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Periodical volume

Full text: Der Berliner Konjunkturbericht Issue 2013

Der Berliner Konjunkturbericht
Die wirtschaftliche Lage Berlins im Herbst 2013

Inhalt

Gesamtwirtschaft	5 Geschäftsklima 	 Geschäftslage und Geschäftserwartungen 	 Beschäftigungspläne 	 5 6 8

Investitionspläne	9 Exporterwartungen	10

Branchenbetrachtung	11 Industrie	11 Handwerk	12 Bauindustrie	14 Handel	15 Dienstleistungsgewerbe	16 Gastgewerbe	17

3

Geschäftsklima

Chancen für konjunkturellen Aufwind steigen
Im Herbst 2013 schwindet die Verunsicherung in der Berliner Wirtschaft: Das Geschäftsklima hellt sich erstmals seit einem Jahr auf. Der Geschäftsklimaindikator – der Lage und Erwartungen in sich vereint – steigt auf 131 Zähler. Damit hat der Index gegenüber dem Frühjahr vier Punkte hinzugewonnen. Zwar wirkt diese Stimmungsverbesserung auf den ersten Blick zögerlich. Jedoch spiegeln sich darin erste Anzeichen einer konjunkturellen Aufwärtsbewegung wider, die in den kommenden Monaten noch an Fahrt gewinnen dürfte. Für diese optimistische Interpretation spricht, dass sich erstmals seit dem Frühjahr 2011 alle wichtigen Konjunkturindikatoren im Vergleich zu Vorumfrage verbessert haben. Insbesondere die optimistischeren Personal- und Investitionspläne bezeugen das gestiegene Vertrauen der hauptstädtischen Unternehmen in die positive konjunkturelle Entwicklung des kommenden Halbjahres. Aufgehellt hat sich die Stimmung insbesondere in zwei wichtigen Berliner Branchen: dem Dienstleistungsgewerbe und der Bauindustrie. Ersteres war im vergangenen Winter und Frühjahr verhalten gestimmt und sah skeptischer in die Zukunft. In der aktuellen Umfrage jedoch ist die Ungewissheit in vielen Dienstleistungsunternehmen wieder dem Optimismus gewichen. Unterstützung erfährt dieser aus der hauptstädtischen Bauindustrie, welche in enthusiastischer Stimmung das vierte Quartal in Angriff nimmt. Die übrigen Branchen stützen diese Entwicklung mit durchweg gehobener Stimmung, die im Vergleich zur Vorumfrage weitgehend stabil geblieben ist. Die Handwerker der Hauptstadt sind nicht mehr in der euphorischen Laune des vergangenen Jahres, in den meisten Handwerksbetrieben herrscht aber weiterhin ein gutes Geschäftsklima. In der Berliner Industrie hat sich die Stimmung seit dem Herbst des Vorjahres stetig verbessert – die schwierige Industriekonjunktur der ersten Jahreshälfte dürfte einer Wachstumsbeschleunigung weichen. Leicht abgekühlt, jedoch auf gutem Niveau, präsentiert sich das Geschäftsklima im Berliner Handelsund Gastgewerbe.

150 140 130 120 110 100 90 80 70 0 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
87 127 127 136

133

131

Der Geschäftsklimaindikator ist das geometrische Mittel der Salden aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen. Er errechnet sich als Quadratwurzel aus dem Produkt beider Salden. Wenn beide Salden gleich null sind, nimmt der Indikator den neutralen Wert 100 an. Das geometrische Mittel gilt als „konservativer“ Durchschnitt, weil stets der niedrigere Saldo stärker gewichtet wird. jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

