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Full text: "Mein erweitertes Zuhause"

»MEIN ERWEITERTES ZUHAUSE«
Mehrgenerationenhäuser in Berlin

Inhalt

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Die Berliner Soziallandschaft braucht Mehrgenerationenhäuser
Vorwort von Prof. Barbara John

Mehrgenerationenhäuser – Knotenpunkte für freiwilliges Engagement  Grußwort von Christoph Linzbach Die Zukunft der Berliner Mehrgenerationenhäuser
Einleitung von Dr. Gabriele Schlimper

Charlottenburg-Wilmersdorf

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Divan spielt eine wichtige Rolle für die Integrationsarbeit im Klausenerplatzkiez  Von Reinhard Naumann Wo ist Redi Siraj?  Von Katharina Körting Friedrichshain-Kreuzberg Knotenpunkt eines Netzwerkes von Einrichtungen und Initiativen im Stadtteil  Von Monika Herrmann Eine Plattform für gelebte Nachbarschaft  Von Steffen Hensche und Fatma Celik Berlin-Mitte Lebendigkeit, Aktivsein und Engagement über jedes Alter hinweg  Von Dr. Christian Hanke Die Zäune abbauen – Straßenspiele im SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit
Von Meike Wolfart

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Rundumpaket Kindergeburtstag 

Von Dorina Thomas und Peter Steiner

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Berlin-Reinickendorf Jung und Alt bekommen Namen  Von Frank Balzer Auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt  Von Richard Palm Steglitz-Zehlendorf Wie früher in der Großfamilie  Von Norbert Kopp Partner des Kinder Pflege Netzwerkes  Von Timm Lehmann Tempelhof-Schöneberg Anstifter von Bildungsnetzwerken und Nachbarschaftsinitiativen  Interview mit Angelika Schöttler »Pssst, sei mal still, damit ich mich konzentrieren kann!«  Treptow-Köpenick Der demografische Wandel findet auch in unserem Bezirk statt  Von Oliver Igel »Ach Omi, das verstehst du nicht«  Von Sebastian Lück Adressübersicht Berliner Mehrgenerationenhäuser unter Paritätischem Dach

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Von Monika Fröhlich

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Die Berliner Soziallandschaft braucht Mehrgenerationenhäuser
Vorwort von Prof. Barbara John
In Berlin mit seinen rund dreieinhalb Millionen Einwohnern hält der Trend zur Individualisierung an. Immer weniger Familien und immer mehr Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehende leben in der Stadt. Der Anteil der in der Familie unterstützten älteren Menschen reduziert sich. Damit steigt der Bedarf an nachbarschaftlicher Unterstützung. Die unmittelbare Umgebung wird zum Lebensmittelpunkt. Oft übernehmen Menschen aus der Nachbarschaft die Aufgaben von Verwandten. Damit sich dieses gute Miteinander entwickeln kann, braucht es eine passende Infrastruktur. Diese Rolle übernehmen unter anderem die Mehrgenerationenhäuser. In Berlin werden über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) derzeit acht Mehrgenerationenhäuser in sieben Berliner Bezirken gefördert, alle in Trägerschaft Paritätischer Mitgliedsorganisationen. Und viele der Häuser sind in Stadtgebieten mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an einkommensarmen und benachteiligten Menschen angesiedelt. Lesen Sie in diesem Heft, wie es den Mehrgenerationenhäusern gelingt, die verschiedenen Generationen einzubinden und in positiver Weise zusammenzubringen. Begegnungen und gemeinsame Projekte von Menschen verschiedener Lebensalter gehören dort zum Alltag. Damit sind diese Häuser Vorreiter für eine neue gesellschaftliche Perspektive, in der die Generationen sich füreinander engagieren und der Generationenvertrag mit neuen Inhalten verknüpft wird. Sie erfahren, wie eine sinnvolle und gute Integration und Einbindung von Menschen verschiedener Bildungs- und Einkommenssituation gelingen kann und wie bereichernd und fruchtbar es ist, Zugänge für Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen. Möglichkeiten zum Engagement aufzubauen und die Menschen in Engagement zu vermitteln, zählt zu den Kernstücken der Aufgaben Berliner Mehrgenerationenhäuser. Dabei beziehen sie viele Akteure im Stadtteil mit ein.

