Publication:
2011
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729721
Path:
KVJS

aktuell
Aus dem Inhalt: Interview: „Inklusion erfordert Mut“
Seite 3

Einrichtungen für Menschen mit Behinderung: Den Wandel planen
Seite 13

Neuer Start für schwerbehinderte Arbeitnehmer
Seite 20

Ein Gütesiegel für den Kinderschutz
Seite 25

2/11

2 KVJS aktuell Juli 2011 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Stefan Wiegandt (wgn) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Sylvia Rizvi (syr) Jürgen Wieland (jw) Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206 oder -389 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de

KVJSaktuell

2/2011

Interview:

„Inklusion erfordert Mut“
Der Begriff Integration ist out. Inklusion ist in. Aber gibt es wirklich einen wesentlichen Unterschied? Manche Experten halten Inklusion für alten Wein in neuen Schläuchen. KVJSVerbandsdirektor Senator e. h. Prof. Roland Klinger beleuchtet das neue Konzept und erdet es in der Praxis. Er findet ermutigende Beispiele.
Inklusion bedeutet, dass alle Menschen mit und ohne Handicap am Leben in der Gemeinschaft teilhaben sollen. Das klingt ja wirklich nicht so neu. Der Inklusionsgedanke ist im Sozialstaat schon lange verankert, ohne dass er ausdrücklich so benannt wurde. Das Neue ist, dass Inklusion durch die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung immer mehr als gesamtgesellschaftliche Aufgabe akzeptiert wird. Also ist nicht in erster Linie der Sozialstaat gefragt, sondern gefragt sind Mitbürger, Nachbarn, Wohnungseigentümer, Vereinsvorstände, Geschäftsführer oder Arbeitskollegen. Ziel ist es, in der Schule, bei der Arbeit oder in der Freizeit vermehrt wieder Menschen mit Behinderungen zu begegnen und dies irgendwann auch wieder als Normalität zu erleben. Sie sind in den letzten Jahrzehnten überwiegend in Spezialeinrichtungen gefördert und betreut worden, die häufig außerhalb der Orts- und Stadtzentren liegen. Vielerorts ist es selten geworden, Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich als Teil des Straßenbildes, als Kollegen am Arbeitsplatz oder in der Schule und Vereinen zu begegnen. Das muss sich wieder ändern und es wird unser aller Aufgabe sein, dazu beizutragen, dass dies gelingt. Die „alte“ Strategie der Integration, der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft, wird also weiter gebraucht? Wir können davon ausgehen, dass Integrationsprozesse als Teilziel auf dem Weg zur Inklusion gesehen werden können. Insgesamt muss Inklusion als ein Metaziel verstanden werden. Wir können es durch Maßnahmen zur Integration schrittweise erreichen. Ergo: Integrationsprozesse sind der Weg, Inklusion ist das Ziel. 3 Ist Inklusion eine Utopie? Sie ist eine Zukunftsvision, die wie gesagt schon in der Vergangenheit angestrebt wurde. Und sie hinterlässt in der Gegenwart immer deutlichere Spuren. Ein Beispiel: Seniorentreffs und Bürgerzentren, die von vornherein auch die Bedürfnisse behinderter Menschen einbeziehen, verwirklichen ein Stück Inklusion. Bisher wurden solche Aspekte zu oft ausgeblendet. Dabei nutzt ein barrierefreier Zugang nicht nur Rolli-Fahrern, sondern auch den Eltern mit Kinderwagen oder dem Nachbarn mit dem Gipsfuß.
„

2/2011

KVJSaktuell

Dennoch – gehandicapte Menschen und ihre Angehörigen, die vor Ort wohnen, arbeiten oder in die Schule gehen möchten, stehen vor Schwierigkeiten. In der Tat. Bei der Sonder- und Regelschule wird das besonders augenfällig. Einerseits gibt das Gesetz den Eltern das Wahlrecht, in welche Schule sie den Sohn oder die Tochter schicken möchten. Auf der anderen Seite fehlen in den Schulen noch Pädagogen mit den nötigen Kenntnissen. Manchmal fehlt es an Weiterbildungsmöglichkeiten. Und Inklusion erhöht die Anforderungen an behinderte Kinder und reduziert den Versorgungsumfang. Manche Eltern sorgen sich deshalb um die Sicherheit ihres Kindes im Alltag und haben Ängste, die es zu überwinden gilt. Manche Eltern stehen vor der Frage zu entscheiden, ob die Regelschule für ihr schwerst behindertes Kind überhaupt vertretbar ist, wenn es auch dort intensiv von Sonderpädagogen und Schulbegleitern betreut werden muss. Auch bei der Inklusion kann es vielleicht Grenzen geben. Und es muss ehrlich und mutig auch darüber gesprochen werden. Offenkundig für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen ist, dass das Leben mitten in der Gemeinde mehr Mut erfordert. Die neue Freiheit kann nicht dieselbe Sicherheit bieten, wie das Heim als beschützende Einrichtung, das aber oft als zu beengend empfunden wurde. Wir alle müssen deshalb helfen, dass ein inklusives Leben selbstverständlich wird. Haben sich die Sozialbehörden und die Kommunen schon darauf eingestellt? Der Erfahrungs- und Diskussionsstand ist in den 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg unterschiedlich weit fortgeschritten. Dies hat der KVJS auch in einer Arbeitsgruppe zur UN-Konvention festgestellt, in der wir in den letzten zwei

Jahren mit den Sozialdezernentinnen und Sozialdezernenten im Land diskutiert haben. Es gibt Kreise, in denen die Zahl der Anträge auf Schulbegleiter für den inklusiven Schulbesuch stark gestiegen ist. In anderen Kreisen ist davon noch weniger zu spüren. Die Inklusion aber ist selbstredend in aller Munde, auch in den Sozialverwaltungen im Land. Wie weit sind Baden-Württembergs Kindergärten? Derzeit werden in den Regelkindertageseinrichtungen im Land bereits rund 4 000 Kinder mit Behinderung inklusiv gefördert und betreut. Sie erhalten dort zum Beispiel pädagogische und/oder begleitende Hilfen. Die Mehrkosten für den erheblichen Eingliederungshilfeaufwand, zum Beispiel für Schulbegleiter, finanzieren die Stadt- und Landkreise bisher selbst. Sie leisten damit einen ganz wesentlichen Beitrag zur Inklusion. Allerdings besuchen weitere 4 700 Kinder die vom Land finanzierten Schulkindergärten für behinderte Kinder. Wenn auch diese Kinder inklusiv in Regeleinrichtungen betreut werden sollen, muss das Land einen angemessenen Kostenausgleich sicherstellen. Haben sich Kindergärten und Schulen ausreichend auf das Ziel der Inklusion eingestellt? In Baden-Württemberg hatten wir bislang ein zweigliedriges System: allgemeine Kindergärten und Schulen auf der einen Seite, Sonderschulen und Schulkindergärten auf der anderen Seite. Die Landschaft ist jedoch ausgesprochen heterogen. Sicher wird die Inklusion in allen so genannten Sondereinrichtungen breit diskutiert. In der Praxis haben sich viele der „Sondereinrichtungen“ auf den Weg gemacht, Außenklassen und Kindergartengruppen
„

4

KVJSaktuell

2/2011

in allgemeine Schulen und Kindergärten auszulagern. Wir haben heute schon eine ganze Reihe von Leuchtturmprojekten. Die zeigen, wie der Weg – unter den gegebenen Rahmenbedingungen – aussehen kann. Manche allgemeine Schulen und Kindergärten haben sich allerdings nach meinem Eindruck bisher nur punktuell mit der Thematik auseinandergesetzt. Sie sind aber der Ort, an dem die Inklusion sich vollziehen muss. Wichtiger aber noch ist die Anpassung der Rahmenbedingungen: das Schulgesetz, die Ausstattung mit Lehrkräften, sozialpädagogischen Fachkräften und Assistenten und wie es konkret finanziert wird. Hier sind noch viele Fragen offen und es bleibt abzuwarten, wie sich die neue Landesregierung hier positionieren wird. Brauchen Jungen und Mädchen mit Behinderungen bald keine Sonderschulen mehr? Das ist eine ideologisch brisante Diskussion, die derzeit bundesweit ausgesprochen kontrovers geführt wird. Einige fordern, die Sonderschulen abzuschaffen, nicht zuletzt weil Doppelstrukturen teuer seien und die „Restschulen“ zu Auffangbecken für die schwächsten Kinder würden. Die andere Seite gibt zu bedenken, dass es Wahlfreiheit geben soll und muss. Sonderschulen böten einen Schutzraum, solange eine inklusive Gesellschaft noch nicht Wirklichkeit sei. Es wird meines Erachtens zukünftig immer wichtiger werden, die Frage zu beantworten, wie Kinder mit Behinderungen und ihre Familien die erforderliche Unterstützung erhalten. Nach den Empfehlungen des Expertenrates beim Land sollen Sonderschulen sich zu Kompetenzzentren entwickeln, die Inklusion unterstützen. Sonderschulen erhalten zwar schon lange Stundenkontingente für die Sonderpädagogische Beratung und Unterstützung in allgemeinen Schulen und Kindergärten. Diese