5

Geschäftslage und Geschäftserwartungen

Geschäfte laufen besser – Optimismus nimmt weiter zu
Die Berliner Wirtschaft erhöht im Herbst 2013 die Schlagzahl: Erstmals seit zweieinhalb Jahren verbessern sich Geschäftslage und -erwartungen der hauptstädtischen Unternehmen in der gleichen Umfrage. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der Geschäfte steigt auf 35 Punkte und gewinnt gegenüber dem Frühjahr sechs Zähler hinzu. Dieser Trend könnte sich nach Einschätzung vieler Unternehmen in den nächsten Monaten fortsetzen: Der Saldo der Geschäftserwartungen, der sich aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen ergibt, beträgt 28 Punkte nach 26 Punkten in der Vorumfrage. Die gleichzeitige Aufwärtsbewegung des Lage- und des Erwartungsindikators spricht dafür, dass die Unternehmen das konjunkturelle Umfeld wieder als geordneter ansehen als in den zwei zurückliegenden Jahren. Zwar bestehen weiterhin große, den Wachstumskurs bedrohende Risiken, doch sind diese aus Unternehmenssicht kalkulierbarer geworden. Die Sorge, dass politische Volten und extreme Ereignisse am Finanzmarkt die positive konjunkturelle Dynamik brechen, ist daher deutlich weniger präsent. Die Berliner Handwerksbetriebe berichten von florierenden Geschäften.S.12 Der Saldo bleibt mit 23 Punkten nur einen Zähler unter dem Rekordwert des Vorjahres. Für die kommenden Monate erwartet das Berliner Handwerk aber Gegenwind. Dies signalisieren die gesunkenen Erwartungen. So verringert sich der Saldo aus optimistischen und skeptischen Aussichten auf -8 Zähler, nachdem er im Frühjahr noch einen Punkt betragen hatte. Dies ist nicht zuletzt der im Vergleich zu den Vorjahren gebremsten Auftragsentwicklung geschuldet. Die Dienstleistungskonjunktur hat in den Sommermonaten an Schwung gewonnen.S.16 Die Unternehmen schätzen die laufenden Geschäfte positiver ein als im Frühjahr, der Saldo steigt um sieben auf 38 Punkte. Damit beendet der Indikator die Talfahrt der ersten Jahreshälfte, als

er gegenüber dem Herbst 2012 fast 20 Zähler verlor. Der neue Rückenwind dürfte auch in den kommenden Monaten für Tempo sorgen, die Erwartungen verbessern sich weiter, nachdem die Unternehmen bereits im Frühjahr an Zuversicht gewonnen hatten. Der Saldo klettert von 33 auf 37 Zähler, den besten Wert seit dem Frühjahr 2012. Nach dem schwachen Jahreseinstand hat die Industriekonjunktur zuletzt an Schwung ge­ wonnen. S.11 Der Saldo der Geschäftslage legt um zehn Punkte auf 43 Zähler zu. Die Erwartungen signalisieren, dass die Industriebetriebe von einer Stabilisierung des Wachstums in den nächsten Monaten ausgehen. Der Erwartungssaldo verringert sich nur moderat auf zwölf Zähler. Erfolgreich hat auch die Berliner Bauindustrie die konjunkturellen Klippen des ersten und zweiten Quartals umfahren.S.14 Die Geschäfte florieren, der Saldo zählt im Herbst 41 Punkte – damit hat er seit dem Frühjahr zehn Punkte hinzugewonnen. Vorerst scheint nichts den Optimismus der hauptstädtischen Bauunternehmen bremsen zu können, die Erwartungen sind so gut wie seit dem Sommer 2007 nicht mehr. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Aussichten ist von

16 Zählern im Frühjahr auf 41 Punkte gestiegen. Aus der Perspektive vieler Unternehmen scheint in nächster Zeit nichts die Baukonjunktur aus dem Tritt bringen zu können. Während die meisten Branchen das Wachstumstempo wieder forcieren und Vertrauen in die Zukunft fassen, erfährt der Berliner Handel aktuell keine zusätzlichen Impulse.S.15 Zwar wird die Geschäftslage bei einem Saldo von 20 Punkten weiterhin als gut bewertet, jedoch verliert dieser im Vergleich zur Vorumfrage fünf Zähler. Nennenswerte Risiken für die Konjunktur der kommenden Monate können die Händler aber nicht ausmachen: Wie schon zur Vorumfrage beträgt der Saldo der Geschäftserwartungen 26 Punkte. Im Berliner Gastgewerbe berichten einige Unternehmen von schwierigeren Geschäften, der Saldo der Geschäftslage verringert sich, bleibt aber mit 27 Zählern auf hohem Niveau.S.17 Die Erwartungen sind zuversichtlich und stabil, der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen zählt 22 Punkte.

50 40 30 20 10 0
-2 36 39 33

44 35 29 31 26 28

Frühjahr 2012 Geschäftslage gut befriedigend schlecht Saldo aus gut und schlecht Geschäftserwartungen besser gleichbleibend schlechter Saldo aus besser und schlechter 41 49 10 31 43 47 10 33

Herbst 2012 Frühjahr 2013

Herbst 2013

53 38 9 44 28 57 15 13

42 45 13 29 36 54 10 26

48 39 13 35 36 56 8 28
Abweichungen der Anteilssummen von 100 sind Rundungen der Prozentangaben geschuldet.

