Path:

Full text: Vergessen?

2011

8. Themenreport: Demenz

8

Vergessen?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

Ideell unterstützt von:

editorial
Wer bei dem Wort Integration nur an Menschen mit Migrationshintergrund denkt, irrt gewaltig. Auch Menschen mit Demenz sprechen eine andere, besondere Sprache, mit Demenz leben in einer anderen Welt, heißt es oft. Diese Welt gilt als dunkel, Mit dem vorliegenden Themenreport möchten wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Wir erläutern dabei einerseits die gesamtgesellschaftliche Herausforderung, vor die uns die „Volkskrankheit Demenz“ stellt. Andererseits zeigen wir, dass ein und was der gemeinnützige Sektor in

auf die man sich einlassen muss. Menschen

grausam und würdelos. Tatsächlich leben

würdevolles Leben mit Demenz möglich ist – diesem Kontext leisten kann. Wir stellen

Menschen mit Demenz nebenan – und wir

Charlotte Buttkus und

Nicht-Dementen haben viele Möglichkeiten, Einfluss auf deren Welt zu nehmen. Obwohl die pharmakologische Forschung auf Hochtouren läuft, ist in absehbarer Zeit keine Heilung der Krankheit in Sicht. So muss es

13 TOP-Projekte leistungsfähiger Organisationen im Themenbereich Demenz vor, die wir im Rahmen der PHINEO-Analyse identiwir uns nicht leisten. Nur durch ein nachStaat und Zivilgesellschaft können wir

fiziert haben. Klar ist: Nicht-Handeln können haltiges Zusammenwirken von Wirtschaft, den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen gerecht werden.
Sonja Schäffler sind verantwortlich für den Themenreport Demenz und die Analyse der gemeinnützigen Organisationen im Themenfeld. Beide sind seit der Gründung 2010 im PHINEO-Team. Charlotte Buttkus studierte Europäische Studien und setzt sich seit 2005 beruflich und ehrenamtlich für mehr Transparenz in der Zivilgesellschaft ein, unter anderem beim Projekt GuideStar Deutschland und dem DZI. Die Politologin Sonja Schäffler kennt die Notwendigkeit von Wirkungstransparenz aus ihrer entwicklungspolitischen Arbeit in Ghana und stieg 2009 in das Vorgängerprojekt von PHINEO in der Bertelsmann Stiftung ein. Beide PHINEO-Analystinnen haben als Angehörige persönliche Erfahrung mit der Betreuung von Menschen mit Demenz. 1

in erster Linie darum gehen, Menschen mit Demenz in die Gesellschaft zu integrieren, sie teilhaben zu lassen. Richard Taylor,

an Demenz erkrankter Professor, formulierte treffend: „Wir brauchen keine PharmaZeutika, sondern Sozio-Zeutika.“

Noch sind wir weit davon entfernt, die

Krankheit ist immer noch mit einem Stigma behaftet. Hauptursache dafür ist Nichtwissen. Auch wenn das Thema omnipräsent ist und Eingang in die beste Sendezeit im Fernsehen und auf die Titelseiten der meistgelesenen Zeitungen und Magazine gefunden hat: Im Fokus stehen häufig die fortgeschrittenen Stadien der Demenz, womit

Charlotte Buttkus	

Sonja Schäffler

ein Schreckgespenst konstruiert wird, was

die Angst vor der Krankheit häufig erhöht.

förderpartner des reports
bundesarbeitsgemeinschaft der seniorenorganisationen e. v.
bänden ist die BAGSO die Lobby der Älteren in Deutschland. Sie vertritt deren Interessen gegenüber Politik, in ihren Publikationen und auf Veranstaltungen wie den Deutschen

pfizer deutschland gmbh

Fotografien

Als Dachorganisation von über 100 Ver-

Das weltweite forschende Pharma-

Für die Bebilderung dieses Themen-

unternehmen arbeitet seit 160 Jahren Arzneimitteln. Ob Krebs, Alzheimer

reports konnte PHINEO den Fotografen Michael Hagedorn gewinnen. Hagedorn hat sich auf Fotografie rund um spezialisiert und unter anderem mit drei Mitstreitern die Aktivierungskampagne „KONFETTI IM KOPF – ins Leben gerufen.

in der Forschung und Entwicklung von oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – tion und Behandlung von weit verbreiteten, aber auch von seltenen

den Themenkomplex Alter und Demenz

Wirtschaft und Gesellschaft und zeigt

Pfizer leistet einen Beitrag zur Präven-

Seniorentagen Wege für ein möglichst

gesundes und kompetentes Altern auf. Die BAGSO ist ideeller Unterstützer des PHINEO-Themenreports Demenz und möchte damit die Bedeutung und

Erkrankungen. Ziel des Unternehmens

Demenz berührt mit vielen Gesichtern“ www.konfetti-im-kopf.de Kooperationen

ist es, seine wissenschaftliche Kompeeinzusetzen, um die Lebensqualität

tenz und die weltweiten Möglichkeiten und Gesundheit in jedem Lebensab-

Wirksamkeit gemeinnützigen Engagements für Menschen mit Demenz und Fokus rücken. deren Angehörige in den öffentlichen www.bagso.de

schnitt zu verbessern. Pfizer engagiert für die Gesellschaft, indem gemein-

Kooperationen und Austausch sind für

sich auch außerhalb des Kerngeschäfts nützige Projekte im Bereich Bildung,

PHINEO ein wichtiger Teil der täglichen Arbeit. Bei der Entscheidung über einen Kooperationspartner folgt PHINEO bestimmten Regeln und Richtlinien. Unabhängigkeit von PHINEO, die

Wissenschaft, Umwelt und Gesundheit gefördert werden. Mit der Förderung des PHINEO-Themenreports möchte Pfizer besonders wirksame Projekte gemeinnütziger Organisationen im

Ein zentraler Wert ist dabei stets die auch in Kooperationen stets gewahrt bleiben muss. Nähere Informationen zur PHINEO-Kooperationsrichtlinie: www.phineo.org

Bereich Demenz dabei unterstützen, sie verdienen, und ihnen die Chance quellen zu erschließen. www.pfizer.de

die Aufmerksamkeit zu generieren, die ermöglichen, sich neue Finanzierungs-

2

inhalt
wissen, worum es geht
S. 4-9
Demenz betrifft jeden | Finger weg von Dr. Google | Zahl der Erkrankten Nicht vergessen: Menschen mit Demenz brauchen Unterstützung

wird rapide ansteigen | Unwissenheit macht Angst

wissen, wer was macht
gesamtgesellschaftliche Aufgabe

S. 10-19

Verantwortung teilen: die Versorgung der Erkrankten als Ohne Angehörige geht nichts | Keine klare Linie in der Pflegepolitik |

Zivilgesellschaft erkennt Unterstützungsbedarf und handelt |

Gemeinnütziges Engagement: Informieren, Betreuen, Aufklären

wissen, was wirkt
Erkrankten steigern

S. 20-27

Mit strategischem Engagement die Lebensqualität der

Demenz erschwert die Wirkungsanalyse | Indikatoren für Qualität | Förderlücken und Investitionsbedarf

Der Weg zu wirkungsvollem Engagement Landkarte empfohlener Projekte Die PHINEO-Methode: Analyse mit Herz und Verstand Herzlichen Dank! Impressum Literaturverzeichnis Projektporträts

S. 28-29 S. 30-31 S. 32-33 S. 34 S. 35 S. 36 S. 37

3

nicht vergessen: menschen mit demenz brauchen unterstützung
Obwohl Demenz in den Medien allseits präsent ist – in Fernsehtalkzeitungen –, wissen die meisten Menschen viel zu wenig darüber. shows ebenso wie in Kinofilmen oder auf den Titelseiten von TagesAus Angst vor dem Vergessen verteufeln viele die Krankheit und geben den Betroffenen keine Chance, weiterhin als vollwertiger und respektierter Teil der Gesellschaft und des Alltags zu leben. Sie schieben das Problem häufig von sich weg. Dabei geht Demenz nicht nur die

1,3 Millionen Personen an, die in Deutschland erkrankt sind. Ob Ehepartner, Enkel, Nachbar, Taxifahrer oder Zeitschriftenverkäufer – nahezu jeder trifft in seinem Alltag auf Menschen mit Demenz. Die HerausfordeLebensqualität der Erkrankten einzustehen. Gerade in Hinblick auf den Betreuung und Pflege der wachsenden Zahl der Erkrankten überhaupt ermöglichen können. In Pflegeheimen können und wollen nicht alle

rung ist nun, die Gesellschaft dafür zu mobilisieren, gemeinsam für mehr demografischen Wandel müssen Strukturen geschaffen werden, die die

Menschen mit Demenz betreut werden, aber auch auf die Angehörigen – den größten Pflegedienst schlechthin – kann man vor allem auf lange Sicht nicht allein zählen. Hier ist Zusammenhalt gefragt, denn in mit Demenz und deren Angehörigen leisten.
4

Zukunft müssen alle einen Beitrag zur Unterstützung von Menschen

5

der kreis der betroffenen

Krankheit eine sehr intime Angelegenheit, denn mit dem Vergessen kommen ihnen persönlichen Geschichte und Identität Schritt für Schritt Bestandteile ihrer ganz abhanden. Gleichzeitig ist Demenz auch

etwas sehr Öffentliches. 1,3 Millionen Men1,3 Mio. Betrof. ili e, B e tr

schen sind zurzeit in Deutschland erkrankt.
un
re

eu

,A

rb e

F it g e b e r,

de

Betroffen ist jedoch nahezu jeder – sei es

Fa m

er

Pa s

80

Inputindikatoren Voraussetzungen: Qualifizierung der Helfer Langfristige Finanzplanung

Konzept fügt sich in die Strukturen vor Ort ein

Ärz

als Familienmitglied, Freund, Krankenpfleger oder Arzt. Betroffen ist aber auch der Busweiß, wo er ursprünglich hinfahren wollte, fahrer, dessen Fahrgast plötzlich nicht mehr

san

te
Mio.

te n,

Verkäufer, Pol

izis

ten

Gesamtbevölkeru

ng

demenz geht jeden an

oder der Bankangestellte, dessen Kunde

schon zum fünften Mal am Tag 100 Euro von

seinem Konto abheben möchte. Arbeitgeber, zu Menschen mit Demenz, oft ohne es zu wissen.

Verkäufer und Passanten – jeder hat Kontakt

Vergesslichkeit ist eine Laune der Natur, die jeder kennt. Verlegte Hausschlüssel, verpasste Arzttermine, vergessene Geburtstage. Wenn aus dem alltäglichen Schussel jedoch eine ernstzunehmende Krankheit Demenz kommt mit schwerem Gepäck:

Doch statt respektvoll und aufmerksam mit ten umzugehen, schauen zu viele Personen einfach weg. Die Betroffenen erfahren Dahinter steckt nicht unbedingt böse häufig Spott, Ignoranz und Ausgrenzung. Absicht, sondern vielmehr mangelndes

der Situation und vor allem mit den Erkrank-

wird, verändert sich alles, denn die Diagnose Wie sieht die Zukunft der Betroffenen aus? Welche Vorkehrungen können und müssen sie treffen? Wo finden Menschen mit
(im Projekt/Umfeld) Nachfrage Projekt:

Wissen. Denn wenn in einer Gesellschaft vor allem Leistung zählt, wissen Unaufgeklärte oft nicht, wie sie mit Demenz – und damit

Demenz und ihre Angehörigen Rat und und wer trägt die Kosten?

Outputindikatoren Unterstützung? Wer wird sichOutcomeindikatoren demImpactindikatoren so wichtig empfunkümmern – Verlust der als Teilnehmer:

denen Leistungsfähigkeit – umgehen sollen. Die Gesellschaft: eines Großteils der BevölkeVorstellung rung davon, wie die Lebenswirklichkeit der Integration und
Teilhabe der Menschen mit Demenz aussieht, ist von Menschen mit Versorgung Demenz einer verzerrten Darstellung der Krankheit Gesellschaftliche

Stärkung von FähigAus medizinscher Sicht gibt es aktuell wenig und Fertigkeiten Teilnahme der Menschen mit Hoffnung für die Erkrankten, denn ein MediDemenz Abbruchquote

kament für die Heilung hat noch niemand Steigerung des Zufriedenheit mit Alltagsbewältigung, und die Kooperationen nen irgendwann ihre
Kommune

Wohlbefindens der dem Angebot gefunden. Für sie bedeutet Demenz vor allem

genugEinbeziehen der Angst. Menschen mit Demenz erkenmehr oder beschuldigen ihren Partner des Diebstahls, weil sie vergessen haben, wo
6 Entlastung der Angehörigen Enkelkinder nicht

Menschen mit Demenz und der macht ihnen oft Angehörigen

Verbesserte in der Öffentlichkeit geprägt. In den Medien

taucht Demenz vor allem als Schreckge-

spenst auf, mit dem niemand leben möchte. ren viele auf das Thema – anstatt Demenz

Entsprechend drastisch und ängstlich reagieals etwas völlig Alltägliches zu betrachten.

sie ihre Uhr hingelegt haben. Für sie ist die

nur vergesslich oder schon dement?
Viel Bewegung, regelmäßiges Gedächtnistraining, Selbstmedikation mit Fischöl – da sich die Theorien und Vorschläge dazu, Garantie gibt es nicht. Und je weiter eine Demenz voranschreitet, desto weniger können sich die Betroffenen artikulieren und orientieren und desto stärker häufen sich Sinnestäuschungen – bis die Betroffenen erkennen können. es zurzeit noch keine Heilung gibt, mehren wie man Demenz angeblich hinauszögern oder gar verhindern kann. Tatsächlich ist jedoch niemand vor Demenz gefeit, denn Alter – unabhängig von Bildungsstand,
Glossar Demenz (lat. de mens = abnehmender Verstand) bezeichnet Störungen im Gedächtnis, beispielsweise aufgrund von Zellverlust.

nicht einmal mehr die eigenen Verwandten

das Hauptrisiko für eine Erkrankung ist das sozialem Status oder exotischen Präventionsmedikamenten. Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher,

Wenn sich alltägliche Vergesslichkeiten müde, antriebslos und unausgeglichen

mehren, wenn sich Menschen permanent fühlen, ist der Gesundheitscheck durch

Ex-US-Präsident Ronald Reagan, die L’OréalMilliardärin Liliane Bettencourt und EnterDemenz. tainer Harald Juhnke leiden oder litten unter

einen Spezialisten essenziell. Eigene Recherchen und Fragebögen im Internet à la „Dr. Google“ sind zwar bequemer – Selbstdiagund umstritten, und das öffentlich verbreitete Halbwissen über das Endstadium von Demenz erzeugt vor allem Angst, als „seelenloses Individuum“ zu enden. Im schlimmsten Fall kann das zum Suizid

nosen sind aber auch hochgradig gefährlich

Alzheimer ist die prominenteste und häu-

figste Form der Krankheit. Sie zählt zu den neurodegenerativen Demenzen, bei denen erkennbare Ursache abgebaut werden. die Nervenzellen des Gehirns ohne äußerlich Aufhalten oder heilen lässt sie sich nach

führen, wie zum Beispiel bei dem Industriellenerben, Fotografen und Lebemann Gunter Sachs – obwohl vielleicht gar keine Demenz, vorlag. In ihren ersten Symptomen untermerklich voneinander, die Grenzen sind kung sogar die andere auslösen. Eine stellen.

aktuellem Stand der Forschung nicht. Außerdem gibt es die vaskuläre Demenz. Hierbei blutungsstörungen schwer geschädigt. Im werden die Hirnzellen aufgrund von DurchVolksmund spricht man häufig von „Verkalkung“. Neben dem Alter greifen in diesem Bluthochdruck und eine falsch behandelte Einflussfaktoren lässt sich in Einzelfällen Fall noch andere Risiken, darunter Rauchen, Diabetes. Bei erfolgreicher Therapie dieser die vaskuläre Demenz aufhalten. Doch eine

sondern eine behandelbare Altersdepression scheiden sich die beiden Krankheiten kaum fließend und manchmal kann die eine Erkraneindeutige Diagnose kann nur der Facharzt

Primäre Demenzen sind chronische Erkrankungen des Gehirns aufgrund degenerativer, also mit Zellverlust einhergehender Veränderungen. Bei neurodegenrativen Veränderungen wie bei Alzheimer gehen Nervenzellen ohne äußerlich erkennbare Ursachen unter. Bei vaskulären Veränderungen schädigen Durchblutungsstörungen die Gehirnzellen. Sekundäre Demenzen entstehen aufgrund körperlicher oder psychischer Erkrankungen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen und Depression. Bei entsprechender Behandlung können sich diese Demenzen teilweise zurückbilden. Frontotemporale Demenz tritt meist schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, manchmal noch früher. Diese Form betrifft etwa drei Prozent der Demenzkranken in Deutschland, wird jedoch bei der Diagnose häufig mit Alzheimer, Burnout oder Depression verwechselt, weshalb die Dunkelziffer der Erkrankungen ungleich höher ist. Digitale Demenz ist keine Erkrankung, sondern beschreibt soziale und kulturelle Entwicklungen unter jungen Menschen, die angesichts der wachsenden Informationsflut Erinnerungsaufgaben an technische Hilfsmittel delegieren und so selbst unter zunehmender Vergesslichkeit leiden.

7

leben mit demenz: die gesellschaftlichen und persönlichen herausforderungen
Demenz ist ein gesellschaftlicher Riese. Die größte Herausforderung bei der VersorDie Betreuung und Unterstützung durch gung der Erkrankten sind dabei die knappen Kapazitäten. Für die Gesamtzahl aller Pflegebedürftigen stehen in Deutschland 615.000 Pflegeplätze zur Verfügung (SÄVIP, 2005), 9,4 Milliarden Euro gab der Staat 2008 für medizinische Heilbehandlungen, Prävention, Menschen mit Demenz aus 2010). Bei 1,3 Millionen Familien, das Umfeld und engagierte Helfer wird durch die demografischen Entwicklungen in Zukunft noch bedeutender werden.

demenz in zahlen

Fakt ist: Mit zunehmendem Alter wächst die Zehn Prozent der Über-80-Jährigen sind

1,3

Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. dement, bei Personen über 90 sind es schon 35 Prozent (Demenz-Report des Berlin-Instituts, 2011). Da Menschen aber immer älter Risikoalter für Demenz erreichen, rollt eine

Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt.

Millionen

120.000 40-60

Rehabilitation und Pflege von (Statistisches Bundesamt, Demenzkranken reichen jedoch weder der Platz noch das Geld für eine

mit Migrationshintergrund in

Menschen

werden und demnächst die Babyboomer das Welle Neuerkrankungen auf die Gesellschaft zu. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2050 doppelt so viele Menschen erkrankt Berlin-Instituts, 2011).

Deutschland sind dement (ArbeiterWestfalen e. V., 2007). Bei

wohlfahrt – Bezirksverband Westliches

schen mit Demenz wird die Erkrankung

Prozent der Men-

angemessene Betreuung Lösung ist die Stärkung familiärer und sozialer Netze. Sie ermöglichen

sein werden wie heute (Demenz-Report des

aus. Ein zentraler Teil der

vom Hausarzt übersehen (Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation, 2002).

Gleichzeitig fehlt der Nachwuchs, der für

die Versorgung der Erkrankten aufkommt.

66
Nur

Demenz werden zu Hause gepflegt.

Prozent der Menschen mit

Angehörigen lassen sich von freiwilligen Helfern unterstützen Privathaushalten, 2003). (Hilfe- und Pflegebedürftige in

11

Prozent der pflegenden

73
8

den Angehörigen sind

Prozent der pflegen-

Frauen (MuG III, 2005).

Angehörigen.

betreut, meistens von ihren

heute in den eigenen vier Wänden

von drei Erkrankten werden

bung zu leben. Immerhin zwei

Hause in vertrauter Umge-

so lange wie möglich zu

Demenz auch die Chance,

vielen Menschen mit

gabe, sondern geben

genden Betreuungsauf-

gung einer überwälti-

nicht nur die Bewälti-

Auf die Angehörigen als größten Pflegedienst kann man langfristig nicht zählen, denn im Zuge des sozialen Wandels verändern sich die Lebenssituationen der Deutschen: Bereits jetzt gibt es 16 Millionen Single2011), immer mehr Menschen leben in

haushalte (GfK Bevölkerungsstrukturdaten, Kleinfamilien, sehen sich aufgrund räumoder sind kinderlos. Wenn persönliche

licher Distanzen nur noch auf Familienfeiern Beziehungen als Alternative zur Versorgung im Pflegeheim wegfallen, müssen alle einen Beitrag zur Unterstützung von Menschen mit Demenz leisten.

Von einer solchen „demenzfreundlichen

Gesellschaft“ ist Deutschland jedoch weit

hintanzustellen und sich für die Betreuung des Erkrankten nahezu selbst aufzugeben. körperlichen Belastung hat jeder Sechste Mit Folgen: Aufgrund der emotionalen und von ihnen depressive Episoden (SiemensUnterstützung brauchen die betreuenden

entfernt. Die Krankheit geht für viele Betroffene mit Ängsten und emotionaler Überforderung einher – die distanzierten und bistun ihr Übriges. Hier mutig und motiviert

weilen respektlosen Reaktionen des Umfelds zu bleiben ist schwer. Dabei ist gerade die

Betriebskrankenkasse, 2011). Beratung und Angehörigen also ebenso wie Menschen mit Demenz. Doch viele von ihnen schämen sich dafür, auf Hilfe angewiesen zu sein. Die Gruppe der Nichtteilnehmer an Unterstützungsmaßnahmen ist dementsprechend groß: Obwohl sich 83 Prozent der pflegen-

Gestaltung der Anfangsphase der Krankheit so wichtig für Menschen mit Demenz, denn sie können hier für die Zeit vorsorgen, in Sie können zum Beispiel Patientenverfüder es ihnen nicht mehr so gut gehen wird. gungen formulieren und mit Angehörigen

darüber sprechen, wie sie sich ihre Zukunft setzungen für ein selbstbestimmtes Leben

den Angehörigen mindestens stark belastet ßig auf professionelle Hilfsangebote zurück (MuG III, 2005). Noch weniger, nämlich nur

vorstellen. So schaffen sie selbst die Vorausmit Demenz. Ein selbstbewusster Umgang abfärben, denn bislang neigen viele Menschen dazu, Personen mit Demenz auf die

fühlen, greifen lediglich 16 Prozent regelmä-

mit der Krankheit kann auch auf das Umfeld

elf Prozent der Angehörigen, lassen sich von freiwilligen Helfern unterstützen (Hilfe- und Pflegebedürftige in Privathaushalten, 2003).

Erkrankung zu reduzieren, statt die Persönmit einer Demenz bleiben die Betroffenen

lichkeit dahinter wahrzunehmen. Doch auch Menschen mit eigenem Charakter. Sie haben Humor, Interessen und Meinungen wie jeder angebote, die darauf Rücksicht nehmen. andere auch – und brauchen Unterstützungs„Demenz muss Allgemeinwissen werden,

die kognitive Leistung darf nicht über den Hecken, Staatssekretär im Bundesminis-

Wert eines Menschen entscheiden“, so Josef terium für Familie, Senioren, Frauen und

Jugend, auf dem Alzheimer Kongress 2010. Die spezifischen Anforderungen an die

Familie Orte Sommerpicknick Namen Reisen Weihnachten Lieder Hobbys Personen KuchenrezeptFachwissen Gesichter Biografie LebensgeschichteDer erste Kuss Besorgungen GerichteArztterminMutter Haustürschlüssel Personen Spanisch Tod der Lieder Bedürfnisse Hobbys Hochzeit Hobbys Kollegen Ehepartner Goldene Weihnachten Lieblingslied Telefonnummern JobFachwissen Feste Fremdsprachen Gerichte Biografie Enkelkind Feste Bedürfnisse Aufgaben Knöchel verstaucht Fremdsprachen Vorlieben der Mutter Telefonnummern Lebensgeschichte Freunde Reisen Tod Gerichte Orte Trennun Goldene Hochzeit Fremdsprachen Sommerpicknick Fähigkeiten Essen Familie Kindheit Heimweg Lebensgeschichte Urlaubserinnerungen Haustürschlüs Haustürschlüssel Lebensgeschichte Besorgungen Biografie Konflikte Umarmung Urlaubserinnerungen Weihnachten Lieblingslied Konflikte Geburtstage Kollegen Fähigkeiten Aufgaben Essen Urlaubserinnerung Lieblingslied Knöchel verstaucht Lieblingslie Haustürschlüssel Adressen Namen Freunde Ehepartner Gesichter Tod der Mutter se is Fremdsprachen Fähigkeiten Kuchenrezept ign re Job E Weihnachten Hobbys Kindheit Ressourcen
We ge

Betreuung eines Menschen mit Demenz zumal diese Aufgabe für sie meist zum

können Angehörige schnell überfordern – Vollzeitjob wird. Aus persönlichem Verdazu, eigene Pläne und Bedürfnisse

Ter m

pflichtungsgefühl neigen viele Angehörige

ine

Telefon Orientierung nummern Namen
9

verantwortung teilen: die versorgung der erkrankten als gesamtgesellschaftliche aufgabe
Zwei von drei Menschen mit Demenz werden privat von einem Familienmitglied betreut und gepflegt. Viele Angehörige müssen dafür ihren Beruf bei der Betreuung erhalten, mit der Zeit auch die eigenen Bedürfnisse und Interessen. zumindest vorübergehend aufgeben – und, wenn sie keine Unterstützung

Während die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen an eine bestmögliche Versorgung der Menschen mit Demenz vor allem an mehr Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen. auf unterschiedlichen Ebenen: Sie informieren Erkrankte und Pflege, übernehmen punktuell die Betreuung der Menschen mit Demenz und verschaffen den sie schaffen ein öffentliches Bewusstsein dafür, dass die Gesellschaft insgesamt demenzfreundlicher werden muss, um auch in Zukunft Menschen mit Demenz optimal versorgen zu können. Angehörigen dadurch Zeit zum Durchatmen, und politischen Uneinigkeiten scheitert, erhalten die Betroffenen immer Diese haben den großen Handlungsbedarf erkannt und helfen über die Vorsorgemöglichkeiten für die spätere Betreuung

10

11

who cares? die rollenverteilung in der pflege und betreuung
Glossar Pflege bezeichnet hier die Unterstützung älterer Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung bei der alltäglichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität dauerhaft Hilfe benötigen. Diese Aufgabe wird in der Regel von Angehörigen im Rahmen der häuslichen Pflege beziehungsweise von ambulanten oder stationären Pflegediensten übernommen. Die Betroffenen erhalten dafür finanzielle Unterstützung über die Pflegeversicherung. Betreuen heißt, Menschen mit erheblich eingeschränkten Alltagskompetenzen zu unterstützen, zu motivieren und zu beschäftigen, zum Beispiel mit Gesprächen, Spaziergängen, Kochen oder Tanzen. Menschen mit Demenz erhalten aus der Pflegeversicherung ergänzende Betreuungsleistungen oder Betreuungsgeld.

