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Full text: Brücken bauen

2010

5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

EDITORIAL
INTEGRATION BETRIFFT UNS ALLE!
In Deutschland verfügt heute mittlerweile fast hintergrund. Doch wie sieht eine gelungene Integration eigentlich aus? Mit dieser Frage jeder fünfte Einwohner über einen Migrationsansätzen arbeiten. In einem über einjährigen mehrstufigen Analyseverfahren haben die jektbewerbungen herausgefiltert. PHINEO-Analysten diese Projekte aus 50 Pro-

setzt sich die Politik hierzulande erst seit wenigen Jahren systematisch auseinander. Und das, obwohl die ersten „Gastarbeiter“ bereits 1955 angeworben wurden und viele Migranten Noch immer jedoch weisen Menschen mit Miim Bildungs- und Ausbildungsbereich auf und dingungen auf dem Arbeitsmarkt. mittlerweile in der dritten Generation hier leben. grationshintergrund enorme Leistungsdefizite kämpfen folglich mit erschwerten Einstiegsbe-

Wir haben gesehen: Innerhalb der Fülle an Bildungsmaßnahmen die größte Hebelwirkung. Kinder und Jugendliche sind jedoch

vorhandenen Integrationsinitiativen haben

auf individuelle Unterstützung innerhalb ihres

Bildungswegs angewiesen, um ihre Potentiale schaftliches Engagement in diesem Bereich bringt belegbare Fortschritte.

voll ausschöpfen zu können. Und zivilgesell-

Dr. Andreas Schmidt ist verantwortlicher Analyst für den Integrationsreport. Der 46 jährige Jurist ist seit der Gründung 2010 im PHINEO-Team und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit zivilgesellschaftlichen und insbesondere Stiftungsthemen.

Angesichts der dramatischen demografischen kräftemangel. Zudem ist der soziale Frieden gefährdet, wenn sich eine immer wichtiger lichkeiten gesellschaftlicher Partizipation ausgeschlossen fühlt. Wie also muss gute Integrationsarbeit aussehen?

Entwicklungen in Deutschland droht ein Fach-

Dieser Report möchte vor allem Sozialen

Investoren Hintergrundwissen und eine Entscheidungsgrundlage für ein nachhaltiges Investment in die Bildung junger Menschen mit Migrationshintergrund geben, damit in diesem Land zusammen wachsen kann, was

werdende Bevölkerungsgruppe von den Mög-

schon seit Generationen zusammen lebt. Beim

Fall der innerdeutschen Mauer lebten ungefähr

Mit diesem Report möchten wir zeigen: Es

so viele Menschen im Osten Deutschlands wie in ganz Deutschland gibt. Jetzt brauchen wir

gibt eine Vielzahl beindruckender und über-

es heute Menschen mit Migrationshintergrund nach 20 Jahren eine zweite deutsche Einheit.

zeugender Beispiele in Deutschland. Wir stellen Ihnen 17 beispielhafte Projekte vor, die über ein besonderes soziales Wirkungspotential

verfügen und mit verschiedenen Handlungs-

Dr. Andreas Schmidt

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FÖRDERPARTNER DES REPORTS
DEUTSCHLANDSTIFTUNG INTEGRATION
Die Deutschlandstiftung Integration wurde 2008 vom Verband Deutscher Zeitschriften-

INHALT
S. 4 -9
Rolle der Bildung für die Integration | Volkswirtschaftliche Dimension | Irrtümer und Fakten | Chronik der Integration

NIEDERSÄCHSISCHE LOTTO-SPORT-STIFTUNG
Die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung ist eine selbstständige Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie entstand 2009 durch die Zusammenlegung der Niedersächsischen Sportstif-

verleger (VDZ) ins Leben gerufen. Die Stiftung fördert mit ihren Aktivitäten die Chancengerechtigkeit von MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund. Der Abbau von Sprachbarrieren, die Förderung von Lese- und Schreibfähigkeit im Vordergrund der Stiftungsarbeit. sowie der Kommunikationskompetenz stehen

WISSEN WER WAS MACHT
Zivilgesellschaft zählt! Stärken der Zivilgesellschaft | Akteure der Integrationsdebatte | Wirkungsvolle Handlungsansätze

S. 10-19

tung und der Niedersächsischen Lotto-Stiftung. Die Stiftung unterstützt in Niedersachsen den Sport, insbesondere den Breiten-, Leistungsund Nachwuchssport, sowie die Integration tionshintergrund. von Zugewanderten und Menschen mit Migra-

WISSEN WAS WIRKT
Integration wirkungsvoll gestalten Möglichkeiten und Grenzen der Erfolgsmessung | Indikatoren für gelungene Bildungsintegration | Förderbereiche Erfolgskontrolle in der Praxis | Fallbeispiel Begabtenförderung |

S. 20-29

HANIEL STIFTUNG
Die Haniel Stiftung wurde 1988 als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts durch das Familienunternehmen Franz Haniel & Cie.

VODAFONE STIFTUNG DEUTSCHLAND
Unter dem Leitmotiv „Erkennen. Fördern. Bewegen.“ konzentriert sich die Vodafone

Der Weg zu wirkungsvollem Engagement Landkarte ausgezeichneter Projekte Die PHINEO-Methode: Analyse mit Herz und Verstand Herzlichen Dank Impressum Literaturverzeichnis Projektporträts

S. 28-29 S. 30-31 S. 32-33 S. 34 S. 35 S. 36 S. 37

GmbH in Duisburg-Ruhrort gegründet. Ziel der Stiftung ist es, Leistungsbereitschaft und Mut zu unternehmerischem Handeln in gesellschaft-

Stiftung Deutschland auf die Bereiche Bildung,

Integration und soziale Mobilität. Diesen TheProgrammförderung, Preise, Wettbewerbe sowie als gesellschaftspolitischer Think Tank. Damit trägt sie dazu bei, sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen gesellschaftliche Aufstiegsperspektiven zu eröffnen.

men widmet sich die Stiftung durch langfristige

licher Verantwortung zu fördern. Sie konzenriert sich dabei auf vier Schwerpunkte: Stipendien, förderung. Kooperationen, Veranstaltungen und Regional-

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BILDUNG, DAS TICKET IN DIE GESELLSCHAFT
Die Integration von Migranten ist eine der wichtigsten Zukunftseiner Schicksalsfrage. aufgaben der deutschen Gesellschaft; manche sprechen auch von

Schließlich geht es dabei um viel mehr als die Frage, wie Menschen unter-

schiedlicher Kulturen miteinander zusammenleben. Integration betrifft viele

wichtige Lebensbereiche und hat verschiedene Dimensionen: eine volkswirt-

schaftliche – im Hinblick auf die fehlenden Fachkräfte –, eine gesellschaftspolitische – im Hinblick auf den unzureichenden Bildungsstand –, eine soziale – im Hinblick auf das Wohlstandsgefälle zwischen Einheimischen und Zugewangescheiterten Integrationsgeschichte immer ein Mensch steht.

derten – und nicht zuletzt eine ganz individuelle Dimension, da hinter jeder

Der entscheidende Hebel, um diesen unterschiedlichsten Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen, ist Bildung.

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Wer gilt in Deutschland als „Migrant“? Der Begriff der „Personen mit Migrationshintergrund“ umfasst nach der Definition des Statistischen Bundesamtes neben Ausländern auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, nämlich eingebürgerte Ausländer oder eingebürgerte Kinder von Ausländern sowie Spätaussiedler und ihre Kinder.

BILDUNG STATT HARTZ IV
Auf vielen Schulhöfen von Berlin-Neukölln oder Hamburg-St. Pauli wird überwiegend türkisch und arabisch gesprochen. Ein Großteil der Migranteneltern sind der deutschen Sprache nicht mächtig. Ihre Kinder bleiben oftmals ohne Schulabschluss und steuern direkt auf eine Hartz IV-Karriere zu. Ganze schen. 2050 wird jeder dritte in Deutschland Lebende einen Migrationshintergrund haben.

FAIRE BILDUNGSCHANCEN FÜR ALLE
Auch wenn die Bedeutung der Bildung für die fällt die aktuelle Bilanz der BildungsintegraIntegration durchweg hoch eingeschätzt wird, tion ernüchternd aus. Studien belegen, dass von der sozialen und ethnischen Herkunft Nicht immer liegt es aber an den geringen Qualifikationen, dass Migranten schlechtere

Der stetig wachsende Anteil von Türken, Polen oder Bürgern der ehemaligen Sowjetunion an der Deutschen Bevölkerung erhöht den Handforderungen in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Chancen haben. Selbst wenn sie gute Noten für das Gymnasium oder die Realschule als

lungsdruck und führt zu immer neuen Heraus-

Bildungserfolg in Deutschland stark abhängig ist. Das trifft junge Migranten besonders. Sie wachsen überwiegend in Familien aus prekären Lebenslagen auf.

haben, erhalten sie seltener eine Empfehlung Schüler ohne Migrationshintergrund. Ähnliches lässt sich auch beim Übergang von der Schule kation haben Bewerber mit türkisch kligenden in den Beruf beobachten. Trotz gleicher QualifiNamen eine um 24 Prozent geringere Chance titut zur Zukunft der Arbeit 2010).

Stadtteile entmischen sich und sind scheinbar „in der Hand“ der Eingewanderten, die nun schon in der dritten Generation hier leben,

viele sogar mit deutscher Staatsbürgerschaft. In solchen Stadtteilen finden jugendliche Migranten kaum deutsche Freunde. Umgekehrt

Wo finden die Zugewanderten Arbeit? Was

bedeutet der Zuzug für die Entwicklung von Religionen nebeneinander bestehen? Was

Stadtteilen? Wie können die unterschiedlichen passiert mit den älter werdenden Migranten? der Armut bewahren? Wie können Migranten am gesellschaftlichen Leben teilhaben? Aber auch: Wie können wir kulturelle Vielfalt als lassen sich die Talente und Fähigkeiten der Migranten nutzen?

Schon in der Grundschule klafft eine Bil-

dungsschere. Migranten erreichen deutlich

auf ein Vorstellungsgespräch (Forschungsins-

tun deutsche Eltern alles dafür, um ihre Kinder in Schulen anzumelden, in denen der Migrantenanteil nicht 80 Prozent beträgt.

schlechtere Kompetenzwerte als Schüler ohne Migrationshintergrund. Das hat drei Hauptursachen: geringe Sprachkenntnisse, ein und nicht zuletzt Ressentiments aufgrund

Wie kann man Familien mit vielen Kindern vor

Gleiche Bildungschancen unabhängig von ethnischer Herkunft oder sozialem Status sind daher die Voraussetzung für erfolgreiche Integration.

fehlender Bildungshintergrund im Elternhaus des Migrantenstatus. Die Folgen: Schüler mit Migrationshintergrund besuchen überproportional oft eine Haupt- oder Sonderschule. Diese verlassen sie doppelt so oft wie ihre deutschen Mitschüler ohne Abschluss. Ein

Ohne Zweifel gibt es massive Schwierigkeiten bei der Integration von Migranten. Sie sind Folge einer jahrzehntelang fehlenden Integrationspolitik. Denn erst 30 Jahre nachdem Deutschland erkannt, wie wichtig es ist, die ersten Gastarbeiter ins Land kamen, hat Konzepte zu entwickeln, um ein friedliches

gesellschaftliche Ressource erschließen? Wie

Politiker, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, Experten und Migrantenvertreter suchen auf diese und andere Fragen Antworten.

Studium nimmt nur ein Bruchteil der Migranten auf; nur elf Prozent der Studenten haben einen Migrationshintergrund.

Miteinander der verschiedenen Kulturen zu

ermöglichen. Mittlerweile leben rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ihr Anteil an der Bevölkerung steigt aufgrund der Überalterung der Deut-

Dabei herrscht weitestgehend Einigung, dass sieben Buchstaben den Schlüssel für eine erfolgreiche Integration darstellen: BILDUNG.
1955 1960

PISA-Studie Die im Dezember 2010 vorgestellte vierte PISA-Studie zeigt zwar, dass sich Kinder von Migranten im Vergleich zur ersten Untersuchung verbessern konnten. Allerdings hat Deutschland noch immer Schwierigkeiten Migranten gezielt zu fördern. Deshalb ist der Kompetenzunterschied zwischen Migranten und Nicht-Migranten auch im internationalen Vergleich nach wie vor sehr groß.

1964

1970

1973

1978

Integration in Deutschland im Zeitverlauf: In der Integrationspolitik besteht hoher Nachholbedarf. Erst seit der Jahrtausendwende ist die bis dahin geltende Maxime, und Integrationspolitik schrittweise aufgegeben worden.
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Deutschland sei kein Einwanderungsland, zugunsten einer zielgerichteten Migrations-

Anwerbung von Gastarbeitern beginnt

Deutschland begrüßt den Millionsten Gastarbeiter

Anwerbestopp, Nachzug von Familienangehörigen

Erster Bundesausländerbeauftragter 7

VOLKSWIRTSCHAFT BRAUCHT VIELFALT
Wissen ist Deutschlands wertvollster Rohstoff. Daher verwundert es kaum, dass sich mittlerweile auch die Wirtschaft in die IntegrationsDamit die Bundesrepublik ihren erworbenen und auf Multikulturalität als Ressource angewiesen. Zwischen 2020 und 2030 werden Wohlstand halten kann, ist sie auf Migranten

INTEGRATIONSIRRTÜMER UND FAKTEN

34,6 Prozent
Nur
2010).

Menschen mit Migrationshintergrund nach tens eines Elternteils 2007 Türkei Polen Russische Föderation Italien Kasachstan Rumänien Serbien Griechenland Kroatien

debatte eingeschaltet hat. Führende Vertreter Mangel an Fachkräften und andererseits die

der in Deutschland lebenden Kinder unter 5 Jahren hat einen Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt 2010).

Herkunftsland bzw. Herkunftsland mindes-

von Industrie und Handel sehen einerseits den brachliegenden Potenziale junger Migranten. Dadurch wird enormes Wachstumspotenzial verschenkt. 2,8 Billionen Euro gehen dem Deutschen Staat innerhalb der kommenden

die sehr gut ausgebildeten „Babyboomer“–

Jahrgänge in Rente gehen – sie werden bald

ersetzt werden müssen. Angesichts der fortund Arbeitskräfte muss daher in die Bildung der wachsenden Gruppe junger Migranten schenkt werden, denn die Berufsanfänger von 2020 gehen heute bereits zur Schule. wird, rentiert sich 50-60 Jahre lang. investiert werden. Dabei darf keine Zeit ver-

laufend sinkenden Zahl jüngerer Nachwuchs-

der Studenten haben einen Migrationshintergrund (HIS Hochschul-Informations-System

11 Prozent

80 Jahre auf diese Weise verloren. Zu diesem

Ergebnis kommt das ifo Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2009).

14 Prozent

Jeder Euro, der jetzt in ihre Bildung investiert

der Personen mit Migrationshintergrund haben keinen Schulabschluss und 42 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung (bei Men-

Die Kosten für die nötigen Fördermaßnahmen

schen ohne Migrationshintergrund sind es nur amt 2010).

„Wir müssen alle Potenziale nutzen. Das beginnt in den Schulen, wo wir insbesondere auch Jugendliche mit Migrationshintergrund besser fördern müssen.“
Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDA

belaufen sich auf geschätzte 11 Milliarden

2 Prozent bzw. 19 Prozent) (Statistisches Bundes-

Euro jährlich. Erlangen die jugendlichen Midie einheimischen Berufsanfänger, stünden

granten dann die gleichen Qualifikationen wie diesen Investitionen rund 27 Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlicher Wertschöpfung und eingesparten Transferleistungen gegenüber (Boston Consultig Group 2009).

69 Prozent
mann Stiftung 2009).

der Zuwanderer fühlen sich in Deutschland wohl. 80 Prozent der Migranten vertrauen den Gesetzen, demgegenüber sind es in der

Gesamtbevölkerung nur 58 Prozent (Bertels-

Bosnien und Herzegowina sonstige Herkunftsländer

16,4 % 7,5 % 6,7 % 4,9 % 3,5 % 2,7 % 2,5 % 2,5 % 2,4 % 1,8 % 49,0 %
2007

Verbreitete Irrtümer Irrtum 1: Die meisten Migranten sind türkischer Herkunft. Wahr ist: Die Türken stellen nicht einmal 20 Prozent der Migranten in Deutsch-

land (Bundesministerium des Innern 2010). Irrtum 2: Die Migranten haben meist muslimischen Glauben. Wahr ist: Migranten mit muslimischen Glauben machen nur 22 Prozent der Migranten aus (Sinus Sociovision 2008). Irrtum 3: Migranten bleiben im Wesentlichen unter sich. Wahr ist: Mehr als die Hälfte der Migranten lebt in mehrheitlich deutschen Nachbarschaften und nur ein Drittel in mehrheitlich nicht deutschen Nachbarschaften (Sinus Sociovision 2008).

Quellen: Bundesministerium des Innern 2010 (Migrationsbericht 2008), Grafik: eigene Darstellung.

1980

1990

2000

2001

2005

2006

2010

Neues Ausländergesetz Es gilt weiterhin: Deutschland ist kein Einwanderungsland 8

Reform des Staatsangehörigkeitsrechts: Erleichterung der Einbürgerung, Kinderstaatsbürgerschaft

Bericht der Zuwanderungskommission: Deutschland ist ein Einwanderungsland

Zuwanderungsgesetz: Integration wird erstmals gesetzliche Aufgabe

Erste Nationaler Einbür- Integrationsplan gerungstests

Bundesweites Integrationsprogramm 9

ZIVILGESELLSCHAFT ZÄHLT!
Bisherige Integrationserfolge wären ohne das Engagement der Zivilgesellschaft nicht möglich gewesen. Die Stiftungen, Vereine oder Initiativen haben es immer wieder möglich gemacht, mit neuen Wegen wirkungsvolle Angebote zu schaffen und bespäter von öffentlichen Einrichtungen übernommen.

merkenswerte Ergebnisse zu erzielen. Nicht selten werden innovative Ansätze

Die gemeinnützigen Akteure sind damit nicht nur eine gut gemeinte Ergänzung

zum Staat, sondern sie sind der Motor der Integration in Deutschland. Sie setzen insgesamt neun wirkungsvolle Handlungsansätze identifiziert.

konkrete Projekte vor Ort um. Aus der Fülle an Fördermaßnahmen hat PHINEO

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GEZIELTE FÖRDERUNG
Die Konzepte dieser gemeinnützigen Organisondern auf gezielte Fördermaßnahmen an sationen setzen weniger auf Breitenwirkung,

ZIVILES ENGAGEMENT ALS INTEGRATIONSMOTOR
Integration jugendlicher Migranten gelingt oft dort erfolgreich, wo sich Staat und Gesell-

den Weichenstellungen der Bildungskarriere.

RESSOURCENORIENTIERTE FÖRDERUNG
Ihre Projekte sind nicht vorrangig auf den Abbau bestehender Defizite gerichtet, sondern der Migranten an. setzen in der Regel den Hebel bei den Stärken

WER MISCHT MIT BEI DER INTEGRATION?
POLITISCHE AKTEURE
len Systems in Deutschland Entsprechend des födera-

GEMEINNÜTZIGE AKTEURE
Ihre Angebote sind so vielfältig wie ihre Strukturen und Finanzierungsquellen – sie reichen von Zahlreiche Akteure der Zivilgesellschaft engagieren sich für Integration durch Bildung.

schaft gemeinsam engagieren. Hebel der InteEinrichtungen, für deren Funktionieren der

gration sind die vorschulischen und schulischen Staat Sorge tragen muss. Die Integration von wenn das staatliche Angebot um weitere bedarfsgerechte Angebote der Zivilgesellschaft Practice-Modelle im Anhang lässt sich fest-

INDIVIDUELLE BETREUUNG
Um die Ressourcen junger Migranten zu erkennen und zu nutzen, ist eine individuelle

Migranten ist allerdings am wirkungsvollsten,

Begleitung der Jugendlichen gefordert. Schon wegen des erforderlichen persönlichen Engagements und des Zeitaufwands kann sie vom Staat nicht geleistet werden. Ehrenamtlich engagierte Menschen schließen diese Lücke.

gen und die Bundesländer von Integrations- und Bil-

lichen Rahmenbedingun-

setzt der Bund die recht-

derprogrammen, von lokalen Selbsthilfegruppen bis zu international arbeitenden Organisationen, von überwiegend öffentlicher Finanzierung bis zu überwiegend privater Finanzierung, die sich Drei Akteursgruppen spielen eine besondere Rolle: Freie Wohlfahrtspflege bei manchen stärker auf (Klein-)Spenden, bei anderen vorzugsweise auf Stiftungsmittel stützt.

kleinen, rein ehrenamtlichen Initiativen bis zu hochprofessionell hauptamtlich betriebenen För-

verantworten die Umsetzung dungsmaßnahmen. Entscheidend sind die Kommunen: In werden die (vor-)schuliden Kreisen und Gemeinden schen und berufsschulischen Angebote und Maßnahmen gestaltet und durchgeführt. Hier müssen die bildungspolitischen Maßnahmen mit che koordiniert werden.

ergänzt wird. Anhand der ausgewählten Beststellen, dass der gemeinnützige Sektor über besserung der Situation von Migranten ent-

Akteure mit einer weit zurückreichenden Erfahrung in der Integrationsarbeit sind die Spitzenrale Rolle bei der sozialen Integration von Zugewanderten; ihr Angebot war und ist vielfältig. Stiftungen

spezifische Stärken verfügt, die zu einer Verscheidend beitragen. Der Staat wird so unterstützt, aber nicht aus der Pflicht genommen.

verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Seit der „Gastarbeiteranwerbung“ spielen sie eine zent-

AGIEREN IN KOOPERATIONEN
Eine spezifische Stärke der gemeinnützigen Organisationen ist ihr Agieren in Kooperationen – ob mit Ministerien, Kommunen oder mit Wirtschaftsunternehmen oder anderen öffentlichen Bildungseinrichtungen, aber auch Partner-Organisationen. In ihre Projektarbeit

Seit den 90er Jahren sind immer mehr Stiftungen im Feld der Integrationsarbeit präsent. Je

nach Trägerschaft und Stiftungszweck haben sie unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte. Von der allgemein angelegten gesellschaftspolitischen und demokratischen Bildungsarbeit spektrum. bis hin zu individueller Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen reicht ihr Förder-

denen anderer Politikberei-

„Integrationspolitik war 40 Jahre lang gar kein Thema. In dieser Zeit wurde viel versäumt. Dennoch hat sich seitdem die große Mehrheit [der Migranten] in Eigenanstrengung und mit Hilfe der Zivilgesellschaft eingelebt und integriert.“
Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.

beziehen sie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen ein, insbesondere die Eltern und Familien der Jugendlichen, aber auch Lehrer und Rektoren. Diese sehr integrative Tätigkeit fällt vielen staatlichen Akteuren eher schwer. Fazit: Gemeinnützige Organisationen im

Migrantenselbstorganisationen

Den Migrantenselbstorganisationen wird seit einiger Zeit verstärkt ein Integrationspotenzial als Vermittler zwischen Migranten und Aufnahmegesellschaft auf der kommunalen, Landes- und Bundesebene an. zugesprochen und auch sie selbst streben eine stärkere politische Partizipation

Bereich „Integration durch Bildung“ können als „Konzeptgeneratoren“, „Anstoßgeber“ oder „Modellentwickler“ den staatlichen

Neben den staatlich und gemeinnützig handelnden Personen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Akteure

Bildungs- und Integrationsauftrag wirkungs-

wie beispielsweise die Kirchen, Kulturvereine, Jugendorganisationen der Gewerkschaften und Parteien, Elternvereine, Bildungseinrichtungen wie Museen und Bibliotheken sowie private Bildungsanbieter, die etwas für Integration tun.

voll ergänzen. Dies gilt umso mehr angesichts der Größe der Integrationsaufgabe, zu deren liches Engagement gefordert wird. Bewältigung zu Recht ein gesamtgesellschaft-

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NEUN WIRKUNGSVOLLE HANDLUNGSANSÄTZE ZUR INTEGRATIONSFÖRDERUNG
Das Spektrum der Handlungsansätze zur

FRÜHKINDLICHE BILDUNG –
Je früher desto besser! Je früher Integrationsmaßnahmen ansetzen, desto wirkungsvoller sind sie. Frühkindliche Bildungsangebote eröffnen Kindern enorme dass der Besuch einer Kinderkrippe die

SPRACHBILDUNG –
Spracherwerb systematisch fördern

Integration durch Bildung ist sehr breit. Die

vielfältigen Maßnahmen der gemeinnützigen Akteure können zwar nicht schematisch eingeordnet werden, jedoch lassen sich folgende neun (teilweise sich überschneidende) Schwerausmachen: punkte der gemeinnützigen Integrationsarbeit

Der Schlüssel zur Teilhabe an Bildung ist die Fähigkeit, deutsch zu sprechen. Das gilt für den schulischen Erfolg genauso wie für den weitgehend Konsens.

