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Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2009

Jahresbericht 2009
I. Vorwort

Das Geschäftsjahr 2009 wurde von einem großen Ereignis geprägt: unserem Jubiläum „Zehn Jahre Bürgerstiftung Berlin“. Zugleich war es ein Jahr des personellen Wechsels: Heike Maria v. Joest übernahm von Karin Gräfin Dönhoff die Führung der Bürgerstiftung Berlin. Diese wichtigen Anlässe waren Motivation für eine fundierte Neuausrichtung unserer Aktivitäten. Zu Jahresanfang unterzogen sich Vorstand und Geschäftsstelle einem intensiven Denkprozess zur Prüfung und Korrektur von Vision, Mission und Leitbild. Klare Ergebnisse waren die Basis für die Formulierung einer ambitionierten Mittelfriststrategie, in deren Kern sowohl die weiterhin anerkannt hochwertige Projektumsetzung als auch die verstärkte Durchführung systematischer FundraisingAktivitäten stehen. Ziel der Bemühungen: Wachstum von Wirkungskreis (Bürgerstiftung der Bundeshauptstadt) und Stiftungskapital. Und: wir bieten engagierten Bürgerinnen und Bürgern ein bürgerschaftliches Dach für eine Vielzahl von Umsetzungsmöglichkeiten. Das Ergebnis des Geschäftsjahres lässt uns gestärkt nach vorne blicken: dank gemeinsamer Anstrengungen und mehr als 30.000 gespendeter Stunden konnten wir das vergangene Geschäftsjahr mit einem „All-time-high“ abschließen. Durch Zuwendungen von Einzelpersonen und aus der Wirtschaft haben wir rund 330.000 Euro eingenommen - mehr als je zuvor. Das Stiftungskapital ist erheblich angewachsen, u.a. durch die Gründung der ersten Treuhandstiftung der Bürgerstiftung Berlin. Vorstand und Stiftungsrat danken allen Freundinnen und Freunden der Bürgerstiftung Berlin – Zeitspendern und Zuwendern gleichermaßen - für ihre Unterstützung, ihren Einsatz und ihre Ideen. Sie alle sind unser Kapital bei der Umsetzung unserer Projekte für die Zukunft der Kinder und Familien in Berlin.

II.

„10 Jahre Bürgerstiftung Berlin“

Mit einem Festakt in der Akademie der Künste am Pariser Platz feierten wir am 23. September 2009 unser zehnjähriges Bestehen. Unter den 300 geladenen Gästen waren der Bundespräsident, Richard von Weizsäcker, der Schirmherr der Bürgerstiftung Berlin, Wolfgang Thierse, Mitglieder des Deutschen Bundestages, des Berliner Senats und des Abgeordnetenhauses sowie viele weitere Freundinnen und Freunde der Bürgerstiftung. Mit unserer Jubiläumsfeier wollten wir danken, aber auch nach vorne schauen und alle in unserer Begeisterung mitnehmen. Wir möchten weiterhin Erfahrungen, Fähigkeiten und Unterstützung unserer Helfer dort weitergeben, wo die Not am größten ist: bei den Kleinen und Kleinsten unserer Stadt, bei unseren Kindern. Wir wollen die Hauptstadt unserer Kinder zukunftssicherer machen.