Für eine angemessene Versorgung und

Begleitung der Menschen mit Demenz sind Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen gefordert. Schließlich geht es nicht nur Im Mittelpunkt stehen vor allem die Betreuung und Pflege sowie die Ermöglichung der Integration und Teilhabe der Erkrankten. Pflege langfristig durch professionelle So stellt sich die Frage, wie einerseits die Fachkräfte gesichert und andererseits die Einzelnen gestärkt werden kann.

sich die Erkrankten immer weniger im Alltag zurechtfinden und sich nicht mehr verständlich äußern können, erreicht man sie oft nur noch nonverbal mit kleinen Gesten, indem man zum Beispiel ihre Hand hält.

um Forschung und medizinische Versorgung:

Nicht geschulte Familienmitglieder können ten der Erkrankten nicht immer einordnen und nehmen es sich zu Herzen, wenn zum Beispiel die eigene Mutter sie nicht mehr auf Dauer eine große emotionale und erkennt. Die 24-Stunden-Betreuung stellt körperliche Belastung für die Angehörigen dar. Doch obwohl viele von ihnen mit der Situation überfordert sind, gönnen sich

aber das manchmal ungewöhnliche Verhal-

gesellschaftliche Mitverantwortung jedes

der grösste pflegedienst: die angehörigen
Das Engagement der Angehörigen ist für die Versorgung der 1,3 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland unverzichtbar. Hand: In drei von vier Fällen übernehmen Frauen die private Pflege der Erkrankten Die Aufgabe liegt zum Großteil in weiblicher

die wenigsten eine Pause oder suchen sich Schon wenn Helfer für ein paar Stunden

Hilfe. Dabei ist Unterstützung sehr wichtig: einspringen und die Begleitung der MenAngehörigen wieder Zeit für eigene Erle-

schen mit Demenz übernehmen, finden die digungen, können Hobbys und Freundschaften pflegen. Hier sind Familienmitglieder, ehrenamtlich Engagierte. Nachbarn und Freunde ebenso gefragt wie

(MuG III, 2005). In die Rolle des Betreuers ihnen jedoch das Hintergrundwissen und

schlüpfen sie häufig automatisch. Oft fehlen die Praxiserfahrung, denn die Begleitung

und Pflege von Menschen mit Demenz ist

sehr anspruchsvoll. Anfangs benötigen die Erkrankten vor allem jemanden, der ihnen bei alltäglichen Abläufen unter die Arme verlegter Schlüssel oder beim Einkaufen

greift und ihnen zum Beispiel beim Suchen hilft. Mit der Zeit aber rückt mehr und mehr die Pflege in den Vordergrund. Und wenn
12

betroffenheit erhöht das engagement
ren sich entweder auf die Pflege von

vorhaben, einige sind operativ tätig. MitFinanzierungsinstrument aus.

Gemeinnützige Organisationen konzentrieMenschen mit Demenz oder engagieren sich in den Bereichen Beratung und Betreuung. So gibt es einerseits große Wohlfahrts-

unter gründen auch Vereine Stiftungen als

Die Arbeit der gemeinnützigen Organisationen ist vor allem von einer hohen Motivation und persönlichen Betroffenheit der

verbände wie die Caritas oder das Deutsche Rote Kreutz, die – ebenso wie zahlreiche näre Pflege der Menschen mit Demenz private Anbieter – die ambulante und statioübernehmen. Im Fokus der PHINEO-Analyse nen, die eine niedrigschwellige Betreuung gnenarbeit im Themenfeld anbieten. Viele

Helfer geprägt. Viele Freiwillige bringen sich auch noch nach dem Tod des Angehörigen mit Demenz in Projekte ein, weil sie selbst gute Erfahrung mit derartigen Unterstützungsangeboten gemacht haben. Und die Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt ist für einige Engagierte ein schönes einkommen. Mit den Qualifizieaus dem Engagement kann das Ehrenamt angesichts des Fachfür manche Arbeitssuchende sogar ein Sprungbrett auf und mitunter auch wichtiges Zusatzrungen und der Praxiserfahrung

standen jedoch gemeinnützige Organisatiound Beratung der Betroffenen sowie Kampavon ihnen sind mit einem Jahresbudget von

deutlich weniger als 100.000 Euro recht klein. Zu Beginn der Bewegung tauschten sich Erkrankte und Angehörige vor allem in informellen Selbsthilfegruppen aus. Mit Bedürfnissen heraus Ideen für weitere

kräftemangels im Pflegebereich

der Zeit entwickelten sie aus gemeinsamen Unterstützungsmaßnahmen. Seit Anfang sie sich mehr und mehr – vor allem als

den ersten Arbeitsmarkt sein. nisationen ist eine gezielte Helfer unerlässlich. Nur so

Für die gemeinnützigen Orgaund sorgfältige Auswahl der können sie die Qualität ihres

des neuen Jahrtausends institutionalisieren Vereine, die einen strukturellen Rahmen für Projektarbeit bieten. Inzwischen werden darüber hinaus zunehmend gemeinnützige

ergänzen. Auch bei der stationären Pflege in Alten- und Pflegeheimen können freiwillig Engagierte viel

täten für die Menschen mit Demenz

Betreuungsmaßnahmen und Aktivi-

meinschaften die Pflegearbeit mit

Beispiel in betreuten Wohnge-

unterstützen, indem sie zum

auch ambulante Pflegedienste

amtliche Helfer können aber

häuslichen Bereich. Ehren-

Angebote liegt auf dem

ten niedrigschwelligen

Der Fokus der meis-

Betreuung

Niedrigschwellige

Angebots sicherstellen, denn

bewirken, denn die zahlreichen emotionalen und praktischen Hilfen, auf die Betroffene angewiesen sind, können die Pflegefach-

GmbHs gegründet, die spezialisierte PflegeDienstleistungen für Menschen mit Demenz anbieten. Auch Stifter haben das Thema

die Betreuung von Menschen

mit Demenz ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die den Helfern viel abverlangt.

kräfte nicht allein erbringen.

entdeckt. Viele von ihnen fördern Forschungs-

13

was leistet der staat?

Je weiter eine Demenz fortschreitet, umso

mehr Unterstützung brauchen Erkrankte bei der Bewältigung ihres Alltags. Das Problem dabei: Menschen mit Demenz gelten nicht als pflegebedürftig, weil sie sich trotz fort-

schreitender Erkrankung häufig noch lange

mehr familienfreundlichkeit in unternehmen
Auch Unternehmen müssen Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz übernehmen. So darf beispielsweise das Prinzip des familienfreundlichen Betriebs nicht

selbst waschen und anziehen können.

So wurde zwar 1995 die Pflegeversicherung in Deutschland eingeführt, die auf Basis von drei Pflegestufen den Betroffenen

Sachleistungen, zum Beispiel in Form von professionellen Pflegediensten, oder ein lässt. Demenzerkrankten half sie jedoch Ergänzungsgesetz von 2002 können Pflegegeld für die Angehörigen zukommen lange nicht. Erst seit dem Pflegeleistungsauch sie Leistungen in Anspruch nehmen. Die anfangs 460 Euro im Jahr reichten nelle Unterstützung im Monat. jedoch nur für etwa eine Stunde professio-

bei der Kindererziehung haltmachen, denn Angehörigen kostet Zeit und Energie. Hier

auch die Betreuung eines pflegebedürftigen müssen Unternehmen Optionen und Anreize für Arbeitnehmer schaffen. Seit 2008 könbis zu sechs Monate unbezahlt von ihrem Arbeitgeber freistellen lassen. nen sich Arbeitnehmer laut Pflegezeitgesetz

Treibende Kraft hinter der Stärkung der

Das kürzlich verabschiedete Gesetz zur

Rechte der Menschen mit Demenz sind vor allem die gemeinnützigen Organisationen: Personen mit „erheblich eingeschränkter 2008 Ergänzungsleistungen in Höhe von Nicht zuletzt durch ihr Engagement erhalten Alltagskompetenz“ seit der Pflegereform 1.200 Euro beziehungsweise bei größerem Betreuung. Menschen mit Demenz fallen

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf knüpft an diese Idee an: Ab Januar 2012 können Arbeitnehmer ohne allzu große Lohneinbußen ihre Arbeitszeit für zwei Jahre verauf Freiwilligkeit, einen Rechtsanspruch

ringern. Doch beide Maßnahmen beruhen auf die Gewährung der Pflegezeit haben die Angehörigen nicht – und so müssen viele von ihnen ihren Beruf zumindest vorübergen greifen können, braucht es vor allem

Betreuungsbedarf 2.400 Euro im Jahr für die zwar trotz der sogenannten „Pflegestufe 0“ immer noch nicht unter die Definition von Pflegebedürftigkeit, da aber der Staat

gehend aufgeben. Damit PflegezeitregelunAufklärung: Arbeitgeber müssen über die Optionen für Aus- und Pflegezeiten informiert sein, sollten aber auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Angestellte selbst an Demenz erkranken können.
14

verstärkt niedrigschwellige Betreuungsanfördert, entsteht eine wichtige Basis Entlastung der Angehörigen.

gebote der gemeinnützigen Organisationen für die Versorgung der Erkrankten und die

die politik wartet ab

Im „Pflegejahr“ 2011 sollten die Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung langfristig geplant und Maßnahmen zur

Häufig erschweren Sprachbarrieren die

und wird in vielen Familien totgeschwiegen.

kreisen gilt die Krankheit als Strafe Gottes

Demenz ein Tabuthema. In manchen Kultur-

erkrankt. Doch für viele Migranten ist

tergrund sind in Deutschland an Demenz

120.000 Menschen mit Migrationshin-

hintergrund erkranken

Wenn Menschen mit Migrations-

Unterstützung der Betroffenen, denn allein die Methoden für die Diagnose und für die Bestimmung der Pflegebedürftigkeit

Behebung des Fachkräftemangels auf den

Weg gebracht werden. Auch der besondere der Agenda. Da aber verschiedene Gesellschaftsbereiche betroffen sind, liegt auch

sind sehr sprachlastig. Die ohnehin nicht

Bedarf von Menschen mit Demenz stand auf

immer einfache Kommunikation mit NichtMuttersprachlern wird durch eine Demenz zusätzlich erschwert, da die zuletzt

die Verantwortung jeweils auf einer anderen Ebene. Die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses ist beispielsweise Ländersache, auf Bundesebene angesiedelt sind.

erlernten Fertigkeiten und damit auch die neu gelernte Sprache Deutsch früh verloren gehen. Der Zugang

während Maßnahmen zum Pflegejahr selbst

zu dieser Zielgruppe erfolgt am besten indirekt, zum Beispiel über die Kinder und Enkel mit Aufklärungskam-

Die Idee zum Pflegejahr und Regelungen

zur Pflegeversicherung stammen dabei aus dem Bundesgesundheitsministerium, die ministerium. Das Bundesministerium für und Umschulung von Pflegepersonal Neuregelung der Pflegezeit aus dem FamilienArbeit und Soziales ist für die Qualifizierung zuständig. Eine klare Linie ist hier nicht zu

pagnen in der Schule.

erkennen. Dementsprechend liest sich auch das kürzlich beschlossene Reform-Konzept für die Pflegeversicherung: Die schwarzdie freiwillige Zusatzvorsorge stärken

gelbe Regierungskoalition möchte demnach und hebt zum Januar 2013 den Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkt auf 2,05 Prozent an – für eine bessere

gestalten sollen. Davon könnten vor allem Alleinlebende

die das Alltagsleben der Erkrankten einfacher und sicherer

sogenannter „Ambient Assisted Living“-Produkte (AAL),

Technologieunternehmen arbeiten an der Herstellung

eines Menschen mit Demenz übermitteln – viele

der Schuhsohle, die den Aufenthaltsort

ausschalten, und kleine Sensoren in

Bügeleisen, die sich von allein

Demenzfreundliche Technik

profitieren, aber auch für Angehörige dürften die Geräte eine Erleichterung bringen. Allerdings ist die Technik nicht unumstritten, vor allem bei Fragen zur informationellen Selbstbestimmung. www.aal-deutschland.de

Unterstützung von Menschen mit Demenz.

15

wirkungsvolle handlungsansätze im themenbereich demenz
Die PHINEO-Analyse Im Fokus der PHINEO-Analyse standen gemeinnützige Organisationen, die sich auf niedrigschwellige Beratungs- und Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz spezialisiert haben. Die Aktivitäten in diesem Bereich sind sehr stark ehrenamtlich getrieben – und das junge Engagementfeld zeigt großes Potenzial für einschlagende gesellschaftliche Wirkung. Gerade deshalb können Soziale Investoren hier Entwicklungen in Gang setzen und entscheidend vorantreiben – und mit der richtigen Spendenstrategie Menschen mit Demenz nachhaltig und wirksam unterstützen. 40 gemeinnützige Organisationen haben sich mit ihren Projekten der PHINEO-Analyse gestellt, die 13 TOP-Projekte werden in diesem Themenreport vorgestellt.

Da Menschen mit Demenz unterschiedliche persönliche Bedürfnisse haben und sich im Verlauf der Krankheit der Anspruch an die gung verändert, setzt die Zivilgesellschaft Ein wichtiger Ansatz ist die direkte und

ihres Lieblingssängers vergessen, kann

ihnen beim Musikhören warm ums Herz

Begleitung, Pflege und medizinische Versorihre Hebel an unterschiedlichen Punkten an. persönliche Unterstützung der Erkrankten. die einen Einfluss auf die Lebensumstände haben: die betreuenden Angehörigen, das Umfeld der Betroffenen sowie die Politik, stützung der Erkrankten verantwortet.

werden. Nichtwissen beeinflusst auch die

pflegenden Angehörigen. Sie sind vor allem verunsichert und wissen oft nicht, welche wie sie Job und Pflege unter einen Hut erhalten können. Anträge und Formulare sie ausfüllen müssen, bekommen sollen oder wo sie Rat und Hilfe Die Umsetzung: Über allgemeine Informationsangebote der gemeinnützigen Organisationen können sich Menschen mit

Außerdem richten sich die Projekte an alle, und Zufriedenheit der Menschen mit Demenz

die die Rahmenbedingungen für die Unter-

Demenz, deren Angehörige und alle andeThema verschaffen, sich in Hintergründe

ren Interessierten einen Überblick über das einarbeiten, Adressen recherchieren oder

informieren und beraten

persönliche Berichte von Betroffenen lesen. Diese Angebote, beispielsweise als Onlineschwellig – und vor allem anonym. Darauf nicht bereit sind, konkrete individuelle portal oder Printmagazin, sind sehr niedriggreifen auch Personen zu, die bislang noch Unterstützung anzufragen. Bei der persönlichen Beratung hingegen bieten gemeinnützige Organisationen Wissensvermittlung und Unterstützung im direkten Kontakt an, meist in einer Beratungsstelle oder am Telefon. Hier stehen Einzelfälle und konkrete Fragen der Betroffenen im Mittelpunkt. Eine weitere Maßnahme in diesem sich Menschen in einer ähnlichen Lebenslage über ihre persönlichen Erfahrungen austauschen.

Nichtwissen ist ein großer Risikofaktor dafür, dass Menschen mit Demenz verzweifeln – denn Nichtwissen schürt die Angst vor einem womöglich unwürdigen Leben mit

Demenz. Wer sich aber klarmacht, dass ein Leben mit Demenz nicht nur mit Verlusten einhergeht, kann mit der Situation viel besser umgehen und frühzeitig selbst die ung und Pflege einleiten. Menschen mit Demenz müssen sich der Möglichkeiten bleiben: Selbst wenn sie den Heimweg

nötigen Schritte für eine optimale Betreu-

bewusst werden, die ihnen trotz Krankheit nicht mehr allein finden, können sie sich

Bereich sind Selbsthilfegruppen, in denen

an einem Herbstspaziergang in Gesellschaft erfreuen. Und wenn sie auch den Namen
16

PHINEO-Einschätzung: Umfangreiches

Know-how über den Umgang mit Demenz kann den Erkrankten und deren Angehöwältigung geben. Damit ist Wissen der rigen Sicherheit und Kraft für die AlltagsbeSchlüssel zu mehr Lebensqualität und Lebensfreude – trotz Demenz. Der Clou: Informations- und Beratungsangebote wirken häufig als Türöffner für die Teilnahme an weiteren Projekten. Die Nutzer erhalten hier so viel Unterstützung, dass sie weitere Hilfsangebote annehmen möchten, zum Pflege. Gerade darin liegt aber auch die Beispiel aus dem Bereich Betreuung und Schwierigkeit: Angesichts der hohen Zahl werden, müssen die gemeinnützigen

betreuen und entlasten

Wer die häusliche Betreuung eines Angehö-

rigen mit Demenz übernimmt, stemmt diese Mammutaufgabe oft allein. Damit übernehmen sich viele Angehörige. Die Belastung spüren die Erkrankten genauso wie die Angehörigen: Wenn diese die meiste Zeit die Qualität der Betreuung. Dann fehlen lungen, die ein Leben mit der Krankheit

müde und überfordert sind, leidet darunter die Alltagsfreuden und schönen Abwechsbereichern können. Dabei möchten Men-

schen mit Demenz wie jeder andere auch

Bekannte treffen, vielleicht ein Theaterstück oder tanzen gehen – solange sie das noch können.

von Betroffenen, die bislang nicht erreicht Organisationen ihre Angebote so aufbereiten, dass sie einen leichten Zugang ermöglichen. Hier können Projekte punkten, die ihre Zielgruppe aktiv abholen, wie es beispielsweise die Alzheimer Gesellschaft beit mit Facharztpraxen macht.

genießen, kochen, Zeit mit Tieren verbringen

ung und bei Besuchsdiensten übernehmen engagierte Helfer für einige Stunden die Betreuung der Menschen mit Demenz –

Die Umsetzung: In der ambulanten Betreu-

Brandenburg über eine enge Zusammenar-

entweder in den Räumlichkeiten der Organisation oder bei den Erkrankten zu Hause. Diese Angebote sind eine große Erleichtediese wissen den Erkrankten in guten

rung für die pflegenden Angehörigen, denn Händen und können selbst wieder entspannen. Sie können Termine wahrnehmen, Freunde treffen oder ein Buch lesen und

Kraft tanken. Ein weiterer Ansatz sind alternative Wohnformen wie ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit

Glossar Daseinsthematische Begleitung bezieht sich auf Themen, Talente und charakteristische Muster, die einen Menschen im Laufe des Lebens geprägt haben und die bis zuletzt bleiben, auch wenn die konkreten Erinnerungen an die eigene Biografie verblassen. Zu den Daseinsthemen zählt Abenteuer- und Reiselust ebenso wie der fotografische Blick eines ehemaligen Künstlers. Die Informationen lassen sich zum Großteil aus der Biografie einer Person herauslesen und fließen bei der Daseinsthematischen Begleitung in die Gespräche und gemeinsamen Aktivitäten ein. Biografiearbeit orientiert sich an konkreten biografischen Elementen wie Begegnungen, Erfolgen, Trennungen und Krankheiten. Gerade bei Menschen mit Demenz ist sie ein Schlüssel zu noch vorhandenen Fähigkeiten. Die zentrale Frage ist: Wie wurde der Mensch zu dem, was er ist? Wenn Erkrankte mit vertrauten Gegenständen umgeben sind und sie ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend angesprochen werden können, fühlen sie sich wohler. Biografiearbeit kann außerdem die Verständigung erleichtern. Aktivierung und Ressourcenorientierung richten den Fokus auf das, was ein Mensch noch kann und welche Kompetenzen er hat, und fördern diese gezielt.

Demenz. Gerade Betroffene, deren Familien beispielsweise weit weg leben, können hier
17

Das Leben mit Demenz

Eigene Interessen, Themenpräferenzen, Stimmungen, Meinungen Gedächtnisleistung / Fähigkeit zur Alltagsbewältigung Diagnose

Unterstützung von Menschen mit Demenz

Zeit

Über die Krankheit aufklären / Kommune und Gesellschaft aktivieren Über konkrete Handlungsmöglichkeiten informieren und beraten

Betreuen und begleiten, Unterstützung im Alltag Pflegen

mit Gleichgesinnten zusammenwohnen und müssen dabei nicht auf die Versorgung durch einen professionellen Pflegedienst tionen sind dabei die Organisatoren und

der sozialen und kulturellen Teilhabe im Programm. Sie ermöglichen, was die Erkrankten dringend brauchen: Normalität. Ob Sommerurlaube, Gemeindefeste oder Vogelbeobachtungen – allein schaffen viele In Begleitung ist das meistens jedoch kein Problem.

verzichten. Die gemeinnützigen OrganisaQualitätssicherer und bieten Rundumbetreuung und Begleitung. Viele Organisationen haben außerdem Aktivitäten zur Stärkung

Betroffene nicht mehr, was sie einst liebten.

PHINEO-Einschätzung: Die Projekte profitieren vom hohen Engagement der ehrenamtlichen Helfer. Wichtig sind dabei hoch-

Das Alzheimerdorf

Im niederländischen

Pflegedorf Hogewey woh-

wertige Qualifizierungsmaßnahmen für die der Menschen mit Demenz durch Maßnahmen wie Biografiearbeit und DaseinsBei den Projekten zur Betreuung und

nen 152 Menschen mit Demenz

Engagierten, damit diese die Lebensqualität

in einer eigenen Welt. Wo früher

ein ganz gewöhnliches Pflegeheim stand, leben die Erkrankten heute auf 15.000 Quadratmetern mit einem eigenen Supermarkt, Frisör, Arzt und Restaurant. Das Projekt ist optimal auf

thematische Begleitung verbessern können. Entlastung können auch außergewöhnliche Maßnahmen punkten. Der Verein Porzer Bürger für psychisch Kranke hat beispiels-

die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz ausgerichtet: Sie können Alltag leben und erleben, ohne sich für die eigene Vergesslichgehen, ohne sich zu verlaufen. Sie verlassen

weise großen Erfolg mit dem Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“: Das Projekt setzt auf die natürliche Wirkung von Nähe ohne und Hundebesitzer, die regelmäßig bei den Betroffenen vorbeischauen.

keit schämen zu müssen; sie können spazieren das Gelände Hogewey jedoch auch nie – weshalb das Konzept nicht unumstritten ist, denn trotz aller Vorteile findet hier keine Inklusion, son-

Scheu und vermittelt Besuchsduos aus Hund

dern vielmehr eine Abschottung statt. Auch in

Deutschland gibt es inzwischen erste Ideen zu abgeordneter hat vorgeschlagen, auf einem ehemaligen US-Armeestützpunkt in Heidelberg ein Alzheimerdorf errichten zu lassen.
18

einem ähnlichen Projekt: Ein SPD-Bundestags-

gesellschaftliche Akteure, Pflegedienste

und Fachärzte zusammenbringen und ein Dieses kann Betroffenen einen einfachen Zugang zu unterschiedlichen Angeboten

lebendiges Netzwerk in der Region schaffen.

ermöglichen, die genau ihren Bedürfnissen

entsprechen. Demenzfreundliche Kommunen

öffentliches bewusstsein schaffen

wiederum sind ganzheitlich ausgerichtet

und leben die Idee von Nachbarschaftshilfe Organisationen gezielte Aufklärungsarbeit und Bankangestellte für den Umgang mit Menschen mit Demenz. PHINEO-Einschätzung: Gemeinnützige

Es liegt in der Hand der gesamten Geselldemenzfreundlich zu gestalten. Doch die

und Integration. In diesem Fall betreiben die vor Ort und schulen zum Beispiel Polizisten

schaft, das Lebensumfeld der Betroffenen Angst vor der Krankheit und die Reduzierung kung schaffen oft unüberwindbare Distanzen. Menschen mit Demenz fühlen sich

eines Menschen mit Demenz auf die Erkran-

Organisationen, die sich für die Rechte und die Inklusion der Menschen mit Demenz starkmachen, können mit gutem Beispiel

häufig ausgegrenzt und wertlos. Auch hier ist Wissen der Schlüssel, denn eine aufgeklärte, geschulte Gemeinschaft, in der die Menschen hin- und nicht wegsehen, baut diese Distanzen ab. Wenn der Blumenverauf ältere Menschen reagiert, die einen

vorangehen und die Erkrankten als Akteure in ihre Projektarbeit einbinden. So können Menschen mit Demenz ihre eigene Perspektive sichtbar machen – denn die wird allzu oft übersehen. Ein Vorreiter ist hier Demenz Support Stuttgart: Mit „Ich spreche für mich selbst“ bietet die Organisation Menschen mit Demenz ein öffentliches Forum zur

käufer zum Beispiel weiß, wie er am besten Rosenstrauß in D-Mark bezahlen möchten, Und wenn der Nachbar den Erkrankten der Angehörige eine Auszeit gönnen.

kommt es gar nicht erst zu Befangenheiten. manchmal zum Grillabend einlädt, kann sich Viele gemeinnützige Organisationen wollen diese Potenziale stärken und einen gesellschaftlichen Rahmen für einen alltäglichen Die Umsetzung: Projekte, die auf Kampagnen- und Netzwerkarbeit setzen, haben unterschiedliche Zielsetzungen. Einige konzentrieren sich auf die Stärkung der

Artikulation ihrer Bedürfnisse, Meinungen und Erfahrungen. Ein weiteres Anliegen der Projekte in diesem Bereich ist die

Bekämpfung von Missbrauch, zum Beispiel in betreuten Wohngruppen. Da diese nicht unter die Heimaufsicht fallen, können schwarze Schafe durch ein Minimum an

Umgang mit Menschen mit Demenz schaffen.