Chancen im Bildungssystem. Studien belegen, Bildungsbiographie entscheidend positiv beeinflusst. Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, erhöht sich bei Kindern aus Zuwandererfamilien um 55 sche Studien 2008a) Prozent. (Büro für Arbeits- und Sozialpoliti-

Zugang zur deutschen Kultur. Darüber besteht In der Praxis gibt es aber noch erheblichen

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BEGABTEN- UND BENACHTEILIGTEN-FÖRDERUNG –
Potenziale entdecken und ausbauen Eine doppelte Belastung zeichnet sich für

unsere Gesellschaft ab: Während im Segment der Hochqualifizierten händeringend nach Fachkräften gesucht wird, steigen im Segment der Geringqualifizierten die Arbeitslosenzahlen dramatisch an. Daher gibt es einen besonderen Förderbedarf an beiden Enden des teiligte als auch besonders hochqualifizierte junge Menschen brauchen Unterstützung, entfalten und einsetzen können. damit sie ihre vorhandenen Stärken optimal

1. FRÜHKINDLICHE BILDUNG 2. SPRACHBILDUNG 3. BEGABTEN- UND BENACHTEILIGTENFÖRDERUNG 4. AUSSERSCHULISCHE LERNFÖRDERUNG 5. FÖRDERUNG INTERKULTURELLER KOMPETENZ 6. MÄDCHEN-/FRAUENFÖRDERUNG 7. ELTERNBILDUNG / ELTERNMOBILISIERUNG 8. QUALIFIKATION PÄDAGOGISCHER FACHKRÄFTE 9. MENTORENPROGRAMME

Handlungsbedarf. Kinder und Jugendliche, für die Deutsch die Zweitsprache ist, benötigen eine möglichst früh beginnende und kontinuin der gesprochenen Alltagssprache. Damit sie auch die Schulsprache beherrschen. Sie müssen mit dem spezifischen Wortschatz verschiedener Fächer von Mathematik bis

HERAUSFORDERUNG

HANDLUNGSANSATZ

ierliche Sprachförderung – und zwar nicht nur Kinder dem Unterricht folgen können, müssen

Bildungsspektrums. Sowohl bildungsbenach-

Gemeinnützige Projekte setzen sowohl im schulen an.

Elternhaus als auch bei Kitas und GrundAnsatz bei den Eltern: Besonders wirksam sind Elternbildungsprogramme, die auf die Bedürfnisse von Migranteneltern zugeschnitbis zur Einschulung des Kindes angeboten werden.

Erdkunde umgehen, um die jeweiligen Sachwiedergeben zu können. Dabei hat es sich

Als Förderansätze sind beispielhaft zu nennen: die Begabtenförderung insbesondere durch die Benachteiligtenförderung durch Stipendienprogramme für Schüler und Studenten; spezielle Ausbildungsprojekte, die Migranten

verhalte zu verstehen, zu erklären und selbst bewährt, die Eltern bei der Spracherziehung ansätzen können folgende beispielhaft genannt werden:

ten und für die Zeit von der Schwangerschaft

einzubinden. Unter den verschiedenen Förder-

einen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen.

Auf Seite 30/31 finden Sie eine Übersicht mit den von PHINEO empfohlenen Best-Practice-Projekten sowie den entsprechenden Handlungsansätzen. Eine ausführliche Darstellung der Projekte finden Sie im Anhang.

Ansatz bei den Pädagogen: In Kindertagesstätten wirken Vorurteile subtil und ausgrenzend. Daher ist es wichtig, Pädagogen für jekte geben den Fachkräften praktische tensweisen im Kita-Alltag zu begegnen. Diskriminierung zu sensibilisieren. Gute ProHilfestellung, um diskriminierenden Verhal-

Frühe Leseförderung: Zur Sprachentwicklung von Vorschulkindern trägt das Vorlesen in besonderer Weise bei. Vorleseprojekte verdas Kulturgut Buch näher zu bringen.

suchen Familien mit Migrationshintergrund Sprachkurse mit Schulanbindung: Für

Kinder im Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule sind gezielte Intensiv-Sprachkurse besonders wirksam.

Eine Auszubilde der Münchner Damenmaßschneiderei Atelier La Silhouette.
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Jugendliche Schauspieler des Forumtheaters inszene aus Ruppichteroth beim proben für das Stück „Und jetzt?“.
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AUSSERSCHULISCHE LERNFÖRDERUNG –
Hilfe leisten an den Schnittstellen des Bildungssystems Überproportional viele junge Migranten

bestätigt eine umfassende Längsschnittstudie des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Demnach er-

reichte das obere Drittel der in die Haupt-

besuchen Hauptschulen, überproportional

schule Überwiesenen im Leseverständnis die gleichen Ergebnisse wie das untere Drittel lungsforschung 2009). der Gymnasiasten (Institut für Schulentwick-

viele erreichen keinen Abschluss, unterproliegt nicht unbedingt an den mangelnden

portional wenige beginnen ein Studium. Das Fähigkeiten der Migranten. Oft werden ihre

Potenziale nicht erkannt. Diese Einschätzung

Dort wo Schulen überfordert sind das Potential jugendlicher Migranten abzurufen, können gemeinnützige Organisationen mit einer außerschulische Lernförderung weiterhelfen. Es gibt verschiedene Angebote, die jeweils unterschiedliche Ansätze in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, wobei sich eine Kombination Ansätze im Überblick: als besonders wirkungsvoll erwiesen hat. Die Eine persönliche Lernbetreuung fördert die individuellen Stärken der Kinder. Optimal ist chen einen festen Betreuer bietet und sie in ihrem Lebensumfeld abholt. Eine gezielte Lernförderung konzentriert die Eins-zu-Eins-Betreuung, die den Jugendli-

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FÖRDERUNG INTERKULTURELLER KOMPETENZ –
Vielfalt als Ressource entdecken Um die kulturelle Vielfalt, die durch Migranten in Deutschland entsteht, als gesellschaftliche Ressource erschließen zu können, bedarf es eines Integrationsverständnisses, das diese zwischen den verschiedenen Kulturen entVielfalt wertschätzt. Dafür sind Begegnungen scheidend. Im Alltag verhindern echte oder ten sind beispielsweise in den klassischen gefühlte Barrieren diesen Austausch. Migrandeutschen Engagementbereichen wie Sport, Soziales und Kultur unterrepräsentiert – nicht zuletzt, weil die traditionellen Vereine häufig werden. als geschlossene Gesellschaft wahrgenommen Der Staat tritt im Rahmen seiner Bildungseinrichtungen zwar für eine interkulturelle Öffnung ein. Dieser Prozess geht jedoch vielerorts nur sehr langsam voran und bezieht sich che Initiativen erweitern das Spektrum. Sie setzen an unterschiedlichen Feldern in der vorwiegend auf den Bildungsbereich. Zahlreigestaltung: Gesellschaft an. Aus dem breiten Ideenspektrum seien an dieser Stelle zwei beispielhafte Förderansätze genannt: Austausch- und Begegnungsprogramme zwischen verschiedenen Kulturen, Ethnien oder Religionen und Schule. interkulturelle Veranstaltungen wie Theatergramme. oder Musicalaufführungen sowie Kulturpro-

MÄDCHEN-/FRAUENFÖRDERUNG –
Chancengleichheit gewährleisten Einige Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund haben nicht die gleichen Chancen wie deutsche Mädchen und Frauen.

Ihr kulturell oder religiös geprägter Familien-

hintergrund legt ihnen elementare BeschränBerufswahl auf. In diesen Situationen kann

kungen in ihrem Freizeitverhalten und in ihrer eine Geschlechtertrennung zum Vehikel für dere bei vielen Vätern ist die Trennung der fördern oder ausbilden zu lassen.

RESULTATE

EMPFEHLUNGEN

mehr Gleichberechtigung werden. InsbesonGeschlechter Voraussetzung, um ihre Töchter

Förderansätze zum Ausgleich solcher geschlechtsspezifischen Benachteiligungen setzen sowohl bei der Berufswahl und Be-

rufsausbildung an als auch bei der FreizeitAngebote zur Berufswahl und Berufsausbildung bieten jungen Frauen eine spezielle und höherem Erfolg in eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle vermittelt werden zu können. meist individuelle Förderung , um mit deutlich

Alle neun Handlungsansätze sind grundsätzlich dazu geeignet, den Herausforderungen der Integration effektiv zu begegnen. Aber nicht jeder Ansatz ist automatisch wirkungsvoll. Es kommt immer auf die konkrete Umsetzung des Ansatzes an. Gute Projekte finden Sie in der Übersicht auf Seite 30/31 sowie im Anhang.

sich auf wichtige Schlüsselstellen in der schulischen Laufbahn, wie sie der Übergang von darstellt. der Grundschule zur weiterführenden Schule Eine Anbindung an die Schule ist für jede

Angebote zur Freizeitgestaltung bieten geschützte Räume zur Persönlichkeitsentwicklung sowie Bildungsangebote außerhalb der

Lernförderung entscheidend. Auch wenn dies nicht einfach ist, gelingt wirksamen Förderarbeit zwischen Klassenlehrern und außerschulischen Betreuern. projekten immer wieder die enge Zusammen-

17

7
det.
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ELTERNBILDUNG/ ELTERNMOBILISIERUNG –
Eltern aktiv in Bildungsmaßnahmen einbeziehen Bildungsbenachteiligte Eltern aus sozial schwierigen Verhältnissen können ihre Kinder häufig nicht so unterstützen, wie es das deutsche Bildungssystem erfordert und wie sie es sich selbst wünschen. Viele verfügen nicht über die nötigen Kenntnisse, um beispielsweise bei zu helfen. Nachhilfestunden wiederum sind aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Die Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern versuchen lokal verankerte Projekte mit Sie leiten die Eltern konkret an, ihr Kind zu fördern. Die Einbeziehung der Eltern in die außerschulische Lernförderung ist für den Lernerfolg der Kinder entscheidend. Daher sind Hausbesuchen und Gruppentreffen zu erreichen.

den Hausaufgaben in Deutsch oder Mathematik

Förderprojekte für Schüler vermehrt auf die

aktive Einbindung ihrer Familien ausgerichtet.
Mentorin Sonja Runke von dem Mentorenprojekt „Balu und Du“ mit dem ihr anvertrauten Kind Beti beim Besuch im Osnabrücker Zoo.

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QUALIFIKATION PÄDAGOGISCHER FACHKRÄFTE –
Lehrkräfte interkulturell weiterbilden Lehrer und Erzieher brauchen interkulturelle Kompetenzen, um angemessen auf Schüler mit Migrationshintergrund eingehen zu können. Zwar existieren an einigen Hochschulen ZuBildung, doch letztlich treffen die meisten satzstudiengänge im Bereich interkultureller Lehrer erstmals in der Praxis auf Migranten gen im Schulalltag. und die damit verbundenen HerausforderunInsofern sind Projekte, die künftige Pädagogen und Migrantenkinder zusammenbringen renprogrammen) oder die die Rekrutierung von Lehrkräften mit Migrationshintergrund fördern, sehr zu begrüßen. (beispielsweise auch im Rahmen von Mentorung. und deren Unterstützung in der Studienphas-

MENTORENPROGRAMME –
Vorbilder für gelungene Integration schaffen Mentorenprogramme sind ein wichtiges Insgleitung von Kindern. Ob sie Paten, Lotsen trument zur individuellen Förderung und Beoder Mentoren heißen, allen Ansätzen ist eines gemein: Eine ältere Person bietet einer jünUnterstützung im Eins-zu-eins-Verhältnis. Nach Zielgruppen aufgeteilt lassen sich folgende Ansätze ausmachen: Kleinkinder erhalten beispielsweise durch geren individuelle Begleitung und persönliche

Fehlendes Wissen über das Bildungssystem kann außerdem zu elterlichen BildungsentKinder nicht gerecht werden. Dabei ist die scheidungen führen, die den Fähigkeiten ihrer Kommunikation zwischen Eltern und Schule Sie liegen nicht nur auf sprachlicher Ebene,

Lesepatenschaften eine frühe SprachfördeSchüler erhalten durch Paten Hausaufgabenhilfe, wobei es auch immer darum geht, den ihnen die Freizeit zu verbringen. Kindern neue Horizonte aufzuzeigen und mit Jugendlichen stehen Jobpaten zur Seite.

oft von Verständnisschwierigkeiten geprägt. sondern sind auch in den unterschiedlichen

Lebenswelten von Eltern und Lehrern begrün-

Sie unterstützen die Berufseinsteiger beim beziehungsweise in den Beruf und helfen

Übergang von der Schule in die Ausbildung beim Schreiben von Bewerbungen oder ver-

Lehrer und Erzieher mit Migrationshintergrund sind Mangelware Schätzungen zufolge haben nur etwa 1 Prozent der Lehrer und 2 Prozent der Referendare einen Migrationshintergrund.

Auf die Eltern kommt es also an! Das hat auch der Staat erkannt und versucht, Eltern verstärkt in die Schularbeit einzubeziehen sowie Bera-

mitteln bei Schwierigkeiten in der Ausbildung. Wenn Mentoren oder Paten selbst einen Mi-

tungsangebote zu schaffen. Gleichwohl ist der

Förderbedarf enorm hoch. Darüber hinaus sind um die Eltern auch tatsächlich zu erreichen.

grationshintergrund haben, können sie zudem als Vorbilder für gelungene Integration wirken.

innovative und individuelle Ansätze gefordert, Die Handlungsansätze der Projekte sind unterschiedlich; als beispielgebend sind zu nennen:

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INTEGRATION WIRKUNGSVOLL GESTALTEN
finanziell engagieren möchte, findet einen mittlerweile wissenschaftlich Wer sich als Sozialer Investor für die Bildungsintegration in Deutschland

wirklich überprüfbar?

in der Integration feststellen? Und in welchem Maße sind Erfolge

Integration eigentlich gibt. Wie lassen sich überhaupt Fortschritte

reich greifen können und welche Indikatoren es für eine gelungene

vor. Im Folgenden soll geklärt werden, wo Fördermittel im Bildungsbe-

gut erschlossenen Förderbereich mit einer Fülle an spannenden Studien

sich Menschen mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft integrieren.

finanzielles Engagement entscheidend dazu beitragen kann, dass

Unternehmen erhalten damit zunehmend die Sicherheit, dass ihr

werden immer besser fassbar. Spender, Stifter und sozial engagierte

Eines sei schon vorweggenommen: Die Integrationsbemühungen

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BILDUNG: GRADMESSER FÜR GELUNGENE INTEGRATION
Amtliche Statistiken und Erhebungen im Bildungsbereich zu Migranten waren in früheren Jahren wenig aussagekräftig. Dagegen gibt es seit einiger Zeit nachvollziehbare Erkenntnisse über die Integration von Menschen mit sichtigen, wie die Qualität der Lehrkräfte oder die interkulturelle Öffnung von Bildungseinnur das Leistungs- und Anpassungsverhalten der Zuwanderer, sondern auch die Integrationsbereitschaft der deutschen Gesellschaft abbilden. Hier besteht noch Nachholbedarf. richtungen. Schließlich sollen Indikatoren nicht Die Entwicklung von Indikatoren für gelungene Integration darf nicht unterschätzt werden. und Integrationsfortschritte einschätzen und in der Folge Integrationsmaßnahmen zielgeErst über die Indikatoren lassen sich Bildungs-

GIBT ES FORTSCHRITTE IN DER BILDUNGSINTEGRATION?
Integration als gesellschaftliche Aufgabe ist umfassend und komplex; sie ist nicht von heute auf morgen zu lösen. Dadurch wird

Migrationshintergrund in Deutschland. Wie gut oder wie schlecht sie integriert sind, kann anhand verschiedener Indikatoren eingeschätzt werden.

nauer und wirksamer einsetzen. Damit stellen sie eine wichtige Basis für strategisches Förgemeinnützigen Bereich dar. dern durch die öffentliche Hand sowie für den

manchmal das Gefühl von Stillstand vermitnen, denn Fördermaßnahmen schlagen an;

telt. Gleichwohl lohnen sich soziale Investitiodies zeigen auch die beispielhaften Projekte im Anhang. Über die Einzelfälle hinaus sind Migranten erkennbar, wenn auch nur in geringem Umfang. Aber weitere Fortschritte auch gesamtgesellschaftliche Fortschritte für

Indikatoren für gelungene Integration dürfen

aber nicht allein auf direkte Bildungsergebnisse

Soziale Investoren sollten bei ihrem persönliWas sind Indikatoren

wie Schulabschlüsse reduziert werden, sondern müssen auch die Rahmenbedingungen berück-

chen Engagement im gemeinnützigen Bereich daher gegenüber Projektträgern zu verstehen geben, dass sie bei einer Förderung von Integrationsmaßnahmen auf Erfolgskontrollen Wert legen und auf den Einsatz aussagekräftiger Indikatoren achten.

für gelungene Integration? Indikatoren dienen dazu, sich ein Bild über

sind zu erwarten, denn für soziale Investitionen gibt es ein breites Angebot ausgezeichneter die Mittel zielgerichtet einsetzen. Projekte und erfahrener Organisationen, die

an folgenden Indikatoren: Gemessen wird der Anteil der Jugendlichen - ohne/mit Schulabschluss - mit Hochschulreife - an Förderschulen - in der gymnasialen Oberstufe.

linge und Integration (2009) orientiert sich für den Bereich Bildung

die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flücht-

chen. Der „Erste Integrationsindikatorenbericht“ für

Stand und Entwicklung von Integration zu ma-

- mit abgebrochener Schulbildung - mit Hauptschulabschluss

lichen mit Migrationshintergrund.

Schulabbrechern rückläufig ist. Gleichzeitig zeigen sie aber nach wie vor deutliche Bildungsrückstände der Jugend-

bei der Gesamtbevölkerung sondern auch bei ausländischen Schülern verbessert hat, bei denen der Anteil an

Integration. Die Indikatoren zeigen, dass sich das Bildungsniveau in den vergangenen Jahren nicht nur

der Bildungsverhältnisse von Migranten an die Gesamtbevölkerung gilt dabei als Fortschritt der

Man erkennt: Im Bereich Bildung gilt der Schulabschluss als Schlüsselindikator. Die Angleichung

„In meinem Kopf war dieser Gedanke: Du bist eigentlich nicht in die Schule gegangen. Du kannst wahrscheinlich gar nichts! … Heute bin ich mir meiner so viel sicherer. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“
Nese, Albanerin aus Mazedonien, nach der Ausbildung im „Atelier La Silhouette“

22

23

WELCHES SIND INDIKATOREN FÜR EINE GELUNGENE BILDUNGSINTEGRATION?
Wie kann ein Sozialer Investor feststellen, ob eine gemeinnützige Organisation auch Wirkung mit ihren sozialen Aktivitäten erzielt? Leider gibt es dafür keine einfachen Handlungsanweisungen. wicklung bei jungen Migranten stärken möchte, stehen weitere Merkmale für eine gelungene Bildungsintegration im Vordergrund. Zum dass Mehrsprachigkeit und das Leben in zwei können.

INDIKATOREN
unterscheiden: Es gibt verschiedene Indikatoren in der Bildungsintegration. Grundsätzlich lassen sich folgende

Beispiel die Erkenntnis bei den Teilnehmern, Kulturen als Kompetenz angesehen werden

Damit das Wirkungspotenzial eines Projektes

ermittelt werden kann, ist es erforderlich, dass Indikatoren entwickelt werden, verbunden mit

- das Erreichen von Bildungsabschlüssen subjektiv/persönlichkeitsbezogen

- Verbesserung von Bildungsleistungen, z. B. Schulnoten oder Testergebnisse

- Nachfrage, Teilnehmerzahl und Abbruchquote

objektiv/leistungsbezogen

klare Ziele formuliert und dazu aussagekräftige der Angabe von Zeiträumen, in denen die Ziele katoren für jedes Projekt individuell zugeschnitmuliert werden, dass das Erreichen der Ziele kann.

Diese Beispiele zeigen, dass Wirkungsanalysen und Erfolgskontrollen eine komplexe Aufgabe sind. Für einen einzelnen Förderer ist es daher schwierig, das Wirkungspotenzial einzuschätprüfen, ob eine Wirkungsanalyse des Projektes vorgenommen wird. Das kann durch Einsicht Darin sollte erkennbar sein, ob und welche in die Projekt- und Jahresberichte geschehen. Indikatoren zur Messung des Projekterfolges zen. PHINEO rät Investoren dennoch genau zu

erreicht werden sollen. Dabei müssen die Inditen sein. Darüber hinaus müssen sie so klar forbzw. von Fortschritten laufend überprüft werden

- insgesamt positive Persönlichkeitsentwicklung kontextbezogen

- Verbesserung des Sozialverhaltens z. B. durch Engagement in Schülervertretungen

- Verbesserung der Lernmotivation z. B. durch regelmäßige Schulbesuche

- Akzeptanz/Zufriedenheit bei Teilnehmern einer Bildungsmaßnahme und ihrem Umfeld

- Motivation und interkulturelle Kompetenzen der Lehrer - Maß ihrer Anbindung an die Bildungseinrichtungen

- Einbeziehung der Eltern/Familie in die Bildungsmaßnahme und

Beim Theaterprojekt „sputnike“ zur Förderung interkultureller Kompetenzen bei Menschen mit Migrationshintergrund etwa sind die Zusönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer und Publikum wichtige Indikatoren.

zum Einsatz kommen. Fragen seitens des Förlich angewandten Indikatoren auch wirklich den ganzen Erfolg des Projekts erfassen? Wäre es beispielsweise sinnvoll und für die

derers könnten lauten: Können die augenblick-

schauerzahlen bei den Aufführungen, die Perder Lerneffekt beim überwiegend jugendlichen

Organisation machbar, neben der Nachfrage

nach einem Projektangebot auch die Zufriedenheit mit dem Projekt zu erfassen? Antworten auf diese und weitere Fragen bietet häufig auch das persönliche Gespräch mit der Organisation.