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In vorderster Linie stehen unsere über 300 Ehrenamtlichen mit mehr als 30.000 unbezahlten Stunden im Jahr. Sie flankieren die so wertvolle Arbeit der Erzieher und Lehrer und machen Bildungsvermittlung spannend. Ihnen sei besonders gedankt! Hoher pädagogischer Anspruch, praktikable Lösungen und unermüdliches Engagement für unsere Ziele – danach haben die Vorsitzenden in der Vergangenheit gestrebt. Christian von Hammerstein, Reinhild Winkler, Aldo Graziani und Karin Gräfin Dönhoff gebührt hierfür unser herzlicher Dank. Bei allem Stolz auf das bisher Erreichte möchten wir mit der Wahrheit nicht hinter dem Berg halten: Wir haben – gerade als Bürgerstiftung der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland – viel zu wenig Stiftungskapital. Unsere Zinserträge sollten unsere Strukturkosten tragen. Wir sind schlank und arbeiten im Schwerpunkt ehrenamtlich. Dennoch reichen die (auch in der Krise positiven) Zinserträge nicht einmal für die Miete. Wir brauchen Kapital, wir brauchen Fürsprecher und Botschafter für unsere Anliegen. Daher setzen sich Vorstand sowie alle Mitarbeiter der Bürgerstiftung Berlin unaufhörlich für ihre Ideen und Ziele ein. 2009 wurde für ein gezielteres Fundraising das Kommunikationskonzept überarbeitet und ein Film über die Arbeit der Bürgerstiftung Berlin und ihre vielfältigen Projektaktivitäten erstellt. Das zehnjährige Jubiläum hat die Bürgerstiftung vielen Menschen in der Stadt bekannt gemacht. Vor allem der vorzüglichen Beilage im Tagesspiegel aus Anlass unseres Jubiläums verdanken wir viele neue Freunde. Wir beginnen, Menschen aus Wirtschaft und Industrie für unsere Arbeit zu interessieren, die uns bisher nicht kannten. Die gestiegene öffentliche Wahrnehmung hat zur Folge, dass die Bürgerstiftung immer häufiger Anfragen aus Politik und Wissenschaft, aus Wirtschaft und Gesellschaft erhält. Unser Rat wird gesucht, oft unsere Mitarbeit. Wir gelten als kompetent und effizient, als engagiert und glaubwürdig. Das ist gewissermaßen unser immaterielles Stiftungskapital.

III. a)

Projekte der Bürgerstiftung Berlin Lese- und Sprachförderung

Das Projekt, das 2004 an einer Kreuzberger Grundschule mit einem Team von 15 Lesepaten startete, wuchs seitdem stetig und bildet heute das Kernprojekt der Bürgerstiftung Berlin. Im Jahr 2009 machten sich wöchentlich ca. 250 ehrenamtliche Lesepaten auf den Weg in 7 Berliner Grundschulen und eine Kindertagesstätte, um dort mit den Kindern zu lesen. Im Fokus ihrer regelmäßigen 1-2-stündigen Lesestunden mit kleinen Gruppen oder einzelnen Kindern steht die Lust am Kommunizieren. Vor allem Kinder, die bisher einen großen Bogen um Bücher gemacht haben, sollen zum Lesen verführt werden. Spannende Geschichten und schöne 2

Bilderbücher können dabei helfen, ihre Ängste vor der Sprache abzubauen und sie zur selbständigen Lektüre anregen. Dabei stehen den Kindern ihre Lesepaten zur Seite: in einer Lesestunde ist Zeit, um das Gelesene zu hinterfragen, dazu eigene Bilder zu malen oder eine Geschichte einfach weiter zu “spinnen“. Doch die Aktivitäten der Lesepaten gehen weit über die Lesestunden hinaus. An einigen Schulen gelang es uns die Schulbibliotheken zu attraktiven Leseorten zu gestalten, wo Lesehungrige neben gemütlichen Leseecken auch von Lesepaten betreute Veranstaltungsangebote, wie das Zweisprachige Bilderbuchkino, nutzen können. Seit 2005 bieten wir in Kooperation mit der Freien Universität ein attraktives Weiterbildungsprogramm für unsere Lesepaten. Hier werden neben Methoden zur Arbeit mit Kindern, des Vorlesens, des Theater-Spielens oder des freien Erzählens auch pädagogische Kompetenzen und interkulturelle Aspekte vermittelt. Das in jedem Semester neu überarbeitete Programmangebot erfreut sich unter unseren Lesepaten großer Beliebtheit. In 2009 konnten wir dank der Förderung der Quandt Stiftung erstmals eine neue und innovative Workshopform für unsere Lesepaten realisieren. SchreibLust - unter der Leitung der Schreibtrainerin Sandra Schneider - bot auf der Grundlage von kreativen Schreibexperimenten sowohl Raum für Erfahrungsaustausch, als auch den Dialog mit anderen ehrenamtlichen Lesepaten und mit sich selbst. Im Mittelpunkt stand dabei neben der Lust am Schreiben, das angeregte Miteinander in der persönlichen Atmosphäre einer kleinen Arbeitsgruppe! Die Workshopteilnehmer schätzten die Erfahrungen als so wertvoll für sich ein, dass sie um eine Fortsetzung der Veranstaltung baten. Eine Bitte, der die Bürgerstiftung Berlin noch im Herbst 2009 bzw. Frühjahr 2010 nachkommen konnte.