Pflege und ein Maximum an Miete Geld auf Kosten der Menschen mit Demenz dazuverdienen. Gemeinnützige Organisationen wie Freunde alter Menschen e. V. machen sich hier für eine bundesweite Stärkung der gesetzlichen Regelungen stark und

Selbstbestimmungsrechte der Erkrankten. gesetzliche Rahmenbedingungen für ein

Viele Projekte setzen sich aktiv für bessere Leben mit Demenz ein oder stärken Struk-

klären Angehörige über ihre Rechte auf.

turen vor Ort, indem sie zum Beispiel zivil19

mit strategischem engagement die lebensqualität der erkrankten steigern
Mit ihrem Engagement können Soziale Investoren dem noch jungen Feld einen entscheidenden Antrieb für große Wirkung geben. Damit Spendengelder nicht verpuffen, ist eine Qualitätsprüfung im

Vorfeld jedoch essenziell. Die Monitoring- und Evaluationsmaßnahmen der gemeinnützigen Organisationen sind hier eigentlich ein wichtiger Schlüssel. Im Umgang mit Menschen mit Demenz ist die Durchführung Mitarbeiter. Da den Erkrankten die Verständigung mit der Zeit immer abfragen – und Rückschlüsse auf die Qualität der Arbeit können die herangezogen werden.

einer Wirkungsanalyse jedoch auch eine große Herausforderung für die schwerer fällt, lassen sich Veränderungen im Wohlbefinden nicht einfach Organisationen so nur schwer ziehen. Hier müssen andere Anhaltspunkte

Ob die Förderung gemeinnütziger Projekte für Demenzkranke mit Migrationshintergrund oder außergewöhnlicher Ansätze mit Erfolgspotenzial: Die Unterstützung wirksamer Projekte für Menschen mit Demenz und deren Angehörige hilft, das Leben der Erkrankten lebenswerter und die Gesellschaft insgesamt demenzfreundlicher zu gestalten.
20

21

knackpunkt wirkungsanalyse
Zufriedenheit messen Dementia Care Mapping (DCM) ist ein Verfahren zur Messung der Pflegequalität. DCM-Beobachter beschreiben anhand fester Beobachtungsregeln, wie konkrete Maßnahmen, zum Beispiel Musik oder die Arbeit mit Tieren, auf die Erkrankten wirken. Die Methode kann auch dabei helfen, Gründe für verändertes Verhalten der Betroffenen zu ermitteln. www.dcm-deutschland.de Das Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität Demenzkranker (H.I.L.DE.) gibt konkrete Hilfestellung, damit Pflegende Beobachtungsergebnisse zur Mimik und Gestik eines Erkrankten genau einordnen können. www.gero.uni-heidelberg. de/forschung/hilde.html

Projekte zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen möchten die Lebensqualität ihrer Zielgruppe positiv beeinflussen. Wie gut eine Maßnahme wirkt, zeigt sich aber nicht allein an

Ein weiterer Ansatz ist die Überprüfung, Wirkung gegeben sind:

ob die Voraussetzungen für eine positive •	  timmen die Helfer ihre Maßnahmen S

Teilnehmerzahlen, denn wenn diese steigen, kann das auch an einer steigenden Zahl der Erkrankungen liegen. Wichtige Indikatoren der Teilnehmer und die Veränderungen, für Wirkung sind deshalb die Zufriedenheit die im Leben der Betroffenen stattfinden. Bei Menschen mit Demenz lassen sich

auf die persönlichen Bedürfnisse und Talente und Fertigkeiten?

Wünsche der Teilnehmer ab? Fördern sie •	  chtet die Organisation darauf, dass die A stimmt? Erhalten die Engagierten Schu•	  emüht sich die Organisation, auch B lungen und Supervision?

Chemie zwischen Helfer und Erkranktem

Genau hier liegt jedoch die Schwierigkeit: aufgrund des fortschreitenden Verlusts der Artikulationsfähigkeit Faktoren wie Zufriedenheit und Wohlbefinden nur schwer über gespräch abklopfen. Die Frage ist, welche

•	  önnen Angehörige den Erkrankten K zubrennen?

zögernde Nicht-Teilnehmer zu erreichen? länger zu Hause pflegen, ohne selbst aus-

einen Fragebogen oder in einem EvaluationsAlternativen gemeinnützige Organisationen haben, um trotzdem die Wirksamkeit ihrer Projekte systematisch und verbindlich erfassen und auswerten zu können. Sie müssen in erster Linie mit Hilfsindikatoren arbeiten. Eine Möglichkeit ist die Einbeziehung der

Eine dritte Option ist die Auswertung von

Beobachtungen. Bislang gibt es allerdings

erst wenige wissenschaftlich fundierte Instrumente, die das Wohlbefinden von Menschen erfassen, die sich verbal nicht mehr klar

äußern können. Das britische Dementia Care Mapping und das Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität Demenzkranker sind hier Vorreiter. Im Kern setzen sie auf die Beobachtung von Mimik und Gestik. Doch die Instrumente sind relativ

Perspektive der Angehörigen. Diese profitieren von vielen Unterstützungsangeboten, sie gewinnen Zeit für sich und sind insge-

samt ausgeglichener. Diese Wirkung können die Organisationen mittels einer Befragung hörigen sehr gut einschätzen, ob die MaßStimmung bei den Betroffenen führen.
22

komplex und können nur dann funktionieren, wenn die Nutzer einen einfachen Zugang Anwendung erhalten – und wenn sie die Daten gewissenhaft auswerten. zu Schulungsprogrammen für die praktische

erfassen. Darüber hinaus können die Angenahmen zu einer besseren oder schlechteren

zufrieden oder nicht?
messung. PHINEO sprach mit Petra Weritz-Hanf über dieses Problem – und über Lösungsansätze. Größte Herausforderung bei der Evaluation eines Projekts im Themenfeld Demenz ist die ZufriedenheitsPHINEO: Warum lässt sich die H.I.L.DE. ist eine solide Basis für die Zufriedenheitserfassung der Erkrankten. Wie funktioniert das? Warum sich eine Person in einer bestimmten Situation gut oder unwohl fühlt, hat ja ganz persönman diese herausgefunden hat, fördern. H.I.L.DE. bietet einen rienkatalog, mit dem man die Das Instrument ist sehr komplex gemeinnützige Organisationen H.I.L.DE. nutzen?

Demenz so schwer erheben?

Zufriedenheit von Menschen mit

in der Anwendung. Können auch

nisprobleme auf beiden Seiten. Die sind oft irritiert und frustriert, weil

unmöglich, und es entstehen Verständ-

Verbale Äußerungen werden fast

funktioniert das leider nicht mehr.

der Krankheit noch sehr gut. Später

Das geht gerade im Anfangsstadium

Frag den Betroffenen selbst!

Weritz-Hanf: Grundsätzlich gilt:

Das Instrument wurde ursprünglich für stationäre Einrichtungen angelegt und ist relativ zeitaufwändig. heft für den Erkrankten aus – das dauert in der Regel eineinhalb

liche, individuelle Gründe. Sobald kann man das Wohlbefinden konkret wissenschaftlich fundierten KriteBeobachtungen zu verschiedenen chen der Erkrankten einordnen

Der Pflegende füllt ein Erfassungs-

Angehörigen und das Pflegepersonal sie von den Schwerstdemenzkranken dest keine, die sie verstehen. Wie

Stunden – und vergleicht die Ergebnisse mit einem Referenzprofil. Überträgt man das Prinzip auf die nisation, müssen gegebenenfalls

keine Reaktionen bekommen – zuminMenschen mit Demenz ihren Alltag erleben, drücken sie ganz anders dem, und das ist das Wichtige, aus, als wir es gewohnt sind. Trotzbleibt ihnen ja ihre emotionale Ausdrucksfähigkeit erhalten. In dieser Phase kann man das Wohlbefinden der Patienten Pflegekräfte erfragen – indirekt über Angehörige und oder aus Beobachtungen ihres Verhaltens, ihrer Gestik und ihrer Mimik ableiten.

Alltagssituationen und Lebensbereiund bewerten kann. So lässt sich

Arbeit einer gemeinnützigen Orgaandere Variablen berücksichtigt und mit den Projektentwicklern abgestimmt werden. Eine Wohlfahrtstungen bereits eine zeitsparende Version des Instruments. Doch dig und teuer.

beispielsweise herausfinden, warum zu einem Lachen und bei Frau Y zu sen kann die Pflegeplanung viel nisse der Patienten abgestimmt

eine identische Situation bei Herrn X Tränen führt. Mit diesen Erkenntnisbesser auf die individuellen Bedürfwerden. Wenn das Instrument regelmäßig angewendet wird, erhalten die Pflegenden einen Nachweis kreten Fall wirkt. dafür, ob eine Maßnahme im kon-

organisation nutzt in ihren Einrich-

derartige Adaptionen sind aufwän-

Petra Weritz-Hanf ist Referatsleiterin „Gesundheit im Alter, Hilfen bei Demenz, Conterganstiftung für behinderte Menschen“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Forschungsprojekt H.I.L.DE. wurde vom BMFSFJ gefördert.

23

was macht qualitätsarbeit im bereich demenz aus?
Gemeinnützige Organisationen, die sich für
1,3 Mio. Betrof. e, B e tr

Menschen mit Demenz einsetzen, agieren in
un

Menschen mit Demenz an sich schon eine

,A

rb e

ili

eu

Fre it g e b e r,

de

einem sehr jungen Feld, das stark von

große Herausforderung ist. Soziale Investoren können sich dennoch anhand verschiedener Kriterien ein umfassendes Bild von der Qualität der gemeinnützigen Arbeit machen.

Fa m

er

ehrenamtlichem Engagement getrieben ist. keine Monitoring- und Evaluationstradition etablieren. Die meisten gemeinnützigen

Pa s

80

Beispielhafte Indikatoren zur Wirkungsanalyse
Inputindikatoren Voraussetzungen: Qualifizierung der Helfer Langfristige Finanzplanung Outputindikatoren (im Projekt/Umfeld) Nachfrage Abbruchquote Teilnahme Projekt: Outcomeindikatoren Teilnehmer: Impactindikatoren Gesellschaft:

Konzept fügt sich in die Strukturen vor Ort ein

24

Ärz

san

te
Mio.

Auch deshalb konnte sich hier bislang noch
ist

te n,

iz Verkäufer, Pol

en

n Gesamtbevölkeru

g

Organisationen haben aber bereits elementare Monitoring-Bausteine in die tägliche Arbeit integriert: Sie erfassen beispielsweise systematisch die Teilnehmerzahlen, holen das Feedback der Teilnehmer ein und archihaben die meisten Projekte vor allem im

Das Projektkonzept

•	  as Konzept ist schlüssig und durchdacht D und relevanten Standards im jeweiligen Projektbereich.

und orientiert sich an erprobten Konzepten

vieren ihre Medienresonanz. Nachholbedarf Bereich Wirkungsanalyse – was durch die schwierige Erfassung und Bewertung der Zufriedenheit und des Wohlbefindens eines

•	  as Projekt knüpft an bestehende StrukD turen an und ergänzt sinnvoll das Unterstützungsangebot für Menschen mit Demenz vor Ort.

•	  ie gemeinnützige Organisation ist gut D Anbietern, die im Feld aktiv werden, so dass die Betroffenen einen leichten

vor Ort vernetzt – vor allem mit anderen

Zugang zu genau dem Angebot bekommen, das ihnen am besten helfen kann.

Stärkung von Fähigund Fertigkeiten der Menschen mit Demenz Steigerung des Wohlbefindens der Menschen mit Demenz und der Angehörigen Entlastung der Angehörigen

Zufriedenheit mit dem Angebot Einbeziehen der Kommune Kooperationen

Gesellschaftliche Integration und Teilhabe der Menschen mit Demenz Verbesserte Versorgung

Die Mitarbeiter und Helfer

Selbstevaluation samt jährlicher Befragung von interne Wissensdatenbank und werden für die

jeder Kontaktaufnahme sowie eine systematische

Alzheimer-Telefon ein kontinuierliches Monitoring

eine sehr große Dachorganisation, führt für ihr

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zum Beispiel,

jede gemeinnützige Organisation leisten.

Ob groß oder klein – ein gutes Monitoring kann

Monitoring in der Praxis

•	  ie gemeinnützige Organisation wählt die D ehrenamtlichen Helfer sorgfältig aus und fragt dabei auch nach deren Motivation für ihr Engagement.

100 Anrufern durch. Die Ergebnisse fließen in eine Anpassung der Maßnahmen herangezogen. Auch Miteinander können sehr gute Monitoring- und Fall erhebt und archiviert die gemeinnützige im Quartal die Seniorenbegleiter und die

kleine Organisationen wie Netzwerke FüreinanderEvaluationsmaßnahmen durchführen. In diesem Organisation den Output und befragt einmal Angehörigen der Erkrankten nach ihrer

•	  ie Freiwilligen erhalten vor ihrem Einsatz D im Projekt eine fundierte Schulung zu den Herausforderungen und Methoden im Umgang mit Menschen mit Demenz.

•	  ei der Vermittlung der Helfer achten die B gemeinnützigen Organisationen darauf, dass Erkrankter und Projektmitarbeiter miteinander wohlfühlen. menschlich zueinander passen und sich •	  ie haupt- und ehrenamtlichen Helfer D •	  auptamtliche dürfen nicht durch EhrenH amtliche ersetzt werden: Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der hauptamtdenen der ehrenamtlich Engagierten. Die Arbeit mit den Erkrankten erhalten regelmäßig Supervision.

Zufriedenheit mit dem Projekt. In einer regelmäßigen Selbstevaluation bespricht der Verein im Rahmen jeder Vorstandssitzung Beobachtunund Rückmeldungen der Teilnehmer. gen, Auswertungsergebnisse

lichen Mitarbeiter unterscheiden sich von

•	  ie Beschäftigungsangebote für MenD

schen mit Demenz sind sinnvoll: Die Helfer finden heraus, was die Erkrankten gern vorhandene Fähigkeiten. machen möchten, und fördern aktiv noch

•	  ie Betreuungsangebote sind so ausgelegt, D dass sie auch kulturelle Besonderheiten berücksichtigen können.

•	  ie Mitarbeiter holen aktiv die EinschätD

zung der Teilnehmer zum Projekt ein und

passen ihre Maßnahmen entsprechend an.
25

professionalisierung fördern: wie soziale investoren das engagementfeld stärken können
Obwohl in der Öffentlichkeit viel über Demenz geredet wird, ist das Thema in den großen Spendengalas noch nicht angekommen. Gerade deshalb können Soziale Inves•	  ie öffentliche Bewusstseinsbildung d nachhaltig vorantreiben und Demenz auch dem machen, was sie für die Betroffenen längst ist: Alltag. in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu

Der Moment ist so wichtig für den dementen Menschen, der Moment ist seine Ewigkeit, weil er im Moment lebt.
Michael Hagedorn, Initiator der Kampagne „KONFETTI IM KOPF“

toren hier viel bewegen und große Wirkung erzielen. Die gemeinnützige

Arbeit im Themenfeld Demenz rungsschwelle, für deren

steht an einer ProfessionalisieÜberwindung strategische

Daneben lassen sich einige konkrete Angebotslücken ausmachen, an denen Soziale Investoren mit gezielter Förderung das Feld gemeinsam mit den gemeinnützigen Organisationen nach vorne bringen können.

Investitionen notwendig sind. Damit könnten die Organisationen

•	  ersonal- und Planungsstrukturen für die P Koordinierung der ehrenamtlichen Helfer aufbauen;

Angebote für spezielle Teilzielgruppen:

Einige Teilzielgruppen werden bislang noch nicht ausreichend von den gemeinnützigen Akteuren adressiert. So gibt es beispiels-

•	 angfristiger planen und feste Strukturen l

für Projekte etablieren, damit sie nicht nur rungssicherheit durchführen;

weise eine Versorgungslücke für Menschen einer genetischen Belastung bereits sehr

kurzfristige Modellprojekte ohne Finanzie•	  ine qualitativ hochwertige Aus- und e

mit Frontotemporaler Demenz, die aufgrund jung erkranken. Sie werden meist in Altenpflegeheimen betreut, da es bislang keine auf ihre Bedürfnisse kann dort nur unzureichend eingegangen werden. Konkrete Maßnahmen fehlen vielerorts auch für speziellen Einrichtungen für sie gibt. Doch

Weiterbildung sowie die Betreuung und Supervision für die Ehrenamtlichen und professionellen Fachkräfte sicherstellen;

Wir müssen alle etwas ‚Dementisch‘ lernen, so wie wir lernen müssen, Kinder zu verstehen oder Menschen aus anderen Kulturen.
Prof. Dr. theol. habil. Thomas Klie

Menschen mit Demenz, die allein leben und

diese Lebensart nicht wegen ihrer Krankheit aufgeben möchten. Sie benötigen vor allem Unterstützung im Alltag, aber auch bei der Organisation ihrer Freizeitgestaltung, gruppe, für die es noch viel zu wenige

zum Beispiel im Urlaub. Eine weitere Zielkonkrete Angebote gibt, sind die 120.000 in Deutschland lebenden Demenzkranken

26

mit Migrationshintergrund. Die größte

Herausforderung sind hier die Sprachbarrieren, denn sie erschweren allein schon die Kulturen ein Tabuthema ist, nehmen nur hintergrund die bestehenden UnterstütDiagnose. Da Demenz außerdem in vielen sehr wenige Demenzkranke mit Migrationszungsangebote der gemeinnützigen Organisationen wahr. Der Zugang zu dieser Zielgruppe könnte den Organisationen indirekt gelingen, beispielsweise über Aufklärungsund Enkel der Erkrankten. arbeit an Schulen und damit über die Kinder

Außergewöhnliche Ideen fördern:

Das bürgerschaftliche Engagement für Menschen mit Demenz befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Niedrigschwellige

Beratungs- und Betreuungsangebote bilden bislang den Kern der Aktivitäten in diesem Projekte mit innovativen Ansätzen, die Bereich. Peu à peu entstehen daneben neue durch alternative Wohnformen, Kunst- und Musikprojekte oder Hundebesuchsdienste vor allem zur Aktivierung und Integration der Menschen mit Demenz beitragen. Soziale Investoren, die das Risiko nicht

Qualitätsentwicklung: Trotz mitunter

scheuen, können mit ihrem Engagement

vorbildlichen Monitorings: Vielen gemeinnützigen Organisationen im Themenfeld Demenz fehlen fundierte Maßnahmen zur mente und Konzepte hierfür sind vorhanbenötigen die Akteure Unterstützung.

hier Entwicklungen ins Rollen bringen und so das Feld stark vorantreiben. Sie sollten jedoch darauf achten, dass die Projekte in eine professionelle und transparente

Qualitätsanalyse und -entwicklung. Instruden, allein bei der praktischen Umsetzung Soziale Investoren können entsprechende Personalkosten übernehmen und Schulungen finanzieren. Damit helfen sie den

Organisation eingebettet sind. Sie sollten außerdem das Projektkonzept in Hinblick auf dessen Schlüssigkeit und realistische Zielsetzung überprüfen.

Aufklärung fördern: Gemeinnützige Organisationen benötigen Mittel, um über die konkreten Aktivitäten für die Menschen mit Demenz und deren Angehörige hinaus das Hier kann eine Investitionen zum Beispiel in Materialien oder Veranstaltungen viel gesellschaftliche Bewusstsein zu schärfen.

Organisationen dabei, sich gut zu positio-

nieren und sich selbst stetig zu verbessern. der Helfer zu garantieren, können Investoren darüber hinaus auch die Supervision für die ehrenamtlich und hauptamtlich sonal finanzieren.

Um langfristig eine gute Qualität der Arbeit

Engagierten durch ausgebildetes Fachper-

bewirken: die Öffentlichkeit aufklären, ihr die Ängste und Unsicherheiten nehmen – und sie zu eigenem Engagement inspirieren.
27

der weg zu wirkungsvollem engagement
Wer das Engagement für Menschen mit Demenz und deren Angehörige stärken möchte, sollte wissen, an welchen Punkten er ansetzen und wie er investieren will. Die folgende Übersicht hilft Sozialen Inves-

hier einen unterschied machen
Menschen mit Demenz und ihre Angestützen. hörigen bei der Alltagsbewältigung unter-

Angebote für spezielle Teilzielgruppen stärken.

toren dabei, das passende Engagementfeld Möglichkeiten dort Wirkung zu erzielen.

auszuwählen und entsprechend der eigenen Neben diesen ganz konkreten Vorschlägen strukturen zu investieren, die eine gute Projektarbeit erst ermöglichen. Soziale

bietet sich immer auch an, in OrganisationsProjekte und Ideen zur Integration und Teilhabe der Menschen mit Demenz vorantreiben.

Investoren können beispielsweise Personalkosten für eine hauptamtliche Stelle überder Helfer finanzieren. nehmen oder die regelmäßige Supervision

Tipps zum strategischen Spenden Gerade bei größeren Fördersummen rät PHINEO dazu, bei der Spendenentscheidung strategisch vorzugehen. Mit den „10 Tipps zum strategischen Spenden“ unterstützt PHINEO dabei, die richtigen Fragen zu stellen, um das philanthropische Engagement wirkungsvoll zu gestalten. Die Tipps finden Sie auf: www.phineo.org

Den entscheidenden Anschub in der Qualitätssicherung geben.

Aufklärungsarbeit leisten und die Demenzfreundlichkeit der Gesellschaft ankurbeln.

28

investieren in
niedrigschwellige Basisangebote, die Beratung und Unterstützung bei der Betreuung bieten und so Menschen mit Demenz und deren Angehörigen direkt helfen.

wissenswertes
Soziale Investoren können mit großen, aber auch mit kleinen Spenden viel bewirken, indem sie zum Beispiel die kontinuierliche Weiterbildung der Helfer finanzieren, für die Betroffenen die Fahrkosten zu den Berafür die Beschäftigung der Erkrankten tragen oder einen betreuten könnten.

tungsstellen und Tagesstätten übernehmen, die Kosten für Materialien Urlaub für Personen ermöglichen, die ihn sich ansonsten nicht leisten

die Skalierung von (Modell-)Projekten, die

sich auf die Unterstützung von Alleinlebenden, Menschen mit Frontotemporaler Demenz oder siert haben. Denkbar ist auch eine Unterstüteine derartige Ausrichtung planen. Erkrankten mit Migrationshintergrund spezializung von gemeinnützigen Organisationen, die

Hier ist Fingerspitzengefühl wichtig. Menschen, die allein leben, haben als Personen, die Gesellschaft bevorzugen. Hier gelingt der Zugang rigen. Ganz anders bei Demenzkranken mit Migrationshintergrund: Enkel erreicht, zum Beispiel über Aufklärungsarbeit in den Schulen.

mitunter andere Bedürfnisse und müssen anders angesprochen werden zu den Menschen mit Demenz auch nicht wie so oft über die AngehöHier werden die Betroffenen am besten indirekt über die Kinder und

junge Programme, die einen vielleicht etwas Ansatz verfolgen und Erkrankten eine MögLeben teilzunehmen.

außergewöhnlichen, aber vielversprechenden lichkeit bieten, wieder am gesellschaftlichen

Angebote wie Tanzcafés, betreute Urlaube und Hundebesuchsdienste die Investitionen nicht verpuffen, ist eine genaue Prüfung des Pro-

sind in Deutschland rar – aber für die Betroffenen sehr wichtig. Damit jektkonzepts essenziell: Ist die Zielsetzung realistisch? Ist das Projekt in eine professionelle und transparente Organisation eingebunden? Haben die Projektverantwortlichen eine Bedarfsanalyse durchgeführt? Orientieren sie sich an erfolgreichen Konzepten aus anderen Ländern?

den Ausbau und die langfristige Stärkung der Monitoring- und Evaluationsmaßnahmen der gemeinnützigen Organisation, zum Beispiel durch die Finanzierung einer Studie.

Monitoring- und Evaluationsmaßnahmen müssen dauerhaft durchDie Schwierigkeit ist hier, die Wirkungsanalyse an die besondere

geführt werden und über bloßes Informationssammeln hinausgehen. Situation der Zielgruppe anzupassen: In frühen Stadien einer Demenz können Erkrankte noch sehr gut selbst zu ihrer Zufriedenheit mit einem Angebot und ihrem Wohlbefinden befragt werden. Später müssen die Organisationen andere Instrumente heranziehen.

die Ausrichtung von Kongressen und VeranKampagnen unterstützen, indem sie zum schüren und Plakate tragen.

staltungen. Sie können darüber hinaus auch Beispiel Druckkosten für Informationsbro-

Gerade hier profitiert die Schlagkraft einer Maßnahme, wenn Menund zum Beispiel bei Veranstaltungen mit im Rampenlicht stehen und ihre eigene Position darstellen können.

schen mit Demenz aktiv in die Projektgestaltung einbezogen werden

29

landkarte empfohlener projekte
1 A. AlzheimerForum B. Alzheimer AngehörigenInitiative e. V. C. Berlin D. Informieren und Beraten – Allgemeine Informationsangebote E. Menschen mit Demenz, Angehörige, beruflich im Themenfeld Engagierte 2 A. Hilfe durch Beratung B. Alzheimer AngehörigenInitiative Leipzig e. V. C. Leipzig D. Informieren und Beraten – Persönliche Beratung E. Angehörige F. 10.000 Menschen mit Demenz und kein krankheitsbezogenes Beratungsangebot? Die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig schließt diese Versorgungslücke im Großraum Leipzig.

F. Hochwertige Informationen für Laien und Experten, Online-Selbsthilfegruppen ohne öffentliche Zurschaustellung – das AlzheimerForum macht vor, wie das perfekt unter einen Hut geht.

Lüneburg

4

3

A. Beratung und ehrenamtliche Betreuung in der Facharztpraxis B. Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V. C. Potsdam

4

A. Betreuungsgruppe für dementiell erkrankte Menschen B. Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e. V. C. Lüneburg

10

Havixbeck

Salzgitter

12

D. Informieren und Beraten – Persönliche Beratung E. Menschen mit Demenz, Angehörige

D. Betreuen und Entlasten – Ambulante Betreuung E. Menschen mit Demenz, Angehörige

11

Köln

F. Diagnose Demenz – und jetzt? Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg unterstützt Menschen mit Demenz und deren Angehörige sofort: Sie berät Betroffene in Facharztpraxen in Strausberg.

F. Je weiter die Demenz fortschreitet, umso schwieriger wird oft der Umgang mit den Betroffenen – besonders für ungeschulte Angehörige. Ihnen hilft die Alzheimer Gesellschaft Lüneburg.

5

A. Dialog Demenz im Pfaffenwinkel

6

B. Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V. C. Weilheim D. Öffentliches Bewusstsein schaffen – Demenzfreundliche Kommune E. Politische Entscheidungsträger, Gesellschaft

A. Tagesstätte zur Betreuung von Alzheimerdementen und Schlaganfallbetroffenen B. Bürgerinitiative Stendal e. V. C. Stendal D. Betreuen und Entlasten – Ambulante Betreuung E. Menschen mit Demenz, Angehörige

7

A. Ich spreche für mich selbst. Menschen mit Demenz melden sich zu Wort B. Demenz Support Stuttgart gGmbH C. Stuttgart 13

7

Stuttgart

Freiburg

D. Öffentliches Bewusstsein schaffen – Kampagnen- und Netzwerkarbeit E. Menschen mit Demenz, Medien, Gesellschaft

F. Menschen mit Demenz müssen in die Gemeinschaft integriert werden. Die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel geht noch einen Schritt weiter und gibt ihnen auch eine politische Stimme.

F. Die Bürgerinitiative Stendal schlägt mit ihrer Tagesstätte drei Fliegen mit einer Klappe: Betreuung, Angehörigenentlastung und Qualifizierung von Arbeitssuchenden.

F. Es wird viel über Menschen mit Demenz gesprochen – aber wenig mit ihnen. Demenz Support Stuttgart gibt den Betroffenen eine Stimme.

30

8

A. Alzheimer-Telefon

B. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. C. Berlin D. Informieren und Beraten – Persönliche Beratung E. Menschen mit Demenz, Angehörige

9

A. WG-Qualität C. Berlin

B. Freunde alter Menschen e. V. D. Öffentliches Bewusstsein schaffen – Kampagnen- und Netzwerkarbeit E. Menschen mit Demenz, Angehörige, beruflich im Themenfeld Engagierte

F. Zeitmangel, Entfernungen und Schamgefühle versperren Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen oft den Zugang zu Hilfsangeboten. Am Alzheimer-Telefon aber bekommt jeder Hilfe.

