Publication:
2011
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-7729708
Path:
KVJS

aktuell
Aus dem Inhalt: Sportvereine: Ausgrenzung statt Integration?
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Behinderte Menschen zwischen Schule und Beruf: Den Übergang gestalten
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Der KVJS fördert den Kinderschutz in Kindertageseinrichtungen
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Den Opfern von Gewaltverbrechen eine neue Perspektive geben
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2 KVJS aktuell April 2011 Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Stefan Wiegandt (wgn) Mit Beiträgen von: Gabriele Addow (add) Monika Kleusch (mok) Sylvia Rizvi (syr) Jürgen Wieland (jw) Lindenspürstraße 39 70176 Stuttgart Kontakt: Telefon 0711 6375-232, -206 oder -389 E-Mail redaktion@kvjs.de www.kvjs.de

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Sportvereine: Ausgrenzung statt Integration?
Sportvereine haben schon lange ihre Verantwortung für den sozialen Bereich erkannt und in ihrer Satzung festgeschrieben. Dennoch fällt es ihnen noch immer schwer, sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche für sich zu gewinnen. Über Ursachen und mögliche Wege aus dem Dilemma ein Gespräch mit Roland Kaiser, Leiter des KVJS-Landesjugendamtes. Er war unter anderem lange Jahre Vorstandsmitglied der Württembergischen Sportjugend (WSJ).
Herr Kaiser, offensichtlich finden Mädchen und Jungen aus armen Familien und bildungsfernen Schichten kaum Zugang zum Sport? Sportvereine sind als Teil der Gesellschaft nicht besser und nicht schlechter als diese. Grundsätzlich muss man sehen, dass im Vergleich zu anderen Organisationen die Sportvereine im Bereich der verbandlichen Jugendarbeit rein quantitativ eine überragende Position einnehmen. So vertritt die Baden-Württembergische Sportjugend die Interessen von annähernd 1,5 Millionen jungen Menschen in rund 11 400 Sportvereinen in unserem Bundesland. Es ist richtig, dass ähnlich wie in anderen ehrenamtlich getragenen Organisationen – zum Beispiel Musikvereine, Feuerwehr – auch im Sport die bildungsfernen Schichten unterrepräsentiert sind. Allerdings gibt es innerhalb der verschiedenen Sportarten große Unterschiede. So sind zum Beispiel männliche Migrantenjugendliche im Fußball sogar überrepräsentiert. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Integrationserfolge in den Sportvereinen zu steigern. Nicht zuletzt versucht aktuell die Bundesregierung im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche durch die Vergabe von Gutscheinen für die Nutzung von Sportvereinsangeboten eine Steigerung der Teilhabe von sozialen Randgruppen zu erreichen. Warum ist der organisierte Sport als Angebot der Kinder- und Jugendarbeit überhaupt so wichtig? Viele junge Menschen treiben regelmäßig Sport in einem Verein. Sie sind damit nicht nur auf ein Sport- und Bewegungsangebot fixiert, sondern darüber hinaus in eine Norm- und Wertegemeinschaft eingebunden. Neben der Verbesserung der sportmotorischen Fähigkeiten lernen die Kinder und Jugendlichen im Sportverein Verantwortung zu übernehmen, ihr Durchhaltevermögen zu steigern und Grenzen zu erkennen. Nicht zuletzt kann das Sozialverhalten positiv beeinflusst und gestärkt werden, Teamfähigkeit wird geschult, der Umgang mit Frust, Konflikten aber auch Freude am Gewinnen wird gelernt. Inwieweit ist die Jugendhilfe gefordert, Integration zu fördern? Das Kinder- und Jugendhilfegesetz differenziert in Kinder- und Jugendarbeit einerseits und in Jugendsozialarbeit andererseits. Während die Kinder- und Jugendarbeit unter anderem von den Merkmalen „Freiwilligkeit“ und „Engagement“ geprägt ist, kümmert sich die Jugendsozialarbeit um Jugendliche, die in mehrfacher Beziehung benachteiligt sind,

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etwa keinen Schulabschluss oder keinen Ausbildungsplatz haben, aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes ausgegrenzt oder verschuldet sind, oder wegen einer Drogenabhängigkeit keine Perspektiven haben. Es gibt inzwischen zahlreiche Erfahrungen mit speziellen Programmen auch diese sozial benachteiligten Jugendlichen zu erreichen, zum Beispiel mit „Sport um Mitternacht“. Auf Landes- und Bundesebene wurden Modellprogramme zu Gewaltprävention durch Sport, Sozialintegration des Sports, interkulturelle Arbeit im Sport und Sport in sozialen Brennpunkten initiiert. Die Evangelische Hochschule Freiburg, die Badische Sportjugend Freiburg und die Südbadische Sportschule Steinbach bieten seit 30 Jahren eine Zusatzqualifizierung für Studierende an. Auch daraus ist eine Reihe von Projekten hervorgegangen. Eine dauerhafte hauptamtliche Betreuung und Finanzierung muss über die örtliche Jugendhilfeplanung beschlossen werden. Was bietet der KVJS konkret an Unterstützungsmöglichkeiten an? Über das KVJS-Landesjugendamt erhalten die Jugendverbände jährlich 100 000 Euro

für die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen und 70 000 Euro für die Durchführung von überregionalen Maßnahmen. Zudem fördern wir im Rahmen unserer „Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe“ auch Projekte von Sportvereinen und Sportverbänden, so aktuell zum Beispiel den TV Rottenburg 1861 e. V. und die Württembergische Sportjugend. Mit Blick in die Zukunft: Werden sich die Sportvereine angesichts der demographischen Entwicklung schon aus reiner Selbsterhaltung stärker als bisher öffnen müssen? Selbstverständlich müssen sich auch die Sportvereine dieser Herausforderung stellen. Allerdings ist die Ausgangsbasis besser als bei vielen anderen Verbänden. Eine spannende Frage wird die konkrete Beteiligung der Vereine an der zukünftigen Ausgestaltung der Ganztagesangebote an Schulen sein. Hier entstehen Wechselwirkungen aus Konkurrenz und neuen Kooperationen. Deshalb haben wir genau zu diesem Handlungsfeld im Rahmen der KVJS-Forschungsvorhaben eine Praxisforschung gestartet. Die Fragen stellte Gabriele Addow

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Informationen zu den KVJS-Förderprojekten finden Sie im Internet unter http://www.kvjs.de/1438.0.html Ihre Ansprechpartnerin: Ruth André Telefon 0711 6375-443 Ruth.Andre@kvjs.de

