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Full text: Ohren auf!

ohren auf!
 Musik für junge Menschen

phineo
Themenreport für Soziale Investoren

Plattform für Soziale Investoren

phineo

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Ein breites Bündnis

Plattform für Soziale Investoren

fen, um aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben geru­­ den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das sind Stifter, Spender und sozial

engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO -Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organisationen, Reports zu ausgewählten The­ men­ eldern, Ratgebern zum „Wie” des Gebens sowie individueller Be­ atung f r bietet PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

ohren auf!
 Musik für junge Menschen

» hne Musik wäre O das Leben ein Irrtum.«
Friedrich Nie t z sch e (18 4 4 – 19 0 0)

vorwort

Womit beschäftigten sich unsere steinzeit­ lichen Ururahnen als Erstes, nachdem sie ihren Hunger gestillt und sich vor drohenden Gefahren geschützt hatten? – Es gibt guten Grund zu der Annahme, dass sie Musik machten. Musik begleitet die Geschichte der Zivili­ ation von Anfang an. Und auch aus s unserer modernen Gesellschaft ist sie nicht wegzudenken. Kaum ein Ort, an dem wir nicht „beschallt“ werden. Doch gerade weil sie überall und jederzeit da ist, wird leicht übersehen, dass wir dabei sind, Musik in ihrer Vielfalt und ihren besonderen Möglichkeiten zu verspielen. Musikunterricht ist in den Schulen schon lange eher die Ausnahme als die Regel. Mit kleinen Kindern wird kaum noch gesungen. Ein In­ stru­ ent zu lernen scheint ein Privileg von m Kindern bildungsnaher Familien zu sein. Viele klassische Konzertreihen könnten bald mit ihren tendenziell älteren Abonnenten aus­ sterben. Der Faden der kulturellen Tradition droht abzureißen.

Gleichzeitig wissen wir heute über die positiven Wirkungen von Musik besser denn je Bescheid: Musik trägt wesentlich zur Entwicklung der Persönlichkeit, zur Wahrnehmungs­ fähigkeit, zum Sozialverhalten und zum spielerischen Entdecken von Kreativität bei. Musik ist keine Nebensache, und doch wird sie zunehmend so behandelt. Vor Ihnen liegt der Report „Ohren auf! Musik für junge Menschen“. Er richtet sich an Soziale Investoren (1), die die Notwendigkeit gemein­ ützigen Engagements in diesem n gesellschaftlich wichtigen Bereich erkannt haben und etwas gegen die zunehmende musikalische Verarmung in Deutschland unternehmen wollen.

Das Musikleben in Deutschland 1.000 Stunden
Musik sendet der öffentlich-rechtliche Hörfunk durchschnittlich pro Tag, dies entspricht 61 Prozent des gesamten Sendevolumens.

135
öffentlich geförderte Symphonie- und Kammerorchester und 80 öffentlich geförderte Musiktheater bieten pro tungen an, davon rund ein Drittel des Musik­ heaters. t

Spielzeit über 20.000 Musik­ eran­ tal­ v s Konzerte und zwei Drittel im Bereich

Mehr als 7 Millionen
Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit im Bereich des Laien­ usizierens, m die meisten davon als aktive Instrumen-

„Ohren auf! Musik für junge Menschen“ ver­ an­ chaulicht, was Musik auf den unterschieds lichsten Feldern für Kinder und Jugendliche leisten kann. Der Report zeigt, welche Heraus­ forderungen und welche Förderbedarfe bestehen. Für Soziale Investoren bestehen viele Chancen, sich zu engagieren. Weil es oft nicht ganz leicht ist, sich einen Überblick zu verschaffen, stellen wir Ihnen ein Spektrum unterschiedlicher Ansätze musikalischer Förderung vor: Von der musikalischen Früh­ erziehung über die Hochbegabten-Förderung bis hin zur Musiktherapie und Musik in sozialen Projekten in Stadtteilen, die als Brennpunkte gelten. Der Report stützt sich dabei auf den neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnis: Es geht nicht darum, klischeehafte Vorstellungen von den Wunderwirkungen der Musik weiter­­ zu­ tragen. Vielmehr werden die Wirkungen von Musik realistisch und anschaulich beschrieben. Ganz konkret stellt der Report auch Projekte mit hohem Wirkungspotenzial vor: Porträts gemeinnütziger Organisationen mit Projekten rund um die Musik liegen diesem Report bei. Alle diese Projekte wurden von PHINEO auf ihr Wirkungspotenzial hin analysiert.

talisten und Chormitglieder.

2,4 Milliarden Euro
Die Ausgaben der öffentlichen Hand für die Musikförderung erreichten 2,4 Milliarden Euro. im Jahr 2003 eine Größenordnung von

900.000
Kinder, Jugendliche und Erwachsene belegen Angebote an 930 öffentlich geförderten Musikschulen. Die be­ vor Klavier, Gitarre und Blockflöte.

liebtesten Instrumente sind nach wie

» Musik ist für unser Leben kein schmückendes Beiwerk, sie ist unverzichtbar.«
Bundespr ä siden t a . D. J o h annes Rau (1931 – 20 0 6)

(1) Ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Publikation vorwiegend die männliche

Sprachform verwendet. Bei allen männlichen Funktionsbezeichnungen sind stets auch Frauen gemeint.

inhalt

1|	 ohren auf! musik für junge menschen	
		 		 Was können Sie tun und wie unterstützt Sie dieser Report dabei? 	 Die Themenreports für Soziale Investoren	

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2|	 die herausforderung	
	 Das kurze Zeitfenster der Offenohrigkeit: Entwicklungschancen nicht verpassen	 Musikalische Bildung in Kita und Schule: Hehre Ziele, triste Praxis	 Instrumentalunterricht: Ein Privileg für Kinder bildungsnaher Familien	 Musik in der Jugendarbeit: Finanziell unter Druck	 Musik als Teil der kulturellen Identität: Wenig Angebote bei Migrationshintergrund	 Leere Konzertsäle und Opernhäuser: Eine Kultur verliert an Bedeutung	

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3|	 ein mehrstimmiger chor: 	

die gemeinnützigen akteure im einsatz

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4|	 rhythm is it! was privates engagement	

bewirken kann

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5|	 was können sie tun?	
		 Musikalische Breitenförderung: Kitas und Schulen musikalisieren	 Multiplikatoren gewinnen: Erzieher und Lehrer in Musik aus- und fortbilden	 Musik für junge Menschen mit Migrationshintergrund: Musik als Teil der kulturellen Identität	 Musik in der sozialen Arbeit: Mit Musik integrieren und fördern	 Klassik und Oper als Kulturgut erhalten: Ein junges Publikum gewinnen	 Musik in der Therapie: Ausdruck ermöglichen, Schmerzen lindern	 Musik für Begabte: Exzellenz fördern	 Wissenslücken füllen: Forschung über die Wirkungen von Musik unterstützen	 Lobby-Arbeit für Musik: Den Staat an seine Verantwortung erinnern	

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36 39 40 41 42 43 44 46 46

6|	 musik und ihre wirkungen: macht mozart schlau?	 7|	 beispiele guter praxis finden	
		 Das Auswahlverfahren	

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Die Erwartungen Sozialer Investoren: Die Kriterien des Verfahrens	
Die Verfahrensschritte	 Die Porträts	

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		 Herzlichen Dank! 	 Literaturverzeichnis	 Publikationsübersicht	 Impressum	

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ohren auf! musik für junge menschen

1

Als Marie in der 25. Schwangerschaftswoche ihrer Mutter zur Welt kommt, wiegt sie 715 Gramm. Die Computertomographen auf der Frühchen-Intensivstation zeigen Blutungen in Maries Hirn. Drei Monate später stecken noch immer Schläuche und Sonden überall in dem winzigen Körper. Um sie herum die Piepsignale der Elektronik. An ihrem Bettchen zeigen Kon­ rollinstrumente ununterbrochen Maries t Vitalfunktionen an. Sie hat Schwierigkeiten zu atmen. Sie ist unruhig. Kann Marie das Summen hören? Eine leise Stimme, aber sehr nah. Einzelne Töne. Eine Tonleiter. Die Stimme nimmt den unregel­ mä­ igen Rhythmus von Maries Atmung auf. ß Minutenlang. Dann, wie von weit her, singt die Stimme ein Wiegenlied. Kann Marie es hören? Sie kann. Auf den Bildschirmen ist zu sehen, wie sich Marie langsam beruhigt. Ihr Atem folgt jetzt dem Lied. Der Pulsschlag wird langsamer. Manchmal hebt sie ein wenig die Augen­ brauen. Dann geht auch die Stimme etwas nach oben. Jeden Morgen bekommt Marie Besuch von der leisen Stimme. Zehn bis fünfzehn Minuten hat die Musiktherapeutin Zeit, dann muss sie weiter, acht Kinder sind zu betreuen. Für eine Viertelstunde steht diese Verbindung zur Welt jenseits der Apparate. Als würde die Stimme ein Fenster öffnen. Musik für die ganz Kleinen, Singen auf der Intensivstation: Das gibt es hier, weil eine ge­ meinnützige Stiftung die Stärken von Musik erkannt hat und sie für Frühgeborene wirksam einsetzt. Das wäre auch anderswo gut, und für mehr als zehn Minuten.

Cedrick ist elf. Er spricht nicht, er produziert nur Schnalzlaute und silbenlose Töne. Cedrick ist Autist, seine Kommunikationsfähigkeit mit der Außenwelt ist schwer gestört. Nur auf

ohren auf ! musik für junge menschen

» o die Sprache aufhört, W fängt die Musik an.«
Ern st T h eo d o r A ma deus H o ffmann (1776 – 1822)

musikalische Signale reagiert er deutlich. Im Jugendzentrum, das er einmal pro Woche mit seinem Zivi besucht, zeigt er es, wenn ihm et­­ was gefällt. Und er kann, am Klavier oder mit Klangstäben, an kurze Phrasen anschließen: seine Art zu antworten. Die einzige. Mit 17 hatte Marc keinen Schulabschluss, aber eine kleinkriminelle Biographie, und er hatte eine bereits ausgeprägte Alkoholsucht. Zu Hause war er rausgeflogen. Über das Sozial­ projekt eines Vereines kam Marc in Kontakt mit Rockmusikern. Zum ersten Mal konnte er an sich ein Talent entdecken. Er spielt jetzt in einer Band, fühlt sich ernst genommen. Er hat gelernt, dass man im Leben üben muss. Und dass das Spaß machen kann. Simone wusste schon mit 15, was sie wollte. Musik machen. Auf der Geige ihre eigene Stimme finden. Irgendwann hatte sie die Möglichkeiten ihres Instruments ausgeschöpft: Simones Begabung war größer als das Budget ihrer Eltern für eine gute Violine. Ein pri­ vater Spender und Musikliebhaber konnte ihr eine Meistergeige zur Verfügung stellen. Jetzt steht für Simone der Geigenhimmel offen. Marie. Cedrick. Marc. Simone. Vier Leben, vier Schicksale, die deutlich machen, was der frühere Bundespräsident Rau so formulierte:

„Musik ist für unser Leben kein schmückendes Beiwerk, sie ist unverzichtbar.“ Musik ist ein Lebensmittel. Und manchmal ein Überlebensmittel. Die vier Fälle machen auch klar: Die Kulturnation Deutschland leistet sich zwar ein dichtes Netz von Symphonieorchestern, Opernund Konzerthäusern. Im internationalen Ver­ gleich ist die musikalische Infrastruktur in Deutschland beachtlich. Viele junge Menschen kommen von weither, um sich hier ausbilden zu lassen. Doch jenseits der klassischen Insti­ tu­ ionen steht es gerade um die Grundver­ t sorgung mit dem Lebensmittel Musik nicht gut. In den Schulen fällt Musikunterricht aus, Musikschulen werden geschlossen. Der musi­ kalische Analphabetismus wächst alarmierend. Und gerade da, wo Musik für junge Menschen eine existenzielle Bedeutung haben kann, versagt das staatliche Förderungssystem.

Die kleine Marie hätte keine Chance auf die tägliche Viertelstunde Zuwendung durch Musik, Marc wäre ohne das Bandprojekt sehr wahrscheinlich weiter abgerutscht, Simones Solistenkarriere wäre ohne ein erstklassiges Instrument schon zu Ende – wenn nicht gemeinnützige Vereine und Stiftungen mit der Unterstützung durch private Spenden wirksam da geholfen hätten, wo staatliche Mittel und Wege fehlen. Gemeinnützige Organisationen – Initiativen, Vereine, gGmbHs und Stiftungen – ergänzen auf vielfältige Weise die Aktivitäten des Staates. Oft setzen sie dort an, wo die finanziellen Möglichkeiten des Staates aufhören. Und

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nicht zuletzt greifen sie immer wieder zu innovativen und unkonventionellen Maßnahmen und zeichnen sich dabei im Vergleich zu staat­ ichen Institutionen durch größere l Innovationsfähigkeit und Risikobereitschaft aus. Die Themenvielfalt, der sich die vielen Haupt- und Ehrenamtlichen in den gemeinnützigen Organisationen widmen, ist breit und erstreckt sich von der musikalischen Förderung spezifischer Altersgruppen (Kindergartenkindern, Grundschülern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen) über die Breitenförderung bis zur Förderung ausgewählter Zielgruppen (jungen Menschen mit Behinderungen, Jugendlichen mit Migra­ ionshintergrund, t sozial benachteiligten Kindern etc.). Von der Musiktherapie für Früh­ eborene bis zur g Förderung von musikalischen Spitzenbegabungen reicht das Feld. Musik ist für viele ein effektives Werkzeug, um Dinge zu verändern. Dass Musik Intelli­ genz und soziale Kompetenz fördert, dass sie heilend helfen kann und eine Möglichkeit der Kommunikation auch für diejenigen ist, die ihre Sprache verloren haben, wird viel diskutiert. Und nicht nur das. Für die Hirn­ forschung ist „Musik der stärkste Reiz für neuronale Umstrukturierung, den wir kennen“. (1)

ohren auf ! musik für junge menschen

» usik hat von allen Künsten den M tiefsten Einfluss auf das Gemüt, ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.«
N ap o l eo n Bo napa rt e (1769 – 1821)

Diese der Musik innewohnende Stärke sollten wir nutzen und dabei nicht vergessen: Musik ist auch einfach schön.

engagierte Unternehmen – über Möglichkeiten der Musikförderung informieren. Denn es ist angesichts der Komplexität und Vielfalt des Feldes für den Einzelnen schwer, sich eine Meinung darüber zu bilden, ob ein Ver-

Was können Sie tun und wie unterstützt Sie dieser Report dabei?
Der gemeinnützige Sektor im Bereich der musikalischen Förderung junger Menschen ist bunt und groß. Die finanzielle Unterstützung durch Privatpersonen, sozial engagierte Unternehmen und Stiftungen macht viele Aktivitäten erst möglich. Wer Geld einsetzt, will jedoch wissen, wie es wirkt. Dies heraus­ zufinden ist bisweilen äußerst aufwendig. Sich einen Überblick über Herausforderungen, Förder­ edarf und -lücken sowie wirkb same An­ ätze und Hebel gemeinnützigen s Engagements zu verschaffen ist alles andere als einfach. Welche Interessen haben Sie ganz persönlich? Und wo und wie sind Ihre Mittel am besten eingesetzt? Musik ist ein weites Feld. Die Chancen und Möglichkeiten von Musikt­ erapie, Spitzen- und Breiten­ h förderung, musikalischen Projekten in sozialen Brennpunkten oder auch von ästhetischer Bildung sind breit gestreut, die Konzepte so verschieden wie die Ziele. Wo kann Geld genau den Nutzen ent­ alten, den Sie erreif chen möchten? Dies ist nicht immer leicht zu entscheiden. Dieser Report will potenzielle Soziale Investoren – Spender, Stiftungen und sozial

ein oder eine Stiftung professionell geführt werden und mit ihren Projekten nachweislich Wirkung erzielen.

Der Report „Ohren auf! Musik für junge Menschen“ versteht sich als Informationsangebot für Soziale Investoren. Es geht darum, die bestehende Herausforderung zu erläutern (Kapitel 2) und die unterschiedlichen gemeinnützigen Akteure zu beschreiben (Kapitel 3). Was Soziale Investoren konkret vor Ort bewegen können zeigt Kapitel 4. Das große Repertoire der Ansätze und Möglichkeiten musik­ pädagogischer Aktivitäten stellen wir in Ka­ i­ el 5 vor. Darüber hinaus werden die verpt schiedenen Wirkungsansätze auf der Grund­ lage wissenschaftlich fundierter Kenntnisse beschrieben (Kapitel 6). Das abschließende Kapitel 7 skizziert das Bewerbungs- und Analyseverfahren von PHINEO, mit dem die gemeinnützigen Projekte und Organisationen für die beiliegenden Porträts ausgewählt wurden. Die Porträts informieren über gemeinnützige Akteure, die wirksame Musikprojekte um­ setzen. Sie zeigen die Stärken und Entwicklungspotenziale auf und stellen konkrete

(1) Altenmüller 2003 

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Unterstützungsmöglichkeiten für Sozia­ e Inl vestoren vor. Dies gibt Förderern die Möglich­ keit, genau dort anzusetzen, wo sie am meisten bewegen können.

Capital (www.philanthropycapital.org), die seit mehreren Jahren erfolgreich einen erheb­ lichen Beitrag zu mehr Transparenz im gemein­­ zigen Sektor in Großbritannien nüt­ leistet. Bei der Entwicklung des Verfahrens wirkten insbeson­ ere das Decision Institute d (www.decisioninstitute.eu), das Deutsche

Die Themenreports für Soziale Investoren
PHINEO möchte einen Beitrag zu mehr Trans-

Zentralinstitut für soziale Fragen (www.dzi.de) und Univation – Institut für Evaluation (www.univation.org) mit. Um eine Organisa­ tion aufzubauen, die auch zukünftig das Ana­ lyseverfahren einsetzt und mit Partnern weiterentwickelt, gründete ein breites Bündnis von Akteuren aus Gesellschaft, Staat und Wirtschaft die gemeinnützige Aktiengesellschaft PHINEO, die das Verfahren seit Ende 2009 verantwortet. Der Inhalt dieser Themenreports basiert auf Gutachten, Literaturanalysen sowie Gesprächen mit Experten aus Wissenschaft und Praxis. Um das Handeln von Organisationen anschaulich darzustellen und Wirkungsmechanismen aufzuzeigen, wird der Report durch ausgewählte Porträts von gemeinnützigen Projekten und Organisationen ergänzt. Die porträtierten Organisationen widmen sich unterschiedlichen Herausforderungen und sind Beispiele für verschiedene Hebel und Ansätze im Feld „Musik für junge Menschen“.

parenz im gemeinnützigen Sektor leisten. Die einzelnen Themenreports greifen wichtige gesellschaftliche Themen auf und informieren Soziale Investoren überblicksartig über die Herausforderungen sowie darüber, wie gemeinnützige Organisationen in Deutschland bislang darauf reagieren. Sie zeigen Förderbedarf und Förderlücken bei den jeweiligen Themen auf und unterstützen so diejenigen in ihrer Entscheidungsfindung, die sich wirksam für das Gemeinwesen einsetzen wollen. Die Stärken und Möglichkeiten der Zivilgesellschaft werden dabei dargestellt, ohne den Staat aus der Verantwortung zu nehmen. Das Verfahren zur Erstellung der Themen­ reports und die damit einhergehende Analyse gemeinnütziger Projekte und Organisationen wurde ursprünglich von der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Pilotprojekts „Orientierung für Soziale Investoren“ für Deutschland entwickelt. Es basiert auf dem Verfahren der britischen Organisation New Philanthropy

ohren auf ! musik für junge menschen

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fit und fröhlich ! ein report für soziale investoren

die herausforderung

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Das kurze Zeitfenster der Offen­ ohrigkeit: Entwicklungschancen nicht verpassen
Der Mensch ist ein Homo musicus. Schon unsere Vorfahren der Steinzeit spielten Flöte: Die ersten Funde einfacher Instrumente, aus Knochen geschnitzt, sind mindestens 50.000 Jahre alt. Gab es eine Epoche der Menschheit ohne Musik? Wer heute über die Bedeutung von Musikunterricht in Schulen nachdenkt, landet schnell bei der Frage, warum es der Homo sapiens, womöglich schon seine noch älteren Verwandten, ohne Musik nicht aushalten konnte. Warum ihn das Bedürfnis nach Klängen befiel, sobald Hunger und Durst gestillt und sein Überleben gesichert waren. Die Frage nach den Ursprüngen der Musik vor vielen tausend Jahren führt überraschend geradlinig in die Diskussionen der Gegenwart, denn die Biomusicology – die Forschungsrichtung, die eine Verbindung von Erkenntnissen über die Evolution des Menschen und seine neurologische Entwicklung mit Fragen nach der (Ur-)Bedeutung von Musik herstellt – hat die Wichtigkeit organisierter Klänge für den Einzelnen und seine Gruppenzugehö­ rigkeit eindrucksvoll nachgewiesen. In der Wissenschaft werden folgende Wirkungen

und stammesgeschichtlichen Funktionen von Musik diskutiert: (1)
•	 •	 •	 •	 •	 •	 •	 •	 •	

Förderung von Gruppenzugehörigkeit und sozialer Organisation Koordination bei der Gruppenarbeit Musik als Gefühlsausdruck und Gefühls­ bewältigung Förderung der Wahrnehmung Förderung des Spracherwerbs Konfliktreduktion Förderung der motorischen Fähigkeiten Musik als „sicherer“ Zeitvertreib Generationsübergreifende Kommunikation

Diese Aufzählung positiver Effekte von Musik auf das Leben der Steinzeitmenschen liest sich wie ein Katalog der Transfer-Wirkungen, die man sich heute im Zusammenhang mit musikalischen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen wünscht: Musik als ein Mittel gewaltfreien Ausdrucks, Verbesserung der Kommunikation, sprachlicher und motorischer Fähigkeiten (eine ausführliche Darstellung des Wissensstandes zur Wirkung von Musik finden Sie in Kapitel 6). Der Musikwissenschaftler Donald Hodges nennt Musik ein „built-in system“: „Weil Musik, wie die Sprache und andere Formen der Intelligenz, eine wichtige Rolle in der Formung unserer menschlichen Natur gespielt hat und weiterhin spielt“, weil sie „ein fester Bestandteil des Menschen ist, der wegen seiner

(1) siehe Gembris 2005

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Wichtigkeit in seiner Natur integriert ist, […] muss es für uns immer noch wichtig sein, uns musikalisch zu betätigen“. (1)

die Auffassung, dass sich musikalische Begabung bis etwa zum neunten Lebensjahr im Entwicklungsstadium befindet. In dieser Zeitspanne kann das Begabungspotenzial positiv – durch musikalische Aktivitäten und

Schon im Mutterleib beginnt der kleine Mensch, seine Umwelt hörend wahrzu­ eh­ en. n m Kinder, denen während des sechsten bis achten Schwangerschaftsmonats kurze Melo­ dien wiederholt vorgespielt wurden, zeigten sich signifikant ruhiger, wenn sie diese Musik nach der Geburt hörten. Bereits Neu­ eborene g sind in der Lage, ein einfaches Lied wieder­ u­ z erkennen, das sie vor der Geburt gehört haben. Es gibt keine unmusikalischen Menschen. Weil musikalische Elemente eine wesentliche Rolle in der nonverbalen Mutter-Kind-Kommunikation spielen, ist die Fähigkeit zum musikalischen Ausdruck und zur Verständigung über Musik jedem Menschen angeboren. Diese musikalische Ur-Erfahrung könnte auch erklären, warum tiefgehende Musik­ r­ e lebnisse das Gefühl auslösen können, mit der ganzen Welt eins zu werden: Seid umschlun­ gen, Millionen. Diesen Kuss der ganzen Welt! Es muss aber nicht Beethoven sein. Der Psychoanalytiker Pinkas Noy formuliert es so: „Später, wenn der Erwachsene Sehnsucht empfindet nach dem verlorenen Paradies oraler Kindheit, nach der symbiotischen Mutterliebe, kann ihn Musik zurückbringen zu dieser primären Periode, in der er auf dem Wege des Hörens sich der Liebe seiner Mutter versichert fühlen konnte“. (2) In den ersten sechs Lebensjahren erlernt ein Kind die wesentlichen Elemente der musi­ kalischen Sprache der Kultur, in der es aufwächst. Einer der wichtigsten amerikanischen Begabungsforscher, Edwin Gordon, vertritt

Unterricht – oder negativ – durch eine musikarme Umgebung und mangelnde Förderung – beeinflusst werden. Demnach kommt der musikalischen Förderung innerhalb der ersten neun Lebensjahre eine besonders hohe Bedeutung zu. Etwa im Alter von acht Jahren lernen Kinder, je nach musikalischer „Sozialisation“, verschiedene Arten von Musik kennen und unterscheiden. Sie entwickeln jetzt auch entschiedene musikalische Vorlieben und Abneigungen. Damit schwindet die grundsätzliche Offenheit gegenüber allen möglichen Arten von Musik. Etwa mit zehn bis elf Jahren ist diese Offenohrigkeit meist verschwunden, zugunsten einer starken Präferenz von Popmusik einer ganz bestimmten Ausrichtung. Was jenseits dessen liegt, wird – oft heftig – abgelehnt, besonders klassische Musik. Umgekehrt ist die Offenohrigkeit der Kindergartenkinder und der ersten Grundschuljahrgänge eine Chance für eine gezielte FrühFörderung: Wer einmal ein breites Spektrum unterschiedlicher Musik-Genres kennen gelernt hat, kann sich darauf zurückbesinnen. Tatsächlich ist am Ende der Adoleszenzphase eine Art Rückkehr-Effekt zu beobachten: Die Aufmerksamkeit wendet sich wieder vermehrt der Musik zu, die in der späten Kindheit von Bedeutung gewesen ist. Das heißt: Es gibt ein

» usik: Die Melodie, M zu der die Welt der Text ist.«
A rt hur Sch o penh auer (178 8 – 18 6 0)

die herausforderung

Das kurze Zeitfenster der Offenohrigkeit

Entwicklung Fähigkeiten

musikalischer und Interessen

Entwicklung von musikalischen Vorlieben und Abneigungen: Offenohrigkeit geht verloren

Musikalisches Begabungspotenzial im Entwicklungsstadium: beeinflusst werden kann positiv durch musikalische Aktivitäten und Unterricht

Erlernen der wesentlichen Elemente

der musikalischen Sprache der Kultur
2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...