F. Ambulant betreute WGs für Demenzkranke haben sich als Wohnform etabliert. Doch rechtliche Grauzonen fördern den Missbrauch. Freunde alter Menschen e. V. setzt sich für Qualität ein.

6

Stendal Potsdam
3

1

9

8

Berlin
10 A. Ambulantes Unterstützungsangebot bei Demenz B. Netzwerke FüreinanderMiteinander e. V. 11 A. Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“

2

Leipzig

C. Havixbeck

B. Porzer Bürger für psychisch Kranke e. V. C. Köln D. Betreuen und Entlasten – Besuchsdienste E. Menschen mit Demenz, Angehörige

D. Betreuen und Entlasten – Besuchsdienste E. Menschen mit Demenz, Angehörige

F. Auch Menschen mit Demenz möchten am gesellschaftlichen Leben teilhaben, brauchen oft aber eine helfende Hand. Netzwerke Füreinander-Miteinander unterstützt aktives Altern.

F. Womit Menschen sich manchmal schwertun, gelingt Hunden meist auf Anhieb: Sie gehen unbefangen auf Menschen mit Demenz zu. „4 Pfoten für Sie“ bringt Demenzkranke und Hunde zusammen.

12

A. „Jung & Alt“ – Begegnung von Kindern und alten Menschen B. SOS-Mütterzentrum Salzgitter C. Salzgitter

13

A. Wohngruppe für Menschen mit Demenz im Quartier Vauban B. WOGE e. V. C. Freiburg

5

Weilheim

D. Betreuen und Entlasten – Aktivitäten zur Stärkung der sozialen und kulturellen Teilhabe E. Menschen mit Demenz, Kinder und Jugendliche

D. Betreuen und Entlasten – Alternative Wohnformen E. Menschen mit Demenz, Angehörige

Legende A. 	Projektname B. 	Organisationsname C. 	Sitz der Organisation D. 	Handlungsansatz E. 	Zielgruppe F. 	 Beschreibung

F. Wo die Gesellschaft kein soziales Auffangnetz mehr bietet, sind Menschen mit Demenz oft auf sich allein gestellt. Im Mehrgenerationenhaus Salzgitter finden sie eine neue Großfamilie.

F. Ab ins Heim? Viele Pflegebedürftige möchten lieber individueller wohnen. Die Demenz-WG von WOGE e. V. bietet Menschen mit Demenz ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Lebensumfeld.

31

die phineo-methode: analyse mit herz und verstand
Die PHINEO-Analyse ist ein unabhängiges Analyseverfahren für gemeinnützige Aktivitäten. PHINEO analysiert gemeinnützige Organisationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und des Wirkungspotenzials ihrer Projekte. Die PHINEO-Analyse besteht aus einem vierstufigen Verfahren, das gemeinnützigen Organisationen aller Art und Größe

die neun kriterien der phineo-analyse
Sechs organisationsbezogene und drei projektbezogene Kriterien bilden den Fahrplan für die Einschätzung einer gemeinihrer Aktivitäten. nützigen Organisation und der Wirksamkeit

offensteht. Am Ende der Analyse steht eine umfassende Einschätzung der Organisationen, die übersichtlich in einem Porträt dargestellt Organisationen kostenfrei.

der Handlungsansätze, Chancen, Herausforderungen und Förderbedarfe werden. Die Teilnahme am Analyseverfahren ist für die gemeinnützigen

Die Einschätzung des Wirkungspotenzials des Projekts erfolgt über folgende drei Kriterien:

Ziele & Zielgruppen
Analyse des Themenfeldes mit seinen Herausforderungen und Besonderheiten

Konzept sowie Ansatz Qualitätsentwicklung

Analyse der Organisation auf ihre Leistungsfähigkeit

Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Organisation erfolgt über die folgenden sechs Kriterien:

Analyse des Projekts im Themenfeld auf sein Wirkungspotenzial

Vision & Strategie Aufsichtsgremien

Leitungsgremium & Personalmanagement Finanzen & Controlling Öffentlichkeitsarbeit

Finanzierungskonzept & Fundraising

32

in vier schritten zur phineo-empfehlung
stufen voraus.

Eine Empfehlung durch PHINEO setzt das

erfolgreiche Durchlaufen aller vier Analyse-

In einem ersten Schritt geben die Organisationen Auskunft über ihre Aktivitäten und Projekte sowie zu ihrer Gemeinnützigkeit. nen Thema und erfüllt das Projekt die

Passt diese Darstellung zum ausgeschriebePHINEO-Anforderungen, senden sie in der darunter die Satzung, Jahresberichte, inhaltliche Arbeit – an PHINEO. Diese

themenreports als ausgangsbasis

nächsten Runde Informationsmaterialien – Finanzinformationen und Berichte über ihre werden vom Analystenteam ausgewertet. In der nächsten Stufe stehen Besuche bei den gemeinnützigen Organisationen an: Die Analysten verschaffen sich vor Ort ein

Den inhaltlichen Rahmen für die PHINEOAnalyse bilden die Themenreports. Sie stellen den Stand der Forschung und erfolgreiche Handlungsansätze gemeinBereichen vor. Diese Kontextanalyse ist in konkreten Bereichen angemessen nützigen Engagements in verschiedenen die Voraussetzung, gemeinnützige Arbeit einschätzen zu können. Denn für gemeinnützige Arbeit im Bereich Demenz gelten beispielsweise andere Rahmenbedingungen als in der Umweltbildung. Für die Erarbeitung des Themenreports arbeitet PHINEO immer mit Experten aus den jeweiligen Themenfeldern zusammen.
Eine ausführliche Darstellung der Methode finden Sie in dem 52 Seiten umfassenden Handbuch „Engagement mit Wirkung“ auf: www.phineo.org

Bild. Ist das Team von der Arbeit überzeugt, schlägt es die Organisation für die Empfehexternen Experten entscheiden abschlielungskommission vor. Die dort versammelten ßend darüber, welche Organisationen und Projekte von PHINEO empfohlen werden. Das Verfahren zur Empfehlung von Organisationen und Projekten
Erhebung der Daten

Das Verfahren zur Erstellung des Themenreports

1 2 3 4

Online-Fragebogen Informationsmaterialien Vor-Ort-Besuche bei gemeinnützigen Organisationen

1 2 3

Gutachten Expertensitzung Vertiefende Recherchen und Interviews Veröffentlichung des Themenreports

Finale Bewertung Zusammenfassung und Analyse aller Erkenntnisse aus dem Bewerbungsverfahren Empfehlungskommission Empfehlung und Porträtierung

33

Helga Schneider-Schelte Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V., Berlin Petra Weritz-Hanf Referat für Gesundheit

herzlichen dank!
Die PHINEO gAG bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten, die an der Erarbeitung des Themenreports „Vergessen? Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen“ mitgewirkt haben. Dieser Themenreohne die kontinuierliche und kompetente

im Alter, Hilfen bei Demenz, Contergan-

stiftung für behinderte Menschen; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin

Peter Wißmann Demenz-Support Stuttgart gGmbH, Zentrum für Informationstransfer Für die Unterstützung bei der Analyse der

gemeinnützigen Organisationen und deren Projekte auf inhaltliche Qualität sowie ihre Teilnahme an der Empfehlungskommission bedanken wir uns bei:

port und die dazugehörigen Porträts wären Begleitung durch eine Vielzahl von renommierten Wissenschaftlern und erfahrenen Praktikern im Bereich Demenz sowie möglich gewesen.

Dr. phil. Sonja Ehret Institut für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Kennern des gemeinnützigen Sektors nicht

Auch bei den Mitgliedern der Empfehlungskommission bedanken wir uns herzlich: Weert Diekmann DekaBank Deutsche Girozentrale, Frankfurt am Main Office Ltd., Zürich Hamburg

Für das Gutachten im Vorfeld dieses Themenreports danken wir herzlich: Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Dipl. Psych. Andreas Kruse Institut für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Dr. Steen Ehlern Ferguson Partners Family Johanna von Hammerstein BürgerStiftung Dr. Christian Meyn Auridis gGmbH, Neuss Monika Sandrock Balanced Solutions, München

Ein ebenso herzlicher Dank gilt den Expertung dieses Reports in einem ganztägigen Workshop unterstützt haben: Duisburg-Essen Christian Fischbach Universität Dr. Julia Haberstroh Arbeitsbereich

ten, die uns bei der thematischen Vorberei-

Dr. Dirk Scheffler e-fect dialog evaluation consulting eG, Trier Prof. Dr. phil. Michael Vilain Evangelische Fachhochschule Darmstadt; Zentrum für Nonprofit-Management gGmbH, Münster Aktiengesellschaft, Wien

Interdisziplinäre Alternswissenschaft,

Goethe-Universität Frankfurt am Main Berlin

Dr. Heinrich Weninger Kathrein Privatbank

Damaris Koch AWO Bundesverband e. V., Verena Rothe Aktion Demenz e. V., Gießen Prof. Dr. phil. Eric Schmitt Institut für Heidelberg
34

Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität

impressum
1. Auflage, November 2011 © PHINEO, Berlin Kontakt PHINEO gAG 10178 Berlin
Diesem Themenreport liegen in der gedruckten Fassung Projektporträts der von PHINEO empfohlenen Organisationen und Projekte bei. Die Informaauf deren eigenen Angaben. Eine vollständige Überprüfung dieser

Für inhaltliche Fragen zu diesem Themenreport stehen Ihnen gern zur Verfügung: Charlotte Buttkus Sonja Schäffler Charlotte.Buttkus@phineo.org Sonja.Schaeffler@phineo.org Hauptverantwortung: Ina Epkenhans

Anna-Louisa-Karsch-Str. 2 Tel (0 30) 52 00 65-400 info@phineo.org

tionen zu den Organisationen basieren

Fax (0 30) 52 00 65-403 www.phineo.org Für Fragen zu PHINEO steht Ihnen gern zur Verfügung: Sabine Arras sabine.arras@phineo.org

Angaben ist trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen durch PHINEO nicht möglich. PHINEO übernimmt daher keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der

Informationen. Gleiches gilt für die und Organisationen. Finanzielle

zukünftige Entwicklung von Projekten Investitionen erfolgen in jedem Fall auf eigenes Risiko. Eine rechtliche Verpflichtung von PHINEO aufgrund besteht nicht. Ansprüche gegen

Analyse: Charlotte Buttkus, Sonja Schäffler Benjamin von der Ahe, Philipp Hoelscher, Andreas Schmidt (Zusatzanalysten) Gestaltung: Manon Bott

(Verantwortliche Analysten), Ina Epkenhans,

der Bereitstellung der Informationen PHINEO, die auf die Nutzung der

Redaktion: Annett Zühlke, Sonja Schäffler Druck: Druckhaus Berlin-Mitte GmbH Bildnachweise

veröffentlichten Inhalte und besonders die Nutzung fehlerhafter und unvollwerden, sind ausgeschlossen. ständiger Informationen zurückgeführt

Titel: Michael Hagedorn S. 1: Yvonne Dickopf S. 4–5, 10–11, 20–21: Michael Hagedorn

Schutzgebühr Druckausgabe: EUR 19,90

35

literaturverzeichnis
Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit (Hrsg.), Demenz und soziale Teilhabe. Vierteljahreshefte Heft 4/2008 zur Förderung von Sozial-, Jugend- und Gesundheitshilfe, Förstl/Kleinschmidt, Das Anti-Alzheimer-Buch – Ängste, Fakten, Präventionsmöglichkeiten, München 2009 GfK (Hrsg.), GfK Bevölkerungsstrukturdaten 2010, Bruchsal 2011

BARMER GEK (Hrsg.), BARMER GEK Pflegereport 2010, Schwäbisch Gmünd 2010

Hallauer/Bienstein/Lehr/Rönsch, SÄVIP – Studie zur

Becker/Kaspar/Kruse, H.I.L.DE. – Heidelberger Instrument (H.I.L.DE.), Bern 2011

ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen, Hannover 2005 Klie/Roß (Hrsg.), Sozialarbeitswissenschaft und angewandte Forschung in der Sozialen Arbeit, Freiburg 2007

zur Erfassung der Lebensqualität demenzkranker Menschen

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.), Demenz-Report – Wie sich die Regionen in Deutschland, vorbereiten können, Berlin 2011 Österreich und der Schweiz auf die Alterung der Gesellschaft

Kruse/Schmitt/Ehret/Wesselmann, Vergessen? Demenz-

kranke und ihre Familien unterstützen – Handlungsbedarf und Handlungsalternativen für gemeinnützige Organisationen. Unveröffentlichtes Gutachten, Heidelberg 2010

Blinkert/Klie, Pflegekulturelle Orientierungen und soziale

Milieus. Ergebnisse einer Untersuchung über die sozialstrukturelle Verankerung von Solidarität. In: Sozialer Fortschritt, Jg. 49, Heft 10, Freiburg 2000, S. 237-245

Schneekloth/Leven, Hilfe- und Pflegebedürftige in

Privathaushalten in Deutschland 2002, München 2003 Schneekloth/Wahl (Hrsg.), Möglichkeiten und Grenzen

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und

selbständiger Lebensführung in privaten Haushalten (MuG III) – Repräsentativbefunde und Vertiefungsstudien zu häuslichen angeboten, München 2005 Pflegearrangements, Demenz und professionellen Versorgungs-

Jugend (Hrsg.), Auf der Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform, Ein Wegweiser für ältere Menschen, Berlin 2009

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Sechster Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin 2010 Demenz Support Stuttgart (Hrsg.), „Ich spreche für Frankfurt am Main 2010

Taylor, Alzheimer und Ich – Leben mit Dr. Alzheimer im Kopf, Bern 2010

Verband der Elektrotechnik Elektronik InformationstechSysteme im Dienst für eine reife Gesellschaft, Frankfurt am Main 2010

nik e. V. (Hrsg.), VDE-Positionspapier Intelligente Assistenz-

mich selbst“ – Menschen mit Demenz melden sich zu Wort,

Deutsche Gesellschaft für Supervision e. V. (Hrsg.),

Whitehouse/George, Mythos Alzheimer – Was Sie schon immer über Alzheimer wissen wollten, Ihnen aber nicht gesagt wurde, Bern 2009

Positionspapier Supervision und Ehrenamt, Kassel 2011 Ehret, Die Daseinsthemen – der Stoff, aus dem Persönlichkeit ist. In: Hauswirtschaft und Wissenschaft, Heft 3/2010, Osnabrück 2010, S. 2-6 Weitere Literaturtipps sowie interessante Links zum Thema finden Sie unter: www.phineo.org

Zank/Schacke, Längsschnittstudie zur Belastung pflegender Angehöriger von demenziell Erkrankten (LEANDER). Abschlussbericht Phase 2, Siegen 2007

36

Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“ Porzer Bürger für Psychisch Kranke e. V.
Die Organisation Porzer Bürger für Psychisch Kranke e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1990 Kontakt Änne Türke Projektleitung, stellvert. Vorsitzende Kölner Straße 64 51149 Köln (0 22 03) 3 69 11 11 71 aenne.tuerke@porz-pro-psych.de www.4-pfoten-fuer-sie.de www.porz-pro-psych.de Das Projekt Start des Projekts: 2008 Erreichte Personen (2010): ca. 150 Personen, darunter 80 Menschen mit Demenz, deren Angehörige und 40 Ehrenamtliche Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 3.887 € n.a. 2008 9.393 € 6.447 € 2009 5.571 € 7.800 € 2010 Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 0 0 Hauptamtliche 0 2 Honorarkräfte 15 40 Ehrenamtliche Erläuterung: Das Projekt „4 Pfoten für Sie“ wuchs aufgrund der großen Nachfrage mit der Zeit ein Stück weit über den Verein hinaus. Die Ausgaben für das Projekt wurden 2010 trotz ausbleibender Zuschüsse für den Trägerverein vom Vereinsvermögen abgedeckt.

herausforderung

Sprachbarrieren behindern die Interaktion Womit Menschen sich manchmal schwertun, gelingt Hunden meist auf Anhieb: Sie gehen unbefangen auf Menschen mit Demenz zu. „4 Pfoten für Sie“ bringt Demenzkranke und Hunde zusammen. Kommunikation läuft in unserer Gesellschaft in erster Linie über die Sprache. Doch Menschen mit Demenz fällt die verbale Verständigung häufig schwer, die Betroffenen müssen mitunter lange nach Worten suchen und haben Auffassungsdefizite. Auch das Gegenüber weiß oft nicht, wie es Äußerungen einordnen soll. Hier geraten Gesunde, deren wichtigstes Medium die Sprache ist, schnell an ihre Grenzen. Gerade in diesen Fragen könnten sich manche Menschen etwas vom instinktiven Verhalten von Tieren abschauen. Vor allem Hunde gehen frei von Vorurteilen auf jeden Menschen zu. Ihre nonverbale Ausdrucksweise kommt der eher emotional geprägten Kommunikation von Menschen mit Demenz sehr entgegen, die Tiere reagieren auf Ansprache, Mimik und Gestik, sie lassen sich gerne streicheln und vermitteln in ihrer ganzen Art ein bedingungsloses und unangestrengtes Gefühl von Nähe. Menschen und Tiere leben oft zusammen, doch mit einer Demenzerkrankung können sich die Betroffenen nicht mehr angemessen um ein eigenes Haustier kümmern. Tiergestützte Therapien sind jedoch rar – und meistens teuer. Der Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“ setzt auf ehrenamtliches Engagement von Mensch und Tier, denn gerade Hundebesitzer haben einen ausgeprägten Sinn für Hilfe und Unterstützung.

handlungsansatz

Hunde kennen keine Vorurteile Bei „4 Pfoten für Sie“ dreht sich alles um Normalität – denn die fehlt im Alltag von Menschen mit Demenz nur allzu oft. Das Projekt setzt auf die natürliche Wirkung von Nähe ohne Scheu und vermittelt Besuchsduos aus Hund und Hundebesitzer, die regelmäßig bei den Betroffenen vorbeischauen und ihnen wieder etwas Lebensfreude und Lebensqualität zurückgeben wollen. Die fröhliche und ausgeglichene Art der Vierbeiner kann dem einen lang ersehnte Beruhigung vermitteln und bei dem anderen einen fast abhandengekommenen Sinn für Aktivität wiederbeleben. Nackenkraulen und Stöckchenwerfen regen die Motorik an, das regennasse Fell und die raue Zunge, die nach Leckerbissen in der Hand fischt, stimulieren den Geruchs- und Tastsinn. Manchmal weckt die unkomplizierte und intensive Beziehung zu „ihrem“ Hund sogar Erinnerungen in den Betroffenen. Die Besuchsteams engagieren sich ehrenamtlich im Projekt. Hund und Mensch werden vor dem ersten Besuch intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet. Dazu gehören nach dem ersten „Casting auf der Hundewiese“ vor allem Qualifizierungskurse für Herrchen oder Frauchen, aber auch die Absolvierung des BVZHundeführerscheins, der Mensch und Hund offiziell als tolles Team ausweist. Ganz wichtig bei der Vermittlung der Besuchshunde: Die Chemie muss stimmen. Die Organisation legt großen Wert darauf, dass das Besuchsteam mit dem Demenzkranken und seiner Familie harmoniert und sich Mensch und Hund miteinander wohlfühlen.

G. 63% F. für Hundebesuchsdienst „4 Pfoten 58% Sie“ Porzer Bürger für Psychisch Kranke e. V.

Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz Legende G. 			6% herausragend
			 			 			 F. 44% 			 			 sehr gut gut

Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“

Finanzierungsquellen der Organisation
G. 26% A. 39% E. 3% C. 19% B. 13%

akzeptabel

A. 44%

entwicklungsbedürftig unzureichend

Freunde alter Menschen e. V. A. 14%

resultate

B. 11% G. 45% Die Interessenten stehen Schlange Die Skalierung des Projekts ermöglichen „4 Pfoten für Sie“ ist ein echtes VorzeigeproDas Projekt besticht mit Professionalität und jekt. Bester Beweis für den durchschlagenden einer Extraportion Charme. Ein Engagement Erfolg: Die Nachfrage ist so groß, dass auf für „4 Pfoten für Sie“ F. 30% sich vor allem für eignet beiden Seiten Wartelisten geführt werden Soziale Investoren, die einen ganz besonderen müssen. Die der potenziellen Hund-MenschHandlungsansatz unterstützen möchten und Teams ist besonders lang. 2010 wurden vielleicht sogar selbst eine Affinität zu Hunden 20 Besuchsteams ausgebildet, von denen alle haben. Schon kleine Spenden bis 2.000 Euro nach und nach mit Menschen mit Demenz kann die Organisation sehr gut für die Finanzusammengebracht wurden. Dabei prüft die zierung von Qualifizierungskursen, die HerstelOrganisation sehr genau, ob das Menschlung der „Arbeitskleidung“ für das BesuchsHund-Team und der Demenzerkrankte auch auf duo oder die Öffentlichkeitsarbeit einsetzen. längere Sicht gut zusammenpassen werden. Die Rückmeldungen der Menschen mit Demenz Der Erfolg des Projekts hat sich landesweit und der Angehörigen sind durchweg positiv, herumgesprochen und der Wunsch nach einer und auch die ehrenamtlichen Helfer berichten Ausweitung des Ansatzes wächst. Die Organivon zufriedenen Besuchten. Die Hundebesitzer sation möchte ihr gebündeltes Wissen über notieren ihre Eindrücke tagebuchartig in das Konzept von „4 Pfoten für Sie“ weitertraBesuchsprotokollen und nehmen alle sechs gen und Kooperationspartnern in unterschiedWochen an Reflexionstreffen teil. Diese lichen Regionen Deutschlands das notwendige kontinuierliche Selbstbeobachtung schärft sie Wissen zum Aufbau eines ähnlichen Besuchsdafür, sich mit der Wirkungsweise ihres dienstes vermitteln. Vor dem Hintergrund Engagements auseinanderzusetzen. Sie hilft dieser Skalierungspläne wäre eine Evaluation aber auch, Schwierigkeiten und Probleme bisheriger Ergebnisse sehr wertvoll. Eine frühzeitig zu erkennen und angemessen zu entsprechende Auswertung des Monitorings reagieren. Für ein derartig junges Projekt sind konnte bislang jedoch aufgrund von Ressourdie Maßnahmen zum Monitoring und zur cenmangel noch nicht durchgeführt werden. Qualitätssicherung bemerkenswert. Auch die Soziale Investoren könnten der Organisation Fähigkeit der Mitarbeiter, in Wettbewerben bei der Evaluation ihrer Arbeit und der Skaliezu überzeugen und neue Kooperationspartner rung ihres Ansatzes wirkungsvoll unter die ins Boot zu holen, zeugt von dem großen Arme greifen, indem sie zum Beispiel die Engagement des Teams. Der neueste Clou: Personalkosten für eine hauptamtliche Stelle Hund und Mensch besuchen Erkrankte nicht nur übernehmen – etwa mit der Finanzierung zu Hause, sondern verabreden sich auch mit einer Teilzeitstelle mit acht WochenarbeitsMenschen mit Demenz im Park des örtlichen stunden für rund 8.000 Euro im Jahr. Krankenhauses.

empfehlungen

G. 8%

D. 7%

Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. THEMENrEPorT: DEMENZ

F. 77%
VERGESSEN?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

8

gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Besuchsdienste Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

E. 2% B. 2% C. 2%

A. 	 Spenden B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	 Zins-/Vermögenserträge Alzheinmer Angehörigen Initiative F. 	 Öffentliche Gelder A. 2% G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 5% C. 1% H. 	Sonstige

AlzheimerForum Alzheimer Angehörigen-Initiative e. V.
Die Organisation Alzheimer Angehörigen-Initiative e. V.

ANGEHÖRIGEN−INITIATIVE

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1997 Kontakt Rosemarie Drenhaus-Wagner 1. Vorsitzende Reinickendorfer Straße 61 13347 Berlin (0 30) 47 37 89 95 Rosemarie.Drenhaus-Wagner @AlzheimerForum.de www.alzheimer-organisation.de Das Projekt Start des Projekts: 1998 Erreichte Personen: durchschnittlich 1.890 Besucher der Website pro Tag, 191 Mitglieder in den Selbsthilfegruppen, 64 konkrete Anfragen pro Jahr. 71 Menschen mit Demenz in den betreuten Urlauben (2010) Wirkungsregion: regional, landesweit, bundesweit Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008 471.574 € n.a. 2009 467.188 € n.a. 2010 94.823 € n.a. Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Hauptamtliche 1 1 Honorarkräfte 0 0 Ehrenamtliche 36 24 Erläuterung: 2010 wurden 468.233 € der Gesamteinnahmen der Alzheimer Angehörigen-Initiative e. V. auf die Anfang 2010 ausgegründete gGmbH übertragen, deren alleiniger Gesellschafter der e. V. ist (siehe Resultate).

herausforderung

Hohe Ansprüche an Informationen im Web Hochwertige Informationen für Laien und Experten, Online-Selbsthilfegruppen ohne öffentliche Zurschaustellung – das AlzheimerForum macht vor, wie das perfekt unter einen Hut geht. Viele Menschen kennen ihre Nachbarn nicht, erzählen aber im Internet unter dem Deckmantel der Anonymität wildfremden Personen ihre Lebensgeschichte. Missbrauch nicht ausgeschlossen. Unabhängig davon, wie kontrovers die Rolle des Internets diskutiert wird: Für manche Menschen kann es ein Rettungsanker sein. Gerade zu tabuisierten Themen können sie sich sehr gut im Web austauschen. Dort können Betroffene vom Erfahrungsschatz anderer profitieren – oder finden jemanden, der einfach zuhört. Diese Stärken haben für das Thema Demenz großes Potenzial. Der Wissenshunger der Erkrankten und deren Angehörigen ist meist riesig, die Scham oft genug aber auch. Beratungsstellen liegen häufig weit weg, die Anonymität und 24-Stunden-Erreichbarkeit des Internets machen die Suche nach Antworten und Unterstützung leichter. Doch die Organisation eines Onlineforums für Menschen mit Demenz und deren Angehörige erfordert Fingerspitzengefühl. Die Nutzer suchen Rat und Austausch, wollen sich aber nicht vor aller Welt entblößen. Das Angebot soll ein Fachpublikum ansprechen, aber auch Betroffene und Interessierte, die sich vielleicht zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen.

handlungsansatz

Informieren und unterstützen, on- und offline Das ehrenamtlich betriebene AlzheimerForum bietet hochwertige Informationen zum Thema Demenz, unterstützt und berät Betroffene aber auch in Online-Selbsthilfegruppen. Die Plattform entstand nach US-amerikanischem Vorbild, nachdem die Projektinitiatoren auf deutschsprachigen Seiten erfolglos nach einem ähnlichen Angebot gesucht hatten. Seit dem Start 1998 hat sich die Website zu einer Fundgrube entwickelt, die Angehörige mit Wissenswertem zur Krankheit und Pflege, Erfahrungsberichten sowie Tipps für Unterstützungsangebote in der Nähe versorgt, die aber auch Pflegefachkräfte und medizinische Fachkreise anspricht. Acht qualifizierte Ehrenamtliche beraten die Hilfesuchenden online. Die Internetplattform geht damit weit über eine bloße Bereitstellung von Informationen hinaus. Bei den Online-Selbsthilfegruppen setzt das AlzheimerForum auf geschlossene Mailinglisten, über die sich registrierte Nutzer per E-Mail miteinander austauschen können. Das Besondere an diesem Projekt ist dessen Anschlussfähigkeit: Viele Betroffene werden durch den Webauftritt auf die Offlineangebote der Organisation aufmerksam, beispielsweise die betreuten Urlaube für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Über Kooperationen kann die Organisation diese Urlaube kostengünstig anbieten. Eine optimale Betreuung im Urlaub ist vor allem dann möglich, wenn die Mitarbeiter die Teilnehmer bereits aus anderen Projekten wie der Betreuungsgruppe des Vereins kennen.