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Der KVJS forscht zu Zukunftsfragen in der Sozialen Arbeit
Der KVJS entwickelt, fördert und begleitet Forschungsvorhaben zur Sozialen Arbeit. Kreise, Hochschulen und der KVJS greifen aktuelle Fragen auf, die den baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen auf den Nägeln brennen. Der KVJS hat jetzt für alle Interessierten eine Internetseite geschaltet. Sie informiert über den Ausgangspunkt und Stand der Forschungen.
KVJS-Forschung ist anwendungsorientiert. Sie liefert Grundlagen für wirksame und finanzierbare Lösungsansätze zur Arbeit der Stadt- und Landkreise. „Der KVJS bietet mit den Internet-Seiten deshalb einen interessanten Service für KVJS-Mitglieder und Fachleute“, sagt die Geschäftsführerin der KVJS-Forschung Heide Trautwein. Hier gibt es aktuelle Informationen zum Stand der Forschungen und zu den Rahmenbedingungen. Fünf Forschungsvorhaben werden in Zusammenarbeit mit Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten umgesetzt. Zwei weitere sind in Vorbereitung. Die aktuellen Forschungen beim KVJS: Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit wesentlicher geistiger Behinderung im Alter 2011 bis 2012 Forschungsverbund Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg und Zentrum zur interdisziplinären Erforschung der Lebenswelten behinderter Menschen Z.I.E.L. /Universität Tübingen Wirkungsanalyse des Fallmanagements in der Eingliederungshilfe 2011 bis 2012 Katholische Fachhochschule Mainz Strukturen der rechtlichen Betreuung in Baden-Württemberg und Chancen der Weiterentwicklung 2011 Forschungsverbund Institut für angewandte Sozialwissenschaften IfaS an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und Steinbeis-Transferzentrum STZ an der Hochschule Weingarten Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagesschulen auf die Strukturen und Arbeitsweisen der Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg 2011 bis 2013 Forschungsverbund Hochschule Osnabrück und Institut für soziale Arbeit e.V. ISA, Münster Umsetzung von Paragraf 8 a Sozialgesetzbuch VIII in der Jugendhilfe in Baden-Württemberg (Schutzauftrag) 2011 bis 2012 Hochschule Esslingen syr Die KVJS-Forschung im Internet www.kvjs.de/forschung.html Ihre Ansprechpartnerin beim KVJS Heide Trautwein Geschäftsführung KVJS-Forschung Telefon 0711 6375-716 Heide.Trautwein@kvjs.de

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Behinderte Menschen zwischen Schule und Beruf: Den Übergang gestalten
Die KVJS-Aktion 1000 hat von 2005 bis 2009 rund 1 250 Abgänger von Schulen für Geistigbehinderte und Beschäftigte von Werkstätten für behinderte Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert. Mit der KVJS-Aktion 1000plus sollen deren bewährten Maßnahmen nun landesweit eingeführt werden. Dazu zählen die „Berufsvorbereitende Einrichtung“ (BVE) und die „Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (KoBV)“. Projektverantwortlicher Bertold Deusch vom KVJS über den Stand der Dinge.
Wie ist der „Ausbau-Stand“ der KVJS-Aktion 1000plus in Baden-Württemberg? Gemeinsam mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport sowie der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg ist es dem KVJS gelungen eine Kooperationsvereinbarung zur flächendeckenden Einführung von BVE und KoBV abzuschließen. Damit konnte nun ein großer Meilenstein für eine effiziente Unterstützungsstruktur beim Übergang Schule/Beruf gesetzt werden. Ein Novum, wenn man bedenkt, dass dies nun für ein großes Flächenland möglich werden kann. Wann soll der flächendeckende Ausbau von BVE/KoBV erreicht sein? Bis zum 31.12.2013 sollen beide Elemente in Baden-Württemberg landesweit zur Verfügung stehen. Wie ist das Verfahren – können sich etwa interessierte Schulen beim Schulamt bewerben? Nein, das Verfahren läuft folgendermaßen: In den Netzwerkkonferenzen werden seit 2005 die schulische Entwicklung und die Bedarfszahlen für BVE/KoBV systematisch erhoben. Je nach Bedarf und Größe der Schulbezirke werden BVE-Klassen an verschiedenen Standorten in einem Kreis eingerichtet. Die BVE sind dabei nicht mehr – wie noch in der Versuchsphase – bei Schulen für Geistigbehinderte angesiedelt, sondern in die örtlichen Berufsschulzentren integriert. Die Schüler nutzen den öffentlichen Nahverkehr und in den Berufsschulen sämtliche Werkstätten und Einrichtungen. Die Verlagerung der BVE hat sich als förderlicher Schritt erwiesen und ist – neben dem unmittelbaren Nutzen für die Schülerinnen und Schüler – auch ein Beitrag zur Inklusion. Wann wechseln die Schülerinnen und Schüler von der Berufsschulstufe der Schule für Geistigbehinderte in die BVE? Ein Großteil der BVE-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen wechselt unmittelbar von der Hauptstufe in die BVE. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, aus der Berufsschulstufe in die BVE zu wechseln – auch während des laufenden Schuljahres. Die Aufnahme in die BVE hängt ausschließlich von der individuellen Kompetenzentwicklung ab. Deshalb muss man die Kompetenzen der Schüler laufend messen. Sie sollen weder unter- noch überfordert werden. Wann geht´s dann weiter mit der an die duale Ausbildung angelehnten KoBV? Wenn der Eindruck besteht, dass eine Schülerin oder ein Schüler reif ist für die betriebliche Ausbildung kann sie oder er in die KoBV wechseln. Für die Schülerinnen und Schüler ist das ein wichtiger Statuswechsel hin zum Erwachsenen, weil sie nun Auszubildenden gleichgestellt

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sind. Sie sind sozialversichert und vor allem beziehen sie Ausbildungsgeld von der Agentur für Arbeit. Die wichtigsten Stichworte Schule und Integrationsfachdienst (IFD) berufen gemeinsam • die Berufswegekonferenz mit dem Schüler und seinen Angehörigen und • die Netzwerkkonferenz mit den Akteuren des örtlichen Arbeitsmarktes ein. • Die Berufsschulstufe hat die Werkstufe als letzten Schulabschnitt der Schule für Geistigbehinderte ersetzt. Sie bereitet nun gezielter auf das Erwerbsleben vor. Die Schüler werden umfassend auf ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben vorbereitet. Dieser Prozess beginnt bereits in der Mittelstufe. Mittlerweile können sie im Rahmen der Berufswegeplanung auch flächendeckend erste Orientierungspraktika in Betrieben machen. Diejenigen, für die eine berufliche Perspektive auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt besteht, können bereits zu Beginn oder im Verlauf der Berufsschulstufe in die BVE überwechseln. • Die BVE – Berufsvorbereitende Einrichtung - ist eine Form der Berufsschulstufe und findet in der Regel in einer allgemeinen Berufsschule statt. An bis zu drei Tagen in der Woche erproben die Schülerinnen und Schüler verschiedene Tätigkeitsbereiche in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Begleitet und unterstützt werden sie dabei von dem Integrationsfachdienst. Die jeweiligen Praktika werden gezielt in der Berufsschule vor- und gemeinsam mit dem IFD nachbereitet. Die BVE dauert bis zu zwei Jahre, kann allerdings bei Bedarf im Einzelfall auch um ein Jahr verlängert werden.

Bei KoBV – Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt – handelt es sich um ein gemeinsames Angebot der Kultusverwaltung, der Arbeitsverwaltung und des KVJS-Integrationsamtes. KoBV schließt sich unmittelbar an die BVE an und ist an die duale Ausbildung angelehnt. Sie besteht aus drei verzahnten Elementen: 1. Der kontinuierlichen Unterstützung durch die IFD’s. 2. Dem Jobcoaching im Betrieb. 3. Dem sonderpädagogisch ausgerichteten Berufsschulunterricht. Die Teilnehmer sind für drei Tage im Betrieb und erhalten an zwei Tagen Berufsschulunterricht. Sie werden durch die Arbeitsagentur sozialversichert und erhalten Ausbildungsgeld. Die Dauer einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme wie KoBV ist auf maximal 18 Monate begrenzt.

