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Full text: Gemeinsam Schule machen

Gemeinsam Schule Machen
Kooperationsprojekte Schule-Jugendhilfe und freie Schulen Schritte zu Bürgerschulen in Berlin

Projekte aus dem Paritätischen Förderprogramm Schule-Jugendhilfe –

Inhalt
 Gemeinsam Schule machen Vorwort von Prof. Barbara John Schüler für die Bildung und das Leben stärken Lernwerkstatt Klassentraining Lernen unter Sternen Neuköllner Engel Konfliktlotsen Gemeinsam Schule machen Eltern als Bildungspartner Herzmütter Herzväter Arabische Familien und Schule Eltern als Bildungspartner Treffpunkt Schule – Elterntreff Schule – Ein Lernort für Eltern Starke Netze für Bildung Lokaler Bildungsverbund Reuterkiez Kooperation sichtbar machen Modell Schul- und Bildungsverbund SOS Kinderdorf e.V. Berlin-Moabit Freie Schulen schaffen Bewegte Schule in Köpenick startet jetzt Lomonossow-Grundschule Netzwerk-Schule Schritte zu Bürgerschulen in Berlin Bürgerschulen für Berlin Unter paritätischem Dach Impressum

                

       

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Gemeinsam Schule machen

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emeinsam Schule machen ist der Name eines der  Projekte, die der parittische Berlin mit seinem Förderprogramm Schule / Jugendhilfe unterstützt. Das Motto gibt treffend den Grundgedanken des Förderprogramms und aller ausgewählten Projekte wieder. Im Frühjahr  brachte der Verband das Förderprogramm Schule / Jugendhilfe auf den Weg. Es sollten Projekte gefördert werden, die modellhaft aufzeigen, welche Potenziale die freien Jugendhilfeträger in die Kooperation mit Schulen einbringen können. Eine Kooperationserfahrung von mindestens drei Jahren wurde vorausgesetzt. Die Förderanträge waren von Jugendhilfeträgern und Schulen zusammen zu stellen. Beide mussten sich verpflichten, das Projekt partnerschaftlich umzusetzen. Ein weiterer Programmteil zielte auf die Förderung freier Schulen im Mitgliederbereich. Alle Anträge machen deutlich: Die beteiligten Schulen betrachten die Kooperation mit Jugendhilfeträgern als Chance und großen Gewinn. Der Wille und die Anstrengungen der Schulen, ihren Schülern etwas zu bieten und für das Leben mitzugeben, sind beeindruckend. Schule soll zu einem Lernund Lebensort werden, der nicht nur Wissen und Bildung v ­ ermittelt sondern die Kinder bei der Bewältigung sozialer Pro­ bleme unterstützt, ihre sozialen Kompetenzen stärkt und dabei auch die Familien mit einbezieht. Oftmals wird erst dadurch das Lernen des Unterrichtsstoffes ermöglicht. Hierzu ist die Kooperation mit Jugendhilfeträgern und anderen Akteuren im Sozialraum vonnöten. Alle Schulen verweisen auf die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit „ihren“ Jugendhilfeträgern. Auch die schulischen Fördervereine unterstützen die Projekte. Ein Verein hat sogar eine Spende von mehreren  Euro beschlossen. Ab September  konnten  Projekte mit Förderung der Stiftung paritt beginnen. Ein weiteres steht noch in den Startblöcken. Die Projekte werden über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren bezuschusst. Die Fördersummen bewegen sich zwischen . und maximal . Euro – insgesamt . Euro. Erziehungsaufgaben werden zunehmend von den Elternhäusern an die Schulen abgegeben. Die Schulen sind mit dieser erweiterten Erziehungsverantwortung tendenziell überfordert. Hier ist die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfeträger von unschätzbarem Wert. Die Jugendhilfeträger finden mit ihren Erfahrungen aus der Jugend- und Familienhilfe die richtigen Konzepte und den richtigen Ton, um Eltern aus der Reserve zu locken und sie für schulische Belange zu ­nteressieren. i

Dies betrifft in sozialen Brennpunkten vor allem arme, sozial isolierte Familien, darunter viele Eltern mit Migrationshintergrund. Entscheidend für das Zusammenwirken ist: Kinder und Jugendliche, die Hilfe brauchen, bleiben in ihrer Schule; sie werden nicht in eine Betreuungsmaßnahme „abgeschoben“. Schülerprojekte: Sechs Modellprojekte zur Stärkung der sozialen Kompetenz und Lernfähigkeit von Schülern und der gewaltfreien Konfliktbearbeitung in sozialen Brennpunkten werden vom parittischen Berlin mit insgesamt . Euro unterstützt. Darunter zum Beispiel das Projekt „Lernen unter Sternen“ von cabuwazi. Elternarbeit: Fünf der geförderten Projekte leisten Pionierarbeit bei der Aktivierung von Eltern mit Migrationshintergrund für schulische Belange. Sie werden vom parittischen Berlin mit insgesamt . Euro unterstützt. Darunter zum Beispiel der Arbeitskreis Neue Erziehung mit dem Projekt für arabische Eltern „Al Ahali wa al Madrasa“. Verbundprojekte: Drei Projekte, die in großem Umfang Bildungseinrichtungen und andere Einrichtungen im Kiez vernetzen, werden mit . Euro gefördert. Darunter zum Beispiel der Lokale Bildungsverbund Reuterkiez. Freie Schulen: Mit insgesamt . Euro werden vier Projekte gefördert, die die Gründung, die Erweiterung und Verbesserung freier Schulen zum Ziel haben. Darunter die Gründung einer Schule im Prenzlauer Berg nach dem Konzept der demokratischen Schulen, eine Kreativgrundschule, eine bewegungsorientierte Grundschule und eine bilinguale deutsch-russische Schule, deren Elternarbeit gestärkt wird. Alle Projekte werden in diesem Heft vorgestellt.

Prof. Barbara John Foto: Auriga

empfang den Auftrag von Schule definierte. Das Konzept der Bürgerschulen zielt auf Vielfalt in der Trägerschaft für Schulen. Schulen brauchen mehr Selbstbestimmung z.B. bei der Personalauswahl. Wer Schule macht, sollte vor Ort darüber entscheiden können, wie und mit welchen Kooperationspartnern er die vom Staat gesteckten Ziele erreicht. Auch Eltern mit niedrigen Einkommen sollten ihre Kinder auf eine freie, nicht-staatliche Schule schicken können. Was eine Bürgerschule auszeichnet und wie wir in Berlin dort hinkommen können, ist im letzten Beitrag dieses Heftes skizziert. Unser Verband stellt diese Ausführungen bei der Konferenz „Bürgerschulen für Berlin“ Ende Juni  zur Diskussion. Der parittische hat die Federführung für diese Konferenz. Mit der Handwerkskammer Berlin, der Industrie- und Handels­ kammer, der Stiftung Zukunft Berlin, der Bürgerstiftung und dem Verband Berliner Kaufleute und Industrieller laden namhafte Kooperationspartner zur Diskussion über Bürgerschulen für Berlin ein. Wir setzen darauf, mit dieser ­ ebatte weitere D Anstöße für eine grundlegende Reform des Schulwesens zu geben. Ihre Barbara John

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ch danke allen, die als Juroren am Auswahlprozess der Förderprojekte beteiligt waren – insbesondere Gisela Hübner als Vorsitzende und Christian Thomes als Mitglied des Beirats. Aus über  Anträgen  auszuwählen, verursacht Kopf- und Herzschmerzen. Mein Dank gilt allen Mitgliedern, die sich um die Förderung beworben haben. Wir waren von der Fülle der Ideen und Pläne zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule und zur Gestaltung freier Schulen begeistert. Ich freue mich, dass unser Verband dazu beitragen konnte, dass  Projekte auf den Weg gebracht sind. Bildung und Schule gehören zu den zentralen Anliegen unseres Verbandes. Aus diesem Grund hat der parittische Berlin das Förderprogramm Jugendhilfe und Schule aufgelegt. Konkrete Schritte sind möglich und erforderlich, damit unsere Schulen ihrem Bildungsauftrag besser gerecht werden. Mit dem Konzept „Bürgerschulen für alle“ hat der pari­ ttische Wohlfahrtsverband Berlin deutlich gemacht, dass unser Schulsystem einer nachhaltigen Strukturreform bedarf. Schule soll für Kinder jeglicher Herkunft zu einem „Ort der Schicksalskorrektur“ zu werden – wie Heribert Prantl, von der Süddeutschen Zeitung in seinem Vortrag bei unserem Jahres-

Vorsitzende des parittischen Wohlfahrtsverbandes Berlin und der Stiftung paritt Berlin

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Lernwerkstatt
Kinder entdecken Naturwissenschaften
ch möchte mit Euch ein Experiment machen!“, begrüßt Fachfrau für Naturwissenschaften ist Ansprechpartnerin vor Ort Anouchka Nettelbeck von TÄKS e.V. die Hälfte der Schüler der Klasse  c der Havelland-Grundschule in der Lernwerkstatt Seit März lädt Anouchka Nettelbeck die Schüler zu eigenen der Schule. Aus Butterbrotpapier lässt sie die Neunjährigen eine Lerneinheiten ein. Als erstes mikroskopierte sie mit den Sechstzusammengerollte Schlange ausschneiden. Im Sachkundeun- klässlern, und für die Kinder war es spannend, dabei von der terricht sprechen die Mädchen und Jungen gerade über Indianer. studierten Biologin von verschiedenen Expeditionen in Asien zu hören. Als deren eigene beiden Töchter sich mit ständigen Das nächste Thema soll Elektrizität sein. Mit dem Versuch verbinden sie beide Themen. Wie könnte es dem Medizinmann Warum-Fragen die Welt zu erschließen begannen, entschloss bei einem schamanischen Ritual wohl sich die Mutter, mit Kindern Naturgelingen, die Schlange aus Papier zum „Wo seid Ihr bei einem Orkan besser wissenschaften zu entdecken. Seitdem Tanzen zu bringen? Einer der Jungen ist sie für TÄKS e.V. tätig, unterbreig ­ eschützt: hinter einer Litfasssäule erinnert sich. Er hat das Experiment tet in den Kitas des freien Trägers ihre bereits in der Arbeitsgemeinschaft oder einem gleich großen Schuppen?“ Lernangebote für die Kinder von vier durchgeführt, die einmal in der bis zehn Jahren und ermuntert durch Woche stattfindet. Er berichtet von Reibung und statischer ihre lustvolle Unterrichtung auch Erzieherinnen von Kita und Hort, sich an das schwierige Thema Naturwissenschaften herAufladung und beginnt freudig zu schneiden. Zwischendurch anzuwagen und unterstützt sie dabei. entspinnt sich ein Gespräch über Schlangen: Welche die Kinder Mit der Lernwerkstatt in der Havelland-Grundschule allerkennen? Welche es in Amerika gibt? Welche wie gefährlich sind? Dabei basteln die elf Mädchen und Jungen, laden einen Stroh- dings fand sie einen anderen Gestaltungsraum. Hier ist ein Ort, halm durch Reibung an einem Stück Fell oder ihren Haaren wo sie nicht nur mit Angeboten aus der Tasche aufwartet, sonauf und versuchen, nur durch die entstandene elektrostatische dern einer, an dem sie den Kindern Räume zum Entdecken Ladung, den Papierstreifen vom Tisch wegzubewegen. eröffnen kann und zugleich Kontinuität und Entwicklung m ­ öglich sind. Noch ist allerdings der Raum im Untergeschoss Im Experiment spielerisch ein Thema erkunden der Schule nicht ideal. Gerade mal zwei größere Tische haben Ich betrachte die Lernwerkstatt als ein unterstützendes Angebot darin Platz. Hinter der Regalwand mit dem Bastelmaterial hört außerhalb des schulischen Lernens“, meint die Lehrerin Sabine man die Gespräche der Kinder aus dem VHG-Bereich. Es gibt keine freien Flächen, um etwas stehen zu lassen oder ein ExpeKaiser, die auch selbst den geteilten Unterricht genießt. Die andere Gruppe aus der Klasse wird während der Zeit von einer riment über einige Tage oder Wochen zu verfolgen. Das wird Erzieherin betreut. In der nächsten Stunde wechseln die Kinder. sich ändern, wenn die benachbarte Schwielowsee-Grundschule „Hier haben sie die Möglichkeit, mit Spaß am Tun etwas auszu- in die Havelland-Grundschule integriert wird und neue Räume probieren, was sie im Idealfall zuvor im Unterricht besprochen gebaut und zur Verfügung stehen werden. „Dann wird auch die haben.“ Lernwerkstatt eine größere Bedeutung bekommen. Dann kann Erst im Oktober bezog die Lernwerkstatt die Räume im ich auch in den Ferien öfter Kinder empfangen und noch mehr Erdgeschoss der Schule, wurden Montessori-Materialien sowie Mädchen und Jungen von den benachbarten Kitas“, hofft Materialien zum Basteln, für Mathematik und Naturwissen- Anouchka Nettelbeck. Außerdem sind Projekte mit anderen schaften gekauft. Sie ist ein weiteres Kooperationsangebot des Fachbereichen geplant sowie thematische Familienspaziergänge TÄKS e.V. (Trägerverbund Kinder- und Schülerläden in Berlin /  zu interessanten ­ hänomenen. P Brandenburg) im Sozialraum der Schöneberger Insel.  Erzieherinnen und Erzieher und eine Sozialpädagogin des freien Kinder genießen den wertfreien Raum zum Forschen Trägers betreuen seit   Mädchen und Jungen im offenen Auf die Gedanken und Ideen, die die Kinder dabei entwickeln, ist auch die -Jährige neugierig. Gerade hatte sie mit KinderGanztagsbereich. In Abstimmung mit der Schule begleitet TÄKS e.V. nun als freier Träger auch den Unterricht in Natur- gartenkindern ein Experiment zur Luftströmung durchgeführt. wissenschaften, Sachkunde und Mathematik, vor allem um – Wo, so hatte sie die Vier- und Fünf-Jährigen gefragt, seien sie wie im Rahmenlehrplan vorgegeben – den Kindern experimen- bei einem Orkan wohl besser geschützt: Hinter einer Litfasssäule telles Lernen zu ermöglichen. oder hinter einem gleich großen Schuppen?
Trägerverbund Kinder- und Schülerläden Berlin/Brandenburg – TÄKS e.V. Havelland-Grundschule – Schöneberg

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Schüler für die bildung und das leben stärken

Grundschule am Schäfersee Foto: Aufwind e.V.

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Klassentraining
Um das herauszufinden, versteckten die Kinder Playmobilfigu- „Das ist die Kraft des Selbsttuns“, erinnert sich die Frau auch ren einmal hinter einem Saftkarton und das andere Mal hinter daran, wie sie als Kind lustvoll lernte, indem sie spielerisch die Natur in ihrem Heimatdorf erkundete. einer Kaffeedose und erzeugten mit einem Fön einen kräftigen Wind. „Mir war das zuvor selbst nicht klar, dass ich hin­ er einer Zweimal in der Woche können die Kinder neben dem Untert richt und der Arbeitsgemeinschaft in der sechsten Stunde ein offenes Angebot nutzen. Dazu erscheint die neunjährige Leah und verweist auf ein Wandbild mit bunten Schmet­ erlingen, um zu zeigen, was sie beim t letzten Mal untersuchte. „Daran sieht man die im Filzstift versteckten Farben“, erklärt sie. Sie kommt hier her, weil sie durch die Vielzahl der Bastelmaterialien zum Erfinden angeregt wird. Diesmal will sie ein mit einem Luftballon betriebenes Auto bauen. Das hatten Kinder beim letzten Mal erfunden, als Anouchka Nettelbeck sie immer wieder gefragt hatte: „Wie könnte es gehen? Was fällt Euch ein?“, und dadurch die Ideen und Vorschläge der Mädchen und Jungen herausgefordert hatte. Litfass­ äule umge­ ustet würde“, meint die jugend­iche Frau, „Ich sehe mich hier in der Lernwerkstatt wie in einem lebendigen s p l die es genießt, wenn sich die Vier- bis Zehn-Jährigen den wert- Garten, in dem hier und da immer ein neues Beet angelegt wird freien Raum erobern. und etwas Neues wachsen kann“, fasst die TÄKS-Mitarbeiterin  Minuten ungefähr lässt sie die Kinder jeweils zu einem ihre Arbeit zusammen. „Wenn man die Kinder auf lustvolle Thema etwas ausprobieren. In dem Fall probierten sie auch aus, und auch manchmal auf lustige Weise die Welt entdecken lässt, was mit einer Kerze hinter den Körpern passiert. Dann bittet stärkt das ungemein ihr Selbstwertgefühl, merke ich in der sie selbst die Kindergartenkinder, auf einem Blatt Papier auf- Zusammenarbeit.“ zumalen, welchen Versuch sie durchgeführt haben und zu welchen Ergebnissen sie kamen. „Das gibt dem Angebot einen Kontakt und ernsthaften Charakter“, betont Anouchka Nettelbeck. Sie holt Kooperationspartner einige Hefter hervor, in denen die Kinder die Zeichnungen von Trägerverbund Kinder- und ihren Experimenten sammeln. Während der Wind mit voller Schülerläden in Berlin / Brandenburg Kraft die Rundungen der Litfasssäule nehmen kann, verwirbelt TÄKS e.V. Kornelia Müller-Kern er sich an den Ecken der Saftkartons und ist dahinter kaum Geschäftsführerin spürbar – das ist auf dem Bild einer Fünf-Jährigen ablesbar. Annika Kühner Koordinatorin Oben auf dem Papier sind das Datum und der Name notiert. Leberstr.  |  Berlin Tel	  –      „Ich sehe das auch als eine Vorbereitung auf die Schule.“
Foto: TÄKS e.V.