Bei der Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen dagegen, die mit einem Austauschprogramm ebenfalls die Persönlichkeitsent-

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25

Beispiel Begabtenförderung

Nachfolgendes Beispiel kann als Orientierungshilfe dienen, welche Indikatoren und praktische Kontrollfragen zur besseren

Einschätzung sozialer Projekte zum Einsatz kommen könnten. Es bezieht sich auf ein Stipendienprojekt und beschreibt den

Handlungsansatz der Begabtenförderung durch Bildungsangebote. Ziel des fiktiven Projektes ist es, jugendlichen Migranten privaten Umfeldes zu stärken.

einen bestimmten Bildungsabschluss zu ermöglichen sowie ihre sozialen Kompetenzen unter Einbeziehung ihres schulischen und

ANGESTREBTE ZIELE

BEISPIELHAFTE INDIKATOREN

PRAKTISCHE KONTROLLFRAGEN ERFOLGSKONTROLLE IN DER PRAXIS: WAS KANN MAN ERWARTEN?
Eine laufende Erfolgskontrolle anhand von spruchsvolle Aufgabe. Daher sind Zeit und Indikatoren ist eine wichtige, aber auch anfinanzielle Mittel, die in diesen Bereich inves-

Teilnahme von Migranten an Fördermaßnahmen

Nachfrage Teilnahme Abbruchquote

Wie viele Teilnehmer nehmen das Bildungsangebot wahr? (Bei begrenzter Teilnehmerzahl Anzahl der Bewerber) Lässt sich eine wachsende Nachfrage feststellen? Wie viele Teilnehmer halten die Bildungsmaßnahme bis zum Ende durch? Wie zufrieden sind die Beteiligten mit der Bildungsmaßnahme? Spüren Teilnehmer – zumindest subjektiv – Verbesserungen? Wird die Schule regelmäßig besucht? Wie viele Lernstunden außerhalb der Schule werden absolviert?

WO KÖNNEN FÖRDERMITTEL WIRKUNGSORIENTIERT EINGESETZT WERDEN?
In der Bildungsintegration gibt es vielfältige Akteure und ein breites Angebot an Förderprojekten. Dadurch lässt sich derzeit keine Migrantengruppe als besonders förderbedürftig herausheben. Geber müssen selbst entscheiden, ob ihnen jüngere oder ältere Kinder, Mädchen oder Jungen, Bildungsferne oder Begabte mehr am Herzen liegen. FörSie in der Übersicht auf Seite 30/31. derempfehlungen mit Altersangaben finden

Verbesserte Motivation und Einstellung der Migranten gegenüber Bildung

Zufriedenheit Lernmotivation Sozialverhalten

tiert werden, lohnend, sollten aber immer der zu kommen ist unterschiedlich aufwändig. So ist die Erfassung von leistungsbezogenen

Größe des Projekts angemessen sein. An Daten

Erhöhte Bildungserfolge der jugendlichen Migranten

Bildungs-Leistungen Bildungs-Abschluss Bildungs-Engagement

Wie viele Teilnehmer engagieren sich aufgrund der Bildungsmaßnahme nachhaltig für gesellschaftliche Ziele (in und außerhalb der Schule)? In welchem Maße sind Bildungsmaßnahmen mit den schulischen Anforderungen abgestimmt?

Wie viele Teilnehmer der Bildungsmaßnahme - erhalten bessere Schulnoten? - erreichen den angestrebten Bildungsabschluss?

Fortschritten in Form von Schulnoten oder dem Erreichen von Bildungsabschlüssen in der Praxis häufiger vorzufinden; sie bilden Integration jedoch nur teilweise ab. Ebenso wichtig sind

persönlichkeitsbezogene Veränderungen wie Sozialkompetenz. Hier ist die Datenerhebung und Befragungen sind erforderlich. Deshalb

Bei der Ausgestaltung der Handlungsansätze gibt es hingegen durchaus Bereiche, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen.

eine verbesserte Lernmotivation oder erhöhte jedoch sehr viel aufwändiger, Beobachtungen findet man in der Praxis vor allem Einzelfall-

Einbeziehung des Umfelds der Migranten in die Bildungsförderung

Anbindung an die Schule Motivation der Lehrer Einbeziehung der Eltern/Familie

PHINEO empfiehlt, dass Förderer ihren Blick ten immer auch auf deren direktes Umfeld

Wie hoch ist der Anteil der Eltern bzw. Lehrer, die aktiv in die Bildungsmaßnahme mit einbezogen werden?

In welchem Maße lassen sich Lehrer für die (zusätzlichen) Fördermaßnahmen motivieren und persönlich einbinden?

von der Hauptzielgruppe der jungen Migranrichten; denn es gibt zunehmend mehr, aber noch nicht genug Projekte und Programme, die die Eltern und das familiäre Umfeld der

beobachtungen; aufwändige Langzeitstudien gibt es nur sehr selten. Für die wichtige Aufkontrollen ist noch viel Unterstützung in den gabe der Entwicklung von sinnvollen Erfolgsgemeinnützigen Organisationen vor Ort erfor-

Angleichung des Bildungserfolgs von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund?

jungen Migranten in die Förderung aktiv einbeziehen. Außerdem fehlen Programme und Maßnahmen, die ein Umdenken in der Lehreraus- und -fortbildung ebenso wie in der Ausbildung von Erziehern und sozialpädagogischem Personal anregen und unterstützen.

derlich, finanziell ebenso wie durch Know-how. Soziale Investoren sollten daher realisti-

Um das Wirkungspotenzial dieses Stipendienprojekts einschätzen zu können, müssen verschiedene auch die persönlichkeits- und kontextbezogenen Indikatoren zum Einsatz. Damit hat ein Sozialer Investor gute Anhaltspunkte zur Einschätzung des Wirkungspotenzials.
26

sche Erwartungen an die Erfolgskontrolle luationen nicht nur zu fordern, sondern auch finanziell zu fördern.

Indikatoren genutzt werden. In diesem Beispiel kommen neben den leistungsbezogenen Indikatoren

haben und durchaus dazu bereit sein, Eva-

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DER WEG ZU WIRKUNGSVOLLEM ENGAGEMENT
Wer in einem so vielfältigen Themengebiet wie Integration Wirkung erzielen möchte, sollte dort ansetzen, wo die Hebelwirkung besonders groß ist. Zunächst ist Bildung im

Für jeden Bereich empfiehlt PHINEO im Anhang gelungene Projekte.

Möchten Sie investieren in …?

Setzen Sie den Hebel an bei …
… frühen

Sind für wen geeignet?

Allgemeinen ein starker Hebel für Integration.

… Vorbeugung

Wie aber findet man das richtige Projekt für scheidungsfindung können sich Soziale Investoren an folgenden Fragen orientieren:

Präventivmaßnahmen

bildungsprogramme und frühe Leseförderung empfehlenswert.

Für Soziale Investoren, die auf frühe Förderung setzen möchten, sind beispielsweise Eltern-

ein finanzielles Engagement? Bei dieser Ent-

… direkte Bildungserfolge

… gezielten

Übergangshilfen

Für Investoren, die durch gezielte kurzfristige Maßnahmen deutlich sichtbare Erfolge erzielen möchten, empfehlen sich z. B. Bildungsprojekte, die den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule oder von der Schule zum Beruf fördern. Eine Erfolgskontrolle bei diesen Projekten ist gut durchführbar.

Welches Thema berührt mich besonders? Welche Zielgruppe ist mir wichtig? Wie lange möchte ich mich binden? erreicht werden? … Einzelschicksale … intensiver Individualförderung

Empfehlenswert für Investoren, die sich für Einzelschicksale in prekären Lebenslagen einsetzen

Was soll innerhalb dieses Zeitraums … Grundlagenförderung

möchten, sind Förderprojekte mit intensiver Kombination von (Aus-)Bildung und Sozialpädagogik. Für viele junge Migranten ist eine persönliche Lernbetreuung der Schlüssel zum Bildungs-

… begleitender Lern- und Sprachförderung

Tipps zum strategischen Spenden Gerade bei größeren Fördersummen rät PHINEO dazu, bei der Spendenentscheidung strategisch vorzugehen. Mit den „10 Tipps zum strategischen Spenden“ unterstützt PHINEO Vermögende und hilft, die richtigen Fragen zu stellen, um das philanthropische Engagement wirkungsvoll zu gestalten. Die Tipps finden Sie auf www.phineo.org.

Folgende Übersicht kann dabei helfen,

erfolg. Daher kann Förderern, die eine gute Basis für die „Bildungskarriere“ von Migranten pen ermöglichen. So werden Schulerfolge begünstigt und Neugier wird geweckt, z. B. auch durch gemeinsame Besuche in Museen und Bibliotheken.

das eigene „Herzensthema“ zu finden:

schaffen wollen, eine Investition in Projekte empfohlen werden, die ein Lernen in Kleingrup-

… übertragbare Ideen

… modellhafter

Engagementförderung

Gut übertragbare Projekte wie Mentoren- und Stipendienprogramme sind insbesondere für solche Förderer empfehlenswert, die mit ihrer Investition eine Breitenwirkung für die Förderung von Engagement und Begabung erzielen möchten.

… nachhaltige Wirkung

… langfristiger

Kontextförderung

Projekte, die interkulturelle Kompetenzen von Pädagogen in Kitas wie Schulen system stärken, sind besonders für Investoren empfehlenswert, die an langfristiger nachhaltiger Förderung interessiert sind.

erweitern und das Vertrauen von Migranteneltern in das deutsche Bildungs-

… Bewusstseins

wandel

… interkulturellen Austausch-

und Begegnungsprogrammen

Eine Förderung von Austausch- und Begegnungsprogrammen sowie wert, die sich dem Thema Integration umfassend und ten wie Deutschen verändern wollen.

interkulturellen Veranstaltungen ist für Investoren empfehlensganzheitlich nähern und die Denkweise von Migran29

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LANDKARTE AUSGEZEICHNETER PROJEKTE
1 A. Internationaler Jugendaustausch 2 A. HIPPY B. HIPPY Deutschland e. V. C. Bremen D. Frühkindliche Bildung, Elternbildung/ Elternmobilisierung E. Drei- bis sechsjährige Kinder und ihre Eltern 3 A. sputnike B. CJD Nienburg C. Nienburg D. Förderung interkultureller Kompetenz E. Jugendliche zwischen 13 und 27 Jahren 10 A. Forumtheater C. Ruppichteroth B. AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. C. Hamburg D. Förderung interkultureller Kompetenz E. Schüler F. Drei Viertel aller Migranten möchten die Werte und Traditionen ihrer Herkunftsgesellschaft mit denen in Deutschland verbinden. Gerade bei Heranwachsenden führt das häufig zu Identitätskonflikten. Die Antwort des AFS ist überraschend, aber effektiv: Die jungen Migranten entwickeln beim Schüleraustausch im Ausland ein eigenes Identitätsgefühl. B. Forumtheater inszene e. V. D. Förderung interkultureller Kompetenz E. Haupt-, Real-, Förder-, Berufsschüler 8. bis 10. Klasse 11 A. Schule für alle B. Schule für alle im Landkreis Gießen e. V. C. Pohlheim D. Qualifikation pädagogischer Fachkräfte, außerschulische Lernförderung, Mentoren-Programme 12 A. START-Stipendienprogramm B. START-Stiftung – ein Projekt der Gemeinnützigen HertieStiftung – gemeinnützige GmbH C. Frankfurt am Main

F. Bildungsbenachteiligte Eltern mit Migrationshintergrund können ihre Kinder oftmals nicht so unterstützen, wie sie es wünschen. HIPPY geht aktiv auf die Eltern zu und stärkt ihre Erziehungskompetenz.

F. Bei Migranten fällt der Blick meist zunächst auf das, was sie nicht können; selten stehen ihre Stärken im Vordergrund. Das ändert das Musicalprojekt „sputnike“ und setzt dabei neue Kräfte frei.

Hamburg Bremen

1

F. Für viele Jugendliche ist der Übergang von der Schule in den Beruf mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden. Das „Forumtheater“ hilft ihnen, (schau-)spielerisch eigene Lösungswege zu entwickeln.

E. Vor- und Grundschulkinder F. Eltern mit Migrationshintergrund haben es oft schwer, ihre Kinder so zu unterstützen, wie es das deutsche Schulsystem erfordert. Das Patenschaftsprogramm „Schule für alle“ bietet Migrantenkindern eine Eins-zu-eins-Betreuung durch Lehramtsstudenten.

D. Begabtenförderung, Elternbildung/Elternmobilisierung E. Gymnasiasten, Haupt-, Real-, Gesamtschüler der 7. bis 10. Klasse

2 4 7 5 8 6

F. Junge Migranten sind an deutschen Gymnasien und Hochschulen deutlich unterrepräsentiert. Das START-Stipendienprogramm unterstützt engagierte Schüler mit Migrationshintergrund auf dem Weg zum Abitur und Studium.

Nienburg
4 A. KINDERWELTEN B. Internationale Akademie INA gGmbH (Institut für den Situationsansatz) C. Berlin D. Qualifikation pädagogischer Fachkräfte, frühkindliche Bildung 5 A. Netzwerk Schülerhilfe Rollberg 6 A. Vorlesestunden für Kinder C. Berlin 9

3

Berlin
13 A. Ausbildung für junge Migrantinnen 14 A. DeutschSommer und Diesterweg-Stipendium B. Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main 15 A. Agabey-Abla B. Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e. V. C. Stuttgart D. Außerschulische Lernförderung, MentorenProgramme, Begabtenförderung E. Gymnasiasten, Grundund Hauptschüler

B. Förderverein Gemeinschaftshaus Morus 14 e. V. C. Berlin D. Außerschulische Lernförderung, MentorenProgramme, Förderung interkultureller Kompetenz E. Grundschulkinder F. Im Rollbergviertel in BerlinNeukölln leben Ausländer aus über 30 Nationen. Die Kinder kommen nur selten aus ihrem Stadtteil heraus und ihre Eltern haben oft Schwierigkeiten, sie in der Schule zu unterstützen. Das „Netzwerk Schülerhilfe Rollberg“ hilft mit einer originellen Mischung aus Nachhilfe- und Patenprojekt.

B. Lesewelt Berlin e. V. D. Sprachbildung

Osnabrück

B. Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e. V. C. Frankfurt am Main D. Mädchen-/Frauenförderung, Benachteiligtenförderung

E. Kinder zwischen vier und zwölf Jahren

1 C. Frankfurt am Main

E. Vor- und Grundschulkinder F. Es passiert leicht, dass Kinder andere Kinder aufgrund ihrer Kleidung, ihrer Hautfarbe, ihrer Essgewohnheiten oder ihrer Sprache diskriminieren. Das Projekt KINDERWELTEN zeigt, wie Kindertagesstätten dieser Diskriminierung begegnen können.

F. Wie kann ein Buch für Kinder aus bildungsfernen Familien zum Erlebnis werden? Dies lässt sich in den Vorlesestunden des Vereins „Lesewelt Berlin“ entdecken – über 1.000 Mal pro Jahr.

10

Ruppichteroth

11

Pohlheim

E. Junge Migrantinnen unter 27 Jahren F. Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist der Schlüssel zur Integration. Dies gilt in besonderem Maße für junge Migrantinnen – für sie engagiert sich der VbFF mit einem Ausbildungsprojekt.

D. Außerschulische Lernförderung, Elternbildung/ Elternmobilisierung, Begabtenförderung E. Schüler der 3. bis 4. Klasse und ihre Familien

12

13

14

Frankfurt

7

A. Sprint B. Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e. V. C. Berlin D. Sprachbildung, außerschulische Lernförderung, Qualifikation pädagogischer Fachkräfte

8

9 A. Mädchentreff MaDonna und Mädchencafé Schilleria B. MaDonna Mädchenkult.Ur e. V. C. Berlin D. Mädchen-/Frauenförderung, außerschulische Lernförderung E. Mädchen und junge Frauen F. Viele junge Migrantinnen sind aufgrund ihres kulturell oder religiös geprägten Familienhintergrunds starken Beschränkungen in Freizeit und Berufswahl unterworfen. Der „MaDonna Mädchenkult. Ur e. V.“ bietet neue Perspektiven.

F. Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, insbesondere mit Migrationshintergrund, erhalten am Ende ihrer Grundschulzeit überproportional häufig eine Empfehlung für die Haupt- bzw. Realschule. Die Projekte „DeutschSommer“ und „Diesterweg-Stipendium“ fördern diese Kinder gezielt und ermöglichen ihnen damit einen höheren Bildungsweg.

F. Kinder mit türkischem Migrationshintergrund werden in ihrer schulischen Entwicklung oftmals nicht ausreichend von ihren Eltern unterstützt. Das Mentorenprojekt „Agabey-Abla“ füllt diese Lücke mit „großen Brüdern“ (Agabey) bzw. „großen Schwestern“ (Abla).

A. Balu und Du B. Balu und Du e. V. C. Osnabrück D. Mentoren-Programme, Qualifikation pädagogischer Fachkräfte, außerschulische Lernförderung E. Grundschulkinder F. Die Gründe, warum ein Kind Schulprobleme haben kann, sind vielfältig. Das Mittel dagegen kann manchmal einfach sein: dem Kind Zeit, Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken. Genau das macht das Mentorenprojekt „Balu und Du“.

15

Stuttgart
17

16

Dorfen

München

16 A. Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe

17 A. Atelier La Silhouette B. Junge Frauen und Beruf e. V. C. München D. Mädchen-/Frauenförderung, Benachteiligtenförderung

B. Dorfener Zentrum für Integration und Familie e. V. C. Dorfen D. Außerschulische Lernförderung, Elternbildung/ Elternmobilisierung E. Grundschulkinder

E. Jugendliche zwischen dem 5. und 10. Schuljahr F. Sprachförderung ist nicht alles, aber ohne Sprachförderung gelingt keine Integration. Wie eine wirksame Methode zur Sprachförderung aussieht, zeigt „Sprint“.

Legende A. Projektname B. Organisationsname C. Sitz der Organisation D. Handlungsansatz E. Zielgruppe F. Beschreibung

30

E. Junge Migrantinnen, überwiegend mit FlüchtF. Viele Grundschüler mit Migralingsstatus tionshintergrund haben großes F. Bei der Suche nach AusPotenzial, das aber ohne gebildungsplätzen sind zielte Zusatzförderung häufig junge Migrantinnen aus nicht gehoben werden kann. Krisengebieten und mit Mit der Nachhilfe des Dorfener Flüchtlingsstatus nahezu Zentrums für Integration und Faohne Chance – wenn sie milie erhalten Migrantenkinder keine qualifizierte Hilfe die Chance, ihre Kompetenzen erhalten, wie vom „Atelier zu entfalten. La Silhouette“.

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IN VIER SCHRITTEN ZUR PHINEO-EMPFEHLUNG

DIE PHINEO-METHODE: ANALYSE MIT HERZ UND VERSTAND
Die PHINEO-Analyse ist ein unabhängiges Analyseverfahren für gemeinnützige Aktivitäten. PHINEO analysiert gemeinnützige Organisationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und des Wir-

Eine Empfehlung durch PHINEO setzt das erfen voraus.

folgreiche Durchlaufen aller vier Analysestu-

In einem ersten Schritt geben die Organisationen Auskunft über ihre Aktivitäten und Projekte sowie zu ihrer Gemeinnützigkeit. Passt diese Darstellung zum ausgeschriebenen Thema und erfüllt das Projekt die PHINEO-Anforde-

DIE NEUN KRITERIEN DER PHINEO-ANALYSE
Sechs organisationsbezogene und drei projektbezogene Kriterien bilden den Fahrplan für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit Wirksamkeit ihrer Aktivitäten.

THEMENREPORTS ALS AUSGANGSBASIS
Den inhaltlichen Rahmen für die PHINEO-Analyse bilden die Themenreports. Sie stellen den Stand der Forschung und erfolgreiche Handlungsansätze gemeinnützigen Engagements

kungspotenzials ihrer Projekte. Die PHINEO-Analyse besteht aus

rungen, senden sie in der nächsten Runde InJahresberichte, Finanzinformationen und BeDiese werden von dem Analystenteam ausgewertet.

engagement mit wirkung

einem vierstufigen Verfahren, das gemeinnützigen Organisationen aller Art und Größe offensteht. Am Ende der Analyse steht eine umfassende Einschätzung der Handlungsansätze, Chancen, Herausforderungen und Förderbedarfe der Organisationen, die überAnalyseverfahren ist für die gemeinnützigen Organisationen kostenfrei. sichtlich in einem Porträt dargestellt werden. Die Teilnahme am

formationsmaterialien – darunter die Satzung, richte über ihre inhaltliche Arbeit – an PHINEO.

einer gemeinnützigen Organisation und der

in verschiedenen Bereichen vor. Diese KontextArbeit in konkreten Bereichen angemessen

Vermuten ist gut, herausfinden ist besser.

Die Einschätzung des Wirkungspotenzials des Projekts erfolgt über folgende drei Kriterien: Ziele und Zielgruppen

analyse ist die Voraussetzung, gemeinnützige einschätzen zu können. Denn für gemeinnützige Arbeit im Bereich Demenz gelten beispielsweise andere Rahmenbedingungen als in der
phineo
Plattform für Soziale Investoren

In der nächsten Stufe stehen Besuche bei

den gemeinnützigen Organisationen an: Die perten vor Ort ein Bild. Ist das Team von der

Analyse des Themenfeldes mit seinen Herausforderungen und Besonderheiten

Konzept sowie Ansatz Qualitätsentwicklung

Analysten verschaffen sich gemeinsam mit ExArbeit überzeugt, schlägt es die Organisation für die Empfehlungskommission vor. Die dort versammelten externen Experten entscheiden abschließend darüber, welche Organisationen und Projekte von PHINEO empfohlen werden.
Das Verfahren zur Porträtierung von Organisationen und Projekten
Erhebung der Daten

Umweltbildung. Bei der Erarbeitung des Themen-

reports arbeitet PHINEO mit Experten zusammen.
Das Verfahren zur Erstellung des Themenreports

Eine ausführliche Darstellung der Methode finden Sie in dem 52 Seiten umfassenden Handbuch „Engagement mit Wirkung“auf www.phineo.org.