Prof. Barbara John

Die Häuser sind inzwischen aus der sozialen Landschaft Berlins nicht mehr weg zu denken. Sie sind in den Stadtteilen und Kiezen zu wichtigen Anlaufstellen für die Bürgerinnen und Bürger verschiedener Generationen mit deren Anliegen und Bedürfnissen geworden. Auch die Verantwortlichen in den Bezirken wissen die Mehrgenerationenhäuser als Querschnitts- und Vernetzungsakteure zu schätzen. Es freut uns sehr, dass sich die sieben Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mit einem Grußwort an diesem Heft beteiligt haben. Wir wünschen uns, dass die Berliner Mehrgenerationenhäuser auch nach Ende 2014 ihre gute Arbeit und ihr Wirken in den Bezirken mit den nötigen finanziellen Mitteln fortführen können. Dann läuft die Förderung über BMFSFJ und Bezirke aus. Sie, liebe Leser, erwartet jetzt eine unterhaltsame und anregende Lektüre. Und falls Sie mit uns darin übereinstimmen, dass durch die Mehrgenerationenhäuser die Chancen für ein soziales Miteinander in Berlin verstärkt werden, dann tun Sie Ihre Meinung laut kund, in der Öffentlichkeit und in Ihrem Umfeld.

»Die Verantwortlichen in den Bezirken wissen die Mehrgenerationenhäuser als Querschnitts- und Vernetzungsakteure zu schätzen.«
Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Berlin

2 Vorwort

Mehrgenerationenhäuser – Knotenpunkte für freiwilliges Engagement
Von Christoph Linzbach, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
»Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge« hat Cicero vor rund 2000 Jahren gesagt. Und weil auch heute der erste, manchmal kleine Schritt für jedes Vorhaben von größter Bedeutung ist, setzen die im Rahmen des gleichnamigen Bundesaktionsprogramms geförderten Mehrgenerationenhäuser darauf, das »Anfangen« auch beim freiwilligen Engagement so einfach wie möglich zu machen. Ohne unnötige Hürden können Interessierte sich vor Ort informieren und in bestehende Angebote reinschnuppern, um diese dann vielleicht mitzugestalten oder auch eigene, neue Angebote auf den Weg zu bringen. Mit ihren niedrigschwelligen Angeboten fördern die Mehrgenerationenhäuser freiwilliges Engagement mit Erfolg: Rund 15 000 Freiwillige engagieren sich in den bundesweit 450 Mehrgenerationenhäusern auf Augenhöhe mit den Hauptamtlichen. 43 Prozent engagieren sich seit mehr als zwei Jahren. 62 Prozent sind einmal wöchentlich im Mehrgenerationenhaus tätig und führen vor allem eigene Angebote durch. Acht Mehrgenerationenhäuser sind in Berliner Stadtbezirken angesiedelt und bieten dort niedrigschwellige Räume der Begegnung, des Austauschs und der Unterstützung von und für Menschen jeden Alters, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft Mit den Aktionsprogrammen Mehrgenerationenhäuser I und II hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den vergangenen Jahren das Modell der früheren Großfamilie in unsere Zeit übertragen und Knotenpunkte für freiwilliges Engagement geschaffen und ausgebaut. Mehrgenerationenhäuser unterstützen mit ihren vielfältigen und bedarfsorientierten Aktivitäten und Leistungen die Kommunen bei einem effektiven und effizienten Sozialraummanagement. Präventive Unterstützungsangebote helfen so nicht selten, die Aufwände für Sozialleistungen zu reduzieren und Kosten im Bereich der Kommunalen Pflichtaufgaben einzusparen. Durch Randzeit- und Notfallbetreuungsangebote für Kinder wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geför-

Christoph Linzbach

dert. Junge Menschen im Übergang zwischen Schule und Beruf werden durch Patenschafts- und Mentoringprojekte ganz individuell unterstützt. Dies sind nur ein paar Beispiele dafür, dass diese »bedarfs- und sachgerechte Sozialraumgestaltung« mit einem regelmäßigen Schwerpunkt im Bereich des freiwilligen Engagements in den Mehrgenerationenhäusern gelebte Praxis ist. Engagementpolitisch werden die Themen »lokale Entwicklung« und »Infrastruktur zur Förderung des freiwilligen Engagements« zukünftig eine besonders wichtige Rolle spielen. In Anlehnung an das im Rahmen der Demografiestrategie der Bundesregierung entwickelte Leitbild »sorgender Gemeinschaften« ist es aus Sicht des Bundesfamilienministeriums unumgänglich, nachhaltig lokale Strukturen zu etablieren, in denen interessierte und motivierte Bürgerinnen und Bürger, die sich engagieren möchten, Orte und Räume finden, in denen sie dies tun können. Es geht dabei auch darum, Selbstorganisationsprozesse vor Ort anzuregen und zu unterstützen mit dem Ziel, die Folgen des demografischen Wandels aktiv zu gestalten und den Zusammenhalt der Generationen zu stärken. Die generationenübergreifende Arbeit der Mehrgenerationenhäuser ist dabei ein wichtiger Baustein, den es gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zu sichern gilt.