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Wird die Nachhaltigkeit der Vermittlungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt überprüft? Wir haben eine erste Nachhaltigkeitsuntersuchung für die Vermittlungsjahrgänge 2005 bis 2009 gemacht. Von den 1 016 vermittelten Personen, die sich an unserer Umfrage beteiligten, waren zum Stichtag 31.12.2009 82,3 Prozent noch oder wieder in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis über 15 Wochenstunden beschäftigt. Bei dem ersten Vermittlungsjahrgang von 2005 betrug die Quote der Nachhaltigkeit nach mehr als vier vollen Beschäftigungsjahren immer noch 76,3 Prozent. Die Nachhaltigkeitsuntersuchung wird nun jährlich fortgeschrieben. Die zurzeit noch laufende Untersuchung zum Stichtag 31.12.2010 ist zwar noch nicht vollständig ausgewertet, bestätigt jedoch die Vorjahresuntersuchung. Zum 31.12.2013 werden wir einen umfassen-

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den Bericht vorlegen. Aus heutiger Sicht deutet vieles darauf hin, dass die umfassende Evaluation dieser Entwicklungen auch über den 31.12.2013 sinnvoll sein könnte. Und wie wird die Nachhaltigkeit gesichert? Etwa die Hälfte der in Arbeit vermittelten Klienten benötigt auch nach der erfolgreichen Einarbeitung weiterhin die Unterstützung durch den IFD. Grundsätzlich bleibt der IFD natürlich für die Arbeitgeber und die behinderten Menschen jederzeit erreichbar. Aus unserer langjährigen Erfahrung heraus wissen wir jedoch, dass der IFD im Krisenfall tendenziell zu spät informiert wird. Deshalb schaut der Integrationsfachdienst mindestens zweimal im Jahr auch ohne Anlass im Betrieb nach dem rechten. So kann man auch frühzeitig reagieren, wenn sich etwas anbahnt. Das können 1 000 Kleinigkeiten sein, die nicht unbedingt mit den schwerbehinderten Beschäftigten zusammenhängen müssen wie Probleme bei der Geschäftsentwicklung, Auftragsrückgänge, insbesondere Personalwechsel bei wichtigen Ansprechpartnern im betrieblichen Umfeld. Nachhaltigkeit ist kein Selbstläufer, sondern eine ständige Herausforderung. Man braucht einen, der sich kümmert. Dies entspricht der gesetzlichen Aufga-

benstellung der Integrationsfachdienste und kann von diesen auch langfristig wahrgenommen werden. Gibt es aus anderen Bundesländern Interesse das baden-württembergische Modell zu übernehmen? Es gibt mittlerweile kein Bundesland mehr, in dem das Thema Übergänge aus Schulen und Werkstätten nicht behandelt wird. Für die meisten Bundesländer sowie den Bund haben wir hierbei eine Vorreiterfunktion. So wurden etwa die in der KVJS-Aktion 1000 entwickelten Netzwerkund Berufswegekonferenzen verschiedentlich bereits übernommen. Außerdem hat das Bundesprogramm „Job4000“ auch in anderen Bundsländern dabei geholfen, die Integrationsfachdienste zu Gunsten der Zielgruppe auszurichten. Wir bekommen von verschiedenen Bundesländern, aber auch vom BMAS, vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge in Frankfurt, von Verbänden behinderter Menschen sowie von unterschiedlichen Fachverbänden Anfragen, unser Programm vorzustellen. In Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen bieten wir Fortbildungen für andere Bundesländer an. Das Gespräch führte Monika Kleusch

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Bestandteile der Aktion 1000plus
• Systematische und flächendeckende Einführung der „Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt“ (KobV) und der „Berufsvorbereitenden Einrichtung“ (BVE) in Baden-Württemberg • Verzahnung bestehender Angebote und Nutzung der Unterstützten Beschäftigung (UB) • Evaluation der Leistungen zur Berufsbegleitung im Rahmen der UB • Abstimmung der Eingliederungshilfeleistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft mit den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben • Erfassung der Nachhaltigkeit und Auswertung der Nachhaltigkeit der beruflichen Integration auf Arbeitsplätze des allgemeinen Arbeitsmarktes über einen Zeitraum von insgesamt neun Jahren (1/2005-12/2013) • fachliche Begleitung, Unterstützung und Evaluation lokaler, regionaler und landesweiter Entwicklungsprozesse • Einrichtung der Kompetenzteams „Schule“, „Jobcoaching“ und „Fachkräfte Übergänger im IFD“ auf Landesebene beim KVJS-Integrationsamt

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Run auf Erziehungs- und Familienberatungsstellen
Eltern sehen sich im Erziehungsstress. Einschlägige Untersuchungen signalisieren hohe Raten von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Trennungen und Scheidungen nehmen zu und belasten Eltern und Kinder gleichermaßen. Die mehr als 100 Erziehungs- und Familienberatungsstellen im Land sehen sich vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Der KVJS unterstützt diese Institutionen durch fachliche Beratung und Begleitung.
„Nie war Erziehungsberatung so wertvoll wie heute“, konstatiert die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) für Erziehungsberatung in Baden-Württemberg. Denn immer mehr Eltern und Familien wenden sich an Psychologische Beratungsstellen: So ist laut amtlicher Statistik die Zahl der Beratungen von 36 719 im Jahr 2006 auf 38 211 im Jahr 2009 gestiegen. Immer komplizierter und komplexer werden auch die Anfragen und Problemkonstellationen. Da ist der 16 jährige, der den ganzen Tag im Internet „abhängt“ und für den Alkohol und Drogen zu ständigen Wegbegleitern geworden sind. Da ist die geschiedene, alleinerziehende Mutter, die mit ihrer pubertierenden Tochter überhaupt nicht mehr klar kommt. Oder die bis über beide Ohren im Schuldenberg steckenden Eltern, die vor lauter Streitereien ums Geld die Bedürfnisse ihres Nachwuchses nicht mehr sehen. „Von den Profis werden klare, eindeutige Antworten, Orientierungshilfen und Handlungsrichtlinien erwartet“, weiß Liliane Wildner vom KVJS-Landesjugendamt. „Wir bieten deshalb sowohl eine breite Palette an Qualifizierungsmaßnahmen für die Fachkräfte in den Beratungsstellen an als auch überregionale Fortbildungsveranstaltungen, die den kollegialen Austausch und die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen fördern und Impulse insbesondere für Leitungsaufgaben geben sollen“. Mit enthalten im Servicepaket des KVJS sind die Entwicklung von Arbeitshilfen, Projektberatung und Projektbegleitung sowie die Bearbeitung von Einzelfragen, etwa zu Rahmenbedingungen oder Finanzierungsfragen. Arbeit mit Migrationsfamilien: Interkulturelle Kompetenzen stärken In Baden-Württemberg liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung bei knapp 25 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch wird die Erziehungsberatung von Migrationsfamilien immer noch zu selten genutzt, wie bei der letzten KVJS-Jahrestagung für Leiterinnen und Leiter kommunaler Psychologischer Beratungsstellen deutlich wurde. Förderung der interkulturellen Kompetenz tut hier dringend Not, denn „die Fachkräfte in den Beratungsstellen fühlen sich oft genug durch die Migrationsklientel verunsichert, die lang erprobte Rollendefinition kann ins Wanken geraten, vorhandene Werte und Normen verlieren ihre Selbstverständlichkeit“, hob Paul Friese, DiplomPsychologe und Leiter der Beratungsstelle des Internationalen Familienzentrums in Frankfurt/Main in seinem Vortrag hervor. Entscheidend für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sei deshalb nicht nur, sich mit eigenen Vorurteilen und Stereotypen auseinanderzusetzen und Offenheit, Neugier und Respekt vor dem anderen zu zeigen sondern vor allem auch Kenntnisse über den soziokulturellen Hintergrund

