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Full text: Junge Menschen in Wien / Hammer, Katharina

Stadtpunkte
Katharina Hammer (Herausgeberin)

JUNGE MENSCHEN IN WIEN
Beschäftigung – Wohnen – Leben in Wien

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GerechtiGkeit muss sein

Bernhard Hoser, Corinna Mayerl, Günther Ogris, Martina Zandonella (SORA)

JUNGE MENSCHEN IN WIEN
Beschäftigung – Wohnen – Leben in Wien

Der direkte Weg zu unseren Publikationen: E-Mail: stadt@akwien.at Bestelltelefon: +43-1-50165 3047 Impressum Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien 1041 Wien, Prinz-Eugen-Straße 20-22 Hersteller: Arbeiterkammer Wien Verlags- und Herstellungsort Wien © 2015 bei AK-Wien ISBN: 978-3-7063-0554-9 Bei Verwendung von Textteilen wird um Quellenangabe und Zusendung eines Belegexemplares an die AK Wien, Abteilung Kommunalpolitik, ersucht.

VORWORT
Die vorliegende Studie wurde von der kommunalpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer Wien in Auftrag gegeben um, die Lebenswelten junger Menschen in Wien zu beleuchten. Jugendliche und junge Erwachsene sind mit unterschiedlichen Herausforderungen und gesellschaftlichen Prozessen des Wandels konfrontiert. Um auf diese Veränderungen reagieren zu können und für die jungen WienerInnen geeignete und unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen, gilt es Prozesse des Wandels wie auch unterschiedliche sozioökonomische Voraussetzungen zu erfassen, um daraus wichtige Forderungen für die Kommunalpolitik in Wien abzuleiten. Diese Studie verfolgt außerdem das Ziel, der Homogenisierung des Jugendbegriffs unterschiedliche Lebensbedingungen entgegen zu halten. Wenn über junge Menschen gesprochen wird, zeigt sich häufig eine Tendenz zur Vereinheitlichung. Die Jungen werden oft als einheitliche Gruppe dargestellt und wahrgenommen. Allein das Alter bildet jedoch keine hinreichende Grundlage zur Erfassung der Lebensverhältnisse. Junge Menschen sind ein Spiegel der Gesellschaft, sie befinden sich wie alle anderen in spezifischen sozialen Lagen. Neben dem Alter sind sozioökonomische Hintergründe und Ressourcenausstattung, Ausbildung und Status der Eltern, Bildungswegentscheidungen, der Berufseinstieg, der Auszug aus dem elterlichen Haushalt oder die Geburt eines eigenen Kindes wichtige Einflussgrößen im Leben eines jungen Menschen. Die differenzierte Betrachtung unterschiedlicher junger Gruppen ist notwendig und geboten. Zunehmende gesellschaftliche Pluralisierung und wachsende soziale Ungleichheit prägen auch junge Lebenswelten. Ein Ziel dieser Studie ist es daher auch, ausgehend von Lebensbedingungen und prägenden Faktoren, zu einer Beschreibung der verschiedenen jungen BewohnerInnengruppen Wiens zu gelangen. Ein weiterer Fokus liegt darauf, kommunalpolitische Voraussetzungen wie leistbaren Wohnraum, kulturelle und soziale Einrichtungen und Förderstrukturen sowie benachteiligende Faktoren wie Geschlecht und Migrationshintergrund zu reflektieren, um im Sinne einer gerechten und sozial ausgewogenen Stadtentwicklung treffsichere Maßnahmen und Strategien zu entwickeln. Katharina Hammer Wien, April 2015

Daten zur Untersuchung

Thema:

Sekundärdatenanalyse der Lebenssituation junger Menschen in Wien

Auftraggeberin:

Kammer für ArbeiterInnen und Angestellte Wien, Kommunalpolitik

Beauftragtes Institut:

SORA Institute for Social Research and Consulting, Wien

Wissenschaftliche Leitung: AutorInnen:

Mag. Bernhard Hoser Mag. Bernhard Hoser, Corinna Mayerl MA, Günther Ogris MA, Mag. Martina Zandonella
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Datengrundlagen:

Stadt Wien MA 18 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung 2003, 2008, 2013; Statistik Austria Mikrozensi 2007, 2012

Grundgesamtheit:

Wiener Bevölkerung zwischen 15 und 30 Jahren

INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung ............................................................................................................................................ 1 1. Methodische Vorgangsweise & zentrale Fragestellungen ...................................................... 1 1.1 1.2 1.2.1 1.2.2 1.2.3 2. 2.1 2.2 2.2.1 2.3 2.4 3. 3.1 3.2 3.2.1 3.3 3.4 3.5 4. 4.1 4.2 4.3 5. 5.1 5.2 Datengrundlagen & Beschreibung der Stichproben ................................................................... 1 Junge Menschen in Wien ........................................................................................................... 4 Die Jungen in Zahlen: Soziodemografie nach SOWI 2013 ................................................... 4 Wie kann man die Lebensqualität der jungen Menschen in Wien steigern? ....................... 12 Hebel für die Steigerung der Zufriedenheit .......................................................................... 16

Arbeit & Ausbildung .................................................................................................................. 18 Einführung: Der Wechsel von der Ausbildung ins Berufsleben ............................................... 18 Allgemeine Kennzahlen zu Berufstätigkeit & Ausbildung ........................................................ 20 Faktoren der Zufriedenheit mit Arbeit und Ausbildung ........................................................ 23 Prekäre Beschäftigung & Mehrfachbelastung .......................................................................... 25 Resümee: Arbeit & Ausbildung nach Gruppen ........................................................................ 31 Wohnen ...................................................................................................................................... 33 Einführung: Der Auszug aus dem Elternhaus .......................................................................... 33 Allgemeine Kennzahlen zur Wohnsituation ............................................................................. 34 Faktoren der Wohnzufriedenheit .......................................................................................... 38 Prekäre Wohnsituationen ......................................................................................................... 40 Der geplante Wohnungswechsel ............................................................................................. 48 Resümee: Wohnen nach Gruppen ........................................................................................... 51 Leben in Wien: Wohnumgebung, Freizeit, Mobilität .............................................................. 52 Faktoren der Zufriedenheit mit Wien ........................................................................................ 52 Freizeit und Mobilität ................................................................................................................ 55 Resümee: Leben in Wien ......................................................................................................... 61 Zentrale Ergebnisse & benachteiligte Gruppen ..................................................................... 63 Zusammenfassende Ergebnisse .............................................................................................. 63 Benachteiligte Gruppen junger WienerInnen ........................................................................... 68

Literaturverzeichnis ......................................................................................................................... 70 Tabellenverzeichnis ......................................................................................................................... 71 Abbildungsverzeichnis .................................................................................................................... 73 Anhang .............................................................................................................................................. 75 Stadtpunkte ....................................................................................................................................... 78

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EINLEITUNG
Die Lebenssituation junger Menschen ist zahlreichen Umbrüchen unterworfen. Kaum eine Zeit im Leben ist so von Veränderung geprägt wie die im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Biografische Ereignisse wie der Wechsel vom Ausbildungs- ins Berufsleben oder die Gründung eines eigenen Haushalts stellen starke Umbrüche mit weitreichenden Folgen im Leben junger Menschen dar. Dabei ist es besonders wichtig, die Heterogenität und die vielseitigen Lebenslagen junger Menschen zu berücksichtigen. Die hier vorliegende Studie stellt die Lebenssituation von WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren entlang dieser Umbrüche sowie im Zeitverlauf dar. Um die Situation der jungen WienerInnen möglichst breit zu erfassen, wurden die drei großen Bereiche „Wohnen“, „Ausbildung und Arbeit“ und „Leben in Wien“ untersucht. Über die Deskription hinaus wurde analysiert, welche Einflüsse ausschlaggebend für die Zufriedenheit in diesen drei Blöcken sowie für die allgemeine Zufriedenheit junger Menschen in Wien sind. Als Datengrundlage für die Studie wurden die Sozialwissenschaftliche Grundlagenstudien der Stadt Wien für die Jahre 2003, 2008 und 2013 sowie in einzelnen Fällen die Mikrozensi von 2007 und 2012 herangezogen. Kapitel 1 legt zunächst die methodische Vorgehensweise und die Besonderheiten der Stichprobe dar. Darüber hinaus werden die jungen Menschen in Wien in diesem Abschnitt entlang soziodemografischer Merkmale beschrieben. Anhand dieser soziodemografischen Merkmale werden Gruppen gebildet, die im Anschluss für die weitere Sekundärdatenanalyse als Auswertungsgrundlage dienen. Anschließend wird in dem Kapitel kurz auf die Zufriedenheit der jungen WienerInnen eingegangen und auf die Frage, wie man diese steigern bzw. erhalten kann. Analog zur Auswahl der drei Themenbereiche wird dabei sowohl auf die allgemeine Zufriedenheit als auch auf die Zufriedenheit mit der Tätigkeit, der Wohnsituation und dem Leben in Wien Bezug genommen. Der Hauptteil im Anschluss befasst sich mit den Ergebnissen der Sekundärdatenanalyse nach den ausgewählten Untergruppen: Kapitel 2 beschäftigt sich mit der allgemeinen Beschäftigungssituation junger WienerInnen sowie mit prekären Beschäftigungsverhältnissen. Dabei wird dargelegt, welche Gruppen junger WienerInnen davon betroffen sind. Analog dazu werden in Kapitel 3 die allgemeine Wohnsituation junger Menschen und prekäre Wohnverhältnisse untersucht, wiederum mit besonderem Fokus auf betroffene Gruppen. Kapitel 4 befasst sich mit der allgemeinen Lebenssituation in Wien entlang der Themen Infrastruktur in Wien, Situation in der Wohnumgebung und Mobilität.

1. METHODISCHE VORGANGSWEISE & ZENTRALE FRAGESTELLUNGEN
1.1 Datengrundlagen & Beschreibung der Stichproben

Um die Situation von jungen Menschen in Wien zu untersuchen, wurden Sekundärdatenanalysen auf Basis der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudien für Wien durchgeführt. Diese Datenbestände wurden mit einem spezifischen Fokus auf junge WienerInnen neu aufbereitet und ausgewertet.

1 ARBEITERKAMMER WIEN

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Die Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudien für Wien erfassen die Zufriedenheit der WienerInnen mit ihrer Lebensqualität und wurden in den Jahren 1995, 2003, 2008 und 2013 durchgeführt. Für jede der vier Erhebungen wurden etwa 1.300 bis 2.000 WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren befragt. Für die vorliegenden Auswertungen wurde allerdings nur auf die Datensätze von 2003, 2008 und 2013 zurückgegriffen. In Tabelle 1 werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Befragungen zusammengefasst. Diese sind insbesondere deshalb wichtig, weil die Datensätze aus methodischer Sicht nur mit Vorsicht direkte Vergleiche zulassen. Nach genauer Auswertung der Daten für das Jahr 1995 wurde entschieden, diesen Datensatz aus der Analyse auszuschließen, da die allgemeine Vergleichbarkeit der Daten mit den übrigen Erhebungswellen nicht gegeben ist. Die Änderung der Erhebungsmethode von Face-to-face-Interviews zu einer Telefonumfrage beeinflusste sowohl das Antwortverhalten der Befragten als auch die Zusammensetzung der gesamten Stichprobe, da mit jeder Erhebungsmethode potenziell Personen mit bestimmten Merkmalen zu einem erhöhten Anteil erreicht werden können. Darüber hinaus wurden bei gewichtigen Fragen Wortlaut oder Kategorien verändert, sodass die Fragen mit anderen Wellen ebenfalls nicht vergleichbar sind. Entgegen des ursprünglichen Vorhabens, den Fokus in dieser Studie auf Zeitvergleiche zu legen, wurden letztendlich hauptsächlich Ergebnisse aus dem Datensatz von 2013 in den Bericht aufgenommen. Nach der Auswertung einer Vielzahl an Zeitvergleichen stellten sich diese als inhaltlich wenig ergiebig heraus; der Großteil der Variablen zeigte wenige Veränderungen über die Zeit. Zudem konnte zwischen 2003 und 2013 eine Reihe von Fragen nicht ohne Weiteres verglichen werden, da auch hier bei den Erhebungen einzelne Fragen umformuliert wurden und bei manchen Fragen der Zeitbezug geändert wurde. Aus diesen Gründen werden in diesem Bericht nicht systematisch Zeitvergleiche behandelt, sondern lediglich ausgewählte Ausschnitte, und zwar solche, die sowohl aus inhaltlichen Gründen ausgewählt wurden als auch methodisch durchführbar waren. Für das Jahr 2013 wurde entschieden, den Datensatz neu zu gewichten. Nach eingehender Voranalyse der Daten in Bezug auf junge Menschen wurden im Vergleich zu Daten der Statistik Austria (Mikrozensus 2012) kleinere bis mittelschwere Abweichungen in den Randverteilungen festgestellt. Diese betrafen die soziodemografischen Variablen Alter, Bildung sowie die Strukturvariable Rechtsform des Wohnverhältnisses. Diese Abweichungen wurden durch die Gewichtung weitgehend ausgeglichen, sodass die Ergebnisse aus der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie (SOWI) von 2013 repräsentativ für die Bevölkerung der jungen WienerInnen sind. Eine Besonderheit stellt die MigrantInnenstichprobe der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung in allen drei einbezogenen Wellen dar. Wie in Tabelle 1 unter dem Punkt „Art der Befragung“ aufgeführt, steht der Fragebogen in den letzten drei Wellen nur in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch zur Verfügung. Das führt zu einer Unterrepräsentanz anderer Sprachgruppen. Aus diesem Grund ist die Stichprobe in Bezug auf die Gruppe der Wiener MigrantInnen nur bedingt repräsentativ. Aussagen zu MigrantInnen in diesem Bericht beziehen sich daher insbesondere auf die genannten Sprachgruppen. Für die Behandlung der strukturellen Fragen zu Beginn der Kapitel Ausbildung & Arbeit bzw. Wohnen wurde auf die Mikrozensusdaten aus den Jahren 2007 und 2012 zurückgegriffen. Der Mikrozensus gilt bei Variablen solcher Art als Maßstab für die Repräsentativität. Grundsätzlich erfüllen die Daten der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie die Kriterien für die Repräsentativität in Wien. Auf den Prozentpunkt genau betrachtet liefert jedoch der Mikrozensus die exaktesten Daten.

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Die im Bericht angeführten Tabellen beziehen sich auf unterschiedliche Teilstichproben (z.B. Berufstätige). Die jeweiligen Gruppengrößen werden in den Anmerkungen unter der jeweiligen Tabelle dargestellt. Abhängig von diesen Gruppengrößen sind auch jene Schwankungsbreiten zu berücksichtigen, auf Basis derer ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen zwei Gruppen festgestellt werden kann. Dazu werden für die Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudien die ungewichteten Fallzahlen der einzelnen Untergruppen dargestellt. Bei einer Gruppengröße von rund 2.000 beträgt diese Schwankungsbreite beispielsweise max. +/-2,2%, bei einer Gruppengröße von rund 200 max. +/7%. Tabelle 1: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Erhebungen LLIW II, SOWI & SOWI II
LLIW II Anmerkungen zum Fragenprogramm Erhebungszeitraum Erhebungsinstitut Erhebungsgebiet Grundgesamtheit Stichprobendesign/ -ziehung Stichprobenumfang Art der Befragung Einige Fragenblöcke wurden aufgrund der Befragungsdauer gesplittet. Mai bis Oktober 2003 Institut für empirische Sozialforschung (IFES) Wien in Wien lebende Personen ab dem 15. Lebensjahr Zufallsauswahl (CATIRotationsverfahren) SOWI I Einige Fragenblöcke wurden aufgrund der Befragungsdauer gesplittet. Mai bis Dezember 2008 Institut für empirische Sozialforschung (IFES) Wien in Wien lebende Personen ab dem 15. Lebensjahr CATI-Zufallsauswahl (Handy & Festnetz) SOWI II Einige Fragenblöcke wurden aufgrund der Befragungsdauer gesplittet. Oktober 2012 bis Juli 2013 Institut für empirische Sozialforschung (IFES) Wien in Wien lebende Personen ab dem 15. Lebensjahr RLD-Verfahren (Random Last Digit) sowie Einbeziehung von Handynummern 8.400 Personen Telefoninterviews (CATI) (Deutsch, Türkisch, BKS)

8.300 Personen Telefoninterviews (CATI) (Deutsch, Türkisch, BKS)

8.700 Personen 8.400 Telefoninterviews (CATI) (Deutsch) 300 Face-to-faceInterviews (Türkisch, BKS) nach Geschlecht, Alter, Bildung und Bezirkseinwohnerzahl (IFES)

Gewichtung

nach Geschlecht, Alter und Bezirkseinwohnerzahl (IFES)

Bezirk, Alter x Geschlecht, Bildung, Wohnform (IFES)

Quellen: IFES (2003), MA 18 (2009), IFES (2014)

Aufgrund des komplexen Stichprobenplans ist die Berechnung von Schwankungsbreiten bei den Mikrozensi vielschichtiger. Der Stichprobenfehler beträgt jedoch beispielsweise für hochgerechnet (also gewichtet) 100.000 Personen etwa +/-7,5%, für 18.000 Personen +/-20%, für 7.000 Personen +/-30% und für 4.000 rund +/-40%. Ergebnisse von einer (scheinbar) großen Anzahl an Personen sind also bereits mit sehr hohen Unsicherheiten behaftet. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudien um vier Querschnittserhebungen handelt. Bei der Analyse von Veränderungen über die Zeit kann

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daher nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass diese Veränderungen auf Veränderungen in der Stichprobe und nicht auf tatsächliche Veränderungen zurückzuführen sind. Geringfügige Abweichungen von Sollwerten in den Zeilen- oder Spaltensummen der Tabellen (z.B. 99% oder 101% statt 100%) können aufgrund von Rundungen auftreten. Die unterschiedlichen Fallzahlen unter den Tabellen und Grafiken ergeben sich einerseits aus einem Split des Fragebogens; Teile der Fragen wurden nur der Hälfte der UmfrageteilnehmerInnen gestellt. Auf der anderen Seite wurden in einzelnen Fällen zur besseren Vergleichbarkeit Antwortverweigerungen („weiß nicht“, „keine Angabe“) in den Grafiken ausgeblendet.

1.2

Junge Menschen in Wien

Der Ausdruck „junge Menschen“ bezeichnet üblicherweise Personen in der Altersspanne von 15 bis 30 Jahren. Dieses Alter beinhaltet eine ganze Reihe von Lebensphasen, vom Jugendlichen bis zum jungen Erwachsenen. Angefangen vom Ende der Schulpflicht über den Berufseinstieg bis hin zur Gründung eines eigenen Haushaltes erleben junge Menschen zahlreiche Veränderungen in diesem Lebensabschnitt. Aus diesem Grund wurden in den Datensätzen Gruppen gebildet, welche die unterschiedlichen Lebenslagen junger Menschen gut abbilden und so Aufschluss über die Situation junger Menschen in bestimmten Lebenslagen geben. Die Lebenssituation dieser Gruppen wurde durch die gesamte Studie hindurch verfolgt und besondere Abweichungen bzw. besondere Betroffenheit wurden aufgezeigt. Darüber hinaus wurden soziodemografische Merkmale wie Migrationshintergrund, Geschlecht und Alter berücksichtigt. Im folgenden Abschnitt wird die soziodemografische Verteilung der jungen WienerInnen und der nach Lebenslagen ausgewählten Gruppen beschrieben.

1.2.1

Die Jungen in Zahlen: Soziodemografie nach SOWI 2013

Zunächst wurden die soziodemografischen Merkmale herangezogen, um die Heterogenität der jungen WienerInnen zu untersuchen. Alter. Mit Berücksichtigung der Fallzahlen der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung wurden im Bereich von 15 bis 30 Jahren drei Altersgruppen in 5-Jahres-Schritten gewählt. Das Lebensalter kann als grober Indikator für die Lebenslage der jungen Menschen betrachtet werden (Gille et al. 2006). Die statistische Verteilung nach Alter zeigt dabei beinahe eine Gleichverteilung der Altersgruppen in Wien: Ein Drittel der jungen WienerInnen ist zwischen 15 und 20 Jahren alt, ein weiteres knappes Drittel zwischen 21 und 25 Jahren und etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) ist zwischen 26 und 30 Jahren alt. Die Betrachtung der Altersspanne von 15 bis 30 Jahren ist der Standard in der Sozialforschung für Jugendliche und junge Erwachsene. Die empirische Jugendforschung geht jedoch zunehmend auf eine Erweiterung des betrachteten Altersabschnittes über. Hier wird der Pubertätsbeginn bei ca. 12 Jahren als Start der Jugendphase herangezogen (ebd.). Dies kann für weitere Studien im Bereich der Jugendforschung überlegt werden.