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ie Grundschule am Schäfersee befindet sich in einer idyllischen gut bürgerlich wirkenden Gegend in Reinickendorf. Aber auch hier gibt es Integrationsprobleme. Rund  Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund. Es bestehen bereits gut funktionierende Kooperationsprojekte mit dem J ­ ugendhilfeträger Aufwind e.V. – Verein für aufsuchende Erziehungshilfen. Er betreibt eine Schulstation und bietet ergänzende Betreuung an. Die Schule ist eine verlässliche H t g ­ alb­ ags­ rund­ chule. s Demokratische Werte und Normen vermitteln Das Projekt „Klassentraining“ bietet unter Einbeziehung von Lehrpersonal, Eltern und Polizei die Chance, demokratische Werte und Normen wie Gewaltfreiheit, Toleranz und Verantwortung zu vermitteln, sie kindgerecht erlebbar und für das Leben handhabbar zu machen. Das Klassentraining wird als Gruppenprozess in den Klassenstufen drei bis sechs durchgeführt. Für eine Klasse dauert ein Klassentraining maximal zwei Schuljahre. Das Training gilt als regulärer Unterricht. Während der Projektlaufzeit wird die Klasse in zwei Gruppen ­ eteilt. g Zuschuss aus dem Förderprogramm Der parittische Berlin gibt einen Zuschuss für Fachpersonal und Sachmittel für zwei Jahre. Das Projekt wird in drei Phasen durchgeführt, in denen verschiedene Arbeits- und Themenschwerpunkte aufeinander aufbauen und ineinander ­ reifen: g Phase eins beinhaltet Kontaktaufnahme, Kennlernen, Bedarf klären und Rollenspiele. Phase zwei sieht Kooperationsspiele, Spiele als Vorbereitung zur Arbeit an der Beziehungs- und Konfliktfähigkeit, Konfliktbearbeitung und Einübung von Schlichtungsritualen vor. In Phase drei werden Rituale und Verfahren etabliert. Lehrer und Eltern werden regelmäßig in die Arbeit eingebunden. Die Arbeit kann sich in den jeweiligen Klassen unterscheiden, da die Schüler den Prozess mitbestimmen. Struktur und Methodik hingegen bleiben in allen Klassen gleich. Jeweils drei Klassen nehmen an einem Projektdurchlauf teil.

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i Kontakt und Kooperationspartner
Aufwind – Verein für aufsuchende Erziehungshilfen e.V. Michael Witte geschäftsführender Vorstand Sabine Hermann-Rosenthal Projektleiterin Vierwaldstätter Weg  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     aufwind-ev@t-online.de www.aufwind-berlin.de Grundschule am Schäfersee Thilo Meinert stv. Schulleiter Holländerstr. – |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     mail@schaefersee-grundschule.de www.schaefersee-grundschule.de

Ermunterung, eigene, neue Lösungen zu erkunden Die ersten Kinder, die sie als Kindergartenkinder bei den naturwissenschaftlichen Experimenten kennenlernte, besuchen unterdessen die . Klasse. Was ihr bei ihnen auffällt: Es ist nicht weg, was sie sich spielerisch erarbeiteten, und bei den nächsten Versuchen greifen sie auf gewonnene Erkenntnisse zurück. 6
Trägerverbund Kinder- und Schülerläden Berlin / Brandenburg – TÄKS e.V. Havelland-Grundschule – Schöneberg

Fax	  –      infos@taeks.de | www.taeks.de Havelland-Grundschule Beate Schwanke Schulleitung

Kolonnenstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     havelland-schule@web.de www.havelland-grundschule.cidsnet.de

Aufwind e.V. | Grundschule am Schäfersee – Reinickendorf

Foto: Aufwind e.V.

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Lernen unter Sternen

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irkus cabuwazi ist ein sozialpädagogischer Jugendkulturbetrieb, der allen –-jährigen offen steht, die Spaß an Artistik und Zirkus haben. Seine Zirkuszelte stehen an fünf sozialen Brennpunkten der Stadt. Pro Woche nehmen circa  Kinder am Zirkusleben teil. Das Training ist für die Kinder kostenlos.

i Kontakt und Kooperationspartner
CABUWAZI – Kinder- und Jugendzirkus e.V. Klaus Memmert Geschäftsführender Betriebsleiter Bernd Fettback Teamleiter Altglienicke, Projektidee und Entwicklung Lernen unter Sternen Sabine Röseler Projektentwicklung Bouchéstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     projektentwicklung@cabuwazi.de www.cabuwazi.de Grundschule am Mohnweg Regina Tlapák Schulleiterin Mohnweg  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     grundschule-am-mohnweg.cids@ t-online.de Grundschule am Berg Antje Kirschner Schulleiterin Köpenicker Str.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     grundschuleamberg@t-online.de www.grundschule-am-berg.de

Ziel: eine Zirkusvorstellung Eins der cabuwazi-Zelte steht in Altglienicke in Treptow. Im selben Sozialraum liegen die Grundschule am Mohnweg mit  Schülern und die Grundschule am Berg mit  Schülern. Viele Familien stammen aus Osteuropa und den GUS-Ländern. Die Intention der Schule und der Projektmacher ist es, die Möglichkeiten zirkuspädagogischer Arbeit in den Unterricht einfließen zu lassen. „Zirkus“ erlaubt in idealer Weise die Verbindung zwischen der Entwicklung körperlicher Fähigkeiten, Bühnenpräsenz und Selbstbewusstsein sowie sozialer Kompetenzen. Im September  ging das gemeinsame Projekt Lernen unter Sternen an den Start. Das Projekt besteht aus drei Säulen. Dem artistischen Training, Arbeit in Arbeitsgruppen und dem begleitenden Unterricht. Das artistische Training und die Arbeitsgruppen finden im Zirkus cabuwazi und der Medienetage, als weiterem Kooperationspartner statt. Die Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Themen wie Stückentwicklung, Regie, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Kostümentwurf und -fertigung, Maske, mediale Begleitung, Dokumentation und Bühnenbild. Ziel des artistischen Trainings ist es, dass jeder Schüler auch auf der Bühne sein erworbenes Können zeigen kann. Im Fachunterricht besprechen die Lehrer mit den Schülern die Stückinhalte und fertigen Bühnenelemente. Insgesamt drei fünfte Klassen der genannten Schulen sind jeweils für ein halbes Schuljahr mit dem Projekt beschäftigt. Einmal pro Woche sind sie dafür im Zirkus cabuwazi. Das Projekt verknüpft pädagogische, soziale, individualpsychologische und vor allem motorische Lernziele. Die Zirkusarbeit fordert und fördert unterschiedliche Begabungen und Talente. Der Höhepunkt und Abschluss des Projektes ist die Präsentation der Ergebnisse in zwei Vorstellungen, bei der der Film der Mediengruppe gezeigt wird.

Zirkusarbeit motiviert Ein Vorläuferprojekt von cabuwazi und der Grundschule am Mohnweg hat gezeigt, dass Zirkusarbeit die Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise motiviert. Die Kinder bekommen Lust, sich auch im Schulalltag zu engagieren. Ihr Selbstwertgefühl wächst und ihre Persönlichkeitsentwicklung wird gestärkt. Das Projekt startete im April  und lief Ende  aus. Förderprogramm Schule / Jugendhilfe Aus Mitteln des Verbandes wird das erfolgreiche Projekt im Januar  fortgesetzt und auf die Grundschule am Berg ausge­ dehnt. Die Förderung umfasst Personal-, Sach- und Betriebsko­ sten für  Monate. Das Projekt bezieht circa  Schüler ein.

Foto: Thoma

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CABUWAZI – Kinder- und Jugendzirkus e.V. Grundschule am Mohnweg | Grundschule am Berg – Treptow

Foto: Thoma

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Neuköllner Engel
ie sieben Mädchen aus der siebenten Klasse der Röntgen- Eine Zeile heißt „…Wichtig ist, wer du im Herzen bist! Du Realschule in Nord-Neukölln träumen davon, einmal musst gar nicht perfekt sein.“ Polizistin, Sängerin, Schauspielerin, Architektin, Hausfrau oder Laura: Toll an unserer Schule ist, dass es eine Cafeteria gibt. Archäologin zu werden. Doch zuvor mussten sie das Probehalb- Jumana: Unsere Lehrer sind wie unsere Freunde, helfen uns jahr an ihrer Schule als eine Hürde nehmen. Gar nicht so leicht und lassen uns nicht im Stich. für viele, die wenig oder keine Unterstützung von den Eltern Hanan: Und das Engelprojekt ist auch besonders. Dass wir hier daheim bekommen. Projekt „Neuköllkochen, basteln, lernen. ner Engel“ half ihnen, den Übergang Sinem: Wenn wir vom Unterricht „Als Engel werden wir die neuen zu meistern. Weniger Schüler als in kommen, gibt es immer erst einmal Schüler von der Grundschule durch etwas zu Essen. den Vorjahren mussten zur Hauptdie Schule führen“ schule wechseln. Dabei steht das Jumana: Im ersten Halbjahr haben wir Kooperationsprojekt des Jugendhilfeso viele Tests geschrieben. Das war ein trägers AspE – Ambulante sozialpädagogische Erziehungshilfe großer Druck, ob unsere Leistungen auch ausreichen. Und manchmal haben wir auch geweint. Dann ist es schon gut, und der Röntgen-Realschule erst ganz am Anfang. Einige der „Engel“ erklären, was sich hinter ihrem Namen verbirgt. Freunde zu haben und sich zu verstehen. Tagrid: Die beiden Sozialarbeiter haben uns beigebracht, wie Zuerst ging es um Nachhilfe man zusammen arbeitet. Ich muss heute nicht immer nur neben Hanan: Kurz nachdem die siebente Klasse begann, kamen die meiner besten Freundin sitzen, damit das klappt. Und dann Sozialarbeiter Andrea Ebinger und Erdal Güncü zu uns und merkt man auch, wenn man der anderen etwas erklärt, lernt fragten, wer von uns Nachhilfe braucht. Einige meldeten sich man selbst ganz viel, auch wenn man gar nicht die Beste ist. und gemeinsam wiederholten wir den Stoff und lernten. Jennifer: Auch unsere Lehrer schickten einige hin, weil sie mein- Die Jungen brauchten auch solch einen Treff Jennifer: Am Anfang waren auch ein paar Jungen dabei. ten, die würden sonst das Probehalbjahr auf der Realschule Hanan: Bei uns in der Klasse ist es so, dass viele Jungen nicht nicht schaffen. viel können. Aber denen ist es peinlich, hier mit den Mädchen Sinem: Zwei Mädchen aus meiner Klasse wechselten inzwischen zu üben. die Schule. Obwohl ich der einen sagte ‚lern’ mit mir Mathe’, hat sie es nicht gemacht. Sie war verspielt und hat es nicht ernst Jumana: Die sagen dann, Engelprojekt, das ist nur was für Mädgenommen. chen! Trotzdem werden wir gucken, ob nicht noch andere ­ chüler S Laura: Ohne die Hilfe hätte ich auch wegen Mathe nicht bestan- bei uns mitmachen wollen, gern auch Jungen. den. Aber bei unserem Treff montags und donnerstags nach Laura: Als Engel werden wir die neuen Schüler, die von der dem Unterricht für anderthalb Stunden, haben wir die Haus- Grundschule zu uns kommen, durch die Schule führen, ihnen aufgaben zusammen durchgesprochen und zu Hause habe ich sagen, was wo ist, was sie machen können. Auf einer Liste haben sie mir noch einmal angeschaut. Dann habe ich es verstanden. wir uns schon paar Kinder ausgesucht, die wir kennen. Ich denke, Deniza: Wir bekamen zum Elternsprechtag gerade unser Zwi- der Übergang wird leichter für sie sein. Es ist schwer, wenn man schenzeugnis. Ich bin zufrieden, Zweien und Dreien habe ich. neu hier anfängt und niemand kennt. Hanan: Das wird dann das erste Mal sein, dass die mit uns Bei den Engeln lernten wir einander kennen Paten bekommen. Hanan: Ich kam freiwillig. Es machte mir Spaß, andere ­ ädchen M Jumana: Wir hatten das leider nicht. Schon allein die Fachräume zu treffen. Erst hier haben wir uns kennen gelernt. Zuvor trau- immer zu finden, war schwierig. Aber die Neuen können uns dann immer fragen. ten wir uns nicht, in der Klasse miteinander zu reden und ­ atten h viel Streit miteinander. Inzwischen halten wir gut ­ usammen. z Deniza: Nach ein paar Wochen begannen wir mit dem Engel- Unser Wunsch ist, dass die Idee zum Selbstläufer wird projekt. Im Januar dichteten wir einen Rap über unsere Schule, Das Engel-Projekt unterstützt Kinder aus benachteiligten Famium beim Tag der offenen Tür und in Grundschulen für sie zu lien beim Übergang von der Grundschule zur Realschule. Realwerben. schüler erfahren Unterstützung beim Lernen und übernehmen 10
AspE – Ambulante Sozialpädagogische Erziehungshilfe e.V. Röntgen-Realschule – Neukölln

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Verantwortung für jüngere Schüler als Paten. Sie sind die „Neuköllner Engel“. Die Projektentwicklerin des Engelprojekts von AspE, Elke Bovier, im Gespräch über die Vorgeschichte des Projekts. Wie entstand das Engelprojekt? Als freier Träger unterhält AspE eine Schulstation an der Grundschule. Die Kollegen von dort signalisierten in der Kiez-AG, wie schwer es für viele Kinder ist, das Probehalbjahr an der Realschule zu bestehen. Dort sind auch Vertreter der Schule anwesend. Für die ist schon ein Problem, dass die Schüler von verschiedenen Schulen zu ihnen kommen und es nicht genügt, die alle auf einen Stand zu bringen. Also war klar, wir müssen etwas entwickeln.

dass es auch im Unterricht möglich ist. Dennoch wurden die Sozialarbeiter von den Lehrern unterstützt, bekamen die Arbeitsblätter, die behandelt wurden, die Themen für die Klassenarbeit. Kann eigentlich jeder Schüler „Engel“ werden? Als wir mit dem Projekt begannen, stand für die Lehrer stark der Leistungsaspekt im Vordergrund und sie wollten zu uns all jene schicken, von denen sie meinten, die seien zu schlecht, eigentlich fast alle Schüler. Das Projekt aber ist nur für zehn Schüler gedacht. Und wir merkten, dass wir für unser Vorhaben auch leistungsstarke Schülerinnen brauchen, die Lernhilfen anbieten können. Deshalb forderten wir nach zwei Monaten die Schülerinnen auf, sich wie für einen Job als Engel zu bewerben, wenn sie Pate werden wollten.

Eine Möglichkeit wäre gewesen, Wen werden sie unterstützen? den Schülern Nachhilfe zu geben? Zum Schuljahresbeginn wissen die Lehrer schnell, wo jemand Es geht nicht nur um den Schulstoff, sondern um die Grup- steht, wer Hilfe braucht. Mit denen werden die Engel im Tandem lernen. Und dann laden wir die neuen Siebtklässler ein, pendynamik, die vor dem Lernen steht. Die Klassen an der Realschule sind sozial und leistungsmäßig sehr unterschiedlich „Engel“ zu werden und bereiten sie auf die Rolle vor. Wir denken, und viele Schülerinnen und Schüler suchen erstmal ihren Platz. so kann die Idee zum Selbstläufer an der Schule werden, die eines Tages nur noch den Impuls eines Klassenlehrers braucht. Sie müssen zunächst wenigstens ahnen, wer sie sind, bevor sie sich überhaupt der Schule zuwenden können. Deshalb ging es darum, einen Raum zu schaffen, in dem sie etwas für sich tun können, in dem sie nicht bewertet werden und alles, was sie tun, falsch ist. Ich denke schon, dass sich Schulen darum kümmern müssten. Aber es gibt viel zu wenige Begegnungen in kleinen Gruppen. Wie wohl das den Schülern tat, merkten wir daran, dass sie manchmal nach zwei Stunden nicht nach ­ ause H wollten. Welche Reaktion gab es von den Eltern auf Ihr Angebot? Wir führten begleitend einen Elternabend durch. Aber nur drei Eltern kamen. Etliche haben kleine Kinder und viele Verpflichtungen und sind froh, entlastet zu werden. Dennoch, da müssen wir dranbleiben. Und von der Schule? Die Schule akzeptiert das Angebot. Sie müht sich, ihr Image zu stärken, Schüler zu werben, damit nicht alle auf die Hauptschule gehen. Die Leistungsorientierung bleibt aber zentral. Nur langsam öffnen sich die Lehrer für neue Lernmethoden. Es klingt immer ein leicht ironischer Unterton mit, wenn die Lehrer sagen, so wie wir möchten sie auch gerne arbeiten – keine Noten geben, keinen rausschmeißen, und sie glauben noch nicht daran,

i Kontakt und Kooperationspartner
AspE – Ambulante Sozialpädago­ gische Erziehungshilfe e.V. Martin Stratmann Geschäftsführer Dr. Elke Bovier Projektentwicklerin Brusendorfer Str.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     info@aspe-berlin.de www.aspe-berlin.de Röntgen-Realschule Marlis Meinicke-Dietrich Rektorin Richardplatz   Berlin Tel	  –     Fax	  –     berlin.r@t-online.de

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Konfliktlotsen
as Nachbarschaftszentrum Kiezspinne und die HermannGmeiner Grundschule in Lichtenberg arbeiten bereits seit längerem zusammen. Die Kiezspinne ist Träger des Schülerclubs „Lichtpunkt“, ein offener Freizeittreff für alle Kinder von  bis  Jahren im Wohngebiet Frank­ furter Allee Süd. Das Zusammenleben im Kiez und das Klima an den Schulen ist von zunehmender Gewalt und vielen Alltagskonflikten gekennzeichnet. parittische Förderung Ein umfassendes Mediations­ angebot für Kinder unterschiedlichster kultureller Herkunft soll die gewaltfreie Selbstregulierung von Konflikten in der Schule und im Gemeinwesen ­ tärken. s Mit Mitteln des parit­ tischen Berlin wird modellhaft eine Konflikt­ot­ en­ usbildung l s a an der Herrmann-Gmeiner Grundschule durchgeführt. In einem zweiten Schritt wird dies auch an anderen Grundschulen in Lichtenberg-Hohenschönhausen geschehen. Einbezogen sind das Projekt „Lehgo“ der Sportjugend Berlin, die Präventionsbeauftragten der Polizei Direktion sechs sowie das Büro der Ausländerbeauftragten von Berlin-Lichtenberg. Der Verband finanziert für zwei Jahre die Projektkoordination, Honorare und Sachmittel. Konfliktlotsen sorgen für besseres Klima… Das Projekt setzt bei den Klassensprecherinnen und Klassensprechern und sonstigen interessierten Schülern an. Sie erhalten ein einwöchiges Training zur Erweiterung der sozialen Kompetenz. Danach beginnt die Konfliktlotsenausbildung. Auch poten­ zielle „Streithähne“ sollen dabei sein. Die Lehrer sind in die Konfliktlotsenschulung einbezogen. Sie erhalten zusätzliche pädagogische Anregungen und eine Fortbildung in Mediation. In Schulklassen wird trainiert, wie man sich konstruktiver und gewaltfrei mit Konflikten auseinandersetzen kann. Um die Akzeptanz des Vorhabens zu stärken, werden Eltern gesondert angesprochen. Sie werden vom Projekt Lehgo betreut. Über Workshops sollen weitere Schulen und die soziokulturellen Z ­ entren in Lichtenberg / Hohenschönhausen vernetzt werden. 12
Kiezspinne FAS – Nachbarschaftlicher Interessenverbund e.V. Herrmann-Gmeiner-Grundschule – Lichtenberg-Hohenschönhausen

Gemeinsam Schule machen
Modellprojekt zur mobilen integrativen Schulsozialarbeit in Pankow

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er Jugendhilfeträger Einhorn e.V. arbeitet mit Grundschulen im nördlichen Prenzlauer Berg und Alt-Weißensee zusammen. Das Modellprojekt Pankow zur mobilen integrativen Schulsozialarbeit beginnt zunächst mit drei Schulen:

Positive Erfahrungen seit  Die Projekte werden nach den Bedürfnissen von Eltern, Schülern und Lehrern gestaltet und individuell ausgerichtet. Das Projekt „Gemeinsam Schule machen“ wurde bereits seit  in zwei Sozialräumen in Friedrichshain-Kreuzberg an sechs Grundschulen durchgeführt. Es gelang so gut, dass es im Jahr  auf sämtliche Grundschulen in Friedrichshain übertragen wurde. Nun also Pankow. Klassenprojekte gefragt Die Erfahrung zeigt, dass vor allem Klassenprojekte von den Schulen nachgefragt werden. Diese Projekte bestehen aus einer Planungs-, Trainings- und Verselbstständigungsphase. Mit den Klassenprojekten werden sowohl individuelle als auch Gruppenprozesse gefördert. Ziel ist die Verankerung von Ritualen und Methoden, damit auf dieser Grundlage eigenständig weiter gearbeitet werden kann. Die Schul- und Elternprojekte werden erprobt.