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der Migrationsfamilien zu erlangen. Dies könne durch eigene Erfahrung und Anschauung, mittels Fort- und Weiterbildung und durch Vernetzung im interkulturellen Kontext geschehen. Dabei habe sich gezeigt, so Friese, „dass die Einbeziehung und effiziente Beratung von Ratsuchenden mit Migrationshintergrund

da am besten gelingt, wo die interkulturelle Ausrichtung als Querschnittsaufgabe eines ganzen Teams betrachtet wird und zugleich in der Konzeption des Trägers und der Beratungsstelle Berücksichtigung findet“. add

Info
Die nächste Jahrestagung für Leitungskräfte öffentlicher und freier Beratungsstellen findet vom 12.07. bis 13.07.2011 im KVJS-Tagungszentrum Gültstein statt. Anmeldung online unter www.kvjs-fortbildung.de Ihre Ansprechpartnerin: Liliane Wildner Telefon 0711 6375-439 Liliane.Wildner@kvjs.de 10 KVJS-Orientierungshilfe: Erziehungs- und Familienberatung in Baden-Württemberg Bewährtes bewahren – Neues entwickeln Die Publikation ist kostenlos zu beziehen bei Ulrike Cserny Telefon 0711 6375-469 Ulrike.Cserny@kvjs.de

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Der KVJS fördert den Kinderschutz in Kindertageseinrichtungen
Viele der 2,1 Millionen Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg besuchen täglich Kindertageseinrichtungen. Die über 8.100 Krippen, Kindergärten oder Horte tragen zweifach zu ihrem Schutz bei. Sie achten in ihren eigenen vier Wänden darauf, dass die Jungen und Mädchen keinen Schaden nehmen. Und sie halten die Augen offen, ob die jungen Menschen anderswo Gewalt oder Vernachlässigung erfahren. Der KVJS unterstützt sie tatkräftig bei dieser gesetzlichen Aufgabe.
Schon die Betriebserlaubnis für Kindertageseinrichtungen wird vom KVJS-Landesjugendamt mit Blick aufs Kindeswohl vergeben. Diese behördliche Genehmigung benötigen alle Einrichtungen, die junge Menschen zwischen einem und 17 Jahren tagsüber betreuen wollen. So müssen etwa die Konzeption und die Räume den betreuten jungen Menschen gerecht werden. Vor allem prüft der KVJS, ob genügend qualifizierte Fachkräfte da sind. Das KVJS-Landesjugendamt besteht auf fachlichen und personellen Mindestvoraussetzungen – denn es muss im Rahmen des Schutzauftrags gewährleistet sein, dass die untergebrachten Kinder und Jugendlichen angemessen betreut werden. „Mangelhaft ausgebildete Erzieherinnen wären zum Beispiel schnell überfordert. Zu enge Räumlichkeiten könnten zu Aggressionen unter Kindern führen“, erklärt Marion Steck vom KVJS-Landesjugendamt. Rund 2 000 Betriebserlaubnisse erteilen die Fachleute des KVJS-Landesjugendamtes durchschnittlich jedes Jahr. Etwa neun Zehntel entfallen auf genehmigungspflichtige Veränderungen in bestehenden Einrichtungen. Aufsicht und Beratung Zu den Aufgaben des KVJS-Landesjugendamts gehört auch die Aufsicht und Beratung aller 8 153 Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg. Im Rahmen dieser Aufsicht geht der KVJS Meldungen über mögliche Missachtungen des Kindeswohls nach. In den meisten Fällen können die Vorwürfe vor Ort geklärt werden. Wenn das Telefon beim KVJS-Landesjugendamt klingelt, sind fast immer Eltern am anderen Ende der Leitung. „Die Fälle reichen von Mängeln in der pädagogischen Konzeption über die Qualität des Essens bis hin zu mangelnder Zusammenarbeit mit Eltern oder Konflikten im Erzieherteam“, sagt Marion Steck. Zuweilen sehen Väter und Mütter die Aufsichtspflicht verletzt oder beklagen einen „nicht kindgerechten Erziehungsstil“. Kinder würden etwa angeschrien, dürften nur zu bestimmten Zeiten auf die Toilette oder würden psychisch und körperlich misshandelt. Die Mitarbeiter des KVJS gehen allen Hinweisen nach. Sie hören die Beteiligten, beraten die Einrichtungen nach dem Grundsatz „aus Fehlern lernen“, moderieren Runde Tische oder bieten Inhouse-Seminare für die Kita. Zeigt sich der Träger einer Einrichtung „beratungsresistent“, kann der KVJS Auflagen und Weisungen erteilen oder ungeeignetem Betreuungspersonal die Tätigkeit untersagen. Greifen all diese Maßnahmen nicht, prüft der KVJS die Rücknahme der Betriebserlaubnis und die Schließung der Einrichtung. Denn: „Der Schutz der untergebrachten Kinder und Jugendlichen hat Vorrang vor allen anderen Interessen der Beteiligten“, sagt Marion Steck.

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Gesetze umsetzen helfen Der KVJS hilft auch, die neuen Gesetze zum Kinderschutz umzusetzen. Zum Beispiel legt der seit 2005 gültige Paragraf 8a Achtes Sozialgesetzbuch (SGB VIII) die Regeln fest, nach denen Behörden und Einrichtungen beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung vorgehen sollen. Wie Kita-Träger und Kreisjugendamt konkret zusammenarbeiten, sollen sie in einer Vereinbarung festhalten. „Das KVJS-Landesjugendamt fragt im BetriebserlaubnisVerfahren ab, ob die Vereinbarungen unterschrieben worden sind“, sagt Claudia Stephan-Krumbholz vom KVJS-Landesjugendamt. Nach den Erfahrungen des KVJS einigen sich Träger und Jugendamt in der Vereinbarung zum Beispiel auf feste Ansprechpartner für Kita-Kräfte. Oder sie legen Fallkonstellationen fest, bei denen ein Elterngespräch oder eine Meldung beim Jugendamt zwingend werden. „Dadurch wird in Baden-Württemberg ein guter Qualitätsstandard etabliert “, stellt Claudia Stephan-Krumbholz fest. Betreuungsvertrag mit den Eltern Der Schutzauftrag der Kita soll nach dem Willen des Gesetzgebers auch deutlich gegenüber den Erziehungsberechtigen signalisiert werden. In welcher Form dieses Signal an die Eltern gehen soll, hat der Kinderschutzparagraf offen gelassen. Das KVJS-Landesjugendamt empfiehlt Rat suchenden Kita-Trägern, auf den Schutzauftrag der Kindertageseinrichtung schon im Betreuungsvertrag mit den Eltern hinzuweisen. Eltern sollten wissen, dass Erzieherinnen eingreifen müssen. Führungszeugnisse des Personals Die Träger der Kindestageseinrichtungen haben mit den Jugendämtern vereinbart, sich von den Beschäftigten polizeiliche