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Alter 33% 15 bis 20 Jahre 32% 21 bis 25 Jahre 36% 26 bis 30 Jahre Geschlecht. In Hinblick auf die nach wie vor omnipräsenten Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft ist die Unterscheidung junger Menschen nach Geschlecht wichtig. Interessant ist hierbei, inwieweit bereits eine Angleichung der Geschlechterunterschiede stattgefunden hat, um das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft zu erreichen. Statistisch gesehen ist in Wien das Verhältnis von Frauen und Männer etwa gleich. Geschlecht 49% Frauen 51% Männer Schulbildung. Das formale Bildungswesen determiniert weitgehend die Chancen junger Menschen am Arbeitsmarkt, in Bezug auf das Einkommen und damit den Sozialstatus. Vor allem aber beinhaltet das jeweilige formale Bildungsniveau eine Wertorientierung, die den gesamten Lebenslauf eines jungen Menschen beeinflusst. Um möglichst jene jungen Menschen betrachten zu können, die ihre Bildungskarriere schon weitgehend abgeschlossen haben, wurden für diese Auswertung nur jene jungen Menschen herangezogen, die sich nicht mehr in Ausbildung befinden. Vor diesem Hintergrund besitzen in Wien 9 Prozent der jungen Menschen einen Pflichtschulabschluss bzw. keinen Pflichtschulabschluss als höchste abgeschlossene Schulbildung. 30 Prozent der jungen WienerInnen haben einen Lehrabschluss, dies ist gleichzeitig die größte Gruppe. Weitere 12 Prozent haben einen Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule. Etwas mehr als ein Viertel der jungen Menschen hat eine AHS/BHS mit Matura abgeschlossen oder eine Hochschulreifeprüfung absolviert. 22 Prozent haben ein Studium abgeschlossen oder ein Kolleg/eine Akademie besucht. Insgesamt hat also knapp die Hälfte der jungen WienerInnen die Matura abgelegt. Höchste abgeschlossene Schulbildung (nicht mehr in Ausbildung)
1

(Kein) Pflichtschulabschluss: (Personen mit Pflichtschule als höchste abgeschlossene Schulbildung sowie Personen ohne Pflichtschulabschluss) Lehrabschluss: Personen mit Lehrabschluss bzw. Berufsschulabschluss BMS: Personen mit Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule Matura: Personen mit Abschluss einer allgemeinbildenden oder berufsbildenden höheren Schule oder abgeschlossener Hochschulreifeprüfung Universität/FH: Personen mit abgeschlossener Universitäts-, Fachhochschulausbildung sowie Kolleg und Akademie

1

Wurde nur für Personen ausgewertet, die sich nicht mehr in Ausbildung befinden.

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Tabelle 2 zeigt die Entwicklung der Schulabschlüsse in Wien. Tendenziell werden die Anteile höherer Schulabschlüsse größer, mit Ausnahme der Lehrabschlüsse. Diese waren in der Stichprobe 2008 jedoch leicht unterrepräsentiert, sodass angenommen werden kann, dass sie seit 2003 konstant blieben. Tabelle 2: Schulbildung im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) 2003 (Kein) Pflichtschulabschluss Lehrabschluss BMS Matura Universität/FH
Anm.: gewichtet; n=856; 430; 631 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

2008 13 29 21 21 15 12 24 19 26 18

2013 9 30 12 26 22

Migration. Personen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich im Durchschnitt von Personen ohne Migrationshintergrund durch ihre soziale Schichtung und unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen, welche oftmals unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zur Folge haben. In zahlreichen Studien hat sich gezeigt, dass MigrantInnen im überdurchschnittlichen Ausmaß prekären Lebenslagen ausgesetzt sind. In Wien haben 58 Prozent der jungen Menschen keinen Migrationshintergrund. 17 Prozent sind im Ausland geboren (erste MigrantInnengeneration) und 26 Prozent kamen zwar in Österreich zur Welt, haben jedoch Eltern, die im Ausland geboren wurden (zweite MigrantInnengeneration). Migrationshintergrund Kein Migrationshintergrund: Person und beide Elternteile in Österreich geboren Erste Generation: Person selbst im Ausland geboren Zweite Generation: Person selbst in Österreich, mind. ein Elternteil im Ausland geboren Im Zeitvergleich verschieben sich die Anteile zugunsten der zweiten MigrantInnengeneration. Tabelle 3: Migrationshintergrund im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) 2003 Kein Migrationshintergrund Erste Generation Zweite Generation
Anm.: gewichtet; n=1.787, 1.626, 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

2008 62 23 14 61 20 19

2013 58 17 26

Staatsbürgerschaft. Neben dem Migrationshintergrund ist die Staatsbürgerschaft ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, welches in bestimmten institutionellen Zusammenhängen schlagend wird, etwa beim Zugang zum Arbeitsmarkt und zum Wahlrecht.

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Insgesamt besitzen 89 Prozent der jungen Menschen in Wien die österreichische Staatsbürgerschaft, 11 Prozent sind AusländerInnen. Staatsbürgerschaft 89% österreichische StaatsbürgerInnen: Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft 11% ausländische StaatsbürgerInnen: Personen ohne österreichischer Staatsbürgerschaft Tabelle 4: Staatsbürgerschaft 2013 (in Prozent) 2013 österr. StaatsbürgerInnen ausländische StaatsbürgerInnen
Anm.: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

89 11

Bezirke. Essenziell für die Beobachtung von räumlichen Segregationstendenzen ist die Betrachtung der Ergebnisse nach Bezirken. Aufgrund der Fallzahlen musste hier von der Betrachtung einzelner Bezirke abgesehen werden. Für die Auswertung wurden in Bezug auf Sozialstruktur und Verbauung ähnliche Bezirke zusammengefasst. Wohnbezirk Innenbezirke: Bezirke 1 bis 9 Südliche Außenbezirke: Bezirke 10 bis 12 Westliche Grünbezirke: Bezirke 13, 14, 18 und 19 Westliche dicht verbaute Bezirke: Bezirke 15 bis 17, 20 Randbezirke: Bezirke 21 bis 23 Im Zeitverlauf wanderten die jungen WienerInnen seit 2003 konstant von den inneren Bezirken nach außen. Tabelle 5: Wohnbezirke im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) 2003 Innenbezirke Südliche Außenbezirke Westliche Grünbezirke Westliche dicht verbaute Bezirke Randbezirke
Anm.: gewichtet; n=1.787, 1.626, 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

2008 31 19 12 18 20 27 17 17 23 16

2013 24 21 14 20 21

Die folgenden Gruppen wurden gebildet, um die biografischen Umbrüche junger Menschen auswerten zu können. Dazu zählen vor allem der Auszug aus dem Elternhaus, eine eventuelle Binnenmigration sowie der Übergang vom Ausbildungs- zum Erwerbsleben.

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Haushaltstypen. Die Gründung eines eigenen Haushaltes stellt einen starken Umbruch in der Biografie junger Menschen dar. Daher ist die Unterscheidung zwischen jenen, die im Elternhaus wohnen, und jenen mit eigenem Haushalt für die Sekundärdatenanalyse wichtig. Genau die Hälfte der Wiener Jugendlichen und jungen Erwachsenen lebt (noch) bei den Eltern. Die andere Hälfte bilden junge WienerInnen, die bereits das Elternhaus verlassen und einen eigenen Haushalt gegründet haben, und hier lassen sich weitere vier Haushaltstypen feststellen: Insgesamt rund ein Fünftel der jungen WienerInnen führt einen Haushalt alleinlebend. Daneben gibt es 15 Prozent Paarhaushalte und 10 Prozent Haushalte mit eigenen Kindern. Lediglich 6 Prozent der jungen WienerInnen leben in einer Wohngemeinschaft. Haushaltstypen Wohnhaft im Elternhaushalt: Haushalte mit Eltern: Haushalt mit mind. einem Kind (der/die Befragte) und Eltern, Großeltern oder Erziehungsberechtigten

Elternhaus bereits verlassen: Alleinlebende: Haushalte mit einer Person im Haushalt Paarhaushalte: zwei erwachsene Personen in PartnerInnenschaft im Haushalt Wohngemeinschaften: Haushalt mit zwei oder mehr Erwachsenen ohne enge verwandtschaftliche Beziehung oder Erziehungsberechtigung Haushalte mit eigenen Kindern: Haushalt mit mind. einer erwachsenen Person (der/die Befragte) und mind. einem eigenen Kind Tabelle 6: Haushaltstypen im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) 2003 Haushalte mit Eltern Alleinlebende Paarhaushalte Wohngemeinschaften Haushalte mit eigenen Kindern
Anm.: gewichtet; n=1.787, 1.626, 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

2008 54 14 16 6 9

2013 50 19 15 6 10

Tätigkeit. Biografisch ebenso wichtig ist der Übergang junger Menschen vom Bildungssystem ins Arbeitsleben. Innerhalb des Bildungssystems wurde zwischen SchülerInnen und StudentInnen unterschieden. Da die Datenlage von SOWI 2013 eine direkte Trennung dieser beiden Gruppen nicht zulässt, wurden die jungen Menschen für eine näherungsweise Unterscheidung nach Alter getrennt. Darüber hinaus kann leider nicht zwischen Schulbildung und Praktikum unterschieden werden. Nach dieser Trennung ist mit 45 Prozent ein großer Teil der jungen WienerInnen bereits berufstätig. Weitere 46 Prozent befinden sich in Ausbildung. Weder berufstätig noch in Ausbildung sind 9 Prozent der jungen WienerInnen – diese Gruppe setzt sich aus Personen in Arbeitslosigkeit, Karenz, Pension etc. zusammen.

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Zu beachten ist hierbei, dass diese Verteilung von jener des Mikrozensus abweicht (vgl. Tabelle 18). Dies liegt einerseits an der unterschiedlichen Zusammensetzung der Gruppen; im Mikrozensus werden PraktikantInnen beispielsweise zur Gruppe „Sonstige“ gerechnet. Auf der anderen Seite kann nicht ausgeschlossen werden, dass SchülerInnen in der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie überrepräsentiert sind. Tätigkeit (SOWI 2013) Berufstätige: 6% ArbeiterInnen: ungelernt, Fach-, VorarbeiterInnen, MeisterInnen 31% Angestellte: einfach, qualifiziert, hoch qualifiziert 4% Selbständige: LandwirtInnen, sonstige Selbständige, freie Berufe 4% Sonstige: mithelfend im Betrieb, Beamte, Lehrlinge

In Ausbildung: 28% SchülerInnen: hauptsächliche Tätigkeit SchülerIn/StudentIn/PraktikantIn zwischen 15 und 20 Jahren 18% StudentInnen: hauptsächliche Tätigkeit SchülerIn/StudentIn/PraktikantIn zwischen 21 und 30 Jahren 9% Sonstige: sonstige hauptsächliche Tätigkeit: arbeitslos (ca. 50%), in Karenz (ca. 20%), Hausfrau/Hausmann/Betreuungstätigkeit, PensionistIn, arbeitsunfähig, Pflegekarenz, aus anderen Gründen nicht erwerbstätig Tabelle 7: Berufstätigkeit & Ausbildung im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) 2003 Berufstätige (inkl. Lehrlinge) SchülerInnen StudentInnen Sonstige
Anm.: gewichtet; n=1.787, 1.626, 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

2008 48 27 13 13 41 28 20 11

2013 45 28 18 9

Zuzug. In Wien geborene Personen verfügen oftmals über ein anders gestaltetes Netzwerk sowie andere Ressourcen als zugezogene Personen. Beispielsweise fällt bei Zugezogenen aus den Bundesländern in vielen Fällen das Elternhaus als Ressource weg. Aus diesem Grund wurden in der Auswertung gebürtige WienerInnen und Zugezogene ebenfalls getrennt betrachtet. Darüber hinaus wurde in beiden Gruppen zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden. Nach dieser Trennung sind mehr als zwei Drittel der in Wien wohnenden jungen Menschen auch hier geboren, ein Drittel ist entweder aus dem Ausland oder aus den Bundesländern zugezogen. Zugezogene Gebürtige WienerInnen: Personen, die in Wien geboren sind Zugezogene: Personen, die nicht in Wien geboren sind

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Binnenmigration. Um die Gruppe der österreichischen BinnenmigrantInnen gesondert betrachten zu können, wurden Zugezogene darüber hinaus nach Migrationshintergrund unterschieden. Insgesamt sind 12 Prozent der jungen WienerInnen aus einem Bundesland zugezogen, 20 Prozent aus dem Ausland. Weiters sind insgesamt 23 Prozent der jungen WienerInnen auch hier geboren, nicht aber deren Eltern. Zuzug & Migrationshintergrund Gebürtige WienerInnen ohne MH: Personen, die in Wien geboren sind und deren Eltern in Österreich geboren sind Gebürtige WienerInnen mit MH: Personen, die in Wien geboren sind und deren Eltern nicht in Österreich geboren sind Zugezogene, ohne MH („BinnenmigrantInnen“): Personen, die nicht in Wien, aber – wie auch ihre Eltern – in Österreich geboren sind Zugezogene, mit MH: Personen, die – wie auch ihre Eltern – weder in Wien, noch in Österreich geboren sind Tabelle 8: Zugezogene & MigrantInnen 2013 (in Prozent)

2013 Gebürtige WienerInnen ohne MH Gebürtige WienerInnen mit MH Zugezogene ohne MH Zugezogene mit MH
Anm.: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

45 23 12 20

Prekarität. Von großer Bedeutung sind Indikatoren für prekäre Lebenslagen. Sie fassen Gruppen mit besonderer Benachteiligung in bestimmten Bereichen wie Wohnen und Arbeit zusammen. Damit lässt sich erkennen, welche Gruppen in Wien mit besonders schwierigen Umständen zu kämpfen haben. Für die Auswertung wurden die Indikatoren Armutsgefährdung, Auskommen mit dem Einkommen, atypische Beschäftigungsverhältnisse (Teilzeit, Befristung des Beschäftigungsverhältnisses, nicht ausbildungsadäquate Tätigkeit) sowie Überbelag der Wohnung, Befristung des Mietvertrages und Wohnkostenanteil ausgewählt. Diese Indikatoren dienen hier nur zur Übersicht und werden in den Kapiteln 2.3 und 3.3 im Detail behandelt. Beinahe ein Drittel der Wiener Jugendlichen und jungen Erwachsenen lebt an bzw. unter der Armutsgefährdungsschwelle. Von sich aus sagt etwa ein Fünftel der jungen WienerInnen, schlecht mit dem Haushaltseinkommen auszukommen. Bezogen auf berufstätige junge WienerInnen, sind mehr als ein Drittel in Teilzeitbeschäftigung, 17 Prozent stehen in einem befristeten Dienstverhältnis und immerhin ein Viertel der jungen Menschen in Wien besitzt ein höheres Ausbildungsniveau, als ihre Tätigkeit erfordert. Von überbelegtem Wohnraum sind 15 Prozent der jungen WienerInnen betroffen, ein Fünftel von befristeten Mietverträgen. Der Wohnkostenanteil beträgt im Durchschnitt ein Viertel des Nettohaushaltseinkommens, alle Wohnformen mit eingerechnet.

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Indikatoren prekärer Lebenslagen Einkommen: 32% Armutsgefährdung: Personen in Haushalten, die über 60% des Medianhaushaltseinkommens (netto) in Wien verfügen oder weniger 19% schlechtes Auskommen mit Einkommen: Personen, die angeben, mit dem Haushaltseinkommen knapp oder gar nicht auszukommen.

Beschäftigung (nur Berufstätige): 17% befristetes Dienstverhältnis 37% Teilzeitbeschäftigte: Berufstätigkeit als hauptsächliche Tätigkeit, Stundenausmaß unter 37 Wochenstunden 25% Überqualifizierte: Ausbildungsniveau ist höher als für die Tätigkeit nötig

Wohnen: 15% Überbelag in Wohnung: siehe auch nachfolgende Erläuterung 21% befristete Mietverträge Wohnkostenanteil: Jener Anteil am Nettohaushaltseinkommen, der für Wohnkosten (ohne Strom, Heizung) ausgegeben wird (Durchschnittswert) Tabelle 9: Durchschnittlicher Wohnkostenanteil 2013 (Spaltenprozent)
Wohnkostenanteil 0-29% 30% oder mehr Gesamt
Anm.: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

% 74 26 100

Erläuterung zum Überbelag Für die Einteilung der Haushalte nach Überbelag wurde folgende Definition der MA 18 übernommen: Ein Mangel an Wohnraum bzw. ein Überbelag ist dann gegeben, wenn in einem Haushalt 1,5 oder mehr Personen pro Wohnraum leben. Außerdem wird die Wohnnutzfläche pro Person herangezogen: Über- bzw. unterschreitet die Wohnung in Tabelle 10 die aufgelisteten Quadratmeter pro Person, liegt – unabhängig von der Anzahl der Wohnräume – kein bzw. ein Überbelag vor.

11 ARBEITERKAMMER WIEN

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Tabelle 10: Zusätzliche Kriterien zur Definition von Überbelag Anzahl Personen 1 2 3 4 5 6 7 und mehr
Quelle: MA 18

Max. Wohnfläche 2 pro Person in m 45 38 33 30 28 27 >=27

Min. Wohnfläche pro 2 Person in m 25 22 19 18,5 18 17,5 17

1.2.2

Wie kann man die Lebensqualität der jungen Menschen in Wien steigern?

Wien wächst. Die Stadt Wien befindet sich in einer sehr starken Wachstumsphase. Im Jahr 2030 wird Wien voraussichtlich mehr als 2 Millionen EinwohnerInnen haben. In den nächsten 10 Jahren steigt die Zahl der jungen WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren um 5 Prozent (19.000), die Zahl der unter 15-Jährigen um 16 Prozent. Schon in den nächsten Jahren könnte Wien laut Prognosen das „jüngste“ Bundesland Österreichs werden (MA 23 2014). Dabei ist Wien eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Dieser Befund heißt nicht, dass junge Menschen in Wien ohne Sorgen und Probleme sind und dass die Lebensqualität nicht weiter verbessert werden kann. Das künftige Wachstum bringt ebenso neue Herausforderung für die jungen Menschen in Wien. Aber wenn man die Lebensqualität Wiens weiter steigern will, wo soll man da ansetzen? Welche Hebel, welche Strategien erzielen die größte Wirkung? Um diese Frage zu beantworten, wurde eine Reihe von Kausalmodellen berechnet – insgesamt fünf Regressionsmodelle werden hier dargestellt. Regressionsanalysen dienen zur Feststellung von Beziehungen zwischen einer abhängigen (zu erklärenden) Variable und einer oder mehreren unabhängigen (erklärenden) Variablen (Backhaus 2008: 52). Wir versuchen mit unseren Modellen zu erklären, wie die allgemeine Lebenszufriedenheit der jungen Menschen gesteigert werden kann. Da der Datensatz sehr viele Indikatoren enthält, konnte eine große Anzahl von möglichen Einflüssen in der Berechnung berücksichtigt werden. So konnten die wesentlichsten Einflussfaktoren identifiziert und Modelle mit starker Aussagekraft erstellt werden. Die stärksten Einflüsse geben Hinweise auf die größten Unterschiede zwischen Untergruppen. Diese Modelle haben den Bericht wesentlich beeinflusst. Sie geben Aufschluss darüber, welche Unterschiede strategisch relevant sind und eines besonderen Augenmerks bedürfen. Einerseits ermöglichen die Modelle, Gruppen zu analysieren, die von negativen Umständen besonders betroffen sind, andererseits helfen sie, den Bericht auf die wirklich wichtigen Lebensumstände zu konzentrieren. Die allgemeine Zufriedenheit ist bei den jungen Menschen generell hoch (Grafik 31 siehe Anhang). Dennoch existieren unter den jungen Menschen bestimmte Gruppen, deren Lebensumstände starke Unzufriedenheit zur Folge haben. Zufriedenheit und Unzufriedenheit sind Indikatoren für die seelische Gesundheit und können so als Indikatoren für Lebensqualität interpretiert werden.

12

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Die Qualität von Arbeit, Ausbildung und Wohnen Bei den jungen WienerInnen sind die stärksten Einflussgrößen auf die allgemeine Zufriedenheit die Zufriedenheit mit der hauptsächlichen Tätigkeit (Beta= 0,383), die Zufriedenheit mit der Wohnung (Beta= 0,244) sowie die Frage, wie gern man in Wien lebt (Beta= 0,130). Diese drei Variablen erklären mit rund einem Drittel (R²=0,31) ein beträchtliches Maß an Varianz der allgemeinen Zufriedenheit (Tabelle 11). Die Zufriedenheit mit Arbeit und Ausbildung (hauptsächlicher Tätigkeitsbereich) und die Zufriedenheit mit dem Wohnen erweisen sich also als die Hauptfaktoren für die Lebensqualität. Strategien und Maßnahmen im Bereich der Qualität der Ausbildung, der Qualität der Arbeit und der Qualität des Wohnens versprechen also die größten Effekte auf die allgemeine Lebensqualität. Das subjektive Gefühl, gerne in dieser Stadt zu leben, trägt ebenfalls zur Lebenszufriedenheit bei; der Zusammenhang ist mit 0,13 jedoch relativ gering. Tabelle 11: Allgemeine Lebenszufriedenheit: Ergebnis der linearen Regressionsanalyse Unabhängige Variablen Zufriedenheit mit Arbeit/Ausbildung (hauptsächliche Tätigkeit) Wohnungszufriedenheit Lebt gerne in Wien Teststatistiken F korrigiertes R
2
2

Nichtstandardisiertes Beta 0,320 0,186 0,176

Standardisiertes Beta 0,383 0,244 0,130

260,02 (p=.000) 0.31

Anmerkung: n=1.398 (ungewichtet)

Faktoren der Arbeitszufriedenheit

3

Das Interesse an der Arbeit – also das Sinnerleben am Arbeitsplatz und ein geringes Ausmaß an Entfremdung – hat den stärksten Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Arbeit. Wird die Ausgestaltung der beruflichen Tätigkeit als interessant empfunden, steigt auch die Arbeitszufriedenheit (Beta= 0,341).