13

-10
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

-20 -30 -40 2003 Lage 2004 2005 2006 2007 2008
-23

2009

2010

2011

2012

2013
7

6

Erwartungen

Beschäftigungspläne

Investitionspläne

Neue Mitarbeiter gesucht
Die hauptstädtische Wirtschaft dürfte das Tempo des Beschäftigungsaufbaus in den kommenden Monaten erhöhen. Nach der kräftigen Eintrübung im Frühjahr springt der Saldo aus expansiver und zurückgehender Personalplanung von fünf auf 15 Zähler. Solch eine deutliche Verbesserung hatte es zuletzt im Nachkrisenaufschwung des Frühsommers 2011 gegeben. Im Herbst 2013 dürfte für den impulsgebenden Optimismus nicht zuletzt das Gefühl verantwortlich zeichnen, dass wesentliche wirtschaftliche Risiken in Europa, wenn auch nicht gelöst, so doch domestiziert wurden. Insbesondere das Dienstleistungsgewerbe, die bedeutendste Branche in Berlin, fasst wieder mutigere Personalplanungen ins Auge.S.16 Der Saldo aus steigend und sinkend geplanten Personalveränderungen klettert auf 23 Punkte, nach nur fünf Zählern im Frühjahr. Damals wuchsen Zweifel daran, ob die wirtschaftliche Dynamik in den kommenden Monaten zulegen würde. Diese Sorge scheint aktuell wieder in den Hintergrund zu treten. Die hauptstädtische Industrie plant für die kommenden Monate eine expansive Einstellungspolitik.S.11 Der Saldo steigt um acht Zähler auf sieben Punkte und prognostiziert erstmals seit dem vergangenen Herbst wieder Personalaufbau. Die Personalpläne der Berliner Händler sind weniger expansiv als in der Vorumfrage im Frühjahr.S.15 Mit elf Punkten zeigt der Saldo aber weiterhin Personalaufbau an. Wenig Bewegung kündigt sich im Gastgewerbe an: Der Saldo der Beschäftigungspläne verbessert sich leicht und steigt im Vergleich zur Vorumfrage um drei Zähler auf vier Punkte.S.17 Das Handwerk der Hauptstadt verfolgt wie schon im Frühjahr ausgeglichene Personalpläne, der Saldo unterschreitet mit -2 Punkten nur knapp den neutralen Wert.S.12 Stärker geht der Saldo im Baugewerbe zurück, wo er auf -8 Zähler sinkt, was nicht zuletzt auf Saisoneffekte angesichts des kommenden Winters zurückzuführen sein dürfte.S.14

Wirtschaft zurück auf Investitionspfad
Die aufgehellten Erwartungen der Berliner Unternehmen manifestieren sich in deren deutlich gestiegener Investitionsfreude. Der Saldo aus expansiv und zurückgehend geplanten Investitionsausgaben klettert um fünf Zähler auf elf Punkte. Vor Jahresfrist war der Indikator rapide gefallen und erst bei einem Wert von fünf Punkten zum Stehen gekommen. Damals antizipierten die Unternehmen die schwache Entwicklung in der ersten Jahreshälfte 2013 und planten, entsprechend zurückhaltend zu investieren. Die rasche und kräftige Erholung des Indikators in der aktuellen Umfrage nährt daher Hoffnungen auf ein dynamischeres Wachstum in den kommenden sechs Monaten. Besonders zuversichtlich stimmt die zurückkehrende Investitionsfreude in vielen der Berliner Dienstleistungsunternehmen.S.16 Mit einem Wert von 16 Punkten hat der Saldo zehn Zähler gegenüber dem Frühjahr hinzugewonnen und signalisiert die expansivsten Investitionsabsichten seit dem ersten Halbjahr 2011. Auch die hauptstädtische Industrie findet zurück in ihre Rolle als Stütze der Investitionsausgaben.S.11 Der Saldo der Investitionspläne gewinnt acht Punkte gegenüber der Vorumfrage hinzu und zählt zehn Punkte. In Anbetracht der positiven Entwicklung der übrigen Erwartungsindikatoren in der Industrie stimmt dies für die Dynamik im nächsten Halbjahr zuversichtlich. Die Berliner Bauindustrie bleibt dahinter nicht zurück, die Investitionsneigung schießt im Herbst nach oben.S.14 Der Saldo klettert um 14 Punkte auf 17 Zähler. Die Investitionszurückhaltung im vergangenen Jahr dürfte damit beendet sein. Die seit Jahresmitte 2011 expansive Investitionsplanung im Handel scheint vorerst einer Stabilisierung zu weichen: Im Vergleich zum Frühjahr fällt der Saldo rapide um 17 Punkte, kommt aber knapp über der Nulllinie bei drei Zählern zum Stehen.S.15 Unentschlossen sind die Investitionsplanungen im Gastgewerbe.S.17 Der Saldo verringert sich moderat und zählt nur noch -4 Punkte. Das Handwerk bleibt auch in der aktuellen Umfrage seiner Investitionszurückhaltung treu, der Saldo liegt mit -17 Punkten aber über dem Wert des Vorjahres.S.12