Führungszeugnisse vorlegen zu lassen. Im Rahmen seiner Beratung empfiehlt das KVJS-Landesjugendamt den Einrichtungen, von allen Mitarbeitern ein erweitertes Führungszeugnis zu verlangen. „Bei kommunalen und kirchlichen Trägern ist das oft schon Standard“, weiß Claudia Stephan-Krumbholz. Das erweiterte Führungszeugnis ist für die Träger aussagekräftiger als ein einfaches polizeiliches Führungszeugnis. Ein einfaches Führungszeugnis müssen Erzieher und Erzieherinnen, Küchenhilfen und sogar Ein-Euro-Jobber in Kindertagesstätten schon seit 2005 vorlegen. Wegen Sexualdelikten Vorbestrafte sollen bei Bewerbungen keine Chance haben. Seit Mai 2010 können Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit das erweiterte Führungszeugnis verlangen. Dort sind auch Erstverurteilungen enthalten, die das Strafmaß 90 Tagessätze oder drei Monate Freiheitsstrafe unterschreiten. Und das Schriftstück gibt zusätzlich Auskunft, ob ein Mann oder eine Frau Straftaten wie die Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht oder die Verbreitung pornografischer Schriften begangen hat. Qualifizierungsoffensive Der großen Nachfrage nach Fortbildungen zum Kinderschutz kam der KVJS in den Jahren 2008 bis 2010 im Rahmen des Aktionsprogramms „Impulse für den Kinderschutz in Baden-Württemberg“ nach. „Auch in den nächsten Jahren wird die Schulung von Erzieherinnen und Erziehern ein wichtiger Teil der KVJS-Fortbildung sein“, sagt Marion Steck. Allein von 2008 bis 2010 schulte der Verband an 53 Fortbildungstagen 570 Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen. Die Seminare griffen etwa die Bestimmungen des Paragrafen 8a SGB VIII über

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den Schutzauftrag der Jugendhilfe auf. Die Teilnehmenden befassten sich mit der Frage, wie eine Gefährdung zu erkennen ist, übten mit Fallbeispielen Lösungsstrategien und überlegten, wie Fachleute zum Schutz von Kindern zusammenarbeiten können. Multiplikatoren-Schulungen schließlich machten Fachleute fit, vor Ort Planungs- und Koordinationsaufgaben zu übernehmen. Das Konzept der Schulungen wurde vom KVJS-Landesjugendamt mit den Jugendämtern der Stadt- und Landkreise entwickelt. „Die Prävention ist durch die Fortbildungen und die Vereinbarungen der Träger mit den Jugendämtern ein großes Stück vorangekommen“, sagt Jugendhilfe-Fachfrau Steck. Neue Einschätzskala hilft Der KVJS trägt auch mit innovativen Projekten zum Kinderschutz bei. Seit dem Jahr 2009 befindet sich in 46 Einrichtun-

gen eine „Einschätzskala“ in der Erprobung. Die „KiWo-Skala“ hilft Fachkräften in Kindertagesstätten, Anzeichen von Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung besser zu erkennen. Entwickelt wurde sie vom KVJS und der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen aus Kandern im Kreis Lörrach. Das neue Einschätzungsverfahren geht auf alle relevanten Bereiche möglicher Vernachlässigungsindikatoren ein. Einfach zu handhaben und leicht auszufüllen ist der Bogen ein guter Kompromiss zwischen notwendiger Überblicksinformation und detaillierter Sachverhaltserfassung. Die Skala ermöglicht nicht nur die Bewertung des Gefährdungsrisikos, sondern es können auch Schutz- und Risikofaktoren aufgeführt werden, die sich in die Entscheidung über weitere Hilfen einbeziehen lassen. syr

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Information
Arbeitshilfen zum Kinderschutz in Kindertageseinrichtungen finden Sie im Internet unter http://www.kvjs.de/830.0.html

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Gut gerüstet für die Krippe
Immer mehr Kindergärten öffnen ihre Gruppen schon für die Allerkleinsten: In Baden-Württemberg werden derzeit bereits rund 44 000 Kinder unter drei Jahren in über 8.000 Kindertageseinrichtungen betreut. Mit Fortbildung und fachlicher Beratung unterstützt der KVJS die pädagogischen Fachkräfte dabei, die neuen Herausforderungen zu bewältigen.
Die Art und Weise, wie Erziehungsprozesse gestaltet werden, bestimmt die Qualität der Arbeit in Kindertageseinrichtungen. „Mit der Bildung und Betreuung von unter Dreijährigen betreten viele Erzieherinnen jedoch Neuland, da in der Ausbildung die Kinder dieser Altersgruppe nicht ausreichend berücksichtigt wurden“, moniert Rita Brückner vom KVJS-Landesjugendamt. Der KVJS biete deshalb eine breite Palette an Qualifizierungsmaßnahmen für die pädagogischen Fachkräfte an, die sich mit den verschiedenen Aspekten der Betreuung, Bildung und Erziehung im Kleinkindalter auseinandersetzen. Grundsätzlich entscheidend für eine erfolgreiche Betreuung der Jüngsten ist die Haltung der Erzieherinnen, wie Annett Rücker, Leiterin einer Stuttgarter Kindertagesstätte bei einer Fortbildungsveranstaltung des KVJS deutlich machte. „Eine innere Präsenz und Aufmerksamkeit gegenüber den kleinen Kindern ist ebenso unverzichtbar wie die Bereitschaft zu emotionaler und stärker körperbezogener Arbeit“. Zudem erhöhe sich die Notwendigkeit von Arbeitsteilung und Ressourcenorientierung in der Ausgestaltung des pädagogischen Alltags. Neben persönlichen Qualifikationen ist eine durchdachte Konzeption erforderlich, die Bedürfnisse der Kinder nach Geborgenheit, Sicherheit, Bildung und Anerkennung berücksichtigt. Denn oft wird vergessen, dass jüngere Kinder andere Bedürfnisse haben als Kinder über drei Jahren. „Sie benötigen mehr Platz, mehr Struktur, andere Materialien und Spielsachen, aber vor allem auch eine intensivere Betreuung, um sich gut entwickeln und bilden zu können“, so die Referentin. Wichtige Bestandteile eines solchen Konzeptes seien eine gelungene Eingewöhnung der Kinder, enge Absprachen der pädagogischen Fachkräfte mit den Eltern, kindgerechte Räume, größtmögliche Beziehungskontinuität der Kinder untereinander und zu den Erziehungskräften sowie altersgemäße Beschäftigungsangebote. add

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KVJS-Publikationen zum Download unter http://www.kvjs.de/1128.0.html • Tipps und Empfehlungen zur räumlichen Ausstattung von Kleinkindeinrichtungen • Anhang zu „Tipps und Empfehlungen zur räumlichen Ausstattung von Kleinkindeinrichtungen“: Raumbedarf für 1-gruppige Kleinkindbetreuung • Ratgeber: Kinderkrippen und Betreute Spielgruppen

