wirkt sie sich erst im Jahr 2013 aus, da die Ausgleichsabgabe rückwirkend für das Vorjahr gezahlt wird. Für die Ausgleichsabgabe, die 2012 für das Jahr 2011 abgeführt werden muss, gelten noch die alten Sätze. mok

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Bilanz der KVJS-Fachschulen bleibt erfreulich
Die vier Fachschulen des KVJS-Bildungszentrums Schloss Flehingen gehören zu den begehrten Adressen im Land. Sie ermöglichen Erwachsenen den berufsbegleitenden Aufstieg in sozialen Berufen. Die Fachschule für Heilerziehungspflege ist die jüngste Einrichtung am KVJS-Campus. Seit ihrer Gründung vor vier Jahren steigen die Studierenden-Zahlen.

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„Unsere vier Schulen sind ausgebucht“, berichtet der Leiter der KVJS-Fachschulen Klaus Boch. 346 junge Frauen und Männer wollen Fachkräfte für Jugend- und Heimerziehung, für Heilerziehungspflege, Heilpädagogik, Heilerziehungshilfe sowie Natur- und Erlebnisguides werden. Unter ihnen sind 142 Erstsemester. Im Sommer nahmen 119 Absolventinnen und Absolventen ihr Abschlusszeugnis entgegen. Als gesuchte Fachkräfte können sie Jugendliche oder behinderte Menschen in ambulanten und stationären Einrichtungen beraten, begleiten oder pflegen sowie Leitungsaufgaben übernehmen. „Wir helfen mit unserer praxisorientierten und berufsbegleitende Ausbildung, den Fachkräftemangel zu beheben“, sagt Boch. Großer Beliebtheit erfreut sich die jüngste KVJS-Fachschule – die Fachschule für Heilerziehungspflege (HEP). „Die Nachfrage steigt kontinuierlich“, sagt Boch. Vor vier Jahren waren bei der Gründung 13 Pioniere an den Start gegangen. Heute beginnen fast doppelt so viele Lernwillige mit der dualen Ausbildung. „Wir hätten deutlich mehr als 25 Bewerber aufnehmen können. Aber die Teilnehmerzahl für den Lehrgang ist beschränkt.“ Der Fachschulleiter muss Wartelisten führen, bekommt schon im Oktober Bewerbungen für den Lehrgang im September 2012.

„Unsere praxisnahe Ausbildung wird sehr geschätzt“, zieht der Diplom-Pädagoge Bilanz. „Sie ist am Bedarf der Einrichtungen orientiert. Zudem sind die beiden Unterrichtstage im zweiwöchigen Rhythmus gut in den Dienstplan zu integrieren.“ Die Studierenden sind bei einer sozialpädagogischen Einrichtung angestellt und besuchen die Ausbildungsstätte in Flehingen nach einem festen Turnus. Das Bildungszentrum vermittelt den theoretischen Stoff. Die Einrichtungen bieten die Chance, das Gelernte umzusetzen. Die HEP-Studierenden profitieren etwa vom Schwerpunkt „Pflege“ in Flehingen. Es hat sich herumgesprochen, dass dort wie an allen KVJS-Fachschulen praktizierende Ärzte, Psychologen, Pädagogen oder Juristen fundiertes Hintergrundwissen vermitteln. „Die ausgewiesenen Fachleute unterrichten nach neuesten Methoden der Erwachsenenbildung. Und sie kennen die aktuellen Entwicklungen aus ihrem eigenen Berufsalltag“, sagt Boch. Moderne Medientechnik Etliche Fachrichtungen machen erlebnispädagogische Angebote. Studierende bauen zum Beispiel mit Dozenten Flöße, gehen am Fels klettern oder auf einem Fluss Kajak fahren. So lernen sie, für ihre Schützlinge selbst Freizeitangebote zu planen und durchzuführen.