AlzheimerForum Alzheimer Angehörigen-Initiative e. V.
Alzheimer-Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V. Legende
			 			 herausragend A. 15% sehr gut gut

Alzheimer-Gesellschaft Lüneburg e. V. Wirkungspotenzial des Projekts H. 1% A. 8% Ziele und Zielgruppen B. 1% C. Konzept und Ansatz 5%

G. 63%

Qualitätsentwicklung F. 22% Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement

G.

			 38% 			 			 			

akzeptabel C.

B. 6% E. 5% 7%

Alzheimer Angehörigen-Initiative e. V. Finanzierungsquellen der Organisation G. 2% H. 1% A. 15% F. 22% B. 9% E. 1% D. 15% C. 36%
Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 28% Demenz Support Stuttgart gGmbH G. 7% F. 23% H. 3%

Finanzen und Controlling Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“ Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit G. 26%

Der Weberfolg ermöglicht Offline-Projekte Ausbau der Website zum Alzheimer-Wiki Analysiert und empfohlen 11/2011 F. 58% Ein guter Indikator für den Erfolg der OrganiFür Soziale Investoren ergibt sich hier die Themenreport Demenz B. 67% C. 19% sation ist die Ausgründung einer gGmbH 2010 Möglichkeit, mit einer technischen RunderneuB. 13% 8 für die Angebote zur Entlastung und Teilhabe, erung der Website das AlzheimerForum zu darunter die betreuten Urlaube. Diese Organieinem interaktiven Alzheimer-Wiki auszubauVERGESSEN? sationsform sichert langfristig den Bestand en. Die Plattform ist eine Goldgrube voller der Organisation sowie das quantitative und Wissen, allerdings auf dem technischen Stand SOS-Mütterze WoGevon vor mehr als zehn Jahren. Eine Neustruk- Füreinander-Miteinander e. V. Alzheinmer Angehörigen Initiative wurde das Forum qualitative Wachstum. 2010 Netzwerke täglich rundA. 2% Mal besucht, 191 Mitglieder 1.890 turierung der Inhalte sowie interaktive Module, A. 5% G. 11% A. aus der Pflege ihr Wissen H. 5% C. 1% C. 7% tauschten sich in den Online-Selbsthilfegrupmit denen Profis8% C. 2% G. 15% D. 7% G. 8% pen aus. weitergeben können, plus 11% visuelle AnpasE. eine sung könnten eine noch größere Wirkung des D. 23% F. 1% Regelmäßig sechs Mal im Jahr bietet die OrgaAngebots ermöglichen. Ein Konzept dafür ist Handlungsansatz: nisation betreute Urlaube an, 2010 nahmen bereits in Arbeit, allein die Ressourcen für die F. 54% INFORMIEREN & BERATEN – 36 Betreuer und 71 Demenzerkrankte teil. Umsetzung fehlen. Soziale Investoren könnten Allgemeine Informationsangebote Die betreuten Urlaube bieten den Familien die 78% G. Personalkosten für einen Web-Designer F. 77% eine große Entlastung, denn hier können die tragen und so dem in Deutschland einmaligen Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Angehörigen zum Beispiel wandern gehen Onlineprojekt zu großer Aufmerksamkeit Weitere Informationen sind bei mit dem beruhigenden Wissen, dass die verhelfen. Die technische Umsetzung wäre mit PHINEO erhältlich. Menschen mit Demenz gut aufgehoben sind. 20.000 Euro möglich. Ein Sozialer Investor, der sich langfristig engagieren möchte, kann mit Die Alzheimer Angehörigen-Initiative ist ein 150.000 Euro eine Personalstelle für fünf Jahre Ausnahmebeispiel für Transparenz über die finanzieren und dem Forum nachhaltig zum eigene Organisation. Qualität wird hier Erfolg verhelfen. großgeschrieben, sowohl der Verein als auch die gGmbH haben das Paritätische QualitätsQualitätsmanagement genießt einen hohen siegel für ihr Qualitätsmanagement erhalten. Stand bei der Organisation. Aufgrund begrenzPHINEO hat im Rahmen der Analyse des Vereins ter Kapazitäten kommen Evaluationsmaßnahaufgrund der engen Verflechtungen ebenfalls men für das AlzheimerForum jedoch etwas die AAI gGmbH geprüft und ist dabei zu einem kurz. Soziale Investoren könnten eine Projektpositiven Ergebnis gekommen, das sich in der evaluation ermöglichen. Auch mit der FinanSternevergabe widerspiegelt. zierung eines betreuten Urlaubs für einkommensschwächere Erkrankte und jeweils einen Angehörigen für 1.500 Euro können Investoren HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlosschon im Kleinen eine große Wirkung erzielen.
2011 8. THEMEnREPoRT: DEMEnz
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen
Gefördert durch: Ideell unterstützt von:

resultate E. 3%

A. 39%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge Bürgerinitiative Stendal e. V. D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge 4% A. 4% B. F. 	Öffentliche Gelder C. 2% G. 	Leistungsabhängige Einnahmen G. 31% H. 	Sonstige

empfehlungen

sen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Hilfe durch Beratung Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e. V.
Die Organisation Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e. V.

Alzheimer Angehörigen Initiative Leipzig e.V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2008 Kontakt Dr. Josef Hille Mitglied des Vorstands Höltystraße 30 04289 Leipzig (03 41) 86 32 99 06 info@demenz-leipzig.de www.demenz-leipzig.de Das Projekt Start des Projekts: 2009 Erreichte Personen (2010): 200 Erstberatungen mit meist zwei Angehörigen, 50 geschulte ehrenamtliche Betreuer, täglich bis zu 200 Nutzer der Website Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008 1.900 € – 2009 22.468 € 22.468 € 2010 29.100 € 29.100 € Mitarbeiter	 Organisation=	 rojekt P 2 Hauptamtliche 9 Honorarkräfte 55 Ehrenamtliche

herausforderung

Schwache Versorgungsstruktur 10.000 Menschen mit Demenz und kein krankheitsbezogenes Beratungsangebot? Die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig schließt diese Versorgungslücke im Großraum Leipzig. Die Diagnose Demenz trifft viele Familien unvorbereitet. Sie wirft Fragen auf, erfordert unangenehme Entscheidungen und zwingt häufig zu sofortigem Handeln. Viele Menschen versorgen ihre demenzkranken Angehörigen zu Hause, geraten dabei jedoch schnell an ihre Grenzen und wissen nicht, wie sie mitbestimmten Situationen umgehen sollen. Doch Hilfe ist nicht immer nah. Gerade in ländlichen Gebieten und am Stadtrand reichen die Versorgungsangebote und Beratungsstellen nicht aus. Und lange Anfahrtswege allein für ein Informationsgespräch möchten und können viele nicht in Kauf nehmen. Ein weiterer Faktor ist die Stigmatisierung der Krankheit. Vor allem auf dem Land, wo jeder jeden kennt, gibt man sich ungern die Blöße, auf Hilfe angewiesen zu sein. Doch ohne Unterstützung können die Angehörigen an den psychischen und physischen Belastungen der Betreuung und Pflege zerbrechen. Bei mehr als 10.000 Demenzkranken allein im Großraum Leipzig sind niedrigschwellige Angebote zur Beratung und Unterstützung von Betroffenen unerlässlich. Die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig ist in der Region die erste Organisation, die auf diesen Bedarf reagierte: „Hilfe durch Beratung“ bringt Wissen zum Thema Demenz bis an die Haustür und ehrenamtliche Betreuung in die Familien.

handlungsansatz

Ganzheitliche Versorgung vor Ort und mobil Als das Ehepaar Hille – heute im Vorstand der Organisation – mit Demenz in der eigenen Familie konfrontiert wurde, machte es sich auf die Suche nach Informations- und Beratungsangeboten. Ohne Erfolg. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, gründeten sie zusammen mit anderen Betroffenen die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig und riefen das Projekt „Hilfe durch Beratung“ ins Leben. Das Angebot besteht aus vier Bausteinen, die auf die Beratung der Menschen mit Demenz und deren Angehörigen setzen und Aufklärungsarbeit in den Kommunen leisten wollen – für einen alltäglichen Umgang mit der Krankheit. Die Beratungsstelle in Leipzig ist erster Anlaufpunkt für Ratsuchende. Doch Unterstützung gibt es auch für jene, die aus verschiedenen Gründen nicht persönlich vorbeikommen können. Das Demenzhilfe-Mobil zum Beispiel bringt die Unterstützung zu den Betroffenen in die Stadtteile und das Leipziger Umland. Es ist gleichzeitig fahrendes Aufklärungszentrum für demenzfreundlichere Kommunen. Ein Demenzhilfe-Telefon für die Sofort- und Fernhilfe sowie die Organisations-Website als überregionales Informationsportal runden das Angebot ab. Das ganzheitliche Konzept des Projekts ermöglicht nicht nur Beratung und Unterstützung, sondern vermittelt auch zwischen den pflegenden Angehörigen und relevanten öffentlichen Einrichtungen. Besonders positiv fällt auf, dass die Organisation hier ein sehr differenziertes, zielgruppengerechtes Angebot macht.

Hilfe durch Beratung Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig e. V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit
Freunde alter Menschen e. V. Legende
			 			 			 			 			 sehr gut gut herausragend

E. 2% B. 2% C. 2%

C. 19%

B. 13%

A. 14% B. 11%

Alzheinmer Angehörigen Initiative Finanzierungsquellen der Organisation A. 2% H. 5% C. 1% D. 7% G. 8%

			 G. 45%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 30%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	Öffentliche Gelder G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige

resultate

Vier Bausteine mit weitreichender Wirkung Als kleiner Verein leistet die Alzheimer Angehörigen-Initiative Leipzig Beachtliches. Ihr Erfolgsrezept liegt in einer klaren Vision und systematischen Herangehensweise. Das Engagement und die hohe Motivation aller Beteiligten überzeugen ebenso wie die Koordinationsfähigkeit der Vorsitzenden und die gute Vernetzung der Initiative. Die Organisation hat 2010 mehr als 200 Erstberatungen sowie zehn Vortragsveranstaltungen und Filmvorführungen mit jeweils 20 bis 200 Teilnehmern durchgeführt. Für die Betreuung Demenzkranker wurden 50 ehrenamtliche Helfer geschult. Außerdem gibt es monatliche Treffen von Selbsthilfegruppen. Auf das Informationsportal im Internet greifen täglich bis zu 200 Nutzer aus ganz Deutschland zu, die überdurchschnittlich viel Zeit auf den Seiten verbringen. Das Monitoring und die Evaluationen der Organisation belegen eine positive Wirkung ihrer Aufklärungs- und Beratungsarbeit sowohl auf die Angehörigen als auch – indirekt – auf die Menschen mit Demenz. Denn wenn das gesellschaftliche Umfeld über die Krankheit und einen würdevollen Umgang mit Menschen mit Demenz informiert ist, wird vielen Konflikten und Spannungen der Boden entzogen. Die Angehörigen empfinden so die Pflegearbeit als emotional weniger belastend, denn sie fühlen sich nicht mehr allein gelassen und müssen sich nicht verstecken.

empfehlungen

Ausweitung des mobilen Angebots Besonders positiv ist die Authentizität der Organisation, da die Initiatoren ihr persönliches Erfahrungswissen einbringen. Auch die Einbeziehung der gesamten Familie in die Beratung ist vorbildlich. Wünschenswert wären differenziertere Beratungspfade, die verschiedene Demenzformen und individuelle Krankheitsverläufe stärker berücksichtigen. Auch bei der Einbeziehung der Perspektive von Menschen mit Demenz hat das Projekt noch Potenzial. Da es arbeitsbedingt personelle Überschneidungen zwischen Leitungs- und Aufsichtsgremium gibt, wäre eine Stärkung der Aufsichtsfunktion der Mitgliederversammlung sinnvoll. Soziale Investoren unterstützen hier eine kleine Organisation mit lebenserfahrenen Leitungspersonen auf ihrem Wachstumskurs. Sie können zum Beispiel mit der Finanzierung eines weiteren Demenzhilfe-Fahrzeugs die dezentrale, fahrende Beratung im ländlichen Raum stärken. Mit einer Spende von 30.000 Euro könnte der Verein sein Konzept für die Informationsplattform demenzhilfe-sachsen.de umsetzen, denn noch ist das Informationsangebot in den Internetauftritt der Organisation eingebunden. Mit 75.000 Euro im Jahr kann der Verein ein Informationszentrum mit zwei halben Personalstellen einrichten und betreiben. Statt wie bislang alles in Eigenregie von zu Hause aus zu managen, hätte der Verein so eine Anlaufstelle mit Organisationsbüro, fixer Beratungsstelle und Räumlichkeiten für Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen.

Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. tHEMENrEPOrt: DEMENz

8

VERGESSEN?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

gefördert durch:

Ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: INFORMIEREN & BERATEN – Persönliche Beratung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

F. 77%

Beratung und ehrenamtliche Betreuung in der Facharztpraxis Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V.
Die Organisation Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V.

Alzheimer Gesellschaft Brandenburg e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1997 Kontakt Angelika Winkler Geschäftsführerin Stephensonstraße 24-26 14482 Potsdam (03 31) 7 40 90 08 beratung@alzheimer-brandenburg.de www.alzheimer-brandenburg.de Das Projekt Start des Projekts: 2008 Erreichte Personen (2010): 312 allgemeine Beratungsgespräche, 168 Beratungsgespräche für die Vermittlung von Helfern, 38 Betreute und 4.054 Betreuungsstunden Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 359.641 € 20.970 € 2008 339.344 € 39.785 € 2009 329.439 € 62.471 € 2010 Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 5 2 Hauptamtliche 15 1 Honorarkräfte 51 33 Ehrenamtliche

herausforderung

Mit der Diagnose allein gelassen Diagnose Demenz – und jetzt? Die AlzheimerGesellschaft Brandenburg unterstützt Menschen mit Demenz und deren Angehörige sofort: Sie berät Betroffene in Facharztpraxen. Im brandenburgischen Landkreis MärkischOderland leben rund 2.500 Menschen mit Demenz. Wie überall in Deutschland übernehmen vor allem die Angehörigen die Pflege. Was die Diagnose Demenz bedeutet, wie die Krankheit verläuft, welche rechtlichen Fragen geklärt werden müssen – darüber wissen die Betroffenen meist wenig. Gerade in ländlichen Regionen nehmen die Familien kaum Unterstützung von außen wahr. Die Hemmschwelle ist für diese Menschen besonders hoch, häufig fehlen Zeit und ein natürlicher und selbstbewusster Umgang mit der Situation. Vor allem aber fehlte lange ein Beratungsangebot im Landkreis. Fachärzte können hier eine Brücke schlagen. Ihnen kommt bei der Diagnose Demenz nicht nur eine medizinische, sondern auch eine vermittelnde Rolle zu: Sie können Hilfsangebote für die Betroffenen empfehlen und sie zur Nutzung von Entlastungsangeboten motivieren, denn vielen Betroffenen fehlt der Mut, sich die eigene Hilfsbedürftigkeit einzugestehen. Doch selbst in Gegenden mit einem vielfältigen Beratungsangebot vermitteln die Fachärzte aus Zeit- und Ressourcenmangel eher selten. Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg hat darum einen besonderen Zugangsweg gewählt und berät Menschen mit Alzheimer und deren Angehörige direkt in Facharztpraxen für Neurologie und Psychiatrie.

handlungsansatz

Verzahnung von Diagnose und Beratung Der Clou an diesem Projekt ist die direkte Koppelung an Facharztpraxen für Neurologie und Psychiatrie. Dass Menschen mit Demenz gerade im Anschluss an die Erstdiagnose hilf- und vor allem ratlos sind, hatte die Arzthelferin und Sozialpädagogin Elke Kirschnek täglich in der Praxis beobachtet. Doch statt die Betroffenen an eine externe Beratungsstelle zu verweisen, holte sie die Beratung in die Praxis. Das Besondere an diesem direkten Zugangsweg ist das ohnehin große Vertrauen, das die Betroffenen ihrem Arzt entgegenbringen und das auf die Beratung abfärbt. Ratlosigkeit, Scham und das Gefühl, mit der Situation allein gelassen zu werden, haben so kaum eine Chance. Inzwischen hat die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg das Projekt weiter ausgebaut. So organisiert der Verein im Rahmen des Projekts auch Angehörigengruppen und betreute Urlaube und bietet einen Besuchsdienst für die Menschen mit Demenz zu Hause an. Beratung und Entlastung gehen so Hand in Hand: Die Angehörigen lernen, wie sie sich auf einen Menschen mit Demenz einstellen können, und erhalten gleichzeitig Unterstützung dabei, die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Auch die Menschen mit Demenz profitieren, denn die Pflegeangebote richten sich nach den Wünschen der Erkrankten und geben positive Impulse: Bei Aktivitäten wie Singen, Wolle kämmen und mit Ton arbeiten geht es vor allem darum, gemeinsam Freude zu erleben.

Beratung und ehrenamtliche Betreuung in der Facharztpraxis Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V. Finanzierungsquellen der Organisation H. 1% A. 4% B. 12% G. 22% C. 3%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. D. 	Sponsorengelder Selbsthilfe Demenz E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder G. 6% G. 	Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige

F. 58%

resultate

Große Entlastung für die Angehörigen Dieses Projekt ist ein Shootingstar. Die Bilanz nach dem ersten Jahr: 247 allgemeine Beratungsgespräche, 150 Beratungen zur Vermittlung von Helfern und 2.904 Betreuungsstunden. 2010 leistete das Projekt sogar rund doppelt so viele Betreuungsstunden. In zwei Angehörigengruppen treffen sich zehn bis 15 Angehörige einmal im Monat, denn der Austausch mit Gleichgesinnten erleichtert die Annahme von Hilfe. Darüber hinaus führt die Organisation zwei Angehörigenschulungen im Jahr durch. Erste Wirkungen zeigen sich vor allem in persönlichen Geschichten. Durch das niedrigschwellige Angebot erfahren die Betroffenen eine große emotionale Entlastung. So erzählt eine Angehörige: „Ich kann mittlerweile nachts wieder schlafen.“ Das Familienleben kann sich ein Stück weit stabilisieren. Das Engagement der Organisation zahlt sich aus: 2010 landete das Projekt auf dem ersten Platz des vdek-Zukunftspreises. Auch im Alltag zeigt sich der Erfolg auf ganzer Linie, allen voran im riesigen Zulauf. Immer mehr Ärzte – auch aus Krankenhäusern – empfehlen das Projekt. Inzwischen konnte die Organisation sogar eine Nebenstelle in Neuenhagen eröffnen. Ein positiver Nebeneffekt der Arbeit der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg: Die ehrenamtlichen Helfer erhalten im Rahmen des Projekts eine Qualifizierungs- und Entwicklungschance, die vor dem Hintergrund der fehlenden Arbeitsmarktperspektiven in der Region sehr wertvoll sein kann.

empfehlungen

A. 44%

F. 44% Einfache Übertragbarkeit ermöglichen Analysiert und empfohlen 11/2011 Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg ist mit Themenreport Demenz den Monitoring- und Evaluationsmaßnahmen E. 2% B. 2% 8 für dieses Projekt bereits auf einem sehr C. 2% guten Weg. Eine systematische Auswertung VERGESSEN? der Dokumentation und eine Ergänzung um qualitative Elemente, zum Beispiel die Zufriedenheit der Zielgruppe, könnten diesen Freunde alter Menschen e. V. hervorragend ergänzen. Gleiches gilt für interessante Beobachtungen wie die VerringeA. 14% rung der Medikamentenabgabe aufgrund der psychosozialen Begleitung. Die AlzheimerB. 11% Gesellschaft Brandenburg bewirbt ihr Angebot G. 45% Handlungsansatz: als Modellprojekt mit Vorbildcharakter. Da die INFORMIEREN & BERATEN – Kooperation von Fachärzten und BeratungsPersönliche Beratung stellen bislang selten gelingt, wäre ein detailF. 30% liertes Erfahrungsprotokoll sehr wertvoll. Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Organisationen, die diesen Ansatz aufgreifen Weitere Informationen sind bei wollen, können am besten profitieren, wenn PHINEO erhältlich. sie an die Lernerfahrungen und Erfolgsstrategien der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg anknüpfen können. Für diese Aufgaben fehlen Kapazitäten. Hier können Soziale Investoren mit der Finanzierung einer Personalstelle nicht nur der Organisation helfen, sondern gleichzeitig den gesamten Sektor in Hinblick auf die Vernetzung medizinischer und betreuender Akteure stärken. Auch kleinere Spendenbeträge können große Wirkung entfalten. Mit 500 Euro kann der Verein ein Alzheimer-Tanzcafé durchführen, mit 800 Euro einen betreuten Urlaub für Menschen mit Demenz und deren Angehörige finanzieren und mit 1.000 Euro eine Angehörigenschulung organisieren.
2011 8. tHEmEnrEPOrt: dEmEnz
menschen mit demenz und ihre Angehörigen unterstützen
Gefördert durch: ideell unterstützt von:

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Betreuungsgruppe für dementiell erkrankte Menschen Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e. V.
Die Organisation Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e. V.

Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1997 Kontakt Kerstin Löding-Blöhs 1. Vorsitzende Apfelallee 3a 21337 Lüneburg (0 41 31) 76 66 56 alzheimer-lueneburg@arcor.de www.alzheimer-lueneburg.de Das Projekt Start des Projekts: 1998 Erreichte Personen: (2010) 19 bei einem Betreuungsschlüssel von 1:2 Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 60.643 € 37.218 € 2008 69.338 € 46.012 € 2009 78.053 € 55.743 € 2010 Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 4 2 Hauptamtliche 8 0 Honorarkräfte 25 7 Ehrenamtliche

herausforderung

Herausforderndes Verhalten belastet Pflegende Je weiter die Demenz fortschreitet, umso schwieriger wird oft der Umgang mit den Betroffenen – besonders für ungeschulte Angehörige. Ihnen hilft die Alzheimer Gesellschaft Lüneburg. Teile des Lebens zu vergessen, ist schlimm genug. Manche Menschen mit Demenz neigen mit der Zeit jedoch zusätzlich zu ziellosem Herumwandern, Aggressivität, Apathie und vokalen Störungen – sie schreien und rufen. Dieses sogenannte „herausfordernde Verhalten“ belastet die Angehörigen zusätzlich zur ohnehin großen Verantwortung als Pflegender und kann Frustration, Angst und Ärger auch bei den Demenzkranken selbst schüren. Am Ende drohen Entfremdung und das Risiko, dass sich die Pflegenden mehr und mehr von ihrem Angehörigen distanzieren. Da eine gemeinsame Sprache in diesem Stadium oft schon fehlt, erkennen die Pflegenden häufig nur schwer, ob sich das ungewöhnliche Verhalten gegen sie persönlich richtet oder einfach nur Ausdruck des Leidens ist – und können nicht angemessen reagieren. Menschen mit Demenz brauchen in diesen Situationen eine sehr individuelle Betreuung durch geschulte Helfer. In Pflegeheimen bleibt dafür jedoch kaum Zeit und den Angehörigen fehlen für die wirksame Betreuung zu Hause oft Kraft und Wissen. Die Betreuungsgruppe für dementiell erkrankte Menschen der Alzheimer Gesellschaft Lüneburg bietet Hilfe und Entlastung für beide Parteien – die Erkrankten und die Pflegenden.

handlungsansatz

Individuelle Betreuung mit Wohlfühlfaktor Ein großer Hebel für Wirkung ist die Individualität in den Betreuungsgruppen der Alzheimer Gesellschaft Lüneburg. Das Betreuer-BesucherVerhältnis liegt bei 1:2. Mit gerontopsychiatrischer Expertise und hochmotivierten Helfern kann der Verein in den eigenen Räumlichkeiten Menschen mit Demenzen aller Schweregrade entsprechend ihren Bedürfnissen betreuen. Das Projekt möchte Abwechslung in den Alltag der Erkrankten bringen, sie sollen sich wohlfühlen – auch außerhalb der eigenen vier Wände. Feste Strukturen und Tagesabläufe gehen dabei Hand in Hand mit individuellen Aktivitäten, die sich an den persönlichen Kompetenzen und Interessen der Besucher orientieren. Davon profitieren auch die Angehörigen. Statt Pflegeverantwortung rund um die Uhr finden sie dank dieses Angebots endlich Zeit zum Durchatmen und den Mut loszulassen. Die Alzheimer Gesellschaft Lüneburg ist mit ihrem Projekt Vorreiterrin: Die Betreuungsgruppe findet schon seit 1998 statt. Inzwischen gibt es vier Gruppentermine pro Woche, die von Sozialpädagogen betreut werden. Geschulte ehrenamtliche Helfer ermöglichen die intensive, individuelle Pflege. Die Betreuungsgruppen sind in das Gesamtangebot der Alzheimer Gesellschaft Lüneburg integriert, so dass die Besucher und Angehörigen über dieses Projekt einen leichten Zugang zu weiteren Beratungs- und Entlastungsangeboten haben.

