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Full text: Zahlen, Fälle und wie weiter?

03 | 2009

Zahlen, Fälle und wie weiter?
Zur Steuerung der psychiatrischen Versorgung in Berlin

INHALT
Zu diesem Heft Zahlen, Fälle und wie weiter?	 3 Patrizia Di Tolla		 		 Vorwort Steuerung durch 	 4 Budgetierung 	 Oswald Menninger		 	 Psychiatrische Versorgung in Berlin Meilensteine der 	 Entwicklung ab 1993	 Patrizia Di Tolla 5 Budgetierung: 	 12 Zahlen und Fakten Patrizia Di Tolla, Claudia Hollburg (Grafiken), Christian Reumschüssel-Wienert, Matthias Rosemann, Volker Schröder Adressen von Trägern, 	 Einrichtungen und Diensten von Mitgliedsorganisationen im PARITÄTISCHEN Landesverband Berlin, Bereich Psychiatrie 13 Aus der Sicht der 	 Betroffenen	 Kritik an der Umsetzung Persönlicher Budgets	 Sabine Dick 25

Niedrigschwellige Angebote Immer noch 	 27 „Irre viel Arbeit“ Zuverdienstfirmen als lebendige Bestandteile der psychiatrischen Pflichtversorgung Alice Buck		 Menschen haben Krisen – 	 28 Berlin hat einen Krisendienst. 10 Jahre Berliner Krisendienst	 	 Sabine Jeschke Gilt nicht nur für Beton: 	 29 „Es kommt drauf an, was man draus macht“. Steuerungsbemühungen und deren Auswirkungen auf die Kontakt- und Beratungsstellen in Berlin Claudia Legner „Verrückt? Na und!“ 	 Ein Schulprojekt über psychische Gesundheit Heike Oldenburg 31

Die Zukunft der 	 7 ambulanten Psychiatrie	 Christian Reumschüssel-Wiener 				 Den Leuten muss klar 	 8 werden, dass sie überhaupt mitreden können	 Beteiligung der Nutzer/innen in der personenzentrierten Hilfe Jasna Russo 	 Budgetierung in der psychiatrischen Steuerung Das Berliner 	 Budgetierungsmodell Diskussion	 PRO: 	 Trägerbudgets und ihr Nutzen Matthias Rosemann 10

Qualitätsprozesse 	 in der psychiatrischen Versorgung Qualitätsentwicklung im 	 Bereich vergütungsfinanzierter Einrichtungen und Dienste nach SGB XII Patrizia Di Tolla 21

Diskussion	 PRO: 	 22 Die Qualität der ISO 9001:2000	 Christian Reumschüssel-Wienert CONTRA: 	 23 Ist ISO die geeignete Struktur, um Qualität voranzubringen?		 Thomas Floeth

10 Das Persönliche Budget in der psychiatrischen Versorgung Persönliche Budgets für 	 seelisch behinderte Menschen in Berlin. Ein Resümee Patrizia Di Tolla 24

Vorgestellt ApK 	 Der Landesverband Berlin der Angehörigen psychisch Kranker e.V. Galerie ART CRU Berlin	 Impressum	 32

CONTRA: 	 11 Argumente gegen Budgetvereinbarungen		 Norbert Prochnow

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Zu diesem Heft

Zahlen, Fälle und wie weiter?
gesteuert wird, wollen wir uns weiterhin beteiligen. Zunächst müssen wir über die gegenwärtige Steuerungssystematik nachdenken. Eingliederungshilfe-Einrichtungen und niedrigschwellige Projekte bedienen und bedingen sich gegenseitig. Es geht um eine Systematik der Gesamtsteuerung, regional und berlinweit. In diesem Heft beschäftigen wir uns daher mit der Steuerung des gesamten Berliner Psychiatriebereichs – fest vergütet und zuwendungsfinanziert, aus fachlicher und finanztechnischer Sicht, aber auch unter dem Aspekt des Qualitätsmanagements. Und: Wie kann das gesamte System von den Betroffenen selbst noch besser kontrolliert und gesteuert werden? Eine andere Steuerungsproblematik auf dem Prüfstand ist die Kostenleistungsrechnung, die im Land Berlin eingeführt worden ist. Alle Bezirke bekommen Gelder proportional zu ihren Leistungen in den jeweiligen Bereichen. Und wenn Leistungen in einem Bezirk teurer sind als in anderen, gibt es für einige Bezirke weniger Geld. Das trifft den gesamten zuwendungsfinanzierten Bereich! Nun ist es schwierig, die Betreuung von Menschen in derselben Systematik zu beschreiben wie die Pflege einer Rasenfläche nach Quadratmetern. Wir haben versucht, die Steuerung so fachlich wie möglich zu gestalten, etwa über die Messgröße der „Angebotsstunde“ anstatt der Anzahl der Menschen, die ein offenes, anonymes, niedrigschwelliges Angebot aufsuchen. Denn hier können wir nicht messen, was kommt an? Wir können nur den Output beschreiben: Was bieten wir an? Teilhabe ist das Ziel. Und wir versuchen eine Reflexion: Welches sind die neuen Felder, in denen wir uns entwickeln mussten und entwickeln wollten? Wo stehen wir, wo müssen wir hin und wo wollen wir hin? Wir haben festgestellt, dass es inzwischen einen Bedarf gibt, den wir über das bestehende System nicht mehr abdecken können. Mein Wunsch wäre, dass wir in den nächsten zwei Jahren schaffen, diesen neuen, höchst differenzierten Mehrbedarf zu erfassen und zu quantifizieren. Was genau wird gebraucht, und für wie viele Menschen? Nur dann können wir auch entsprechende Angebote entwickeln. Wenn ich langfristig träumen dürfte, wäre es Tatsache, dass die Krankenkassen regelhaft die Angebote für psychisch Kranke mitfinanzieren. Meine Vision: Integrierte Versorgung, Soziotherapie und psychiatrische Hauskrankenpflege sind Standards der Krankenkassen und nicht immer ein Kampf um jeden einzelnen Fall. Und: Die Betroffenenorganisationen sind überall standardmäßig an der Entwicklung der Angebote sowie am Qualitäts- und Beschwerdemanagement in den Einrichtungen beteiligt. Dafür benötigen die Betroffenenorganisationen eine feste Finanzierung anstelle des Ehrenamts. Noch ein Wunsch: Wir haben in Berlin eine sehr gute psychiatrische Versorgung aufgebaut. Was fehlt, sind Angebote für wohnungslose psychisch Kranke oder Einrichtungen wie Outreach-Teams, die zu den Menschen gehen, wenn die Menschen nicht zu uns kommen. Eine Ausnahme ist der Berliner Krisendienst, der sein zehnjähriges Bestehen feiert. Herzlichen Glückwunsch! Auch über diese außergewöhnliche Institution lesen Sie in diesem Heft.

Patrizia Di Tolla

Zwei mal drei Jahre ist es her: Im Rahmen drastischer Sparmaßnahmen vereinbarten wir 2003 mit dem Land Berlin eine Budgetierung von Leistungen im psychiatrischen Bereich. Wir – das sind engagierte freie Träger, die die psychiatrische Versorgung in Berlin sicherstellen und das Referat Psychiatrie/Queere Lebensweisen des PARITÄTISCHEN. Damals war unsere Überlegung: Wenn wir der Kürzung einzelner Leistungen zustimmen, wird die Anzahl weiterer Maßnahmen größer, weil mehr Menschen aufgrund kürzerer Betreuung häufiger wiederkommen. Das kann keine Form der Steuerung sein! Deshalb sagten wir zu, das Budget einzufrieren, das System effizienter zu organisieren und so die Fallzahlen zu steigern. Dies erschien uns als Möglichkeit, fachliche Nachteile der Budgetierung in der Betreuung betroffener Menschen zu minimieren. Ende 2009 laufen die Verträge mit dem Land Berlin aus, eine neue Verhandlungsphase für vergütungsfinanzierte Einrichtungen nach SGB XII beginnt. Und an der Diskussion, wie künftig

Patrizia Di Tolla ist Psychologin und leitet das Referat Psychiatrie/Queere Lebensweisen im PARITÄTISCHEN Landesverband Berlin.
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Vorwort Steuerung durch Budgetierung
nerseits der Mitteleinsatz durch die Einbindung des fachlichen Know-hows der Verbände/Träger optimiert wird und andererseits Verteilungskonflikte auf der Anbieterseite aus der direkten staatlichen Sphäre „ausgelagert“ werden. Für die Verbände führte es zu einer neuen Verantwortung, bei knappen Mitteln für leistungsfähige Versorgungsstrukturen zu sorgen. Vorheriger Besitzstandslobbyismus war somit passee. Dieser Prozess ist eingebettet in eine bürgergesellschaftliche Entwicklung der gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme durch die Wohlfahrtsverbände. Hier in Berlin war der PARITÄTISCHE dabei eine treibende Kraft. Die Treuhandverträge im Zuwendungsbereich und die Budgetierung in der psychiatrischen Versorgung (Eingliederungshilfe – SGB XII) sind auf dieser Grundlage entstanden. Auch für die Jugendhilfe haben wir ein Budgetierungskonzept entwickelt. Dies wurde aber bisher nicht umgesetzt. Welches Fazit kann nun heute aus den Budgetierungsmodellen gezogen werden? Bei allen Mängeln und Problemen im Detail wurde ein wesentliches Ziel erreicht: Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit als konkurrierende Einflussfaktoren Sozialer Arbeit werden besser und transparenter vermittelt. Die Voraussetzung dafür ist eine angemessene Höhe des Budgets, damit notwendige und geeignete Hilfen im Verhältnis zu den Fallzahlen geleistet werden können. Eine Budgetsteuerung, die nur der Not einer Haushaltskonsolidierung gehorcht, kann deshalb nicht funktionieren. Eine Budgetsteuerung ist nach meiner Erfahrung ein gut geeignetes Instrument, wenn alle Versorgungsstufen (Prävention, Beratung, ambulante und stationäre Versorgung, Nachsorge) aus einer Hand gesteuert werden. Hier ist leider das zersplitterte soziale Versorgungssystem in Deutschland ein großes Hemmnis. Eine gemeinsame Budgetsteuerung durch Verwaltung und Träger dürfte in einem nächsten Schritt die Wirkungsforschung erleichtern. Widerstände aus Unterstellungen über die Ziele von Evaluationsprozessen können bei gemeinsamer Steuerung und zeitlich gesicherter Budgets minimiert werden. Hier gibt es einen großen Nachholbedarf, denn zur Sicherung der finanziellen Mittel für die soziale Versorgung werden nach der Finanz- und Wirtschaftskrise Verteilungskonflikte geführt werden müssen. Wer belegen kann, dass die Mittel wirksam eingesetzt werden, kann die politische Auseinandersetzung erfolgreicher führen. Im Zusammenhang mit Budgetierungskonzepten taucht häufig auch der Begriff „Trägerbudget“ auf. Wenn Trägerbudgets als Planungsdaten für Gesamtleistungen einer Periode ausgestaltet sind und flexibel nach fachlichen Anforderungen kurzfristig geändert werden können, geht es in die richtige Richtung. Trägerbudgets ohne Leistungsbezug und Gesamtsteuerung sind kontraproduktiv, da sie die Träger nicht motivieren, die geeignete Leistung anzubieten. Eine logische Grenze finden Budgetsteuerungssysteme bei neuen gesetzlichen Regelungen. Ein Beispiel dazu könnte das „Persönliche Budget“ in der Eingliederungshilfe sein. Sollte sich das Persönliche Budget verstärkt durchsetzen, würden diese Grenzen klar werden, denn die Budgetsteuerungssysteme der Eingliederungshilfe sind auf der Grundlage des sozialrechtlichen Dreiecksverhältnisses aufgebaut. Aus meiner Sicht müssen langfristig funktionierende Budgetierungsmodelle das Wettbewerbsproblem der Anbieter lösen. Ein abgeschotteter Markt von etablierten Trägern in einem Budgetierungssystem nützt langfristig keiner Seite, da der Wettbewerb als Innovationsanreiz außer Kraft gesetzt wird. Deshalb müssen Budgetierungssysteme prinzipiell auf der Anbieterseite offen sein.

Oswald Menninger ist Geschäftsführer des PARITÄTISCHEN Landesverbandes Berlin

Unter dem Begriff „Neue Steuerungsmodelle“ wurden im Kontext der Modernisierung der Öffentlichen Verwaltung betriebswirtschaftliche Verfahren eingeführt. Damit verfolgte man das Ziel, den Einsatz finanzieller Mittel im Verhältnis zu Leistung und Wirkung zu steuern. Hintergrund politischer Effizienzüberlegungen in der sozialen Versorgung war die notwendige Haushaltskonsolidierung wegen der enorm angestiegenen Staatsverschuldung bis Mitte dieses Jahrzehnts. Als ein wesentliches Element der „Neuen Steuerungsmodelle“ wurde die Budgetierung gesehen. Im Gegensatz zur vorherigen einzelfallorientierten Zuteilung von Mitteln durch die zentrale Finanzverwaltung wird nun der fachlich zuständigen Verwaltung ein eigenes, selbstverantwortliches Budget zugeteilt. Ursprünglich waren Budgetierungskonzepte für die verwaltungsinterne Steuerung gedacht. Im Feld der sozialen Versorgung wurden an verschiedenen Stellen durch vertragliche Regelungen mit Verbänden/Trägern Budgetierungskonzepte auch außerhalb der staatlichen Verwaltung angewendet. Verwaltungswissenschaftler haben diese Entwicklung als Kontraktmanagement umschrieben. Für die politischen Entscheidungsträger und die Verwaltung versprach dieser Weg, dass bei knappen Kassen ei4 www.der-paritaetische.de 3 | 2009

Psychiatrische Versorgung in Berlin

Meilensteine der Entwicklung
Psychiatrische Versorgung in Berlin ab 1993
In den letzten Jahren haben sich niedrigschwellige Angebote, vergütungsfinanzierte Einrichtungen und Dienste der psychiatrischen Versorgung nach SGB XII qualitativ und quantitativ stark entwickelt. Wie sind diese Angebote in das Netzwerk der Einrichtungen und Dienste für Menschen mit seelischen Behinderungen eingebettet? Und wie sind sie entstanden? Ab 1993: Enthospitalisierung Anfang 1993 wurde in Berlin ein neuer Krankenhausplan verabschiedet. Er sah den Abbau 1.975 psychiatrischer Betten von insgesamt 5.475 Betten vor. Mit der Teilfortschreibung der Krankenhausplanung 1997-98 war eine weitere Rücknahme von circa 840 Betten verbunden. Das Ergebnis: Im Dezember 1998 wurden 3.590 Psychiatrie-Betten vorgehalten. Damit lag 1998 die Bettendichte der Berliner Psychiatrie deutlich unter der Bettendichte vergleichbarer Stadtstaaten (0,73 Betten je 1.000 Einwohner). Neben der weit reichenden Bettenrücknahme sank auch die Verweildauer ständig. 1992 lag sie bei 74,5 Tagen, 1997 nur noch bei 29,4 Tagen. Die Ziele der Enthospitalisierung waren erreicht. Eine solche Entwicklung war nur durch den Ausbau der Einrichtungen und Dienste im ambulanten und komplementären Bereich möglich. Für die regionalisierte Pflichtversorgung galt nun folgende Leitlinie: In jedem der zwölf Bezirke (gleich Versorgungsregionen) ist mindestens ein psychiatrischer klinischer Standort mit Pflichtversorgung vorzuhalten. 1993 – 1998: Der ambulante Bereich wird ausgeweitet Wie war dieser schnelle Ausbau des ambulanten Bereichs möglich? Das Land Berlin schloss im Oktober 1994 einen Vertrag mit den Krankenkassen: Diese stellten 60 Mio. DM für den Aufbau komplementärer und ambulanter Strukturen bis 1998 bereit. Die Psychiatrie-Träger engagierten sich schnell, arbeiteten sehr effizient und intensiv, um die Angebote aufzubauen. schäftigung. Diesen ordnete man Einrichtungen und Dienste mit genau definierten Zielen und Aufgaben zu. 1995: Die Kontakt- und Beratungsstellen (KBS) als niedrigschwellige Angebote Die Personalschlüssel der KBS wurden ab 1995 anhand zweier Kriterien berechnet: 1. Anzahl der Einwohner, 2. Zuschlag nach Sozialstrukturindex. Bezirke mit großen sozialen Problemen wurden mit diesem Index gekennzeichnet. Dies bedeutet, dass Einwohner durch einen Faktor künstlich gewichtet wurden. Dann verteilte man die vorhandenen Mittel entsprechend dieser neuen Einwohnerzahlen auf die Bezirke um. Als Minimum je Pflichtversorgungsregion war eine KBS erforderlich. Die Messziffer: bis 150.000 Einwohner 3 Mitarbeiter; über 250.000 Einwohner 6 Mitarbeiter. Dieses Verfahren wurde auch für die anderen niedrigschwelligen Angebote angewandt. 1999: Das Gesundheitsdienstgesetz Im Jahr 1999 wurde im Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (GDG) in § 26 folgende wichtige Neuerung festgelegt: Der öffentliche Gesundheitsdienst hat einen regionalen gemeindepsychiatrischen Versorgungsauftrag für „psychisch Kranke und Abhängigkeitskranke sowie auf Grund solcher Erkrankungen Behinderte“. Er gewährleistet Beratung und Betreuung dieser Personengruppe. Die Einführung von Psychiatriekoordinator und Psychiatriebeirat wurde in § 5 festgelegt. Eine ausreichende Zahl von Einrichtungen des Gesundheitswesens zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung muss zur Verfügung stehen (§ 11). So wurden das Vorhalten von Einrichtungen, regionalisierte Versorgung und Koordinationsstrukturen gesetzlich verankert.