Foto: Kiezspinne FAS e.V.

Foto: Einhorn e.V.

Der Thomas-Mann-Grundschule, der Grundschule am Planetarium und der Carl-Humann-Grundschule. Es gibt dafür einen Rahmen-Kooperationsvertrag zwischen dem Jugendamt Pankow, der Senatsverwaltung Bildung und Wissenschaft und dem ­ räger. T Vom parittischen gefördert Das Projekt „Gemeinsam Schule machen“ bietet konkrete P ­ rojektarbeit für Schüler an den drei Grundschulen, die zur Integration sozialpädagogischer Hilfe bedürfen. Die Projekte umfassen drei Themenbereiche. Es gibt Klassenprojekte, die Kommunikations- und Konflikttraining beinhalten und dabei geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigen. Ferner gibt es Schulprojekte, wie Aikidokurse, eine Theaterwerkstatt und Klassenraumgestaltung. Darüber hinaus gibt es Elternprojekte und -seminare. Ziel ist es, Schule als Lern- und Lebensort neu und positiv zu definieren. Schule, Jugendhilfe und Institutionen vor Ort werden vernetzt. Der parittische Berlin fördert Personal- und Sachmittel für diese Arbeit für ein Jahr, beginnend im Februar .

i Kontakt und Kooperationspartner
Einhorn e.V. Klaus Dittmar Geschäftsführer Susan Winkler Bereichsleiterin Schulsozialarbeit Jablonskistr.  |  Berlin Tel	  –   - Fax	  –   - schulsozialarbeit@vereinhorn.de www.gemeinsam-schule-machen.de www.vereinhorn.de Sen BFW Außenstelle Pankow Gabriele Münzberg Schulrätin Schulaufsicht Fröbelstr.  |  Berlin | Haus  Tel	  –      Fax	  –      gabriele.muenzberg@ senbfw.verwalt-berlin.de vertritt die Schulen: Grundschule am Teutoburger Platz Turnvater Jahn Grundschule Grundschule am Weißen See Thomas-Mann-Grundschule Grundschule am Planetarium Carl-Humann-Grundschule. Letztere drei sind die Kooperationspartner für das Modellprojekt Pankow, das vom PARITÄTISCHEN Berlin gefördert wird.

i Kontakt und Kooperationspartner
Kiezspinne FAS e.V. Birgit Monteiro Geschäftsführerin Schulze-Boysen-Str.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     info@kiezspinne.de www.kiezspinne.de 12. Hermann-Gmeiner-Grundschule Uta Schröder Rektorin Harnackstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     sekretariat-gmeinergs@t-online.de www.gmeinergs.cidsnet.de

Einhorn e.V. | Grundschulen in Pankow

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Herzmütter Herzväter

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Eltern als Bildungspartner

Foto: Niklaus, Bürgermeister-Herz-Grundschule

o meinen Sie, lernt ein Kind mehr?“ Mit dieser Frage Beispiele aus der Lebenswelt der Mütter nutzen Die Mütter hören es gern, dass sie zu Hause die Basis für den eröffnet Pädagogin Irene Beisiegel die Gesprächsrunde der „Herzmütter“. Die „Herzmütter“ sind die Mütter der jet- schulischen Erfolg legen. „Kinder mit Migrationshintergrund zigen und künftigen Schüler der Bürgermeister-Herz-Grund- haben es wirklich schwer“, wirft eine der Frauen in die Runde. schule in Kreuzberg. Jeden Dienstagnachmittag kommen sie in „Und könnten noch viel mehr leisten“, hält Meryem Ucan ihnen einem der Freizeiträume der Schule zusammen, besprechen etwa entgegen. Natürlich sei es für ein Kind eine große Hürde, in ein Stunde lang ein Thema, um dann Tee zu trinken und wei- der Schulklasse plötzlich laut und deutlich und vor der ganzen Klasse seine Meinung zu sagen, wenn es zu Hause am Familiterzureden. Einige der Mütter haben ihre Kinder dabei. Etliche ältere Mädchen schauen kurz zwischen ihrem Freizeitprogramm entisch still sein muss. „In der Familie aber kann es lernen, sich an der Ganztagsschule in den Raum und genießen sichtlich, auszudrücken und sich mitzuteilen. Dann ist es auch nicht ihre Mutter in der Schule einige Zeit an ihrer Seite zu haben. schwer sich im Klassenverband zu äußern und bestimmte Kommunikationsregeln einzuhalten, weil es bereits weiß, es passiert ihm nichts.“ Bei ihren Erklärungen benutzt sie ihre Kenntnis Wert des Lernens in der Familie begreifen „Was also ist wichtiger, die Schule oder die Familie?“, sollen die der Lebenswelt der Mütter und beschreibt lebendig und auf Eltern beantworten. „F“ für Familie notiert einzig Ulrich Türkisch konkrete Szenen aus dem Alltag der Familien. Dass Mahnke, der pädagogische Leiter der ergänzenden Betreuung. sie den Kern trifft, sieht man an den interessierten und betroffenen Reaktionen der Frauen. Die gut ein Dutzend Frauen aber schreiben entschlossen ein „Sch“ für Schule auf ihr Blatt. Mit ihrer Frage wollte Irene Beisiegel vor allem sensibilisieren. Im Auftrag des Nachbarschafts- Mütter leiteten die Gruppenarbeit fürs „Perfekte Dinner“ an Seit November arbeitet die Sozialarbeiterin Meryem Ucan an hauses arbeitet sie in der Lerninsel in der Schule. Die ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler im ersten Schuljahr, der Schule. Für große Aufmerksamkeit an der Schule sorgte denen ein begleiteter Einstieg in eine andere Lernsituation hilft, bereits nach wenigen Wochen das von ihr initiierte „perfekte in der Schule anzukommen. In der Gesprächsrunde der „Herz- Dinner“. „Ich habe mit einer Gruppe die Vorspeise vorbereitet“, mütter“, werden immer wieder Angebote der Schule vorgestellt. erinnert sich eine Mutter mit schwarzer Bluse. „Wie heißt das gleich: Geflügelspieße. Die haben wir serviert.“ Noch an der Wie ist es wohl für jemanden, fragt Irene Beisiegel, der den Führerschein erwerben will, aber nie zuvor eine Autotür geöff- Hochschule untersuchte Meryem Ucan in einem Forschungsprojekt mit, welche Faktoren einen positiven net hat, nicht weiß was ein Lenkrad, ein Blinker oder eine Bremse ist, geschweige Einfluss auf die Arbeit mit Migrantenfami„Meine Mama hat vor lien haben. Wichtig ist, so fanden die Wisdenn bisher Verkehrsregeln beachtete? „Wie der Klasse gestanden und senschaftler damals heraus, dass sich die ­ anstrengend ist es dann für ein Kind zu Betroffenen wohl und willkommen fühlen, Schulbeginn, wenn es nicht zu Hause lernt, etwas zu sagen gehabt“ seine Schuhe zu binden, die Jacke allein zu mit ihren Stärken wahrgenommen werden, holen oder die Stifte zu spitzen? Dies alles muss es dann zusätz- die Hürden nicht so hoch liegen. Themen, mit denen sich Eltern lich zu den Buchstaben und Zahlen lernen, fühlt sich überfor- beschäftigen, sind unabhängig von deren ethnischem Hinterdert und kann sich nicht konzentrieren“, gibt sie den Müttern grund. Was zählt ist, dass alle das Beste für ihr Kind wollen. mit auf dem Weg. Doch die hatten ihr Bild über die Lernleis- Darüber sprach die Neue an der Schule in der Cafeteria oder tung eines Kindes in der Familie bereits durch die Übung zuvor im Lehrerzimmer, wann immer sie Lehrer traf. Durch die Gespräche mit Kindern und Eltern entwickelte sich das Projekt korrigiert. Auf einer Art Lebensleiter von null bis sechs Jahren hatten sie nach gemeinsamer Diskussion aufgeklebt, welche „Das perfekte Dinner“. Und wenig später sprach sie eine LehreFähigkeiten ein Kind bereits vor dem Schuleintritt erwirbt: rin einer dritten Klasse an: ‚Ich habe Lust auf so ein Projekt!’ indem es greifen, sprechen, laufen, sitzen, singen und hunder- Meryem Ucan stellte es auf der Elternversammlung vor, gewann terlei mehr lernt. Nur bei solchen Stichworten wie „Interesse fünf türkische und eine deutsche Mutter und die wiederum an Bilderbüchern“, oder „Freude an Musik“ waren sie irritiert. bereiteten drei Wochen lang drei Unterrichtseinheiten vor: mit G „Bereits mit zwei Jahren lernen die sich zu konzentrieren?“, Kennenlernspiel und der Gruppenarbeit für die einzelnen ­ änge, mit Melden und Regeln einhalten, dem Schreiben der ­ inladung E staunte eine der Frauen.
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. Bürgermeister-Herz-Grundschule – Kreuzberg

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Arabische Familien und Schule
Al Ahali wa al Madrasa
und dem Basteln der Tischdekoration, dem Nachdenken über so etwas wie ein Tischgebet bis zu dem festlichen Mahl. „Die Kinder erzählten hinterher stolz: ‚Meine Mama hat vor der Klasse gestanden und etwas zu sagen gehabt“, erinnert sich Frau Ucan und weiß genau: Das sind starke Frauen. Sie wollen nicht nur aufs Kuchenbacken reduziert werden. Sie können mehr und wollen sich beteiligen! Schule für die Eltern transparent machen Vielen Eltern sind bestimmte Vorgänge in der Schule nicht transparent genug – z.B. ist es ihnen nicht bewusst, welche Wirkung es hat, wenn sie nicht zum Elternabend erscheinen“. Durch die Zusammenarbeit der Bürgermeister-Herz-Grundschule mit dem Nachbarschaftshaus Urbanstraße bei der G ­ estaltung der offenen Ganztagsschule entstanden in den z r ­ u­ ückliegenden drei Jahren neue Möglichkeiten, die Eltern anzusprechen und zu überlegen, wie sie mehr Gewicht bekommen mit dem, was ihnen wichtig ist. Der erste Schritt für diese teilweise bildungsfernen Mütter und Väter war es, sie mit den Räumen der Schule vertraut zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sie zu erobern. „Deutlich vermittelten wir den Eltern die Botschaft: Ihr seid eingeladen die Möglichkeiten der Schule für euch zu nutzen“, erklärt Ulrich Mahnke, der Leiter der ergänzenden Betreuung. Durch unterschiedliche Freizeitangebote der offenen Ganztagsschule und verschiedener Gastgruppen ist das Haus sowieso an vielen Tagen in der Woche auch am Abend geöffnet. Deshalb können auch die Eltern am Abend töpfern oder den Computerraum nutzen. Die Eltern wollen sich engagieren Wo ich nicht mehr fremd bin, kann ich mitgestalten“, davon ist der Pädagoge überzeugt. Und genau darum geht es bei dem Projekt der Herz-Mütter und -Väter. „Sie erobern sich Felder der Mitbestimmung und sollen selbst das beste Beispiel dafür werden, dass jeder einen Beitrag zur Gestaltung des Lebensraumes Schule einbringen kann“, heißt es in der Konzeption des Projektes. Was das konkret heißen kann, erkundete die türkische Sozialarbeiterin in den zurückliegenden Monaten in vielen Einzelgesprächen beim Bringen und Holen der Kinder und den verschiedenen Elterngesprächskreisen. „Die Mütter fragen immer: ‚Was soll ich mitbringen? Wie kann ich etwas vorbereiten?’ Das zeigt mir, dass sie sich engagieren wollen“, erlebt sie. Nach dem Erfolg des perfekten Dinners sprachen mehrere Lehrer die Sozialarbeiterin an, ob sie nicht auch mit ihrer Klasse ein Projekt vorbereiten könne. Sie ist davon überzeugt, dass eine wertschätzende und gleichzeitig ressourcenorientierte Haltung die Basis ist, um weiter zusammenzuarbeiten und die Schule zu entwickeln. „Erfolgreich wird meine Arbeit sein, wenn die Eltern selbständig ihre Angelegenheiten in der Schule einbringen, ich irgendwann über­ flüssig bin“, glaubt Meryem Ucan.

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ie große Mehrzahl der Schüler der Kreuzberger OttoWels-Grundschule stammt aus armen, bildungsfernen Familien:  Prozent der Familien leben von staatlichen Transferleistungen,  Prozent der Schüler haben einen Migra­ ions­ t hintergrund,  Prozent von ihnen stammen aus dem arabischen Raum. Die Schule geht einen aktiven Weg, um ihrem Bildungsauftrag unter diesen schwierigen Bedingungen gerecht zu ­ erden. w Es gibt spezielle Unterrichtseinheiten zum sozialen Lernen und die Lesekompetenz wird durch zusätzliche spezielle Angebote gestärkt. Aktive Lehrer und Eltern haben sich zu einem Förderverein zusammengeschlossen.

Kooperationspartner i Kontakt und
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. Matthias Winter Geschäftsführer Ulrich Mahnke Ergänzende Betreuung, Projektleiter Urbanstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     nhuinfo@nachbarschaftshaus.de www.nachbarschaftshaus.de Bürgermeister-Herz-Grundschule C. Wuntke Schulleitung Wilmsstr.  |  Berlin Tel	  –      Fax	  –      verwaltung@b-herz-grundschule.de www.b-herz-grundschule.de

Arabische Eltern aktivieren Es besteht eine Kooperation mit dem Arbeitskreis Neue Erziehung und der Arabischen Elternunion, die gemeinsam das Projekt zur Aktivierung arabischer Eltern durchführen. Mit dem Projekt, das vom parittischen Berlin für zwei Jahre mit einem Zuschuss gefördert wird, werden speziell arabische Eltern aktiviert und für ein Engagement für schulische Belange gewonnen. Bestehende Kooperationen und Netzwerke in Schule und Nachbarschaft sind auf ihre Mitarbeit angewiesen um erfolgreich zu wirken. Eigeninitiative zu erleben, eigene Kompetenzen einzubringen und dafür anerkannt zu werden, sind unschätzbare Erfahrungen auf dem Weg zur sozialen Integration.
Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. (ANE) | Arabische Eltern Union e.V. Otto-Wels-Grundschule – Kreuzberg

Moabiter Ratschlag Foto: Heppner

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Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. Bürgermeister-Herz-Grundschule – Kreuzberg

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Eltern als Bildungspartner
Sprachmittler und Elternlotsen ausbilden Für das erste Projektjahr haben sich der Arbeitskreis Neue Erziehung und die Arabische Elternunion vorgenommen, arabische Mütter und Väter zu Elternlotsen und Elterngruppenleitern fortzubilden, die an der Otto-Wels-Grundschule aktiv werden. Sie lehnen sich damit an bewährte Konzepte und Erfahrungen mit der Arbeit von Integrationslotsen an. Die Arabische Eltern Union hat bereits in einem sozialen Brennpunkt im Wedding sehr erfolgreich mit Integrationslotsen ­ earbeitet. Sprachmittler g und Elternlotsen bieten Unterstützung in Schule und Alltag und bauen Brücken zu den Angeboten im Kiez. Arabische Elterngruppe in der Schule gründen Die Lehrer der Otto-Wels-Grundschule sind interessiert und kooperationsbereit. Die Arabische Eltern Union bietet bereits Nachhilfe für die Schülerinnen und Schüler der Otto-WelsSchule an. Nun werden arabischstämmige Eltern gezielt angesprochen um sie dafür zu gewinnen, sich bei schulischen Veranstaltungen und in Schulgremien zu engagieren. Angestrebt wird, eine arabische Elterngruppe an der Schule zu organisieren. Es werden Stadtspaziergänge im Kiez veranstaltet, bei denen arabische Familien die Angebote im Kiez erkunden können und nachbarschaftliche Netzwerke und Besonderheiten in der Wohn­ umgebung entdecken können. Elternlotsen für drei weitere Schulen Für das zweite Projektjahr haben sich ANE und die Arabische Elternunion vorgenommen, die Arbeit der ehrenamtlichen E ­ lternlotsen an drei weiteren Schulen in Mitte und Neukölln zu etablieren. Dies soll in Zusammenarbeit mit den dortigen Nachbarschaftszentren geschehen.