Analyse der Organisation auf ihre Leistungsfähigkeit

Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Kriterien:

Organisation erfolgt über die folgenden sechs

Analyse des Projekts im Themenfeld auf sein Wirkungspotenzial

Vision und Strategie Aufsichtsgremien

Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Öffentlichkeitsarbeit

Finanzierungskonzept und Fundraising

Finale Bewertung
Zusammenfassung und Analyse aller Erkenntnisse aus dem Bewerbungsverfahren

1 2 3 4

1 2 3

Gutachten

Expertensitzung

Erhebungsdaten Vertiefende Recherchen und Interviews

Online-Fragebogen

Veröffentlichung des Themenreports

Informationsmaterialien

Vor-Ort-Besuche bei gemeinnützigen Organisationen

Empfehlungskommission

Porträtierung als Beispiele guter Praxis

32

33

Dr. Andreas Keller: Mitglied des Bundesvoraus Russland

standes der Landsmannschaft der Deutschen Prof. Dr. Marianne Krüger-Potratz: Leiterin

der Arbeitsstelle Interkulturelle Pädagogik an

HERZLICHEN DANK!
Die PHINEO gAG bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten, die an der Erarbeitung des Themenreports „Brücken bauen! Integration junger Migranten durch Bildung“ mitgewirkt haben. Dieser Themenreport und die dazugehörigen Porträts wären ohne die kontinuierliche und kompetente Begleitung durch eine Vielzahl von renommierten Wissenschaftlern und erfahrenen Praktikern im Feld der Integration igen Sektors nicht möglich gewesen. und Bildung sowie Kennern des gemeinnütz-

der Universität Münster, „Seniorprofessorin“ für Interkulturelle Bildung

IMPRESSUM
1. Auflage, Dezember 2010 © PHINEO, Berlin Kontakt PHINEO gAG 10178 Berlin
Dieser Themenreport stellt mit den gemeinnützige Projekte und Orgabeiliegenden Porträts verschiedene nisationen vor. PHINEO weist jedoch jekten und Organisationen lediglich um Beispiele zu einem bestimmten

Kaya Meytap: Mitglied im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland e. V., Bonn

Anke Krause: Projektkoordination am Institut Claudia Walther: Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

für den Situationsansatz (ISTA) an der FU Berlin

Für inhaltliche Fragen zu diesem Themenreport steht Ihnen gerne zur Verfügung: Dr. Andreas Schmidt andreas.schmidt@phineo.org Hauptverantwortung: Ina Epkenhans

Anna-Louisa-Karsch-Str. 2 T + 49 . 30 52 00 65-400 F + 49 . 30 52 00 65-403 info@phineo.org www.phineo.org Für Fragen zu PHINEO stehen Ihnen gerne zur Verfügung: Sabine Arras sabine.arras@phineo.org Wiebke Gülcibuk wiebke.guelcibuk@phineo.org

darauf hin, dass es sich bei diesen Pro-

Für die Unterstützung bei der Analyse der

Themenbereich handelt, daneben gibt Projekte und Organisationen. Es ist tieren. Die Informationen zu den

gemeinnützigen Organisationen und ihrer wir uns bei:

es zahlreiche weitere erwähnenswerte PHINEO nicht möglich, alle zu porträOrganisationen basieren auf deren

Projekte auf ihre inhaltliche Qualität bedanken Andreas Schmitz: context – interkulturelle kommunikation und bildung

Analyse: Dr. Andreas Schmidt (verantwortRedaktion: Wiebke Gülcibuk, Diana Krebs, Dr. Andreas Schmidt Berlin Gestaltung: Scholz & Friends Reputation, Druck: Druckhaus Mitte, Berlin Bildnachweise U1: S. 1:

lich), Franz-Martin Schäfer, Charlotte Buttkus

eigenen Angaben. Eine vollständige sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen

Überprüfung dieser Angaben ist trotz durch PHINEO nicht möglich. PHINEO übernimmt daher keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und

Für ihr Gutachten im Vorfeld dieses Themenreports danken wir herzlich: Prof. Dr. Marianne Krüger-Potratz und Pädagogik an der Universität Münster

Auch bei den Mitgliedern der Empfehlungskommission bedanken wir uns herzlich: Weert Diekmann: Dekabank Deutsche Girozentrale, Frankfurt Banking

Christine Grote: Arbeitsstelle Interkulturelle

Aktualität der Informationen. Gleiches Projekten und Organisationen. Finanzielle Investitionen erfolgen in jedem Fall auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen

gilt für die zukünftige Entwicklung von

Ein ebenso herzlicher Dank gilt den Experten, die uns bei der thematischen Vorbereitung shop unterstützt haben: der RAA NRW in Essen dieses Reports in einem ganztägigen WorkChristiane Bainski: Leiterin der Hauptstelle Oksana Berger: Vorstand des ANE (Arbeitskreis Neue Erziehung e. V.), Berlin Dr. Schahrzad Farrokhzad: Univation – Institut Christine Grote: Koordinatorin der Arbeitsstelle Interkulturelle Pädagogik an der Universität Münster

Dr. Stefan Fritz: HypoVereinsbank Private Dr. Steen Ehlern: Ferguson Family Office Dr. Christian Meyn: Auridis GmbH Monika Sandrock: Balanced Solutions Dr. Dirk Scheffler: e-fect hoffmann + scheffler gbr Bank

Oliver Berg, picture-alliance/dpa Thomas Kunsch, PHINEO gAg

S. 4-5: Ute Grabowsky, photothek S. 14: S. 15: S. 19:

besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der veröffentlichten Inhalte und besonders die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen zurückgeführt werden, sind ausgeschlossen.

S. 10-11: Felix Hörhager, Picture Alliance

Sabine Jakobs, Atelier La Silhouette e.V. Manfred Zande, Forumtheater inszene e.V. Michaela Kruse-Heine, Balu und Du e.V.

Mirjam Schwink: Baden-Württembergische Johanna von Hammerstein: BürgerStiftung Hamburg Prof. Dr. Michael Vilain: Evangelische Fachhochschule Darmstadt Dr. Heinrich Weninger: KATHREIN & CO. Privatgeschäftsbank Aktiengesellschaft

S. 20-21: David Jones, Picture Alliance/dpa

Schutzgebühr Druckausgabe: EUR 19,90.

für Evaluation Dr. Beywl & Associates GmbH, Köln

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Die Projektporträts aller Themenreports finden Sie im Internet unter: www.phineo.org/projektporträts.

LITERATURVERZEICHNIS
Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.), Berlin 2009 Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Ethnische Konstanz 2010 Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt (Feldstudie),

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Zuwanderer in Deutschland – mit Migrationshintergrund durch das Institut für Demoskopie Allensbach, Gütersloh 2009 Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Menschen

HIS Hochschul-Informations-System, Die wirtschaftliche und

soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland

2009, 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, Berlin 2010 ifo Institut für Wirtschaftsforschung, Was unzureichende

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Integration durch Bildung, Emnid-Umfrage, Gütersloh 2008

Bildung kostet. Eine Berechnung der Folgekosten durch entgangenes Wirtschaftswachstum (im Auftrag der Bertelsmann Stiftung), Gütersloh 2009

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Ausgaben für Nachhilfe – teurer und unfairer Ausgleich für fehlende individuelle Förderung, Gütersloh 2010

Institut für Schulentwicklungsforschung, Erster Bericht zu von Schülerinnen und Schülern – Jahrgangstufe 7“ (KESS 7), Dortmund 2009

den Ergebnissen der Studie „Kompetenzen und Einstellungen

Bommes/Krüger-Potratz (Hrsg.), Migrationsreport 2008. Fakten, Analysen, Perspektiven, Frankfurt/New York 2008

Boston Consulting Group (Hrsg.), Standortfaktor Bildungsintegration – Bildungschancen von Schülern mit Migrationshintergrund entscheidend für Standort Deutschland, München 2009 Bundesministerium des Innern (Hrsg.), Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung. Migrationsbericht 2008, Nürnberg 2010 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Schulische Bildung von Migranten in Deutschland, Working-Paper 13 der Forschungsgruppe des Bundesamtes für Migration und Nürnberg 2008 Flüchtlinge, BAMF, aus der Reihe „Integrationsreport“ Teil 1,

Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik/

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH,

Integration in Deutschland. Erster Integrationsindikatorenbericht: Erprobung des Indikatorensets und Bericht zum bundesweiten Integrationsmonitoring, erstellt für die Beauftragte der Bundes-

regierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Berlin 2009 OECD, PISA 2009 Ergebnisse: Zusammenfassung, 2010 Sinus Sociovision (Hrsg.) Lebenswelten von Migranten (Studie Migranten-Milieus), Heidelberg 2008

Statistisches Bundesamt, Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2009, Wiesbaden 2010

Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS), Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Bildungseffekte bei Krippenkindern, Bern 2008a Deutschland. Eine ökonomische Bewertung langfristiger

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (Hrsg.),

Bildungschancen junger Aussiedler(innen) und anderer Migrant(inn)en der ersten Generation. Ergebnisse des DJI-Jugendsurveys zu den Einwandererkohorten seit Ende der 1980er-Jahre, Berlin 2008

Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS), Weitere Literaturtipps sowie interessante Links zum Thema finden Sie unter www.phineo.org. Gesellschaftliche Kosten unzureichender Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern in Deutschland. Welche gelingt? Gütersloh 2008b

gesellschaftlichen Kosten entstehen, wenn Integration nicht

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PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesell-

schaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft und um den gemeinnützigen Sektor zu stärken.

vestoren auf Basis der mehrstufigen PHINEOPotenzial haben, die Gesellschaft nachhaltig werten Organisationen, Reports zu ausgewählten Themenfeldern, Ratgebern zum

Zivilgesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, Um dieses Ziel zu erreichen, setzt PHINEO bei

Analyse gemeinnützige Projekte, die besonderes zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlens-

Sozialen Investoren an. Das sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen In-

„Wie” des Gebens sowie individueller Bera-

tung bietet PHINEO Sozialen Investoren eine

Plattform für Orientierung: www.phineo.org.

PHINEO IST EIN BÜNDNIS STARKER PARTNER
Hauptgesellschafter

Gesellschafter

Ideelle Gesellschafter

Strategische Partner

Förderer

Internationaler Jugendaustausch AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.
Die Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 1979 Kontakt Barbara Bretschneider Strategische Kooperationen Friedensallee 48 22765 Hamburg (040) 39 92 22 37 Barbara.Bretschneider@afs.org www.afs.de Das Projekt Start des Projekts: 2002	 Erreichte Personen: seit 2002 rund 625 Austauschschüler mit Migrationshintergrund Wirkungsregion: regional, bundesweit, international
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2007	 2008	 2009	

Herausforderung

Migranten haben Identitätskonflikte Drei Viertel aller Migranten möchten die Werte und Traditionen aus ihrer Herkunftsgesellschaft mit denen in Deutschland verbinden. Gerade bei Heranwachsenden führt das häufig zu Identitätskonflikten. Die Antwort des AFS ist überraschend, aber effektiv: Die jungen Migranten entwickeln beim Schüleraustausch im Ausland ein eigenes Identitätsgefühl. Die Teilnahme an einem internationalen Schüleraustausch fördert Selbstbewusstsein, Flexibilität und eine positive Identitätsbildung. Denn die Methoden der internationalen Jugendarbeit haben die Kompetenzen der Jugendlichen im Fokus und nicht ihre Defizite. Die Auslandserfahrungen unterstützen aktive Partizipation und interkulturelles Lernen in authentischer Umgebung. Bisher sprechen die internationalen Austauschprogramme in Deutschland allerdings überwiegend das bildungsbürgerliche Milieu an (86 Prozent aller Austauschschüler sind Gymnasiasten).

Handlungsansatz

12.290.033	€	 100.000 	€ 13.907.543	€	 100.000 	€ 14.019.640	€	 100.000 	€

Schüleraustausch fördert Identitätsbildung Der „AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.“ ist eine Organisation der internationalen Jugendarbeit. Er vermittelt jährlich über 1.000 Jugendliche in Gastfamilien in rund 50 Länder, von Alaska über Ghana bis hin zu China und Indien. Seit einigen Jahren verfolgt der AFS konsequent das Ziel, deutlich mehr jungen Migranten durch einen Auslandsaufenthalt die Chance zu eröffnen, internationale Erfahrungen zu sammeln und dabei ihr – auch deutsches – Identitätsgefühl zu stärken. Wie deutsche Jugendliche sollen sie die Chance bekommen, an den Austausch-, Freiwilligenund Gastfamilienprogrammen des AFS teilzunehmen. Während des Schüleraustauschs leben die Jugendlichen in einer Gastfamilie und gehen vor Ort zur Schule. Um das Interesse der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie deren Eltern zu wecken, werden sie gezielt deutschlandweit angesprochen. Mehrsprachige Flyer machen Jugendlichen mit Migrationshintergrund Lust auf ein Auslandsjahr. Die Materialien werden vorrangig an Schulen mit hohem Migrantenanteil sowie über Migrantenorganisationen verteilt. Ihre Bewerbungen werden besonders berücksichtigt und sie erhalten Stipendienmöglichkeiten.

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Hauptamtliche 	 Ehrenamtliche 	 Honorarkräfte 	 77		 0		 	 	 77* 0

*	Auf das Projekt entfällt jeweils nur ein 	 kleiner Teil der Gesamttätigkeit aller 	 Mitarbeiter (Querschnittsaufgabe).

3.800		

	3.800*

Internationaler Jugendaustausch AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

akzeptabel

Finanzierungsquellen der Organisation A. 4,6% B. 4,4% C. 0,7% E. 1% F. 4% G. 85,3%
A. 	 Spenden C.	

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen* H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Migranten werden Mittler Aktuell nehmen 125 Austauschschüler mit Migrationshintergrund an dem Programm teil. Einige Schüler erhalten ein Teilstipendium (Stipendienvolumen 100.000 Euro p.a.). Erste positive Resultate sind messbar: Der Anteil Jugendlicher mit Migrationshintergrund an der Gesamtzahl der Austauschschüler steigt beim AFS langsam, aber stetig. Hatten 2008 nur 7,6 Prozent einen Migrationshintergrund, sind es 2009 bereits 10 Prozent. Ziel sind 18,6 Prozent. Das würde dem Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland entsprechen. Weitere positive Wirkungen zeigen sich bei den teilnehmenden Migranten. Im Ausland wird ihre Mehrsprachigkeit und „Doppelkulturalität“ als wichtige Ressource und besondere Kompetenz anerkannt und nicht als Defizit gesehen. Außerdem nehmen sich die Jugendlichen im Ausland verstärkt als Deutsche wahr und erkennen, wie sie auch von deutscher Kultur geprägt sind. Nach dem Jahr blicken sie positiver auf ihre Zukunft in Deutschland. Viele erkennen die Chance, in einer multikulturellen Gesellschaft wie Deutschland als „Mittler“ zu wirken. Auch die Engagementbereitschaft wird gestärkt. Viele Teilnehmer engagieren sich nach ihrer Rückkehr ehrenamtlich in den über 100 lokalen Gruppen des AFS und verhelfen so weiteren Migranten zu einem Auslandsjahr. Damit entfaltet das Angebot eine Multiplikationswirkung über den Einzelfall hinaus auf die Gestaltung der Integration in Deutschland.

Empfehlungen

Auslandsstipendien fördern PHINEO schätzt das Wirkungspotenzial des Projekts als sehr hoch ein. Im Bereich der Aufsichtsstrukturen des Vereins gibt es aus PHINEO-Sicht jedoch noch Verbesserungspotenzial. Angesichts der Größe der Organisation wäre ein weiteres Kontrollgremium wünschenswert. Ein Sozialer Investor muss für sich selbst entscheiden, ob ihm die jährliche Delegiertenversammlung des AFS als Kontrollgremium ausreicht. In der Gesamtschau ist der AFS mit seinen Bemühungen zur nachhaltigen Integration junger Migranten für ein soziales Investment sehr zu empfehlen. Förderer können Teilstipendien finanzieren und dadurch weiteren Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein Austauschjahr ermöglichen (2.500 Euro je Teilstipendium). Auf Wunsch können Spender „ihren“ Austauschschüler persönlich kennenlernen. Gut eingesetzt wären Finanzmittel auch für die Etablierung einer wissenschaftlichen Begleitforschung. Aber selbst kleine Spenden helfen. Mit 150 Euro kann beispielsweise ein Informationsabend für Eltern mit Migrationshintergrund ermöglicht werden.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

5

BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Förderung interkultureller Kompetenz Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.
* Hinweis: Eigenbeiträge der Programm	 teilnehmer sind unter „Leistungsab	 hängige Einnahmen“ erfasst.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

AGabey-Abla Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e.V.
Die Organisation Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 1999 Kontakt Kerim Arpad Geschäftsführer Nadlerstraße 4 70173 Stuttgart (0711) 24 84 441 info@dtf-stuttgart.de www.dtf-stuttgart.de Das Projekt Start des Projekts: 2008/2009 	 Erreichte Personen: derzeit 78 Mentoring-Paare Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2007	 2008	 2009	 266.000 	 		 –	 € 392.000 € 	
	

Kinder in der Schule unterstützen Kinder mit türkischem Migrationshintergrund werden in ihrer schulischen Entwicklung oftmals nicht ausreichend von ihren Eltern unterstützt. Das Mentorenprojekt „Agabey-Abla“ füllt diese Lücke mit „großen Brüdern“ (Agabey) bzw. „großen Schwestern“ (Abla). Studien belegen, dass der Bildungserfolg der Kinder entscheidend von ihren Familien abhängt. Gerade Familien mit Migrationshintergrund haben aber eine vergleichsweise große Distanz zum deutschen Schulsystem. Mangelnde Sprachkenntnisse und fehlende Bildungserfahrung führen dazu, dass sie ihre Kinder häufig nicht optimal auf eine erfolgreiche Bildungskarriere vorbereiten und ausreichend im Bildungsverlauf unterstützen können. Fehlendes Wissen über das Bildungssystem kann außerdem zu elterlichen Bildungsentscheidungen führen, die den Fähigkeiten ihrer Kinder nicht gerecht werden. Mentoren unterstützen türkische Kinder Das Deutsch-Türkische Forum (DTF) in Stuttgart setzt sich mit dem Stipendien- und Mentorenprogramm für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung unter Anerkennung ihrer kulturellen Wurzeln ein. Im Projekt „AgabeyAbla“ werden Mentoren eingesetzt, um türkischstämmige Grund- und Hauptschüler

Herausforderung

(1. bis 7. Klasse) sowie Gymnasiasten sowohl in ihren schulischen Leistungen zu fördern als auch ihre soziale Kompetenz zu verbessern. Die Mentoren sind Studenten und Gymnasiasten mit türkischem Migrationshintergrund. Sie geben wöchentlich zwei Stunden im Eins-zuEins-Verhältnis Förderunterricht in den Räumen der jeweiligen Kooperationsschule. Je nach individuellem Bedarf der Kinder beinhalten die Stunden Deutsch, Mathematik oder Englisch. Darüber hinaus begleiten sie ihre „jüngeren Geschwister“ auch außerhalb der Schule bei Ausflügen, Besuchen in Museen oder Büchereien und bei kulturellen Veranstaltungen. Über die Zeit entsteht ein enges Vertrauensverhältnis, sodass sich die Kinder auch bei außerschulischen Schwierigkeiten (Familie, Freundeskreis, persönliche Probleme) an die Mentoren wenden. Aber auch die Eltern fassen Vertrauen, indem sie einbezogen werden. So begleiten die Mentoren die Eltern beispielsweise zu Schulsprechtagen. Dadurch werden sie gewissermaßen zur „großen Schwester/ großem Bruder“ im türkischen Verständnis von Familie. Für ihren Einsatz erhalten die Mentoren ein Stipendium für eigene Bildungszwecke in Höhe der Studien- und Semestergebühren sowie eine Netzfahrkarte. Gymnasiasten erhalten eine monatliche Förderung.

240.000 	 		 52.000 	 € € 180.000	 €

€

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Honorarkräfte 	 Hauptamtliche 	 7		 	 7

4			3 (Teilzeit) 	 85

Ehrenamtliche 	

100 		

Handlungsansatz

AGabey-Abla Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 4% A. 6% F. 25% D. 10% C. 5% B. 50%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Mentorenbegleitung zeigt Wirkung Schon ein Jahr nach Gründung gibt es 78 Mentoring-Paare an fünf Schulen in Stuttgart und Umgebung. Eine externe Evaluation im Auftrag des DTF ergab eine signifikante Verbesserung der schulischen Leistungen der Schüler sowie der sozialen und pädagogischen Kompetenzen der Mentoren. Der Evaluationsbericht zeigt zudem einen hohen Zufriedenheitswert bei Lehrern, Eltern und Schülern. Über die fachlichen Verbesserungen hinaus erleben insbesondere die Kinder eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls und entdecken neue Wege der Freizeitgestaltung. Die Mentoren weisen selbst oft einen holprigen Bildungsweg auf. Dass sie es dennoch geschafft haben, macht sie für Kinder und deren Eltern zu einem besonderen Vorbild. Ein häufig zu hörender Satz der jüngeren „Geschwister“ ist: „Ich möchte mal studieren, wie der Agabey oder die Abla.“ Auch die Mentoren profitieren. Neben dem Stipendium erhalten sie regelmäßige Fortbildungen und werden Teil eines wachsenden Mentoren-Netzwerks. Besonders geschätzt wird jedoch die Chance, über das Projekt mit den eigenen sozialen Wurzeln eng verbunden zu bleiben.

Weitere Stipendien fördern Die PHINEO-Analyse bescheinigt „AgabeyAbla“ ein sehr hohes Wirkungspotenzial. Demnach wird das Projekt von den PHINEOAnalysten als förderungswürdig eingeschätzt. Das DTF finanziert sich zu einem wesentlichen Teil aus öffentlichen Mitteln. Mit Blick auf die klammer werdenden öffentlichen Kassen wird aber mit einem Rückgang der kommunalen Mittel gerechnet, der durch privates Kapital ausgeglichen werden muss. Deshalb benötigt der Verein zum einen Spenden, um das bestehende Angebot zu erhalten, und zum anderen Gelder, um weitere Mentoren-Gespanne zu ermöglichen. Konkret können Förderer einzelne Stipendien in Höhe von rund 2.500 Euro im Jahr für die Mentoren finanzieren. Sinnvoll wäre auch eine Investition in die anstehende Optimierung der Aus- und Fortbildung der Mentoren. Ein Fortbildungstag kostet etwa 500 Euro. Förderungswürdig wären auch Aufbau und Betrieb einer interaktiven Internetseite, um das Mentoren-Netzwerk zu festigen und den Erfahrungsaustausch untereinander zu unterstützen. Aber auch kleinere Spenden für Freizeitaktivitäten der Mentoren und ihrer betreuten „Geschwister“ helfen weiter, beispielsweise für Eintritt in Museen, Führungen, Workshopteilnahme, Ausflüge.