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Neu: Leistungsbezogene Förderung für Betreuungsvereine
Seit Beginn des Jahres gelten neue Förderrichtlinien für Betreuungsvereine. Mit der leistungsbezogenen Förderung sollen für die Betreuungsvereine in Baden-Württemberg neue Anreize zur Gewinnung Ehrenamtlicher geschaffen werden. Damit wird nun eine alte Forderung des KVJS als überörtliche Betreuungsbehörde in die Praxis umgesetzt.
Betreuungsvereine, die besonders aktiv bei der Gewinnung ehrenamtlicher Betreuer sind, können sich freuen: Die neuen Förderrichtlinien des badenwürttembergischen Sozialministeriums bescheren ihnen bis zu 8 000 Euro mehr Förderung pro Jahr. Neben der Grundförderung von 7 500 Euro gibt es jetzt Prämien für neugewonnene Ehrenamtliche, falls diese nicht Familienangehörige sind, außerdem können Begleitungsprämien gezahlt werden. Für die Grundförderung muss ein Betreuungsverein mindestens 55 Betreuungen vorweisen, davon 30 – früher 27 – ehrenamtliche. Die neue Begleitungsprämie beträgt 100 Euro in Jahr. Der Betreuungsverein bekommt sie für jede ehrenamtliche Betreuung, die er zusätzlich begleitet, nämlich vom 31. bis zum 80. ehrenamtlich übernommenen Betreuungsfall. Das macht maximal 5 000 Euro. Für die Gewinnung von bis zu zwölf neuen ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer winken Prämien von 800 Euro pro neuen Betreuer, sofern er oder sie nicht aus der Familie des betreuten Menschen stammt. Insgesamt also bis zu 9 600 Euro jährlich. 0,5 Millionen Euro zusätzlich vom Land Weitere Prämien können die Betreuungsvereine schließlich für Informationsveranstaltungen zum Thema Vorsorgevollmacht erhalten. Hierfür gibt es für bis zu fünf Veranstaltungen jeweils 500 Euro. Summa summarum kann ein besonders engagierter Betreuungsverein also ab 2011 mit maximal 24 600 Euro pro Jahr rechnen. Das Land Baden-Württemberg stellt hierfür rund eine halbe Million Euro zusätzlich zur Verfügung. „Für die leistungsbezogene Förderung haben wir gemeinsam mit dem Sozialministerium und der Landesarbeitsgemeinschaft für Betreuungsangelegenheiten lange gekämpft“, erklärt Carola Dannecker von der überörtlichen Betreuungsbehörde beim KVJS. „Der Bericht des Landesrechnungshofs hat uns dabei erheblich den Rücken gestärkt.“ Der Landesrechnungshof Baden-Württemberg hatte 2009 bemängelt, das seit der Einführung der rechtlichen Betreuung 1992 bis 2008 die Betreuungskosten geradezu explodiert sind. Sie stiegen um 132 Prozent von 0,3 Millionen Euro auf 44 Millionen. Der Rechungshof forderte unter anderem den Ausbau der ehrenamtlichen Betreuung. Ferner sollten schwierige Neufälle von Berufsbetreuern soweit bearbeitet werden, dass sie nach einem Jahr an einen ehrenamtlichen Betreuer abgegeben werden können. mok

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Hintergrund-Information zur rechtlichen Betreuung
Der KVJS als überörtliche Betreuungsbehörde unterstützt die 70 Betreuungsvereine im Land durch finanzielle Zuschüsse und Fortbildungen. Das Land Baden-Württemberg stellt hierfür jährlich knapp 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Derzeit haben etwa 107 000 Personen einen rechtlichen Betreuer. Dabei erfolgen etwa 70 Prozent der Betreuungen ehrenamtlich.

KVJS-Landesjugendamt beim Kinder- und Jugendhilfetag
Vom 7. bis 9. Juni 2011 findet auf dem Messegelände Stuttgart der 14. Kinderund Jugendhilfetag statt. Es ist die europaweit größte Veranstaltung dieser Art. Unter dem Motto „Kinder. Jugend. Zukunft: Perspektiven entwickeln – Potenziale fördern!“ sind über 200 Fachveranstaltungen geplant. Mehr als 300 Aussteller wollen über ihre Angebote informieren. Das KVJS-Landesjugendamt ist auf der Landesfläche Baden-Württemberg in Halle 1, Stand 740, zu finden. Das KVJS-Landesjugendamt zeichnet auch für Fachveranstaltungen verantwortlich. So sollen beispielweise auf einem großen Fachforum die aktuellen Entwicklungen des „Infans-Konzepts zur frühkindlichen Bildung in der Kindertagesstätte“ diskutiert werden. Ebenfalls mit dem Bereich vorschulischer Bildung befasst sich das Fachforum „Lernprozesse von Kleinkindern anregen“, das das KVJSLandesjugendamt gemeinsam mit dem Jugendamt Emmendingen veranstaltet. Die UN-Konvention zur Inklusion von Menschen mit Behinderung steht im Mittelpunkt eines KVJS-Workshops zur Umsetzung der Konvention im Vorschulbereich. Mit der Inklusions-Thematik aus Sicht der Jugendhilfe wird sich zudem ein zweistündiges Fachforum der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und verschiedener Kooperationspartner befassen. Die Referenten geben Antworten auf die Frage: „Inklusionsperspektiven in der Zivilgesellschaft – Eine Herausforderung für die Jugendhilfe?“ Alle Informationen zum Gesamtangebot des Kinder- und Jugendhilfetages sind unter www.djht.de zu finden. mok

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Jugendberufshilfe: Erfolgreich mit Unternehmen kooperieren
Seit Anfang 2009 geben landesweit 85 Projekte des Verbunds „Jugend mit Chancen“ sozial benachteiligten jungen Menschen neue Perspektiven. Der KVJS unterstützt die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Projekte auch nach Ablauf ihrer zweijährigen Förderphase weiterhin durch fachliche Beratung und Begleitung.
Einen breiten Raum im KVJS-Leistungspaket nehmen Fortbildungsangebote für die Fachkräfte ein. So stand vor kurzem ein Workshop auf dem Programm, der die Akquisition von Praktika, Arbeits- und Ausbildungsstellen im Blick hatte. Projekte, die schwierige junge Menschen vermitteln wollen, sind auf eine gute Zusammenarbeit mit Betrieben und Unternehmen angewiesen. Aber „Jugendhilfe und Wirtschaft sind einander oftmals immer noch fremd und es mangelt an Berührungspunkten“ bringt Andreas Pchalek vom KVJS-Landesjugendamt das Problem auf den Punkt. Damit eine Zusammenarbeit gelingt und für beide Seiten einen Gewinn bringt, sind gegenseitiger Respekt und Vertrauen in die jeweilige Fachkompetenz sowie die Wertschätzung des Gegenübers „unverzichtbare Grundlage für eine Kooperation auf gleicher Augenhöhe“, wie Wolfram Keppler von der Agentur für Soziales Lernen „mehr wert“ in Stuttgart deutlich machte. Neben der Vereinbarung von Zielen und gewünschten Ergebnissen, der klaren Definition von Ablauf und Zuständigkeit sind feste Ansprechpartner und verlässliche Strukturen, die Verbindlichkeit schaffen, wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Denn Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen, die maximal einen Hauptschulabschluss haben, gestaltet sich in der Praxis als schwierig. „Bei Gesprächen mit Personalverantwortlichen von Unternehmen sollte man sich daher für ein Spiel mit offenen Karten entscheiden und im Gegenzug alles dafür tun, um die Motivationslage der Jugendlichen zu klären und sie dann möglichst gut auf die Situation im Unternehmen vorbereiten“, gab Keppler den Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Fortbildung als Ratschlag mit auf den Weg. Unternehmen sind dann bereit, benachteiligte Jugendliche einzustellen, wenn sie sich sicher sind, dass sie von den Jugendhilfeträgern umfassende Unterstützung bekommen. Sie müssen sich darauf verlassen können, so der Referent, eine Betreuungsperson an ihrer Seite zu haben, wenn es Probleme mit der Ausbildung oder dem Praktikum gibt – „und sie verlassen sich darauf, dass die jungen Menschen gut vorbereitet ins Unternehmen kommen und über die Zeit der Mitarbeit auch gut betreut werden“. Hintergrund: Über 100 Projekte begleitet Der Europäische Sozialfonds (ESF) will in Baden-Württemberg die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, Schulabbrüche vermeiden und die beruflichen Integrationschancen sozial benachteiligter junger Menschen nachhaltig verbessern. Dazu werden örtliche Projekte in freier oder kommunaler Trägerschaft gefördert. In den vergangenen Jahren konnten die Verbünde „Startklar!“ und „Jugend mit Chancen“ insgesamt über 100 Projekte aufnehmen, wobei der KVJS den Projekten einen

