Path:
Periodical volume

Full text: Der Berliner Konjunkturbericht Issue 2014

Der Berliner Konjunkturbericht
Die wirtschaftliche Lage Berlins im Herbst 2014

Inhalt

Gesamtwirtschaft	5 Geschäftsklima 	 Geschäftslage und Geschäftserwartungen 	 Beschäftigungspläne 	 5 6 8

Investitionspläne	9 Exportentwicklung und -erwartungen	 10

Branchenbetrachtung	11 Industrie	11 Handwerk	12 Bauindustrie	14 Handel	15 Dienstleistungsgewerbe 	 16

Gastgewerbe	17

Impressum	18

3

GESCHÄFTSKLIMA

Zunehmende Verunsicherung
Der rasante Stimmungsaufschwung, den die Berliner Wirtschaft in den letzten zwei Jahren erlebte, ist vorerst beendet. Die in den vergangenen Monaten ohne Unterlass wachsenden politischen und wirtschaftlichen Risiken im internationalen Umfeld gehen auch an der hauptstädtischen Wirtschaft nicht spurlos vorüber. Der von IHK Berlin und Handwerkskammer Berlin erhobene Geschäftsklimaindex zählt 131 Punkte, nach 144 Zählern im Frühsommer des Jahres. Damit ist der Index wieder auf das Niveau des vorigen Herbstes gesunken, auf das er nach dem wirtschaftlichen Einbruch im Herbst 2012 gestiegen war. Wenn dieses Niveau auch keineswegs Stagnation oder gar Rezession anzeigt, so wurde doch die Hoffnung, die Konjunktur hätte sich auf einen stabilen Aufwärtspfad begeben, vorerst enttäuscht. Auch die guten Standortbedingungen Berlins schirmen die Unternehmen nicht von den globalen politischen und ökonomischen Verwerfungen ab. So dürfte die Struktur- und Wirtschaftskrise in der Eurozone weiterhin export- und wachstumshemmend auf die hauptstädtische Wirtschaft wirken. Angesichts der Reformlethargie in wichtigen
150 140 130
127 131 131

europäischen Volkswirtschaften verfestigt sich der Eindruck, dass diese Krise auch unter der Ägide eines kreativen Zentralbankregimes nur langsam zu überwinden sein wird. Darüber hinaus führen die Krisen in Osteuropa und dem Nahen Osten zu tiefer Verunsicherung über die zukünftige Entwicklung der internationalen Beziehungen und den daraus erwachsenden wirtschaftlichen Folgen. Doch nicht allein die schwächeren Impulse ausländischer Nachfrage setzen die Stimmung in vielen Unternehmen unter Druck: Auch die Belastungen, die sich aus Maßnahmen der Bundesregierung für die Wirtschaft ergeben, rücken vor dem Hintergrund einer abnehmenden Konjunkturdynamik in vielen Unternehmen zunehmend ins Bewusstsein. So zeigen die Ergebnisse unserer Umfrage, dass die Unternehmen erstmals seit drei Jahren die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wieder als das größte Wachstumsrisiko einschätzen.

144

120 110 100 90 80 70 0 2011 2012 2013 2014

Der Geschäftsklimaindikator ist das geometrische Mittel der Salden aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen. Er errechnet sich als Quadratwurzel aus dem Produkt beider Salden. Wenn beide Salden gleich null sind, nimmt der Indikator den neutralen Wert 100 an. Das geometrische Mittel gilt als „konservativer“ Durchschnitt, weil stets der niedrigere Saldo stärker gewichtet wird. jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