Kontingente müssen deutlich ausgeweitet werden, die Sonderschulen müssen sich konzeptionell verändern, wenn sie zukünftig verstärkt in allgemeinen Schulen und Kindergärten arbeiten. Wie unterstützt der KVJS die Stadt- und Landkreise auf dem Weg zur Inklusion? Der KVJS als Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für die Kreise berücksichtigt die Inklusion bei allen aktuellen Aufgaben, zum Beispiel bei der Mitwirkung an Teilhabe- und Seniorenplänen für Kreise, bei der Durchführung von Entwicklungsprojekten in der Eingliederungshilfe oder bei der Vergabe von Forschungsprojekten zu praxisrelevanten Themen wie etwa dem Fallmanagement in der Eingliederungshilfe. Und das KVJSIntegrationsamt führt innovative Projekte wie die Aktion 1000 und die Aktion 1000plus durch. Sie erleichtern jungen, schwerbehinderten Menschen den Übergang von der Schule zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Der KVJS hat eine bundesweit anerkannte Vorreiterrolle. Allein von den beiden erwähnten Aktionen profitieren bisher 1 600 Frauen und Männer. Viele Stadt- und Landkreise fördern diese Entwicklung ganz entscheidend, etwa dadurch, dass sie die Leistungen des KVJS durch ergänzende Lohnkostenzuschüsse an Arbeitgeber aufstocken. Das klingt ermutigend. Aber machen die hohen Kosten Inklusion nicht doch zu einem Luftschloss, wie manche Fachleute beklagen? Keineswegs. Der KVJS kann das Thema mit konkreten Beispielen erden, um in Ihrem Bild zu bleiben. Aus unserer Evaluation der Aktion 1000 und 1000plus wissen wir: Die Förderung der inklusiven Beschäftigung ist insgesamt deutlich kostengünstiger als die voll- oder teilstatio„

5

2/2011

KVJSaktuell

näre Unterbringung in Wohnheimen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Dies bei zum Teil erheblich besserer Lebensqualität für die beteiligten Menschen mit Behinderungen. Nach unseren Berechnungen können die Träger der Eingliederungshilfe erhebliche Sozialhilfemittel einsparen. Das Einsparpotenzial ist jährlich ansteigend. Es betrug im Zeitraum von 2005 bis Ende 2010 bereits rund 54 Millionen Euro. Von Luftschlössern kann da keine Rede sein. Und: wenn Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, werden aus Hilfeempfängern Steuerzahler. Profitieren auch die Arbeitgeber? Ja. Unsere Aktionen 1000 und 1000plus zeigen: die inklusiv beschäftigten, wesentlich behinderten Menschen überzeugen durch ihre überdurchschnittliche Motivation, Zuverlässigkeit und soziale Kompetenz. Die seit 2005 erreichten Beschäftigungsverhältnisse sind auch nach Jahren zu einem hohen Anteil, nämlich zu mehr als 84 Prozent, bestandskräftig.

Nicht nur die rein beruflichen Fähigkeiten der behinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind im Durchschnitt deutlich gewachsen, sondern auch ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusst­ ein s sowie ihre Eigenständigkeit und Eigenverantwortung. Die Ziele des SGB IX und der UN-Konvention sind für diese Menschen verwirklicht. Wird sich das Integrationsamt des KVJS bald umbenennen in Inklusionsamt? Das Integrationsamt wird wohl weiterhin das Integrationsamt bleiben. Dieser Name ist im SGB IX § 101 festgelegt. Der vollständige Name lautet übrigens: „Amt für die Sicherung der Integration schwerbehinderter Menschen im Arbeitsleben.“ An diesem Auftrag hat sich durch die UN-Konvention nichts geändert. Mit Blick auf das Metaziel könnte der Gesetzgeber das Integrationsamt aber ohne Probleme umbenennen. Die Fragen stellte Sylvia Rizvi Zur Inklusion siehe auch Seite 13 und 15

6

Information
Die im Jahr 2008 in Kraft getretene Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen läutete einen Perspektivenwechsel von der Fürsorge zur Selbstbestimmung ein – die Forderung nach sozialer Inklusion. Durch die Ratifizierung des Bundestages wurde der völkerrechtliche Vertrag am 26. März 2009 für Deutschland verbindlich. Integration verfolgt als Ziel eine Wiedereingliederung ausgeschlossener Personengruppen. Inklusion lehnt bereits im Ansatz eine derartige Aufteilung ab und will stattdessen allen Personengruppen den Zugang zu allen allgemeinen Angeboten und Dienstleistungen ermöglichen, indem diese von Anfang an inklusiv gestaltet werden.

KVJSaktuell

2/2011

Bits und Bytes in Rot und Blau
Seit 1. Juli ist der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg mit einem neuen Internet-Auftritt online. Unser neues Online-Portal haben wir für Sie noch übersichtlicher
gestaltet als unseren bisherigen Internet-Auftritt. Über Links auf der Startseite finden Sie ab sofort komfortabel zu unserer Fortbildungsdatenbank, unseren Tagungshäusern oder zu wichtigen Themenfeldern. in unserer neuen Rubrik „Im Fokus“ nehmen KVJS-Fachleute Stellung zu fachoder verbandspolitischen Fragen. Verbandsdirektor Senator e. h. Prof. Roland Klinger greift für Sie im Juli die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in die Gemeinschaft auf. Sein Fazit: „Inklusion erfordert Mut.“ In einer „Tag Cloud“ (Schlagwort-Wolke) links unten auf der Seite sehen Sie, welche Themen für Fachleute und Interessierte aus der Jugend- und Behindertenhilfe besonders oft geclickt haben. „Der Verband möchte mit dem Internet die 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs und die Fachwelt zeitnah bei Ihrer täglichen Arbeit unterstützen“, sagt der Leiter der KVJS-Öffentlichkeitsarbeit Stefan Wiegandt zum neuen Auftritt. „Die Informationen werden ständig aktualisiert.“ Besonderen Wert habe der KVJS auf Nutzerfreundlichkeit gelegt. In der Rubrik „Service“ finden Sie alle unsere Publikationen in einer Datenbank, die unsere Veröffentlichungen automatisiert nach Themen sortieren kann. Die in der Vergangenheit zuweilen schwierig aufzufindenden Informationen aus dem „öffentlichen“ und „fachöffentlichen“ Bereich hat die Online-Redaktion zusammengeführt. „So können sich unsere Mitglieder leichter und schneller orientieren.“ Auch der Wunsch von Bürgerinnen und Bürgern nach einer verständlichen Sprache hat der Kommunalverband umgesetzt. Kurze und prägnante Darstellungen in bürgerfreundlicher Sprache erläutern unsere Tätigkeiten. Zu jedem Fachbereich finden Surfer Ansprechpartner. Ein Glossar erläutert Abkürzungen. Und: „Barrierefreiheit ist für den KVJS selbstverständlich“, betont Wiegandt. Natürlich führen wir Bewährtes im neuen Outfit weiter. Dazu gehören – um nur einige Features zu nennen – unsere vier Newsletter und unser Anmeldeportal für die KVJS-Fortbildungen. Mit ihrem bisherigen Passwort können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt- und Landkreise weiterhin unseren kennwortgeschützten Mitgliederbereich mit seiner umfangreichen Dokumenten- und Informationssammlung nutzen. Wie gewohnt finden alle Interessierten unsere aktuellen Verbandsnachrichten auf der Startseite. syr Der KVJS im Internet: www.kvjs.de Anregungen und konstruktive Kritik nehmen wir gern entgegen: KVJS, Sylvia Rizvi Online-Redaktion redaktion@kvjs.de

7

2/2011

KVJSaktuell

Vernetzt im Cyberspace – in der rechtlichen Betreuung spielt das Internet zunehmend eine Rolle
Knapp 100 Fachkräfte aus Betreuungsvereinen und Betreuungsbehörden diskutierten am 13. Juli 2011 beim sechsten KVJS-Fachtag „Querschnittsarbeit“ in Stuttgart die Chancen und Risiken von Netzwerken. Denn bei der rechtlichen Betreuung ist die Vernetzung von Betreuern, Behörden und Betreuten im Internet im Kommen.
Die Fachleute aus dem Betreuungswesen waren sich zum Ende der Tagung einig: Virtuelle Netzwerke wie Facebook, Twitter, Xing oder Internet-Foren können eine wichtige Ergänzung zu den klassischen Netzwerken sein. Der Sozialarbeiter und Medienpädagoge Michael Weis informierte die Tagungsgäste über Chancen und Risiken der Cybernetze. Vorteile sind etwa der schnelle Austausch von Wissen oder die Möglichkeit, ein Problem zeitnah zu besprechen und zu lösen. Gefahren drohen durch mangelhafte Datensicherheit oder Mobbing. „Mit dem vermittelten Wissen möchten wir Fachleute unterstützen, sich in ihrem Bereich für oder gegen die Nutzung oder den verstärkten Einsatz des Internets zu entscheiden“, sagt Carola Dannecker, die stellvertretende Leiterin der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS. Tatsache sei: Betreuerinnen und Betreuer hätten bereits begonnen, digitale Netze zu knüpfen. Insbesondere junge Haupt- und Ehrenamtliche zeigten sich offen für die neuen technischen Möglichkeiten. Bereits am Vormittag referierte Sigrid Kallfass von der Hochschule Weingarten über den Aufbau klassischer Netzwerke und stellte den Tagungsgästen gelungene Beispiele vor. Denn Netzwerke, so die Professorin für Sozialwissenschaften, gehören in der sozialen Arbeit zum Standard. In der rechtlichen Betreuung von alten und behinderten Menschen in BadenWürttemberg sind sie besonders wichtig. Das Gesetz verlangt, dass Vereine, Behörden und Gerichte bei Betreuungen effizient zusammenarbeiten. „Solche formalen Strukturen der rechtlichen Betreuung werden durch Netzwerkarbeit mit Leben gefüllt“, sagt die Organisatorin der KVJSTagung Sabine Weinbrenner. „Je besser die Zusammenarbeit vor Ort funktioniert, desto besser kann der Betreuungsauftrag zum Wohle der Betreuten umgesetzt werden.“ Die überörtliche Betreuungsbehörde beim KVJS unterstütze die Fachleute in den Stadt- und Landkreisen mit dem Fachtag bei ihrer Arbeit. Angedacht sei auch eine Fortbildung zu virtuellen Netzwerken. Netzwerke füllen Gesetz mit Leben Um Skeptikern die Scheu vor virtuellen Welten zu nehmen, hat der KVJS auf seiner Internetseite ein passwortgeschütztes Forum eingerichtet. Die Tagungsgäste können dort einige Tage nach der Veranstaltung ihre Meinung zum Fachtag kundtun. Das ist neu, denn bisher schrieben die Teilnehmer ihre Eindrücke auf Kärtchen und hefteten sie mit Nadeln an Pinnwände. Vorteil des Internet-Forums: „Zum ersten Mal können die Teilnehmer nicht nur den Fachtag bewerten, sondern auch auf Kommentare anderer Tagungsgäste reagieren“, sagt Dannecker. Der Fachtag wurde veranstaltet von der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS, den Diözesanvereinen von SKM
„