30 25 20 15 10 5 0 -5 -10
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
5 18 14 15 12

20 15 10 5 0 -5 -10 -15 -20
-19

17

15 11

5

6

-15 -20 -25 2003 2004 2005 2006 2007 2008

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen
-25

-25 2010 2011 2012 2013 -30 2003 2004 2005 2006 2007 2008

jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

2009

2009

2010

2011

2012

2013
9

8

Exporterwartungen

Industrie

Auslandsmärkte locken stärker
Im Herbst erfahren die Exporterwartungen der Berliner Industrie einen deutlichen Schub. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen legt um fünf Punkte auf 19 Zähler zu, neun Punkte mehr als vor Jahresfrist, als der Indikator angesichts dräuender Exportrisiken abgestürzt war. Die besseren Exporterwartungen spiegeln nicht zuletzt die gestiegenen Auftragseingänge aus dem Ausland wider. Darüber hinaus dürfte sich das Vertrauen der Unternehmen in die Entwicklung wichtiger Exportmärkte seit dem Frühjahr gefestigt haben. Zwar bleibt die Eurozone in der Krise, wichtige Kennzahlen wie Wachstum und Arbeitsmarkt haben sich aber über den Sommer hinweg stabilisiert. Die Zahlen von den nordamerikanischen Absatzmärkten signalisieren eine anhaltende Erholung. In den Schwellenländern hat die Dynamik strukturbedingt zwar nachgelassen. Im wichtigsten Schwellenland China ist dieser Rückgang allerdings vergleichsweise gering und erregt keine Besorgnis. Der Blick in die einzelnen Industriesektoren lässt erwarten, dass in den nächsten Monaten weitere Teile der Berliner Industrie vom Exportwachstum profitieren könnten. So berichten die Hersteller von Vorleistungsgütern wie schon im Frühjahr von gestiegenen Auftragseingängen. Bei den Investitionsgüterproduzenten haben die Auftragseingänge im Vergleich zur Umfrage vor vier Monaten sogar deutlich zugelegt, was da­ rauf hindeutet, dass die konjunkturelle Dynamik im nächsten Halbjahr an Breite gewinnen dürfte. Unter den Verbrauchsgüterproduzenten berichtet die überwiegende Mehrheit von stabilen Auftragseingängen aus dem Ausland. Angesichts der angespannten Arbeitsmarktsituation in vielen europäischen Volkswirtschaften und der noch schwachen Erholungssignale dürfte die Nachfrage nach Verbrauchsgütern in den nächsten Monaten noch keine Aufwärtsdynamik erfahren. Insgesamt vermitteln die Exporterwartungen eine positive Perspektive: Vorausgesetzt, größere Schocks am Finanzmarkt und in der Politik bleiben aus, dürfte der Export in den kommenden sechs Monaten an Fahrt zulegen.