i Kontakt und Kooperationspartner
Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. Dr. Heidemarie Arnhold Vorstands­vorsitzende Christian Schoenfelder Leiter der Interkulturellen Familienberatung Boppstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     schoenfelder@ane.de www.ane.de Arabische Eltern Union e.V. Mahmoud El Hussein Geschäftsführer Prinzenallee  |  Berlin Mobil   –     elhusseinm@yahoo.de Otto-Wels-Grundschule in Berlin Kreuzberg Chr. Steimer-Ruthenbeck Schulleiterin Alexandrinenstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     buero.ottowels@web.de

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in starkes Team für Bildung hat sich im Falkenberger Feld in Spandau herausgebildet: Das Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis FIPP e.V. mit seiner Kita Fantasia und die Siegerland-Grundschule kümmern sich gemeinsam darum, dass Eltern am Schulleben mitwirken. „Benutz deinen Kopf und den Abschalteknopf“ dröhnt ein Lied aus dem CD-Player. Im Stuhlkreis sitzen gut ein Dutzend Eltern sowie Erzieherinnen und Sozialpädagogen von der FIPP-Kita und dem Hort zum Elterngesprächskreis. Thema diesmal: „Kinder können Fernsehen.“ Eine Erzieherin aus der Kita erinnert sich, dass sie als Kind viele Filme gar nicht als gewalttätig empfand. Die deutsche Moderatorin erzählt, wie oft sie sich dabei ertappt, dass sie eine Sendung als nicht gut für ihr Kind abwertet, statt zu sagen: ‚Ich mag sie nicht.’ Eine türkische Mutter äußert sich verunsichert: „Ist es nicht richtig, den Kindern beim Fernsehen das Spielzeug wegzunehmen?“ Sie glaubte, sie helfe ihnen, sich zu konzentrieren. Im Gespräch aber hatte sie erfahren, dass die Kleinen mitunter durch ein Spiel das Gesehene verarbeiten oder mit ihrer Angst klarkommen. „Wie können wir unsere Die Frau mit dem Kopftuch findet es schwer, konsequent zu erziehen. Das für die Schule stärken?“ zeigt sich am Fernsehen. Schafft sie es, ihre eigenen Regeln durchzusetzen, wird das Gerät nach anderthalb Stunden ausgeschaltet. Doch manchmal will sie in Ruhe die Wohnung putzen oder bügeln und lässt die Kinder gewähren. Die Rechnung dafür bekommt sie am nächsten Tag präsentiert, wenn die Kinder nicht hören. Damit ist sie nicht zufrieden und weil sie Hilfe sucht, kommt sie zum El­ ern­­ t gesprächskreis an die Siegerland-Grundschule. Die ­ ütter und M Väter der künftigen ersten Klasse sind dazu eingeladen.

Kinder

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Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. (ANE) | Arabische Eltern Union e.V. Otto-Wels-Grundschule – Kreuzberg

FIPP e.V. – Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis Kita und Familienzentrum Fantasia | Siegerland-Grundschule – Spandau

Moabiter Ratschlag Foto: Heppner

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Alle Sprachen willkommen „Braucht jemand Übersetzung“, fragt der türkischstämmige Moderator und wartet nicht auf die Antwort. Zwischendrin flüstert ein Praktikant mit einer Mutter auf Russisch. Den Eltern wurde bereits auf der Einladung mitgeteilt, dass sie die Sprache benutzen können, die sie gern sprechen. Und sie wissen, dass ihre Kinder während der zwei Stunden betreut werden. Gabi Staps, Leiterin der FIPP-Kita Fantasia, spielt nicht nur mit den ihnen. Sie nutzt auch die Zeit, den künftigen Erstklässlern einige Räume der Schule zu zeigen. Mal in der großen Runde, dann wieder in kleinen Gruppen bei Kaffee und Tee reden die Eltern und die Professionellen über ihre Erfahrungen rund ums Fernsehen, erzählen einander Episoden, lachen. Schnell stellen die Erwachsenen fest: Auch die meisten von ihnen haben ihre Lieblingssendung, auf die sie nicht verzichten mögen. Und wenn ihnen als Kindern etwas verboten wurde, schauten sie heimlich. Leicht und spielerisch führen die beiden FIPP-Moderatoren, Annette Kübler und Merih Ergün, durch den Abend und irgendwann traut sich eine Mutter zu sagen, was ihr auf der Seele brennt. „Ich weiß nicht, wie ich mit meiner mittleren Tochter klarkommen soll“. Drei Mädchen hat sie. Die Große besucht das Gymnasium und will studieren. Die mittlere ist fröhlich, mag aber nicht lernen. Die Kleine kommt erst ist in die Schule. „Ich hoffe, dass für sie vieles leichter wird, weil wir beide bereits viel vertrauter mit dem Ort sind.“ Sie nahm schon an mehren dieser Elterngesprächskreisen teil. Eine resolute Mutter zweier Kinder brachte sie mit. Sie kennen sich vom türkischen Frauentreff, den sie seit zehn Jahren besuchen. „Ich bin in Deutschland aufgewachsen“, erzählt diese zweite Frau. „Als Kind habe ich mich nie als Ausländerin wahrgenommen“, und so, wie sie mit ihren flachen Schuhen fest auf dem Boden steht, markiert sie in dem Schulzimmer deutlich: Hier ist mein Platz. „Im FIZ gibt es ein Elterncafé. Kommst du mit?“ Gerade erst bezog das „Familie im Zentrum. Falkenhagener Feld-Ost. FIZ“ die Räume in der einstigen Hausmeisterwohnung der Schule, sozusagen auch räumlich ein Bindeglied zwischen FIPPKita, Hort und der Schule. Gefördert durch Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ sollen Eltern deutscher und nichtdeutscher Herkunft, sich treffen und zugleich zu Gesundheitsund Erziehungsfragen ohne Anmeldung Ansprechpartner finden, die sie kennen. Ein in Beratung geschulter Erzieher aus der Kita wird dort Einzelgespräche mit Eltern anbieten.

Viele informelle Gelegenheiten zum Kontakt In dem Sinne ergänzen sich Familienzentrum und der Elterngesprächskreis bestens. Bereits aus der Kita sind die Eltern es gewohnt, mitreden zu dürfen, ihre Fragen zu stellen, sich gegen­ seitig zu ermutigen und auch klare Bitten von den Erzieherinnen zu hören, wie sie daheim ihre Kinder fördern sollten. „Wir können unsere Bildungsziele gar nicht erreichen, wenn die E ­ ltern nicht im Boot sind“, meint Gabi Staps, die ihre Kita mit den Kindern und deren Eltern, der Schule in Sichtweite, dem Hort vom gleichen Träger, der Bibliothek und anderen Einrich-

Elternarbeit der Kita an der Schule weiterführen An diese Erfahrungen knüpft jetzt der Elterngesprächskreis an der Schule an. Zum ersten Treffen im Oktober stellte dessen Leiter den Eltern seiner künftigen Schüler die Schule vor. Die Eltern wiederum äußerten, wie wichtig es für sie ist zu wissen, was dort geschieht. Sie wollen, dass ihre Töchter und Söhne andere Erfahrungen in der Schule machen als sie selbst. Darum ging es auch beim zweiten Treff: Wie können wir unsere Kinder für die Schule stärken? Was half den Eltern beim Lernen und was machte es schwer? – diese Fragen diskutierten sie miteinander; um beim nächsten Mal zu merken, dass die Kinder zwischen Kindergarten und Schule vor allem durch Spiel die Welt entdecken. Dadurch erfüllt der Gesprächskreis stets mehre Funktionen: Die Eltern und Pädagogen lernen einander kennen, teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen, bilden sich weiter, vernetzen sich, entdecken, was sie und andere Eltern brauchen und überlegen, was sie dafür tun können. Inzwischen gibt es einen harten Kern von fünf bis zehn Eltern, der bei kaum einem Abend fehlt und auch außerhalb der Treffs den Kontakt zu den professionellen Pädagogen sucht. Und genau das ist gewünscht. Merih Erguen, einer der Moderatoren des Elternkreises, a ­ rbeitete zuvor in der FIPP-Schulstation an der FichtelgebirgeGrundschule in Kreuzberg. Dort unterstützen in der Initiative „Eltern unterstützen Eltern“ Migranten sich heute gegenseitig. Außerdem entlasten sie beispielsweise als Aufsicht und Konfliktlotsen auf dem Schulhof auch die Lehrer. „So etwas stelle ich mir auch an der Siegerland-Grundschule vor“, erklärt B ­ arbara Tennstedt, die als ehemalige FIPP-Geschäftsführerin in verschiedenen Bereichen weiterhin für den Verein aktiv ist. Zur Beteiligung befähigen Für das nächste Treffen meldete sich bereits die Lehrerin der Schuleingangsphase an. Ab Herbst werden zusätzlich zu den Kita-Eltern auch jene eingeladen, deren Kinder bereits die Schule besuchen. Gleichzeitig wird dann ein Training für die Aktiven aus der Runde starten. Mit neuer Kompetenz sollen die sich in die Schulgremien einbringen können. Die türkische Mutter zweier Kinder engagiert sich bereits als Elternvertreterin in der Kita. Sie, wie andere aus dem Gesprächkreis, sollten unbedingt für diese Herausforderung gewonnen werden. Zwei Jahre haben die Professionellen Zeit, zu schauen, wie sie Eltern ermutigen, stützen, schulen und vernetzen können. Dann läuft die Förderung aus. Bis dahin soll die Elternbeteiligung in Kita und Schule wie im Wohngebiet überhaupt fest etabliert sein. „Ich finde, wir sind auf dem besten Weg dahin“, meint Gabi Staps.

Foto: Fipp e.V.

i Kontakt und Kooperationspartner
FIPP e.V. – Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis Doreen Sieg Geschäftsführerin Großbeerenstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –      zentrale@fippev.de www.fippev.de Kita und Familienzentrum Fantasia Gerald Schulz, Gabi Staps Kitaleitung Westerwaldstr. – |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     kita-fantasia@fipp-ev.de Siegerland-Grundschule Falkenberger Feld – Spandau Christoph Schubert Schulleiter Westerwaldstraße – |  Berlin Tel	  –     Fax	  –      siegerland-grundschule.cids@ t-online.de www.siegerland.schule-berlin.net

tungen in dem Neubaugebiet wie eine Großfamilie beschreibt. Nur wenn sie sich alle gegenseitig ergänzen, können die Kinder ihre Potenziale gut entfalten. Deshalb nehmen sich die Leiterin und die Erzieherinnen nicht nur bei der Anmeldung wenigstens zwei Stunden Zeit, das Kind und seine Familie kennenzulernen. Sie begegnen einander auch beim Grillen oder Wandern und einmal im Monat zu einem Elterngesprächskreis. Bei dem entscheiden die Eltern, was beim nächsten Mal Thema sein soll. Z.B. fragen sie, welche Bücher sie einander für welches Alter ans Herz legen oder welche Spielideen es gibt. „An vielen solchen kleinen Schritten erfahren die Eltern, dass uns ihr Kind wichtig ist und das schafft Vertrauen“, erlebt die engagierte Kita-Leiterin.

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FIPP e.V. – Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis Kita und Familienzentrum Fantasia | Siegerland-Grundschule – Spandau

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Treffpunkt Schule – Elterntreff

Schule – ein Lernort für Eltern
Elterngesprächskreis und Deutschkurs

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rialog e.V. hat seinen Schwerpunkt in der ambulanten Jugend- und Familienhilfe. Die Arbeit bringt einen engen Kontakt mit Fachkräften an Grund- und Oberschulen im Süden Neuköllns mit sich. Daraus entstand das Konzept eines niedrig schwelligen Elterntreffpunkts innerhalb der Schule, ein Ort des Austausches und der Beratung. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die Eltern zu den Bring- und Abholzeiten ihrer Grundschulkinder plaudernd vor der Schule stehen, aber im Inneren der Schule kein Raum zur Verfügung stand, um sie zu erreichen. In einer Probephase bot Trialog an der HugoHeimann-Grundschule eine offene wöchentliche Sprechstunde für Eltern, Schüler und Lehrer an, die großen Zuspruch fand. Mittlerweile beinhaltet das Projekt „Treffpunkt Schule“ neben einer offenen Sprechstunde ein Elterncafé, Einzelgespräche und Themenabende. Mit diesem El­ ern­ afé konnten viele t c Eltern erreicht werden. Sie engagieren sich stärker in der Schule und für die schulischen Belange ihrer Kinder.

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ittwochmorgen im Schülerklub der Paul- und ­ harlotteC Kniese-Schule in Lichtenberg / Friedrichsfelde. Für zwei Stunden treffen sich knapp ein Dutzend Frauen, Mütter von Kindern der Schule, Schulsozialarbeiterin sowie die Sozialpädagogin Anke Köppen von pro sozial zum Frühstück und zum Gespräch.

Trialog e.V.– Schulprojekt Foto: Khalilov

Ein Gespräch beim Elternfrühstück Annette: Ich bin zum ersten Mal da. Heute klappt es bei mir mit der Schicht. Normalerweise bringe ich meinen Sohn früh in die Schule und kenne dadurch zwei, drei Leute. Für mich ist es wichtig zu wissen, wo mein Kind den Tag verbringt, wer dort arbeitet, wo ich mir auch mal Unterstützung holen kann, wenn etwas klemmt. Petra: Seit Dezember gibt es dieses Frühstück und ich komme fast immer, weil mir das einfach Freude bereitet. Wie erzieht Ihr Eure Kinder? Ani: Ich bin aus Armenien und lebe mit Duldung mit meiner Familie in Deutschland. Unsere Kinder wurden zwar hier geboren, besitzen aber nicht einmal eine Geburtsurkunde. Wegen unseres Status dürfen wir nicht arbeiten und finden dadurch schwer Kontakt. Deshalb ist es gut, hier auch von deutschen Müttern zu hören, wie sie ihre Kinder erziehen. Z.B. wenn wir uns zu einer Familienfeier treffen, gehören auch die Kinder dazu und sie gehen dann erst nach  Uhr ins Bett. Das gibt es bei den Deutschen nicht. Mari: Bei den Deutschen arbeiten auch die Männer in der Küche mit und jetzt fragt mich manchmal mein Sohn: ,Darf ich das Geschirr abtrocknen?’ Sein Vater erlaubt das nicht, weil er ein Mann sei. Ich bin verunsichert: Was ist gut, was ist schlecht. Ich weiß nicht so genau, wo es lang geht. Annette: Deshalb grüßt dein Sohn mich nicht, obwohl er mich kennt. Mari: ‚Obwohl, trotzdem, weshalb’, kannst du noch mal den Unterschied erklären? Darüber sprachen wir in unserem Deutschkurs. Der wurde von Frau Köppen organisiert, weil wir keinen anderen Kurs besuchen dürfen. Anke Köppen: Über den Verein Pro Sozial, für den ich arbeite, suchten wir eine Deutschlehrerin, die den Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene je zweimal in der Woche hier in der Schule durchführt. Für uns ist das eine Möglichkeit, die Eltern besser mit der Schule vertraut zu machen und die Verbindung zu vertiefen. Etliche Lehrer klagen darüber, dass sie sich mit den

Eltern nicht verständigen können – gerade mit jenen, die nun Deutsch zu lernen beginnen. Annette: Deshalb waren diese Mütter und Väter beim Elternseminar auch nach dem Kennenlernen-Abend verschwunden. Schade. Ich finde, das sollte Pflicht für alle Eltern sein. Weil man ein Rüstzeug bekommt, wie man brenzlige Situationen mit dem Kind klärt. Petra: Ich fand auch gut zu hören, wie andere Eltern klarkommen. Anke Köppen: Im Herbst starteten wir mit diesem Kurs zunächst mit zehn Eltern. Annette: Das ist kein Unterricht. Wir hatten viel Spaß miteinander. Ich merkte, dass ich dazu neige, autoritär zu werden und meinen eigenen Willen durchzusetzen, wenn ich genervt bin. Es wird höchste Zeit, dass ich da etwas anderes lerne. Denn mir fällt auf, dass mein Sohn dann nicht mehr zuhört. Petra: Einmal brachte meine Tochter einen Zettel an ihrer Tür an: ‚Bitte nicht stören. Ich brauche eine Auszeit von zehn Minuten.’ Das fand ich super und ich mache das jetzt auch, wenn ich in Stress gerate. Ich gehe erst einmal raus aus der Situation. Meine Tochter lernte beim Faustlos-Training, solch einen Stopp zu setzen. Ihre Schwester wusste dann, sie brauchte jetzt nicht zu pieken. Ani: Das Faustlos-Training findet ab der . Klasse eine Unterrichtsstunde pro Woche statt und wird in den folgenden Schuljahren fortgeführt. Auch in allen weiteren Klassen weisen die Lehrer darauf hin, dass wir doch gelernt hätten, wie es geht, miteinander empathisch zu sein. Hilft Druck nicht beim Lernen? Mari: Meine Tochter brauchte zum Schulbeginn zunächst viel Hilfe. Aber mein Sohn schafft alles allein. Die Lehrerin fragt ihn manchmal: ‚Übst du zu Hause?’ und denkt vielleicht, dass ich ihn zwinge. Aber ich weiß schon, Druck hilft nicht. Ani: Wieso hilft Druck nicht? Ich wollte als Kind nicht lernen und bin besser geworden, als mein Vater Druck machte. Mari: Denkst du das wirklich? Ich schämte mich als Kind, wenn ich schlechte Noten hatte. Bei meiner Tochter ist das jetzt anders: Sie weiß, dass sie es kann und kann es auch. Die Lehrerin sagte mir auch: ‚Die macht ihr Ding.’ Die lernt von sich heraus. Das gefällt mir gut. Ani: Ich lerne mit meinem Sohn jetzt Deutsch. Neulich korrigierte er meine Aufgaben und fragte skeptisch, welche Note ich dafür bekomme.