8

KVJSaktuell

2/2011

(katholischer Verein für soziale Dienste) und SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) in Freiburg, dem Diakonischen Werk Württemberg sowie der Interessengemeinschaft der Betreuungsvereine in Baden-Württemberg. syr Die überörtliche Betreuungsbehörde im Internet: www.kvjs.de/soziales/servicebetreuungsrecht.html

Ihre Ansprechpartnerinnen beim KVJS: Carola Dannecker Stv. Leiterin der überörtlichen Betreuungsbehörde Telefon 0711 6375-325 Carola.Dannecker@kvjs.de Sabine Weinbrenner Fortbildung im Betreuungsrecht Telefon 0711 6375-514 Sabine.Weinbrenner@kvjs.de

Information
Rund 108 000 Frauen und Männer können in Baden-Württemberg wegen Krankheit, Behinderung oder Altersdemenz ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Wer nicht von Angehörigen rechtlich betreut werden kann, für den bestellen die Gerichte hauptoder ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer aus 70 anerkannten Betreuungsvereinen in Baden-Württemberg. Sie verwalten etwa das Einkommen und Vermögen der Betreuten oder treffen Entscheidungen bei medizinischen Maßnahmen. Die überörtliche Betreuungsbehörde beim KVJS ist zuständig für die Anerkennung und Förderung von Betreuungsvereinen und berät die örtlichen Betreuungsbehörden und Betreuungsvereine in fachlichen Fragen. Die überörtliche Betreuungsbehörde ermittelt und plant zudem den Bedarf an rechtlichen Betreuern im Land und bietet Berufsbetreuern eine breite Palette von Fortbildungen.

9

2/2011

KVJSaktuell

Mobile Jugendarbeit: Zugang zu parallelen Welten finden
Jugendliche leben heute zunehmend in parallelen Welten. Vor allem das Internet als Zuflucht oder als Ort für Selbstdarstellungen hat für sie inzwischen höchste Priorität. Das stellt die Mobile Jugendarbeit vor neue Herausforderungen: „Sie muss die jungen Menschen dabei begleiten, diese Medien bewusster und kompetenter zu nutzen“, sagt Irmgard Fischer-Orthwein vom KVJS-Landesjugendamt.
Stress in der Schule, in der Ausbildung oder am Arbeitsplatz, Schwierigkeiten mit Eltern, Partnern, Freunden, Ärger mit der Polizei, Alkohol- und Drogenprobleme, Schulden, Obdachlosigkeit … Für viele von Ausgrenzung bedrohte oder betroffene junge Menschen, die weder auf ein stützendes Elternhaus zurückgreifen können noch Vertrauen in traditionelle Institutionen der Jugendhilfe haben, ist die Straße ein zentraler Lebensort. 10 Streetworkerteams suchen daher die Treffpunkte der Jugendlichen in den jeweiligen Stadtteilen auf, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen und um individuelle Beratung und Hilfen anzubieten. Sie stoßen dabei auf unterschiedlichste Gruppierungen und Szenen junger Menschen, die sich zunehmend in „parallelen Welten“ bewegen. Vor allem die virtuelle Welt des Internets gewinnt für die Jugendlichen an Bedeutung: „Über 50 Prozent aller Jugendlichen haben inzwischen einen eigenen Internetanschluss, 80 Prozent der 14- bis 19-Jährigen sind regelmäßig in sozialen Netzwerken wie ‚Schüler-VZ’ oder ‚facebook’ unterwegs“, macht Irmgard Fischer-Orthwein deutlich. Was die junge Generation an Computerspiel und Web so fasziniert und wie die „Parallelwelt Internet“ zur Selbstdarstellung genutzt wird, zeigten Esther Wiechers und Christiane Bollig von der Mobilen Jugendarbeit Ladenburg und Reutlingen bei der vom KVJS gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork BadenWürttemberg veranstalteten Jahrestagung 2011 in ihrem Vortrag auf. Demnach eignen sich Jugendliche virtuelle Räume an, in dem sie sich durch Erstellen eines Profils darstellen, präsentieren und inszenieren. „In virtuellen Räumen findet Kommunikation, Interaktion und soziales Handeln statt“, so die Referentinnen. „Die auf diese Weise gemachten und erlebten Erfahrungen und Erlebnisse sind unmittelbar an die reale Lebenswelt gekoppelt und nehmen Einfluss auf die Identitätsbildung“. Medienkompetenz vermitteln Das Internet ist Teil der Lebenswelt junger Menschen und deshalb aus dieser nicht mehr wegzudenken Sie finden darin den Raum, Rollen auszuprobieren, Anerkennung zu finden und Erfolg zu haben. Doch bei allen Chancen, die soziale Netzwerke bieten, wie Stärkung der kommunikativen Fähigkeiten und Erweiterung des Handlungs- und Interaktionsraumes, lauern darin allerdings auch nicht zu unterschätzende Gefahren. Von Datenklau und Datenmissbrauch über Abzocke und Betrug bis hin zu Gewalt und sexueller Anmache reicht das Repertoire. Selbst Cybermobbing sei heute keine Seltenheit mehr, meint Irmgard Fischer-Orthwein und berichtet von einem Mädchen, das
„

KVJSaktuell

2/2011

beim Spritzen von Drogen gefilmt und mit vollem Namen ins Internet gestellt wurde: „Dieser Medienalltag findet in den Angeboten und Konzepten der Mobilen Jugendarbeit immer mehr Beachtung. Denn Jugendliche brauchen Ansprechpartner und benötigten Unterstützung und Orientierungshilfe, um sie in die Lage zu versetzen, die Chancen, die ihnen das Internet und das ‚Social Web’ bieten, zu nutzen und die Risiken möglichst gering zu halten“. Sinnvoll sei es daher, so die Jugendhilfeexpertin, dass die Streetworker ihre bisherigen Formen aufsuchender Arbeit erweitern und Kontaktangebote in den von den Jungen und Mädchen genutzten Online-Communities einrichten. Mobile Jugendarbeit kommt an In den letzten 30 Jahren hat sich in BadenWürttemberg die Mobile Jugendarbeit als ein professionelles Handlungskonzept entwickelt und bewährt. Sie kümmert sich um Jugendliche und junge Erwachsene in besonders schwierigen Lebenslagen, die von herkömmlichen Maßnahmen der

Jugendhilfe nicht mehr erreicht werden. Als Teil der lokalen Infrastruktur im Zusammenwirken mit Offener Jugendarbeit, Sozialer Arbeit an Schulen, Allgemeinen Sozialen Dienste, Jugendberufshilfe und Beratungsstellen wird die Mobile Jugendarbeit vom Land finanziell gefördert: Im Jahr 2009 waren das 279 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit rund 210 Personalstellen in 112 Einrichtungen. Der KVJS unterstützt dieses Angebot durch landesweite Fachtagungen und Seminare, Arbeitshilfen und Broschüren sowie ausgewählte Modellprojekte zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe. Verschiedene Expertisen zeigen den Erfolg der Mobilen Jugendarbeit. Einer empirischen Studie der Universität Tübingen zufolge gaben beispielsweise fast 70 Prozent der Befragten an, ihr Leben sei nach der Betreuung durch dieses Hilfeangebot besser geworden. Die befragen Eltern betrachteten die Mobile Jugendarbeit mehrheitlich als wichtige Unterstützung. add

11

2/2011

KVJSaktuell

Die Zahl der Aufträge steigt ständig: Der MPD wird ausgebaut
Rasante Auftragsentwicklung beim MPD: Der Fachdienst des KVJS hat inzwischen die Grenzen seiner personellen Kapazität erreicht und wird jetzt um vier Mitarbeiter aufgestockt. So der Beschluss des Verbandsausschusses am 04. 05.2011.
Zwischen 2005 und 2009 hat die Zahl der Aufträge von 3 100 auf 4 750 zugenommen. Dies entspricht einem Zuwachs um 50 Prozent. 2010 kamen weitere 5 500 Aufträge hinzu. Die Tendenz ist steigend. Mit derzeit 14 qualifizierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, präsent in Stuttgart sowie in sieben Regionalbüros, unterstützt der Medizinisch-Pädagogische Dienst des KVJS die 44 Stadt- und Landkreise bei der Hilfeplanung für behinderte Menschen insbesondere durch neutrale Fachgutachten. Diese Gutachten sind eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für die Leistungsbewilligung durch die Kreise. Mit 3 850 Begutachtungen pro Jahr sind die Kapazitäten des MPD-Teams allerdings ausgeschöpft. „Rund 1 300 Begutachtungen sind deshalb liegen geblieben und weitere 1 000 Aufträge konnten wir erst gar nicht annehmen“, verdeutlicht MPD-Leiterin Dr. Birgit Fuchs die prekäre Situation. Die Mehrarbeit beim MPD wird verursacht durch die wachsende Zahl an Überprüfungen im stationären als auch im ambulant betreuten Wohnen, durch kürzere Überprüfungsintervalle, die von den Stadt- und Landkreisen festgelegt worden sind sowie die zunehmende Einführung von Hilfebedarfsgruppen im ambulant betreuten Wohnen. Bisher sind hier von den derzeit 8 000 Plätzen erst 2 500 eingestuft, mindestens 1 000 weitere Einstufungen stehen noch an. Eine Umfrage bei den Stadt- und Landkreisen hat ergeben, dass für Fallüberprüfungen landesweit ein Bedarf von mindestens 5 000 Begutachtungen im stationären und 3 000 im ambulanten Bereich erforderlich ist. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Sozialdezernentinnen und Sozialdezernenten der Kreise, errechnete hieraus für den MPD eine notwendige Personalaufstockung um sechs Mitarbeiter. In Anbetracht der nach wie vor schwierigen finanziellen Situation bei den Verbandsmitgliedern folgte der Verbandsausschuss dem Vorschlag der Verbandsverwaltung, die personelle Kapazität des MPD zunächst um vier, befristet auf zwei Jahre einzustellende Vollzeitmitarbeiter aufzustocken. 2012 sollen davon zwei Mitarbeiter in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen werden. Im folgenden Jahr wird geprüft, ob es erforderlich ist, weitere zwei Stellen im Haushaltsplan für eine dauerhafte unbefristete Beschäftigung auszuweisen und ob darüber hinaus weitere zwei Stellen ab 2013 dauerhaft notwendig sind. „Unsere MPDler müssen über eine hohe fachliche Kompetenz und Belastbarkeit sowie über langjährige praktische Erfahrungen in einer Behinderteneinrichtung verfügen“, skizziert Birgit Fuchs das Anforderungsprofil. Wie die Bedarfserhebung weiter zeigt, genügt für Überprüfungen im stationären Bereich ein Intervall von drei Jahren und im ambulanten Bereich von zwei Jahren. Fuchs: „Der KVJS möchte die Fachkräfte vor Ort künftig durch Fortbildungen darin unterstützen, die Notwendigkeit von Überprüfungen inhaltlich besser einschätzen zu können“. add