1

Lebensjahre

QUEL L E: EIGENE DA RSTEL LUNG

Zeitfenster, das für die Vermittlung sehr verschiedener Musikgenres besonders geeignet ist. Hier kann ein nachhaltiger Effekt erzielt werden. Und andererseits gilt: Hier können auch Chancen verpasst werden. Frühe Förderung ist entscheidend.

Schon in Kindertageseinrichtungen kann musiziert werden. Eltern wie Erziehe­ innen r wünschen sich Musik. Doch in der Praxis fehlt es an musikalischer Früh-Förde­ ung. r Die Ausbildung von Erzieherinnen räumt dem Thema bislang eher wenig Raum ein, Weiterbildungsangebote sind nicht flächen­ eckend d vorhanden.

Musikalische Bildung in Kita und Schule: Hehre Ziele, triste Praxis
Wenn es um die Entwicklung des musi­ a­ k lischen Selbstausdrucks geht, muss jedem klar sein: Hierfür steht nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung. Diese Tatsache macht den frühen Beginn von Musikerziehung so bedeutsam.

In den Schulen zumeist das gleiche Bild. Dass ästhetische Erziehung und die Vermittlung eines Grundverständnisses von Kultur und Musik zu den Pflichtaufgaben des Staates gehören, ist theoretisch zwar erkannt. Musikunterricht gehört – zumindest auf dem Papier – zum Lernstoff für alle Schülerinnen und Schüler. Doch der Musikunterricht wird seit langer Zeit vernachlässigt. Das Fach Musik gilt nach wie vor, anders als Mathematik, Deutsch und

(1) Hodges 1989, 20  (2) Noy 1968, 344, Übersetzung: H. Gembris

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Naturwissenschaften, als weniger wichtig für die Herausforderungen des Berufsalltags. „Das Musische ist wegrationalisiert worden“, stellt der Dirigent Nikolaus Harnoncourt fest. Der Schock, den die ersten PISA-Studien über die mangelnde Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems hierzulande auslösten, hat die Reformbedürftigkeit der deutschen Schulen schlagartig deutlich gemacht. Die ei­ i­ l gen Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungen in den Schlüsselkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen drängen Musik noch weiter in den Hintergrund.

Doch der Blick in die Praxis ist ernüchternd. Als Schulfach oder als Teil von Fächerverbünden oder übergeordneten Lernbereichen ist Musik zwar tatsächlich in den Stundentafeln der deutschen Grund- und weiterführenden Schulen verankert, wenn auch in der Regel nur mit ein bis drei Wochenstunden. Die schulische Realität fällt dahinter jedoch dramatisch zurück. Die Neue Zürcher Zeitung konstatiert mit Blick auf das Schulfach Musik in Deutschland eine „triste Praxis“. Nach Untersuchungen des Verbands deutscher Schulmusiker werden an Gymnasien nur etwa zwei Drittel der Stunden für Musikunterricht

Inzwischen hat die Kultusministerkonferenz (KMK) zwar allgemeine, das heißt schul- und stufenübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele festgelegt. Und danach leistet das Unterrichtsfach Musik „einen unverzichtbaren Beitrag zur Erziehung des jungen Menschen. Praktischer Umgang mit Musik, allein oder in Gemeinschaft, kommt dem existenziellen Ausdrucksbedürfnis des Menschen entgegen, entwickelt Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit, fördert Kreativität und Erlebnistiefe sowie Genuss- und Gestaltungsfähigkeit, Phantasie und Toleranz“. (1)

tatsächlich ausgeschöpft. (2) Dabei behaupten die Gymnasien im Vergleich zu den anderen Schulformen bereits die Spitzenstellung: An Real- und Hauptschulen findet mehr als die Hälfte des vorgesehenen Musikunterrichts nicht statt. Und nicht einmal ein Fünftel aller Grundschüler, noch weniger Förderschüler kommen in den Genuss eines

» usik leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur M Erziehung des jungen Menschen. Praktischer Umgang mit Musik, allein oder in Gemeinschaft, kommt dem existenziellen Aus­ rucks­ edürfnis des Menschen d b entgegen, entwickelt Wahr­ ehmungs- und Empfindungsn fähigkeit, fördert Krea­ i­ ität und Erlebnistiefe tv sowie Genuss- und Gestaltungs­ ähigkeit, Phantasie f und Toleranz.«
K ult usm inis t erko nferenz

die herausforderung

fachlich korrekt erteilten Musikunterrichts. Dazu kommt, dass der schulische Musikunter­ richt, wenn er überhaupt stattfindet, in der Regel kaum eine Motivation zum aktiven Musi­ ieren fördert. „Meine Lehrer haben mir z gesagt, ich bin unmusikalisch“, berichten nicht selten junge Menschen. Die Umsetzung des Musikunterrichts scheitert oft am fehlenden oder nicht hinreichend qualifizierten Lehrpersonal. Der Deutsche Musikrat fordert deshalb unter anderem eine Erhöhung der Kapazitäten in der Musiklehrerausbildung vor allem im Grund- und Förderschulbereich. (3)

Der Weg zum „Kernfach Musik“ (4) ist also noch weit. Vor dem Hintergrund der alters­ mäßig begrenzten Aufnahmebereitschaft ist der Ausfall von Musikunterricht gerade in den unteren Jahrgangsstufen folgenreich. Erziehung durch Musik und Erziehung zur Musik leistet einen Beitrag zu den Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung. Ein Fehlen von qualifiziertem Musikunterricht in der Kita und an den allgemeinbildenden Schulen hinterlässt eine Lücke in diesem Bereich der Persönlichkeitsbildung. Und es reißt auch die Kontinuität ab: Wer selbst kein Verständnis für Musik entwickeln konnte, wird seine eigenen Kinder hier kaum fördern.

(1) Bericht der Kultusministerkonferenz, 11  (2) siehe Gün­ ­ er 2006  (3) siehe Nimczik 2006  (4) Werner-Jensen 2003 tn

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Künstlerische Hobbys der 14- bis 24-Jährigen differenziert nach Geschlecht
	 	 Ballett / Tanzen / Jazzdance

Instrumentalunterricht: Ein Privileg für Kinder bildungsnaher Familien
Die der Musik zugeschriebenen Wirkungen können nicht passiv eintreten, Musik hören allein reicht kaum. Wenn sie wirken soll, setzt dies aktives Musizieren des Einzelnen voraus, das am besten in ein interaktives Gruppen­ geschehen eingebettet sein sollte. Umso interessanter sind die Statistiken zur Nachfrage nach Instrumentalunterricht bei der jungen Generation. Hier spiegelt sich auch die abnehmende Erreichbarkeit für musikalisch an­ spruchs­ ollere Angebote wider. So steigen die v Schülerzahlen der deutschen Musik­ chulen s bis zur Altersgruppe der zehn- bis 14-Jährigen kontinuierlich, um ab 15 auf weit unter die Hälfte abzurutschen; die Zahl der 19- bis 25-Jährigen Musikschüler macht dann nur noch ein Zehntel aus.

	 	

Schreiben von Gedichten, Artikeln etc.

	 	

Malerei, Bildende Kunst

	 	

Basteln, Gestalten

	 	

Singen (alleine, Chor, Band etc.)

	 	

Theater spielen

	 	

Fotografieren

Dabei zeigt sich, dass generell die junge männ­
Musikinstrument spielen

	 	

liche Bevölkerungsgruppe deutlich schwerer für künstlerische Aktivitäten zu gewinnen ist und auch seltener selbst künstlerisch-kreativ tätig wird. Das „KulturBarometer“ aus dem Jahr 2004 zeigt, dass 56 Prozent der Mädchen zwischen 14 und 24 Jahren ein Musikinstrument spielen, aber nur 44 Prozent der Jungen. Beim Singen – allein, im Chor oder in einer Band – ist der Unterschied sogar noch größer. 73 Prozent der Mädchen sagen von sich, sie würden singen. Aber nur 27 Prozent der befragten Jungen sind hier aktiv.

	 	

Design, Layout

	 	

Mit Video- / Digitalkamera arbeiten

	 	

Sprayen

0 %

20 %

40 %

60 %

80 %

100 %

  Weiblich 

  Männlich

Wer überhaupt Klavier-, Gitarren-, Flötenoder Geigenunterricht hat, darf sich allerdings schon zu den Privilegierten zählen. Es ist ein klarer Zusammenhang erkennbar zwischen der Bildungsnähe bzw. Bildungsferne von Haushalten und der Bereitschaft (und finanziellen Möglichkeit), privaten Musikunterricht

QUEL L E: ZFK F / GFK 20 0 4

die herausforderung

zu bezahlen. An dieser Stelle werden die langfristig nachteiligen Folgen eines fehlenden oder unambi­ ionierten Musikunterrichts t in den Grundschulen und weiterführenden Schulen sehr deutlich. Aktives Musizieren mit einem Instrument wird unter diesen Voraussetzungen zu einem Privileg für Kinder vermögender Eltern.

Schülerzahl und Altersverteilung an Musikschulen im Verband Deutscher Musikschulen 2006
	 bis 6 Jahre 6 – 9 Jahre 10 – 14 Jahre 15 – 18 Jahre 19 – 25 Jahre

	
	

	
	

	

Musik in der Jugendarbeit: Finanziell unter Druck
Jugendliche haben das Bedürfnis, unter Gleich­ ltrigen zu sein und sich dort anders als a in den Zwängen von Elternhaus und Schule verhalten zu können. Musik spielt dabei eine wichtige, fast dominante Rolle. Musik dient zur lautstarken akustischen Untermalung und hat zugleich die Aufgabe, Zugehörig­ ei­ en k t oder Abgrenzung zu symbolisieren. Jugendzentrums-Mitarbeiter kennen die Aus­ inan­ e dersetzungen um die „richtige“ Musik in einer ohrendröhnenden Lautstärke.

	

	
	 	 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000

QUEL L E: V ERBA N D DEUTSCHER M USIK SCHUL EN ( V DM) 20 07

Neben den Jugendverbänden der großen Wohl­ Trotz der vielen Konsummöglichkeiten oder vielleicht auch gerade deswegen suchen viele Jugendliche nach Gestaltungs­ öglichkeiten, m und das aktive Musizieren in Bands, die Musik­ roduktion am Computer und die Betäti­ p gung als DJ gehören dazu. Musikmachen genießt besonders dann ein hohes Prestige, wenn es Chancen zum öffentlichen Auftritt gibt. fahrtsorganisationen bieten viele regional verankerte Jugendzentren die Möglichkeit, sich in ihren Räumlichkeiten musikalisch zu betätigen. Dabei zeichnet sich ab, dass besonders in den Großstädten die Jugendarbeit immer mehr zu einem Treffpunkt für sozial benachteiligte und bildungsferne Jugendliche geworden ist (1), die oftmals an den Angeboten der Musikschulen aus finanziellen Gründen nicht teilnehmen können. Kostengünstige Kurse für Gitarre und Keyboard, bezahl­ are b Workshops zur Förderung von Bands und DJs oder auch die kostenlose Nutzung von Probe­ räumen und Aufnahmestudios an diesen Orten sind für diese Jugendlichen nicht selten die einzige Chance, aktiv musizieren zu können. Weil Musik für Jugendliche einen äußerst hohen Stellenwert hat, ergeben sich gute Ansatzpunkte für musik- und sozialpädagogische Arbeit: Sie kann an ein bereits bestehendes,

(1) siehe Hill 2004, 337

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starkes Interesse anknüpfen. Die positiven Effekte solchen Engagements sind wissenschaftlich beschrieben. Danach kann Musik gerade unter schwierigen Bedingungen dreifach
•	

ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Maßnahme und Wirkung […] nicht ohne Weiteres darstellen lässt, wie es in der kulturellen Bildung der Fall ist, die eine längerfristige Investition in die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen darstellt, fehlt es heute oft an Verständnis, Legitimation und Ressourcen für entsprechende Projekte und Angebote“. (2) Und so sind es gerade diese Angebote, die von der Kürzung öffentlicher Mittel besonders hart betroffen sind. Ressourcen- und stärkenorientierte Ansätze in der Jugendarbeit wie Musik­ angebote haben es schwer, kontinuierliche und ausreichende Unterstützung zu erhalten. Dabei können gerade hier Jugendliche, die in der Schule vielleicht Probleme haben, „lernen zu lernen“. In Bands legen die Jugendlichen ihre Lernziele selber fest, motivieren und kontrollieren sich gegenseitig. Einen schlechten Auftritt auf einer öffentlichen Bühne vor Publikum möchte keiner erleben.

wirken: (1)

Jugendliche finden sich in der Musik wieder (Identität), Musikprojekte fördern die Orientierung unter Gleichaltrigen und vermitteln die Erfahrung, etwas gestalten zu können.

•	

•	

Musik kann also entscheidend zur (Wieder-) Entdeckung eines positiven Selbstbilds beitragen (Empowerment) und lebenspraktische, soziale und kreative Kompetenzen stärken. Diese Wirkungen sind unbestreitbar positiv. Sie sind allerdings, gerade wo es um präventive Arbeit geht, nur schwer messbar: „Wo sich

Künstlerische Aktivitäten, künstlerische Hobbys und Besuch entsprechender Angebote
bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 24 Jahren, differenziert nach der Herkunft ihrer Eltern

Musik als Teil der kulturellen Identität: Wenig Angebote bei Migrationshintergrund
Der Begriff der deutschen Musikkultur wird dominiert von der Hochkultur à la Mozart, Schubert, Wagner. „Dabei führt nicht selten z. B. die Gegenüberstellung von abend­ än­ l discher (Hoch-)Kultur und von [zum Beispiel] tür­ i­ cher (Volks-)Kultur zu einer unge­ ks wollten Polari­ ierung und irreführenden s Bewertung“ (3), man könnte auch sagen, zu einer Überhöhung des deutschen Kulturbegriffs und zu einer Herab­ etzung fremder s

	 	 	 	

Schon einmal künstlerisch aktiv im weitesten Sinne	

Künstlerische aktuelle Hobbys

	
	 10 %

Besuch eines künstlerischen Angebots (Musikschule etc.)

20 %

40 %

60 %

80 %

  Beide deutsch 

  Nur ein Elternteil deutsch

  Beide Elternteile aus einem anderen Land

QUEL L E: ZFK F / GFK 20 0 4

die herausforderung

Musik­ ulturen. Schaut man auf die Zahlen, k so kann – was musikalische Bildung angeht – kaum ein Unterschied zwischen jungen Menschen mit und solchen ohne Migrations­ hin­ ergrund festgestellt werden. t Einen Unterschied – wenn auch nur einen geringfügigen – gibt es, wenn man die jungen Leute, deren Eltern aus einem islamischen Land stammen, mit deutschstämmigen vergleicht: 18 Prozent haben schon einmal ein Musikinstrument in der Freizeit gespielt, bei den deutschstämmigen sind dies 24 Prozent. Auffallend hoch ist dagegen die Zahl der jungen Leute mit Eltern aus Südeuropa, die in der Freizeit schon einmal gesungen haben, nämlich 20 Prozent, im Vergleich zu zehn Prozent junger Menschen mit Eltern aus Deutschland. (4)

Handlungsbedarf zeigt sich jedoch, wenn man die jungen Menschen mit Migrationshintergrund nach ihrer Zufriedenheit mit den kulturellen Angeboten befragt. Dann beklagen viele, es würde nur selten die Kunst aus fremden Kulturkreisen thematisiert. Unter den jungen Leuten mit islamischem Hintergrund ist der Anteil derjenigen, die finden, man müsste in Deutschland mehr solcher Angebote schaffen, mit 76 Prozent besonders groß. Bei jungen Menschen osteuropäischer Abstammung liegt dieser Anteil bei 47 Prozent. (5)

(1) siehe Hill und Josties 2007, 20 f.  (2) Hill und Josties 2007, 27  (3) Barth 2001  (4) siehe Keuchel 2007, 28 f.  (5) Keuchel 2007, 29

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Besuch mindestens einer Musiktheaterveranstaltung innerhalb eines Jahres

Leere Konzertsäle und Opern­ äuser: h Eine Kultur verliert an Bedeutung
Die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2006 er-

	 	

18 – 24 Jahre

mittelte, dass Musikhören, noch vor Fernse­ en h und „sich mit Leuten treffen“, die häufigste Freizeitbeschäftigung von Jugendlichen zwischen zwölf und 25 Jahren ist. Bevorzugt wird eindeutig Pop- und Rockmusik, wobei unter diesen Oberbegriff eine kaum überschaubare Zahl von Genres, Stilen und Sub-Stilen gefasst wird, die mit zum Teil scharf voneinander abgegrenzten Lebenswelten und Lebensstilen verbunden sind. Musikhören ist in diesem Alter eine intensive, hoch emotionalisierte, gelegentlich fanatisch ausgeprägte Beschäftigung, die viel mit der

	 	

25 – 34 Jahre

	 	

35 – 49 Jahre

	 	

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65 Jahre und älter

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35 %

Suche nach einer persönlichen Identität und der Entwicklung eines individuellen musikkulturellen Wertesystems zu tun hat. Auf diese Bedürfnisse versucht die Musikindus­ trie mit möglichst einfachen, standardisierten Angeboten zu reagieren. Klassische Musik hat es (wie auch andere Musik mit höherer Kom-

  1993 / 94 

  2004 / 05

QUEL L E: ZFK F / IN FA S 19 9 4; ZFK F / GFK 20 05

Besuch mindestens einer Opern- oder Ballettaufführung innerhalb eines Jahres

plexität und höherem Anspruch) neben den griffigen Produkten der Hit-Fabriken schwer. Dies zeigt sich auch bei den Besucherzahlen

	 	

18 – 24 Jahre

klassischer Musikkonzerte und Opernauf­ führungen. Im Vergleich ist zwischen den Jahren 1993 / 94 und 2004 / 05 ein deutlicher Besu-

	 	

25 – 34 Jahre

	 	

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QUEL L E: ZFK F / IN FA S 19 9 4; ZFK F / GFK 20 05

die herausforderung

cherrückgang bei Jugendlichen, aber auch bei der Elterngeneration in Bezug auf klassische Musikkonzerte und Opernaufführungen zu beobachten. (1) Nach Untersuchungen des „KulturBarometers“ (2) interessieren sich nur noch neun Prozent der jungen Menschen (14 bis 24 Jahre) für klassische Musik und nur drei Prozent für Oper. Tendenz fallend. Viele Konzert- und Opernhäuser haben den dringenden Bedarf an verstärkter Zielgruppenarbeit inzwischen erkannt. Es gibt eine Vielzahl von Projekten, um ein junges, neues Publikum zu erreichen. Solche außerschulischen Initiativen sind sinnvoll und nötig. Allerdings zeigt sich, dass viele Angebote jenseits des schulischen Pflichtprogramms fast ausschließlich diejenigen jungen Leute ansprechen, die bereits kulturell aktiv sind. Die Angebote schaffen es nicht, Kinder und Jugendliche aus kulturfernen Elternhäusern zu aktivieren. Die Folgen werden spürbar sein: Es gibt immer mehr Heranwachsende, die mit Musik jenseits des Mainstreams nichts mehr anzufangen wissen. Auch das öffentliche Musikleben wird sich verändern: Die vielfältige Infrastruktur der Konzert- und Opernhäuser, der Spezialreihen für neue und alte Musik, die nach wie vor reichen Möglichkeiten, auch fremde, „andere“ Klangwelten zu erfahren, drohen zu verschwinden oder sich in die Nischen von kleinen Kenner-Zirkeln abzusondern.

(1) siehe Keuchel 2006  (2) siehe Keuchel und Wiesand 2006, 23

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ohren auf! –

ein mehrstimmiger chor: die gemeinnützigen akteure im einsatz
Die Chancen und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, die Musik bietet, haben viele gemeinnützige Organisationen erkannt. Sie alle verbindet der Wunsch, junge Menschen an Musik heranzuführen, musikalisch zu fördern. Die vielen verschiedenen gemeinnützigen Orga­ nisationen lassen sich grob in fünf Gruppen unterteilen:
•	 •	 •	 •	 •	

3

Zielgruppe gering, und sie arbeiten meistens auch überregional bis bundesweit.

Musikschulen in gemeinnütziger Rechtsform:

Die Musikschulen gehören zu den wichtigsten Institutionen der außerschulischen musikalischen Bildung. 2007 gehörten dem Verband deutscher Musikschulen 924 Musikschulen an (www.musikschulen.de). Rund 33 Prozent von ihnen sind als eingetragene Vereine organisiert. Sie regen junge Menschen zu Musikalität an, finden und fördern ihre Begabungen und leiten sie zum aktiven Musizieren an. Zu ihrem Angebot gehört neben der musikalischen Früherziehung und Grundausbildung auch qualifizierter Instrumental- und Vokalunterricht. Zu den beliebtesten Instrumenten zählen neben dem Klavier vor allem Gitarre und Blockflöte. Musikschulen bringen Musiker auch zusammen und ermöglichen das gemeinsame Musizieren in Orchestern und Chören. Die Vermittlung von Freude und Spaß an Musik, Spiel und Bewegung steht in der Arbeit der Musikschulen im Vordergrund.

Musikschulen in gemeinnütziger Rechtsform Laienmusikvereine Lokale Jugendzentren mit außerschulischen Musikangeboten Gemeinnützige Organisationen mit Aktivitäten in und für Kitas und Schulen Konzert- und Opernhäuser mit ziel­ ruppen­ g spezifischen Angeboten für junge Menschen

Sie machen quantitativ sicherlich einen Großteil der gemeinnützigen Organisationen aus, die sich für die musikpädagogische Förderung junger Menschen engagieren und finden sich in fast jeder deutschen Stadt. Daneben gibt es gemeinnützige Organisationen, die sich auf ausgewählte Zielgruppen, z. B. Hochbegabte, spezialisiert haben. Die Anzahl dieser Orga­ nisationen ist aufgrund der sehr kleinen

Laienmusikvereine: Das Laienmusizieren in

Chören, Blasorchestern, Spielmannszügen, Akkordeongruppen, in kirchlichen Posaunen­ chören, auch in Streich- und Symphonie­ orchestern nimmt eine bedeutende Stelle in der Freizeitgestaltung der Deutschen ein. In vielen Städten und Gemeinden gehören Mu-

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sikvereine und Chöre zu den festen Bestand­ teilen des örtlichen kulturellen Lebens. Dabei kann die Laienmusik für sich in Anspruch nehmen, eine sehr große Gruppe an freiwillig Engagierten zu stellen. 4,8 Millionen Menschen engagieren sich aktiv in der Laienmusik. Werden die aktiven und fördernden Mitglieder zusammengezählt, sind 6,7 Millionen Bürger in Deutschland in den Vereinen der Laienmusik engagiert. (1) Und es gibt Nachwuchs: Allein etwa 740.000 junge Leute sind in einem Musikverein tätig. Auch die Mitgliedschaft in Bands ist beachtlich: Die Fachverbände schätzen die Zahl der jungen Rock-, Pop- und Jazzmusiker auf 250.000. Die Laienmusikvereine kooperieren dabei sehr oft mit Musikschulen vor Ort. Nach einer Befragung in Nordrhein-Westfalen pflegen fast 43 Prozent der Laienmusikvereine und jede zweite der in Kooperation befind­ lichen Musikschulen eine kontinuierliche Zusammenarbeit. (2)

Jugendzentren nutzen Musik vor allem auch in der sozialen Arbeit mit Jugendlichen, gerade in problematischen Milieus und in der Nähe sozialer Brennpunkte mit besonderem Bedarf und Herausforderungen.

Gemeinnützige Organisationen mit Aktivi­ täten in und für Kitas und Schulen: Von wach-

sender Bedeutung erscheint Musikförderung, die nicht nur solche Kinder und Jugendliche erreicht, deren Elternhaus bereits eine musikalische Sozialisation bietet, womöglich privat finanzierten Instrumentalunterricht. Viele Musikschulen, aber auch Vereine und Initia­ tiven suchen deshalb gezielt Anschluss an schulische Angebote: denn nur hier können alle Kinder und Jugendliche einer Altersstufe erreicht werden, und dies unabhängig davon, ob der familiäre Hintergrund in Bezug auf Musik aufgeschlossen ist oder nicht. Die Aktivitäten der gemeinnützigen Organisationen richten sich dabei vielfach direkt an junge Menschen, aber auch an Lehrer. Denn über Lehrerseminare und Fortbildungen

Lokale Jugendzentren: Daneben bieten außer­

können erhebliche Multiplikationseffekte erzielt werden.

schulische Institutionen wie gemeinnützige Jugendzentren musikalische Betätigungsmöglichkeiten an. Die Chancen liegen hier gerade in Maßnahmen, die sich vom schulischen Musikunterricht deutlich unterscheiden: Viele Institutionen bieten Proberäume für Bands, stellen Instrumente und bieten Kurse an. Manche verfügen sogar über eigene Aufnahme­ studios, in denen die musikalischen Ergebnisse festgehalten und bearbeitet werden können.

Konzert- und Opernhäuser: Viele der tra­ i­ io­­ dt

nel­ en Konzert- und Opernhäuser sind als l ge­­ mein­ ützig anerkannt. Sie kümmern sich n seit einiger Zeit verstärkt mit Musik­ er­ itt­ v m lungs-Programmen um ein Nachwuchs-Publikum. Gelegentlich werden Kinder-, Jugendoder Familienkonzerte angeboten oder reguläre Konzerte und Opernaufführungen mit besonderen Einführungen begleitet. Auch Lehrerfortbildungen und die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien zu ausgewählten Werken gehören zu ihren Maßnahmen. Einige Häuser setzen sich darüber hinaus gezielt in ihrem lokalen Umfeld zugunsten der Musika­ i­ l sierung von jungen Menschen ein, engagieren sich in sozial benachteiligten Stadtteilen und dort beheimateten Kitas und Schulen.

ein mehrstimmiger chor : die gemeinnützigen akteure im einsatz

(1) Musikalmanach 2008  (2) siehe Bolten und Knoll 2004, 9

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Boomtown Media, www.rhythmisit.de

rhythm is it! was privates engagement bewirken kann

4

Als Sir Simon Rattle 2002 sein Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker antrat, setzte er zwei Punkte ganz oben auf die Agenda der kommenden Jahre: Er wolle – erstens – den Status des Orchesters in der Weltspitze sichern und ausbauen. Was sonst? Für große Aufmerksamkeit sorgte dagegen der zweite Teil seiner Botschaft: Das berühmteste deutsche Orchester werde sich in Education-Programmen engagieren. Geplant sei ein Tanz-Projekt über Strawinskys „Le Sacre du printemps“, bei dem Berliner Hauptschüler gerade aus solchen Stadtteilen mitmachen sollten, die zu den sozialen Brennpunkten gerechnet werden. Nicht einzelne. Viele, am besten Hunderte. Die Skepsis war groß: Strawinsky und Hauptschule – das war in Deutschland ein sehr

ungewöhnliches Zusammentreffen. Anders in Großbritannien: Dort gehören EducationVeranstaltungen zu den Pflichtaufgaben von öffentlich geförderten Kulturorchestern. Rattle lud ein Team von englischen Spezialisten nach Berlin ein. Damit begann ein Abenteuer, das bald das ganze Land erreichen sollte.

