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Full text: Erfahrungssache

2011

6. THEMENREPORT: ENGAGEMENT 55+

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ERFAHRUNGSSACHE
Engagement 55+ wirkt!

Gefördert durch:

editorial
Wir leben in einer Gesellschaft, in der es immer weniger junge Menschen und dafür immer mehr Ältere gibt. Dieser demografische Wandel wird meist als Schreckensszenario skizziert, in dem es zum „Krieg der Generationen“ kommt und in dem die Gesellschaft vor unüberwindbaren Problemen steht. Natürlich darf man die Augen vor diesen Herausforderungen nicht verschließen. Aber allzu leicht und allzu oft werden die Älteren als Last, als Produktivitätshemmnis, als Bedrohung dargestellt. Die Chancen und Potentiale, die in der Generation der Älteren schlummern, werden selten gesehen, geschweige denn gezielt genutzt. Dabei ist diese Generation fit, selbstbewusst, aktiv und will mitmischen – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Lust darauf, die Gesellschaft mitzugestalten. Das gilt es zu nutzen. Das bürgerschaftliche Engagement ist eine hervorragende Möglichkeit, Erfahrungswissen, Kompetenzen und zeitliche Möglichkeiten der Älteren für die Gesellschaft einzusetzen. Nicht (nur) um staatliche Aufgaben zu ersetzen, sondern weil Engagement 55+ dreifach wirkt: Die Menschen, für die sich die Älteren engagieren, die Älteren selbst und die Gesellschaft als großes Ganzes – alle profitieren vom Engagement der Generation 55+. Jonathan Przybylski Franz-M. Schäfer Mit diesem Report zeigen wir, was Förderer – ganz praktisch – tun können und was sie beachten sollten, wenn sie in Engagement 55+ investieren wollen. Und wir empfehlen 13 Projekte, in denen die Potentiale der Älteren erkannt und zur Entfaltung gebracht werden. Soziale Investoren können bei der Engagementförderung der Generation 55+ viel bewegen. Auch wenn es gute Ansätze durch öffentliche Modellprojekte gibt – sie bleiben zumeist das, was ihr Name bereits verrät: Modelle. Woran es mangelt, sind Förderer, die gute Ideen verstetigen und multiplizieren. Die mehr Älteren die Möglichkeit zum Engagement geben. Die gezielt Menschen beim schwierigen Übergang vom Berufsleben in ein aktives Alter unterstützen.
Franz-Martin Schäfer sind verantwortlich für den Themenreport 55+ und die Analyse der gemeinnützigen Organisationen in diesem Themenfeld. Beide sind seit der Gründung 2010 im PHINEO-Team. Politologe Jonathan Przybylski führte zuvor zahlreiche Projekte zur Zivilgesellschaft und Unternehmenskultur in der Bertelsmann Stiftung durch. Franz-Martin Schäfer, studierter Jurist, beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahren mit zivilgesellschaftlichen, insbesondere gemeinnützigkeitsrechtlichen Themen. Beide PHINEOAnalysten engagieren sich selbst auch gesellschaftlich.

Aber: Engagement ist nicht selbstverständlich. Die Wege dorthin müssen noch bekannter gemacht und bereits vorhandenes Engagement – insbesondere in seinen Strukturen – muss gestärkt werden. Gemeinnützige Organisationen sind hier gefordert, stärker auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten ihrer älteren Freiwilligen einzugehen und deren Kompetenzen besser zu nutzen.
Jonathan Przybylski und

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förderpartner des reports
generali deutschland holding ag
Die Generali Deutschland Holding AG bekennt sich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen. Mit dem Generali Zukunftsfonds verwirklicht sie ein strategisch ausgerichtetes Programm, das unter dem Leitthema „Demografischer Wandel – Unsere gemeinsame Herausforderung“ steht. Dies geschieht aus der Überzeugung heraus, dass sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft dem gewaltigen Veränderungsprozess im Gefolge des demografischen Wandels gemeinsam stellen müssen. Als möglichen Lösungsansatz für die bevorstehenden Probleme fördert der Generali Zukunftsfonds das bürgerschaftliche Engagement und insbesondere das bürgerschaftliche Engagement der älteren Mitbürger (Generation 55+). Durch die Festlegung auf diese www.generali-zukunftsfonds.de Mit der Förderung des PHINEO-Themenreports möchte der Generali Zukunftsfonds Projekte des bürgerschaftlichen Engagements der Älteren mit besonderem Wirkungspotential sichtbar machen und diesen eine Chance eröffnen, sich neue Finanzierungsquellen zu erschließen. Die Ergebnisse des Reports werden insgesamt dabei helfen, die Strukturen in diesem Bereich gezielt zu stärken. Zielgruppe trägt Generali Deutschland in einem überschaubaren Bereich zur Verwirklichung der Grundwerte ihres Leitbildes bei und verwirklicht so ihre gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen.

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inhalt
wissen, worum es geht
Generation 55+: Ohne uns läuft nichts Demografischer Wandel | Ältere als Teil des Problems und Teil der Lösung | Erwartungen und Potentiale der Generation 55+ | Das „Extraleben“ der „neuen Alten“

S. 4-9

wissen, wer was macht
Engagement 55+: Vielfalt, alltäglich, aber Nachholbedarf beim gezielten Einsatz 55+ als Manager, Pate, Kümmerer und Co. | Was Staat, Unternehmen und Zivilgesellschaft beim Engagement 55+ leisten | Ehrenamt braucht Hauptamt? | Engagement 55+ im Ost-West-Vergleich

S. 10-19

wissen, was wirkt
55+-Förderung wirkungsvoll gestalten Investitionen in Engagement 55+ bewegen einen Dreifachhebel | Investieren in Vermittlungsstrukturen, in starke Organisationen oder direkt in Engagement 55+: was beachten? | Qualitätsindikatoren für 55+-Einbindung

S. 20-27

Der Weg zu wirkungsvollem Engagement Landkarte ausgezeichneter Projekte Die PHINEO-Methode: Analyse mit Herz und Verstand Herzlichen Dank! Impressum Literaturverzeichnis Projektporträts

S. 28-29 S. 30-31 S. 32-33 S. 34 S. 35 S. 36 S. 37

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generation 55+: ohne uns läuft nichts
Sie sind in den besten Jahren und auf dem Vormarsch: die Mitbürgerinnen und Mitbürger der Generation 55+. Sie setzen sich als Lesepaten für benachteiligte Kinder in ihrem Stadtviertel ein, engagieren sich in der Begleitung von hilfsbedürftigen Älteren und bringen ihre Fähigkeiten und Netzwerke in zahlreichen Vereinsvorständen ein. Mit ihren Erfahrungen, Kompetenzen und ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, leisten sie als ehrenamtlich Engagierte schon heute einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Und ihre Bedeutung wird zunehmen. Denn um den Herausforderungen des demografischen Wandels in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wirksam begegnen zu können, sind die Kenntnisse und Fähigkeiten dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe unverzichtbar. Denn die Älteren sind nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung. Die Generation 55+ zeigt bereits heute in vielen gemeinnützigen Organisationen und Initiativen in Deutschland hohe Einsatzbereitschaft. Die spezifischen Ressourcen und Bedürfnisse, die die Älteren mitbringen, haben jedoch viele gemeinnützige Organisationen noch nicht im Blick. Damit riskieren sie, das bestehende Engagementpotential nicht auszuschöpfen. Ebenso haben auch viele Soziale Investoren noch nicht erkannt, dass die Förderung eines breiten Engagements der Generation 55+ der entscheidende Hebel für die Linderung, wenn nicht sogar Lösung vieler gesellschaftlicher Probleme ist. Dabei hängt viel davon ab, ob die Potentiale der Generation 55+ erkannt und gezielt genutzt werden.

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Engagement 55+ Ehrenamt, freiwilliges Engagement und Bürgerengagement: Die Begriffsvielfalt steht für die Buntheit der Aktivitäten für das Gemeinwohl. In diesem Report wird Engagement als Einsatz für die Gesellschaft verstanden, sei er projektbezogen oder auch langfristig angelegt. Hier steht das soziale Engagement der Generation 55+ für andere im Fokus, das über Geselligkeit in den Bereichen Sport, Freizeit oder Kirche und auch über reine Selbsthilfe hinausgeht und sich in Vereinen, Verbänden oder Stiftungen organisiert. Es geht um den Beitrag Älterer für die Gesellschaft.

ältere: belastung oder ressource ?
Es ist paradox. Einerseits entstehen durch die zunehmende Zahl von Älteren große Herausforderungen: Stichwort Rente, Stichwort Pflegenotstand. Andererseits sind Ältere heute nicht mehr „so schnell alt“: Die Menschen leben nicht nur länger, sondern sind auch fitter im Alter. Wo früher der Ruhestand begann, haben die Älteren heute noch ein Extraleben vor sich, das gefüllt werden will. Sind Ältere also eine Belastung oder eine Ressource für die Gesellschaft? Den Ruf, eine Belastung zu sein, haben die Älteren seit langem weg. Es ist mittlerweile Allgemeingut, dass sich die Alterspyramide auf den Kopf stellt. Im Jahr 2050 wird mehr als jeder dritte Mensch über 60 Jahre alt sein. Dem steht ein stetiger Geburtenrückgang gegenüber. Reflexartig werden die Konsequenzen bemüht: angespannte Situation in den Renten- und Krankenkassen, Erosion der öffentlichen Einnahmen, Vergreisung bzw. Entvölkerung ganzer Regionen, Mangel an Fachkräften, Verlust der Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Mit der Alterung der Gesellschaft geht ein Anstieg der Zahl an Pflegebedürftigen einher. 2030 wird es schätzungsweise 3,4 Mio. pflegebedürftige Menschen geben – 50 Prozent mehr als heute. Ohne die Einbeziehung Die andere Seite der Medaille: Die so genannten Babyboomer erreichen bald das offizielle Rentenalter. Wenn sie erst einmal das Berufsleben abgeschlossen haben, haben sie reichlich Zeit für und oft auch Interesse an einem gesellschaftlichen Engagement. Die Generation 55+ hat dank der modernen Gesundheitsversorgung noch ein Drittel ihres Lebens vor sich – und ist dabei alles andere als „alt“. Zählte früher der Geburtsjahrgang zur Definition des Alters, spricht man heute von der Vielfalt des Alters – je nach individueller Lebenssituation. Die heutigen Älteren rütteln kräftig am negativen AltenImage, das geprägt ist von geistigem und körperlichem Verfall. Die Generation 55+ ist rüstiger, aktiver, gesünder, selbstbewusster und – zumindest noch – materiell abgesicherter als die Älteren in den Generationen vor ihnen. Sie gehen auf Reisen, kümmern sich um ihre Enkel, besuchen die Universität, treiben Sport – und sie stellen sich mit ihrem Engagement für andere in den Dienst der Gesellschaft. engagierter Bürgerinnen und Bürger in die ambulante Betreuung droht ein Desaster im Pflegebereich, menschlich wie finanziell. Gleiches gilt für zahlreiche weitere gesellschaftliche Herausforderungen.

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Beim Übergang vom Erwerbsleben in die

was 55+ kann, will und erwartet
Sprachvermögen, Fachwissen, soziale Kompetenz – ältere Menschen sind jüngeren oftmals überlegen (Pohlmann 2010). Ältere haben Überblickswissen und sind dadurch in der Lage, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Sie verfügen nach dem Ausscheiden aus dem Beruf über fundiertes Expertenwissen und effiziente Handlungsstrategien. „Gewusst was“ und „Gewusst wie“ beschreiben diese Kompetenzen gleichermaßen. 28 Prozent aller Engagierten im Ruhestand bringen ihre Berufserfahrungen ins Engagement ein (Freiwilligensurvey 2010). Und nicht zuletzt verfügen die Rentner über eine Ressource, die bei vielen anderen knapp ist: Zeit. Das Bedürfnis, gebraucht zu werden, hört mit der Beendigung der Berufstätigkeit nicht auf. Viele ältere Menschen wollen auch im Alter etwas Sinnvolles tun. Sie suchen eine Herausforderung, die es ermöglicht, die eigenen Fähigkeiten zu trainieren und weiterzuentwickeln. Der Kontakt mit anderen Menschen und die Anerkennung der Tätigkeit sind vielen Engagierten wichtig. Und: Engagement für andere hat auch einen positiven Effekt auf die eigene Lebenszufriedenheit (6. Altenbericht 2010).

Rente drohen oft der Verlust von Status und Anerkennung, man wird nicht mehr „gebraucht“, kollegiale Netzwerke verschwinden, der strukturierte Tagesrhythmus fehlt. Ältere richten daher an das Engagement in ihrer nachberuflichen Phase vielfach die Erwartung und Hoffnung, sich in einem neuen Feld wirksam einbringen und damit eine neue Bedeutung erlangen zu können. Die heutige Generation 55+ will mitgestalten, nicht nur gesellschaftliche Pflicht erfüllen. Deswegen stellt sie inhaltliche Ansprüche an ihr Engagement, aber ebenso organisatorische: „Bin ich nur ein Rädchen oder mache ich wirklich einen Unterschied?“, „Wo werde ich wirklich gehört und nicht nur fremdgesteuert ‚eingesetzt‘?“
Gestern Vollgas, heute Versenkung? Zu oft noch gehen die Kompetenzen von Älteren unter, anstatt dass sie gezielt für die Gesellschaft genutzt werden.

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55+:

der ungehobene schatz
Der Beginn des „Extralebens“ lässt sich nicht

Älteren bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten mit. Aber eines ist sicher: Die Generation 55+ hat Herausforderungen und Aufgaben bewältigt und im Verlaufe ihres Lebens schon viele Lernprozesse gemeistert, die nun eine wichtige Ressource sind. Schon heute sind in der Bundesrepublik über 8 Mio. Menschen über Mitte 50 sozial engagiert. 2009 leisteten sie ein Zeitvolumen von 1,55 Mrd. Stunden im Jahr. Das entspricht ca. 909.000 Vollzeitstellen (eigene Berechnung, Basis Freiwilligensurvey 2010 und Statistisches Bundesamt). Würde man einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ansetzen, käme ein Äquivalent von über 13 Mrd. Euro Arbeitslohn dabei heraus. Die gute Nachricht: Das Engagementpotential wächst. Mehr Ältere wollen sich engagieren. Jetzt stellt sich nur die Frage: Wie gewinnt man sie für ein Engagement?

„wenn ein alter mensch stirbt, dann ist es, als ob eine ganze bibliothek verbrennt.“
Afrikanisches Sprichwort

an einem konkreten Lebensjahr festmachen. Er ist von Person zu Person unterschiedlich. Entscheidend für den Fokus des PHINEOThemenreports auf die Generation ab 55 Jahren ist, dass in diesem Alter viele Menschen einen Wendepunkt erleben und vor der Frage stehen, wie sie dem „neuen“ Lebensabschnitt einen „neuen“ Sinn geben können. Die Sinnsuche geht oft, aber nicht immer, mit dem sich nähernden Berufsende einher. Die Generation 55+ ist dabei alles andere als homogen. Die

„ohne uns läuft nichts. wer uns mobbt, wird versenkt.“
Henning Scherf, ehemaliger Bürgermeister von Bremen, lebt zusammen mit seiner Frau seit einigen Jahren in einem Wohnprojekt.

Dr. Manfred Heeß, Seniorpartner in School e.V.:

„mein selbstbild hat sich durch meine ehrenamtliche tätigkeit verändert: ich traue mir heute mehr zu und bin zufriedener. mein fazit lautet: wenn man die hände in den schoß legt, wird man im alter immer kleiner und schwächer.“

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Deutschland

2030

Neugeborenen. (Akademiengruppe Altern in Deutschland, 2009)

85,7 Jahre 30%

ist die Lebenserwartung eines weiblichen

Weniger Junge, mehr Alte: Es gibt zwar Konzepte und Modelle, wie Engagement 55+ gezielter genutzt werden kann, die praktische Umsetzung in der Zivilgesellschaft bleibt aber – noch – hinter den Erfordernissen und auch hinter den Erwartungen der Generation 55+ zurück. Bei der Analyse gemeinnütziger Organisationen für das Thema 55+ hat PHINEO festgestellt, dass die meisten Organisationen das Potential der Älteren nicht strategisch nutzen – die 13 empfohlenen Projekte sind auch deshalb besonders bemerkenswert, weil sie dies ganz überwiegend tun. Dabei ist der Bedarf bei den meisten Verbänden, Vereinen und Stiftungen an Erfahrungswissen groß, sei es bei der Strategieentwicklung innerhalb der Organisation, der Koordinierung von Projekten oder auch in der praktischen Arbeit mit den Zielgruppen. Wenn das Engagement der Generation 55+ ein Instrument zur Lösung der Herausforderungen des demografischen Wandels sein soll, dann müssen zivilgesellschaftliche Organisationen sich für Ältere öffnen, deren Potentiale stärker berücksichtigen und ihren Bedürfnissen und Erwartungen besser begegnen – inhaltlich, was die konkreten Kompetenzen angeht, und organisatorisch, was die Einbindung von Älteren in die Projektarbeit oder in die Gesamtorganisation betrifft. Soziale Investoren können und sollten sie dabei unterstützen und den Dreifachhebel gesellschaftlichen Engagements gezielt ansetzen. liche, über

17%

weniger Kinder und Jugend-

mehr Menschen als 2011 über 65 gibt es in

Deutschland. (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2011)

lands (z. B. neue Bundesländer, Saarland, Teile von Niedersachsen oder Hessen). Die Jungen wandern ab oder wachsen erst gar nicht nach. Einige Landstriche veröden: Busse fahren nicht mehr, Läden und Arztpraxen machen zu und Schulen werden geschlossen. (Berlin Institut, 2011)

20%

ihrer Bevölkerung oder mehr verlieren einige Teile Deutsch-

37,7% 50%

der Einwohner von Chemnitz sind 65 Jahre und älter.

Chemnitz ist damit die älteste Stadt Europas. Im Gegensatz dazu ist Hamburg eine der jüngsten Städte (17,5 %). (eurostat, 2010)

mehr Pflegebedürftige, das sind 4,4 % der Gesamt-

bevölkerung. Bis 2050 verdoppelt sich der Anteil der Pflegekosten am BIP auf 2,7 %. (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2011; OECD, 2011)

Jeder

Wer Engagement 55+ nutzen will, muss auf diese Kulturvielfalt eingestellt sein. (Schaefer, 2009)

4 te

der über 60-Jährigen ist ein Einwanderer.

Buchtipp: „Die demografische Lage der Nation – Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet“, Berlin Institut, 2011. Pointierte Beschreibung der Herausforderungen des demografischen Wandels mit Empfehlungen für die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements.

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engagement 55+: vielfalt, alltäglich, aber nachholbedarf beim gezielten einsatz
Bauch, Herz, Kopf, Hände, Arme, Mund – 55+-Engagierte nehmen in gemeinnützigen Organisationen viele Rollen ein, wenn es darum geht, der Gesellschaft etwas (zurück) zu geben. Da sind die Kümmerer und die Manager, die Kommunikatoren und Trainer, die Helfer und Netzwerker, die Paten, Berater und Initiatoren. Wie in allen Bereichen ist es für gemeinnützige Organisationen eine Herausforderung, die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzuführen – beim Engagement 55+ mit der Besonderheit, dass es hier viele Organisationen gibt, bei denen Ehrenamt manchmal sogar ohne Hauptamt auskommt. Wenn es darum geht, Engagement 55+ gezielt und systematisch einzubinden, haben alle Akteure noch Nachholbedarf: Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen ihre Prozesse so gestalten, dass sie „die neuen Alten“, die nicht mehr nur Pflichterfüllung leisten, sondern gestalten wollen, dauerhaft halten können – das heißt auch, verantwortungsvolle Aufgaben bereitstellen, Einfluss zulassen. Der Staat schafft mit Modellprogrammen zwar gute Impulse, muss sich aber nach der Phase der Modellfinanzierung fragen lassen: „Und was nun?“ Unternehmen können noch Siebenmeilenschritte machen, was die gezielte Gestaltung des Übergangs zwischen Berufstätigkeit und dritter Lebensphase ihrer Mitarbeiter angeht – wenn sie sich erst einmal ihrer enormen Bedeutung für das Engagement 55+ bewusst geworden sind.

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den damit verbundenen Anforderungen auch auf Dauer gewachsen sind und ihr Engagement von anderen in angemessener Weise nachgefragt und geschätzt wird. Des Weiteren ist es ihnen wichtig, dass sie dabei nicht nur Wissen weitergeben, sondern auch neue Fertigkeiten erwerben und (Er-)Kenntnisse gewinnen. Engagierte Ältere initiieren neue Im Engagement 55+ gibt es alles: ehrenamtlicher Zeiteinsatz, der mit einem Full-Time-Job vergleichbar ist, die konstante und verlässliche Übernahme von Routineaufgaben mit einigen Stunden in der Woche, das zeitlich befristete Engagement, z. B. im Rahmen einer Veranstaltung, oder punktuelle Einsätze, z. B. als Zeitzeuge in Schulen. Projekte, gründen Organisationen und bauen sie auf. Und sie sorgen auch dafür, dass sie langfristig professionell laufen. Sie treten auf als Initiator, als Manager, als Netzwerker und Interessenvertreter und schaffen damit die organisatorische Basis für das Engagement vieler anderer 55+ler. Denn kein Pate kann sich engagieren, wenn nicht vorab Netzwerke zu Schulen aufgebaut wurden. Kein Senior-Berater kann Schulleiter coachen, wenn nicht zuvor jemand die Rahmenbedingungen für das Coaching mit der Schulbehörde abgeklärt hat. Und der Betreuer kann einen Besuchsdienst im Krankenhaus nur dann durchführen, wenn zuvor jemand Flyer für dieses Angebot entwickelt und in Krankenhäusern ausgelegt hat. Das Engagement der Älteren ist vielfältig, weist aber auch so manche Besonderheit auf. In den Engagementfeldern „Sozialer Bereich“ und „Kirche und Religion“ ist der Anteil Älterer höher als der anderer Altersgruppen. Umgekehrt sind es die „neuen“ EngagementKultur, Musik, Bildung Ältere Menschen sind vor allem Kinder und Jugend Lokales Bürgerengagement, Feuerwehr, Rettungsdienste Politik und Interessenvertretung Umwelt- und Tierschutz (Engagementatlas, 2009)
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die gesichter des engagements 55+

wofür engagiert sich die generation 55+ ?

Ältere Menschen erwarten aber nicht nur einen für sie passenden zeitlichen Rahmen, sondern sie suchen sich auch gezielt die Aufgaben, die inhaltlich zu ihren Interessen und ihrer Erfahrung passen. Ebenso wollen sie diese Aufgaben auch so wahrnehmen, dass sie sie voll ausfüllen können.

Sport, Freizeit, Geselligkeit

Sozialer Bereich, Gesundheit, Pflege

Kirche und Religion

bereiche, die von Älteren noch wenig gewählt werden: So engagiert sich z. B. nur ein Bruchteil in Seniorenakademien oder Weiterbildungsgruppen (Deutscher Alterssurvey 2010). Und: Je älter die Menschen werden, desto eher zielt das Engagement auf die eigene Altersgruppe, während gerade bei den „jüngeren Alten“ das generationsübergreifende Element dominiert.

dann bereit, verantwortliche Aufgaben für die Gesellschaft zu übernehmen, wenn sie davon ausgehen, dass sie

Kreative Projekte – nicht nur zum Thema Engagement – finden sich beispielsweise unter: www.zukunft-ostdeutschland.de

strukturen des engagements 55+
im osten: engagementaufbau. im westen: social entrepreneurs
Auch nach 20 Jahren Wiedervereinigung gibt es sie noch, die Unterschiede zwischen Ost und West. Sozialisation aus zwei Gesellschaften wirkt nach. Informelle Nachbarschaftshilfe und die früheren Netzwerke der Tauschwirtschaft im Osten konnten bislang kaum in formalisierte Strukturen des Engagements überführt werden. Wo aber die Struktur fehlt, fällt auch der Zugang zum Engagement schwerer – ein doppeltes Dilemma, denn aufgrund der schlechteren finanziellen Ausstattung und großen demografischen Herausforderung in dünn besiedelten Gebieten ist gerade hier Engagement 55+ gefragt. Dabei gibt es genügend Betätigungsfelder: vom Bürgerbus über den selbstorganisierten Dorfladen bis hin zum Aufbau von Tauschringen. Erfolg versprechend sind dabei Ansätze, die die lokalen Voraussetzungen berücksichtigen und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen – wie bei der Seniorenvertretung der Landeshauptstadt Magdeburg. Der Vorstand ist trotz der Gremiengröße sehr gut aufeinander abgestimmt und bringt so gemeinsam die Organisation voran. In der PHINEO-Analyse hat sich gezeigt, dass in Westdeutschland dagegen häufiger Modelle vorherrschen, in denen Einzelpersonen – die „Machertypen“ – die Führung übernehmen. Hier finden sich eher die so genannten „Sozialunternehmer“ oder „Social Entrepreneurs“. Aber das Ehrenamt hat auch Grenzen. Je mehr Ehrenamtliche es werden, desto mehr sind hauptamtliche Kräfte unabdingbar. Das müssen nicht immer sehr viele sein. Im Verein nestwärme e.V. steuern z. B. fünf Hauptamtliche zehn ehrenamtliche Koordinatoren, die wiederum 789 Betreuer begleiten, damit diese Familien mit kranken Kindern entlasten. Wo besonders stabile Strukturen oder besonderes Fachwissen erforderlich sind, sind hauptamtliche Mitarbeiter zwingend notwendig – etwa im Pflegebereich. Ehrenamtliche können hier aber wirkungsvoll ergänzen.

ehrenamt braucht hauptamt: ja, aber ...
… nicht immer. Im Rahmen der PHINEOAnalyse sind einige Organisationen entdeckt worden, die rein ehrenamtlich hoch professionell eine Vielzahl von Projekten durchführen. In Magdeburg engagieren sich z. B. in der Seniorenvertretung zwölf ehrenamtliche Vorstandsmitglieder und koordinieren insgesamt 200 Ehrenamtliche. Gerade in diesen rein ehrenamtlichen Organisationen sind die Mitgestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten für 55+-Ehrenamtliche enorm und die Kontinuität der Projekte wird insbesondere durch das 55+-Engagement gesichert.
Praxistipp: Engagementprofil klären Gerade die Generation 55+ hat das Potential, mit den erworbenen Kompetenzen und der zur Verfügung stehenden Zeit sehr verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen – sowohl in Steuerung und Führung einer Organisation als auch in der koordinierenden und fachlichen Gestaltung von Projekten. Die Möglichkeiten sind hier bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Wichtig ist, dass Unsicherheiten hinsichtlich des Profils der Haupt- und Ehrenamtlichen in den jeweiligen Projekten und Organisationen transparent geklärt werden.