1995: Das Psychiatrieentwicklungsprogramm PEP – Teil III Mit der Enthospitalisierung wollte man aus Fehlern anderer Bundesländern lernen. Außerstationäre Angebote sollten nicht einfach durch schlichte Umwandlung von Krankenhäusern in Heime entstehen. Schon im Krankenhausplan 1993 gab es Aussagen zur ambulanten und komplementären Versorgung: Eine Bettenrücknahme sei nur zu verantworten, wenn ein ausgebautes und aufnahmefähiges Versorgungssystem verhindert, dass Patienten nach Akutbehandlungen wieder zu Langliegern werden, weil sie ambulant nicht adäquat versorgt werden können. Regional verstärkt wurden weitere niedrigschwellige Bausteine der psychiatrischen Versorgung: Kontakt- und Beratungsstellen, Suchtberatungsstellen, Zuverdienste und der Berliner Krisendienst. Das Land Berlin stellte 1993 für diesen Zuwendungsbereich Mittel in Höhe von circa 9 Mio. DM zur Verfügung. Diese Summe wurde 1995 auf 11,5 Mio. DM aufgestockt. 1996 übertrag das Land Berlin die Verwaltung dieser Mittel in den Verantwortungsbereich der regionalen Pflichtversorgung der Bezirke. Im PEP wurden erstmals Funktionsbereiche beschrieben: Wohnen und Betreuung, Beratung und Kontaktstiftung, Tagesstrukturierung und Be-

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1998: Der Mensch im Mittelpunkt Die Berliner Leitlinien der psychiatrischen Versorgung stellten den psychisch kranken Menschen mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten im gewohnten sozialen Kontext ins Zentrum. Die verschiedenen Angebote sollten von ihm abgerufen werden. Art und Ausstattung der Angebotsformen, die Platzzahlen je Bezirk, die Qualifizierung der Mitarbeiter und die Betreuungsschlüssel waren im überarbeiteten PEP - Teil III festgelegt. 1998 fasste man die 23 Berliner Bezirke zu Großbezirken zusammen. Nun wurden die Umstrukturierung der Versorgung und die Umverteilung der Mittel notwendig. 2000: Umsetzung der Pflichtversorgung Pflichtversorgung bedeutet: Alle Bürger erhalten unabhängig von Art und Schwere der psychischen Beeinträchtigung ein adäquates und angemessenes bezirkliches Versorgungsangebot, wenn sie dies wünschen. In einem Bericht der Senatsverwaltung an das Abgeordnetenhaus von Berlin vom Februar 2000 wird die Vernetzung entgeltfinanzierter und niedrigschwelliger Angebote als fester Bestandteil der psychiatrischen Versorgung dargestellt: Wenn in einem Bereich der Bedarf nicht abgedeckt wird, wirkt sich dies sofort auf den anderen Bereich aus. Die Finanzierung niedrigschwelliger Angebote ist im Bezirkshaushalt zu gewährleisten. Für vergütungsfinanzierte Einrichtungen ist die Eingliederungshilfe zuständig. Der Berliner Krisendienst 1997 nahm man die Weiterentwicklung der Krisenversorgung in Angriff. Einige Projekte, die bis dahin nur bestimmte Regionen versorgen konnten, schlugen die Einrichtung eines berlinweiten Krisendienstes vor. Dieser nahm 2000 mit zusätzlichen Mitteln und regionalen Standorten seine Arbeit auf. 2003: Stadtstaatenvergleich und Sparmaßnahmen Aufgrund gestiegener Kosten forderte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales eine Kürzung der Ange6 www.der-paritaetische.de 3 | 2009

bote für Behinderte und seelisch Behinderte im Entgeltbereich um 20 Prozent. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege wehrte sich dagegen und forderte die Senatsverwaltung zu einem Stadtstaatenvergleich auf. Der Vergleich zwischen Berlin, Bremen und Hamburg zeigte im Bereich der seelisch Behinderten, dass die Berliner Preise pro Platz zwar höher lagen als in den anderen Stadtstaaten, die psychiatrische Versorgung pro Einwohner jedoch billiger war. Daher schlug man

eine Fallzahlsteigerung von über 4,5 % in 3 Jahren. Ab 2004: Die Budgetierung Die Eingliederungshilfeausgaben (SGB XII) im Bereich seelische Behinderung betrugen 2003 insgesamt 90 Mio. Euro. Die jeweiligen Einnahmen der einzelnen Träger 2003 bildeten ab 2004 das Trägerbudget, also die maximal möglichen Einnahmen aller Einrichtungen eines Trägers. Gleichzeitig wurde im Sinne der Budgetgemeinschaft berlinweit die Evaluation der Fallzahlsteigerung vertraglich festgelegt. Die Steuerung erfolgte monetär und fachlich in Fallkonferenzen und auf der Basis individueller Behandlungs- und Rehabilitationspläne (BRP). Das Besondere: Leistungserbringer und Kostenträger beschlossen dieses Steuerungsmodell gemeinsam. Das Konsensprinzip steht im Vordergrund, die Steuerungsstrukturen sind Ergebnis der langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit. Die Budgetierung wurde zunächst für drei Jahre (2004-2006) beschlossen. 2005: Kostenleistungsrechnung – die Umstrukturierung der niedrigschwelligen Angebote 1999 beschloss das Land, die Bezirkshaushalte als Globalsummenzuweisung an die Bezirke auf der Basis von Produkten und Produktmengen zu bilden. Ab 1. Januar 2005 mussten niedrigschwellige Angebote ebenfalls wie eine abgrenzbare und steuerbare Leistung behandelt werden. Die Anzahl von Kontakten, Angebotsstunden oder Zuverdienstverträgen wurden zu Produktmengen mit den jeweiligen Preisen. Die künftige Mittelzuweisung an die Bezirke wurde nun mithilfe des Medianwertes der Preise ermittelt. 2005: Qualitätsstandards und Planmengenverfahren In der 2004 gebildeten Produktgruppe des Landes Berlin waren freie Träger nicht beteiligt. Ergebnis dieser Gruppe war die Beschreibung der vier Produkte KBS, Beratung für Alkohol- und Medikamentenabhängige BAM, Krisendienst und Zuverdienst. Als Bezugsgröße definierte man jeweils eine zahlbare Menge.

Heinz Krug: Auf der Frühlingswiese Galerie ART CRU

vor, das System für niedrigschwellige Angebote und entgeltfinanzierte Einrichtungen beizubehalten und aus den Sparmaßnahmen herauszunehmen. Als Gegenleistung vereinbarte man ein Budget zur Deckelung der Kosten und dessen Steigerung bei entsprechender Fallzahlsteigerung. Die bestehenden Kosten – 90 Mio. Euro für den entgeltfinanzierten Bereich und inzwischen 12 Mio. Euro für niedrigschwellige Angebote – wurden „eingefroren“. Die neue Vereinbarung, auch Menschen mit weniger Betreuungsbedarf ins System aufzunehmen, ermöglichte

Dieses Verfahren wurde vom PARITÄTISCHEN stark kritisiert, die Politik (hier der Rat der Bürgermeister), wurde gebeten, die Definition der Bezugsgröße zu verändern. Der Rat der Bürgermeister entschied, den PARITÄTISCHEN an der Erarbeitung berlinweiter Qualitätsstandards zu beteiligen. So wurde 2005 das „kennzahlgestützte Planmengenverfahren“ eingeführt: Mengen (etwa die Zahl der Angebotsstunden), Preise und soziale Faktoren (z. B. Sozialstrukturindex, Erstkontakte Sozialpsychiatrischer Dienste) bildeten die Basis zur Neuverteilung der Mittel an die Bezirke. Es wurden Standards für niedrigschwellige Angebote, neue Bezugsgrößen und Fachcontrolling definiert, die Standardisierten Sachberichte angepasst. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre und wurde 2008 mit einem Kompromissergebnis abgeschlossen. Nach wie vor ist wissenschaftlich nicht beweisbar, ob mit dem Planmengenverfahren eine bedarfsorientierte Versorgung damit geleistet werden kann. Diese Systematik erlaubt aber eine langfristige Planung niedrigschwelliger Dienste. Eine Vergleichbarkeit der Angebote wurde durch das Fachcontrolling ab 2008 möglich. Die Preisleistungsverhältnisse der einzelnen Bezirke kann man auch weiterhin kaum vergleichen, dafür wäre eine differen-

ziertere Systematik der Datenerfassung notwendig. Das Gesamtvolumen niedrigschwelliger Angebote betrug 2008 12,5 Mio. Euro Ab 2007: Weiterführung der Budgets Die Einführung des landesweiten Budgets 2004-2006 war erfolgreich. Die Trägerbudgets wurden eingehalten, die Fallzahlsteigerung von 4,5% erreicht. So wurde eine neue Budgetierungsphase (2007-2009) beschlossen. Neu ist: Beträgt die Fallzahlsteigerung mehr als 2,5 Prozent jährlich, wird eine Erhöhung des Budgets erfolgen. Die Ergebnisse 2008 (Seite 12) zeigen, dass wir sehr kurz vor diesem Ziel stehen. Das Budget wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erhöht. Denn der Bedarf an Angeboten für seelisch Behinderte ist gestiegen, die Träger setzen das Budget effizient ein und garantieren Pflichtversorgung und Fallzahlsteigerung. Steuerung durch Partizipation Der Bereich Psychiatrie im PARITÄTISCHEN leistet seit Jahren eine kontinuierliche Steuerung der Einrichtungen, Dienste und Angebote. Steuerung funktioniert jedoch nur, wenn die Partizipation aller Beteiligten, Betroffenen und Angehörigen gewährleistet ist. Die Studie des FaF e.V. zum BRP ist Beweis einer besonders gelungenen

Betroffenen-Beteiligung. Leistungserbringer und Kostenträger müssen ebenfalls partnerschaftlich zusammenwirken. Transparenz über Leistungen und Kosten sowie die Betrachtung des gesamten Systems und nicht nur einzelner Bereiche sind Voraussetzung. Steuerung ist auch nur dann effizient, wenn die Einbindung der Politik gelingt. Einige Träger haben mit Unterstützung des PARITÄTISCHEN Aktionen wie die „Wahnsinns-Leistungs-Show“ und „Leben in der Metropole- zwischen Wahn und Sinn“ durchgeführt und so die Öffentlichkeit über den Psychiatriebereich informiert. Künftige Entwicklung ab 2010 Wir stehen vor der Entscheidung, ob und wie die Budgetierung weitergeführt werden soll. Die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Berlin wird auch davon abhängen, inwieweit die Krankenkassen zur Finanzierung der Angebote für psychisch Kranke herangezogen werden. Dies betrifft die Integrierte Versorgung, Soziotherapie, psychiatrische Pflege und den Aufbau ambulanter Rehabilitationseinrichtungen. Darüber hinaus müssen die neuen Angebote ins Gesamtsystem integriert und mit gesteuert werden.
Patrizia Di Tolla

Die Zukunft der ambulanten Psychiatrie
Das vorliegende Heft gibt einen Überblick über ambulante Hilfen für Menschen mit psychischen Störungen im Bereich der freien Wohlfahrtspflege. Trotz aller Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf die sozialen Sicherungssysteme zukommen und damit auch uns betreffen, hat die ambulante Psychiatrie eine Zukunft. Allerdings nicht so sehr im Bereich der Leistungen zur Eingliederungshilfe: Hier wird es in naher Zukunft vielleicht noch Bedarfsanpassungen und Innovationen geben, die Zukunft jedoch liegt in einem Feld, in dem erste Akteure mit unterschiedlichen Konzepten bereits erste Schritte unternehmen: Meines Erachtens bestehen die Herausforderungen im „medizinischen“ Bereich der ambulanten Akutversorgung und Rehabilitation. Das Ansteigen von Mortalitätsraten und anderen statistisch signifikanten Messgrößen psychischer Krankheiten fordert auch die Krankenversicherungen heraus; und sie beginnen, sich dem Problem zu stellen. Es zeigt sich: Ambulante medizinische Akutversorgung und Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist nicht nur Sache von Medizin und Psychotherapie, sondern eine multiprofessionell erbrachte Komplexleistung inklusive Krankenpflege, Soziotherapie, Ergotherapie und weiterer Leistungen. Aus diesem Grunde gewinnen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sowie Modelle der Integrierten Versorgung (IV) zunehmend an Attraktivität. Und zwar sowohl bei Leistungserbringern als auch bei Leistungsträgern. Auch im Bereich der medizinischen bzw. medizinisch-beruflichen Rehabilitation von Menschen mit psychischen Erkrankungen (z.B. in Rehabilitationszentren für psychisch Kranke) könnte sich einiges tun, um Versorgungslücken zu schließen. In diesem Feld der medizinischen Leistungen sind Träger des PARITÄTISCHEN mit innovativen Ideen, Elan, Geduld und Hartnäckigkeit aktiv an der Zukunftsgestaltung beteiligt. Und das ist auch gut so!
Christian Reumschüssel-Wienert

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Den Leuten muss klar werden, dass sie überhaupt mitreden können
Beteiligung der Nutzer/innen in der personenzentrierten Hilfe
Der Titelsatz, entnommen dem Interview mit einem Bewohner einer therapeutischen Wohngemeinschaft, bringt sehr präzise das Hauptergebnis der zweieinhalb Jahre Arbeit am „Evaluations- und Praxisprojekt: Personenzentrierte Hilfe aus der Sicht der Nutzer/ innen“ auf den Punkt. Diese Untersuchung, die als Initiative einer Forschergruppe des Für alle Fälle e.V. aus Berlin entstand, war bundesweit die erste Evaluation im psychiatrischen Bereich, die mit dem betroffenen-kontrollierten Ansatz durchgeführt wurde. Neben der ungewöhnlichen Tatsache, dass sich die Forschergruppe mehrheitlich aus Psychiatriebetroffenen zusammensetzte, bedeutet dieser Ansatz auch ein fundamental neues Verständnis zur Rolle der Forschungsteilnehmer/innen. Sie werden nicht auf die Rolle der oder des Informationsgebenden reduziert, die mit einem Interview oder dem Ausfüllen eines Fragebogens endet. Der betroffenen-kontrollierte Ansatz räumt dem Erfahrungswissen der Teilnehmer/innen – in diesem Fall der Nutzer/innen therapeutischer Hilfen – einen zentralen Stellenwert ein, in dem er sie zu den Aufgaben wie Analyse, Interpretation der Ergebnisse und Konzipierung weiterer Projektschritte einlädt und einbezieht. In diesem Sinne kann unsere Untersuchung des Blickwinkels der Nutzer/innen auf die personenzentrierte Hilfe auch als ein Beispiel ihrer Beteiligung betrachtet werden, die weit über eine Mitsprache bei ihrer individuellen Hilfe hinaus geht. Mit dieser Herangehensweise haben wir in kleinerem Rahmen das nachzuholen versucht, was der personenzentrierte Ansatz unserer Meinung nach verpasst hat – nämlich die Reform8 www.der-paritaetische.de 3 | 2009

schritte mit denjenigen Personen zusammen zu entwickeln, einzuführen und anschließend zu evaluieren, für die sie in erster Linie gemacht wurden. Begegnungen auf Augenhöhe Unsere Evaluation der personenzentrierten Hilfe aus Sicht ihrer Nutzer/innen war nie als eine neutrale Datensammlung gedacht, die mit der Erstellung eines Berichtes enden soll. Der betroffenen-kontrollierte Ansatz, mit dem wir arbeiteten, zielte auf die Stärkung der Position der Nutzer/innen im Hilfesystem. Innerhalb der Projektzeit wollten wir auch dafür sorgen, dass einige Evaluationsergebnisse in die Praxis der Einrichtungen zurückfinden. Wir wollten uns in die untersuchte Realität einmischen und Änderungen initiieren. Die drei Arbeitsschritte bauten wie folgt aufeinander auf: 1. Evaluation der Hilfe aus der Sicht der Nutzer/innen 2. Untersuchung der Sicht der Mitarbeiter/innen auf die Evaluationsergebnisse sowie die gemeinsame Entwicklung der Strategien zur Nutzer/innenBeteiligung und 3. Praxisarbeit. Neben Interviews und Fragebögen waren Gruppengespräche und Expertenrunden die Hauptmethoden unserer Arbeit. Die Gruppengespräche ermöglichten uns die Entstehung einer Arbeitspartnerschaft mit den Teilnehmer/innen. Sie stellten nicht nur einen wichtigen Rahmen für den Austausch der Sichtweisen von Nutzer/innen auf die verschiedenen Themen der Hilfe dar, sondern auch für die Auswertung der Ergebnisse und die Prioritätensetzung für die gemeinsame Gestaltung weiterer Forschungsschritte. Beim Versuch, mit den Sichtweisen der Nutzer/innen und denen der Pro-

fessionellen zusammenzuarbeiten, um Möglichkeiten und Wege der praktischen Beteiligung der Nutzer/innen an der Hilfe zu untersuchen, haben sich die Expertenrunden als sehr gutes methodisches Mittel erwiesen. Die Expertenrunden waren thematische Arbeitstreffen mit dem Hauptziel, einen Dialog auf Augenhöhe zwischen den teilnehmenden Nutzer/innen und den professionell Helfenden zu starten. Auf diese Weise erlangten wir neues Wissen über die Praxis der therapeutischen Hilfe. In zwei Serien der Expertenrunden innerhalb des Projektrahmens sind wichtige Arbeitsergebnisse entstanden – und eine neue Art der Begegnung auch. Berichtenswert sind nicht nur die Evaluationsergebnisse: Der gesamte Forschungsverlauf bedeutet einen intensiven und einmaligen Lernprozess über die Wege der Nutzer/innen-Beteiligung an der personenzentrierten Hilfe. So entstanden im Rahmen dieses Projektes insgesamt drei Berichte und eine Videodokumentation. Berichte Der Evaluationsbericht „Aus eigener Sicht. Erfahrungen von Nutzer/innen mit der Hilfe“ erschien 2007 nach dem ersten Projektjahr1. Er beschreibt ausführlich die Hintergründe, die Methodik und die Ergebnisse der Evaluation. Unsere Hauptfragestellung war, ob die Nutzer/innen die Änderungen der Hilfe so erleben, wie der personenzentrierte Ansatz es vorsieht, sowie ihre Erfahrungen mit den Instrumenten wie Behandlungs- und Rehabilitationsplan und Helferkonferenzen. Im Bericht werden sowohl die Ergebnisse aus den Interviews und Gruppengesprächen als auch die quantitativen Ergebnisse der Fragebogenerhebung dargestellt. Obwohl mehr als zehn Prozent

fenen Vereinbarungen einverstanden waren. Diese und andere konkrete Evaluationsergebnisse waren die Ausgangsbasis unserer Fragestellungen an die Mitarbeiter/innen des Hilfesystems. Mit den Interviews, die wir mit den Mitarbeiter/innen und ihren Teams führten, begann unser Versuch, uns in die Realität einzumischen. Die Ergebnisse dieser Interviews sind dem „Zwischenbericht Sicht der Mitarbeiter/innen“2 zu entnehmen. Sie zielen nicht auf Repräsentativität, bieten aber einen tieferen Einblick, wie die Hilfe im Alltag funktioniert und vervollständigen so das Bild der therapeutischen Hilfe, das wir aus der Befragung der Nutzer/innen gewonnen haben. Ein Vergleich beider Sichtweisen hat uns geholfen, die Prioritäten für unsere Praxisarbeit zu setzen sowie ein Gefühl darüber zu bekommen, was überhaupt möglich sein wird.
Heinz Krug: Die Afrikanerin Galerie ART CRU

der Berliner Nutzer/innen aller Einrichtungstypen im komplementär-psychiatrischen Bereich teilgenommen haben, sind unsere Ergebnisse nicht repräsentativ: Nicht alle Träger unter dem Dach des PARITÄTISCHEN haben einer derartigen Befragung in ihren Einrichtungen zugestimmt. Der Evaluationsbericht, der die Mitte unserer Forschungsarbeit kennzeichnet, bietet einen Einblick in das Erfahrungsspektrum der Nutzer/innen mit den Wahlmöglichkeiten bei der Hilfe, deren Informationsstand, Prioritäten bei der Hilfe sowie die Möglichkeiten der Mitsprache. Die quantitativen Ergebnisse zeigen einerseits eine hohe Zufriedenheit der Nutzer/innen mit der Hilfe und machen anderseits einige Schwierigkeiten, Widersprüche und Unterschiede zwischen den Vorgaben und der Umsetzung der Hilfe deutlich. Ein Drittel der befragten Nutzer/innen kannte den eigenen BRP nicht oder konnte sich daran nicht erinnern. Viele unterschrieben den BRP, um ihre Plätze in den Einrichtungen abzusichern und nicht, weil sie mit allen getrof-