Der Film „RHYTHM IS IT!“ von Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch, der das erste große Education-Programm der Berliner Philharmoniker dokumentiert, lief über Monate in den Kinos und wurde zum erfolgreichsten Dokumentarfilm der letzten Jahre (Produktion: Boomtown Media, www.rhythmisit.de). Er zeigt an Einzelfällen, wie Kinder und Jugendliche über die gemeinsame Arbeit an einem Musikund Tanzprojekt zu neuen Einstellungen finden können: „You can change your life in a

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Boomtown Media, www.rhythmisit.de

Boomtown Media, www.rhythmisit.de

rhythm is it ! was privates engagement bewirken kann

» u kannst dein Leben ändern – D in einer Tanzklasse«
Roysto n M al d o o m

dance class“ war die These, die der Film ein­ drucksvoll belegt. Am Ende tanzten 250 junge Menschen aus 25 verschiedenen Herkunftsländern in der Konzerthalle Arena in BerlinTreptow zu Strawinskys radikalen UrzeitRhythmen – eine ziemlich bunte Mischung aus sehr unterschiedlichen sozialen Milieus. Wer den Film gesehen hat, wird sich an die Gesichter nach dem Auftritt erinnern: Sie spiegelten das Glück, das man erlebt, wenn man etwas gut gemacht hat. Auf einer Bühne zu stehen und bejubelt zu werden: Für die meisten war es das erste Erfolgserlebnis dieser Art. Der außerordentliche Erfolg dieser Initiative hatte Gründe: Strawinskys „Frühlingsopfer“ schlug wie ein Blitz in eine verbreitete Stimmung von Mutlosigkeit ein: hohe Arbeits­ losigkeit, eine Wirtschafts- und Bildungs­ rise, k das Gefühl, den Anforderungen der Zukunft nicht gewachsen zu sein. Und das Unbehagen darüber, dass die Institutionen selbst in eine Krise geraten waren: der Staat, die Schulen, auch die Kultureinrichtungen. Selbst die Berliner Philharmoniker. Und dass dies nicht nur mit knapperen finanziellen Ressourcen zu tun hatte.
„RHYTHM IS IT!“ warf ein helles Licht auf eine

geben konnten, eine Initial­ ündung mit nachz haltigen Folgen.

Diese Erfolgsgeschichte zeigte noch etwas anderes: Gerade da, wo neue Wege gesucht werden, kommt gemeinnützigem Engagement eine besondere Bedeutung zu. Ohne die Part­ ner­ chaft und finanzielle Unterstützung durch s die Deutsche Bank Stiftung wäre das Aben­ teuer „Le Sacre du printemps“ nicht verwirklicht worden. Tanz den Strawinsky: Seitdem Berliner Hauptschüler „Le Sacre du printemps“ auf die Bühne gebracht haben, ist viel passiert. An vielen Orten gibt es Initiativen zur Musik­ vermittlung und -förderung. Musik wird über das ästhetische Erlebnis hinaus zum Medium sozialer, präventiver oder therapeutischer Maßnahmen. Es ist klar: Hinter die Erfah­ rungen von „RHYTHM IS IT!“ kann man nicht mehr zurück. Wir wissen jetzt, welche verändernde Kraft in Musik steckt, wenn man sie zu wecken versteht. Vor allem, wenn es um inno­ vative Initiativen geht, braucht es oft Mittel und Wege, die jenseits des Üblichen liegen und die allein mit staatlichen Maßnahmen und Finanzen nicht erreicht werden können.

düstere Szenerie. Die tanzenden Kinder von Berlin zeigten, dass eine Veränderung zum Positiven möglich ist: im persönlichen Bereich und im Gemeinwesen. Und dass Strawins­ ys k Rhythmen den entscheidenden Impuls dazu

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ohren auf! –

was können sie tun?

5

„RHYTHM IS IT!“ ist nur ein Beispiel dafür,

können kurzzeitig junge Menschen für Musik begeistern oder langfristig fördern. Wenn Sie darüber nachdenken, sich in diesem wichtigen gesellschaftlichen Feld zu engagieren, kann es helfen, zunächst die folgenden Fragen zu beantworten:
•	 •	 •	

was sich mit privatem Engagement bewegen lässt. Das Thema „Musik für junge Menschen“ zielt auf die Grundlagen nicht nur unserer institutionalisierten Kultur, sondern des ganzen Zusammenlebens. Die Herausforderungen in diesem Bereich sind groß und können nur durch eine Mobilisierung aller Kräfte geschultert werden, der staatlichen Akteure, der gemeinnützigen Organisationen und ihrer Förderer. Entscheidend für den Erfolg wird sein, ob es gelingt, die vielfältigen Aktivitäten der Musikförderung und Musikvermittlung in ihren spezifischen Möglichkeiten zu erkennen: Niemand ist im Besitz der alle Probleme lösenden „Weltformel“. Nur das sinnvolle Zusammenspiel verschiedenster Akteure kann eine nachhaltige Wirkung entfalten. Die Ansatzpunkte musikalischer Förderung von Kindern und Jugendlichen für Sie als Spender oder Stifter sind vielfältig: Die Möglichkeiten reichen von der individuellen Unterstützung von Hochbegabten bis zu Maßnahmen, die auf die Breite und Allgemein­ bildung von jungen Menschen zielen. Sie

Welche Ziele und welche Zielgruppen sind wichtig? Welcher Ansatz ist besonders interessant und überzeugend? Wie viel und in welcher zeitlichen Perspektive sollte man sich engagieren?

Im Folgenden wollen wir Ihnen zeigen, was es alles schon gibt, was wünschenswert wäre und wo Sie ansetzen können, um junge Menschen durch und mit Musik zu fördern. Die vorgestellten Ansätze unterscheiden sich in Bezug auf:
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Ziele Zielgruppen Dauer der Maßnahmen Intensität der Maßnahmen

» ir können den Kindern helfen, die Veränderung W zu gestalten, aber wenn es nichts gibt, was diese Veränderung aufrechterhält, birgt das eine Gefahr.«
Roys to n M al d o o m

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Es gibt kein Patentrezept für eine große Wirkung. Erfolgreiche Ansätze und Konzepte zeichnen sich aber durch in der Praxis erprobte Qualitätsmerkmale aus. Auch diese werden wir vorstellen. Dabei gilt immer: Wo von Messbarkeit von Ursache-Wirkung-Verhältnissen die Rede ist, sollte nie der grundsätzliche Eigenwert von Musik aus den Augen verloren werden: „Die prinzipielle Begründung der Förderung musikalischer Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen ist […] in erster Linie in der Musik selbst und in ihrem einzigartigen Stellenwert für Kultur, Gesellschaft und Individuum zu finden“. (1) Oder, um es mit Mozart selbst zu sagen: Musik muss immer Musik bleiben. Sie ist immer mehr als ein Mittel zum Zweck, so gut und richtig dieser auch erkannt ist.

Musikalische Breitenförderung: Kitas und Schulen musikalisieren
Musik in die Kita bringen: Privates, gemein-

nütziges Engagement kann nicht ersetzen, was zu den staatlichen Pflichtaufgaben gehört. Wenn die Ausbildung von Erzieherinnen dem Thema Musik bislang nur wenig Raum einräumt, ist dies ein strukturelles und bildungspolitisches Problem. Wenn der schulische Musikunterricht ausfällt, innerhalb des Fächer­ kanons an den Rand gedrängt oder unquali­ fiziert erteilt wird, dann hat das Folgen, die Vereine, Stiftungen und Initiativen allein nicht verhindern können. Sie können jedoch wichtige Impulse und Anstöße zur Verbesserung geben. Erheblich benachteiligt ist in Deutschland gerade die vorschulische Musikerziehung.

Ansätze und Hebel privaten Engagements
Musikalische Breiten­ örderung: f Musik in der sozialen Arbeit:

Kitas und Schulen musikalisieren

Mit Musik integrieren und fördern

Erzieher und Lehrer ausund fortbilden

Multiplikatoren gewinnen: 

Musik in der Therapie:

Ausdruck ermöglichen, Schmerzen lindern

Klassik und Oper als Kulturgut erhalten:

Ein junges Publikum gewinnen

Lobby-Arbeit für Musik:

Den Staat an seine

Verantwortung erinnern
Musik für junge Menschen

Exzellenz fördern

Musik für Begabte:

K  ulturelle Identität entdecken

mit Migrationshintergrund:

Forschung über die Wirkungen von Musik unterstützen

Wissenslücken füllen:

QUEL L E: EIGEN E DA RSTEL LUNG

was können sie tun ?

Das ist besonders bedauerlich, weil die Offenheit für Musik in der Kindergartenzeit und den ersten Jahren der Grundschule besonders ausgeprägt ist. Vereinzelt gibt es private und gemeinnüt­ ige Initiativen, die sich für eine z frühe musika­ ische Förderung schon in Kinder­ l gärten einsetzen. Nicht um die Früherkennung von Sonderbegabungen geht es hier, sondern da­ um, zu realisieren, was im Grunde normal r sein sollte: einen alltäglichen, selbstverständlichen Umgang mit Musik von Anfang an. Wann immer möglich, gibt es eine musika­ lische Aktivität, Instrumente stehen zur freien Verfügung, Musiker aus Orchestern der Kommune kommen in den Kindergarten und stellen ihr Instrument vor. Als Spender oder Stifter kann man sich für diesen Ansatz z. B. engagieren, indem man ein Orchester dabei unterstützt, Kitas in seiner Region zu besuchen. Der Ansatz ist im Prinzip einfach und leicht übertragbar. Allerdings stößt er auch oft an die Grenzen eines wenig musikalischen Klimas in Kitas und Schulen. Wenn in Kindergärten selten mit den Kinder gesungen und nur wenig musiziert wird, ist auch die Arbeit wichtig, das Klima hin zu mehr Musik zu verändern. Kurzund mittelfristige Veränderungen sind nur

durch Qualifizierungsmaßnahmen und zusätzliches, musikalisch geschultes Personal zu erreichen – was ohne zusätzliche Mittel von Spendern und Stiftungen nicht zu erreichen ist.

Mit Musikmobilen Kitas und Schulen musika­ lisieren: Als flexibles und wirkungsvolles Mit-

tel der (punktuellen) Musikalisierung von Schulen, Kindergärten und Kitas haben sich Musikmobile bewährt. Als Bus, Lkw oder Klein­ ransporter rollen sie dahin, wo es an t Infra­ truktur und Know-how zum Musik­ a­ s m chen fehlt. Das Equipment umfasst Instrumente, z. T. ergänzt durch Hip-Hop-, Technooder Perkussioninstrumentarien und manchmal auch Probe- und Aufnahmeräume. Entsprechend ausgestattet ermöglicht das Gefährt auf voraussetzungslose Weise vielen Kindern musikalische Ersterfahrungen. Ihnen wird zum ersten Mal eine Geige in die Hand gegeben, eine Trommel oder Trompete. Nicht selten öffnet sich so ein Tor zu einer faszi­ ierenden n unbekannten Welt.

(1) Gembris 2007, 29

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Die flexible, ortsungebundene Struktur ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu Kin­ dern und Jugendlichen in einem Umfeld, das diesen bekannt und vertraut ist. Die räumliche Flexibilität bietet darüber hinaus die Möglichkeit, als Katalysator und Vernetzer zwischen Kitas und Schulen, aber auch anderen Orten und Einrichtungen tätig zu werden, Projekte zu initiieren und zusammenzuführen. (1)

längerfristige Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren anschließen. Inhaltlich können solche Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Organisationen z. B. folgende Maßnahmen umfassen: (2)
•	

Professionalisierung von Schulorchestern und -chören durch Unterstützung von professionellen Musikern

•	

Entwicklung von Angeboten für kulturferne und musikalisch nicht vorgebildete Schüler Einsatz von künstlerisch-kreativen Vermittlungsstrategien Aufführung von mit Schülern erarbeiteten Stücken im schulischen Umfeld (Eltern, Nachbarschaft, Schüler anderer Klassen)

Ein Musikmobil ist eine einfache und unmittelbar einleuchtende Idee, die sich auf viele Regionen gut übertragen lässt. Gebraucht werden dafür taugliche Fahrzeuge, robuste Instrumente und kompetente Begleiter – und vor allem: finanzielle Unterstützung von privater Seite.
•	 •	 •	

Erstellung von Begleitmaterialien für Lehrer zur optimalen Vor- und Nachbereitung im Unterricht

Kooperationen zwischen Schulen und außer­ schulischen Akteuren: Ob solche Aktionen –

d. h. die Anreise eines Musikmobils – isolierte und einmalige Erfahrungen vermitteln oder ob das Interesse, das auf diese Weise geweckt wird, weiterführt, hängt davon ab, ob sich

was können sie tun ?

Wo Projekte auf Kooperationen mit Schulen in einem problematischen Umfeld setzen, hängt der Erfolg stark davon ab, ob eine intensive Verzahnung der Schule mit den außerschulischen Institutionen gelingt. Dabei ist immer zu beachten, dass Angebote von außen den Schulalltag zwar bereichern, aber gerade hier herrschen nicht selten, mangels Erfahrung der schulischen und außerschulischen Akteure miteinander, Unsicherheit und Unkenntnis im Umgang, auch falsches Rivalitätsdenken, Skepsis und Misstrauen. Fehlende Kenntnisse über die institutionellen Spiel­ regeln und psychologische Faktoren stellen Hemmnisse für erfolgreiche Kooperationen dar. Bei einem finanziellen Engagement für Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren sind solche „weichen“ Erfolgsfaktoren nicht zu vernachlässigen. Es ist deshalb die Bereitschaft gefordert, sich auch längerfristig finanziell zu engagieren. Denn Wirkung können Kooperationen nur entfalten, wenn sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren geplant und umgesetzt werden.

Multiplikatoren gewinnen: Erzieher und Lehrer in Musik aus- und fortbilden
Ein wichtiges Instrument bei Kooperationen zwischen Kitas bzw. Schulen und außer­ chu­ s lischen Organisationen sind Erzieher- und Lehrerfortbildungen. Einige gemein­ ützige n Organisationen, aber auch Opern- und Kon­ zert­ äuser bieten zu ihren Programmen h speziell auf die Unterrichts­ nforderungen a zugeschnittene Materialsammlungen und didak­ ische Konzepte an. Das kann eine Wint win-Konstellation sein, wenn Erzieher und Lehrer auf gut durchdachte Materialien und Stundenplanungen zurückgreifen, im Unterricht auf ein Kon­ ert­ rogramm vorbe­ eiten z p r können – und später ganze Kitagruppen und Schulklassen den Altersdurchschnitt eines Pub­ ikums im Symphoniekonzert deutlich l senken. Abgesehen von solchen zielgerichteten Maßnahmen ist die Weiterbildung von Lehrern zu kompetenten Musikvermittlern ein Erfolg versprechendes Konzept. Denn Erzieher und Lehrer können als Multiplikatoren viele junge Menschen nachhaltig erreichen und große Wirkung entfalten. Eine finanzielle Unterstützung dieses Ansatzes kann viel bewegen.

» unächst einmal vielen Dank für Ihre tolle Fortbildung Z heute. Es bleibt ja immer etwas wenig Zeit, dies deutlich zu sagen. Aber diese Stunde tut uns einfach unendlich gut. Vor allem, weil Sie uns die ›Angst‹ nehmen, etwas falsch zu machen. Einfach auf die Musik hören … genau so ist es.«
Grun dschull eh rer aus Fr ankfurt an O h rw urm e. V.

(2) siehe Pleiner 2004, 203  (2) siehe Keuchel 2007, 13

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» ie Kids, die hier leben, haben oft Probleme in der D Schule, zu Hause und auf der Straße. Wir möchten sie mit Musik von der Straße holen. Musik ist einfach ein tolles Medium, um Menschen jeden Alters und jeder Nationalität miteinander zu verbinden. Über Musik lernen die Kinder, was Teamwork und Ausdauer wirklich bedeutet.«
J o hn Grego ry Perrin e au, D ozen t bei „Musik in Ha inh o l z“

Musik für junge Menschen mit Migrationshintergrund: Musik als Teil der kulturellen Identität
Deutschland wird schon lange von einer multikulturellen Gesellschaft geprägt. Daraus resultieren vielerorts Integrationsprobleme. Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund werden von ihrer Umwelt hohe Anpassungsleistungen abverlangt, wenn es darum geht, die Widersprüchlichkeit sehr verschiedener Lebenswelten auszuhalten. Und dies in einer Phase, in der die Persönlichkeit noch nicht gefestigt ist. Hier kann die Entdeckung der eigenen musikalisch-kulturellen Wurzeln gleich mehrfach positiv wirken, wenn etwa die türkische, kurdische, persische Musik als Werte erfahren werden, die allgemeine Anerkennung erfahren. Einige Musikschulen und Jugendzentren bieten Kurse an, die die besonderen Interessen der Kinder mit Migrationshintergrund berücksichtigen. Hier können junge Menschen neben Gitarre, Klavier und Blockflöte auch

die kurdische Trommel Daf, ihr persisches Pendant Tonbak und die türkische Laute Saz erlernen. Es gibt Musikabende zur östlichen und westlichen Musikkultur, zu Folklore, Arabesk Pop und afrikanischer Musik. Damit wird ein Kulturtransfer ermöglicht, der kul­ turelle Horizont der Teilnehmenden erweitert und Interesse an fremden Kulturen geweckt. Die wirksame Förderung von musikalischen Maßnahmen im Themenkontext Migration ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft. Eine Voraussetzung ist, dass sich die unterschied­ lichen Musiktraditionen auf Augenhöhe begegnen. Darüber hinaus ist ein Hineingehen der gemeinnützigen Akteure in die Migrantenszene unerlässlich, will man viele Kinder und Jugendliche erreichen. Denn es bedarf für ein gutes Gelingen der Akzeptanz und Unterstützung aufseiten des Elternhauses, der religiösen Gemeinde und anderer Multipli­ katoren aus dem Umfeld. (1) Einige gemeinnützige Organisationen, die sich dieser Zielgruppe widmen, bemühen sich bewusst darum, gemischte Gruppen – junge

was können sie tun ?

Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – zu einem gemeinsamen Musizieren zu motivieren. Der Bildung kultureller Parallelwelten in unserer Gesellschaft wird damit entgegengewirkt.

Erwachsenwerden eine große Rolle für die Selbstfindung – allerdings leider meist passiv. Wo es gelingt, Impulse dafür zu geben, aus der Konsumentenrolle in die des Musikers zu wechseln, sind die Resultate nicht selten er­ staunlich: Junge Menschen erfahren sich plötzlich selbstwirksam als Handelnde. Die geringeren handwerklich-technischen Anforde­

Musik in der sozialen Arbeit: Mit Musik integrieren und fördern
Musikprojekte an sozialen Brennpunkten haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, auch weil sich die Lage durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, ein neu ent­ tandenes Prekariat und Probleme im s Miteinander verschiedener Ethnien an vielen Orten verschärft hat. Der gezielte Einsatz von Musik kann hier nicht selten substanzielle Verbesserungen auf verschiedenen Ebenen erreichen: Gewaltprävention, Integration, Steigerung der Lernfähigkeit und der sozialen Kompetenz, Ausdrucksfähigkeit und Identitätsbildung sind hier die Stichworte. Musik, vor allem der populären Genres Rock, Pop, Hip-Hop, bietet außerordentlich günstige Voraussetzungen für gemeinsame positive Erfahrungen. Denn Musik spielt gerade beim

rungen der nicht-klassischen Musik ermöglichen schnelle Erfolgserlebnisse. Jugendliche lernen miteinander zu spielen, sich auch einmal zuzuhören. Sie erfahren, etwa bei Bandauftritten, positive Aufmerksamkeit und lernen, dass zur Beherrschung eines Instruments oder zum Singen auch das Üben gehört. Jugendliche haben hier auch oft die Möglichkeit, berufsrelevante Qualifikationen zu erwerben, z. B. im Bereich der Aufnahmetechnik und Veranstaltungsplanung. Hier steht also nicht die Musik selbst im Vordergrund. Sie wird als Mittel der Problemlösung auf anderen Ebenen verstanden. Für ein Stadtteilprojekt bedeutet Musikalisierung eben nicht die Propagierung musikalischer Ideale, sondern Breitenförderung und Netzwerkbildung, die an die vorhandenen Interessen und kulturellen Hintergründe der jungen Menschen anschließt. Das soziale Lernen durch Musik erweist sich, gerade da, wo es „brennt“, als eine Art Schule des Lebens und verdient mehr private Unterstützung, als ihr bisher gewährt wird.

(1) siehe Keuchel 2007, 29 f.

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Klassik und Oper als Kulturgut erhalten: Ein junges Publikum gewinnen
Wer soll bald noch die Musik von Bach und Beethoven, von Monteverdi, Mozart und Mahler hören? Für Opernhäuser und Philhar­ monien tut sich ein Problem auf: Die Abonnentenzahlen der klassischen Konzertanbieter sinken, gleichzeitig steigt der Altersdurchschnitt. In vielen Häusern liegt er bereits bei über 55 Jahren. Gehen die Publikumszahlen noch weiter zurück? Wer heute klassische Konzerte veranstaltet, Opern aufführt, kommt um diese unbequeme Frage nicht herum. Was kann man tun? Niemand ist im Besitz von Patentrezepten, wie man klassische Musik zu jungen Leuten bringt. Erfahrungen zeigen, dass vor allem ein gut abgestimmtes Bündel von Maßnahmen und Angeboten Erfolg verspricht. Schon länger geben Konzert- und Opernhäuser Jugend- und Familienkonzerte mit einer auf ein jüngeres Publikum zugeschnittenen Programm-Dramaturgie. Damit ist es allerdings nicht getan: Anspruchsvolle Musik braucht Begleitung. Das reicht von der Einführungsveranstaltung vor dem Konzert bis zum attraktiv aufberei­ teten Infoheft und zu entsprechender Präsenz im Internet. Je besser auf die Mediengewohn­ heiten von Kindern und Jugendlichen eingegangen wird, desto größer die Aussichten da­ rauf, dass die Botschaft auch ankommt. Wer, bevor eine Haydn-Symphonie erklingt, sachverständig, aber umständlich die „Sonatenhauptsatzform“ erklärt, wird kaum Interesse wecken. Gesucht ist eine neue Generation

von Musikvermittlern, die wissen, was ein junges Publikum bewegt. Die Meisterwerke der Musik sind kein selbstverständlicher Gegenstand von Bildung und Bewunderung mehr. Es ist schwieriger geworden, Zugänge zu schaffen. Zugleich haben sich auch neue Chancen für eine vorurteilsfreie Annäherung an fremde Klänge, ungewohnte Töne ergeben. Die Berü­ ­­ h rungsflächen zwischen Pop- und Rock­ usik m oder Jazz mit jüngeren Werken der E-Musik haben sich eher vergrößert. Die Interessenprofile der jüngeren Kulturkonsumenten stellen sich tendenziell erstaunlich heterogen dar.(1) Das eröffnet Zugangschancen auch für den Bereich der klassischen Musik. Intelligente Musikvermittlungskonzepte werden hier ansetzen: Die Grenzen der klassischen Konzert-Rituale lassen sich, mit Lustgewinn für alle Seiten, überschreiten. Und wenn, nach dem symphonischen Hauptteil, eine AfterShow mit DJ angeboten wird, darf man auf eine andere Kundschaft hoffen. Doch ein Erfolg traditioneller Häuser bei der jungen Zielgruppe stellt sich nicht über Nacht ein. Konzerthäuser, Orchester und Musiktheater sollten folgende Maßnahmen ergreifen, wenn sie Kinder und Jugendliche für klassische Musik und Opernarien nachhaltig gewinnen möchten: (2)
•	

Einrichtung von pädagogischen Abteilungen mit ausreichender personeller und finanzieller Ausstattung

•	 •	 •	

Entwicklung origineller Konzeptideen und -formate für die Musikvermittlung Einbindung jugendlicher Experten in Konzeption und Gestaltung Spartenübergreifende Kooperationen der klassischen Musik mit Film, Tanz oder Fotografie

» rziehen heißt nicht E Fässer abfüllen, sondern Fackeln entzünden.«
H er akl i t (um 550 – 4 8 0 v. Ch r .)

•	

Aktivieren eigener künstlerisch-kreativer Prozesse bei der jungen Zielgruppe

was können sie tun ?

» usiktherapie bei krebskranken Kindern kann M helfen, besser mit den körperlichen, seelischen und sozialen Folgen der Krankheit zu leben und damit die Lebens­ ualität zu verbessern.« q
Ba rba r a GrieSSm eier , D ipl .-Musik t her apeu t in

•	 •	 •	

Kurzfristiger Zugang zu Konzerten durch verfügbare Eintrittskarten Nutzung alternativer Veranstaltungsräume Zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit für junge Leute

gendliche unter Benachteiligungen leiden und der Förderung bedürfen. Musik kann in der Musiktherapie helfen, Schmerzen zu lindern. Weil sie eine Sprache ist, die ohne Worte funktioniert, ist sie auch oft das letzte Mittel, wenn Krankheiten und Behinderungen eine verbale Kommunikation nicht zulassen. Speziell ausgerichtete Ansätze werden z. B. zur Behandlung folgender körperlicher und psychischer Erkrankungen eingesetzt: (3)
•	 •	 •	 •	 •	 •	

Dabei hängen die Erfolge solcher innovativer Vermittlungsarbeit nicht nur am Einfallsreichtum von Dramaturgen, PR-Spezialisten und Musikpädagogen, sondern wesentlich auch an der Kontinuität der Angebote – und ihrer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Gerade solche Initiativen aber sind selbst von den etablierten Kulturinstitutionen aus eigenen Mitteln oft nicht zu finanzieren. An diesem Punkt kann Unterstützung von Spendern, Stiftern und Unternehmen Wunder wirken.