Zuversicht dominiert
Die Berliner Industrie ist im Herbst 2013 zurück auf dem Wachstumspfad. Die Unternehmen sehen gute Chancen für einen sonnigen Herbst, nachdem die Industriekonjunktur in der ersten Jahreshälfte auf Talfahrt gegangen war. Damals hatten das Risiko der Euroentwicklung und mangelnde wirtschaftliche Dynamik in wichtigen Exportmärkten den Unternehmen ein müdes erstes Halbjahr beschert. Seitdem haben sich jedoch die Kennzahlen in wichtigen Volkswirtschaften sichtbar verbessert. Schwindende Unsicherheit, die geringe Inflation im Euroraum, sicher aber auch die global stimulierende Geldpolitik lassen die Unternehmen auf eine positive Dynamik hoffen. Die Industrieunternehmen bewerten die laufenden Geschäfte deutlich besser als vor sechs Monaten. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen steigt vom Frühjahr zum Herbst um zehn Punkte auf 43 Zähler an und nähert sich dem letzten Spitzenwert vom Herbst 2011. Dies ist hoch ausgelasteten Produktionskapazitäten und einer verbesserten Ertragslage geschuldet. Besonders deutlich ist diese Entwicklung bei den Produzenten von Vorleistungsgütern. All das lässt auf eine längerfristige konjunkturelle Erholung hoffen. Die Erwartungen sind deutlich optimistischer als noch vor einem Jahr, als die Branche die schwache Entwicklung zu Anfang 2013 voraussah. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen hat seitdem um 21 Punkte zugelegt und zählt aktuell zwölf Zähler. Zwar ist der Erwartungsindikator im Vergleich zum Frühjahr moderat zurückgegangen, jedoch dürfte diese Bewegung nur eine Stabilisierung und keine Verringerung des konjunkturellen Tempos ankündigen. Dafür spricht die Aufwärtsbewegung bei Beschäftigungs- und Investitionsplanungen in der Branche. Der Saldo der Personalplanung signalisiert erstmals seit Jahresfrist wieder deutlichen Personalaufbau in nächster Zukunft. Auch die Investitionsplanungen signalisieren das gestiegene Vertrauen der Industrie in die Geschäfte des kommenden Halbjahres. Der Saldo aus expansiv und zurückgehend geplanten Investitionsausgaben steigt um acht Zähler auf zehn Punkte.

60 50 40
32

60 50
43

30
23

40
19 14 10

20 10 0
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

30 20
12

10 0
-22

-10 -20 -30 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

10 7

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

-10

2010 Lage

2011 Erwartungen

2012 Beschäftigungspläne

2013 Investitionspläne
11

10

Handwerk

Aktuelle Ergebnisse top, Umsätze endlich zufriedenstellender
Nach einem schwachen Start zu Beginn des Jahres ist die Stimmung unter den Handwerksbetrieben glänzend. Der Geschäftsklimaindex gewinnt gegenüber dem Frühjahr zwei Zähler und liegt aktuell bei 106 Punkten. Zwar verliert er damit im Vergleich zum Vorjahr zwei Zähler, aber er liegt immer noch um vier Punkte über dem vergleichbaren Wert aus dem Jahr 2010 – dem Beginn des Aufschwungs nach den Folgen der Lehmann-Pleite. Die Bewertungen der Berliner Handwerker zu ihren aktuellen Geschäftsergebnissen sind wieder auf Top-Niveau. Der Saldo aus guten und schlechten Geschäftsbewertungen ist mit sehr guten 23 Punkten im Plus. 86 Prozent der Betriebe haben von zumindest zufriedenstellenden Ergebnissen berichtet. Hintergrund ist die gute Auftragslage im produzierenden Bereich, dem rund 76 Prozent aller bei der Handwerkskammer Berlin eingetragenen Betriebe angehören. Bei ihnen verlängert sich die Orderreichweite um eine halbe Woche. Die Betriebe verfügen damit über Aufträge im Durchschnitt von 7,6 Wochen. Infolge können die Produktionskapazitäten zu 85 Prozent ausgelastet werden. Dementsprechend gut war die Entwicklung der Beschäftigung und vor allem der Umsätze. Der Saldo aus Personaleinstellungen und -abbau ist mit elf Punkten im Plus und damit um zwei Zähler über dem Wert des Vorjahres. Zu Beginn des Jahres waren es die Umsätze, die den Berliner Handwerkern einige Sorgenfalten bescherten. Nun sind die Umsatzzahlen zufriedenstellend, jedenfalls für 79 Prozent der Betriebe. Eine Verbesserung im Vergleich zum Frühjahr um zwölf Zähler. Aktuell steht ein Positivsaldo von neun Punkten zu Buche. Nur im Herbst 2011 und im Herbst 1991 war er mit zehn bzw. elf Punkten noch besser. Insgesamt gesehen wird das Handwerk 2013, trotz leicht eingetrübter Geschäftserwartungen, wiederum mit guten Wirtschaftsdaten abschließen.