Unser Abschlussbericht „Versuch einer Einmischung. Bericht der Praxisarbeit“3 beschreibt ausführlich die Erarbeitung der Strategien der Nutzer/ innen-Beteiligung, die wir gemeinsam mit teilnehmenden Nutzer/innen und Mitarbeiter/innen unternommen haben. Der Bericht enthält auch die Beschreibung kurzer Versuche ihrer Umsetzung in der Praxis. Mit diesem Dokument sowie mit dem halbstündigen Video „Auf Augenhöhe“ wollten wir einige Wege und das Potenzial zur Einbeziehung von Erfahrungswissen der Nutzer/innen bei bestimmten Themen der Hilfe aufzeigen, ebenso die damit verbundenen Schwierigkeiten. Mit zwei Einrichtungen und einem Entscheidungsgremium arbeiteten wir in der Praxisphase zu folgenden Schwerpunkten: 1. Erprobung der Hilfe, 2. einrichtungsinterne Bewertung der Hilfe und der Arbeit der einzelnen Betreuer/innen durch die Nutzer/innen, 3. den Umgang mit Krisen und 4. die Hilfevereinbarung. Perspektive Die realen Möglichkeiten der Mitsprache der Nutzer/innen, so wie sie der

personenzentrierte Ansatz vorsieht, bleiben stark von den Möglichkeiten der einzelnen Betreuer/innen, der einzelnen Einrichtungen und der einzelnen Nutzer/innen bestimmt. Eine Mitsprache bei der eigenen Hilfe setzt grundlegende Bedingungen voraus, die sich nicht per Gesetzesänderungen oder neuen Richtlinien sicherstellen lassen. Unsere Arbeit warf viele Fragen an die Hilfe auf und zeigte auch einige Änderungswege. Für den wichtigsten halten wir einen gleichberechtigten Dialog, das Mitdenken und die Einbeziehung der Nutzer/innen bei allen Fragen, die sie unmittelbar und existenziell betreffen. „Es bleibt der Wunsch, dass sich über diese intensive Arbeit so vieler Menschen in diesem Projekt eine Tür aufmacht, dass diese vielen berechtigten Anliegen von den Betroffenen endlich außerhalb der Psycho-Schiene Gehör finden“, äußerte die Teilnehmerin Barbara Bortz. Der ernst gemeinte personenzentrierte Ansatz lässt sich nicht ohne die Personen umsetzen. Für eine Partnerschaft mit Betroffenen zu entscheiden bedeutet Mut, vieles nicht im Voraus zu wissen, sowie Offenheit gegenüber substanziellen und nicht nur kleineren Änderungen! Wir haben gesehen, wie unsere Arbeit mehrere Akteure der Hilfe von der Unersetzlichkeit des Erfahrungswissens der Betroffen bei der Umsetzung des personenzentrierten Ansatzes überzeugt hat. Es stehen neue betroffenen-kontrollierte sowie partnerschaftliche Arbeiten an, die diesen Ansatz weiter untersuchen, in Frage stellen und erweitern.

Jasna Russo ist Diplom-Psychologin und arbeitet freiberuflich in den Bereichen Forschung und Fortbildung. Sie ist Vorstandsmitglied des Europäischen Netzwerks von Psychiatriebetroffenen.

1) Erhältlich beim Paritätischen Berlin, Referat Psychiatrie/queere Lebensweisen 2) Download unter www.faelle.org 3) Erhältlich beim Paritätischen Berlin, Referat Psychiatrie/queere Lebensweisen
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Diskussion 
Pro: Trägerbudgets und ihr Nutzen
Matthias Rosemann Der Begriff „Trägerbudget“ ist streng genommen nicht zutreffend. Er bezeichnet lediglich den vertraglich vereinbarten Höchstbetrag, bis zu dem erbrachte Leistungen berechnet werden dürfen, und entspricht weitgehend der Obergrenze, bis zu der Träger nach der Formel „Plätze mal Vergütung mal Kalendertage pro Jahr“ bisher ihre Rechnungen stellen durften. Unter dem festgelegten Höchstbetrag geben die Budgets alles frei: Es können mehr oder weniger Menschen mit höheren oder niedrigeren Hilfebedarfsgruppen betreut werden, und es können Ausgleiche zwischen verschiedenen Einrichtungen und Diensten eines Trägers vorgenommen werden. Damit stellen die Budgets psychisch kranken Menschen die größtmögliche Flexibilität innerhalb der Angebote eines Trägers zur Verfügung – wenn dies von den Anbietern und den nachfragenden Stellen gewünscht wird. Diese Flexibilität wird nicht mehr durch die Leistungsvereinbarung mit dem Land Berlin (Beispiel: die Zahl der Plätze) begrenzt, sondern nur noch durch die Nachfrage aus dem jeweiligen Einzugsgebiet, Entscheidungen des Kostenträgers im Einzelfall oder durch das Steuerungsverhalten des Anbieters selbst. Dieser Vorteil ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. 1. Das Hilfesystem in einem Bezirk oder in einem Einzugsgebiet gewinnt zusätzliche Möglichkeiten, das Leistungsgeschehen (oder eben das Angebot) dem individuellen und dem strukturellen Bedarf anzupassen. Es können etwa mehr oder weniger Tagesstättenplätze belegt werden, wenn sich an anderer Stelle ein spezifischer Bedarf zeigt. Das bedeutet ein wesentlich höheres Maß an Anpassung an den individuellen Bedarf, wenn – und nur
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wenn – dies von allen Verfahrenbeteiligten gewünscht wird. Die Träger können zwischen ihren Angeboten ausgleichen, steigende Bedarfe bedienen und Angebote mit geringerer Nachfrage voDas Berliner Budgetierungsmodell Das gesamte Berliner Budget betrifft sechs Leistungstypen, die nach SGB XII § 75f. Eingliederungshilfe für seelisch Behinderte anbieten: therapeutisch betreute Wohngemeinschaften, therapeutisch betreutes Einzelwohnen, therapeutisch betreute Tagesstätten und Beschäftigungstagesstätten, therapeutisch betreute Übergangsheime und therapeutisch betreute Heime. Insgesamt werden für die Einrichtungen und Dienste dieser Leistungstypen im Land Berlin seit 2004 jährlich 90.591.652 Euro als maxi-mal abzurechnende Summe für Leistungen nach SGB XII zur Verfügung gestellt. Der Vertrag zur Budgetierung betrifft einen Zeitraum von drei Jahren. Der erste Budgetierungszeitraum begann 2004 und endete 2006. Insgesamt wurde in diesem Zeitraum das Budget nicht überschritten. 2006 betrug die Auslastung des Budgets 97,8 Prozent, 101,3 Prozent im Jahre 2005 und 99,6 Prozent im Jahre 2004. Die zweite dreijährige Budgetierungsphase startete im Januar 2007 und endet zum 31. Dezember 2009. rübergehend oder längerfristig geringer auslasten. Dafür sind nicht mehr längere Vorlaufzeiten mit Vorlage von Konzeptänderungen, Diskussionen in bezirklichen Gremien und Antragsverfahren beim zuständigen Leistungsträger erforderlich. Verschiebungen können nach Abstimmung in den bezirklichen Steuerungsgremien einfach und unbürokratisch vorgenommen werden. Dabei liegt die Betonung auf können:

Das Budget erzwingt keine Veränderungen, es macht sie lediglich möglich. Die Träger mussten in der Vertragslaufzeit keine Preisabsenkungen vornehmen, wie dies im vergleichbaren Zeitraum mit der entsprechenden Folgewirkung bei den Leistungen für Menschen mit einer geistigen und körperlichen Behinderung der Fall war. 2. Das Land Berlin und die Bezirke haben über die definierte Laufzeit eine klare Aussage über ihre finanzielle Höchstbelastung und können – bzw. könnten – den Aufwand zur Verhandlung über jeden Einzelfall auf fachliche Gesichtspunkte beschränken. Sie sind nicht (oder zumindest weniger) mit der Interessenslage von Trägern konfrontiert, die die Bewilligung möglichst hoher Betreuungsleistungen oder möglichst langer Betreuungszeiten erwarten. Über die gleichzeitig geschaffenen Steuerungsgremien und das Fallmanagement sind Land und Bezirke umfassend an der Entscheidung über die notwendigen, sinnvollen und durchführbaren Hilfen beteiligt. 3. Aus fachlichsystemischer Sicht ergibt sich ein weiterer Vorteil für das Hilfesystem: Nicht immer ist optimale Hilfe zugleich die maximale Hilfe. Budgets (oder andere Formen der Kapazitätsbeschränkungen) helfen, psychiatrische Hilfen zu begrenzen. Ist durch regionale Steuerung gewährleistet, dass keinem Menschen das notwendige Minimum versagt bleibt (sprich: Realisierung der Versorgungsverpflichtung), kann das Budget helfen, Betreuungen zu beenden, zu verkürzen oder in ihrem Umfang zu mindern. Unter dem Gesichtspunkt, Selbstbestimmung und Selbstverantwortung zu fördern, kann dieser Druck von Außen bei dieser fachlichen Aufgabe helfen. Denn in der Natur menschlicher Beziehungen liegt stets ein Wunsch von Dauerhaftigkeit, der regelmäßig fachlich geprüft und gegebenenfalls auch eingegrenzt werden muss.

4. Ein wichtiger Nutzen für alle Seiten ist auch ein politischer: Das psychiatrische Eingliederungshilfesystem, das mit allen anderen Leistungssystemen für psychisch kranke Menschen eng vernetzt ist, zeigt, dass Sozialleistungssysteme zu einer rationalen Eigensteuerung in der Lage sind, wenn die Rahmenbedingungen klar und ausreichend sind. Dem sonst häufig üblichen System „Geld folgt Leistung“ konnte eine auch gegenüber dem steuerzahlenden Bürger vertretbare Zusammenführung von fachlicher und finanzieller Steuerung entgegengesetzt werden. Damit nimmt gerade in Berlin das Hilfesystem eine verantwortliche Position in der Gesellschaft ein.
Matthias Rosemann, Psychologe/Soziologe M. A., ist Geschäftsführer der Träger gGmbH.

Contra: Argumente gegen Budgetvereinbarungen
Norbert Prochnow Was spricht gegen so genannte Trägerbudgets? Immerhin ist es bemerkenswert, diese Frage von jemandem betrachten zu lassen, der sich in Berlin für den Bereich der ambulantkomplementären Versorgung psychisch kranker Menschen ein solches Konstrukt mit ausgedacht und sich dafür eingesetzt hat, dass es umgesetzt wird! Vielleicht sollte die Frage besser lauten: Welche Bedingungen müssen überhaupt gegeben sein, um ein solches Verfahren leben zu können – wo stößt es aber auch an seine Grenzen? Zunächst einmal muss man sagen, dass ein Budget in Berlin zwischen der zuständigen Senatsverwaltung einerseits und der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin andererseits vereinbart wurde, und zwar in einer ganz konkreten Situation: 1. Die Umstellung einrichtungsbezogener Vergütungen auf ein System lan-

desweit einheitlicher Preise je Hilfebedarfsgruppe eines Leistungstypus. 2. Ein Hilfebedarfsgruppensystem, das mit Zeitwerten hinterlegt ist. 3. Ein landesweit einheitliches Verfahren zur Bemessung des Hilfebedarfs (Berliner Behandlungs und Rehabilitationsplan) zur Ermittlung der qualitativ und quantitativ notwendigen Hilfeleistungen. 4. Während des Umstellungszeitraumes wollten sich beide Vertragsparteien die Sicherheit geben, dass ein neues System, zunächst für einen definierten Zeitraum von drei Jahren, nicht teurer wird als das Alte – andererseits aber die bisherigen Ressourcen auch weiterhin in der Summe der berlinweiten Betrachtung gewährleistet werden können. Wie die rückblickende Auswertung für die Jahre 2004 bis 2006 ergeben hat, war dieser Prozess erfolgreich im Sinne der oben genannten Zielstellung. Es haben sich aber auch Problembereiche ergeben, die bei der Fortführung eines Budgets kritisch zu betrachten sind: 1. Zunächst einmal kann das individuelle Anspruchsrecht eines einzelnen betroffenen Menschen mit Behinderung keinesfalls aufgrund einer Budgetvereinbarung außer Kraft gesetzt werden – ein solches System funktioniert also nur dann, wenn es in gemeinsamer Verantwortung und Bemühung aller an der Versorgung beteiligter Personen und Einrichtungen gelingt, etwa mittels bezirklicher Steuerungsrunden, letztlich jeden Bedarf in der notwendigen Weise zu decken! Dazu ist meines Erachtens eine regionale Orientierung der Versorgung unabdingbar: Ist diese nicht vorhanden, wird es in diesem Punkt außerordentlich schwierig. 2. Ein „Budgetdeckel“ kann immer nur für einen relativ kurzen Zeitabschnitt (das heißt: wenige Jahre) wirksam sein, da die Prognosen über tatsächliche Fallzahlsteigerungen naturgemäß ein hohes Maß an Unsicherheit enthalten. Stellt sich aber eine höhere Fallzahlentwicklung ein als angenommen, so muss das System flexible Bestandteile beinhalten, sonst ist es nicht lebbar.

3. Das Budget muss darüber hinaus Öffnungsklauseln für außergewöhnliche Preissteigerungen beinhalten, sowohl im Personalkostenbereich (zum Beispiel Tariferhöhungen) als auch im Sachkostenbereich. Sonst belasten die realen Kosten einseitig in nicht hinnehmbarer Weise die freigemeinnützige Trägerschaft, während im Extremfall im gleichen Atemzug der öffentliche Dienst gegebenenfalls seine Mitarbeiter besser bezahlt. 4. Budgets muss man aber auch kontrollieren können, und zwar zeitnah, um dann gegebenenfalls bei nicht gewünschten Entwicklungen steuernd einzugreifen. Ist das nicht möglich, und in Berlin lag und liegt hier die größte Schwachstelle bei unseren Partnern auf Landes und Bezirksebene, so ist den Trägern eine Reaktion in einem angemessenen Zeitraum ebenfalls nicht möglich. Letztlich kann es dann keinem Betreiber von Einrichtungen angelastet werden, dass es aufgrund der landesweiten Budgetüberschreitung Konsequenzen für das eigene Handeln hätte geben müssen, von denen man zuvor nicht gewusst hat – allein deshalb, weil es den Landesbehörden trotz installierter Instrumente nicht gelingt, vereinbarungsgemäß zeitnah entsprechende Rückmeldungen zu geben. 5. Führt ein insgesamt steigender Hilfebedarf der betroffenen Menschen, etwa durch nicht vorausgesehene Fallzahlsteigerung, nicht zu einer zeitnahen Flexibilisierung getroffener Vereinbarungen, besteht die Gefahr, dass im Sinne „kommunizierender Röhren“ benachbarte Versorgungssysteme gewissermaßen als Ausweichlösung genutzt werden. Das kann heißen, dass der Druck auf Angebote der Wohnungslosenhilfe, der Hilfen für drogenabhängige Menschen oder der Hilfen für Menschen mit Mehrfachdiagnosen, gegebenenfalls auch der Angebote im Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen steigt. Eine solche ungewollte „Klientelverschiebung“ kann nicht im Sinne der Sache sein und würde eine Budgetvereinbarung für ein Teilsystem dauerhaft in Frage stellen.
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Fazit Alles in allem ist meiner Meinung nach eine Budgetvereinbarung für einen relativ engen Zeitraum möglich, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Ist einer der Partner aber letztlich nicht bereit – oder nicht in der Lage – die vereinbarten Bedingungen tatsächlich herzustellen, weil sie zum

Teil außerhalb seines Einflusses beziehungsweise seiner Kontrolle liegen, wird dem System trotz guter Absicht die Grundlage entzogen und es kann nicht mehr funktionieren. Ein ganz wesentlicher Faktor ist hier, ob der notwendige politische Wille vorhanden ist und die Kraft, gut gemeinte Absichten auch in der Realität dauer-

haft umzusetzen. Dabei muss die Verwaltung von ihrer politischen Leitung gestützt werden. Sonst ist ein solcher Kraftakt wie eine Budgetvereinbarung auf Dauer nicht zu stemmen.
Norbert Prochnow ist Geschäftsführer der UNIONHILFSWERK Sozialeinrichtungen gemeinnützige GmbH.