b)

Zauberhafte Physik

Im Februar 2007 startete die Zauberhafte Physik unter der Leitung der Ideengeberin und pensionierten Ingenieurin Maren Heinzerling an einer Charlottenburger Grundschule. Seitdem schreibt das Projekt Erfolgsgeschichte. In 2009 waren mittlerweile 25 ehrenamtliche Physikpaten – zumeist pensionierte Ingenieure, Physiker, Lehrer und Studenten – an 5 Berliner Grundschulen im Einsatz.

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Jeweils ein Team von 4-5 Physikpaten besuchte regelmäßig einmal wöchentlich seine Grundschule, um dort mit den Schülern der 2. bis 4. Klasse zu physikalischen Alltagsphänomenen zu experimentieren. Die Versuchseinheiten wie Wasser, Luft, Kraft, Strom u.a. wurden von den Paten selbst entwickelt und zu großen Teilen aus Haushaltsmaterialien hergestellt. Die physikalischen Zauberstunden boten den Kindern neben einem kurzweiligen und sinnlich erfahrbaren Wissenserwerb, die Möglichkeit zur unmittelbaren Beobachtung von physikalischen Alltagsphänomenen und zur Selbsterprobung. Die finanzielle Basis des Projektes bildete in 2009 vor allem die Förderung des Lions Club Berlin-Wannsee, der Bayer Cares Foundation und des Deutschen Akademikerinnenbundes e.V. Hiermit konnten sowohl die Kosten der Materialien und Dokumentationen für die Lehrer und Eltern als auch die Kosten für die Fortbildung der Physikpaten gedeckt werden. Erstmals in 2009 wurden die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Zauberhaften Physik von einem Mitarbeiter des PhysLab am Fachbereich Physik der Freien Universität Berlin unterstützt. Er beriet sie sowohl in inhaltlichen und methodischen Fragen. Diese Kooperation soll auch in 2010 fortgesetzt werden.

c)

Zweisprachiges Bilderbuchkino

Neben den drei Partnerschulen, an denen sich das von Boeing Deutschland geförderte Projekt Zweisprachiges Bilderbuchkino in der Vergangenheit bewährt hat, gelang es 2009, den neu gegründeten Kitaverbund Brunnenviertel als Kooperationspartner für eine Pilotphase zu gewinnen. Seit April 2009 ist für diese Aufgabe Nuran Celik, eine bilinguale Schauspielerin, engagiert. Sie bereist mit ihrem mobilen Bilderbuchkoffer die Kitas und gestaltet lebendige und einfühlsame Kinovorstellungen. Mit Unterstützung des dortigen Stadtteilmanagements stärkt die Bürgerstiftung Berlin dadurch nachhaltig die Sprachförderung im Wedding. Zusätzlich riefen wir die Zusammenarbeit mit einer Schüleragentur an der Rudolf-Diesel-Oberschule ins Leben. Mit der Digitalisierung und Umgestaltung von Bilderbüchern bewähren sich die Jugendlichen an einer praktischen Aufgabe, machen die Erfahrung, nützlich zu sein und tragen die Idee des Projektes Zweisprachi-ges Bilderbuchkino in die Familien.

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d)