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Skelette sind Lehrmittel Als Leiter gewährleistet Boch, dass Dozenten und Studierende die neuesten Lehrmaterialien vorfinden wie Lehr-Pflegebetten, moderne Medientechnik sowie Skelette für den Anatomieunterricht oder Blutdruck- und Zuckermessgeräte. Es gibt eine Sporthalle und eine Mensa. Klaus Boch schaut zuversichtlich ins nächste Jahr. Zum Januar 2012 hat er eine neue hauptamtliche Leiterin im Fachbereich Pflege eingestellt. Und er kann im Sommer den einjährigen Kursus zum Natur- und Erlebnisguide wieder anbieten. Die erlebnispädagogische Zusatzqualifikation erfreut sich einer regen Nachfrage. Sie befähigt ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher, naturnahe Aktivitäten in den pädagogischen Alltag zu integrieren. Dampfende Kochtöpfe Demnächst will Boch im Schloss Flehingen eine Lehrküche eröffnen. Studierende sollen mit behinderten Menschen an dampfenden Kochtöpfen stehen und die Gehandicapten beim Zubereiten leckerer gesunder Speisen anleiten. Oft seien körperlich und geistig eingeschränkte Menschen nicht in der Lage, sich gesund zu ernähren. „Hier haben Heilerziehungspflegende eine besondere Verantwortung“, betont Boch. Für alle vier Fachschulen in Oberderdingen-Flehingen sind neue, zusätzliche Seminarräume in Planung. Die angehenden Jugend- und Heimerziehenden können in

Zukunft verstärkt ihre Medienkompetenz schulen. „Kinder und Jugendliche haben heute ungehinderten Zugang zu neuen Medien“, erklärt Boch. „Pädagoginnen und Pädagogen müssen einen vernünftigen Umgang mit sozialen Netzwerken, Upund Downloads aus dem Internet oder mit Smartphones vermitteln können.“ syr

Information
Der KVJS unterhält in OberderdingenFlehingen im Kreis Karlsruhe vier Fachschulen: Die Fachschule für Heilpädagogik, die Fachschule für Sozialwesen, die Fachschule für Heilerziehungspflege und die Fachschule für Heilerziehungshilfe. Die Ausbildungen dauern zwischen einem und drei Jahren. Zum Ende schreiben die jungen Frauen und Männer aus ganz Baden-Württemberg ihre Klausuren und legen ein Kolloquium für die staatliche Prüfung ab. Das Regierungspräsidium verleiht ihnen die staatliche Anerkennung.

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Kontakt:
KVJS-Bildungszentrum Schloss Flehingen Gochsheimer Straße 19 75038 Oberderdingen Ihre Ansprechpartnerin: Frau Dorsy Schwedes Telefon 07258 75-62 Dorsy.Schwedes@kvjs.de www.kvjs.de/fachschulen/fachschulen. html