Budgetierung: Zahlen und Fakten
Mit Einführung der trägerbezogenen Budgets (Basis: 2003) wurde 2004 die Finanzierung der Leistungen umgestellt auf zwölf zeitbezogene Hilfebedarfsgruppen von HBG 1=180 Min/Wo bis HBG 12=1170 Min/Wo. Die Fallzahlen-, Budget- und Ausgabekontrolle erfolgte durch das Budgetkontrollprogramm auf bezirklicher Ebene. Mit der Budgetierung haben die Träger sich bereit erklärt, jährlich mehr Menschen zu versorgen, ohne ihr Budget zu überschreiten, da sonst Rückzahlungsforderungen drohen. Entwicklung des Verlaufes Personenfallzahlen/Hilfebedarfsgruppen Psychiatriebudget 2006 Verteilung je 1000 Einwohner in Euro teilung der Ressourcen und daher die Ausgaben in den Bezirken recht unterschiedlich sind. Die meisten Ressourcen, und daher die höchsten Ausgaben, liegen im Bezirk Pankow. Die niedrigsten Ausgaben für die Psychiatrie sind im Bezirk Marzahn-Hellersdorf zu vermerken. Zusammenfassung Die Eckwerte, die im Rahmen des Budgetierungsvertrages festgelegt wurden (Nicht-Überschreitung des Budgets der Fallzahlsteigerung von über 5 Prozent), wurden in der ersten Phase von 2004 bis zum Ende des Jahres 2006 erreicht. Dieser Erfolg ist den Trägern der Einrichtungen und Diensten zu verdanken. Es ist aber ebenfalls ein gutes Ergebnis der Arbeit der bezirklichen Steuerungsgremien, Fallkonferenzen und der Dokumentationssystematik des Landespsychiatriereferates von Berlin. Der PARITÄTISCHE hat mit dem Referat Psychiatrie/Queere Lebensweisen, seiner Verhandlungsgemeinschaft und der Fachgruppe Psychiatrie die Koordination, Diskussion und Bewertung während der ganzen Projektierungsphase kontinuierlich begleitet. Die Zahlen für das Jahr 2008 deuten darauf hin, dass dieser Erfolg in der zweiten Budgetierungsphase weiterhin möglich sein wird.
Patrizia Di Tolla, Claudia Hollburg (Grafiken), Christian Reumschüssel-Wienert, Matthias Rosemann, Volker Schröder

In Berlin erfolgt die Versorgung hauptsächlich im ambulanten und teilstationären Bereich. Obgleich die Fallkosten für stationäre Einrichtungen höher sind, betragen die Ausgaben für ambulante Einrichtungen 67 Prozent der Gesamtkosten. Psychiatriebudget 2006 Verteilung nach Leistungsarten

Die Steigerung der Personenfallzahlen (PFZ) von 2004 zu 2005 reflektiert die Situation, dass mehr Menschen mit niedrigem Hilfebedarf versorgt werden konnten. Die leichte Senkung 2006 wiederum ist der Vorsicht der Träger hinsichtlich Budgetüberschreitungen zu verdanken. Die Fallzahlsteigerung 2007/2008 betrug gegenüber 2006 insgesamt 6,5 Prozent. Mit der Erhöhung der PFZ ging eine Verringerung der durchschnittlichen Hilfebedarfsgruppe einher. Sie sank zwischen 2004 und 2007 um 6,4 Prozent auf HBG 4. Ein Klient erhielt durchschnittlich also 450 Min/Wo psychiatrische Hilfen zur Teilhabe.
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Dieser Abbildung ist zu entnehmen, wie viel Geld pro 1000 Einwohner für das Jahr 2006 in den jeweiligen Bereichen ausgegeben worden sind. Grundsätzlich ist festzustellen, dass jeder Bürger der Stadt Berlin für die Psychiatrieeinrichtungen 26 Euro pro Jahr zahlen muss. Die Angaben dieser Grafik betreffen nur das Jahr 2006, da in diesem Jahr eine umfangreiche gesonderte Auswertung erfolgt ist. Zudem ist anzumerken, dass die Ver-

Adressenverzeichnis

Henry Schönhardt: Die Venus Galerie ART CRU
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Adressen von Trägern, Einrichtungen und Diensten von Mitgliedsorganisationen im PARITÄTISCHEN, Bereich Psychiatrie
Koordination: Patrizia Di Tolla Referat Psychiatrie/Queere Lebensweisen, PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. Kollwitzstraße 94-96, 10435 Berlin Tel. 315919-0 ditolla@paritaet-berlin.de www.paritaet-berlin.de Berliner Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V. c/o Martina Dahms Taubenstraße 5, 14612 Falkensee Tel. 37013615 www.bgsp-ev.de Berliner Organisation Psychiatrie-Erfahrener und Psychiatrie-Betroffener (BOP&P) e.V. Auguststraße 71, 10117 Berlin Tel. 01712429161 www.bpe-online.de (SH, Beratung) berliner STARThilfe e.V. Neumannstraße 13, 13189 Berlin Tel. 4443035 www.berlinerstarthilfe.de (BEW) Beschäftigungswerk – Arbeit für Berlin GmbH Bizetstraße 51-55, 13088 Berlin Tel. 9240050 www.beschaeftigungswerk.de (BEW, TWG) Bürgerhilfe Kultur des Helfens gGmbH Taborstraße 17, 10997 Berlin Tel. 6121581 www.buergerhilfe-berlin.de (TWG) COMES e.V. Konrad-Wolf-Straße 13, 13055 Berlin Tel. 8560660 www.comes-berlin.de (TWG) Das fünfte Rad e.V. Köpenicker Straße 325 (Haus 201), 12555 Berlin Tel. 65763420 www.das-fuenfte-rad-ev.de (BEW, TWG, ÜHW) DER STEG gGmbH Teichstraße 65, 13407 Berlin Tel. 49857690 www.dersteg.de (BEW, TWG) DIE BRÜCKE e.V. und gGmbH Bismarckstraße 58, 13585 Berlin Tel. 35302523 www.bruecke-berlin.de (Verbund) 	 Die Kurve e.V. Friedrich-Wilhelm-Straße 22, 12103 Berlin Tel. 7525298 www.die-kurve.de (BEW, Verbund) Einzelfallhilfe e.V. und gGmbH Helmstraße 11, 10827 Berlin Tel. 23633810 www.einzelfallhilfe-berlin.de FaF – Für alle Fälle e.V. Auguststraße 71, 10117 Berlin Tel. 97894453 www.faelle.org FELIX Pflegeteam gGmbH Wiesenstraße 16, 13357 Berlin Tel. 6918033 www.felix-pflegeteam.de Fördererkreis Altenclub e.V. Mexikoplatz 4, 14163 Berlin Tel. 80558965 www.perspektive-zehlendorf.de Förderkreis für seelische Gesundheit e.V. Reinickendorfer Straße 46, 13347 Berlin Tel. 4611606 www.foerderkreis-gesundheit.de (BEW, TWG, ÜHW) Förderungsgemeinschaft zur Errichtung von Kontaktstätten und Wohngruppen für Alkoholkranke e.V. (KOWO) Dominicusstraße 32, 10827 Berlin Tel. 68977580 www.kowo-ev.de

ADV gGmbH Schillerstraße 10, 10625 Berlin Tel. 4472270 www.adv-suchthilfe.de (BEW) ajb gmbh Kottbusser Damm 79a, 10967 Berlin Tel. 6959700 www.ajb-berlin.de (BEW, TWG, Verbund) aktion weitblick – betreutes wohnen – gGmbH Markelstraße 24a, 12163 Berlin Tel. 7920001 www.aktion-weitblick.de (TWG) Albatros e.V. Berliner Straße 14, 13507 Berlin Tel. 4332222 www.albatrosev.de (BEW, TWG) Albert Schweitzer Stiftung – Wohnen & Betreuen Bahnhofstraße 32, 13129 Berlin Tel. 47477484 www.ass-berlin.org (Heim) Angehörige psychisch Kranker (ApK) Landesverband Berlin e.V. Mannheimer Straße 32, 10713 Berlin Tel. 86395701 www.apk-berlin.de (SH, Beratung)

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frei-raum e.V. Eisenacher Straße 43, 10823 Berlin Tel. 81821229 www.frei-raum-berlin.de Freie Demokratische Wohlfahrt e.V. (FDW) Rubensstraße 28, 12159 Berlin Tel. 8519068 www.fdw-berlin.de Freundeskreis – Integrative Dienste e.V. Neue Bergstraße 6 (Haus 3), 13585 Berlin Tel. 13013291 www.freundeskreis-integrative-dienste.de (TWG, Verbund) Guttempler in Berlin-Brandenburg e.V. Wildenbruchstraße 80, 12045 Berlin Tel. 68237620 www.guttempler-berlin.com HIRAM-HAUS e.V. Gotenstraße 11, 10829 Berlin Tel. 7883053 www.hiram-haus.de (BEW, TWG, Verbund) Humanistischer Verband Deutschlands – Landesverband Berlin e.V. Wallstraße 61-65, 10179, Berlin Tel. 6139040 www.hvd-berlin.de Johannisches Sozialwerk e.V. Bismarckallee 23, 14193 Berlin Tel. 89688184 www.johannisches-sozialwerk.de Kaspar Hauser Therapeutikum Berlin gGmbH Rolandstraße 18-19, 13156 Berlin Tel. 4749050 www.kht-berlin.de Kontakt- und Begegnungsstätte e.V. (KBS e.V.) Malplaquetstraße 32, 13347 Berlin Tel. 4005990 www.kbsev.de

KommRum e.V. Schnackenburgstraße 4, 12159 Berlin Tel. 8519025 www.kommrum.de (BEW, TWG) K.U.B. – Krisen- und Beratungsdienst e.V. Albrechtstraße 7, 12165 Berlin Tel. 39063610 www.kub-in-berlin.de La Vida gGmbH Nazarethkirchstraße 42, 13347 Berlin Tel. 48482380 www.la-vida-berlin.de Lebensmut e.V. Grevesmühlener Straße 24, 13059 Berlin Tel. 9208071 www.lebensmut-berlin.de (BEW) Lebensnähe Marzahn e.V. und Lebensnähe gGmbH Allee der Kosmonauten 67-69, 12681 Berlin Tel. 5436982 www.lebensnaehe.de (Verbund) Lebenswelten e.V. Kommandantenstraße 80, 10117 Berlin Tel. 25375110 www.lebenswelten.de (BEW, TWG, Verbund) Märkisches Sozial- und Bildungswerk e.V. Rosenstraße 1, 12555 Berlin Tel. 53780033 www.msbw-online.de (TWG) MIGES gemeinnützige GmbH Dominicusstraße 32, 10827 Berlin Tel. 68977580 www.miges-berlin.de

MITTENDRIN in Hellersdorf – Verein zur Integration Behinderter e.V. Albert-Kuntz-Straße 58, 12627 Berlin Tel. 9988160 www.mittendrin-in-hellersdorf.de (BEW, TWG) MUT Gesellschaft für Gesundheit mbH Rudolfstraße 11, 10245 Berlin Tel. 2933020 www.mut-gesundheit.de (BEW) Netzwerk Stimmenhören e.V. Uthmannstraße 5, 12043 Berlin Tel. 78718068 www.stimmenhoeren.de (SH,Beratung) neuhland e.V. Nikolsburger Platz 6, 10717 Berlin Tel. 417283960 www.neuhland.de (Verbund) PAWIAN – Packen wir’s an – gGmbH Perleberger Straße 27, 10559 Berlin Tel. 39896060 www.berliner-suchthilfe.de PBAM Therapeutische Arbeitsgemeinschaft e.V. Goebenstraße 8, 10783 Berlin Tel. 2165008 www.pbam.de (BEW, Verbund) Perspektive Zehlendorf Laienhelferkreis der Waldhausklinik e.V. Potsdamer Chaussee 69, 14129 Berlin Tel. 80589365 www.perspektive-zehlendorf.de (BEW, TWG, Verbund) Pinel gGmbH und e.V. Initiative für psychisch Kranke Joachimstaler Straße 14, 10719 Berlin Tel. 4848290 www.pinel.de (BEW, TWG, Verbund)

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MVZ – Pinel gGmbH Joachimstaler Straße 14, 10719 Berlin Tel. 4848290 www.pinel.de Platane 19 e.V. und gGmbH Knobelsdorffstraße 15, 14059 Berlin Tel. 3209040 www.platane19.de (BEW, Verbund) prenzlkomm gGmbH Schönhauser Allee 161 a, 10435 Berlin Tel. 44023840 www.prenzlkomm.de (BEW, TWG) PROWO e.V. – Projekt Wohnen Kottbusser Damm 79a, 10967 Berlin Tel. 6959770 www.prowo-berlin.de (BEW, TWG, Verbund) PSV Treptow e.V. Baumschulenstraße 78 (VH, 1. OG) 12437 Berlin Tel. 53216200 www.psv-treptow.de (Verbund) Psychosoziale Initiative Moabit e.V. Waldstraße 7, 10551 Berlin Tel. 3952727 www.waldstrasse7.de (BEW, TWG) Reha-Steglitz gGmbH Bergstraße 1, 12169 Berlin Tel. 3198050 www.reha-steglitz.de (BEW, TWG, Verbund) Schwulenberatung Berlin gemeinnützige GmbH Mommsenstraße 45, 10629 Berlin Tel. 23369070 www.schwulenberatungberlin.de (BEW, TWG, Verbund) Sozialtherapeutisches Hilfswerk e.V. Bremer Straße 75, 10551 Berlin Tel. 3951059 (BEW, TWG)

Stiftung Sinnvolle Lebensgestaltung im Alter GmbH Leonhard-Frank-Straße 8, 13156 Berlin Tel. 9165161 www.senioren-pf lege-betreuung-berlin.de (TWG) Tageszentrum Tempelhof gGmbH Goebenstraße 8, 10783 Berlin Tel. 70781626 Träger gGmbH Alt-Reinickendorf 45, 13407 Berlin Tel. 4963076 www.traeger-berlin.de (Verbund, ÜHW, Heim) UNIONHILFSWERK Sozialeinrichtungen gemeinnützige GmbH Richard-Sorge-Straße 21a, 10249 Berlin Tel. 42265710 www.unionhilfswerk.de (BEW, TWG, ÜHW) USE Union Sozialer Einrichtungen gGmbH Koloniestraße 135-136, 13359 Berlin Tel. 4977840 www.u-s-e.org Verein für Integrative Therapeutische Angebote – VITA e.V. – Berlin Genter Straße 63, 13353 Berlin Tel. 45475800 www.vita-ev.de (BEW, TWG, Verbund) Verein für Rehabilitation Behinderter e.V. DIE REHA – WOHNEN UND FREIZEIT Weydemeyerstraße 2/2a, 10178 Berlin Tel. 2934130 www.verein-die-reha.de (BEW, TWG) Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. Postfach 28 04 27, 13444 Berlin Tel. 40632146 www.weglaufhaus.de (TWG; SH, Beratung)

VIA Verbund für Integrative Angebote Berlin gemeinnützige GmbH Schönhauser Allee 175, 10119 Berlin Tel. 44354600 www.via-berlin.de (Verbund) vista – Verbund für integrative und therapeuti-sche Arbeit gGmbH Alte Jakobstraße 85/86, 10179 Berlin Tel. 2008990 www.vistaberlin.de Volkssolidarität Landesverband Berlin e.V. Alfred-Jung-Straße 17, 10367 Berlin Tel. 3086920 www.volkssolidaritaet.de WIB – Weißenseer Integrationsbetriebe GmbH und e.V. Tassostraße 17, 13086 Berlin Tel. 4799110 www.wib-ev.de (BEW, TWG) Wuhletal – Psychosoziales Zentrum gGmbH und Wuhlgarten – Hilfsverein für psychisch Kranke e.V. Dorfstraße 45-47, 12621 Berlin Tel. 5634372 www.wuhletal.de (BEW, Verbund) ZeitRaum gGmbH Perleberger Straße 27, 10559 Berlin Tel. 39896024 www.zeitraum-ggmbh.de (Verbund) ZIK – Zuhause im Kiez gGmbH Perleberger Straße 27, 10559 Berlin Tel. 3989600 www.zik-ggmbh.de (BEW, TWG)

Abkürzungen: BEW - Betreutes Einzelwohnen TWG - Therapeutische Wohngemeinschaften SH - Selbsthilfe ÜHW- Übergangswohnheim Verbund TWG und BEW

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Kontakt- und Beratungsstellen
Mitte Brückentreff, Psychosoziale KBS Humanistischer Verband Deutschland Landesverband Berlin e.V. Torstraße 158, 10115 Berlin Tel. 2807442 Tageszentrum m32, KBS e.V. Malplaquetstraße 32, 13347 Berlin Tel. 4553090 Treffpunkt Waldstraße Psychosoziale Initiative Moabit e.V. Waldstraße 7, 10551 Berlin Tel. 39731322 Tageszentrum Wiese 30, KBS e.V. Wiesenstraße 30, 13357 Berlin Tel. 4621062 Friedrichshain-Kreuzberg KBS am Südstern, ajb gmbh Hasenheide 54, 10967 Berlin Tel. 6903260 KBS Kreuzberg, UNIONHILFSWERK Waldemarstr. 33, 10999 Berlin Tel. 61609920 Café KommRum, KommRum e.V. Straßmannstraße 17, 10249 Berlin Tel. 2923700 Pankow Café Sonderbar, prenzlkomm gGmbH Erich-Weinert-Straße 37, 10439 Berlin Tel. 4441664 KBS Pankow, Albatros e.V. Breite Straße 2, 13187 Berlin Tel. 47535492 Kontakt und Beratungsstelle, WIB GmbH Börnerstraße 12, 13086 Berlin Tel. 9253837 Charlottenburg-Wilmersdorf KBS Binger Club, Pinel gGmbH Güntzelstraße 4, 10717 Berlin Tel. 8216186

Die Wippe, Schwulenberatung Berlin gGmbH Mommsenstraße 45, 10629 Berlin Tel. 23369070 Tageszentrum, Platane 19 e.V. Knobelsdorffstraße 15, 14059 Berlin Tel. 32090440/-42 Steglitz-Zehlendorf Treffpunkt am Mexikoplatz Förderkreis Altenclub e.V. Am Mexikoplatz 4, 14163 Berlin Tel. 8017026 Tageszentrum Albrechtstraße Reha-Steglitz gGmbH Albrechtstraße 15, 12167 Berlin Tel. 7912038 Tageszentrum Kamenzer Damm Reha-Steglitz gGmbH Kamenzer Damm 1a, 12249 Berlin Tel. 76679776 Tempelhof-Schöneberg S-Bahnhof Schöneberg, Pinel gGmbH Ebersstraße 67, 10827 Berlin Tel. 78792910 Kontakt- und Beratungsstelle Tempelhof, Die Kurve e.V. Lichtenrader Damm 212, 12305 Berlin ab 1.1.2010: Forddamm 1, 12107 Berlin Tel. 7459083 KommRum, KommRum e.V. Schnackenburgstraße 4, 12159 Berlin Tel. 8519025 Neukölln Treffpunkt Terra, UNIONHILFSWERK Hertzbergstraße 7-8, 12055 Berlin Tel. 6871977

KBS Köpenick, Das fünfte Rad e.V. Schillerpromenade 2, 12459 Berlin Tel: 6554099 Marzahn-Hellersdorf Das Ufer, Lebensnähe gGmbH Alt-Marzahn 35, 12685 Berlin Tel. 5435102 Lichtenberg Der blaue Laden, Albatros e.V. Hagenstraße 5, 10365 Berlin Tel. 5578484 Manet-Club, Pinel gGmbH Große Leegestraße 97/98, 13055 Berlin Tel. 9865367 Reinickendorf KBS Reinickendorf, Albatros e.V. Berliner Straße 14, 13507 Berlin Tel. 4332222

Psychiatrische Tagesstätten
Mitte Beschäftigungstagesstätte für psychisch Kranke Wiese 30, KBS e.V. Wiesenstraße 30, 13357 Berlin Tel. 4621062 Tagesstätte für chronisch Alkoholkranke Altas, KBS e.V. Utrechter Straße 43, 13347 Berlin	 Tel. 4558872 Beschäftigungstagesstätte für psychisch Kranke im TAZ m32, KBS e.V. Malplaquetstraße 32, 13347 Berlin Tel. 4553090 Beschäftigungstagesstätte DIE FAIRE, DIE REHA – WOHNEN UND FREIZEIT e.V. Weydemeyerstraße 2/2a, 10178 Berlin Tel. 2834665 Tagesstätte Tierpark Psychosoziale Initiative Moabit e.V. Waldstraße 6/7, 10551 Berlin Tel. 39731323