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initiator

manager, pate, kümmerer rollen des engagements 55+
Über lange Jahre hinweg konnten 55+-Engagierte entdecken, was sie können und was sie wollen – dieses (Selbst-)Bewusstsein kommt dem Engagement 55+ zugute. Wer seine Stärke im persönlichen Kontakt sieht, will keine Buchhaltung machen. Wer schon immer gut überzeugen konnte, kann auch im Engagement 55+ vielleicht besser Geldgeber gewinnen als Projektberichte schreiben. Und wer gern für gute Abläufe sorgt, ist als Engagierter der richtige Projektkoordinator. Die Rollen der Älteren im Engagement 55+ können sehr unterschiedlich sein:

Baut Projekte und Organisationen auf Typ: Macher, Charismatiker, Unternehmer // häufig Menschen, die im Berufsleben viel (Führungs-) Verantwortung hatten // will etwas Neues mit „Sinn“ aufbauen Pluspunkt: gute Kontakte und Netzwerke // Führungsqualitäten Risiko: Neigung, Aufgaben nicht abgeben zu können // gelegentlich „One-ManShows“ ohne gesicherte Nachfolge

berater
Coacht z. B. Jugendliche oder Schulleiter, hilft bei der Persönlichkeitsentwicklung Typ: Hands-on-Pragmatiker, Fachmann, Sparringspartner // kennt sich aus // war vielleicht selbst einmal betroffen Pluspunkt: praktisch und konkret statt graue Theorie // hilfsbereit, interessiert, zuverlässig // oft 1 : 1-Verhältnis Risiko: abgegrenzte Funktion im Projekt // selten Übernahme anderer Tätigkeiten

Es gibt noch zwei weitere Typen des 55+-Engagierten, die aber in der PHINEO-Analyse keine maßgebliche Rolle spielten: der Aktivist, der sich an politischen Initiativen beteiligt (Typ: politisch engagierter „Wutbürger“). Und der Selbsthelfer, der im Austausch mit Gleichgesinnten vorrangig sich selbst hilft.
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Engagementrollen mit dem Ziel, den Weg für andere Engagierte zu ebnen:

manager/ koordinator
Ist im Vereinsvorstand, koordiniert Teams, erledigt Verwaltungsjobs, plant Projekte, beschafft Gelder Typ: Strukturgeber, Kontaktperson, Schaltstelle // oft ehemaliger Projektmanager oder Sachbearbeiter Pluspunkt: Übersicht // sorgt für reibungslose Abläufe Risiko: „Über-Verwaltung“, Pedanterie // Motivationsrückgang, weil Leistung nicht immer gesehen und anerkannt wird

netzwerker
Bringt Akteure zusammen, stellt Kontakte her, man trifft ihn auf Veranstaltungen Typ: Rhetoriker, Empath, Wertschätzer // ist sich bewusst, dass „zusammen“ mehr Schlagkraft entfaltet als „gegeneinander“ // ganzheitlich, strategisch Pluspunkt: bringt Menschen an einen Tisch // balanciert, findet Konsens Risiko: oft kein besonders guter praktischer Umsetzer

interessenvertreter/ kommunikator
Bringt das Projekt in die Öffentlichkeit, stellt Transparenz nach innen und außen her, schreibt, kommentiert, überzeugt Typ: Wortführer, Kontakter, Aufklärer Pluspunkt: schafft Bewusstsein // geht gern und leicht auf andere zu // steht für das Projekt öffentlich ein // kann „Klinken putzen“ Risiko: steht im Licht und kann so andere in den Schatten drängen

Engagementrollen mit dem Ziel, direkt anderen zu helfen:

pate
Begleitet z. B. junge Migranten und ausländische Studierende, unterstützt bei Bewerbungen Typ: sozial kompetenter Zuhörer und Begleiter // Unterstützer Pluspunkt: emotional verbunden, persönliches Interesse // hohe persönliche Verantwortung gegenüber dem „Patenkind“ // oft 1 : 1-Verhältnis Risiko: Enttäuschung, wenn „Patenkind“ die Begleitung nicht annimmt oder keine Entwicklung stattfindet

betreuer/ kümmerer
Besucht Kranke in der Klinik, entlastet Angehörige kranker Kinder, betreut Menschen im Altersheim Typ: Fürsorger, verständnisvoller Zuhörer // Ähnlichkeit zum Paten, aber Betreuungsaspekt steht noch mehr im Vordergrund Pluspunkt: macht die Situation für Betroffene so erträglich wie möglich // wichtige Stütze in der Pflege // menschliche Nähe, 1 : 1-Verhältnis Risiko: sind oft selbst familiär betroffen und fallen daher gegebenenfalls aus

trainer/wissensweitergeber helfer
Gibt persönlich Erlebtes und Fachwissen weiter, bringt Kindern etwas bei Typ: engagierter und interessierter Lehrer // Fachwissen // strukturiert // Individualist Pluspunkt: vermittelt Wissen vor allem an Gruppen // entwickelt kreativ eigene Methoden und Inhalte Risiko: konzeptioneller Rahmen für den Einsatz ist wichtig, damit gleiche Qualität bei unterschiedlichen Trainern gewährleistet werden kann Repariert, hilft aus, betreut Besucher Typ: Praktiker, Hausmeister // will Resultate unmittelbar sehen // will gebraucht werden Pluspunkt: springt ein, wenn Not am Mann ist // übernimmt ganz konkrete und klar umrissene Aufgaben // „gute Seele“ Risiko: sieht seine Aufgabe ganz klar beschränkt // weiter gehende Ansprüche senken seine Motivation

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wer mischt mit bei engagement 55+ ?
bund, länder und kommunen als engagementförderer
Die Politik verfolgt seit 20 Jahren das Ziel, aus dem Potential der Generation 55+ praktiziertes Engagement zu machen. 1992 wurde das Modellprogramm Seniorenbüros aufgelegt, um mit Hilfe von Informations- und Beratungsstellen Älteren Wege ins Engagement zu erleichtern. Das Modellprogramm „Erfahrungswissen für Initiativen“ (EFI) startete ebenfalls 1992. EFI etablierte die Idee des seniorTrainers in vielen Vereinen, Initiativen und Verbänden. Entscheidend beigetragen haben die seniorTrainer zu einer Veränderung des Altersbildes: Die Stärken der Älteren wurden erstmals offensiv in den Vordergrund gerückt. Seit 2005 öffnen „Generationsübergreifende Freiwilligendienste“ dem Namen „Freiwilligendienste aller Generationen“) diese Engagementform auch für Ältere. Auf lokaler Ebene kommt den Kommunen als Impuls- und Ideengeber wie auch als Vermittler von Engagement große Bedeutung zu. So fördert die Stadt Erfurt ein Kompetenz- und Beratungszentrum für generationsübergreifende Projekte. Auch Arnsberg hat sich dem Zusammenbringen der Generationen verschrieben und die Fachstelle „Zukunft Alter“ gegründet.

„wir fragen das engagement der älteren bewusst und wo immer möglich nach. dank ‚zukunft alter‘ entfalten ältere ihre potentiale in bisher ungeahnten ausmassen in allen bereichen. und wir stehen erst am anfang.“
(seit 2009 unter
Hans-Josef Vogel, Bürgermeister von Arnsberg, hat die Fachstelle „Zukunft Alter“ gegründet, in der alle Aktivitäten in der Kommune zum Thema „Leben im Alter“ koordiniert werden.

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Praxistipp: Engagement 55+ von Unternehmen Nicht nur als Arbeitgeber, auch als Spender können Unternehmen viel für die Generation 55+ tun. Dabei wird die Unterstützung schlagkräftiger, wenn sie gebündelt stattfindet – z. B. über Unternehmensnetzwerke oder Kammern organisiert. So können auch klein- und mittelständische Betriebe wirksam in das Engagement Älterer investieren.

PHINEO-Einschätzung: Die Aktivitäten der Politik sind eng mit der Einsicht verbunden, dass der Sozialstaat an seine Grenzen stößt und die engagierten Älteren schlichtweg gebraucht werden. Überspitzt kann man sagen, dass die Motivation zu Erhalt und Entfaltung von 55+-Kompetenzen vor allem auf deren Nutzung im gesellschaftlichen Interesse gerichtet ist. So steuert die öffentliche Hand – etwa im neuen Bundesfreiwilligendienstgesetz – die praktische Ausgestaltung des Engagements im Sinne gesellschaftspolitischer Notwendigkeiten. Das ist legitim. Doch wenn in den Bundesmodellprogrammen die Finanzierung nach spätestens drei Jahren wegbricht, stehen viele gute Projekte auf der Kippe – so jetzt auch das Erfolgsprogramm „Freiwilligendienste aller Generationen“. Die lokalen gemeinnützigen Organisationen stehen dann vor der Wahl, sich auf ein neues Modellprogramm zu bewerben und sich inhaltlich umzuorientieren oder das Projekt zu beenden. Eine eigenständige Finanzierung z. B. durch Eigeneinnahmen ist selten möglich und das Einwerben von Spenden für staatlich geförderte Modellprojekte schwierig – zu gering der Einfluss, zu stark das Gefühl, staatliche Aufgaben zu alimentieren. Dabei könnten private Förderer bei rechtzeitiger Einbeziehung in solche Projekte im Verbund mit öffentlichen Geldern oftmals einen höheren Wirkungsgrad ihrer Mittel erzielen.

unternehmen als katalysatoren für 55+-engagement
Der demografische Wandel hat auch die Unternehmenswelt längst erreicht: Produktivitätsraten oder Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter sind dabei gängige Schlagwörter. Was aber geschieht beim Übergang vom Erwerbsleben in die Rente, der bei den meisten Menschen zwischen 58 und 64 Jahren stattfindet (Statistisches Bundesamt 2010)? Für das bürgerschaftliche Engagement stellt diese Übergangszeit einen Dreh- und Angelpunkt dar: Arbeitnehmer, die von ihrem Unternehmen in ihrem Engagement unterstützt werden, wenden fast 50 Prozent mehr Zeit für das Engagement auf als Nicht-Unterstützte (Freiwilligensurvey 2010). Freiwilliges Engagement kann persönliche Verlustgefühle beim Ausstieg aus dem Arbeitsleben ausgleichen, etwa die Befürchtung, nicht mehr gebraucht zu werden. Obwohl es zahlreiche Corporate VolunteeringProgramme gibt, richten sich diese nahezu alle an aktiv Beschäftigten. Eins der wenigen Gegenbeispiele: Mit der MIT-Initiative fördert Henkel bereits vorhandenes Engagement der Mitarbeiter finanziell und berücksichtigt dabei explizit die Aktivitäten der Pensionäre, die etwas mehr als ein Viertel aller Teilnehmer ausmachen.

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zivilgesellschaft mit nachholbedarf
Die Generation 55+ braucht eine lokale Infrastruktur, die mit Informationen, Beratung und Vermittlung Wege ins Engagement ebnet. 300 Freiwilligenagenturen, 270 Seniorenbüros und 250 Bürgerstiftungen arbeiten daran, Engagementinteressierte an lokale Projekte, Initiativen und Vereine zu vermitteln. Auch PHINEO-Einschätzung: Bislang nutzen nur wenige Unternehmen freiwilliges Engagement gezielt, um den Übergang zwischen Beruf und dritter Lebensphase für ihre Mitarbeiter zu gestalten. Dabei würde nicht nur die Gesellschaft, sondern vor allem die Unternehmen könnten direkt gewinnen, indem sie zeigen, dass sie Verantwortung für ihr Personal übernehmen. Die Förderung des Engagements ehemaliger Mitarbeiter bindet diese weiter an das Unternehmen und trägt so zu dessen Reputation bei. Indirekte positive Effekte werden erzielt, wenn Arbeitnehmer im Übergang oder Ehemalige sich z. B. als Mentoren für Jugendliche engagieren, so die Ausbildungsfähigkeit vor Ort verbessern und damit einen Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels leisten. So vermitteln z. B. Lufthansa und die Deutsche Börse SeniorPartner an das Frankfurter Projekt JUSTAment, in dem 55+ler Haupt- und Realschüler fördern – ein Kreislauf, von dem Unternehmen, Schüler und die Älteren gleichermaßen profitieren. Dazu bedarf es einer größeren Offenheit der Unternehmen im Hinblick auf die Ansprache durch gemeinnützige Organisationen. Freiwilligenagenturen können beim Aufzeigen von Engagementmöglichkeiten und der Vermittlung in konkrete ehrenamtliche Tätigkeiten helfen. Wie das geht, zeigt z. B. die Organisation Ceno aus Köln. PHINEO-Einschätzung: Die individuelle Entscheidung in Richtung Engagement muss durch die Zivilgesellschaft unterstützt werden. Wichtig ist hierfür eine strukturelle Verankerung und flächendeckende Verbreitung von Seniorenbüros und Freiwilligenagenturen. 270 Seniorenbüros und 300 Freiwilligenagenturen sind gut. Die Zahlen bedeuten aber auch: In vielen Kommunen fehlen sie noch. Bundesweite Wettbewerbe und Auszeichnungen helfen, Engagement 55+ ins Licht zu rücken. Wichtig ist aber jetzt, dass vor Ort das Engagementpotential ganz praktisch in konkretes Engagement umgesetzt wird. Und das gezielt und reflektiert: Viele gemeinnützige Organisationen nutzen die „Ressource 55+“ selbstverständlich gern, denken aber noch zu
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Stiftungen haben die Generation 55+ entdeckt und rücken sie ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Die Körber-Stiftung hat 2011 z. B. im Rahmen des Wettbewerbs USable engagierte Ältere ausgezeichnet und qualifiziert und der deutsche Engagementpreis des Bündnisses für Gemeinnützigkeit wird 2011 in der Schwerpunktkategorie „Engagement von Älteren“ verliehen. Konkretes 55+-Engagement findet aber vor allem in den unzähligen gemeinnützigen Vereinen, Verbänden und Stiftungen statt, bei denen die Älteren strategische Rollen in der Gesamtorganisation oder in der Projektleitung einnehmen. Sie sind in vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen unverzichtbar.

selten darüber nach, was man ihr spezifisch bieten muss. Wenn Gestaltungswille das treibende Motiv des Engagements 55+ ist, müssen „Aufgaben mit Sinn“ anstatt „Beschäftigungstherapie“ geboten werden. Und wenn „die Alten“ plötzlich alle „Macher“ sein wollen, wird das Einbinden in Projekte schon mal zum Balanceakt. Die gemeinnützigen Organisationen sind dabei Spiegelbild der breiten Öffentlichkeit. Denn auch sie hat die Ressourcen des Alters noch nicht ausreichend erkannt.

abzugsfähigen) Spende unterstützen könnte. Hier sind niedrigschwellige Maßnahmen gefragt, die einzelne Menschen oder Initiativen individuell darin unterstützen, vor Ort etwas zu tun. Ältere Engagierte können in kleineren Initiativen ohne Rechtsform mit ihrem Zeiteinsatz viel bewirken. Doch ab einem gewissen Punkt brauchen auch sie einfach Geld, z. B. für Projektflyer, Informationsstände bei Veranstaltungen oder eine technische Grundausstattung. Die Förderung solcher Initiativen ist ein Bereich, bei dem man mit einer kleineren Spende – wenn auch nur lokal stark begrenzt – sehr viel bewirken kann – vorausgesetzt, die handelnden Personen lassen sich überhaupt identifizieren.

ältere gründen initiativen
Engagement findet auch ohne Rechtsform statt, denn für Engagement bedarf es nicht notwendigerweise der Gründung eines Vereins. Zivilgesellschaft – das darf man nie vergessen – lebt von der Selbstorganisation, von der Selbst- und Mitverantwortung der Bürger, die wissen, wo es konkrete Bedürfnisse auf lokaler und kommunaler Ebene gibt, und deshalb z. B. einen Versorgungsladen in einer infrastrukturarmen Region auf dem Land aufbauen, einen Begleitservice für Menschen mit Sehbehinderungen ins Leben rufen oder eine Fahrradwerkstatt für Kinder gründen. PHINEO-Einschätzung: Oftmals – gerade in ländlichen Gebieten – gibt es kein verfestigtes Engagement, keine Infrastruktur, die man mit einer (steuerlich

„wir als lobby der älteren müssen die senioren, die sich einbringen wollen, noch stärker ermutigen. und wir müssen - und werden - noch entschiedener dafür eintreten, dass die rahmenbedingungen für das freiwillige engagement verbessert werden.“

Prof. Dr. Ursula Lehr, Vorsitzende der BAGSO. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen tritt für die aktive Partizipation Älterer am gesellschaftlichen Leben ein.

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wirkungsvoll gestalten
Engagement 55+ ist ein besonderes Themenfeld im gemeinnützigen Sektor. Denn hier geht es im engeren Sinne gar nicht um ein Themenfeld, sondern um viele Themenfelder. Ältere engagieren sich überall, von der Umweltbildung über die Familienbetreuung bis hin zur politischen Bildung. Es handelt sich um das Engagement einer besonderen Engagiertengruppe, das aber trotz der Vielfalt der Themen und Engagementformen nicht nur die Summe dieser vielen Einzelheiten ist, sondern ein Gebilde darstellt, dass sich als Einheit beschreiben, untersuchen und fördern lässt – mit allen Konsequenzen, die Komplexität und Heterogenität mit sich bringen. Grundsätzlich gilt: Engagement 55+ wirkt dreifach, daher ist „Rendite“ fast schon garantiert. Der Engagierte selbst profitiert, die ProjektZielgruppen profitieren und die Gesamtgesellschaft profitiert. Wo liegen nun also die Optionen für Soziale Investoren, welche Ansätze kann man wählen, was bringt die Förderung von Engagement 55+? Trotz der vielen unterschiedlichen Projekte gibt es ein paar Leitlinien: Man kann unterscheiden, ob man in Vermittlungsstrukturen, in die Stärke von gemeinnützigen Organisationen als Träger wirkungsvoller Projekte oder in das 55+Engagement direkt investieren will. Und mit dem PHINEO-55+-Indikatoren-Check ist es möglich, sich ein Bild von der Qualität der 55+-Einbindung in den Projekten zu machen. Damit man am Ende sagen kann: „Hier wirkt Erfahrungswissen!“

55+-förderung

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wer in 55+ investiert, wirkt dreifach
Engagement 55+ ist komplex und heterogen. Die vielen Themenfelder und die Unmöglichkeit, ganz klare Grenzen um dieses Feld zu ziehen, können manchmal den Blick auf die zentrale Relevanz dieses besonderen Engagements verstellen. Unabhängig von allen Details gilt: Eine Investition in das Engagement

der Generation 55+ entfaltet auf dreifache Weise Wirkung. 55+-Engagierte setzen ihre Zeit, ihren Verstand und ihr Herz für die Zielgruppen ihrer Projekte ganz konkret ein. Der 55+-Engagierte profitiert selbst, weil er etwas Sinnvolles tut sowie fit und sozial integriert bleibt. Und die Gesamtgesellschaft gewinnt, weil das Gemeinwesen entlastet wird, Erfahrungen nutzbar gemacht werden und sozialer Zusammenhalt entsteht. Investitionen in Engagement 55+ bewegen einen Dreifachhebel.

Der 55+-Engagierte profitiert: Soziale Investoren, die Ältere unterstützen, ein neues Engagement zu finden oder ein bestehendes besser auszuführen, geben ihnen damit die Möglichkeit, eine sinnstiftende und erfüllende Aufgabe anzugehen, die sie in der Mitte der Gesellschaft verbleiben lässt. Das wirkt sich dauerhaft positiv auf Geist, Psyche und Körper aus und schützt gegen die Verletzlichkeit, die das hohe Lebensalter häufig mit sich bringt. Wirkungen, die gerontologische Studien belegen. Die Zielgruppe der einzelnen Projekte profitiert: Mit einer Förderung von Projekten, in denen Ältere aktiv etwas für andere – z. B. Kinder, Demenzkranke, Kommunen – tun, unterstützen Soziale Investoren deren Wirkung. So können z. B. mehr Engagierte gewonnen oder besser qualifiziert, Projekte skaliert und größere Zielgruppen erreicht werden. Oder die Arbeit wird einfach finanziell und organisatorisch abgesichert. Sie helfen damit Kindern in Patenprojekten, Jugendlichen hinsichtlich ihrer Ausbildungsfähigkeit oder Dementen mit Betreuungsleistungen. Die Gesamtgesellschaft profitiert: Durch eine Investition in das Engagement Älterer erfährt das Gemeinwesen Entlastung – durch den Zeiteinsatz, den die Generation 55+ leistet (immerhin schon jetzt rund 1,55 Mrd. Stunden im Jahr) und durch die Übernahme von zahlreichen gesellschaftlich relevanten Aufgaben. Relevantes Wissen geht nicht verloren, sondern wird an die jüngeren Generationen weitergegeben. Die Gesellschaft profitiert von verbesserter Bildung, zahlreichen Betreuungsleistungen, größerem gesellschaftlichem Zusammenhalt – der auch fiskalisch durch die Entlastung der Sozialkassen.