Vier weitere Schulen interessiert Die Erfahrungen dieses Elternprojektes haben Trialog dazu ermutigt, diesen Arbeitsansatz auszuweiten. Vier Schulen in Nord-Neukölln haben Interesse angemeldet: Seit September  wird diese gezielte Elternarbeit mit Hilfe einer Förderung durch den parittischen Berlin an der Matthias-Claudius-Grundschule realisiert. Es handelt sich um eine Anschubfinanzierung für ein Jahr. Die Einrichtung eines Elterntreffs in der Schule hat folgende Zielsetzungen: Austausch mit anderen Eltern, Anregung durch professionelle Berater, Mittlerfunktion zwischen Eltern und Schule, Unterstützung und Beratung in Erziehungs- und Alltagsfragen, gemeinsame Lösungswege bei Problemen suchen, Unterstützung der Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern, Entspannung, Anlaufstelle im Sozialraum sein.

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Kontakt und Kooperationspartner

Trialog e.V. Anke Köhler Geschäftsleitung Kathrin Felicitas Dennstedt Projektverantwortliche Groenerstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     info@trialog-berlin.de www.trailog-berlin.de Matthias-Claudius-Grundschule Hans Ulrich Zech Schulleiter Köpenicker Str.  |  Berlin Tel	  –     /  Fax:	  –     berlin.g@t-online.de www.mcg.cidsnet.de

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Trialog e.V. | Matthias-Claudius-Schule – Neukölln

pro sozial – Verein für ambulante psychosoziale Hilfen e.V. Paul-und-Charlotte-Kniese-Schule – Lichtenberg

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Mari: Die Lehrerinnen meiner Kinder besuchte uns auch schon hier in der Frühstücksrunde. Ani: Einige kennen unsere Situation und fragen: Was braucht ihr? Sie ahnen, wie schwer es für unsere Kinder ist, in dieser Unsicherheit Ruhe zum Lernen zu finden. Durch Sozialarbeit guten Unterricht unterstützen Anke Köppen: Die Schule profitiert davon, wenn die Zusammenarbeit mit den Eltern gut ist. Deshalb erklärte sich auch eine Lehrerin bereit, mich mit den Eltern ihrer Klasse bekannt
pro sozial e.V. Foto: Klotzek

Über eine Elternbefragung versuchen wir jetzt herauszufinden, wie wir das Miteinander weiter verbessern können. Was sich schon nach den ersten Interviews herausstellte, ist, dass sich die Eltern jüngerer Kinder durch das enge Zusammenspiel von Hort, Schule und Eltern besser aufgehoben fühlen. Annette: Mein Sohn ist in der zweiten Klasse. Da gibt es noch Tür- und Angel-Gespräche. Wenn er älter wird, geht sicher etwas verloren. Anke Köppen: Deshalb organisieren wir als Sozialarbeiter Begegnungsmöglichkeiten, damit Probleme zeitnah angesprochen werden können. Jetzt bin ich dabei, ­ ontakte zu den um­i K l egenden Kitas zu schließen, von denen die Kinder hier in die Schule kommen. Die sollen wissen, dass wir diesen Elterngesprächskreis haben und den Deutschkurs, um sie sofort einzu­ eziehen. Dann b haben die Kinder einen besseren Start. Und unsere Absicht ist, dass dieser Elternkreis wächst und zu einer stabilen Begleitung wird – am besten von den Eltern selbst organisiert.

Elterngesprächskreis nutzt dem Lernen der Kinder Corinna Scholz, Lehrerin in der Schulanfangsphase: Mich unterstützt dieser Gesprächskreis, weil wir mit den Eltern auf einer anderen Basis reden können. Wenn ich mit den Muttis mit Migrationshintergrund spreche, fällt mir auf, wie viele Schwierigkeiten sie bewältigen müssen, welchen Bedarf sie haben, sich auszutauschen. Die meisten sind sehr vorsichtig, haben wenige Forderungen. Deshalb frage ich manchmal, wo ich ihnen helfen kann. Nützlich ist beispielsweise, dass ich ihnen in Deutsch einen Vordruck für Entschuldigungsschreiben gebe.

zu machen, als sie von der Idee des Elternfrühstücks erfuhr. Als Sozialarbeiterin habe ich ein anderes professionelles Verständnis und unterstütze die Eltern, wenn sie Probleme mit den Lehrern haben oder umgekehrt. Um gut zu lernen, müssen sich „Ich lerne mit meinem Sohn jetzt Deutsch. die Kinder wohl fühlen und Neulich korrigierte er meine Aufgaben und fragte die Lehrer schaffen es neben dem Unterricht kaum, belas- skeptisch, welche Note ich dafür bekomme..“ tende persönliche Faktoren z.B. aus den Familien auszuräumen. Wenn ein Schüler zu mir kommt oder mir eine Lehrerin ein Problem signalisiert, spreche ich mich mit den beiden Sozialarbeitern ab, die an der Schule tätig sind. Wir schauen, wer schon in Kontakt mit diesem Schüler steht und was zu tun ist. Mit den beiden teile ich mir ein Büro, ganz zentral im Schulhaus. Von  bis  Uhr ist auf jeden Fall jemand von uns ­ nsprechbar. a

Dann fällt es ihnen leichter, mich zu informieren, wenn das Kind mal fehlt, und wir haben deswegen keinen Ärger miteinander. Die Eltern vieler Kinder stammen aus der ehemaligen Sowjetunion und sind ein strenges, leistungsbewusstes Bildungssystem gewohnt. Wenn deren Kinder sagen: ‚Ich habe keine Lust, zu lernen!’, sind sie verunsichert. Dazu kommt, dass in der Schuleingangsphase jedes Kind nach seinem Tempo lernt. Es nutzt dann nichts, zu wissen, was das Kind am Nachbartisch schon kann. Um so mehr wünschen sie sich, zu wissen, was sie zu Hause tun können: Lesen oder Gedichte üben. Die Eltern müssen daheim ihre Kinder unterstützen, und sich darüber zu verständigen ist leichter, seit einige Eltern sich auch mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen fühlen.

pro sozial e.V. Foto: Klotzek

i Kontakt und Kooperationspartner
pro sozial – Verein für ambulante psychosoziale Hilfen e.V. Susanne Romeiß Geschäftsleitung Anke Köppen Sozialarbeiterin Volkradstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     info@prosozial-berlin.de www.prosozial-berlin.de Paul-und-Charlotte-Kniese-Schule in Lichtenberg / Friedrichsfelde Kooperative gebundene Ganztags­ schule – Grundschule und Schule mit dem Förderschwerpunkt „Sehen“ für seh­ eh­ nderte und mehrfach behinb i derte sehgeschädigte Kinder. Uta Danicke Sonderschulrektorin Erich-Kurz-Str. – |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     sekretariat@kniese-schule-berlin.de www.kniese-schule-berlin.de

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pro sozial – Verein für ambulante psychosoziale Hilfen e.V. Paul-und-Charlotte-Kniese-Schule – Lichtenberg

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Lokaler Bildungs­ erbund Reuterkiez v

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Starke Netze für Bildung

or einigen Monaten ist mit großer Medienresonanz der Abgestimmtes Konzept statt vieler Einzelinitiativen Campus Rütli ausgerufen worden. Die Arbeit geht damit Gewaltprävention ist neben Sprachförderung, Berufsbefähigung erst so richtig los. Neben der Rütlischule wollen fünf weitere und -orientierung, Gesundheit und Sport sowie der Freizeit­ Schulen, circa dreißig Kitas und fünfzehn weitere freie Träger gestaltung einer der Bausteine, um den sich der ­ ildungsverbund B Reuterkiez kümmert. Sechs Schulen, circa dreißig Kitas und als Bildungsverbund im Reuterkiez zusammenwirken. Sie ­ ollen w enge Netze knüpfen, damit jedes Kind einen guten Bildungsweg fünfzehn weitere freie Träger sind darin zusammengeschlossen, nimmt. um eine bisher kaum genutzte Kraft zu erschließen: gemeinsam Zum zweiten Mal trifft sich die AG Gewaltprävention für Ideen ins Leben zu bringen und Projekte zu entwickeln. Seit den Reuterkiez. Einige Mitglieder fehlen. Doch die beiden Sozi- Juni  ist Jugendwohnen im Kiez durch das Quartiersmaalarbeiter und ein Praktikant von der Rütlischule, die Koordi- nagement Reuterkiez und mit finanzieller Unterstützung des natorin für die ambulante Hilfe von Lebenswelt e.V., sowie der parittischen Berlin beauftragt, den Bildungsverbund zu orgaKoordinator für den lokalen Bildungsverbund von Jugendwoh- nisieren. Dr. Josef Kohorst koordiniert diese Bemühungen. nen im Kiez e.V. beraten weiter nach Plan: Wen brauchen wir „Warum soll nicht ein Träger einem anderen ermöglichen, in noch in unserer Runde? Wie gelingt es uns, Schüler, Eltern und seiner Kita zu töpfern oder den Bewegungsraum zu nutzen“, Vertreter von Migrantenvereinen einzubeziehen? Die Professi- erklärt der -Jährige. „Dennoch muss man es auch lernen, sich onellen sind sich einig: Auch deren Sicht auf Gewalt im Kiez auf solch einer Ebene zu begegnen.“ wollen sie hören. Vor vier Wochen traf sich die Runde aus SoziSeine Idee ist nicht, dass Kita, Schule und freie Träger ab alarbeitern, Lehrern, Polizisten und Eltern zum ersten Mal. Sie sofort im Gleichschritt marschieren. Die unterschiedlichen streben danach, sich im und für den Kiez zu verbünden, um Konzepte, mit denen die individuellen Lernbiografien der Mädchen und Jungen begleitet werden, sollten durchaus erhalten sofort und abgestimmt reagieren zu können, wenn es irgendwo Vorfälle gibt. Momentan existieren vorwiegend viele Einzelin- bleiben. Dennoch schadet es gerade den oft sozial benachteiitiativen zur Gewaltprävention losgelöst nebeneinander: Streit- ligten Kindern, wenn die in der Kita genutzten Methoden zum schlichter an einigen Schulen oder Kooperationsverträge mit Sprachenlernen in der Schule nicht wieder auftauchen, sondern der Polizei beispielsweise. Was aber fehlt, ist ein langfristiges, andere Routinen erwartet werden. abgestimmtes Konzept: Wie können wir voneinander lernen? Was könnten Maßnahmen sein, die für alle nützlich sind? Für die Kinder jetzt eine bessere „Ich will nicht noch ein neues Angebot entwickeln. Ich will Zusammenarbeit organisieren wissen, womit wir etwas erreichen und auf dem Weg weiter „Da geht Lernpotenzial, auch Motivation verloren.“ Deshalb gehen!“, betont Ahmed al Sadi, der für das Projekt „Interkul- nahmen Erzieherinnen und Lehrerinnen und Lehrer von Kita und Schule bereits an gemeinsamen Fortbildungen teil, unterturelle Moderation“ des Trägers Jugendwohnen im Kiez an der halten die Pädagogen mancher Einrichtungen zusammen LernRütli-Schule tätig ist. werkstätten und begleiten gemeinsame Lernprozesse. Dadurch entwickelt sich eine neue Sensibilität für die individuellen Bildungsbiografien der Kinder und die gemeinsame pädagogische Verantwortung. Allerdings: Den Übergang von Kita und Schule enger zu verzahnen, ist nur eine der Baustellen, auf der die Mitarbeiter beider Einrichtungen arbeiten müssen – neben vielen weiteren Veränderungsprozessen, die sie mit unterschiedlichem Tempo gleichzeitig steuern. Das macht es schwer. „Uns aber interessiert, was passiert für die Kinder, die jetzt die Kita besuchen und in die Schule kommen“, drängt Josef Kohorst in seiner Funktion auf Vernetzung.

Foto: Jugendwohnen im Kiez

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Jugendwohnen im Kiez e.V. Kitas, Schulen, freie Träger im Reuterkiez – Neukölln

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Erfolge feiern – weil auch Feste verbinden Kooperation braucht Zeit Noch wird Kooperationszeit nicht mit eingeplant. Etliche der „Und wir müssen auch lernen, unsere Erfolge miteinander zu Kitas, die jetzt dem Verbund angehören, sind Eltern-Initiativ- feiern“, ist Ahmed al Sadi überzeugt. In der sozialen Arbeit sei Kitas, kleine Einrichtungen, mit manchmal nur zwei Erziehe- es üblich, viel zu schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen, rinnen, die wenige Reserven für weitere Kooperation über ihre ohne wahrzunehmen und wertzuschätzen, was ihnen da eigentlich gelungen sei. Im vergangenen Sommer lud das Quartiersbisherigen Netzwerke hinaus besitzen. Dennoch wünschen auch management zu einem Kiezschulfest ein, an dem sich alle Schusie sich, die Möglichkeiten einer anderen Kita zu nutzen und können durchaus ihre Erfahrungen, beispielsweise zum Spra- len aus dem Kiez mit ihren Kooperationspartnern beteiligten. Neben den Sportveranstaltungen gab es auch ein Bühnenprocherwerb, einbringen. Genau für solche Fälle bietet sich Josef Kohorst als Dienst- gramm der Schulen und Stände von den Eltern, der Polizei und leister an. Nach der Anfangsphase des Projektes, in der er sich in allen Einrichtungen vorstellte, ist er jetzt dabei, konkrete Netze zu spannen. Beispielsweise organisiert er, dass ältere Schüler als Lesepaten Kindergartenkindern vorlesen. Möglichst viele ­ olcher s Verknüpfungspunkte will er bis  schaffen, und die beteiligten Akteure von Kita, Schule, den Jugendhilfe-Trägern und Migrantenorganisationen sind offen dafür. Dabei braucht es unbedingt die Mitarbeit der Eltern. Unter­ stützt von den Interkulturellen Moderatoren der Franz-­ chubertS Schule gründete sich deshalb z.B. die „Elternrunde Reuterkiez“. Sie bauen auf die Erfahrung, dass Eltern sich enga­ ieren und g beteiligen, wenn sie Einfluss nehmen können. Beispielhaft gelingt dies beim Projekt Campus Rütli. Dort waren Eltern am Entwicklungsprozess für den Standort beteiligt und merkten, auch wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden, dürfen sie mitbestimmen. Das motiviert sie, Zeit zu investieren, um zur B ­ eratung über die Zukunft ihrer Kinder zu kommen, Kurse zu besuchen oder auch am Wochenende bei einem Fest mit anzupacken. Das sind keine Selbstverständlichkeiten! Die Erfahrungen der Rütli-Schule zeigen: Wenn die Not groß ist, wächst die Bereitschaft der Lehrer, sich auf Koopera- anderen Trägern. „Solche Feste verändern etwas bei den Beteiligten“, erlebte auch Josef Kohorst. „Dabei lernt man sich kentionen einzulassen. Durch das Schulgesetz werden neue Wege gewiesen, sich Verbündete zu suchen. Teilweise fühlt sich die nen und ist danach bereit, Verbindlichkeiten herzustellen, die in der Praxis etwas verändern.“ Schule alleingelassen und überforAnschließend Teliere man mitein­ dert. „Ganz klar: Nur mit Vernetzung „Wen brauchen wir noch in unserer ander, träfe Verabredungen, ohne lassen sich viele Probleme nicht lösen. Runde? Wie gelingt es uns, Schüler, den Egois­ us der Professionellen zu m Es braucht auch Geld und personelle Eltern und ­ ertreter von Migranten- ­pflegen. V Ressourcen.“, unterstreicht Josef vereinen einzubeziehen?“ „Wenn wir auf diesem Weg weiter Kohorst. Als Verantwortlicher für den Bilvorankommen“, so träumt sich Josef Kohorst in die Zukunft, „dann stimmen sich Erzieherin und dungsverbund zwischen Sonnenallee und Maybachufer plant Lehrerin wenigstens im letzten Kita-Jahr miteinander ab. Die er jetzt, eine Netzwerkkarte zu zeichnen, um Schwarz auf Weiß Kinder besuchen früher eine Einrichtung, lernen dort Dinge, zu sehen, welche Angebote und Initiativen es gibt und wie sie die sie in der Schule weiterführen. Ihre Eltern wiederum waren weiter verknüpft werden können. Momentan sind die meisten Kooperationen noch lockere Verabredungen. „Ich denke aber, bereits in der Schule zu Gast, wissen, wie es da zugeht und dass wir auch zu einer Verbindlichkeit kommen müssen, dass erleben, dass ihr Engagement dort wertgeschätzt und gewürdigt die Träger und Einrichtungen möglicherweise mit ihrer Unter- wird. Sie werden nicht nur mit Kuchen bei Festen gebraucht, schrift bekunden, dass sie zusammenarbeiten wollen.“ sondern können dort auch eine Fußball- oder Gitarren-AG anbieten und nichts, was an Engagement da ist, geht mehr verloren.“ 28
Jugendwohnen im Kiez e.V. Kitas, Schulen, freie Träger im Reuterkiez – Neukölln

i Kontakt und Kooperationspartner
Lokaler Bildungsverbund Neukölln Nordost – Reuterkiez Jugendwohnen im Kiez e.V. Gunter Fleischmann Geschäftsführer Dr. Josef Kohorst Koordinator Lokaler Bildungsverbund Reuterkiez Kottbusser Damm a |  Berlin Tel	  –    Fax	  –     info@jugendwohnen-berlin.de www.jugendwohnen-berlin.de

Foto: Jugendwohnen im Kiez

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Kooperation sichtbar machen
Ein Kooperationsbüro in der Schule

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ie Gotzkowsky-Grundschule in Moabit hat  Schüler,  Prozent davon sind nichtdeutscher Abstammung. Die Schule liegt in einem sozialen Brennpunkt im Gebiet des Quartiersmanagement Moabit West. Der Moabiter Ratschlag ist seit  Kooperationspartner für eine Vielzahl von Projekten, darunter eine regelfinanzierte Schulstation bis . Der Pro­ektleiter des Moabiter j Ratschlags ist externes Mitglied der Schulkonferenz. Die  Schule hat zahlreiche weitere Kooperationspartner wie Lesepaten, ein Mädchenprojekt, Tanzclub, Polizei und Quartiersmanagement. Eine interdisziplinäre SchulprogrammEntwicklungsgruppe aus Lehrerinnen, Schulleitung, Erzieherinnen, Eltern und Sozialpädagogen hat ein neues Schulprogramm ent­ ickelt, das  verabschiedet wurde. Es sieht vor, w ein musisch-ästhetisches Schwerpunktprofil herauszuarbeiten und dauerhaft in der sozialpädagogischen Arbeit zu verankern. A ­ ußerdem werden nachhaltige Kooperationsstrukturen zu professionellen Partnern entwickelt. Kooperation verstetigen Seit  gab es in der Grundschule zahlreiche Kooperationsprojekte: •	 eine regelfinanzierte Schulstation von –, •	 ein Projekt der Schulsozialabeit bis Januar , •	 eine Zukunftskonferenz zur Konzeptentwicklung der Schule in Kooperation mit dem Quartiersmanagement  im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“, •	 Zusammenarbeit mit dem Kammerorchester Unter den Linden, das ein Orchesterwerk für die Grundschule geschrieben hat – „Cool School-Symphonie“, •	 das Pilotprojekt TanzZeit – in Zusammenarbeit mit dem V ­ erein Zeitgenössischer Tanz Berlin e.V. bis Dezember , •	 Indoor-Erlebnisraum Alte Turnhalle – Instandsetzung und Nutzung in Kooperation mit dem Tanzclub Rot-Weiß und dem Mädchentreff Dünja, 30
Moabiter Ratschlag e.V. | Gotzkowsky-Grundschule – Mitte

•	 Aufbau von Elternarbeit und Elterncafé, •	 spezielle Mädchenarbeit in Zusammenarbeit mit dem Mädchentreff, •	 Musenhof – Ort der Ruhe, •	 Lesepaten und Hausaufgabenhilfe in Kooperation mit dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, •	 Entwicklung von Unternehmenskooperationen und •	 eine Kooperation mit der Polizei zur Gewaltprävention, Verkehrserziehung und Streitschlichterausbildung.