2

Abhängige Variable (AV): allgemeine Lebenszufriedenheit; dargestellt werden die bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% signifikanten unabhängigen Variablen (UV). Das nichtstandardisierte Beta gibt den marginalen Effekt jeder UV auf die AV an. Das standardisierte Beta ist ein Maß für die relative Wichtigkeit der Effekte. Es kann Werte zwischen -1 und 1 annehmen. Die F-Statistik prüft die Null-Hypothese (es besteht kein systematischer Zusammenhang zwischen den unabhängigen Variablen und der abhängigen Variable). Ist der Wert signifikant, kann die Null-Hypothese verworfen werden. In diesem Fall trägt das berechnete Modell tatsächlich zur Erklärung der abhängigen Variablen bei. Das R2 ist ein Kennwert zur Beurteilung der Modellgüte und gibt an, wie gut die un-abhängigen Variablen in ihrer Gesamtheit zur Erklärung der abhängigen Variable beitragen. Die Multiplikation von R 2 mit 100 ergibt dabei den erklärten Varianzanteil. (Backhaus et al. 2008)

3

Aufgrund fehlender Daten zur Zufriedenheit von jungen WienerInnen in Ausbildung bezieht sich dieses Modell ausschließlich auf die Arbeitszufriedenheit von Berufstätigen.

13 ARBEITERKAMMER WIEN

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Betriebsklima. Auf der anderen Seite sind auch eine gute Stimmung und ein gutes Zusammenarbeiten im Betrieb ausschlaggebend (Beta= 0,184). Überqualifizierung. Eine berufliche Tätigkeit, für die eine adäquate Ausbildung erworben wurde, wirkt sich ebenfalls positiv auf die Arbeitszufriedenheit aus (0,127). Einkommen und Sicherheit. Essenziell für die Arbeitszufriedenheit ist ein Einkommen, das die Lebenshaltungskosten deckt (Beta= 0,157). Darüber hinaus sind genügend Wochenarbeitszeit (Beta= 0,130) und ein sicherer Arbeitsplatz (Beta= 0,115) ausschlaggebend für zufriedene Berufstätige. Aufstiegsmöglichkeiten. Ebenfalls zufriedener machen darüber hinaus aus-reichend vorhandene Aufstiegsmöglichkeiten im Job (Beta= 0,096). Tabelle 12: Arbeitszufriedenheit: Ergebnis der linearen Regressionsanalyse Unabhängige Variablen Zufrieden mit: interessante Arbeit Zufrieden mit: Betriebsklima Auskommen mit Einkommen Zufrieden mit: Wochenarbeitszeit Ausbildungsadäquate Tätigkeit Zufrieden mit: Arbeitsplatzsicherheit Zufrieden mit: Aufstiegsmöglichkeiten Teststatistiken F korrigiertes R
2
4

Nichtstandardisiertes Beta 0,289 0,168 0,168 0,098 0,232 0,106 0,062

Standardisiertes Beta 0,341 0,184 0,157 0,130 0,127 0,115 0,096

35,158 (p=.000) 0,534

Anmerkung: n=329 (ungewichtet)

Lesebeispiel: Steigt die Zufriedenheit mit dem Betriebsklima um den Wert 1 (z.B. von Note 3 auf Note 2), so steigt auch die allgemeine Arbeitszufriedenheit um 0,168 Punkte. In Relation zu den anderen Einflüssen in der Regression hat das Betriebsklima mit einem standardisierten Beta von 0,184 den zweitgrößten Einfluss auf die allgemeine Arbeitszufriedenheit.

Faktoren der Wohnzufriedenheit Zustand der Wohnung. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation ist für junge WienerInnen zuallererst ein guter Zustand der Wohnung (Beta= 0,283; Tabelle 13). Größe und Preis. Entscheidend für die Wohnzufriedenheit ist auch die Frage, wie viele m² man sich leisten kann. Zu kleine Wohnungen senken die Wohnzufriedenheit. Wohnungsgröße (Beta= 0,235) und Preiswürdigkeit (Beta= 0,226) haben zusammengerechnet den größten Einfluss. Tageslicht. Auf ausreichend Tageslicht in der Wohnung muss geachtet werden (Beta= 0,123) – zu wenig Tageslicht ist ein signifikant spürbarer Qualitätsverlust.

4

Abhängige Variable (AV): Zufriedenheit mit der hauptsächlichen Tätigkeit; dargestellt werden die bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% signifikanten unabhängigen Variablen (UV).

14

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Der Gemeindebau scheint ebenfalls im Modell auf. Hier ist wichtig festzuhalten, dass nicht der Gemeindebau per se unzufriedener macht. Wie später noch gezeigt wird, sind GemeindebaubewohnerInnen häufig einer ganzen Reihe prekärer Lebenslagen ausgesetzt, die sich negativ auf die Lebenszufriedenheit auswirken (Kapitel 3.2). Tabelle 13: Wohnzufriedenheit: Ergebnis der linearen Regressionsanalyse Unabhängige Variablen Zustand der Wohnung Größe der Wohnung Preiswürdigkeit Tageslicht Gemeindewohnung Überbelag Teststatistiken F korrigiertes R
2

Nichtstandardisiertes Beta 0,274 0,213 0,213 0,127 -0,193 -0,205

Standardisiertes Beta 0,283 0,235 0,226 0,123 -0,083 -0,076

108,840 (p=.000) 0.438

Anmerkung: n=258 (ungewichtet) Abhängige Variable (AV): Wohnungszufriedenheit; dargestellt werden die bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% signifikanten unabhängigen Variablen (UV).

Faktoren für die Zufriedenheit mit Wien Anders als die Frage nach der allgemeinen Lebenszufriedenheit zielt die Frage „wie gerne leben Sie in Wien“ nach der Zufriedenheit mit der Stadt als Lebensmittelpunkt. Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten. Den größten Einfluss auf die Zufriedenheit mit Wien haben ausreichend vorhandene Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für junge Menschen: Gibt es ein hochwertiges Angebot an Schulen und Arbeitsplätzen, so leben die jungen WienerInnen gerne in der Stadt (Exp(B)= 2,172 bzw. 1,586). Gesundheitseinrichtungen und Grünanlagen. Ebenfalls wichtig ist die Gestaltung der Wohnumgebung: Die Nähe zu Gesundheitseinrichtungen (Exp(B)= 1,542) und zu Grünanlagen (Exp(B)= 1,439) wirkt sich positiv aus. Gute Nachbarschaft. Ein gutes Auskommen mit den Menschen in der Nachbarschaft (Exp(B)= 1,556) ist ein Grund, gerne in Wien zu leben. Kultur- und Freizeitangebote. Ebenfalls wichtig sind Angebote für Kultur und Freizeit (Exp(B)= 1,409 bzw. 1,454) sowie die Bereitstellung ausreichender und qualitativ hochwertiger Wohnmöglichkeiten in der Stadt (Exp(B)= 1,370).

15 ARBEITERKAMMER WIEN

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Tabelle 14: Wie gerne leben Sie in Wien: Ergebnis der logistischen Regressionsanalyse I Sig. Angebot an Schulen Arbeitsmöglichkeiten Nähe zu Gesundheitseinrichtungen Nähe zu Grünanlagen Konstante
n=335 (ungewichtet), Nagelkerkes r²=0,3
6

5

Exp(B) 2,172 1,586 1,542 1,439 0,016

0,000 0,001 0,007 0,011 0,000

Tabelle 15: Wie gerne leben Sie in Wien: Ergebnis der logistischen Regressionsanalyse II Sig. Menschen in der Nachbarschaft Freizeitangebote Kulturangebote Wohnmöglichkeiten Öffentliche Sicherheit Konstante
n=554 (ungewichtet), Nagelkerkes r²=0,218

Exp(B) 1,556 1,454 1,409 1,370 1,309 0,022

0,000 0,013 0,025 0,002 0,040 0,000

1.2.3

Hebel für die Steigerung der Zufriedenheit

Grafik 1 fasst die Einflüsse auf die Zufriedenheit der jungen WienerInnen zusammen. Um die Zufriedenheit der jungen WienerInnen weiter auszubauen bzw. ein Sinken dieser Zufriedenheit zu vermeiden, müssen diese Faktoren besonders berücksichtigt werden.

5

Jene Fragen, welche die Stadt direkt betreffen, wurden in der SOWI-Befragung gesplittet, sodass für die Auswertung zwei Regressionsmodelle herangezogen werden mussten. Das hat zur Folge, dass die beiden Regressionen nicht direkt miteinander vergleichbar sind, ihre jeweiligen Ergebnisse sind für sich genommen jedoch sehr aufschlussreich. Da Regressionen bei Interkorrelation (unabhängige Variablen, die untereinander z.T. den gleichen Anteil der Varianz erklären, also voneinander abhängig sind) eine hohe Güte des Modells vortäuschen, wurden im Block zur Beurteilung der Wohnumgebung jene Fragen herausgenommen, die auch im Block zur Beurteilung der Stadt enthalten sind (Fragen zu Sicherheit, kulturellen Einrichtungen, Radwegenetz, Freizeitangebote). Die Fragen zur Stadt Wien wurden jenen zur Wohnumgebung vorgezogen, da diese einen höheren Erklärungswert besitzen. Das Exp(B) ist, ähnlich wie das standardisierte Beta bei der linearen Regression, eine Maßzahl, die Auskunft über die Stärke eines Zusammenhangs gibt. Die Interpretation ist je-doch geringfügig anders: 1 bedeutet, dass es keinen Zusammenhang zwischen UV und AV gibt; liegt der Wert darunter oder darüber, gibt es einen Zusammenhang.

6

16

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Grafik 1: Modell für die Steigerung der Zufriedenheit

allg. Zufriedenheit

Zufriedenheit mit Tätigkeit

Zufriedenheit mit Wohnung

Zufriedenheit mit Wien

Interessante Arbeit

Zustand

Angebot an Schulen, Arbeitsmöglichkeiten

Betriebsklima

Größe

Grünanlagen

Wochenarbeitszeit

Preiswürdigkeit

Gesundheitseinrichtungen

Sicherheit

Tageslicht Weitere: Kulturangebot Gemeindebau Freizeitangebot Nachbarschaft Öff. Sicherheit Wohnmöglichkeiten

Ausbildungsadäquate Tätigkeit

Auskommen mit dem Einkommen

Überbelag

Aufstiegsmöglichkeiten
In den nächsten Kapiteln werden die Faktoren zur Steigerung der Zufriedenheit nach den Themen Tätigkeit, Wohnen und Leben in Wien einzeln behandelt. Darüber hinaus wird festgestellt, welche Gruppen junger Menschen in welchen Lebenslagen in diesen Punkten besonders benachteiligt sind.

17 ARBEITERKAMMER WIEN

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2. ARBEIT & AUSBILDUNG
Dieses Kapitel widmet sich der Arbeits- und Ausbildungssituation junger WienerInnen. Ein biografisch wichtiges Ereignis ist der Wechsel von der Schule in den Beruf. Aus diesem Grund behandelt der nächste Abschnitt diesen Übergang, bevor auf die allgemeinen Daten zur Arbeits- und Ausbildungssituation eingegangen wird. Der Übergang wird jedoch durch das ganze Kapitel hindurch verfolgt, um wichtige Unterschiede in den Lebenslagen auf dieser Basis festzuhalten.

2.1

Einführung: Der Wechsel von der Ausbildung ins Berufsleben

Im Jahr 2013 waren 45 Prozent der jungen WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren berufstätig. Im Jahr 2008 waren es mit 40 Prozent noch etwas weniger. Diesem Trend widersprechen jedoch die Daten des Mikrozensus (Tabelle 18), die auf eine gegenteilige Entwicklung hinweisen. Somit sind junge Berufstätige in der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung etwas unterrepräsentiert. Grafik 2: Alter beim Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben 2008 & 2013 100% 90% 80% Anteil Berufstätiger 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Alter
Anmerkung: gewichtet; n=550; 634 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2008, 2013

2013 2008

Grafik 2 zeigt die Anteile der Berufstätigen im Altersverlauf. Bis zum Alter von 18 Jahren liegt dieser Anteil noch bei 10 Prozent. Ab diesem Alter steigen die Berufstätigen stark an; in diesem Alter endet ein Großteil der weiteführenden Schulen. Im Alter von 21 bis 23 Jahren flacht die Kurve jedoch deutlich ab – in dieser Lebensspanne steigen viele berufstätige junge WienerInnen wieder ins Ausbildungsleben um. Mit 24 Jahren steigt der Anteil der Berufstätigen jedoch wieder sehr stark an (Viele Studierende beginnen in diesem Alter mit der Erwerbskarriere) und verflacht anschließend wieder im Bereich von 25 bis 30 Jahren. Junge Frauen und Männer gehen in unterschiedlichem Ausmaß in die Berufstätigkeit. In allen Altersgruppen sind Männer häufiger im Berufsleben als Frauen (Tabelle 16).

18

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Dagegen sind 23 Prozent der Frauen im Alter zwischen 26 und 30 Jahren nicht berufstätig und nicht in Ausbildung (Kategorie „sonstige“: vorwiegend Arbeitslose und Personen in Karenz). Tabelle 16: Frauen & Männer in Berufstätigkeit und Ausbildung 2013 (in Zeilenprozent) Altersgruppe 15-20 Jahre Geschlecht Männer Frauen Gesamt 21-25 Jahre Männer Frauen Gesamt 26-30 Jahre Männer Frauen Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=1.406 (ungewichtet) *Achtung, geringe Fallzahl Quelle: SOWI Datensatz 2013

Berufstätig 15 7 11 51 47 49 83 66 75

In Ausbildung 78 91 85 42 42 42 12 11 12

Sonstiges 7 2 5 7 11 9 5 23 13

Zugezogene und gebürtige WienerInnen gehen ebenfalls in unterschiedlichem Ausmaß in die Berufstätigkeit bzw. in die Ausbildung. Zugezogene aus den Bundesländern sind in den meisten Altersgruppen häufiger in Ausbildung als die übrigen Gruppen. Dagegen sind gebürtige WienerInnen ohne Migrationshintergrund tendenziell stärker berufstätig. Bei den Zugezogenen mit Migrationshintergrund sticht vor allem der hohe Anteil in der Kategorie „Sonstige“ hervor: Beinahe ein Viertel dieser Gruppe befindet sich in Karenz, Arbeitslosigkeit oder ist als Hausfrau/-mann tätig.

19 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Tabelle 17: Zugezogene in Berufstätigkeit und Ausbildung 2013 (in Zeilenprozent) Altersgruppe 15-20 Jahre Zugezogenengruppe Gebürtige WienerInnen, ohne MH Gebürtige WienerInnen, mit MH Zugezogene, ohne MH („BinnenmigrantInnen“)* Zugezogene, mit MH Gesamt 21-25 Jahre Gebürtige WienerInnen, ohne MH Gebürtige WienerInnen, mit MH Zugezogene, ohne MH („BinnenmigrantInnen“)* Zugezogene, mit MH Gesamt 26-30 Jahre Gebürtige WienerInnen, ohne MH Gebürtige WienerInnen, mit MH Zugezogene, ohne MH („BinnenmigrantInnen“) Zugezogene, mit MH Gesamt
Anm.: gewichtet; n=1.406 (ungewichtet) *Achtung, geringe Fallzahl (unter 100) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Berufstätig 7 13 6 19 11 55 42 39 48 49 78 83 75 65 75

In Ausbildung 89 81 82 80 85 37 48 54 44 42 12 10 14 12 12

Sonstiges 4 6 12 1 5 9 10 7 9 9 11 7 11 23 13

2.2

Allgemeine Kennzahlen zu Berufstätigkeit & Ausbildung

Bevor die wichtigsten Indikatoren prekärer Beschäftigung behandelt werden, wird ein allgemeiner Überblick über die Beschäftigungs- und Ausbildungssituation junger Menschen in Wien gegeben. Wie bereits in Kapitel 1.1 erwähnt, werden hierzu die Daten der Mikrozensi aus den Jahren 2007 und 2012 herangezogen, um möglichst genaue Zahlen zu liefern. Ein Teil der Ergebnisse in diesem Abschnitt kann aufgrund der Datenlage nur auf Berufstätige bezogen werden (z.B. Tabelle 22: Stundenausmaß der Beschäftigung, Grafik 4: Beurteilung der Arbeitssituation). Diese Abbildungen wurden mit dem Zusatz „nur Berufstätige“ gekennzeichnet.

20

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Tabelle 18: Anteil von Berufstätigkeit & Ausbildung 2007 bis 2012 (in Prozent) 2007 Berufstätig (inkl. Lehrlinge) SchülerInnen: In Ausbildung unter 20 Jahre StudentInnen: In Ausbildung über 20 Jahre Sonstiges Gesamt
Anmerkung: gewichtet Quelle: Mikrozensus 2007, 2012

2012 45 16 20 18 100

50 14 17 19 100

Über den aktuell besuchten Ausbildungstyp von in Ausbildung befindlichen jungen WienerInnen gibt die Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung keine Auskunft. Die Statistik Austria hat jedoch eine detaillierte Aufschlüsselung der Anzahl von SchülerInnen und StudentInnen nach Schultypen in Wien. Nach diesen Zahlen besuchte in Wien im Schuljahr 2012/13 jeweils ein Viertel der SchülerInnen ab 15 Jahren eine AHS bzw. eine BHS (Tabelle 19), etwas mehr als ein Viertel besuchte eine Berufsschule. Weitere 7 Prozent fallen auf die berufsbildenden mittleren Schulen. Tabelle 19: Verteilung der SchülerInnen ab 15 Jahren auf Schultypen, Schuljahr 2012/13 Schultyp Berufsschule BMS AHS BHS Lehrerbildende mittlere & höhere Schulen Schulen im Gesundheitswesen Sonstige Schultypen Gesamt
Quelle: Statistik Austria 2014
7

Absolut 21.496 6.080 20.238 20.544 4.033 3.817 4.877 81.085

Anteil in % 27 7 25 25 5 5 6 100

Tabelle 18 zeigt die Verteilung der 15-bis 30-jährigen WienerInnen nach ihrer hauptsächlichen Tätigkeit. Laut Mikrozensi waren im Jahr 2012 45 Prozent berufstätig, eine Abnahme von 5 Prozent seit 2007. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Personen in Ausbildung. Die Gruppe der Berufstätigen setzt sich überdurchschnittlich aus Männern und aus nicht in Wien geborenen Personen („Zugezogene“) zusammen. Darüber hinaus haben Berufstätige schon eher einen eigenen Haushalt gegründet, leben also nicht mehr bei den Eltern.

7

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/schulen_schulbesuch/index.html, Zugriff am 05.11.2014

21 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Werden die Berufstätigen nach ihrer beruflichen Stellung betrachtet, ergeben sich im Zeitvergleich wenige Bewegungen (Tabelle 20). Beinahe zwei Drittel befinden sich in einem Angestelltendienstverhältnis und ein Fünftel sind ArbeiterInnen. In ArbeiterInnenstellungen befinden sich überdurchschnittlich viele Männer, ebenso junge Menschen bis 20 Jahre. Darüber hinaus finden sich MigrantInnen der ersten Generation häufiger in dieser Stellung. Tabelle 20: Berufliche Stellung 2007 bis 2012 (nur Berufstätige; in Prozent) 2007 ArbeiterInnen Angestellte Freie DienstnehmerInnen Selbständige Sonstige (Mithelfende, BeamtInnen, Vertragsbedienstete) Gesamt
Anmerkung: gewichtet Quelle: Mikrozensus 2007, 2012

2012 21 64 4 4 7 100

23 62 6 4 5 100

Tabelle 21: Branchenzugehörigkeit junger Berufstätiger 2013 (nur Berufstätige) Anteil in % 13 11 10 8 7 6 Anteil in % 5 4 4 4 12 10

Branche Gesundheits- und Sozialwesen Handel (und Reparatur von Kraftfahrzeugen) Information und Kommunikation Erziehung und Unterricht Gastgewerbe Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
Anmerkung: gewichtet

Branche Kunst, Unterhaltung und Erholung Baugewerbe Verkehr und Lagerei Verarbeitendes Gewerbe, Herstellung von Waren Sonstige Dienstleistungen Anderes

Quelle: SOWI Datensatz 2013 (Werte unter 3% wurden ausgeblendet)

Tabelle 21 gibt einen Überblick über die Branchen, in denen junge berufstätige WienerInnen beschäftigt sind. Anders als in den beiden vorangegangenen Tabellen stützt sich diese, wie auch die folgenden, auf Daten der SOWI-Erhebung für 2013. Die Branchen, in denen WienerInnen bis 30 Jahre beschäftigt sind, sind sehr breit gestreut. Die größte Gruppe mit rund 13 Prozent arbeitet im Sozial- und Gesundheitswesen, gefolgt von sonstigen Dienstleistungen (12 Prozent) und dem Handel (11 Prozent) sowie Information und Kommunikation (10 Prozent).