5

GESCHÄFTSLAGE UND GESCHÄFTSERWARTUNGEN

Moderat nachlassende Dynamik – schwindende Zuversicht
Die Geschäftslage wird von den meisten Unternehmen weiterhin als gut eingeschätzt. Dennoch können sich auch die Geschäfte in der Berliner Wirtschaft dem während des zurückliegenden Sommers aufgefrischten konjunkturellen Gegenwind nicht entziehen. Dies zeigt der unter Druck geratene Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der Geschäftslage, welcher gegenüber dem Frühsommer sieben Zähler verliert und nun 42 Punkte zählt. Offensichtlich kein dramatischer Einbruch, setzt dieser Rückgang dem seit Herbst 2013 beobachteten positiven Trend des Indikators dennoch ein klares Ende. Noch in der Umfrage im Frühsommer des Jahres deuteten die Daten zumindest auf einen stabilen Trendverlauf hin. Der damalige Optimismus fand sich durch die teils überraschend heftigen, vor allem aus Politik und Außenwirtschaft herrührenden Verwerfungen nicht bestätigt. Die nun vorgenommene Korrektur der Einschätzung kommt daher nicht überraschend und ist angesichts ihres moderaten Ausmaßes nur Anzeichen für langsameres, aber nicht stagnierendes Wachstum in den letzten Monaten. Da die jüngste konjunkturelle Ermattung im Wesentlichen durch Investitionsschwäche und Exportflaute erklärt wird, nimmt es nicht Wunder, dass der Lageindikator in der Berliner Industrie eine deutlichere Korrektur erfährt. Der Saldo aus gut und schlecht eingeschätzten Geschäften zählt 35 Zähler, 13 Punkte weniger als noch zur Vorumfrage. Das Niveau bleibt zwar erfreulich hoch, doch deutlich hinter den mehr als 40 Punkte zählenden Salden der drei Vorumfragen zurück. Darüber hinaus berichten viele Unternehmen von in den vergangenen Monaten zurückgegangenen Auftragseingängen, sei es aus dem In- oder dem Ausland. Die Ergebnisse lassen also darauf schließen, dass die Industriekonjunktur auch in Berlin an Fahrt verloren hat. Sanfter erfolgt immerhin die Bremsung der Konjunktur im hauptstädtischen Dienstleistungsgewerbe. Der Saldo der Geschäftslage geht zwar

um neun Zähler zurück, doch mit einem Wert von 49 Punkten kann von schlechten Geschäften keine Rede sein. Die Detailbetrachtung offenbart erwartungsgemäß, dass insbesondere die Berliner Immobilienwirtschaft von einer Konjunkturdelle nicht reden kann. Dagegen trüben sich die Einschätzungen der unternehmensnahen Dienstleister und der IT-Dienstleistungsunternehmen im Vergleich zur Vorumfrage teils deutlich ein. Bei den personenbezogenen Dienstleistern haben die Geschäfte im Sommer ihre Dynamik beibehalten. Die Annahme, die private Nachfrage sei von der nachlassenden Wachstumslaune noch nicht betroffen, scheint dadurch untermauert. Noch deutlicher spricht dafür die Geschäftsentwicklung des Berliner Handels: Der Saldo der Geschäftslage verliert mit einem Wert von 40 Punkten im Vergleich zum Frühsommer nur drei Zähler. Auch die Umsatzentwicklung wird von den Unternehmen mehrheitlich als positiv eingeschätzt. Mit 41 Zählern erfreulich hoch ist der Saldo im Gastgewerbe, kaum ein Unternehmen der Branche meldet schlechte Geschäfte im Sommer. Und auch das Berliner Handwerk berichtet von guten Geschäften, sogar besseren als noch im Frühjahr: Der Saldo der Geschäftslage beträgt 21 Punkte, zuletzt waren es 14 Zähler. Das Baugewerbe bleibt dagegen hinter den guten Ein-

schätzungen zum Frühsommer zurück. Mit einem Wert von 26 Punkten zeigt der Saldo aber weiterhin überwiegend gute Geschäfte an. In den Erwartungen der Berliner Unternehmen schlägt sich die tiefe Verunsicherung der Märkte deutlicher nieder als in den Einschätzungen der Geschäftslage. Eine wachsende Zahl an Marktakteuren rechnet nicht mit einer schnellen Lösung für die im Laufe des Sommers verstärkt aufgeflammten Krisen. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen bricht im Vergleich zur Vorumfrage um 19 Zähler ein. Damit zählt der Indikator nur noch 20 Punkte. Der nach wie vor deutlich positive Wert zeigt zwar, dass die Unternehmen noch keine Rezessionswolken am Horizont aufziehen sehen, doch der Indikatorrückgang hat die Qualität eines deutlichen Warnsignals. Die Erwartungen in den einzelnen Branchen finden Sie ab Seite 11 dargestellt.