Betreuungsgruppe für dementiell erkrankte Menschen Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e. V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V. Legende 			 H. 1% A. 4% herausragend B. 12% 			 sehr gut G. 22%
			 			 			 			 gut akzeptabel

C. 3%

Alzheimer-Gesellschaft Lüneburg e. V. Finanzierungsquellen der Organisation H. 1% A. 8% B. 1% C. 5% F. 22%

entwicklungsbedürftig unzureichend

G. 63%

F. 58% Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz G. 6%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“ D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen G. 26% H. 	Sonstige

resultate

F. 44% Gute Alternative zur Tagespflege Nachhaltigkeit sichern, Evaluationen stärken Besonders positiv fällt auf, wie gut die SozialEin Engagement für diese Organisation pädagogen und Helfer in den Betreuungsgrupeignet sich sehr gut für 2% Soziale Investoren, die E. 2% B. pen mit den zum Teil schwierigen Verhaltensdie Versorgung im C. 2% ländlichen Raum stärken weisen der Besucher mit Demenz umgehen. möchten. Da die Wege oft weit und die RäumDurch die Einbettung des Projekts in das lichkeiten der Organisation recht abgelegen Gesamtangebot der Alzheimer Gesellschaft sind, können die meisten Besucher nicht zu Freunde alter Menschen e. V. Verkehrsmitteln Lüneburg haben die Betroffenen Zugang zu Fuß oder mit öffentlichen einem umfassenden Unterstützungsnetzwerk vorbeischauen. Der Fahrdienst für acht Persomit zum Beispiel Schulungsangeboten, Angenen kostet 69 Euro pro Tag. Soziale InvestoA. 14% hörigengruppen und einem Musik- und ren können hier immobilen Gästen unter die Tanzcafé. Arme greifen und die Kosten für diese DienstB. 11% G.leistung übernehmen. 45% 2009 betreute der Verein in den Gruppen 15 Menschen mit Demenz. Aktuell nehmen 19 Eine Spende von 600 Euro ermöglicht eine Besucher das Angebot wahr. Das klingt nach Schulung für ehrenamtliche Helfer. Wer die F. 30% wenig – die herausragende Leistung dieses Nachhaltigkeit des Projekts fördern möchte, Projekts liegt aber in der intensiven Betreuung, kann mit 12.000 Euro die Halbtagsstelle bei der sich ein Pfleger um zwei Menschen mit eines Sozialpädagogen für ein Jahr sichern. Demenz kümmern kann. Eine erste Selbstevaluation des Projekts ergab, dass sich viele Gäste Dass die Arbeit der Betreuungsgruppen hier sehr wohlfühlen und durch die individuelle wesentlich dazu beiträgt, die HeimunterbrinBetreuung zufriedener und entspannter den gung der Besucher hinauszuzögern, könnte in Alltag erleben. Die Angehörigen schöpfen aus Zukunft noch besser dokumentiert und ausgeder Entlastungsmöglichkeit Kraft – auch wertet werden. Doch dafür fehlen der Organifür die Pflegearbeit zu Hause. So formuliert die sation Ressourcen. Soziale Investoren können Organisation auch eines ihrer Projektziele: hier gezielt helfen und zum Beispiel in eine Mit dem Betreuungsangebot möchte sie die Fachberatung zur Einrichtung eines DokumenEinweisung in ein Pflegeheim hinauszögern. tations- und Evaluationssystems investieren. Der Krankheitsverlauf lässt sich dennoch nicht aufhalten. So zeigt sich in den Betreuungsgruppen eine natürliche Teilnehmerfluktuation. Dennoch leistet die Alzheimer Gesellschaft Lüneburg hier seit Jahren kontinuierlich vorbildliche Arbeit und bietet eine hervorragende Alternative zu Tagespflegeangeboten.

A. empfehlungen 44%

A. 39%

E. 3% Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz C. 19% B. 8 13%
2011 8. tHEmEnrEPOrt: dEmEnz

VERGESSEN?
menschen mit demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Alzheinmer Angehörigen Initiative A. 2% H. 5% C. 1% D. 7% G. 8%

Gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Ambulante Betreuung F. 77%

Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Dialog Demenz im Pfaffenwinkel (Demenzfreundliche Kommune) Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V.
Die Organisation Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V.

Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2002 Kontakt Petra Stragies 1. Vorsitzende Schützenstraße 26b 82362 Weilheim (08 81) 9 27 60 91 p.stragies@alzheimer-pfaffenwinkel.de www.alzheimer-pfaffenwinkel.de Das Projekt Start des Projekts: 2009 Erreichte Personen: mindestens 1.000 Personen durch Vorträge, Schulungen und Gemeindegespräche Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 74.957 € n.a. 2008 93.316 € 8.112 € 2009 123.664 € 1.000 € 2010 Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 3 0 Hauptamtliche 3 1 Honorarkräfte 0 Ehrenamtliche 25-30

herausforderung

Demenzfreundlichkeit braucht Fürsprecher Menschen mit Demenz müssen in die Gemeinschaft integriert werden. Die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel geht noch einen Schritt weiter und gibt ihnen auch eine politische Stimme. Demenz findet nicht hinter verschlossenen Türen statt. Sie kann jedem begegnen – in der verwirrten älteren Dame, die im Nachthemd auf der Verkehrsinsel steht, oder in dem älteren Herrn, der in der Bankfiliale schon zum fünften Mal die gleiche Überweisung abgibt. Statt beschämt wegzusehen, ist hier ein offener und integrativer Umgang mit Menschen mit Demenz gefragt. Ob Polizist, Bäcker oder Hausmeister – nur wer aufgeklärt ist, kann solche Situationen richtig einordnen und sich dementsprechend angemessen verhalten. Die Lösung ist im Grunde simpel. Niemand müsste sich verbiegen, sondern sich vor allem auf Offenheit und Freundlichkeit besinnen und den Blick für die Welt um sich herum schärfen. Da aber die meisten Leute heutzutage noch nicht einmal ihre Nachbarn kennen, ist es schwer, diesbezüglich ein Bewusstsein und ein Verantwortungsgefühl zu etablieren. Demenzfreundliche Kommunen setzen sich bereits in ganz Deutschland für mehr Demenzfreundlichkeit ein. Damit dieser Ansatz jedoch selbstverständlicher Bestandteil des Alltags werden kann, sind höhere Ebenen gefragt. Die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel spricht hier mit „Dialog Demenz“ nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch gezielt politische Akteure an.

handlungsansatz

Aufklären, entlasten, Bürgerrechte stärken „Dialog Demenz“ möchte Menschen mit Demenz in die Mitte der Gesellschaft holen. Das Besondere an der Pfaffenwinkler demenzfreundlichen Kommune ist ihr Zwei-WegeAnsatz: Sie bietet einerseits den Angehörigen Hilfe zur Selbsthilfe und leistet andererseits auch politische Aufklärungsarbeit. Die Organisation möchte mit ihrem Projekt in erster Linie Ängste nehmen – Berührungsängste genauso wie die Angst davor, sich als Angehöriger die eigene Überforderung einzugestehen und nach Hilfe zu fragen. Demenz soll ein alltägliches Thema werden, über das niemand mehr hinter vorgehaltener Hand tuschelt. Darum setzt „Dialog Demenz“ auch genau an diesem Alltagsleben an – mit Stammtischen, Urlauben und Entlastungsangeboten für Angehörige. Besonders vorbildlich ist dabei die Einstellung der Helfer, die eigenständig Gespräche und Diskussionen initiieren und das Thema so aktiv in die Kommunen und zu den Betroffenen tragen. Über politische Gremien und Vertreter wie Bürgermeister und Stadträte möchte die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel das Thema Demenz auf die politische Agenda setzen und ein Bewusstsein für Demenzfreundlichkeit in den Kommunen schaffen. Ihr langfristiges Ziel ist die Etablierung eines ehrenamtlichen Demenzbeirats im Kreistag des Landkreises Weilheim-Schongau. Dieser soll die Wahrung und Stärkung der Bürgerrechte von Menschen mit Demenz ermöglichen.

Dialog Demenz im Pfaffenwinkel (Demenzfreundliche Kommune) Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V.
Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V. Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und H. 1% A. 4% Zielgruppen G. 22% und Ansatz B. 12% Konzept C. 3% Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und F. 58% Personalmanagement Finanzen und Controlling Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Finanzierungskonzept Selbsthilfe Demenz und Fundraising G. 6% Öffentlichkeitsarbeit Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“ Alzheimer-Gesellschaft Lüneburg e. V. Legende 			H. 1% A. 8% herausragend B. 1% 			 sehr gut C. 5%
			 			 			 gut akzeptabel entwicklungsbedürftig unzureichend

Alzheimer-Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V. Finanzierungsquellen der Organisation A. 15% B. 6% E. 5% F. 28% C. 7%

G. 63% 			

F. 22%

G. 38%

G. 26%

Die Organisation beim Endspurt unterstützen Die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel Der „Dialog Demenz im Pfaffenwinkel“ konnte C. 19% konnte in der Startphase von „Dialog Demenz“ mit relativ geringen Mitteln bereits eine beachtB. 2% B. 13% E. 2% besonders mit dem 2% liche Wirkung in der Gemeinschaft erzielen. C. niedrigschwelligen Informations- und Entlastungsangebot punkten. Soziale Investoren unterstützen die OrganisaOb Vorträge, Schulungen oder Erste-Hilfetion hier auf ihrer letzten Etappe zum großen Kurse für Demenz – das Projekt erreichte mit Ziel. Denn für die Einrichtung eines DemenzFreunde alter Menschen e. V. 1.000 Personen Alzheinmer die Organisation auf finanzielle direkten Maßnahmen rund beirats ist Angehörigen Initiative in der Kommune. Darüber hinaus überzeugt Unterstützung angewiesen. Schon mit 400 A. 2% „Dialog Demenz“ auch bei der Oberland Euro könnenH. 5% C. 1% bei Bürgermeistern Erstbesuche A. 14% D. 7% G. 8% Ausstellung, zu der mehr als 34.000 Besucher in zehn Gemeinden stattfinden, die den Weg kommen. Die Arbeit auf politischer Ebene für eine politische Beteiligung ebnen. B. 11% G. 45% braucht naturgemäß eine längere Anlaufphase. Doch auch hier kann „Dialog Demenz“ erste Mit einer Spende von 4.000 Euro kann Erfolge in Form von Mitgliedschaften vermel„Dialog Demenz“ zehn Veranstaltungen in der den: Der Kreistag sowie 30% von 18 angespro- Gemeinde organisieren und durchführen – F. neun F. Wissen für mehr Demenzchenen Bürgermeistern aus der Region sind und so auch weiterhin77% dem Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e. V. freundlichkeit verbreiten. Soziale Investoren, bereits beigetreten. Für die Einrichtung eines die die Organisation an sich nachhaltig stärken Demenzbeirats mit 34 Gemeindevertretern möchten, können mit 40.000 Euro jährlich hat die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel eine Teilzeitstelle zur Koordinierung der Projektbereits ein detailliertes Konzept mit konkreten aktivitäten von „Dialog Demenz“ finanzieren. Maßnahmen erarbeitet. Ein nächster Schritt ist hier Finanzierungssicherung, damit die In Anlehnung an das Projektdesign können Umsetzung dieses Vorhabens gelingen kann. Soziale Investoren mit ihrem Engagement aber auch Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und beiDer Clou von „Dialog Demenz“ ist, dass es spielsweise Ressourcen für die Entwicklung sich hervorragend in die vielfältige Projektland- einer gezielten Fundraising-Strategie sowie schaft der Organisation einfügt. Mehr noch: eines Konzepts für die Öffentlichkeitsarbeit Der ganzheitliche Ansatz des Projekts gestaltet bereitstellen. Auch der Bereich Monitoring und idealerweise ein demenzfreundliches Umfeld, Evaluation verdient einen stärkeren Fokus – das die Arbeit und Wirkung der übrigen Aktivor allem angesichts der ehrgeizigen Ziele, vitäten des Vereins zum Thema Demenz nachin die gesamte Kommune hinein wirken zu haltig begünstigt. Dazu gehören Selbsthilfewollen. Soziale Investoren können die Organigruppen ebenso wie Hundebesuchsdienste und sation dabei unterstützen. Tanzcafés.

F. 44% Erfolge mit regionaler Lobbyarbeit Erste

resultate

A. 44%

empfehlungen E. 3%

A. 39%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge Demenz Support Stuttgart gGmbH D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder 3% H. G. 7% G. 	Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige

F. 23% Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz B. 67%
2011 8. tHEmEnrEPort: DEmEnz

8

VERGESSEN?
menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

WoGe A. 8%
Gefördert durch: ideell unterstützt von:

C. 2% E. 11%

Handlungsansatz: ÖFFENTLICHES BEWUSSTSEIN SCHAFFEN78% G. – Demenzfreundliche Kommune

F. 1%

Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Net

BETREUUNGS- UND BERATUNGSANGEBOT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ UND IHRE ANGEHÖRIGEN ALZHEIMER-GESELLSCHAFT AUFWIND BRÜHL e.V.
Die Organisation Alzheimer-Gesellschaft AUFWIND Brühl e. V.

Rechtsform eingetragener Verein Gründungsjahr 2011 Kontakt Christa Dirks-Isselmann Vorstandsvorsitzende Liblarer Straße 10 50321 Brühl +49 . 22 32 . 1 50 21 91 info@aufwind-bruehl.de www.aufwind-bruehl.de Das Projekt Start des Projekts: 2005 Erreichte Personen: 173 Personen über Betreuungsangebote, 69 über eine Fortbildung für Helfer und 20 über einen Pflegekurs für Angehörige (2012) Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen Organisation = Projekt 2010 – 2011 29.657 € 2012 61.402 € Mitarbeiter Organisation = Projekt Hauptamtliche 0,5 Honorarkräfte – Ehrenamtliche 45

herausforderung
Allein unter vielen „Der Boden wurde mir unter den Füßen weggezogen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wo war der liebevolle Mann, der sich bisher um alles gesorgt und gekümmert hatte? Das bisherige Leben war vorbei. Und man ist allein mit seinen Ängsten und weiß nicht, wie man mit dieser Situation umgehen soll.“ Gedanken wie diese einer Brühlerin, deren Mann dement wurde, kennen vermutlich die meisten Angehörigen von Menschen mit Demenz. Für die Angehörigen ist es genauso wie die selbst Betroffenen ein Schock, wenn sie von der Diagnose Demenz erfahren. Zusätzlich zu der an sich schon schwierigen Situation wird die persönliche Beziehung auf die Probe gestellt, denn beide Seiten wissen häufig nicht, wie sie mit der Krankheit umgehen sollen. In der Stadt Brühl rechnet man – anhand demografischer Daten – mit jährlich etwa 150 Neuerkrankungen. Für Angehörige gab es dort jedoch sehr lange gar keine Angebote. Sie waren allein – mit der Pflege des Familienmitglieds genauso wie mit ihren Fragen. Doch wie kann eine kompetente und menschliche Betreuung von Menschen mit Demenz organisiert werden? Angehörige können das nicht allein bewerkstelligen.

handlungsansatz
Gemeinsam weniger allein Die Alzheimer-Gesellschaft AUFWIND Brühl e. V. möchte Menschen mit Demenz ein würdiges Leben mitten in der Gesellschaft ermöglichen und Angehörige entlasten, damit auch sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Der Verein setzt auf eine Kombination aus Betreuungsangeboten und Beratung – und bietet damit ein ausgewogenes Paket für die gesamte Familie. So steht die Betreuungsgruppe „Zeit für dich, Zeit für mich“ mit einem Mix aus festen Ritualen, geistiger Förderung, Bewegung, Musik, Spiel und Humor für eine angemessene Aktivierung, die die Teilnehmer weder über- noch unterfordert. Darüber hinaus bietet der Verein eine häusliche Einzelbetreuung an: Geschulte Betreuer lesen dem Erkrankten zum Beispiel vor, schauen mit ihm Fotos an, besuchen den Gottesdienst oder gehen mit ihm auf den Friedhof. Beide Angebote können vor allem die pflegenden Angehörigen entlasten. Für sie gibt es darüber hinaus eine wöchentliche Sprechstunde sowie ein monatliches Angehörigentreffen, während dem die demenzerkrankten Familienmitglieder betreut werden. Die Alzheimer-Gesellschaft AUFWIND Brühl e. V. hilft den Angehörigen beim Ausfüllen von Anträgen, bietet psychologische Beratung und informiert über weitere Unterstützungsangebote. Eine schöne Ergänzung ist das monatliche MusikCafé, bei dem Menschen mit Demenz und deren Angehörige bei Musik, Tanz, Kaffee und Kuchen entspannen können. Betreute Ausflüge und Kurzreisen runden das Angebot ab.

BETREUUNGS- UND BERATUNGSANGEBOT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ UND IHRE ANGEHÖRIGEN ALZHEIMER-GESELLSCHAFT AUFWIND BRÜHL e.V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Ansatz und Konzept Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Leitung und Personalmanagement Aufsicht Finanzen und Controlling Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit Legende
herausragend sehr gut gut akzeptabel entwicklungsbedürftig unzureichend

Finanzierungsquellen der Organisation
G. 54 % A. 37 %

C. 6 % F. 3 %
A. B. C. D. E. F. G. H. Spenden Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen Mitgliedsbeiträge Sponsorengelder Zins-/Vermögenserträge Öffentliche Gelder Leistungsabhängige Einnahmen Sonstige
Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

resultate
Rasante Entwicklungen Alles begann vor fast zwei Jahrzehnten mit Treffen von Angehörigen in einer Selbsthilfegruppe. 2005 startete das ganzheitliche Betreuungsangebot, 2011 gründete die Gruppe im Rahmen eines Start-Social-Stipendiums einen eigenen Verein. Mittlerweile ist die Organisation offiziell als Alzheimer-Gesellschaft anerkannt und Mitglied im gleichnamigen Dachverband. Alle Aktivitäten des Vereins sind sinnvoll miteinander verflochten und folgen wissenschaftlichen Methoden aus der Demenzforschung. Das Projekt profitiert in hohem Maße von der jahrzehntelangen Erfahrung der Projektverantwortlichen. Auch die Helfer verfügen über hervorragende Qualifikationen, viele haben zudem selbst Erfahrung als Angehörige eines Menschen mit Demenz. Durch einen Betreuungsschlüssel von 1:2 können die Betreuer individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen. Das Team versteht es darüber hinaus hervorragend, das Thema Demenz in Brühl und Umgebung auf die öffentliche Agenda zu setzen. Ob Mitmachaktionen auf dem Marktplatz oder Filmvorführungen im Stadtkino – die Vereinsmitglieder setzen sich hochmotiviert für ein demenzfreundlicheres Klima vor Ort ein. Das schafft nicht nur dem Verein Aufmerksamkeit und Zulauf, es trägt auch maßgeblich zur Entstigmatisierung der Krankheit bei.

empfehlungen
Strukturen stärken Das hauptsächlich ehrenamtliche Engagement der Alzheimer-Gesellschaft AUFWIND Brühl e. V. ist atemberaubend. Doch die Organisation benötigt dringend hauptamtliches Personal. Genau dabei können Soziale Investoren den Verein unterstützen. Im Rahmen einer 450-EuroStelle leitet derzeit eine Diplom-Psychologin mehrere Projekte – und bringt sich dafür zusätzlich in hohem Umfang ehrenamtlich ein. Für 16.590 Euro jährlich könnte ihre Position auf eine Halbzeitstelle aufgestockt werden. Mit einer Förderung von 6.882 Euro pro Jahr könnte darüber hinaus eine weitere 450-Euro-Stelle für eine neue Leitung der Betreuungsgruppe geschaffen werden. Die aktuelle Leiterin leistet dies rein ehrenamtlich, möchte diese Aufgabe aber auch aus Altersgründen gern abgeben. Aus PHINEO-Sicht wäre darüber hinaus die Finanzierung einer Weiterbildung im Bereich Monitoring und Evaluation sehr zu empfehlen. Die Organisation hat sich rasant entwickelt, die Mitarbeiter setzen sich intensiv mit der Weiterentwicklung auseinander – gerade im Bereich systematische Qualitätsentwicklung können Soziale Investoren hier aber noch gute Unterstützung leisten. Zukunftsorientierte Geber können außerdem mit einer Spende von 5.000 Euro die Fortführung des Projekts „Kinder und Demenz“ für das Jahr 2014 finanzieren, in dem Kinder lernen, die Verhaltensweisen ihrer erkrankten Verwandten oder Nachbarn besser zu verstehen. Analysiert und empfohlen:

WIRKT !

Qualität Empfohlene z feld Demen im Themen

40 Organisationen analysiert, 14 empfohlen 05/2013

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Ambulante Betreuung

Hintergründe zum Themenfeld bietet der Themenreport „Vergessen? Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen“. Der Report sowie weitere Infos zum Projekt und zur Organisation sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Tagesstätte zur Betreuung von Alzheimerdementen und Schlaganfallbetroffenen Bürgerinitiative Stendal e. V.
Die Organisation Bürgerinitiative Stendal e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2004 Kontakt Marion Kristin Mohr Vorstandsvorsitzende Stadtseeallee 1 39576 Stendal (0 39 31) 21 01 12 marion.mohr@bisev.de www.bisev.de Das Projekt Start des Projekts: 2005 Erreichte Personen (2010): rund 125 (Menschen mit Demenz, Schlaganfallbetroffene, deren Angehörige) Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008 179.799 € 88.941 € 2009 289.458 € 84.843 € 2010 325.916 € 83.769 € Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt Hauptamtliche 9 2 Honorarkräfte 1 1 Ehrenamtliche 75 45

herausforderung

Strukturschwache und überalterte Region Die Bürgerinitiative Stendal schlägt mit ihrer Tagesstätte drei Fliegen mit einer Klappe: Betreuung, Angehörigenentlastung und Qualifizierung von Arbeitssuchenden. Die Pflege und Betreuung eines Angehörigen mit Demenz ist ein Fulltime-Job – ohne Wochenende. Die zeitaufwändige Betreuung zu Hause ist dabei nur einer von vielen Aufgabenbereichen, hinzu kommen Arzttermine, Friseurbesuche, Versicherungs- und Bankangelegenheiten. Wer sich dieser Herausforderung stellt, gibt häufig einen großen Teil seines eigenen Lebens auf – denn die Pflege kann sich über Jahre hinziehen und der Pflegeaufwand wächst mit jedem Tag. Körper und Geist können dieser Belastung jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt standhalten. Die Folgen: Burnout, Depression, Entfremdung. Diesem Teufelskreis entkommt nur, wer bereit ist, Hilfe anzunehmen. Angehörige müssen sich Freiräume schaffen und sich auch um sich selbst kümmern können. Wie sehr der demografische Wandel in Zukunft die Notlage in der Pflege bestimmen wird, zeigt sich bereits jetzt in wirtschaftlich strukturschwachen Regionen wie der Altmark im nördlichen Sachsen-Anhalt. Der Nachwuchs wandert ab und zurück bleibt eine alternde Bevölkerung mit wachsendem Pflegebedarf. Die Tagesbetreuung der Bürgerinitiative Stendal macht aus der Not eine Tugend und bietet Betreuung von Alzheimerdementen und Qualifizierung von Pflegepersonal aus einer Hand.

handlungsansatz

Entlastung der einen, Aktivierung der anderen Die „Tagesstätte zur Betreuung von Alzheimerdementen und Schlaganfallbetroffenen“ unterstützt Betroffene dreifach. Die Ganztagsbetreuung unter der Woche ermöglicht Menschen mit Demenz wieder ein Stück weit Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Zwei Fachkräfte und rund 45 ausgebildete Ehrenamtliche schaffen hier eine familiäre Atmosphäre und ein umfangreiches Beschäftigungsangebot. Besonders toll: das gemeinsame Kochen. Denn gerade Gerüche können Erinnerungen auf eine eigene, intensive Art aktivieren und so insgesamt das Wohlbefinden der Menschen mit Demenz steigern. Schon dieses Angebot allein nimmt den pflegenden Angehörigen eine Last von den Schultern, doch das Projekt bietet noch mehr. Die Bürgerinitiative organisiert auch Behandlungstermine im Haus, zum Beispiel bei der Physiotherapie oder Logopädie, sowie Services wie Fußpflege und Frisörbesuche. Die dritte Unterstützungsleistung wendet sich mit speziellen Gesprächskreisen und Selbsthilfegruppen direkt an die Angehörigen. In der Organisation des Projekts sieht die Bürgerinitiative Stendal nicht nur eine große Chance für die Betroffenen, sondern auch für die gesamte Region. Mit den Qualifizierungsmaßnahmen für ehrenamtliche Helfer baut der Verein auch eine Brücke zum ersten Arbeitsmarkt. Er unterstützt junge Menschen bei der Berufsfindung, bietet Impulse für Arbeitssuchende und engagiert sich für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

G. 63%

Tagesstätte zur Betreuung von Alzheimerdementen und Schlaganfallbetroffenen C. 36% Bürgerinitiative Stendal e. V.
F. 28% Demenz Support Stuttgart gGmbH Legende
			

E. 5%

D. 15%

Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“ Wirkungspotenzial des Projekts

A. 39% Leistungsfähigkeit der Organisation E. 3% Vision und Strategie

Konzept und Ansatz G. 26% Qualitätsentwicklung

Ziele und Zielgruppen

G. 7% 			 F. 23%

H. 3%

herausragend sehr gut gut

			 			 			 			

Bürgerinitiative Stendal e. V. Finanzierungsquellen der Organisation A. 4% B. 4% C. 2% G. 31%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

Finanzierungskonzept und Fundraising Alzheinmer Angehörigen Initiative Öffentlichkeitsarbeit A. 2% H. 5% C. 1% D. 7% G. 8%

Finanzen und Controlling

WoGe A. 8%

resultate

Entspannte Familien plus Strukturförderung Das Projekt ist Vorreiter in der Region. Was mit der Betreuung eines einzelnen Tagesgastes begann, ist heute ein Angebot für 22 Gäste in der Tagesstätte. Dort werden jährlich auch F. 77% rund 100 persönliche Beratungen durchgeführt. 89 Prozent der Angehörigen bestätigen, dass sich ihr Verhältnis zum erkrankten Familienmitglied gebessert habe. Ein Viertel der pflegenden Angehörigen besucht die Selbsthilfegruppe. Für die Qualifizierung der Vereinsmitglieder, Angestellten und Kooperationspartner hat die Bürgerinitiative bisher 17 Seminare durchgeführt. Die ehrenamtlichen Helfer werden in einer Grundausbildung geschult. Damit das Wissen frisch bleibt, organisiert der Verein jährliche Weiterbildungen. Ein Konzept mit Erfolg: Fünf Helfer haben eine Umschulung zum Altenpfleger begonnen, weitere zwölf konnten erfolgreich in unterschiedliche Berufe auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Das Besondere an der Bürgerinitiative Stendal ist die breit angelegte Strategie, die weit über das Kerngeschäft der Betreuung von Menschen mit Demenz hinausgeht. Der Verein arbeitet auch an der Vernetzung von generationsübergreifenden Nachbarschaftshilfen in der Altmark. Das Ziel: die Strukturförderung einer wirtschaftlich schwachen ostdeutschen Region. Das findet Anklang. Sogar Vertreter aus der Kommune und der Kreisverwaltung arbeiten inzwischen bei der Weiterentwicklung des Projekts aktiv mit.