Entwicklungsstörungen Autismus Körperbehinderungen und Sinnes­ schädigungen Traumatisierung Krebserkrankungen Hyperaktivität und Aufmerksamkeits­ störungen

Musik in der Therapie: Ausdruck ermöglichen, Schmerzen lindern
Musik als Medium sozialer Arbeit wirkt in der Regel präventiv. Daneben wird sie in therapeutischen Prozessen angewendet. Seit etwa 20 Jahren hat sich Musiktherapie für junge Menschen zu einer wichtigen Disziplin aus­ differenziert. Vielfältig sind die Einsatzmöglichkeiten von Musik da, wo Kinder und Ju-

Die Einsatzorte der Musiktherapie für junge Menschen sind vielfältig und umfassen Akutkliniken (etwa Früh- und NeugeborenenStation, Onkologie), sozialpädiatrische Zentren (Entwicklungsrehabilitation), Kinder- und Jugendpsychiatrien, integrative oder „normale“ Regelschulen, heil- und sonderpädagogische Einrichtungen (Kindergärten und Schulen), aber auch vereinzelt gemeinnützige Jugendzentren und Musikschulen. (4) Gerade Letztere hängen oftmals von privater Unterstützung ab.

(1) siehe Keuchel und Wiesand 2006, 53 ff.  (2) siehe Keuchel 2007, 22 f.  (3) siehe Gembris 2007, 31 ff.  (4) siehe Keuchel 2007, 32

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» s war ein lang gehegter Traum von mir, dieses Orchester E einmal zu dirigieren. Dieses Orchester ist ein Geschenk, denn Motivation ist gar kein Begriff, die Musiker wollen alle musizieren, und zwar auf höchstem Niveau.«
M a rc Pi o ll e t, D irigen t, über da s Bundes j ugend o rch es t er

Unzweifelhaft sind dabei die positiven Wirkungen von musiktherapeutischen Maßnahmen etwa im Bereich der Intensivmedizin, wenn Babys oder Kinder über lange Zeiträume auf medizinische Apparate angewiesen sind. Musik ist auch eine Möglichkeit, ohne pharmazeutische Nebenwirkungen Spasmen zu lösen. Musik beruhigt, wirkt antidepressiv und kann sogar das Immunsystem stärken. Musik kann, als non-verbale Kommunikation, auch zwischen Behinderten und Nichtbehinderten integrativ wirken, Dialog- und Lernfähigkeit verbessern. Sie kann, etwa bei autistischen Kindern, eine Verbindung zur Außenwelt herstellen, die ihnen sonst nicht möglich ist. Und Musiktherapie bei krebskranken Kindern kann helfen, „besser mit den körperlichen, see­ ischen und sozialen Folgen der Krankheit l zu leben und damit die Lebensqualität zu verbessern“. (1)

es ein dichtes Netz von Förderungsmöglich­ keiten und Stipendien. Wo es um die Finanzierung von Meisterklassen geht oder darum, Spitzeninstrumente zur Verfügung zu stellen, ergänzen private Spender und Stiftungen die Möglichkeiten staatlicher Ausbildung. Viele Organisationen legen dabei nicht nur Wert auf die Verbesserung instrumentaler oder gesanglicher Fähigkeiten, sondern auch auf „weiche“ Faktoren wie Persönlichkeitsbildung. Um den schmalen Ausschnitt der echten Spitzenbe­ gabungen kümmert sich das „Bundesjugendorchester“ als Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland. Das Bundes­ jugendorchester begleitet junge Musiker in der schwierigen Phase von etwa 14 bis 19 Jahren, das heißt meist bis zur Aufnahme eines Stu­ diums. Viele Ehemalige trifft man später in deutschen und internationalen Spitzenorchestern. Allein die Berliner Philharmoniker zählen in ihren Reihen etwa 20 frühere Mitglieder des Bundesjugendorchesters. Man arbeitet mit dem Anspruch, junge Kulturbotschafter

Musik für Begabte: Exzellenz fördern
So desolat die Situation in Bezug auf regulären Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen auch ist: Was die Ausbildung von Hoch­ begabungen betrifft, verfügt Deutschland über international anerkannte hohe Standards. Viele junge Menschen aus aller Welt kommen hierher, um ihr Studium an deutschen Hochschulen abzuschließen. Für Hochbegabte gibt

Deutschlands zu sein, und muss diesem Anspruch besonders auf den vielen internatio­ nalen Tourneen genügen.Insofern mag es überraschen, dass der Anteil der öffentlichen Förderung gesunken ist. Um die Qualität in diesem Bereich zu erhalten, bedarf es privater Unterstützung. Spender, Stiftungen sowie Unternehmen können hier einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Exzellenz leisten.

was können sie tun ?

(1) Grießmeier 2005, 244

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Wissenslücken füllen: Forschung über die Wirkungen von Musik unterstützen
Im Mozart-Jubiläumsjahr 2006 war in allen Medien besonders ausführlich vom „MozartEffekt“ die Rede. Gemeint ist die Annahme, dass das Hören von Mozart-Musik positive Effekte für die Entwicklung von Intelligenzleistungen erzielt. Dass Musik, vor allem solche von Mozart, „schlau macht“, gehört zu den Gemeinplätzen des öffentlichen Diskurses zum Thema Musik und junge Menschen. Daran kann man begrüßen, dass diese wich­ tige Frage überhaupt zu einem Gegenstand allgemeinen Interesses geworden ist. Mit dem „Mozart-Effekt“ selbst verhält es sich allerdings so wie mit dem Bild, das von Mozart selbst verbreitet wird: Genaues weiß man nicht, es überwiegen Klischee­ orstellungen, v die mit dem, was wissenschaftlich belegt werden kann, nur wenig zu tun haben (eine ausführliche Darstellung der empirischen Studien zur Wirkung von Musik finden Sie in Kapitel 6). Sicher ist nur: Das Hören von Musik, mit Sicherheit auch der von Mozart, hat vielfältig positive Folgen, doch messbare Intelligenz­ steigerungen konnten bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Damit ist ein empfindlicher Punkt der Diskussion berührt: Er betrifft die insgesamt schwierige Evaluation der Folgen von Musikprojekten in fast allen Fällen: Es fehlt an Methoden und Faktoren der Messbarkeit. Wer kann genau sagen, welche musikalische Maßnahme in welchem Umfang zu besserem Sozialverhalten, besserer Lernfähigkeit, verminderter Aggression geführt hat? Wie will man ein gesteigertes Selbstwertgefühl messen und eindeutig der

Musik zurechnen? Über die Transfereffekte von Musik wissen wir nach wie vor wenig. Daraus folgt ein eklatanter Bedarf an Forschung über die genauen Wirkungen von Musik, wobei gegenüber den vorliegenden Studien auf eine enge Verbindung zur Praxis geachtet werden sollte. Je besser wir wissen, welche Zusammenhänge präzise beschreibbar sind, desto wirksamer lassen sich die viel­ fältigen Instrumente der Musikförderung einsetzen. Insofern ergibt sich auch im Handlungsfeld Wissenschaft ein Förderbedarf – und die Möglichkeit, über Investitionen in diesem Bereich einen besonderen HebelEffekt zu erzielen.

Lobby-Arbeit für Musik: Den Staat an seine Verantwortung erinnern
Das Thema Musikförderung ist inzwischen mit Macht auf die Tagesordnung gerückt. Ästhetische Bildung, die Notwendigkeit eines flächendeckenden Musikunterrichts an den Schulen, der „RHYTHM IS IT!“-Effekt sind Gegenstände nicht mehr nur kulturpolitischer Sonntagsreden. Darin liegen für die Sache Chancen, aber auch Gefahren. Denn wenn ein Thema einmal in Politik und Medien in Mode gekommen ist, kann es auch wieder aus der Mode kommen. Zurzeit übernimmt der gemeinnützige Sektor Aufgaben, die zum Pflichtbereich des Staates gehören: Doch gemeinnützige Initiativen können und dürfen den schulischen Musik­ unterricht nicht ersetzen.

was können sie tun ?

Anteil der Gebühren und der öffentlichen Mittel an der Finanzierung von Musikschulen
65 % 60 % 55 % 50 % 45 % 40 % 35 %
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

  öffentliche Mittel (Summe kommunaler und Landesmittel)   Gebühren der Eltern
QUEL L E: STATISTISCHES JA HRBUCH DER M USIK SCHUL EN IN DEUTSCH L A N D 20 0 6 , 31

Solange die gegenwärtigen Entwicklungen im staatlichen Bildungssektor nicht abgeschlossen sind und sich das Förderverhalten für Musik nicht ändert, gibt es einen klaren Bedarf an Lobbyarbeit zugunsten eines stärkeren Engagements der öffentlichen Hand für Musik. Der Anteil der öffentlichen Finanzierung an Musikschulen nimmt von Jahr zu Jahr ab. Die Folge: Die Gebühren müssen erhöht werden. Nur noch Eltern mit entsprechendem Einkommen können ihren Kindern Musikunterricht ermöglichen. Schaut man auf die Musikförderung in der Schule, zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Einerseits könnten sich durch die Einführung von Ganztagsschulen und die angestrebte Profil­ ildung vieler Schulen neue Chancen b für die musikalische Förderung ergeben. Anderer­ eits geht die Verdichtung des Lerns stoffs im verkürzten G-8-Gymnasium erneut zulasten der musischen Fächer: Musik und

Kunst kommen, gegenüber den so genannten „harten“ Fächern, nur marginal vor und werden nicht selten abwechselnd, d. h. in einem Schuljahr nur Musik, im folgenden nur Kunst, unterrichtet. „Die Schüler müssen ästhetisch gesehen wählen zwischen einem Jahr Taubheit und einem Jahr Blindheit“. (1) Wenn eine nachhaltige Verbesserung der allgemeinen Musikerziehung sowie die quantitative und qualitative Steigerung der Musik­ förderung angestrebt werden, dann gehört zu den wichtigen Maßnahmen deshalb auch eine kluge Aufklärungs- und Lobbyarbeit für Musik, die große gemeinnützige Dachverbände im Musikbereich bereits übernehmen, die aber weiterer Unterstützung bedarf.

(1) Enquete-Kommission 2007, 384

46 | 47

ohren auf! –

musik und ihre wirkungen: macht mozart schlau?

6

In Vorbereitung für diesen Report hat Heiner Gembris vom Paderborner Institut für Bega­ bungs­ orschung in der Musik ein Gut­ chten f a verfasst, das u. a. den aktuellen Wissens­ tand s darüber dokumentiert, welche Transfer-Effekte durch Musik ausgelöst werden. Danach ist die anfängliche Euphorie hinsichtlich der Auswirkung von Musik auf Intelligenz, Kreativität und Sozialverhalten inzwischen einer realis­ tischen Betrachtung gewichen. Die Fortschritte der Hirnforschung und die neuen Möglichkeiten der bild­ ebenden Verfahren haben auf g dem Feld der musik­ ­ ischen Wirkungsforschung al teilweise überzogene Erwartungen geschürt. Tatsächlich wissen wir noch zu wenig. Viele Studien über Transfer-Effekte weisen methodische Mängel auf, gelegentlich ist die Neigung zu beobachten, eher geringe Differenzen zwischen den Vergleichsgruppen (in der Regel also solchen mit und ohne musikalische Förde­ rung) zu stark zu bewerten. Der „Mozart-Effekt“ etwa bezeichnet eine Steigerung der Leistungsfähigkeit in Bezug auf räumliche Intelligenz nach dem Hören eines Musikstücks von Mozart. Diese war in einer Aufsehen erregenden Studie (1) in der Tat nachgewiesen und mit der Stimulation von Nervenbahnen der rechten Gehirnhälfte begründet worden. Inzwischen wissen wir: Der „Mozart-Effekt“ stellt sich nur für kurze Zeit ein, und er ist weder auf Mozart noch auf Musik im Allgemeinen zu beschränken. „Stattdessen ist es wohl eher so, dass Musik einen Einfluss auf den Grad der Aktivierung und auf die Stimmung ausübt.

Aktivierung und Stimmung wiederum beeinflussen die Leistungen in den Tests. Es können also auch irgendwelche anderen Stimulanzien sein, die auf Aktivierungsgrad und Stimmung wirken und dadurch Leistungsverbesserungen in Intelligenztests bewirken“. (2) So fielen manche schöne Visionen da­ on, dass Musik die v Menschheit immer klüger mache, auf den zweiten Blick eher ernüchternd aus. Zugleich aber wurde der griffige Slogan vom „MozartEffekt“ zum Treibstoff für rege Vermarktungsaktivitäten. Schlauer im Schlaf, wenn man nur die richtige Musik hört: Diese Geschichte wurde auch durch die Medien gern und oft erzählt. Nicht zuletzt wegen dieser wachsenden Dis­­ kre­­ panzen zwischen Wunsch, Werbung und Wirk­ lichkeit sah sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2006 dazu ver­ n­ asst, a l einen Klärungsversuch zu unternehmen. (3) Nach dem heutigen Wissensstand ist zwischen kurzfristigen kognitiven Wirkungen des Musik­ örens und längerfristigen Wirkungen h musika­ ischer Aktivitäten – ein Instrument zu l lernen, regelmäßiger Musikunterricht – zu unterscheiden. Die unmittelbaren Wirkungen etwa auf die räumlich-visuelle Leistungsfähigkeit sind etwas ganz anderes als nachhaltige Beeinflussung von Intelligenz, Kreativität oder anderer Bereiche der Persönlichkeit. Was aber bedeutet es, wenn weder Sofort-Effekte noch Langzeitwirkungen mit hinreichender wissenschaftlicher Validität nachgewiesen werden können? Wenn der Kausalzusammenhang zwischen Musik und menschlichem Hirn noch immer nicht präzise zu zeigen ist? Daraus folgt

(1) Rauscher, Shaw und Ky 1993  (2) Gembris 2007, 17  (3) siehe BMBF 2006

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Transferwirkungen musikalischer Betätigung in der Diskussion
Entwicklung der Begünstigung von

m  otorischen Geschicklichkeit
Ermöglichung von

sozialem Verhalten

emotionaler Ausgeglichenheit

(räumliche Vorstellung) ermöglichen

Erlebnis von Raum

Anbahnung kognitiver

Verstehensprozesse und Symbolbildung

Musikalische  Betätigung

Sinneswahrnehmungen

Differenzierung von

Sprachentwicklung

Unterstützung der

Kommunikationsprozessen

Möglichkeit zu unterschiedlichen

Förderung allgemeiner wie

spezifischer Ausdrucksfähigkeit

QUEL L E: W ID MER 20 0 4 , 320

zunächst einmal ein Bedarf an verlässlicher wissenschaftlicher Erkenntnis über die Transferwirkungen auf außermusikalische kogni­ tive Fähigkeiten. Der zweite Blick sollte sich genauer damit befassen, was genau in den zahlreichen Experimenten und Studien denn untersucht wurde. Gembris (1) kommt dabei zu folgendem Schluss: „Die bisherigen Ergebnisse der Forschungen über Zusammenhänge zwischen musikalischen Aktivitäten und kognitiven Leistungen besagen nichts über mögliche Transfereffekte auf soziale und emotionale Bereiche.“ – Mit anderen Worten: Gemessen wurde bisher vor allem, was messbar ist oder für am ehesten messbar gehalten wird. Die Unsicherheit über Kausalzusammenhänge

zwischen musikalischer Betätigung und etwa dem Intelligenzquotienten muss aber keineswegs die Wirkungsmöglichkeiten von Musik generell infrage stellen. Die insgesamt schwachen Erfolgsmeldungen der Intelligenzforschung widersprechen den Erfahrungen, die man im Umfeld von konkreten Projekten der Musikförderung machen kann: nämlich durch­ aus deutliche Transfer-Wirkungen auf Emo­ tionalität und soziale Kompetenz. Die Veränderungen, die das Berliner „RHYTHM IS IT!“-Projekt in Bezug auf Selbst­ wahrnehmung und Selbstbewusstsein, soziales Verhalten und emotionale Ausdrucksfähigkeit der beteiligten Kinder und Jugend­ ichen l ausgelöst hat, sind mit Händen zu greifen. Sie sind aber mit standardisierten Tests schwer zu

musik und ihre wirkungen: macht mozart schlau ?

erkennen. Ähnliches gilt in noch größerem Maßstab für die landesweite Jugend-Orchester­ bewegung in Venezuela, wo Musikmachen und Sozialarbeit kaum voneinander zu trennen sind. Die persönlichkeitsbildenden Wirkungen von musikalischen Aktivitäten, so ein Zwischenfazit aus den vorliegenden Studien, sind dann besonders deutlich zu beobachten, wenn sie durch die jeweiligen Projekte bewusst angezielt wurden. „Normaler“ Musikunterricht tut dies in der Regel nicht. Man muss der Musik ihre Macht nicht absprechen, wenn man hier künftig differenziert: Nicht jeder Musikunterricht kann alles, und Musik ist kein All­ eilmittel. Aber gerade wo es um „weicheh re“ Faktoren wie Emotionalität, Team- und Ausdrucksfähigkeit geht, stellt Musik eine bedeutende, bislang noch kaum ausgeschöpfte Ressource dar. Gembris (2) schlägt daher vor, „die bisherigen kognitiv-quantitativen Ansätze der Transfer-Forschung durch qualitative, musikorientierte Forschungsansätze zu ergänzen. Sie hätten die Aufgabe,
•	 musikspezifische

Empirische Studien zum Thema »Wirkungen von Musik« auf einen Blick
H. G. Bastian | »Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen« | 2000 F. H. Rauscher, G. L. Shaw, K. N. Ky | »Music and spatial task performance« | 1993

Oft zitierte Studie, die sich über sechs Jahre erstreckt, zu den Effekten eines erweiterten Musikunterrichts auf Intelligenz, Sozialverhalten, musikalische Begabung, Kreativität, Lernverhalten usw.

Untersuchung, die einen positiven

Zusammenhang zwischen dem Hören einer Klaviersonate von Mozart und räumlich-visuellem Vorstellungsvermögen herstellt (Grundstein des „MozartEffekts“). Die Ergebnisse werden betrachtet. nach anfänglicher Euphorie kritischer

»Macht Mozart schlau? Die Förderung kognitiver Kompetenzen durch Bildung und Forschung | 2006 Musik« | Bundesministerium für

E. G. Schellenberg | »Music lessons enhance IQ« | 2004

Versuch, den „kognitiven Effekten“ des auf den Grund zu gehen. Die in einigen von Musik werden aus methodischen Gründen kritisch hinterfragt.

Musikhörens, u. a. dem „Mozart-Effekt“, Studien behaupteten Transferwirkungen

Studie an sechsjährigen Kindern, die

Musikunterricht hatten, im Vergleich zu einer Theatergruppe und einer Gruppe ohne zusätzlichen Unterricht. Die

Musikfördergruppe wies einen höheren IQ-Zuwachs auf, während die Schauspielgruppe Verbesserung vor allem im Sozialverhalten zeigte.

Wirkungsfaktoren zu iden­

ti­ zieren (z. B. die Möglichkeit zum emotio­ fi nalen Ausdruck durch Musik, soziale An­ erkennung musikalischer Leistungen etc.),
•	

E. Costa-Giomi | »Effects of three

years of piano instruction on children’s academic achievement, school performance and self-esteem« | 2004

das Zusammenspiel dieser Wirkungsfak­ toren und die Kausalbeziehungen zwischen musikalischen Aktivitäten und ihren Wirkungen theoretisch zu modellieren und

E. G. Schellenberg, T. Nakata,

Längsschnittstudie aus Kanada, die

P. G. Hunter, S. Tamoto | »Exposure to music and cognitive performance« | 2007

Auswirkungen eines drei Jahre andauernden Klavierunterrichts auf schuliSelbstwertgefühl untersucht. sche Leistungen von Kindern und deren

•	

geeignete qualitative Methoden (z. B. Be­ b­ o achtungsverfahren) zu entwickeln und diese Zusammenhänge zu erfassen.“ Damit ist ein neues, alternatives Forschungs­ programm beschrieben: Wir kön­ en noch n viel mehr erforschen über die spezifische Macht der Musik. Nicht nur der von Mozart.

Studie, die anhand von Experimenten mit Kindern und Erwachsenen nachweist, dass es Stimmung und Erregung sind, die kognitive Leistungen beein­ Musik gelenkt werden können. flussen, wobei diese wiederum durch

H. Kraemer, G. R.-D. Maas | Gembris | »Macht Musik wirklich klüger? effekte« | 2001 / 2003 Musika­isches Lernen und Transfer­ l

Ausführliche kritische Darstellung der

aktuellen Forschungssituation zu Transferwirkungen von Musik auf Intelligenz und Persönlichkeit.

(1) Gembris 2007, 19  (2) Gembris 2007, 20

50 | 51

beispiele guter praxis finden

7

ohren auf! –

Das Auswahlverfahren
In mehr als 550.000 eingetragenen Vereinen, 70.000 Selbsthilfegruppen und über 16.000 Stif­ ungen – darunter mehr als 250 t Bürgerstiftungen – organisiert sich in Deutschland heute ein breites bürgerschaft­ liches Engagement. Viele unterschiedliche Organisationen setzen sich für die Musikförderung junger Menschen ein. Das heißt auch: Der Sektor ist ziemlich groß und bunt. Selbstverständlich ist es nicht möglich, alle Projekte und Organisationen zu porträtieren. Dieser Report stellt mit den beiliegenden Por­ träts deshalb beispielhaft Projekte und da­ hinterstehende gemeinnützige Organisationen vor, die stellvertretend für wichtige Handlungsfelder und erfolgreiche Ansätze stehen. Angesichts der immensen Anzahl ist die Auswahl der porträtierten Projekte und Organi­ sationen eine große Herausforderung. Das diesem Report und den beiliegenden Porträts zugrunde liegende Analyseverfahren wurde ursprünglich von der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Pilotprojekts „Orientierung für

Soziale Investoren“ für Deutschland ent­ wickelt. Es basiert auf dem Verfahren der Organisation New Philanthropy Capital (www.philanthropycapital.org), die seit meh­ reren Jahren erfolgreich einen erheblichen Beitrag zu mehr Transparenz im gemein­ nützigen Sektor in Großbritannien leistet. Bei der Entwicklung des Verfahrens wurde die Bertelsmann Stiftung insbesondere durch das Decision Institute (www.decisioninstitute.eu) und Univation – Institut für Evaluation (www.univation.org) unterstützt. Seit Ende 2009 verantwortet PHINEO das Analy­ everfahren und verfolgt dabei das Ziel, s es auch zukünftig gemeinsam mit Partnern weiterzuentwickeln. Hierfür haben PHINEO und New Philanthropy Capital 2009 mit weiteren Partnerorganisationen die internationale „Social Impact Analysts Association“ mit Sitz in London ins Leben gerufen.

52 | 53

Eine ausführliche Darstellung des übergreifenden Verfahrens, welches für alle sich bei
PHINEO bewerbenden Projekte und Organisa-

können Sie der Publikation „Engagement mit Wirkung“ entnehmen, die kostenlos bei ­ PHINEO erhältlich ist.

tionen gilt, sowie der an der Verfahrens- und Kriterienentwicklung beteiligten Experten

Bertelsmann Stiftung

New Philanthropy Capital, Großbritannien

Univation – Institut für Evaluation Dr. Beywl & Associates GmbH

Die Bertelsmann Stiftung engagiert sich seit 1977 in der Tradition ihres Gründers Reinhard Mohn für das Gemeinwohl.

New Philanthropy Capital ist eine gemeinnützige Organisation, die Geber durch unabhängige Recherche und Forschung unterstützt. Ziel der Arbeit ist es, durch maßgeschneiderte Analysen Erfolg

Univation ging aus der 1997 gegründeten

Sie versteht sich als Förderin des gesell-

Arbeitsstelle für die Evaluation pädagogischer Dienstleistungen an der Universität Köln hervor. Die Arbeitsschwerpunkte des Instituts liegen in der Forschung,

schaftlichen Wandels und unterstützt das Ziel einer zukunftsfähigen Gesellschaft. ist, dass zivilgesellschaftliches EngageGrundüberzeugung der Stiftungsarbeit

versprechende Vorhaben und Projekte zu identifizieren, um gemeinnütziges Engagestalten. Dabei unterstützt New Phil„Family-Offices“ und Stiftungen. New für das Analyse-Verfahren.
Decision Institute

der Beratung und der Durchführung von Evaluationen. Univation unterstützt die Weiterentwicklung des Verfahrens mit

ment und Wettbewerb die Basis für gesellschaftlichen Fortschritt bilden. Aus dieser Überzeugung heraus hat die Bertelsmann Stiftung mit zahlreichen Experten das in Großbritannien erprobte Verfahren der Organisation „New Philanthropy Capiund Organisationen für Deutschland

gement motivierend und wirkungsvoll zu anthropy Capital primär Privatpersonen, Philanthropy Capital legte den Grundstein

einem besonderen Fokus auf verlässliche erhebung und -auswertung.
Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen

und praxiserprobte Methoden der Daten-

tal“ zur Analyse gemeinnütziger Projekte adaptiert. Um dieses Pilotprojekt zu

verstetigen, hat die Bertelsmann Stiftung Ende 2009 gemeinsam mit Partnern aus PHINEO gAG gegründet. Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft die

Das Decision Institute ist auf die Bewältigung komplexer Entscheidungssituationen spezialisiert. Es berät und unterstützt Organisationen aus dem privaten, öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Sektor. Zudem forscht und lehrt das Team des Instituts an international renommierten und Verhandlungswissenschaften. Das

Das 1893 gegründete Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ist eine unabhängige Dokumentations- und sowie für die Theorie und Praxis der Auskunftsstelle für das Spendenwesen sozialen Arbeit. Seit 1992 vergibt es auf Prüfung das DZI Spenden-Siegel, bietet

freiwilligen Antrag und nach um­ assender f Auskünfte zu mehreren hundert Spenden­ licht jährlich den DZI Spenden-Almanach. Entwicklung der Bewertungskriterien. Das DZI unterstützte PHINEO bei der

Universitäten im Bereich EntscheidungsDecision Institute unterstützt PHINEO bei der Entwicklung und Anwendung ergebnis- und umsetzungsorientierter Metho-

organisationen ohne Siegel und veröffent-

den zur effektiven Entscheidungsfindung.

beispiele guter praxis finden

Erwartungen Sozialer Inves­ o­ en: t r Die Kriterien des Verfahrens
Die Kriterien für die Auswahl der porträtierten Projekte und Organisationen orientieren sich an den Wünschen und Erwartungen Sozialer Investoren. In den Prozess der Entwicklung und Definition dieses Kriterien­ katalogs sind die Erfahrungen von Experten eingeflossen, die sowohl über Expertise im gemeinnützigen Sektor verfügen als auch die Interessen von Sozialen Investoren kennen. Einig­ eit herrscht darüber, dass nicht allein k die Wirkung der Projekte analysiert werden darf, sondern auch die Gesamtorganisation in ihrer Leistungsfähigkeit betrachtet werden muss. Denn wenn Projekte die gewünschte Wirkung entfalten sollen, müssen sie von leistungs­ ähigen Organisationen möglichst f effektiv und effizient umgesetzt werden. Um einen realistischen Eindruck von den Stärken und Entwicklungspotenzialen eines Projekts und einer Organisation zu gewinnen, wurden für die Bereiche
•	 •	

Projekte, die bereits seit langer Zeit durchgeführt werden und direkt eine Zielgruppe mit therapeutischen Maßnahmen adressieren, andere Ansprüche mit Blick auf deren Qualitätsentwicklung (Evaluation, Moni­ oring, t Lernkultur) angelegt, als an Projekte, die es erst seit kurzer Zeit gibt und deren Ziel es ist, auf gesamtgesellschaftlicher Ebene einen Bewusstseinswandel zu erreichen. Denn zum einen ist es de facto nicht möglich bereits nach kurzer Projektlaufzeit Belege für Wirkung zu erbringen. Und zum anderen ist es deutlich aufwändiger und teurer, Maßnahmen, die auf gesamtgesellschaftlicher Ebene auf einen Bewusstseinswandel abzielen, zu evaluieren.