12

KVJSaktuell

2/2011

Einrichtungen für Menschen mit Behinderung: Den Wandel planen
In Baden-Württemberg leben immer noch viele geistig oder körperlich behinderte Menschen in Großeinrichtungen abseits der Stadt- und Dorfzentren „auf der grünen Wiese“. Der Übergang zum inklusiven Miteinander von Menschen ohne und mit Behinderungen stellt eine große Herausforderung für die Einrichtungsträger, aber auch für die Stadt- und Landkreise in ihrer planerischen Verantwortung dar. Der Austausch über Dezentralisierung und Umwandlung war daher ein Themenschwerpunkt der KVJS- Jahrestagung für Sozialplanerinnen und Sozialplaner im April dieses Jahres.
Um ihren jetzigen und zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Leben mitten in der Gemeinde zu ermöglichen, müssen die sogenannten Komplexeinrichtungen schrittweise umgebaut werden. Dabei geht es nicht nur darum, zentral vorgehaltene stationäre Wohnplätze in kleinere Wohneinheiten außerhalb des bisherigen Heimgeländes zu verlagern. Im Sinne des angestrebten Normalisierungsprozesses besteht eine wesentliche Aufgabe für die Träger darin, das Wohnen zu deinstitutionalisieren. „Zentralküchen, zentraler Einkauf, eigene Versorgungsbetriebe, eigene Freizeitbereiche und eigene ärztliche und therapeutische Dienste könnten dann der Vergangenheit angehören“, so Barbara Milsch vom KVJS. Sind diese fachlichen Anforderungen nicht unbedingt neu, so hat das Thema doch durch die UN-Behindertenrechtskonvention an Aktualität und Brisanz gewonnen. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Gebäude auf dem Zentralgelände von Einrichtungen in die Jahre kommen und sanierungsbedürftig werden. „Es geht um Entscheidungen über Investitionen, die sich auf die nächsten 20 Jahre und länger auswirken“, macht die Sozialplanerin deutlich. Damit stehen sozialplanerische Entscheidungen über das Wo und Wie von Ersatzangeboten unmittelbar auf der Tagesordnung. Traditionell leben in Komplexeinrichtungen heute noch viele Menschen aus anderen Herkunftskreisen. Wenn Umzüge erforderlich werden, weil Gebäude nicht mehr genutzt werden können oder sollen, müssen Lösungen nicht nur zwischen dem Träger der Einrichtung und dem Standortkreis gefunden, sondern auch mit den anderen belegenden Kreisen abgestimmt werden. Eine guter Rahmen für Abstimmungsprozesse sind Hauptbelegerkonferenzen, die auf Wunsch vom KVJS moderiert werden. Auf der Tagung konnten die Sozialplanerinnen und Sozialplaner erfahren, wie es anderen mit „ihren“ großen Einrichtungen geht und die unterschiedliche Rolle von Standortund Nehmerkreisen wahrnehmen. „Ich beneide meine Kollegen mit Komplexeinrichtungen nicht“, so die spontane Äußerung einer Tagungsteilnehmerin, denn „wir können als Nehmerkreis sagen, ob und wie viel dezentrale Plätze wir herein lassen wollen.“ Einschneidende Veränderungen Einschneidende Veränderungen und damit Herausforderungen auch für die Sozialplanung wird es nicht nur bei der Umgestaltung von wohnbezogenen Hilfen geben. Auf einem Zentralgelände liegen die Bereiche Wohnen, Arbeit, Förderung eng beieinander und sind für die Heim„

13

2/2011

KVJSaktuell

bewohner mühelos zu erreichen. Komplexeinrichtungen bieten kurze Wege. „Werden Wohnplätze verlagert, ist nicht automatisch davon auszugehen, dass tagesstrukturierende Maßnahmen quasi im ‚Rucksack‘ des Einrichtungsträgers mitgebracht werden“, fasst Barbara Milsch einen weiteren Diskussionspunkt der Tagung zusammen. Am neuen Standort müssen daher auch Angebote im Förder- und Betreuungsbereich sowie Werkstattplätze anderer Träger in Anspruch genommen werden. „Dies erfordert gründliche Absprachen mit allen Anbietern in der Region“. Die Bildung von trägerübergreifenden Netzwerken ist damit Notwendigkeit und Chance zugleich. Wesentlich wird es aber auch auf die Erschließung von Arbeitsplätzen in „normalen“ Firmen ankommen. 14 Die Auswirkungen der Dezentralisierung auf die Lebenssituation von Menschen

mit Behinderung, die damit verbundenen Anforderungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen zeigte Heidrun Metzler von der Universität Tübingen bei der KVJS-Tagung auf. Die Sozialwissenschaftlerin, die über mehrere Jahre hinweg im Rahmen eines 2010 abgeschlossenen bundesweiten Förderprojekts der Aktion Mensch zehn Groß- und Komplexeinrichtungen des Caritas-Verbandes evaluiert hat, betont, den Umbau vorzubereiten und umzusetzen erfordere ein Maximum an Kommunikation. Metzler: „Nur so werden auch die Angehörigen, die Mitarbeiter, die Gemeinden, in denen die behinderten Menschen künftig leben und die verschiedenen Entscheider bei den Kostenträgern und in der Politik diesen Prozess mittragen“. add

Auf gute Nachbarschaft
Unterstützung der Stadt- und Landkreise bei ihrer Sozialplanung leistet ein OnlineWegweiser des KVJS: Die Broschüre „Auf gute Nachbarschaft“ zeigt Wege auf, wie Wohnplätze für Menschen mit Behinderung sinnvoll geplant und vermittelt werden können. Im Internet zum Download unter Service/Publikationen/Soziales

KVJSaktuell

2/2011

KVJS-Tagung zu Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention
Welche Auswirkungen hat die UN-Behindertenrechtskonvention auf die Teilhabe für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Fachtags „Werkstatt 21“ des KVJS.
In seinem Einführungsvortrag wies Franz Schmeller, Leiter des Dezernats Soziales beim KVJS darauf hin, dass in den vergangenen Jahren der Anteil an Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung im arbeitsfähigen Alter bei Teilhabeleistungen gestiegen sei: 2005 kamen 25 Besucher der Förder- und Betreuungsgruppe auf je 100 Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen, 2009 waren es bereits 29. „Die Umsetzung der gesetzlichen Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe unabhängig von Art und Schwere der Behinderung erfordert auch in der Eingliederungshilfe mehr als nur formale Änderungen“, so Schmeller. Mögliche „Stellschrauben“ Neues Denken nötig Für die Eingliederungshilfe arbeiten seit einigen Monaten Fachkräfte der Arbeitsund Sozialministerkonferenz an einer Reform, die ein Mehr an freier Wahl des Ortes der Teilhabe und insbesondere ein Mehr an inklusiver Teilhabe zum Ziel hat. Damit soll den individuellen Neigungen und beruflichen Zielen der Menschen mit Behinderung zukünftig in höherem Maße Rechnung getragen werden können. Im Bereich der Werkstätten werde seit einiger Zeit vermehrt das Thema der beruflichen Qualifikation auch in den Förder- und Betreuungsgruppen aufgegriffen. In vielen Werkstätten habe man erkannt, dass auch dieser Personenkreis ein Anrecht darauf habe, für das Gelingen des Alltags verantwortlich zu sein und darauf trainiert und geschult zu werden. Die Anforderungen einer echten Inklusion ließen sich nicht einfach durch mehr Geld – sprich: einen höheren Pflegesatz – erreichen. Vielmehr seien Umdenken und andere Strukturen notwenig, so Schmeller in seinem Vortrag: „Denken wir die gesetzliche Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe also konsequent zu Ende, dann stehen Vergütungsfragen nicht im Mittelpunkt. Wirkliche Teilhabe bedingt auch, dass wir alle bereit sind, alte und hinderliche Strukturen abzubauen und vorhandene Strukturen umzubauen. Es setzt voraus, dass jeder von uns, in seinem Privatleben wie auch am Arbeitsplatz, wieder selbstverständlich das Miteinander mit Menschen mit schwermehrfacher Behinderung lebt und die damit verbundenen Veränderungen akzeptiert.“ mok In Nordrhein-Westfalen etwa verzichte man auf eine Zuordnung in Arbeitsbereich und Förder- und Betreuungsbereich. „Dies zeigt deutlich, dass auch die Definition des „Mindestmaßes an verwertbarer Arbeit eine interpretationsfähige ist“, erklärte Franz Schmeller. „Auch im Rahmen unserer „Modellbausteine der Eingliederungshilfe“ wird erprobt, wie es gelingen kann, diesen Personenkreis gemeinsam mit den Beschäftigten der Arbeitsbereiche zu qualifizieren und am Produktionsprozess der Werkstatt im weiten Sinne teilhaben zu lassen – und damit auch an den Vorteilen dieser Teilhabe partizipieren zu lassen: der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.“