22

ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

2.2.1

Faktoren der Zufriedenheit mit Arbeit und Ausbildung

Nach diesen strukturellen Indikatoren zur Beschäftigung werden nun die subjektiven Einschätzungen der jungen Menschen zu ihrer Situation in Ausbildung und Beruf dargestellt. Neben Belastungsfaktoren im Alltag werden dabei zunächst jene Fragen berücksichtigt, die im Hinblick auf die allgemeine Zufriedenheit mit der Tätigkeit besonderes Gewicht haben. Grundsätzlich empfinden Berufstätige und in Ausbildung befindliche junge WienerInnen alle Belastungsfaktoren aus Grafik 3 gleich stark. Jedoch gibt es eine Reihe anderer Gruppen, die diesen Belastungsfaktoren stärker ausgesetzt sind. Von den abgefragten Faktoren ist Stress im Beruf oder in der Ausbildung jener Faktor, der die meisten jungen WienerInnen betrifft. Ein Drittel gibt an, davon sehr oder ziemlich betroffen zu sein, ein weiteres Drittel schätzt die persönliche Belastung durch Stress mittelmäßig ein. Der zweitstärkste Belastungsfaktor sind Mehrfachbelastungen: Knapp ein Fünftel gibt an, dadurch Stress zu empfinden. Grafik 3: Allgemeine Belastungsfaktoren in Beruf & Alltag 2013 (alle jungen WienerInnen)

Stress im Beruf oder in der Ausbildung

12

24

34

19

12

Stress durch Mehrfachbelastungen

6

13

27

29

24

Angst vor Arbeitslosigkeit

8

7

12

17

55

Stress durch Rassismus im Alltag 3 4 9

8

76

Stress durch Mobbing am Arbeitsplatz 22 4 7

86

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90%100% sehr stark 2 3 4 gar nicht

Anmerkung: gewichtet; n=681; 684; 569; 596; 493 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Folgende junge WienerInnen sind Belastungsfaktoren überdurchschnittlich stark ausgesetzt:  MigrantInnen der ersten Generation sind sämtlichen abgefragten Belastungsfaktoren häufiger ausgesetzt, vor allem Mobbing am Arbeitsplatz (während 86% hier „gar nicht“ betroffen sind sagen das nur 55% MigrantInnen der ersten Generation) und Rassismus im Alltag (76% im Unterschied zu 54% „gar nicht“). Junge Frauen zwischen 15 und 20 Jahren leiden verstärkt unter Stress in Beruf oder Ausbildung (31%sind hier „eher stark“ und 13% „sehr stark“ betroffen).
23 ARBEITERKAMMER WIEN



JUNGE MENSCHEN IN WIEN



Junge WienerInnen mit eigenen Kindern im Haushalt sind Stress durch Mehrfachbelastungen überdurchschnittlich stark ausgesetzt (während insgesamt 24% mir „gar nicht“ antworten sind es hier nur 13%).

Betrachtet man die Berufstätigen und ihre Beurteilung der eigenen Arbeitssituation, so ergibt sich folgendes Bild: Mit Ausnahme des Einkommens sind die jungen Menschen in Wien im Allgemeinen zufrieden mit ihrer beruflichen Situation (Grafik 4). Mehr als vier Fünftel der WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren empfinden ihre Arbeit als interessant, ebenso viele sind zufrieden mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes und dem Betriebsklima. Grafik 4: Beurteilung der Arbeitssituation 2013 (nur Berufstätige)

Interessante Arbeit

60

23

10

61

Betriebsklima

43

38

13

51

Wochenarbeitszeit

49

24

18

7 2

Sicherheit des Arbeitsplatzes

53

28

15

22

Einkommen

27 0%

30

27

11

5

10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 2 3 4 sehr schlecht

sehr gut
Anmerkung: gewichtet; n=856 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Unzufriedener mit ihrer Arbeitssituation sind folgende jungen WienerInnen:    Berufstätige mit Matura bewerten ihre Arbeit als weniger interessant (60% sagen „sehr gut“ während es bei den Berufstätigen mit Matura nur 49% sind). MigrantInnen der zweiten Generation bewerten sowohl ihre Arbeit als weniger interessant als auch das Einkommen schlechter (60% zu 53% und 27% zu 19% „sehr gut“). Überqualifizierte Berufstätige beurteilen fast alle Punkte zur Arbeitssituation schlechter, vor allem die Punkte interessante Arbeit (60% zu 36% „sehr gut“) und Einkommen (27% zu 16% „sehr gut“). Ebenso teilzeitbeschäftigte Berufstätige: hier wird vor allem die interessante Arbeit schlechter bewertet (60% sagen „sehr gut“ während es hier nur 49% sind).



24

ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

2.3

Prekäre Beschäftigung & Mehrfachbelastung

Als Indikatoren prekärer Beschäftigungsverhältnisse wurden folgende Merkmale ausgewählt:     Teilzeitbeschäftigung bzw. geringfügige Beschäftigung (nur Berufstätige) Befristung des Dienstverhältnisses (nur Berufstätige) Überqualifizierung (nur Berufstätige) Auskommen mit dem Einkommen

Die Mehrheit (63 Prozent; 28 Prozent aller Jungen) der hauptsächlich berufstätigen jungen WienerInnen ist vollzeitbeschäftigt bzw. annähernd vollzeitbeschäftigt (Tabelle 22). Rund ein weiteres Drittel ist zwischen 13 und 36 Stunden beschäftigt, 5 Prozent sind geringfügig beschäftigt. Tabelle 22: Anteile in Vollzeit- & Teilzeitbeschäftigung 2013 (nur Berufstätige) n (gewichtet) 1 bis 12 Stunden 13 bis 36 Stunden 37 Stunden oder mehr Gesamt Berufstätige In Ausbildung, sonstige Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

in % der Berufstätigen 41 259 505 804 983 5 32 63 100

in % gesamt 2 14 28 45 55 100

1.787

Besonders betroffen von Teilzeitbeschäftigung sind folgende (hauptsächlich) berufstätigen jungen Menschen:    Frauen sind zu 43 Prozent in Teilzeit (bei Männern sind es nur 24 Prozent) und zu 8 Prozent geringfügig beschäftigt (Männer nur 3 Prozent). Junge WienerInnen mit Matura oder Hochschulabschlüssen sind ebenfalls überdurchschnittlich von Teilzeit betroffen (49% bzw. 46%; nur Berufstätige; vgl. Tabelle 22), genauso wie junge Menschen in den westlichen dicht verbauten Bezirken (24%).

Befristete Dienstverhältnisse weisen weniger Gruppenunterschiede auf, sind also in der Gesellschaft gleichmäßiger verteilt. Überdurchschnittlich betroffen sind davon jedoch wiederum 21- bis 30Jährige und Personen mit höheren Schulabschlüssen. Im Zeitvergleich ist die Anzahl der befristeten Dienstverhältnisse unter den berufstätigen jungen WienerInnen von 2008 auf 2013 leicht gesunken, und zwar von 21 auf 17 Prozent (Grafik 5). Allerdings befindet sich der Unterschied innerhalb der Schwankungsbreite. Um 10 Prozent gestiegen 8 sind dagegen Teilzeitbeschäftigungen im Ausmaß zwischen 13 und 36 Stunden .

8

Aufgrund der unterschiedlichen Kategorisierung in den Fragebögen von 2008 und 2013 mussten zur Vergleichbarkeit für die Berechnung geringfügig Beschäftigte ausgeschlossen werden.

25 ARBEITERKAMMER WIEN

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Grafik 5: Anteile atypischer Beschäftigungsverhältnisse 2008 bis 2013 (nur Berufstätige)

100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0

2008
12 bis 36 Stunden pro Woche

2013
Befristetes Arbeitsverhältnis
n(2013)=656-767 n(2008)=790-838

Anmerkung: gewichtet; n=790-838 (2008); 656-767 (2013; ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2008, 2013

Als Hauptgrund für die Teilzeitbeschäftigung wird in erster Linie Aus- und Fortbildung genannt (38 Prozent). Hierbei handelt es sich überdurchschnittlich häufig um Berufstätige mit zumindest Matura als höchstem Bildungsabschluss sowie um Personen, die ihren Haushalt mit den Eltern teilen. 9 Prozent der Berufstätigen geben als Grund an, keine Vollzeitbeschäftigung zu bekommen, etwa genauso viele geben an, keine zu wollen.

26

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Grafik 6: Hauptgrund für Teilzeitbeschäftigung 2013 (nur Berufstätige)

Aus- & Fortbildung

38

Will keine Vollzeitbeschäftigung

10

Bekomme keine Vollzeitbeschäftigung

9

Betreuung/Pflege Kinder & Erwachsene

9

Krankheit und/oder Beeinträchtigung

2

Andere persönliche Gründe

12

Sonstige Gründe 0
Anmerkung: gewichtet; n=207 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

23 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50

Die genannten Gründe für die Teilzeitbeschäftigung lassen den Schluss zu, dass ein erheblicher Teil der hauptsächlich berufstätigen jungen WienerInnen nebenbei noch eine Ausbildung macht. Nach Auswertung der Haupt- und Nebentätigkeiten zeigt sich, dass immerhin 19 Prozent der hauptsächlich Berufstätigen eine Ausbildung machen. Sogar 15 Prozent der hauptsächlich berufstätigen jungen WienerInnen gehen einer Nebenerwerbstätigkeit nach (Grafik 7). Wie zu erwarten, sind mehrfache Tätigkeiten bei den StudentInnen am häufigsten: 23 Prozent der Studierenden gehen gelegentlich und 30 Prozent regelmäßig einer bezahlten Arbeit nach.

27 ARBEITERKAMMER WIEN

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Grafik 7: Mehrfachbelastung Berufstätigkeit & Ausbildung 2013 (alle jungen WienerInnen, Mehrfachantworten)

68 19 Berufstätige 4 2 74 9

Haupttätigkeit

SchülerInnen 8 4

15

48 StudentInnen 4 70 Sonstige (in Karenz, arbeitslos … ) 3 0 20 40 60 80 17 13 23 30

Nebentätigkeit
Nichts davon Gelegentliche bezahlte Arbeiten Mithelfende Familienangehörige
Anmerkung: gewichtet; n=1.408 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Studium, Ausbildung Regelmäßige Nebenerwerbstätigkeit

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Ausschlaggebend für die Qualität eines Beschäftigungsverhältnisses ist neben Befristung und Stundenausmaß die Ausbildungsadäquanz der Tätigkeit. Im Jahr 2013 besaß ein Viertel der berufstätigen WienerInnen unter 30 Jahren eine höhere Qualifikation, als für die Tätigkeit nötig wäre (Tabelle 9 23 ). Besonders von einer Überqualifizierung betroffen sind folgende berufstätige junge WienerInnen:     Berufstätige in Teilzeitbeschäftigung (41%) Armutsgefährdete Personen (42%) MigrantInnen der ersten Generation (37%) sowie Personen ohne österreichische StaatsbürgerInnenschaft (33%)

Anhand dieses Indikators wird das Phänomen der Intersektionalität besonders deutlich: Einzelne Formen von Benachteiligung betreffen oftmals nicht eine Vielzahl von Gruppen junger Menschen, vielmehr sind einige wenige Gruppen mehrfach von verschiedenen Formen der Benachteiligung betroffen (vgl. Winker/Degele 2010). Eine Beschäftigung unter dem Qualifikationsniveau für junge Menschen ist somit oftmals mit Einkommenseinbußen verbunden, die in die Armutsgefährdung führen. Auf der anderen Seite bestehen die Überqualifizierten aus Gruppen, die per se einen hohen Anteil armutsgefährdeter Personen aufweisen, wie z.B. junge MigrantInnen der ersten Generation (siehe auch 5.1 Zusammenfassung). Tabelle 23: Anteile Über- und Unterqualifizierter 2013 (nur Berufstätige)
n (gewichtet) Ausbildungsadäquat Überqualifiziert beschäftigt Unterqualifiziert Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=813 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

in % 69 25 6 100

541 198 49 787

Essenziell für die Zufriedenheit ist die Frage, ob man mit dem verdienten Einkommen über die Runden kommt. Von 2003 bis 2013 gibt knapp die Hälfte der jungen WienerInnen an, nur einigermaßen mit dem Haushaltseinkommen das Auslangen zu finden (Grafik 8). Weitere 16 bzw. 21 Prozent kommen nur „knapp“ oder „gar nicht“ mit dem Haushaltseinkommen aus.

9

Aufgrund der geänderten Fragestellung in den Erhebungen können zur ausbildungsadäquaten Tätigkeit keine Zeitvergleiche angestellt werden.

29 ARBEITERKAMMER WIEN

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Grafik 8: Auskommen mit dem Haushaltseinkommen im Zeitverlauf 2003 bis 2013 (alle jungen 10 WienerInnen) 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2003 2008 2013 sehr gut einigermaßen knapp reicht nicht

Anmerkung: gewichtet; n=1.761; 1.535; 1.354 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Folgende junge WienerInnen kommen nur knapp oder gar nicht mit dem Haushaltseinkommen aus:  Junge WienerInnen, die das Elternhaus bereits verlassen haben, kommen tendenziell weniger gut mit dem Haushaltseinkommen aus (Ausnahme: Paarhaushalte ohne Kinder). Bei den Haushalten mit Kindern (Elternhaus bereits verlassen) ist es gar ein Drittel (!), das weniger gut mit dem Einkommen auskommt (Grafik 9).

Darüber hinaus kommen eher:      junge WienerInnen in überbelegten Wohnungen (30%), junge WienerInnen in Gemeindewohnungen (24%), und junge Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft junge WienerInnen mit erhöhtem Wohnkostenanteil (über ein Drittel des Haushaltseinkommens; 34%) und junge Menschen mit Migrationshintergrund (22%)

knapp oder gar nicht mit dem Haushaltseinkommen aus. Wie zu erwarten, korreliert die Armutsgefährdung äußerst stark mit der subjektiven Einschätzung des Auskommens mit dem Haushaltseinkommen. Eine umfassende Übersicht zu den Gruppenunterschieden in Bezug auf das Auskommen mit dem Einkommen befindet sich im Anhang (Tabelle 38 siehe Anhang).

10

Standardisierte Befragungen haben im Allgemeinen mit systematischen Ausfällen bei Fragen nach dem Haushaltseinkommen zu kämpfen. Es ist anzunehmen, dass gerade untere Einkommensschichten häufig nicht erfasst werden können. Aus diesem Grund wird hier auf die Frage nach dem Auskommen mit dem Einkommen zurückgegriffen.

30

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Grafik 9: Einkommen reicht knapp/gar nicht nach Haushaltstyp 2008 bis 2013 (alle jungen WienerInnen; Mittelwerte) 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2008
Anmerkung: gewichtet; n=1.525; 1.340 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2008, 2013

Haushalt mit Eltern Alleinlebend Paarhaushalt Wohngemeinschaft Haushalt mit eigenen Kindern

2013

2.4

Resümee: Arbeit & Ausbildung nach Gruppen

Von der Ausbildung in die Berufstätigkeit. Die Daten der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie geben wenig Aufschluss über die Zufriedenheit von in Ausbildung befindlichen jungen Menschen. Die abgefragten Zufriedenheitsdaten zeigen keinen Unterschied zwischen Berufstätigkeit und Ausbildung. Darüber hinaus werden vorwiegend Fragen zur Arbeitssituation, nicht aber zur Situation in der Ausbildung gestellt. Im Allgemeinen beginnen junge WienerInnen mit 18 Jahren verstärkt in die Berufstätigkeit einzusteigen. Mit 30 Jahren sind schließlich knapp 80 Prozent berufstätig. Zwischen 26 und 30 Jahren steigt jedoch auch der Anteil unter den Frauen, die in Karenz, Arbeitslosigkeit, häusliche Aktivität etc. gehen: in dieser Altersgruppe finden sich 23% der Frauen in der Kategorie „sonstige Tätigkeit“, jedoch nur 5% der Männer Viele Studierende sind neben der Ausbildung berufstätig. Etwa ein Drittel geht regelmäßig einer beruflichen Tätigkeit nach, ein knappes Viertel gelegentlich. Ein Drittel der berufstätigen jungen Menschen ist einer Mehrfachbelastung durch eine Ausbildung oder einen zweiten Job ausgesetzt. Aus- und Fortbildung ist der häufigste Grund für eine Teilzeitbeschäftigung. Insgesamt sind 37% der berufstätigen jungen WienerInnen in Teilzeitbeschäftigung, 17% sind von befristeten Dienstverträgen betroffen und 25% sind für ihre Tätigkeit überqualifiziert.

31 ARBEITERKAMMER WIEN

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In diesem Kapitel wurde nun zu einzelnen Indikatoren eine Vielzahl von Gruppenunterschieden festgestellt. Um diese nun zusammenzufassen, werden die Ergebnisse im folgenden Resümee nach Gruppen dargestellt. Berufstätige: Teilzeitbeschäftigte: Diese Gruppe bewertet ihre Arbeitssituation (interessante Arbeit, Betriebsklima, Einkommen etc.) signifikant schlechter als Vollzeitbeschäftigte. Darüber hinaus befinden sich in dieser Gruppe sehr viele junge Menschen, die ein befristetes Dienstverhältnis haben oder überqualifiziert für ihre Tätigkeit sind. Nach Altersgruppen betrachtet, sind junge WienerInnen zwischen 21 und 30 Jahren eher von Teilzeit betroffen. Der häufigste Grund für Teilzeitbeschäftigung ist Aus- und Fortbildung. Personen mit höheren Bildungsabschlüssen (Matura/Universität/FH): In dieser Gruppe befinden sich überdurchschnittlich viele Personen in Teilzeitbeschäftigung und befristeten Dienstverhältnissen. Darüber hinaus findet diese Gruppe ihre berufliche Tätigkeit weniger interessant, was bei befristeten Dienstverträgen überdurchschnittlich vorkommt.

Berufstätige & in Ausbildung: Bereits vom Elternhaus Ausgezogene: Diese Gruppe kommt weniger gut mit dem Haushaltseinkommen aus, insbesondere Haushalte mit Kindern. Im Elternhaus Wohnhafte: Jene jungen Menschen, die das Elternhaus noch nicht verlassen haben, sind überdurchschnittlich häufig in Teilzeitbeschäftigung oder sind neben der Berufstätigkeit in Ausbildung. Frauen: Diese Gruppe ist überdurchschnittlich stark Belastungsfaktoren im Beruf oder in der Ausbildung ausgesetzt, vor allem die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren, aber auch (etwas abgeschwächt) zwischen 21 und 25 Jahren. Ein möglicher Grund hierfür kann sein, dass junge Frauen sehr häufig teilzeitbeschäftigt sind und dadurch schlechtere Arbeitsbedingungen haben. MigrantInnen & Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft: Diese Gruppe ist sämtlichen abgefragten Stressfaktoren im Alltag stärker ausgesetzt als Nicht-MigrantInnen. Darüber hinaus kommen sie weniger gut mit dem Haushaltseinkommen aus und sind überdurchschnittlich häufig überqualifiziert.

32

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3. WOHNEN
Das folgende Kapitel behandelt die Wohnsituation junger Menschen in Wien. Zentral für die Unterscheidung dieser Wohnsituationen ist die Frage, ob das Elternhaus bereits verlassen wurde. Junge WienerInnen, die diesen Schritt bereits hinter sich haben, sind mit anderen Herausforderungen konfrontiert als jene, die ihn noch vor sich haben. Aus diesem Grund wird im folgenden Abschnitt dieser Prozess näher beleuchtet, danach wird die allgemeine Wohnsituation behandelt, stets vor dem Hintergrund des Auszugs aus dem Elternhaus.

3.1

Einführung: Der Auszug aus dem Elternhaus

Im Jahr 2013 wohnte genau die Hälfte der jungen WienerInnen noch bei den Eltern. Im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutet das einen Rückgang von 4 Prozent. Sofern man es in diesem kurzen Zeitabstand sagen kann, tendieren junge WienerInnen heute eher früher dazu, das Elternhaus zu verlassen, als noch im Jahr 2008. Für eine genauere Prognose ist es jedoch nötig, einen größeren Zeitraum statistisch zu erfassen und auszuwerten. Grafik 10: Alter beim Auszug aus dem Elternhaus 2008 bis 2013 100% Bereits aus Elternhaus ausgezogen 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Alter
Anmerkung: gewichtet; n=625; 714 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2008, 2013

2013 2008

Grafik 10 zeigt den Anteil der bereits aus dem elterlichen Haushalt ausgezogenen jungen Menschen im Altersverlauf. Bis zum Alter von 18 Jahren leben noch beinahe alle jungen Menschen bei den Eltern. Ab 18 steigt die Zahl der Auszüge jedoch stark linear an, sodass mit 30 Jahren beinahe alle jungen WienerInnen das Elternhaus verlassen haben. Neben dem Alter ist die eigenständige finanzielle Versorgung ausschlaggebend für die Gründung eines eigenen Haushaltes. Berufstätige junge WienerInnen sind daher in allen Altersgruppen häufiger bereits ausgezogen als junge Menschen in Ausbildung (Tabelle 24).

33 ARBEITERKAMMER WIEN

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Tabelle 24: Anteil der Ausgezogenen aus dem Elternhaus nach Tätigkeit 2013 (in Prozent)
15-20 Jahre Berufstätig In Ausbildung Sonstiges Gesamt Altersgruppen
Anmerkung: gewichtet; n=1.406 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

21-25 Jahre 63 44 57 54

26-30 Jahre 90 76 89 89

21 3 12 5

3.2

Allgemeine Kennzahlen zur Wohnsituation

Wie schon im Kapitel Beschäftigung wird zunächst der Blick auf allgemeine Strukturvariablen (Rechtsform, Wohnform) in Bezug auf Wohnen gerichtet, bevor ausgewählte Merkmale von Wohnprekarität beleuchtet werden. Die Mikrozensi aus den Jahren 2007 und 2012 zeigen im Zeitvergleich ein relativ stabiles Bild. Die größte Gruppe der jungen Menschen in Wien (39 Prozent) lebt in privater Hauptmiete, gefolgt von Personen in Gemeindewohnungen (25 Prozent). Leicht zugenommen (von 13 auf 17 Prozent) hat der Anteil jener jungen Menschen, die in Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen leben (Tabelle 25). Dagegen hat der Anteil des Wohnens im Eigentum leicht abgenommen und steht nun bei 12 Prozent. Tabelle 25: Anteile in Rechtsformen des Wohnens 2007 bis 2012
11

(in Prozent)
2007 2012 12 39 17 25 7 100

Eigentum Private Hauptmiete Gemeinnützige Bauvereinigung Gemeindewohnung Sonstige Gesamt
Anmerkung: gewichtet Quelle: Mikrozensus 2007, 2012

15 41 13 26 5 100

Junge WienerInnen, die im Eigentum wohnen, weisen folgende Merkmale überdurchschnittlich stark auf:   Sie leben vorwiegend noch im Elternhaus (Tabelle 26) und unter ihnen finden sich hauptsächlich gebürtige WienerInnen. Räumlich konzentriert sich das Eigentum auf weniger dicht bebaute Bezirke im Westen (13., 14., 18., 19. Bezirk) sowie die Randbezirke (21., 22., 23. Bezirk). In den südlichen Bezirken 10 bis 12 wohnen junge Menschen kaum im Eigentum.