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fördern ja, aber was ?
Direkt für das 55+-Engagement spenden? Vermittlungs- und Beratungsinfrastruktur unterstützen? Strukturen gemeinnütziger Organisationen als Träger von wirkungsvollen Projekten fördern? Wer 55+-Engagement wirksam unterstützen will, kann zwischen diesen drei Herangehensweisen wählen.

der Generation 55+ ein. Sie unterstützen gemeinnützige Organisationen, die Engagierte für sich gewinnen wollen. Die Vorbereitung und Qualifizierung der Generation 55+ für den Einsatz im Engagement ist ein wichtiger Stellhebel, der große Wirkung entfalten kann. Worauf man achten sollte: Das Leistungsspektrum solcher Organisationen kann stark variieren. Hinsichtlich der Vermittlung sollte darauf geachtet werden, dass tatsächlich auf die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse der Älteren eingegangen wird, beispielsweise über einen eigenen Ansprechpartner oder gesonderte Angebote. Über die Vermittlung hinaus könnten auch Qualifizierungsangebote für Engagierte bereitgehalten und die Älteren in ihrem Engagement begleitet werden. Durch die Einrichtung von Projektwerkstätten können Engagementinteressierte Ideen und Projekte entwickeln. PHINEO empfiehlt, dass Förderer vor Ort prüfen, ob die Vermittler gut aufgestellt sind und was sie – über die Vermittlung hinaus – an weiteren Unterstützungsleistungen oder Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Einen ersten
Praxistipp: 55+-Qualifizierung Das Europäische Zentrum für universitäre Studien der Senioren in Ostwestfalen-Lippe bietet einen Studiengang „Management im bürgerschaftlichen Engagement“ an, der Ältere auf ihre Aufgaben in gemeinnützigen Organisationen vorbereitet. Die SESAM Academie aus den Niederlanden richtet einen zwölfwöchigen Kurs aus, in dem die Zielgruppe „pensionierte Manager“ fit fürs Ehrenamt gemacht wird.

wege ins engagement 55+ fördern
Warum man sie braucht: mehr Menschen der Generation 55+ ins Engagement bringen, gleichzeitig gewährleisten, dass auf „jeden Topf der richtige Deckel“ kommt. Dafür werden Vermittler (Seniorenbüros und Freiwilligenagenturen) gebraucht, die das übergreifende Ziel der Engagementförderung verfolgen. Denn die spezifischen Wünsche der Engagierten müssen zusammenpassen mit den Zeit- und Kompetenzbedarfen der Projekte. Was sie leisten: Sie informieren, beraten und vermitteln Menschen in ein Engagement. Für Ältere bieten sie oftmals spezifische Angebote an. Sie arbeiten mit Fachleuten aus Verwaltung, Politik und Verbänden zusammen und setzen sich auch mit Öffentlichkeitsund politischer Lobbyarbeit für eine gesellschaftliche Anerkennung des Engagements

Beispiel: Freiwilligenzentrum Hannover Das Freiwilligenzentrum führt zusammen: individuelle Wünsche der potentiell Engagierten und den Engagementbedarf in Hannover. Z. B. gibt es einen großen Bedarf an Paten für Jugendliche, die den Übergang von der Schule in den Beruf meistern müssen. Gleichzeitig wurden aber hilfsbereite Einzelpersonen von Schulen als Paten abgewiesen. Das Freiwilligenzentrum koordiniert dieses Engagement nun und gewinnt gezielt Paten, bildet sie aus und vermittelt sie in Abstimmung mit ehrenamtlichen Schulkoordinatoren in Schulen. Qualität und Verbindlichkeit sind so sichergestellt. Hannover zeigt auch, wie das Thema Qualifizierung aufgegriffen werden kann: Die seniorTrainer haben einen Austausch mit der niederländischen SESAM Academie etabliert, um deren Curriculum zu nutzen. 23

Anhaltspunkt stellt das Qualitätssiegel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) dar. Bei gelungenen Ansätzen ist der Hebeleffekt für mehr Engagement durch Vermittlungsorganisationen sehr groß.

Außenauftritt, Finanzierungsfragen. Hier sind Steuerung und feste Strukturen gefragt. Diese Aufgaben müssen von den Organisationen als Träger von Projekten geleistet werden – oder von Dachorganisationen als Zusammenschlüssen von Mitgliedsorganisationen mit gemeinsamen Zielen. Was sie leisten: Die Verwaltung bündelt

organisationen strukturell fördern
Warum man sie braucht: Es gibt Ideen, die
Trend: Dachorganisationen für Wachstum und Stabilität Ein Trend in der Entwicklung gemeinnütziger Organisationen ist die Gründung von Dachorganisationen, um vor allem regional gestreuten Projektstandorten Servicefunktionen und Standards nach dem Vorbild von Verbändestrukturen zu bieten. In der Regel handelt es sich um eine mitgliederbasierte Organisationstruktur, in der z. B. Landesverbände oder Standorte organisiert sind. Vor allem anlässlich von größeren Wachstumsprozessen oder im Rahmen des so genannten „Social Franchising“ können Dachorganisationen eine geeignete Struktur für die weitere Verbreitung des eigentlichen Projektziels sein.

Kompetenzen, schafft Standards, akquiriert Mittel und entlastet einzelne Projekte und Projektstandorte von administrativen Aufgaben. Sie schafft Strukturen, definiert Prozesse und verteilt Aufgaben optimal, um Qualität und Effizienz insbesondere in Wachstumsprozessen gewährleisten zu können. Sie vertritt die Anliegen der einzelnen Mitglieder gebündelt nach außen und steuert die Kommunikation nach innen. Sie verschafft den Projekten und der Organisation Gehör bei Politik und Medien.

schlagen an vielen Orten Wurzeln und so kann es passieren, dass Projektstandorte wie Pilze aus dem Boden schießen. Dieser Wachstumsprozess wird nicht immer gesteuert, sondern verläuft organisch. Ab einer gewissen Verbreitung sind jedoch einheitliche Qualitätsstandards, ein systematischer Informationsaustausch und ein einheitlicher Auftritt wichtig. Auch in unterschiedlichen Projekten derselben Organisation gibt es ähnliche Aufgaben und Erfordernisse: Personalfragen, einheitlicher

Beispiel: Bundesverband Seniorpartner in School e.V. Seniorpartner in School helfen Schulen bei der Gewaltprävention. Engagierte der Generation 55+ werden zu Schulmediatoren ausgebildet, die Schülern bei der gewaltfreien Lösung von Konflikten in der Schule helfen. Das Konzept funktioniert, die Zahl der Seniorpartner und Partnerschulen wächst beständig. Mittlerweile gibt es elf Landesverbände. Um schlagkräftiger zu werden, wurde 2009 ein Dachverband gegründet, der sich seitdem um ein einheitliches Auftreten nach außen bemüht, ein Qualitätsmanagement eingeführt hat und Neugründungen von weiteren Landesverbänden vorantreibt. Das Beispiel des Bundesverbandes Seniorpartner in School zeigt, wie wichtig Dachverbände für eine qualitätsgesicherte Verbreitung guter Konzepte sein können.

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Worauf man achten sollte: Die Vorstellung, in die Administration von Organisationen zu investieren, ist für die meisten Förderer ein rotes Tuch. Es erscheint auf den ersten Blick wenig reizvoll, in Personalkosten eines Fundraisers oder Controllers zu investieren. Zumal die Meinung weit verbreitet ist, dass gemeinnützige Projekte gar keine Strukturkosten verursachen sollten. Spätestens aber, wenn es um Wachstum, den Aufbau neuer Standorte, die Sicherung der Qualität oder den Nachweis der Wirkung geht, ist es eigentlich klar, dass ohne Strukturkosten nicht mehr viel läuft. Ein einfacher Vergleich mit Unternehmen hilft: Würde ein Unternehmen 100 Prozent seiner Ressourcen in die Herstellung des aktuellen Produkts stecken und keine Ressourcen in Forschung oder Management, würde es auf dem Markt nicht mehr allzu lange überleben. PHINEO empfiehlt Förderern, ihre Scheu vor Investitionen in die Struktur von Organisationen abzulegen. Über langfristige Förderungen – auch im Bereich des Personals – werden die Grundlagen für Verstetigung, Wachstum und Qualitätssicherung gelegt. Investoren sollten aber darauf achten, wofür die Spende eingesetzt wird, und sich dies über Berichte oder Verwendungsnachweise auch belegen lassen. Gezielt eingesetzt kann eine Förderung hier eine massive Hebelwirkung erzeugen. Worauf man achten sollte: Gute Projekte berücksichtigen bereits in der Konzeptphase den Aspekt, wie Ältere verantwortungsvoll eingebunden werden können. So wollen manche 55+-Engagierte – im Unterschied zu jüngeren Altersgruppen – bei ihrem Engagement andere Generationen kennen lernen oder den eigenen Erfahrungsschatz weitergeben. Die Einsatzplanung der Freiwilligen sollte flexibel erfolgen und auf die Wünsche der Älteren eingehen – z. B. im Falle eines gesundWarum man sie braucht: Organisationen sind das Rückgrat wirkungsvoller Projekte. In einigen der mehr als 550.000 eingetragenen Vereine und über 18.000 Stiftungen bemüht man sich bereits heute um engagierte Ältere, damit sich diese in den Projekten mit ihrem Erfahrungswissen einsetzen. Ob für die PHINEO empfiehlt allen Förderern zu prüfen, ob die Organisation sich um gute Rahmenbedingungen für ältere Engagierte bemüht. Ein Fragenkatalog zur Prüfung dieser Bedingungen ist auf der folgenden Seite abgedruckt. heitsbedingten Rücktritts oder einer Auszeit. Was sie leisten: In Organisationen, die gezielt Projekte mit 55+-Beteiligung anbieten, gibt es Verantwortliche für die Rekrutierung, Betreuung und Motivierung von Engagierten, die besonderen Bedürfnisse der Generation 55+ sind hier bekannt. Die Organisationen wissen, dass das Engagement der Älteren nur dann optimal genutzt werden kann, wenn deren Fertigkeiten gezielt angesprochen und ihre Wünsche berücksichtigt werden. Generation 55+ gute Rahmenbedingungen geboten werden, wird zu einem zentralen Erfolgsfaktor.
Beispiel: Umweltbildungszentrum Licherode Das Umweltbildungszentrum Licherode geht gezielt auf die Generation 55+ zu und berücksichtigt deren Wünsche. Das Zentrum bildet Seniortrainer aus, die ihr bereits vorhandenes Umwelt- und Naturwissen an Jüngere weitergeben wollen. Die 55+ler absolvieren einen 60-stündigen Lehrgang, in dem sie vor allem methodischdidaktische Hilfestellungen für die Arbeit als Seniortrainer bekommen. Der Lehrgang schließt mit einem individuellen Praxisprojekt ab, das auch die Basis für das künftige TrainerProfil bildet. Außer für die Ausbildung ist das Umweltbildungszentrum zuständig für die passgenaue Vermittlung zwischen Schulen/Kitas und Seniorentrainern und sorgt für gute Rahmenbedingungen: Der Seniortrainer wird am Einsatzort durch eine Lehrkraft begleitet, es gibt langfristige und verbindliche Absprachen und eine versicherungsrechtliche Absicherung des Seniortrainers.

direktinvestition 55+

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qualität der 55+-einbindung
Wie kann man feststellen, ob eine gemeinnützige Organisation die Potentiale der Generation 55+ erkennt und gezielt einsetzt? Es fiel im Rahmen der PHINEO-Analyse auf, dass gemeinnützige Organisationen den besonderen Mehrwert, den die engagierten Älteren mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen bieten, nur selten offensiv herausstellen. Dabei wäre dies eine hervorragende Möglichkeit, Anerkennung zu zeigen und weitere Ältere für ein Engagement zu gewinnen. Es wurde auch deutlich: Viele Organisationen setzen das Erfahrungswissen der Generation 55+ „ein bisschen gezielt ein“, andere haben schon eine hohe Qualität der 55+-Einbindung erreicht. Nur selten werden die Engagierten danach befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Engagement sind und welche Verbesserungen sie sich wünschen. Dabei gilt letztlich: Nur zufriedene Engagierte können wirksame Projekte umsetzen. PHINEO rät Sozialen Investoren genau nachzufragen, wie die Organisation gezielt das Feedback ihrer Ehrenamtlichen einfordert. Mit Hilfe einiger Fragen kann man sich schnell ein Bild von der Qualität der Einbindung der Generation 55+ machen.

1

Bedarfseinschätzung, Planung

Analysiert die Organisation, wie viele Engagierte sie für das Projekt braucht und welche Kompetenzen und Erfahrungen diese mitbringen sollen? Prüft die Organisation, inwieweit Mitglieder der Generation 55+ hilfreich wären? Setzt sich die Organisation mit der Frage auseinander, welche HauptamtEhrenamt-Kombination die richtige ist und welche Chancen und potentiellen Konfliktfelder es gibt? Setzt sich die Organisation mit Engagementmöglichkeiten für Ältere, mit Mobilitätshemmnissen und körperlichen Beschränkungen auseinander?

Praxistipp: Verbundförderung Ab 2014 werden Fördermittel der EU verstärkt für das Thema „intergenerationelles Lernen“ vergeben. Soziale Investoren sollten darauf achten, dass ihre geförderten Projekte sich um entsprechende Mittel bewerben. Sie können so im Verbund mit öffentlichen Geldern einen besonderen Hebel in Bewegung setzen.
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2

Rekrutierung, Vorstellungsgespräche Wirbt die Organisation aktiv um ältere Engagierte in Gesprächen, Medien, Netzwerken etc.? Macht sie deutlich, was sie Älteren ganz konkret bieten kann? Gibt es ein Bewusstsein für die besonderen Bedürfnisse engagierter Älterer?

3

Orientierung, Einarbeitung, Weiterbildung Lernen Haupt- und Ehrenamtliche sich gegenseitig kennen und sprechen sie sich ab?

4

Unterstützung, Begleitung, Motivation Stehen den Engagierten feste Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung? Wird darauf geachtet, dass die Engagierten nicht über- oder unterfordert sind? Gibt man älteren Menschen die Möglichkeit, souverän über ihre Zeit zu entscheiden und innerhalb klar definierter Entscheidungsräume in Eigenverantwortung zu arbeiten?

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Evaluation

Werden Hauptamtliche im Umgang mit Ehrenamtlichen geschult? Werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter in das Gesamtteam der Organisation eingebunden (Teilnahme an Sitzungen, Betriebsausflüge etc.)? Stellt die Organisation sicher, dass die Kompetenzen, die die Ehrenamtlichen mitbringen, auch wirklich genutzt und an den richtigen Stellen eingesetzt werden? Gibt es klare Vereinbarungen über den zeitlichen Umfang des Engagements, die Dauer und die Verbindlichkeit? Werden im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit auch Weiterbildungsmaßnahmen angeboten, die dem Anspruch des lebenslangen Lernens der Älteren gerecht werden?

Überprüft die Organisation regelmäßig die Anzahl aller Engagierten, ihre soziodemografischen Daten, Wünsche und Bedürfnisse? Gibt es eine Erfassung des geleisteten zeitlichen Engagementumfangs? Werden die konkreten Resultate des Engagements festgehalten und gegenüber den Engagierten und weiteren Zielgruppen kommuniziert? Befragt die Organisation die Engagierten nach ihrer Zufriedenheit und ihren Verbesserungswünschen? Hinterfragt die Organisation ihre Angebote für Engagierte und überlegt sie, was sie diesbezüglich verbessern kann?

Schafft die Organisation eine Anschlussfähigkeit des Engagements an das Arbeitsleben? Werden die Älteren nach ihren spezifischen Erwartungen und Ansprüchen befragt?

Können die engagierten Älteren ihre Erfahrungen und Ideen einbringen, haben sie Einfluss? Wird Wertschätzung des 55+-Engagements im Alltag gelebt?

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investieren in

der weg zu wirkungsvollem engagement
Wer bei Engagement 55+ Wirkung erzielen möchte, sollte dort ansetzen, wo es sich besonders lohnt. Bei der Entscheidungsfindung, wie das Engagement der Generation 55+ ganz konkret gefördert werden kann hilft die folgende Übersicht:

die Fortführung/Co-Finanzierung von Modellprojekten der 55+-Engagementförderung (z. B. Freiwilligendienste aller Generationen, Mehrgenerationenhäuser). den Übergang vom Erwerbsleben in die dritte Lebensphase. Hier werden Organisationen gefördert, die Arbeitgebern konkrete Angebote für ihr Übergangsmanagement machen. die öffentliche Anerkennung des Engagements 55+ (z. B. Auszeichnungen, Preise).

Infrastruktureinrichtungen/Engagementvermittler vor Ort (z. B. Seniorenbüros, Freiwilligenagenturen). Bildungseinrichtungen, die Ältere fit für ihr Engagement 55+ machen.

Tipps zum strategischen Spenden Gerade bei größeren Fördersummen rät PHINEO dazu, bei der Spendenentscheidung strategisch vorzugehen. Mit den „10 Tipps zum strategischen Spenden“ unterstützt PHINEO dabei, die richtigen Fragen zu stellen, um das philanthropische Engagement wirkungsvoll zu gestalten. Die Tipps finden Sie auf: www.phineo.org

professionelle Strukturen gemeinnütziger Arbeit (z. B. Dachorganisationen, Management gemeinnütziger Organisationen, Fundraising). gemeinnützige Organisationen, die 55+lern gute Engagementmöglichkeiten bieten.

Initiativen Älterer ohne Rechtsform.

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lohnt sich, weil
die Projekte konzeptionell gut aufgestellt sind und es übergreifende Evaluationen gibt. Es bestehen bereits Strukturen und Kompetenzen.

sind geeignet für
Soziale Investoren, die Bestehendes weiterführen wollen und für die es wichtig ist, dass Engagement 55+ dort wirkt, wo der Staat seine Grenzen sieht. Geeignet für Förderer, die ergänzend zum Staat oder auch den Staat entlastend wirken wollen. Hinweis: Langfristiges Engagement und in der Regel größere Beträge sind hier erforderlich.

hier Weichen in Richtung Engagement 55+ und wichtige Voraussetzungen für einen zufriedenen und gesunden Ruhestand gestellt werden. Anerkennung ein Motivationsfaktor für Engagement 55+ ist und insbesondere auf lokaler Ebene Handlungsbedarf besteht. Engagementpotentiale nicht gehoben werden können ohne Orientierung der Generation 55+. auch Ältere noch lernen können, wie Arbeit im gemeinnützigen Bereich gut gemacht wird. wirkungsvolle Projekte eine starke Organisation brauchen. Vor allem bei Wachstum und regionaler Ausweitung muss die Qualität gesichert werden.

Unternehmen, die Verantwortung für ihre älteren Arbeitnehmer übernehmen und positiv auf das regionale gesellschaftliche Umfeld wirken wollen.

Soziale Investoren, die der Meinung sind, dass jedem Handeln ein Bewusstseinswandel vorausgeht.

Soziale Investoren, die mit einer Investition zahlreiche 55+ler unterstützen und dafür sorgen wollen, dass kompetente Mittler den Überblick über Hilfebedarf und Engagementbedürfnisse behalten. Soziale Investoren, die auf gut ausgebildete Akteure Wert legen und von ihnen Multiplikatoreffekte für das Engagement und eine hohe Professionalität erwarten.

Soziale Investoren, die mit Strukturfinanzierung die Basis für eine langfristige und professionelle Umsetzung von guten Ideen und deren Verstetigung legen wollen und die wissen, dass Personal- und Verwaltungskosten wichtige Funktionen einer Organisation finanzieren. Soziale Investoren, die schon wissen, welchen gesellschaftlichen Zweck (z. B. Bildung, Soziales, Umwelt) sie unterstützen wollen und dabei auf das besondere Erfahrungswissen und die sozialen Kompetenzen der Generation 55+ setzen.

hier 55+-Engagement direkt bei den Zielgruppen wirkt.

Initiativen für die Selbst- und Mitverantwortung der Bürger vor Ort stehen, die wissen, wo es konkrete Bedürfnisse auf lokaler

Soziale Investoren, denen Eigeninitiative wichtig ist und die der Ansicht sind, dass man Probleme pragmatisch und eigenverantwortlich angehen sollte. Hier können schon sehr kleine Spenden – wenn auch räumlich sehr begrenzt – viel bewegen.

und kommunaler Ebene gibt, und die Probleme selbst in die Hand nehmen.

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landkarte ausgezeichneter projekte
1 A. Ausbildungspaten B. Freiwilligenzentrum Hannover e.V. C. Hannover D. Pate und Manager/Koordinator für den Übergang Schule – Beruf E. Schüler an Haupt- und Realschulen (ab 9. Klasse) F. Berufswahl und Jobeinstieg sind Herausforderungen für Hauptschüler. Die Ausbildungspaten geben Orientierung und unterstützen dabei, die ersten Schritte des Berufslebens zu gehen. 2 A. Seniorpartner in School e.V. B. Bundesverband Seniorpartner in School e.V. C. Berlin D. Interessenvertreter/Kommunikator und Netzwerker eines Dachverbands E. Eigene Landesverbände, Politik, Medien F. Wenn Projekte Exportschlager werden, ist Mut zur Veränderung und Organisation von Schlagkraft gefragt. Der Bundesverband Seniorpartner in School skaliert ein 55+-Mentorenprojekt bundesweit. 3 A. Vermittlung von Zeitzeugen B. Zeitzeugenbörse e.V. C. Berlin D. Trainer/Wissens-Weitergeber und Manager/ Koordinator für politische Bildung E. Bildungseinrichtungen, Forscher, Medien und Privatpersonen F. Was passierte außer dem, was in den Geschichtsbüchern steht? Die Zeitzeugenbörse lässt die vergängliche Ressource der persönlichen Erinnerung in nachfolgenden Generationen weiterleben.

Hannover
4 A. Magdeburger Senioren und ausländische Studenten im Dialog B. Seniorenvertretung der Landeshauptstadt Magdeburg e.V. C. Magdeburg D. Pate und Manager/Koordinator für Bildung und Integration E. Ausländische Studierende F. Ausländische Studierende haben es in Deutschland nicht immer ganz leicht. Magdeburger Senioren unterstützen sie dabei, den Alltag zu bewältigen und die deutsche Sprache zu erlernen. 5 A.Mobile Wohnberatung Südniedersachsen – Wohnen, wo ich hingehöre B. Freie Altenarbeit Göttingen e.V. C. Göttingen D.Berater und Manager/ Koordinator für altersgerechtes Wohnen E. Senioren F. Auch im Alter möchte man noch da „wohnen, wo man hingehört“. Die mobile Wohnberatung Südniedersachsen macht altersgerechtes Wohnen in Stadt und Land möglich. 6 A. Seniortrainer – Wieder von den Alten lernen B. Umweltbildungszentrum Licherode e.V. C. Alheim-Licherode D. Trainer/Wissens-Weitergeber und Manager/Koordinator für Umweltbildung E. Kindergartenkinder und Schüler F. Steinzeit-Schafe züchten, Bienenhotels bauen, Energiesklaven im Haushalt befreien – beim Umweltbildungszentrum Licherode werden Engagierte der Generation 55+ Umwelt-Seniortrainer für Kinder und Jugendliche.

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Göttingen

5

Alheim-Licherode Köln
7

6

Oberursel

8

Würzburg
10 7 A. Ceno – Centrum zur nachberuflichen Orientierung B. Ceno & Die Paten e.V. C. Köln D. Manager/Koordinator für lokales 55+-Bürgerengagement E. Senioren F. Arbeit vorbei, Leben vorbei? Mitnichten! Dass Menschen ihre dritte Lebensphase gezielt für die Gesellschaft einsetzen können, ist die Mission von Ceno. 8 A. JUSTAment B. Verein für Internationale Jugendarbeit Frankfurt am Main e.V. C. Oberursel D. Pate und Interessenvertreter/Kommunikator in der Berufsvorbereitung Jugendlicher E. Schüler an Haupt- und Realschulen (ab 7. Klasse) F. Ausbildungsreife, Berufseignung, Vermittelbarkeit – Der Verein Internationale Jugendarbeit macht mit SeniorPartnern im Projekt JUSTAment aus Schlagwörtern Chancen für Haupt- und Realschüler. 9 A. Internetcafe „Von Senioren für Senioren“ B. Internet „Von Senioren für Senioren“ e.V. C. Würzburg D. Trainer/Wissens-Weitergeber und Initiator für Senioren-Medienkompetenz E. Senioren F. 28 Prozent der Deutschen sind digitale Außenseiter, ein großer Anteil davon sind Senioren. Internet „Von Senioren für Senioren“ findet sich nicht damit ab, dass die Generation 55+ von Information und Kommunikation abgehängt wird.

9

Trier

Stuttgart

11

30

10 A. ZeitSchenken B. nestwärme e.V. C. Trier D. Betreuer/Kümmerer und Manager/Koordinator für Familienpflege und Gesundheit E. Familien mit beeinträchtigten oder kranken Kindern F. Wo Kinder schwer krank sind, bleibt oft für nicht viel anderes Raum. nestwärme e.V. schenkt Eltern kranker Kinder Zeit für sich.

11 A. Jobcoaching und Silberrücken B. myself e.V. zur gegenseitigen Förderung am Arbeitsmarkt C. Stuttgart D. Interessenvertreter/ Kommunikator und Netzwerker für Arbeitsmarktintegration E. Arbeitslose F. Ab 50 zu alt für den Arbeitsmarkt? Bei myself knüpfen arbeitslose Silberrücken ein Netzwerk der anderen Art und bringen sich gegenseitig wieder ins Spiel des Arbeitslebens.

2

3

Berlin
12 A. Alten Service Zentrum/ Mehrgenerationenhaus B. Älter werden in Eching e.V. C. Eching D. Manager/Koordinator und Initiator für lokales Bürgerengagement und den sozialen Bereich sowie Gesundheit und Pflege E. Echinger Bürger vom Baby bis zum Hochaltrigen F. Wenn Alte und Junge keine Gemeinschaft mehr bilden, fällt Gesellschaft auseinander. Das Alten Service Zentrum Eching verbindet die Generationen zu einem großen Ganzen. 13 A. Coaching für Jugendliche B. Nachbarschaftshilfe Taufkirchen e.V. C. Taufkirchen D. Pate und Manager/Koordinator für den Übergang Schule – Beruf E. Hauptschüler (8. Klasse) F. Wenn Hauptschüler den Berufseinstieg nicht schaffen, bleibt wertvolle Arbeitskraft ungenutzt. Die Coaches der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen bringen Jugendliche in den Job.