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Jugendhilfe als Kooperationspartner der Ganztagsschulen
Der Ausbau der Ganztagsschulen stellt die Partner aus Sozial- und Erziehungswesen vor neue Herausforderungen und verlangt eine klare Aufgabenklärung. Lehrkräfte, Professoren und Pädagogen der Arbeitsfelder Schule und Jugendhilfe diskutierten bei der Fachtagung "Jugendhilfe und Ganztagsschule" in Stuttgart die aktuelle Entwicklung auf dem Weg zur Ganztagsschule in Baden-Württemberg.
Welche Rolle wird die Jugendhilfe künftig in einem Bildungssystem übernehmen, das von Ganztagsschulen geprägt sein wird? Sind die Vorstellungen von Schule und Jugendhilfe im Hinblick auf ganztägige Bildung kompatibel? Wo gibt es Übereinstimmungen, wo Stolpersteine? Mit diesen Fragen beschäftigten sich über 150 Pädagogen, Erziehungswissenschaftler und Verwaltungsfachleute am Mittwoch, 7. Dezember, im Landesinstitut für Schulentwicklung in Stuttgart. Sie folgten einer Einladung des Landesinstituts und des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS). Mitveranstalter des Fachtages waren die Landesarbeitsstelle Kooperation und die Serviceagentur „Ganztägig lernen". Künftig sollen im Rahmen der Entwicklung von Ganztagsschulen in BadenWürttemberg schulische und außerschulische Bildungsträger im Hinblick auf eine ganzheitliche, ganztägige Bildung Hand in Hand zusammenarbeiten. Dies ist bei der Komplexität der einzelnen Aufgabenfelder aber alles andere als trivial. „Wir brauchen schnellstmöglich eine klare Rollen- und Aufgabenklärung, sowohl für die Schule, als auch für die Jugendhilfe. Und es bedarf einer Kooperation auf Augenhöhe“, definierte Dr. Margret Ruep, Ministerialdirektorin im Kultusministerium die gemeinsame Aufgabe. „Dies gelingt am besten durch die gemeinsame Entwicklung von Leitlinien, notwendigerweise durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, in der Schulträger, Schulverwaltungen, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Akteure der Jugendhilfe und natürlich auch die Schülermitverwaltung an einem Tisch sitzen.“ Neue Aufgaben Roland Kaiser, Leiter des KVJS-Landesjugendamtes, sieht auf die Jugendhilfe viele neue Aufgaben zukommen. Er sagte voraus: "Sehen wir es positiv: die Jugendhilfe hat durch die Ganztagesschulen die Möglichkeit, ihren Aktionsradius deutlich zu erweitern. Denn die längere Verweildauer der Kinder und Jugendlichen in den Schulen ergibt ganz neue Perspektiven für die etablierten Angebote der offenen Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und natürlich auch für die Jugendarbeit in den Vereinen." Laut Kaiser hat der KVJS deshalb schon 2010 ein Forschungsvorhaben mit dem Forschungsverbund Hochschule Osnabrück, Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA), Münster in Auftrag gegeben. Die Osnabrücker Wissenschaftler formulieren klar, dass eine Jugendarbeit, die sich nicht auf die Ganztagsschule einstellt, ihren Aufga-

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ben nicht mehr gerecht wird: "Die Studie gibt uns wichtige Anregungen, wie wir in Baden Württemberg die Jugendhilfe in der Schule zukünftig verankern müssen. Nicht nur bei der Schulsozialarbeit, die dann nur noch ein einzelner Baustein in einer Reihe von erfolgreichen Möglichkeiten sein soll", stellte Roland Kaiser nachdrücklich fest, „sondern auch durch die verbandliche und offene Kinder- und Jugendarbeit in den Vereinen und Jugendhäusern." Neue Ideen gefordert Die Ganztagsschule hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Betreuungs- und Bildungsangebote außerhalb der Schule. Denn die Freizeitmöglichkeiten der Schüler und Jugendlichen werden sich durch die Ganztagsschule verändern. Die Jugendverbände und Vereine werden während der ganztätigen Schulzeiten we-

niger Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihren Gruppenangeboten haben. Dasselbe gilt für die Verfügbarkeit von ehrenamtlichen Gruppenleitern. Die außerschulischen Angebote in die Abendstunden zu verlagern, ist nicht nur aus pädagogischer Sicht nicht in jedem Fall machbar. Hier sind neue Ideen gefordert, die beispielsweise Vereinsangebote an den Schulen am Nachmittag ermöglichen. Auch die Familienhelferinnen und -helfer der Jugendämter stehen vor neuen Herausforderungen. Denn sie müssten mit der Einführung der Ganztagsschule ihre Familienarbeit in die Abendstunden verlagern. Dagegen spricht Vieles, sowohl arbeitsrechtlich, familienpädagogisch, als auch strukturell. Auch hier sind deshalb neue Lösungen gefragt, die nur an einem gemeinsamen runden Tisch definiert werden können. Die Fachtagung in Stuttgart war dazu ein erster wichtiger Schritt.