Die neun Kriterien der PHINEO-Analyse Einschätzung der Wirkung des Projekts Ziele und Zielgruppen: Ziele und Zielgrup-

pen sind transparent und nachvollziehbar dargestellt. Die Ziele sind vorausschauend, reflektiert, realistisch und in sich konsistent. Sowohl die Ziele als auch die Zielgruppen basieren auf einer umfassenden und reflektierten Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Bedarf und den Bedürfnissen der Zielgruppe. Darüber hinaus sind Ziele und Zielgruppen aufeinander abgestimmt.
Konzept und Ansatz: Konzept und Ansatz

Wirkung des Projekts Leistungsfähigkeit der Organisation

neun Bewertungs­ riterien definiert. Einige k Kriterien können dabei nur in Relation zu Größe und Entwicklungsstand der Organisation oder dem Umfang und der Komplexität des Projekts eingeschätzt werden. Konkret heißt dies beispielsweise: Für Organisationen mit vielen hauptamtlichen Mitarbeitern und hohen Gesamteinnahmen gelten andere Anforderungen mit Blick auf Gremienstruktur, Professionalität des Personalmanagements und Controlling als für Organisationen, die rein ehrenamtlich getragen werden und ge­ inge r Gesamteinnahmen haben. Ebenso werden an

passen zur Zielsetzung, zur Zielgruppe sowie der gesellschaftlichen Problemstellung. Sie sind transparent und nachvollziehbar dar­ gestellt und theoretisch fundiert. Wenn sie zudem auf empirischer Evidenz basieren, ist dies ein zusätzliches Plus. Das Konzept ist vollständig verschriftlicht und für Externe verständlich. Es basiert auf einer Umfeld­ analyse. Die Auswahl der Mitarbeiter hinsichtlich ihrer Qualifikationen ist reflektiert. Der Inhalt und die Art der Kooperationen basieren auf einer bewussten Auswahl. Bei­ des leitet sich aus Ansatz und Konzept ab.

54 | 55

Qualitätsentwicklung: In Relation zum Um-

Leitungsgremium und Personalmanagement:

fang und der Komplexität des Projekts ist die Qualitätsentwicklung angemessen. Es gibt ein Monitoring zur systematischen Erfassung und Beobachtung der Aktivitäten. Wenn es eine systematische Erfassung der Input-OutcomeRelation und damit der Wirtschaftlichkeit gibt, ist dies ein zusätzliches Plus. Es werden intern zielgerichtete Evaluationen durchgeführt bzw. bei externen unabhängigen Experten in Auftrag gegeben. Die Monitoring- und Evaluations­ r­ e geb­ isse werden präzise und nachvollziehbar n schriftlich festgehalten, umfassend genutzt und intern, gegenüber der Zielgruppe sowie der (Fach-)Öffentlichkeit kommuniziert. Die aus dem Monitoring und der Evaluation abgeleiteten Maßnahmen werden nachvollziehbar dokumentiert. Es gibt eine ausgeprägte Kultur der Qualitätsentwicklung.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Leitungsgremiums sind in der Satzung klar verankert und werden nach innen und außen transparent und nachvollziehbar dargestellt. Es ist klar geregelt, wer welche Entscheidungen trifft und es gilt das „Vier-Augen-Prinzip“. Es gibt klare Verantwortlichkeiten für das Personalmanagement und die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter werden gut betreut und systematisch gefördert.
Aufsichtsgremien: Die Kontrollmechanismen

durch ein unab­ än­ iges Aufsichtsgremium h g sind im Verhältnis zur Größe und Komplexität der Organisation angemessen. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten dieses Gremiums sind in der Satzung klar verankert und werden nach innen und außen transparent und nachvollziehbar dargestellt. Der Umgang mit möglicherweise auftretenden Interessenkon-

Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Organisation

flikten ist reflektiert.
Finanzen und Controlling: Relevante Finanz­

Vision und Strategie: Die Organisation ist an

informationen werden der Öffentlichkeit regel­ mäßig und transparent zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung, d. h. die Quellen und die Verwendung der Gelder, ist nachvollziehbar dargestellt. Die Prüfung der Finanzen ist in der Satzung verbindlich geregelt und in Relation zur Größe und Komplexität der Organisa­ tion angemessen. Auch das interne Controlling ist in Relation zur Größe und Komplexität der Organisation angemessen. Es gibt klare Verant­ wortlichkeiten sowohl für Finanzen als auch für das Controlling.
Finanzierungskonzept und Fundraising:

einer durchdachten langfristigen Vision und einer plausiblen mittelfristigen Strategie ausgerichtet. Die Vision ist nach außen transparent dargestellt. Die Organisation verfügt über eine detaillierte Planung operativer Maßnahmen für mindestens ein Jahr. Vision und Strategie basieren auf einer reflektierten Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen der Organisation. Sie sind differenziert und konkret formuliert. In der Planung wird auf einzelne Arbeitsbereiche und operative Schritte ein­ egangen; diese werden g an Beispielen konkretisiert.

Das Finanzierungs- und Fundraisingkonzept ist transparent und nachvollziehbar. Es besteht – relativ zur Größe der Organisation – eine bewusste Auswahl von Maßnahmen und

beispiele guter praxis finden

Instrumenten. Die Effektivität der Maßnahmen wird geprüft. Die Verantwortlich­ eiten k sind klar zugeordnet. Die Maßnahmen sind ethisch vertretbar. Soziale Investoren und andere Geldgeber werden angemessen betreut.
Öffentlichkeitsarbeit: Die Öffentlichkeitsar-

beit schafft Transparenz über die Organisation und steht im Einklang mit Vision und Strategie. Die Gremien­ truktur, die Finanzen, s Aufgabenbereiche und Projekte werden der Öffentlichkeit transparent und nachvollziehbar vermittelt. Die Wahl der Öffentlichkeitsmaßnahmen ist nach­­ vollziehbar. Die Verantwortlichkeiten sind klar geregelt.

» usik spricht für sich allein. M Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance.«  
Y ehud i Menuhin (1916 – 19 9 9)

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Die Verfahrensschritte
Jede gemeinnützige Organisation kann sich um die Aufnahme in einen Themenreport bewerben. Es gelten dabei folgende Mindest­ anforde­ ungen: r
•	

Fragebogen zeitlich flexibel auszufüllen sowie zwischenzeitlich interne Rücksprachen zu hal­ en. t

Informationsmaterialien
Nach der Sichtung und Bewertung aller eingegangenen Fragebögen werden ausgewählte Bewerber gebeten, aussagefähige Informations­ m ­ aterialien zu ihrer Organisation und dem Projekt, mit dem sie sich beworben hat, zur Verf ­ ügung zu stellen.
Zum Projekt
•	 •	 •	

Die Gemeinnützigkeit der Organisation ist rechtlich anerkannt und die Organisation verfügt über einen Freistellungsbescheid.

•	

Die Organisation hat ihren Sitz in Deutschland. Die Organisation engagiert sich im aus­ geschriebenen Themenfeld nicht ausschließlich fördernd, sondern ist auch operativ tätig. Sie führt also selbstständig Projekte durch und kann das dahinter liegende Konzept anschaulich darstellen.

•	

Zielgruppen- und Bedarfs­ nalysen a Inhaltliche Konzepte Evaluationsberichte

Zur Organisation
•	 •	 •	

Der Beginn der Bewerbungsfrist wird in der Regel über einschlägige Newsletter und Websites oder durch individuelle Anschreiben mitgeteilt. Die Ausschreibungen sind immer bezogen auf ein spezifisches Themenfeld. Denn die Analyse eines Themenfeldes bildet immer den Hintergrund für die Begutachtung der gemeinnützigen Projekte und Organisa­ tionen, die als Beispiele guter Praxis porträtiert werden.

Satzung und ggf. Geschäfts­ rdnung o Tätigkeits- und Jahresbericht J  ahresabschluss und EinnahmenAusgaben-Plan Strategiepapiere Materialien der Öffentlichkeits­ rbeit a

•	 •	

Die zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien werden ebenso wie die Informationen auf der Homepage der Organisation sorgfältig ausgewertet. Das Bewertungsteam setzt sich immer aus mehreren Analysten zusammen, um durchgängig das Vier-Augen-Prinzip zu gewährleisten. Nach Sichtung und Diskussion aller Bewerbungen erfolgt im Team eine Auswahl derjenigen Organisationen, die das Analystenteam im nächsten Schritt vor Ort besucht. Auf Basis der Analyse der Informationsma­ terialien werden diejenigen Organisationen ausgewählt, die das Analystenteam im nächsten Schritt besucht.

Online-Fragebogen
Das Ausfüllen des Online-Fragebogens ist für sich bewerbende Organisationen der erste Schritt im Analyseverfahren. Das Analystenteam erhält dadurch einen ersten Eindruck von der Organisation und dem vorgestellten Projekt. Die Fragen des Fragebogens leiten sich aus den bereits dargestellten neun Kriterien ab, die für die Beurteilung der Bewerbung wesentlich sind. Der Online-Fragebogen ist für die ausfüllende Organisation innerhalb der Bewerbungsfrist beliebig oft zugänglich. Dies erlaubt es, den

beispiele guter praxis finden

Das Verfahren zur Porträtierung von Organisationen und Projekten

Erhebungsdaten

Finale Bewertung

1
OnlineFragebogen

2
Informationsmaterialien

3
Vor-Ort-Besuche bei gemeinnützigen Organisationen

4
Empfehlungs­ kommission
Zusammenfassung und Analyse aller Erkennt­ isse aus dem n Porträtierung als Beispiele guter Praxis

Bewerbungsverfahren

QUEL L E: EIGEN E DA RSTEL LUNG

Vor-Ort-Besuche bei gemeinnützigen Organisationen
Diejenigen Projekte und Organisa­ ionen, für t die es besonders viele Belege dafür gibt, dass sie positive Wirkungen und Resultate erzielen, werden im nächsten Schritt des Verfahrens von einem PHINEO-Analysten und einem weiteren Experten, der mit der Thema­ ik des t Themenreports besonders vertraut ist, besucht. Das Gespräch vor Ort dient dazu, die Organisation noch besser kennen zu lernen und die bei der bis­ erigen Analyse offen h gebliebenen Fragen zu klären. Die Gespräche orientieren sich an einem Leitfaden, der ebenfalls auf den bereits beschriebenen Kriterien beruht.

Diese besteht aus Experten, die mit dem Thema des Reports besonders vertraut sind, sowie aus Personen, die mit der Perspektive von Geldgebern besondere Erfahrung haben. Die Empfehlungskommission entscheidet über die endgültige Auswahl der Organisationen, deren Porträts im je­ eiligen Themen­ w report vorgestellt werden. Die Mitglieder der Empfeh­ ungs­ ommission für den vorliegenden l k Report finden Sie weiter hinten.

Empfehlungskommission
Alle Erkenntnisse aus dem Bewerbungs­ er­ v fahren werden gesichtet und von einer Emp­ fehlungs­ ommission abschließend bewer­ et. k t

58 | 59

Die Porträts
Die Porträts sind das Ergebnis des Analyseverfahrens. Für die porträtierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Resultate erzielen. Darüber hinaus haben die dahinter­ stehenden Organisationen ihre Leistungs­ fähigkeit im Rahmen des Analyseverfahrens unter Beweis gestellt. Die Porträts verfolgen mehrere Ziele: Sie sollen Soziale Investoren über ein Projekt informieren und dabei helfen, sich für die Unterstützung eines oder mehrerer Projekte zu entscheiden. Sie können aber auch Anregungen für die Implementierung eines interessanten Konzeptes in der eigenen Region geben. Die Porträts sind die Kurzfassungen einer sehr ausführlichen Dokumentation, die das Ergeb­ nis des Analyseverfahrens ist. Um Sozialen Investoren einen möglichst schnellen Über-

blick zu geben, informieren die Porträts kurz und prägnant über die gesellschaftliche Herausforderung, auf die das Projekt reagiert, über den spezifischen Handlungsansatz und über die Resultate des Projekts. Im Rahmen von Empfehlungen wird auf Stärken und Entwicklungspotenziale der Organisation eingegangen. Hier erhalten Soziale Investoren konkrete Hinweise darauf, wie man die Organisation und das Projekt zielgerichtet unterstützen kann. Die Grafiken illustrieren die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien. Den Zeitpunkt dieser Einschätzung können Soziale Investoren einem Hinweis auf der Rückseite des Porträts entnehmen.

» erade für Kinder und ihre Entwicklung ist die körperliche G Erfahrbarkeit von Musik unendlich wichtig. Eine Geige oder Trompete selbst zum Klingen zu bringen und ihren Klang nicht nur zu hören, sondern ihn auch zu spüren, ihn ganz­ heitlich mit allen Sinnen zu erleben und buchstäblich zu begreifen, das ist eine Erfahrung, die bei Kindern tiefe Spuren hinterlässt und nachhaltig wirkt.«
Da s K l ingend e Museum e.V., Berl in

beispiele guter praxis finden

Resultate: Welche Resultate erzielt die Organi-

sation mit dem porträtierten Projekt konkret und welche Nachweise liegen vor?

Der Aufbau des PHINEO-Porträts

Entwicklungspotenziale der Organisation bzw. und zielgerichtet unterstützen?

Empfehlungen: Welches sind die Stärken und

des Projekts? Wie kann man das Projekt konkret

Wirkung des Projekts: Wie wurde die

Wirkung des im Porträt dargestellten Projekts eingeschätzt?

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

Resultate: Verantwortung für sich und andere übernehmen Das Projekt hat bereits erste positive Veränderungen im Stadtteil bewirkt. Mittlerweile nutzen rund 200 Kinder und Jugendliche regelmäßig die Angebote der Organisation. Hinzu kommen etwa 300 Jugendliche, die die offenen Angebote (Jugendcaf√©, offene Treffs)

neugeplant und umgestaltet. Zudem soll das Stadtteilfest „Kinder für Kinder“ künftig jährlich stattfinden. Das Projekt wurde letztes Jahr mit dem Jugendpreis der Stadt ausgezeichnet.

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z

Empfehlungen: Bessere Ausstattung und mehr Personal Die Organisation finanziert sich zu einem großen Teil aus Zuwendungen der öffentlichen Hand und der lokalen Bürgerstiftung. Die Anträge auf die Förderung müssen jährlich neu gestellt werden, was eine langfristige Planung erschwert. Seit der Gründung der Organisation hat der Bedarf an Angeboten stark zugenommen. Die bestehenden Räumlichkeiten und deren Ausstattung reichen daher nicht mehr aus. Auch das pädagogische Fachpersonal kann weitere notwendige Kursangebote mit seinen jetzigen Kapazitäten nicht mehr bewältigen. Mit der Spende von rund 5.000 Euro könnte für die Computerschulungen neue technische Geräte angeschafft werden. Mit 25.000 Euro ließe sich die dringend notwendige Sanierung der Räumlichkeiten sowie die Schaffung eines barrierefreien Zugangs realisieren. Eine längerfristig angelegte Förderung würde darüber hinaus die Einstellung einer weiteren pädagogischen Fachkraft ermöglichen. Die Übertragung des Konzeptes auf Stadtteile mit

Leistungsfähigkeit der Organisation:

K/A Q min Z/Z Ziele und Zielgruppen K/A Konzept und Ansatz Q max

in Anspruch nehmen. Seit einem Jahr wird das Projekt von der Pädagogischen Hochschule wissenschaftlich begleitet. Die ersten Evaluationsergebnisse zeigen, dass sich die Jugendlichen in ihren Belangen ernster genommen fühlen und vermehrt versuchen, ihre Interessen in einem konstruktiven Dialog durchzusetzen. Darüber hinaus hat sich das Klima zwischen Jugendlichen und Stadt verbessert. Auch in Kooperation mit der örtlichen Hauptschule führt zu sehr guten Synergieeffekten. Die Teilnahmen an den Aktivitäten der

Wie wurde die Leistungsfähigkeit der Organisation eingeschätzt?

Qualitätsentwicklung

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

sich die Organisation?

Finanzierungsquellen: Wie finanziert

F/C F/F Ö

min V/S Vision und Strategie

max

Organisation wirkt sich auf das Verhalten der Kinder und Jugendlichen und ihre schulischen Leistungen aus. Die Jugendlichen erwerben nachweislich Schlüsselqualifikationen, die ihnen beim Berufseinstieg helfen. Die Stärke der Organisationen liegt darin, dass sie ihre Angebote flexibel an die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und Jugendlichen anpassen kann. Neben kontinuierlichen

L/P Leitungsgremium und

Personalmanagement

A

Aufsichtsgremien

F/C Finanzen und Controlling F/F Finanzierungskonzept

und Fundraising

Ö

Öffentlichkeitsarbeit

ähnlichen Strukturen Angeboten wie Hausaufgabenbetreuung, Kultur & Spielraum e.V. München ist denkbar.
Finanzierungsquellen der Organisation 15 % ZÖH 6% S

musterprojekt

Computerkursen und Sportangeboten werden Arbeitsgemeinschaften zu aktuellen Anlässen ins Leben gerufen. So wurden Teile des
LE 3%

Kinderspielplatzes von den Jugendlichen
SO 24 %

•

Stadtteil mit multiplen sozialen Herausforderungen
Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen

43 % Z M

M 9%

• •

Anlaufstelle für Jugendliche

Mitgliedsbeiträge Leistungsabhängige Einnahmen Zinserträge öffentlicher Hand Sonstige
•

Einbindung der Jugendlichen in die • Leitungsgremium • Finanzen Stadtplanung trägt zum besseren Zusammenleben bei Jugendliche lernen, eigene Ideen in konkrete Projekte umzusetzen

Unter Mitwirkung des DZI bei den Kriterien:

geprüft

LE Z

• Fundraising • Aufsichtsgremium
Stand: Juni 2009

© PHINEO

ZÖH Zuwendungen aus S

stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter

einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eigenen Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen

Spenden

SO

zielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verbesteht Die Organisation nicht. Ansprüche gegen Herausforderung:
PHINEO, die auf die Nutzung der

Raum für das Projektlogo

Kultur & Spielraum e.V. München Engagementförderung www.phineo.org Rechtsform: eingetragener Verein Brennpunkt“ Gründungsjahr: 2006 Kontakt

Informationen zurückgeführt werden, sind ausgeschlossen.

Handlungsansatz: Partizipation und Erwerb von Know-how Mit ihrem Jugendtreff ist die Organisation Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche im Stadtviertel. Sie bietet ihnen nach der Schule Raum, wo sie ihre Freizeit verbringen können. In Arbeitsgemeinschaften erarbeiten die Jugendlichen hier Lösungsansätze für aktuelle Probleme in ihrem Quartier. So geht es zum Beispiel darum, die Nachbarschaft kinderfreundlicher zu gestalten. Die Konzepte werden mit den relevanten Akteuren auf kommunaler Ebene besprochen und auf ihre Machbarkeit überprüft. Neben der inhaltlichen Einarbeitung von Themen erlernen die Jugendlichen Methoden systematischen Vorgehens und der Gruppenarbeit. Bei der Umgestaltung des Stadtteils wirken sie aktiv mit. In einer weiteren Arbeitsgemeinschaft haben Jugendliche ein Netzwerk konzipiert und

im „sozialen

Die Organisation hat ihren Sitz in einem Stadtteil, der sehr heterogene Sozialstrukturen aufweist. Rund 20 Prozent der hier lebensind Kinder und Jugendliche, vergleichsweise hoher verlässt die Schule von ihnen haben einen Mig-

Wirkungsregion: Wird das Projekt

lokal, regional, bundesweit oder international durchgeführt?

Gesamteinnahmen: Wie hoch sind

Max Mustermann. Projektleiter

den Bevölkerung Musterstraße 45 etwa 15 Prozent D-98765 Musterstadt
www.musterprojekt.de

T +49.09876 5 43 21 rationshintergrund. Ein

die Gesamteinnahmen der Organi­

max.mustermann@musterprojekt.de Anteil der Jugendlichen

ohne einen qualifizierten Abschluss, was zu Quartier beiträgt. Das Konfliktpotnezial ist

sation und des porträtierten Projekts?
Mitarbeiter: Wie viele Mitarbeiter

der hohen Jugendarbeitslosigkeit in diesem Das Projekt
Start des Projekts: 2005

vielfältig. Erreichte Personen: Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung und zur aktiven seit September 2008 ca. 1.750 Personen
Wirkungsregion

Integration fehlen

größtenteils. Die Jugendlichen haben kaum Möglichkeiten ihr soziales Umfeld selbst mitzugestalten. Die Kommunikationsstrukturen zwischen der Kommune und den Bewohnern sind wenig ausgebaut.

Übertragbarkeit: Kann das Projekt

lokal

Übertragbarkeit

auf andere Regionen ausgeweitet tionen den Ansatz anwenden?

werden? Können andere Organisa­

(Hauptamtliche, Honorarkräfte,

hohe Übertragbarkeit

Gesamteinnahmen (in EURO)

Ehrenamtliche) hat die Organisation das porträtierte Projekt?

bzw. wie viele Personen arbeiten für

2006 2007 2008
Mitarbeiter

Organisation

1.027.300 1.130.000 1.130.000

Projekt

realisiert, in dem sich Kinder und Jugendliche untereinander helfen. Unter der Anleitung von zwei Sozialpädagogen organisieren sie ein Angebot zur Hausaufgabenbetreuung sowie verschiedene Sport- und Freizeitaktivitäten.

55.100 55.100

–

Hauptamtliche Honorarkräfte Ehrenamtliche

Organisation 100

12 –

Projekt 20

4 –

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

Heraus­ orderung: Welchen gesellschaftlichen f

Heraus­ orderungen stellt sich die Organisation f mit ihrem Projekt?

und Konzept stellt sich die Organisation den gegebenen Herausforderungen?

Handlungsansatz: Mit welchem Ansatz

60 | 61

» usik ist ein moralisches Gesetz. M Sie verleiht dem Universum eine Seele, dem Geist Flügel, der Phantasie Flugkraft, der Traurigkeit einen Zauber und allen Dingen Freude und Leben.«
Plato n (427 – 347 v.Chr .)

ohren auf! –

62 | 63

Herzlichen Dank!
Dieser Report und die dazugehörigen Porträts gemeinnütziger Organisationen wären ohne die kontinuier­ liche und kompetente Begleitung durch Experten nicht möglich gewesen. Renommierte Wissenschaftler und erfahrene Praktiker im Bereich Musik sowie Kenner des gemeinnützigen Sektors begleiteten jeden Arbeitsschritt mit ihrem breiten Wissens- und Erfahrungsschatz. Für die Mitwirkung und Beratung möchten wir uns herzlich bei folgenden Personen bedanken.

Zwei Wissenschaftler haben mit ihren Gutachten zu diesem Report in wertvoller Weise beigetragen. Auch bei ihnen möchten wir uns herzlich bedanken:

Prof. Dr. Heiner Gembris | Institut für Begabungs­

forschung in der Musik, Universität Paderborn
Dr. Susanne Keuchel | Zentrum für Kulturforschung,

Bonn

Darüber hinaus bedanken wir uns bei den Teilnehmen­ den der vorbereitenden Expertensitzung, die uns wich­ tige inhaltliche Empfehlungen für den Report mit auf

Ein besonderer Dank geht für die kontinuierliche Begleitung bei der Erstellung des Reports und die Porträ­ tierung ausgewählter gemeinnütziger Projekte und Organisationen an:

den Weg gegeben haben:

Prof. Dr. Michael Dartsch | Hochschule für Musik Saar,

Saarbrücken
Herbert Fiedler | Akademie Remscheid, Remscheid

Stefan Piendl | Arion Kultur & Management GmbH,

Prof. Dr. Heiner Gembris | Institut für Begabungs­

Köln

forschung in der Musik, Universität Paderborn
Christian Höppner | Deutscher Musikrat e. V., Berlin Dr. Susanne Keuchel | Zentrum für Kulturforschung,

Ein herzliches Danke möchten wir dem Verfasser dieses Reports aussprechen, der uns mit journalistischer Feder und Fachwissen unterstützt hat:

Bonn
Claudia Runde | Deutscher Tonkünstlerverband e. V.,

Münster
Dr. Margarete Schweizer | Kulturstiftung der Länder,

Prof. Dr. Holger Noltze | Institut für Musik und Musik-

Berlin
Dr. Ute Welscher | Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

wissenschaft, Dortmund

Darüber hinaus bedanken wir uns bei den Teilnehmenden der Empfehlungskommission, die uns bei der finalen Auswahl der gemeinnützigen Organisationen und Projekte beraten haben:

Prof. Dr. Heiner Gembris | Institut für Begabungs­

forschung in der Musik, Universität Paderborn
Dr. Peter M. Haid | Hauck & Aufhäuser Privatbankiers

KGaA, Frankfurt / Main
Johanna von Hammerstein | BürgerStiftung Hamburg Dr. Susanne Keuchel | Zentrum für Kulturforschung,

Bonn
Dr. Volker Then | Centrum für Soziale Investitionen

und Innovationen, Heidelberg
Dr. Maximilian Werkmüller | HSBC Trinkaus & Burk-

hardt AG, Düsseldorf

Literaturverzeichnis
Der Report basiert wesentlich auf zwei wissenschaft­ lichen Gutachten:

werden. Unterschieden und auf ihre Wirkungsmöglichkeiten analysiert werden „Nachhaltige Strukturpro­ jekte“, „Projekte mit Ziel­ ruppen­ okus“ und „Innovative g f Wegweiserprojekte“.