60 50 40 30 20 10 0
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
29 26 28 20 35 49

Frühjahr 2013 Geschäftslage

Herbst 2013 Frühjahr 2014

Herbst 2014

39

42

gut befriedigend schlecht Saldo aus gut und schlecht Geschäftserwartungen besser gleichbleibend schlechter Saldo aus besser und schlechter

42 45 13 29 36 54 10 26

48 39 13 35 36 56 8 28

57 35 8 49 47 46 8 39

53 36 11 42 34 53 14 20
Abweichungen der Anteilssummen von 100 sind Rundungen der Prozentangaben geschuldet.

-10 -20 -30 2011 Lage 2012 Erwartungen 2013 2014

6

7

BESCHÄFTIGUNGSPLÄNE

INVESTITIONSPLÄNE

Solide Aussichten
Die Personalpläne der Berliner Wirtschaft zeigen sich noch robust gegenüber den eingetrübten Zukunftsaussichten. Der Saldo aus steigend und abnehmend geplanter Beschäftigungsentwicklung beläuft sich auf neun Punkte, das sind vier Punkte weniger als im Frühsommer. Eine moderate Korrektur, die eine nach wie vor solide Arbeitsmarktdynamik in den kommenden Monaten erwarten lässt. Zwischen den Branchen gibt es aber augenfällige Abweichungen, was Niveau und Veränderungsrichtung der Salden betrifft. Durchaus überraschend ist der deutliche Anstieg des Indikators im Verarbeitenden Gewerbe, der mit 17 Punkten einen erheblichen Stellenzuwachs in naher Zukunft prognostiziert. Vor dem Hintergrund der skeptischeren Erwartungen in der Branche ergibt sich hier Klärungsbedarf. Der Blick in die Daten zeigt, dass einige größere Industrieunternehmen am Standort Stellenaufbau planen, jedoch nicht mit einer sich in nächster Zeit verbessernden Geschäftslage rechnen. Möglich, dass diese Unternehmen bei bereits gut laufenden Geschäften den nun notwendigen Stellenaufbau nachholen wollen. Auch im Gastgewerbe planen mehr Unternehmen als noch zum Frühsommer neue Stellen zu schaffen, der Saldo steigt auf 24 Zähler. Da auch die Erwartungen in der Branche sehr zuversichtlich sind, dürfte dies in nächster Zeit stärkere Impulse für den Arbeitsmarkt der Hauptstadt liefern. Nachlassen könnte dagegen der Beitrag der Dienstleistungsunternehmen zur Beschäftigungsentwicklung. Deren Personalplanungsindikator geht zurück, liegt mit einem Wert von sieben Punkten aber nach wie vor im positiven Bereich. Schwächer als im Frühjahr, aber gegenüber dem Vorjahr verbessert, präsentiert sich das Berliner Handwerk, dessen Saldo der Personalpläne einen Punkt zählt.

Stabile Investitionsbereitschaft
Die Investitionsbereitschaft in der Berliner Wirtschaft ist weiterhin hoch. Fast drei Viertel der Befragten beabsichtigen, in den kommenden Monaten mit gleichbleibenden oder steigenden Investitionsausgaben zu operieren. Gegenüber den Vorumfragen ist dies ein nur geringfügiger Rückgang. Angesichts des abrutschenden Erwartungsindikators mag diese Entwicklung inkonsistent erscheinen. Doch zeigten bereits unsere zurückliegenden Konjunkturumfragen, dass die Investitionsabsichten meist dann deutlich korrigiert wurden, wenn sich die laufenden Geschäfte kräftig verbessert oder verschlechtert hatten. Die Entwicklung der Erwartungen als in die Zukunft gerichtete, mehr oder weniger unsichere Vermutungen scheinen die Planung oft weniger stark zu beeinflussen als die bereits realisierten Geschäfte. Die Unternehmen sehen also die Risiken der nahen Zukunft klar und deutlich, agieren auch entsprechend vorsichtiger, behalten aber ihren kaufmännischen Optimismus bei.
In der aktuellen Umfrage der IHK Berlin wurde die Fragestellung zu den Investitionsplänen verändert. Um die Investitionsplanungen in der Berliner Wirtschaft genauer abbilden zu können, werden die Unternehmen nun in zwei Fragen statt nur in einer nach ihren Investitionsplänen befragt. Dies ermöglicht eine differenziertere Auswertung und Darstellung der Investitionsabsichten. Allerdings bringt die methodische Veränderung einen Bruch der Zeitreihe mit sich. Daher werden in dieser Ausgabe des Konjunkturberichtes nur die Investitionspläne für den Herbst und Frühsommer 2014 dargestellt. Die Zeitreihe der Saldodarstellung wird im Konjunkturreport zu Jahresbeginn 2015 fortgesetzt. Die separat erstellte Umfrage der Handwerkskammer Berlin ist von diesen Veränderungen nicht betroffen und wird ab Seite 12 dargestellt.