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KVJS-Fortbildung: Auch 2012 ein breites Themenangebot
Das Fortbildungs- und Tagungsangebot des KVJS mit seiner breiten Palette an Seminaren, Fachtagungen, Workshops und berufsbegleitenden Fortbildungsreihen erfährt sehr großen Zuspruch. Mit rund 9 500 steuert die Zahl der Interessenten im Jahr 2011 auf eine neue Rekordmarke zu.
Das jetzt erschienene Fortbildungs- und Tagungsangebot des KVJS für das Jahr 2012 bietet wieder eine große Anzahl an ein- bis mehrtägigen Veranstaltungen zu den Themen Jugendhilfe, Sozialhilfe- und Betreuungsrecht sowie Schwerbehinderung und Arbeitsleben. Dabei werden die Fortbildungen überwiegend in den KVJSTagungszentren Gültstein und Flehingen angeboten - zunehmend spielen auch Inhouse-Seminare eine Rolle. 26 Der KVJS berücksichtigt bei der Entwicklung neuer Angebote verstärkt arbeitsfeldübergreifende Aspekte. Neu im Programm 2012 sind zum Beispiel Veranstaltungen, die praxisnahe Informationen und Hilfestellungen bei der Zuordnung der Leistungen für junge Menschen geben. Auch Ergebnisse der KVJS-Forschungsvorhaben fließen in das aktuelle Tagungs- und Fortbildungsangebot ein. So zum Beispiel in Form des 2011 beendeten Projektes „Praxiserprobte Verfahren zur Erfassung der Wirkungen von Kooperationsformen der Jugendhilfe“ im Zusammenhang mit dem Thema „Kinderund Jugendarbeit im Kontext von (Ganztags-) Schule“. Das Gleiche gilt für den Fachtag „Bausteine in der Eingliederungshilfe“ und den Fachtag zur Präsentation der Ergebnisse des KVJS-Forschungsvorhabens „Wirkungsanalyse des Fallmanagements in der Eingliederungshilfe“.

Im Rahmen der Schulsozialarbeit wird unter anderem das Thema „Islamismusprävention“ angeboten, im Bereich der Jugendberufshilfe werden nun auch Berufseinstiegbegleiter an Schulen angesprochen. Die 2010 in Kooperation mit dem Deutschen Verein erfolgreich gestartete Fortbildungsreihe der Dezernate Jugend und Soziales des KVJS für Leitungskräfte öffentlicher und freier Träger der Jugend- und Sozialhilfe wird 2012 fortgesetzt und thematisch erweitert. Auf den großen Fortbildungsbedarf zum Thema „Beobachten und Dokumentieren“ wurde mit mehreren Angeboten im Fortbildungsprogramm reagiert. Damit soll auch die Umsetzung des Orientierungsplanes für Bildung und Erziehung in den baden-württembergischen Kindergärten nachhaltig unterstützt werden. Entsprechende Veranstaltungen zu aktuellen sozialpolitischen Themen wie die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII oder die Umsetzung der Inklusion infolge der UN - Behindertenrechtskonvention werden kurzfristig ausgeschrieben und auf der Internetseite des KVJS veröffentlicht. Das Thema „Kinderschutz“ bildet 2012 einen weiteren Schwerpunkt – es gibt Kursangebote zu Konfliktgesprächen mit Eltern bei wahrgenommener Kindeswohl-

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gefährdung, zum Umgang mit sexuellen Grenzverletzungen zwischen Kindern sowie zum Einsatz der Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung (Kiwo-Skala). Auch das Thema „Individuelle Förderung von Kindern“ findet sich im Fortbildungsprogramm wieder. Für die Mitglieder der betrieblichen Integrationsteams – Schwerbehindertenvertretungen, Betriebs- und Personalräte und Beauftragte der Arbeitgeber – hält das Programm 2012 wieder Grundlagenkurse bereit, die Basiskenntnisse vermitteln. Behinderungsspezifische Veranstaltungen und das Kursangebot Kommunikation dienen der Erweiterung des Fachwissens und dem Erwerb methodisch wichtiger Qualifikationen. Neu im Programm ist die Veranstaltung „Gesprächsführung im Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM)“, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezielt auf das Führen von BEM-Gesprächen vorbereitet werden. Der KVJS unterstützt mit seinem Fortbildungsangebot auch die rechtlichen

Betreuerinnen und Betreuer in verschiedensten Themenbereichen. Im Sozialrecht reicht das Spektrum der Themen von der gesetzlichen Krankenversicherung über die Durchsetzung der sozialrechtlicher Ansprüche bis zu Rehabilitationsleistungen der Deutschen Rentenversicherung. Eine spezielle Fortbildungsreihe zum Thema Vermögenssorge richtet sich an alle, die neu im Beruf sind. Den bereits berufserfahrenen Betreuerinnen und Betreuern soll mit Seminaren zum Insolvenzverfahren, zur Einführung in die Schuldnerberatung oder zur unterlassenen Hilfeleistung neues Wissen vermittelt werden. jw