11

Junge WienerInnen, die in Studentenheimen leben, wurden in der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie kaum erfasst. Sie wurden zur Kategorie „Sonstige“ gerechnet.

34

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

Wohnungen bzw. Häuser im Eigentum sind darüber hinaus kaum überbelegt.

Die laufenden Wohnkosten sind (ohne eventuelle Kreditkosten) für den Haushalt entsprechend geringer als bei den übrigen Rechtsformen. Tabelle 26: Verteilung der Ausgezogenen aus dem Elternhaus auf die Rechtsformen 2013 (Spaltenprozent)
Eigenen Haushalt gegründet Eigentum Private Hauptmiete Gemeinnützige Bauvereinigung Gemeindewohnung Sonstige Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Lebt bei Eltern 19 33 16 28 4 100

Gesamt 14 38 17 25 6 100

9 43 19 21 9 100

Bei den jungen Menschen, die in privater Hauptmiete wohnen, lassen sich folgende Gruppen zusammenfassen:      Junge WienerInnen, die das Elternhaus bereits verlassen haben (insbesondere mit PartnerIn oder in WG-ähnlichen Haushalten). Darüber hinaus handelt es sich dabei um junge Menschen mit Matura oder Hochschulabschlüssen. Innerhalb Wiens konzentrieren sich die jungen Menschen in privater Hauptmiete eher in den Innenbezirken 1 bis 9 sowie in den westlichen dicht verbauten Bezirken 15, 16, 17, 20. Der Anteil an überbelegten Wohnungen liegt im Durchschnitt. Der Wohnkostenanteil in der privaten Hauptmiete ist eher hoch: 17 Prozent der privaten MieterInnen geben mehr als 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten aus, in Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen sind es nur 10 Prozent (Tabelle 33).

BewohnerInnen von Anlagen gemeinnütziger Bauvereinigungen unterscheiden sich soziodemografisch kaum vom Durchschnitt. Auch junge WienerInnen, die bereits einen eigenen Haushalt haben, stechen hier nicht hervor. Folgende Unterschiede können aber festgehalten werden:     MigrantInnen der ersten Generation leben deutlich seltener in dieser Rechtsform. Dagegen wohnen überdurchschnittlich viele junge WienerInnen in Paarhaushalten in dieser Rechtsform. Prekäre Merkmale wie Überbelag und Armutsgefährdung treten kaum auf. Junge Menschen leben verstärkt in den südlichen Bezirken (10. bis 12. Bezirk) und in den Randbezirken (21. bis 23. Bezirk) in Anlagen gemeinnütziger Bauvereinigungen.

Für Gemeindewohnungen ändert sich das Bild stark:   Hier sind die Haushalte junger Menschen überdurchschnittlich stark überbelegt und armutsgefährdet. Darüber hinaus leben hier verstärkt junge WienerInnen mit niedrigerem formalen Bildungsniveau.

35 ARBEITERKAMMER WIEN

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 

Abgesehen davon sind junge Menschen mit Migrationshintergrund (erste und zweite Generation) verstärkt im Gemeindebau anzutreffen. Junge WienerInnen, die das Elternhaus bereits verlassen haben, leben in unterdurchschnittlichem Ausmaß im Gemeindebau.

Bei der Vergabe von Gemeindewohnungen wird von der Stadt Wien bzw. Wiener Wohnen darauf geachtet, dass für die jeweilige Haushaltszusammensetzung ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht und somit kein Überbelag entsteht. Haushaltszusammensetzungen ändern sich jedoch im Laufe der Zeit, z.B. durch Nachwuchs in der Familie. Offenbar werden diese Änderungen für junge Menschen im Gemeindebau oftmals zum Problem, in dieser neuen Situation ausreichend Wohnraum zu finden. Insgesamt ergibt sich nach der Rechtsform der Wohnung eine Vielzahl an Gruppenunterschieden. 21 Prozent der jungen Menschen die bereits einen eigenen Haushalt gegründet haben leben im Gemeindebau, 19 Prozent in Gemeinnützigen Bauvereinigungen. Damit haben 40 Prozent der jungen Menschen eine Wohnung im Bereich des sozialen Wohnbaus. 43 Prozent leben in privater Hauptmiete, somit verteilen sich die Jungen in etwa gleich auf geförderte Wohnungen und private Hauptmiete. Nur 9 Prozent leben in Eigentumswohnungen. Während Eigentum und gemeinnützige Bauvereinigungen kaum von prekären Wohnsituationen betroffen sind, konzentrieren sich im Gemeindebau mehrere Benachteiligungsfaktoren. Einzig von einem erhöhten Wohnkostenanteil und von Befristungen sind GemeindebaubewohnerInnen – im Gegensatz zu Personen in privater Hauptmiete – nicht verstärkt betroffen. Dies deutet auf ein erhebliches Maß an Segregation junger Menschen nach der Rechtsform des Wohnens hin. Da die einzelnen Rechtsformen nur zum Teil räumlich konzentriert sind, ist die Gefahr starker räumlicher Segregation in Wien allerdings weniger gegeben. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen stellen geförderten Wohnraum zur Verfügung, der jedoch überdurchschnittlich stark der Mittelschicht zugutekommt. Wohnanlagen gemeinnütziger Bauvereinigungen sind in der Regel sehr gut ausgestattet (Grafik 11), vor allem im Vergleich zu Anlagen mit privaten Mietwohnungen. Gemeindebauten sind, neben Anlagen gemeinnütziger Bauvereinigungen, in den meisten Punkten ebenfalls sehr gut ausgestattet, vor allem mit Abstellräumen, Grünflachen, Kinderspielplätzen und Aufzügen.

36

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Grafik 11: Vergleich der Ausstattung von Wohnhausanlagen nach Rechtform 2013 (Mehrfachantworten)

Abstellraum (z.B. Keller) 78 63 59 36 56 Kinderspielplatz 21 7 Kinderspielraum 8 13 Gemeinschaftsraum 15 57 Fahrrad-Abstellraum 52 40 Raum für Kinderwagen 30 69 Aufzug 54 0 Gemeindewohnung 20 40 60 80 64 56 68 39 25 48

86 84

Begehbare Grünfläche

100

Genossenschaft

Private Hauptmiete

Anmerkung: gewichtet; n=624 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Über die Zeit ähnlich stabil wie die Rechtsform ist in den letzten zehn Jahren die Wohnform junger WienerInnen geblieben (Grafik 12). Die Mehrheit lebt in Wohnhausanlagen mit bis zu 30 Einheiten (59 Prozent), gefolgt von größeren Wohnhausanlagen mit mehr als 30 Einheiten (31 Prozent). Ein geringer Anteil lebt in Ein- oder Zweifamilienhäusern bzw. in Reihenhäusern (6 bzw. 4 Prozent). Gruppenunterschiede ergeben sich nach Wohnform kaum.

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Grafik 12: Wohnformen im Zeitvergleich 2003 bis 2013

100 90 80 70 60 Reihenhaus 50 40 30 20 10 0 2003 2008 2013 Wohngebäude mit 3 bis 30 Wohnungen Mehr als 30 Wohnungen Ein-/ Zweifamilienhaus

Anmerkung: gewichtet; n=1.781; 1.626; 1.406 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Tabelle 27: Verteilung der Ausgezogenen aus dem Elternhaus auf die Wohnformen 2013 (Spaltenprozent)
Eigenen Haushalt gegründet Ein-/Zweifamilienhaus Reihenhaus Wohngebäude mit 3 bis 30 Wohnungen Wohngebäude mit mehr als 30 Wohnungen Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Lebt bei Eltern 10 5 54 32 100

Gesamt

3 2 65 30 100

6 4 59 31 100

Haben junge Menschen bereits einen eigenen Haushalt gegründet, so leben sie eher in kleinen bis mittelgroßen Wohnhausanlagen und eher weniger in Ein- und Zweifamilienhäusern (Tabelle 27).

3.2.1

Faktoren der Wohnzufriedenheit

Die Wohnzufriedenheit hängt sehr stark mit Zustand, Größe, Preiswürdigkeit und Tageslicht der Wohnung zusammen. Sehr positiv wird die Versorgung mit Tageslicht in der Wohnung bewertet: 55 Prozent beurteilen diesen Punkt mit sehr gut, gefolgt von der der Größe (46 Prozent) und dem Zustand (42 Prozent; Grafik 13). Am schlechtesten bewertet wird die Preiswürdigkeit (30 Prozent geben die Noten mittelmäßig bis sehr schlecht). Ambivalent ist die Einschätzung der ruhigen Lage:

38

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Während 47 Prozent der jungen WienerInnen diesen Punkt mit sehr gut bewerten, beurteilen gleichzeitig immerhin 29 Prozent die ruhige Lage als mittelmäßig bis sehr schlecht. Unzufriedener mit den aufgelisteten Punkten zur Wohnsituation zeigen sich verstärkt junge WienerInnen, die folgende Merkmale aufweisen:    Junge Menschen, die das Elternhaus bereits verlassen haben, sind unzufriedener mit dem Zustand und dem Tageslicht der Wohnung (Grafik 14). Zugezogene sind mit der Größe (40% „sehr gut“) und der Preiswürdigkeit (32% „sehr gut“) unzufriedener. Wohnen die jungen WienerInnen in einer überbelegten Wohnung, sind sie im Durchschnitt mit allen abgefragten Aspekten unzufriedener, erwartungsgemäß mit der Größe (19% „sehr gut“), aber auch vor allem mit der Preiswürdigkeit (27% „sehr gut“). Junge WienerInnen in befristeten Wohnungen sind vor allem mit der Größe und der Preiswürdigkeit weniger zufrieden (39% bzw. 28% „sehr gut“).



Grafik 13: Subjektive Einschätzung der Wohnsituation 2013

Zustand

42

33

15

7 2

Größe

46

28

16

7

3

Preiswürdigkeit

37

34

20

7

3

Tageslicht

55

28

11

5 1

Ruhige Lage 0% 10%

47 20% 30% 2 40% 3 50% 4

24 60% 70%

17 80%

8 90%

4 100%

sehr gut

sehr schlecht

Anmerkung: gewichtet; n=1.264-1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Mit einer schlechteren Wohnsituation sind also eher jene jungen Menschen konfrontiert, die das Elternhaus bereits verlassen haben. Die Gründung eines eigenen Haushaltes ist für junge Menschen in Wien mit Abstrichen an der Wohnqualität verbunden. Weiters spielen Indikatoren prekärer Wohnsituationen eine große Rolle: Befinden sich junge Menschen in befristeten Mietverträgen und in überbelegten Wohnungen und sind sie armutsgefährdet, so sinkt die Wohnzufriedenheit ab.

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Grafik 14: Subjektive Einschätzung der Wohnsituation von Ausgezogenen aus dem Elternhaus 2013

Anmerkung: gewichtet; n=1.264-1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013





Werden soziodemografische Merkmale in Bezug auf die Beurteilung der Wohnsituation herangezogen, zeigt sich, dass MigrantInnen der ersten und zweiten Generation (mit Zustand, Größe, Preiswürdigkeit) unzufriedener sind. Darüber hinaus scheint eine weitere Gruppe junger WienerInnen auf, die in der Analyse in Kapitel 2 nur teilweise erfasst werden konnte, da sie nicht erwerbstätig ist: Jene Gruppe, die weder einer Beschäftigung nachgeht noch sich in Ausbildung befindet und die in diesem Bericht in der Kategorie „sonstige Tätigkeit“ aufscheint, ist stark überdurchschnittlich unzufrieden.

3.3

Prekäre Wohnsituationen

Die Beschreibung prekärer Wohnsituationen erfolgt anhand der Indikatoren    Befristung der Mietverträge, Überbelag und Wohnkostenanteil.

40

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Im Zeitvergleich ist die Anzahl der befristeten Mietverträge für junge WienerInnen leicht gestiegen, von 15 im Jahr 2008 auf 21 Prozent im Jahr 2013 (Tabelle 28). Anzumerken ist hier, dass Befristungen beinahe ausschließlich private Mietverträge und sonstige Rechtsformen (vorwiegend Untermiete) betreffen; im Gemeindebau gibt es keine und in Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen kaum Befristungen. Somit betreffen die folgenden Aussagen zur Befristung fast ausschließlich das private Segment (Grafik 15). Tabelle 28: Verteilung befristeter Mietverträge auf die Rechtsformen 2013 (Zeilenprozent)
Rechtsform Private Hauptmiete Gemeinnützige Bauvereinigung Sonstige (z.B. Untermiete) Gesamt Nicht betroffen: Eigentum, Gemeindebau
Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

n (gewichtet) 620 286 84 990 800

Befristet 25% 8% 34% 21% 0%

Nicht befristet 75% 82% 66% 79% 100%

Der Anstieg befristeter Mietverträge scheint auf den ersten Blick nicht besonders hoch zu sein. Dies liegt daran, dass jene jungen WienerInnen, die noch keinen eigenen Haushalt gegründet haben, davon stark unterdurchschnittlich betroffen sind und somit Entwicklungen abgeschwächt bzw. zeitverzögert sichtbar werden. Betrachtet man jedoch die Betroffenheit durch befristete Mietverträge nach Untergruppen, zeigt sich, dass die Befristungen für bestimmte Gruppen stark zunehmen und die Gruppen in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen sind. Grafik 15: Anteile befristeter Mietverträge im Zeitverlauf 2003 bis 2013 (nur MieterInnen) 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2003 2008 2013
Anmerkung: gewichtet; n=1.252; 412; 722 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Private Hauptmiete Gemeinnützige Bauvereinigung

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Haben junge WienerInnen das Elternhaus bereits verlassen, befinden sie sich zu 43 Prozent in privater Hauptmiete (Tabelle 26). In diesem Segment ist der Anteil befristeter Mietverträge jedoch sehr hoch. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der jungen WienerInnen im eigenen Haushalt in privater Hauptmiete haben einen befristeten Vertrag (Tabelle 29). Das bedeutet eine nochmalige 7prozentige Steigerung des 2008 schon sehr hohen Anteils von 30 Prozent. Junge Menschen, die noch bei den Eltern wohnen, sind dagegen kaum von einer Befristung betroffen. Tabelle 29: Befristete Mietverträge von Ausgezogenen und Nicht-Ausgezogenen aus dem Elternhaus 2008 bis 2013 (in Prozent)
Eigenen Haushalt gegründet Befristung 2013 Gesamt Befristung private Hauptmiete 2013 Befristung 2008 Gesamt Befristung private Hauptmiete 2008
Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Lebt bei Eltern 8 7 4 5

Gesamt 21 25 15 18

29 37 23 30

Grafik 16: Befristete Mietverträge nach Haushaltstyp im Zeitverlauf 2008 bis 2013 (nur MieterInnen) 100 90 80 Haushalt mit Eltern 70 60 50 40 30 20 10 0 2008
Anmerkung: gewichtet; n=412; 722 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2008, 2013

Alleinlebend Paarhaushalt Wohngemeinschaft Haushalt mit eigenen Kindern

2013





Von jenen Haushalten, die von den jungen Menschen bereits selbst gegründet wurden, sind vor allem Wohngemeinschaften sehr stark von befristeten Mietverträgen betroffen (40 Prozent; Grafik 16). Haushalte mit eigenen Kindern haben dagegen den stärksten Anstieg bei befristeten Verträgen zu verzeichnen, von 15 auf 26%.

42

ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

 

Ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen sind vor allem junge MigrantInnen der ersten Generation; hier liegt der Anteil bei 37 Prozent. Darüber hinaus zeigt sich ein Zusammenhang zwischen prekärer Beschäftigung und prekärer Wohnsituation: Junge Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen (befristeter Dienstvertrag, Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung) sind ebenfalls verstärkt von befristeten Mietverträgen betroffen.

Im Gegensatz zu befristeten Mietverträgen ist der Anteil überbelegter Wohnungen leicht zurückgegangen, und zwar von 22 auf 15 Prozent (Grafik 17). Grafik 17: Anteil überbelegter Wohnungen im Zeitverlauf 2003 bis 2013 (in Prozent) 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2003 2008 2013 Überbelag

Anmerkung: gewichtet; n=1.787; 1.357; 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Die Frage nach dem Überbelag ist weniger abhängig von der Gründung eines eigenen Haushaltes (Tabelle 30), sondern vielmehr von der Anwesenheit von Kindern im Haushalt. Haben junge Menschen jedoch bereits einen eigenen Haushalt mit Kindern gegründet, so sind sie dem Überbelag sehr stark ausgesetzt: hier beträgt der Anteil überbelegter Haushalte 36 Prozent im Vergleich zu 15 Prozent im Gesamtdurchschnitt (Tabelle 31)! Tabelle 30: Überbelegte Wohnungen Ausgezogener aus dem Elternhaus 2008 bis 2013 (in Prozent)
Eigenen Haushalt gegründet Überbelag 2013 Überbelag 2008
Quelle: SOWI Datensatz 2013

Lebt bei Eltern 18 21

Gesamt 15 19

12 16

Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet)

43 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN



 



Darüber hinaus zeigt sich ein erhöhter Anteil überbelegter Wohnungen bei MigrantInnen der ersten Generation und Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft (jeweils 31%). Hier ist anzumerken, dass in diesen beiden Gruppen der Anteil an Haushalten mit Kindern besonders hoch ist. Ähnlich wie bei der Befristung sind Personen, die nicht in Ausbildung und nicht berufstätig sind (Kategorie „sonstige Tätigkeit“), verstärkt von Überbelag betroffen (24%). Ebenso zeigt sich ein erhöhter Anteil bei Personen, die maximal einen Lehrabschluss als höchste abgeschlossene Schulbildung haben (nur Berufstätige; 18% vs. 13% Berufstätige gesamt). Bereits erwähnt wurde der stark erhöhte Anteil an Überbelag in Gemeindewohnungen (30%).

Tabelle 31: Anteile überbelegter Wohnungen in den Haushaltstypen 2013 (Zeilenprozent)
Haushaltstyp Alleinlebend Mit PartnerIn Mit (Groß-)Eltern WG-ähnlich (Erwachsenenhaushalt, keine Verwandtschaft) Mit eigenen Kindern Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

n (gewichtet) 335 266 891 109 168 1.769

Überbelag 2% 11% 18% 11% 36% 15%

Im Zeitverlauf betrachtet, ändert sich am Überbelag zwischen den Haushaltstypen kaum etwas. Der Anteil überbelegter Wohnungen für Haushalte junger Menschen mit eigenen Kindern (Elternhaus bereits verlassen) sinkt hier am stärksten. Jedoch ist der Anteil überbelegter Wohnungen immer noch doppelt so hoch wie bei jenen jungen Menschen, die noch im Elternhaus leben (Grafik 18).

44

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 18: Anteile überbelegter Wohnungen in den Haushaltstypen im Zeitverlauf 2008 bis 2013 (in Prozent) 100 90 80 Haushalt mit Eltern 70 60 50 40 30 20 10 0 2008 2013 Haushalt mit eigenen Kindern Alleinlebend Paarhaushalt Wohngemeinschaft

Anmerkung: gewichtet; n=1.787; 1.357; 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2013, 2008

Der durchschnittliche Wohnkostenanteil gibt an, welcher Anteil des Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufgewendet werden muss. Tabelle 32 zeigt die durchschnittlichen Wohnkostenanteile in fünf Kategorien. Demnach zahlen insgesamt 36 Prozent der Haushalte zwischen 10 und 19 Prozent des Haushaltseinkommens an Wohnkosten, bei weiteren 29 Prozent liegt der Anteil zwischen 20 und 29 Prozent ihres Haushaltseinkommens. Immerhin ein Viertel der jungen Menschen muss mehr als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten auslegen.    Junge WienerInnen, die das Elternhaus bereits verlassen haben, haben tendenziell leicht höhere Wohnkostenanteile (Tabelle 32). Darüber hinaus haben Personen ohne österreichisches Staatsbürgerschaft und StudentInnen höhere Wohnkostenanteile.

45 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Tabelle 32: Wohnkostenanteile Ausgezogener und Nicht-Ausgezogener aus dem Elternhaus, in 5 Kategorien 2013 (Spaltenprozent)
Wohnkostenanteil 0-9% 10-19% 20-29% 30-39% mehr als 40% Gesamt
Anmerkung: gewichtet, n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Eigenen Haushalt gegründet 8 33 30 15 15 100

Lebt bei Eltern 12 42 26 11 9 100

Gesamt 9 36 29 13 13 100

Tabelle 33: Wohnkostenanteile der Rechtsformen, in 5 Kategorien 2013 (Spaltenprozent)
Wohnkostenanteil 0-9% 10-19% 20-29% 30-39% 40% oder mehr Gesamt Hauptmiete privat
5 31 33 14 17 100

Genossenschaft
5 43 29 13 10 100

Gemeindewohnung
5 44 28 14 9 100

Gesamt 9 36 29 13 13
100

Anmerkung: gewichtet; n=834 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Die eher geringen Gruppenunterschiede lassen den Schluss zu, dass ein erhöhter Wohnkostenanteil unter den jungen WienerInnen relativ breit gestreut ist.  Jene Gruppe, die jedoch am meisten von hohen Wohnkostenanteilen betroffen ist, ist die Gruppe der armutsgefährdeten jungen Menschen. Während nicht armutsgefährdete Menschen im Durchschnitt 20 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufwenden, ist der Anteil bei Armutsgefährdeten mit im Schnitt 40 Prozent doppelt so hoch.