4

Magdeburg

12 13

Eching Taufkirchen

Legende A. Projektname B. Organisationsname C. Sitz der Organisation D. Handlungsansatz * E. Zielgruppe F. Beschreibung

* Engagement 55+ ist ein Feld gemeinnütziger Arbeit, das sich quer über alle Themenbereiche erstreckt. Daher wird in diesem Report der „Handlungsansatz“ primär im Sinne der Rolle verstanden, die Ältere in Projekten und Organisationen einnehmen, und nicht nur im Sinne des inhaltlichen Projektansatzes.

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die phineo-methode: analyse mit herz und verstand
Die PHINEO-Analyse ist ein unabhängiges Analyseverfahren für gemeinnützige Aktivitäten. PHINEO analysiert gemeinnützige Organisationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und des Wirkungspotentials ihrer Projekte. Die PHINEO-Analyse besteht aus einem vierstufigen Verfahren, das gemeinnützigen Organisationen aller Art und Größe offensteht. Am Ende der Analyse steht eine umfassende Einschätzung der Handlungsansätze, Chancen, Herausforderungen und Förderbedarfe der Organisationen, die übersichtlich in einem Porträt dargestellt werden. Die Teilnahme am Analyseverfahren ist für die gemeinnützigen Organisationen kostenfrei. Ziele & Zielgruppen Konzept sowie Ansatz
Analyse des Themenfeldes mit seinen Herausforderungen und Besonderheiten

die neun kriterien der phineo-analyse
Sechs organisationsbezogene und drei projektbezogene Kriterien bilden den Fahrplan für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit einer gemeinnützigen Organisation und der Wirksamkeit ihrer Aktivitäten. Die Einschätzung des Wirkungspotentials des Projekts erfolgt über folgende drei Kriterien:

Qualitätsentwicklung Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit der

Analyse der Organisation auf ihre Leistungsfähigkeit

Organisation erfolgt über die folgenden sechs Kriterien: Vision & Strategie Leitungsgremium & Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen & Controlling Finanzierungskonzept & Fundraising Öffentlichkeitsarbeit

Analyse des Projekts im Themenfeld auf sein Wirkungspotential

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in vier schritten zur phineo-empfehlung
Eine Empfehlung durch PHINEO setzt das erfolgreiche Durchlaufen aller vier Analysestufen voraus. In einem ersten Schritt geben die Organisationen Auskunft über ihre Aktivitäten und Projekte sowie zu ihrer Gemeinnützigkeit. Passt diese Darstellung zum ausgeschriebenen Thema und erfüllt das Projekt die PHINEO-Anforderungen, senden sie in der nächsten Runde Informationsmaterialien – darunter die Satzung, Jahresberichte, Finanzinformationen und Berichte über ihre inhaltliche Arbeit – an PHINEO. Diese werden vom Analystenteam ausgewertet. In der nächsten Stufe stehen Besuche bei den gemeinnützigen Organisationen an: Die Analysten verschaffen sich vor Ort ein Bild. Ist das Team von der Arbeit überzeugt, schlägt es die Organisation für die Empfehlungskommission vor. Die dort versammelten externen Experten entscheiden abschließend darüber, welche Organisationen und Projekte von PHINEO empfohlen werden.
Das Verfahren zur Empfehlung von Organisationen und Projekten
Erhebung der Daten

themenreports als ausgangsbasis
Den inhaltlichen Rahmen für die PHINEOAnalyse bilden die Themenreports. Sie stellen den Stand der Forschung und erfolgreiche Handlungsansätze gemeinnützigen Engagements in verschiedenen Bereichen vor. Diese Kontextanalyse ist die Voraussetzung, gemeinnützige Arbeit in konkreten Bereichen angemessen einschätzen zu können. Denn für gemeinnützige Arbeit im Bereich Demenz gelten beispielsweise andere Rahmenbedingungen als in der Umweltbildung. Für die Erarbeitung des Themenreports arbeitet PHINEO immer mit Experten aus den jeweiligen Themenfeldern zusammen.
Eine ausführliche Darstellung der Methode finden Sie in dem 52 Seiten umfassenden Handbuch „Engagement mit Wirkung“ auf: www.phineo.org

Das Verfahren zur Erstellung des Themenreports

1 2 3

Online-Fragebogen

Informationsmaterialien Vor-Ort-Besuche bei gemeinnützigen Organisationen

1 2 3

Gutachten

Expertensitzung

Vertiefende Recherchen und Interviews

Finale Bewertung Zusammenfassung und Analyse aller Erkenntnisse aus dem Bewerbungsverfahren

Veröffentlichung des Themenreports

4

Empfehlungskommission

Empfehlung und Porträtierung

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Für die Unterstützung bei der Analyse der gemeinnützigen Organisationen und ihrer Projekte auf deren inhaltliche Qualität bedanken wir uns bei: Stefan Bischoff: ISAB-Institut, Institut für Sozialwissenschaftliche Analysen und Beratung, Köln Die PHINEO gAG bedankt sich bei allen Beteiligten, die an der Erarbeitung des Themenreports „Erfahrungssache – Engagement 55+ wirkt!“ mitgeholfen haben. Für die Unterstützung, u.a. durch die Vermittlung von Kontakten zu Experten, die Hilfe bei der Erschließung des komplexen Themenfelds Engagement 55+ und die Verbreitung der Ausschreibung, bedanken wir uns besonders herzlich bei: Loring Sittler und Roland Krüger: Generali Zukunftsfonds Für ihr Gutachten im Vorfeld dieses Themenreports danken wir herzlich: Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Lehr: Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg Ein ebenso herzlicher Dank gilt den Experten, die uns bei der thematischen Vorbereitung dieses Reports in einem ganztägigen Workshop unterstützt haben: Prof. Dr. phil. Elisabeth Bubolz-Lutz: Forschungsinstitut Geragogik, Witten Sybille Dizinger: Deutsches Rotes Kreuz, LV Baden-Württemberg e.V., Stuttgart Stefanie Hensel: Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V., Bonn Dr. Erika Neubauer: Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V., Bonn Hans-Jörg Rothen: Bertelsmann Stiftung, Gütersloh Prälat i.R. Rudolf Schmidt: Stiftung Pro-Alter, Köln
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herzlichen dank!

Für einen kritischen Blick auf die Inhalte und Formulierungen dieses Themenreports danken wir herzlich: Prof. Dr. Andreas Kruse: Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg Ein großer Dank gilt auch den Mitgliedern der Empfehlungskommission: Weert Diekmann: DekaBank Deutsche Girozentrale, Frankfurt am Main Dr. Steen Ehlern: Ferguson Family Office, Zürich, Schweiz Dr. Stefan Fritz: HypoVereinsbank Private Banking, München Prof. Dr. Bettina Hohn: Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Dr. Christian Meyn: Auridis GmbH, Neuss Monika Sandrock: Balanced Solutions, München Dr. Dirk Scheffler: e-fect dialog evaluation consulting eG i.G., Trier Mirjam Schwink: Baden-Württembergische Bank, Stuttgart Prof. Dr. Michael Vilain: Evangelische Fachhochschule Darmstadt Dr. Heinrich Weninger: KATHREIN & CO. Privatgeschäftsbank Aktiengesellschaft, Wien, Österreich Hans-Günter Zeger: Berliner Volksbank eG, Berlin Dr. Peter Zeman: Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin Dr. Gertrud Zimmermann: ehemals BMFSFJ, Meckenheim

impressum
1. Auflage, Juni 2011 © PHINEO, Berlin PHINEO gAG Für inhaltliche Fragen zu diesem Themenreport stehen Ihnen gern zur Verfügung: Jonathan Przybylski jonathan.przybylski@phineo.org Franz-Martin Schäfer franz-martin.schaefer@phineo.org Hauptverantwortung: Ina Epkenhans Analyse: Franz-Martin Schäfer (verantwortlich), Jonathan Przybylski, Doreen Kubek, Dr. Andreas Schmidt Redaktion: Jonathan Przybylski (verantwortlich), Sabine Arras, Ina Epkenhans, Doreen Kubek, Franz-Martin Schäfer Gestaltung: Yvonne Dickopf, Berlin, www.dickopf.org Druck: Druckhaus Berlin-Mitte GmbH Bildnachweise Titel: Wolfgang Thieme/ZB/Picture Alliance; Markus Lampe, Leinebrandung; Generali Zukunftsfonds/Birgit Betzelt S. 1: Thomas Kunsch S. 4–5: Dietmar Gust – Fotografie S. 10–11: Cathrin Bach/VISUM S. 20–21: Thomas Langreder/VISUM Anna-Louisa-Karsch-Str. 2 10178 Berlin (0 30) 52 00 65 – 400 (0 30) 52 00 65 – 403 info@phineo.org www.phineo.org Für Fragen zu PHINEO steht Ihnen gern zur Verfügung: Sabine Arras sabine.arras@phineo.org Kontakt
Diesem Themenreport liegen in der gedruckten Fassung Projektporträts der von PHINEO empfohlenen Organisationen und Projekte bei. Die Informationen zu den Organisationen basieren auf deren eigenen Angaben. Eine vollständige Überprüfung dieser Angaben ist trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen durch PHINEO nicht möglich. PHINEO übernimmt daher keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Gleiches gilt für die zukünftige Entwicklung von Projekten und Organisationen. Finanzielle Investitionen erfolgen in jedem Fall auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund der Bereitstellung der Informationen besteht nicht. Ansprüche gegen PHINEO, die auf die Nutzung der veröffentlichten Inhalte und besonders die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen zurückgeführt werden, sind ausgeschlossen. Schutzgebühr Druckausgabe: EUR 19,90

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literaturverzeichnis
Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.), Die demografische Lage der Nation. Was freiwilliges Engagement für die Regionen leistet, Berlin 2011 BMFSFJ (Hrsg.), Monitor Engagement. Wie und wofür engagieren sich ältere Menschen?, Berlin 2011 BMFSFJ (Hrsg.), Altern im Wandel. Zentrale Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys (DEAS), Berlin 2010 BMFSFJ (Hrsg.), Sechster Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland – Altersbilder in der Gesellschaft, Berlin 2010 BMFSFJ (Hrsg.), Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009. Zivilgesellschaft, soziales Kapital und freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 – 2004 – 2009, München 2010 BMFSFJ (Hrsg.), Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen, Berlin 2005 Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.), Braun/Bischoff, Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen: Motive und Aktivitäten. Engagementförderung in Kommunen – Paradigmenwechsel in der offenen Altenarbeit, Köln 1999 Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.), Colombo/Nozal/Mercier/Tjadens, Help Wanted? Providing and Paying for Long-Term Care, OECD Health Policy Studies, OECD Publishing, Paris 2011 Europäische Kommission, Eurostat, Eurostat Jahrbuch der Regionen, Europäische Union, Luxemburg 2010 Gensicke/Olk/Reim/Schmithals/Dienel (Hrsg.), Entwicklung der Zivilgesellschaft in Ostdeutschland. Quantitative und qualitative Befunde, Wiesbaden 2009 Kocka/Kohli/Streeck (Hrsg.), Altern: Familie, Zivilgesellschaft, Politik. Altern in Deutschland, Band 8, Halle 2009 Weitere Literaturtipps sowie interessante Links zum Thema finden Sie unter: www.phineo.org Wingerter, Später in den Ruhestand, STATmagazin des Statistischen Bundesamtes, 2010 Zeman, Voraussetzungen bürgerschaftlichen Engagements in der Kohorte der heute 50- bis 65-Jährigen. Zehn Thesen, Berlin 2010 Demografischer Wandel in Deutschland, Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern, Heft 2, Wiesbaden 2010 Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2010. Für die Bundesrepublik Deutschland mit „Internationalen Übersichten“, Wiesbaden 2010 Demografischer Wandel in Deutschland, Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung im Bund und in den Ländern, Heft 1, Wiesbaden 2011 Prognos/Generali, Engagementatlas 2009. Daten. Hintergründe. Volkswirtschaftlicher Nutzen, Berlin 2009 Schaefer (Hrsg.), Alter und Migration. Tagungsband der 15. Gerontopsychiatrischen Arbeitstagung des Geriatrischen Zentrums an der Universitätsklinik Tübingen, Frankfurt am Main 2009 Pohlmann, Alterspotenziale: Wirklichkeit, Wahrnehmung und Wahrscheinlichkeit, in: Kruse (Hrsg.), Potenziale im Altern, Heidelberg 2010, S. 75–97 Kocka/Staudinger (Hrsg.), Gewonnene Jahre, Empfehlungen der Akademiengruppe Altern in Deutschland. Altern in Deutschland, Band 9, Halle 2009 Kruse (Hrsg.), Potenziale im Altern. Chancen und Aufgaben für Individuum und Gesellschaft, Heidelberg 2010 Lehr, Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen – eine Herausforderung in unserer Zeit. Unveröffentlichtes Gutachten, Heidelberg 2010

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Die Projektporträts aller Themenreports finden Sie im Internet unter: www.phineo.org/projektportraets

PHINEO ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Ein breites Bündnis aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft hat PHINEO ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt PHINEO bei Sozialen Investoren an. Das sind Stifter, Spender und sozial engagierte Unternehmen, die nicht nur Gutes tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. PHINEO empfiehlt diesen Sozialen

Investoren auf Basis der mehrstufigen PHINEOAnalyse gemeinnützige Projekte, die besonderes Potential haben, die Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts dieser empfehlenswerten Organisationen, Reports zu ausgewählten Themenfeldern, Ratgebern zum „Wie“ des Gebens sowie individueller Beratung bietet PHINEO Sozialen Investoren eine Plattform für Orientierung: www.phineo.org

phineo ist ein bündnis starker partner
Hauptgesellschafter

Gesellschafter

Ideelle Gesellschafter

Strategische Partner

• CSI – Centrum für soziale Investitionen und Innovationen
Förderer

• Deutscher Spendenrat • Stiftung Charité

• avesco Financial Services • Baden-Württembergische Bank • Booz & Company

• Freshfields Bruckhaus Deringer • MLP Finanzdienstleistungen AG

Alten Service Zentrum / mehrgenerationenhaus Älter werden in Eching e.V.
Die Organisation Älter werden in Eching e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1989 Kontakt Siglinde Lebich Geschäftsleitung Bahnhofstraße 4 85386 Eching (0 89) 3 27 14 20 lebich@asz-eching.de www.asz-eching.de Das Projekt Start des Projekts: 1990 Erreichte Personen: 2010: ca. 13.800; seit Projektstart: ca. 217.000 Wirkungsregion: lokal Einnahmen		 Organisation = Projekt 2007 1.448.714 € 2008 1.427.887 € 2009 1.333.787 € Mitarbeiter		 Organisation = Projekt Hauptamtliche 14 Honorarkräfte 20 Ehrenamtliche 103

herausforderung

Gesellschaft zusammenhalten Wenn Alte und Junge keine Gemeinschaft mehr bilden, fällt Gesellschaft auseinander. Das Alten Service Zentrum Eching verbindet die Generationen zu einem großen Ganzen. Der demografische Wandel ist im vollen Gange. Eine Gesellschaft, in der es immer mehr Alte gibt, braucht Konzepte dafür, wie man mit deren spezifischen Bedürfnissen umgeht und wie eine Gesellschaft ihren Zusammenhalt bewahrt. Insellösungen helfen nur punktuell. Es braucht eine umfassende Daseinsvorsorge, die alle Generationen einschließt und sinnvolle Schnittstellen bildet, denn wenn die Probleme zusammenhängen, sollten es die Lösungen auch. Sinnvoll ist eine Alten- und Gemeinschaftshilfe, die nicht punktuell und fragmentiert bei einzelnen Problemen ansetzt, sondern das Ganze im Blick hat und alle relevanten Akteure beteiligt. Wichtig ist dabei auch die Beteiligung des Gemeinwesens, denn wenn es hier einen Zusammenhalt gibt, helfen sich die Bürger untereinander. Altersgruppen sollten nicht nur unter sich sein, vielmehr sollte ein generationsübergreifendes Miteinander gefördert werden, das dann auch ein Netz gegenseitiger Unterstützung spannt. Daran muss gemeinsam gearbeitet werden. In Eching hat Vorsorge Tradition: Bereits 1986 wurde der Aufbau eines Versorgungsangebots verbindlich festgelegt, damit Echinger zu Hause alt werden können und auch bei Pflegebedarf nicht ins Pflegeheim müssen. Dabei stand vor allem der zu erwartende zukünftige Bedarf im Vordergrund.

handlungsansatz

Mittendrin, statt nur dabei Tante Emma würde freudig in die Hände klatschen. Das AltenServiceZentrum (ASZ) ist im besten Sinne des Wortes ein „Gemischtwarenladen“: prägend für das Echinger Gemeinwesen, alles im Angebot, was man in der Kleinstadt Eching täglich braucht, nachbarschaftlich hilfsbereit, mitten in der Stadt. Das ASZ in Eching begreift Altenarbeit als kommunale Gemeinschaftsaufgabe. Die Kommune hat dem Verein Aufgaben der Daseinsvorsorge übertragen. Es wird ein breites, generationsübergreifendes Spektrum in den Bausteinen „Wohnen“, „Soziales“ und „Pflege“ angeboten. Darunter sind u.a. betreute Wohnformen, ein ambulanter Pflegedienst, mobile soziale Hilfsdienste und Nachbarschaftshilfe. Das ASZ ist insbesondere auch eine Begegnungsstätte. Z. B. werden Dia-, Film- und Videovorträge, Musik- und Informationsveranstaltungen, Seminare und Kurse, aber auch Ausflüge und Konzertbesuche angeboten. Ein wichtiges Ziel ist es, Services nicht nur anzubieten, sondern die Älteren zur Selbsthilfe anzuregen. Diese übernehmen Aufgaben im Betreuungs- und Dienstleistungsangebot und tragen so dazu bei, dass die vielfältigen Leistungen aufrechterhalten werden können. Der Verein besteht zu guten Teilen aus Älteren, auch die Mitglieder des Vorstandes sind älter als 65 Jahre. Älter werden in Eching e. V. ist damit ein Bürgerschaftsverein, in dem sich Ältere ganz bewusst auf verschiedenen Ebenen für Eching einbringen.

ALTEN SErVIcE ZENTrUM / MEHrGENErATIoNENHAUS ÄLTEr WErDEN IN EcHING E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 53 % H. 8 % A. 1% C. 1% F. 38 %
A. B. C. E. F. Spenden Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

D.

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Einwohner: 13.900. Kontakte: 13.656 Im rahmen der Aktivitäten des ASZ erbringen aktuell 103 55+-Ehrenamtliche Leistungen in unterschiedlichen Bereichen des Vereins, so dass hierbei zahlreiche resultate in den Einzelaktivitäten der Bereiche Wohnen, Soziales und Pflege erzielt werden. Entsprechend dem ganzheitlichen Ansatz ist die Wirkung aber mehr als die Summe der einzelnen Projekte. Es sind vor allem das Zusammenbringen der Bürger und die Aktivierung ihres Engagements füreinander, die die Wirkung des Vereins ausmachen. Das ASZ erreicht nominell nahezu jeden Bürger der rund 13.900 Einwohner großen Gemeinde. Im Jahr 2009 nahmen insgesamt 13.656 Teilnehmer an den Veranstaltungen teil, davon mehr als die Hälfte regelmäßig. Das AltenServiceZentrum in Eching ist ein Vorzeigeprojekt, an dem auch andere interessiert sind. Als Modellprojekt hat es in den vergangenen 20 Jahren diverse Wettbewerbspreise dafür erhalten, dass es als Bürgerschaftsverein aus Älteren ein innovatives Konzept des Quartiersmanagement erfolgreich verwirklicht hat. In bundesweiten Vorträgen und der Fachliteratur wurde bereits mehrfach auf das quartiersbezogene Altenhilfeprojekt aufmerksam gemacht. Dies hat auch zu zahlreichen Besuchen aus dem In- und Ausland geführt.

empfehlungen

Quartiersansatz unterstützen Die organisation erbringt Leistungen der Daseinsfürsorge und erhält hierfür öffentliche Mittel von der Gemeinde Eching. Die Aufrechterhaltung der sozialen Arbeit des Vereins ist entsprechend abhängig von diesen Mitteln, die im 2-Jahres-rhythmus neu verhandelt werden. Zweite Finanzierungssäule sind die leistungsabhängigen Einnahmen des Vereins. Dieses Finanzierungsmodell wird auf Dauer nicht für die konstante Fortsetzung aller Projekte ausreichen. Der Verein entwickelt aktuell ein Finanzierungskonzept, das weniger von der Förderung der Gemeinde abhängig ist, sondern mehr auf private Spender abzielt. Potentielle Förderer wie Unternehmen und Stiftungen sollen hierfür angesprochen werden. Damit hierbei professionell vorgegangen werden kann, würde eine Spende von 10.000 Euro helfen. Auch eine Teil-Grundfinanzierung mit regelmäßigen Beträgen ab 40.000 Euro jährlich ist denkbar. Außer für die Absicherung des Projekts möchte die organisation zusätzliche Mittel speziell für den Bau eines Mehrgenerationenhauses mit Passivbauweise einsetzen. Hier besteht insgesamt ein Investitionsbedarf von 1.500.000 Euro. Der Verein ist spannend für einen Sozialen Investor, der ein erfahrenes und etabliertes Quartiersmanagement-Projekt sucht, bei dem die Bürger gut eingebunden sind. Neben finanzieller Unterstützung besteht Beratungsbedarf mit Blick auf eine Fundraisingstrategie sowie der Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Manager/Koordinator und Initiator für lokales Bürgerengagement und den sozialen Bereich sowie Gesundheit und Pflege Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEo erhältlich.

HAFTUNGSAUSScHLUSS: Ansprüche gegen PHINEo aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. runden

Ceno – Centrum zur nachberuflichen Orientierung Ceno & Die Paten e.V.
Die Organisation Ceno & Die Paten e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1998 Kontakt Gabriele Wahlen Geschäftsführung Gebrüder-Coblenz-Straße 10 50679 Köln (02 21) 8 00 83 70 ceno@ceno-koeln.de www.ceno-koeln.de Das Projekt Start des Projekts: 1998 Erreichte Personen: 2010: 700 Beratungen (500 telefonisch, 200 persönlich); seit Projektstart: ca. 6.000 Beratungen Wirkungsregion: lokal Einnahmen	 2007 2008 2009 Organisation 151.000 € 168.625 € 189.532 € Projekt 27.000 € 27.000 € 27.000 €

herausforderung

Erfahrungswissen gezielt nutzen Arbeit vorbei, Leben vorbei? Mitnichten! Dass Menschen ihre dritte Lebensphase gezielt für die Gesellschaft einsetzen können, ist die Mission von Ceno. Eine Arbeitsstelle bietet Struktur, soziale Kontakte und vor allem gibt sie das Gefühl, gebraucht zu werden. Diese Struktur beim Ausscheiden aus dem Arbeitsleben zu verlassen, ist nicht immer leicht. Danach hat man zwar mehr Freizeit, aber viele stehen vor der Frage, wie sie diese sinnvoll nutzen können. Wir werden immer älter und gehen in der Regel nicht erst mit 67 in Rente, so dass die dritte Lebensphase immer länger wird. Doch die Phase nach dem Erwerbsleben ist kein Anhängsel, das nach der Arbeit kommt, sondern sie will gestaltet werden. Die „jungen Alten“ sind fitter als die Älteren vorhergehender Generationen und sie lassen sich ungern auf das Rentenabstellgleis schieben. Immer mehr Ältere wollen sich engagieren und sich mit ihrer Lebenserfahrung für die Gemeinschaft einsetzen. Dies ist umso wichtiger, da auf der Seite der Einrichtungen zunehmend soziale Leistungen wegfallen und Organisationen immer mehr auf ehrenamtliche Mitarbeiter bauen müssen. Das Problem hierbei ist jedoch, dass beide Parteien oftmals nicht zueinander finden und der Ältere schlicht nicht weiß, wohin er sich mit seinem Engagementwillen wenden soll. Es muss zwischen beiden eine Brücke gebaut werden.

handlungsansatz

Mitarbeiter	 Organisation Projekt Hauptamtliche 5 3 Honorarkräfte 6–8 3 Ehrenamtliche ca. 100 15

Brückenbauer für 55+ in Köln Ceno ist diese Brücke: Die Organisation vermittelt Ältere als Ehrenamtliche in soziale Einrichtungen. Da Ceno selbst Träger verschiedener Projekte ist, können sich Ehrenamtliche auch direkt im Verein engagieren. Als „Centrum zur nachberuflichen Orientierung“ ist die Organisation eine zentrale Informations- und Koordinationsstelle für Engagement 55+ in Köln; 1998 ist sie selbst aus ehrenamtlichem Engagement heraus entstanden. Der Verein ist ein gutes Beispiel dafür, wie Ehrenamtliche und Hauptamtliche gemeinsam aktiv werden, sich auf Augenhöhe begegnen und Ältere auf allen Ebenen aktiv eingebunden werden. Ceno sieht seine Aufgabe im Gegensatz zu vielen Freiwilligenagenturen nicht nur in der Vermittlung von Engagementwilligen: Ehrenamtliche werden hier auch während des Engagements intensiv begleitet, fortgebildet und unterstützt. Der Beratungsansatz geht zudem über die 55+ler hinaus: Ceno berät Unternehmen, wie sie für ihre Mitarbeiter den Übergang vom Beruf in den Ruhestand mittels sozialen Engagements positiv gestalten können. Soziale Einrichtungen können sich an Ceno wenden, wenn sie wissen möchten, wie sie ältere Ehrenamtliche mit ihrem Wissen und ihren Erwartungen bestmöglich in ihre Arbeit einbinden können. Ceno ist im Kölner Raum und auch überregional mit allen relevanten Akteuren gut vernetzt – Brückenbau par excellence.