Am besten ist die Stimmung im Ausbaugewerbe. Der Geschäftsklimaindex verbessert sich hier im Vergleich zum Vorjahr um sieben Zähler auf 115 Punkte. Die Salden der wirtschaftlichen Indikatoren – Auftragseingang, Beschäftigung und Umsatz – sind weiterhin zweistellig im Plus und erfreulicherweise deutlich verbessert gegenüber dem Vorjahr. Beim Bauhauptgewerbe scheint die Hochkonjunkturphase vorbei zu sein. Der Klimaindex fällt zum ersten Mal seit dem Herbst 2010 wieder unter die 100-Punkte-Marke. Er verliert zum Vorjahr elf Zähler und steht aktuell bei 98 Punkten. Die Zeiten überdurchschnittlich hoher Zuwachsraten sind vorbei. Die Auftragsdecke wird tendenziell dünner. Trotzdem: Die aktuellen Geschäftsergebnisse sind immer noch auf hohem Niveau, da die Salden bei den wirtschaftlichen Indikatoren nach wie vor zweistellig im Plus sind. Ähnlich ist die Entwicklung im Handwerk für den gewerblichen Bedarf. Die Auftragslage ist nach wie vor gut, aber die Mehrheit der Betriebe befürchtet für die kommenden Monate eine etwas schwächere Auftragslage. Am schlechtesten ist die Lage im Kraftfahrzeuggewerbe. Der Kfz-Klimaindex verbessert sich zwar um drei Zähler gegenüber dem

Vorjahr auf den Stand von 90 Punkten, verliert jedoch im Vergleich zum Frühjahr zwei. Der Konjunkturmotor kommt hier einfach nicht in Fahrt. Geringer als erwartet war die Nachfrage im Gesundheits- und im personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe. Aber die Betriebe hoffen vor allem auf den Jahresendspurt. Das Nahrungsmittelgewerbe – drittbester Stimmungswert innerhalb des Berliner Handwerks – hadert ein wenig mit den Umsätzen, aber hier kommt ja mit dem Weihnachtsgeschäft noch das stärkste Umsatzquartal.

Aktuelle Bewertungen der Betriebe zu ihren Umsätzen
30 25 20 15 10 5 0 -5 -10
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
-8 -2 23

10 0 -10 -20
-25

9

-30 -40
-47

-15 -20 -25 2011 2012 Erwartungen Beschäftigungspläne 2013 Investitionspläne
-17

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für den Herbst eines Jahres

-50

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013
13

12

Lage

Bauindustrie

Handel

Rekordverdächtiger Optimismus
Zufrieden blickt die Berliner Bauindustrie auf einen auftragsreichen Sommer zurück. Der seit einigen Jahren anhaltende Immobilienboom verschafft den Bauunternehmen ebenso neue Aufträge wie die Zunahme der Bevölkerung. Kaum eine Branche profitiert von dieser Entwicklung so sehr wie das Baugewerbe. Da es aktuell keinerlei Anzeichen für eine merkliche Abschwächung dieser Dynamik gibt, sieht die Branche mit an Enthusiasmus grenzender Zuversicht auf die kommenden Monate. Überaus positiv bewerten die Bauunternehmer die aktuelle Geschäftslage. Der Saldo beträgt 41 Punkte und gewinnt gegenüber dem Frühjahr zehn Zähler hinzu. Damit liegt der Indikator deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Wesentliche Impulse gehen dabei vom gewerblichen Bau aus – ein Indiz dafür, dass sich die konjunkturelle Schlagzahl im Herbst erhöht hat. Die Auftragseingänge aus dem öffentlichen Bau und dem privaten Wohnungsbau entwickeln sich dagegen etwas verhaltener. In die Zukunft blickt das Baugewerbe mit größter Zuversicht. Der Saldo aus optimistischen und skeptischen Erwartungen steigt auf 41 Punkte – dies ist der beste Wert seit dem Frühjahr 2007. Auch der kräftig und weit über den langjährigen Durchschnitt gestiegene Investitionssaldo signalisiert robuste Wachstumshoffnungen. Gegenwärtig sieht die Branche in Berlin nur Saisoneinflüsse als mögliche Geschäftshemmnisse an. Ein entsprechender saisonaler Effekt schlägt sich denn auch in der Personalplanung nieder, die skeptischer ist als noch im Frühjahr: Der Saldo der Beschäftigungspläne deutet für die kommenden Monate eine Personalreduktion an, der Indikator sinkt auf -8 Punkte. Zu Beginn der kalten Jahreszeit ist eine solche Entwicklung im Baugewerbe allerdings nicht ungewöhnlich. Angesichts sonst guter Erwartungsindikatoren dürfte die Beschäftigungsentwicklung längerfristig aber wieder anziehen.