Im Zeitvergleich zwischen 2003 und 2013 wird ersichtlich, dass dieser Unterschied über die Zeit stabil bleibt, d.h. es gibt keine Verbesserung für armutsgefährdete Menschen in Bezug auf die hohe Belastung durch Wohnkosten. Hinsichtlich der Abfrage des Einkommens ist anzumerken, dass im Jahr 2013 gezielt nach sozialen Transferleistungen gefragt wurde, welche die Befragten zum Einkommen hinzurechnen sollten. Da dies in den vorangegangenen Befragungswellen nicht geschah, ist es möglich, dass nicht der Wohnkostenanteil gleich geblieben ist, sondern bei der Befragung 2013 ein höheres Einkommen angegeben wurde. Somit kann aufgrund dieser Daten nicht ausgeschlossen werden, dass der Wohnkostenanteil in den letzten Jahren gestiegen ist.

46

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 19: Wohnkostenanteil armutsgefährdeter Haushalte 2003 bis 2013

100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2003 nicht armutsgefährdet
Anmerkung: gewichtet; n=1.174; 430; 836 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

2008 armutsgefährdet

2013

Da der durchschnittliche Wohnkostenanteil zu einem erheblichen Teil vom Haushaltseinkommen abhängt, wird in Tabelle 34 das mittlere Haushaltseinkommen nach Rechtsform angezeigt. Mit gro12 ßem Abstand am niedrigsten ist das Haushaltseinkommen im Gemeindebau (durchschnittlich € 2.231,-), gefolgt von Wohnungen in privater Hauptmiete und Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen. Am höchsten ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen mit knapp unter € 3.000,- im Eigentum. Beachtlich ist jedoch vor allem der Unterschied zwischen den geförderten Rechtsformen gemeinnütziger Bauvereinigung und Gemeindebau: GemeindebaubewohnerInnen haben im Haushalt durchschnittlich € 400,- weniger zur Verfügung. Die Stadt Wien stellt mit den Gemeindewohnungen den günstigsten Wohnraum zur Verfügung: Die Wohnkosten pro Quadratmeter betragen hier nur € 6,86, im Gegensatz zur privaten Hauptmiete, wo der Quadratmeter € 8,05 kostet. Das niedrige Haushaltseinkommen im Gemeindebau ist ein Beleg, dass geförderter Wohnraum vor allem jenen zugutekommt, die ihn am dringendsten benötigen.

12

Die Gruppe „Sonstige“ kann aufgrund der geringen Fallzahl nicht interpretiert werden.

47 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Tabelle 34: Haushaltseinkommen, Wohnkosten & Kosten pro Quadratmeter der Rechtsformen 2013
n (gewichtet) Private Hauptmiete Gemeinnützige Bauvereinigung Gemeindewohnung Sonstige 489 209 330 71 NettoHaushaltseinkommen 2.522,2.666,2.231,1.822,Wohnkosten13 606,553,468,527,Wohnungsgröße in m² 81 84 72 70 Wohnkosten pro m² 8,05 7,00 6,86 8,95

Anmerkung: gewichtet; n=1.304 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Werden nun die Wohnkostenanteile nach Rechtsform betrachtet, ist auffallend, dass die höchsten Anteile von jungen Menschen in privater Hauptmiete und Gemeindewohnungen aufgewendet werden müssen (28 Prozent im Durchschnitt; Tabelle 35). Vor dem Hintergrund des niedrigeren Haushaltseinkommens für GemeindebaubewohnerInnen ergibt sich also trotz geringerer Mietkosten in den Gemeindewohnungen eine ähnlich hohe Belastung wie auf dem privaten Wohnungsmarkt. Ein etwas geringerer Anteil muss für Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen aufgewendet werden (24 Prozent). Tabelle 35: Wohnkostenanteile Ausgezogener und Nicht-Ausgezogener aus dem Elternhaus nach Rechtsform 2013 (Anteile in %)
Wohnkostenanteil Eigentum* private Hauptmiete Gemeinnützige Bauvereinigung Gemeindebau sonstige*
Anmerkung: gewichtet, n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013 *Achtung: geringe Fallzahl

Eigenen Haushalt gegründet 14 31 23 23 39

Lebt bei Eltern 11 22 27 34 28

Gesamt 12 28 25 28 37

3.4

Der geplante Wohnungswechsel

Insgesamt plant beinahe die Hälfte der jungen Menschen einen Wohnungswechsel in den nächsten zwei Jahren: entweder alleine oder mit anderen Haushaltsmitgliedern (Grafik 20). Besonders junge WienerInnen, die noch im Elternhaushalt wohnen, beabsichtigen umzuziehen (55 Prozent). Darüber hinaus planen vor allem junge WienerInnen in Wohngemeinschaften einen Umzug (60 Prozent).

13

Die Wohnkosten enthalten die Miete inkl. Betriebskosten, jedoch nicht Heizung und Stromkosten („Kaltmiete“).

48

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 20: Geplanter Wohnungswechsel nach Haushaltstypen 2013

Gesamt Haushalt mit Eltern Alleinlebend Paarhaushalt Wohngemeinschaft Haushalt mit eigenen Kindern 0%
Quelle: SOWI Datensatz 2013

48 55

52 45

48
51 60 44 20% ja 40% nein 60%

52
49 40 56 80% 100%

Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet)

Rund ein Drittel aller Personen, die einen Umzug planen, strebt wieder eine Wohnung in der gleichen Wohngegend an (Tabelle 36). Jeweils ein Fünftel möchte in ein dicht bebautes Stadtgebiet oder in ein Stadtrandgebiet in Wien übersiedeln. Weitere 18 Prozent planen Wien zu verlassen, um entweder in das Wiener Umland (6 Prozent) oder weiter weg (12 Prozent) zu ziehen. Tabelle 36: Angestrebte Wohngegend bei geplantem Umzug 2013
n (gewichtet) Gleiche Wohngegend Dicht bebautes Stadtgebiet Stadtrandgebiet von Wien Wiener Umland (bis 20 km von Wien) Weiter weg Egal Gesamt
Anmerkung: gewichtet; n=716 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Prozent 34 20 21 6 12 7 100

302 177 185 51 103 61 879

49 ARBEITERKAMMER WIEN

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Grafik 21: Gründe für den Umzug 2013 (Mehrfachnennungen, % der Fälle)

27 Auszug vom Elternhaus 50 26 Derzeitige Wohnung zu klein 11 8 Berufliche Gründe 7 6 Zusammenziehen mit Partner/in 5 4 Wohnung zu teuer 1 4 Mängel der Wohnumgebung 1 4 3 4 0 Gesamt 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 7 9 7 9 43

Andere familiäre Gründe

Eig. Haushalt gegründet

Lebt bei Eltern

Anmerkung: gewichtet; n=761 (ungewichtet); Quelle: SOWI Datensatz 2013 (keine Angaben: unter 6% nicht mehr angeführt/nicht abgefragt)

Haben die Befragten den Wunsch auszuziehen geäußert, so wurden sie offen nach den Gründen dafür gefragt. Als häufigster Grund für den geplanten Umzug wird der Auszug aus dem Elternhaus genannt (27 Prozent). Dies betrifft klarerweise nur jene, die noch im Elternhaushalt wohnen. Betrachtet man nur die jungen WienerInnen, die bei den Eltern wohnen, ist der Auszug aus dem Elternhaus für die Hälfte der Grund für den Umzug. Eine zu kleine Wohnung ist für insgesamt 26 Prozent der jungen WienerInnen der Grund für den geplanten Umzug. Für jene, die das Elternhaus bereits verlassen haben, ist das jedoch mit 43 Prozent der häufigste Grund für einen Wohnungswechsel. Der zweithäufigste Grund für diese Gruppe ist eine zu teure Wohnung (9 Prozent).

50

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

3.5

Resümee: Wohnen nach Gruppen

Die (teure) Gründung des eigenen Haushaltes. Parallel mit dem Einstieg ins Berufsleben verlassen immer mehr junge WienerInnen mit 18 Jahren ihr Elternhaus. Mit 30 Jahren leben beinahe alle jungen Menschen nicht mehr bei den Eltern. Dabei gibt es mehrere Faktoren, die ein frühzeitigeres Verlassen des Elternhauses behindern. Ausschlaggebend sind einerseits die verlängerte Ausbildungszeit und die damit einhergehenden fehlenden finanziellen Möglichkeiten. Berufstätige junge WienerInnen hingegen haben in allen Altersgruppen bereits häufiger einen eigenen Haushalt gegründet. Auf der anderen Seite ist insbesondere für junge Menschen das Wohnen im selbst gegründeten 14 Haushalt teuer: Neue Mietverträge verschlingen laut Statistik Austria ein Drittel des gesamten Haushaltseinkommens (im Durchschnitt sind es „nur“ 25 Prozent). Darüber hinaus müssen junge WienerInnen bei der Gründung eines eigenen Haushaltes neben der höheren finanziellen Belastung eine Reihe von Abstrichen machen. So sind etwa der Zustand und das Tageslicht ihrer Wohnungen schlechter als bei jenen, die noch bei den Eltern wohnen. Darüber hinaus leben jene, die das Elternhaus bereits verlassen haben, überdurchschnittlich in privater Hauptmiete, was neben den stark erhöhten Wohnkosten auch noch befristete Mietverträge mit sich bringt. Überbelag ist für junge Eltern ein besonders drängendes Problem: 36 Prozent der jungen Haushalte mit eigenen Kindern müssen in zu knappem Wohnraum leben. Wie schon im vorangegangenen Kapitel werden nachfolgend die Ergebnisse der übrigen Gruppen zusammengefasst. Personen der ersten und zweiten MigrantInnengeneration: Diese Gruppe hebt sich von den anderen Gruppen in verschiedenen Punkten teils erheblich ab. Junge MigrantInnen der ersten und zweiten Generation sind deutlich unzufriedener mit der eigenen Wohnsituation (Zustand, Größe, Preiswürdigkeit) und haben überdurchschnittlich häufig befristete Mietverträge, obwohl sie gleichzeitig verstärkt in Gemeindebauten anzutreffen sind. MigrantInnen der ersten Generation sind darüber hinaus stärker von Überbelag betroffen. Zugezogene: Diese Gruppe ist generell etwas unzufriedener mit der Wohnsituation (Zustand, Größe, Preiswürdigkeit). Da Zugezogene meist nicht mehr im Elternhaus leben, sind sie auch beim Wohnen im Eigentum stark unterdurchschnittlich vertreten. Personen mit max. Lehrabschluss: Junge Menschen, die eine Lehre als höchsten abgeschlossenen Schulabschluss besitzen, leben überdurchschnittlich oft in überbelegten Wohnungen. Personen in „sonstiger Tätigkeit“: Jene Menschen, die weder berufstätig noch in Ausbildung sind (arbeitslos, in Karenz, zu Hause, in Pension etc.), weisen die stärkste Unzufriedenheit mit der Wohnsituation auf. Auch diese Gruppe ist stark von Überbelag betroffen.

14

Quelle: Statistik Austria, Presseaussendung 10.892-201/14; http://www.statistik.at/web_de/presse/079386; letzter Zugriff

51 ARBEITERKAMMER WIEN

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4. LEBEN IN WIEN: WOHNUMGEBUNG, FREIZEIT, MOBILITÄT
Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Kapiteln werden hier keine allgemeinen strukturellen Merkmale behandelt, sondern zunächst die Einflüsse auf die Zufriedenheit mit Wien sowie verwandte Themen. Danach wird auf die für die Kommunalpolitik interessanten Themen Freizeitverhalten und Mobilität eingegangen. Wie in Kapitel 1.2.1 beschrieben, zeigen die Fragen zur Infrastruktur Wiens sowie zur Beurteilung des Wohngebietes, dass diese Themen den größten Einfluss auf die Zufriedenheit mit Wien („lebe gerne in Wien“) haben.

4.1

Faktoren der Zufriedenheit mit Wien

Wichtig für ein zufriedenes Leben in Wien in Bezug auf die Wohnumgebung ist die Erholungsqualität durch ausreichend Grünanlagen. Die Nähe zu Grünanlagen wird von der Mehrheit der jungen Menschen gut bewertet (80 Prozent; Grafik 22). Nicht ganz so zufrieden sind sie dagegen mit der Begrünung in der unmittelbaren Wohnumgebung, die von „nur“ etwas mehr als 60 Prozent positiv beurteilt wird. Ebenso ausschlaggebend für die Zufriedenheit ist die Nähe zu Gesundheitseinrichtungen, die von 85 Prozent der Befragten als gut bewertet wird. Auch die Menschen in der Nachbarschaft und das Ansehen des Wohnviertels werden positiv bewertet (75 bzw. 68 Prozent).  Weniger zufrieden mit der Nähe zu Grünanlagen sind junge WienerInnen, die das Elternhaus bereits verlassen haben, insbesondere Personen in Wohngemeinschaften (insgesamt sagen 55% „sehr gut“ während es hier nur 32% sind). Darüber hinaus sind Zugezogene etwas weniger zufrieden mit der Nähe zu Grünanlagen (55% zu 48%). Etwas unzufriedener mit der Nähe zu Grünanlagen und der Begrünung in der unmittelbaren Wohnumgebung sind Personen in privater Hauptmiete und armutsgefährdete junge WienerInnen. Personen in Wohngemeinschaften sind darüber hinaus weniger zufrieden mit der Nähe zu Gesundheitseinrichtungen (56% zu 42%). Mit den Menschen in der Nachbarschaft unterdurchschnittlich zufrieden sind zum einen Personen, die nicht erwerbstätig und nicht in Ausbildung sind (37% zu 25%) sowie Frauen zwischen 21 und 25 Jahren und wiederum Personen in Gemeindewohnungen (nur je 29% beurteilen hier mit „sehr gut“ ).

 

 

Nach Wohnbezirke betrachtet, zeigt sich kein Unterschied in der Beurteilung des Wohngebietes. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Stadt Wien nach Bezirken eine eher geringe Segregation aufweist und die Daten hierfür zu grob einteilen. Hier wären Daten auf der Ebene von Bezirksteilen nötig.

52

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 22: Beurteilung des Wohngebietes 2013

Nähe zu Grünanlagen

55

25

14

42

Begrünung

31

32

25

9 3

Nähe zu Gesundheitseinrichtungen

56

29

13

2

Nachbarschaft

37

38

17

6 2

Ansehen des Wohnviertels

36

32

20

9 2

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr gut 2 3 4 sehr schlecht

Anmerkung: gewichtet; n=1.312-1.409 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Die Wichtigkeit von Grünanlagen in erreichbarer Nähe spielt also eine zentrale Rolle in der Zufriedenheit mit der Stadt. Das unterstreichen die Verbesserungswünsche der jungen WienerInnen für die Wohnumgebung (Grafik 23). Hier dominieren Aspekte, welche die Wohnumgebung auflockern und die Aufenthaltsqualität heben. An erster Stelle wird die Errichtung von Grünflächen und Innenhofbegrünung genannt (45 Prozent), gefolgt von Plätzen, die zum Verweilen gedacht sind (40 Prozent). Auch Sitzgelegenheiten werden häufig gewünscht (36 Prozent). Daneben ist der Ausbau von Radwegen ein großes Anliegen (39 Prozent). Nicht ganz so häufig werden, mit Ausnahme der Errichtung von Radwegen, Maßnahmen zur Eindämmung des Autoverkehrs gewünscht: Jeweils etwa ein Fünftel der jungen WienerInnen fordert Tempo-30-Zonen, eine bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sowie die Errichtung von Wohnstraßen und Fußgängerzonen. Anzumerken ist hier, dass diese Frage nicht offen gestellt wurde und so nicht alle Verbesserungswünsche erfasst werden konnten.

53 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 23: Verbesserungswünsche für die Wohnumgebung 2013 (Mehrfachnennungen, % der Fälle)

Errichtung von Grünflächen oder Innenhofbegrünung Angenehme Orte zum Verweilen (z.B. netter Platz) Ausbau von Radwegen 40%

45%

39%

Sitzgelegenheiten

36%

Tempo-30-Zonen

22%

Bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel Errichtung von Wohnstraßen oder Fußgängerzonen Lebensmittelgeschäft

21%

20%

19%

Anderes

15%

Nichts

11%

Keine Angabe

1% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 50%

Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

 



Vor allem zugezogene WienerInnen fordern Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität, ebenso junge Menschen in Wohngemeinschaften und in privater Hauptmiete. Darüber hinaus werden diese Maßnahmen verstärkt von armutsgefährdeten jungen WienerInnen gefordert, jedoch nicht von jenen in Gemeindewohnungen. Diese sind im Gegensatz zu Wohnungen in privater Hauptmiete weitaus besser ausgestattet (vgl. Grafik 11). Nach Bezirken betrachtet, werden diese Punkte verstärkt von jungen Menschen in den dicht verbauten westlichen Bezirken 15 bis 17 und 20 gewünscht.

Die wichtigsten stadtbezogenen Indikatoren für eine Erhöhung der Zufriedenheit mit Wien werden in Grafik 24 aufgelistet. Hier spielen die Lebensbereiche Ausbildung, Arbeit und Wohnen eine sehr große Rolle. Im Gegensatz zum Schulangebot, welches knapp vier Fünftel positiv beurteilen, werden Arbeits- und Wohnmöglichkeiten zwar ebenfalls positiv bewertet, jedoch deutlich weniger gut

54

ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

(61 bzw. 57 Prozent). Ebenfalls eine Rolle spielen die öffentliche Sicherheit sowie das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen (75 bzw. 69 Prozent positive Bewertungen). Das kulturelle Angebot und das kulturelle Leben werden in Wien mit 87 Prozent am positivsten bewertet. Grafik 24: Beurteilung der Stadt Wien 2013

Angebot an Schulen

40

38

18

31

Arbeitsmöglichkeiten

22

39

28

8 2

Wohnmöglichkeiten

19

38

27

15

3

Öffentliche Sicherheit

30

45

20

31

Kinderbetreuungseinrichtunge

31

38

23

7 1

Kultur und kulturelles Leben

51

36

12

2

Informationsangebot der Stadt

20

39

32

8 1

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr gut 2 3 4 sehr schlecht

Anmerkung: gewichtet; n=475-710 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

  

Die oben genannten Lebensbereiche werden durchgehend von zugezogenen WienerInnen schlechter bewertet. Das Angebot an Schulen und die Arbeitsmöglichkeiten werden darüber hinaus von jungen Menschen mit befristetem Dienstverhältnis weniger positiv bewertet. Arbeitsmöglichkeiten werden auch von jungen Frauen bis 20 Jahre und von armutsgefährdeten Personen schlechter bewertet, die Wohnmöglichkeiten hingegen von Frauen zwischen 21 und 25 Jahren.

4.2

Freizeit und Mobilität

Die Freizeitangebote in der Stadt werden mit sehr großer Mehrheit gut bewertet – beinahe 90 Prozent der Befragten geben eine positive Note. Die Mobilität wird dagegen je nach Verkehrsmittel ambivalent beurteilt: Während 87 Prozent den öffentlichen Verkehr in Wien positiv bewerten, werden

55 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

das Radwegenetz sowie vor allem der Autoverkehr in der Stadt deutlich negativer eingeschätzt (56 bzw. 32 Prozent positive Bewertungen). Im folgenden Abschnitt werden, nach einem kurzen Blick auf die Gruppenunterschiede in diesen Fragen, das Freizeitverhalten und das Mobilitätsverhalten behandelt. Grafik 25: Beurteilung der Stadt Wien II: Verkehr & Freizeit 2013

Freizeitangebote

50

39

10 2

Öffentlicher Verkehr

53

34

12

2

Radwegenetz

21

35

33

8

3

Autoverkehr in der Stadt

7 0%

25

44

18

6

10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr gut 2 3 4 sehr schlecht

Anmerkung: gewichtet; n=475-710 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013









Mit dem Freizeitangebot in Wien sind junge WienerInnen in Haushalten mit eigenen Kindern weniger zufrieden (50% bewerten insgesamt mit „sehr gut“ während dies nur 44% mit eigenen Kindern tun). Auch Personen, die nicht in Ausbildung und nicht berufstätig ( nur 38% sagen „sehr gut“) sind, zeigen sich damit unzufriedener. Dabei handelt es sich zu einem guten Teil (jedoch nicht ausschließlich) um karenzierte Personen. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien werden ebenfalls von Personen, die nicht in Ausbildung und nicht berufstätig sind, weniger positiv bewertet (53% „sehr gut“ zu 46% „sehr gut“), aber auch von Personen ohne Migrationshintergrund, besonders von jenen, die nicht zugezogen sind (47% „sehr gut“). Darüber hinaus beurteilen Frauen die Qualität der öffentlichen Verkehrsmittel etwas schlechter, vor allem jene zwischen 15 und 20 Jahren (53% zu 42%) und zwischen 21 und 25 Jahren (53% zu 45%).