CEnO – CEnTRUM zUR nACHBERUFLICHEn ORIEnTIERUnG CEnO & DIE PATEn E.V.
Wirkungspotential des Projekts ziele und zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 22 % H. 1% A. 7 % F. 55 %
A. B. C. E. F. Spenden

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

B. 16 % C. 1%

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Kompetente Anlaufstelle Ceno verfolgt einen Ansatz, mit dem es sehr gut gelingt, Erfahrungswissen 55+ gezielt für die Gesellschaft einzusetzen. Älteren gelingt es über Ceno, die nachberufliche Phase aktiv zu gestalten, und soziale Einrichtungen profitieren von den erfahrenen Helfern. Damit leistet Ceno auch einen Beitrag zur Verbesserung von sozialen Leistungen und fördert gleichzeitig einen lebendigen Dialog der Generationen. Die nachfrage ist groß. Rund 500 telefonische und ca. 200 persönliche Beratungen wurden 2010 durchgeführt. Von den Interessenten werden ca. zwei Drittel auch vermittelt. Mehr als die Hälfte davon gehen in den Bereich Bildung/ Schule und sind dort eine wirksame Unterstützung. Dass Bedarf an den Aktivitäten von Ceno besteht, merken die Projektbeteiligten oft an Aussagen wie: „Ich wollte mich schon lange für eine gute Sache engagieren, wusste aber nicht, wie.“ Die Rückmeldungen der vermittelten Personen sowie der Einrichtungen sind fast durchgehend positiv. Ceno schafft bei Unternehmen und sozialen Einrichtungen in Köln nicht nur ein erhöhtes Bewusstsein für das Engagement Älterer, sondern bewirkt auch konkret Veränderungen und bessere Bedingungen für das gezielte Engagement 55+. Das Interesse am Thema demografischer Wandel und damit verbunden am bürgerschaftlichen Engagement Älterer nimmt in Köln zu – dazu hat die Arbeit von Ceno mit beigetragen.

empfehlungen

Ganzheitlich unterstützen Investitionsbedarfe ergeben sich hinsichtlich der Absicherung des Projekts, da dieses überwiegend öffentlich finanziert und somit anfällig für Kürzungen ist. Ceno hat die notwendigkeit einer Diversifizierung der Einnahmequellen erkannt und bemüht sich, diese umzusetzen. zusätzliche Mittel in Höhe von 30.000 Euro würde die Organisation für die Sicherung und den Ausbau bestehender Projekte sowie 10.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen einsetzen. Unterstützungsbedarf in Höhe von 6.000 Euro ist auch im Bereich einer systematischen Evaluierung gegeben, sowohl in fachlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Angesichts der Größe und Laufzeit des Projekts wäre eine Evaluation sinnvoll, auch als Basis für den weiteren Ausbau. Seit rund zwei Jahren wird zudem ein Sozialraum- und Quartiersansatz verfolgt, der zukünftig strategisch vertieft und weiterentwickelt werden soll. Hier könnte ein Sozialer Investor mit 8.000 Euro die Weiterentwicklung der Konzeption unterstützen. Interessant ist Ceno für Soziale Investoren, die in einer gelungenen Kombination aus öffentlichen und privaten Geldern und in der interessanten Mischung aus hauptamtlichen Mitarbeitern und einem starken und aktiven ehrenamtlichen Vorstand ein zivilgesellschaftliches zukunftsmodell sehen. Prinzipiell ist der Verein auch für Investoren geeignet, die im Bereich Corporate Citizenship 55+ tätig werden wollen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Manager/Koordinator für lokales 55+-Bürgerengagement Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHInEO erhältlich.

HAFTUnGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHInEO aufgrund der nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

Ausbildungspaten Freiwilligenzentrum Hannover e.V.
Die Organisation Freiwilligenzentrum Hannover e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1999 Kontakt Dr. Kurt Kühnpast und Constance Meuer Projektleitungsteam Karmarschstraße 30/32 30159 Hannover (05 11) 30 03 44 – 6 paten@freiwilligenzentrum-hannover.de www.freiwilligenzentrum-hannover.de www.ausbildungspaten-hannover.de Das Projekt Start des Projekts: 2006 Erreichte Personen: seit Projektstart: 680 Schüler in Patenschaften, 299 Paten; 2010: 345 Schüler in Patenschaften an 7 Schulen, 169 Paten, rund 50 Veranstaltungen und Workshops Wirkungsregion: lokal Einnahmen	 2007 2008 2009 Organisation 336.648 € 448.842 € 511.298 € Projekt 54.600 € 60.000 € 95.000 €

herausforderung

Verunsicherung und Orientierungslosigkeit Berufswahl und Jobeinstieg sind Herausforderungen für Hauptschüler. Die Ausbildungspaten geben Orientierung und unterstützen dabei, die ersten Schritte des Berufslebens zu gehen. Was kann ich gut? Wo will ich hin? Und wie schaffe ich das eigentlich? Eine Welle an Fragen sieht ein Jugendlicher kurz vor dem Schulabschluss auf sich zurollen. Geringes Selbstbewusstsein, Motivationsschwierigkeiten und Ängste hinsichtlich ihrer Chancen sind Probleme, mit denen viele Hauptschüler mit und ohne Migrationshintergrund zu kämpfen haben. Ihre Bedenken sind oft nicht unbegründet: Die Hälfte der Hauptschüler findet heute trotz Abschluss keinen Ausbildungsplatz. Zwar gibt es eine Reihe von Angeboten zur Unterstützung beim Übergang Schule – Beruf, die Jugendlichen sind jedoch oft nicht in der Lage, die Menge an Informationen zu filtern und für sich nutzbar zu machen. Der Bedarf an intensiver persönlicher Betreuung ist groß. Gefragt ist jemand, der dabei hilft, Struktur in die Fragen zu bringen, der langfristig den Rücken stärkt, Richtungen aufzeigt und Antworten gibt. Dies hat das Freiwilligenzentrum Hannover durch eine Befragung von 20 Haupt- und Realschulen erkannt. Auf Basis dieser Erkenntnisse hat das Freiwilligenzentrum das Konzept der Ausbildungspaten ins Leben gerufen.

handlungsansatz

Mitarbeiter	 Organisation Projekt Hauptamtliche 5 2 Honorarkräfte 0 0 Ehrenamtliche 205 169

Individuelle Unterstützung und Motivation Wofür in Schulen und im Elternhaus oft Kapazitäten fehlen, das bieten seit 2006 die Ausbildungspaten des Freiwilligenzentrums Hannover: eine intensive Eins-zu-Eins-Betreuung. Dabei überzeugt, dass die Patenschaft auf Freiwilligkeit und Sympathie beruht. Bei KennenlernWorkshops suchen sich die Jugendlichen „ihren“ Paten selbst aus. Danach werden individuelle Stärken identifiziert, Ziele festgelegt, Vorstellungsgespräche trainiert und Bewerbungen geschrieben. Eine Besonderheit: Bei der Ausbildungsplatzsuche stellen die Paten ihr eigenes berufliches Netzwerk zur Verfügung. Die Projektleitung legt hohen Wert auf professionelle Strukturen: Die Paten werden in einer dreiteiligen Veranstaltung auf ihre Einsätze vorbereitet. Das Projekthandbuch hält Qualitätsstandards fest und nach dem Besuch weiterer Fortbildungen können die Paten ein Ausbildungspaten-Zertifikat erhalten. Mit diesem Konzept konnte das Projekt bisher ein Drittel der angefragten Schulen für sich gewinnen. Seitdem steigt die Zahl der „Patenschaften pro Schule“, so dass die Projektleitung einen neuen Ansatz einführte: Als „Gesicht des Projekts“ und Garant für gutes Schnittstellenmanagement werden jetzt Schulkoordinatoren eingesetzt. Hierbei spielt die Generation 55+ eine tragende Rolle: Alle Schulkoordinatoren gehören ihr an, denn sie besitzen die nötige Souveränität für diese Schnittstellenfunktion zwischen Schulleitung, Lehrern, Eltern und dem Freiwilligenzentrum.

AUSBILDUNGSPAtEN FREIWILLIGENZENtRUM HANNOVER E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 9 % H. 6 % A. 10 % B. 11%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

C. 2 %

F. 62 %
A. B. C. E. F. Spenden

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Ansprechpartner gefunden Das Projekt erreicht seine Zielgruppe: Die Nachfrage nach den Ausbildungspaten ist ungebrochen. Seit Projektstart hat sich die Zahl der Patenschaften verfünffacht. Aktuell werden 345 Schüler von 169 Paten begleitet. 35 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund. Insgesamt konnten 117 Schüler mit Hilfe der Ausbildungspaten in eine betriebliche Ausbildung vermittelt werden. Den Erfolg des Projekts auf diese Zahl zu beschränken, wäre aber zu kurz gedacht. Die Ausbildungspaten bauen eine persönliche Beziehung zu den Jugendlichen auf und werden zu einem wichtigen Ansprechpartner, der bei Niederlagen zur Seite steht und Erfolge mit ihnen feiert. Und 60 Prozent der Jugendlichen, die mit Hilfe ihres Paten einen Ausbildungsplatz gefunden haben, halten den Kontakt aufrecht. Zwar wurden die existierenden Evaluationsbögen noch nicht systematisch ausgewertet, doch einzelne Rückmeldungen bestätigen diese Aussage. „Wenn ich Probleme habe, dann weiß ich, an wen ich mich wenden kann“, ist das Fazit eines Jugendlichen, der mit Hilfe seines Paten eine Ausbildungsstelle zum Dachdecker gefunden hat. Das Projekt Ausbildungspaten ist durchaus in der Lage zu lernen und sich weiterzuentwickeln: Das hat die Projektleitung mit der Einführung der Schulkoordinatoren als Verbindungsstelle zwischen Schule und Freiwilligenzentrum als Antwort auf die gestiegene Nachfrage bewiesen.

empfehlungen

Wachsende Nachfrage bedienen Das Projekt der Ausbildungspaten wächst. Hier ergeben sich konkrete Fördermöglichkeiten für Soziale Investoren. Die Projektleitung würde Spenden in Höhe von 15.000 Euro dafür nutzen, den Kreis der Freiwilligen auszuweiten. Momentan betreut ein Pate meist mehr als einen Jugendlichen. Um die hohe Qualität der intensiven Eins-zu-Eins-Betreuung weiterhin gewährleisten zu können, besteht ständig personeller Bedarf. Hier kann das Potential der Generation 55+ noch weiter ausgeschöpft werden: Bisher stellen sie nur ein Viertel der Ausbildungspaten dar. Außerdem möchte das Projekt Unternehmen noch stärker in den Berufsorientierungsprozess der Jugendlichen einbinden, z. B. im Rahmen von Betriebsbesichtigungen. Eine Spende von 2.000 Euro würde helfen, in diesem Bereich konzeptionell voranzukommen. Die Organisation verfügt zwar über eine detaillierte Projektdokumentation, besitzt jedoch nicht die nötigen Ressourcen in Höhe von 20.000 Euro für eine Evaluation, die als Grundlage zur Weiterentwicklung des Konzepts und hinsichtlich einer möglichen Übertragung auf andere Städte jedoch wichtig wäre. Für einen Sozialen Investor existiert eine große Palette an Möglichkeiten der Zusammenarbeit, nicht nur für das Projekt, sondern auch im Rahmen der Arbeit der Gesamtorganisation. So eignet sich der Verein auch für Investoren, die im gesamten Bereich der Förderung von Freiwilligenengagement in der Region Hannover Unterstützung leisten wollen.

Analysiert und empfohlen im themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Pate und Manager/Koordinator für den Übergang Schule – Beruf Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFtUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

Verein für Internationale Jugendarbeit Frankfurt am Main e.V.
Die Organisation Verein für Internationale Jugendarbeit Frankfurt am Main e. V.

JUSTAment

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1886 Kontakt Sabine Schlue Geschäftsführerin Lindenstraße 16 61440 Oberursel (0 61 71) 5 08 20 12 frankfurt@vij.de http://frankfurt.vij.de Das Projekt Start des Projekts: 2008 Erreichte Personen: seit Projektstart: über 200 Schüler an drei Schulen, 52 SeniorPartner Wirkungsregion: lokal Einnahmen	 Organisation 2008 53.713 € 2009 159.550 € 2010		 79.098 € Projekt 41.007 € 58.918 € 87.095 €

herausforderung

Hürdenlauf von der Schule in den Beruf Ausbildungsreife, Berufseignung, Vermittelbarkeit – Der Verein Internationale Jugendarbeit macht mit SeniorPartnern im Projekt JUSTAment aus Schlagwörtern Chancen für Haupt- und Realschüler. Während Unternehmen über Fachkräfte-Mangel klagen, stehen gleichzeitig viele junge Leute ohne Job auf der Straße. Der Grund: Es fehlt vielen an den nötigen Grundqualifikationen für Ausbildung und Jobeinstieg. Die Jugendlichen haben keine Vorstellung davon, was Berufstätigkeit ganz praktisch bedeutet, welcher Beruf für sie überhaupt in Frage kommt und sie wirklich interessiert, sie lassen die Fähigkeit zu Teamarbeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit vermissen, sind mit dem Bewerbungsprozess überfordert und können oft auch nicht mit den fundamentalsten Kenntnissen in Mathematik, sprachlicher Ausdrucksfähigkeit oder Leseverständnis aufwarten. Wichtig ist es, diesen Schülern klarzumachen, was sie nach der Schule im Berufsleben erwartet. Wenn Eltern oder Lehrer warnend darauf hinweisen, nehmen das die Jugendlichen oft nicht ernst. Neutrale Dritte finden hier oft besser Zugang zu den Jugendlichen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sie ihnen echtes Interesse entgegen- und relevante Erfahrung mitbringen.

handlungsansatz

Mitarbeiter Organisation = Projekt Hauptamtliche	 3 (Teilzeit) Honorarkräfte 0 Ehrenamtliche 52

Jetzt erst recht: SeniorPartner helfen „Ihr könnt alles erreichen, was ihr euch wünscht. Aber es ist ein langer Weg und ihr müsst euch engagieren“ ist das Credo von JUSTAment. Das heißt „Jetzt erst recht“ und arbeitet mit so genannten SeniorPartnern. Die überwiegend über 55-jährigen SeniorPartner helfen Jugendlichen, den Weg in die Berufswelt zu finden. JUSTAment arbeitet mit einem besonderen Mentoring-Ansatz: Ein SeniorPartner arbeitet mit einer Gruppe von bis zu fünf Schülern und Schülerinnen über einen Zeitraum von zwei Jahren zwischen der 7. und 9. Klasse – genau in der Zeit also, in der Berufsentscheidungen bei Haupt- und Realschülern fallen. Pro Klasse kommen so fünf bis sieben SeniorPartner zum Einsatz, die mit den Schülern – eine weitere Besonderheit – alle zwei Wochen die regulären Unterrichtsstunden des Schulfachs Arbeitslehre für Workshops wie „Was erwartet der Arbeitgeber?“ gestalten: Teilnahme ist Pflicht. Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen und z. B. auch Theaterbesuche schweißen SeniorPartner und Schüler als Team zusammen und ergänzen die Workshop-Arbeit. Der JUSTAment-Ansatz überträgt ein erprobtes Konzept aus Baden-Württemberg auf Hessen, setzt auf die Überzeugungskraft neutraler Dritter und nutzt insbesondere das Know-how und die Erfahrung Älterer. Die SeniorPartner werden in einem einwöchigen Seminar auf ihre Aufgabe vorbereitet, einmal pro Monat können und sollen sie ein Weiterbildungsseminar besuchen.

VEREIN FÜR INTERNATIONALE JUGENDARBEIT FRANKFURT AM MAIN E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

JUSTAMENT

Finanzierungsquellen der Organisation F. 9 % E. 78 % A. 4 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

B. 7 % C. 1%

A. B. C. E. F.

Spenden

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

SeniorPartner und Schüler: ein starkes Team JUSTAment hat seit Projektstart 52 SeniorPartner ausgebildet – knapp 80 Prozent davon sind älter als 55 Jahre. Gegenwärtig sind 37 SeniorPartner aktiv. Diese richten pro Schuljahr 114 Workshops aus und engagieren sich mit im Schnitt 120 Stunden pro Jahr. Seit 2008 sind über 200 Schülerinnen und Schüler an drei Haupt- und Realschulen in den Genuss der Betreuung durch einen SeniorPartner gekommen, die Kooperation mit einer vierten Schule ist in Planung. Zur biografischen Entwicklung und zum langfristigen beruflichen Erfolg der JUSTAmentJugendlichen können noch keine Angaben gemacht werden, dazu ist das Projekt zu jung. Eine Evaluation der zwei Pilotklassen lässt aber Rückschlüsse darauf zu, wie Schüler und Lehrer die Kooperation mit den SeniorPartnern und JUSTAment einschätzen. Die Lehrer bestätigen eindeutig, dass sich das Sozialverhalten der Schüler stark verbessert und die Ausbildungsreife sehr stark erhöht hat. Die Schüler sind insgesamt nicht ganz so optimistisch, aber in der 9. Hauptschul-Klasse sagt mehr als die Hälfte der Schüler, dass sich während der Zeit der Zusammenarbeit mit den SeniorPartnern Motivation und Umgangsformen stark oder sehr stark verändert haben. Fast alle finden „ihren“ SeniorPartner als Person gut oder sehr gut, drei Viertel bestätigen, dass der SeniorPartner bei der Auswahl einer Praktikumsstelle und bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen gut oder sehr gut geholfen hat.

empfehlungen

„(Mut-)Macher“ gesucht Der Verein bringt alles mit, um das Projekt in kürzester Zeit auszuweiten: erprobter Ansatz, Verzahnung des Projekts mit dem Regelunterricht, Einbettung in alle relevanten Netzwerke, fiskalischer Sachverstand, zahlreiche Unternehmen im Umfeld, wachsende Nachfrage, keine „Konkurrenz“ durch vergleichbare Projekte, hohe Qualität und engagementbereite SeniorPartner. Der Verein geht sehr konservativ mit seinen Möglichkeiten um. Das spiegelt sich in der PHINEO-Bewertung von „Finanzierungskonzept & Fundraising“ wider: nur zwei Sterne, weil die Finanzierung des Projekts überwiegend durch den Verbrauch von Vermögenswerten erfolgt – ein dauerhaft nicht tragfähiges Konzept. Der Verein ist für Soziale Investoren geeignet, die Ideen fördern und eine Skalierung unterstützen wollen. Hier sind „(Mut-)Macher“ gefragt, die bei Strategieentwicklung und Finanzierungsmodellen helfen. Eine Spende von 20.000 Euro könnte für die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzierungskonzepts eingesetzt werden. Insbesondere Unternehmen können von dem Erfahrungsschatz des Vereins profitieren, indem sie ausscheidenden Mitarbeitenden ein Engagement bei JUSTAment empfehlen und sich an deren Ausbildung zum SeniorPartner und der 2,5-jährigen Betreuung mit 2.000 Euro pro SeniorPartner beteiligen. Der Betrieb des PC-Trainingscenters des Vereins benötigt jährlich ca. 18.000 Euro.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Pate und Interessenvertreter/ Kommunikator in der Berufsvorbereitung Jugendlicher Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

Myself e.V. zur gegenseitigen Förderung am Arbeitsmarkt
Die Organisation myself e. V. zur gegenseitigen Förderung am Arbeitsmarkt

Jobcoaching und Silberrücken

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2004 Kontakt Ute Leyrer Vorsitzende Holderäckerstraße 10 70499 Stuttgart (07 11) 94 54 89 64 vorstand@myself-ev.de www.myself-ev.de Das Projekt Start des Projekts: Jobcoaching: 2005, Silberrücken: 2010 Erreichte Personen: Jobcoaching seit Projektstart: 130; Silberrücken: 18; Vereinsmitglieder 2010: 404 Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 2008 2009 2010 Organisation 41.256 € 39.894 € 34.616 € Projekt* 1.800 € 2.200 € 2.200 €

herausforderung

Zu alt für den Arbeitsmarkt? Ab 50 zu alt für den Arbeitsmarkt? Bei myself knüpfen arbeitslose Silberrücken ein Netzwerk der anderen Art und bringen sich gegenseitig wieder ins Spiel des Arbeitslebens. Fusion, Umstrukturierung, Insolvenz, technischer Quantensprung – die Gründe, warum Menschen ab 50 arbeitslos werden, sind vielfältig, aber selten hat es etwas mit persönlichem Fehlverhalten zu tun. Mit der Kündigung fängt dann jedoch ein fataler Kreislauf an: Bewerbungsschreiben, Trainingsmaßnahme, Praktika, Absage, Bewerbungsschreiben … Zu alt, zu teuer, zu anspruchsvoll, gar noch weiblich – multiple Vermittlungshemmnisse, so der Fachjargon. Längst gelten Menschen zwischen 50 und 65, die ihren Job verlieren, als Risikogruppe: Es gibt keine andere Altersgruppe, die länger in der Arbeitslosigkeit hängt, als „die Älteren“, die oft jahrzehntelange Erfahrung haben, bestens qualifiziert sind und unbedingt arbeiten wollen. Nach der x-ten erfolglosen Bewerbung kommt der Frust, vielleicht auch Rückzug, gesellschaftlicher Abstieg, persönliche Dauerkrise. Unterstützung in dieser belastenden Situation finden die Betroffenen selten beim „Amt“. Die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Erwerbslosigkeit ab 50 ist gefragt. Es gilt, einen anderen Umgang damit zu fördern und neue Wege in die Arbeit zu suchen. * Projekt Jobcoaching.

handlungsansatz

Aktiv werden, sich gegenseitig stützen 2003 wurden hunderte Beschäftigte in Stuttgart von „ihrem Betrieb“ in eine Transfergesellschaft überführt. Auch nach 23 Monaten hatte der Markt für viele, auch für Hochqualifizierte, keinen Platz. So beschlossen sie, selbst und gemeinschaftlich Verantwortung zu übernehmen. Sie wollten sich nicht isolieren, sondern gemeinsam zu einem starken Akteur werden – und gründeten myself e.V. Dort dreht sich alles um Hilfe zur Selbsthilfe in Selbstorganisation. Eine der größten von insgesamt 20 Arbeitsgruppen ist das Projekt Jobcoaching. Arbeitssuchende, die sich engagieren und den Mut haben, sich auf neue Wege einzulassen, coachen sich gegenseitig, z. B. für Vorstellungsgespräche, und stellen für die anderen Kontakte her. Bei Jobcoaching wird aus Hilfe zur Selbsthilfe Engagement für andere. Aus Jobcoaching ist das innovative Start-upProjekt Silberrücken hervorgegangen. Die Silberrücken, alle älter als 55 Jahre, versuchen, sich über Zeitarbeit wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Dafür haben sie als Kooperationspartner die Genossenschaft ARBEIT ZUERST überzeugt, die die rechtlichen Voraussetzungen der Arbeitnehmerüberlassung erfüllt. Die Silberrücken erstellen Profile der 55+-Bewerber und versuchen, Unternehmen der Region von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Gegenwärtig laufen Gespräche mit Bosch. 18 55+-Ehrenamtliche, darunter Ingenieure, IT-Manager und Betriebswirte, bringen das Projekt aktuell zum Laufen.