Empfehlungen

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Außerschulische Lernförderung; Mentoren-Programme; Begabtenförderung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Atelier La Silhouette Junge Frauen und Beruf e.V.
Die Organisation Junge Frauen und Beruf e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 1987 Kontakt Barbara Hemauer-Volk Geschäftsführerin Pariser Str. 13 81667 München (089) 68 86 138 info@la-silhouette.de www.la-silhouette.de Das Projekt Start des Projekts: 1987	 Erreichte Personen: 16 Auszubildende 2009 Wirkungsregion: lokal
Einnahmen	 Organisation = Projekt 2008		 2007		 452.000 	€		 555.000 	€	 493.000 	€		

Herausforderung

Migrantinnen ohne Ausbildung Bei der Suche nach Ausbildungsplätzen sind junge Migrantinnen aus Krisengebieten und mit Flüchtlingsstatus nahezu ohne Chance – wenn sie keine qualifizierte Hilfe erhalten, wie vom „Atelier La Silhouette“. Junge Frauen mit Migrationshintergrund haben es besonders schwer, in Deutschland eine Ausbildung zu finden. Das gilt umso mehr, wenn sie aus einem Bürgerkriegsgebiet wie dem ehemaligen Jugoslawien oder verschiedenen Regionen Afrikas stammen. Geringe Schulbildung und mangelnde Deutsch-Kenntnisse sind dabei nur ein Teil des Problems. Schwerer wiegen die persönlichen Gewalt­ erfahrungen, die viele der jungen Frauen in der Familie oder im sozialen Umfeld erlebt haben. Diese zum Teil traumatisierten jungen Frauen, die sich in den Arbeitsmarkt nie alleine eingliedern könnten, benötigen eine Ausbildung, die neben der fachlichen Anleitung eine intensive sozialpädagogische Betreuung gewährleistet.

2009		

	

einer erfolgreichen Handwerks-Ausbildung. Das „Atelier“ mit eigenen Modekollektionen in interkulturellem Design ist ein regulärer Ausbildungsbetrieb, der mit der klassischen Gesellenprüfung nach drei Jahren abschließt. Die Mädchen haben Kundenkontakt und präsentieren ihre Produktionen selbst. Einmal im Jahr arbeiten sie gemeinsam an einem größeren Projekt und designen zu einem speziellen Thema Outfits, die dann öffentlichkeitswirksam vorgestellt werden. Beispielsweise entwarfen sie die Kollektion für die ehrenamtlichen Helfer in München zur Fußballweltmeisterschaft 2006. Dabei erlangen die Frauen nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern auch ein selbstbewusstes Auftreten und sie erfahren Wertschätzung. Gleichzeitig – und das macht das Besondere des Projekts aus – werden die Azubis intensiv sozialpädagogisch betreut. Gerade Mädchen mit Gewalterfahrung sind auf persönliche Beratung und therapeutische Gespräche angewiesen. Die Betreuung im „Atelier“ umfasst auch ganz praktische Hilfestellungen, beispielsweise bei der Klärung des Aufenthaltsstatus oder beim Einzug in eine eigene Wohnung bis zu Nachhilfeunterricht vor allem in Deutsch und Mathematik, um die Berufsschule zu bewältigen. Unterstützt werden die Hauptamtlichen durch ein Gesellinnen-Netzwerk aus ehemaligen und im Beruf stehenden Atelier-Azubis, was den Charakter einer großen Familie schafft.

Mitarbeiter	 Organisation = Projekt Hauptamtliche 		 Honorarkräfte 		 7		 4		 	 	

	

Ehrenamtliche 		

ca. 15		

Handlungsansatz

Handwerk und Pädagogik Hand in Hand Die Münchener Damenmaßschneiderei „Atelier La Silhouette“ bietet jungen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund eine intensive Verzahnung von sozialpädagogischer (zum Teil auch therapeutischer) Begleitung mit

Atelier La Silhouette Junge Frauen und Beruf e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 4% B. 16%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 80%
A. 	 Spenden C.	

			 			 			 			 			

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Ausbildungen geben Zukunft Seit 1987 hat der Betrieb über 100 Mädchen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern und Deutschland ausgebildet. Aktuell hat das „Atelier“ 16 Auszubildende. Die intensive persönliche Betreuung wirkt: Seit der Gründung haben 94 Prozent der Azubis die Ausbildung beendet, was angesichts der prekären Situationen, in denen sich die jungen Frauen befinden, beeindruckend ist. Nach der Ausbildung legen nahezu alle erfolgreich die Gesellinnenprüfung ab, viele bekommen im Anschluss eine Stelle. Entsprechend begehrt sind die Ausbildungsplätze. Zur Ausbildung gehört auch die Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls. Viele Frauen verlassen das „Atelier“ in einer guten psychosozialen Verfassung, haben gelernt, einen eigenen Haushalt zu führen und selbstbestimmt zu leben. Dies alles führt zu einer stabilen Persönlichkeitsentwicklung, weswegen viele Frauen auch nach Ausbildungsende in Kontakt mit dem „Atelier“ bleiben. Das „Atelier La Silhouette“ ist jedoch mehr als ein reiner Ausbildungsbetrieb; mit hohem persönlichem Einsatz eröffnet es jungen Migrantinnen eine Zukunft, die sie oft schon nicht mehr für möglich gehalten hatten.

Empfehlungen

Investition in ein Erfolgsmodell mit Handwerk und Pädagogik Das „Atelier“ bedarf angesichts steigender Betriebskosten und einer zurückgehenden Grundfinanzierung aus öffentlichen Mitteln eines nachhaltigen Investments von privaten Förderern, um die hohe Qualität der Betreuung auf Dauer aufrechtzuerhalten. Fördermittel werden insbesondere für die Intensiv-Lernstunden für Azubis benötigt (bis zu 5.000 Euro für Materialien und Honorare) und für das jährliche Großprojekt (15.000 - 20.000 Euro). Förderer können sich auch an dem Aufbau der Homepage oder dem Ausbau der Werkstatt beteiligen. Mit 12.000 Euro ließe sich beispielsweise eine Küche zur täglichen Essensversorgung der Azubis einbauen. Soziale Investoren können bei einem dauerhaften Investment in das „Atelier“ mit einer intensiven persönlichen Betreuung rechnen und erhalten Einblicke in die „Familie“ ebenso wie in die Finanzen, auch wenn Finanzdaten nicht generell veröffentlicht werden. Der Verein ist klein und muss derzeit seine Leitungsstrukturen neu ordnen (auch bedingt durch einen Todesfall im Vorstand). Dem nun schon über 20 Jahre tätigen Verein sollte es aber gelingen, im Leitungsbereich dauerhaft funktionsfähige Strukturen und abgegrenzte Aufgabenbereiche zu schaffen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

5

BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Mädchen-/Frauenförderung; Benachteiligtenförderung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Balu und Du Balu und Du e.V.
Die Organisation Balu und Du e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2005 Kontakt Dominik Esch Geschäftsführer Georgstraße 7, 50676 Köln (0221) 20 10 326 dominik.esch@balu-und-du.de www.balu-und-du.de Das Projekt Start des Projekts: 2002 	 Erreichte Personen: seit 2002 über 1.800 Patenschaften Wirkungsregion: bundesweit
Einnahmen	 Organisation = Projekt 2008		 2007		 109.954	€	 111.273	 €	

Herausforderung

Migrantenkinder auf Orientierungssuche Die Gründe, warum ein Kind Schulprobleme haben kann, sind vielfältig. Das Mittel dagegen kann manchmal einfach sein: dem Kind Zeit, Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken. Genau das macht das Mentorenprojekt „Balu und Du“. Insbesondere für Kinder aus Migrantenfamilien ist in der prägenden Grundschul-Phase ein „großer Freund“ an ihrer Seite von unschätzbarem Wert. Denn sie werden vielfach mit Werten und Normen einer Gesellschaft konfrontiert, die sie nicht kennen. Und wenn Familie oder Lehrer diese Werte- und Identitätskonflikte nicht auffangen, sind Schulschwierigkeiten vorprogrammiert. Hier kann ein zuverlässiger älterer Mentor durch individuelle Begleitung und persönliche Unterstützung des Kindes „auf Augenhöhe“ wertvolle Hilfe leisten – wie im „Dschungelbuch“, in dem der Bär „Balu“ den Menschenjungen „Mogli“ begleitet.

Handlungsansatz

Mentorenbeziehungen initiieren „Balu und Du“ ist ein Mentorenprojekt für Grundschulkinder. Kinder aus bildungsfernen Milieus („Moglis“) verbringen einmal pro Woche ihre Freizeit mit einem Mentor („Balu“). Sie kochen, basteln oder besuchen Bibliotheken. Etwa 45 Prozent der „Balu und Du“Gespanne verbinden verschiedene Kulturen. Diese „gemischten“ Gespanne lernen viel voneinander. Die Mentoren werden in die Migrantenfamilien einbezogen, es kommt zu einem echten kulturellen Austausch. Davon profitieren Kinder und Mentoren gleichermaßen. Die Grundschüler kommen bei den gemeinsamen Ausflügen aus ihrem Milieu heraus. Die Mentoren, meistens angehende Lehrer und Pädagogen, stärken ihre sozialen Kompetenzen und bauen Vorurteile ab. Ein Koordinator achtet darauf, dass das Projekt in ihren Studienplan eingebunden wird. Das Zusammenbringen der Kinder und ihrer Mentoren ist ebenso gut durchgeplant und transparent wie die Betreuung der Mentoren. Eine regelmäßige wissenschaftliche Begleitung ist gewährleistet. Auf diese Weise werden hohe Qualitätsstandards implementiert und das Konzept wird kontinuierlich weiterentwickelt.

2009		

66.200	 € 	

Mitarbeiter		 Organisation = Projekt Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	 1 (Teilzeit)	 578 1		 	

Balu und Du Balu und Du e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

A. 6,74% G. 5,46% E. 0,22%

Finanzierungsquellen der Organisation B. 87,58%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen* H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Gelebte Integration Die Idee zu „Balu und Du“ entstand 2002 an der Universität Osnabrück. Mittlerweile wurde ein eigener Verein gegründet. Die Nachfrage ist groß. Ende 2010 waren schon 578 „Balus“ ehrenamtlich in über 40 Städten bundesweit aktiv. Interviews mit Eltern und Lehrern sowie eine aktuelle Studie der Universität Osnabrück belegen, dass die am Projekt teilnehmenden Kinder ihre Einstellungen, Werte und Fähigkeiten durch das Mentoring positiv weiterentwickelten. Sie wurden sichtbar fröhlicher, integrierter und kommunikativer. Auch die schulischen Leistungen verbesserten sich. Demgegenüber erweiterten die studierenden Mentoren, die ein Jahr lang ein Kind mit Verantwortung und Einfallsreichtum begleitet haben, ihre Fähigkeiten in Bezug auf Arbeitshaltung, Selbstdisziplin, Kommunikation in schwierigen Situationen und Empathie. Sie bauten eigene Vorurteile ab. Damit wurden die angehenden Lehrer zu „Brückenbauern für Integration“.

Empfehlungen

Mehr Mentoren für mehr Migrantenkinder Wegen der großen Nachfrage wachsen die Koordinationsaufgaben des Vereins rapide. Nach der Anschubfinanzierung ist der Verein jetzt auf der Suche nach einem dauerhaften Partner. Investoren können als zentraler Förderer ein erfolgreich funktionierendes Projekt nachhaltig unterstützen. Benötigt werden rund 35.000 Euro jährlich für die hauptamtliche Koordination (halbe Stelle). Die Paten und Kinder im „Balu und Du e.V.“ können auch ganz unmittelbar unterstützt werden. Spender können beispielsweise die Versicherungskosten übernehmen (3.500 Euro jährlich) oder Eintritte in Museen oder Schwimmbäder finanzieren sowie Kosten für Bastelmaterialien, Lernspielsachen oder Bahntickets (120 Euro jährlich pro Gespann) tragen. Soziale Investoren sollten sich im Klaren darüber sein, dass bei „Balu und Du“ – wie bei vielen kleinen Vereinen – die Mitgliederversammlung als einziges Aufsichtsorgan nur eine schwache und eher informelle Kontrollfunktion wahrnehmen kann. Insgesamt ist die Projektarbeit aber empfehlenswert. In der PHINEO-Analyse schneidet das Projekt in Punkto Wirkungspotenzial sehr gut ab. Durch die leichte Übertragbarkeit des Konzepts bietet sich das Projekt als Modell für niedrigschwellige Integrationsansätze im Primarbereich an.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Mentoren-Programme; Qualifikation pädagogischer Fachkräfte; Außerschulische Lernförderung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.
* Hinweis: 0,08% der Honorare aus Vorträgen 	 und Veröffentlichungen wurden „Leistungs	 abhängigen Einnahmen“ zugerechnet.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

sputnike CJD Nienburg
Die Organisation CJD Nienburg Träger: Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e.V.

Rechtsform Einrichtung in gemeinnütziger Trägerschaft Gründungsjahr 1969 Kontakt Sven-W. Kühtz Kommunikation & Sozialmarketing Zeisigweg 2 31582 Nienburg (05021) 97 11 71 sven.kuehtz@cjd.de www.cjd-nienburg.de www.sputnike.de Das Projekt Start des Projekts: 1999 	 Erreichte Personen: seit Bestehen rund 140.000 Jugendliche (Teilnehmer und Besucher) Wirkungsregion: regional, landesweit, bundesweit
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2007	 2008	 2009	

Herausforderung

Brachliegende Stärken von Migranten Bei Migranten fällt der Blick meist zunächst auf das, was sie nicht können; selten stehen ihre Stärken im Vordergrund. Das ändert das Musicalprojekt „sputnike“ und setzt dabei neue Kräfte frei. Die speziellen Ressourcen junger Migranten wie Mehrsprachigkeit, Doppelkulturalität, musische oder darstellerische Kompetenz bleiben oft ungenutzt. Darunter leiden das Selbstvertrauen der Jugendlichen und ihre Bildung. Sie glauben nicht an ihre Zukunft. Auf dem Arbeitsmarkt haben sie dann kaum noch eine Chance, auch wenn sie durchaus über geistige, sprachliche und soziale Potenziale verfügen.

Dies erfordert die ständige Bereitschaft zum Lernen, von Sprache und Ausdruck über handwerkliche Fertigkeiten bis hin zur Bühnentechnik. Fähigkeiten, die für die Schule, aber auch für eine spätere Ausbildung von Vorteil sind. Die beteiligten Jugendlichen zeigen eine hohe Leistungsbereitschaft – das belegt schon die Zahl von ca. 30 Aufführungen pro Jahr – und lernen, bei der Bühnenproduktion zielstrebig und terminorientiert zu arbeiten. Wichtigster Motivationsfaktor ist der Spaß am Tanz und Singen. Der eigene Anspruch ist hoch und die Bühnenshow sehr professionell. Das ermöglichen die hauptamtlichen Mitarbeiter für Musik, Regie, Choreografie und Theaterpädagogik des CJD Nienburg. Das beeindruckt das Publikum. Auch weil die Stücke authentisch sind. In „Stop“ wird der türkischstämmige Serkan beschuldigt, jemanden verletzt zu haben. Nach und nach kommt heraus, dass er Opfer eines ausländerfeindlichen Übergriffs war. Diese Themen berühren die Zuschauer. Dabei kommt das Plädoyer für mehr Integration und Akzeptanz ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus. Und wenn der Vorhang fällt, geht es mit Diskussionen weiter. Ergänzend dazu greifen die Lehrer im Anschluss häufig die Themen im Unterricht auf, teilweise mit begleitenden Workshops, die „sputnike“ durchführt.

4.646.400	€	 390.000	€ 4.646.600	€	 395.000	€ 5.141.700	€ 	 310.000 	€

Handlungsansatz

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	 128		 36		 	 	 5 14 10

22 		

	

Musicalprojekt „sputnike“ bringt Stärken auf die Bühne Seit über 10 Jahren arbeitet das CJD Nienburg – als Träger der Kinder- und Jugendhilfe – zusammen mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen an dem Bühnenprojekt. „sputnike“, das heißt „Wegbegleiter“ und bedeutet: das Schreiben, Proben und Aufführen von Stücken, die aus Live-Musik, Tanz, Theater, selbst komponierten Songs, Kostümen und Videoanimationen bestehen.

sputnike CJD Nienburg
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation F. 98% G. 1,25% A. 0,5% B. 0,25%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Persönlichkeitsbildung vor und hinter der Bühne Das Besondere an „sputnike“ ist die Verknüpfung von kultureller sowie politischer Bildung. Sie setzt zunächst niedrigschwellig an (durch Musik und Tanz) und schließt mit der leistungsorientierten Planung und Durchführung professionell arrangierter Musicalaufführungen ab. Das Bühnenprojekt stärkt die Persönlichkeit der jungen Darsteller. Sie lernen Teamgeist, Leistungsbereitschaft ebenso wie sprachlichen und körperlichen Ausdruck. Diese Kompetenzen helfen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Wer hier auf der Bühne gestanden hat, bewältigt jedes Bewerbungsgespräch“ – sagt Projektleiter Hans Klusmann-Burmeister. Das junge Ensemble kommt mit seiner Botschaft von Integration und Toleranz an: Seit 1999 besuchten rund 140.000 zumeist jugendliche Zuschauer die bundesweiten Aufführungen, ca. 1.000 wurden in Workshops betreut. Umfragen zeigen: Einer Mehrheit sind die Probleme der Fremdenfeindlichkeit und die Bedeutung von Integration dadurch bewusster geworden. Damit profitieren bei „sputnike“ nicht nur die Darsteller, sondern auch die Zuschauer.

Empfehlungen

Weiterentwicklung fördern „sputnike“ konnte die PHINEO-Analysten sowohl mit dem Konzept als auch mit der Passgenauigkeit des Zielgruppenansatzes überzeugen. Demzufolge wird das Wirkungspotenzial als hoch eingeschätzt. Eine langfristig angelegte Wirkungsevaluation gibt es bislang jedoch nicht. Diese wäre interessant, um systematisch herauszufinden, wie das Musical auf Schauspieler, Lehrer und Schüler wirkt, um damit eventuell ein pädagogisches Konzept für Schulen zu entwickeln. Ein Sozialer Investor mit Interesse an neuartigen und gleichzeitig wissenschaftlich fundierten Konzepten könnte daher Gutes bewirken und eine langfristig angelegte Wirkungsanalyse finanzieren. Mit einer Investition von rund 100.000 Euro könnte das CJD Nienburg eine breit angelegte und öffentlichkeitswirksame Kampagne zum Thema „Miteinander – Füreinander“ verwirklichen. Aber auch kleinere Zuschüsse können viel bewirken. Für 9.000 Euro ließe sich eine CD mit Liedern der Musicals produzieren. Rund 3.000 Euro werden beispielsweise für wichtige Technik-Anschaffungen und -Erneuerungen benötigt.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Förderung interkultureller Kompetenz Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe Dorfener Zentrum für Integration und Familie e.V.
Die Organisation Dorfener Zentrum für Integration und Familie e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2000 Kontakt Marianne Ehrler 1. Vorsitzende Kugelfang 4 84405 Dorfen (08081) 95 24 777 vorstand@integrationszentrumdorfen.de www.integrationszentrum-dorfen.de Das Projekt Start des Projekts: 2000 	 Erreichte Personen: 27 betreute Kinder (Schuljahr 2009/2010) Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008/9*	 2007/8*	 25.500 €		 6.200 € 	7.200 	 € 18.000	 €		 5.000 	€

Herausforderung

Migranten ohne Chance auf Nachhilfe Viele Grundschüler mit Migrationshintergrund haben großes Potenzial, das aber ohne gezielte Zusatzförderung häufig nicht gehoben werden kann. Mit der Nachhilfe des Dorfener Zentrums für Integration und Familie erhalten Migrantenkinder die Chance, ihre Kompetenzen zu entfalten. Fast die Hälfte aller deutschen Schüler nimmt während der Schulzeit einmal Nachhilfe in Anspruch. Durch die individuelle Förderung werden Leistungsdefizite abgebaut und Stolpersteine aus der Schullaufbahn geräumt. Migrantenkinder könnten besonders profitieren, nur können sich sozial benachteiligte Eltern mit Migrationshintergrund die außerschulische Förderung meist nicht leisten. Viele Grundschüler mit ausländischen Wurzeln erhalten in der Folge oft eine Empfehlung für die Haupt- oder Förderschule.

Handlungsansatz

Individuelle Hausaufgabenbetreuung Die Kleinstadt Dorfen hat 13.500 Einwohner und liegt ca. 50 km östlich von München. Für die Grundschulkinder mit Migrationshintergrund bietet das „Dorfener Zentrum für Integration und Familie e.V.“ eine außerschulische Betreuung, bestehend aus Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe und Sprachförderung, an. Die Kinder haben feste und strukturierte Hausaufgabenzeiten. Geachtet wird auf Ruhe und Regelmäßigkeit bei der Erledigung der Hausaufgaben, was viele der Kinder erst lernen müssen. Jedem Kind wird ein fester Betreuer zugewiesen, der maximal zwei weitere Kinder fördert. Als Betreuer engagieren sich Schüler des örtlichen Gymnasiums sowie einige Erwachsene ehrenamtlich. Das Besondere an dem Konzept der Hausaufgabenbetreuung ist die enge Zusammenarbeit mit Rektoren und Lehrern der zwei Grundschulen sowie der Haupt- und Förderschule vor Ort. Diese Verzahnung gewährleistet eine Anbindung der außerschulischen Förderung an das „Regelangebot“. Genauso zentral ist die Vernetzung von Lehrern, Kindern und Eltern. Bei Bedarf erstreckt sich das Unterstützungsangebot für die Kinder auch auf deren Familien. Der Verein bietet damit eine umfassende Betreuung an.

2009/10*	

* Geschäftsjahr des Vereins ist das Schuljahr		 (1.9.-31.8.)

40.000 €

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Honorarkräfte 	 Hauptamtliche 	 2		 0			 	 	 0 0

Ehrenamtliche 	

35 		

20

Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe Dorfener Zentrum für Integration und Familie e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

akzeptabel

Finanzierungsquellen der Organisation A. 5% B. 2% C. 10% G. 78% D. 1% F. 4%

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Erfolgreiche Kleingruppen-Betreuung Seit 2000 wurden 141 Kinder aus 21 verschiedenen Herkunftsländern betreut. Derzeit nutzen 27 Schüler das Angebot der Hausaufgabenbetreuung, davon erhalten 7 Nachhilfe. Die intensive und familiär anmutende Betreuung der Kinder bedingt, dass gute oder mangelnde Fortschritte direkt wahrgenommen werden und die Betreuer die Kinder individuell fördern können. Die Schüler kommen gerne zur Betreuung. Viele verbessern ihre Sprachkompetenz und haben schulischen Erfolg. Auch die jugendlichen Hausaufgabenhelfer profitieren, indem sie ihren Horizont erweitern und interk ­ ulturelle sowie soziale Kompetenzen herausbilden. Durch die Einbettung der Hausaufgabenbetreuung in das Gesamtangebot des Vereins (Deutschkurse, Integrationskurse, Mutter-KindGruppen, Frauenfrühstück) hat sich das „Dorfener Zentrum“ zum sozialen Treffpunkt entwickelt und vernetzt die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in der Kleinstadt Dorfen in starkem Maße miteinander.