15

2/2011

KVJSaktuell

Integrationsunternehmen gut aufgestellt
Auf Einladung des Integrationsamtes beim KVJS kamen Vertreterinnen und Vertreter der baden-württembergischen Integrationsunternehmen zu einer Fachtagung in Bad Herrenalb zusammen. Integrationsunternehmen beschäftigen zwischen 25 und 50 Prozent schwerbehinderte Menschen. Das KVJS-Integrationsamt fördert diese Unternehmen mit knapp fünf Millionen Euro pro Jahr.
Der Tagungsort für den KVJS-Fachtag im April war mit Bedacht gewählt: Das Hotel am Kurpark in Bad Herrenalb ist ein Integrationsunternehmen. Das VierSterne-Haus hat vier schwerbehinderte Menschen in seinem Team. In seiner Eröffnungsrede hob der Verbandsdirektor des KVJS Senator e. h. Prof. Roland Klinger die Bedeutung der derzeit 66 baden-württembergischen Integrationsunternehmen hervor, die diese für die berufliche Integration von Sonderschulabgängern und Beschäftigten aus der Werkstatt für behinderte Menschen haben. Verbandsdirektor Klinger betonte die soliden Strukturen der Baden-Württembergischen Integrationsunternehmen in allen Branchen: „Aufgrund der Auswirkungen der Wirtschaftkrise im Jahr 2009 musste erfreulicherweise kein Integrationsprojekt in die Insolvenz gehen.“ Dabei hat das KVJS-Integrationsamt mit seiner Förderpolitik wesentlich zur Stabilisierung der Integrationsprojekte während der Finanzund Wirtschaftskrise der letzten beiden Jahre beigetragen. Die Krise ist überwunden Ulrich Floß, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen in Baden-Württemberg, erinnerte daran, dass auf dem Höhepunkt der Krise „hauptsächlich in den Projekten, die als Zulieferer für die Automobilindustrie arbeiten, aber auch zum Beispiel im Maschinenbau bis zu 50 Prozent der Aufträge“ wegbrachen. Die Erhaltung der bestehenden Unternehmen hatte für den KVJS daher eindeutig Vorrang vor dem Aufbau neuer Integrationsfirmen. Mittlerweile gilt die Krise als überwunden. Die Auftragsbücher füllen sich wieder. Im vergangenen Jahr konnten sechs neue Integrationsunternehmen eröffnen. In diesem Jahr sind bereits vier neue Unternehmen hinzugekommen, weitere stehen in den Startlöchern. In Baden-Württemberg sind derzeit mehr als 1 800 Personen in Integrationsunternehmen beschäftigt, rund 970 von ihnen haben einen Schwerbehindertenausweis. Karl-Friedrich Ernst, der Leiter des KVJSIntegrationsamtes, nannte als künftige Aufgaben den Ausbau der Integrationunternehmen als „Schnittstelle zwischen Werkstatt für behinderte Menschen und allgemeinem Arbeitsmarkt, den Ausbau neuer Projektfelder und die Sicherung der Finanzierung.“ Ferner soll die Unterstützung der Integrationsunternehmen durch die Integrationsfachdienste verstetigt und evaluiert werden. Die Integrationsfachdienste sind unter anderem in die Personalplanung und Personalgewinnung der Integrationsfirmen mit eingebunden. mok

16

KVJSaktuell

2/2011

Integrationsunternehmen in Baden-Württemberg
Integrationsunternehmen zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen wurden von zehn Jahren im Sozialgesetzbuch IX verankert. Das KVJS-Integrationsamt fördert systematisch den landesweiten Ausbau dieses Angebots für schwerbehinderte Menschen. Integrationsunternehmen zählen zum allgemeinen Arbeitsmarkt und bieten somit sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für ihre Beschäftigten. Mittlerweile gibt es in fast jedem Stadt- und Landkreis Baden-Württembergs mindestens ein Integrationsunternehmen. Die Bandbreite reicht von Gaststätten, Cafés und Hotels über Lebensmittelmärkte, Second-Hand-Kaufhäuser, Dienstleistungsunternehmen bis hin zur Industriemontage und Metallbearbeitung. Das KVJS-Integrationsamt unterstützt den Aufbau weiterer Integrationsunternehmen, in denen behinderte und nicht behinderte Menschen in Sinne der UN-Konvention zur Inklusion Hand in Hand arbeiten.

Familienrat: Rat für Koordinatoren
17 Der „Familienrat“ als neue Methode zur Bewältigung von vielfältigen Problemlagen in der Familie, findet zunehmend Interesse in Baden-Württemberg. Mit dieser „partizipativen Methode“ sollen Familien dabei unterstützt werden, unter möglichst großer Beteiligung des familiären Netzwerks ihre Probleme aktiv anzugehen und eigenständige Lösungen zu finden. Ob es um Erziehungsschwierigkeiten, Kinderschutz, Sucht oder psychische Erkrankung geht – die Methode des Familienrates ist zur Entscheidungsfindung bei vielfältigen Familienproblemen geeignet. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die so genannten „Koordinatoren“. Sie sollen als neutrale Moderatoren den Familienrat bei der Vorbereitung und Durchführung unterstützen. Das KVJS-Landesjugendamt beabsichtigt, gemeinsam mit einem einschlägig erfahrenen externen Partner ein Curriculum zur Fortbildung und Schulung von Fachkräften und Koordinatoren zu erarbeiten. Diese Fortbildung wird geplant für Fachkräfte freier und öffentlicher Träger. Ziel ist die Einführung in das Verfahren des Familienrates und die Schulung der ehrenamtlich tätigen Koordinatoren vor Ort, damit diese engagierten Bürger das nötige Rüstzeug erhalten Familienräte durchzuführen . mok

2/2011

KVJSaktuell

Ausgleichsverfahren sichert Ausbildungsplätze in der Altenpflege
Um zu gewährleisten, dass kein Mangel an praktischen Ausbildungsplätzen für Fachkräfte in der Altenpflege entsteht und die damit einhergehende Finanzierung gesichert ist, hat der Gesetzgeber in Baden-Württemberg ein Ausgleichsverfahren eingeführt. Der KVJS hat die Aufgabe, das damit verbundene Verwaltungsverfahren durchzuführen.
Bedingt durch die demografische Entwicklung wird die Zahl älterer Menschen in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass es zu erheblichen Veränderungen in der Altersstruktur kommen wird. Momentan sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre oder älter – die Prognose des Statistischen Bundesamtes besagt, dass diese Altersgruppe im Jahr 2060 ein Drittel der Bevölkerung stellen wird. Das macht den hohen Stellenwert der Ausbildung von Fachkräften in der Altenpflege deutlich. „Aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Bedarf an Pflegefachkräften weiterhin ansteigen und das in Baden-Württemberg gesetzlich geregelte Ausgleichsverfahren somit noch mehr an Bedeutung gewinnen“, beschreibt Uwe Zühlke, Leiter des KVJSReferats „Vergütungen, Entgelte, Vertragswesen“ die zukünftigen Entwicklungen. Die Ausgleichsverfahren reicht in BadenWürttemberg zurück bis in das Jahr 1996, als sich stationäre Einrichtungen auf freiwilliger Basis an dem Verfahren beteiligt haben, um Ausbildungsplätze für Fachpersonal in der Altenpflege sicherzustellen. Verantwortlich für die Abwicklung der Verfahren waren die beiden damaligen Landeswohlfahrtsverbände. Seit 2005 werden in Baden-Württemberg aufgrund der Verordnung über die Erhebung von Ausgleichsbeträgen zur Finanzierung der Ausbildungsvergütungen in der Altenpflege alle Einrichtungen an dem Verfahren beteiligt, die eine praktische Ausbildung zum Altenpfleger vermitteln können. Das sind inzwischen fast 3 000 Einrichtungen und Dienste. Der Betrag, der dabei erhoben und umgelegt wird, entspricht der so genannten Ausgleichsmasse – diese ist seit 2006 von etwa 28 Millionen Euro auf heute rund 37 Millionen Euro angestiegen. Die Ausgleichsmasse wird in einem ersten Schritt aus der Gesamtzahl der Altenpflegeschüler/innen und deren landesdurchschnittlicher Vergütung erhoben. Dabei melden alle stationären, teilstationären Einrichtungen und ambulanten Dienste die entsprechenden Zahlen, woraufhin der KVJS, dem die Abwicklung obliegt, die sich daraus ergebenden, von den Einrichtungen und Diensten zu zahlenden Ausgleichsbeträge ermittelt. In einem zweiten Schritt, dem so genannten Erstattungsverfahren, erhalten diejenigen Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegedienste, die Altenpflegeschüler ausbilden, prozentuale Erstattungen ihrer Ausbildungskosten. Die Gesamtzahl der gemeldeten Altenpflegeschüler liegt momentan bei über 9 200. Bericht des KVJS Alle fünf Jahre, erstmalig zum 01.05.2011, ist eine Überprüfung der Erforderlichkeit des Ausgleichsverfahrens vorgesehen. Dazu legt der KVJS einen Bericht über die Entwicklungen in den letzten fünf Jahren dem Sozialministerium vor. „In unserem Bericht kommen wir zu dem
„

18

KVJSaktuell

2/2011

Ergebnis, dass sich die Umlage aus Sicht des KVJS bewährt hat, nachdem die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege in Baden-Württemberg seit Einführung der Rechtsverordnung um etwa zwölf Prozent gestiegen ist“, so Uwe Zühlke. Dieser Anstieg betrifft zudem nicht nur den Bereich stationärer Einrichtungen, sondern insbesondere auch die ambulanten Pflegedienste. „Aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Bedarf an Pflegeplätzen weiterhin ansteigen. Deshalb wird das Ausgleichsverfahren noch mehr an Bedeutung gewinnen“, stellt Uwe Zühlke fest.