Kooperation in der Schule Die Kooperation zwischen Grundschule und Moabiter Ratschlag war bisher vorwiegend projektabhängig. Eine projektunabhängige, institutionell verankerte und finanzierte Kooperation ­ ollte geschaffen werden. s Mit Hilfe einer Förderung durch den parittischen Berlin wird in der Schule nun ein Kooperationsbüro eingerichtet. Die Mittel umfassen einen Personalzuschuss und Sachmittel für eineinhalb Jahre. Der Förderverein der Gotzkowsky-Grundschule „Feuerbohne e.V.“ hat beschlossen., das Projekt mit  Euro zu unterstützen. Durch das Büro wird die Bedeutung eines eigenständigen Aufgabengebietes „Kooperation in der Schule“ für alle deutlich sichtbar. In räumlicher Nachbarschaft zur Schulstation und dem Elterncafé wird eine maximale öffentliche Wahrnehmung des Kooperationsbüros bei Lehrern, Eltern und Kindern sichergestellt. Das Büro nimmt folgende Aufgaben wahr: •	 Bündelung, Vorbereitung und Koordination aller Koopera­ tionsaktivitäten, •	 Werbung, Gewinnung, Einbindung und Vernetzung neuer Kooperationspartner und -projekte, •	 Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, •	 Förderung und Weiterführung vorhandener Kooperationsprojekte.

Moabiter Ratschlag Foto: Heppner

i Kontakt und Kooperationspartner
Moabiter Ratschlag e.V. Bernd Brunner Projektleiter Rostocker Straße  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –   - info@moabiter-ratschlag.de www.moabiter-ratschlag.de Gotzkowsky-Grundschule Frau van de Weyer Schulleiterin Zinzendorfstr. – |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     gotzkowsky-grundschule.cids@ t-online.de www.gotzkowsky-grundschule.de

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Modell Schul- und Bildungsverbund SOS Kinderdorf e.V. Berlin-Moabit

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um SOS-Kinderdorf Verbundmodell Berlin-Moabit gehören vier Kinderdorffamilien, eine Kindertagesstätte, der Familientreff, die Familienbildung, die Erziehungs- und Familienberatung, Angebote einer Schulsozialarbeit an einer Oberschule und zwei Grundschulen des Sozialraumes und ein Schulhort. ­ Dazu gehört auch das sog. Rucksackprojekt, bei dem ­ ütter M mit Migrationshintergrund zu Elternbegleiterinnen ausgebildet werden. Die Rucksackmütter zeigen anderen Müttern, wie sie die Zweisprachigkeit ihrer Kinder fördern können.

Ein Gespräch der Professionellen über ihre Arbeit Astrid Walter: Ich bin in der Erziehungs- und Familienberatung von SOS-Kinderdorf tätig und gleichzeitig Sozialarbeiterin an der Heinrich-von-Stephan-Schule. Beide Aufgaben ergänzen sich. Wenn die Schüler neu an die Schule kommen, ist es uns wichtig wahrzunehmen, wie sich das Klassengefüge entwickelt, welche Schwierigkeiten bestehen. Oft gibt es Situationen, in denen sich die Schüler ungerecht behandelt fühlen oder es Streit unter den Gleichaltrigen gibt. Manches muss sofort geklärt werden. Bei anderen Themen können wir einen Gesprächstermin vereinbaren. Christina Schulz: Als Sozialpädagogin koordiniere ich die verlässliche Halbtagsschule an der James-Krüss-Grundschule und bin zugleich für die Schulstation zuständig. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit: Die Schuldistanz bereits an der Grundschule. Claudia da Silva: Ich arbeite am Schulhort der James-KrüssGrundschule. In den zurückliegenden Jahren nahm die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder extrem zu. Viele Kinder kommen mangelernährt, schlecht gekleidet und ohne ausreichendes Schulmaterial von zu Hause und ihre Eltern sind mit der Situation sichtbar überfordert. Gleichzeitig sagt das Jugendamt: Es ist die Aufgabe der Eltern, sich um die Kinder zu kümmern. Das macht unsere Arbeit sehr schwierig. Schulbezogene Angebote im Sozialraum vernetzen Kirsten Spiewack, Leiterin des SOS-Kinderdorfes Moabit: Uns ist es wichtig, die schulbezogenen Angebote nicht isoliert von anderen Angeboten im Sozialraum zu entwickeln. Vielmehr schauen wir bei unseren regelmäßigen Teamsitzungen gezielt, welche Bedarfe wir bei den Kindern und Eltern entdecken und worum wir uns vorrangig kümmern müssen. Dabei vernetzen sich die Mitarbeiter der verschiedenen Bereiche, arbeiten nach einem Konzept – wie wir manchmal scherzhaft sagen – für Familie von der Wiege bis zur Bahre. Wie das geht? Hier in unserem Haus treffen sich im Familientreff bereits die werdenden Eltern. 32
SOS Kinderdorf e.V. Berlin Moabit | James-Krüss-Grundschule Heinrich-von-Stephan-Schule – Schulen im Sozialraum Moabit

Rucksackprojekt sensibilisiert Mütter fürs Lernen ihrer Kinder Christina Schulz: Gemeinsam müssen wir überlegen, was nötig ist, um eine gute Bildung auch für die Kinder hier in diesem schwierigen Kiez zu ermöglichen. Wir erleben, dass die Familien oft nicht mehr in der Lage sind, die grundlegenden Dinge für ihre Kinder zu leisten. Heute kommen Kinder zu uns, die es nicht schaffen, rückwärts zu gehen oder auf einem Bein zu stehen, einfach große Probleme in der Fein- und Grobmotorik haben. Die Angebote zur sinnlichen Wahrnehmung, die Kinder von ihrer Umwelt erhalten, sind oft einseitig. In diesem Sinne leben sie in einer verarmten Lebenswelt. Sie brauchen aber vielfältige Sinneserfahrungen in der frühen Kindheit. Durch das Rucksackprojekt erhalten die Mütter Anregungen, wie sie mit ihren Kindern spielen und sie fördern können. Es durchzusetzen, kostet Anstrengung. Claudia da Silva: Notwendig ist, dass Schule und wir als freier Träger enger zusammenarbeiten, wir unsere Sichtweise angleichen, eine Linie fahren. Jetzt sind wir gegenseitig in allen Gremien vertreten, laden gemeinsam zum Elternabend ein und es gab es einen gemeinsamen Studientag. Kirsten Spiewack: Angesichts dieser Situation sehe ich es als unsere Chance, hier im Sozialraum langfristig mit den ­ amilien F zusammenzuarbeiten.

bekommt darüber Kontakt. Durch die persönliche Ansprache „bildungsfern“ zu hinterfragen. Es ist eine andere Form der Bilsind die Eltern bereit, sich auch andere Angebote anzugucken. dung, die sie kennen, auch eine andre Form des Lernens. Inzwischen gibt es einen arabischen Elterntreff. Der wird viel Kirsten Spiewack: Beispielsweise funktionieren die Rollenerwartungen an einen türkischen oder arabischen Jungen so lange genutzt. Und dadurch ist auch der Weg zur Beratungsstelle nicht mehr weit, weil wir dort nicht mehr anonyme Beraterin- gut, wie sie sich in ihrem Kontext bewegen. Aber nicht mehr, nen für sie sind. wenn sie hier berufstätig sein wollen. Kirsten Spiewack: Etlichen Eltern vermitteln wir auch Ein- Astrid Walter: Was aber sind ihre Ressourcen in ihrer Form des Lernens? Daran müssen wir anknüpfen. Die Eltern sind emoEuro-Jobs und bestimmt über  Leute beschäftigen wir auf geringfügiger Basis, Menschen, die hier im Kiez leben. Dadurch tional mit ihren Kindern verbunden, auch wenn sie hilflos wissen sie auch, welche Hilfe bei uns zu holen ist. Sie werden zuschauen, wie die hier nicht Fuß fassen. Ich erlebe, dass sie damit groß. Rat suchen. Christina Schulz: Was mir an dem Rucksack-Projekt gefällt, ist, Kirsten Spiewack: Wir spielen nicht nur die Rolle der stabilen Begleiter für die Kinder. Sondern wir bemühen uns auch, mit dass die Eltern selbst etwas in die Hand nehmen, aktiver werden den Eltern ins Gespräch zu kommen, sie zu stützen. Wir möchund wir uns rausziehen können. Auch an den Schulen sind ten, dass sie sich im SOS-Kinderdorf heimisch fühlen. Sie ­ ollen s jeweils drei Mütter und Väter als Elternlotsen tätig. Bei ihnen nicht nur hierher kommen, wenn sie Probleme haben, sondern können die anderen Eltern ihre Themen anbringen und sich auch Schönes erleben. organisieren. Astrid Walter: Nachmittags gegen fünf Uhr tobt bei uns im Café das Leben. Da wird gespielt, kann man Kaffee trinken, n ­ ette Freizeitangebote nutzen und da ist das Haus richtig voll.

Rucksackmütter Foto: SOS-Kinderdorf Berlin Moabit

 Kinder davon nimmt unsere Kita auf, und die Eltern der Kinder werden eng in die Arbeit einbezogen. Die Kita hat gute Erfahrungen, die Mütter durch das Rucksackprojekt in ihrer Erziehungsarbeit zu qualifizieren und wir hoffen, dass sich das an der Schule fortsetzen lässt. Dabei nützt uns die Verknüpfung von Schule und Hort. Unsere Idee ist es, dort verschiedene Kleinprojekte zu starten, mit denen wir jeweils bestimmte Gruppen ansprechen können und bei denen wir schnell überprüfen können, ob es Sinn macht. Auch das Rucksackprojekt kann dort nur laufen, weil unsere Sozialarbeiter dort tätig sind und die Eltern mit einbeziehen. Wenn wir Schule als Lern- und Lebensort begreifen, ist es klar, dass Lehrer allein überfordert sind, den auszugestalten. Da braucht es einfach multiprofessionelle Teams.

Muttersprachliche Multiplikatoren helfen Astrid Walter: Gute Erfahrungen haben wir mit einer arabischen Multiplikatorin gemacht, die in der Familienberatung mitarbeitet. Sie lädt zum Frauenfrühstück in unser Café ein und

Bildungserfahrungen von Migranten wertschätzen Astrid Walter: Dabei müssen wir bedenken: Sogenannte „bildungsferne“ Eltern müssen ihre Sozialisationserfahrungen durchbrechen, um zu bestehen. Allerdings ist bereits der Begriff

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Kirsten Spiewack: Jetzt sind Jugendhilfe, Schule, Gesundheitswesen zunehmend miteinander vernetzt. Ganz spannend wäre es, die Justiz noch enger mit ins Boot zu kriegen. Mit der ­ olizei P arbeiten wir bereits gut zusammen. Es genügt nicht, jemand für eine Straftat zu verknacken. Der muss auch wissen, wohin er verurteilt wird und wo er mal landet. Da müssen wir „Wir arbeiten nach einem Konzept – wie wir genauso weiterdenken wie manchmal scherzhaft sagen – für die im frühkindlichen Bereich und der Schule. Seit  Familie von der Wiege bis zur Bahre…“ besteht jetzt unser Zentrum mitten im Kiez der Waldstraße. Und ich glaube, für viele Bewoh­ ner sind wir die Ansprechpartner geworden, die sie unterstützen, ihr Leben zu bewältigen. Ein lebendiges Familien­ entrum. z Lebendiges Familienzentrum im Kiez Funktional und licht zeigt sich der moderne Bau des SOSKinderdorfes mitten im sozialen Brennpunkt in der Waldstraße. Mittags kochen dort auf geringfügiger Basis beschäftigte B ­ ewohner aus dem Kiez leckere Essen für einen Preis zwischen , und , Euro. Damit locken sie die  Mitarbeiter ebenso an, wie Leute aus umliegenden Büros oder Mütter mit ihren kleinen Kindern. Im Regal steht Spielzeug bereit und gleich neben der Sonnenterasse lädt ein großer Spielplatz zum Toben ein, kaum getrennt von dem der Kita nebenan. Im ersten Stock des Hauses ist der Eltern-Kind-Treff beheimatet, gibt es Sport, Spiel, Gespräche, Hausaufgabenhilfe, Sprachförderung, Theater. Darüber die Erziehungs- und Familienberatung und die Wohnungen der Kinderdorffamilien. Alles vermittelt den Menschen jeden Alters und aus mehr als  Nationen hier im Kiez: Hier seid ihr willkommen.

i Kontakt und Kooperationspartner
SOS Kinderdorf e.V. Berlin-Moabit Kirsten Spiewack Leiterin Waldstr.  /  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     James-Krüss-Grundschule Siemensstraße  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     james-kruess.grundschule.cids@ t-online.de Heinrich-von-Stephan-Schule Integrierte Haupt- und Realschule Jens Großpietsch Schulleiter Stephanstraße  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     hvstephan@web.de www.hvstephan.de

Freie schulen schaffen

Tag der freien Schulen , Orchester Rudolph-Steiner-Schule Foto: Dr. Hardorp

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SOS Kinderdorf e.V. Berlin Moabit | James-Krüss-Grundschule Heinrich-von-Stephan-Schule – Schulen im Sozialraum Moabit

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Bewegte Schule in Köpenick startet jetzt

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ndrea Pacius ist aufgeregt. Am Abend wird sie den Eltern ihrer künftigen Schüler zum ersten Mal die frisch renovierten und neu eingerichteten Räume für die „Bewegte Schule Berlin“ der Märkischen Kita und Schule gGmbH vorstellen. Und am nächsten Nachmittag lernt sie die  Mädchen und Jungen kennen, die im Sommer hier eingeschult werden. Die Kinder werden der erste Jahrgang dieser neuen freien Schule in Berlin-Köpenick sein und Andrea Pacius ist deren erste ­ ehrerin. L

Eltern vertrauen in das Konzept „Die Eltern bringen uns ein großes Vertrauen entgegen, ihr Kind an einer Schule anzumelden, die es erst auf dem Papier gibt“, betont die -Jährige, „Mir ist es wichtig aufzugreifen, was sie sagen, sich wünschen, ihnen auffällt.“ Mit klarer, ruhiger und doch begeisterter Stimme beschreibt sie ihre Vorstellungen von der Schule und schafft es, die noch nach frischer Farbe riechenden ehemaligen Büroräume gegenüber dem Rathaus Köpenick auch Monate vor dem Zuckertütenfest zu beleben. „Hier werden wir uns am Morgen immer treffen und miteinander besprechen, was wir uns für den Tag vornehmen“, verweist sie auf einen gemütlichen Sitzkreis aus grünen Kinderpolstermöbeln. Daneben laden vier rot-gelb-blaue Riesentiere zum Lümmeln ein. Hier wird auch der Klassenrat tagen, durch den die Kinder bereits im ersten Schuljahr zum Mitbestimmen befähigt werden. Nach dem Ankommen soll jeweils die erste Lernzeit beginnen, zu der die Kinder sicher häufig auf den ergonomischen Kippelstühlen an den Tischgruppen im ersten Raum sitzen werden. „Am Anfang wird das Schreibenlernen eine große Rolle spielen und auch das ernsthafte Arbeiten am Tisch“, vermutet die Lehrerin. Doch eine der tragenden Methoden für die bewegte S ­ chule wird die Wochenplanarbeit sein. „Dann können die Kinder selbst entscheiden, ob sie sich dazu still in eine Ecke des zweiten Raumes verziehen oder im dritten Raum im Gespräch mit ­ nderen oder auf dem Teppich liegend die Aufgaben für a sich lösen wollen.“

Einrichtung unterstützt bewegtes Lernen Bewegte Schule heißt nicht vor allem mehr Sportunterricht, sondern beweglich im Lernen miteinander zu sein und Bewegung beim Lernen zulassen: Beim Schreibenlernen die Buchstaben zu schwingen und abzulaufen. Zwischendurch zu Bewegungsspielen nach draußen zu gehen und ihren Körper zu kennen und zu wissen, wann er eine Pause braucht. „Mir gefällt am besten, dass ich mir aussuchen darf, ob ich meine Aufgaben im Sitzen am Tisch erledige oder ob ich mich auf den Boden lege oder an ein Pult stelle“, schwärmt Cornelius nach dem Kindertag an seiner Schule – und von seiner zukünftigen Lehrerin. „Ich glaube, dass er sich bereits bei der ersten Begegnung von ihr angenommen fühlte und er dadurch Spaß am Lernen haben wird“, sieht Mutter Barbara Fischer-Gerlach nun mit großer Gelassenheit der aufregenden Zeit des Schulbeginns entgegen. Seit dem Jahr  hegt die Märkische Kita und Schule gGmbH den Gedanken, eine freie Schule zu gründen. Als Jugendhilfeträger, der in Berlin und Cottbus insgesamt fünf Kindertagesstätten betreibt, wollte das soziale Unternehmen seine pädagogische Arbeit auch in der Schule fortsetzen. Seitdem kümmert sich Susanne Schulz um die Projektentwicklung. Sie ist für die Zulassung der Schulen durch die Schulbehörden zuständig und ist die erste Ansprechpartnerin für jene Eltern, die sich bereits jetzt einen Schulplatz für ihre gerade erst Laufen lernenden Töchter und Söhne sichern wollen. Die -Jährige selbst hat eine Lehrerausbildung absolviert und studierte Psycho­ logie. Sie verstand vor allem durch ihre eigenen beiden Kinder, wie Kinder lernen. In deren Schule sieht sie, wie viele Talente und Fähigkeiten verloren gehen, weil alle das gleiche zur gleichen Zeit bewältigen sollen. „Die bewegte Schule will jedes Kind darin fördern, worin es besonders ist.“ Susanne Schulz ist glücklich, dass Andrea Pacius für die Elternversammlung ihren Einstieg mit dem Kinderbuch „Wenn die Ziege schwimmen lernt“ wählte. Ein Hohelied darauf, dass jedes Kind wie jedes Tier etwas anderes gut kann und darin gefördert werden sollte – auch in der Schule. So will die Bewegte Schule arbeiten. „Und nicht ein Kind demotivieren, indem man sein Melden übersieht: ‚Ich weiß, dass du es weißt. Du musst es uns jetzt nicht ­ agen’ – s wie ihr Sohn es häufig erlebt.