Umweltdetektive

Mit dem von Boeing Deutschland geförderten Projekt Umwelt-Detektive, das im Dezember 2008 gestartet ist, konnte im März 2009 an zwei Kooperationsschulen mit der gewünschten Resonanz begonnen werden. An der Fanny-Hensel-Grundschule fand das Projekt in den 5. Klassen statt. Die Schüler und Schülerinnen der beiden Klassen wurden in 8 Kleingruppen aufgeteilt, die sich wöchentlich abwechselten und parallel zum Unterricht am Projekt teilnahmen. Auf diese Weise konnte die ganze Klassenstufe (rund 60 Schüler und Schülerinnen) erreicht werden. Inhaltlicher Schwerpunkt während dieses Zeitraums war das Thema Baum. Die Schüler und Schülerinnen erkundeten - vor allem auf dem Schulgelände und dem nahen Umfeld - den dort vorhandenen Baumbestand. Sie lernten Bäume zu bestimmen, Baumsteckbriefe anzulegen, ihre Höhe und ihr Alter einzuschätzen und nahmen an Projekttagen im Waldmuseum und einer Waldschule teil. Gemeinsam mit 40 weiteren Mitschülern eröffneten die Kinder aus dem Projekt das Gelände des Naturerfahrungsraumes auf dem Gleisdreieck und füllten mit Hilfe des THW die Wasserläufe - Ein großer Spaß! Zum ersten Halbjahr des Schuljahres 2009/2010 drückte sich das Vertrauen der Schule in das Projekt dadurch aus, dass die ‚UmweltDetektive‘ in den vormittäglichen Wahlpflichtbereich der Schule aufgenommen wurden. Seitdem wird das Projekt bis auf die fehlende Notengebung wie ein reguläres Unterrichtsfach behandelt – ein großes Kompliment an unsere Arbeit! Die zweite Kooperationsschule, die seit März 2009 an dem Projekt teilnimmt, ist die Teltow-Grundschule in Schöneberg. Hier kristallisierte sich unter den Viert- und Fünftklässlern eine feste Gruppe von 10 jungen Umwelt-Detektiven heraus, die sich interessiert an die Erforschung der unmittelbaren Umgebung der Schule machten. Auch sie beschäftigten sich mit dem Thema Baum. In Begleitung eines Umweltpädagogen und ehrenamtlichen Naturpaten erkundeten sie Kleistpark, Botanischen Garten, Südgelände, den Plänterwald und viele weitere grüne Orte unserer Stadt. Der Höhepunkt des Projektjahres 2009 für beide Schulen: Baumpflanzungen, bei der die Umwelt-Detektive jeweils für ‚ihren‘ Patenbaum das Versprechen abgaben, sich um ihn zu kümmern und ihn zu pflegen. Eine Baumausstellung bildete den inhaltlichen Abschluss ihrer intensiven Forschungsaufgaben und gab zugleich die Möglichkeit, Eltern und Mitschüler bzw. Mitschülerinnen das Erforschte zu präsentieren.

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e)

Theaterprojekt - „Das Babylon System“

Mit Hilfe der Bürgerstiftung Berlin und unter der Leitung von Mitspielgelegenheit e.V. haben sich im Jahr 2009 14 Jugendliche der 8. Klassen der Heinrich-von-Stephan-Oberschule in Moabit ein Schuljahr lang Gedanken zum Thema „Das Fremde in mir“ gemacht und präsentierten am 18. Juni 2009 mit der Theateraufführung „Das Babylon System“ ihr Ergebnis. Den inhaltlichen Ausgangspunkt bildete die alttestamentarische Geschichte vom Turmbau zu Babel. Hinzu kam ein stark biographischer Ansatz, denn bei diesem Projekt waren die Schüler gleichzeitig Darsteller, Regisseure und Autoren ihrer eigenen Geschichte. So diente das Bühnengeschehen denn auch der dramaturgischen Aufarbeitung ganz persönlicher Erfahrungen mit Themen wie Mobbing oder Ausgrenzung.

f)

Mädchen und Technik

Das von der Deutschen BP finanzierte Projekt Mädchen und Technik am Romain-Rolland-Gymnasium in Reinickendorf hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Schülerinnen darin zu unterstützen, sich selbständig mit naturwissenschaftlichen Aufgabenstellungen auseinanderzusetzen und auf Schülerwettbewerbe hinzuarbeiten, so dass eine Bewerbung für Jugend forscht frühzeitig vorbereitet und das Interesse an einem technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf geweckt werden kann. Inzwischen bestehen zwei Gruppen aus allen Klassenstufen, die sich wöchentlich einmal zum Experimentieren treffen. Auch 2009 konnten einige Gruppen und einzelne Mädchen auch wieder unterschiedliche Wettbewerbe im Bereich Chemie (chemkids, Dechemax „Chemie – die stimmt!“ etc.) gewinnen. Im Wettbewerb chemkids haben 48 Mädchen! teilgenommen (Kunststoffchemie/Elektrochemie), davon waren 19 sehr erfolgreich. Drei Mädchen gehörten zu den Besten aus Berlin und gewannen eine 3-tägige Experimentierreise an die Fachhochschule Merseburg. Ein Mädchen der 11. Klasse hat es in der Chemie-Olympiade zum 4-Länder-Wettbewerb geschafft. Zwei Siebtklässlerinnen haben bei Jugend forscht den 1. Platz im Regionalund Landeswettbewerb erhalten und den 5. Platz im Bundeswettbewerb. Wir sind stolz auf sie alle!