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zentralen Service bot: Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Fachkräfte und Ehrenamtliche, Organisation

des Erfahrungsaustausches sowie die Evaluierung der Projekte im Verbund. add

KVJS-Fortbildung im Internet: Attraktiv für die Kunden
Das Online-Angebot der KVJS-Fortbildung erfreut sich wachsender Beliebtheit – zumindest bei den Anmeldungen. Aber sind die Kunden und Kundinnen wirklich zufrieden? Das wollte der KVJS von den Nutzern in einer Umfrage wissen. 79 Personen beteiligten sich. Mit einem schmeichelhaften Ergebnis.
Von Anfang Oktober bis Ende Dezember hatten Fortbildungskundinnen und – kunden des KVJS unter www.kvjs.de/ fortbildung.html die Gelegenheit, ihren Unmut oder ihre Zufriedenheit kundzutun. Erfreulicherweise blieb es bei letzterem. Außerdem konnte das KVJS-Fortbildungsteam von einigen nützlichen Tipps der Teilnehmer für die Weiterentwicklung des Online-Auftritts profitieren. So gaben etwa 40 Prozent an, nicht zu wissen, dass man sich bei einem ausgebuchten Kurs in eine Warteliste eintragen kann. Die Wartelisten-Funktion wird deshalb überarbeitet um sie mehr hervorzuheben. Viele der Umfrageteilnehmer lobten die übersichtliche Struktur. Der im Fragebogen zur Wahl gestellten Aussage „Die Online-Anmeldung ist kompliziert und schwer verständlich, ich melde mich lieber schriftlich an“, mochte sich hingegen niemand anschließen. Nur eine Person musste sich bei der Anmeldung von der Hotline helfen lassen. Positiv wurde vermerkt, „dass die Beschreibungen der Fortbildungen sehr ausführlich sind und auch als PDF-Dokument ausgedruckt werden können“. Auch das Preis-Leistungsverhältnis der KVJS-Fortbildungsangebote überzeugte: „Es sind wirklich gute Fortbildungen, die auch finanzierbar sind.“ Die Online-Anmeldungen steigen kontinuierlich. Lagen sie zwischen Januar und September 2009 bei 23 Prozent der Gesamtanmeldungen, waren es im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres bereits 37 Prozent. Die Klickzahlen des KVJS-Fortbildungsauftritts zeigen ferner, dass er auch fleißig zur Information und Recherche genutzt wird. Als kleines Dankeschön hat der KVJS unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Umfrage drei jeweils eintägige Fortbildungen verlost. Die glücklichen Gewinner können eine Fachveranstaltung eigener Wahl kostenlos besuchen. mok

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Kündigungsschutz rund um die Elternzeit
Mütter und Väter, die berechtigt sind, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Seit 1. April nimmt der KVJS ihren Kündigungsschutz nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) wahr.
Grundlage ist eine Verordnung der Landesregierung. Jeder Arbeitgeber in Baden-Württemberg, der Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern während der Elternzeit kündigen will, muss die Zulässigkeit der Kündigung durch den KVJS klären lassen. Nur in Ausnahmefällen ist eine Kündigung zulässig. Solche Ausnahmen sind etwa Betriebsschließungen, Teilschließungen oder eine vorsätzliche Pflichtverletzung des Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber wie etwa eine tätliche Bedrohung. Der KVJS ermittelt und prüft den Sachverhalt und hört den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin an. Dann entscheidet der KVJS über den Antrag des Arbeitgebers. Wenn ein besonderer Kündigungsgrund vorliegt, erteilt der KVJS dem Arbeitgeber die so genannte Zulässigkeitserklärung. Bis 31. März 2011 waren die Regierungspräsidien in Baden-Württemberg für die Bearbeitung der Anträge zuständig. Der besondere Kündigungsschutz nach dem BEEG beginnt mit Anmeldung der Elternzeit – frühestens jedoch acht Wochen vor deren Beginn – und endet mit Ablauf der Elternzeit. In diesem Zeitraum darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis einer Mutter oder eines Vaters nicht kündigen. Diesen Kündigungsschutz haben auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die während der Elternzeit bei ihrem Arbeitgeber zulässige Teilzeitarbeit leisten. Er gilt auch für diejenigen, die ihre bisherige Teilzeitarbeit unverändert fortführen, weil sie keine Elternzeit in Anspruch nehmen, aber elterngeldberechtigt sind. syr

Information
19 Anträge auf eine Zulässigkeitserklärung sind zu stellen beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Dezernat Integration Referat 31 Erzbergerstraße 119 76133 Karlsruhe Ihr Ansprechpartner für Fragen: Michael Gut Telefon 0721 8107-990 Michael.Gut@kvjs.de