Mitarbeiter	 Organisation Projekt* Hauptamtliche 0 0 Honorarkräfte 0 0 Ehrenamtliche 42 13

Myself e.V. zur gegenseitigen Förderung am Arbeitsmarkt
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen	 Konzept und Ansatz	 Qualitätsentwicklung	 Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie	 Aufsichtsgremien	 Leitungsgremium und 	 Personalmanagement Finanzen und Controlling	 Finanzierungskonzept	 und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit	 Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Jobcoaching und Silberrücken

Finanzierungsquellen der Organisation E. 2 % G. 7 % A. 36 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

C. 55 %
A. 	 Spenden

C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder

E. 	 Zins-/Vermögenserträge F. 	Öffentliche Gelder H. 	Sonstige G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen

resultate

Aus Hemmnissen werden Flügel Eine Befragung 2008 zeigte: Über 200 myselfMitglieder haben inzwischen den Weg in den Arbeitsmarkt oder in die Selbstständigkeit gefunden, das sind knapp 50 Prozent aller Mitglieder. In der Jobcoaching-Gruppe haben sich 2010 elf von 30 Mitgliedern selbstständig gemacht, neun fanden eine Anstellung. Noch ist es zu früh, konkrete Vermittlungserfolge der Silberrücken zu erwarten. Allerdings zeigt sich gerade an diesem Projekt, was das Erfolgskonzept von myself ist: Mit der Zeitarbeit beschreiten sie neue Wege, in Arbeit zu kommen, sie sind flexibel und anpassungsfähig, sie geben sich nicht mit der Erkenntnis zufrieden, dass die Arbeitsagentur für ältere Arbeitssuchende nicht viel tun kann, sondern nehmen die Dinge eigeninitiativ in die Hand. Hemmnisse werden nicht als Schicksal angenommen, sondern beflügeln zu aktivem Handeln. Die Silberrücken stecken ihre Ressourcen nicht in aussichtslose Bewerbungen auf Stellenausschreibungen, sondern schaffen sich über die Arbeitnehmerüberlassung die Stellen selbst. Aber auch auf „der anderen Seite“ tut sich etwas: Der aktive Zusammenschluss von älteren, erfahrenen Arbeitssuchenden und die Suche nach einem alternativen Weg aus der Arbeitslosigkeit kommen in der Wirtschaft gut an. Die 55+-Arbeitslosen erleben so, dass sie als Gruppe etwas erreichen können, sie stützen sich gegenseitig und fangen sich auf. Damit wirkt myself insbesondere der Vereinzelung und Vereinsamung aktiv entgegen.

empfehlungen

Mit Hilfe zur Selbsthilfe myself, insbesondere die Projekte Jobcoaching und Silberrücken, eignen sich für Soziale Investoren, die einen innovativen Ansatz gegen Erwerbslosigkeit 55+ suchen und sich aktiv einbringen wollen. myself finanziert sich zu über 90 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen und kleineren Spenden, öffentliche Mittel sind aus Gründen der Unabhängigkeit nicht erwünscht. In der PHINEO-Analyse wurde myself beim Kriterium „Finanzierungskonzept & Fundraising“ als akzeptabel bewertet, weil beim Fundraising noch großes Entwicklungspotential besteht. Soziale Investoren können konkret bei einem Fundraisingkonzept oder der Beratung für professionelles Sponsoring unterstützen. Hierfür wäre ein Betrag ab 2.000 Euro hilfreich. Unternehmen der Region können insbesondere das Projekt Silberrücken unterstützen, indem sie den Zeitarbeit-Service in Anspruch nehmen. Auch hier sind finanzielle Zuwendungen erwünscht: Mit einer Spende von 3.000 Euro könnten die Silberrücken ein professionelles Konzept für die Unternehmensakquise erstellen. Die Organisation ist aktuell auf der Suche nach neuen und größeren Räumen, die aber eine Finanzierungslücke von ca. 3.000 Euro pro Jahr zur Folge hätten, deren Absicherung noch offen ist. myself würde zudem gern zusätzliche Mittel in Höhe von 1.800 Euro für eine verbesserte IT-Ausstattung verwenden. Mit 1.000 Euro könnten auch konstant Fahrtkostenzuschüsse für ALG-II-Empfänger gezahlt werden.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Interessenvertreter/Kommunikator und Netzwerker für Arbeitsmarktintegration Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

COACHING FÜR JUGENDLICHE NACHBARSCHAFTSHILFE TAUFKIRCHEN E.V.
Die Organisation Nachbarschaftshilfe Taufkirchen e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1972 Kontakt Dr. Michael Mrva Projektleiter, stellv. Vorsitzender Ahornring 119 82024 Taufkirchen michaelmrva@web.de www.nachbarschaftshilfe-taufkirchen.de Das Projekt Start des Projekts: 2009 Erreichte Personen: seit Projektstart: 61 (26 Schüler, 35 Paten) Wirkungsregion: lokal Einnahmen 2007 2008 2009 Organisation Projekt 674.627 € – 786.537 € 400 € 868.288 € 3.150 €

herausforderung

Hauptschüler aufwerten Wenn Hauptschüler den Berufseinstieg nicht schaffen, bleibt wertvolle Arbeitskraft ungenutzt. Die Coaches der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen bringen Jugendliche in den Job. Die Hauptschule soll eine Bildungseinrichtung sein, die auf die klassischen Ausbildungsberufe vorbereitet. Doch in der Realität des Arbeitsmarkts haben Hauptschüler oft kaum Chancen, gleich nach der Schule eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Unternehmen begründen die Entscheidung, Hauptschüler abzulehnen, damit, dass bei diesen häufig die (soziale) Kompetenz nicht stimme: zu unmotiviert, nicht ausbildungsfähig, wenig Beständigkeit, weltfremde Erwartungen. Solche Vorurteile kratzen am Selbstbewusstsein der Jugendlichen und wirken kontraproduktiv, die empfundene Perspektivlosigkeit beängstigt. Die Schüler der Taufkirchener Hauptschule sind zudem mit weiteren Problemstellungen konfrontiert: Die Siedlung am Wald gilt als sozialer Brennpunkt der Gemeinde. Ein Großteil der Jugendlichen kommt aus bildungsfernen Schichten, erfährt wenig Unterstützung durch das Elternhaus oder wird auch aufgrund des Migrationshintergrundes benachteiligt. Häufig sind sie besonders überfordert damit, für sich eine Perspektive hinsichtlich eines Lehrberufs zu entwickeln. Hier ist zusätzliche Unterstützung gefragt, damit sie auf dem Weg zum Schulabschluss nicht aufgeben. Denn ohne qualifizierten Hauptschulabschluss bleiben Jobeinstieg und damit der soziale Aufstieg oft gänzlich unerreichbar.

handlungsansatz

Mitarbeiter Organisation Projekt Hauptamtliche 18 0 Honorarkräfte 17 2 Ehrenamtliche 190 37

Fordern und fördern Hier wirkt Erfahrungswissen 55+: Der Initiator des Projekts „Coaching für Jugendliche“, ein ehemaliger Siemens-Manager, überlässt nichts dem Zufall. Der Projektleiter will genau wissen, wo der individuelle Bedarf bei jedem einzelnen jugendlichen Hauptschüler liegt, welcher Coach am besten zu ihm passt, welche Ziele erreicht werden sollen und welche Wege man gehen muss, um diese zu erreichen. Dem klassischen Patenschaftsansatz hat er so ein modernes Kleid verpasst: Hier wird nicht nur verständnisvoll begleitet, sondern mit viel Verve der Jugendliche gefordert, damit er seine Ziele erreicht. Systematisches Matching von Schüler und Coach, professionelles Erfolgscontrolling bei jedem einzelnen Schüler, klare und verbindliche Absprachen zwischen Schüler, Coach und Projektleitung – bei den Coaches in Taufkirchen alles Selbstverständlichkeiten. Die Ziele des Projekts sind klar: Hauptschüler sollen den „Quali“ mit mindestens Note 3,5 erreichen und sie sollen eine Lehrstelle finden. Das Projekt setzt in der 8. Klasse an, ein Jahr, bevor die Hauptschüler die Schule verlassen – in Richtung Ausbildung oder in Richtung Realschule, um die mittlere Reife dranzuhängen. Das Projekt kooperiert mit der Hauptschule vor Ort, dem Türkischen Kulturverein, dem ausländischen Elternverein, der Gemeinde Taufkirchen und es ist Bestandteil des Mehrgenerationenhaus-Programms (MGH). Starter-Kit und Supervision für die Coaches sind fester Bestandteil.

COACHING FÜR JUGENDLICHE NACHBARSCHAFTSHILFE TAUFKIRCHEN E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 38 % H. 3 % A. 3 % C. 3 % E. 1% F. 52 %
A. B. C. E. F. Spenden Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

D.

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Mehr Abschlüsse, bessere Abschlüsse Das Projekt ist Anfang 2009 gestartet, 2010 waren 15 Coaches bei 15 Jugendlichen im Einsatz, von denen neun einen Migrationshintergrund haben. Vorausschauend wurden aber bereits Anfang 2010 weitere 20 Coaches akquiriert, weil anzunehmen war, dass sich der Bedarf bald erhöhen würde. Das hat sich in den letzten Monaten bestätigt; alle Coaches sind aktuell gut beschäftigt. Durch das professionelle Erfolgscontrolling weiß die Projektleitung ganz genau, wo die einzelnen Schützlinge stehen. Im Juli 2010 haben die ersten Jugendlichen des Coaching-Projekts die Schule verlassen. Bis auf einen haben alle den qualifizierten Hauptschulabschluss geschafft und sie haben dabei das Ziel „Quali mit mindestens 3,5“ locker erreicht. Vier Jugendliche gehen weiter zur Schule, um die mittlere Reife zu erlangen. Andere haben eine Ausbildung begonnen. Einer besucht das so genannte Berufsvorbereitungsjahr mit dem Ziel, im Jahr darauf die mittlere Reife zu erlangen. Viele Schüler wissen nach dem Coaching genauer, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Zu Beginn des Coachings war das überwiegend nicht der Fall gewesen. Zudem sind Ausbildungsbetriebe laut Aussage der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen eher dazu bereit, einen Schüler einzustellen, der von einem Coach betreut wurde. Der Bedarf wächst weiter.

empfehlungen

Professionalität unterstützen Die ehrenamtliche Projektleitung hat mit kleinem Budget gute Grundlagen für das Projekt geschaffen. Diese gilt es zu erweitern, denn die Nachfrage steigt: Immer mehr Hauptschüler wollen am Coaching teilnehmen und es gibt Überlegungen, auch Nachbarorte in das Projekt miteinzubeziehen. Damit Qualität und sorgfältige Planung auch bei steigender Teilnehmerzahl gewährleistet sind, müssten Beträge von 3.500 Euro in die Weiterbildung der Coaches oder 5.000 Euro jährlich in die Schaffung einer hauptamtlichen Koordinationsstelle investiert werden. Eine kleinere Evaluation für 1.000 Euro wäre ebenfalls eine sinnvolle Investition, insbesondere hinsichtlich der Übertragung des Ansatzes auf benachbarte Schulen. Das Projekt eignet sich für Soziale Investoren, die ein systematisches Vorgehen schätzen und ein Projekt noch in der Aufbauphase unterstützen möchten. Es besteht eine große Offenheit für neue Ideen, insbesondere was die Etablierung eines Fundraisingkonzepts betrifft, das gerade in Bearbeitung ist. Ein Sozialer Investor könnte sich hierbei auch beratend einbringen. Projekt und Träger-Organisation sind insgesamt gut bis sehr gut, lediglich beim PHINEO-Kriterium „Finanzen & Controlling“ fällt die Bewertung etwas schlechter aus. Gemessen an den Gesamteinnahmen der Taufkirchener Nachbarschaftshilfe wäre eine externe Prüfung der Finanzen angemessen, der Verein belässt es bei einer – fachkompetenten – internen Prüfung.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Pate und Manager/Koordinator für den Übergang Schule – Beruf Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

ZEITSCHENKEN NESTWÄRME E.V.
Die Organisation nestwärme e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1999 Kontakt Petra Moske Gründerin und Vorstandsvorsitzende Christophstraße 1 54290 Trier (01 73) 7 05 50 55 petra.moske@nestwaerme.de www.nestwaerme.de Das Projekt Start des Projekts: 2003 Erreichte Personen: seit Projektstart: 1.030 Ehrenamtliche und 3.300 Familien; 2010: 800 Ehrenamtliche und 1.100 Familien Wirkungsregion: lokal, regional, landesweit, bundesweit Einnahmen 2008 2009 2010 Organisation 817.763 € 643.474 € 330.000 € Projekt 549.698 € 528.357 € 281.352 €

herausforderung

Entlastung von Eltern kranker Kinder Wo Kinder schwer krank sind, bleibt oft für nicht viel anderes Raum. nestwärme e.V. schenkt Eltern kranker Kinder Zeit für sich. In Deutschland leben über eine Million Familien, die ein chronisch krankes oder behindertes Kind zu Hause pflegen und betreuen – ein Vollzeit-Job, der Eltern oft physisch und psychisch an ihre persönlichen Grenzen bringt. Und leider auch oft genug an den Rand der Gesellschaft. Wer mit einem kranken Kind lebt, braucht Kraft: um den Alltag zu meistern, um Ängste zu bewältigen, um auch den gesunden Geschwisterkindern gerecht zu werden, um nicht nur Eltern, sondern auch Mann und Frau zu bleiben, um sich gegen Vorurteile der Gesellschaft und Hürden der Bürokratie durchzusetzen. Soziale Isolation ist bei pflegenden Familien keine Seltenheit. Ihnen fehlt oft das Gefühl, willkommen und angenommen zu sein – eben das Gefühl von Nestwärme.

Kontakt zwischen ZeitSchenkern und dem Verein hergestellt, es folgt eine eintägige Schulung. Bei der Auswahl der ZeitSchenker achtet der Verein auf soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeit und Lebenserfahrung der Ehrenamtlichen. Erst dann kommen Familien und ZeitSchenker zusammen. Die Betreuung der ZeitSchenker und der Familien erfolgt über regionale Teamleiter und lokale Moderatoren, die alle ehrenamtlich arbeiten. Gegenwärtig gibt es deutsche nestwärme-Teams in Trier, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Saarbrücken, Nürnberg und München. ZeitSchenken findet neue Engagierte und Familien durch geschickte lokale Kooperationen, z. B. mit Ehrenamtsbörsen und Kinderkliniken. Engagierten der Generation 55+ kommt bei ZeitSchenken eine besondere Rolle zu: Ursprünglich ausschließlich für diese Zielgruppe konzipiert, wurde das Projekt aufgrund der enormen Nachfrage für alle Altersgruppen geöffnet. Es dient somit als Beispiel dafür, wie ein Impuls von Älteren ausgehen und dann in die Gesellschaft eingebunden werden kann. Noch immer haben Ältere eine tragende Rolle im Projekt: Sie engagieren sich als Teamleiter (acht von zehn Teamleitern sind im Alter 55+), Moderatoren (79 von 110) oder als ZeitSchenker (426 von 658) – und gestalten mit ihrem Engagement den Charakter des Projekts und seiner Abläufe. Bei den Familien punkten die Älteren mit innerer Stärke und Gelassenheit im Umgang mit kranken oder behinderten Kindern, für den Verein ist das Erfahrungswissen wertvoll, weil so weniger grundlegende Schulungen nötig sind.

Mitarbeiter Organisation Projekt Hauptamtliche 5 5 Honorarkräfte 19 14 Ehrenamtliche 1.436 789

handlungsansatz

ZeitSchenken = Wertschätzung schenken ZeitSchenken ist ein erprobtes, niedrigschwelliges Konzept mit großer Reichweite, dessen zentraler Baustein das Vermitteln des Gefühls von Nestwärme ist. Das Projekt wendet sich an Familien, besonders an allein Erziehende, mit einem schwer kranken oder behinderten Kind, die dieses zu Hause pflegen und im „Dauereinsatz“ sind. Ehrenamtliche ZeitSchenker übernehmen die kleinen „Patienten“, z. B. einmal in der Woche. Durch einen Infoabend wird der

ZEITSCHENKEN NESTWÄRME E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 20 % F. 8 % A. 30 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

E. 2 % B. 41%
Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

A. B. C. E. F.

Spenden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

D.

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Enorme Reichweite, stetiges Wachstum nestwärme trifft Nerv und Bedarf der Zeit – auf Seiten der Familien wie auf Seiten der Ehrenamtlichen. Seit 2006 hat sich die Anzahl der Ehrenamtlichen auf fast 1.500 Engagierte vervierfacht. Das gilt auch für ZeitSchenken, das im Jahr 2003 mit 40 Ehrenamtlichen und 80 Familien startete und 2010 mit 789 Ehrenamtlichen 1.100 Familien betreute. Seit 2003 wurden so insgesamt rund 3.300 Familien erreicht. Derzeit erhält der Verein von Interessierten täglich rund 10 – 15 Anfragen online sowie 20 telefonisch. Über 140.000 ehrenamtliche Stunden investieren Teamleiter, Moderatoren und ZeitSchenker momentan pro Jahr in die Betreuung von Familien und die Koordination des Projekts. Eine systematische Wirkungsevaluation gibt es noch nicht, aber die Vielzahl anekdotischer Berichte über die Wirkungen des Projekts zeichnet folgendes Bild: Die Beteiligten des Projektes berichten, dass ZeitSchenken helfe, das Familiensystem stabil zu halten und den Eltern ermögliche, ihre wichtige Funktion weiter ausüben zu können. Die Einbindung von ehrenamtlichen Unterstützern helfe nicht nur, die Familie zu entlasten, sondern schlage auch eine Brücke zwischen Gesellschaft und den Familien, denn die Freiwilligen trügen ihre Erfahrung wieder in die Gesellschaft hinein und helfen so, ein allgemeines Bewusstsein für die Leistung dieser Familien zu schaffen.

empfehlungen

Wachstum und Evaluation unterstützen nestwärme verfolgt – trotz sinkender Einnahmen und stärkerer Fokussierung auf den Ausbau der angeschlossenen gGmbH – eine Wachstumsstrategie. Bis Ende 2011 sollen fünf neue Teams gegründet werden. Dies können Soziale Investoren unterstützen – durch eine Spende von ca. 70.000 Euro für den Aufbau eines Teams und dessen Betrieb für ein Jahr. Weitere 15.000 Euro würden für die Unterstützung der lokalen Standorte bei der eigenständigen Akquisearbeit verwendet. Auch wenn sich aus den Berichten ein grobes Bild der Wirkungen ableiten lässt, fehlen im Moment noch tatsächliche Wirkungsnachweise. Eine Unterstützung im Bereich Wirkungsmessung und Evaluation wäre daher sinnvoll und mit ca. 46.000 Euro zu finanzieren. nestwärme versteht es, unterschiedliche Formen des CSR-Engagements für Unternehmen anzubieten. Förderer können von dem sehr guten Außenauftritt der Organisation profitieren. Die Gründerinnen wirken durch ihre Authentizität und verfügen über enorme Überzeugungskraft. Es geht dabei um das „nestwärme-Gefühl“. Obwohl der Verein finanziell auf gesunden Füßen steht, erfüllt er das PHINEO-Kriterium „Finanzen & Controlling“ in nur akzeptabler Weise: Wünschenswert wäre eine transparentere Finanzberichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit. Der Jahresabschluss wird zwar von einem Wirtschaftsprüfer erstellt, aber nicht extern geprüft. Auch hier könnte ein Sozialer Investor z. B. mittels einer Pro-bonoPartnerschaft helfen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Betreuer/Kümmerer und Manager/ Koordinator für Familienpflege und Gesundheit Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

ZEITSCHENKEN NESTWÄRME E.V.
Die Organisation nestwärme e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1999 Kontakt Petra Moske Gründerin und Vorstandsvorsitzende Christophstraße 1 54290 Trier (01 73) 7 05 50 55 petra.moske@nestwaerme.de www.nestwaerme.de Das Projekt Start des Projekts: 2003 Erreichte Personen: seit Projektstart: 1.030 Ehrenamtliche und 3.300 Familien; 2010: 800 Ehrenamtliche und 1.100 Familien Wirkungsregion: lokal, regional, landesweit, bundesweit Einnahmen 2008 2009 2010 Organisation 817.763 € 643.474 € 330.000 € Projekt 549.698 € 528.357 € 281.352 €

herausforderung

Entlastung von Eltern kranker Kinder Wo Kinder schwer krank sind, bleibt oft für nicht viel anderes Raum. nestwärme e.V. schenkt Eltern kranker Kinder Zeit für sich. In Deutschland leben über eine Million Familien, die ein chronisch krankes oder behindertes Kind zu Hause pflegen und betreuen – ein Vollzeit-Job, der Eltern oft physisch und psychisch an ihre persönlichen Grenzen bringt. Und leider auch oft genug an den Rand der Gesellschaft. Wer mit einem kranken Kind lebt, braucht Kraft: um den Alltag zu meistern, um Ängste zu bewältigen, um auch den gesunden Geschwisterkindern gerecht zu werden, um nicht nur Eltern, sondern auch Mann und Frau zu bleiben, um sich gegen Vorurteile der Gesellschaft und Hürden der Bürokratie durchzusetzen. Soziale Isolation ist bei pflegenden Familien keine Seltenheit. Ihnen fehlt oft das Gefühl, willkommen und angenommen zu sein – eben das Gefühl von Nestwärme.

Kontakt zwischen ZeitSchenkern und dem Verein hergestellt, es folgt eine eintägige Schulung. Bei der Auswahl der ZeitSchenker achtet der Verein auf soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeit und Lebenserfahrung der Ehrenamtlichen. Erst dann kommen Familien und ZeitSchenker zusammen. Die Betreuung der ZeitSchenker und der Familien erfolgt über regionale Teamleiter und lokale Moderatoren, die alle ehrenamtlich arbeiten. Gegenwärtig gibt es deutsche nestwärme-Teams in Trier, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Saarbrücken, Nürnberg und München. ZeitSchenken findet neue Engagierte und Familien durch geschickte lokale Kooperationen, z. B. mit Ehrenamtsbörsen und Kinderkliniken. Engagierten der Generation 55+ kommt bei ZeitSchenken eine besondere Rolle zu: Ursprünglich ausschließlich für diese Zielgruppe konzipiert, wurde das Projekt aufgrund der enormen Nachfrage für alle Altersgruppen geöffnet. Es dient somit als Beispiel dafür, wie ein Impuls von Älteren ausgehen und dann in die Gesellschaft eingebunden werden kann. Noch immer haben Ältere eine tragende Rolle im Projekt: Sie engagieren sich als Teamleiter (acht von zehn Teamleitern sind im Alter 55+), Moderatoren (79 von 110) oder als ZeitSchenker (426 von 658) – und gestalten mit ihrem Engagement den Charakter des Projekts und seiner Abläufe. Bei den Familien punkten die Älteren mit innerer Stärke und Gelassenheit im Umgang mit kranken oder behinderten Kindern, für den Verein ist das Erfahrungswissen wertvoll, weil so weniger grundlegende Schulungen nötig sind.

Mitarbeiter Organisation Projekt Hauptamtliche 5 5 Honorarkräfte 19 14 Ehrenamtliche 1.436 789

handlungsansatz

ZeitSchenken = Wertschätzung schenken ZeitSchenken ist ein erprobtes, niedrigschwelliges Konzept mit großer Reichweite, dessen zentraler Baustein das Vermitteln des Gefühls von Nestwärme ist. Das Projekt wendet sich an Familien, besonders an allein Erziehende, mit einem schwer kranken oder behinderten Kind, die dieses zu Hause pflegen und im „Dauereinsatz“ sind. Ehrenamtliche ZeitSchenker übernehmen die kleinen „Patienten“, z. B. einmal in der Woche. Durch einen Infoabend wird der

ZEITSCHENKEN NESTWÄRME E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 20 % F. 8 % A. 30 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

E. 2 % B. 41%
Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

A. B. C. E. F.

Spenden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

D.