30 25 20

100
69,2

80

57,7

60
15 10
9 15 13

40
25,3

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

5 0

20
5

22,5

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen aus der Konjunkturumfrage der IHK Berlin jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

2011

2012

2013

2014

0

Frühsommer 2014 abnehmend und keine geplanten Investitionsausgaben

Herbst 2014 gleichbleibend und steigend geplante Investitionsausgaben

8

9

EXPORTENTWICKLUNG UND -ERWARTUNGEN

INDUSTRIE

Geschwächte Nachfrage
Die Exportkonjunktur verliert an Dynamik. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der Exportentwicklung in den vergangenen Monaten beträgt nur noch sechs Punkte, nach 36 Punkten im Frühsommer des Jahres. Der Einbruch des Indikators vermittelt überdeutlich eine Vorstellung von der gravierenden Nachfrageschwäche, die die wichtigsten Exportmärkte fesselt. Positive Konjunkturmeldungen kamen in den vergangenen Monaten nur aus den USA, und auch diese stehen unter dem Vorbehalt, dass die Erwerbstätigenzahlen nur langsam steigen. Das Wachstum in den übrigen wirtschaftlichen Großräumen enttäuschte jedoch weitestgehend. Der europäische Markt bleibt stimulierende Impulse schuldig, wenn auch aus Spanien und Griechenland einige zuversichtlich stimmende Meldungen kamen. Doch wurden diese überschattet von der persistenten wirtschaftlichen Schwäche Italiens und Frankreichs. Ebenfalls dämpfend dürften die Spannungen in Osteuropa und das schwächere Wachstum Chinas wirken. Die Exporterwartungen geben im Vergleich zum Frühsommer zwar etwas nach, doch deuten sie darauf hin, dass die Exportgeschäfte in nächster Zeit wieder etwas schwungvoller verlaufen könnten. So sind nur acht Prozent der Befragten pessimistisch eingestellt, 37 Prozent rechnen damit, dass die Ausfuhren ihres Unternehmens in den nächsten sechs Monaten wieder anziehen werden. Vielleicht kommt hier auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die USA bald wieder ihrer Rolle als Konjunkturlokomotive gerecht werden. Allerdings muss man fragen, ob der Optimismus dieser Einschätzungen übertrieben ist. Denn zugleich verdoppelt sich nahezu der Anteil jener Unternehmen, die den Auslandsabsatz als Risiko für ihre zukünftigen Geschäfte einschätzen, von 26 Prozent im Frühsommer auf aktuell 46 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen Exporterwartungen und Risikoeinschätzungen ist ein Zeichen dafür, dass viele Unternehmen angesichts der aus zahlreichen Richtungen drohenden Risiken zwar weiterhin optimistisch planen, aber ein ökonomisches Beben als nicht ausgeschlossen ansehen.