GEMBRIS, HEINER

| Musik für Kinder und Jugendliche:
Weitere Quellen

Die Wirkung von Musik empirisch betrachtet – Musik in der Praxis – Handlungsansätze für die Zukunft. Ein Gutachten für die Bertelsmann Stiftung. Universi­

ALTENMÜLLER, ECKART

| In: Jürgen Broschart und

tät Paderborn, Institut für Begabungsforschung in der Musik | Paderborn 2007

Isabelle Tentrup. „Der Klang der Stimme“. Geo

11  /  2003 | S. 68

Die Bedeutung von Musik in der menschlichen Entwicklung wird sowohl mensch­ eitsgeschichtlich betrachtet h als auch in Bezug auf die altersmäßige Entwicklung des Einzelnen: Es gibt ein Zeitfenster der Offenohrigkeit, das sich etwa im Alter von zehn Jahren schließt. Der Stand der Forschung über die Wirkungsmöglichkeiten von Musik und vor allem Transfer-Effekte wird gewichtet zusammengefasst. Es werden Förderbedarfe fokussiert und Handlungsfelder beschrieben. Musik sollte als „Ressource“ und „Potenzial“ betrachtet werden, das durch geeignete Initiativen erschlossen werden kann.

BARTH, DOROTHEE

| Zum Kulturbegriff in der Inter­

kulturellen Musikerziehung | 2001 | http://www.uni-

oldenburg.de/musik-for/ime/texte/barth.html.

BASTIAN, HANS GÜNTHER

| Musik(erziehung) und ihre

Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschu-

len | Mainz 2000

BOLTEN, ARNDT UND KNOLL, REINHARD (HRSG.)

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Musik Verein Schule: Dokumentation einer Befragung von Laienmusikvereinen und Musikschulen | Düsseldorf 2004

KEUCHEL, SUSANNE | Musik für Kinder und Jugendli­

che: Partizipation junger Menschen an musikpäda­ gogischer Arbeit und Qualiätsmerkmale in der Praxis. Ein Gutachten für die Bertelsmann Stiftung. Zentrum

BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND FORSCHUNG

|

Macht Mozart schlau? Die Förderung kognitiver Kom-

petenzen durch Musik | Bonn und Berlin 2006

für Kulturforschung Bonn | Bonn 2007
COSTA-GIOMI, EUGENIA

| Effects of three years of

Es wird ein systematischer Überblick der Bandbreite musikpädagogischer Arbeits­ ebiete und Konzepte g gegeben. Qualitätsmerkmale für Musikförderungsmaßnahmen werden vorgeschlagen, konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Projekten ausgesprochen und Bedarfsfelder aufgezeigt. Die Studie geht auf die vielfältig positiven Wirkungen von Musik ein, warnt aber auch vor einer „Funktio­ alisierung“ von Musik. n Musikförderung soll „als solche“ für wichtig erachtet

piano instruction on children’s academic achievement, school performance and self-esteem. Psychology of

Music 32 (2) 2004 | S. 139 – 152

DEUTSCHER MUSIKRAT (HRSG.)

| Musikalmanach

2007 / 08. Daten und Fakten zum Musikleben in

Deutschland | Regensburg 2007

ENQUETE-KOMMISSION „KULTUR IN DEUTSCHLAND“ DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES

| Schlussbericht.

Drucksache 16 / 7000 | Berlin 2007

GEMBRIS, HEINER

| The Impact of Musicality on

Human Development. Nova Acta Leopoldina NF Bd. 92,

Nr. 341, Science and Music | 2005 | S. 147 – 159

64 | 65

GEMBRIS, HEINER, KRAEMER, RUDOLF-DIETER UND MA AS, GEORG (HRSG.)

NOY, PINCHAS

| The development of musical

| Macht Musik wirklich klüger?

ability. The Psychoanalytic Study of the Child 23 1968 |

Musikalisches Lernen und Transfereffekte. Musik­

S. 332 – 347

pädagogische Forschungsberichte, Bd. 8 (2. Ausgabe) | Augsburg 2001 (veränderter Nachdruck 2003)
PLEINER, GÜNTER

| Musikmobile. Rock- und Hip-Hop-

Mobile, Soundtrucks, Jamliner. Handbuch Musik in der
GRIESSMEIER, BARBARA | Sternenmusik. Musik­

Sozialen Arbeit. Hrsg. Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel. Weinheim und München 2004 | S. 197 – 209

therapie mit krebskranken Kindern. Musiktherapie mit

Kindern. Grundlagen – Methoden – Praxisfelder | Hrsg. Christine Plahl und Hedwig Koch-Temming | Bern 2005 | S. 233 – 244
RAUSCHER, FRANCES H., SHAW, GORDON L. UND KY, KATHERINE N.

| Music and spatial task perfor­

mance. Nature 365 1993 | S. 611
GÜNTNER, JOACHIM

| Die Muse küsst hier nicht.
SCHELLENBERG, E. GLENN

Die ästhetische Erziehung an Deutschlands Staats­ schulen zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

| Music lessons enhance IQ.

Psychological Studies 15 2004 | S. 511 – 514

Neue Zürcher Zeitung Online | 14.6.2006 | www.nzz.ch/2006/06/14/fe/articleE6UXU.html
SCHELLENBERG, E. GLENN, NAKATA, TAKAYUKI, HUNTER, PATRICK G. UND TAMOTO, SACHIKO HILL, BURKHARD

| Expo­ ure s

| Musik in der Jugendarbeit. Hand-

to music and cognitive performance: test of children and adults. Psychology of Music 35 (1) 2007 | S. 5 – 19

buch Musik in der Sozialen Arbeit. Hrsg. Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel | Weinheim und München 2004 | S. 329 – 344

SCHUMACHER, RALPH

| Schlussbetrachtung: Der

aktuelle Forschungsstand und Fragestellungen für
HILL, BURKHARD UND JOSTIES, ELKE (HRSG.)

| Jugend,

zukünftige Untersuchungen. Macht Mozart schlau?

Musik und Soziale Arbeit | Weinheim und München

Die Förderung kognitiver Kompetenzen durch Musik. Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bonn und Berlin 2006 | S. 149 – 156

2007

HODGES, DONALD A.

| Why Are We Musical? Specu­
SPRENGEL, RAINER UND GRAF STRACHWITZ, RUPERT

lations on the Evolutionary Plausibility of Musical Behavior. Bulletin of the Council for Research in Music

|

Private Spenden für die Kultur in Deutschland: Bestandsaufnahme, Analyse und Perspektiven privater Spenden für die Kultur in Deutschland. Gutachten

Education 99 1989 | S. 7 – 22

KEUCHEL, SUSANNE

| Der Untergang des Abend­ andes l

für die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ | Bonn und Berlin 2006

oder eine Erkenntnis zur rechten Zeit? Zu den Ergeb­ issen des 8. KulturBarometers. Das Orchester 4 n

2006 | S. 26 – 32

VERBAND DEUTSCHER MUSIKSCHULEN E. V. (HRSG.)

|

Statistisches Jahrbuch der Musikschulen in Deutsch­
KEUCHEL, SUSANNE UND WIESAND, ANDREAS JOHANNES (HRSG.) | Das 1. Jugend-KulturBarometer |

land 2006 | Bonn 2007

Bonn 2006

WERNER-JENSEN, ARNOLD

| Kernfach Musik. Frankfur-

ter Allgemeine Zeitung Nr. 191 | 14.08.2003
KULTUSMINISTERKONFERENZ

| Zur Situation des
WIDMER, MANUELA | Musik in der Elementarerziehung.

Unterrichts im Fach Musik an den allgemeinbildenden Schulen in der Bundesrepublik Deutschland | Bonn |

Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit | Hrsg. Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel | Weinheim und München 2004 | S. 313 – 327

Bericht vom 10.03.1998.

NIMCZIK, ORTWIN | Musik in der allgemein bildenden

Schule. Einführungstext für das Deutsche Musik­

informationszentrum | 2006 | www.miz.org/static/ themenportale/einfuehrungstexte_pdf/01_BildungAusbildung/nimczik.pdf

Publikationsübersicht
»Ich will sicher sein, dass mein Geld Positives bewirkt« – das wünschen sich Spender, Stiftungen und sozial engagierte Unternehmen gleichermaßen. Doch für Soziale Investoren ist es alles andere als einfach, fachlich fundiertes Wissen über gesellschaftlichen Bedarf, Förderlücken und Wirkungsmechanismen zu erlangen. Die PHINEO-Themenreports für Soziale Investoren schaffen hier Abhilfe. Sie identifizieren in ausgewählten Themenfeldern des gemein­ ützigen Sektors gen sellschaftliche Herausforderungen sowie erfolgreiche Handlungsansätze. Den Themenreports liegen Porträts bei, die gemeinnützige Projekte und Organisationen als Beispiele guter Praxis in unter­ chiedlichen Themenfels dern vorstellen. Ziel ist es, Geldgeber für neue Engagementfelder zu gewinnen und ihnen mehr Sicherheit bei ihrer Entscheidung über Spendengelder zu geben.

gierten. Die Handlungsansätze, wie junge Menschen im Alter von vier bis 25 Jahren wirkungsvoll für soziales Handeln und politische Partizipation im eigenen Lebensumfeld gewonnen werden können, sind vielfältig. Der Förderbedarf ist groß. Ein finanzielles Engagement für den richtigen Ansatz kann daher viel bewegen.

fit und fröhlich!
Gesundheitsförderung für junge Menschen

phineo
Themenreport für soziale Investoren

Der Themenreport »Mitmachen, mitgestalten! Junge Menschen für gesellschaftliches Engagement begeistern« gibt einen Überblick über dieses Themenfeld, zeigt die Förderlücken auf und stellt beispielhaft gemeinnützige Organisationen mit einem wirkungsvollen Handlungsansatz vor.

FIT UND FRÖHLICH!

GESUNDHEITSFÖRDERUNG FÜR JUNGE MENSCHEN

PHINEO gAG (Hrsg.)

2010, 60 Seiten, Broschur EUR 19,90

Schutzgebühr Druckausgabe:

Fair handeln, fair ändern. Umweltbildung für junge Menschen | Probleme wie Klimawandel, Armut in

mitmachen, mitgestalten!
 Junge Menschen für gesellschaftliches   Engagement begeistern

vielen Teilen der Erde sowie wachsender Ressourcenverbrauch machen deutlich, wie wichtig es ist, jungen Menschen Kompetenzen für die Gestaltung einer
Themenreport für Soziale Investoren

phineo

Fit und fröhlich! Gesundheitsförderung für junge Menschen | Gesundheitsbezogenes Verhalten wird

nachhaltigen Zukunft zu vermitteln. Der Report »Fair handeln, fair ändern. Umweltbildung für junge Menschen« beschreibt gemeinnützige Handlungsansätze, die junge Menschen für eine umweltfreundliche Zukunftsgestaltung sensibilisieren und dabei über die rein ökologisch ausgerichtete Umweltbildung weit hinaus­ gehen, weil sie auch soziale und ökonomische Aspekte in den Blick nehmen.

bereits in der Kindheit geprägt und während des Heranwachsens gefestigt. Während ein großer Teil der Kinder noch von positiven Vorbildern profitieren kann, entwickeln andere langfristig krankmachende Gewohnheiten in ihrem Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Um individuellen Erkrankungen, aber auch hohen gesellschaftlichen Folgekosten vorzubeugen, brauchen insbesondere diese Kinder Anregungen, die ihnen nicht nur Wissen, sondern auch Spaß an gesundheitsförderlichem Verhalten vermitteln.

MITMACHEN, MITGESTALTEN! JUNGE MENSCHEN FÜR GESELLSCHAFTLICHES

ENGAGEMENT BEGEISTERN

PHINEO gAG (Hrsg.)

2010, 74 Seiten, Broschur EUR 19,90

Dieser Report richtet sich an Soziale Investoren, die sich dafür engagieren wollen, dass mehr junge Menschen diese wichtigen Bildungserfahrungen machen können. Er zeigt Förderlücken in diesem

Schutzgebühr Druckausgabe:

Der Themenreport »Fit und fröhlich! Gesundheitsförderung für junge Menschen« gibt einen Überblick über die gesellschaftliche Herausforderung, gemeinnützige Aktivitäten und Förderbedarfe in diesem Themenfeld. In Organisationsporträts werden beispielhaft Ansätze, die sich an das einzelne Kind wenden, sowie Projekte in Schulen oder auf kommunaler Ebene vorgestellt.

Themenfeld auf und porträtiert Angebote gemeinnüt­­ zi­ er Akteure für eine zukunftsweisende, verantworg tungsorientierte und nachhaltige Bildung.

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Mitmachen, mitgestalten! Junge Menschen für gesell­ schaftliches Engagement begeistern | Gesellschaftli-

FÜR JUNGE MENSCHEN

ches Engagement junger Menschen stellt nicht nur eine wertvolle Ressource für die Gesellschaft dar, sondern stärkt darüber hinaus auch die Persönlichkeit und das Verantwortungsbewusstsein des ehrenamtlich Enga-

PHINEO gAG (Hrsg.)

2010, 64 Seiten, Broschur EUR 19,90

Schutzgebühr Druckausgabe:

66 | 67

Kontakt
PHINEO gAG

Anna-Louisa-Karsch-Str. 2 10178 Berlin T + 49 . 30 52 00 65-400 F + 49 . 30 52 00 65-403 info@phineo.org www.phineo.org

Für Fragen zu PHINEO stehen Ihnen gerne zur Verfügung: Sabine Arras sabine.arras@phineo.org Wiebke Gülcibuk wiebke.guelcibuk@phineo.org

Impressum
1. Neuauflage, Juli 2010 (Erstauflage 2008) © PHINEO, Berlin

Dieser Themenreport stellt mit den beiliegenden Por­ träts verschiedene gemeinnützige Projekte und Organisationen vor. PHINEO weist jedoch darauf hin, dass es sich bei diesen Projekten und Organisationen lediglich um Beispiele zu einem bestimmten Themenbereich

Für inhaltliche Fragen zu diesem Themenreport steht Ihnen gerne zur Verfügung: Ina Epkenhans ina.epkenhans@phineo.org

handelt, daneben gibt es zahlreiche weitere erwähnenswerte Projekte und Organisationen. Es ist PHINEO nicht möglich, alle zu porträtieren. Die Informationen zu den Organisationen basieren auf deren eigenen Angaben. Eine vollständige Überprüfung dieser Angaben ist trotz

Hauptverantwortung | Ina Epkenhans Analyse | Ina Epkenhans (verantwortlich),

sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen durch PHINEO nicht möglich. PHINEO übernimmt daher keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Gleiches gilt für die zukünftige Entwicklung von Projekten und Organisationen. Finanzielle Investitionen erfolgen in jedem Fall auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO

Anke von Hollen, Bettina Kurz, Zoe Felder
Redaktion | Holger Noltze, Ina Epkenhans Gestaltung | minigram, Berlin Druck | Druckhaus Mitte, Berlin

Bildnachweise

aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der veröffentlichten Inhalte und besonders die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen zurückgeführt werden, sind ausgeschlossen.

Boomtown Media, www.rhythmisit.de | Seite 30, 32 Das Klingende Museum in Berlin e.V. | Seite 29 Bundesjugendorchester Büro | Seite 25 Gedruckt auf Papier „Fly“ (Papier Union) F1Online | Titel, Seite 10, 34, 38 Gudrun Petersen/JOKER | Seite 13 Hermann Dornhege | Seite 7, 14, 23, 48 Lukulule e.V. | Seite 10, 29 Ohrwurm e.V. | Seite 19 Pascal Deloche/Corbis | Seite 8 Peter Adamik Berlin | Seite 13, 45 Sam Aronov, 2010, Benutzung unter Lizenz von Shutterstock.de | Seite 26 Veit Mette | Seite 61

Schutzgebühr Druckausgabe: EUR 19,90

klimaneutral gedruckt

68 | 69

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen
PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. ­­ Um dieses Ziel zu erreichen, setzt PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen

besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organisationen, Reports zu ausgewählten Themenfeldern, Ratgebern zum „Wie” des Gebens sowie individueller Beratung bietet PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform für Orientierung. www.phineo.org

PHINEO ist ein Bündnis starker Partner
Hauptgesellschafter

Gesellschafter

Ideelle Gesellschafter

Strategische Partner

	 und Innovationen	
Förderer

•	CSI – Centrum für soziale Investitionen 	

•	Deutscher Spendenrat •	 Stiftung Charité

	

•	 Baden -  ürttembergische Bank	 W

•	 Economind

Deutscher Musikrat gemein­ ützige n Projektgesellschaft mbH

bundesjugend­ orchester
•	 Förderung

von hochbegabten jugendlichen

Musikern im Alter von 14 bis 19 Jahren
•	 Intensive

Proben mit international

renommierten Dirigenten und erfahrenen Dozenten
•	 Musikalisches

Bildungsprogramm mit hoher Tourneen im In- und

gesellschaftlicher Bedeutung
•	 Horizonterweiternde

Ausland

Herausforderung: Junge Talente in wichtiger Entwicklungsphase begleiten Die professionelle und berufsorientierte Förderung musikalisch Hochbegabter aus
Die Organisation

Neben der konkreten Probenarbeit ist „Horizonterweiterung“ ein wichtiges Ziel des Bundesjugendorchesters, und zwar in mehr­ facher Hinsicht: Auf Reisen und durch Kooperationen soll der Blick über den Tellerrand ermöglicht werden. Die Verbindung von Musik mit anderen Künsten soll den Blick für kulturelle Zusammenhänge weiten.

Deutschland setzt häufig zu spät ein. Oft kann der musikalische Nachwuchs aus Deutschland mit dem hohen Leistungsniveau ausländischer Studierender nicht mithalten. Gerade im Alter zwischen 10 und 18 Jahren brauchen Hoch­ egabte eine konstruktive und positive b Begleitung und Betreuung. Das Zusammenspiel in einem erstklassigen Orchester fördert nicht nur das künstlerische Wahrnehmen und Wachsen, sondern auch die soziale Kompetenz und ein „Werte-Bewusstsein“, das für die weitere Entwicklung entscheidend sein kann. Umgekehrt sind Versäumnisse später nur schwer wieder gutzumachen.

Deutscher Musikrat gemein­ ützige n Projektgesellschaft mbH Rechtsform: gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) Gründungsjahr: 1953 Kontakt Sönke Lentz, Projektleiter Bundesjugend­ rchester o Weberstraße 59 53113 Bonn

Resultate: Ein Netzwerk von Kulturbotschaftern „Das Bundesjugendorchester hat unser Leben geprägt, unsere Laufbahn beeinflusst und geholfen, uns das zu ermöglichen, was wir heute sein dürfen“: Das sagen heute weltweit gefeierte Solisten wie Sabine Meyer, Christian Tetzlaff, Tabea Zimmermann. Und Letztere fügt hinzu: „Die Kombination aus Können, Ehrgeiz, jugendlicher Freude am Musizieren und Zusammensein, das erlebt man sonst

T + 49 . (0)228 209 11 94 lentz@musikrat.de www.bundesjugendorchester.de Das Projekt Start des Projekts: 1969 Erreichte Personen: zwischen 100 und 500 Personen pro Jahr Wirkungsregion Bundesweit, international Übertragbarkeit Gering Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

Handlungsansatz: „Deutschlands jüngstes Spitzenorchester“ In der Altersphase von 14 bis 19 Jahren treffen die besonders begabten jungen Musiker in einem Orchester zusammen, um sich auszuprobieren und zu formen. Im Jahr 2006 gehörten 147 Jugendliche dem Orchester an. Die Orchestergröße orientiert sich am Spielplan. In jährlich drei Arbeitsphasen, die in der Regel
Projekt

kaum irgendwo.“ Erleben durften es seit Gründung des Bundes­ jugendorchesters 1969 etwa 2.500 Absolventen. Mehr als fünfhundert von ihnen spielen heute in deutschen Berufsorchestern, rund 20 bei den Berliner Philharmonikern. Tourneen führten das Orchester über alle Kontinente. Insofern wird das Bundesjugendorchester auch dem Anspruch gerecht, eine Art „Kulturbotschafter“ Deutschlands in der Welt zu sein. Derzeit wird an einem Alumni-Netzwerk gearbeitet, das die „Langzeitwirkungen“ einer Mitgliedschaft besser erfasst – und den produktiven Austausch zwischen den Generationen anstößt. Seit 2006 gibt es das Projekt „School Session!“, in dessen Rahmen das Orchester in Schulen auftritt.

2005 	 2006 	 2007 	
Mitarbeiter	

Organisation	

schulverträglich konzentriert während der Ferien stattfinden, haben die jungen Menschen Gelegenheit, mit erstklassigen Dirigenten zusammenzuarbeiten. Weil es tendenziell eine geringer werdende Anzahl an Planstellen in deutschen Kulturorchestern gibt, geht es dem Bundesjugendorchester heute weniger darum, für den Musikerberuf zu motivieren, sondern den Besten einen optimalen Start in den Beruf zu ermöglichen. Die Förderung durch das Bundesjugend­ rchester endet für die jungen o Musiker mit dem Eintritt in das Studium.

7.000.000 	 754.000 7.000.000 	 730.000 7.000.000 	 615.000

Organisation	 150	 42	

Projekt 20 10 3

Hauptamtliche	 Honorarkräfte	 Ehrenamtliche 	

400	

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

Auf der Basis einer stabilen organisatorischen Struktur (drei Vollzeitstellen, 20 Dozenten als Honorarkräfte) soll mehr als die übliche musikalische Nachwuchspflege geleistet werden: „Das Bundesjugendorchester verstehen wir als Modell eines musikalischen Bildungsprogramms, das im Bewusstsein und Selbstbewusstsein der jungen Menschen Werteprägungen und -vorstellungen hervorbringt, die

Das Bundesjugendorchester profitiert von dem engen Austausch mit vielen anderen Jugendprojekten der Projektgesellschaft des Deutschen Musikrates. International ist das Bundesjugendorchester einmalig. In keinem anderen Land werden junge Menschen in einer so frühen Phase ihres Musikerlebens so intensiv gefördert wie hier. Für 2.000 Euro kann eine Patenschaft für einen jungen Musiker in einer Arbeitsphase übernommen werden, für 20.000 Euro die Patenschaft für ein Konzert. 40.000 Euro werden für einen neuen Satz Kesselpauken benötigt.

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

im Sinne unserer Kulturtradition von hoher gesellschaftlicher Bedeutung sind.“

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Empfehlungen: Arbeit an der Zukunft der Musik Das Bundesjugendorchester wurde 2006 als „Land der Ideen 2006“-Organisation ausgezeichnet. Die Zuschüsse der öffentlichen Hand wurden stark gekürzt, der Anteil ging zwischen 2003 und 2007 von 60 Prozent auf 31 Prozent zurück. Die Zuflüsse aus privaten Mitteln müssen deshalb ausgebaut werden, um die Arbeit des Deutschen Musikrates in der bis­ erigen h Quantität und Qualität zu sichern. Inzwischen gibt es einen Freundeskreis und eine Stiftungsinitiative ehemaliger Teilnehmer.

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

F/C F/F Ö

min V/S	

max

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s

Finanzierungsquellen der Organisation

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

M 12%

S 2% ZS/V 4%

hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ Fragebogen, Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam

SG 6%

41% ZÖH

LE 35 %

mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Z ZS/V	 uwendungen von
M	

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen öffentlicher Hand

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

Mitgliedsbeiträge

LE	

	

ZÖH	 Zuwendungen aus S	

Spenden

SG	 Sponsorengelder

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

www.phineo.org

soundcheck und hörbar
Gewandhaus zu Leipzig
•	 Maßgeschneiderte

Angebote für Kinder,

Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von drei bis 25 Jahren
•	 Übertragbare

Konzepte zur Gewinnung eines

jungen Publikums für Konzert und Oper
•	 Die

„Gewandhaus-Charts“: Bach ist „total werden rund 1.000 junge Menschen

cool!“
•	 Jährlich

im Raum Leipzig erreicht

Herausforderung: Den „closed shop“ öffnen Traditionsreiche Musikinstitutionen spüren die Folgen fehlender musikalischer Bildung besonders stark. Das Durchschnittsalter der Konzertbesucher steigt; es liegt beim LeipziDie Organisation Gewandhaus zu Leipzig Rechtsform: Eigenbetrieb der Stadt Leipzig Gründungsjahr: 1995 Kontakt Franziska Vorberger, Musikvermittlerin Gewandhaus zu Leipzig Augustusplatz 8 04109 Leipzig

können Jugendliche über die „GewandhausCharts“ abstimmen. Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 wird als „Total cool!“, „frisch“ oder „aufheiternd“ beschrieben und ein Concerto grosso von Corelli als „nur schön!“

ger Gewandhaus inzwischen bei 58 Jahren. Jugendliche sind für die Angebote des klassischen Konzertbetriebs schwer oder gar nicht zu erreichen. Er droht, ein „closed shop“ für ein immer älteres Publikum zu werden. Mit einem Maßnahmenbündel unter dem Titel „Soundcheck“ will das Gewandhaus Leipzig Kinder und Jugendliche für klassische Musik gewinnen. Mit einer „HÖRbar“ sollen junge Erwachsene angesprochen werden. Resultate: Das Gewandhaus als spannender Ort Soundcheck richtet sich an junge Menschen, die „noch keinen Zugang zur klassischen Musik haben“. Ziel ist dabei nicht vorrangig die Gewinnung neuer Abonnenten, sondern Schwellenängste abzubauen, das Gewandhaus als einen Ort zu etablieren, mit dem sich Jugendliche identifizieren und wo „spannende“ Dinge erlebt werden können. Zur Entwicklung der Aktivitäten für eine junge Zielgruppe wurHandlungsansatz: Innovative Ideen für junge Hörer Seit über fünfzig Jahren gibt es die Leipziger Schulkonzerte. Vor drei Jahren begann man, über Musikvermittlungs-Aktivitäten strategisch nachzudenken. Die SoundcheckMaßnahmen für Kinder und Jugendliche sind vielfältig. Sie setzen sowohl auf bewährte Formen (Besuche von Orchestermusikern in Kitas und Schulen, Chorprojekte, Proben­ esuche) b
10.000 Projekt

T + 49 . (0)341 127 04 48 www.gewandhaus.de Das Projekt Erreichte Personen:

vorberger@gewandhaus.de

de 2003 eine Vollzeitstelle eingerichtet. Die Position der Musikvermittlerin ist beim Gewandhausdirektor angesiedelt, was den herausgehobenen Stellenwert der Aktivitäten dokumentiert. Etwa 60 Orchestermusiker sind in die Vermittlungsangebote einbezogen. Hervorzuheben ist, dass den SoundcheckPlanungen umfangreiche Recherchen über Musikvermittlungs-Ansätze in Großbritannien und den USA vorausgingen. Erreicht werden mit den Soundcheck-Angeboten derzeit etwa 1.000 Jugendliche in der Region. Das Gewandhaus ist stolz auf die sich in der Folge der Aktivitäten abzeichnende Trendwende: Während die allgemeinen Besucherzahlen in vielen Opernhäusern sinken, konnten in Leipzig zehn Prozent mehr Eintrittskarten an Jugendliche verkauft werden. Es gibt über 300 jugendliche Abonnenten, und die Zahl der an Jugendliche verkauften Einzel­

zwischen 1.000 und 5.000 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal Übertragbarkeit Mittel Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

2005 	 2006 	 2007 	
Mitarbeiter 	

Organisation	

als auch auf innovative Ideen (krea­ ive Musikt projekte mit Schulklassen, Musikfeste). Viele Maßnahmen beschränken sich auf wenige Stunden. Es gibt jedoch auch Kooperationen, die ein halbes Jahr intensive Zusammenarbeit zwischen Schülern und Orchestermitgliedern beinhalten. Für junge Erwachsene wurde eine „HÖRbar“ eingerichtet. Sie gibt jungen Hörern im Foyer des Gewandhauses die Möglichkeit, kostenlos klassische Musik auf ihren iPod zu laden. Im „Blindtest“-Verfahren, d.h. ohne etwas über die Komponisten und Werke zu erfahren,

29.000	 29.000	

27.000	

60.000 62.000

Hauptamtliche	 Honorarkräfte	 Ehrenamtliche 	

Organisation	 273	 0	 18	

Projekt 60 2 1

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

tickets liegt bei annähernd 8.000. Die Aktivitäten in Schulen und Kitas haben ihren Schwerpunkt im Leipziger Stadtgebiet, werden aber auch im Umfeld nachgefragt. Die langfristigen Wirkungen im Hinblick auf die nachhaltige Gewinnung junger Menschen für die Klassik lassen sich nur schwer messen. Doch dass die Aktivitäten bei der jungen Ziel-

angespannter Haushaltslage ist ein Zeichen dafür, dass man es ernst meint. Das Projekt wird etwa zur Hälfte mit öffent­ lichen Mitteln und aus Eintrittsgeldern finanziert, einen geringen Teil machen Sponsorengelder und Zuwendungen von Stiftungen aus. Es fehlt an Mitteln zur Anschaffung von Instrumenten und von Technik. Ferner sollen die Soundcheck-Maßnahmen zukünftig verstärkt evaluiert werden. Auch hierfür wünscht man sich finanzielle Unterstützung. Die Erfahrungen in Leipzig könnten auch an anderen Orten genutzt werden.