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Enorme Reichweite, stetiges Wachstum nestwärme trifft Nerv und Bedarf der Zeit – auf Seiten der Familien wie auf Seiten der Ehrenamtlichen. Seit 2006 hat sich die Anzahl der Ehrenamtlichen auf fast 1.500 Engagierte vervierfacht. Das gilt auch für ZeitSchenken, das im Jahr 2003 mit 40 Ehrenamtlichen und 80 Familien startete und 2010 mit 789 Ehrenamtlichen 1.100 Familien betreute. Seit 2003 wurden so insgesamt rund 3.300 Familien erreicht. Derzeit erhält der Verein von Interessierten täglich rund 10 – 15 Anfragen online sowie 20 telefonisch. Über 140.000 ehrenamtliche Stunden investieren Teamleiter, Moderatoren und ZeitSchenker momentan pro Jahr in die Betreuung von Familien und die Koordination des Projekts. Eine systematische Wirkungsevaluation gibt es noch nicht, aber die Vielzahl anekdotischer Berichte über die Wirkungen des Projekts zeichnet folgendes Bild: Die Beteiligten des Projektes berichten, dass ZeitSchenken helfe, das Familiensystem stabil zu halten und den Eltern ermögliche, ihre wichtige Funktion weiter ausüben zu können. Die Einbindung von ehrenamtlichen Unterstützern helfe nicht nur, die Familie zu entlasten, sondern schlage auch eine Brücke zwischen Gesellschaft und den Familien, denn die Freiwilligen trügen ihre Erfahrung wieder in die Gesellschaft hinein und helfen so, ein allgemeines Bewusstsein für die Leistung dieser Familien zu schaffen.

empfehlungen

Wachstum und Evaluation unterstützen nestwärme verfolgt – trotz sinkender Einnahmen und stärkerer Fokussierung auf den Ausbau der angeschlossenen gGmbH – eine Wachstumsstrategie. Bis Ende 2011 sollen fünf neue Teams gegründet werden. Dies können Soziale Investoren unterstützen – durch eine Spende von ca. 70.000 Euro für den Aufbau eines Teams und dessen Betrieb für ein Jahr. Weitere 15.000 Euro würden für die Unterstützung der lokalen Standorte bei der eigenständigen Akquisearbeit verwendet. Auch wenn sich aus den Berichten ein grobes Bild der Wirkungen ableiten lässt, fehlen im Moment noch tatsächliche Wirkungsnachweise. Eine Unterstützung im Bereich Wirkungsmessung und Evaluation wäre daher sinnvoll und mit ca. 46.000 Euro zu finanzieren. nestwärme versteht es, unterschiedliche Formen des CSR-Engagements für Unternehmen anzubieten. Förderer können von dem sehr guten Außenauftritt der Organisation profitieren. Die Gründerinnen wirken durch ihre Authentizität und verfügen über enorme Überzeugungskraft. Es geht dabei um das „nestwärme-Gefühl“. Obwohl der Verein finanziell auf gesunden Füßen steht, erfüllt er das PHINEO-Kriterium „Finanzen & Controlling“ in nur akzeptabler Weise: Wünschenswert wäre eine transparentere Finanzberichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit. Der Jahresabschluss wird zwar von einem Wirtschaftsprüfer erstellt, aber nicht extern geprüft. Auch hier könnte ein Sozialer Investor z. B. mittels einer Pro-bonoPartnerschaft helfen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Betreuer/Kümmerer und Manager/ Koordinator für Familienpflege und Gesundheit Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

INTERNETCAFE „VON SENIOREN FÜR SENIOREN“ INTERNET „VON SENIOREN FÜR SENIOREN“ E.V.
Die Organisation Internet „Von Senioren für Senioren“ e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2005 Kontakt Herbert Schmidt 1. Vorsitzender Ludwigkai 12 97072 Würzburg (09 31) 40 46 845 schmidt@stufr.de www.i4s.de oder www.seniorenforum-wuerzburg.de Das Projekt Start des Projekts: 2000 Erreichte Personen: seit Projektstart: rund 17.000 Besucher im Internetcafe und mehr als 1.200 Teilnehmer an Kursen und themenorientierten Workshops; davon 2010: 217 Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen 2007 2008 2009 Organisation = Projekt 5.383 € 5.298 € 4.212 €

herausforderung

Senior-Offliner zu Junior-Onlinern machen 28 Prozent der Deutschen sind digitale Außenseiter, ein großer Anteil davon sind Senioren. Internet „Von Senioren für Senioren“ findet sich nicht damit ab, dass die Generation 55+ von Information und Kommunikation abgehängt wird. Im Internet geht fast alles: einkaufen, recherchieren, Behördengang, Kontakte pflegen quer über den Erdball. Oft finden ältere Menschen aber nur mühsam den Weg ins Netz. Häufig fehlen ihnen wichtige Computer-Kenntnisse oder sie trauen sich „einfach nicht ran“. Bei den Enkeln oder Kindern haben sie Hemmungen zu fragen, denn scheinbar ist ja alles so „easy“, dass eine „doofe“ Frage schon als Offenbarungseid der Rückständigkeit ankommen könnte. Und viele haben auch keinen eigenen PC oder nur das ausrangierte 58kModem des Enkels, so dass beim Surfen kein wirklicher Spaß aufkommt. Gerade Senioren können aber vom Netz profitieren, denn wo die Beine nicht mehr mitmachen, kann InternetShopping entlasten und der Brief an den Junior in Australien, der früher Wochen dauerte, ist heute in wenigen Sekunden da. Kontakte pflegen, Bankgeschäfte von zu Hause aus erledigen, sich verabreden oder Informationen über die Krankheitsdiagnose oder das Pflegeheim recherchieren – das geht über das Internet viel schneller und bequemer. Ältere gehen aber anders an das Internet heran als Jüngere und brauchen daher eine andere Ansprache. Die kriegen sie von den 55+-Engagierten bei Internet „Von Senioren für Senioren“.

handlungsansatz

Mitarbeiter Organisation = Projekt Hauptamtliche 0 Honorarkräfte 0 Ehrenamtliche 14

Mit eLSe im Café ins Internet Was Hänschen nicht lernt, kann Hans immer noch lernen. Aber Senioren lernen anders – das haben die Würzburger Senioren bereits vor zehn Jahren erkannt. Ziel ist es, mehr Senioren zur Internet-Nutzung zu bewegen. „Viel zu kompliziert!“, hört der Verein oft, allen voran der Gründer und Vereinsvorsitzende Herbert Schmidt. Schmidt versucht unermüdlich, den Älteren den Computer- und Online-Boykott auszureden. Neben persönlichen Überzeugungsversuchen stehen drei Ansätze im Vordergrund: die Möglichkeit, sich im Internetcafé unter geduldiger Anleitung auszuprobieren, das Portal „Seniorenforum Würzburg und Umgebung“ sowie Internet- und Computerkurse, u. a. des Programms eLSe. Das heißt „eLearning für Senioren“ und besteht aus einem eintägigen Einführungskurs und einer zweimonatigen E-Learningphase. Hier üben Senioren PC-Grundlagen von Excel bis Word, lernen Suchmaschinen zu bedienen und googeln dabei zum ersten Mal nach ihrem eigenen Namen. Sie entdecken, wie man sicher bei eBay und Co. shoppt. Im Fortgeschrittenen-Kurs skypen die Teilnehmer mit ihren Enkelkindern rund um die Welt. Berührungsängste mit der Technik werden abgebaut und Neugier auf die weite Welt des WWW wird geweckt. Das Vertrauen in die neue Technikwelt vermittelt der Verein glaubwürdig, weil auch die Helfer die 55+-Grenze überschritten haben. Deren Erfahrungswissen wird gezielt eingesetzt, sie kennen die Lern-Bedürfnisse der Älteren genau und passen sich daran an.

INTERNETCAFE „VON SENIOREN FÜR SENIOREN“ INTERNET „VON SENIOREN FÜR SENIOREN“ E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation A. 1%

akzeptabel

C. 35 % G. 58 % E. 6 %
A. B. C. E. F. Spenden Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

entwicklungsbedürftig unzureichend

D.

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

17.000 im Internetcafé, 60.000 im Seniorenforum Mit einem minimalen Finanzbudget ist es Internet „Von Senioren für Senioren“ gelungen, die Generation 55+ in Würzburg mit dem Internet vertraut zu machen. Mehr als ein Viertel der über 130.000 Einwohner Würzburgs ist über 55 Jahre alt. Seit dem Start im Jahr 2000 haben mehr als 17.000 Besucher das Internetcafé aufgesucht. Bisher hat „Von Senioren für Senioren“ mehr als 1.200 Teilnehmer in Internet- und Computerkursen geschult. 2010 waren es 217 Kursteilnehmer, mit im Schnitt 14 Teilnehmern sind die Kurse so klein, dass die Älteren geduldig betreut werden können. Das Portal „Seniorenforum für Würzburg und Umgebung“ hat seit seinem Launch im Januar 2010 über 60.000 Besucher angezogen. Dieses hervorragende Ergebnis zeigt, dass der Verein die Sprache der älteren Zielgruppe spricht und deren Informationsbedürfnis genau trifft. Allerdings kommen die Nutzer vor allem des Internetcafés und der Kurse bzw. Workshops noch nahezu ausschließlich aus dem Stadtgebiet Würzburg. Nüchterne Zahlen sind das eine, persönliche Erfolgsgeschichten das andere. Einige Jahre ist es inzwischen her, dass ein Senior im Internetcafé seine erste E-Mail an seinen nach Australien ausgewanderten Sohn schickte. Schon kurze Zeit später hatte er die Antwort in seinem Posteingang. Das war für ihn so beeindruckend, dass er jetzt überwiegend auf „elektronisch“ umgestellt hat und seither viel öfter mit Verwandten und alten Freunden in Kontakt ist.

empfehlungen

Nachwuchs sichern, eLSe exportieren Der Verein begeistert mit viel Elan Senioren für das Internet. Mit erprobtem Konzept und klaren Vorstellungen macht er Senioren zu Onlinern. Ein Sozialer Investor muss bereit sein, eine von starken Persönlichkeiten ehrenamtlich getragene Organisation zu unterstützen und diesen die Freiheit zu geben, ihre Ideen selbstständig umzusetzen. Trotz der hervorragenden Zahlen an Besuchern, Kursteilnehmern und Internet-Nutzern sind auch in Würzburg und Umgebung noch viele Senioren „offline“. Um mehr Werbung zu machen, würde Internet „Von Senioren für Senioren“ eine Spende von 200 Euro für einen Flyer verwenden. So könnte der Verein auch neue Mitarbeiter ansprechen: Eine gezielte „Nachwuchsförderung“ ist wichtig, denn der Verein wird gegenwärtig vor allem von den beiden Vorstandsmitgliedern getragen, die beide schon länger die 70 überschritten haben. Damit die Senioren nicht auf „lahmen Krücken“ das Internet kennen lernen müssen, würde eine Spende von 2.000 Euro für Hard- und SoftwareUpdates verwendet. Um noch mehr Senioren, vor allem im Landkreis, zu erreichen (hier leben rund 60.000 55+ler), hat der Verein das Projekt „Internet für alle“ aufgesetzt. In dessen Rahmen soll eLSe aufs Land exportiert werden und in lokalen Kooperationen, z. B. mit Stadtbibliotheken, zu den Menschen kommen. Eine Spende von 1.000 Euro würde dafür verwendet, für dieses Projekt ehrenamtliche Helfer vor Ort zu suchen und zu schulen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Trainer/Wissens-Weitergeber und Initiator für Senioren-Medienkompetenz Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Magdeburger Senioren und ausländische Studenten im Dialog Seniorenvertretung der Landeshauptstadt Magdeburg e.V.
Die Organisation Seniorenvertretung der Landeshauptstadt Magdeburg e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1992 Kontakt Gisela Meinschenk Projektverantwortliche Dodendorfer Straße 114 39120 Magdeburg (03 91) 6 29 27 19 seniorenvertretung-md@web.de www.seniorenvertretung-md.de Das Projekt Start des Projekts: 2002 Erreichte Personen: 2010: 230 Studenten, 125 Betreuungspartner; seit Projektstart: 450 Studenten, 150 Betreuungspartner Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 2008 2009 2010 Organisation 13.437 € 12.029 € 17.108 € Projekt 2.000 € 2.000 € 2.000 €

herausforderung

Heimweh und Vorurteile überwinden Ausländische Studierende haben es in Deutschland nicht immer ganz leicht. Magdeburger Senioren unterstützen sie dabei, den Alltag zu bewältigen und die deutsche Sprache zu erlernen. Schrippe, Wecken, Brötchen, Rundstück, Knüppel, Semmel – schon die Bestellung beim Bäcker kann zu Irritationen führen. Wenn ein junger Mensch zum Studium ins Ausland geht, steht er noch vor einigen Herausforderungen mehr: Er versteht die Sprache kaum, muss Behördengänge erledigen, eine Wohnung finden und sich nebenbei an all die kleinen kulturellen Unterschiede gewöhnen, die das Leben täglich prägen. Freunde und Familie sind weit weg. Neue Freunde sind zwar manchmal schnell gefunden – unter den ebenfalls ausländischen Studierenden. Wer aber Land und Leute näher kennen lernen will, hat es oft schwer, Kontakt zu finden. Sprachschwierigkeiten, Vorurteile und wenig Kontaktmöglichkeiten mit den Einheimischen stehen einer „Integration auf Zeit“ im Weg. Am schnellsten geht die Eingewöhnung, wenn ein Einheimischer den jungen Gaststudenten begleitet. Auch in Städten wie Magdeburg, in denen in der Vergangenheit auch fremdenfeindliche Übergriffe Schlagzeilen machten, ist ein klares Bekenntnis zum Fremden nicht nur persönliche Hilfe, sondern auch politisches Statement. Denn ihr Bild von Deutschland nehmen die Studenten mit in ihr Heimatland – und es sollte ein Gutes sein.

handlungsansatz

Helfende Hand und Familienanschluss Die damals 79-jährige Gertrud Vogler stellte 2002 als 55+-Studentin an der Uni Magdeburg fest, dass ihre jungen ausländischen Mitstudierenden Anschlussschwierigkeiten in der neuen Heimat hatten. Die Idee zum FamilienStudenten-Patenschaftsprojekt war geboren. Magdeburger Senioren bieten seit fast zehn Jahren ausländischen Studierenden individuell die Hilfe, die sie beim Einleben in ihre zeitweilige Wahlheimat Magdeburg brauchen. Zu Semesterbeginn treffen sich Senioren, Studenteninitiativen und Auslandsämter der beiden Hochschulen Magdeburgs, um Aktionen für ausländische Studenten zu organisieren. Die rüstigen Rentner schaffen dann für die Gäste einen Familienanschluss, indem sie Studierende aller Nationen in Familien vermitteln. Hier lernen die Neuankömmlinge den deutschen Familienalltag hautnah kennen. Die Familien – überwiegend die 55+-Familienmitglieder – gehen mit den Gaststudenten zu Behörden, üben mit ihnen Deutsch-Sprechen und laden sie zum Weihnachtsessen ein. Das Projekt ist ein Puzzleteil eines größeren Gesamtkonzepts. Die Arbeitsgruppe „Dialog der Generationen“ bringt nicht nur „einheimisch“ und „ausländisch“ zusammen, sondern auch „alt“ und „jung“. Die Koordination des Projekts wird ausschließlich durch ehrenamtlich arbeitende Ältere realisiert, die sich mit viel Herz und ihrem Erfahrungswissen für die Integration der ausländischen Studenten und ein positives Miteinander in Magdeburg einsetzen.

Mitarbeiter	 Organisation Projekt Hauptamtliche	 0 0 Honorarkräfte 0 0 Ehrenamtliche 200 150

MAGDEBURGER SENIoREN UND AUSLÄNDIScHE StUDENtEN IM DIALoG SENIoRENVERtREtUNG DER LANDESHAUPtStADt MAGDEBURG E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation F. 58 % A. 33 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

B. 9 %
A. B. C. E. F. Spenden Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

D.

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Fremde werden Freunde Mehr als 1.300 ausländische Studierende leben in Magdeburg. Die Seniorenvertretung erreicht jährlich 300 von ihnen mit einem einfachen Informations- und Kontaktangebot (Stadtführung, Grillnachmittag, Plätzchenbacken etc.). Eine „Ersatzfamilie“ haben 2010 230 Studierende gefunden, seit Projektstart insgesamt 450. Seit 2002 hat sich die Anzahl der teilnehmenden verzehnfacht. Gegenwärtig sind 125 Betreuungspartner und 25 weitere Ehrenamtliche im Projekt aktiv. Im Schnitt hält der Familienanschluss so lange, wie der Gaststudent in Magdeburg lebt. Abbrüche der Familien-Studenten-Patenschaft kommen kaum vor, was für die besondere Beziehung zwischen Studierenden und Familien spricht. Ein weiteres Zeichen dafür: Der Kontakt zwischen den Betreuungspartnern und Studierenden bleibt zum teil nach Ablauf des Aufenthaltes in Magdeburg erhalten und es gab auch bereits Gegenbesuche in den Ländern der Studierenden. Das Projekt geht in seiner Wirkung deutlich über die Ebene der Hilfe für einzelne Studierende hinaus. Die gelebte Fremdenfreundlichkeit strahlt positiv auf Magdeburg und die Region aus. Auch in den Herkunftsländern der Studierenden hat sich die respektvolle und herzliche Betreuung herumgesprochen: Die Universität chendy in china empfiehlt ihren Nachwuchswissenschaftlern explizit wegen der 55+-Fürsorge ein Studium in Magdeburg. Ein positiveres Bild kann sich eine Universitätsstadt nicht wünschen – den Senioren Magdeburgs sei Dank.

empfehlungen

Grenzen durch Wachstum überwinden Der Verein arbeitet rein ehrenamtlich und konnte über Magdeburg hinaus große Anerkennung gewinnen. Hier wirkt Engagement 55+ in vorbildlicher Weise. Die persönlichen Belastungsgrenzen der vollständig ehrenamtlich Mitarbeitenden sind jedoch durch die zunehmenden Aktivitäten erreicht. Wichtig wäre, dass sich weitere Ehrenamtliche der Generation 55+ an der Koordination des Projekts verantwortlich beteiligen. Für ein professionelles Konzept zur Gewinnung von „jungen Alten“, die auch langfristig das Projekt tragen können, wäre eine Spende von 5.000 Euro hilfreich. Wirkungsmessung kann mit den knappen Ressourcen kaum stattfinden. Ein Betrag von 10.000 Euro würde investiert, um z. B. die Wirkung auf die Studienergebnisse der Studierenden, die Fremdenfreundlichkeit in Magdeburg und Umgebung oder das Deutschland-Bild der ausländischen Studierenden zu untersuchen. Insofern ist das Projekt auch interessant für Soziale Investoren, die einen Beitrag zur Verbesserung des DeutschlandBildes im Ausland leisten möchten. Hierzu könnte auch eine Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit der Seniorenvertretung beitragen, für die 3.000 Euro eingesetzt würden. In Anbetracht einer angekündigten Kürzung der Mittel aus öffentlicher Hand wäre ein Betrag von 1.000 Euro für die weitere Umsetzung der Projektaktivitäten hilfreich. Ideen von Sozialen Investoren zur Verstetigung der Projektansätze sind beim ehrenamtlichen Vorstand besonders willkommen.

Analysiert und empfohlen im themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Pate und Manager/Koordinator für Bildung und Integration Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEo erhältlich.

HAFtUNGSAUSScHLUSS: Ansprüche gegen PHINEo aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

SENIORPARTNER IN SCHOOL BUNDESVERBAND SENIORPARTNER IN SCHOOL E.V.
Die Organisation Bundesverband Seniorpartner in School e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2009 Kontakt Dr. Friedrich Wrede 2. Vorsitzender Breslauer Platz 1 12159 Berlin (0 30) 62 72 80 96 f.wrede@seniorpartnerinschool.de www.seniorpartnerinschool.de Das Projekt Start des Projekts: 2009 Erreichte Personen: 11 Landesverbände mit rund 800 Seniorpartnern Wirkungsregion: lokal, regional, landesweit, bundesweit Einnahmen 2009 2010 Organisation = Projekt 30.046 € 32.250 €

herausforderung

Qualität und Wachstum sichern Wenn Projekte Exportschlager werden, ist Mut zur Veränderung und Organisation von Schlagkraft gefragt. Der Bundesverband Seniorpartner in School skaliert ein 55+-Mentorenprojekt bundesweit. Das Projekt Seniorpartner in School ist ein Mentorenprojekt, das 2001 in Berlin gegründet wurde. Engagierte der Generation 55+ wurden zu Schulmediatoren ausgebildet, die Kinder und Jugendlichen bei der gewaltfreien Lösung von Konflikten in der Schule helfen. Das Konzept funktionierte gut, die Basis an Seniorpartnern und Partnerschulen wuchs beständig. 2005 wurde Seniorpartner in School zum ersten Mal exportiert und der Landesverband NRW gegründet. 2009 waren etwa 750 zu Seniorpartnern ausgebildete 55+-Engagierte in 204 Partnerschulen in neun Bundesländern im Einsatz. Das immense Wachstum des rein ehrenamtlichen Projekts ließ Zukunftsfragen aufkommen: Wie stimmt man sich miteinander ab, wenn es wegen der Größe und Streuung der Organisation nicht mehr „über den Tisch“ geht. Wie kann man die Qualität des SeniorpartnerEngagements langfristig sichern, wie kann man einen Qualitätsstandard einführen? Wie stellt man ein einheitliches Auftreten sicher? Wie wird man zu einem anerkannten Verhandlungspartner? Wie erreicht man das Ziel, langfristig an jeder Schule Deutschlands Seniorpartner in School zu stellen?

handlungsansatz

Mitarbeiter Organisation = Projekt Hauptamtliche 0 Honorarkräfte 1 Ehrenamtliche 25

Anstoßen, bündeln, mitnehmen Die Antwort der Landesverbände der Seniorpartner in School auf das Wachstum und die Frage der Qualitätssicherung: Wir gründen einen Dachverband. Dieser soll die Koordination des weiteren Wachstums übernehmen. Ein wichtiges erstes Anliegen: die Sicherstellung der Qualifizierung der Seniorpartner. Was über die Jahre gewachsen ist und in eine 80-stündige Ausbildung von 55+-Engagierten zu Schulmediatoren mündete, soll nun zu einem Qualitätsstandard weiterentwickelt werden. Der Bundesverband hat dafür eine Qualitätsmanagement-(QM-)Beauftragte bestellt, die die QM-Beauftragten der Landesverbände koordiniert und einbindet. Einheitlichkeit ist auch in anderen Bereichen das entscheidende Schlagwort: Der Außenauftritt, die Organisationsstruktur und der Aufbau neuer Landesverbände sollen mit dem Dachverband eine Handschrift bekommen, die den Kern von Seniorpartner in School vermittelt und den Geist der ursprünglichen Gründung trägt. Der Bundesverband ist in einem Delegiertensystem organisiert und arbeitet nahezu rein ehrenamtlich. Die Landesverbände werden in der beschlussfassenden Hauptversammlung des Bundesverbands durch je ihren Landesvorsitzenden sowie durch je nach Mitgliederzahlen des Landesverbands bis zu drei Delegierte vertreten. Der Vorstand des Bundesverbands wird aus diesen gegenwärtig 25 Abgeordneten aus den Landesverbänden gewählt. Alle Vertreter der Hauptversammlung gehören der Generation 55+ an.