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IV. Einnahmen und Verwendung Neue Struktur auf der Vermögensseite Die neue strategische Ausrichtung der Bürgerstiftung Berlin, die im Jubiläumsjahr ihren Ausgangspunkt fand, führte auch zu neuen Wegen bei der Beschaffung von Zuwendungen. In der Vergangenheit wurden ausschließlich Spenden eingeworben, um entsprechend dem in der Satzung verbrieften Stiftungszweck diese Mittel in Projekten zu verwenden. In 2009 wurde unabhängig davon außerdem gezielt nach Zustiftern gesucht mit dem Ziel, das Stiftungskapital deutlich zu erhöhen. Die Bürgerstiftung Berlin hat im Vergleich mit anderen Bürgerstiftungen in der Bundsrepublik Deutschland und auch vor dem Hintergrund ihrer Verantwortung für die Zukunft der Bundshauptstadt deutlich zu wenig Vermögen. Die Zinsen reichen nicht einmal zur Begleichung der Mietaufwendung. Der Vorstand hat beschlossen, diese Schieflage zu beenden und damit die Bürgerstiftung Berlin für die Zukunft handlungsfähig zu erhalten. Die Anlagestrategie selbst im Sinne der Vermehrung des vorhandenen Vermögens war auch im zweiten Jahr der Finanzkrise erfolgreich, es wurden insgesamt gute Zinserträge erzielt, keinerlei Verluste, was die konservative Anlagestrategie bestärkt. Erfreulich ist besonders, dass in 2009 mit der August Joest Stiftung die erste Treuhandstiftung der Bürgerstiftung Berlin gegründet werden konnte. Diese Gründung in rechtlicher Unselbständigkeit unter unserem etablierten Dach soll auch Vorbild für die Einbeziehung weiterer vermögender Bürgerinnen und Bürger und ihrer eigenen Wünsche in unsere Stiftungspolitik sein. Vermögen, Zuwendungen und Erträge der August Joest Stiftung werden separat ausgewiesen und verwendet, ganz im Sinne des zwischen beiden Stiftungen abgeschlossenen Treuhandvertrages. In gleicher Weise richtungsweisend ist auch die Einrichtung eines weiteren Familienfonds, in dem mit einem vergleichsweise geringen Startkapital zukünftig gezielte Anspar- und Ertragsverwendungsoptionen, hier gezielt für den Verleih von Musikinstrumenten für Kinder, bestehen. Insgesamt erscheint das Vermögen der Bürgerstiftung Berlin nun also transparent in neuen Facetten. Verwendung der projektgebundenen und freien Zuwendungen Das zehnte Jubiläum diente dem Vorstand der Bürgerstiftung als wirksames Ereignis, um Aufmerksam für die Projekte der Stiftung bei den Bürgerinnen und Bürgern einzufordern. Dabei ging es wie in der Vergangenheit auch um Gewinnung bereits der Stiftung nahestehender Zeit-, Ideenund Geldspender. Zusätzlich sollte aber auch eine Breitenwirkung in die Berliner Bürgerschaft hinein erzielt werden, für die entsprechende Kommunikationsmittel und –wege ausgesucht wurden. Hierzu zählt wesentlich die Erstellung einer achtseitigen Beilage in der Tageszeitung „Der Tagesspiegel“, die am 22. September 2009 in der gesamten Auflage vertreten war. Gleichsam aufsehenerregend war ein 9 Minuten dauernder Imagefilm, der auf der Homepage, bei den Jubiläumsfeiern und in den Kommunikationsmappen der Stiftung tiefe und wunderbar recherchierte Einblicke in die Arbeit der Bürgerstiftung Berlin geben konnte. Für beide Arbeiten konnten Sponsoren gefunden werden, allerdings blieben jeweils Restbeträge offen, die der Vorstand einvernehmlich aus den freien Zuwendungen finanziert hat. Ohne diese markanten und qualitativ hochwertigen