Konjunktur bremst ab
Während die Geschäfte der Industrie in den Sommermonaten gemäß den Unternehmenseinschätzungen keine dramatische Trübung erfahren haben (siehe Seite 5), zeigt sich die Branche hinsichtlich der nahen Zukunft unübersehbar verunsichert. Der sich aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen ergebende Saldo der Erwartungen bricht um 24 Zähler auf den aktuellen Stand von zwölf Punkten ein. Angesichts der in einem Viertel der Industrieunternehmen rückläufigen Auftragseingänge sind wachsende Skepsis und Verunsicherung nicht überraschend, zumal auch die Umsatzerwartungen deutlich nach unten korrigiert werden. Der jüngere Abschnitt der Zeitreihe des Erwartungssaldos zeigt zu mehreren Zeitpunkten deutlich abrutschende Erwartungen, etwa im vierten Quartal 2011, und – besonders gravierend – im Herbst 2012. Dieser häufige Wechsel zwischen ebenso rasch aufkommender wie verfliegender Zuversicht illustriert markant die seit 2009 durch eine Aneinanderreihung von Krisen gekennzeichnete Konjunktur in Europa und der Welt. Daher scheint in einigen Unternehmen die Unsicherheit hinsichtlich der erwarteten konjunkturellen Entwicklung mehr und mehr der Ungewissheit zu weichen. Möglich, dass diese Ungewissheit den aktuellen Anstieg des Saldos der Beschäftigungspläne – trotz abnehmender Erwartungen – mit erklärt. Der Saldo gewinnt im Vergleich zum Frühsommer 16 Punkte hinzu – ein eklatanter Anstieg, der sich auch durch die expansiven Personalpläne einiger von uns befragten Großunternehmen erklärt. Es ist außerdem möglich, dass – nachdem die Branche seit mehr als einem Jahr Stellen abgebaut hat – in einigen Industrieunternehmen trotz ungewisser Erwartungen der Bedarf an qualifiziertem Personal nun gedeckt werden muss. Auch die Investitionsplanungen verraten trotz sinkender Erwartungen keine Lethargie, drei Viertel der befragten Industrieunternehmen planen mit steigenden oder gleichbleibenden Investitionsausgaben.

40 35 30 25 20 15 10 5
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
14 19 29