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

gruppe ankommen, ist in den regelmäßigen Befragungen und Rückmeldungen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein­ drucksvoll dokumentiert.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

Empfehlungen: Angebote zur Musikvermittlung sind auch ein effektives Marketinginstrument Soundcheck setzt auf eine sowohl konventionelle als auch innovative Vielzahl von Maßnahmen. Das junge Publikum spricht auf die neuen Angebote an. Die Schaffung einer Vollzeitstelle für Musikvermittlung bei insgesamt

F/C F/F Ö

min V/S	

max

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s

Finanzierungsquellen der Organisation 46,5 % ZÖH

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

0,4 % Z

ZS/V 0,2 % SG 3,3 %

hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam

LE 49,6 %

mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Z ZS/V	 uwendungen von
LE	

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen Zinserträge öffentlicher Hand

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

	

Z	

ZÖH	 Zuwendungen aus SG	 Sponsorengelder

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

www.phineo.org

interkulturelle jugendarbeit mit musik
InitiativGruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V.

•	 Musik

als Medium der Integration für

Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund
•	 Organisation

mit langjähriger Erfahrung

in der Bildungsarbeit
•	 Unterricht

auch an türkischen, kurdischen als Bildungs- und Kultur­

und persischen Instrumenten
•	 Musikprojekte

angebot sowie als Plattform für kulturellen Austausch

Herausforderung: Fehlende Unterrichtsangebote für Jugendliche mit Migrations­ intergrund h Jungen Menschen mit Migrationshintergrund wird eine hohe Kompetenz abverlangt, unterschiedliche Lebenswelten miteinander zu vereinbaren. Diese Kinder und Jugendlichen
Die Organisation

und technische Hintergründe vermittelt. Es soll nicht nur ein Instrument gelernt werden: Musik wird verstanden als Medium interkul­ tu­ eller Verständigung und zugleich als r Möglichkeit zum Erwerb von Schlüsselkom­ petenzen. Die Kursgebühren können durch die Bezuschussung niedrig gehalten werden und liegen pro Kind und Stunde bei etwa vier Euro.

haben es in Deutschland häufig schwer, Kurse zu finden, welche die Musik aus ihren ursprünglichen Kulturkreisen zum Thema haben. Deshalb können Angebote, die die Musik verschiedener Kulturen miteinander in Austausch bringen, aktiv zur Integration junger Menschen und zum interkulturellen Dialog beitragen.

InitiativGruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V. Gründungsjahr: 1971 Kontakt Levent Askar Karlstraße 50 Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.)

Resultate: Mehr Nachfrage als Kapazitäten Die Arbeit der IG wird durch ständiges Qualitätsmanagement begleitet. Es werden Teilnehmerbefragungen und Feedbackgespräche durchgeführt. Die Nachfrage nach Kursen

80333 München

T + 49 . (0)89 54 46 71 71 www.initiativgruppe.de Das Projekt Erreichte Personen:

l.askar@initiativgruppe.de

Handlungsansatz: Mit Musik das Eigene entdecken, Fremdes kennen lernen Die Initiativgruppe (IG) Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V. besteht bereits seit 35 Jahren. Sie bietet Menschen ausländischer Herkunft im Raum München ein umfassendes Bildungsangebot. Die Musikkurse der IG wenden sich an Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Im Zentrum des Konzepts steht Instrumental45.000 50.000 Projekt

übersteigt die personelle und räumliche Kapazität des Vereins. Es steht ein kleines Tonstudio zur Verfügung, in dem nicht nur Mitschnitte angefertigt werden können, sondern anhand der Musikbearbeitungsprogramme der Umgang mit Computern und spezieller Software ganz selbstverständlich gelernt wird. Die Beschäftigung mit Musik wird als wichtige Maßnahme zur Integration verstanden: Der eigene kulturelle Hintergrund kann als positiver Wert entdeckt, „andere“ Musik als etwas Interessantes kennen gelernt werden. Der Blick fokussiert sich besonders auf das Entdecken und Fördern der Potenziale der Teilnehmer – als positiven und motivierenden Kontrast zu der alltäglichen Konfrontation mit den eigenen Defiziten. Erreicht werden derzeit etwa 120 Kinder und Jugendliche. Der Musik-Gruppenunterricht

zwischen 100 und 500 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal Übertragbarkeit Mittel Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

2005 	 2006 	 2007 	
Mitarbeiter 	

Organisation	

und Gesangsunterricht durchaus klassischen Zuschnitts, allerdings mit einem das Übliche überschreitenden Angebot an Instrumenten: So gibt es nicht nur Gitarren- und Keyboardkurse, sondern auch Unterricht an den Instrumenten Daf (kurdische Trommel), Tonbak (persische Trommel) und der türkischen Laute Saz. Auch die Bandworkshops beziehen türkische Folkore ebenso ein wie „Balkan Pop“. Zusammen mit dem Spiel werden das Notensystem sowie musiktheoretische

3.500.000	 4.100.000	 6.100.000	

70.000

Hauptamtliche	 Honorarkräfte	 Ehrenamtliche 	

Organisation	 275	 77	

Projekt 4 3

360	

6

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

steigert die Konfliktlösungs- und Konzentra­ tionsfähigkeit und interkulturelle Kompetenzen. Da das Erlernen eines Instruments Ausdauer und Geduld erfordert, trägt es dazu bei, die persönliche Frustrationstoleranz zu erhöhen. Die Initiativgruppe begreift ihre Musikprojekte als Bildungsangebot, Kulturangebot und

Organisation als Bildungs- und Sozialeinrichtung schafft ein Umfeld, das von Kindern und Jugendlichen mit (und ohne) Migrationshinter­ grund angenommen wird. Dabei wählt die IG einen stärken- und ressourcenorientierten Ansatz. Die Kinder und Jugendlichen können ihre Talente und Fähigkeiten entfalten und entwickeln. Eine private Förderung und Unterstützung solcher Maßnahmen wird immer wichti­ er, denn die g öffentlichen Haushalte sparen hier leider viel zu sehr. Die Finanzierung der Honorarkräfte der IG für die Musikkurse ist ein nicht dauerhaft gelöstes Problem. Spenden würden hier helfen. Außerdem wäre eine Erweiterung und quali-

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

als Plattform für den kulturellen Austausch. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, den „Kompetenznachweis Kultur“ zu erwerben, der im Rahmen von Bewerbungen nützlich sein kann. Außerdem sind berufsrelevante Qualifikationen im Bereich der Musik- und Veranstaltungstechnik möglich.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

Empfehlungen: Ohren öffnen für andere Kulturen Das Besondere und Förderungswürdige in der musikbezogenen Arbeit der IG liegt unter anderem im Musikunterricht an orientalischen Instrumenten. Das Selbstverständnis der
min max

tative Verbesserung des räumlichen Angebots wünschenswert. Die Organisation verfügt über das DZI Spenden-Siegel.

F/C F/F Ö

L/P	 Leitungsgremium und 

V/S	

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Finanzierungsquellen der Organisation

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

1% ZS/V SG 1% LE 10 %

S 1% M 2%

85 % ZÖH

Zuwendungen von ZS/V	
M	

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

Mitgliedsbeiträge

LE	

	

ZÖH	 Zuwendungen aus

öffentlicher Hand Spenden Sponsorengelder

S	

SG	

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

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jeunesses musicales deutschland
•	 Ergänzende

Jeunesses Musicales Deutschland e.V.
Angebote zwischen der

Nachwuchsförderung in Musikschulen und der Ausbildung in Musikhochschulen
•	 Interessenvertretung

junger Musiker auf

Bundesebene
•	 Musikalische

Bildung als wesentliche Grund­

lage der Persönlichkeitsbildung, des sozialen Miteinanders und der Völkerverständigung
•	 Mitbegründer

und Partner von „Jugend

musiziert“

Herausforderung: Über die Institutionen hinweg Musikalische Bildung soll Kreativität und Engagement wecken. Dazu braucht es Innovation, Begegnung und Impulse von außen. Austausch auf regionaler, bundesweiter und internationaler Ebene ist deshalb entscheiDie Organisation

unter professionellen Bedingungen junge Talente in allen Opernberufen. Die Förderung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: „Fundament unserer Arbeit ist die Überzeugung, dass musikalische Bildung und die verbindende Kraft der Musik wesentliche Grundlagen der Persönlichkeitsbildung und des sozialen Miteinanders bilden“.

dend für die Entwicklung einer dynamischen musikalischen Jugend. Hierfür ist eine Organisation erforderlich, die Begegnungen initiiert und koordiniert und entsprechende Kurse für junge Musiker anbietet. Hier hat die Jeunesses Musicales Deutschland ihr zentrales Betätigungsfeld – ebenso wie als „Stimme“ der musikalischen Jugend gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

Jeunesses Musicales Deutschland e.V. Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr: 1951 Kontakt Dr. Ulrich Wüster, Generalsekretär Marktplatz 12 97990 Weikersheim

Resultate: „Die Echtheit des musikalischen Tuns“ Die Resultate der Arbeit von Jeunesses Musicales Deutschland sind gelegentlich sehr deutlich sichtbar: Etwa durch Ermöglichung und Organisation der bisher vier DeutschlandTourneen des gefeierten Venezolanischen Jugendorchesters mit Gustavo Dudamel. Neben

T + 49 . (0)7934 99 36 22

wuester@jeunessesmusicales.de www.jeunessesmusicales.de Das Projekt Erreichte Personen: zwischen 5.000 und 10.000 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal, regional, landesweit, bundesweit, international

Handlungsansatz: Die Persönlichkeit fördern Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) ist die deutsche Sektion der Jeunesses Musicales International. Diese wurde während des Zweiten Weltkriegs in Brüssel mit dem Ziel der friedlichen internationalen Begegnung junger Musiker und der Völkerverständigung gegründet. Der Verein nimmt eine bedeutende Funktion zwischen der Breiten- und Spitzenförderung junger Musiker wahr. Die JMD ist unter anderem der Fachverband der Jugendorchester in Deutschland und aktives Mitglied des Deutschen Musikrats. Ein breites Angebot hochwertiger Kurse für junge Orchesterprofis zielt auf Qualität, erlebnisbetonten Zugang zur
Organisation = Projekt 100 23 Organisation = Projekt

der rein musikalischen Qualität wurden durch diese Tourneen neue Möglichkeiten (und die Notwendigkeit) von Jugendorchesterarbeit eindrucksvoll vor Augen geführt. Ein anderes Beispiel sind die zehn (Freiluft-)Aufführungen zum Abschluss der „Jungen Oper Schloss Weikersheim“. Sie erreichen bis zu 12.000 Besucher. Weil hier unter Realbedin­ ungen g gearbeitet wird, ergeben sich für die jungen Musiker, aber auch für Nachwuchs-Regisseure, Bühnenbildner u.a. Praxiserfahrungen, die für den Einstieg in das Berufs­ eben nützlich l sind. Deutlich wird, dass JMD gezielt da ansetzt, wo der akademische Ausbildungsbetrieb Defizite aufweist, und dem Musik­ etrieb aus b ihrer besonderen Stellung heraus wichtige Impulse zu geben vermag. Die Ergebnisse der Arbeit von JMD werden regelmäßig durch Befragungen und in Feedbackgesprächen evaluiert. Hier wird ein hohes Maß an Zufriedenheit dokumentiert. Natur­ gemäß schwer zu ermitteln sind die nachhal­

Übertragbarkeit Mittel Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

2005 		2.700.000 2006 		2.200.000 2007 		2.300.000
Mitarbeiter 	

Musik und Eigenverantwortung der jungen Musiker. Von besonderer Bedeutung sind die Internationalen Sommerkurse auf Schloss Weikersheim: Als mehrwöchiges Großprojekt fördert die „Junge Oper Schloss Weikersheim“

Hauptamtliche		 Honorarkräfte		 Ehrenamtliche 		

40

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

tigen Wirkungen, gerade wo es um die Auswirkungen auf die Persönlichkeitsbildung der Teilnehmer geht. Der Anspruch der Organi­ sation ist hoch und zielt nicht in erster Linie auf die „circensischen Aspekte“ einer Virtuosenausbildung, sondern auf die „Echt­ eit des h musikalischen Tuns“.

bzw. rückläufig. Spenden und Zuwendungen von Stiftungen fließen in die Projekte und machen derzeit etwa 15 Prozent des Budgets (rund 350.000 Euro) aus. Die bereits sehr professionell aufgestellte Organisation möchte ihre Arbeitsprozesse noch effizienter machen sowie ihr Marketing und ihre Außenkommunikation verbessern, um ihre Mitgliederbasis auszubauen und mehr Aufmerksamkeit für

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

Empfehlungen: Potenziale ausbauen Weit mehr als eine Interessengemeinschaft der musikalischen Jugend ist die Jeunesses Musicales Deutschland eine Wertegemeinschaft im Zeichen der Musik. Die kontinuier­ liche Internationalität der Arbeit von JMD ist einmalig in Deutschland und ist auch darin begründet, dass sich die Organisation der Völkerverständigung verschreibt. Jeunesses Musicales Deutschland erhält zu etwa 60 Prozent Zuschüsse aus öffentlicher Hand, jedoch ist diese Förderung stagnierend

die Bedeutung der musikalischen Bildung zu erzielen. Sponsoren sucht die Jeunesses Musi­ ales Deutschland deshalb besonders für c die Professionalisierung ihrer Arbeit. Zustiftungen in die noch junge Jeunesses Musicales Stiftung sind eine Maßnahme mit dauerhafter Wirkung.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

F/C F/F Ö

min V/S	

max

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Finanzierungsquellen der Organisation 4,5 % S

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

ZS/V 10 % SG 0,5 % LE 20 %

6,5 % M

ZÖH 58,5 % ZS/V	 uwendungen von Z M	

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen öffentlicher Hand

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

Mitgliedsbeiträge

LE	

	

ZÖH	 Zuwendungen aus S	

Spenden

SG	 Sponsorengelder

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

www.phineo.org

kifrie musiketage
•	 Hoher

Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.

Bedarf an Angeboten zur Integration als Treffpunkt für ältere Kinder und

im Stadtteil Friedenau
•	 Musik

Jugendliche unterschiedlicher Herkunft, behinderte und nicht behinderte Jugendliche
•	 Nachbarschaftsheim

Schöneberg stärkt der

Kifrie Musiketage den Rücken
•	

E  ine nicht öffentliche Grundfinanzierung könnte die Existenz nachhaltig sichern

Herausforderung: Zwischen Villenviertel und „sozialem Brennpunkt” Das Nachbarschaftsheim Schöneberg liegt an der Grenze der Bezirke Friedenau und Tempelhof-Schöneberg. Zwischen VillenDie Organisation Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr: 1949 Kontakt Anja Henatsch, Leitung der Kifrie Musiketage Holsteinische Straße 30 12161 Berlin T + 49 . (0)30 855 10 91

tung, jeden Abend wird die Musiketage zum Probenraum für Jugendbands. Aus der praktischen musikalischen Arbeit ergeben sich speziellere Ausbildungs- und Erfahrungsangebote, etwa im Bereich Tontechnik, Computer, Videotechnik und Veranstaltungsmanagement.

viertel und sozialem Brennpunkt findet man hier eine extrem heterogene Sozialstruktur. In Friedenau sind 24 Prozent der Bevölkerung Kinder und Jugendliche, ca. 14 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Es gibt ein vielfältiges Konfliktpotenzial. Angebote zur Betreuung und Integration fehlen: für die unterschiedlichen Milieus, Altersgruppen und für Behinderte und Nichtbehinderte. Resultate: Verantwortung im Proberaum Insgesamt besuchen ca. 120 Kinder und Jugendliche die Musiketage, es werden je sechs Schlagzeug- und Gitarrenkurse angeboten. Es gibt zwei stark nachgefragte Straßenmusikgruppen und Rap-Workshops, Computer- und Videokurse. Handlungsansatz: Jugendliche als „Akteure ihrer eigenen Realität” Viele Jugendzentren bieten neben vielem anderen auch Musik an. Die „Musiketage“ (als Teil des Schöneberger Nachbarschaftsheims) setzt hier den Schwerpunkt. Musik wird nicht nur als Bildungsgut begriffen, sondern als Möglichkeit der Kommunikation zwischen Partnern mit sehr unterschiedlichem HinterDie Kinder und Jugendlichen lernen Keyboard, Gitarre oder Schlagzeug, bei der Formierung von neuen Bands wird geholfen. Die Arbeit im Probenraum erfolgt dann größtenteils in eigener Verantwortung. In einer eigenen Gruppe werden jugendlichen Musikern mit Behinderungen Kreativität und Erfolgserlebnisse beim Musizieren ermöglicht. Depressive und autoaggressive Tendenzen werden abgeschwächt, die Fähigkeit zu Konzentration und körperlicher Koordination gestärkt. Nonverbale Kinder und Jugendliche entdecken in der Musik neue Kommunika­ tionsformen. Die Einrichtung vermittelt „ihre“ Bands auf Nachfrage an private Feiern oder Stadtteilfeste; die Jugendlichen nehmen diese Auftrittsmöglichkeiten gerne an. Gerade im Umgang

kifrie@nachbarschaftsheim-schoeneberg.de www.nachbarschaftsheim-schoeneberg.de

Das Projekt Erreichte Personen: zwischen 100 und 500 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal Übertragbarkeit Hoch Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

2005 	 2006 	 2007 	
Mitarbeiter 	

Organisation	

16.200.000	 19.000.000	 17.500.000	

85.000 85.000 85.000

Projekt

grund. Die Musiketage versteht sich als offener Jugendtreff für Kinder und Jugendliche, die sich über musikalische Aktivitäten positiv erfahren sollen. Es gibt spezielle Behindertengruppen. Der Ansatz ist integrativ, wofür es einen erheblichen Bedarf gibt. Die konkreten Angebote ergeben sich aus dem jeweiligen kulturellen Hintergrund und der Nachfrage der Teilnehmer. Ein deutlicher Akzent liegt auf Rock-, Hip-Hop und Rap- sowie Straßenmusik. Die Jugendlichen sollen sich als „Akteure ihrer eigenen Realität“ erfahren, Möglich-

Hauptamtliche	 Honorarkräfte	 Ehrenamtliche 	

Organisation	 600	 550	 105	

Projekt 3 – 4 6 1

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

keiten des Selbstausdrucks ebenso kennen lernen wie gegenseitige Akzeptanz. Nachmittags laufen Kurse in der Einrich-

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

mit Jugendlichen, die Defizite im Sozialverhalten mitbringen, erweist sich die Erfahrung, Teil einer Band oder Musikgruppe zu sein, als nachhaltig positiv. Die Musik bietet ein für viele oft anders kaum mögliches Erlebnis, sich selbst auszudrücken. Das bezieht sich auch auf die Texte: Geschildert wird ein Fall, in dem zunächst extrem

probleme jährlich neu begründet werden. Doch das Nachbarschaftsheim Schöneberg stärkt der Kifrie Musiketage den Rücken. Auch bei knappen Finanzen will man Wege finden, dieses sozialpädagogisch wichtige Angebot in Friedenau zu erhalten. Bislang können die Kursbeiträge weit unterhalb eines regulären Musikschulbeitrags gehalten werden. Dies soll auch so bleiben, um möglichst allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Musik zu ermöglichen. Ein kleiner Teil der Erlöse aus den vermittelten Bandauftritten kommt auch der Einrichtung zugute.

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

brutale und diskriminierende Rap-Zeilen im Verlauf des Workshops umgedichtet wurden, aus der Einsicht, „es ja so gar nicht zu meinen“.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

Empfehlungen: Es fehlen Probenräume und Personal Die Finanzierung von Kifrie erfolgt zu 90 Pro­ zent aus öffentlicher Hand. Die Fortführung des Projekts, das zwei Halbtagsstellen unterhält, muss angesichts der Berliner Haushalts-

Es gibt, neben dem vordringlichen Wunsch nach einer Sicherung der Grundfinanzierung, einen erheblichen Bedarf vor allem an wei­ teren Probenräumen, einem verbesserten Ton­ studio und an einer Aufstockung der Honorarkräfte: „Wir brauchen jemanden, dem es etwas wert ist, dass hier 120 Kinder und Jugendliche ein regelmäßiges Musizierangebot haben.“

F/C F/F Ö

min V/S	

max

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam
ZÖH 93 %

Finanzierungsquellen der Organisation 0,5 % M ZS/V 3% LE 3% S 0,3 % SG 0,3 %

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

ZS/V	 uwendungen von Z M	

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen öffentlicher Hand

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

Mitgliedsbeiträge

LE	

	

ZÖH	 Zuwendungen aus S	

Spenden

SG	 Sponsorengelder

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

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das klingende museum
•	 „Versorgungslücke“

Das Klingende Museum in Berlin e.V.

für musikalische mit Instrumenten für

Angebote wird geschlossen
•	 „Erstbegegnungen“

Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 16 Jahren
•	 Hemmschwellen

zu aktivem Musizieren

und Instrumenten werden überwunden
•	 Hohe

Breitenwirkung in Berlin, mit

Gastspielen bei der RuhrTriennale und den Salzburger Festspielen

Herausforderung: Wie klingt eigentlich ein Pferdehaar? Viele Kinder und Jugendliche haben in ihrem Leben nie eine Geige in der Hand gehabt oder je in ein Blechblasinstrument gepustet. In den Schulen fällt Musikunterricht in teils
Die Organisation Das Klingende Museum in Berlin e.V. Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr: 2002 Kontakt René Gruschinski, Projektleitung Schinkestraße 8 – 9 12047 Berlin

An Bord sind qualifizierte Musikbotschafter, die sicherstellen, dass die Begegnung zwischen Instrumenten und Kindern vor allem Spaß bringt und es beim lustvollen Abbau von Hemmschwellen nicht zu Bruchlandungen kommt. Der Wirkungskreis des Klingenden Museums ist Berlin. Hier bestehen inzwischen Kontakte zu 150 Kitas und Schulen, insbesondere zu Grundschulen. Doch auch Leistungskurse an Gymnasien sind mit von der Partie. Das Klingende Mobil fährt zudem bundesweit Veranstaltungen und Schulen an. Nachahmer gibt es bereits in Ländern wie Österreich und Polen, aber auch Kambodscha und Japan.

drama­ ischem Umfang aus, oft fehlt es an der t Ausstattung, um Schülern den „Erstkontakt“ mit einem Instrument zu verschaffen. In den „bildungsfern“ geprägten Stadtteilen von Berlin verschärft sich diese Mangel-Situation: Musik über das Selbermachen zu erleben ist keineswegs etwas Selbstverständliches.

T + 49 . (0)30 39 99 35 22

info@klingendes-museum.de www.klingendes-museum.de

Handlungsansatz: „Anfassen, reinblasen, draufhauen“ Seit 2002 gibt es in Berlin ein „Klingendes Museum“. Ein Doppeldeckerbus wurde in „Das Klingende Mobil“ verwandelt: eine Musik­ instrumentensammlung auf vier Rädern und zwei Etagen. Mehr als 50 Instrumente: Alles, was man zum Klassik-, Rock- und Jazzspielen braucht. Das Klingende Mobil fährt Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen an und sorgt regelmäßig für Begegnungen der musikalischen Art. Es geht nicht um Musik­ nterricht, u sondern vor allem darum, etwas auszupro­ bieren. „Anfassen, reinblasen, draufhauen“ heißt das Motto. Es heißt aber auch: zuhören, wenn ein anderer spielt. Inzwischen hat das Klingende Museum einen festen Ort in der Berliner Gartenstadt Atlantic. Wochentags sind hier jeden Tag Schulklassen und Kitas zu Besuch. Außerdem können an jedem 1. Samstag im Monat Familien beim Open House auf musikalische Entdeckungsreise gehen. An jedem 3. Samstag im Monat erlauben Workshops eine Vertiefung der musikalischen Erfahrung
72.000 31.000

Resultate: 100.000 musikalische Erst-Erfahrungen Die Wartezeit für Musikschulen in Berlin beträgt inzwischen 24 Monate, gleich welches Instrument man lernen möchte. Offenbar fehlt es nicht am Interesse, sondern an einer aus­ reichenden Infrastruktur für musikalische Angebote. In dieser „Versorgungslücke“ agiert das Klingende Museum Berlin. Bis heute hat das Klingende Mobil in achthundert Einsätzen ca. 100.000 musikalische (Selbst-)Erlebnisse vermittelt, oft die aller­ ersten. Manchmal sicher nicht die letzten. Die Idee, getragen von einem kompetenten, ehrenamtlich arbeitenden Team, ist einfach und wirksam.
•	 Ein

Das Projekt Start des Projekts: 2002 Erreichte Personen: 9.000 pro Jahr direkt 10.000 pro Jahr über Veranstaltungen Wirkungsregion Lokal (Berlin), bundesweit Übertragbarkeit Hoch Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

2006 		 2007 		 2008 		
Mitarbeiter 	

Organisation = Projekt

49.800

Hauptamtliche		 Honorarkräfte		 Ehrenamtliche 		

Organisation = Projekt 20 2

Instrument in der Hand zu halten, öffnet

einen unmittelbareren Zugang zum Thema Musik als „nur“ den Könnern zuzuhören.
•	 Das

5

Ausprobieren fördert Selbstwahrneh-

mung und Selbstbewusstsein: „Das kann ich auch.“

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

(nach Voranmeldung). Den Doppeldeckerbus konnte man nicht halten, stattdessen fährt jetzt ein Kleinbus als Klingendes Mini-Mobil.