C. 2% E. 11% Grundsicherung der Tagesstätte F. 1% Ein Engagement für die Bürgerinitiative Stendal eignet sich vor allem für Soziale Investoren, F. die mit ihrer Hilfe für Menschen mit Demenz54% G. 78% auch in die Stärkung einer Region investieren wollen, die aktuell durch hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Wirtschaftskraft gekennzeichnet ist. Eine Möglichkeit dafür ist eine Spende zur Grundsicherung der Tagesstätte. Mit Blick auf den enormen organisatorischen Aufwand für die Umsetzung der umfangreichen Projektziele und Aktionen bietet sich auch die Förderung einer koordinierenden Personalstelle an. So ist die ambitionierte Herangehensweise der Bürgerinitiative Stendal mit Blick auf die eigene Markenbildung sehr vorbildlich; damit die Organisation das eigentliche Hauptanliegen der Projekte jedoch nicht aus den Augen verliert, wäre eine personelle Unterstützung hilfreich. Diese könnte auch die geplante Ausweitung des Betreuungsangebots auf den Landkreis und die Altmark mit mobilen Helfern koordinieren. Ein zusätzlicher Mitarbeiter mit Blick für Finanzen könnte an dieser Stelle eine optimale Nutzung und Verteilung der personellen und finanziellen Kapazitäten sicherstellen. Die Kosten für eine Vollzeitstelle belaufen sich dabei jährlich auf rund 35.000 Euro. Für die Qualifizierung und Ausstattung der mobilen Betreuer mit Informations- und Beschäftigungsmaterialien benötigt die Organisation 1.500 Euro.

empfehlungen

C. 7%

Analysiert und empfohlen 11/2011 D. 23% Themenreport Demenz
2011 8. THEMEnrEPorT: DEMEnz

8

VERGESSEN?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Ambulante Betreuung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Leitungsgremium und C. Personalmanagement 19% B. 13% Aufsichtsgremien

B. 67%

F. 58%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge SOS-Mütterze F. 	 Öffentliche Gelder Netzwerke Füreinander-Miteinander e. V. G. 	Leistungsabhängige Einnahmen A. 5% H. G. 11%	Sonstige

G. 15%

Ich spreche für mich selbst. Menschen mit Demenz melden sich zu Wort Demenz Support Stuttgart gGmbH
Die Organisation Demenz Support Stuttgart gGmbH

Rechtsform gemeinnützige GmbH Gründungsjahr 2002 Kontakt Peter Wißmann Geschäftsführer Hölderlinstraße 4 70174 Stuttgart (07 11) 9 97 87 14 p.wissmann@demenz-support.de www.demenz-support.de Das Projekt Start des Projekts: 2006 Erreichte Personen: über Veranstaltungen rund 1.500 Personen jährlich, ca. 5.000 über Medien, 2010 nahmen an der Veranstaltung „Stimmig!“ 230 Personen teil Wirkungsregion: regional, landesweit, bundesweit Einnahmen	 Organisation	 Projekt 661.000 € 4.000 € 2007/08 765.865 € 4.573 € 2008/09 838.759 € 82.145 € 2009/10 Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 4 Hauptamtliche 14 7 0 Honorarkräfte 2 9 Ehrenamtliche Erläuterung: Zu den im Projekt aktiven Ehrenamtlichen zählen auch Betroffene und Fachleute, die punktuell Aufgaben im Projekt wahrnehmen.

herausforderung

Menschen mit Demenz brauchen ein Forum Es wird viel über Menschen mit Demenz gesprochen – aber wenig mit ihnen. Demenz Support Stuttgart gibt den Betroffenen eine Stimme. Menschen mit Demenz sind nach landläufiger Vorstellung alt, pflegebedürftig und hilflos. Sie können nichts mehr – schon gar nicht für sich selbst sprechen. Was die Situation noch schlimmer macht, ist die thematische Fokussierung auf die Symptome der Krankheit statt auf die Person selbst. Einen Demenzkranken mit Weglauftendenzen wegzusperren ist einfacher, als nach den Ursachen für diesen Fluchtinstinkt zu fragen. Doch auch, wenn die Erkrankten zuweilen ihre Freunde und Familie nicht mehr namentlich benennen können, sind sie immer noch Menschen mit Empfindungen, Meinungen und Gedanken. Ausgrenzung am eigenen Leib zu erfahren ist sehr verletzend – für alle Menschen. Gerade Frühbetroffene kann die Diagnose Demenz völlig aus der Bahn werfen. Sie stehen oftmals noch im regulären Erwerbsleben – und werden plötzlich mit Verunsicherungen und Verlusten konfrontiert, sie erfahren häufig Ignoranz, Spott und Mitleid. Mit dem Projekt „Ich spreche für mich selbst“ bietet Demenz Support Stuttgart dementiell veränderten Menschen ein Forum zur Artikulation ihrer Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen sowie ihrer Meinungen, Erfahrungen und Geschichten. Gleichzeitig möchte das Projekt die Gesellschaft zum Zuhören bewegen und darauf aufmerksam machen, dass es vieles gibt, was man von Menschen mit Demenz lernen kann.

handlungsansatz

Demenz verstehen lernen Demenzkranke brauchen nicht nur eine Stimme, sondern vor allem Menschen, die ihnen zuhören. Damit Redner und Zuhörer zusammenfinden, verfolgt das Projekt einen mehrdimensionalen Ansatz. Ein wichtiger Kanal ist die Öffentlichkeitsarbeit. Auf Veranstaltungen wie dem ökumenischen Kirchentag, in „Demenz – Das Magazin“ und Büchern wie „Ich spreche für mich selbst“ zeigen Betroffene, wie viel Mensch noch in ihnen steckt und welche Erfahrungen sie durch die Krankheit mit Menschen ohne Demenz gemacht haben. Die richtigen Worte zu finden gelingt Menschen mit Demenz jedoch nicht immer auf Anhieb. Darum unterstützt die Organisation einzelne Aktive persönlich, assistiert ihnen bei schriftlichen Artikulationen und begleitet sie bei Terminen in der Öffentlichkeit. In Kunst- und Kulturprojekten können sie ihre Stimme wiederfinden und neue Ausdrucksformen entdecken. Demenz Support Stuttgart entwickelt alternative Artikulationsmöglichkeiten für Menschen in fortgeschrittenen Stadien der Demenz, die sich kaum verbal verständigen können. Im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsprojekte erhält die Organisation wertvolle Informationen aus der Lebenswirklichkeit der Betroffenen, zum Beispiel zu konkreten Unterstützungsbedarfen. Für Demenz als gelebte Erfahrung gibt es nur eine Expertise: die der Betroffenen selbst. Darum konsultiert die Organisation bei wichtigen Fragen einen eigenen Beraterkreis, der ausschließlich aus Personen mit Demenz besteht.

G. 63%

E. 5%

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz Wirkungspotenzial des Projekts G. 6% Ziele und Zielgruppen

F. 58% F. 28% Ich spreche für mich selbst. Menschen mit Demenz melden sich zu Wort Demenz Support Stuttgart gGmbH Hundebesuchsdienst „4 Pfoten für Sie“

Legende

Demenz Support Stuttgart gGmbH

			

Konzept und Ansatz

G. 26% 			

herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation H. 3% G. 7%
F. 23% B. 67%
A. 	 Spenden B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	 Zins-/Vermögenserträge WoGe F. 	 Öffentliche Gelder G. 	Leistungsabhängige Einnahmen A. 8% H. 	Sonstige C. 2%
Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Qualitätsentwicklung

Leistungsfähigkeit der Organisation F. 44% Vision und Strategie Leitungsgremium und E. 2% B. 2% Personalmanagement C. 2% Aufsichtsgremien

A. 44%

			 			

E. 3% 			
			

akzeptabel

A. 39%

entwicklungsbedürftig unzureichend

C. 19%

B. 13%

Finanzierungskonzept Freunde alter Menschen e. V. und Fundraising

Finanzen und Controlling Öffentlichkeitsarbeit A. 14%
B. 11% Teilhabe und Selbstbewusstsein „Ich spreche für mich selbst“ leistet in Deutschland Pionierarbeit. Menschen mit Demenz kämpfen hierzulande F. 30% noch um ihr Recht immer auf Teilhabe und Selbstbestimmung und erhalten dabei wenig Unterstützung. Das Projekt leistet einen zentralen Beitrag zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung, indem es Menschen mit Demenz sprechen lässt und so auf vielen Ebenen wirkt – vor allem bei den Betroffenen selbst. Das Engagement der Organisation kann zur Entwicklung eines neuen Selbstbewusstseins beitragen. Betroffene gehen offensiver mit ihrer Krankheit um und „outen“ sich. Mehr noch: Sie tun sich zusammen und entwickeln in unterstützten Gruppen Hilfe zur Selbsthilfe. Auch das Lobbying der Organisation zeigt Wirkung. In München wurde beispielsweise erstmals eine Alzheimererkrankte in den Vorstand einer Patientenorganisation gewählt. Auch beim ökumenischen Kirchentag waren Menschen mit Demenz zum ersten Mal als Referenten dabei. Mit „Stimmig!“ organisierte der Demenz Support Stuttgart 2010 die erste Großveranstaltung in Deutschland, die Menschen mit Demenz eine Stimme gibt. Alzheinmer Angehörigen Initiative A. 2% H. 5% C. 1% D. 7% G. 8%

Netz

resultate G. 45%

empfehlungen

Einfluss auf Bewusstseinswandel evaluieren Eine Unterstützung dieses Projekts eignet sich besonders für Soziale Investoren, die gesamtgesellschaftliche Veränderungen im Blick F. 77% haben. Hier unterstützen sie deutschlandweite Kampagnenarbeit mit Forschergeist und können Kooperationen im Rahmen von Veranstaltungen eingehen. Der mehrdimensionale Ansatz des Projekts ist nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern zielt auch auf eine große Zielgruppe und landesweite Wirkung. Gerade hier wäre es interessant, die Entwicklungen und Effekte wissenschaftlich zu evaluieren: Was hat sich verändert, wie viele Menschen mit Demenz sind aktiv geworden und bringen sich ein? Mit einer Spende ab 25.000 Euro können Soziale Investoren ein Forschungsprojekt zum Behinderungsleben von Menschen mit Demenz unterstützen. Hohe Wirkung hätte auch eine Co-Finanzierung einer Nachfolgeveranstaltung des „Stimmig!“-Kongresses ab 25.000 Euro. Wer in diesem Kontext spendet, sichert sich Aufmerksamkeit, denn das Thema ist brandneu, hochinteressant und erhält dank der professionellen Arbeit von Demenz Support Stuttgart einen fundierten Rahmen. Die Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz ist Dreh- und Angelpunkt des Projekts. Doch für Betroffene, die an Veranstaltungen und Workshops teilnehmen und mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit treten wollen, entstehen hohe Reisekosten. Schon kleine Spenden von etwa 1.000 Euro können diese Kosten zum Teil auffangen und so auch die Betroffenen entlasten.

F. 1% Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011

E. 11%

G. 78%

8. tHEMEnrEPort: DEMEnZ

8

VERGESSEN?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

Ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: ÖFFENTLICHES BEWUSSTSEIN SCHAFFEN – Kampagnen- und Netzwerkarbeit Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

Das Projekt zeigt Wirkung, indem es Geschichten von erfolgreicher Teilhabe und glücklicheren Menschen erzählen kann. Was es außerdem auszeichnet, ist das hohe Engagement, mit dem die Organisation eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis vorantreibt. Denn gerade in Fragen der Teilhabe und Selbstbestimmung der Menschen mit Demenz klafft hier eine große Lücke.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Alzheimer-Telefon Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz
Die Organisation Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1989 Kontakt Sabine Jansen Geschäftsführerin Friedrichstraße 236 10969 Berlin (0 30) 2 59 37 95 11 sabine.jansen@deutsche-alzheimer.de www.deutsche-alzheimer.de Das Projekt Start des Projekts: 2002 Erreichte Personen (2010): 5.390 Anrufer Wirkungsregion: bundesweit Einnahmen	 2008 2009 2010 Organisation	 Projekt 1.360.400 € 165.500 € 1.719.348 € 225.500 € 1.309.661 € 147.444 €

herausforderung

Unterstützungsangebote erreichen viele nicht Zeitmangel, Entfernungen und Schamgefühle versperren Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen oft den Zugang zu Hilfsangeboten. Am Alzheimer-Telefon aber bekommt jeder Hilfe. Die Diagnose Demenz geht mit überwältigenden Veränderungen einher, die sich auf den Betroffenen selbst, aber auch auf sein gesamtes soziales Umfeld beziehen. Da es keine Heilung gibt, müssen die Betroffenen und ihre Angehörigen Wege finden, die verbleibende Zeit lebenswert und möglichst unkompliziert zu gestalten. Das ist nicht einfach, denn die meisten Menschen wissen über den Verlauf der Krankheit und die daraus resultierenden Belastungen genauso wenig wie über Unterstützungsangebote und die Möglichkeiten zur weiteren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Menschen mit Demenz und ihre Familien sind in vielen Situationen einfach ratlos. Außenstehende Ansprechpartner, die sich mit den Sorgen der Betroffenen auskennen, sind in diesen Situationen wichtig. Doch Beratungsstellen liegen oft unerreichbar weit weg und manche Betroffene schämen sich so sehr für ihre Situation, dass sie gar nicht erst nach Unterstützung fragen wollen. Doch eigene Recherchen im Internet sind mühsam und Lösungen für individuelle, ganz persönliche Probleme gibt es dort nicht. Die Maßnahme der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist ebenso einfach wie genial: Sie berät in allen Fragen rund um das Thema Demenz – deutschlandweit, anonym und am Telefon.

handlungsansatz

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 7 Hauptamtliche 12 1 1 Honorarkräfte 0 0 Ehrenamtliche

Telefonische Hilfe – anonym und bundesweit Das Projekt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist mehr als ein Krisentelefon. Es bietet Betroffenen, Angehörigen und Interessierten Hilfe – ob mit Informationen zum Krankheitsbild oder als neutraler Zuhörer bei ganz persönlichen Sorgen. Diese Themenbandbreite zeichnet das Demenz-Telefon aus. Wer zum Telefonhörer greift, erhält von Montag bis Freitag Antworten und Unterstützung – anonym und deutschlandweit. Alternativ können sich Betroffene auch per E-Mail an das Beratungsteam wenden. Bei schwierigen rechtlichen Fällen können sie zweimal im Monat eine unterstützende Erstberatung durch einen Rechtsanwalt in Anspruch nehmen. Ratlosigkeit gibt es hier nicht. Wissen die Sozialarbeiter einmal nicht sofort weiter, melden sie sich nach ausführlicher Recherche beim Anrufer zurück. Laufen die Recherchen ins Leere, stößt der Verein eine fachliche Auseinandersetzung zum Thema an – oder initiiert ein eigenes Projekt. Dieses Weiterdenken fällt besonders positiv auf. Das Angebot endet nicht mit dem Auflegen des Telefonhörers, sondern gewinnt aus den Informationen neue Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Betroffenen. Welche konkreten Bedürfnisse haben Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen? Wo treten Probleme auf und welche gesellschaftlichen Phänomene gibt es, die Menschen ohne Demenz vielleicht gar nicht wahrnehmen? Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft kann hier Wissens- und Forschungslücken identifizieren und diesen mit konkreten Lösungsansätzen begegnen.

F. 58% Alzheimer-Telefon Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			

			 			 			 			 			

herausragend sehr gut gut

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz Finanzierungsquellen der Organisation G. 6%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

A. 44% F. 44% E. 2% B. 2%

C. 2% A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge Freunde alter Menschen e. V. F. 	 Öffentliche Gelder G. 	Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige A. 14%

resultate

Mehr als einfache Telefonseelsorge Die konstant hohen Anruferzahlen bestätigen den großen Bedarf an leicht erreichbaren Hilfsangeboten. Seit Projektstart suchen jährlich mehr als 5.000 Anrufer beim AlzheimerTelefon Rat. Den meisten geht es dabei schlicht um Informationen – sei es zum Krankheitsverlauf oder zu einer Beratungsstelle in der Nähe. Krisenintervention hingegen macht nur einen geringen Teil der Arbeit aus. Mehr als die Hälfte der Anrufe kommen von den Angehörigen. Das Alzheimer-Telefon ist aber auch Anlaufstation für Profis. 17 Prozent der Anrufer sind Pflegekräfte, Therapeuten und andere Personen, die haupt- oder ehrenamtlich in der Behandlung und Betreuung tätig sind. Die häufigste Frage: Wie geht man am besten mit schwierigen Verhaltensweisen der Erkrankten um? Die Ratsuchenden sind mit dem Angebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufrieden. 83 Prozent von ihnen sagen, die Gespräche seien sehr hilfreich gewesen. Die Tragweite des Alzheimer-Telefons ist trotz des vergleichsweise einfachen Konzepts enorm. Die Informationen aus den Anrufen lassen sich statistisch aufbereiten und ermöglichen so Aussagen über die Entwicklung der Krankheit selbst, über soziale Strukturen und konkrete Probleme der Betroffenen. Mit diesem Wissen konnte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft weitere Projekte durchführen, darunter beispielsweise „Allein lebende Demenzkranke – Schulung in der Kommune“.

empfehlungen

Informationen wissenschaftlich auswerten Soziale Investoren unterstützen hier eine etablierte Organisation, die ausschließlich im Bereich Demenz aktiv ist und dort eine große Expertise mitbringt. Für das Projekt können schon kleine Beträge Wirkung entfalten: Bereits mit zehn Euro kann der Verein ratsuchenden Angehörigen ein kostenloses Informationspaket zuschicken. Eine Beratungshotline zeichnet sich vor allem durch Flexibilität aus. Um diese in vollem Umfang gewährleisten zu können, wäre ein Ausbau der Telefonsprechzeiten wünschenswert, vor allem ins Wochenende hinein. Mit 10.000 Euro im Jahr kann die Organisation wöchentlich drei Zusatzstunden am Alzheimer-Telefon ermöglichen. Die Monitoring- und Evaluationsmaßnahmen der Organisation sind vorbildlich, eine Dokumentation der Anruferverhalten und eine qualitative Beschreibung der Anrufergruppen liegen vor. Diese Informationen bieten ein enormes Potenzial für wissenschaftliche Auswertungen. Auch eine tiefergehende Zielgruppenanalyse hätte großen Wert für den gesellschaftlichen Diskurs zur Erkrankung. Soziale Investoren können die Organisation auch in diesem Bereich unterstützen. Um den PHINEO-Anforderungen mit Blick auf die Aufsichtsmechanismen noch besser gerecht zu werden, müsste sich bei einer Organisation dieser Größenordnung die Delegiertenversammlung häufiger treffen. Dafür fehlen der Organisation jedoch die finanziellen Ressourcen, denn die Vertreter von 125 Mitgliedsgesellschaften müssten extra anreisen.

B. 11% G. 45% Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. THEmEnrEPorT: DEmEnz

8

F. 30%

VERGESSEN?
menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: INFORMIEREN & BERATEN – Persönliche Beratung Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

WG-Qualität Freunde alter Menschen e. V.
Die Organisation Freunde alter Menschen e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 1991 Kontakt Klaus-W. Pawletko Geschäftsführer Hornstraße 21 10963 Berlin (0 30) 6 91 18 83 info@famev.de www.freunde-alter-menschen.de Das Projekt Start des Projekts: 2005 Erreichte Personen (2010): 230 telefonische Anfragen von Ratsuchenden, 42 persönliche Beratungen Wirkungsregion: lokal, regional, bundesweit Einnahmen	 Organisation	 Projekt 312.000 € – 2008 410.743 € 35.764 € 2009 378.596 € 16.113 € 2010 Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 4 2 Hauptamtliche 0 0 Honorarkräfte 5 Ehrenamtliche 120

herausforderung

Demenz-WGs als Einnahmequelle missbraucht Ambulant betreute WGs für Demenzkranke haben sich als Wohnform etabliert. Doch rechtliche Grauzonen fördern den Missbrauch. Freunde alter Menschen e. V. setzt sich für Qualität ein. Der Verein gilt als Erfinder der ambulant betreuten Wohngruppen für Menschen mit Demenz. Aus der Idee des gemeinsamen Wohnens in häuslicher Atmosphäre ist inzwischen ein bundesweit anerkanntes und oft kopiertes Versorgungsmodell für Menschen mit Demenz geworden. Die rechtliche Stellung dieser Wohngemeinschaften war jedoch lange unklar, vor allem die Trennung von Wohnungsvermietung und Pflegeleistung. Viele Anbieter schlagen daraus Profit: Sie sparen bei der Ausstattung der WGs ebenso wie an qualifiziertem Pflegepersonal – und bereichern sich an überzogenen Mieten. Viele Bundesländer haben inzwischen rechtliche Rahmenbedingungen für ambulant betreute Wohngemeinschaften festgelegt. Einige Länder sehen heute zum Beispiel eine strikte Trennung von Vermietung und Pflege in den Demenz-WGs vor, damit die Bewohner bei Nichtgefallen einen anderen Pflegeanbieter wählen können, ohne gleichzeitig umziehen zu müssen. Doch wenn der Pflegedienst von der Ehefrau des Vermieters betrieben wird, ist diese Regelung machtlos. „WG-Qualität“ macht sich für die Verbreitung einheitlicher Qualitätsmaßstäbe in ganz Deutschland stark – und tritt auch für deren Sicherstellung und Überprüfung ein.

handlungsansatz

Qualitätskriterien für bessere Orientierung Die WG-Pioniere des Freunde alter Menschen e. V. haben in Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg ein Bundesmodellprojekt initiiert, das den Qualitätsmängeln in den Wohngruppen einen offiziellen Riegel vorschieben soll. Inhaltlich stützt sich das Projekt auf einen gemeinsam erarbeiteten Kriterienkatalog für Qualität in Demenz-WGs. Die große Herausforderung ist nun, diese Qualitätskriterien bundesweit als verbindliche Maßstäbe anerkennen zu lassen. Die Organisation trägt ihr Anliegen über verschiedene Kanäle an die Öffentlichkeit und in die Politik, zum Beispiel über das „Innovationsforum ambulant betreute Wohngemeinschaften“, die „Bundesarbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften“, die Mitarbeit an der Ausgestaltung neuer Heimgesetze in den Bundesländern sowie die Informationsplattform www.wgqualitaet.de. Die Organisation will Regelungen etablieren, die den Missbrauch des WG-Modells verhindern. Die Angehörigen spielen dabei eine wichtige Rolle, vor allem als Qualitätsprüfer. Deshalb soll das Projekt sie in ihrer Rolle als Auftraggeber gegenüber den Pflegediensten stärken. Sie erhalten zum Beispiel individuelle Unterstützung und Beratung, damit sie wissen, welche Rechte sie haben und worauf sie beim Vertragsabschluss für eine Pflegeleistung oder einen Wohnplatz achten müssen. Darüber hinaus vermittelt der Verein in konkreten Konfliktsituationen zwischen den Parteien.

WG-Qualität Freunde alter Menschen e. V.
Wirkungspotenzial des Projekts Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie Aufsichtsgremien Leitungsgremium und Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit Legende
			 			 			 			 			 			 herausragend sehr gut gut

E. 2% B. 2% C. 2%

Freunde alter Menschen e. V. Finanzierungsquellen der Organisation A. 14% G. 45% B. 11%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

A. 	 Spenden B. 	 Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	 Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder G. 	Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige

F. 30%

resultate

Bewusstsein für Qualität geschärft Der erste große Erfolg von „WG-Qualität“ ist die schrittweise Bewusstseinsschärfung für Qualitätstandards bei Entscheidungsträgern. Vor allem das persönliche Engagement des Projektleiters in politischen Gremien und den Medien treibt diese Entwicklungen voran. So fand zum Beispiel die Trennung von Vermietung und Pflegeleistung Eingang in fast alle Landesheimgesetze. Sie ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien für ambulant betreute Wohngemeinschaften. Daneben hat sich die Website als wichtige Informationsplattform für diese Spezialform der Wohngruppen etabliert. Die Berichte, Checklisten sowie der laufend aktualisierte Länderatlas mit landesspezifischen Informationen zu ambulant betreuten Wohngemeinschaften und deren rechtlichen Rahmenbedingungen erreichen eine große Zielgruppe. Darunter sind Angehörige, Pflegefachkräfte und Wissenschaftler ebenso wie ganze Institutionen – also Ministerien auf Bundes- und Landesebene sowie die DemenzWGs selbst. Der Freunde alter Menschen e. V. trägt mit „WG-Qualität“ maßgeblich dazu bei, ein gesellschaftspolitisches Bewusstsein für die Notwendigkeit von Qualitätskriterien im Bereich ambulant betreuter Wohngemeinschaften zu prägen. Konkrete Wirkungen sind jedoch schwer nachweisbar, da das Projekt in erster Linie gesamtgesellschaftliche Veränderungen anstrebt, die vor allem auf politisch-gesetzgeberischer Ebene nur schwer auf konkrete Maßnahmen der Organisation zurückführbar sind.

empfehlungen

Nutzung der Qualitätskriterien evaluieren Das Projekt eignet sich vor allem für Soziale Investoren, die mit ihrem Engagement bessere Lebensbedingungen für Menschen mit Demenz schaffen wollen. Der Verein hat mit seinem Einfluss auf Landesheimgesetzgebungen schon einen wichtigen Schritt getan – jetzt gilt es dranzubleiben. Zum Beispiel mit einer Erhebung zur Nutzung der Qualitätskriterien: Richten sich WG-Initiatoren bei der Wohnraumgestaltung nach den Kriterien? Nutzen Angehörige die Qualitätskriterien bei der Wahl einer Wohngruppe? Die Erkenntnisse können dem Verein neue Ansatzpunkte für ihre Arbeit geben, Soziale Investoren können eine solche Studie finanzieren. Auch in anderen Bereichen helfen Spenden: Mit 75 Euro finanzieren Investoren eine Beratungsstunde, 10.000 Euro decken die Kosten für die Beratung und Unterstützung für ein Jahr. Eine Stärke der Organisation liegt in der Öffentlichkeits- und Finanzierungsstrategie. Da sie aber auch ihre Verwaltungskosten gering halten möchte, gibt es einen Knackpunkt: In Anbetracht der Höhe der Gesamteinnahmen der Organisation ist eine externe Finanzprüfung anzuraten. Obwohl die Mitarbeiter entsprechend ihrer Qualifikationen optimal eingesetzt und gefördert werden, ist die treibende Kraft der Organisation der Geschäftsführer. Damit „WG-Qualität“ nachhaltig erfolgreich sein kann, sollte mindestens eine halbe hauptamtliche Stelle geschaffen werden, die Klaus Pawletko beispielsweise im Bereich Finanzen unterstützt.

Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. tHEMEnREPORt: dEMEnZ

8

VERGESSEN?
Menschen mit demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: ÖFFENTLICHES BEWUSSTSEIN SCHAFFEN – Kampagnen- und Netzwerkarbeit Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

Ambulantes Unterstützungsangebot bei Demenz Netzwerke Füreinander-Miteinander e. V.
Die Organisation Netzwerke FüreinanderMiteinander e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2008 Kontakt Angelika Gromöller Geschäftsführerin und Koordinatorin Dirkesallee 5 48329 Havixbeck (0 25 07) 54 12 13 fuereinander-miteinander@gmx.de www.fm-havixbeck.de Das Projekt Start des Projekts: 2009 Erreichte Personen: seit Projektstart 20 Seniorenbegleiter ausgebildet und insgesamt 28 Familien erreicht Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 Organisation	 Projekt 2008 12.866 € – 2009 11.809 € 11.809 € 2010 22.008 € 22.008 € Einnahmen	 Organisation	 Projekt Hauptamtliche 1 1 Honorarkräfte 2 2 Ehrenamtliche 40 20

herausforderung

Fehlender Gemeinschaftssinn macht einsam Auch Menschen mit Demenz möchten am gesellschaftlichen Leben teilhaben, brauchen oft aber eine helfende Hand. Netzwerke Füreinander-Miteinander unterstützt aktives Altern. Demenz reißt die Betroffenen aus ihrem gewohnten Alltag heraus. Plötzlich werden Telefonate mit der besten Freundin eine echte Herausforderung, und zum Kurs für kreatives Schreiben im Nachbarort kommen sie wegen der wachsenden Orientierungsschwierigkeiten immer zu spät. Statt um Hilfe zu bitten, ziehen sich viele Betroffene zurück – obwohl sie wahrscheinlich noch immer gern unter Freunden sein wollen und ihren Hobbys nachgehen möchten. Sie bräuchten dafür nur jemanden, der ihnen an der einen oder anderen Stelle behilflich ist und sie motiviert, der die richtige Telefonnummer wählt oder sie zum Volkshochschulkurs begleitet. Private Netzwerke sollten diesen Bedarf auffangen, doch statt Gemeinschaftssinn und Nachbarschaftshilfe bestimmt häufig Isolation die Lebensrealität von Menschen mit Demenz und ihren Familien. Denn auch wenn Angehörige die Pflege übernehmen, können sie nicht rund um die Uhr alle Betreuungsleistungen alleine stemmen. Die geschulten Seniorenbegleiter von Netzwerke Füreinander-Miteinander greifen Menschen mit Demenz unter die Arme und helfen ihnen in einer ganz persönlichen Eins-zu-eins-Betreuung dabei, ihren Alltag aktiv und abwechslungsreich zu gestalten.

handlungsansatz

Persönliche Begleitung ermöglicht Teilhabe Mit der Einsamkeit und Isolation älterer Menschen findet sich Netzwerke FüreinanderMiteinander nicht ab. Der Verein möchte Menschen wieder in Netzwerke integrieren, die sie auffangen, wenn sie Hilfe benötigen, beispielsweise im Umgang mit der eigenen Demenzerkrankung. Er stellt Menschen mit Demenz Seniorenbegleiter zur Seite, also ehrenamtliche Helfer, die nach dem Dülmener Modell geschult und in Kurzpraktika in Altenheimen und Pflegediensten auf ihre Aufgaben im Projekt vorbereitet werden. Sie stehen den Betroffenen einmal in der Woche bei der Bewältigung ihres Alltags zur Seite, helfen ihnen beim Einkaufen, Kochen und Telefonieren und begleiten sie zu Familienfeiern, Veranstaltungen und Gottesdiensten. Eigeninitiative wird bei Netzwerke FüreinanderMiteinander großgeschrieben. Hier können die Senioren Projektideen verwirklichen. Bestes Beispiel: Eine an Demenz erkrankte Frau leitet zusammen mit der ersten Vorsitzenden einen Sütterlin-Kurs. Das Angebot ist eine große Entlastung für die Angehörigen. Besonders positiv fällt die reflektierte und bedarfsorientierte Vermittlung der Seniorenbegleiter auf. Die Paarung soll auf persönlicher Ebene passen. Ob Seniorenbegleiter und Betroffener gut miteinander können, testen sie in einer von der Koordinatorin begleiteten Schnupperphase aus. Das Projekt wird mit einem Gesprächskreis für die pflegenden Angehörigen und Fortbildungsreihen für sie und andere Interessierte abgerundet.

B. 13% Ambulantes Unterstützungsangebot bei Demenz Netzwerke Füreinander-Miteinander e. V. Alzheinmer Angehörigen Initiative Wirkungspotenzial des Projekts WoGe Legende
			 			 			 			 			 			

C. 19%

B. 67%

F. 58%

Ziele und Zielgruppen A. 2% H. 5% C. 1% Konzept und Ansatz D. 7% G. 8% Qualitätsentwicklung Vision und Strategie Aufsichtsgremien

herausragend sehr gut gut

Finanzierungsquellen der Organisation Netzwerke Füreinander-Miteinander e. V.
C. 2% E. 11% G. 11% A. 5% C. 7%

S

A. 8%

Leistungsfähigkeit der Organisation Leitungsgremium und Personalmanagement

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 1% F. 54%

D. 23%

Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit

resultate

Kleine Erfolge, die zählen Das Projekt startete von Anfang an durch. Schon im ersten Jahr erhielten die ersten Seniorenbegleiter ihre Ausbildung und Zertifizierung und konnten direkt in die Arbeit einsteigen. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Seit Projektstart wurden 28 Familien mit je mindestens einem Erkrankten und einem Angehörigen erreicht. 2010 fanden 505 Einsätze und dabei insgesamt 1.015 gemeinsame Stunden mit den Betroffenen statt. 20 Seniorenbegleiter wurden bislang ausgebildet, 12 von ihnen sind derzeit in der Betreuung aktiv. Die Nachfrage steigt auf beiden Seiten. Ein sehr gutes Monitoring gewährleistet die Qualität des Projekts. Eine Pflegekraft befragt so zum Beispiel die Teilnehmer einmal im Quartal nach ihrer Zufriedenheit mit dem Unterstützungsangebot – und die ist sehr groß. Bei den Erkrankten selbst mag sich das nur in kleinen Dingen äußern – einem Lächeln zur Begrüßung zum Beispiel –, doch in Anbetracht der Umstände sind es diese kleinen Erfolge, die zählen. Auch die Familien nehmen sich wieder mehr Zeit für sich. „Endlich kann ich wieder zum Kegeln gehen“, berichtet ein Angehöriger. Kritische Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge aus den Zufriedenheitsbefragungen fließen in die Anpassung des Projekts ein. Auch die Teamsitzungen der Seniorenbegleiter gewährleisten einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch mit dem Ziel, Probleme frühzeitig zu identifizieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

empfehlungen

In Personal und Evaluation investieren Der durchschlagende Erfolg des Vereins geht vor allem auf das Konto der Koordinatorin Angelika Gromöller – die dabei jedoch häufig an die Grenzen ihrer Kapazitäten stößt, zumal sie dem Verein auch als Geschäftsführerin vorsteht. Für eine nachhaltige Wirkung des Projekts wäre eine weitere hauptamtliche Kraft wichtig, die die Koordinatorin entlastet. Ein Sozialer Investor könnte mit der Finanzierung einer halben Personalstelle mit 31.000 Euro wesentlich zum weiteren Gelingen des Projekts beitragen. Die kleine Organisation besticht durch Professionalität – vor allem im Bereich der Finanzund Personalorganisation. Hier und da gibt es jedoch noch Optimierungspotenzial, zum Beispiel bei der Erstellung und Veröffentlichung eines Jahresberichts. Auch hier fehlen Ressourcen. Eine personelle Verstärkung würde dem Team zudem Raum geben, neben dem Monitoring auch eine umfangreichere Evaluation zur Zufriedenheit der Demenzkranken und ihrer Angehörigen durchzuführen. Auch eine detaillierte Dokumentation des Projektkonzepts wäre gerade in Hinblick auf die Übertragbarkeit des Ansatzes sehr wertvoll. Wer nicht in die wissenschaftliche Auswertung, sondern die tägliche Praxis investieren möchte, kann mit 1.540 Euro die Schulung von zehn weiteren Seniorenbegleitern nach dem Dülmener Modell ermöglichen. Mit 3.540 Euro könnte man die Jahresmiete der Begegnungsund Projekträumlichkeiten finanzieren.

Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. tHEMENrEPort: DEMENz

8

VERGESSEN?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Besuchsdienste Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

F. 77%

G. 78%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder G. 	Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige

„Jung & Alt“ – Begegnung von Kindern und alten Menschen SOS-Mütterzentrum Salzgitter
Die Organisation SOS-Mütterzentrum Salzgitter

Rechtsform rechtlich unselbständige Einrichtung des SOS-Kinderdorf e. V. Gründungsjahr 1980 Kontakt Sabine Genther Leiterin Mütterzentrum Braunschweiger Straße 137 38259 Salzgitter (0 53 41) 81 67 17 sabine.genther@sos-kinderdorf.de www.muetterzentrum.de Das Projekt Start des Projekts: 2009 Erreichte Personen: täglich zwölf alte Menschen und 20 Kinder beim Mittagstisch; 2010 insgesamt 130 Personen (65 alte Menschen, 65 Kinder) Wirkungsregion: lokal Einnahmen	 2008 2009 2010 Organisation	 Projekt 1.847.903 € n.a. 2.122.097 € 26.040 € 2.115.268 € 27.000 €

herausforderung

Neue Lebensentwürfe fördern Einsamkeit Wo die Gesellschaft kein soziales Auffangnetz mehr bietet, sind Menschen mit Demenz oft auf sich allein gestellt. Im Mehrgenerationenhaus Salzgitter finden sie eine neue Großfamilie. Zusammenhalt ist heute ein seltenes Gut in der westlichen Welt. Früher lebten mehrere Generationen unter einem Dach, mal mehr, mal weniger friedlich – aber wenn es brannte, war die Familie sofort zur Stelle und konnte helfen. Mit der Individualisierung und Globalisierung veränderten sich diese Strukturen jedoch. Die nachrückenden Generationen zogen in die Welt hinaus und setzten andere Werte und Lebensentwürfe auf ihre Agenda. Singlehaushalte sind die neue Wohnform und selbst die eigenen Nachbarn kennt man nur noch vereinzelt. Wenn aber Familien derartig auseinanderdriften, übernehmen oft nur einzelne Angehörige die Pflege von Menschen mit Demenz – oder niemand. Auch für Kinder ist heute vieles anders. Sie leben in Kleinfamilien, bei nur einem Elternteil oder in Patchworkfamilien – häufig aber ohne ein Gefühl echter Zugehörigkeit. Das Projekt „Jung & Alt“ des SOS-Mütterzentrums Salzgitter bringt die Generationen zusammen und schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Statt für die Kinder eine Handballgruppe und für die Älteren einen Töpferkurs anzubieten, setzt die Organisation auf generationenübergreifende Synergie-Effekte und bringt die beiden Generationen zusammen.

handlungsansatz

Mitarbeiter	 Organisation	 Projekt 4 Hauptamtliche 46 17 1 Honorarkräfte 5 Ehrenamtliche 125

Selbstverständliches Miteinander Die Idee hinter „Jung & Alt“ ist so einfach wie genial: Kinder und Ältere – einige von ihnen mit Demenz – verbringen Zeit miteinander, ganz ohne Zwang und Stundenplan. Da Altentagespflege und Kinderhaus nachbarschaftlich Tür an Tür liegen, treffen sich Junior und Senior häufig in der Mitte: Im Verbindungstrakt zwischen den Gebäuden liegt ihr „Marktplatz“, gleich darunter gibt es ein Café. Diese Möglichkeiten zur spontanen Kontaktaufnahme im Alltag und die Synergie-Effekte aus den gemeinsamen Aktivitäten zeichnen das Projekt aus. Beim Mittagstisch „Tischlein deck dich“ zum Beispiel besuchen Schulkinder nach dem Unterricht die Älteren und essen mit ihnen zu Mittag – mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Auch Kindergruppen wie die „Höhlenkinder“ verbringen Zeit mit den alten Menschen, zum Beispiel beim Sitztanz, Singen und Spazierengehen. Ehrenamtliche Helfer und Fachkräfte aus dem Kinder- und Jugendbereich sowie aus dem Altenservice sind immer in der Nähe – als Unterstützer und manchmal auch als Vermittler, wenn es mit dem Zusammensein mal nicht so gut klappt. Aus manchen Begegnungen wachsen mit der Zeit sogar enge Beziehungen. Die Kinder finden in den alten Menschen verlässliche Partner, die sich Zeit für sie nehmen, ihnen zuhören und auch selbst Geschichten erzählen können. Die kindliche Leichtigkeit färbt wiederum auch auf die Älteren ab, die aus den Begegnungen das gute Gefühl gewinnen, gebraucht zu werden.

„Jung & Alt“ – Begegnung von Kindern und alten Menschen SOS-Mütterzentrum Salzgitter
WoGe Wirkungspotenzial des Projekts

B. 67%

Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz Qualitätsentwicklung Vision und Strategie Aufsichtsgremien

Netzwerke Legende Füreinander-Miteinander e. V. C. 2% E. 11%
			G. 11% herausragend A. 5% 			 			 			 			 			 sehr gut gut

A. 8%

C. 7% D. 23%

SOS-Mütterzentrum Salzgitter Finanzierungsquellen der Organisation A. 5% H. 2% B. 2% G. 15%

Leistungsfähigkeit der Organisation Leitungsgremium und G. 78% Personalmanagement Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit

F. 1%

akzeptabel

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 54%

A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige

resultate

Alt hilft Jung und Jung hilft Alt Das Projekt besinnt sich auf grundlegende Bedürfnisse nach Nähe, Vertrauen und Zeit. Davon profitieren Alt und Jung. Für die Kinder – einige von ihnen sind verhaltensauffällig oder sozial benachteiligt – sind die gemeinsamen Stunden mit den älteren Menschen beim Essen, Spielen und Reden wie ein kleiner Urlaub vom Alltag. Und die Älteren erfreuen sich an der Aufmerksamkeit, Aufgewecktheit und Kreativität der Kleinen. Ein schöner Nebeneffekt: Die jungen Leute lernen hier auch Menschen mit Demenz kennen und respektieren – und nehmen idealerweise diese früh erlebte Offenheit und Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Krankheit mit in ihre Zukunft. Bei „Jung & Alt“ erleben sie täglich, dass es ganz normal sein kann, mit dementiell erkrankten Menschen gemeinsam unter einem Dach zu leben. Jeden Tag treffen sich im Mehrgenerationenhaus 20 Kinder und zwölf alte Menschen im Rahmen des Projekts. Schon im ersten Projektjahr nahmen insgesamt 130 Personen an den koordinierten Begegnungen bei „Tischlein deck dich“ und den „Höhlenkindern“ teil. Aktuell kommen 35 angemeldete Gäste in die Alterstagespflege, zehn von ihnen haben eine dementielle Erkrankung. Die schnellen Erfolge und die große Zufriedenheit aller Teilnehmer haben sich herumgesprochen: Das SOSMütterzentrum Salzgitter gibt seine Erfahrungen und sein Wissen im Rahmen des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser der Bundesregierung weiter.

empfehlungen

Impulse für die Versorgungslandschaft Zu den Stärken der Organisation gehören zweifelsohne der reichhaltige Erfahrungsschatz aus 30 Jahren Mehrgenerationenhaus in Salzgitter sowie die sehr gute Beobachtungsgabe und Handlungskompetenz der Mitarbeiter. Die Einführung von Qualitätssicherungsmaßnahmen, die speziell auf das Mütterzentrum zugeschnitten sind, würde das Gesamtpaket abrunden. Pläne dafür gibt es bereits: Die Organisation möchte das wissenschaftlich begleitete Modellprojekt „Gemeinsame Betreuung von Kindern und alten Menschen“ durchführen. Soziale Investoren können mit ihrem Engagement an dieser Stelle viel bewirken, denn bislang sind Demenzprojekte, die Jung und Alt zusammenbringen, rar – und das, obwohl das BMFSFJ über „Demenz in Mehrgenerationenhäusern“ diesen Ansatz fördert. Die Evaluation wäre auch mit Blick auf die Übertragbarkeit des Konzepts sehr wertvoll, das Potenzial für eine nachhaltige Wirkung auf die Versorgungslandschaft ist enorm. Für die Umsetzung ist Expertise in den Bereichen Pädagogik und Gerontologie gefragt. Eine Investition in zwei halbe Stellen wäre hier sehr hilfreich, die Kosten für zwei Jahre liegen bei 58.000 Euro pro Stelle. Mit 20.000 Euro könnte die Organisation ein Fahrzeug für gemeinsame Ausflüge finanzieren oder einen Mitarbeiter einstellen, der sich gezielt um die Aktivitäten der Menschen mit Demenz und der Kinder kümmert. Kleine Spenden ermöglichen die Anschaffung von Materialien, zum Beispiel zum Basteln und Spielen.

Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. tHEMEnrEPOrt: dEMEnz

8

VERGESSEN?
Menschen mit demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Aktivitäten zur Stärkung der sozialen und kulturellen Teilhabe Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

F. 76%

Wohngruppe für Menschen mit Demenz im Quartier Vauban Woge e. V.
Die Organisation WOGE e. V.

Rechtsform eingetragener Verein (e. V.) Gründungsjahr 2004 Kontakt Anne Helmer Vorstandsvorsitzende Heinrich-Mann-Straße 20 79100 Freiburg (07 61) 4 00 41 94 a-helmer@versanet.de www.wogevauban.de Das Projekt Start des Projekts: 2008 Erreichte Personen: ca. 1.600 seit Projektstart (Bewohner, Angehörige, Cafébesucher, Pflegefachkräfte) Wirkungsregion: lokal, regional Einnahmen	 2008 2009 2010 Organisation=	 rojekt P 89.500 € 70.263 € 66.894 €

herausforderung

Organisatorische Hürden für Demenz-WGs Ab ins Heim? Viele Pflegebedürftige möchten lieber individueller wohnen. Die Demenz-WG von WOGE e. V. bietet Menschen mit Demenz ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Lebensumfeld. Alternative Wohnformen im Alter haben sich bewährt. Doch deren Organisation und Verwaltung sind mitunter sehr komplex – gerade bei ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Noch vor der eigentlichen Gründung einer solchen WG müssen zahlreiche rechtliche Voraussetzungen erfüllt werden, darunter vor allem die Trennung von Vermietung und Pflegedienst. Hinzu kommt eine Reihe freiwilliger Qualitätsvereinbarungen, die eine Wohngemeinschaft erfüllen sollte, wenn sie das Selbstbestimmungsrecht der Bewohner wahren, die Angehörigen einbeziehen und die Pflegefachkräfte nicht überfordern möchte. Hält sich die ambulant betreute Wohngemeinschaft an gesetzliche Vorgaben und freiwillige Qualitätsvereinbarungen, ergeben sich weitere Herausforderungen ganz praktischer Natur. Was, wenn sich die Bewohner untereinander nicht verstehen? Wie bezieht man Angehörige sinnvoll mit ein? Wie gewährleistet man ein Maximum an Selbstbestimmtheit der Bewohner, wenn gleichzeitig Pflegefachkräfte ein und aus gehen und das Hausrecht somit nur eingeschränkt gelten kann? Und schließlich: Wie kann man mit angemessenem Aufwand die Zufriedenheit der Bewohner mit Demenz herausfinden?

handlungsansatz

Individuelles Wohnen, geteilte Verantwortung WOGE wurde von einer Pflegefachkraft, einer Sozialarbeiterin und Angehörigen von Erkrankten gegründet, die für ihre demenzkranken Familienmitglieder selbstbestimmtes Wohnen jenseits von Minuten-Pflege und Massenbetrieb schaffen wollten. In der Wohngruppe geht es vor allem um Normalität. Pflegerische, soziale und hauswirtschaftliche Aktivitäten sollen bei der Tagesgestaltung so Hand in Hand gehen, dass Alltagstätigkeiten und nicht die Krankheit das Leben der Bewohner dominieren. Die Wohnung für zehn Menschen mit Demenz ist großzügig geschnitten und mit vielem ausgestattet, was eine lebensweltorientierte und alltagsnahe Betreuung erleichtert, zum Beispiel mit einer großen Wohnküche und einem Klavier. Ein wichtiger Baustein sind die Angehörigen. Als Auftraggeber und somit Träger der Wohngruppe haben sie nicht nur Entscheidungsrechte, sondern auch die Pflicht, sich einzubringen beziehungsweise Bevollmächtigte dafür zu benennen. Die Betreuung und Pflege übernehmen Alltagsbegleiter und Fachpflegekräfte, die von Freiwilligen und Praktikanten unterstützt werden. Die Evangelische Sozialstation Freiburg im Breisgau stellt den Pflegedienst, die Vermietung obliegt der W.A.S. GmbH. WOGE ist eine Gesellschafterin der W.A.S. GmbH und nimmt eine koordinierende Brückenfunktion zwischen Vermietung und Pflege wahr. Der Verein ist Mitglied im „Freiburger Modell – Netzwerk Wohngruppen für Menschen mit Demenz“.

Mitarbeiter	 Organisation=	 rojekt P 0 Hauptamtliche 1 Honorarkräfte 22 Ehrenamtliche Erläuterung: Ein Teil der Gesamteinnahmen des Vereins (in 2010: 50.889 Euro, das sind 97 % der leistungsabhängigen Einnahmen) sind zweckgebundene Mieteinnahmen, die ausschließlich für die ambulant betreuten WGs der Organisation zur Verfügung stehen.

Freunde alter Menschen e. V.

Wohngruppe für Menschen mit Demenz im Quartier Vauban Woge e. V.
Alzheinmer Angehörigen Initiative

E. 2% B. 2% C. 2%

C. 19%

B. 13%

B. 67%

Wirkungspotenzial des Projekts A. 14% Ziele und Zielgruppen Konzept und Ansatz
B. 11%

Legende
			

WoGe

A. 2% H. herausragend 			 5% C. 1% D. 7% G. 8%
			 			 			 			 sehr gut gut akzeptabel

G. 45% Qualitätsentwicklung

Netzwerk Finanzierungsquellen der Organisation A. 8% C. 2% E. 11% F. 1%

Leistungsfähigkeit der Organisation Vision und Strategie F. 30% Leitungsgremium und Personalmanagement Aufsichtsgremien Finanzen und Controlling Finanzierungskonzept und Fundraising Öffentlichkeitsarbeit

entwicklungsbedürftig unzureichend

F. 77%

G. 78%
A. 	 Spenden B. 	Zuwendungen von Stiftungen/Vereinen C.	Mitgliedsbeiträge D. 	Sponsorengelder E. 	Zins-/Vermögenserträge F. 	 Öffentliche Gelder G. 	 Leistungsabhängige Einnahmen H. 	Sonstige
Abweichungen von 100 % ergeben sich durch math. Runden

F. 54

resultate

Leben, wo Engagement großgeschrieben wird Baden-Württemberg führte als eines der ersten Bundesländer ein Landesheimgesetz mit entsprechenden Vorgaben für ambulant betreute Wohngemeinschaften ein. Die Zeichen für WOGE e. V. standen günstig – und der Verein hat viel daraus gemacht. Die Wohngruppe ist seit dem Erstbezug voll ausgelastet, es gibt sogar eine Warteliste. Die Zufriedenheit der dementen Bewohner lässt sich nur schwer ermitteln, dennoch gibt es Indikatoren, die zeigen, dass sie sich wohlfühlen. Ihr physischer wie psychischer Zustand verbessert sich häufig nach dem Einzug. Regelmäßige Mahlzeiten, eine stabile Tages- und Nachtstruktur sowie aktivierende Tätigkeiten tragen ihren Teil dazu bei. Angehörige fühlen sich durch das Angebot der Wohngruppe deutlich entlastet, ohne jedoch alle Verantwortung mit dem Einzug abzugeben. Die Wohngemeinschaft ist optimal in weitere Aktivitäten des Vereins eingebunden, deren Resultate ebenfalls überzeugen. Das Café WOGE ist vielbesuchter Treffpunkt – auch für die Angehörigen. Die Qualifizierungskurse sind voll ausgebucht und werden, wie eine umfangreiche Selbstevaluation zeigt, von den Teilnehmern durchweg positiv beurteilt. Das Wohnviertel hat sich durch den Einsatz der Bürger zu einer modernen Siedlung entwickelt, die auf Selbstorganisation und Nachbarschaftshilfe baut. Besser könnte eine WG für Menschen mit Demenz nicht eingebunden sein als in einen Bezirk, in dem bürgerschaftliches Engagement großgeschrieben wird.

empfehlungen

Über die Stiftung die Nachhaltigkeit sichern Die ganzheitliche Strategie von WOGE e. V. überzeugt, die Bewohner erhalten ein RundumSorglos-Paket. Um das gewährleisten zu können, ist der Verein in komplexe Strukturen eingebunden, die allerdings über einen online abrufbaren Jahresbericht und eine Übersicht der Gesellschafterstrukturen und Kooperationen noch transparenter kommuniziert werden könnten. Die Einbindung der Helfer ist vorbildlich, Potenzial liegt noch in einer gezielteren Förderung der individuellen Fähigkeiten der Erkrankten durch die Ehrenamtlichen. Generell wären Evaluationen zur Zufriedenheit der Bewohner oder der Einbindung von Ehrenamtlichen sehr hilfreich für die Weiterentwicklung von ambulanten Wohngemeinschaften. Soziale Investoren könnten hier mit einer Förderung viel bewirken. Wer es etwas konkreter mag, kann besondere Aktionen für die Bewohner ermöglichen, zum Beispiel einen Ausflug für rund 500 Euro. Auch für die Projektkoordination, das Café und die Öffentlichkeitsarbeit kann der Verein kleine wie große Spenden mit großem Mehrwert für die Beteiligten verwenden. Die WOGE Stiftung kümmert sich um die Finanzierungssicherung der WG. Soziale Investoren können sich gut positionieren, indem sie die Ausweitung des Stiftungskapitals unterstützen und so nicht nur den Betrieb der Wohngruppe nachhaltig fördern, sondern auch Menschen eine Chance auf einen Wohngruppenplatz geben, die selbst nicht die finanziellen Mittel dafür aufbringen können.

Analysiert und empfohlen 11/2011 Themenreport Demenz
2011 8. THEMEnrEPOrT: DEMEnz

8

VERGESSEN?
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

Gefördert durch:

ideell unterstützt von:

Handlungsansatz: BETREUEN & ENTLASTEN – Alternative Wohnformen Dieses Porträt ist eine Kurzfassung. Weitere Informationen sind bei PHINEO erhältlich.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Ansprüche gegen PHINEO aufgrund der Nutzung der vorstehenden Informationen sind ausgeschlossen. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Haftungshinweis unter: www.phineo.org/haftung

Die Projektporträts aller Themenreports finden Sie im Internet unter: www.phineo.org/projektportraets

Beratungshaus für wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement. Ein breites Bündnis aus gemeinnützige Aktiengesellschaft PHINEO Wirtschaft und Zivilgesellschaft hat 2010 die ins Leben gerufen, um den gemeinnützigen

PHINEO ist ein unabhängiges Analyse- und

PHINEO -Analyse gemeinnützige Projekte,

die besonderes Potenzial haben, die Geselldieser empfehlenswerten Organisationen, Reports zu ausgewählten Themenfeldern, Ratgebern zum Wie des Gebens sowie

schaft nachhaltig zu gestalten. Mit Porträts

Sektor zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, tun, sondern auch Gutes bewirken wollen. setzt PHINEO bei allen an, die nicht nur Gutes
PHINEO empfiehlt auf Basis der mehrstufigen

individueller Beratung bietet PHINEO Orientierung für wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement. www.phineo.org

phineo ist ein bündnis starker partner
Hauptgesellschafter

Gesellschafter

Ideelle Gesellschafter

Strategische Partner

• CSI – Centrum für soziale	 	 Investitionen und Innovationen	
Förderer

• Deutscher Spendenrat • Stiftung Charité

• avesco Financial Services	 • Baden-Württembergische Bank	 • Bank im Bistum Essen e.G.	

• Freshfields Bruckhaus Deringer • MLP Finanzdienstleistungen AG
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.