Konjunktur im Handel lässt Impulse vermissen
Die Handelskonjunktur in Berlin ist zur Herbst­ umfrage stark, kann aber nicht an Fahrt gewinnen. Im Gegenteil: Die Geschäftstätigkeit bremst etwas ab, der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen verliert fünf Punkte gegenüber der Vorumfrage und zählt 20 Punkte. Der Rückgang basiert vor allem auf den schwächeren Bewertungen des Einzelhandels. Dessen Geschäfte laufen zwar überwiegend zufriedenstellend, aber die Unternehmen revidieren ihre Einschätzungen im Vergleich zur Vorumfrage deutlich nach unten. Es ist möglich, dass diese defensive Entwicklung auch dem immer stärkeren Marktauftritt der Online-Händler geschuldet ist. Der Großhandel dagegen berichtet von weit besseren Geschäften als noch im Frühjahr. Dieser dürfte von den dynamischeren Geschäften in Industrie, Dienstleistungs- und Baugewerbe profitieren. Die Erwartungen des Handels sind weiterhin zuversichtlich. Wie schon in der Vorumfrage beträgt der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Aussichten 26 Punkte, ein mit Blick auf die Zeitreihe guter Wert, der signalisiert, dass die Branche längerfristig keine rezessiven Einflüsse erwartet. Einen kräftigen und anhaltenden Schub dürfte die Handelskonjunktur in den nächsten Monaten dennoch nicht erfahren. So sehen die Handelsunternehmen denn auch keine Notwendigkeit, ihre Investitionstätigkeit wesentlich auszuweiten. In Groß- und Einzelhandel sind die Investitionsplanungen sehr verhalten, und weniger Unternehmen als noch im Frühjahr planen Investitionen zur Kapazitätsausweitung. Im Vergleich dazu sind die Personalplanungen mit einem Saldo von elf Punkten zwar etwas expansiver ausgerichtet, jedoch signalisiert auch dieser Indikator weniger Dynamik als noch im Frühjahr. Die Personal- und Investitionsplanungen der Branche werden voraussichtlich erst im kommenden Jahr, wenn stärkeres Wachstum erwartet wird, wieder expansiver gestaltet.

60 50 40 30 20 10
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres
17 41

50 40 30
26

20 10 0 -10

20

11 3

0 -10 -20
-8

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

2010 Lage Erwartungen

2011

2012 Beschäftigungspläne

2013 Investitionspläne

2010 Lage Erwartungen

2011

2012 Beschäftigungspläne

2013 Investitionspläne
15

14

Dienstleistungsgewerbe

Gastgewerbe

Jobmotor erhöht Drehzahl
Erfreulich gut haben sich die Unternehmen der Dienstleistungsbranche von dem eher matten Jahresauftakt 2013 erholt und schwingen sich nun zu neuen Höhen auf. Die Geschäfte laufen deutlich besser. Mit einem Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen von 38 Zählern gewinnt der Indikator sieben Punkte gegenüber dem Frühjahr hinzu. Geradezu euphorisch gibt sich insbesondere die Immobilienwirtschaft. Ähnlich wie das Baugewerbe profitiert sie von der ungebrochenen wirtschaftlichen Dynamik und dem starken Bevölkerungswachstum in der Stadt. Frohen Mutes sind außerdem die Unternehmen der IT-Wirtschaft – eines Sektors der in Berlin in den vergangenen Jahren vor allem durch eine stetig zunehmende Anzahl von Gründungen Impulse gesetzt hat. Zwar erreicht das Dienstleistungsgewerbe aktuell nicht die rekordverdächtige Geschäftslage des Herbstes 2012, doch dafür dürfte die Wachstumsdynamik nun nachhaltiger sein als vor Jahresfrist. Denn anders als im vergangenen Herbst, als überwiegend skeptische Prognosen gestellt wurden, verbessern sich in der aktuellen Umfrage sämtliche Zukunftsindikatoren der Branche. Die Erwartungen hellen sich auf, der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Prognosen klettert um vier Punkte auf 37 Zähler. Besonders erfreulich entwickeln sich die Personalplanungen: Nachdem deren Saldo im Frühjahr rapide auf einen Wert von nur fünf Punkten gefallen war, schießt dieser wieder nach oben und zählt 23 Punkte. Da die Dienstleistungsbranche in Berlin am beschäftigungsstärksten ist, dürfte sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten positiv auf dem hauptstädtischen Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Voller Zuversicht sind auch die Investitionsplanungen, deren Saldo aktuell 16 Punkte zählt, im Frühjahr waren es nur sechs Zähler.