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

•	 Gleichzeitig

wird die Notwendigkeit erfah­

klassen den Besuch des Klingenden MiniMobils. Eine Spende in Höhe von 150 Euro schafft die Voraussetzung dafür, dass allen Kindern einer Kita unterschiedliche Instrumente näher gebracht werden. Die Konzeption ist unkompliziert und leicht auf andere Städte und Einsatzfelder zu übertragen. Zweifelsfrei ist eine hohe Breitenwirksamkeit gegeben, da viele Kinder und Jugendliche erreicht werden. Offen bleibt die Frage, inwiefern die positive Erfahrung im Klingenden Museum zu einem aktiven Musizieren hinführt. Der musikpäda-

ren, auch mal still zu sein, um bei den ande­ ren zu lauschen.
•	 Nur

über einen kompetent begleiteten

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

Erstkontakt können sich Verständnis für und Interesse an einem Instrument entwickeln.
•	 Das

Klingende Museum Berlin kann, ange-

sichts der fehlenden schulischen Angebote, diese nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen und als Stimulus wirken.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Empfehlungen: Unkompliziert, einleuchtend und übertragbar Das Klingende Museum Berlin wird vollständig privat finanziert und von Spenden sowie eigenen Einnahmen getragen. Wesent­ icher l Teil des Finanzierungskonzepts ist die Bereitstellung der Instrumentenausstattung durch Sponsoren. Soziale Investoren können das Klingende Museum wirksam bei der Finan­ ie­ z rung der Räumlichkeiten in der Gartenstadt unterstützen. Zur Förderung des kulturellen Austausches möchte man zudem einen Satz

gogische Einsatz des Klingenden Mobils wird derzeit im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung wissenschaftlich begleitet. Der Verein wurde als ein „Ort im Land der Ideen 2007“ von der gleichnamigen Initiative unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

F/C F/F Ö

min V/S	

max

orientalischer Instrumente anschaffen. Ca. 13.000 Euro wären hierfür erforderlich. Eine Spende von 225 Euro ermöglicht zwei Schul-

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s

Finanzierungsquellen der Organisation

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

45,9 % LE

M 2,46 % Z 0,02 %

hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam

S 51,61 % M	

mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Mitgliedsbeiträge Leistungsabhängige Einnahmen Zinserträge Spenden

LE	

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

	

Z	 S	

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

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lukulule – musik und tanz für jugend
Lukulule e.V.

•	 Kulturarbeit

mit Kindern und Jugendlichen

im „sozialen Brennpunkt“
•	 Stärkung

von Sozialkompetenzen: „Wir sind

eine Art Lebensschule“
•	 Musik-

und Tanzprojekte als nachhaltige

Gewalt- und Suchtprävention
•	

E  ine kontinuierliche Grundfinanzierung des Vereins würde die Ausweitung der Aktivitäten (z.B. Freizeitangebote in den Ferien) ermöglichen

Herausforderung: Potenziale entdecken Das Hamburger Schanzenviertel ist, was man einen „sozialen Brennpunkt“ nennt: hoher Anteil von Migrantenfamilien, Bezieher von Sozialleistungen und ALG II, viele Kinder und Jugendliche, die zu den „sozial Benachteiligten“
Die Organisation Lukulule e.V. Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr: 2004 Kontakt Gardy Stein-Kanjora, Projektentwicklung Heinrichstraße 14 22769 Hamburg

sein soll gefördert und eine positive Einstellung zum „Miteinander“ gefunden werden. Über die Musik werden Themen des täglichen Lebens angespielt: Liebe, Freundschaft, Streit, Wut, Eltern, Drogen, Sexualität. Aus den Emotionen, die hier freigesetzt werden, entstehen sehr persönliche Texte und Songs, die in größeren Zusammenhängen, vor allem als Musicals, realisiert werden.

gezählt werden. Hier hat Lukulule seine Wurzeln: eine außerschulische Einrichtung, die bei ihren Teilnehmern Potenziale sucht (und findet), die in der Schule oft nicht erkannt werden. Für das Leben stark machen, heißt die Devise – in einer Gegend, in der man stark sein muss, um sich im Leben zurechtzufinden.

Resultate: Von Hafenengeln und Paradieskindern Lukulule – der Name enthält die für die Arbeit wesentlichen Stichworte: „LUst durch KUnst – LUst am LEben“. Im Zweifelsfall bekommt das

T + 49 . (0)40 25 48 45 09 lukulule@web.de www.lukulule.de Das Projekt Erreichte Personen: zwischen 100 und 500 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal Übertragbarkeit Mittel Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

Handlungsansatz: Ventile für viel Wut im Bauch Der Verein Lukulule besteht seit 2004; er ging hervor aus einem offenen Chorprojekt („Humanity Private House“), bei dem sonntags etwa 20 Kinder internationale Lieder sangen, tanzten, selbst neue erfanden. Aus der Idee, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für den eigenen Nachwuchs nach dessen Bedürfnissen zu schaffen, wurde ein Projekt für die Kinder des Stadtteils. Die Wohnzimmer-Unternehmung wuchs zu einer „Lebensschule“ für alle. Die Kinder erfahren Wertschätzung, sie erleben, dass sie etwas können. Sie bekommen die Chance, aus den destruktiven Zirkeln herauszufinden, in denen viele stecken. Die musi­ a­ ische Arbeit zielt auf Fragen der Lek l benswirklichkeit, es geht nicht vor allem um schöne Töne, sondern um Gewaltpräven­ ion, t Toleranz, die Möglichkeiten, auch gegen Widerstände etwas zu schaffen. Selbstbewusst60.000 80.000 95.000

Leben die Vorfahrt vor der Kunst: Erstes Ziel ist, Kindern und Jugendlichen den Rücken zu stärken. Adressaten sind Kinder ab vier und Jugendliche bis 18 Jahre. Der musikalische Akzent liegt klar auf der Populärkultur: An­ geboten werden Kurse in Hip-Hop und Rap, Soul, Breakdance, Gesang & Tanz & Trommeln, Singer & Songwriter und verschiedene Chöre. Eine Sommerfreizeit ermöglichte auch Jugend­ lichen aus einkommensschwachen Familien eine das Selbstwertgefühl enorm steigernde Gestaltung der Ferien. Mit großem Erfolg wurden bereits mehrere selbst verfasste Musicals aufgeführt: Die Vorstellungen von „Hafenengel“ und „Paradieskind“ waren ausverkauft. Die Zusammenarbeit mit profes­ ionellen Mus sikern, Schauspielern und Regisseuren sichert einen hohen Qualitätsstandard – ohne dass das Ergebnis als etwas Fremdes wahrgenommen würde. Für viele ist es eine seltene Erfahrung, dass sich der Einsatz für eine Sache lohnt und dass man auf seine Leistung stolz sein kann. Das Projekt „Paradieskind“

2005 		 2006 		 2007 		
Mitarbeiter 	

Organisation = Projekt

Hauptamtliche		 Honorarkräfte		 Ehrenamtliche 		

Organisation = Projekt 12 1

12

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

wurde auf einer DVD eindrucksvoll dokumentiert.

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

Die Lukulule-Kurse werden von erfahrenen Musikern und Pädagogen geleitet. Die „Teamer“ werden für Sonderprojekte von pro­ fessio­ ellen Akteuren unterstützt. Sie sind n gehalten, jeden Kurstag zu dokumentieren, um Entwicklungen an die anderen „Teamer“ weiterzugeben. Die Auftritte des Vereins werden mittlerweile von einer großen Öffent­ ich­ l keit wahrgenommen.

werben von Mitteln. Eine Halbtagskraft kümmert sich um Fundraising. Eine Mitarbeiterin hat eine Fortbildung zum Thema Evaluation besucht. Das Projekt kooperiert mit mehreren Hamburger Schulen. Damit wird eine Lücke gefüllt, die fehlender Musikunterricht dort hinterlässt. Spenden in der Größenordnung von 10.000 Euro werden für eine 14-tägige Ferienfreizeit

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

Empfehlungen: Kinder stark machen Das Projekt Lukulule erhält trotz seiner pädagogischen Erfolge keine Zuschüsse aus öffentlicher Hand; etwa ein Drittel des Etats kommt von der Hamburger Bürgerstiftung, 20 Prozent von Unternehmen, 35 Prozent aus Spenden. Davon werden eine Vollzeitstelle und etwa zwölf Honorarkräfte finanziert. Das Engagement von Ehrenamtlichen ist beachtlich. Der Verein lebt inhaltlich sehr stark vom Einsatz seiner Mitglieder. Finanziell lebt er „von der Hand in den Mund“, ist aber geschickt im Ein-

für 40 Kinder gebraucht, 3.000 Euro würden für eine Weiterbildung zum Mediator in einem „Streitschlichter­ eminar“ beim Institut für s Konfliktmediation eingesetzt. Zusätzlich würde man gern weitere Gruppenräume anmieten, um der Nachfrage der Kinder und Jugend­ lichen nachkommen zu können.

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

F/C F/F Ö

min V/S	

max

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s

Finanzierungsquellen der Organisation

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

20 % SG

ZS/V 30 %

hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam

15 % LE ZS/V	 uwendungen von Z LE	

S 35 %

mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen Spenden

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

	

S	

SG	 Sponsorengelder

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

www.phineo.org

junges t musik­ heater hamburg
•	 Bei

Junges Musiktheater Hamburg e.V.

Kindern das Interesse an der Oper wecken, von klassischem Musiktheater –

unter Einbeziehung von Eltern und Lehrern
•	 Angebot

auf die Bedürfnisse einer jungen Zielgruppe zugeschnitten
•	 Theaterclub •	 Mit

ermöglicht eigene Inszenierungen

Spenden zum Beispiel die Atmosphäre im

eigenen „Opernloft“ aufwerten

Herausforderung: Oper im „Silbersee” Im Opernhaus blickt man zunehmend auf graue Haare; längst hat sich das Wort vom „Silber­ ee“ etabliert. Die Besucherstatistiken s ergeben ein eindeutiges und trauriges Bild:
Die Organisation Junges Musiktheater Hamburg e.V. Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr: 2002 Kontakt Inken Rahardt, Künstlerische Leitung Conventstraße 8 – 10 22089 Hamburg

steht das „ästhetische Erlebnis“, und das soll keinesfalls „bieder-betulich“ ausfallen. Das Angebot wird von einer vollzeitbeschäftigten Theaterpädagogin begleitet. Unterrichtsmaterialien für Kinder werden als Download angeboten, außerdem gibt es ein Angebot für Lehrerfortbildungen, die auf das Programm zugeschnitten sind. Zum Jungen Musiktheater gehört inzwischen auch ein Theaterclub, in dem Grundschul­ inder selbst eine Oper k erarbeiten können.

Der Altersdurchschnitt des Publikums von Konzerten und Opern wächst, im Bereich der klassischen „Hochkultur“-Angebote liegt er meist um die 60. Hier droht ein Traditionsfaden zu reißen. Wer nie eine Oper gesehen hat, wird sich auch später kaum dafür interessieren. Das klassische Angebot nimmt auf die Bedürfnisse der jungen Hörer oft wenig Rücksicht; das Angebot an Musiktheater für Kinder ist zu schmal.

Resultate: Ein besseres Image für die „Hochkultur“ Das Junge Musiktheater spielt pro Woche drei bis vier Vorstellungen im eigenen Haus (dem Opernloft in Hamburg-Eilbek) und gibt bun-

T + 49 . (0)40 25 49 10 40

Rahardt@junges-musiktheater.com www.junges-musiktheater.com Das Projekt Erreichte Personen: über 25.000 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal, regional, landesweit, bundesweit Übertragbarkeit Mittel Gesamteinnahmen (in EURO) 	

Handlungsansatz: „Kinder sind das Publikum von heute“ Dass Kinder und Jugendliche nur das Publikum von morgen sind, wenn sie als das Publikum von heute angesprochen werden, war die Idee, die 2002 zur Gründung des Vereins „Junges Musiktheater Hamburg“ führte. Der Handlungsansatz fußt auf einer Angebotsund Bedarfsanalyse: Es gibt zu wenig Oper für Kinder und zu wenig „kind­ erechte“ Oper. Das g Junge Musiktheater zeigt Opern in stark gekürzter Fassung: Kein Werk dauert länger als anderthalb Stunden. Ein kleines professionelles Sängerensemble wird kammermusikalisch
Organisation = Projekt 5 9 Organisation = Projekt

desweit jährlich etwa 40 bis 50 Gastspiele. Mit diesen Aktivitäten wurden im Jahr 2006 rund 50.000 Kinder und Jugendliche erreicht. Zielgruppe sind Kinder ab vier; für Jugendliche werden besondere Angebote gemacht. Freies Publikum und Schulklassen halten sich in den Vorstellungen etwa die Waage. Das Angebot der Lehrerfortbildung wird bislang noch wenig genutzt. Inhaltlich geht es den Initiatoren darum, Oper als Bildungsmodell ernst zu nehmen. Junges Publikum kann für diese Kunstform kaum dadurch gewonnen werden, dass Heranwachsende „unter elterlichen oder schulischen Zwängen in die samti­ en Polster eines Operng sessels gepresst werden und in bester Absicht auf positive Effekte für die kulturelle Kompetenz der Kinder und Jugendlichen spekuliert wird“. Das Junge Musiktheater will mit seinen Bearbeitungen auf eine ernsthafte Ausein-

2005 		 103.000 2006 		 142.000 2007 		 247.000
Mitarbeiter 	

begleitet. Inzwischen kann man im eigenen „Opernloft“ vor hundert kleinen und großen Zuschauern spielen. Bei der Umsetzung ins Taschenformat sollen keine Abstriche an der Qualität gemacht werden, im Vordergrund

Hauptamtliche		 Honorarkräfte		 Ehrenamtliche 		

2

Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

andersetzung des jungen Publikums mit den dargebotenen Stoffen hinaus. Damit zielt man auch auf eine Imageverbesserung für die

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

„Hochkultur“, der gelegentlich die Nähe und Relevanz für das eigene Leben abgesprochen werden. Die „Dringlichkeit“ der Sache Oper kann sich nur durch besonders motivierte Künstlerinnen und Künstler vermitteln. Insofern hängt der Erfolg des Konzepts stark am Engagement und dem Idealismus seiner Mitarbeiter.

beschäftigt neun Vollzeit- und fünf Honorarkräfte; außerdem engagieren sich 27 „AktivJobber“ aus einem Arbeitslosenprogramm der Stadt Hamburg. Wegen der Konzentration auf den Spielbetrieb kommen strategische Marketing- und Fundraising-Aktivitäten noch zu kurz. Eine wissenschaftliche Publikation zum Thema Kinder und Oper würde gerne erarbeitet. Weitere Spenden würden den Ausbau der neuen Räumlichkeiten in der Hamburger Innenstadt und eine Verbesserung der Technik des eigenen Hauses ermöglichen. Man wünscht sich eine feste musikalische Leitung und eine

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

Die Einrichtung befindet sich zur Zeit in einem Evaluierungsverfahren durch die Hamburger Kulturbehörde.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

Empfehlungen: Mehr Wirkung durch mehr Marketing Das Junge Musiktheater Hamburg trägt sich zum größeren Teil durch Einnahmen; vor allem die bundesweiten Gastauftritte spielen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung. Zuwendungen aus öffentlicher Hand (Stadt Hamburg) machen nur 15 Prozent aus; etwa sieben Prozent kommen von Stiftungen, acht

angemessene Anhebung der Sängerhonorare (für Proben gibt es für sie bisher kein Honorar), um organisatorische Abläufe zu verbessern.

F/C F/F Ö

min V/S	

max

Prozent aus Sponsorengeldern. Der Anteil von Privatspenden ist bislang gering. Der Verein

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

L/P	 Leitungsgremium und  A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s

Finanzierungsquellen der Organisation 15 % ZÖH

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

S 1%

ZS/V 7% SG 8%

hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam

69 % LE

mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Z ZS/V	 uwendungen von
LE	

Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen öffentlicher Hand

für Orientierung.
PHINEO · Plattform für Soziale Investoren: www.phineo.org

	

ZÖH	 Zuwendungen aus S	

Spenden

SG	 Sponsorengelder

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

© PHINEO  Stand: Juni 2009

werden, sind ausgeschlossen.

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ohrwurmprojekt
Ohrwurm e.V.
•	 Kinder

sollen für klassische Musik begeistert

werden
•	 Durch

Ohrwurm-Lehrerfortbildung werden mit hoher Breitenwirkung für Kinder Musiker binden die Kinder

nachhaltige Resultate erzielt
•	 Programm

aller sozialer Schichten
•	 Professionelle

interaktiv in die Konzerte ein

Herausforderung: Grundschullehrer: musikalisch oft nicht ausgebildet oder überqualifiziert Das Fach Musik hat es an Grundschulen besonders schwer: Nur ca. zehn Prozent der Pädagogen sind als Musiklehrer ausgebildet. Oft fehlt es an Know-how, um den Schülern
Die Organisation Ohrwurm e.V. Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr: 2002 Kontakt Christoph Ullrich, 1. Vorsitzender Hohe Brück 36 60437 Frankfurt

Die Kommunikation zwischen dem OhrwurmTeam und den Lehrern wird als entscheidend für den Erfolg der Unterrichtsprojekte gesehen. Die Konzerte werden jeweils von zwei bis vier ausgebildeten Musikern gestaltet. Ihre Professionalität gewährleistet ein sehr hohes Niveau der Konzerte.

musikalische Erlebnisse zu vermitteln. Zugleich haben auch professionelle Musiker oft Schwierigkeiten, einen pragmatischen Weg der Musikpädagogik zu finden. Das Frankfurter Ohrwurm-Projekt zielt darauf ab, den Musikunterricht in Grundschulen zu verbessern und Kinder für klassische Musik zu begeistern. Resultate: Hohe Reichweite, starke Nachhaltigkeit Zu den Stärken des Ohrwurm-Projekts gehört die Einbindung der kindgerechten Konzerte auf hohem künstlerischen Niveau in den vor­ bereitenden Unterricht, der sich über mehrere Wochen erstreckt. Pro Halbjahr werden 30 bis 40 Schulen „bespielt“. Das Repertoire wird ständig erweitert; derzeit gibt es acht Themen: Handlungsansatz: Drei Stufen zum Erlebnis klassischer Musik Ziel von Ohrwurm ist es, Kinder im Grundschulalter mit klassischer Musik in Berührung zu bringen. Es geht darum, einen (bei vielen Kindern: ersten) Impuls zu geben und Interesse für eine Musikrichtung zu wecken, die in der Lebenswelt vieler Kinder ansonsten oft nicht vorkommt. Das Wirkungsfeld Grundschule stellt sicher, dass Kinder aller sozialer Schichten erreicht werden. Pro Schulhalbjahr wird ein musikalisches Thema anhand von eigens dafür geschaffenem Unterrichtsmaterial erarbeitet. Das OhrwurmOrganisation = Projekt 17 0 94.500 85.500 85.500

T + 49 . (0)6101 433 03 c-ullrich@t-online.de www.ohrwurm-projekt.de Das Projekt Erreichte Personen: zwischen 10.000 und 15.000 Personen pro Jahr Wirkungsregion Lokal Übertragbarkeit Mittel Gesamteinnahmen (in EURO)	 	

Das Spektrum reicht von „Hornissimo“ über „Die Klarinette und das Buch der Träume“ und „Mozart“ bis zur „Tastenkatze“. Jährlich werden mit den Programmen 300 bis 400 Lehrer erreicht. 15.000 Kindern wird in ca. 140 Konzerten ein musikalischer Wurm ins Ohr gesetzt. Eine Evaluation des Projektes liegt derzeit nicht vor, es wird aber von durchgehend positiver bis begeisterter Aufnahme der Konzerte durch die Kinder berichtet. Dazu trägt bei, dass bei den Konzerten stark auf theatralische und interaktive Elemente geachtet wird. Vor allem nach Programmen, in denen es um einzelne Instrumente geht, wird bei vielen Kindern ein starkes Interesse an Instrumental­ unterricht festgestellt: „Acht Schüler meiner Klasse wollen jetzt Horn lernen“, berichtet ein Lehrer nach dem „Hornissimo“-Konzert. Die Lehrerfortbildungs-Angebote von Ohrwurm wurden vom Hessischen Institut für Qualitätssicherung offiziell akkreditiert. Und

2005 		 2006 		 2007 		
Mitarbeiter 	

Organisation = Projekt

Konzept basiert auf drei Säulen:
•	 Lehrerfortbildung: Die

Hauptamtliche		 Honorarkräfte		 Ehrenamtliche 		

Pädagogen von Ohr-

wurm e.V. coachen Grundschullehrer und bereiten auf das Thema vor.
•	 Konzertvorbereitender •	 Abschlusskonzert.

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Unterricht durch die

Lehrer oder das Ohrwurm-Team.
Hier investieren Sie in Wirkung. Mit Sicherheit an diese leistungsfähige Organisation spenden über www.phineo.org

Die Grafiken zeigen die Ergebnisse der Analyse des Projekts und der Organisation gegliedert nach den einzelnen Kriterien.

die Rückmeldungen der Lehrer sind überwiegend sehr positiv. Insofern zielen die Aktivitäten auf eine nachhal­ ige Verbesserung der t Musikausbildung an Grundschulen und sind sehr breitenwirksam.

längerfristig engagiert. Denn nur dann wird die Arbeit für das Ohrwurm-Team planbar, und es kann sich intensiver der Weiterentwick­ lung der pädagogischen Konzepte widmen. Um das künstlerisch beachtliche Niveau zu sichern, wäre eine angemessene Erhöhung

Einschätzung: Wirkung des Projekts Z/Z K/A Q min Z/Z	 Q	 max

Empfehlungen: Ausbau- und Anschlussmöglichkeiten nutzen Ohrwurm entfaltet, gemessen an den Möglichkeiten eines kleinen Vereins, eine starke Breitenwirkung. Die erfolgreiche Einbeziehung der Grundschullehrer trägt stark zur Nachhaltigkeit des Ansatzes bei. Die Kosten pro Kind sind ausgesprochen gering (drei bis vier Euro pro Schulhalbjahr). Die nötige finanzielle Ausstattung muss allerdings Jahr für Jahr neu eingeworben werden. Hauptgeldgeber sind derzeit vor allem Stiftungen. Als Hauptsponsor für das Programm „Die Tastenkatze“ konnte die Fraport AG gewonnen werden. Um die in­ haltliche Qualität langfristig zu sichern, wünscht sich Ohrwurm einen Unterstützer, der sich
min max

der Honorare für die Musiker geboten. Wünschenswert wäre auch, das erwachende Interesse der Kinder an Instrumentalunterricht zu unterstützen und Möglichkeiten zu schaffen, Instrumente selbst ausprobieren zu können. Hierfür sucht Ohrwurm nach Partnern.

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung

K/A	

Einschätzung: Leistungsfähigkeit der Organisation V/S L/P A

F/C F/F Ö

L/P	 Leitungsgremium und 

V/S	

Vision und Strategie Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling und Fundraising

A	

F/C	

F/F	 Finanzierungskonzept Ö	

Porträts guter Praxis
PHINEO stellt gemeinnützige Projekte und

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt
PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das

Öffentlichkeitsarbeit

Orga­ isationen als Beispiele guter Praxis in n un­ er­ chied­­ t s lichen Themenfeldern vor. Für die por­ rä­­­ t tierten Projekte gibt es im Vergleich zu den Mitbewerbern besonders viele Belege dafür, dass ihre Handlungsansätze positive Wirkungen und Re­ ultate erzielen. Darüber s hinaus haben die dahinter stehenden Organisationen ihre Leis­ ungs­­ t fähigkeit im Rahmen des Analyse­ er­­ v fahrens unter Beweis gestellt. Die Organisationen haben sich selbst für das dreistufige Verfahren (Online-­ ragebogen, F Informationsmaterialien, Vor-Ort-­ esuche) B beworben. Die Kriterien wurden gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie orientieren sich an den Wünschen Sozialer Investoren nach Trans­ arenz p und Wirkungsnachweisen gemeinnütziger Akti­ itäten. Die Analyse der gemeinnützigen v Organisationen und ihrer Projekte erfolgt vor dem Hintergrund umfangreicher Recherchen zu gesellschaftlichen Bedarfen, Förderlücken und Wirkungsmechanismen im jeweiligen Themenfeld. Dabei wird stets mit anerkannten Fach­ xperten zusammengearbeitet. e

Finanzierungsquellen der Organisation 69 % ZS/V

sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEO-Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organi­ ationen, Reports zu ausgewählten s Themen­ eldern, Ratgebern zum „Wie“ des f Gebens sowie individueller Beratung bietet
PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform

1% M

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Z ZS/V	 uwendungen von
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Stiftungen /  ereinen V Leistungsabhängige Einnahmen

für Orientierung.
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Mitgliedsbeiträge

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Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat bei den Kriterien Leitungsgremium und Personalmanagement, Aufsichtsgremien, Fin­ nzen und Controlling sowie Finanzierungs­ onzept und Fundraising im Analyseverfahren mitgewirkt. a k
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Bei dem vorgestellten Projekt und der dahinter stehenden Organisation handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einem Themenbereich, in dem viele weitere Organisationen aktiv sind. Die Informationen über die Organisation basieren auf deren eige­ en Angaben, eine vollständige Überprüfung ist trotz sorgfältiger Kontrollen n nicht möglich. PHINEO übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Finanzielle Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der Informationen zurückgeführt

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werden, sind ausgeschlossen.

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