Empfehlungen

Integrationszentrum erweitern Das Dorfener Zentrum leistet eine hervorragende Arbeit. PHINEO schätzt das Wirkungspotenzial des Ansatzes als sehr gut ein. Der rein ehrenamtlich arbeitende Verein wird zwar noch maßgeblich von seiner langjährigen engagierten Vorsitzenden gelenkt, jedoch ist seit Kurzem eine mehrköpfige Leitungsstruktur etabliert. Bisher finanziert sich das Projekt größtenteils über leistungsabhängige Einnahmen (u. a. Teilnahmegebühren). Spenden sollen in Zukunft aber helfen, weiteren Kindern den Zugang zu ermöglichen und das Angebot auszubauen. Soziale Investoren können beispielsweise für 350 Euro die vollständigen Kosten für die jährliche Hausaufgabenhilfe für ein Kind übernehmen. Möchten Spender dazu beitragen, das Angebot zu erweitern, könnten sie eine Lesepatenschaft mit regelmäßigen Vorlesestunden in einer dazu eingerichteten gemütlichen Leseecke finan­ ieren z (ca. 1.000 Euro). Auch bei den Räumlichkeiten des Vereins besteht noch Ausbaupozential: So könnte ein vorhandener Großraum zu einem Spiel-/Bewegungs-/Veranstaltungs-Raum eingerichtet werden – eine sinnvolle Investition, die für etwa 10.000 Euro ermöglicht werden könnte.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Außerschulische Lernförderung; Elternbildung/Elternmobilisierung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

HIPPY HIPPY Deutschland e.V.
Die Organisation HIPPY Deutschland e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2003 Kontakt Peter Weber Geschäftsführer Birkenstraße 15 28195 Bremen (0421) 16 89 92 24 peter.weber@hippy-deutschland.de www.hippy-deutschland.de Das Projekt Start des Projekts: 2003 	 Erreichte Personen: 1.700 Familien aktuell im Programm Wirkungsregion: lokal, bundesweit
Einnahmen	 Organisation = Projekt 2007		 2008		 2009		 158.800 	€	 316.500 	€	

Herausforderung

Frühe Bildung verbessert Chancen in der Schule Bildungsbenachteiligte Eltern mit Migrationshintergrund können ihre Kinder oftmals nicht so unterstützen, wie sie es wünschen. HIPPY geht aktiv auf die Eltern zu und stärkt ihre Erziehungskompetenz. Eine enge Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern ist eine wichtige Basis für die frühen Lernerfahrungen von Kindern. Im Vorschulalter sind Eltern die wichtigsten Lehrer und Ratgeber von Kindern. An zweiter Stelle stehen die Kindertagesstätten. Sie sind für die vorschulische Bildung von großer Bedeutung, werden aber von Migrantenkindern deutlich seltener besucht. Selbst wenn die Kinder mit Migrationshintergrund in eine Kindertagesstätte gehen, führt die Bildungssituation vieler Eltern und die mangelnden Sprachkenntnisse oftmals dazu, dass die in der Kindertagesstätte erlernten Kenntnisse der Kinder zu Hause nicht weiter gefördert werden.

der zu Hause in der Entwicklung zu fördern. Eltern mit Migrationshintergrund werden besonders angesprochen. Der HIPPY Deutschland e.V. koordiniert die Verbreitung des klar strukturierten Konzepts der Elternbildung über zahlreiche Kooperationspartner in ganz Deutschland. Aktivitätshefte, Geschichtenbücher und geometrische Figuren – das wöchentliche HIPPYPaket beinhaltet einfache und niedrigschwellige Anregungen, wie Eltern ihre Kinder spielend fördern können. Die kindgerechten Materialien sind ansprechend gestaltet. Sie wurden von Fachleuten konzipiert und werden stetig weiterentwickelt. Die einzelnen Übungen dauern nicht länger als 15 Minuten täglich. Diese Aktivitäten zu Hause ergänzen die Arbeit des Kindergartens mit dem Ziel, die Kinder fit für die Schule zu machen. Die Ergebnisse werden jeweils in der darauffolgenden Woche mit einer qualifizierten Laienhelferin, die meist einen ähnlichen Migrationshintergrund hat, im Haus der Familie besprochen. Zweimal monatlich finden zum Erfahrungsaustausch und zur Wissensvertiefung Treffen von Stadtteilgruppen mit 12-15 Familien statt. Sie werden von einer pädagogischen Fachkraft (Koordinatorin) geleitet. Diese Koordinatorin schult auch die Hausbesucherinnen. Bei den Treffen werden jeweils Themen aus den Bereichen Erziehung, Gesundheit, Ernährung bearbeitet.

360.400 	€ 	

Mitarbeiter	 Organisation = Projekt Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	 3			 0		 0 		 	 	

Handlungsansatz

Frühkindliche Förderung durch Elternbildung HIPPY ist die Abkürzung für Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters und bedeutet – frei übersetzt – Hausbesuchsprogramm für Eltern mit Kindern im Vorschulalter. Das Programm unterstützt bildungsbenachteiligte Eltern dabei, ihre drei- bis sechsjährigen Kin-

HIPPY HIPPY Deutschland e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation B. 44,4% H. 2,3% G. 31%
A. 	 Spenden C.	

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

C. 0,4% E. 6,2% F. 15,7%

			 			 			 			 			

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Eine optimale Vorbereitung auf den ersten Schultag Bisher nahmen 1.700 Familien an 31 Standorten am HIPPY-Programm teil. Das HIPPY-Programm stammt aus den USA, wo Untersuchungen belegen, dass die am Programm teilnehmenden Kinder gut für den ersten Schulbesuch vorbereitet sind und auch sprachlich keine Probleme haben. Die Familien fühlen sich besser integriert und haben mehr Bezug zu ihrem lokalen Umfeld. Außerdem wird das Vertrauen in die Bildungsinstitutionen der Aufnahmegesellschaft gestärkt. Für Deutschland steht eine solche Studie noch aus. Allerdings berichten am HIPPY-Programm beteiligte Familien und Schulen von äußerst positiven Rückmeldungen. Ärzte, die die Schuleignungsuntersuchungen durchführen, erkennen deutliche Unterschiede zwischen HIPPYund Nicht-HIPPY-Kindern. Auch wird der Alltag der Migrantenfamilien nachhaltig beeinflusst. Insbesondere die Mütter verändern ihre Außenwirkung, werden selbstbewusster, kommunizieren nach außen und machen zum Teil selbst eine „Bildungskarriere“. Dies hat wiederum einen direkten Einfluss auf den Bildungsweg ihrer Kinder.

Empfehlungen

Förderung der Verbreitung frühkindlicher Bildungsprogramme Das HIPPY-Programm ist für eine soziale Investition sehr geeignet, da es durch sein didaktisch optimal eingestelltes und klar strukturiertes Konzept modellhaft und gut übertragbar ist. Um mehr Familien das HIPPY-Programm zu ermöglichen, können Soziale Investoren einen 18-monatigen Programmdurchlauf entweder für eine Familie (2.700 Euro) oder für einen gesamten Standort mit einer Gruppe von 15 Familien (40.500 Euro) finanzieren. Alternativ oder ergänzend kann auch die Bereitstellung des begleitenden pädagogischen Materials für eine Familie (194 Euro) oder die Gruppe (2.910 Euro) mit einer Spende ermöglicht werden. Kleinere Spenden könnten die Weiterentwicklung und Produktion der hochwertigen Materialien finanzieren. Der Verein plant eine – bislang fehlende – repräsentativ angelegte Wirkungsstudie, um den inhaltlichen und konzeptionellen Ansatz in Deutschland zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Auch hier könnte mit Fördergeldern sinnvoll Unterstützung geleistet werden.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Frühkindliche Bildung; Elternbildung/ Elternmobilisierung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

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KINDERWELTEN INA gGmbH / ISTA Institut für den Situationsansatz
Die Organisation Internationale Akademie INA gGmbH (Institut für den Situationsansatz)

Rechtsform gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) Gründungsjahr 1996 Kontakt Petra Wagner Projektleiterin Schlesische Str. 3-4 10997 Berlin (030) 22 50 32 28 petra.wagner@kinderwelten.net www.kinderwelten.net / www.ina.fu-berlin.de Das Projekt Start des Projekts: 2000 	 Erreichte Personen pro Jahr: Fortbildungen ca. 1.000, Arbeitshilfen/Materialien ca. 3.000, Publikationen ca. 3.000, Veranstaltungen ca. 3.000 Wirkungsregion: bundesweit, international
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008	 2007	

Herausforderung

Umgang mit Vielfalt lernen Es passiert leicht, dass Kinder andere Kinder aufgrund ihrer Kleidung, ihrer Hautfarbe, ihrer Essgewohnheiten oder ihrer Sprache diskriminieren. Das Projekt KINDERWELTEN zeigt, wie Kindertagesstätten dieser Diskriminierung begegnen können. In Kitas spiegelt sich die kulturelle Vielfalt Deutschlands wider. Hier machen Kleinkinder erste Erfahrungen mit Menschen, die anders aussehen und sich anders verhalten. Hierdurch entstehen schnell Vorurteile, die ausgrenzend wirken („Der darf nicht mitspielen …“). Daher ist es wichtig, die Lernumgebung von Kindern so zu gestalten, dass Vorurteile bewusst gemacht werden, beispielsweise indem Erziehende mit Kindern sachlich und respektvoll über Unterschiede sprechen oder unfaires Verhalten erkennen und benennen. So werden Kinder ermutigt, sich aktiv und gemeinsam gegen diskriminierende Verhaltensweisen einzusetzen. Vorurteilsbewusste Kitapraxis zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit Eltern, wenn Erziehende heikle Fragen über unfaires oder diskriminierendes Verhalten ihrer Kinder offen ansprechen.

Handlungsansatz

Trainings für vorurteilsbewusste Erziehung Das „Institut für den Situationsansatz“ (ISTA) an der „Internationalen Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie“ (INA) gGmbH hat mit seinem Projekt „KINDERWELTEN“ ein bislang einzigartiges Konzept für Kitas, Kita-Träger sowie Grund- und Fachschulen entwickelt. KINDERWELTEN macht auf vorurteilsbehaftete Einstellungen und Verhaltensweisen in Kitas aufmerksam und zeigt, wie diese Bildungsprozesse von Kindern behindern. Ziel ist die Bewusstseinsbildung und -veränderung der Pädagogen. Diese werden in praktischen Workshops fortgebildet und mit Materialien unterstützt. Der Lern- und Veränderungsprozess ist auf mindestens zwei Jahre angelegt, in denen die Kitas fachlich begleitet werden. Das Besondere ist, dass auch die Träger der Kitas einbezogen werden. Dadurch wird eine Qualitätsentwicklung in den jeweiligen Kitas in Gang gesetzt, die die pädagogische Arbeitspraxis besser an die Erfordernisse der Einwanderungsgesellschaft anpasst und letztlich zur Verbesserung des Schulerfolgs von Kindern aus Migrantenfamilien beitragen kann. Die Ausweitung auf Grundschulen und Erzieherfachschulen hat gezeigt, dass auch hier der Ansatz zu einem besseren Lernklima beiträgt. Ergebnisse werden permanent analysiert und unter den Beteiligten kommuniziert. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in Handbücher und Weiterbildungsmaterialien ein.

2009	

1.752.000	€ 	 300.000	€

1.675.800	€		 300.000	€

1.675.500	€		 250.000	€

Mitarbeiter	Organisation	 Projekt Honorarkräfte 	 Hauptamtliche 	 70		 			 4 0 		 			 0 31					 4

Ehrenamtliche 	

KINDERWELTEN INA gGmbH / ISTA Institut für den Situationsansatz
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 60%

B. 40%

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Einfluss auf pädagogische Arbeit KINDERWELTEN erzielt bereits eine beachtliche Breitenwirkung. Im Jahr 2009 wurden rund 1.000 Pädagogen mit Fortbildungen, 3.000 Pädagogen mit Materialien/Filmen, 3.000 Pädagogen mit dem Handbuch Kinderwelten und 3.000 Pädagogen mit Veranstaltungen erreicht. Am letzten Projekt 2007-2010 beteiligten sich insgesamt 50 Kitas von 13 Trägerorganisationen, 17 Fachschulen für Sozialpädagogik und 10 Grundschulen in fünf Bundesländern. Als qualitativ hochwertig sind die Auswirkungen des Projekts bei den Kita-Trägern und Pädagogen zu bewerten. Externe Evaluationen zeigen eine hohe Zufriedenheit mit den Fortbildungsmaßnahmen und Materialien sowie Veränderungen in den Einstellungen, Haltungen und Erziehungskonzepten der Pädagogen. In der Folge gelang es erfolgreich, Kinder in ihrer Identität zu stärken (unter Anerkennung ihrer Vorerfahrungen und Familienkulturen), ihnen positive Erfahrungen mit Vielfalt zu ermöglichen und sie darin zu unterstützen, sich gegen Einseitigkeiten und Diskriminierung zu wehren.

Empfehlungen

KINDERWELTEN in die Breite tragen Das Wirkungspotenzial von KINDERWELTEN wird als herausragend eingeschätzt. Das Projekt ist fertig entwickelt und wartet auf seine weitere Umsetzung und Verbreitung, für die aber die finanziellen Mittel fehlen. Derzeit wird auch der Aufbau einer bundesweiten Servicestelle „Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung“ betrieben, der ebenfalls einer finanziellen Unterstützung bedarf. Zwar gibt es bei den Aufsichtsstrukturen der INA gGmbH einige personelle Überschneidungen in den Leitungs- und Aufsichtsgremien. Diese erklären sich aber aus den akademischen Strukturen und der Historie der Organisation. Organisationsentwicklungsmaßnahmen sind bereits in Planung. Wünschenswert wäre auch eine regelmäßige Prüfung des Jahresabschlusses durch einen Wirtschaftsprüfer; die Rechnungslegung ist aber einwandfrei. Um das Projekt in die Breite zu tragen, können Soziale Investoren einer Kita eine „vorurteilsbewusste Bücherkiste“ mit 50 geeigneten Büchern im Wert von 3.000 Euro spenden. Für eine Summe von 13.000 Euro kann ein ganzes Kitateam fortgebildet werden. Mit 30.000 Euro ließe sich ein Praxisfilm mit Begleitmaterialien oder ein Praxisbuch für die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung realisieren. Eine Großspende in Höhe von 150.000 Euro würde eine Praxisforschung ermöglichen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Qualifikation pädagogischer 	 Fachkräfte; Frühkindliche Bildung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Forumtheater Forumtheater inszene e.V.
Die Organisation Forumtheater inszene e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2008 Kontakt Friderike Wilckens-von Hein Geschäftsführerin Am Hofgarten 3 53809 Ruppichteroth (02247) 90 04 00 eastend_arts@web.de www.forumtheater-inszene.de Das Projekt Start des Projekts: 2007 	 Erreichte Personen: seit Bestehen 1.700 Jugendliche Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation = Projekt 2008		 2009		 23.700	 €		 18.275	 € 	

Herausforderung

Ängste beim Übergang von der Schule in den Beruf ansprechen Für viele Jugendliche ist der Übergang von der Schule in den Beruf mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden. Das „Forumtheater“ hilft ihnen, (schau-)spielerisch eigene Lösungswege zu entwickeln. Schülerinnen und Schüler, die am Übergang von der Schule in den Beruf stehen, leiden oftmals unter Perspektivlosigkeit, mangelndem Selbstbewusstsein und fehlender positiver Identität. Das gilt insbesondere für Jugendliche mit Migrationshintergrund an Haupt-, Real-, Förder- und Berufsschulen. Die Folge: Sie ziehen sich zurück, entwickeln Abwehrmechanismen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und schlagen nicht selten eine „Hartz-4-Karriere“ ein. Diese Schüler spricht das „Forumtheater inszene“ an.

Handlungsansatz

Konflikte auf der Bühne bearbeiten Das „Forumtheater“ ist eine Methode, die in den siebziger Jahren von dem brasilianischen Theaterpädagogen Augusto Boal entwickelt wurde. Danach wird dem Publikum eine Szene vorgestellt, die schlecht und unbefriedigend endet. Anschließend hat das Publikum die Chance, die Szene im Dialog zu einem besseren Ende zu bringen. Das „Forumtheater“ wird als Methode des Empowerments und der Konfliktlösung eingesetzt. Das „Forumtheater inszene“ bringt alltagsrelevante Themen Jugendlicher zur Sprache. Die Stücke werden an Haupt-, Real-, Förderund Berufsschulen aufgeführt. Professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler inszenieren typische Konfliktsituationen und zeigen darin die Brennpunkte der Probleme von Diskriminierung und Gewalt. Statt das Bühnengeschehen nur zu beobachten, werden die jugendlichen Zuschauer dann aktiv in den Konfliktlösungsprozess eingebunden. Durch die geschickte und einfühlsame Moderation der künstlerischen Leiterin des Vereins werden verschiedene Lösungsmöglichkeiten durchdacht und ausprobiert. Dabei wird der zugrunde liegende Konflikt nicht nur rational nachvollzogen, sondern persönlich miterlebt. Am Ende hat das Publikum ein ganzes Spektrum an Handlungsmöglichkeiten gesehen und ausprobiert. Der Verein bietet Nachbesprechungen in der Klasse oder in Workshops an, in denen die Ergebnisse festgehalten werden.

Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	

Mitarbeiter	 Organisation = Projekt 11		 2 		 0			 	 	

Forumtheater Forumtheater inszene e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation

akzeptabel

G. 40%

entwicklungsbedürftig unzureichend

B. 53%

			 			 			 			 			

F. 7%
A. 	 Spenden C.	 B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Lösungsansätze werden kreativ erarbeitet Der Verein hat im Jahr 2009 15 Theaterveranstaltungen an Schulen sowie bei Bildungsträgern durchgeführt, zwei Berufsvorbereitungs-Konzepte erstellt, die die Theaterveranstaltungen durch theaterpädagogische Workshops ergänzen, und fünf theaterpädagogische Module zur Berufsvorbereitung entwickelt. Das „Forumtheater inszene“ findet Zugang zu den Konfliktlösungspotenzialen von Jugendlichen, die sonst kaum abgerufen werden. Gerade Fragen und Probleme der Integration und der damit verbundenen Wertekonflikte können mithilfe dieses Ansatzes fassbar, besprechbar und auch lösbar gemacht werden. Dadurch trägt das Theater dazu bei, die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen zu überwinden. Sie fassen Mut. Das darstellerische Spiel weckt kreative Potenziale und stärkt durch die aktive Präsentation das Selbstbewusstsein.

Empfehlungen

Starthilfe für das Theaterprojekt geben Das Theaterprojekt ist noch jung und lebt vom großen persönlichen Engagement seiner Vorsitzenden. Soziale Investoren sollten wissen, dass unabhängige Aufsichtsstrukturen (durch die kleine Mitgliederversammlung) noch nicht so stark ausgebildet sind, wie es PHINEO empfiehlt. PHINEO schätzt das Wirkungspotenzial des Projekts aber als hoch ein und empfiehlt es für eine Förderung. Das „Forumtheater inszene“ braucht dringend personelle Verstärkung. Ein Sozialer Investor könnte den Verein daher gut in der Organisationsentwicklung unterstützen. Benötigt wird insbesondere eine Bürokraft, die das Veranstaltungsmanagement übernimmt (Finanzbedarf rund 5.000 Euro). Soziale Investoren können auch eine einzelne Theaterveranstaltung (rund 1.000 Euro) oder eine ganze Reihe inklusive Workshops für 6070 Schüler (rund 3.000 Euro) finanzieren. Aber auch Kleinspenden für Sachmittel wie den Kostümfundus oder Moderationsmaterial helfen weiter (30 bis 100 Euro). Schließlich wäre es interessant, die mittel- und langfristigen Auswirkungen des Forumtheaters bei den jugendlichen Akteuren hinsichtlich des Bildungserfolges und der sozialen Integration systematisch untersuchen zu lassen; auch hier besteht Förderbedarf.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

5

BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Förderung interkultureller Kompetenz Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Vorlesestunden für Kinder Lesewelt Berlin e.V.
Die Organisation Lesewelt Berlin e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2000 Kontakt Ursula Frommholz Vorstand Turmstraße 75 10551 Berlin (030) 45 08 92 09 ursula.frommholz@lesewelt-berlin.org www.lesewelt-berlin.org Das Projekt Start des Projekts: 2000 	 Erreichte Personen: 2009 über 10.000 Besucher Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation = Projekt 2007		 2008		 2009		 35.000	€		 20.000	€		

Herausforderung

Kinder ans Lesen heranführen Wie kann ein Buch für Kinder aus bildungsfernen Familien zum Erlebnis werden? Dies lässt sich in den Vorlesestunden des Vereins „Lesewelt Berlin“ entdecken – über 1.000 Mal pro Jahr. Lesen ist die zentrale Schlüsselkompetenz und Grundvoraussetzung für einen chancengerechten Bildungsweg, und Vorlesen fördert das Interesse am Kulturgut Buch. Vorlesen trägt dazu bei, den Wortschatz der Kinder zu erweitern und das Sprechen zu fördern. Im gemeinsamen Miteinander werden darüber hinaus soziale und kulturelle Kompetenzen weiter entwickelt. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund spielt das Vorlesen und Lesen eine wichtige Rolle. In der Regel lernen sie Deutsch als zweite Sprache. Dabei brauchen sie spezielle Unterstützung, die das Vorlesen bieten kann. Vorlesen bedeutet damit aktive Sprachförderung.

40.000	€ 	

Im Vergleich mit anderen Leseveranstaltungen zeichnet sich das Projekt vor allem durch die sorgfältige Auswahl und Schulung seiner Vorleser, die geschickte Auswahl der Leseorte, die Zuverlässigkeit des Angebots und das Zusammenführen von Kindern/Eltern verschiedener Herkunft aus. In öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Schulen und Kindertagesstätten lesen die Ehrenamtlichen aus geeigneten Kinderbüchern in deutscher Sprache vor. Mit kleineren Kindern werden Bilderbücher angeschaut und besprochen. An einem Ort lesen immer die gleichen Vorleser, damit sich Beziehungen zwischen ihnen und den Kindern entwickeln können. Dabei bringt das Leitmotto „Bücher bauen Brücken“ die Zielrichtung einer Integration durch Bildung deutlich zum Ausdruck. Das Angebot ist kostenlos, hat keine Zugangsbeschränkungen und erfordert keine Anmeldung. Zudem bieten die Vorlesestunden für Eltern und Kinder ein hohes Maß an Kontinuität und Verlässlichkeit: Denn jede Vorlesestunde findet regelmäßig einmal pro Woche zum festgelegten Termin statt. Eine Anreizstruktur begünstigt die regelmäßige Teilnahme. Kinder, die zehnmal teilnehmen, werden für ihre Ausdauer mit einem Buchgeschenk belohnt. Dieses Buch kann dann wiederum eine Brücke zum Zuhause der Kinder bauen, wo im Alltag häufig die Herkunftssprache der Eltern gesprochen wird.

Nebenamtliche 	 Ehrenamtliche 	

Mitarbeiter	 Organisation = Projekt 150 		 3*			 	

* auf Honorarbasis und 400 € Basis

Handlungsansatz

Regelmäßige Vorlesestunden „Lesewelt“ war das erste Vorleseprojekt in Berlin. Mittlerweile lesen 150 ehrenamtliche Vorleser regelmäßig einmal pro Woche an über 40 öffentlichen Vorleseorten spannende Geschichten für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren.