Im Zeitvergleich bewerten die jungen Menschen sowohl Freizeit- und Kultur-angebote als auch den Verkehr in Wien recht stabil. Seit 2003 besser bewertet wird das Freizeitangebot. Der Autoverkehr hat sich hingegen nach Meinung der jungen Menschen verschlechtert und wird über die Zeit mit Abstand am negativsten bewertet.

56

ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 26: Beurteilung Verkehr, Kultur- und Freizeitangebote 2003 bis 2013 (Mittelwerte) 5 4,5 4 3,5 3 2,5 Radwege 2 1,5 1 2003 2008 2013 Autoverkehr Öffentlicher Verkehr Kulturangebote Freizeitangebote

Anmerkung: gewichtet; n=814-905; 733-867; 475-710 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Die Fragen nach dem Freizeitverhalten in SOWI decken ein eher geringes Spektrum ab (Grafik 27). Es fehlen etwa Themen wie Einkaufen und Ausgehen. Von den abgefragten Aspekten wird jedoch das Besuchen von Parks und öffentlichen Plätzen als häufigste Freizeitbeschäftigung genannt, gefolgt von Kinobesuchen und Musikveranstaltungen.

57 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 27: Freizeitverhalten in den letzten 12 Monaten (2013)

Parks Plätze mit Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum Kino

60

12

14

6 7

34

10

21

11

25

27

21

30

16

8

Musikveranstaltungen

13

11

24

30

21

Sportveranstaltungen (aktiv)

62 7

17

69

Theater

5 6

18

34

37

Austellungen, Bildende Kunst, Mode

4 6

18

29

43

Literaturveranstaltungen, Vorträge

4 4 11

24

57

Filmfestivals, Musikfestivals 3 4

16

45

33

VHS-Kurse 21 11 1

86

Bezirksfeste 1 6 1

28

64

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90%100% öfter als 10x 6-10x 3-5x 1-2x nie

Anmerkung: gewichtet; n=672-692 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

Folgende Gruppenunterschiede wurden beim Freizeitverhalten beobachtet:   Parks und Plätze werden überdurchschnittlich oft von jungen WienerInnen in Haushalten mit eigenen Kindern besucht (81 bzw. 82% „öfter als 10x“). Darüber hinaus gehen MigrantInnen der ersten Generation (69% „öfter als 10x“) sowie Personen, die sich nicht in Ausbildung und nicht in Beschäftigung befinden (sonstige Tätigkeit) (79% „öfter als 10x“), häufiger in Parks. Musikveranstaltungen werden häufiger von Zugezogenen aus den Bundesländern besucht (21% „10x oder öfter“). Kinobesuche werden von allen untersuchten Gruppen etwa gleich häufig unternommen.

 

Auf die Frage, welche Freizeitangebote in der eigenen Wohnumgebung besonders fehlen, antworten 36 bzw. 34 Prozent der Jugendlichen mit Sportplätzen/-hallen bzw. einem Schwimmbad/einer Sauna. Weitere 28 Prozent vermissen Lokale wie Kaffeehäuser, Beiseln und Gasthäuser in der Um-

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

gebung. Ein Viertel der Befragten geben an, dass ihnen in Bezug auf die Freizeitangebote in der Wohnumgebung nichts fehlt. Grafik 28: Verbesserung des Freizeitangebotes 2013 (Mehrfachnennungen, % der Fälle)

Sporthalle, Sportplatz für vereins-ungebundene Aktivitäten Schwimmbad, Sauna

36%

34%

Kaffeehäuser, Beiseln, Gaststätten

28%

Freiflächen für Jugendliche

23%

Jugendeinrichtungen, z.B. Jugendzentren

23%

Kinderspielplatz

11%

Anderes

6%

Nichts fehlt

25% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 50%

Anmerkung: gewichtet; n=1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013

    

Mehr Sportanlagen werden in allen Bezirken gewünscht, mit Ausnahme der Randbezirke 21, 22 und 23. Darüber hinaus wünschen sich Personen mit Matura ebenfalls mehr Sportanlagen (42%). Mehr Lokale werden von jungen WienerInnen in den Randbezirken 21-23 gewünscht (37%). Mehr Freiflächen für Jugendliche werden sehr stark überdurchschnittlich von jungen Frauen bis 20 Jahre gewünscht (33%). Nach Bezirken ergibt sich wiederum kein Unterschied.

Der Zeitvergleich zur Benutzung von Verkehrsmitteln für Arbeits- und Ausbildungswege zeigt, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch junge WienerInnen beachtlich angestiegen ist: Seit dem Jahr 2003 fahren 12 Prozent mehr junge Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Stätte ihrer hauptsächlichen Tätigkeit. Dagegen ist die Nutzung des Autos für Arbeits- und Ausbildungswege deutlich im Abnehmen, von 20 Prozent im Jahr 2003 auf 11 Prozent im Jahr 2008 und im Jahr 2013.

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 29: Verkehrsmittel für Arbeits- und Ausbildungswege 2003 bis 2013

2013

76

3

8

11

3

2008

73

4

8

11

4

2003

64

3

8

20

5

0%

20%

40% Fahrrad

60% Zu Fuß Auto

80% Andere

100%

Öffentliche Verkehrsmittel

Anmerkung: gewichtet; n=1.632; 1.542; 1.327 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

  

Öffentliche Verkehrsmittel werden überdurchschnittlich von jungen Menschen bis 20 Jahre verwendet (82%). Darüber hinaus verwenden junge WienerInnen in Ausbildung diese Transportmittel (83%). Das Auto nutzen dagegen eher Männer, Berufstätige, Personen mit Lehrabschlüssen und Abschlüssen berufsbildender mittlerer Schulen.

Werden für den Weg zur Arbeit oder zur Ausbildungsstätte überwiegend öffentliche Verkehrsmittel genutzt, zeigt sich für Einkäufe ein etwas anderes Bild. Hier gehen nach einem starken Anstieg seit 2003 im Jahr 2013 die meisten jungen WienerInnen zu Fuß (51 Prozent). Dieser Anstieg geht, ähnlich wie bei den Verkehrsmitteln zum Arbeitsweg, vor allem zulasten des Autos: Dessen Anteil sinkt bis zum Jahr 2013 um 10 Prozent auf 16 Prozent.

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 30: Verkehrsmittel für Einkäufe und Besorgungen 2003 bis 2013

2013

29

2

51

16

3

2008

32

3

40

22

4

2003

33

3

35

26

3

0%

20%

40% Fahrrad

60% Zu Fuß

80% Auto

100% Andere

Öffentliche Verkehrsmittel

Anmerkung: gewichtet; n= 1.775; 1.617; 1.398 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

    

Zu Fuß erledigen ihre Einkäufe überdurchschnittlich häufig junge WienerInnen in den Innenbezirken 1 bis 9 (61%). Darüber hinaus sind vor allem Personen in privater Hauptmiete (59%) und in Wohngemeinschaften (63%) zu Fuß für Einkäufe unterwegs. Auffällig ist zudem der hohe Wohnkostenanteil unter jenen, die zu Fuß einkaufen gehen. Das Auto wird hingegen von Personen mit geringerem Wohnkostenanteil benutzt. Junge WienerInnen, die im Eigentum bzw. in den Randbezirken 21-23 wohnen, nutzen ebenfalls zu einem erhöhten Anteil das Auto für Einkäufe.

4.3

Resümee: Leben in Wien

Die jungen Menschen in Wien wünschen sich vor allem mehr Grünflächen und Plätze zum Verweilen in ihrer Wohnumgebung (45 bzw. 40 Prozent). Daneben ist die Mobilität in der Umgebung ein wichtiges Thema: 39 Prozent wünschen sich einen Ausbau von Radwegen, 22 Prozent mehr Tempo-30-Zonen, 21 Prozent eine bessere Anbindung an den öffentliche Verkehr und 20 Prozent mehr Fußgängerzonen. Der Autoverkehr ist jener Punkt, der von den jungen WienerInnen am schlechtesten bewertet wird: nur 7 Prozent bewerten diesen in Wien mit „sehr gut“. Deutlich besser wird der öffentliche Verkehr bewertet: 53 Prozent sind der Meinung, dass dieser in Wien „sehr gut“ ist. Dieser wird auch am häufigsten für den Weg zur Arbeit oder zur Ausbildungsstätte verwendet: drei Viertel der Jungen fahren mit den Öffis zur Schule/Uni etc. oder zur Arbeit.

61 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Zur Verbesserung des Freizeitangebotes wünschen sich die jungen WienerInnen am häufigsten mehr Sportanlagen für die vereinsungebundene Nutzung (36 Prozent), gefolgt von Schwimmbädern und Saunen (34 Prozent).

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Folgende Gruppen lassen sich zusammenfassen: Zugezogene: Jene jungen Menschen, die nicht in Wien geboren sind, wünschen sich besonders häufig Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in ihrer Wohnumgebung. Dazu zählen begehbare Grünflächen und Sitzgelegenheiten sowie die generelle Begrünung der Umgebung. Bezüglich des Freizeitverhaltens dieser Gruppe kann festgehalten werden, dass Musikveranstaltungen häufiger besucht werden als vom Durchschnitt. Gebürtige WienerInnen sind dagegen etwas unzufriedener mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien. Frauen: Ähnlich wie im Kapitel zu Ausbildung und Beschäftigung kann auch hier festgestellt werden, dass Frauen bis 20 Jahre im besonderen Ausmaß mit den Arbeitsmöglichkeiten in Wien weniger zufrieden sind. Darüber hinaus sind Frauen zwischen 21 und 25 Jahren unzufriedener mit den Wohnmöglichkeiten in Wien. Personen in „sonstiger Tätigkeit“: Diese Gruppe ist mit einer Reihe von Aspekten des Lebens in Wien unzufrieden, angefangen von der Wohnumgebung bis zu den Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten sowie den öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien. Personen in den Bezirken 15 bis 17 bzw. 20: Junge WienerInnen, die in den dicht verbauten westlichen Bezirken wohnen, wünschen sich besonders Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Wohnumgebung.

5. ZENTRALE ERGEBNISSE & BENACHTEILIGTE GRUPPEN
Insgesamt zeigt sich in der Sekundärdatenanalyse der Sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung für WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren eine Reihe von Erkenntnissen.

5.1

Zusammenfassende Ergebnisse

Der Wechsel von der Ausbildung zum Beruf: Mehrfachbelastungen und ein Mangel an Daten Der Umstieg von der Ausbildung ins Berufsleben beginnt für die jungen WienerInnen im Allgemeinen mit 18 Jahren. Der Anteil der Berufstätigen steigt von hier an stetig, bis im Alter von 30 Jahren vier Fünftel der jungen Menschen im Berufsleben stehen. Mehrfachbelastung durch Job und Ausbildung ist für viele jungen Menschen in Wien ein Thema. Etwas weniger als 60 Prozent der StudentInnen gehen neben der Ausbildung einer Beschäftigung nach. Ein Drittel der Berufstätigen macht ebenfalls eine Ausbildung oder hat einen zweiten Job. Über die Zufriedenheit von SchülerInnen und StudentInnen mit der Ausbildungssituation können aus dieser Studie kaum Aussagen getroffen werden. Hier ist weitere Forschung mit auf diese Zielgruppe zugeschnittenen Fragen nötig. Beschäftigung. Mehr als ein Drittel der (hauptsächlich) berufstätigen jungen Menschen in Wien befinden sich in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis (37 Prozent). Als häufigster Grund wird Ausund Weiterbildung genannt. Immerhin ein Viertel der (hauptsächlich) berufstätigen WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren ist überqualifiziert für die ausgeführte Tätigkeit. 17 Prozent der jungen Berufstätigen sind in einem befristeten Dienstverhältnis. Es stellte sich in der Auswertung heraus,

63 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

dass prekäre Beschäftigungsbedingungen wie Befristung, Geringfügigkeit bzw. Teilzeit sowie eine Überqualifizierung oftmals in Kombination auftreten. Insgesamt sind 9 Prozent aller jungen WienerInnen von zwei oder mehr dieser prekären Beschäftigungsfaktoren betroffen. Das sind 20 Prozent der gesamten berufstätigen jungen WienerInnen.

Die Gründung des eigenen Haushaltes: Stolpersteine auf dem Weg zur eigenen Wohnung Nach der Ausbildungszeit und auf dem Weg ins Berufsleben verlassen immer mehr junge WienerInnen das Elternhaus und gründen ihren eigenen Haushalt. Mit 30 Jahren leben 9 von 10 junge Menschen in den eigenen vier Wänden. Für viele junge WienerInnen gibt es jedoch einige Faktoren, die die Gründung des eigenen Haushaltes erschweren. Die Teuerungen der Wohnkosten treffen junge Menschen besonders hart: Für einen neuen Mietvertrag muss im Mittel ein Drittel des Haushaltseinkommens aufgebracht werden, der Wiener Durchschnitt liegt bei 25 Prozent. Wohnraum war für frühere Generationen somit deutlich günstiger als heute. Darüber hinaus verschlechtert sich in vielen Fällen mit der eigenen Haushaltsgründung die Wohnqualität für junge WienerInnen deutlich. Mängel muss man vor allem beim Zustand der Wohnungen und beim Tageslicht in Kauf nehmen. Dies sind zwei wichtige Faktoren für die Wohnzufriedenheit. Der private Wohnungsmarkt ist nach dem Verlassen des Elternhaushaltes für viele die einzige Möglichkeit einen eigenen Haushalt zu gründen. 43 Prozent der jungen WienerInnen wohnen im privaten Segment. Dieses fordert im Vergleich zu den anderen Rechtsformen die höchsten Wohnkosten: Ein Drittel der jungen WienerInnen im privaten Segment zahlt 30 Prozent oder mehr für Wohnkosten, Strom und Heizung noch nicht dazugerechnet. Darüber hinaus bietet der private Wohnungsmarkt zunehmend befristete Mietverträge: 37 Prozent der jungen WienerInnen in privater Hauptmiete haben befristete Mietverträge. Junge Eltern im eigenen Haushalt sind besonders häufig mit überbelegtem Wohnraum konfrontiert – mehr als zwei Drittel leben in einer zu kleinen Wohnung. Für GemeindebaubewohnerInnen kann im Speziellen überlegt werden, wie Überbelag abseits der Vergabepolitik bekämpft werden kann. Hier kann beispielsweise auf junge Eltern, die bereits im Gemeindebau wohnen und kürzlich Nachwuchs bekommen haben, geachtet werden.

Leben in Wien: Öffentlicher Raum mit Aufenthaltsqualität, Öffis als häufigstes Fortbewegungsmittel, Wunsch nach mehr Sportplätzen und Schwimmbädern Am häufigsten wünschen sich die jungen WienerInnen zugängliche Grünflächen und Plätze. Diese sollten jedoch auch eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen, etwa durch die Errichtung von Sitzgelegenheiten. Insbesondere einkommensschwache junge Menschen sind auf diese freien Flächen angewiesen, daher sollte sichergestellt werden, dass diese ausreichend zur Verfügung stehen und nicht mit Konsumzwang verbunden sind. Abgesehen davon fordern die jungen Menschen in Wien vor allem Lösungen für den Verkehr. Der Autoverkehr ist jener Verkehrsaspekt, der die geringste Zufriedenheit aufweist. Gleichzeitig werden mehr Radwege, mehr Tempo-30-Zonen, mehr Fußgängerzonen und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr gefordert. Gerade öffentliche Verkehrsmittel sind für junge WienerInnen besonders wichtig; sie werden mit großem Abstand am häufigsten für Arbeits- und Ausbildungswege benutzt. Besonders Personen mit geringem Einkommen greifen oft auf dieses Verkehrsmittel zu-

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JUNGE MENSCHEN IN WIEN

rück, daher sollte sichergestellt werden, dass eine möglichst breite BewohnerInnenschicht eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr hat. Für die Freizeitgestaltung der jungen Menschen in Wien werden mehr Sportplätze und Schwimmbäder gefordert. Aber auch mehr Lokale, Kaffeehäuser, Freiflächen und Jugendeinrichtungen werden gewünscht.

Lebenszufriedenheit hoch, aber Konzentration von prekären Lebenslagen In direktem Zusammenhang mit der Zufriedenheit stehen zumeist Merkmale von Prekarität im Leben junger Menschen, sei es im Beruf, in der Ausbildung oder in der Wohnsituation. Ein Teil dieser prekären Merkmale stieg seit 2003 bzw. 2008 an (z.B. befristete Mietverträge, Teilzeitbeschäftigung). Aufgrund dieses Zusammenhangs ist davon auszugehen, dass die Zufriedenheit unter den jungen Menschen in den nächsten Jahren sinken wird, sofern diese Entwicklung anhält. Die Auswertung zeigt, dass sich schwierige Lebenssituationen oftmals gegenseitig verstärken. Beispielsweise haben junge WienerInnen mit einem befristeten Dienstverhältnis oftmals auch befristete Mietverträge. Tabelle 37 zeigt in diesem Zusammenhang, welche der untersuchten Gruppen von mehreren prekären Merkmalen betroffen sind. Besonders intensiv ist diese Überlappung bei Personen, die keine österreichische Staatsbürgerschaft haben, aber auch bei MigrantInnen allgemein sowie bei jungen WienerInnen in Wohngemeinschaften und Personen, die nicht in Ausbildung und nicht erwerbstätig sind.

Mehrfache Betroffenheit von prekären Lebenslagen. Das Konzept der Intersektionalität geht davon aus, dass sich Merkmale sozialer Ungleichheit bei Individuen wechselseitig unterstützen. Wenn eine Person von einer Form sozialer Benachteiligung betroffen ist, so steigt die Wahrscheinlichkeit für diese Person, noch von weiteren Formen betroffen zu sein. Für diese Menschen ist es im Anschluss besonders schwierig, sich von diesem Bündel an Benachteiligungen zu befreien. Vor allem im Bereich der Gender und Queer Studies konnten dadurch die wechselseitigen Abhängigkeiten von Aspekten benachteiligter Lebenslagen analysiert werden (Winker/Degele 2010). Die Auswertung zeigt, dass auch bei jungen Menschen schwierige Lebenssituationen oftmals dieselben Gruppen betreffen (Tabelle 37). Beispielsweise sind junge WienerInnen der ersten MigrantInnengeneration sowohl von Überqualifizierung im Job als auch von Überbelag, befristeten Mietverhältnissen und von Armutsgefährdung verstärkt betroffen.

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Tabelle 37: Übersicht prekärer Gruppen 2013 (Anteile in Prozent) Beschäftigung Teilzeit* Überqualifizierung* 24 36 31 Befristung DV* 15 Überbelag Wohnen Befristung Mietvertrag** 21 37 40 Erhöhter WKA*** 21 Allgemein Armutsgefährdung 32 48 53 38

Gesamt Migrationshintergrund (1. Generation) Nichtösterreichische Staatsbürgerschaft Zugezogen Ausgezogen Frauen „Sonstige“ Tätigkeit Haushalte mit eigenen Kindern In Wohngemeinschaften Im Gemeindebau

37

15 31 31 22

   
51 -

    
-


30

  
-


29

 
24 36


26 26 40

  
28

 
49


53


45


19 18


52


50 46


30









Quelle: SOWI Datensatz 2013 Wert im Durchschnitt *nur Berufstätige (Haupttätigkeit) **nur MieterInnen ***1/3 des Haushaltseinkommens oder mehr Lesebeispiel: 31% der jungen WienerInnen mit Migrationshintergrund sind überqualifiziert, 24% der jungen WienerInnen insgesamt.

Dem Ansatz der Intersektionalität weiter folgend wurde für die jungen Menschen in Wien das Ausmaß von mehrfacher Betroffenheit von prekären Merkmalen berechnet. Analog zu Tabelle 37 wur15 den wiederum diese Merkmale herangezogen : Teilbereich Arbeit (nur Berufstätige ): 17  Teilzeitbeschäftigung  Überqualifizierung  Befristetes Dienstverhältnis
16

15

Da der Wohnkostenanteil hauptsächlich vom Haushaltseinkommen abhängt, konnten andere einkommensbezogenen Indikatoren nicht in die Berechnung aufgenommen werden. Die drei prekären Indikatoren aus dem Teilbereich Arbeit wurden in der Sozialwissenschafltichen Grundlagenstudie nur für hauptsächlich Berufstätige erhoben. Aus diesem Grund mussten die Berechnungen von mehrfacher Betroffenheit getrennt nach hauptsächlicher Tätigkeit durchgeführt werden. Dies ist jedoch auch von inhaltlichen Gesichtspunkten sinnvoll: StudentInnen haben während ihrer Ausbildungszeit beispielsweise andere Anforderungen an den Job als Berufstätige. Die Frage, ob Teilzeitbeschäftigung mit einer prekären Lebenssituation zusammenhängt, ist durchaus kritisch zu betrachten. In dieser Studie fielen jedoch junge WienerInnen in Teilzeit durch ihre Unzufriedenheit mit den Punkten „Einkommen“ und „interessante Tätigkeit“ auf. Darüber hinaus zeigten sich starke Überschneidungen mit anderen Indikatoren, allen voran mit der Überqualifizierung. In diese Berechnungen sind lediglich jene Teilzeitbeschäftigten eingeflossen, die in ihrer Haupttätigkeit berufstätig sind. Studierende etwa, die neben dem Studium in Teilzeit berufstätig sind, wurden nicht mit einbezogen.