Kaum Expansionspotenzial in nächster Zeit
Auch in diesem Jahr konnte Berlin mit neuen Besucherrekorden auftrumpfen. Das Gastgewerbe ist daher in guter Stimmung. Der Saldo der Geschäftslage, der sich aus positiven und negativen Einschätzungen bildet, beträgt 27 Punkte. Jedoch ist die Euphorie, die vor Jahresfrist herrschte, verflogen. Im Vergleich zum Herbst 2012 ist der Indikator eklatant zurückgegangen: Damals zählte der Saldo 67 Punkte. Der starke Rückgang dürfte zum Teil als Korrektur einer übertriebenen Stimmung verstanden werden, könnte aber auch dem weiter an Schärfe gewinnenden Wettbewerb im Berliner Hotel- und Gastronomiegewerbe geschuldet sein. Für einzelne Unternehmen dürften die Geschäfte daher schwieriger werden, wenn auch die Branche insgesamt floriert. Die Erwartungen der Branche signalisieren Vertrauen in das stabile Wachstum am Standort. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Aussichten zählt 22 Punkte. Gegenüber der Vorumfrage ist der Indikator stabil, und im Vergleich zum Vorjahr konnte er sogar deutlich zulegen. Jedoch halten die Unternehmen rasante Höhenflüge in den nächsten Monaten für wenig wahrscheinlich. Dazu dürfte der Markt in Berlin zu stark umkämpft sein. Darüber hinaus dämpft die weiterhin angespannte Wirtschaftslage in vielen südeuropäischen Ländern die Reiselust. Die meisten Unternehmen des Gastgewerbes sehen daher vorerst kaum Chancen für eine expansive Unternehmenspolitik. So sind auch in der aktuellen Umfrage die meisten Befragten entschlossen, ihren Personalbestand in nächster Zeit nicht zu verändern. Der Saldo aus expansiver und zurückgehender Personalplanung pendelt, wie schon in sechs vorhergehenden Umfragen, nur wenige Punkte über der Nulllinie. Im Gleichklang dazu deuten auch die Investitionspläne nur wenig Bewegung in naher Zukunft an. Der Saldo unterschreitet knapp den neutralen Wert und zählt -4 Punkte.

60 50 40 30
23

80 70 60
38 37

50 40 30 20 10
4 27 22

20
Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

16

10 0

Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen jeweils Werte für Frühjahr und Herbst eines Jahres

0 2010 Lage Erwartungen 2011 2012 Beschäftigungspläne 2013 Investitionspläne -10 Lage 2010 Erwartungen 2011 Beschäftigungspläne 2012

-4

2013 Investitionspläne
17

16

Impressum

Herausgeber IHK Berlin Fasanenstraße 85 10623 Berlin Telefon:	+49 30 31510-0 Telefax:	+49 30 31510-166 E-Mail: service@berlin.ihk.de www.ihk-berlin.de Handwerkskammer Berlin Blücherstraße 68 10961 Berlin Telefon:	+49 30 25903-01 Telefax:	+49 30 25903-235 E-Mail: info@hwk-berlin.de www.hwk-berlin.de Titelbild © Claudia Paulussen – Fotolia.com Druck Galleryprint Lützowstraße 107 – 112 10785 Berlin Redaktionsschluss 10. Oktober 2013

18

Die gemeinsamen Indikatoren für Geschäftsklima, Geschäftslage und -erwartungen, Personal- und Investitionspläne errechnen sich aus den Ergebnissen der Konjunkturumfragen der IHK Berlin und der Handwerkskammer Berlin.
        
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