Vorlesestunden für Kinder Lesewelt Berlin e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation E. 1,59% G. 11,36% A. 16,29%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

D. 36,97%
A. 	 Spenden C.	

B. 33,62% C. 0,17%

			 			 			 			 			

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Verbesserung der Lesefähigkeit Es besteht eine hohe Nachfrage nach dem Angebot. 2009 kamen über 10.000 Besucher zu den 1.300 Vorlesestunden. Viele Kinder und ihre Eltern kommen wiederholt und regelmäßig. Die teilnehmenden Kinder verbesserten durch die Vorlesestunden ihre Kenntnisse der deutschen Sprache und die Schlüsselqualifikation Lesen. Die Mitarbeiter von „Lesewelt“ beobachten, dass sich die Konzentrationsfähigkeit, das Sozialverhalten und das eigene selbständige Lesen der Kinder verbessert hat. Für die Eltern ist das Lernen der Sprache und der schulische Erfolg ihrer Kinder ein maßgeblicher Motivationsfaktor, ihre Kinder zu begleiten. Auch die 150 ehrenamtlichen Vorleser profitieren. Sie erhalten Sprachtrainings, übernehmen eine sinnvolle Aufgabe und können sich gezielt für die Integration in unserer Gesellschaft einsetzen.

Empfehlungen

Vorleseorte ausweiten Der „Lesewelt Berlin e.V.“ ist ein Pionier unter den Vorleseprojekten und hat über die Jahre ein bewährtes Angebot entwickelt. Auch wenn die Aufsichtsfunktionen des Vereins bislang nicht sehr ausgeprägt sind, empfiehlt PHINEO Förderern diesen kleinen Verein, der vom hohen Engagement seiner Geschäftsstelle und ihrer Leiterin lebt. Denn die PHINEO-Analyse zeigt, dass das Konzept sehr gut dazu geeignet ist, die Zielgruppen zu erreichen. Demzufolge wird das Wirkungspotenzial als hoch eingeschätzt. Aufgrund der starken Nachfrage braucht der Verein vor allem Mittel, um das Netz seiner Vorleseorte in Berlin auszuweiten und Kooperationen mit Kitas und Grundschulen zu verstärken. Mit einer größeren Spende von 16.500 Euro könnte eine zusätzliche Fachkraft (halbtags) für die vorschulische Sprachförderung im Rahmen des Projekts „Lesewelt-Schultütenaktion“ für ein Jahr lang eingestellt werden. Bei der Aktion erhalten Kinder, die mindestens zehnmal vor der Einschulung an einer Lesewelt-Vorlesestunde teilgenommen haben, eine Schultüte und einen Schulranzen geschenkt. Eine 650-Euro-Spende ermöglicht den Druck von Vorlesekarten und Vorleseurkunden, die den Bedarf aller wöchentlichen Vorlesestunden für ein ganzes Jahr decken. Mit einer kleinen Spende von 65 Euro können zehn Kinder mit Geschenkbüchern belohnt werden.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Sprachbildung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Mädchentreff MaDonna und Mädchencafé Schilleria MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.
Die Organisation MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 1987 Kontakt Gabriele Heinemann Geschäftsführerin Falkstr. 26 12053 Berlin (030) 62 12 043 madonnamaedchenpower@web.de www.madonnamaedchenpower.de www.schilleria.de Die Projekte Start der Projekte: 1981 (Mädchentreff MaDonna)/ 2002 (Mädchencafé Schilleria) 	 Erreichte Personen: insgesamt ca. 400 Mädchen 2009 Wirkungsregion: lokal
Einnahmen	 Organisation = Projekte 2007		 2008		 2009		 294.537 €		 291.124 €		

Herausforderung

Migrantinnen Perspektiven aufzeigen Viele junge Migrantinnen sind aufgrund ihres kulturell oder religiös geprägten Familienhintergrunds starken Beschränkungen für Freizeit und Berufswahl unterworfen. Der „MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.“ bietet neue Perspektiven. Insbesondere in Großstädten gibt es einige Wohnviertel wie im Norden von Berlin-Neukölln, in denen überwiegend Familien mit Migrationshintergrund leben. Viele von ihnen kommen aus einem eher konservativ-muslimischen Milieu, welches ihren Alltag bestimmt. In dieser Situation haben junge Migrantinnen nicht dieselben Chancen und können sich nicht so entfalten wie Mädchen und junge Frauen ohne Migrationshintergrund. Versuchen sie es doch, geraten sie oftmals in schwere WerteKonflikte mit ihren Familien.

stärken, sie für den Berufseinstieg vorzubereiten, ihnen Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe aufzuzeigen und sie bei Gewalt in der Familie zu unterstützen. Dazu gibt es eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten, die sinnvoll zu einem Gesamtkonzept ineinander greifen. Der Verein bietet Schularbeitshilfe, Nachhilfe und Unterstützung bei Bewerbungen. Mit regelmäßigen Besuchen bei beruflich erfolgreichen Migranten, auch an deren Arbeitsplätzen, werden die jungen Frauen besonders motiviert. Ebenso wichtig ist jedoch das Angebot an Freizeitaktivitäten (Spiel, Sport, Tanz, Theater) und Ausflügen in und um Berlin, um den Horizont zu erweitern. Teilnahmen an Veranstaltungen im Stadtteil, Aufklärung über Rechte und Pflichten sowie Beteiligungen am Netzwerk der Gewaltprävention und an Informationsveranstaltungen der Polizei runden das Angebot ab. Durch Mitarbeiterinnen mit Migrationshintergrund hat der Verein hier eine sehr gute Verankerung im Viertel. Sie achten darauf, dass zum einen feste Regeln gelten, die einen Rahmen setzen, und zum anderen Rollenvorbilder herangezogen werden, die sich durch Stärke im Umgang mit den vielfältigen Konflikten im Kiez, aber auch durch Vitalität und Lebensfreude auszeichnen.

263.113 € 	

Handlungsansatz
	

Mitarbeiter	 Organisation = Projekte Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 2			 6 		 4 		

Ehrenamtliche 	

MAE-Kräfte (1-Euro-Jobs)	 5 		

	 	

Entwicklungsräume schaffen Der „MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.“ bietet jungen Migrantinnen deutlich sichtbar geschützte Rückzugs- und Entfaltungsräume, in denen sie sich an Bildungs- und Freizeitangeboten beteiligen oder einfach unter sich sein können. Der Verein betreibt zwei Mädchentreffs für je 30-50 Mädchen und junge Frauen, mit dem Ziel, die Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu

Mädchentreff MaDonna und Mädchencafé Schilleria MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.
Wirkungspotenzial der Projekte Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 0,75% A. 3,38% B. 3,13% C. 0,1% D. 1,14% E. 0,05%

akzeptabel

F. 91,45%

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Gelungene Persönlichkeitsentwicklung In guter Zusammenarbeit mit Bezirksregierung, Polizei und Migrantenorganisationen gelingt es dem Verein schon seit über 30 Jahren, das Klima im Viertel positiv zu verändern und – ohne Konflikte zu scheuen – durch direkten Kontakt mit den Bürgern vor Ort wichtige Integrationsarbeit zu leisten. Rund 400 Migrantinnen besuchen die Mädchentreffs „MaDonna“ und „Schilleria“ sowie ihre Kurse, Projekte und Workshops. Die Mitarbeiterinnen nehmen bei den 60-80 Stammbesucherinnen nachhaltige Veränderungen wahr. Sie entwickeln eine eigenständige Persönlichkeit, finden sich zunehmend in ihrer mehrkulturellen Welt zurecht, bilden positive Identitäten heraus und beginnen zum Teil berufliche Karrieren. Eine ehemalige Besucherin des Treffpunkts ist beispielsweise jetzt selbst Mitarbeiterin dort und hat aufgrund der Unterstützung des Vereins die Möglichkeit, eine akademische Laufbahn zu absolvieren. Auch in den zugewanderten Familien lassen sich positive Veränderungen beobachten, beispielsweise im Rollenverständnis der Geschlechter, im Begriff der Ehre und in den familiären Strukturen.

Empfehlungen

Mädchentreffs ausbauen PHINEO empfiehlt Sozialen Investoren eine Förderung der beiden Mädchentreffs, da sie in ihrem Stadtteil eine wichtige Rolle einnehmen und helfen, das Potenzial junger Migrantinnen auszuschöpfen. Förderer müssen sich zwar derzeit darauf einstellen, dass keine externe Finanzprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer erfolgt und Informationen über die Finanzen nicht veröffentlicht werden (was beides angesichts der Größe der Organisation wünschenswert wäre); jedoch ist die Rechnungslegung insgesamt tadellos, es erfolgt eine interne Prüfung und der Verein ist Sozialen Investoren gegenüber uneingeschränkt auskunftsbereit. Konkret benötigt der Verein Mittel für eine ganzjährige Honorarkraft für die tägliche Schularbeitshilfe (5.000 Euro). Ebenso wird eine zweite Fachkraft für die Kinder-, Jugendund Elternarbeit (40.000 Euro) gebraucht. Eine unmittelbare Unterstützung der Jugendarbeit ist beispielsweise durch die Finanzierung von Exkursionen, Workshops oder Kulturveranstaltungen mit einem Spendenvolumen von 500 Euro oder mehr möglich. Förderer könnten schließlich auch eine Langzeitstudie zu den nachhaltigen bildungs- und integrationsfördernden Wirkungen der Mädchentreffs finanzieren.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Mädchen-/Frauenförderung; Außerschulische Lernförderung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

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Netzwerk Schülerhilfe Rollberg Förderverein Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.
Die Organisation Förderverein Gemeinschaftshaus Morus 14 e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2003 Kontakt Gilles Duhem Geschäftsführer Werbellinstr. 41 12053 Berlin (030) 68 08 61 10 info@morus14.de www.morus14.de Das Projekt Start des Projekts: 2003 	 Erreichte Personen: 2009: 95 Kinder; 58 Schülerhelfer; 45 Lehrer Wirkungsregion: lokal
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008	 2009	 2007	

Herausforderung

Migrantenkinder brauchen Förderung Im Rollbergviertel in Berlin-Neukölln leben Ausländer aus über 30 Nationen. Die Kinder kommen nur selten aus ihrem Stadtteil heraus und ihre Eltern haben oft Schwierigkeiten, sie in der Schule zu unterstützen. Das „Netzwerk Schülerhilfe Rollberg“ hilft mit einer originellen Mischung aus Nachhilfe- und Patenprojekt. Die Kinder des Viertels haben überwiegend einen türkischen oder arabischen Migrationshintergrund. In ihren Familien lernen sie nur wenig, was über den Horizont ihrer familiären und ethnischen Bezüge hinausgeht. Ein Großteil der Familien ist als sozial schwach einzustufen. Viele Kinder haben schon in der Grundschule Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen. Nicht selten fehlt ihnen zu Hause eine feste Übungsstruktur und die Möglichkeit, konzentriert zu lernen.

Handlungsansatz

Nachhilfe und Patenschaft Unter der Adresse „Morusstraße 14“ ist der „Förderverein Gemeinschaftshaus MORUS 14 e.V.“ zu finden. Er ist als sozialer Dreh- und Angelpunkt im Rollbergviertel etabliert und wird von den Menschen als Integrations- und Kommunikationsplattform angenommen. Eines seiner Projekte ist die Schülerhilfe mit ihren wöchentlich knapp 60 Schülerhilfegruppen. Die erwachsenen Schülerhelfer kommen überwiegend aus der bürgerlichen Mittelschicht außerhalb des Viertels. Sie bieten in kleinen Gruppen mit bis zu drei Kindern kostenlos Hilfe bei schulischen Problemen an. Dies geschieht zu festen, verbindlichen Zeiten, in denen die Kinder in ruhiger Atmosphäre strukturiert lernen können – für viele etwas ganz Neues. Die Kinder und Schülerhelfer vereinbaren klare Absprachen und gemeinsame Rituale. Dadurch werden wichtige Sekundärtugenden wie Termintreue, Verlässlichkeit und Verantwortung vermittelt. Innerhalb des gesetzten Rahmens gibt es allerdings auch viel Freiheit und Raum für Kreativität. Kleinere Ausflüge und Aktivitäten mit den Kindern über die Grenzen des Rollbergviertels hinaus gehören ebenfalls zum Konzept. Der Schlüssel zum Erfolg ist jedoch der Kontakt zu den Familien der Kinder, der sowohl von den Vereinsverantwortlichen als auch von den Schülerhelfern gesucht und gepflegt wird. Dadurch entsteht Vertrauen, was sich nachhaltig positiv auf die Entwicklung und Integration der Kinder auswirkt.

143.000	€		 100.100 	 € 155.000 € 	 108.500 	€

6 	 4.000 €		 44.800	€

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	 2			 1		 	 1* 70 0

* Auf das Projekt entfällt ein Teil der Gesamt	 tätigkeit. Zusätzlich arbeiten 2 MAE-Kräfte 	 (Ein-Euro-Jobs) für das Projekt.

120 		

	

NETZwERK ScHÜlERHIlFE ROllBERG FöRDERVEREIN GEMEINScHAFTSHAUS MORUS 14 E.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und controlling Finanzierungskonzept und Fundraising öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 13% F. 24,9% E. 0,3% D. 10,5%
Spenden

A. 41,5%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

A. B. C. E. F.

C. 2,1%

B. 7,7%

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

D.

Zins-/Vermögenserträge leistungsabhängige Einnahmen Sonstige öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Erfolge im Übergang zur weiterführenden Schule 58 Schülerhelfer unterstützen derzeit 95 Kinder. Die intensive Betreuung wirkt: Die Sprach-, lese- und Schreibfähigkeiten der Schüler verbesserten sich. Das hat wiederum positive Auswirkungen auf Verhaltensauffälligkeiten und Fehlentwicklungen der Kinder. Beeindruckend ist, dass viele Sechstklässler, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig an der Schülerhilfe teilnahmen, sogar eine Empfehlung für das Gymnasium erhielten. Daher verwundert es nicht, dass sich die Zahl der teilnehmenden Schüler wie auch die der Betreuer zwischen 2005 und 2008 mehr als verdreifacht hat. Auch die Eltern bemerken zunehmend die positiven wirkungen bei ihren Kindern, die sie der „Schülerhilfe“ zuschreiben. Das stärkt ihr Vertrauen in das deutsche Bildungssystem. Viele Eltern engagieren sich sogar selbst stärker für die Bildung ihrer Kinder. Der Verein und das „Netzwerk Schülerhilfe“ haben schließlich auch einen Beitrag zur Verbesserung der lebensqualität im Rollbergviertel geleistet. Respekt und Verbindlichkeit zeigen unmittelbare Auswirkungen auf das Stadtteilleben.

eMPfeHlungen

Koordination unterstützen Das „Netzwerk Schülerhilfe“ schneidet fast in allen Kriterien der PHINEO-Analyse sehr gut ab. Den Förderverein zeichnet starkes ehrenamtliches Engagement aus. Die kleine „Geschäftsstelle“ ist zwar hoch motiviert, arbeitet aber an der Kapazitätsgrenze. Gerade die Koordination der vielen Kleingruppen bedeutet eine Menge Arbeit. Um das Projekt zu erhalten und auszuweiten, bedarf es daher vor allem personeller Verstärkung. Eine größere Investition im fünfstelligen Bereich würde die Einstellung einer Bürokraft ermöglichen. Anstatt die Zeit mit der Einwerbung der vielen Kleinspenden zu verbringen, könnte sich der Geschäftsführer dann intensiver um die Ausgestaltung des Projekts selbst kümmern. Spender könnten auch in ein Aus- und Fortbildungskonzept investieren, mit dem die ehrenamtlichen Schülerhelfer sozialpädagogisch und didaktisch auf die anspruchsvollen Aufgaben vorbereitet werden. Dringend benötigt werden auch Ausstattungsgegenstände. Eine Spende im vierstelligen Bereich würde die Anschaffung eines Küchenherds für das Gemeinschaftshaus oder neue computer für das Büro ermöglichen. Mit einer kleinen Spende im dreistelligen Bereich könnte die Künstlergage für eine Benefizveranstaltung finanziert werden.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Außerschulische lernförderung; Mentoren-Programme; Förderung interkultureller Kompetenz Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSScHlUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

DeutschSommer und Diesterweg-Stipendium Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main
Die Organisation Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main

Projekte	 a DeutschSommer b Diesterweg-Stipendium 		 Rechtsform Stiftung Gründungsjahr 2005 Kontakt Oliver Beddies (DeutschSommer)a Gisela von Auer (Diesterweg-Stipendium) b Schaumainkai 91 60596 Frankfurt am Main (069) 83 83 0-623/-625 beddies@sptg.de, vonauer@sptg.de www.sptg.de Die Projekte Start der Projekte: 2007 a 2008 b Erreichte Personen: bisher 600 Schüler a und 54 Stipendiatenkinder mit ihren Familienb Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation	 Projekte 2007 	 2.700	 T€	 290 / 0

Herausforderung

Fehlende Deutschkenntnisse verhindern Chancen Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, insbesondere mit Migrationshintergrund, erhalten am Ende ihrer Grundschulzeit überproportional häufig eine Empfehlung für die Haupt- bzw. Realschule. Die Projekte „DeutschSommer“ und „Diesterweg-Stipendium“ fördern diese Kinder gezielt und ermöglichen ihnen damit einen höheren Bildungsweg. Gute Deutschkenntnisse stellen den Schlüssel zum schulischen Erfolg dar, und dies nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern. Dass die Mehrheit der Kinder aus Migrantenfamilien nicht für das Gymnasium empfohlen wird, liegt unter anderem an mangelnden Sprachkenntnissen. Nicht selten haben die Eltern selbst Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Auch bei deutschstämmigen Kindern hat der Sprachförderbedarf deutlich zugenommen.

Eines der Stiftungsprojekte ist der „DeutschSommer“. Bei dem Projekt verbringen 150 Drittklässler aus Frankfurter Schulen drei Wochen der Sommerferien in einem Camp. Eine Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache und ein Theaterpädagoge geben täglich zwei Stunden Deutschunterricht und zwei Stunden sprachintensives Theaterspiel in kleinen Schülergruppen mit bis zu zwölf Kindern. Ein sozial-​ pädagogisches Begleitprogramm stärkt außer­ dem die sozialen Kompetenzen der Kinder. Am Ende der drei Wochen führen die Kinder ein Theaterstück auf, zu dem die Eltern und Lehrer der Kinder eingeladen werden. Das „Diesterweg-Stipendium“ für Kinder und ihre Eltern setzt mit gezielter Förderung beim Übergang zur weiterführenden Schule an. Unterstützt werden Kinder, deren Deutschkenntnisse förderbedürftig sind, die aber ein gutes Leistungspotenzial haben. Sie kommen aus 13 verschiedenen Ländern wie Äthiopien, Bosnien, Türkei oder Pakistan. Viele haben schon am „DeutschSommer“ teilgenommen. Das Stipendium beinhaltet Förderangebote für Kinder in Deutsch, den Naturwissenschaften, Musik, Kunst und Theater. Mit Einführungen in das deutsche Schulsystem oder Themen wie dem Umgang mit Fernsehen und Computer erhalten andererseits auch Eltern wichtige Unterstützung. Die Familien erhalten darüber hinaus finanzielle Unterstützung von bis zu 600 Euro im Jahr für Bildungsanschaffungen und -maßnahmen.

	

T€a / T€b

2009 	

2008 	

4.700	

3.600	

290 / 60 290 / 130

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekte Hauptamtliche	 Honorarkräfte	 Ehrenamtliche	 		 16 	 3	 1/1 1/2
a/b

Handlungsansatz

65 	

45 / 20

Gezielte Sprachförderung Die „Stiftung Polytechnische Gesellschaft“ will gemeinsam mit Partnern Kindern im Frankfurter Raum durch eine intensive und zielgerichtete Sprachförderung bessere Bildungschancen ermöglichen.

DeutschSommer und Diesterweg-Stipendium Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main
Wirkungspotenzial der Projekte Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation A. 1% B. 1%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

E. 98%

			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Bildungsbiographien werden positiv verändert Viele der 150 Teilnehmer des „DeutschSommers“ gelangen während des Sprach-Camps aus den schwachen in die guten Leistungsgruppen mit unterrichtsfähigen Deutschkenntnissen. Damit sind die Schüler gut gerüstet für das wegweisende vierte Schuljahr. Bemerkenswert ist auch das starke Engagement der Eltern. Zu 92 Prozent nahmen sie an den vorbereitenden Informationsabenden und an der abschließenden Theateraufführung teil. 22 Kinder erhielten 2008-2010 ein „Diesterweg-Stipendium“. Zwei Drittel von ihnen wechselten zum Schuljahr 2009/2010 in ein Gymnasium, die übrigen in eine Realschule oder integrierte Gesamtschule. Nach Auskunft der Lehrer treten die Kinder selbstbewusster im Unterricht auf, trauen sich nachzufragen und engagieren sich stärker im Schulalltag. Hervorzuheben ist die starke Beteiligung der Eltern. Sie nutzen die Angebote sehr intensiv und engagieren sich selbst beispielsweise in den Elternbeiräten, in der Schulbibliothek oder bei der Organisation von Schüleraustauschen mit ihrem Herkunftsland. Darüber hinaus erhalten die Eltern einen Einblick in das Bildungssystem und fühlen sich dadurch besser informiert. Das Europäische Forum für Migrationsstudien (efms) bestätigt in seiner wissenschaftlichen Evaluation vom Oktober 2010, dass das Stipendienprogramm alle gesetzten Ziele erreicht hat. Im Oktober 2010 wurden 30 neue Familien in das Programm aufgenommen.

Empfehlungen

Erfolgsprojekte fördern In der PHINEO-Analyse schneiden die Projekte „DeutschSommer“ und „Diesterweg-Stipendium“ herausragend ab. Beide Ansätze sind zielgerichtete und wirksame Sprachlern- und Bildungsprogramme, die über die beteiligten Kinder hinaus deren Familien erfolgreich einbinden. Neben dem hohen Wirkungspotenzial ist die Organisation darüber hinaus sehr professionell aufgestellt. Soziale Investoren könnten weiteren Kindern die Teilnahme am „DeutschSommer“ oder am „Diesterweg-Stipendium“ finanzieren und geförderte Kinder persönlich kennenlernen und begleiten. Ganz konkret ermöglicht eine mittlere Spende von 1.500 Euro einem Kind die Teilnahme am dreiwöchigen „DeutschSommer“. Mit einem größeren Beitrag von 15.000 Euro können Förderer ein „Diesterweg-Stipendium“ für eine Familie für die gesamte Projektlaufzeit übernehmen. Eine Investition von 7.500 Euro würde ein zusätzliches Angebot für Eltern ermöglichen. Auch kleinere Spenden sind hilfreich: Für rund 500 bis 600 Euro können Arbeits- und Lehrmaterialien bereitgestellt oder der Bildungsfonds für eine Familie für ein Jahr finanziert werden.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

5

BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Außerschulische Lernförderung; Elternbildung/Elternmobilisierung; Begabtenförderung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Sprint RAA Berlin e.V.
Die Organisation Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 1990 Kontakt Herbert Weber Projektleiter Medienhof-Wedding Prinzenallee 25/26 13359 Berlin (030) 49 76 84 60 herbert.weber@raa-berlin.de www.raa-berlin.de www.foerderunterricht-sprint.de Das Projekt Start des Projekts: 2006 	 Erreichte Personen: 300 Schüler Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2007	 2008	 2009	

Herausforderung

Sprache ist der Schlüssel zum Bildungserfolg Sprachförderung ist nicht alles, aber ohne Sprachförderung gelingt keine Integration. Wie eine wirksame Methode zur Sprachförderung aussieht, zeigt „Sprint“. In manchen Stadtteilen vieler Großstädte ist Deutsch nur die Zweitsprache – so auch in Berlin-Wedding. Gab es an Weddinger Schulen bis 1990 noch 50 Prozent muttersprachliche Deutsche, sind es heute nur noch 20 Prozent. Tendenz sinkend. Immer weniger Kinder beherrschen – obwohl hier geboren – schriftliches oder fachsprachliches Deutsch. Entsprechend sind viele Kinder nicht in der Lage, dem deutschen Schulunterricht zu folgen und beispielsweise die Texte in den Schulbüchern zu verstehen. Darunter leiden die Kinder stark. Motivation und Selbstbewusstsein sinken und schulische Schwierigkeiten nehmen zu. Diejenigen, die gleichwohl einen Schulabschluss erreicht haben und beruflich erfolgreich sind, ziehen weg und damit schwinden die Vorbilder.