16

17

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Teilbereich Wohnen (nur Personen in Ausbildung & in „sonstiger Tätigkeit“)  Überbelag  Befristetes Mietverhältnis  Erhöhter Wohnkostenanteil Von den für die berufstätigen jungen Menschen erfassten sechs Formen von Prekarität sind  69% von mindestens einer Form betroffen,  34% von mindestens zwei Formen, sowie  15% von mindestens drei Formen. Von den für nicht berufstätige WienerInnen (in Ausbildung, sonstige Tätigkeit) erfassten drei Formen von Prekarität (nur Teilbereich Wohnen) sind  48% von mindestens einer Form betroffen,  10% von mindestens zwei Formen. Prekäre Lebensumstände sind bei jungen WienerInnen somit sehr weit verbreitet. Auf der anderen Seite gibt es Gruppen von jungen WienerInnen, die mehrfach betroffen sind. Von zwei oder mehr Prekaritätsformen sind verstärkt folgende junge Menschen betroffen:  MigrantInnen der ersten Generation bzw. Personen ohne österreichischer Staatsbürgerschaft  Personen in privater Hauptmiete und im Gemeindebau  Personen in Wohngemeinschaften (ohne Eltern im Haushalt)  Personen mit BMS, Matura oder Universitätsabschluss als höchste abgeschlossene Schulbildung (nur Personen, die nicht mehr in Ausbildung sind)  junge Menschen mit „sonstiger Tätigkeit“ (Arbeitslose, Personen in Karenz etc.)

Abhilfe durch den Gemeindebau. Ein Teil der prekären Wohnsituationen kann in Wien sehr gut durch den Gemeindebau abgefedert werden: Die Auswertung macht deutlich, dass insbesondere armutsgefährdete junge Menschen in Gemeindewohnungen leben. Der Gemeindebau ist im Vergleich zu privaten Wohnungen sehr gut mit Aufzügen, Gemeinschaftsräumen etc. ausgestattet. Der Gemeindebau erfüllt seinen Zweck sehr gut, nämlich Personen mit niedrigeren Haushaltseinkommen durch niedrigere Wohnkosten zu unterstützen. Jedoch sind die Haushaltseinkommen im Durchschnitt so niedrig, dass selbst bei geringeren Wohnkosten ein ähnlich hoher Wohnkostenanteil aufgebracht werden muss wie für private Mietwohnungen. Die Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen als zweite geförderte Wohnform in Wien sind dagegen weniger an benachteiligte Gruppen, sondern an Angehörige der Mittelschicht adressiert. Hier kann überlegt werden, wie diese Form des geförderten Wohnbaus möglichst jenen jungen Menschen zugänglich gemacht wird, die diese Förderung am dringendsten brauchen – etwa junge Eltern, deren Haushalte stark von Überbelag und befristeten Mietverträgen betroffen sind. Eine solche Öffnung würde auch einer Segregation sozial schwacher Schichten entgegenwirken. Die Stadt Wien hat bereits begonnen, Maßnahmen in diese Richtung zu setzen. Die nun in Wien gebauten SMART-Wohnungen zeichnen sich durch niedrige Finanzierungsbeiträge aus. Diese Wohnungen werden nach denselben Kriterien wie Gemeindewohnungen vergeben, sollen jedoch insbesondere die Bedürfnisse junger Familien, AlleinerzieherInnen und Singles decken.

67 ARBEITERKAMMER WIEN

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5.2

Benachteiligte Gruppen junger WienerInnen

Abgesehen von der Gründung eines eigenen Haushaltes und dem Wechsel von der Ausbildung in den Beruf haben sich Gruppen herauskristallisiert, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick, welche der ausgewählten Gruppen junger Menschen in mehrerlei Hinsicht benachteiligt sind.

Personen mit Migrationshintergrund Diese Gruppe junger Menschen ist von besonders vielseitigen Benachteiligungen gezeichnet. MigrantInnen empfinden sämtliche abgefragte Stressfaktoren intensiver, sind überdurchschnittlich häufig überqualifiziert und armutsgefährdet. Darüber hinaus zeigen sie sich deutlich unzufriedener mit ihrer Wohnsituation (Zustand, Größe und Preiswürdigkeit der Wohnung) und haben sehr häufig befristete Mietverträge. Außerdem sind besonders MigrantInnen der ersten Generation von Überbelag betroffen.

Frauen Lehrberufe, die „typischerweise“ Mädchen wählen, bieten oftmals schlechtere Arbeitsbedingungen und sind außerdem schlechter bezahlt als jene, die „typischerweise“ von Burschen ergriffen werden. Dies hat zur Folge, dass junge Mädchen und Frauen nicht nur eine geringere Arbeitszufriedenheit aufweisen; das geringere Einkommen erschwert zudem, eine passende Wohnung zu finden. Dadurch sinkt die Zufriedenheit mit den Wohnmöglichkeiten in Wien. Das hohe Ausmaß an Teilzeitbeschäftigung drückt sich ebenfalls negativ auf die Arbeitszufriedenheit aus: 51 Prozent der jungen Frauen sind in Teilzeitbeschäftigung oder geringfügig beschäftigt, hingegen nur 27 Prozent der Männer.

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Personen mit max. Lehrabschluss (und nicht mehr in Ausbildung) Diese Gruppe ist im überdurchschnittlichen Ausmaß bereits aus dem Elternhaus ausgezogen. Aus diesem Grund leben sie wohl auch verstärkt in überbelegten Wohnungen.

Zugezogene Jene WienerInnen, die nicht in Wien geboren sind, zeigen sich etwas unzufriedener mit dem Zustand, der Größe und der Preiswürdigkeit der Wohnung. Diese Gruppe wohnt kaum in Eigentumswohnungen, sondern eher im Gemeindebau (mit Migrationshintergrund) oder in privater Hauptmiete (ohne Migrationshintergrund).

Personen in sonstiger Tätigkeit Junge Menschen, die in Karenz, arbeitslos oder aus sonstigen Gründen zu Hause sind, sind am stärksten mit der Wohnsituation (Zustand, Größe, Preiswürdigkeit, Tageslicht) unzufrieden, aber auch mit der Wohnumgebung, den öffentlichen Verkehrsmitteln sowie den Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in Wien.

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LITERATURVERZEICHNIS
Backhaus, Klaus et al. (2008): Multivariate Analysemethoden. Eine anwen-dungsorientierte Einführung. Springer-Lehrbuch: Heidelberg. Bradley, Harriet / van Hoof, Jaques (Hrsg. 2005): Young people in Europe. Labour markets and citizenship. The Policy Press: University of Bristol. Gille, Martina et al. (2006): Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland. Lebensverhältnisse, Werte und gesellschaftliche Beteiligung 12- bis 29-Jähriger. Schriften des Deutschen Jugendinstituts: Jugendsurvey 3. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. Magistrat der Stadt Wien MA 23 (2014): Wien wächst… Bevölkerungsentwicklung in Wien und den 23 Gemeinde- und 250 Zählbezirken. Statistik Journal Wien 01/2014. Magistrat der Stadt Wien MA 23 (2013): Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2013. Magistrat der Stadt Wien MA 23 (2008): Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2008. Magistrat der Stadt Wien MA 23 (2003): Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2003. Schnell, Rainer / Hill, Paul B. / Esser, Elke (2005): Methoden der empirischen Sozialforschung. Oldenbourg Verlag: München, Wien Statistik Austria (2014): Überdurchschnittlicher Anstieg der Wohnungsmieten im privaten Mietsektor, Miethaushalte geben ein Viertel des Haushaltseinkommens für Wohnen aus. Pressemitteilung 10.892-201/14. http://www.statistik.at/web_de/dynamic/presse/079386 Tockner, Lukas (2012): Mietensteigerungen in Österreich und Wien. Auswertung aus dem Mikrozensus. Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien. http://media.arbeiterkammer.at/wien/PDF/mietensteigerungen_studie.pdf Winker, Gabriele; Degele, Nina (2010): Intersektionalität: Zur Analyse sozialer Ungleichheit. Transcript Verlag Bielefeld.

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TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Erhebungen LLIW II, SOWI & SOWI II ...............3 Tabelle 2: Schulbildung im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) .........................................................6 Tabelle 3: Migrationshintergrund im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) ..........................................6 Tabelle 4: Staatsbürgerschaft 2013 (in Prozent) ...................................................................................7 Tabelle 5: Wohnbezirke im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) ........................................................7 Tabelle 6: Haushaltstypen im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) ....................................................8 Tabelle 7: Berufstätigkeit & Ausbildung im Zeitvergleich 2003-2013 (in Prozent) ................................9 Tabelle 8: Zugezogene & MigrantInnen 2013 (in Prozent) .................................................................10 Tabelle 9: Durchschnittlicher Wohnkostenanteil 2013 (Spaltenprozent) ............................................11 Tabelle 10: Zusätzliche Kriterien zur Definition von Überbelag ..........................................................12 Tabelle 11: Allgemeine Lebenszufriedenheit: Ergebnis der linearen Regressionsanalyse ................13 Tabelle 12: Arbeitszufriedenheit: Ergebnis der linearen Regressionsanalyse ....................................14 Tabelle 13: Wohnzufriedenheit: Ergebnis der linearen Regressionsanalyse......................................15 Tabelle 14: Wie gerne leben Sie in Wien: Ergebnis der logistischen Regressionsanalyse I ..............16 Tabelle 15: Wie gerne leben Sie in Wien: Ergebnis der logistischen Regressionsanalyse II .............16 Tabelle 16: Frauen & Männer in Berufstätigkeit und Ausbildung 2013 (in Zeilenprozent)..................19 Tabelle 17: Zugezogene in Berufstätigkeit und Ausbildung 2013 (in Zeilenprozent) ..........................20 Tabelle 18: Anteil von Berufstätigkeit & Ausbildung 2007 bis 2012 (in Prozent) ................................21 Tabelle 19: Verteilung der SchülerInnen ab 15 Jahren auf Schultypen, Schuljahr 2012/13...............21 Tabelle 20: Berufliche Stellung 2007 bis 2012 (nur Berufstätige; in Prozent).....................................22 Tabelle 21: Branchenzugehörigkeit junger Berufstätiger 2013 (nur Berufstätige) ..............................22 Tabelle 22: Anteile in Vollzeit- & Teilzeitbeschäftigung 2013 (nur Berufstätige) ................................25 Tabelle 23: Anteile Über- und Unterqualifizierter 2013 (nur Berufstätige) ..........................................29 Tabelle 24: Anteil der Ausgezogenen aus dem Elternhaus nach Tätigkeit 2013 (in Prozent) ............34 Tabelle 25: Anteile in Rechtsformen des Wohnens 2007 bis 2012 (in Prozent) .................................34 Tabelle 26: Verteilung der Ausgezogenen aus dem Elternhaus auf die Rechtsformen 2013 (Spaltenprozent) ..........................................................................................................................35 Tabelle 27: Verteilung der Ausgezogenen aus dem Elternhaus auf die Wohnformen 2013 (Spaltenprozent) ..........................................................................................................................38 Tabelle 28: Verteilung befristeter Mietverträge auf die Rechtsformen 2013 (Zeilenprozent) .............41 Tabelle 29: Befristete Mietverträge von Ausgezogenen und Nicht-Ausgezogenen aus dem Elternhaus 2008 bis 2013 (in Prozent) ........................................................................................42

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Tabelle 30: Überbelegte Wohnungen Ausgezogener aus dem Elternhaus 2008 bis 2013 (in Prozent)43 Tabelle 31: Anteile überbelegter Wohnungen in den Haushaltstypen 2013 (Zeilenprozent) ............. 44 Tabelle 32: Wohnkostenanteile Ausgezogener und Nicht-Ausgezogener aus dem Elternhaus, in 5 Kategorien 2013 (Spaltenprozent) ............................................................................................. 46 Tabelle 33: Wohnkostenanteile der Rechtsformen, in 5 Kategorien 2013 (Spaltenprozent) ............. 46 Tabelle 34: Haushaltseinkommen, Wohnkosten & Kosten pro Quadratmeter der Rechtsformen 201348 Tabelle 35: Wohnkostenanteile Ausgezogener und Nicht-Ausgezogener aus dem Elternhaus nach Rechtsform 2013 (Anteile in %) .................................................................................................. 48 Tabelle 36: Angestrebte Wohngegend bei geplantem Umzug 2013 ................................................. 49 Tabelle 37: Übersicht prekärer Gruppen 2013 (Anteile in Prozent) ................................................... 66

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ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Grafik 1: Modell für die Steigerung der Zufriedenheit .........................................................................17 Grafik 2: Alter beim Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben 2008 & 2013 .............................18

Grafik 3: Allgemeine Belastungsfaktoren in Beruf & Alltag 2013 (alle jungen WienerInnen)Fehler! Textmarke nicht d Grafik 4: Beurteilung der Arbeitssituation 2013 (nur Berufstätige) ......................................................24 Grafik 5: Anteile atypischer Beschäftigungsverhältnisse 2008 bis 2013 (nur Berufstätige) ................26 Grafik 6: Hauptgrund für Teilzeitbeschäftigung 2013 (nur Berufstätige) .............................................27 Grafik 7: Mehrfachbelastung Berufstätigkeit & Ausbildung 2013 (alle jungen WienerInnen, Mehrfachantworten) .....................................................................................................................28 Grafik 8: Auskommen mit dem Haushaltseinkommen im Zeitverlauf 2003 bis 2013 (alle jungen WienerInnen) ...............................................................................................................................30 Grafik 9: Einkommen reicht knapp/gar nicht nach Haushaltstyp 2008 bis 2013 (alle jungen WienerInnen; Mittelwerte)............................................................................................................31 Grafik 10: Alter beim Auszug aus dem Elternhaus 2008 bis 2013 ......................................................33 Grafik 11: Vergleich der Ausstattung von Wohnhausanlagen nach Rechtform 2013 (Mehrfachantworten) ...................................................................................................................37 Grafik 12: Wohnformen im Zeitvergleich 2003 bis 2013 .....................................................................38 Grafik 13: Subjektive Einschätzung der Wohnsituation 2013 .............................................................39 Grafik 14: Subjektive Einschätzung der Wohnsituation von Ausgezogenen aus dem Elternhaus 201340 Grafik 15: Anteile befristeter Mietverträge im Zeitverlauf 2003 bis 2013 (nur MieterInnen) ...............41 Grafik 16: Befristete Mietverträge nach Haushaltstyp im Zeitverlauf 2008 bis 2013 (nur MieterInnen)42 Grafik 17: Anteil überbelegter Wohnungen im Zeitverlauf 2003 bis 2013 (in Prozent) .......................43 Grafik 18: Anteile überbelegter Wohnungen in den Haushaltstypen im Zeitverlauf 2008 bis 2013 (in Prozent) .......................................................................................................................................45 Grafik 19: Wohnkostenanteil armutsgefährdeter Haushalte 2003 bis 2013........................................47 Grafik 20: Geplanter Wohnungswechsel nach Haushaltstypen 2013 .................................................49 Grafik 21: Gründe für den Umzug 2013 (Mehrfachnennungen, % der Fälle) .....................................50 Grafik 22: Beurteilung des Wohngebietes 2013 ..................................................................................53 Grafik 23: Verbesserungswünsche für die Wohnumgebung 2013 (Mehrfachnennungen, % der Fälle)54 Grafik 24: Beurteilung der Stadt Wien 2013 ........................................................................................55 Grafik 25: Beurteilung der Stadt Wien II: Verkehr & Freizeit 2013 ......................................................56 Grafik 26: Beurteilung Verkehr, Kultur- und Freizeitangebote 2003 bis 2013 (Mittelwerte)................57 Grafik 27: Freizeitverhalten in den letzten 12 Monaten (2013) ...........................................................58 Grafik 28: Verbesserung des Freizeitangebotes 2013 (Mehrfachnennungen, % der Fälle) ...............59

73 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 29: Verkehrsmittel für Arbeits- und Ausbildungswege 2003 bis 2013 ..................................... 60 Grafik 30: Verkehrsmittel für Einkäufe und Besorgungen 2003 bis 2013 .......................................... 61

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ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

ANHANG
Grafik 31: Zufriedenheit mit der Lebenssituation insgesamt 5 4,5 4 3,5 3 2,5 2 1,5 1 2003 2008 2013

Anmerkung: gewichtet; n=1.290; 2.027; 1.790 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Grafik 32: Zufriedenheit mit der Wohnung 5 4,5 4 3,5 3 2,5 2 1,5 1 2003 2008 2013

Anmerkung: gewichtet; n=1.787; 1.625; 1.409 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

75 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Grafik 33: Wie gerne leben Sie in Wien? 5 4,5 4 3,5 3 2,5 2 1,5 1 1995 2003 2008

Anmerkung: gewichtet; n=1.787; 1.623; 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensätze 2003, 2008, 2013

Tabelle 38: Gruppenübersicht Haushaltseinkommen reicht „knapp/gar nicht“
GESAMT Anteil HH-Einkommen „reicht knapp“ bzw. „reicht nicht“ 18 %

Haushaltstyp Alleinlebend Mit PartnerIn Mit (Groß-)Eltern WG-ähnlich Mit eigenen Kindern

% 23 13 14 24 32

Tätigkeit Berufstätig SchülerInnen StudentInnen Sonstige Tätigkeit

% 18 12 20 35

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ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Zuzug Nicht zugezogen, ohne Migrationshintergrund Nicht zugezogen, mit Migrationshintergrund Zugezogen ohne Migrationshintergrund Zugezogen mit Migrationshintergrund

% 15 21 17 24

Gruppe Alter

Kategorien 15 bis 20 Jahre 21 bis 25 Jahre 26 bis 30 Jahre

% 13 20 22 20 17 16 24 18 14 15 16 23 22 17 24 18 18 16 12 38 30

Geschlecht

Frauen Männer

Höchste abgeschlossene Schulbildung (nur Personen, die nicht in Ausbildung sind) Migrationshintergrund

(Keine) Pflichtschule Lehre BMS Matura Universität/FH Kein Migrationshintergrund Erste Generation Zweite Generation

Wohnbezirk

Innenbezirke Südliche Außenbezirke Westliche Grünbezirke Westliche dicht verbaute Bezirke Randbezirke

Armutsgefährdung

Nicht armutsgefährdet Armutsgefährdet Überbelag

Anm.: gewichtet; 1.410 (ungewichtet) Quelle: SOWI Datensatz 2013 Lesebeispiel: 23% der alleinlebenden jungen WienerInnen geben an, nur knapp oder gar nicht mit dem Haushaltseinkommen auszukommen.

77 ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

STADTPUNKTE
Die Studienreihe „Stadtpunkte“ wird von der Abteilung Kommunalpolitik der AK Wien herausgegeben und behandelt aktuelle kommunalpolitische Themen. Sie soll in erster Linie Informationsmaterial und Diskussionsgrundlage für an diesen Fragen Interessierte darstellen. Aktuelle Ausgaben: Nr. 1 Nr. 2 2011 Nr. 3 2011 Nr. 4 Nr. 5 Nr. 6 PendlerInnenstudie Wien, Andreas Riesenfelder, 2011 Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung in Wien, Verkehrsplanung Käfer GmbH,

Wiens Stadtwirtschaft im Konjunkturzyklus, Jürgen Bierbaumer-Polly, Peter Mayerhofer,

Verkehr in der Stadt, Veranstaltungsreihe 2010/2011, Michael Klug (Hg.), 2012 Qualität im Arbeitsumfeld, Gisa Ruland, 2012 Kommunaler Ausverkauf, Peter Prenner (Hg.), 2013

Nr. 7 Wohnen im Arsenal, Wandel der Wohnbedingungen im Zuge der Privatisierung, Peter Moser, 2013 Nr. 8 Wiens Konjunkturentwicklung im nationalen, intra- und interregionalen Vergleich, Jürgen Bierbaumer-Polly, Peter Mayerhofer, 2013 Nr. 9 BürgerInnenbeteiligung in der Stadt – Zwischen Demokratie und Ausgrenzung?, Katharina Hammer (Hg.), 2013 Nr. 10 Wiens Industrie in der wissensbasierten Stadtwirtschaft: Wandlungsprozesse, Wettbewerbsfähigkeit, industriepolitische Ansatzpunkte Peter Mayerhofer, 2014 Nr. 11 Migrantische Ökonomie in Wien, Susi Schmatz, Petra Wetzel, 2014 Nr. 12 Wien wächst – Herausforderungen zwischen Boom und Lebensqualität, Peter Prenner (Hg.), 2014 Nr. 13 Wiener Herausforderungen – Arbeitsmarkt, Bildung, Wohnung und Einkommen, Josef Schmee (Hg.), 2015 Nr. 14 Wien wächst – Wien wohnt – Gutes Wohnen in einer wachsenden Stadt, Peter Prenner (Hg.), 2015 Nr. 15 Junge Menschen in Wien - Beschäftigung – Wohnen – Leben in Wien, Katharina Hammer (Hg.), 2015

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ARBEITERKAMMER WIEN

JUNGE MENSCHEN IN WIEN

Sämtliche Studien sind kostenlos erhältlich bei: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien Abteilung Kommunalpolitik Prinz-Eugen-Straße 20 – 22, 1040 Wien Tel: +43 (0) 1 501 65 – 3047 E-Mail: stadt@akwien.at oder als PDF: http://wien.arbeiterkammer.at

79 ARBEITERKAMMER WIEN

Arbeiterforellen?
AK Stadt: ArbeitnehmerInnen-Interessen im urbanen Raum
Bestellung: stadt@akwien.at oder telefonisch 01 501 65 DW 3047 PDF-Download unter wien.arbeiterkammer.at/service/zeitschriften/akstadt

4 x im Jahr. Gratis abonnieren.

Foto: Georg Tschannett, fotolia

AK.indd 1

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22.02.13
        
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