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Marketingmaßnahmen wäre die Bürgerstiftung der Bundeshauptstadt dem in ihrem Namen verbundenen Problemlösungsanspruch nicht einmal näherungsweise gerecht geworden. Beide Darstellungsformen werden rege genutzt, sie sind zeitlos und können beliebig zur umfassenden Information über unsere Aktivitäten eingesetzt werden. Die eigentlichen Feierlichkeiten zum Jubiläum dienten vor allem als Dank für die alten und neuen Ehrenamtlichen, die unter unserem Dach eine Heimat finden oder finden sollen. Die Konkurrenz um Zeitspender ist in einer ehrenamtsträgen Stadt wie Berlin intensiv. Wir wollten mit dem Sommerfest in der Domäne Dahlem und der Feier in der Akademie der Künste bei den Gästen vor allem ein Gefühl der Identifizierung mit unseren Anliegen, aber auch mit unserem Tun und damit Überzeugung für unsren Weg erreichen. Beide Feste gelten nach dem Feedback der jeweiligen Gästeschar uneingeschränkt als bestens gelungen. Gezielte Spendeneinnahmen (Zweck: Jubiläum) und Sponsoring überstiegen die Ausgaben deutlich, so dass sich der Vorstand bestärkt sieht, mit dem Wachstumskurs die richtige Strategie für die kommenden Jahre eingeschlagen zu haben.

V.

Ausblick

Das Jubiläumsjahr war ein Quantensprung, den es in der folgenden Dekade auszuweiten gilt. In 2010 stehen neue Projekte an, die wir allein oder mit Partnern umsetzen werden. Hinzu kommen ausgewählte Aktivitäten zur Gewinnung neuer Spender von Zeit und finanziellen Mitteln. Wir blicken motiviert in das neue Stiftungsjahr. Zusammen mit dem Fertility Center Berlin und dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf werden wir unser Leistungs- und Betreuungsangebot auf die Kleinsten in unserer Stadt ausdehnen. „Spielen Lernen“ sollen Eltern aus sozial schwachen Familien zusammen mit ihren Säuglingen und Kleinkindern in dafür ausgerichteten Kursen. Zusammen mit der GASAG werden drei Kindertagesstätten im Umkreis des Potsdamer Platzes die Umwelt erforschen. Wir freuen uns sehr über diese neuen Partner. Schwer wird es sein, das vergleichsweise hohe Spendenaufkommen des Jubiläumsjahres im laufenden Geschäftsjahr zu erreichen. Mit ausgesuchten Veranstaltungen und stetig verbessertem Newsletter informieren wir unsere Unterstützer über unsere Aktivitäten. Wir sind uns bewusst, dass weiteres Wachstum nur auf Vertrauen basieren kann. Deshalb sind wir ständig bemüht, unsere Prozesse und Aktivitäten transparent zu gestalten. Wir werben intensiv für das finanzielle Engagement und für Partnerschaften in unseren konkreten Projektideen. Wir wollen aber auch verstärkt davon überzeugen, dass sich unter unserem Dach Bürgerinnen und Bürger finanziell engagieren, denen die Zukunft unserer Stadt am Herzen liegt. Treuhandstiftungen, Themen- und Familienfonds sind wichtige Formen des Engagements der Zivilgesellschaft, die die Bürgerstiftung Berlin verwirklichen kann. Berlin besaß in der Vergangenheit eine bewundernswerte Kultur von bürgerschaftlichem Engagement und Mäzenatentum. Mit dem zweiten Weltkrieg ist dieser Tradition erloschen und bis heute nicht zu neuer Blüte gelangt. Wir wissen, dass viele Bürgerinnen und Bürger bereit wären, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Diese Menschen wollen wir erreichen und zur Mitarbeit und Mitfinanzierung unserer Aktivitäten gewinnen. Wir freuen uns auf Sie! Berlin, Mai 2010

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