36

60 50
29

40
35

30 20
6

21 17 12

10 0 -10

0 -5 -10 2011 Exportentwicklung 2012 Exporterwartung 2013 2014

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

2011 Lage Erwartungen

2012

2013 Beschäftigungspläne

2014 Investitionspläne
11

10

HANDWERK

Stabile Konjunktur auf Topniveau
Der konjunkturelle Schwung des ersten Halbjahres beflügelte auch die Geschäftsergebnisse der Handwerksbetriebe in der zweiten Jahreshälfte, die Bewertungen zu ihren aktuellen Geschäftsergebnissen sind weiterhin auf Topniveau. Der Saldo aus guten und schlechten Urteilen ist mit sehr guten 21 Punkten im Plus und nur zwei Zähler unter dem Vorjahreswert. Hintergrund ist die gute Auftragslage im produzierenden Gewerbe, dem drei Viertel aller bei der Handwerkskammer Berlin eingetragenen Betriebe angehören. Im Vergleich zum Herbst 2013 ist hier die Auftragsreichweite um knapp eine halbe Woche auf rund acht Wochen angewachsen. Folglich können die Produktionskapazitäten zu 84 Prozent ausgelastet werden. Das produzierende Gewerbe befindet sich seit fünf Jahren im Höhenflug und prägt die sehr gute Stimmung im Gesamthandwerk. Insgesamt befindet sich der Geschäftsklimaindex des Berliner Handwerks immer noch auf dem Niveau des Sommers 2014 und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr sogar um drei auf 109 Punkte. Gemessen am Saldo der Urteile ist die aktuelle wirtschaftliche Situation von den Betrieben des Ausbaugewerbes am besten beurteilt worden. Die Umfrage ergab einen Positivsaldo von 29 Punkten. Nach weniger guten Zeiten haben die Kraftfahrzeughandwerke wieder Fahrt aufgenommen. Sowohl die aktuellen Bewertungen als auch die Erwartungshaltungen sind deutlich positiver als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn ist ein spürbarer Aufwärtstrend zu beobachten. Alle Wirtschaftsindikatoren sind im Plus, der branchenspezifische Geschäftsklimaindex klettert im Vergleich zum Vorjahr um 11 Zähler auf 101 Punkte. Auch die anderen Bereiche – Gesundheit, Nahrung, persönliche Dienstleistungen – stützen die gute wirtschaftliche Lage des Berliner Handwerks. So gewinnt der Saldo zur Beurteilung der aktuellen Geschäftsergebnisse im Bereich der persönlichen Dienstleistungen gegenüber dem Vorjahr 14 Zähler. Er ist damit wieder mit fünf Punkten im Plus. Zu einer Verbesserung um acht Zähler kam es im Gesundheitsgewerbe. Vor einem Jahr waren gute und schlechte Urteile noch im Gleichgewicht. Beide Bereiche profitierten von einer wachsenden Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen und erfreuten sich vor allem auch an besseren Umsätzen als vor einem Jahr. Bäcker, Fleischer und Konditoren sind gezwungen, den Spagat zwischen den Erwartungen der Verbraucher nach hochwertig und sicher erzeugten Lebensmitteln einerseits und dem Wettbewerbsdruck kostengünstigerer Anbieter andererseits zu schaffen. Zurzeit gelingt es ihnen ganz gut, Beschäftigung, Aufträge und Umsätze zeichnen jedenfalls ein besseres Bild als vor einem Jahr. Der handwerkliche Arbeitsmarkt ist weiterhin von Beständigkeit geprägt. Der Beschäftigungssaldo ist aktuell mit vier Punkten im Plus. 19 Prozent der Betriebe haben ihren Personalbestand vergrößert, während ihn 15 Prozent verkleinerten und zwei Drittel konstant hielten. Auch für die kommenden Monate gibt es noch gute Aussichten einen Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz im Handwerk zu finden. 27 Prozent der Betriebe sind noch auf der Suche nach geeignetem Personal. Auch für die kommenden Monate wird eine stabile Entwicklung erwartet. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungshaltungen ist zwar mit zwei Punkten im Minus, aber im Vergleich zum Vorjahr hat er sich um sechs Zähler verbessert. Den Handwerkern ist durchaus bewusst, dass einerseits die Phase der stetigen Wachstumssteigerungen vorbei ist, aber andererseits die Berliner Handwerkskonjunktur auf einem soliden Fundament steht, so dass das Jahr 2014 wiederum ein insgesamt gutes sein wird.

30 25 20 15 10 5 0 -5 -10
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
1 -2 21

-15 -20 -25 2011 Lage Erwartungen 2012 2013 Beschäftigungspläne 2014

-15

Investitionspläne
13

12

BAUINDUSTRIE

HANDEL

Wettbewerb wird härter
Schaut man sich in Berlin um, bekommt man den Eindruck, dass fast überall gebaut wird. Umso überraschender sind die im Vergleich zum Frühsommer schlechteren Einschätzungen der aktuellen Geschäfte in der Bauindustrie. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der aktuellen Geschäftslage sinkt deutlich ab von 55 Zählern auf 26 Punkte. Möglicherweise ist der Bauboom, den die Bundeshauptstadt in den vergangenen Jahren erlebt hat, auch von Konkurrenzunternehmen von außerhalb der Stadt wahrgenommen worden, wodurch sich der Wettbewerb für die heimische Bauindustrie verschärft haben könnte. Auch beim Ausblick auf die kommenden Monate ist die Stimmung der Berliner Bauunternehmen getrübt. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen ist zur aktuellen Umfrage zum dritten Mal in Folge gesunken und liegt nun bei 19 Zählern. Ein Vergleich mit den Jahren 2010 bis 2012 macht aber deutlich, dass der Erwartungssaldo von den damaligen Tiefstwerten im negativen Bereich nach wie vor weit entfernt ist. Trotz der etwas eingetrübten Zukunftsaussichten bleiben die Beschäftigungspläne der Berliner Bauindustrie expansiv, der Saldo aus expansiven und kontraktiven Beschäftigungsplänen steigt im Vergleich zum Frühsommer sogar noch um einen Punkt auf 25 Zähler an. Saisonal bedingt würde man bei der Bauindustrie vor der Wintersaison eher die Ankündigung eines Personalabbaus vermuten – so auch der Fall zur Herbstumfrage 2012 und 2013. Zur aktuellen Umfrage ist dies jedoch nicht zu beobachten. Möglicherweise gehen die Bauunternehmen davon aus, dass uns ein ähnlich milder Winter bevorsteht wie im vergangenen Jahr.