SENIORPARTNER IN SCHOOL BUNDESVERBAND SENIORPARTNER IN SCHOOL E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation D. 100 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

A. B. C. E. F.

Spenden

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Schlagkräftig und effizient Gegenwärtig sind 800 Seniorpartner an über 200 Schulen in elf Landesverbänden im Einsatz. Der Bundesverband hat seit seiner Gründung 2009 einiges geschafft: Die Landesverbände Hamburg und Bayern wurden bei der Gründung begleitet. Ein funktionierendes Organisationssystem inklusive Verantwortungsklärung zwischen Bundesverband und Landesverbänden wurde aufgebaut. Der Online-Auftritt und die wichtigsten Kommunikationsbotschaften wurden vereinheitlicht. Eine dreijährige Gründungsfinanzierung in Höhe von 90.000 Euro durch den Generali Zukunftsfonds wurde akquiriert. Der Dachverband wird als „Verhandlungspartner auf Augenhöhe“ von Ministerien und Förderern wahrgenommen. Die organisatorische und konzeptionelle Stärke des Bundesverbands zeigt sich nicht zuletzt in der PHINEOEinschätzung in den Kriterien „Ziele & Zielgruppen“ und „Leitungsgremien & Personalmanagement“: herausragende fünf Sterne. Die Gründung des Bundesverbands ist nicht nur eine Maßnahme der Qualität, sondern auch der Effizienz: Die Landesverbände werden von Aufgaben entlastet, die eine Dachorganisation wirkungsvoller übernehmen kann. Monitoring-Ergebnisse im Sinne „harter Zahlen“ liegen für den Bundesverband noch nicht vor. Es lässt sich aber erkennen, dass aus der Erfahrung und dem Wissen der Landesverbände gelernt wird. Trotz der Einschränkungen in der Nachweisbarkeit lassen sich gute Ansätze für eine lernfähige Organisation erkennen.

empfehlungen

Infrastrukturen fördern Der große Erfolg der Gründungsphase, einen Sozialen Investor von der Anschubfinanzierung überzeugt zu haben, reicht nicht für die Sicherung eines mittelfristig tragfähigen Finanzierungskonzepts aus. Eine dauerhafte Absicherung und Wachstumsfinanzierung des Bundesverbands ist nötig. Dies ist der Hintergrund der Bewertung beim PHINEO-Kriterium „Finanzierungskonzept & Fundraising“ mit nur „akzeptabel“. Ein Sozialer Investor kann aber genau hier ansetzen: Mit einer (Teil-)Grundfinanzierung kann hier mit verhältnismäßig wenig viel erreicht werden. 5.000 Euro würden für die Entwicklung eines Fundraisingkonzepts verwendet werden, das die Existenz des Bundesverbands langfristig sichert. Für die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems würde eine Spende von 10.000 Euro verwendet werden. Dieses wiederum könnte gut auf die Ergebnisse einer Wirkungsmessung zurückgreifen, die für 10.000 Euro in Angriff genommen werden könnte. Eine Neugründung in den neuen Bundesländern könnte mit 35.000 Euro umgesetzt werden. Der Bundesverband sucht Geldgeber, die sich langfristig an einer Infrastrukturförderung beteiligen. Ein Sozialer Investor muss sich daher bewusst entscheiden, hier nicht das Projekt Seniorpartner in School „direkt“, sondern den Überbau zu finanzieren. Er kann so eine Projektstruktur unterstützen, die rein ehrenamtlich in Engagement 55+ betrieben wird und geeignet ist, die Gesellschaft durch den Aufbau von zivilgesellschaftlichen Strukturen zu stärken.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Interessenvertreter/Kommunikator und Netzwerker eines Dachverbands. Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

SENIORTRAINER – WIEDER VON DEN ALTEN LERNEN UMWELTBILDUNGSZENTRUM LICHERODE E.V.
Die Organisation Umweltbildungszentrum Licherode e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1993 Kontakt Klaus Adamaschek Geschäftsführer Lindenstraße 14 36211 Alheim-Licherode (0 56 64) 9 48 60 oekonetz.licherode@t-online.de www.oekologische-bildung.de Das Projekt Start des Projekts: 2001 Erreichte Personen: seit Projektstart: ca. 15.000 Kinder/Jugendliche, 75 Seniortrainer; 2010: 1.500 Kinder/ Jugendliche, 45 Seniortrainer Wirkungsregion: lokal, regional, landesweit Einnahmen 2008 2009 2010 Organisation 469.071 € 457.479 € 620.981 € Projekt 16.000 € 16.000 € 22.500 €

herausforderung

Natur glaubhaft vermitteln Steinzeit-Schafe züchten, Bienenhotels bauen, Energiesklaven im Haushalt befreien – beim Umweltbildungszentrum Licherode werden Engagierte der Generation 55+ Umwelt-Seniortrainer für Kinder und Jugendliche. Ältere Menschen wollen sich engagieren, am liebsten in Projekten, für die sie schon jahrelange fachliche Erfahrung mitbringen. Denn warum sollte das ganze Erfahrungswissen auf einmal nicht mehr wertvoll sein? Viele ältere Menschen haben direktere Erfahrungen mit Anbau und Herstellung von Nahrungsmitteln, ökologischen Zusammenhängen oder natürlichen Baustoffen als heutige Kinder und Jugendliche. Sei es, weil sie das als Kind noch gelernt haben, weil sie sich ihr Leben lang dafür interessiert haben oder weil sie einen entsprechenden Beruf ausgeübt haben. Kinder und Jugendliche von heute brauchen diese direkte Naturerfahrung, um selbst achtsamer und vorausschauender mit der Natur umgehen zu können. Denn wer weiß, dass Kühe nicht lila sind, kann sich ein eigenes Bild von einer naturgemäßen Herstellung von Lebensmitteln machen. Eine authentische Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten im Umgang mit der Natur kann Schule nur selten allein leisten. Wenn sie gezielt dafür genutzt werden, können Ältere eine wichtige Bereicherung für das Bildungsangebot von Kindern und Jugendlichen sein und Schulen und andere Bildungseinrichtungen beim praktischen Umweltunterricht unterstützen.

handlungsansatz

Erfahrung + Qualifizierung = Seniortrainer Ein 62-jähriger ehemaliger Werkzeugmachermeister baut mit Kindern ein Mini-Blockheizkraftwerk: als Seniortrainer, der qualifiziert und koordiniert vom Umweltbildungszentrum Licherode im Einsatz für die Vermittlung von Umwelt-Erfahrungswissen an Kinder und Jugendliche in Nordhessen ist. Licherode bringt Generationen für die Umweltbildung zusammen: Ausbildung, Vermittlung und Beratung sind die drei Säulen. Das Zentrum bildet Seniortrainer in einem 60-stündigen Lehrgang aus, in dem sie methodisch-didaktische Hilfe für die Arbeit als Seniortrainer bekommen. Den Lehrgang schließen die Seniortrainer mit einem Praxisprojekt ab, das auch die Basis für das künftige Trainer-Profil ist. Das Alter hat nämlich viele Gesichter, entsprechend breit ist das Erfahrungsspektrum: Jeder Seniortrainer bietet das an, für das er sich selbst begeistert. Die Teilnehmer erhalten das anerkannte Zertifikat „Seniortrainer für Kinder und Jugendliche“ – quasi die Eintrittskarte für den Einsatz an Kitas und Schulen der Region. Das Umweltbildungszentrum Licherode managt auch die passgenaue Vermittlung zwischen Schulen/Kitas und Seniortrainern und stellt erfolgsfördernde „Einsatzregeln“ sicher, z. B. dass Seniortrainer vor Ort durch eine Lehrkraft begleitet werden oder der Seniortrainer versicherungsrechtlich abgesichert ist. Eine langfristige Betreuung durch ehrenamtliche Seniorberater und Weiterqualifizierung der Seniortrainer runden den herausragenden Ansatz ab.

Mitarbeiter Organisation Projekt Hauptamtliche 25 4 Honorarkräfte 8 2 Ehrenamtliche 400 60

SENIORTRAINER – WIEDER VON DEN ALTEN LERNEN UMWELTBILDUNGSZENTRUM LICHERODE E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation H. 3 % A. 24 % C. 1% F. 19 %
A. B. C. E. F. Spenden

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

G. 54 %

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Wirkung auf allen Ebenen Im Moment sind 45 Seniortrainer aktiv, die 2010 über 1.500 Kindern und Jugendlichen praktischen Umweltunterricht gegeben haben. Bisher wurden 75 Seniortrainer ausgebildet, die für ihre Qualifizierung 4.500 Stunden Zeit investiert haben. Insgesamt wurden bisher an 24 Schulen und Kitas 6.000 Einsatzstunden von Seniortrainern geleistet. 15.000 Kinder und Jugendliche profitierten seit 2001 davon. Eine Evaluation der Modellphase zeigt, dass Kinder und Jugendliche das gemeinsame Lernen mit den Seniortrainern als beeindruckend empfinden. Die Senioren verfügen über Fähigkeiten und Wissen, die bei den eigenen Eltern oft nicht mehr zu finden sind. Ein wichtiges Ergebnis für die Region ist der Aufbau der SeniortrainerDatenbank, in der das Erfahrungswissen der Region kompakt gespeichert ist. Dem Umweltbildungszentrum ist es gelungen, das „dicke Brett“ Schule zu bohren und ganzheitliche Umweltbildung an den Schulen der Region zu verankern. Die Licheröder und die Seniortrainer selbst konnten die Schulen davon überzeugen, dass der Einsatz von Seniortrainern trotz engen Lehrplans im System Schule möglich und nützlich ist. „Im Prinzip wird hier mit wenig Mitteln sehr viel erreicht“, lautet das Fazit einer Schulleiterin. Die Seniortrainer berichten, dass sie sich durch die neuen Erfahrungen ermutigt fühlen, sich auch in anderen Lebensbereichen aktiver einzumischen, dass sie sich wieder stärker „mitten im Leben“ fühlen.

empfehlungen

Qualität durch Verstetigung sichern Licherode hat einen herausragenden Handlungsansatz gefunden, der das Erfahrungswissen der Generation 55+ gezielt nutzt und ihnen ein attraktives Engagementfeld mit großen Freiheitsgraden bietet. Eine hervorragende „Rundum“-Koordination und die Aufmerksamkeit für Details halten die aktiven 55+ler bei der Stange und sichern die organisatorische Stabilität des Projekts. Konzeptionell interessierte Soziale Investoren, die auf laufende Qualitätsentwicklung Wert legen, sind hier gut aufgehoben. Das Zentrum schafft es immer wieder, innovative Projekte zu entwickeln und zu verstetigen. Die Seniortrainer sind nach der Modellphase ebenfalls in der Verstetigungs- und Ausweitungsphase. 20.000 Euro würden für die Co-Finanzierung des Lehrgangs zur Ausbildung von 20 weiteren Seniortrainern eingesetzt. Auch wenn die Zielgruppen das Angebot der Seniortrainer sehr gut annehmen, könnte noch eine stärkere Ausweitung auf ältere Schüler vorgenommen werden. Momentan sind mehr Schulklassen jüngerer Jahrgänge am Programm beteiligt und auch die Seniortrainer ziehen häufig den Einsatz bei jüngeren Schülern vor. 15.000 Euro würden dafür verwendet, um weiterführende Schulen von einem Seniortrainer-Einsatz zu überzeugen und Seniortrainer gezielter auf die Arbeit mit älteren Schülern, z. B. durch Praxisberatung, vorzubereiten. 5.000 Euro könnten helfen, an bis zu zwölf Schulen mit sozial schwachem Umfeld einen Projekttag durchzuführen.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Trainer/Wissens-Weitergeber und Manager/Koordinator für Umweltbildung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

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Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

Mobile Wohnberatung Südniedersachsen – Wohnen, wo ich hingehöre

Freie Altenarbeit Göttingen e.V.

Die Organisation Freie Altenarbeit Göttingen e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1986 Kontakt Günther Schierloh Projektmanager Am Goldgraben 14 37073 Göttingen (05 51) 4 36 06 wohnberatungs-mobil@t-online.de www.freiealtenarbeitgoettingen.de Das Projekt Start des Projekts: 2008 Erreichte Personen: seit Projektstart: ca. 20.000; 2010: 6.000 Personen (40 Veranstaltungen mit jeweils ca. 150 Personen), 70 Wohnberatungen Wirkungsregion: lokal, regional, landesweit Einnahmen	 2007 2008 2009 Organisation Projekt 202.000 € – 248.159 € 72.000 € 215.681 € 72.000 €

herausforderung

Wohnen im Alter Auch im Alter möchte man noch da „wohnen, wo man hingehört“. Die mobile Wohnberatung Südniedersachsen macht altersgerechtes Wohnen in Stadt und Land möglich. Das Alter ist verbunden mit Einschränkungen. Selbst die eigene Wohnung kann zu einer Herausforderung werden, wenn man als alter Mensch nicht mehr so gut laufen oder Treppen steigen kann. Für die selbstständige Lebensführung werden dann zunehmend Hilfestellungen notwendig. Die eigenen Kinder wohnen vielleicht an einem anderen Ort und den Nachbarn möchte man nicht zur Last fallen. Da durch den demografischen Wandel die Zahl älterer Menschen stetig zunimmt, sind Lösungen gefragt, die die Tatsache im Blick haben, dass Menschen in ihren gewachsenen Lebensräumen alt werden möchten, auch wenn sie nicht mehr topfit sind. Wenn in Zukunft immer mehr Menschen in Städten wohnen, hat dies im Gegenzug auf dem Land zur Folge, dass dort die Infrastruktur abnimmt. Alte Menschen werden es hier schwerer haben, weil soziale Strukturen wegfallen, altersgerechtes Wohnen auf dem Land kaum ein Thema ist oder vor allem kleine Gemeinden nicht mehr per ÖPNV erreichbar sind. Wo Regionen, wie in Südniedersachen, demografisch ausbluten, müssen alle Möglichkeiten altersgemäßen Wohnens genutzt werden.

handlungsansatz

Mitarbeiter	 Organisation Projekt Hauptamtliche 3 3 Honorarkräfte 6 3 Ehrenamtliche 40 24

Mobil auf dem Land unterwegs Als Projekt von Älteren für Ältere kommt die mobile Wohnberatung dorthin, wo Menschen wohnen und wohnen bleiben wollen. Als Vorreiter des Wohnmodells „Alten-WG“ hat die Freie Altenarbeit Göttingen erkannt, dass es auch im Alter nicht „die eine“ Wohnform gibt, sondern jeder wählen können sollte, wie er wohnen will. Mit der mobilen Wohnberatung erreicht der Verein die Menschen im ländlichen Raum. Wenn die Dusche zu rutschig, die Tür zu eng oder das Einkaufen zu mühselig wird, sagen die mobilen Wohnberater, wie man schon mit kleinen Veränderungen so viel erreicht, dass man zu Hause wohnen bleiben kann. Im Mittelpunkt steht der ältere Mensch, der sein Leben aktiv gestaltet. Die Beratung richtet sich auch an Menschen, die Vorsorge treffen wollen, und an Angehörige, die Entlastung bei der Versorgung von Familienmitgliedern brauchen. Das Besondere: Die Wohnberater kommen dorthin, wo schon lange kein Zug mehr hält. Mit dem Beratungskleinbus erreicht die mobile Wohnberatung auch Hilfesuchende „auf dem platten Land“. Die Beratung macht nicht bei der Wohnraumanpassung halt, sondern will darüber hinaus tragfähige Strukturen der generationenübergreifenden Nachbarschaftshilfe aufbauen. So soll der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden, der für die gegenseitige Unterstützung notwendig ist. Der Verein hat erkannt, wie wichtig Strukturbildung ist, und vernetzt sich deshalb mit Kooperationspartnern der Seniorenhilfe vor Ort.

MOBILE WOHNBERATUNG SüDNIEDERSAcHSEN – WOHNEN, WO IcH HINGEHÖRE

FREIE ALTENARBEIT GÖTTINGEN E.V.
Legende
sehr gut gut

Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit

herausragend

Finanzierungsquellen der Organisation G. 44 % H. 1% A. 6 % F. 37 %
A. B. C. E. F. Spenden

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

C. 3 %

B. 8 %

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige Öffentliche Gelder

G. H.

resultate

Bedürfnis getroffen, Bedarf wächst Dem Verein gelingt es, individuelle Wohnberatung für Ältere mit einem ganzheitlichen Konzept der Nachbarschaftshilfe zu verbinden. Wegen dieser Zielgruppen-Passgenauigkeit, dem einfachen, aber wirkungsvollen Ansatz der mobilen Beratung vor Ort und der starken Vernetzung mit allen relevanten Akteuren erhält die Freie Altenarbeit Göttingen zweimal herausragende fünf Sterne bei der PHINEOBewertung des Wirkungspotentials. Mehr als 6.000 Menschen in Südniedersachsen konnte die mobile Wohnberatung über eigene Veranstaltungen und die Beteiligung an Informationsständen mit dem Bus im Jahr 2010 über Wohnraumanpassung im Alter informieren, im Schnitt kamen 150 Personen pro Veranstaltung. 50 mobile Wohnberatungen hat der Verein vor Ort durchgeführt, die Tendenz und Nachfrage nach Wohnraumberatung ist stark steigend: Pro Tag erhält der Verein bis zu fünf Beratungsanfragen. In 20 Wohnungen wurden bisher Wohnungsanpassungen vorgenommen. Bis jetzt wurden 40 ehrenamtliche Wohnberater/-innen ausgebildet. Weil dem Verein individuelle Wohnraumanpassungen nicht genügen, sondern für ihn das Konzept der Nachbarschaftshilfe einen ebenso großen Stellenwert hat, wurden bereits einige Nachbarschaftsinitiativen gegründet, z. B. in Göttingen-Leineberg, Göttingen-Nikolausberg und Osterode.

empfehlungen

Mit Sicherheit Kreativität fördern Interessant ist die Organisation für Soziale Investoren, die sich für Lösungen von Problemen einer alternden Gesellschaft einsetzen wollen und dabei die Sicherheit einer professionellen Organisation schätzen, andererseits aber offen genug sind, kreativen neuen Ideen eine chance zu geben. Langfristig will die Freie Altenarbeit Göttingen die Abhängigkeit von öffentlichen Geldern verringern. Soziale Investoren können bei dem Verein gleichermaßen wirkungsvoll zur Strukturbildung als auch zur Ausweitung des Projekts beitragen. Es soll ein flächendeckendes Wohnberatungsangebot entstehen. Langfristig wird das Ziel verfolgt, die mobile Wohnberatung auf Bundesebene als Modellprojekt zu etablieren. Um diesem Ziel näher zu kommen, wäre eine Spende von 12.000 Euro insbesondere für die Entwicklung einer Etablierungsstrategie willkommen. Dafür wäre auch die Investition in Wirkungsmessung und Evaluation sinnvoll, für die der Verein 4.000 Euro benötigt. Insbesondere Kundenbefragungen und systematische Wirkungsanalysen an den verschiedenen Schnittstellen werden vom Verein als wünschenswert angesehen. Die Organisation würde auf operativer Projektebene 7.000 Euro für die Ausstattung des Beratungsbusses z. B. mit Beratungskoffer, technischen Hilfsmittelbeispielen oder mobilem Drucker einsetzen. Darüber hinaus fehlen dem Verein Mittel in Höhe von 30.000 Euro für eine dringend benötigte hauptamtliche Sekretärin.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Berater und Manager/Koordinator für altersgerechtes Wohnen Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSScHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen

Vermittlung von Zeitzeugen Zeitzeugenbörse e.V.
Die Organisation Zeitzeugenbörse e. V.

Rechtsform

eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1993 Kontakt Dr. Gertrud Achinger Stellvertretende Vorsitzende Ackerstraße 13 10115 Berlin (0 30) 3 22 89 98 info@zeitzeugenboerse.de www.zeitzeugenboerse.de Das Projekt Start des Projekts: 1993 Erreichte Personen: 2010: 2.635 (176 Zeitzeugen, 212 Vermittlungsanfragen, rund 2.000 erreichte Zuhörer); seit Projektstart: rund 29.000 insgesamt (bei ca. 4.050 Zeitzeugeneinsätzen) Wirkungsregion: lokal Einnahmen 		 Organisation = Projekt 2008 13.627 € 2009 19.326 € 2010 18.695 € Mitarbeiter		 Organisation = Projekt Hauptamtliche	 0 Honorarkräfte 1 Ehrenamtliche 195

herausforderung

Wenn Menschen sterben, stirbt Geschichte Was passierte außer dem, was in den Geschichtsbüchern steht? Die Zeitzeugenbörse lässt die vergängliche Ressource der persönlichen Erinnerung in nachfolgenden Generationen weiterleben. Wie war die Kindheit und Jugend im Nachkriegsberlin, mit welchen Problemen waren die Menschen in der DDR konfrontiert, was fühlten und dachten sie? Wenn eine Gesellschaft ihre heutige Verortung verstehen möchte, dann braucht sie Wissen über ihre Vergangenheit. Geschichtsbücher vermitteln dieses Wissen nur abstrakt, Medien arbeiten häufig mit Stereotypen. Viel greifbarer wird Geschichte, füllt man sie mit Leben: mit Menschen, die Ereignisse und Entwicklungen der Zeitgeschichte anhand ihrer persönlichen Erlebnisse ganz praktisch darstellen. Aber nicht jeder hat eine solche Person im Familien- oder Bekanntenkreis. Und nicht jeder, der erzählen kann, „wie es damals eigentlich so war“, findet dafür ein interessiertes Publikum. Häufig schlummern diese Erinnerungs- und Erfahrungsschätze im Verborgenen, da sich ältere Menschen der wertvollen Ressource oft nicht bewusst sind. Diesen Zeitzeugen eine Gelegenheit zu bieten, die eigene Vergangenheit als Teil der Geschichte dieses Landes wahrzunehmen und weiterzugeben, ist praktizierter Generationendialog. Umso wichtiger, da zeitbezogene persönliche Erinnerung eine versiegende Quelle ist.

handlungsansatz

Der Geschichte ein Gesicht geben „Ich will meine Erinnerungen nicht mit ins Grab nehmen!“, sagte sich 1993 die damals 72-jährige Ingeburg Seldte und gründete die Zeitzeugenbörse in Berlin. Seitdem vermittelt der Verein Menschen, die diese Haltung teilen. Er versteht sich als Einrichtung der politischen Bildungsarbeit zur Stärkung der demokratischen Kultur. Vermittlung und Dokumentation von Zeitgeschichte aus erster Hand, persönlich erlebt und fesselnd berichtet – das bietet die Zeitzeugenbörse. Schulen, Wissenschaftler, Medien und Privatpersonen wenden sich mit Themenwünschen an die Zeitzeugenbörse, meist zum Leben zur Zeit des Nationalsozialismus, zum Zweiten Weltkrieg, zur unmittelbaren Nachkriegszeit und zur DDR-Geschichte. Das Vermittlungsteam sucht dann aus der Kartei mit aktuell rund 180 Zeitzeugen ganz überwiegend der Generation 55+ die Person heraus, deren Geschichte am besten zur Anfrage passt. Aber nicht jeder, der (s)eine Geschichte erzählen möchte, wird aufgenommen. Damit Bedürfnisse und Erwartungen bei der Vermittlung auf beiden Seiten bestmöglich erfüllt werden, prüft der Verein in einem mehrstufigen Aufnahmeverfahren, wie der Zeitzeuge seine Geschichte darstellt, ob er Ideologien vertritt und ob er auch mit kritischen Fragen souverän umgehen kann. Als konsequente Fortsetzung des Anliegens, die Erinnerungen der Zeitzeugen unsterblich zu machen, dokumentiert die Zeitzeugenbörse diese Zeitzeugnisse in Form von CDs und DVDs.

VERMITTLUNG VoN ZEITZEUGEN ZEITZEUGENBöRSE E.V.
Wirkungspotential des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation G. 4 % H. 3 % A. 11% C. 9 %

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 73 %
A. B. C. E. F. Spenden

D.

Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder

Zins-/Vermögenserträge Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige öffentliche Gelder

G. H.

resultate

„Mutter“ der Zeitzeugenbörsen Seit 1993 haben rund 4.050 Zeitzeugen in 2.250 Einsätzen ihre Erinnerungen an nachfolgende Generationen weitergegeben. Fast zwei Drittel der Zeitzeugen aus Berlin und Umgebung wurden 2010 mindestens einmal vermittelt, manche bis zu 14-mal. Wiederholte Anfragen etablierter Einrichtungen – z. B. des GoetheInstituts oder des ZDF – sprechen für die hohe Qualität. Für drei Viertel der Anfragen konnten 2010 Zeitzeugen vermittelt werden. Das zeigt, dass der Verein die Themennachfrage der Nutzer gut bedienen kann. „Ihre Zeitzeugenbörse ist eine tolle Einrichtung, die hilft, Geschichte lebendig zu machen und Generationen einander näherzubringen“, sagt eine Lehrerin. Die Zufriedenheit der Zielgruppen ist kein Zufall, sondern Ausdruck des klaren Verständnisses des Vereins für die Bedürfnisse beider Zielgruppen (Zeitzeugen und Anfrager). Deshalb erreicht die Zeitzeugenbörse beim PHINEo-Kriterium „Ziele & Zielgruppen“ auch herausragende fünf Sterne. Die Zeitzeugen engagieren sich über die Einsätze in Schulen o. Ä. hinaus auch für den Verein in rein ehrenamtlicher Tätigkeit. Sie spüren die Anerkennung ihrer Arbeit und tragen dies nach außen weiter: Durch das Netzwerk konnten 2010 wieder 17 neue Zeitzeugen gewonnen werden. Als dreijähriges Modellprojekt gestartet, erwies sich das Konzept der Zeitzeugenbörse als so erfolgreich, dass es als Vorbild für Zeitzeugenbörsen in verschiedenen Städten Deutschlands diente.

empfehlungen

Aktive Akquise unterstützen Dem Verein gelingt es, den Status quo dank konservativer Mittelverwendung und einer öffentlichen Förderung des Berliner Senats zu halten. Wachstum ist so allerdings nur bedingt möglich. Die Zeitzeugenbörse würde eine Spende von 2.000 Euro für die verstärkte Akquise von Zeitzeugen und von Zeitzeugen-Einsätzen verwenden. Auch über eine Spezialisierung der Zeitzeugen, z. B. im Hinblick auf Stadtführungen, denkt der Verein nach. Um das Konzept auszuarbeiten und Kooperationen z. B. mit Reiseveranstaltern einzugehen, wären 1.000 Euro hilfreich. Investitionsbedarf von 3.000 Euro besteht bei der für eine Wachstumsstrategie wichtigen öffentlichkeitsarbeit, z. B. ist bereits eine Broschüre in Planung. Zur Erweiterung des Medienangebots werden 8.000 Euro für den Erwerb einer digitalen Videokamera sowie für die Produktion neuer DVDs benötigt. Die Rückmeldungen zeigen ein Bild der Wertschätzung, eine systematische Wirkungsmessung fehlt jedoch. Gerade im Hinblick auf den Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein der Jüngeren wäre eine Evaluation sinnvoll, für die eine Spende von 1.000 Euro verwendet würde. Die Zeitzeugenbörse ist für Soziale Investoren interessant, die einen historischen Fokus auf Berlin setzen. Die Vereinsvorstände sind auch für neue Ideen aufgeschlossen. Daher sind auch Förderer angesprochen, die sich über eine reine Geldspende hinaus in den Bereichen Strategieentwicklung, Fundraising oder Kooperationen einbringen möchten.

Analysiert und empfohlen im Themenreport: Engagement 55+ 6/2011

Handlungsansatz: Trainer/Wissens-Weitergeber und Manager/Koordinator für politische Bildung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEo erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEo aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen
        
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