Die alte Landesregierung hatte in Anbetracht des zu erwartenden Personalmangels bei den Pflegehilfskräften erwogen, für diesen Personenkreis ebenfalls ein Ausgleichsverfahren einzuführen. Es wird sich zeigen, ob auch die neue Landesregierung diesen Plan aufgreift. „Aus unserer Sicht wäre diese Vorgehensweise sinnvoll, um dem absehbaren Fachkräftemangel in der Pflege zu begegnen und die Leistungserbringer zu ermutigen, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen“, macht Uwe Zühlke deutlich. jw

19

2/2011

KVJSaktuell

Neuer Start für schwerbehinderte Arbeitnehmer
Ziegen, Schafe, Hängebauchschweine, Lamas: Sie alle sind Günter Steins Schutzbefohlene. Der Tierpfleger ist verantwortlich für den kleinen „Zoo“ des Karlsruher Parzival-Schulzentrums. Corinna Werner dagegen ist als Projektassistentin in einer Grafikagentur zuständig für kreative Ideen. Beide Arbeitsplätze wurden vom KVJS-Integrationsamt gefördert, denn beide Mitarbeiter sind schwerbehindert.
Die Arbeitsplätze von Corinna Werner und Günter Stein, die im „wirklichen“ Leben anders heißen, wurden neu geschaffen. Ihre Arbeitgeber haben nicht nur zwei kompetente Mitarbeiter gewonnen, sie bekamen auch Unterstützung vom KVJS-Integrationsamt. „Gerade bei der Einstellung von älteren schwerbehinderten Mitarbeitern mit einer soliden Berufsausbildung ist die Förderung durch das Integrationsamt interessant“, erklärt dessen Leiter Karl-Friedrich Ernst. Schließlich tritt ein großer Teil der anerkannten Behinderungen erst im Laufe des Berufslebens auf. Bei der Neuschaffung eines Arbeitsplatzes kann das Integrationsamt des KVJS die komplette Basis-Ausstattung bezuschussen – Kosten, die der Arbeitgeber normalerweise selbst tragen muss. Qualifikation und Berufserfahrung Bei Günter Stein wurde so die Austattung seines Arbeitsplatzes mit einer Werkbank, einer Kombi-Kehrmaschine und einem Einachsschlepper mit Mäheinrichtung zu 75 Prozent durch das KVJS-Integrationsamt finanziert. 7 900 Euro konnte sein Arbeitgeber, das anthroposophische Parzival-Schulzentrum, dadurch sparen. Der kleine Zoo ist ein wichtiger pädagogischer Bestandteil des freien Schulzentrums mit seinen verschiedenen Bildungsgängen. Unter dem Stichwort „tiergestützte Intervention“ erklärt die Schule in ihrem Internet-Auftritt: „Im Umgang mit Tieren wird das Wahrnehmungsvermögen geschult und Verantwortung geweckt.“ Mit dem Wachsen des kleinen Zoos wurde 2009 ein professioneller Tierpfleger nötig. Das war die Stunde des Karlsruher Integrationsfachdienstes, der Günter Stein betreute. Der gelernte Tierpfleger hat eine Funktionseinschränkung der Hände, eine beidseitige Hörminderung und eine Sprachstörung. Seit mehr als zwei Jahren war Stein ohne Job. Zunächst wurde der 43-Jährige befristet für zwei Jahre eingestellt. Die Agentur für Arbeit bewilligte einen Eingliederungszuschuss für diesen Zeitraum. Integrationsamt sichert Arbeitsplatz Doch durch die Förderung des KVJS-Integrationsamtes konnte aus der befristeten Stelle eine unbefristete werden – zur allseitigen Zufriedenheit. Günter Stein fühlt sich wohl auf seinem Arbeitsplatz und der für den Schulzoo zuständige Lehrer ist voll des Lobes über den schwerbehinderten Tierpfleger. Wenn die Qualifikation stimmt und das Arbeitsumfeld, sind schwerbehinderte Menschen interessante Arbeitnehmer, darauf weist Karl-Friedrich Ernst hin: „Unsere Klientel ist nicht schlechter qualifiziert als nicht-behinderte Menschen. Viele haben jahrelange Berufserfahrung.“
„

20

KVJSaktuell

2/2011

Eine solide Ausbildung zur Industriekauffrau und Berufserfahrung brachte auch Corinna Werner mit an ihren neuen Arbeitsplatz, die Stuttgarter Agentur für Grafik, Design und Kommunikationskonzepte „Soldan Kommunikation“. Die 51-Jährige ist durch eine frühkindliche Hirnschädigung körperlich stark eingeschränkt. Die durch die Hirnschädigung hervorgerufene Behinderung betrifft das Nerven- und Muskelsystem und äußert sich unter anderem in unwillkürlichen Bewegungen der vier Gliedmaßen. Auch das Sprechen gestaltet sich mühsam für sie. Pluspunkt Kreativität Aber Corinna Werner ist auch ein kluger Kopf – „für die kreative Arbeit eine echte Bereicherung“, lobt Chef Dieter Soldan seine Projektassistentin. Als ihr Teilzeit-

Arbeitsplatz 2010 neu geschaffen wurde, beteiligte sich das Integrationsamt des KVJS wie üblich an den Investitionskosten. Nach einigen Wochen stellte sich heraus, dass es Corinna Werner durch ihre Behinderung schwerer fällt als gedacht zu telefonieren, Briefe einzutüten und für Veranstaltungen die Dekoration vorzubereiten. Das Integrationsamt bewilligte daraufhin eine Arbeitsassistentin, die sie eine Stunde am Tag von diesen Aufgaben entlastet. Nun hat sie den Kopf frei, für die Entwicklung von Kreativkonzepten. Wenn es um Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen geht, gilt für das KVJS-Integrationsamt eben doch: Was nicht (so ganz) passt, wird passend gemacht! mok 21

Förderung neuer Arbeitsplätze
Mit einem Betrag von 660 000 Euro förderte das KVJS-Integrationsamt 2010 die Schaffung von 93 neuen Arbeitplätzen für schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Menschen. Gefördert werden kann die Grundausstattung des Arbeitsplatzes. Zum Ausgleich von außergewöhnlichem Betreuungsaufwand oder von Minderleistungen schwerbehinderter Arbeitnehmer gibt es außerdem regelmäßige Zuschüsse vom Integrationsamt des KVJS. Muss ein Arbeitsplatz an eine Behinderung angepasst werden, können Arbeitgeber den Technischen Beratungsdienst des KVJS-Integrationsamtes kostenlos in Anspruch nehmen.

2/2011

KVJSaktuell

KVJS auf der Zielgeraden beim Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen
Der Gesetzgeber in Baden-Württemberg hat im Jahr 2009 die rechtliche Grundlage gelegt für die Einführung des Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens (NKHR). Damit wurde das Ziel für die Kommunen definiert, die bis spätestens 2016 die Kameralistik durch die Kommunale Doppik ersetzen müssen. Der KVJS ist diesem Ziel schon sehr nahe und plant die NKHR-Einführung für das nächste Jahr.
Der Gesetzgeber gewährte den Kommunen für die Einführung des Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens eine Übergangsfrist von sieben Jahren. Einige Kommunen haben die Vorgaben bereits erfüllt, andere befinden sich noch mitten in der Umstellungsphase. Beim KVJS laufen die Vorbereitungen für das neue Finanzmanagement schon seit längerer Zeit auf Hochtouren. Ein Grundsatzbeschluss der Verbandsversammlung am 9.12.2009 gab für den KVJS den Zeitplan vor. „Wir haben unser Ziel nie aus den Augen verloren und werden die Kommunale Doppik zum 01.01.2012 beim KVJS einführen. Der Haushalt für das Jahr 2012 wird den neuen haushaltsrechtlichen Vorschriften Rechnung tragen“, bestätigt Dieter Steck, Leiter der Lenkungsgruppe NKHR und Dezernatsleiter für Finanzen, Personal und Organisation beim KVJS. Entwicklung beginnt 2006 Damit ist der KVJS am Ende einer Wegstrecke angelangt, die schon im Jahr 2006 mit einer Produktuntersuchung begonnen hat. In einem ersten Schritt wurden die Produkte (Leistungen der Verwaltung), Ziele und Kennzahlen des KVJS von einer Projektgruppe definiert und beschrieben. „Wir als KVJS standen vor der Herausforderung, einen Produktplan entwerfen zu müssen, der unseren spezifischen Aufgabenbereichen gerecht wird, sich aber gleichzeitig an die vorgegebene Systematik hält“, so Siegfried Boob, Leiter der Projektgruppe und des KVJS-Referats Finanzen, Controlling, Kasse. Es war also nicht möglich, den Kommunalen Produktplan Baden-Württemberg, der die Produkte und Produktgruppen der Kommunen definiert, auf den KVJS eins zu eins zu übertragen. Am Ende ist mit gutachterlicher Unterstützung durch die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt.) ein neuer Produktplan entstanden, der den Aufgabenbereichen des KVJS Rechnung trägt. „Zwei der elf Teilhaushalte, nämlich die Innere Verwaltung und die Allgemeine Finanzwirtschaft, finden sich in dieser Form auch bei den Kommunen wieder. Die Abweichungen bei den anderen Teilhaushalten sind den speziellen Aufgabenbereichen des KVJS geschuldet“, kommentiert Siegfried Boob die Arbeit am KVJS-Produktplan. Dies wurde mit dem Innenministerium Baden-Württemberg und dem Statistischen Landesamt abgestimmt. Natürlich mussten für die Umsetzung auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dafür bedurfte es einer Lenkungsgruppe als Entscheidungsinstanz, einer Projektleitung, die das Gesamtprojekt plant und steuert, und einem Kernprojektteam, das aus Ansprechpartnern für die Teilprojekte besteht. Diese Teilprojekte waren das
„