Inspiriert von Montessori, Petersen und Freinet Dazu nimmt das Konzept der „Bewegten Schule“ Ideen der Re­ ormpädagogen Maria Montessori, Peter Petersen und ­ élestin f C Freinet auf: Kinder unterstützen, es selbst zu tun. Ein guter Wechsel zwischen Arbeiten und Feiern, Spiel und Gespräch wird gesucht. Und den Kinder wird immer wieder ermöglicht, die Antworten auf ihre Fragen selbst zu finden. „Wenn sie auf dem Bauernhof die Beine der S ­ chafe und Hühner zählen, werden sie auch die Zahlen lernen“, ist Susanne Schulz überzeugt. „Beim Thema Schmetterlinge werden wir fächer­ bergreifend Musik ü und Literatur, Naturwissenschaften und Kunst ineinander fließen lassen und den Kindern erlauben, ein Bild von der Welt zu ­ ekommen.“ b Zudem werden die Kinder bereits in der ersten Klasse bei einem Lehrer Englisch lernen. Eine Erzieherin sichert, dass die Eltern ihre Kinder zwischen  bis  Uhr gut betreut wissen. Doch den entscheidenden Teil der Arbeit wird Andrea Pacius leisten. Noch unterrichtet sie an der einer staat­ „Hier kann ich selbst entscheiden, lichen Grundschule in Baden-Würtwann und auf welchem Platz ich temberg. Nach zehn Jahren Schuldienst drängt es sie, ihre Energie für meine Aufgaben erledige!“ etwas Neues einzusetzen. Sie möchte nicht länger für jeden Schritt, den sie tut, um sich mit den Kindern und deren Lernen zu verbinden, kämpfen und sich vor Kollegen dafür rechtfertigen müssen. „Was mich motiviert, ist, die neue Schule von Anfang an gestalten zu können“, beschreibt sie ihre Entscheidung zum Neuanfang.

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Schulträger: Märkische Kita und Schule gGmbH Bewegte Grundschule – Köpenick

Foto: AOK-Mediendienst

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Lomonossow-Grundschule
Projekt ELFI – Eltern für Integration
Sechs Stammgruppen mit  Schülern im Jahr  Im nächsten Jahr wird sie neue Kollegen mit aussuchen, dann werden die nächsten  Kinder aufgenommen. Gemeinsam mit den jetzigen Erstklässlern werden sie zwei jahrgangsgemischte Stammgruppen bilden. Im Jahr /, wenn Cornelius und die anderen Schulanfänger von diesem Sommer bereits im sechsten Schuljahr lernen, werden insgesamt  Schüler diese Schule besuchen – aber längst nicht mehr dieses Gebäude. Um den großen langen Tisch in der Küche, gegenüber den beiden Lernzimmern, werden gerade  Kinder passen, wenn sie gemeinsam frühstücken oder das in einer Kita des Trägers frisch zubereitete Mittagessen serviert wird. Schon zum nächsten Schuljahr wird die Schule in ein neues Gebäude umziehen, eine ehemalige Fabrik, die der Träger kaufte. Zunächst investiert er in den Aufbau seiner eigenen Schule, für die er in den ersten fünf Jahren – bis sich das Konzept bewährt hat – keine staatlichen Zuschüsse erhält. Die Eltern bezahlen von Beginn an alle gleich ein Schulgeld von  Euro. Wie es aufgebracht werden kann, darüber verhandelt die Projektleiterin mit den Eltern. Engagement der Eltern ist nötig und gewünscht Unter den Schulanfängern ist beispielsweise ein Kind, deren Mutter das Schulgeld derzeit nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Im Gespräch miteinander fanden sie die Möglichkeit, zunächst auf familiäre Unterstützung zurückzugreifen. Wenn das nicht mehr möglich ist, kann die Frau auch eine Gegenleistung durch Arbeit für die Schule leisten. „In den ersten fünf Jahren sind wir dringend auf eine Entlastung durch die Eltern angewiesen“, erklärt Susanne Schulz. Die werden bereits bei der Anmeldung gebeten, die Schule mit fünf Stunden Einsatz pro Monat zu unterstützen. „Ich könnte mir vorstellen, mit den Kindern zu singen oder einen Chor zu gründen“, nimmt Barbara Fischer-Gerlach die Bitte als eine neue Herausforderung für sich an. Als Opernsängerin unterrichtete sie noch nie kleine Kinder und hat Lust, sich auf etwas Neues einzulassen. „Die Eltern an jeder Schule besitzen einen solch breiten Erfahrungsschatz, den wir hier für die Kinder nutzen wollen.“ Dabei geht es Projektleiterin Susanne Schulz tatsächlich auch um Fähigkeiten der Mütter und Väter, die der Träger in der Startphase als Entlastung braucht – sei es durch den Musikunterricht oder durch das Anstreichen der Wände und das Reparieren von Wasserhähnen. „Wir wollen aber auch nicht, dass die Eltern die Kinder bei uns an der Schule einfach nur abgeben und erwar­ ten, dass sie sie mit Wissen gefüllt wieder abholen können“, beschreibt sie ihren weitergehenden Ansatz. „Diese Schule soll 38
Schulträger: Märkische Kita und Schule gGmbH Bewegte Grundschule – Köpenick

ein gemeinsames Projekt werden!“ Genau dieser Anspruch verlieh Barbara Fischer-Gerlach nach dem Elternabend mit den noch fremden anderen Müttern und Vätern ein Gefühl der Freude und der Gelassenheit über die Schulwahl für ihren Sohn: dass die Lehrerin, die Erzieherin, die Projektleiterin ihnen drei Stunden lang erklärten, wie sie sich den Unterricht und das Leben an der Schule vorstellen, sie aufforderten, ihre Meinung zu sagen, ihre Fragen zu stellen und auch später stets zurückzumelden, was sie bei ihrem Kind beobachten, was ihnen wichtig ist. „Sie wollen mit uns im Gespräch bleiben. Sie wollen, dass wir Eltern und die Kinder über die Schule und das gemeinsame Lernen mitentscheiden. Das macht mich einfach nur glücklich.“

Kinder und Eltern für beide Kulturen öffnen „Ich will, dass unsere Kinder zweisprachig aufwachsen“, sagt der im Ural geborene und in Berlin lebende Alexander Ott und fragt, ob das ein Phantom sei, dem er hinterherlaufe. Zweisprachigkeit heißt für ihn nicht nur, Deutsch und Russisch zu beherrschen, sondern auch in beiden Kulturen zu Hause zu sein: also Lieder und Gedichte aus Deutschland und Russland ebenso zu kennen wie typische Kinderspiele oder wichtige Theaterstücke und die nationalen Feste zu feiern. Zu diesem Zweck gründeten russischsprachige Eltern und Pädagogen vor fünfzehn Jahren die Inter­ ul­ k turelle Pädagogische Gesellschaft MITRA e.V. Sie betreut aus der ehemaligen Sowjetunion stammende Familien und deren Kinder in pädagogischen Fragen und fördert deren Integration. Mittler zwischen Sprachen und Welten Als Elternbeauftragter im Verein unterstützt Alexander Ott seine Landsleute, sich in Deutschland zu orientieren. Manche, die ihn um Rat bitten, leben erst zwei, drei Jahre hier, verstehen die Sprache nicht und auch nicht das Bildungssystem. „Gerade wenn die Kinder in der Pubertät sind, brauchen die Eltern Aufklärung, was sie mit den Jugendlichen anstellen können.“ Oft meinen sie, sie könnten auf Erfahrungen aus ihrer Jugend zurückgreifen und ihre Kinder müssten sich so verhalten, wie sie selbst einst in der Sowjetunion. Sie nehmen nicht den Wandel der Zeiten und der Anforderungen wahr. Dann sieht sich Alexander Ott als Übersetzer zwischen den Sprachen und Systemen gefordert. Ob in Marzahn, wo sich vorwiegend aus ländlichen Regionen stammende Russlanddeutsche angesiedelt haben oder in Schöneberg, wo viele Intellektuelle aus russischen Großstädten leben – sie wollen, dass ihre Kinder eine gute Bildung mitbekommen.
Foto: Mitra e.V.

i Kontakt und Kooperationspartner
Märkische Kita und Schule gGmbH Dr. Christiane Nickel Dr. Norbert Prüfer Geschäftsführer Rosenstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     msbw.gs.berlin@t-online.de www.msbw-online.de Bewegte Schule Susanne Schulz Projektkoordinatorin Rosenstr.  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     schule-berlin@msbw-online.de www.bewegte-schule-berlin.de

Die Jüngsten zu bilden ist ein hoher Wert Dabei sind sie mit den Angeboten der Berliner Kindergärten eher unzufrieden. Nach ihren Vorstellungen werden die Kinder wenig auf die Schule vorbereitet und eher betreut statt gebildet. Aber auch manche Äußerlichkeiten widersprechen den Vorstellungen der Eltern von guter Fürsorge für die Jüngsten: Dass die Kinder zur Mittagsruhe oft auf Matratzen auf dem Boden und nicht in richtigen Betten schlafen, dass sie Leitungs- und nicht Mineralwasser trinken, dass die Erzieherinnen oft nicht darauf achten, wie die Kinder angezogen sind und diese deshalb mit schief geknöpftem Hemd oder Bluse herum­ laufen.Gleichzeitig gehen die oftmals studierten Eltern davon aus, dass gerade die Jüngsten aufnahmefähig wie Schwämme seien und wollen sie entsprechend fördern. Selbstverständlich schicken sie ihre Kinder am Nachmittag nach Kita und Schule zur Musikschule, zum Tennis, Schach, Schwimmen, Ballett oder zur Malschule – und zu möglichst vielen von diesen Angeboten gleichzeitig, bei den besten, oft russischen Trainern, und dafür zahlen sie bereitwillig. Den Vorbehalt der Deutschen, dass sie ihre Kinder überfordern könnten, deren Selbstbildung übersehen, halten die Eltern und auch Alexander Ott für unbegründet. Kinder werden in zwei Sprachen gleichzeitig alphabetisiert Deshalb unterhält MITRA inzwischen in Berlin vier eigene Kitas für über dreihundert Mädchen und Jungen und seit  auch die private deutsch-russische Lomonossow-Grundschule. Dort lernen jetzt zwei Klassen in Schöneberg und eine in Marzahn. Jahr für Jahr wird an beiden Standorten eine Lerngruppe mit bis zu  Kindern dazukommen. Parallel werden die Schüler von einer deutschen und einer russischen Lehrerin in den Fächern in beiden Sprachen unterrichtet, lernen die Gedichte von Puschkin, ebenso wie sie deutsche Märchen lesen. „Anders als bei den Europaschulen werden bei uns die Kinder in beiden
Schulträger: Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA e.V. Lomonossow-Grundschule – Tempelhof-Schöneberg, Hellersdorf-Marzahn

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Netzwerk-Schule
Demokratische Schule im Prenzlauer Berg in Gründung
Sprachen gleichzeitig alphabetisiert“, betont Alexander Ott, damit auch ihr Kind unterstützt wird. Für die Aufnahme ist es vor allem wichtig, dass sie voll hinter dem Konzept der konseauch wenn die meisten Kinder zu Hause Russisch sprechen. quenten Zweisprachigkeit steht. Und genau dahinter verbirgt sich eines der Probleme, mit denen sich der Verein MITRA nicht abfinden will: Auch ein großer Teil der Einwanderer aus den Ländern der GUS bewegt „Schule für Eltern“ soll deren Integration fördern Nicht alle Eltern, deren Kind eine russische Kita besuchte, sich ausschließlich in russischsprachigen Communities. „Gleich ob sie sich in Charlottenburg oder auf den Malediven treffen, erwarten, dass ihre Tochter oder ihr Sohn auch in Zukunft Deutsch und Russisch spricht. Und hören sie nur russische Lieder und Geschichten, treffen nur Menschen mit „Uns ist wichtig zu zeigen, dass nicht alle Kinder bestehen den Aufnahmetest an der Schule. Jene aber, die an russischem kulturellen Hintergrund, unsere Schule Teil des deutschen der Lomonossow-Schule landen, erhalmit denen sie russische Gerichte zu rusten dann große Unterstützung, hier zu sischen Festen essen“, stellt Ott fest. Bildungssystems ist“ bestehen. Alexander Ott berichtet von „Was das Familienleben anbelangt, merken die Kinder oft nicht, dass sie in Deutschland aufwachsen!“ einem Jungen, der erst ein Jahr in Deutschland lebt und nun Förderstunden bekommt, um im Deutschunterricht mithalten Die meisten von ihnen aber werden hier leben und höchstens zum Urlaub hinter die jetzige östliche Grenze der EU reisen. zu können. Als Elternbeauftragter hört er sich die Nöte der „Deshalb ist es für uns wichtig zu zeigen, dass unsere Schule ein Eltern wie der Lehrer an. Er macht den Eltern verständlich, dass Teil des deutschen Bildungssystems ist“, betont er. Natürlich sie etwas investieren müssen, um ihre Kinder zu unterstützen. Er selbst gewann eine pensionierte Deutschlehrerin, die zusätzwird an der Schule Weihnachten und Ostern gefeiert – und lichen Deutschunterricht im Russischen Haus anbietet. „Wir sobald die Schule eigene, größere Räume beziehen kann, werden die Eltern noch stärker einbezogen. Gegenwärtig besuchen leben in Deutschland. Da reicht es nicht, gut Russisch zu beherreinige Mütter Deutschkurse. Doch wichtiger als die Gramma- schen.“ Deshalb soll am neuen Schulstandort auch eine „Schule für Eltern“ entstehen, die Eltern nicht nur in der Erziehung tik zu lernen, ist, dass sie mit deutschen Familien Kontakt bekommen – zum Beispiel durch Begegnungen mit einsamen und im Spracherlernen begleitet, sondern mehr noch Angebote S ­ enioren. unterbreitet, damit die Mütter und Väter in Deutschland ankommen. Verein sucht Kontakte zu deutschen Nachbarn Kontakt und „Wir müssen uns für die Deutschen öffnen und auf sie zugehen“, Kooperationspartner ist Alexander Ott fest überzeugt. Deshalb lädt MITRA e.V. an Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA e.V. Wochenenden hin und wieder zu gemeinsamen Wanderungen Marina Burd Geschäftsführerin in die Umgebung von Berlin ein. Durch solche Angebote sollen Alexander Ott Elternbeauftragter die Eltern aus ihrer Isolation herauskommen. Sie brauchen die Friedrichstr. – |  Berlin Tel | Fax	  –     Unterstützung des Vereins, weil sie allein weder die Zeit, noch info@mitra-ev.de die Mittel oder den Willen aufbringen würden, sich dafür zu www.mitra-ev.de engagieren. Private Lomonossow-Schule Marzahn Mit diesen Vorstellungen wirbt die Lomonossow-GrundBruno-Baum-Str. – |  Berlin schule für sich – ohne dass sich alle interessierten Eltern das Tel	  –     Fax	  –     einkommensabhängige Schulgeld zwischen  und  Euro info-marzahn@ pro Monat leisten könnten. Eine in zarten Pastelltönen adrett lomonossow-grundschule.de gekleidete Frau redet in Russisch auf Alexander Ott ein. Die Private Lomonossow-Schule allein erziehende Mutter will, dass ihre Tochter an dieser LeisSchöneberg tungsschule lernt, auch wenn sie momentan von Hartz IV lebt Kurfürstenstr.  |  Berlin Tel	  –    , und das Schulgeld nicht aufbringen kann. Sie weiß, dass der Fax	  –     Verein inzwischen von etlichen russischen Unternehmern anerinfo-schoeneberg@ lomonossow-grundschule.de kannt und unterstützt wird. Sie will wissen, was sie tun kann, er Jugendhilfeträger Netzwerk Spiel / Kultur Prenzlauer Berg e.V. betreibt zahlreiche Projekte offener Jugendarbeit – einen Bauspielplatz, eine Jugendfarm, ein Kinderrechts­ projekt – er ist Träger von drei Kitas und zwei Horten sowie Mitgesellschafter eines Kindermuseums. Netzwerk Spiel / Kultur plant, im Laufe des Jahres  im Prenzlauer Berg eine „ ­ Demokratische Schule“ in Berlin zu eröffnen. Eine ­ ergleichbare v Konzeption ist bisher nicht genehmigt worden. Der parittische Berlin fördert die professionelle Vorbereitung der ­ chulgründung. S Leitgedanken der Demokratischen Schule Es soll eine Gemeinschaftsschule werden mit offenem Ganztagsbetrieb. Die Öffnung der Schule in den Stadtteil ist wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Bürgerschaftliches Engagement von Eltern, Firmen und Nachbarn ist eine unverzichtbare Säule der geplanten Schule. Leitgedanke des Schulkonzepts ist die Selbstbestimmung der Schüler bei der Gestaltung der Schule. Dazu gehört unter anderem ihre eigenständige Entscheidung, wie lange und in welcher Form sie sich mit welchem Lernstoff beschäftigen. Angelegenheiten des Schulalltags werden von einer Schulversammlung geregelt, in der Schüler und Lehrer je eine Stimme haben. Demokratische Schulen in  Ländern Weltweit gibt es in  Ländern ­ emokratische Schulen, in den d USA, Israel, Skandinavien und vielen weiteren Ländern. Die Gründer engagieren sich bereits seit vielen Jahren im Kinderrechtsprojekt K.R.Ä.T.Z.Ä, das die Grund- und ­ enschenrechte M für Kinder konkretisiert und das Recht auf Mit- und Selbstbestimmung der Schüler propagiert. Im Vorfeld der Schulgründung ist ein langwieriger Vorbereitungsprozess zu bewältigen.