Handlungsansatz

Schultexte verstehen lernen Das „Sprint“ Sprachförderungsprogramm der RAA Berlin setzt auf eine umfassende Bildungsförderung durch ein ausgeklügeltes Sprachlernkonzept. „Sprint“ steht für Sprache und Integration. An sieben Schulen in Berlin-Wedding geben Lehramtsstudenten auf Honorarbasis Jugendlichen mit Migrationshintergrund der 5. bis 10. Klasse Förderunterricht. Geübt werden Lesen und schriftlicher Ausdruck sowie die Fachinhalte des Lehrstoffes. Damit das möglich ist, arbeiten Klassenlehrer und Förderlehrer eng zusammen. Die Studenten werden mit einem einwöchigen Einführungskurs im Fach „Deutsch als Zweitsprache“ auf ihre Aufgabe vorbereitet. Flankierend gibt es für alle Jugendlichen im Viertel ein offenes, niedrigschwelliges Angebot am „Bildungszentrum Medienhof-Wedding“. An vier Nachmittagen in der Woche unterstützen jeweils sechs Studierende die Jugendlichen bei schulischen und sprachlichen Problemen. Durch das Verstehen und Verfassen von Texten wird die Neugier der Schüler geweckt. So gehören zum Konzept auch Vorreiter-Projekte, bei denen Jugendliche selbst wieder Grundschüler fördern und mit ihnen gemeinsame Ausflüge in die Umgebung unternehmen,um den Horizont über den Kiez hinaus zu erweitern.

1.766.755	 €		 102.393	€ 1.917.153	 €		 117.975 	 € 2.061.908	 € 	 114.373	€

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Honorarkräfte 	 Hauptamtliche 	 100 		 0 		 50			 	 53 0 1

Ehrenamtliche 	

	

Sprint RAA Berlin e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation H. 1,5% G. 0,2% A. 0,2% B. 37,7%

akzeptabel

F. 60,4%

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Sprachkompetenz nimmt zu 2009 gaben 45 Lehramtsstudenten rund 300 jugendlichen Migranten Förderunterricht. Die Nachfrage ist bei Schülern wie Eltern groß, weil sie erkennen, dass Lernerfolg in der Schule auf dem Verstehen von Texten basiert. Eine externe Evaluation zeigte, dass die am „Sprint“-Projekt teilnehmenden Schüler dem Unterricht besser folgen konnten. Dadurch erlangten sie eine höhere Motivation zum Lernen und erreichten bessere Noten. Darüber hinaus wurde ihr Horizont durch den Kontakt zu den Studenten und durch die Exkursionen erweitert und ihre Neugier auf Erfahrungen außerhalb der bisher gewohnten Stadtteilgrenzen geweckt. Auch die Lehramtsstudenten profitierten. Besonders wertvoll waren die beruflichen Praxiserfahrungen im pädagogischen Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund, die sonst während des Studiums zu kurz kommen. Darüber hinaus erhalten sie eine Praktikumsbestätigung am Ende eines Schuljahres.

Empfehlungen

Bildungschancen geben Der Berliner Verein verfolgt einen wirkungsvollen Ansatz: „Sprint“ setzt nicht nur bei den sprachlichen sondern auch bei den fachlichen Schwierigkeiten der Schüler an. Darüber hinaus spielt das Projekt eine wichtige Rolle für die positive Entwicklung des Berliner Stadtteils Wedding. Damit dieser vorbildliche Ansatz erhalten bleiben kann wird dringend ein größerer Investor gesucht. 40.000 Euro sind nötig, um den Betrieb des von der Schließung bedrohten Bildungszentrums „Medienhof-Wedding“ für ein Jahr lang sicherzustellen. Sinnvoll wäre auch die Investition in einen Ausbau der (derzeit einwöchigen) Zusatzqualifikation „Deutsch als Zweitsprache“ für die Studierenden. Aber auch kleinere Spenden helfen weiter. Soziale Investoren können beispielsweise Lern­ aterialien wie Atlanten, Wörterbücher m oder Schulbücher für den Fach- und Förderunterricht finanzieren (700 Euro).

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Sprachbildung; Außerschulische Lernförderung; Qualifikation pädagogischer 	 Fachkräfte Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Schule für alle Schule für alle im Landkreis GieSSen e.V.
Die Organisation Schule für alle im Landkreis Gießen e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 2008 Kontakt Dipl.-Päd. Simone und Tim van Slobbe Vorstand und Projektkoordinatoren Finkenweg 2 35415 Pohlheim (06404) 92 86 35 hallo@sfa-giessen.de www.sfa-giessen.de Das Projekt Start des Projekts: 2007 (als Initiative) 	 Erreichte Personen: Seit Bestehen 31 Patenschaften, ca. 100 Personen im Umfeld Wirkungsregion: lokal, regional
Einnahmen	 Organisation = Projekt 11.870	€ 	 4.700	 €	

Herausforderung

Frühzeitige pädagogische Betreuung von Migrantenkindern Eltern mit Migrationshintergrund haben es oft schwer, ihre Kinder so zu unterstützen, wie es das deutsche Schulsystem erfordert. Das Patenschaftsprogramm „Schule für alle“ bietet Migrantenkindern eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch Lehramtsstudenten. Wichtig für den Schulerfolg ist es, das Lernen in der Schule anschließend in der Familie fortzusetzen. Wenn Eltern das nicht leisten können, und das ist häufig in Familien mit Migrationshintergrund oder niedrigem sozialen Status der Fall, haben die Kinder deutlich schlechtere Chancen, erfolgreich in der Schule zu sein. Studien belegen, dass Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich oft in eine Förderschule umgeschult werden. Der Verein „Schule für alle“ setzt auf eine individuelle Förderung der Migrantenkinder wie sie von den Schulen in Deutschland häufig nicht geleistet wird.

Handlungsansatz

Angehende Lehrer als Paten für Migranten Der kleine Verein „Schule für alle im Landkreis Gießen“ vermittelt Patenschaften zwischen Vor- und Grundschulkindern aus Migrantenbzw. sozial schwachen Familien und Lehramtsstudierenden der örtlichen Universität. Die pädagogisch vorgebildeten Lehramtsstudierenden betreuen die Kinder als Paten individuell in einem Eins-zu-Eins-Verhältnis. Mindestens ein Jahr lang für mindestens drei Stunden in der Woche treffen sich die Studenten mit den Kindern. Die Betreuung reicht bis in die Familien hinein. Die zum Großteil interkulturell gemischten „Gespanne“ verbringen viel Zeit miteinander. Dabei werden die Kinder von ihren Paten nicht nur in schulischen Fragen unterstützt. Bei Ausflügen in der Stadt lernen sie auch verschiedene Kultur- und Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken kennen. Der Verein begleitet die Studierenden mithilfe von Supervision und Fallreflexionen. Darüber hinaus unterstützt er sie bei allen praktischen Fragen und veranstaltet begleitende Kurse und Gemeinschaftsveranstaltungen für alle Beteiligten (Kinder, Paten, Eltern, Lehrer), wie gemeinsame Kochaktionen oder Sommerfeste.

2008		 2009		 Mitarbeiter	

Hauptamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	

Organisation = Projekt 0			 0 		 	

* 31 Mentoren und 7 aktive Vereinsmitglieder

38* 		

Schule für alle Schule für alle im Landkreis GieSSen e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation H. 17% F. 2% A. 29%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

			 			 			 			 			

B. 52%
A. 	 Spenden C.	 B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Künftige Lehrer und junge Schüler profitieren gleichermaßen „Schule für alle“ arbeitet sehr erfolgreich. Bislang musste keines der betreuten Kinder in eine Förderschule umgeschult werden. Das kann der intensiven Betreuung der Kinder durch die angehenden Lehrer zugeschrieben werden. Die Grundschüler gehen wieder gerne zur Schule. Sie machen ihre Hausaufgaben und erzielen bessere Ergebnisse in den Klassenarbeiten. Das überzeugt auch die Eltern. Sie zeigen größeres Interesse am Schulerfolg ihrer Kinder und nehmen vermehrt an Aktivitäten in der Schule teil. Auch die Lehrer der Kinder berichten von positiven Effekten. Über die Kontakte zu den Paten erhalten sie einen besseren Zugang zu den Familien und beschäftigen sich intensiver mit der Herkunft der Kinder. Für die Studierenden ist das Projekt eine Chance, intensive Erfahrungen mit Migrantenfamilien zu machen. Von innen heraus lernen sie ein anderes Kultur- und Wertesystem kennen und setzen sich damit auseinander. Das Patenprojekt wird durch die Universität Gießen wissenschaftlich begleitet.

Empfehlungen

Starthilfe geben Das Projekt „Schule für alle“ lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Vereinsmitglieder. PHINEO schätzt das Wirkungspotenzial des Ansatzes sehr hoch ein, weil die intensive Einzelbetreuung der Kinder durch Lehramtsstudenten am Kernproblem von Integration und Schulbildung ansetzt. Ausbaufähig ist noch die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Schulen der Kinder. Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Organisation ist der Verein für sein junges Bestehen schon gut aufgestellt. Jedoch könnte mithilfe eines Sozialen Investors noch in eine Vereinsentwicklung investiert werden – insbesondere zur Schaffung einer klaren Strategie. Natürlich können Spender auch direkt in die operative Umsetzung investieren und durch finanzielle Unterstützung die Anzahl der betreuten Kinder erhöhen. So ermöglicht eine Spende von 400 Euro eine Bildungspatenschaft für ein Jahr. Mit einer großen Spende von 8.000 Euro ließe sich aus der wissenschaftlichen Begleitung ein richtiges Forschungsprojekt der Universität Gießen entwickeln.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Qualifikation pädagogischer Fachkräfte; Außerschulische Lernförderung; Mentoren-Programme Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

START-Stiftung – ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung – gemeinnützige GmbH
Die Organisation START-Stiftung – ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung – gemeinnützige GmbH

START-Stipendienprogramm

Rechtsform gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) Gründungsjahr 2007 Kontakt Andrea Bartl Geschäftsführerin Friedrichstraße 34 60323 Frankfurt am Main (069) 3 00 38 81 01 andrea.bartl@start-stiftung.de www.start-stiftung.de Das Projekt Start des Projekts: 2002 	 Erreichte Personen: 1.200 Stipendiaten 2009 Wirkungsregion: regional, landesweit, bundesweit
Einnahmen	 Organisation = Projekt 3.900.000	 €		 4.400.000	 € 	 3.200.000	 €	

Herausforderung

Niedrige Schulbildung von Migranten Junge Migranten sind an deutschen Gymnasien und Hochschulen deutlich unterrepräsentiert. Das START-Stipendienprogramm unterstützt engagierte Schüler mit Migrationshintergrund auf dem Weg zum Abitur und Studium. Obwohl die durchschnittliche Schulbildung der deutschen und ausländischen Bevölkerung kontinuierlich steigt, bleibt die Kluft zwischen beiden Gruppen bestehen. Nur jeder zehnte ausländische Jugendliche im deutschen Bildungssystem macht Abitur, dagegen aber jeder vierte deutsche Jugendliche. Und an den Hochschulen haben nur knapp über 10 Prozent der Studierenden einen Migrationshintergrund.

Darüber hinaus werden die Schüler individuell beraten und können aus einem umfassenden Bildungs-programm mit Seminaren, Ferienakademien, Exkursionen und Beratungsangeboten wählen. Mit dieser Mischung stärkt START die Stipendiaten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, unterstützt sie in ihrer schulischen und beruflichen Qualifikation und vermittelt Schlüsselqualifikationen für eine aktive Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben in Deutschland. Von den Schülern wird neben guten schulischen Leistungen ein gesellschaftliches Engagement erwartet z. B. als Klassen- oder Schulsprecher, als Schulsanitäter oder Streitschlichter, bei der Schülerzeitung oder in einem Verein. Ebenso wird die aktive Teilnahme an den Stiftungsaktivitäten und halbjährliche Berichte über die persönliche und schulische Entwicklung vorausgesetzt. Ehemalige Stipendiaten können sich später in einem Alumni-Verein engagieren. Das Stipendienprogramm ist (nahezu) bundesweit verbreitet.

2007	

2009	

2008	

Handlungsansatz

Nebenamtliche 	 Honorarkräfte 	 Ehrenamtliche 	

Mitarbeiter	 Organisation = Projekt 120 		 	 80 		 	 17			

Bildungsförderung für engagierte Migranten Die START-Stiftung unterstützt talentierte und engagierte Schüler mit Migrationshintergrund (von Haupt-, Realschulen und Gymnasien) auf ihrem Weg zum Abitur bzw. zur Fachhochschulreife durch Stipendien. Die Stipendiaten werden sowohl materiell als auch ideell gefördert. Ihnen steht eine PC-Grundausstattung sowie 100 Euro monatliches Bildungsgeld zur Verfügung. Davon können sie Lernmaterialien kaufen oder die Teilnahme an einem Förderkurs bezahlen.

START-Stiftung – ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung – gemeinnützige GmbH
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			

START-Stipendienprogramm

herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation D. 7% F. 3% A. 3%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

B. 87%

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder F. 	 Mitgliedsbeiträge

E. 	Zins-/Vermögenserträge G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	 Sonstige Öffentliche Gelder

Resultate

Mehr Migranten machen eine Bildungskarriere Das Stipendien-Projekt hat seit seinem Start 2002 die Anzahl der Stipendiaten von anfänglich knapp 30 auf derzeit 1.200 (Stipendiaten und Ehemalige) und seinen Wirkungskreis von Hessen auf die meisten Bundesländer ausgeweitet. Kein Wunder, denn ein START-Stipendium ist begehrt: 2009 bewarben sich 2.400 Schüler auf 220 Stipendienplätze. Das Programm zeigt Wirkungen: Das Abitur wird von fast allen Stipendiaten erreicht, über 90 Prozent fangen an zu studieren. Längerfristige positive Wirkungen der Stipendien werden auch durch wissenschaftliche Studien belegt. Die Stipendiaten sehen sich auf dem Weg in eine aussichtsreiche Bildungs- und Berufskarriere, sie sind dabei mehrheitlich engagiert und bereit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das Programm vermittelt wichtige sprachliche Kompetenzen, soziale Formen des Auftretens und der Selbstpräsentation sowie Selbstbewusstsein und Sicherheit. Besonders positiv ist, dass die jungen Migranten von ihren Mitstipendiaten profitieren, indem sie Erfahrungen und Perspektiven teilen, sich gegenseitig Halt vermitteln und Netzwerke knüpfen.

Empfehlungen

Weitere Stipendien ermöglichen Das START-Stipendienprogramm ist ausgereift, vorbildlich strukturiert und etabliert. PHINEO schätzt das Wirkungspotenzial als herausragend ein. Daher ist das Programm für Soziale Investoren besonders empfehlenswert. Auch die START-Stiftung als Projektträger ist überdurchschnittlich gut aufgestellt. Soziale Investoren können diesen wirkungsvollen Ansatz unterstützen, indem sie die Kosten für einen Stipendienplatz übernehmen (5.000 Euro für ein Jahr, 15.000 Euro für die dreijährige Regelförderdauer bis zum Abitur) und die Stipendiaten in gewissem Umfang persönlich begleiten. Es können auch einzelne Bildungsmaßnahmen des Programms unterstützt werden. Sinnvolle Optimierungsansätze für die Projektarbeit, die ebenfalls durch Soziale Investoren unterstützt werden können, wären der Ausbau des Engagements von „Ehemaligen“ oder eine Studie zur Erfassung der Langzeitwirkungen des Stipendienprogramms.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Begabtenförderung; Elternbildung/Elternmobilisierung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Ausbildung für junge Migrantinnen Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e.V.
Die Organisation Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e.V.) Gründungsjahr 1978 Kontakt Kerstin Einecke Geschäftsführerin ab 2011: Walter-Kolb-Str. 1-3 60594 Frankfurt am Main (069) 79 50 99 11 k.einecke@vbff-ffm.de www.vbff-ffm.de Das Projekt Start des Projekts: 1991 Erreichte Personen: seit Beginn 98 Azubis Wirkungsregion: lokal
Einnahmen	 Organisation	Projekt

Herausforderung

Migrantinnen haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist der Schlüssel zur Integration. Dies gilt in besonderem Maße für junge Migrantinnen – für sie engagiert sich der VbFF mit einem Ausbildungsprojekt. Fast jeder dritte Jugendliche mit Migrationshintergrund bleibt ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Besonders schwierig ist die Situation für Mädchen und junge Frauen. Sie müssen bei ihrer Berufswahl und Berufsausübung oft gravierende Einschränkungen wegen ihres kulturell oder religiös geprägten Familienhintergrunds in Kauf nehmen. Für manche Migrantenfamilie ist eine Geschlechtertrennung entscheidende Voraussetzung dafür, dass ihre Tochter überhaupt eine Ausbildung beginnen kann. Vor allem bei der Berufsausbildung sind daher spezielle Förderprojekte für junge Migrantinnen wichtig, die auf ihre besondere Situation eingehen und so zur Chancengleichheit beitragen.

Handlungsansatz

Ausbildungen und Betreuung für Frauen Der „Verein zur beruflichen Förderung von Frauen“ unterstützt Frauen in der schwierigen Phase beim Einstieg in den Beruf. Das Projekt „Ausbildung für junge Migrantinnen“ richtet sich speziell an junge Frauen bis 26 Jahre aus Frankfurt am Main, die einen kaufmännischen Beruf, vor allem Bürokauffrau oder Kauffrau im Einzelhandel, erlernen möchten. Seit 1991 bildet der Verein gemeinsam mit einer regionalen Berufsschule und verschiedenen Ausbildungsbetrieben junge Frauen aus. Das achtköpfige Team begleitet in Teilzeit die Migrantinnen während der gesamten Ausbildung und steht ihnen insbesondere bei Schwierigkeiten mit persönlicher Beratung und sozialpädagogischer Begleitung zur Seite. Ein Teil der Ausbildung findet im Verein statt. Unterstützung gibt es dabei nicht nur in allen schulischen Fragen, sondern auch hinsichtlich des Fachunterrichts und der Fachpraxis. Darüber hinaus hilft der Verein mit EDV- und Deutschtrainings sowie bei der Prüfungsvorbereitung. Damit geht das Angebot weit über den üblichen Ausbildungsplan hinaus. Auch nach Abschluss der Ausbildung hilft der Verein bei der Übernahme in die Betriebe oder bei der Bewerbung weiter.

2009	

2008	

2007	

2.245.000	€ 	 356.700	 €

2.200.000	€ 	 492.440	€

1.850.000	 €	 470.080	€

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Honorarkräfte 	 Hauptamtliche 	 33			 16 		 0 		 	 	 8 5

Ehrenamtliche 	

0

Ausbildung für junge Migrantinnen Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 94,6%

G. 4,7% H. 0,07% A. 0,12% B. 0,17% C. 0,08% E. 0,26%

			 			 			 			 			

A. 	 Spenden C.	

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen D. 	 Sponsorengelder Mitgliedsbeiträge

E. 	 Zins-/Vermögenserträge F. 	Öffentliche Gelder H. 	 Sonstige* G. 	Leistungsabhängige Einnahmen*

Resultate

Viele Abschlüsse dank intensiver Betreuung Der Verein betreut derzeit zwei Gruppen mit je 11 Teilnehmerinnen. Die persönliche Betreuung schafft hohe Erfolgsquoten: 98,5 Prozent der Teilnehmerinnen haben bisher die Abschlussprüfungen erfolgreich bestanden, 69 Prozent fanden eine Anstellung, 13 Prozent besuchten eine weiterführende Schule. Diese Zahlen werden durch die Selbsteinschätzungen der Frauen bestätigt. Die erfolgreich absolvierte Ausbildung steigerte ihr Selbstbewusstsein und sie lernten während der Ausbildung, mehr Toleranz gegenüber anderen Kulturen zu zeigen. Manche Teilnehmerinnen engagieren sich auch an anderer Stelle im Verein und geben beispielsweise Workshops zu interkulturellem Lernen. Positive Resultate des Projekts zeigen sich auch bei einigen Betrieben der Region. Sie lernten die Vorteile der Integration von Migrantinnen im Betrieb (mehr Offenheit in der Belegschaft, Verbesserung des Betriebsklimas) schätzen und wurden dadurch motiviert, junge Migrantinnen auszubilden.

Ein Investor sollte wissen, dass die Aufsichtsstruktur des Vereins entwicklungsbedürftig ist, da zu den Mitgliederversammlungen überwiegend die engagierten Vereinsangestellten erscheinen und kein zusätzliches Kontrollgremium eingerichtet ist. Darüber hinaus hat die PHINEO-Analyse gezeigt, dass die Rechnungslegung insgesamt einwandfrei ist, auch wenn die Finanzprüfung bislang intern und nicht extern erfolgte. Den Verantwortlichen sind die Schwachstellen bewusst und es gibt bereits konkrete Verbesserungsüberlegungen. Insgesamt ist die Projektarbeit vorbildlich. Die große Stärke des Projekts ist die intensive sozialpädagogische Betreuung der Frauen. Allerdings ist dies auch kostenintensiv. Mit zusätzlichen finanziellen Mitteln könnte das bisher überwiegend öffentlich finanzierte Projekt ausgebaut und die Zahl der Ausbildungsplätze noch erhöht werden. 45.000 Euro kostet ein zusätzlicher Ausbildungsplatz für eine junge Migrantin. Mit einer kleineren Investition in Höhe von 800 Euro ließe sich ein PC-Arbeitsplatz für die Teilnehmerinnen neu einrichten. Eine Spende von 150 Euro ermöglicht sechs Stunden individuellen Nachhilfeunterricht für die Frauen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Integration 12/2010
2010 5. THEMENREPORT: INTEGRATION

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BRÜCKEN BAUEN
Integration junger Migranten durch Bildung

Handlungsansatz: Mädchen-/Frauenförderung; Benachteiligtenförderung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.
*	Hinweis: Die Beiträge der Kooperations	 betriebe sind unter „Leistungsabhängige 	 Einnahmen“, die Bußgelder unter „Sonstige“ 	 erfasst.

Empfehlungen

Ausbildungsplätze für Frauen fördern Die „Erstausbildung für junge Migrantinnen“ ist für Förderer, die in wirksame Integrationsmaßnahmen beim Übergang in den Arbeitsmarkt investieren wollen, sehr zu empfehlen.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung
        
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