Treptow-Köpenick Psychosoziale KBS, ajb gmbh Thomas-Müntzer-Straße 6, 12489 Berlin Tel. 6715010/-11

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Friedrichshain-Kreuzberg Beschäftigungstagesstätte Friedrichshain Lebenswelten e.V. Ebertystraße 54, 10249 Berlin Tel. 4275687 Psychiatrisches Tageszentrum Kreuzberg, UNIONHILFSWERK Waldemarstraße 33, 10999 Berlin Tel. 61658422 Pankow Tagesstätte Pankow, Albatros e.V. Siegfriedstraße 14, 13156 Berlin Tel. 4752251 Trocken-Raum – Beschäftigungstagesstätte für chronisch Alkoholkranke Freie Demokratische Wohlfahrt e.V. Bernhard-Lichtenberg-Straße 3, 10407 Berlin Tel. 4288989 Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen Kaspar-Hauser-Therapeutikum gGmbH Platanenstraße 114, 13156 Berlin Tel. 912077843 Tageszentrum Leolo, prenzlkomm gGmbH Winsstraße 32, 10405 Berlin Tel. 4428080 Beschäftigungstagesstätte für psychisch Kranke und Suchtkranke, WIB e.V. Nornenweg 3, 13088 Berlin Tel. 9267404 Charlottenburg-Wilmersdorf Beschäftigungstagesstätte Wilmersdorf, PBAM e.V. Holsteinische Straße 38 II, 10717 Berlin Tel. 86313133 Beschäftigungstagesstätte für Suchtkranke, Platane 19 e.V. Schlossstraße 12, 14059 Berlin Tel. 3254560 Tagesstätte, Platane 19 e.V. Knobelsdorffstraße 15, 14059 Berlin Tel. 32090445

Tageszentrum, Pinel gGmbH Johannisberger Straße 64, 14197 Berlin Tel. 82703521 Spandau Tagesstätte Remise, Lebenswelten e.V. Grunewaldstraße 3/4, 13597 Berlin Tel. 3311161 Steglitz-Zehlendorf Tageszentrum, Perspektive Zehlendorf e.V. Königstraße 42, 14163 Berlin Tel. 80906149/84582102 Beschäftigungstagesstätte für psychisch Kranke, Reha-Steglitz gGmbH Albrechtstraße 15, 12167 Berlin Tel. 7929020 Beschäftigungstagesstätte für psychisch Kranke, Reha-Steglitz gGmbH Kamenzer Damm 1, 12249 Berlin Tel. 76679776 Tempelhof-Schöneberg Beschäftigungstagesstätte für Alkoholabhängige, PBAM e.V. Crellestraße 42a, 10827 Berlin 	 Tel. 7815633 Kontaktstelle Treffpunkt im S-Bahnhof Schöneberg, Pinel gGmbH Ebersstraße 67, 10827 Berlin Tel. 78792910 Tagesstätte für Alkoholabhängige, PBAM e.V. Rathausstraße 77, 12105 Berlin Tel. 70781626 Neukölln Psychiatrisches Tageszentrum Neukölln, UNIONHILFSWERK Donaustraße 83, 12053 Berlin Tel. 68408890 Beschäftigungstagesstätte VIA Verbund gGmbH Bruno-Bauer-Straße 10, 12051Berlin Tel.62844849 Tagesstätte, ZeitRaum gGmbH Braunschweiger Straße 14, 12055 Berlin Tel. 66648420

Treptow-Köpenick Beschäftigungstagesstätte, Das fünfte Rad e.V. Mahlsdorfer Straße 3-6, 12555 Berlin Tel. 65890333 Beschäftigungsstätte Triathlon Märkisches Sozial- und Bildungswerk e.V. Wilhelminenhofstraße 79, 12459 Berlin Tel. 5350168 Psychiatrisches Tageszentrum Treptow, UNIONHILFSWERK Winkelmannstraße 78a, 12487 Berlin Tel. 63977769 / 63979532 Marzahn-Hellersdorf Tagesstätte Parabel, Lebensnähe gGmbH Allee der Kosmonauten 67, 12681 Berlin Tel. 5436983 Beschäftigungstagesstätte für psychisch Kranke, MITTENDRIN in Hellersdorf e.V. Albert-Kuntz-Straße 46-48, 12627 Berlin Tel. 9989142 Tagesstätte für Suchtkranke, Wuhletal gGmbH Alt-Marzahn 31, 12685 Berlin Tel. 549799607 Das Floß, Tagesstätte für psychisch Kranke Wuhletal gGmbH Martin-Riesenburger-Straße 28a, 12627 Berlin Tel. 99284463 Lichtenberg Tagesstätte Lichtenberg, Albatros e.V. Gundelfingerstraße 52, 10318 Berlin Tel. 50378024 Beschäftigungstagesstätte Hohenschönhausen Pinel gGmbH Große-Leegestraße 97/98, 13055 Berlin Tel. 98196240

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Reinickendorf Tageszentrum Alt-Reinickendorf Albatros e.V. Alt-Reinickendorfer Straße 33, 13407 Berlin Tel. 4985733 Tageszentrum Tegel-Süd, Albatros e.V. Sterkrader Straße 45, 13507 Berlin Tel. 4352370 Tageszentrum Waidmannslust, Albatros e.V. Waidmannsluster Damm 174, 13469 Berlin Tel. 4115178

Lebenswelten e.V. Ebertystraße 54, 10249 Berlin Tel. 4275607 Pankow ZV Pankow, Albatros e.V. Alt-Buch 51, 13125 Berlin Tel. 94114136 VON ANDEREN, WIB e.V. Kollwitzstraße 92, 10435 Berlin Tel. 4459158 Charlottenburg-Wilmersdorf Café/Restaurant WEISSER ELEFANT PAWIAN gGmbH Wegnerstraße 1-2, 10713 Berlin Tel. 86409306 Beschäftigungsinitiative, Pinel gGmbH Joachimstaler Straße 14, 10719 Berlin Tel. 887276819 Platane 19 gGmbH Knobelsdorffstraße 15, 14059 Berlin Tel. 3209040 Spandau ZV Spandau Freundeskreis Integrative Dienste e.V. Pichelsdorfer Straße 131-133, 13595 Berlin Tel. 3330126/-88 Steglitz-Zehlendorf Aladin Zuverdienst Perspektive Zehlendorf e.V. Teltower Damm 118-122, 14167 Berlin Tel. 84582102 Beschäftigungszentrum ZV, Pinel gGmbH Johannisberger Straße 64, 14197 Berlin Tel. 89747609/221922710 Gastronomie, Handwerkliche Dienste Reha-Steglitz gGmbH Albrechtstraße 15, 12167 Berlin Tel. 7929020 Das Saitenschiff, Reha-Steglitz gGmbH Bergstraße 1, 12169 Berlin Tel. 319805151

Tempelhof-Schöneberg Café Kurve, Die Kurve e.V. Friedrich-Wilhelm-Straße 22, 12103 Berlin Tel. 76586342 KommRum, KommRum e.V. Schnackenburgstraße 4, 12159 Berlin Tel. 8519025 Tageszentrum Schöneberg, Pinel gGmbH Ebersstraße 67, 10827 Berlin Tel. 78792910 Tageszentrum Kamenzer Damm Reha-Steglitz gGmbH Kamenzer Damm 1a, 12249 Berlin Tel. 76679776 Neukölln Cafeteria im Vivantes Wenckebach Klinikum Die Kurve e.V. Wenckebachstraße 23, 12099 Berlin Tel. 76007259/68894690 Zuverdienstwerkstatt, UNIONHILFSWERK Donaustraße 83, 12043Berlin Tel. 68894690 Treptow-Köpenick Secondhand Kinderkram, ajb gmbh Thomas-Müntzer-Straße 6, 12489 Berlin Tel. 6711715 Zuverdienstwerkstatt, Das fünfte Rad e.V. Mahlsdorfer Straße 3-6, 12555 Berlin Tel. 65890331 Marzahn-Hellersdorf Lebensnähe gGmbH Allee der Kosmonauten 67, 12681 Berlin Tel. 54396627 MITTENDRIN in Hellersdorf e.V. Hellersdorfer Promenade 19, 12627 Berlin Tel. 5667949 Die Wuhlmäuse, Wuhletal gGmbH Alt-Marzahn 31, 12685 Berlin Tel. 549799603

Zuverdienst
Mitte Angebotszentrum Allgemeinpsychiatrie, Zuverdienst, DIE REHA – WOHNEN UND FREIZEIT e.V. Weydemeyerstraße 2-2a, 10178 Berlin Tel. 81856678 Die Boten, Die Biber, Pronto, KBS e.V. Nordbahnstraße 17, 13359 Berlin Tel. 4658744 Koordination ZV, KBS e.V. Malplaquetstraße 32, 13347 Berlin Tel. 4553090 prenzlkomm gGmbH Schönhauser Allee 161a, 10435 Berlin Tel. 44023840 Tageszentrum Tiergarten Psychosoziale Initiative Moabit e.V. Waldstraße 6/7, 10551Berlin Tel. 39875012 Friedrichshain-Kreuzberg ZV Kreativbereich, ajb gmbh Prinzessinnenstraße 16, 10969 Berlin Tel. 61658782 ZV Wäscherei & Schneiderei, Hausmeisterei, Bibliothek, Elektro, ajb gmbh Kottbusser Damm 79a, 10967 Berlin Tel. 69597034 / 6959700

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Lichtenberg ZV Lichtenberg, Albatros e.V. Gundelfinger Straße 52, 10318 Berlin Tel. 50378025 ZV Lichtenberg, Albatros e.V. Dönhoffstraße 36a, 10318 Berlin Tel. 98313000 ZV Tegel-Süd, Albatros e.V. Sterkrader Straße 45, 13507 Berlin Tel. 43555367 Reinickendorf Arbeit und Qualifizierung, Albatros e.V. Berliner Straße 14, 13507 Berlin Tel. 319831101 Botendienst, ZV Waidmannslust Albatros e.V. Waidmannsluster Damm 174, 13469 Berlin Tel. 4141324 / 4115178 Textilwerkstatt, Albatros e.V. Brunowstraße 15, 13507 Berlin Tel. 4346269
Alle Anbieter von Zuverdienst und weitere Informationen finden Sie unter www.soziale-unternehmen-berlin.de

Beratungsstellen für Alkohol- und Medikamentenabhängige, PBAM e.V. Holsteinische Straße 38, 10717 Berlin Tel. 23621333 Spandau Alkohol- und Medikamentenberatung Spandau, vista gGmbH Carl-Schurz-Straße 31, 13597 Berlin Tel. 34800948 Tempelhof-Schöneberg Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Abhängige, PBAM e.V. Goebenstraße 8, 10783 Berlin Tel. 2165008 Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Abhängige, PBAM e.V. Kurfürstenstraße 43, 12105 Berlin Tel. 70093991 fam Beratungs- und Behandlungsstelle, La Vida gGmbH Merseburger Straße 3, 10823 Berlin Tel. 7828989 Neukölln Confamilia, vista gGmbH Lahnstraße 84, 12055 Berlin Tel. 689772900 Guttemplerhaus Guttempler in Berlin-Brandenburg e.V. Wildenbruchstraße 80, 12045 Berlin Tel. 68237621 Treptow-Köpenick Beratungsstelle für Suchtkranke im Stadtbezirk Treptow-Köpenick Johannisches Sozialwerk e.V. Parrisiusstraße 23, 12555 Berlin Tel. 65070080 Suchtberatung Treptow MUT Gesellschaft für Gesundheit mbH Südostallee 134 (Haus 6, 1. OG), 12487 Berlin Tel. 53218860 Marzahn-Hellersdorf Sucht- und Beratungsstelle MarzahnHellersdorf, Wuhletal gGmbH Alt-Marzahn 59, 12685 Berlin Tel. 5498863

Jugend- und Suchtberatung MarzahnHellersdorf, vista gGmbH Helene-Weigel-Platz 10, 12681 Berlin Tel. 5456945 russischsprachige Beratung: Tel. 44726031

Psychiatrische Pflege
Ambulante Alternative, Pinel gGmbH Haus der PARITÄT, Tucholskystraße 11, 10117 Berlin Tel. 86307470 FELIX Pflegeteam gGmbH in Kooperation mit Platane 19 e.V. Wiesenstraße 16, 13357 Berlin Tel. 6918033 Reha-Steglitz gGmbH Bergstraße 1, 12169 Berlin Tel. 319805100 Träger gGmbH Alt-Reinickendorf 45, 13407 Berlin Tel. 4963076 	 VIA Pflege gemeinnützige GmbH Schönhauser Allee 175, 10119 Berlin Tel. 44354600

Beratungsstellen für alkoholund medikamentenabhängige Menschen - BAM
Mitte Zentrum für integrative Suchthilfe Ambulante Suchtberatung Mitte vista gGmbH Stromstraße 47, 10551 Berlin Tel. 224451100 Pankow Alkohol- und Drogenberatung Pankow, vista gGmbH Buchholzer Straße 8, 10437 Berlin Tel. 4471110 Charlottenburg-Wilmersdorf Die Gierkezeile, Alkohol- und Medikamentenberatung, Ambulante Suchttherapie, vista gGmbH Gierkezeile 39, 10585 Berlin Tel. 34800948
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Soziotherapie
Einen Übersichtsflyer zu Anbietern von Soziotherapie erhalten Sie bei Patrizia Di Tolla Referat Psychiatrie/Queere Lebensweisen, PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. ditolla@paritaet-berlin.de

Krisenangebot
Berliner Krisendienst Tel. 39063-10 bis 39063-90 www.berliner-krisendienst.de

Qualitätsprozesse in der psychiatrischen Versorgung

Qualitätsentwicklung im Bereich vergütungsfinanzierter Einrichtungen und Dienste nach SGB XII
Im Jahre 2002 entschieden die Träger von betreutem Wohnen, Heimen und Tagesstätten des Psychiatriebereiches im Rahmen des SGB XII, die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems nach DIN-ISO-Norm voranzutreiben. Dazu hatte die Bewertung von Entwicklungen geführt, die nach der Verpflichtung zu einem Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001:2000 ff. im Pflege-Bereich eingetreten waren. Das Referat Psychiatrie/Queere Lebensweisen schlug die Gründung einer „Qualitätsgemeinschaft Psychiatrie“ vor, an der etwa die Hälfte der tätigen Träger teilnahm. 28 Träger gründeten die Qualitätsgemeinschaft und bildeten Arbeitsgruppen, so genannte „Trägerverbünde“, um das Qualitätsmanagement aufzubauen. Mit Abschluss meiner Ausbildung als Qualitätsmanagementbeauftragte nach DIN ISO und dem Ausbildungsbeginn zur TQM-Auditorin (die ich 2003 abschloss) waren die Kompetenzen zur Begleitung der Träger im Referat vorhanden. Folgende Zielsetzungen der Qualitätsgemeinschaft hatten Priorität: 1. Transparenz bei Leistungserbringung für Kostenträger und Klienten 2. Optimierung und Effizienzsteigerung bei den Arbeitsleistungen 3. prägnante Dokumentation für Fachverwaltung und Politik 4. Vorbereitung auf mögliche zukünftige Verpflichtungen zu Qualitätsmanagementsystemen in gesetzlicher Regelung des SGB XII Nicht alle Träger wollten eine Zertifizierung auf der Basis der DIN EN ISO 9001:2000 ff. erreichen. Viele Träger setzten sich eine so genannte „Zertifizierungsreife“ zum Ziel. Gründe gegen eine Zertifizierung waren: Zu hohe Kosten und keine Finanzierung im Rahmen der Leistungsvergütungen. Weitere positive Ergebnisse der Zusammenarbeit in Trägerverbünden sollten eine stärkere Vernetzung und Kooperation der Mitglieder in den Regionen, die Durchführung von kleinen Benchmarking-Projekten und natürlich Synergieeffekte sein. Der Schwerpunkt der Kundenorientierung, der in der neuen DIN-ISO-Norm inzwischen fest verankert ist, war ebenfalls ein Schwerpunkt der Arbeit in der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen. Ein stringentes, gut funktionierendes Beschwerdemanagement sollte ebenfalls implementiert werden. Wo stehen wir heute? Im Oktober 2008 befragte das Referat Psychiatrie die Mitglieder der Qualitätsgemeinschaft. 34 Träger antworteten, neun davon waren schon nach DIN EN ISO 9001:2000 ff. zertifiziert. Mehrere Träger haben eine Zertifizierungsreife erreicht, möchten aber keine Zertifizierung vornehmen. Fünf Träger überlegen, ob sie ein Testat nach PQSys (das System des PARITÄTISCHEN zur Einführung von Qualitätsmanagement) mit den entsprechenden Audits anstreben sollten. Was sind die bisher wichtigsten Verbesserungen, die in der Arbeit mit den Menschen in den Einrichtungen durch Einführung des Qualitätsmanagementsystems eingetreten sind? Bei allen diesen Trägern ist ein Beschwerdemanagement eingeführt worden. Zusätzlich wurde die Kundenzufriedenheit erfragt, und diese ist auf der Basis der eingeführten Systeme messbar. Die Träger sind in ihren Einrichtungen und Diensten auf mögliche Prüfungen nach SGB XII § 75 ff. zur Kontrolle der Leistungserbringung am besten vorbereitet. Die Diskussion zwischen den Trägern über die Arbeit basiert inzwischen auf konkreten Vergleichen von Projekten. Dies auch deshalb, weil mehrere Träger einen „Auditpool“ eingerichtet haben, bei dem Auditoren von mehreren Organisationen zusammenarbeiten und die Audits in den anderen Trägern durchführen. Natürlich hat das Qualitätsmanagementsystem eine allgemeine Verbesserung der Leistungen an Klienten und Hilfeempfängern herbeigeführt, weil die Handlungen durch die Beschreibung der Abläufe bei allen Mitarbeitern bewusster geworden sind. Daher können diese überprüft und verbessert werden. Außerdem sind heute die Einrichtungen und Dienste der Psychiatrie auch auf Grund ihrer ähnlichen Qualitätssysteme weitgehend vergleichbar. Noch heute, wie aus den zwei folgenden Beiträgen zum Qualitätsmanagement zu lesen ist, führen wir die Diskussion, ob die DIN-ISO-Norm, die bei den meisten der Träger im Psychiatriebereich Berlins als Grundlage angewandt wird, tatsächlich eine geeignete Systematik zur Erfassung von Qualität in den Einrichtungen und Diensten der Psychiatrie bietet. Als externe TQM-Auditorin bin ich weiterhin der Meinung: Es ist mit der DIN-ISO-Norm möglich, „Leistungen an den Menschen“ abzubilden! Man kann sehr wohl deren Abläufe genau beschreiben, dokumentieren und in der Diskussion mit den Kunden, den „Leistungsempfängern“ eine kontinuierliche Verbesserung anstreben und praktisch durchführen.
Patrizia Di Tolla
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Diskussion 
Pro: Die Qualität der ISO 9001:2000
Christian Reumschüssel-Wienert In der Psychiatrie genießt die ISO 9001:2000 einen zweifelhaften Ruf: Man könne damit zwar die Betonschwimmweste eines Pinguins als Qualität ausgeben, diese Norm aber gerade deshalb unmöglich auf die Psychiatrie anwenden. Derartige Aussagen treffen nicht den Kern, sondern drücken die Unwissenheit des Sprechers aus. Deshalb versuche ich, die Vorteile der ISO für die Gestaltung von Qualitätsmanagementsystemen herauszustellen: Qualität ist die Gesamtheit von Merkmalen (und Merkmalswerten) einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgesetzte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen. Qualität wendet sich damit von dem alten, rein auf Kundenerfordernisse hin formulierten Qualitätsbegriff ab und bezieht sich auf eine gesamte Organisation in ihrer Veränderlichkeit. Die ISO definiert nicht die Qualität einer einzelnen Leistung und schon gar nicht einer Beziehung. Sie definiert eine Ebene höher Anforderungen im Hinblick auf QM-Systeme, also der Systeme, mit deren Hilfe man die Qualität einer Leistung oder auch Beziehung beschreiben kann, etwa eine Verfahrensanweisung wie den „Leitfaden zur Erstellung des BRP“. Die ISO formuliert damit einen Standard zur Gestaltung von QM-Systemen, und dies auf fundierte Art und Weise: Sie verfährt nach einem differenzierten Systemansatz, der einerseits sehr umfassend, andererseits jedoch so offen ist, dass er hinreichende Gestaltungsräume für unterschiedliche Organisationsformen liefert. Und die ISO formuliert für unterschiedliche Systemdimensionen verbindliche Anforderungen, die Organisationen erfüllen müssen. Einige dieser Anforderungen möchte ich darstellen: Vermittelt durch die ISO1 sind Organi22 www.der-paritaetische.de 3 | 2009