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Schritte zur Schulgründung Es ist ein Genehmigungsantrag abzufassen, der genau beschreibt, wie der Bildungsprozess in der Demokratischen Schule gestaltet wird. Die neue Schule muss zuverlässig funktionieren und gesetzlichen Anforderungen genügen. Die Selbstbestimmung, wesentliches Merkmal einer Demokratischen Schule, erschwert die Vergleichbarkeit mit anderen Schulen. Die Elternbeiträge sollen möglichst gering sein. Dafür sind Sponsoren zu gewinnen. Die Schule soll im Stadtteil ­ renzlauer P Berg liegen. Zurzeit sind die Initiatoren auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude. Eltern und Kinder müssen mit dem neuen Modell vertraut gemacht werden. Erfahrungsgemäß beste­ hen bei Eltern Zweifel und Ängste gegenüber den ungewohnten Schulstrukturen. Für die Schule wird ein System der Leistungsbewertung konzipiert, in das internationale Erfahrungen einfließen. Es bestehen langjährige Kooperationen mit der Internationalen Akademie (INA) für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität Berlin.

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i Kontakt und Kooperationspartner
Netzwerk Spiel / Kultur Prenzlauer Berg e.V. Kollwitzstraße  |  Berlin Tel	  –     Fax	  –     vorstand@netzwerkspielkultur.de www.netzwerkspielkultur.de Netzwerk-Schule i. Gr. Mike Weimann Projektleiter Choriner Str.  |  Berlin Tel | Fax	  –      schule@netzwerkspielkultur.de www.netzwerkspielkultur.de / schule

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Schulträger: Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA e.V. Lomonossow-Grundschule – Tempelhof-Schöneberg, Hellersdorf-Marzahn

Schulträger: Netzwerk Spiel / Kultur Prenzlauer Berg e.V. Netzwerk-Schule i.Gr. – Prenzlauer Berg

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Bürgerschulen für Berlin

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erantwortung und Vertrauen statt Verwaltung und Ver­ ordnung“, „Schulen mangelt es an Flexibilität und Selbstver­ antwortung“, „Bildungserfolge wachsen vor Ort, nicht durch bürokratische Steuerung von oben“ unter diesen Schlagworten wird in den letzten Jahren die Schulentwicklung diskutiert. In der Analyse besteht weitgehend Einigkeit: Vielfältige Schulkonzepte, die auf die unterschiedlichen Bedarfe von Kindern, Jugendlichen und Familien Antworten finden, sind notwendig. Alle an der Schule Beteiligten (Lehrer, Eltern, Schüler, externe Unterstützer) müssen die Möglichkeit erhalten, diese aktiv und verantwortlich mit zu gestalten. Mit dem recht fortschrittlichen Berliner Schulgesetz (u. a. Schulprogramme, Vertretungsmittel, Öffnung in den Sozialraum, Leistungskontrollen, Inspektionen) wurde zwar die rechtliche Grundlage geschaffen, auf örtliche und gesellschaftliche Veränderungen stärker als bisher zu reagieren. Allerdings verhindert die verwaltungsförmige Steuerung der Schule und die zentrale Ressourcenverteilung nach wie vor weitergehende Reformen. Mit dem Konzept Bürgerschule des parittischen soll ­ iese d Blockade durchbrochen werden.

sichtigen und über die der Schulträger selbst verfügen kann. Für besondere Förderbedarfe von Schülerinnen und Schülern sind Zuschläge zu definieren. Ob eine Schule die Bildungsgutscheine einlösen kann, hängt von ihrer Leistungsverpflichtung und nicht von der Schulträgerschaft ab. Freie und öffentliche Schulträger, die Bildungsgutscheine in voller Höhe abrechnen wollen, müssen eine Leistungsvereinbarung mit dem Land Berlin abschließen, welche die Grundlagen ihrer Verpflichtungen definiert. Drittens: Die Eltern erhalten die Entscheidungsmacht, ­ elche w Schule und welchen Schultyp sie für ihre Kinder wählen. Während man Eltern in Berlin für den Bereich der Elementarbildung durchaus zutraut, aus einem unterschiedlichen Angebot von Kindertagesstätten für ihre Kinder die richtige Wahl zu treffen, besteht für den Schulbereich hier grundsätzliches Misstrauen. Durch die derzeit bestehende Unterfinanzierung von ­ chulen S in freier Trägerschaft und der damit verbundenen Notwendigkeit Schulgelder zu erheben, wird darüber hinaus Eltern mit geringer Finanzkraft die Wahl einer Schule in freier Trägerschaft kaum ermöglicht. Durch die Finanzierung über Bildungsgutscheine erhalten alle Eltern die Möglichkeit, für ihr Kind die Schule zu wählen, die ihren Vorstellungen am besten entspricht, gleich ob es sich um einen staatlichen oder einen freien Schulträger handelt. Viertens: Die unklare Verteilung von Verantwortung im System wird aufgelöst. Das Modell der Bürgerschule beinhaltet einen Wechsel von der behördlichen Verwaltung der Schule hin zu einem vertraglich geregelten Verantwortungssystem: •	 Politische Entscheidungen garantieren Rahmenbedingungen und setzen grundlegende Ziele. •	 Die Bildungsverwaltung konkretisiert Bildungsziele bzw. Bildungsstandards, vereinbart konkrete Rahmenbedingungen und Erfolgskontrollen mit den Schulen. •	 Die jeweiligen Schulträger bestimmen selbst, wie sie die ­ iele Z erreichen. Damit erhalten sie die Möglichkeit, ihre ­ ildungsB und Erziehungsarbeit gezielter auf die unmittelbar vor Ort bestehenden spezifischen Bedingungen und ­ rfordernisse E ausrichten. •	 Schulaufsicht hat die Aufgabe der Qualitätskontrolle und der Beratung. Sie erhält wesentlich mehr als heute die Rolle einer Service- und Unterstützungseinrichtung. 43

Vier Kernpunkte der Bürgerschule
Erstens: Schulen werden aus den öffentlichen Organi­ a­ ions­ trukturen herausgelöst. s t s Um den individuellen Bedarfslagen der Schülerinnen und Schüler entsprechen zu können, müssen Schulen in der Lage sein weitreichende eigene Entscheidungen vor Ort zu treffen. Bleibt die einzelne Schule eine nicht rechtsfähige Untereinheit der Schulbehörde, kann dies nicht in ausreichendem Maße gelingen. Eingefahrene Routine und traditionelle Regelungsmechanismen lassen sich eben nicht nur teilweise auflösen. Mit der Bürgerschule werden Schulträgerschaften über ö ­ ffentlich- oder privatrechtliche Stiftungen bzw. gemein­ ützige n Organisationsstrukturen neu geregelt und erhalten damit die Freiheit, aber auch die volle Verantwortung unter den gegebenen Rahmenvorgaben die möglichst besten Ergebnisse zu erzielen. Zweitens: Die Finanzierung wird über Platzgelder / Bildungs­ gutscheine für alle Schulträger gleich geregelt. Für jede Schülerin und jeden Schüler erhält die Schule einen sich an den durchschnittlichen Kosten eines Schulplatzes orien­ tierenden, einheitlichen Betrag. Damit entstehen Globalbudgets, die alle relevanten Kosten (Personal- und Sachmittel) berück-

schritte zu bürgerschulen in berlin

Foto: AOK-Mediendienst

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Die Verantwortung für den Bildungsprozess vor Ort erhält die jeweilige Schule. Damit Schulen / Schulträger diese Verantwortung übernehmen können, bedarf es zweier Grundbedingungen: Erstens: Mit den zur Verfügung gestellten Ressourcen müssen die vorgegebenen Ziele erreichbar sein. Zweitens: Qualitätskontrollen benötigen ein einheitliches und transparentes Verständnis mit eindeutigen Indikatoren. Dies ist über Vereinbarungen sicher zu stellen. Freie Träger von Bürgerschulen und ihre Pflichten In Berlin gibt es die große Bereitschaft von gemeinnützigen Trägern, als Schulträger Mitverantwortung für bessere Bildung zu übernehmen. Diese Träger verfügen über vielfältige Erfahrun­ gen im Führen sozialer Einrichtungen mit unterschiedlichen Bedingungen, haben langjährige Übung in der Einbindung von Eltern unterschiedlicher Herkunftsmilieus und betrachten sich und ihre Einrichtungen als Bestandteil eines Sozialraums, den sie weiterentwickeln wollen. Kurz sie haben Erfahrung in der Aktivierung und Nutzung der bestehenden Potenziale. Diese Kompetenzen der frei-gemeinnützigen Träger (z.B. Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Kita-Träger und Stadt­ teilzentren) können die Berliner Schullandschaft deutlich b ­ ereichern. Freie Träger einer Bürgerschule sollen öffentlich anerkannt werden. Grundsätzlich sollen die Träger gemeinnützig sein. Sie übernehmen die Pflichten, die der Staat z.Zt. durch seine e ­ igenen Schulen übernimmt. Dazu gehören insbesondere: •	 Aufnahme aller Kinder: Eine besondere Auswahl der Kinder durch die Schule ist nicht zulässig. Um abzusichern, dass jedes Kind einen wohnortnahen Schulplatz erhält, werden Bürgerschulen (ob in freier oder staatlicher Trägerschaft) im Rahmen einer regionalen Schulplanung Einzugsbereiche zuge­ rdnet. o Für die Kinder dieses Einzugsbereiches müssen die Träger Schulplätze vorhalten. Den Eltern steht es jedoch frei, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. •	 Kein Schulgeld: Träger von Bürgerschulen erheben kein Schulgeld. •	 Zielvereinbarung und Evaluation: Im Rahmen einer Leistungs­ vereinbarung verpflichten sich die Träger gegenüber dem Land Berlin zu definierten Zielen und zur Evaluation ihrer Arbeit. Bestandteil der Vereinbarung sind auch Regelungen zur E ­ igenständigkeit der jeweiligen Schule und zum Nachweis der zweckgemäßen Verwendung der Mittel.

Umsetzungsschritte
Finanzierung / Leistungsvereinbarung Derzeit erhalten Schulen in freier Trägerschaft einen Zuschuss, der sich an den Personalkosten des Landes Berlin orientiert. Damit werden nur ca. – Prozent der Gesamtkosten eines Schulplatzes gedeckt. Um die Finanzierung über Platzgeld / Bildungsgutscheine zu ermöglichen, sind die durchschnittlichen Vollkosten eines Schulplatzes im Land Berlin zu ermitteln. Als Grundlage hierfür können die Ergebnisse der Kosten-Leistungsrechnung des Landes Berlin sowie das Gutachten zu Schülerkosten in Berlin des Steinbeis-Transferzentrums dienen. Zur Absicherung besonderer Förderbedarfe einzelner Kinder (z.B. Behinderungen, besonderer Sprachförderbedarf ) sind d ­ arüber hinaus Zuschläge zu gewähren. Um dies umzusetzen, müssen anspruchsberechtigte Gruppen definiert und der Weg der Zuordnung zu diesen Gruppen festgelegt werden. Hierzu können sowohl die Erfahrungen bei der Lehrstundenzumessung als auch die aus dem Kitabereich genutzt werden. Die so ermittelten Kostensätze sollen in einer Leistungsvereinbarung zwischen dem Land Berlin und den Verbänden der Schulträger festgelegt und die Finanzierungsregelungen nach dem Schulgesetz entsprechend angepasst werden. Eine Aufrechterhaltung der nach §  Abs.  SchulG bestehenden Wartefrist zur Schulfinanzierung ist mit dem Konzept der Bürgerschule nicht zu vereinbaren und ebenfalls zu verändern. Information und Beratung zur Schulwahl Damit Eltern ihre Wahlfreiheit ausüben können, benötigen sie einfache, gut zugängliche und an objektiven Kriterien ermittelte Informationen über die unterschiedlichen Schulen, deren Schulkonzepte und Evaluationsergebnisse. Die Verpflichtung der Schulen zu Transparenz spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Um eindimensionale Rankings, die in der Regel keine ausreichende Aussagekraft enthalten, zu vermeiden sind Kriterien und Indikatoren zu entwickeln, mit d ­ enen die zur Schulwahl durch Eltern benötigten Informationen dargestellt werden können. Bei der Beratung der Eltern soll den „abgebenden“ Institutionen eine wichtige Rolle zukommen (Kindertagesstätte zur Grundschule, Grundschule zur weiterführenden Schule) – ­ iese d sind mit den benötigten Ressourcen auszustatten. Daneben können auch die Träger von Familienbildung tätig werden.

Modellversuch Bereits vor der Ermittlung von Kostensätzen und dem Abschluss einer allgemein gültigen Leistungsvereinbarung soll Schulen und Schulträgern, die die beschriebenen Pflichten der Bürgerschule garantieren, im Rahmen eines Schulversuchs die Möglich­ keit gegeben werden, das Konzept Bürgerschulen zu ­ rproben. e Für diese Träger müssen vor allem die Wartefristen nach §  Abs.  Schulgesetz unberücksichtigt bleiben. Darüber h ­ inaus soll durch einzelvertragliche Regelungen sicher gestellt werden, dass die bisher für die betroffene Einzelschule eingesetzten Mittel auch unter der neuen Trägerschaft zur Verfügung gestellt werden. Im Rahmen dieses Schulversuches sind auch Modelle des Personalwechsels bzw. Modelle der Gestellung / Zuweisung zu erarbeiten und zu erproben. Der parittische sichert zu, solche Modelle aktiv zu unter­ stützen. Martin Hoyer Referat Schule und Referat Kinder und Kindertagesstätten parittischer Wohlfahrtsverband Berlin

•	 Transparenz über das Angebot: Jede Schule ist verpflichtet über zentrale Eckpunkte ihres Schulkonzeptes sowie ­ estimmte b Kennzahlen Transparenz herzustellen. Hierzu kann z.B. die bereits bestehende Schuldatenbank / Schulporträts genutzt und weiterentwickelt werden. Näheres ist in einer Rahmenvereinbarung zu regeln, welche sowohl die Leistungsverpflichtungen der Träger als auch die Finanzierung durch das Land Berlin regelt. Als Beispiel können Elemente der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) – Vereinbarung für Kindertagesstätten, dienen.

Martin Hoyer Foto: Bußler

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Unter Paritätischem Dach
Engagement Paritätischer Mitgliedsorganisationen an Schulen

Impressum
Herausgeber paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. Brandenburgische Straße   Berlin Tel	 – - Fax	 – - info@paritaet-berlin.de www.paritaet-berlin.de Vorsitzende Prof. Barbara John Geschäftsführer Oswald Menninger Elke Krüger (stv.) Textredaktion Elfi Witten Reportagen Barbara Leitner freie Journalistin www.barbaraleitner.de Bildredaktion Petra Engel, Elfi Witten Verantwortlich Elfi Witten Pressesprecherin paritätischer Berlin witten@paritaet-berlin.de Layout und Satz www.polyform-net.de Fotos Der paritätische dankt seinen ehrenamtlichen Fotoreporter / innen Birgit Heppner, Rais Khalilov, Christine Klotzek, Martin Thoma sowie den Mitglieds­ rganisationen, o die Fotos zur Verfügung gestellt haben. Titelbild cabuwazi – Kinder- und Jugendzirkus e.V. Foto: Thoma Druck Kahmann-Druck +Verlag GmbH Berlin, Oktober 

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ie vorgestellten Träger und Projekte sind nicht die ersten oder einzigen Projekte aus dem parittischen ­ ereich, B die sich in Berliner Schulen engagieren. Rund 7 parittische Träger kooperieren mit circa  Schulen und leisten schulbezo­ ene Jugendhilfe. Darunter finden sich g 62 Schülerclubs und Schulstationen,  son­ tige Pro­ekte wie s j Nachholen des Schul­ bschlusses und Arbeit mit Schulklassen a zu Themen wie Gewaltpräven­ ion, Mediation, Suchtprävention t und Aufklärung. Im Rahmen von ESF-Programmen kooperieren  Trä­ er mit 26 Hauptschulen und/ oder mit 31 Sonderpäg dagogischen Förderzentren. 1 Träger mit rund 73 Plätzen kooperieren mit 56 Grundschulen in der ergänzenden ­ örderung und Betreuung. Die F Struktur der Träger und der Angebote ist vielfältig: Einzelne kleinere Träger agieren an einer Schule im Trägerverbund, andere sind als alleiniger Kooperationspartner an bis zu sieben Grundschulen tätig.  Mitglieder sind Träger von  freien Schulen. Drei davon werden im Sommer  eröffnet. Einen wichtigen Beitrag, um Eltern als Bildungspartner zu gewinnen und zu unterstützen, leistet der Landesverband Schulischer Fördervereine Berlin. Er hat im Juni  sein . M ­ itglied aufgenommen. In diesen Fördervereinen sind über  Ehrenamtliche aktiv – vor allem Eltern, aber auch engagierte Lehrer und ehemalige Schüler. 46

Elvira Kriebel Foto: Bußler

Foto: Klotzek

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