22

KVJSaktuell

2/2011

Kernstück der Projektarbeit. Es handelte sich dabei um die Themen Qualifizierung, Eröffnungsbilanz, Haushalt, Rechnungswesen, Darlehensbuchhaltung und Software. Spezielle Software Die eigentliche Projektarbeit begann Ende 2009. Spezielle Anforderungen wurden dabei auch an die Software gestellt. Die Datenzentrale Baden-Württemberg hat dazu auf der Grundlage des SAP-Standards einen für alle Kommunen verbindlichen „Kommunalmaster“ entwickelt. Auf dieser Basis erfolgen mit dem Projektpartner KDRS (Regionales Rechenzentrum) weitere Anpassungen an die Belange des KVJS. „Der KVJS führt in der Solidargemeinschaft des Regionalen Rechenzentrums zusammen mit den Landkreisen Esslingen und Ludwigsburg das NKHR ein und kann dabei von den bisherigen Erfahrungen und dem Austausch profitieren“, macht Dieter Steck deutlich. Die Einführung von NKHR wird beim KVJS durch vorhandenes und geschultes Personal parallel zur operativen Arbeit geleistet. Das Projekt wird mit Kosten von etwa 100 000 Euro zu Buche schlagen, die im Haushalt des KVJS bereits veran-

schlagt sind. Der größte Teil ist auf die erforderlichen Anpassungen der Software (SAP-Finanzverfahren) zurückzuführen. „Durch die Solidargemeinschaft des Kommunalen Datenverarbeitungsverbunds können die Kosten jedoch als sehr günstig betrachtet werden“, beschreibt Dieter Steck die finanziellen Auswirkungen für den KVJS. Weiterer Ausbau Mit der Einführung des NKHR ist der Prozess jedoch noch längst nicht abgeschlossen. „Danach geht es darum, das Berichtswesen weiter auszubauen, das das Finanzverfahren als Werkzeug nutzt, um steuerungsrelevante Schlussfolgerungen ziehen zu können“, so Siegfried Boob. Der erhoffte Mehrwert kann wohl erst einige Jahre nach der Umstellung, wenn die „outputorientierte Steuerung“ (Produkte, Ziele, Kennzahlen) greift, einer Kosten-/ Nutzen-Betrachtung unterzogen werden. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber eine Überprüfung der Reformauswirkungen spätestens nach Ablauf des Jahres 2017 vorgesehen. „Das Neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen wird zu mehr Transparenz und Effizienz führen“, davon ist Dieter Steck überzeugt. jw

23

2/2011

KVJSaktuell

Pflegekinder: … und die Herkunftsfamilie?
Ihr Versagen als Eltern ist amtlich – wenn nämlich ihr Kind vom Jugendamt in einer Pflegefamilie untergebracht werden musste. Oft werden sie danach sich selbst überlassen oder sind nicht in der Lage, Beratung und Unterstützung anzunehmen, um selber erziehungsfähig zu werden. Ein wunder Punkt in der Jugendhilfe.
Die Herkunftseltern stammen meist aus schwierigen, vielfältig belasteten Verhältnissen. „70 Prozent der Kinder bleiben auf Dauer in Pflegefamilien. Der Kontakt zu den leiblichen Eltern bricht meist nach zwei Jahren ab“, berichtet Rüdiger Arendt vom Landesjugendamt des KVJS. Und oft sind sie selbst fast noch Kinder: „Rund 50 Prozent Alleinerziehende, oft junge Frauen, teilweise minderjährig“ sind betroffen von der Unterbringung ihres Kindes in einer Pflegefamilie, erläutert Arendt. „Sie bekommen ihren eigenen Alltag nicht geregelt“, beschreibt er das Hauptproblem. Den mit einem Kind noch viel weniger. Und trotzdem: „Auch Eltern ohne Kinder bleiben Eltern“, so der Titel einer Studie von Irmela Wiemann zum Thema Beratung von Herkunftseltern im Auftrag des Deutschen Jugendinstituts (dji). Nicht alle geben den Kontakt zu ihrem Kind auf. So geraten Kinder buchstäblich in eine Zwickmühle zwischen Herkunftseltern und Pflegeeltern. Die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der KVJSJahrestagung zur Vollzeitpflege befassten sich in diesem Jahr mit der speziellen Problematik der Herkunftseltern. Komplexe Problemlagen Für die Herkunftseltern ist die Situation schwierig. Zumal ihr Selbstwertgefühl meist mehr als nur angekratzt ist. „Es ist wichtig, dass die Herkunftseltern ihrem Kind ausdrücklich erlauben, in der Pflegefamilie zu leben“, weiß Experte Arendt. Dazu müssen sie ein realistisches Selbstbild entwickeln – wozu es auch gehört, sich die eigene Überforderung einzugestehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendämter können Herkunftseltern dabei unterstützen. Dazu gehören wertschätzendes Verhalten und hohe Sensibilität. So kann das oft heikle Verhältnis zwischen Herkunfts- und Pflegeeltern in einer Balance gehalten werden, die auch dem betroffenen Kind hilft. Die Pflegekinderdienste in Baden-Württemberg arbeiten sehr gut zusammen und pflegen einen intensiven Austausch. „Die komplexen Problemlagen werden mehr“, stellt Rüdiger Arendt fest. „Die Vollzeitpflege ist ein Wachstumsbereich.“ Vor diesem Hintergrund wird es immer wichtiger, die verschiedenen sozialen Dienste möglichst gut miteinander zu verzahnen: Pflegekinderdienst, Allgemeiner Sozialdienst und wirtschaftliche Jugendhilfe sollten untereinander klare Vereinbarungen treffen. Allerdings haben nur wenige Jugendämter bisher Verfahrensweisen dazu entwickelt. Das KVJS-Landesjugendamt wird die Arbeitshilfe „Vorbereitung, Beratung und Unterstützung von Pflegepersonen und Herkunftsfamilien“ von 2004 überarbeiten und entsprechend den heutigen Anforderungen aktualisieren. Hoffnung auf eine verbesserte Begleitung der Herkunftseltern setzt Rüdiger Arendt auch in das neue Bundeskinderschutzgesetz, dem der Bundesrat am 27. Mai 2011 zugestimmt hat. Seine Implementierung wird das KVJS-Landesjugendamt begleiten. mok

24

KVJSaktuell

2/2011

Ein Gütesiegel für den Kinderschutz
18 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg haben sich darum beworben, am Ende diesen Jahres das Gütesiegel „Netzwerk frühe Hilfen und Kinderschutz“ zu erhalten. Mit der Verleihung des Zertifikats endet ein Projekt, das 2010 an den Start ging, um die Angebote in diesem Bereich unter wissenschaftlicher Begleitung weiter zu optimieren. Mit der Durchführung des mit Landesmitteln geförderten Projekts ist das Landesjugendamt des KVJS in Kooperation mit der Universität Ulm beauftragt.
Um Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern effektiv entgegenzuwirken, müssen Hilfen für Familien frühzeitig und passgenau angeboten werden können. Doch die Praxis zeigt, dass gerade der Auf- und Ausbau eines funktionierenden lokalen Netzwerkes und in der Folge auch dessen Verstetigung dabei oftmals die größte Schwierigkeit darstellt. Unterstützung erhalten die beteiligten Stadt- und Landkreise hier von Experten des KVJS und der Universität Ulm aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. „Das Gütesiegel soll in Baden-Württemberg ein Qualitätsmerkmal werden. Es dokumentiert, dass die Stadt- und Landkreise ihre Angebote im Bereich Frühe Hilfen und Kinderschutz gezielt überprüft und verbessert haben und über ein hochwertiges Hilfesystem verfügen“, so Julian Zwingmann vom KVJS. Das Besondere: Jeder der beteiligten Kreise erhält eine speziell auf seine Situation zugeschnittene Beratung gemäß wissenschaftlich abgestimmter Standards und „Best-Practice“-Erfahrungen. Die Kriterien für die Auszeichnung mit dem Gütesiegel richten sich an selbst gesetzten Schwerpunkten aus, die von den Stadt- und Landkreisen für die Projektbearbeitung ausgewählt wurden. Das bedeutet, dass neben allgemeinen Minimalstandards in demjenigen Bereich die Kriterien erfüllt werden müssen, der im Rahmen einer Zielvereinbarung jeweils festgelegt wurde. Experten-Team vor Ort Das Experten-Team hat vor Ort den Bestand der kommunalen Angebote analysiert und die Zielvereinbarung auf Basis der jeweiligen Gesamtsituation, Erfahrungen und Ergebnisse erarbeitet. „Die Kreise haben unterschiedlichen Entwicklungsbedarf und möchten vor allem die Kooperation und Vernetzung zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen verbessern: Aber auch datenschutzrechtliche Fragestellungen und der Blick auf eine spezielle Zielgruppe, nämlich auf Kinder psychisch kranker Eltern sind von großem Interesse“, beschreibt Julian Zwingmann die Projektziele. Mit der gezielten Begleitung und Beratung der beteiligten Stadt- und Landkreise werden zurzeit die bestehenden Angebote weiter optimiert. Dazu gehören neben der Entwicklung einer Internet-Datenbank für die Angebote „Frühe Hilfen“ auch gemeinsam organisierte Fachtage und Workshops. add