sationen angehalten, Aussagen über ihr Leitbild (5.1), ihre Qualitätspolitik(5.3) und konzeptionelle Grundlagen zu treffen. Hier kann (und muss) eine Organisation darstellen, ob sie personenzentriert oder Recoveryorientiert arbeiten will, welche Haltung sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber ihren Klientinnen und Klienten nahe legt. Oder: Nutzt die Organisation den BRP? Welche methodischen Ansätze (7.2, 7.5) liegen ihrer Arbeit zugrunde? Entscheidend ist hier, dass die Organisation verpflichtet wird, die Qualität der Leistungen ständig zu entwickeln. Ohne die hierbei entscheidende Einbindung der obersten Leitung ist Qualität nur eine leere Hülle. Was bedeutet das im Einzelnen? 1. Die jeweiligen Kompetenzverteilungen im Organigramm müssen schriftlich dargelegt werden (5.5.1). Zum Beispiel: Wer macht den klientenzentrierten BRP? Welche Dinge regelt eine Bezugsperson und welche nicht? Wie sind interne Kommunikation und Besprechungswesen (5.5.3) geregelt? 2. Wichtig ist auch, welche Ressourcen die Organisation zur Leistungserbringung vorhält (6.1). Das reicht von den beteiligten Berufsgruppen (zum Beispiel multidisziplinäre Teams) bis hin zu Stellenbeschreibungen (6.2.1) oder Fortbildungen (6.2.2). 3. Die Beschreibung von Kernprozessen (7) steht im Mittelpunkt: Welche Leistungen werden mit welchem Ziel, mit welchem Auftrag erbracht? Hier wird etwa geregelt, wie Aufnahmeprozesse verlaufen, welche Standards im Leistungsprozess gelten (etwa bei auftretenden Krisen), wie Rückkopplungsprozesse verlaufen sollen (Evaluationen) oder wie Klientinnen und Klienten die Organisation wieder verlassen. 4. Ein weiterer Schwerpunkt der regelungsbedürftigen Dinge sind die Rückmeldungen des Umfeldes an die Organisation. Das betrifft in erster Linie das Beschwerdewesen (7.2.3) und die Ermittlung der Kundenzufriedenheit

(8.1, 8.2, 8.4). Auch die Rückmeldungen der Mitarbeiterzufriedenheit oder von Kooperationspartnern und innerhalb des Netzwerkes sollen berücksichtigt werden. 5. Last not least soll die Organisation regeln, wie sie mit Fehlern (soll es geben!) und mit Verbesserungsvorschlägen umgeht (8.3, 8.5). Welche Maßnahmen trifft sie? Welche Innovationsprojekte veranstaltet sie zur Einführung neuer therapeutischer Programme (Qualitätszirkel, Projektgruppen usw.)? In ihrer Gesamtheit stellt die ISO somit eine Folie dar, die für eine psychiatrische Organisation vieles ermöglicht: Sie dient zur Selbstvergewisserung im Sinne einer Klärung ihrer Ziele und Ressourcen, Strukturen und Prozesse sowie der Ergebnisse und ihres Lernvermögens. Die schriftliche Darstellung dient zur Vergewisserung dessen, was sie will, kann und wie sich verändern will. Damit ist die ISO auch ein sich ständig verändernder Ausgangspunkt für Selbstreflexion und inhaltlicher Veränderung. Das ist ein großer Vorteil! Die Darstellung des QM-Systems nach außen ist dabei lediglich ein Nebeneffekt 2 – es sei denn, die Organisation agiert in expliziten Verbundsystemen. Hier kann der gemeinsame Bezug auf die ISO weitere strategisch wichtige Vorteile entfalten. Sie bietet einen vergleichbaren Rahmen für die Gestaltung von QM-Systemen im Sinne von Metastandards auf Verbundebene in zweierlei Hinsicht: Anhand der ISO können einerseits strukturell ähnliche QM-Systeme (Handbücher) oder bestimmte Verfahren und Standards der Leistungserbringung entwickelt werden. Zweitens wird eine strukturelle Vergleichbarkeit von Organisationen hergestellt, die ein Erkennen notwendig unterschiedlicher Leitbildern, Konzepte, Standards und den Erfüllungsgrad derselben – auch im Sinne von Benchmarking – ermöglicht. Gerade das Erkennen ist ungemein wichtig! Insbesondere externen Auditoren (Be-

suchskommissionen etc.) stellt die ISO ein umfassendes Instrumentarium zur Verfügung. Es erlaubt ihnen, Fragen zu stellen, Strukturen und Prozesse zu ermitteln und zu bewerten, die für die Qualität der Hilfeleistungen von großer Bedeutung sind. Zugleich kommen sie nicht voluntaristisch daher, sondern beziehen sich auf ein methodisch abgesichertes Fundament. Fazit: Die ISO 9001: 2000, nun in ihrer Fassung von 2008 vorliegend, kann nur wärmstens empfohlen werden!
Christian Reumschüssel-Wienert ist Soziologe, Sozialwirt und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. Er ist als Leiter des QM und Entwicklung Psychiatrie in der VIA Verbund für Integrative Angebote Berlin gemeinnützigen GmbH tätig.

sich durch: Je mehr Anbieter sich freiwillig oder gezwungen dieser Logik unterwerfen, desto selbstverständlicher wird das QMS im psychosozialen Bereich – zunächst als Option, dann als Selbstverständlichkeit, schließlich als Vertragskriterium, hinter das kein Anbieter mehr zurück kann. Was an dieser Stelle interessieren soll, ist die Situation in der Trägerlandschaft der ambulanten psychiatrischen Versorgung in Berlin. Hier gibt es ein buntes, kreatives und äußerst vielfältiges Leistungsangebot, das sich zum weitaus größten Teil unter dem Dach des PARITÄTISCHEN versammelt hat. Eine solche Kräftesammlung ist eine hervorragende Chance, gemeinsam vorzugehen, wie unser Verband und seine entsprechende Fachgruppe in den letzten Jahren oftmals zeigen konnten. Viele Neuerungen und manche Budgetverhandlung wären sonst anders verlaufen. Für die Frage der Qualität der Arbeit wurde diese Chance jedoch leichtfertig vertan. Eine fachliche Debatte über die inhaltliche Arbeit wurde vernachlässigt, die Idee gemeinsamer Leistungs und Qualitätsstandards nie wirklich ins Auge gefasst. Die gesetzlichen Notwendigkeiten, einen expliziten Fokus auf das Thema Qualität zu richten, erzwingen ja nicht ein formales QM-System, sondern intendieren tatsächliche Qualitätsnachweise und die Logik der Qualitätsverbesserung. Wie leicht hätte man diese Anforderungen in einer Festlegung gemeinsamer Qualitätsstandards für „gute Arbeit in der ambulanten Sozialpsychiatrie“ erfüllen können. Und wie überzeugend! Denn eine Aufzählung von und Selbstverpflichtung zu tatsächlichen inhaltlichen Qualitätsstandards wäre für Nutzer der Angebote und Angehörige, für interessierte Laien wie Profis, selbst für die Verwaltungsbeamten beim Kostenträger ein wirkliches Maß, an dem die Angebotsqualität zu messen ist. Der Rückgriff auf formalisierte QMLogiken wie der ISO 9000, den unsere Fachgruppe im PARITÄTISCHEN schon frühzeitig vollzogen hat, ist aus

meiner Sicht ein gravierender Fehler. Und die Tatsache, dass die Paritätische Akademie in den letzten Jahren ein umfangreiches Aus- und Fortbildungsprogramm in diesem Bereich aufgebaut hat, ist für die objektive Wahl des angemessenen Vorgehens nicht unbedingt förderlich. Formalisierte QMSysteme sind schließlich ein neuer, lukrativer und für den Anwender teurer Fortbildungsmarkt. Jeder Träger, der seine Mitarbeiter entlang dieser QMS-Logik zu Auditoren oder Qualitätsmanagementbeauftragten hat fortbilden lassen oder sich den Mühen einer Zertifizierung unterzogen hat, kann das leicht bestätigen. Sicher gibt es Unternehmen, die aus dem QM-System Nutzen zu ziehen vermögen und bei denen die Einführung eines solchen Systems auch inhaltliche Qualität fördert. Ein QMS ist kein Wert an sich, sondern entscheidet sich daran, wofür es eingesetzt wird. Man kann es einsetzen zur inhaltsleeren Effektivierung und Standardisierung von Abläufen, für Kürzungen und Marktbereinigungen. Man kann es aber auch einsetzen zur Organisationsentwicklung, insbesondere zur Entwicklung von inhaltlichen Standards. Für relativ große Träger wie die Pinel gGmbH oder die ajb gmbh, für die ich jahrelang als QMB tätig war bzw. bin, kann bei ihren sehr vielfältigen Angeboten eine formale Bestimmung und Ordnung von Abläufen, eine Systematisierung von Dokumenten, Verfahren und die fortwährende (Meta-)Begleitung der Arbeit in Qualitätszirkeln und intervidierenden Audits sinnvoll sein. Vorausgesetzt, die Geschäftsleitung selbst hat sich diese Logik zu Eigen gemacht. Wobei auch hier faktisch vor Ort noch zu zeigen ist, ob wirklich gute und verbesserte Arbeit dabei herauskommt! Aber wie viel Sinn macht die Einführung solcher Verfahren bei den vielen kleineren Trägern und bei den mir so häufig begegnenden Widerständen auf der Leitungsebene – nicht auf der proklamierten, aber auf der faktisch umgesetzten Ebene? Sicher gibt es „abgespeckte“ Verfahren für kleinere Unterwww.der-paritaetische.de 3 | 2009 23

1) entsprechende Gliederungsnummern der ISO in Klammern 2) Ich betrachte eine Zertifizierung unter fachlichen Gesichtspunkten als Nebeneffekt.

Contra: Ist ISO die geeignete Struktur, um Qualität voranzubringen?
Dr. Thomas Floeth Die allgemeinen Gegenargumente gegen formale QM-Systeme wie das der ISO 9001ff. in den Debatten der letzten Jahre, etwa im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie DGSP, setzte ich als bekannt voraus. Blähen wir mit solch aufwendigen Verfahren nicht massiv indirekte Arbeit auf? Verwaltung und Berichterstattung auf Kosten der direkten Betreuungsarbeit? Ist die Übernahme der aus der industriellen Fertigung heraus entwickelten QM-Logik trotz all ihrer Modifikationen und Anpassungen für die Arbeit im sozialen Bereich wirklich angemessen? Aus meiner Sicht sind diese Fragen bis heute nicht geklärt. Aber die Macht des Faktischen setzt

nehmen und mit etwas Glück findet man – wie bei Pinel und ajb – externe QM-Berater und Fortbilder, die ein System möglichst nah an den Erfordernissen des unternehmenseigenen Arbeitsalltag unterstützen. Aber mir sind eben schon viele, gerade auch kleinere Unternehmen begegnet, die nicht dieses Glück hatten; die Arbeitszeit und Finanzen in einen Aufwand investierten, der in keinem Verhältnis zur Größe des Unternehmens und zum Ergebnis stand und steht. Verbunden mit einem „gedeckelten“ Budget bei kalt-

blütig einkalkulierter Fallsteigerung ergibt dies ein äußerst bedenkliches Bild: für die Arbeitbelastung der Mitarbeiter und die faktisch am Nutzer erbrachten Leistungen. Dabei sind ja auch ganz andere Modelle wie Best Praxis bekannt, die für kleine Träger geeigneter wären. Meines Erachtens ist es die Aufgabe eines Dachverbandes, unter seinen Leistungsanbietern die Entwicklung gemeinsamer Standards voranzutreiben und diese dann auch festzulegen, nicht aber, einseitig für QM-Systeme zu votieren.

Fazit: Warum sollten sich die Berliner Psychiatrie-Versorger unter dem Dach des PARITÄTISCHEN unisono einer solchen Prozedur, um nicht zu sagen Tortur des QMS nach DIN ISO unterziehen? Sicher nicht, um die Qualität der inhaltlichen Arbeit zu fördern!

Dr. Thomas Floeth ist Soziologe und im Bereich Organisationsentwicklung und -beratung tätig.

Das persönliche Budget in der psychiatrischen Versorgung

Persönliche Budgets für seelisch behinderte Menschen in Berlin.
Ein Resümee
Persönliche Budgets stellen dort, wo vor allem stationäre Angebote vorhanden sind, eine Möglichkeit für Betroffene dar, Hilfen im eigenen Lebensumfeld und nicht im Heim zu erhalten. Daher sind wir als Referat Psychiatrie im PARITÄTISCHEN Landesverband Berlin dafür, dass mit dem Persönlichen Budget eine neue Leistungsform auch für seelisch Behinderte eingeführt und die Selbstbestimmung der Betroffenen gestärkt wird! Was geschieht aber dort, wo Leistungen nach SGB XII §75ff. besonders flexibel und ambulant organisiert sind? Die Berliner Psychiatrie führte 2000 die personenzentrierte Hilfe ein. Das heißt, in den Einrichtungen und Diensten erhalten die Klienten ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Angebotspaket. Welche Hilfen in welchem Maße und in welcher Einrichtung, legt der Behandlungs- und Rehabilitationsplan (BRP) fest, der zusammen mit Betroffenen, Leistungsträgern, Leistungserbringern bzw. Kostenträgern erarbeitet wird. Ohne Beteiligung und Unterschrift der Betroffenen ist der BRP nur in Ausnahmefällen gültig.
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Die Angebote für seelisch Behinderte sind in Berlin zu über 80 Prozent ambulant. Alle sechs Leistungstypen beinhalten betreutes Wohnen (Gruppenund Einzelwohnen) sowie den teilstationären Tagesstättenbereich. Unabhängig vom Leistungstyp werden alle Leistungsangebote in zwölf Hilfebedarfsgruppen angeboten. Niemand ist gezwungen, in einem bestimmten Leistungstyp zu wohnen, um entsprechende Angebote zu erhalten. Doppelangebote (Wohnen und Tagesstätte) sind ebenfalls möglich. Das System basiert auf einer Zeitwertsystematik: Jede Hilfebedarfsgruppe sieht Zeitkontingente für Leistungen vor. Die Feststellung der Hilfebedarfsgruppe, welche Einrichtung den Klienten betreut und welche Leistung er erhält, wird in der Steuerungsrunde oder Fallkonferenz im Bezirk beraten und beschlossen. Die Beteiligung des Betroffenen an der Steuerungsrunde ist zwar verbesserungsbedürftig, aber auf jeden Fall wird er im Rahmen des BRP direkt beteiligt. Wir können heute sagen, dass die Mehrheit der Betroffenen mit der per-

sonenzentrierten Hilfe zufrieden ist. Dies bestätigte eine unabhängige Evaluation durch ein betroffenenkontrolliertes Team des Vereins Für alle Fälle e.V. Zurück zum Thema „Persönliches Budget“: Wie unterscheiden sich Leistungen für seelisch Behinderte nach dem Persönlichen Budget von Leistungen der Einrichtungen und Dienste nach SGB XII §75ff.? Welche weiteren Angebote ermöglicht das Persönliche Budget? Wie stärkt es die Wahlmöglichkeiten der Betroffenen? Um es deutlich zu sagen: Bei der Anwendung des Persönlichen Budgets im Bereich seelisch Behinderter in Berlin geschieht in der Mehrzahl der Fälle nichts anderes als die Bewilligung alter Leistungen unter neuen Namen und Bedingungen – und vor allem mit erheblich niedrigeren Preisen! Und um welche Leistungen geht es? Vorwiegend um Eingliederungshilfe: Einzelfallhilfe, Nachsorgemaßnahmen, Gruppen- und Einzelgespräche – und dies meist in Einrichtungen und