Nachfrage bleibt hoch
Im Handel laufen die Geschäfte immer noch sehr zufriedenstellend, allerdings nicht mehr ganz so gut wie noch zur letzten Umfrage. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage gibt drei Punkte nach, verbleibt aber dennoch auf dem sehr soliden Niveau von 40 Zählern. Groß- und Einzelhandel berichten gleichermaßen überwiegend von besser laufenden Geschäften, wobei der Großhandel, dessen Höhenflug nun schon länger als ein Jahr anhält, die Geschäftslage zur aktuellen Umfrage optimistischer bewertet als der Einzelhandel. Letzterer profitiert nach wie vor von der steigenden Anzahl an Berlin-Touristen. Auch geben die Geschäftserwartungen des Handels – verglichen mit anderen Branchen – nicht ganz so stark nach. Der positive Trend aus den letzten drei Umfragen setzt sich allerdings nicht fort: Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Geschäftserwartungen fällt von 31 Zähler auf 20 Punkte. Hierbei divergieren die Einschätzungen des Groß- und Einzelhandels allerdings sehr deutlich: Im Berliner Großhandel rutscht der Saldo um mehr als 30 Punkte ab – der äußerst positive Erwartungstrend, der sich in den letzten drei Umfragen ergeben hat, findet somit ein jähes Ende. Ganz anders sieht es mit den Geschäftserwartungen des Berliner Einzelhandels aus, der – im Gegensatz zum Berliner Großhandel – sehr viel stärker vom soliden Privatkonsum abhängig ist und zudem das bevorstehende Weihnachtsgeschäft unmittelbar vor Augen haben dürfte. Entsprechend steigt der Saldo der Geschäftserwartungen im Vergleich zur Vorumfrage sogar weiter an. Bezüglich der künftigen Beschäftigungsentwicklung befinden sich Groß- und Einzelhandel wieder im Einklang: Beide geben mehrheitlich an, in den kommenden Monaten Beschäftigung aufbauen zu wollen, allerdings ist der Saldo aus expansiven und kontraktiven Beschäftigungsplänen nur noch halb so hoch wie im Frühsommer.

60 50 40 30 20 10
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

50 40 30
25 26 23 19

40 36

20 10 0 -10

20

10

0 -10 -20

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

2011 Lage Erwartungen

2012

2013 Beschäftigungspläne

2014 Investitionspläne

2011 Lage

2012 Erwartungen

2013 Beschäftigungspläne

2014 Investitionspläne
15

14

DIENSTLEISTUNGSGEWERBE

GASTGEWERBE

Risiken trüben Erwartungen
In der wichtigsten Berliner Branche berichten die meisten Unternehmen nach wie vor von gut laufenden Geschäften (siehe Seite 5). Der Sektor zeigt sich damit, wie schon bei früheren Gelegenheiten, relativ unbeeindruckt vom schwierigeren konjunkturellen Fahrwasser. So trägt er wesentlich zur nur moderaten Abschwächung der Geschäfte in der Berliner Wirtschaft bei. Jedoch können sich die Erwartungen in vielen Unternehmen der Branche dem Einfluss der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren nicht entziehen: So zählt der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen mit 24 Zählern nur noch die Hälfte des Wertes aus dem Frühsommer. Zwar zeigt dieses Indikatorniveau, dass die Unternehmen expansive Geschäfte noch immer für wahrscheinlicher halten als eine geschäftliche Flaute. Eine Abschwächung der geschäftlichen Dynamik in den nächsten Monaten dürfte der Rückgang der Erwartungen aber mit einiger Sicherheit signalisieren. Dafür spricht der heftige Einbruch des Indikators, nachdem dieser in den letzten zwei Jahren allen Konjunkturkapriolen zum Trotz stets Zuwächse hatte verzeichnen können. Die Personalplanungen geben ebenfalls nach, doch kommt der Saldo – der sich aus steigend und abnehmend geplanter Stellenzahl errechnet – mit sieben Punkten auf einem Niveau zum Stehen, welches weiteren Beschäftigungsaufbau signalisiert. Die Investitionsplanungen zeigen, dass die vorsichtigeren Erwartungen die Investitionsabsichten noch nicht deutlich negativ beeinflussen. So findet sich bei knapp der Hälfte der Befragten die Absicht, die Investitionsausgaben in Zukunft zu erhöhen. Vor allem bei den größeren Dienstleistungsunternehmen ist die Investitionsneigung hoch. Bedeutendstes Investitionsmotiv ist mit 63 Prozent der Nennungen die Deckung des Ersatzbedarfs, knapp die Hälfte der Befragten plant in Produktinnovationen zu investieren.