Info
Service-Center beim KVJS für Anfragen, Anmeldungen oder Stornierungen: Telefon: 0711-6375-610 Fax: 0711-6375-125 Mo bis Do, 9 Uhr bis 16.30 Uhr, Fr bis 12.00 Uhr www.kvjs.de/fortbildung.html 27

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Publikationen – beim KVJS erschienen
Schwerbehinderung und Arbeit
Die Schwerbehindertenvertretung, 2011 Ein unentbehrliches Handbuch für Schwerbehinderten-Vertreter/innen. Es thematisieren deren Aufgaben, Pflichten, Rechte und Handlungsfelder, Herausgeber: KVJS, Landschaftsverband Rheinland. KVJS-Schlaglicht, Erfolgreiche Integration junger Leute: Chance genutzt, Oktober 2011 Die Publikation stellt auf vier Seiten die KVJS-Aktion 1000plus vor. An Beispielen wird gezeigt, wie Sonderschüler mit geistiger Behinderung am ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. In Kürze erhältlich: Zeitschrift behinderte Menschen im Beruf, Ausgabe Baden-Württemberg, 4/2011 Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Gisela Lüttges Telefon 0721 8107-983 Gisela.Luettges@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/service/publikationen/ schwerbehinderung.html

Behinderung und Pflege
Fallzahlen und Ausgaben in der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII für 2010 Die 120 Seiten starke Dokumentation bietet Daten und Fakten für die Planungsund Steuerungsunterstützung für die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg. Erschienen Oktober 2011. Hilfe zur Pflege in vollstationären Einrichtungen 2010 Kennzahlen aus den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg, Erscheinungsdatum: November 2011 Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weissenberger Telefon 0711 6375-307 Manuela.Weissenberger@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/service/publikationen/ soziales.html

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ONLINE-PUBLIKATION Obdachlos? Erfrierungsgefahr?! Eine Handreichung zum Erfrierungsschutz von Wohnungslosen, 2011 Hrsg: Kommunale Landesverbände, KVJS, Liga der freien Wohlfahrtspflege in BadenWürttemberg Die Publikation richtet sich an Fachleute von Kommunen und Einrichtungen. Die Arbeitshilfe informiert über die Grundlagen des Notfallschutzes und gibt Hinweise für die Optimierung von Prävention und Notfallhilfe – bis hin zu Vorlagen für Infokarten und Plakate, um Obdachlose und die breite Bevölkerung auf die Hilfsangebote bei Kälte aufmerksam zu machen.

Jugendhilfe
Ratgeber Ausstattung von Kleinkindeinrichtungen, September 2011. Empfehlungen, wie private, öffentliche oder freie Träger Kindergärten, Krippen oder ähnliche Angebote zur Kleinkindbetreuung einrichten können. Jugend mit Chancen – Praxisentwicklung und Qualitätsentwicklung für regional geförderte ESF-Projekte, 2011 Von 2009 bis 2010 hat das KVJS-Landesjugendamt 86 Projekte, die vom Europäischen Sozialfonds (ESF) regional gefördert wurden, beraten und fortgebildet. Und der KVJS hat für sie eine wissenschaftliche Evaluation organisiert. Ziel der Projekte war die Vermeidung von Schulabbrüchen, die Erhöhung der Ausbildungsreife und die Verbesserung der Berufswahlkompetenz. Der Bericht der wissenschaftlichen Evaluation liegt nun in einer Lang- und einer Kurz-Fassung vor.

Betreuungsrecht
KVJS BtR-Info Betreuungsrecht Heft 4, 2011. Neues aus Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Carola Dannecker Telefon 0711 6375-325 Carola.Dannecker@kvjs.de Im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/service/publikationen/ kvjs-btr-info.html

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Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www. kvjs.de/service/publikationen/jugend. html
                            
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