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Den Opfern von Gewaltverbrechen eine neue Perspektive geben
Jährlich werden durchschnittlich rund fünftausend Menschen in Baden-Württemberg wegen Gewaltdelikten verurteilt. Die Leidtragenden dieser Gewaltdelikte sind die Opfer, die mit den Folgen leben müssen. Auch Kinder sind betroffen und werden immer wieder zu tragischen Opfern häuslicher Gewalt. Mit dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) soll den Opfern geholfen werden.
Immer wieder ist die Öffentlichkeit schockiert von Fällen, bei denen Kinder zu Opfern werden – ob es sich nun um sexuellen Missbrauch, Gewalt oder Verwahrlosung handelt. Die Berichterstattung der Presse in den vergangenen Jahren machte auf erschreckende Art und Weise deutlich, dass Kinder oft schutz- und wehrlos ihren Peinigern ausgeliefert sind. „Das Opferentschädigungsgesetz möchte auch Kindern helfen, die bereits in jungen Jahren mit einem schweren Schicksal zu kämpfen haben“, erklärt Referatsleiter Ewald Schindler bei der KVJS-Hauptfürsorgestelle. Ein solches Beispiel ist Jasmin R., die im Alter von sechs Jahren zum Opfer häuslicher Gewalt wurde. Bei einer Routineuntersuchung fiel dem Kinderarzt auf, dass der Kopf des kleinen Mädchens unverhältnismäßig stark angeschwollen war. Weitere Untersuchungen im Krankenhaus ergaben massive Hirnblutungen, die infolge eines Schütteltraumas entstanden sein mussten. Das Mädchen konnte gerettet werden, doch ihr Gehirn war dauerhaft geschädigt, am Ende erblindete sie sogar auf beiden Augen. Das Jugendamt kann in solchen Fällen mit einer richterlichen Entscheidung die Kinder im Eilverfahren in die Obhut von Pflegeeltern nehmen lassen. Bei Jasmin R. wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen und die Unterbringung in einer Pflegefamilie veranlasst. Mit dem Anerkennungsbescheid des Versorgungsamtes als Gewaltopfer hat Jasmin R. nun auch Anspruch auf Leistungen des Opferentschädigungsrechts. So werden die gesamten Kosten der Unterbringung in der Familie von der KVJSHauptfürsorgestelle getragen, zudem erhält Jasmin eine Opferentschädigungsrente, die ihr einen guten Start ins Leben ermöglichen soll. In der Schule wird ihr dank des Opferentschädigungsrechts ein Assistent zur Seite gestellt, der sie in die Vorschule begleitet und ihr dort hilft, die Hürden des Schulalltages zu bewältigen. „Jasmin R. wird von der KVJS-Hauptfürsorgestelle in ihrer Entwicklung gefördert, damit sie ein möglichst selbstständiges Leben führen kann“, erläutert Ewald Schindler das Ziel der Hilfemaßnahmen. Die vom Versorgungsamt anerkannten Gewaltopfer haben Anspruch auf Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz. Hilfe erfahren die Gewaltopfer bei den Versorgungsämtern, die unter anderem für Krankenhaus- und medizinische Reha-Kosten aufkommen und darüber hinaus Beschädigtenrenten, einkommensabhängige Leistungen als Lohnersatz, Pflegezulagen, Hinterbliebenenrenten sowie Bestattungs- und Sterbegeld gewähren.

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„Die KVJS-Hauptfürsorgestelle übernimmt als überörtlicher Träger in den Fällen der Sonderfürsorge je nach Einkommen der Betroffenen den behinderungsgerechten Umbau der Wohnung, Erholungsaufenthalte und andere Hilfen“, erklärt Referatsleiter Schindler die Zuständigkeit des KVJS. Hilfen zur Umschulung Dazu zählen auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben wie das Beispiel von Frau R. (34 J.) zeigt, die ungewollt in eine Messerstecherei geriet und schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie überlebte, verlor jedoch ihre Milz, es bildeten sich wuchernde Narben – eine psychoreaktive Störung blieb nicht aus. Infolge dessen war sie nicht mehr in der Lage, ihren Beruf als Erzieherin auszuüben. Das Opferentschädigungsrecht ermöglichte ihr durch Hilfen zur beruflichen Umschulung eine neue Ausbildung zur

Rettungsassistentin. Sichtlich erfreut zeigt sich Ewald Schindler darüber, dass Frau R. wieder selbstbewusst auf eigenen Beinen steht und einen Weg gefunden hat, mit ihrer Behinderung zu leben. „Das Leben der Opfer von Gewaltverbrechen wird oft ganz plötzlich auf den Kopf gestellt – das Opferentschädigungsrecht möchte den Opfern auch dabei helfen, ihrem Leben eine neue Perspektive zu geben“, so Ewald Schindler. Insgesamt wandte der KVJS 2010 rund 700 000 Euro für Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz auf. Die Täter können für die Aufwendungen an deren Opfer finanziell haftbar gemacht werden, doch in der Praxis ist bei den verurteilen Gewalttätern meist wenig zu holen: Sei es dass sie mittellos sind, sei es, dass sie nach ihrer Haft von der Bildfläche verschwinden. jw

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Information
Interessante Links zum Thema „Gewaltopfer“ im Internet unter http://www.kvjs.de/94.0.html

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Publikationen – beim KVJS erschienen
Schwerbehinderung und Arbeit
Zeitschrift behinderte Menschen im Beruf, Ausgabe Baden-Württemberg, 1/2011 Das Heft bietet Einblicke in die Arbeit des Integrationsamtes. Behinderung und Ausweis. Anträge, Verfahren beim Landratsamt, Merkmale für Nachteilsausgleiche, GdB-Tabelle (Grad der Behinderung), überarbeiteter Nachdruck Feb. 2011 Die Broschüre zeigt, unter welchen Voraussetzungen Landratsämter einen Schwerbehindertenausweis ausstellen und wie Antragsteller/innen am Verfahren mitwirken können. 22 Kostenlos zu beziehen beim KVJS Gisela Lüttges Telefon 0721 8107-983 Gisela.Luettges@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www. kvjs.de/publikationen/behinderungund-arbeit.html ihren Ruhestand vorbereiten? Ein KVJSModellprojekt in Stuttgart entwickelte dazu ein Kurskonzept. Die Broschüre stellt das neue Curriculum vor und informiert über die Ergebnisse des Auswertungsberichts der wissenschaftlichen Begleitung. Das Curriculum wurde im Rahmen der KVJS-Projektreihe „Neue Bausteine in der Eingliederungshilfe“ entwickelt. Kostenlos zu beziehen beim KVJS Manuela Weissenberger Telefon 0711 6375-307 Manuela.Weissenberger@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www. kvjs.de/publikationen/behinderungund-pflege.html

Jugendhilfe
Orientierungshilfe zur Bedarfsplanung in der Kindertagesbetreuung. Ab 2009, 2. aktualisierte Auflage Februar 2011 Die 28 Seiten starke Broschüre stellt Fachleuten wichtige Informationen zur Bestandsaufnahme, Bedarfsermittlung und Planung von Betreuungsplätzen zur Verfügung. Orientierungshilfe für die Eröffnung einer Kindertageseinrichtung. Rechtsvorschriften und finanzielle Förderung, Stand: Dezember 2010, März 2011 Auf 17 Seiten gibt die Publikation einen Überblick über die gesetzliche Lage und die Möglichkeiten, Zuschüsse zu beantragen.

Behinderung und Pflege
Hilfe zur Pflege in vollstationären Einrichtungen, November 2010. Kennzahlen aus den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg: 2002 bis 2009. Wie gestalte ich meinen Ruhestand? Wie können sich ältere Beschäftigte von Werkstätten für behinderte Menschen auf

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Handreichung Familienfreundliche Kommune, Hrsg.: Statistisches Landesamt, KVJS, Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Familie Baden-Württemberg, Stuttgart 2010 Die Broschüre unterstützt Kommunen, Institutionen und Organisationen bei der Analyse der lokalen Familienfreundlichkeit, etwa in Verwaltung, Kultur, Freizeit oder bei Unterstützungsangeboten.

Kostenlos zu beziehen beim KVJS Diane Geiger Telefon 0711 6375-406 Diane.Geiger@kvjs.de im Internet als pdf-Datei unter www. kvjs.de/publikationen/jugendhilfe.html

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