Henry Schönhardt: Karl Kugelbauch Galerie ART CRU

Diensten nach SGB XII §75. Immerhin wurde Budgetnehmern an einigen Stellen etwas „ganz Neues“ zugebilligt, und zwar die Möglichkeit, ihm zustehende Budgetreste z.B. für sportliche Aktivitäten zu nutzen. Ich verstehe das Persönliche Budget anders – nämlich als weitergehende Möglichkeit für Betroffene, die etwas anderes brauchen als das, was bestehende Einrichtungen und Dienste an-

bieten, oder als Möglichkeit, diese Leistungen je nach Bedarf abrufen zu können. Im Kontakt mit Betroffenen, die offen und selbstbewusst mit ihrer seelischen Behinderung umgehen, merke ich, welche Hilfeangebote sie sich wünschen und die wir im Rahmen von SGB XII §75 nicht bereitstellen. Eine Frau, die ich kenne, lebt seit Jahren ohne Psychopharmaka und kann ihre Krisen selbst bewältigen: Sie wünscht eine homöopathische Behandlung, die begleitend zu ihren eigenen Kriseninterventionsmaßnamen zur Stabilisierung ihrer psychischen Gesundheit beitragen könnte. Eine andere Betroffene kann ohne Eingliederungshilfe Monate lang ihren Alltag bewältigen, braucht aber in Krisensituationen – und nur dann – eine Einzelbetreuung in ihrer Wohnung. Und dies anhand von Betreuungsvereinbarungen, in denen mit ihr eine Verfahrensweise für Krisensituationen und die Medikamentenplanung abgestimmt wird. Sie möchte nicht in die psychiatrische Klinik gehen. „Krisenpension“ ist ein Projekt, das im Trialog von Professionellen (unter anderem die Pinel gGmbH) und Betroffenenorganisationen (BOPP e.V. und ApK Landesverband Berlin e.V.) durchgeführt wird. Es bietet Krisenhilfe an: Betroffene in der Krise können in eine Krisenwohnung gehen. Dort werden sie von Ärzten und Psychiatrie-Erfahrenen begleitet. Dieses ehrenamtliche Projekt könnte erweitert werden, wenn interessierten Betroffenen ein Persön-

liches Budget bewilligt würde! Hilfemöglichkeiten, die Betroffenen einen flexibleren Umgang mit Krisen anbieten könnten, ohne den Klinikaufenthalt zu erzwingen, sind nicht ausgebaut. Dies war ein Ergebnis der betroffenenkontrollierten Forschung: Betroffene meinten, dass sie in Krisen viel zu schnell in die Klinik kämen. Die Möglichkeit einer Tag- und Nachtbetreuung wäre die einzige Alternative und im Rahmen des Persönlichen Budgets sehr wohl möglich. Zusammengefasst: Je vielfältiger, je flexibler Hilfeangebote sind, desto weniger wird das Persönliche Budget genutzt werden. Eine sinnvolle Chance, das Persönliche Budget seelisch Behinderten neben dem differenzierten und personenzentrierten Hilfesystem anzubieten, besteht darin, fortschrittlichere und zukunftsweisende Wege zu beschreiten. Mehr Mut bei der Bewilligung betroffenen-bestimmter Hilfen könnte dazu führen, unsere Angebotspalette zu erweitern und qualitativ stark zu verbessern. Persönliche Budgets für seelisch Behinderte in Berlin dürfen jedoch nicht dazu missbraucht werden, die mit allen Akteuren abgestimmten Leistungsbeschreibungen, Qualitätskriterien, Dokumentationssystematiken und Vergütungen außer Kraft zu setzen! Wir müssen genau überlegen, welche Leistungen bereitgestellt werden können, die dringend gebraucht, jedoch bis heute weder existieren noch finanziert werden.
Patrizia Di Tolla

Aus Sicht der Betroffenen

Kritik an der Umsetzung des Trägerübergreifenden Persönlichen Budgets
Der Bundesverband Psychiatrie Erfahrener BPE e.V. und seine Landesorganisationen hegen die Hoffnung, dass mit der Einführung des Rechtsanspruches auf Trägerübergreifende Persönliche Budgets (TPB) und deren Umset-zung in Verbindung mit der UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderungen der gesetzlich verordnete Paradigmenwechsel stattfindet. Das Persönliche Budget ist auch im Sinne der Betroffenenbe-

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wegung ein Schritt in eine bessere Richtung: Doch diese trat für die meisten Budgetnehmer und -interessenten bislang leider nicht ein. Die Bewilligungs- und Umsetzungspraxis Persönlicher Budgets erfüllt nicht die Erwartungen und Forderungen der Psychiatrie-Betroffenenbewegung nach selbstbestimmter, selbstgewählter und selbstverwalteter Hilfe sowie nach Alternativen zu klassischen Behandlungsmethoden und dem psychosozialen Hilfe- und Helfersystem. Der Verlauf von Inanspruchnahme und Nutzung der neuen Leistungsform nährt Befürchtungen, Kostenträger könnten TPBs benutzen, um Sparprogramme umzusetzen. Es besteht großer Bedarf an unabhängiger Information in erster Linie unter Betroffenen. Aber auch Leistungsanbieter und Kostenträger sind nicht ausreichend ausgestattet mit Kenntnissen über das TPB und seine Handhabung. Die Haltung der Leistungsanbieter und Kostenträger gegenüber Personen, die sich für TPBs interessieren und entscheiden, stellt keine Förderung von Wunsch- und Wahlrecht, Selbstbestimmung, Rehabilitation und Teilhabe dar. Statt zu ermutigen, ein TPB zu beantragen, raten Leistungsanbieter und Kostenträger oft davon ab. Anträge werden ignoriert und nicht fristgerecht bearbeitet oder aber rechtswidrig abgelehnt mit dem Hinweis, nicht zuständig zu sein. Kostenträger und Leistungsanbieter scheinen von eigenen Interessen geleitet, die Betroffenen stehen nicht im Zentrum der Hilfe. Sie werden zermürbt durch den respektlosen Umgang mit ihnen. Die Beziehung von Kostenträger und Leistungsanbieter, die oft über Jahrzehnte gewachsene Abwicklung ihrer Arbeitsprozesse hat Auswirkungen auf die Umsetzungspraxis. Sie wird nicht aufgelöst durch das Persönliche Budget. Den Budgetnehmern werden Leistungsanbieter vorgeschrieben, statt dem Wahlrecht des Betroffenen im vollen Umfang zu entsprechen. Statt unbürokratischer, direkter und damit wirkungsvoller Unterstützung wird das Regelwerk rings um das TPB komplizierter und verhindert eine kon26 www.der-paritaetische.de 3 | 2009

struktive und nachhaltige Umsetzung im Sinne der Betroffenen. Die Aussicht auf eigenverantwortliche, die eigenen Wünsche und Wahlmöglichkeiten erfüllende Gestaltung des Rehabilitations- und Teilhabe-Prozesses wird von Betroffenen lange gefordert, doch scheitert sie an der Realität der Bewilligungs- und Umsetzungspraxis nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Selbst „zufriedene“ Budgetnehmer müssen hinnehmen, dass ihre Leistungen im Umfang stetig gekürzt werden statt einen Status Quo zu erhalten. Die Hürden, Budgets zu beantragen und bewilligt zu bekommen, sind an sich hoch. Besonders hoch sind sie, wenn es darum geht, die damit einhergehenden Versprechungen einzulösen. Wer die Hürde der Beantragung überwindet, wartet, wartet und wartet, bis ein Bescheid eingeht. Diese Zeit verbringen viele entweder ohne notwendige Unterstützung oder mit einer nicht erwünschten und oft nicht hilfreichen Unterstützung. Und das trotz eindeutiger Gesetzeslage! Das BPEProjekt „Selbstbestimmt Leben mit Persönlichem Budget“ (www.yaelelya. de) dokumentiert diese „Folia Officialis“ (nach Iris Hölling) bei der Umsetzung des TPBs bundesweit und hilft Betroffenen, ihre Ansprüche und Rechte durchzusetzen. Im Rahmen dieses Projektes arbeiten Betroffene bislang unbezahlt als professionelle Unterstützer und Multiplikatoren, sie organisieren Veranstaltungen über das TPB, machen Peer-Beratungen und Fortbildungen. Seit August 2008 bietet Für Alle Fälle e.V. eine qualifizierte betroffenen-kontrollierte, parteiische und unabhängige Peer-Beratung zum TPB an. Das Angebot wird stark nachgefragt, und es hat sich gezeigt, dass eine Peer-Beratung unter Psychiatrie-Betroffenen nicht nur eine eigene Qualität birgt, die besonders für Nutzer von TPBs eine notwendige Ergänzung darstellt, sondern dass gerade nicht die Angebote der Träger der psychiatrischen Ver-sorgung nachgefragt werden! Alternativen zu konventionellen sozialpsychiatrischen

Angeboten, Entwicklung konkreter Ideen zum Ausstieg aus der chronischen Beziehung zur Psychiatrie und Hilfen zur Schaffung von Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt werden von Betroffenen erwünscht und gefordert. Doch wird häufig nicht zugelassen, dass Betroffene eigene Vorstellungen von Hilfe überhaupt umsetzen können. Wenn sie diese formulieren, hält man ihnen vor, dass dies nicht der fachlichen Empfehlung entspräche und nicht zum Erfolg führe, selbst wenn sich dies nicht bestätigt. Bisher gibt es keine Präzedenzfälle Persönlicher Budgets für Psychiatrie-Betroffene, die eine Änderung herbeiführen könnten. Darüber hinaus benötigen viele Betroffene eine Beratung vor der Beratung: Ein Leben im Hilfesystem kann zu einer Abhängigkeit vom System führen. Sich davon zu emanzipieren, erfordert eine Hinführung zu möglichen Zielsetzungen. Diese zu klären und zu formulieren ist unter Peers wesentlich leichter und effektiver. Zur Erfüllung der Versprechen des TPB müssen Betroffene im gesamten Prozess als Experten – und nicht nur in eigener Sache – mindestens gleichberechtigt beteiligt werden. Nur so kann die Umsetzung des TPBs gelingen! Bislang scheitert es an Kostenträgern und manchen Leistungsanbietern. Es bleiben Hoffnung und Erwartung, dass sich irgendwann vielleicht doch noch etwas ändert. Denkbar sind neben flächendeckender öffentlich finanzierter Peer-Beratung und Angeboten von Peers für Peers auch Beteiligungen unabhängiger Betroffener im Bedarfsfeststellungsverfahren von Budgets.

Sabine Dick studierte Soziologe, Englisch und Ethnologie. Als Multiplikatorin mit professioneller Erfahrung in alternativer Krisenbegleitung beriet sie das BPE-Projekt und baute die Beratung bei FaF e.V. auf. Zudem vertrat sie auf Fortbildungen des PARITÄTISCHEN zum TPB die Betroffenensicht.

Niedrigschwellige Angebote Immer noch „Irre viel Arbeit“.

Zuverdienstfirmen als lebendige Bestandteile der psychiatrischen Pflichtversorgung
schäftigung. Soziale und gesundheitliche Stabilisierung, gesellschaftliche Anerkennung durch Arbeit, Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und Vergleichskriterium der Anzahl der Arbeitsvereinbarungen, ungeachtet der Verschiedenartigkeit der Zweckbetriebe und Angebote gefährdet dessen originäre Zielsetzung: „Allgemeines Ziel der Leistung ist es, Zuverdienstbeschäftigte zu befähigen, in einem möglichst normalen, sozialen Rahmen ihre Fähigkeiten einzusetzen, zu erhalten oder weiter zu entwickeln. Dabei ist die Annäherung an reale Arbeitswelten anzustreben.“2 Dies ist jedoch das, was Zuverdienstbetriebe tagtäglich unter immer schwierigeren Marktbedingungen anbieten – individuell angepasste, dem Leistungsvermögen entsprechende, den Wünschen und Neigungen der Betroffenen entgegenkommende Beschäftigungsmöglichkeiten.
Alice Buck ist Diplom-Psychologin und als Koordinatorin für den Zuverdienst Kreuzberg der ajb gmbH tätig.

Unter dem Titel „Irre viel Arbeit“ veranstaltete die Fachgruppe „Psychiatrische und psychosoziale Versorgung“ des PARITÄTISCHEN vom 24. bis 25.Oktober 2000 einen Kongress zu Arbeit und Psychiatrie. Viel hat sich seitdem für die dort vertretenen Zuverdienstprojekte geändert. 2009 gibt es 88 verschiedene Zuverdienstangebote. Das Spektrum reicht von Bibliothekswesen über industrielle Fertigung, Garten- und Landschaftsbau, Büro- und Unterhaltsreinigung, Handwerk und Kunsthandwerk, Manufaktur und Kulturbetrieb, Bürotätigkeiten, Gastronomie sowie Tätigkeiten im gesamten Dienstleistungssektor. Insgesamt fanden 2008 monatlich 1.140 Menschen in Berlin Beschäftigung in einem Zuverdienstprojekt.1 Zuverdienst ist ein Angebot für psychisch oder suchtkranke Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft erwerbsgemindert sind. Ein besonderes Charakteristikum ist die Niedrigschwelligkeit: Weder amtsärztliche Gutachten noch individuelle Kostenübernahme oder besondere fachliche und persönliche Kompetenzen sind notwendig. Zuverdienste bieten Menschen mit seelischer Beeinträchtigung oder Behinderung die Möglichkeit zu arbeitsweltnaher und sinnvoller Be-

die Schaffung einer Tagesstruktur sowie ein Raum, andere Menschen in einem vertrauten, geschützten Rahmen kennen zu lernen, sind neben der (geringfügigen) Bezahlung die Hauptgründe, sich um einen Zuverdienstplatz zu bewerben. Im günstigsten Fall sind Zuverdienste ein Schritt auf der Rehabilitationspyramide in Richtung erster Arbeitsmarkt. In vielen Fällen sind sie jedoch die einzige Möglichkeit für chronisch Kranke, einer sinnvollen befriedigenden Arbeitstätigkeit nach zu gehen, ohne Gefahr zu laufen, Sanktionen ausgesetzt zu sein und ihren Arbeitsplatz zu verlieren, zum Beispiel aufgrund sekundärer Krankheitssymptome wie häufige, auch unentschuldigte Fehlzeiten. Die Einbeziehung des Zuverdienstes in die Kostenleistungsrechnung des Senates mit ihrem eindimensionalen

1) Entnommen dem Produkt-Vergleichsbericht für 2008 vom 06.02.2009 Senatsverwaltung für Finanzen 2) Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz Stand Juni 2006: Entwurf von Standards für zuwendungsfinanzierte Angebote der psychiatrischen Pflichtversorgung. Zuverdienste http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-psychiatrie/veroeffentlichungen/ standart_zv.pdf

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Menschen haben Krisen Berlin hat einen Krisendienst
Im Oktober 2009 feiert der Berliner Krisendienst sein zehnjähriges Bestehen. Ein Grund zur Freude und zum Resümieren! Ein kurzer Rückblick: Im Zuge der Enthospitalisierungsbestrebungen, des geplanten Abbaus von Psychiatriebetten in den neunziger Jahren sowie einer schärfer werdenden Kostendiskussion ergab sich die Notwendigkeit einer flächendeckenden Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch einen ambulanten und regionalisierten Krisendienst für Menschen in akuten Krisen und psychiatrischen Notfällen. 1995 begannen die Vorbereitungen für ein neues Modell einer integrierten Berliner Krisenversorgung: In den drei Folgejahren wurde die gemeinsam erarbeitete Konzeption in allen damals noch 23 Bezirken Berlins vorgestellt, diskutiert und modifiziert: mit Betroffenen, Angehörigen psychisch Kranker, Vertreter/innen psychosozialer Projekte und des Senats ebenso wie mit vielen engagierten Fachleuten freier Träger und aus der psychiatrischen Krisenversorgung. Das von vielen Fachleuten getragene Ergebnis, die Konzeption für den Berliner Krisendienst, wurde 1998 verabschiedet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören heute Albatros e.V., Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V., Neuhland e.V.; kbs e.V. Kontakt und Begegnungsstätte; Krisen- und Beratungsdienst K.U.B. e.V. und Platane 19 e.V.. Zur Anschubfinanzierung wurden Enthospitalisierungsmittel verwendet, die von den Krankenkassen in Verbindung mit dem Bezirksamt Charlottenburg bereitgestellt und dem PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Berlin e.V. zur treuhänderischen Verwaltung übertragen wurden. Es folgte eine dreijährige Erprobungsphase, die von der Freien Universität Berlin und der Katholischen Fachhochschule Berlin in
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sehr konstruktiver Weise wissenschaftlich begleitet wurde. Die dreijährige Modellphase mündete in einen Abschlussbericht (siehe www.krisendienstforschung.de) Die Vernetzung – das besondere und über die Jahre gereifte Erfolgsmodell des Berliner Krisendienstes In jeder der sechs Regionen des Berliner Krisendienstes wird die Krisenarbeit von einem multiprofessionellen Kernteam, bestehend aus sechs festangestellten Mitarbeiter/innen geleistet. Hinzu kommen circa 20 bis 40 freie Mitarbeiter/innen, die auf Honorarbasis in den Diensten oder in ärztlicher Rufbereitschaft tätig sind. Insgesamt arbeiten circa 250 freie Mitarbeiter/innen. Diese sind im Hauptberuf als psychosoziale Fachkräfte in der jeweiligen Region bei anderen Trägern der psychosozialen Versorgung angestellt oder als niedergelassene Ärzte tätig. Sie alle leisten über die Beratungstätigkeit hinaus Vernetzungsarbeit für den Berliner Krisendienst. Als Multiplikatoren der gemeinde-psychiatrischen Versorgung leisten sie einen unverzichtbaren Anteil bei der Vernetzung des Berliner Krisendienstes im Versorgungssystem. Das hohe Vernetzungswissen und darauf aufbauendes Handeln ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Berliner Krisendienstes. So reagiert er auch auf Anforderungen von Versorgungseinrichtungen für spezielle Klientengruppen, zum Beispiel für geistig behinderte Menschen, für geriatrisch zu versorgende Menschen sowie für Migrantinnen und Migranten. Der Berliner Krisendienst – das Angebot für die Menschen an neun Standorten der Stadt Der seit Bestehen vom Land Berlin über Zuwendungsmittel finanzierte Berliner Krisendienst verzeichnet eine

stetig steigende Inanspruchnahme durch Betroffene, Angehörige, Freunde und Nachbarn, Profis aus der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung sowie durch Polizei und Feuerwehr. Erfreulich ist, dass die regionalen und überregionalen Vernetzungen der verschiedenen Krisendienststandorte in den Bezirken als ein hilfreiches und effizientes Angebot wahrgenommen werden. Die Veränderungen in der Versorgungsstruktur erfordern auch vom Berliner Krisendienst, sich immer wieder an die verschiedenen Bedarfslagen der Regionen anzupassen. In der Planungsphase 1997-1999 ist niemand davon ausgegangen, dass die gesamte medizinisch-psychiatrische und psychosoziale Gesundheitsversorgung einem erheblichen strukturellen und fachlichen Umbau- und Veränderungsprozess unterworfen sein würde. Da der Berliner Krisendienst wie keine andere Einrichtung mit seiner umfassenden Vernetzung strukturell und personell mit allen Ebenen eng verknüpft ist, war die Zusammenarbeit mit allen Partnern einem permanenten Veränderungs- und Wandlungsprozess unterworfen. Am deutlichsten kommt dies darin zum Ausdruck, dass seit 1999 mehrere Standortumzüge erforderlich waren, um das Angebot zu optimieren. Hervorzuheben sei hier zudem die gewachsene Entwicklung der Kooperation mit der Berliner Polizei. Diese Zusammenarbeit hat mittlerweile in der „Kooperationsvereinbarung zwischen dem Berliner Krisendienst und dem Polizeipräsidenten“ im April 2009 seine Schriftform gefunden. So wird von den Einsatzkräften immer häufiger auf den Berliner Krisendienst verwiesen oder seine Mitarbeiter/innen werden zu akuten Krisensituationen bei Polizeieinsätzen hinzugezogen. Zudem ist der Berliner Krisendienst

fester und in einer Rahmenvereinbarung vertraglich festgelegter Bestandteil der Versorgungskette im Fall von Großschadensereignissen geworden. In einem solchen Fall ist es die Aufgabe des Berliner Krisendienstes, für die Betroffenen in der Nachsorge zur Verfügung zu stehen. Krisendienst auch weiterhin im Wandel In den vergangenen zehn Jahren ist sehr deutlich geworden, dass nicht nur individuelle Krisen von Menschen in besonderen persönlichen Situationen eine wichtige Rolle spielen. Auch weltweite Krisen und Ereignisse wirkten

sich direkt auf den Berliner Krisendienst und seine Arbeit aus: Der 11. September 2001, der Tsunami 2004, die Fußballweltmeisterschaft 2006…, aber auch soziale Umbrüche, etwa die Hartz-IV-Reformen, haben ihre Spuren hinterlassen. Zehnjährige Anforderungen an den Berliner Krisendienst haben über die Konzeption hinaus fachliche Standards erforderlich gemacht, die laufend internen Überprüfungen unterzogen werden. Der Berliner Krisendienst ist eine Qualitätsgemeinschaft, die sich fortan weiterentwickeln wird und ihr Angebot weiterhin den sich verändernden Bedarfen

anpassen wird. Die Berlinerinnen und Berliner haben ihren jeweiligen Krisendienststandort wirklich angenommen. Das belegen die statistischen Daten und die Rückmeldungen der Kunden. Sie werden wohl auch in Zukunft eine Menge an Flexibilität und Anpassungsvermögen vom Berliner Krisendienst und seinen Mitarbeiter/ innen erwarten – und wohl auch bekommen.