25

2/2011

KVJSaktuell

Kindeswohlgefährdung: KVJS stellt Einschätz-Skala vor
Einrichtungen wie Kindertagesstätten haben einen ausdrücklichen gesetzlichen Schutzauftrag, wenn das Kindeswohl in Gefahr ist. Um Kindeswohlgefährdung von 0- bis 6-Jährigen rechtzeitig und verlässlich erkennen zu können, stellt das KVJS-Landesjugendamt nun eine „KiWo-Skala“ für die Praxis vor.
Gemeinsam mit der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen hat das Landesjugendamt beim KVJS eine Checkliste entwickelt, mit der die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen eine Kindeswohlgefährdung erkennen und einschätzten können. Grundlage dieser „KiWo-Skala“ ist ein gemeinsames Projekt zum Thema „vernachlässigte Kinder“, dass zwischen April 2009 bis Ende 2010 an über 50 Modellstandorten in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Karlsruhe, Reutlingen, dem Ortenaukreis und der Stadt Freiburg durchgeführt wurde. Nun liegt der Abschlussbericht des Projektes mit dem Titel „Studie zur Einschätzskala Kindeswohlgefährdung in Kindertagesstätten“ vor. Die Autoren konstatieren in der Zusammenfassung: „Der Einsatz der KiWo-Skala veränderte die Wahrnehmung des Schutzauftrags in den beteiligten Projektkitas. Im Vergleich zur Situation vor dem Einsatz der KiWo-Skala stiegen die Gefährdungsvermutungen um ein Drittel an. … Dabei stieg nicht nur die absolute Häufigkeit an, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hilfsangebot beziehungsweise Abklärungsversuch bei einem vorliegenden Gefährdungsverdacht stattfand.“ Oft sprachliche Defizite Während der Projektlaufzeit wurden 154 Verdachtsfälle mit Hilfe der KiWo-Skala überprüft, davon konnten 138 Fälle zur Auswertung herangezogen werden. In mehr als drei Viertel der Verdachtsfälle war ein mittlerer oder hoher Gefährdungsverdacht gegeben. Defizite im sprachlichen Bereich wurden mit 46 Prozent am häufigsten festgestellt, gefolgt von auffälligem Sozialverhalten gegenüber anderen Kindern (37 Prozent), mangelnde Körperpflege (36 Prozent) und zu 35 Prozent psychische Auffälligkeiten bei den Eltern. Der Feststellung von Auffälligkeiten folgten in fast allen Fällen Gespräche mit den Eltern. Mit der Hälfte der angesprochenen Eltern schlossen die Kindertagesstätten konkrete Vereinbarungen. Die meisten der angesprochenen Eltern waren froh über die Unterstützung durch die Fachkräfte und hielten sich an die getroffenen Vereinbarungen. Probleme aufgefangen So ist es auch zu erklären, dass die den Jugendämtern gemeldeten Verdachtsfälle insgesamt nicht gestiegen sind. Die Probleme konnten durch die Unterstützung in den Kitas schon entschärft oder behoben werden. Zur professionellen Abklärung suchten sich die Einrichtungen bei etwa jedem zweiten, als gefährdet eingeschätztem Kind externe fachliche Unterstützung. Insgesamt äußerten sich die beteiligten pädagogischen Fachkräfte mit der inhaltlichen Gestaltung und dem Zeitaufwand zum Ausfüllen KiWo-Skala sehr zufrieden.
„

26

KVJSaktuell

2/2011

Veranstaltungen zum Einsatz in der Praxis Das KVJS-Landesjugendamt bietet für Einrichtungen und Jugendämter Einführungsveranstaltungen zur Anwendung der KiWo-Skala an. Diese Veranstaltungen sollen es ermöglichen, sich mit der KiWo-Skala und deren Praxiseinsatz zur frühzeitigen Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung vertraut zu machen

sowie sich den Ergebnissen der Pilotstudie auseinander zu setzen. Die Veranstaltungen für 2011 sind bereits ausgebucht. Auf Grund der großen Nachfrage bemüht sich das KVJS-Landesjugendamt derzeit um Referenten für weitere Veranstaltungen zur KiWo-Skala für das Fortbildungsprogramm im kommenden Jahr. Die aktuellen Fortbildungen sind im Internet zu finden. mok

Weitere Informationen
Auf der Seite www.kvjs.de/jugend/kinderschutz/kiwo-skala-kinderschutz-intageseinrichtungen-fuer-kinder.html finden Sie alle Materialien zu KiWo-Skala zum herunterladen oder bestellen: Studie zur Einschätzskala Kindeswohlgefährdung in Kindertagesstätten Erarbeitet im Auftrag des KVJS von der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM) Mai 2011 Manual zur KiWo-Skala (KiTa) Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung gemäß § 8a SGB VIII in Kindertageseinrichtungen KiWo-Skala (KiTa) Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung gemäß § 8a SGB VIII in Kindertageseinrichtungen Ablaufschema zum empfohlenen Vorgehen bei der Erfüllung des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII in Kindertageseinrichtungen Fortbildungen Die aktuellen Fortbildungen mit Anmeldefunktion unter www.kvjs.de/fortbildung. html Ihre Ansprechpartnerin beim KVJS Claudia Stephan-Krumbholz Telefon 0711 6375-382 Claudia.Stephan-Krumbholz@kvjs.de 27

2/2011

KVJSaktuell

Innovative Modellprojekte im Pflegebereich
Das Land Baden-Württemberg fördert innovative Modellprojekte im Pflegebereich mit einem Volumen von 3,5 Millionen Euro und möchte damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen leisten. Die Abwicklung der Modellprojekte ist beim KVJS angesiedelt – zahlreiche Anträge auf Förderung wurden bereits eingereicht.
„Die Förderung von Modellvorhaben im Pflegebereich stößt auf großes Interesse. Das belegen die 39 Projektanträge, die bis heute bei uns eingegangen sind“, so Michael Heck, Leiter des Referats Sozialplanung und investive Förderung beim KVJS, in dessen Referat auch die Anträge bearbeitet werden. Eine Entscheidung über die Projekte, die tatsächlich gefördert werden können, trifft der beim Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg angesiedelte „Ständige Ausschuss“. 28 Vorab wurde bereits ein erstes Projekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren bewilligt. Es geht dabei um den Einsatz innovativer Technologien für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, wobei technische Hilfsmittel erprobt, evaluiert und die daraus resultierenden Erfahrungen einem möglichst großen Anwenderkreis zugänglich gemacht werden sollen. „Mobiles Laboratorium“ „Dieser Ansatz verspricht sowohl innovative als auch technisch anspruchsvolle Lösungen. Man denke nur an Sicherheitsfunktionen wie das selbstständige Abschalten einer Herdplatte, Systeme zur Sturzerkennung oder Gedächtnisstützen zur Einnahme von Medikamenten“, so Michael Heck, der damit aufzeigt, welche Möglichkeiten dieses Modellprojekt bietet. Alle untersuchten technischen Neuerungen werden in einem „mobilen Laboratorium“ (Mobile Living Lab) eingebaut und in den einzelnen Stadt- und Landkreisen von Baden-Württemberg im Rahmen von Aktionstagen vor Ort vorgestellt. Einen weiteren Schwerpunkt der beantragten Projekte bildet der Ausbau des teilstationären Pflegeangebotes, insbesondere der Tages- und Nachtpflege im ländlichen Raum. „Innovative Ansätze, vor allem aber die Gewährleistung einer wohnortnahen Versorgung auch in dünnbesiedelten Gebieten, sind Ziele dieser strukturverbessernden Maßnahmen“, informiert Michael Heck über den gegenwärtigen Sachstand. Exemplarisch dafür steht ein beantragtes Modellprojekt, das 20 Tagespflegeplätze für ältere Menschen mit gerontopsychiatrischen Symptomen in einem Naherholungsgebiet plant. Der Neubau der Tagespflege wird durch einen überdachten Durchgang mit einer bereits bestehenden, noch umzubauenden Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung verbunden. Das Kooperationsprojekt möchte dabei Menschen mit geistiger Behinderung und Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen zusammenführen. Dafür soll es zahlreiche Angebote und Veranstaltungen geben, die in einem gemeinsamen Rahmen abgehalten werden können. Einige Projektanträge befassen sich mit der Umsetzung der neuen Landesheimbauverordnung. Weitere beantragte Modellprojekte haben die Verbesserung der Strukturqualität zum Inhalt. Sie widmen
„

KVJSaktuell

2/2011

sich beispielsweise folgenden Themen: Messung der Lebensqualität in Pflegeheimen, die Entwicklung und Evaluation eines krankheitsspezifischen Therapiekonzeptes zum körperlichen Training bei demenzieller Erkrankung sowie der Neubau und die Einrichtung von ambulant betreuten Kleinstwohngruppen für an Demenz erkrankte Menschen. „Die eingereichten Anträge zeigen den innovativen Charakter der Modellprojek-

te. Egal, ob es sich dabei um den Einsatz innovativer Technologien, den Ausbau teilstationärer Pflegeprojekte oder die Förderung neuer Wohnformen handelt“, macht Michael Heck deutlich. jw Modellprojekte im Pflegebereich Ansprechpartnerin beim KVJS Kerstin Greis Telefon 0711 6375-293 Kerstin.Greis@kvjs.de

29

2/2011

KVJSaktuell

Publikationen – beim KVJS erschienen
Schwerbehinderung und Arbeit
Zeitschrift behinderte Menschen im Beruf, Ausgabe Baden-Württemberg, 2/2011 Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Gisela Lüttges Telefon 0721 8107-983 Gisela.Luettges@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/publikationen/ behinderung-und-arbeit.html krippe oder eine Betreute Spielgruppe für Kinder unter drei Jahren einrichten wollen. Die Arbeitshilfe beschreibt die Voraussetzungen und Bedingungen der Betriebsführung. Der KVJS-Ratgeber gibt einen kurzen Überblick über wesentliche Eckpunkte, die zur qualitativen Entwicklung von Einrichtungen für Kinder unter drei Jahren beitragen können. Studie zur Einschätzskala Kindeswohlgefährdung in Kindertagesstätten. Hrsg.: KVJS, Mai 2011 Pilotstudie zur Überprüfung der Praktikabilität einer Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung. Erarbeitet im Auftrag des KVJS von der Forschungsgruppe „Verhaltensbiologie des Menschen“, Joachim Bensel, Thomas Prill, Gabriele HaugSchnabel, Birgit Fritz, Franziska Nied. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/publikationen/ jugendhilfe.html

Betreuungsrecht
30 KVJS BtR-Info Betreuungsrecht Heft 1+2, 2011. Neues aus Praxis und Rechtsprechung, Literaturtipps, Veranstaltungen, Seminare. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Carola Dannecker Telefon 0711 6375-325 Carola.Dannecker@kvjs.de Im Internet als pdf-Datei unter www.kvjs.de/publikationen/btr-info. html

Jugendhilfe
KVJS-Ratgeber Kinderkrippen und Betreute Spielgruppen, Nachdruck 2011 mit einer Anpassung an die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen Die Broschüre richtet sich an öffentliche, freie und private Träger, die eine Kinder-
                            
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.