Neue Mitarbeiter werden gesucht
In guter Stimmung ist das Berliner Gastgewerbe. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage steigt im Vergleich zur Vorumfrage deutlich an und erreicht einen Wert von 41 Zählern. In Anbetracht sinkender Salden in den übrigen Branchen ist diese Entwicklung auffällig, am Standort Berlin aber nicht überraschend. Weiterhin übertrifft die Zahl der nach Berlin strömenden Besucher die Vorjahreswerte mit schöner Regelmäßigkeit und sicherlich hat auch das Großereignis der Fußballweltmeisterschaft die Geschäfte der Branche eher befeuert als gebremst. Auch die Erwartungen im Berliner Gastgewerbe entwickeln sich gegen den Trend und verraten wachsende Zuversicht. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen steigt wieder auf 34 Punkte an, nachdem er zum Frühsommer 2014 etwas nachgegeben hatte. Insbesondere die Berliner Gastronomie scheint mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft so zuversichtlich wie seit 2011 nicht mehr. Aber auch die Berliner Beherbergungsbetriebe sind – was die nächsten Wochen und Monate angeht – guter Dinge. Erstmalig, seit einer fast drei Jahre andauernden Phase der Stagnation, wirkt sich diese gute Stimmung bei den befragten Unternehmen auch auf die Personalplanungen aus. Der Saldo aus expansiven und kontraktiven Personalplänen schießt aus dem negativen Bereich nach oben und erreicht den Wert von 24 Zählern. Diese Entwicklung lässt hoffen, dass das Gastgewerbe die sich andeutende ruhigere Beschäftigungsentwicklung etwa im Dienstleistungsgewerbe zumindest teilweise zu kompensieren vermag. Bedenkt man, dass die Branche entgegen den sehr verhaltenen Ankündigungen in den letzten Jahren ohnehin schon sehr stark Beschäftigung aufgebaut hat, ist diese Hoffnung wohlbegründet. Die Investitionsplanungen der Branche verbessern sich ebenfalls. Der Anteil steigend geplanter Investitionsausgaben erhöht sich gegenüber dem Frühsommer um neun Prozentpunkte auf 29 Prozent.

60 50 40 30 20
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
24

80 70
49 41

60 50 40 30 20 10
41 34 24 21

10
7

0 -10 2011 Lage Erwartungen 2012 2013 Beschäftigungspläne 2014 Investitionspläne

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

0

2011 Lage Erwartungen

2012

2013 Beschäftigungspläne

2014 Investitionspläne

16

17

Impressum

Herausgeber IHK Berlin Fasanenstraße 85 10623 Berlin Telefon:	+49 30 31510-0 Telefax:	+49 30 31510-166 E-Mail: service@berlin.ihk.de www.ihk-berlin.de Handwerkskammer Berlin Blücherstraße 68 10961 Berlin Telefon:	+49 30 25903-01 Telefax:	+49 30 25903-235 E-Mail: info@hwk-berlin.de www.hwk-berlin.de Lektorat Berit Sörensen Rosa-Luxemburg-Str. 89 14806 Bad Belzig

Titelbild © Lise Gagne - istockphoto.com Druck DBM Druckhaus Berlin-Mitte GmbH Wilhelm-Kabus-Straße 21 - 35 10829 Berlin Redaktionsschluss 21. Oktober 2014

18

Die gemeinsamen Indikatoren für Geschäftsklima, Geschäftslage und -erwartungen sowie Personalpläne errechnen sich aus den Ergebnissen der Konjunkturumfragen der IHK Berlin und der Handwerkskammer Berlin.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.