Sabine Jeschke ist Gesamtkoordinatorin des Berliner Krisendienstes.

Gilt nicht nur für Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht

Steuerungsbemühungen und deren Auswirkungen auf die Kontakt- und Beratungsstellen in Berlin
Kein Zweifel: Die durchgreifende Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung hat die Verpflichtung zum quantifizierten Leistungsnachweis zuwendungsabhängiger Kontakt- und Beratungsstellen in eine neue Dimension der Standardisierung katapultiert. Die Ausgabenkontrolle öffentlicher Haushalte bindet die Steuerung des Haushaltsproduktes KBS an eine statistische Bezugsgröße, die über standardisiert erfasste Produktmengen die Leistung zahlenmäßig abzubilden versucht. Diese Herausforderung, sich transparenter, einheitlicher und vergleichbarer zu machen, wurde – nun, sagen wir, kontrovers aufgenommen und nicht selten für fachlich verfehlt oder inhaltlich uneinlösbar gehalten. Der Tenor: „Unsere Arbeit ist und bleibt nicht in Produktmengen zählbar. Unsere Leistungen dürfen deshalb nicht über Stückkosten bewertet und gesteuert werden.“ Für die wie wir in der „Projektgruppe Produkte“ des PARITÄTISCHEN engagierten KBS-Träger ging es deshalb immer wieder darum, inhaltliche Arbeit und fachliche Qualität der Berliner KBSen nicht zu reduzieren, sondern in die geforderte bezugsgrößenbasierte Produkterfassung zu übersetzen. Mit anderen Worten, ein Verschwinden der Menschen hinter den Zahlen, eine Dominanz der Kostensteuerungsimpulse über den Versorgungsauftrag und eine Überformung inhaltlicher Konzepte durch statistische Kategorien abzuwenden. Inwieweit dies gelungen ist, lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. Unsere Bestandsaufnahme der Arbeit von Berliner KBSen bot ein buntes, heterogenes Bild, das dem allgemeinen Auftrag des Psychiatrieentwicklungsprogramms PEP der Neunziger Jahre entsprach. Kennzeichnend waren etliche prototypische Variationen sowie eine ebenso unübersichtliche wie bewährte Spannbreite unterschiedlicher Schwerpunkte und Spezialisierungen. Sachberichte und bezirkliche Fachgremien stellten die Transparenz sicher, die für die Entwicklung der gewachsenen Profile und Strukturen vor Ort nötig waren. In einem langen Prozess erarbeiteten wir in der „Projektgruppe Produkte“ einen Entwurf für die neue, qualitätssichernde Leistungsbeschreibung im aktualisierten PEP. Trotz des Sogs der Vereinheitlichung integrieren sich hierin die regional verankerten Besonderheiten vieler KBSen: Vier fachlich definierte Bausteine erlauben eine inhaltlich begründete Einordnung aller zuwendungsfinanzierten Angebotsbestandteile; zugleich bilden sie die standardisierte Grundlage für eine Produktbemessung anhand abgegrenzter quantifizierbarer Kategorien. Ergänzt von konzeptionellen und ausstattungsbezogenen Standards schaffen die Module einen schlüssigen, funwww.der-paritaetische.de 3 | 2009 29

dierten Rahmen für Vergleichsperspektiven und Veränderungsprozesse in den Einrichtungen. Den Nachweis, dass inhaltlich ausreichend gefasste Leistungsstandards für die KBS-Arbeit steuernde fachliche Aussagen ermöglichen, halten wir für erbracht. Schon in den Neunzigern hatten alle KBSen die Anzahl ihrer Kontakte (Teilnahmen an den unterschiedlichen Angeboten) pro Öffnungstag erfasst. Für die jährlichen Sachberichte erstellten wir eine ausführliche Nutzungsstatistik über die Auslastung, um zu belegen, wie viele Menschen wir womit erreicht hatten. So favorisierte die Projektgruppe für die Produktbemessung zunächst mehrheitlich die kopfbezogene Bezugsgröße der Nutzerinnen und Nutzer pro Tag, die bei anschließenden Probezählungen extrem oszillierte. Aufgrund der KBS-typischen „Kommstruktur“ mit offenen, abwechslungsreichen Wochenprogrammen und aktenfreien, unbefristeten und individuell bedarfsorientierten Nutzungspfaden zeigte sich der wesentliche Mangel einer fallzahlgebundenen Bezugsgröße: Große oder volle KBSen sind kaum mit kleinen oder geringer besuchten sinnvoll zu vergleichen. Die Fallzahlen pro Tag allein eignen sich nicht dazu, Schwerpunkte, Zusammensetzung und insbesondere das Qualitätsniveau der Leistung von KBSen einzuschätzen. Um die Vergleichbarkeit größerer und kleinerer KBSen zu verbessern und die Schwankungstiefe der Produktmengen zu verringern, schlug die Projektgruppe die Angebotsstunde als zeitgebundene Mengeneinheit für das Produkt KBS vor. Diese seit 2006 verwendete Bezugsgröße hat sich als statistisch robuster und aufschlussreicher erwiesen. Der Zusammenhang von Mengenzahlen, Zuwendungsmitteln und Personalkapazität einer KBS fällt erkennbarer aus. Dennoch blieb die Vergleichbarkeit der Leistungen der KBSen enorm beeinträchtigt durch Faktoren, die zwar Angebotsgestaltung und Mittelbedarf mitbestimmen, aber nicht in die Produkterfassung eingehen. Beispiele: Höhe der Miete, Art und Lage der Räume, Eingruppierungen und Altersstu30 www.der-paritaetische.de 3 | 2009

Heinz Krug: Die Sennerin

fen des Personals. Diese teils nicht öffentlich zugänglichen Einflüsse lassen ein Benchmarking anhand von Stückkosten wenig aussagekräftig erscheinen. Und mehr noch: Wir müssen eine direkte Kostensteuerung der Berliner KBS-Leistungen über die Produktmengen letztlich als gescheitert betrachten. Bislang enthebt uns der Einsatz des kennzahlgestützten Planmengenverfahrens mit vollständigem Wertausgleich dieses Problems: Die Anteile der Bezirke an den Zuwendungsmitteln bestimmen sich mittels anderer Steuerungskriterien wie Einwohnerzahl und Sozialstrukturindex. In manchen Bezirken wurden bei anstehenden Kürzungen Angebotsstundenmel-

dungen und Zuwendungssummen schon als Leitkriterien für eine vergleichende Bewertung einzelner KBSen herangezogen. Die Stückkosten, errechnet für die finanzielle Steuerung, dürfen aber nicht dafür herhalten, ebenso notwendige fachlich-inhaltliche Abwägungen zu verdrängen. Unweigerlich stellt sich die Frage nach der Dokumentationslast. Wie einige andere KBSen zählen und belegen wir seit 2006 doppelt, genauer sogar dreifach: Angebotsstunden, Nutzerinnen und Nutzer, Kontakte. Den erhöhten Aufwand nehmen wir in Kauf, um über die Anforderungen der Sachberichterstattung und Produkterfassung hinaus unsere bisherigen Nachweis-

und Steuerungsmöglichkeiten nicht zu verlieren. Neben der Verbesserung von Transparenz und Vergleichbarkeit stellen aus unserer Sicht die vier Leistungsbausteine den größten Gewinn des gesamten, von der Einführung der Kosten-

und Leistungsrechnung erzwungenen Standardisierungsprozesses dar. Ob die gelungene fachlich-inhaltliche Definition der inneren Struktur der KBSArbeit wirklich einen dauerhaften Beitrag zur Qualitätsentwicklung leisten oder nur unserer – womöglich illusio-

nären – Selbstverteidigung in Sachen Kostenkontrolle dienen konnte, wird wohl erst die Zukunft zeigen.
Claudia Legner ist Psychologin und in der KBS Friedenau des KommRum e.V. tätig.

Verrückt? Na und! Schulprojekt über psychische Gesundheit
Psychische Beeinträchtigungen gehören zum Leben: In der Bundesrepublik Deutschland erfährt jede bzw. jeder Vierte mindestens einmal im Leben eine behandlungsbedürftige psychische Krise. Depressionen, Schizophrenie sowie Angst- und Zwangsstörungen sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO Volkskrankheiten und weltweit auf dem Vormarsch. Dennoch werden viele psychisch Betroffene gemieden, ausgegrenzt oder abgewertet. Diese Vorurteile sind für Betroffene oft ebenso belastend wie die Krankheit selbst. Es kann so sehr leicht zu sozialer Isolation kommen, mit Folgeerscheinungen wie etwa Alkoholismus. „Verrückt? Na und! Stark, wenn sich einer traut über seelische Probleme zu reden“ ist ein Schulprojekt, mit dem wir Verständnis für Menschen mit psychischen Krisen und Gesundheitsproblemen wecken wollen. Denn: Wissen und Offenheit schützen. In Kooperation mit dem Leipziger Verein „Irrsinnig-Menschlich e.V.“ bieten wir jungen Menschen einen Projekttag an, an dem sie sich mit verzerrenden, mitunter fatalen Klischees über psychische Gesundheitsprobleme beschäftigen. Darüber hinaus vermitteln wir, wie SchülerInnen sich selbst und ihre psychische Gesundheit schützen können. Zum Berliner Regionalteam von „Verrückt? Na und!“ gehören Angehörige, Fachmenschen und ExpertInnen in eigener Sache. Das Schulprojekt richtet sich an Jugendliche ab 15, also von der 9. Klasse aufwärts. Besucht werden alle Schulformen vom Gymnasium bis zur Berufsschule. Es gibt eine Vor- sowie eine Nachbefragung der SchülerInnen. Als ehrenamtlich Tätige bitten wir um 1 Euro Spende pro SchülerIn. Für die Durchführung des Projekttages benötigen wir circa fünf Stunden. Ein/e Moderator/in und zwei ExpertInnen in eigener Sache kommen in die Schule. Die moderierende Person ist professionell psychologisch ausgebildet und betritt gemeinsam mit den beiden Betroffenen die Klasse. Das Konzept mit Gesprächsrunden und Gruppenarbeiten ist auf aktive Mitarbeit der SchülerInnen angelegt. In der ersten der drei Phasen werden die Jugendlichen gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie mit dem Tabuthema „psychische Erkrankung“ schon in Berührung gekommen sind. In der zweiten Phase geht es in Gruppen um Fragen wie: „Was ist Schokolade für meine Seele?“ oder um pantomimische Darstellung vorgegebener Situationen. Die dritte Phase ist die der Konfrontation mit den Betroffenen, die aus ihrer Lebensgeschichte und über Krisensituationen berichten. Dies wird als eindrucksvollster Teil des Projektes wahrgenommen und anschließend durchweg positiv gewertet. Oft sehen die Betroffenen, die von Anfang an mit im Raum sind, so „normal“ aus, dass vor dieser Phase von einzelnen SchülerInnen schon mal gefragt wird: „Wann kommen die denn endlich?“ Allein die Erfahrung, dass Betroffene nicht klar als solche erkennbar sind, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Wie die Stigmaforschung zeigt, sorgt die Begegnung mit ExpertInnen in eigener Sache dafür, dass die SchülerInnen ihre Ängste und Klischees hinterfragen (können). Die Einsichten durch die Begegnung fördern Respekt. Die SchülerInnen erleben das Reden über Schwäche als eine Stärke und sind insbesondere beeindruckt von dem Mut der Betroffenen, sich so offen und selbstverständlich über Lebenskrisen und deren Bewältigung zu äußern. Eine aufgeschlossene Gesprächskultur über psychische Befindlichkeiten hilft, Bedrückendes, Irritierendes oder Beängstigendes eher auch bei sich selbst zu erkennen und nicht mehr nur abzuwehren. Es wäre der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sicher förderlich, wenn solche Schulbesuche zum Pflichtprogramm für alle Klassen würden. Wer an einem Schulbesuch interessiert ist oder weitere Fragen hat, melde sich bitte bei: PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. ditolla@paritaet-berlin.de Mehr Informationen zum Schulprojekt unter www.irrsinnig-menschlich.de

Heike Oldenburg, M.A. Anglistik/ Psychologie, Non Profit Freelancer, in diversen Projekten tätig, krisenerfahren.
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Vorgestellt:
ApK – Der Landesverband Berlin der Angehörigen psychisch Kranker e.V. Der Landesverband Berlin der Angehörigen psychisch Kranker e.V. – kurz ApK – ist ein Zusammenschluss betroffener Familien auf Landesebene. Durch gemeinsame solidarische Anstrengungen möchten wir eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Familien und ihre kranken Familienmitglieder durch Aufklärung und Selbsthilfe erreichen. Unser Verband ist bestrebt, die Selbsthilfe und Eigenverantwortung der Familien zu stärken, damit sie in der Lage sind, ihre Hilfen und Rechte einzufordern, die sie zur Bewältigung ihrer schwierigen, leidvollen Lage benötigen. Angebote – Austausch in Gesprächs- und Aktivgruppen – telefonische Beratung und Einzelgespräche für Angehörige und psychisch betroffene Menschen – Informationsveranstaltungen und Seminare über die Erkrankung – Beratung zur Eingliederungshilfe und zum Persönlichen Budget – Hilfe und Unterstützung bei Problemen mit Ämtern, mit der Behandlung und Versorgung. – Begleitung und Beratung durch erfahrene Angehörige zu Behörden, Kliniken und anderen Institutionen – Aquarellkurs für Betroffene und Angehörige Informationsquellen – ApK-Zeitschrift – Bücherei mit aktueller Fachliteratur – Homepage www.apk-berlin.de Hier finden Sie uns: Angehörige psychisch Kranker Landesverband Berlin e.V. Mannheimer Str. 32 10713 Berlin-Wilmersdorf Tel. 86395701 Fax 86395702 info@apk-berlin.de
Jutta Crämer ist Vorstandsmitglied des ApK.
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Die Galerie ART CRU Berlin Die Galerie ART CRU Berlin ist die erste und einzige Berliner Galerie, die sich ausschließlich auf Kunst von Menschen mit Behinderungen, so genannte Outsider Art, konzentriert. Ziel der Galerie ist, die rohen, unverfälschten, oft im Abseits entstehenden Kunstwerke der Künstler zu präsentieren und zu fördern, die teilweise unter künstlerischer oder therapeutischer Anleitung in unterschiedlichen Berliner Ateliers und Werkstätten entwickelt wurden. Im September 2008 gründete Alexandra von Gersdorff-Bultmann zusammen mit den wichtigsten psychosozialen Einrichtungen Berlins, größtenteils Mitglieder des PARITÄTISCHEN, den Verein PS Art Berlin e.V.. Der gemeinnützige Verein ist Träger der Galerie, von Gersdorff-Bultmann die Vereinsvorsitzende, Sohn Nikolaj Geschäftsführer. Die Galerie will Künstlerinnen und Künstler mit Behinderungen unterstützen, professionell zu arbeiten und ihrer Kunst in der Öffentlichkeit zu mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verhelfen. Im Vordergrund stehen die internationale kulturelle Netzwerkbildung und die Organisation EUgeförderter „Outsider Art“-Projekte. Die Galerie bietet zudem zwei Arbeitstherapieplätze für Menschen mit seelischen Behinderungen. Die künstlerischen Arbeiten in diesem Heft stammen von Henry Schönhardt und Heinz Krug alias „Biber“. Beide Künstler sind in Berlin geboren und arbeiten seit über 20 Jahren in einer Kreativgruppe im Wohnstättenwerk für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung der Diakonie unter Leitung des Künstlers Peter Krause. Die Galerie ART CRU im Kunsthof Berlin Oranienburger Straße 27 in Berlin-Mitte ist dienstags bis sonnabends von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.art-cru.de.
Karin Riedesser

impressum
Der PARITÄTISCHE Berliner Landesseiten Schwerpunktheft: Zahlen, Fälle und wie weiter? Zur Steuerung der psychiatrischen Versorgung in Berlin Herausgeber: PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. Brandenburgische Str. 80 10713 Berlin Telefon: 030 - 86001-0 Fax: 030 - 86001-110 e-mail: info@paritaet-berlin.de www.paritaet-berlin.de Vorsitzende: Prof. Barbara John Geschäftsführer: Oswald Menninger Elke Krüger (Stv.) Gesamtkoordination: VIA Verbund gGmbH Katrin Euler, Karin Riedesser, Unternehmenskommunikation Redaktion Patrizia Di Tolla, Silke Ihden-Rothkirch, Nelli Pazer, Christian ReumschüsselWienert, Karin Riedesser Abbildungen Heinz Krug, Henry Schönhardt Mit freundlicher Genehmigung der Galerie ART CRU Berlin Adressverzeichnis Patrizia Di Tolla, Nelli Pazer Lektorat Silke Ihden-Rothkirch, Nelli Pazer

Die Landesseiten Berlin von Der PARITÄTISCHE erscheinen als eingehefteter Mittelteil in der Bundeszeitschrift Der PARITÄTISCHE. Zusätzlich werden sie als Sonderhefte gedruckt. Es handelt sich um Schwerpunkthefte zu aktuellen Verbandsthemen. Diese Sonderausgaben sind kostenlos zu bestellen über das Formular Bestellfax im PARITÄTISCHEN Rundbrief sowie über das Internet (auch als Download) unter: http://www.paritaet-berlin.de/mediencenter/ Berlin, Juli 2009

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