» Präventive Unterstützungsangebote helfen nicht selten, die Aufwände für Sozialleistungen zu reduzieren.«
Christoph Linzbach, Unterabteilungsleiter BMFSFJ

Grußwort 3

Die Zukunft der Berliner Mehrgenerationenhäuser
Von Dr. Gabriele Schlimper, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke des Paritätischen Berlin
Mehrgenerationenhäuser gibt es seit acht Jahren. Sie wurden über das Aktionsprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen und werden darüber maßgeblich finanziert. Das aktuelle Förderprogramm läuft Ende 2014 aus.

Mehr-Generationen-Häuser in Berlin – der Name ist Programm
Jedes Mehrgenerationenhaus wird mit 40.000 Euro pro Jahr gefördert. Davon kommen 30.000 Euro vom Bundesministerium; 10.000 Euro müssen in der Regel die Kommunen, in denen die Mehrgenerationenhäuser aktiv ansässig sind, übernehmen. In Berlin werden über das Aktionsprogramm derzeit acht Mehrgenerationenhäuser in sieben Berliner Bezirken gefördert. Die Mehrgenerationenhäuser werden von sozialen Organisationen betrieben, die bereits im Vorfeld über vielfältige Erfahrungen in der Nachbarschaftsarbeit gesammelt haben.

Dr. Gabriele Schlimper

Sieben Schwerpunkte der Angebotspalette
Die Angebote der Mehrgenerationenhäuser fußen auf den Förderschwerpunkten des Aktionsprogramms. Die einzelnen Mehrgenerationenhäuser sind jedoch dazu aufgerufen, das Profil und die Vorgaben entsprechend den regionalen Bedarfslagen an den Bedürfnissen der Menschen, für die sie da sein sollen, auszurichten. Folgende Handlungsschwerpunkte bestimmen die Angebotspalette der Mehrgenerationenhäuser: 1. Orte des offenen Treffs Die Häuser sind offen für alle Nachbarinnen und Nachbarn sowie deren Familien, die Interesse am Haus haben und Zugang zu Hilfe- und Unterstützungsangeboten suchen. So fungieren sie mit ihrer Öffnung in den Stadtteil als Brücken zwischen den Menschen und sozialen Hilfenetzen.

2. Orte der Begegnung zwischen Menschen verschiedener Generationen und Lebensalter Mehrgenerationenhäusern gelingt es, die verschiedenen Generationen einzubinden und in Kontakt zu bringen. Menschen engagieren sich füreinander – für Menschen anderer Lebensalter. Diese vielzähligen und vielfältigen Begegnungen wie auch gezielte gemeinsame Projekte von Menschen verschiedener Lebensalter gehören zum Alltag der Berliner Mehrgenerationenhäuser. Damit sind sie Vorreiter für eine neue gesellschaftliche Perspektive, in der die Generationen sich füreinander engagieren und der Generationen­ertrag v mit einem neuen Inhalt verknüpft werden kann. Mehrgenerationenhäuser vermitteln ihre Erfahrungen im Rahmen von Fachveranstaltungen an andere Einrichtungen wie Stadtteiloder Familienzentren. 3. Orte einer gezielten Integration und Bildung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung In Berlin ist es wichtig, Zugänge zu und für Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen, aber auch Menschen in unterschiedlichen sozialen Kontexten miteinander in Kontakt zu bringen. Mehrgenerationenhäuser sind interkulturell offen; sie sind Orte der Begegnung und des Lernens für Menschen aller Altersgruppen, gleich welcher Herkunft.

»Die Berliner Mehrgenerationenhäuser fungieren als Brücken zwischen den Menschen und sozialen Hilfenetzen.«
Dr. Gabriele Schlimper, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke des Paritätischen Berlin

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»Ich komme gern auf eine Tasse Kaffee vorbei.«
Herr Born (64), Besucher

Die Häuser haben es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, individuelle Kompetenzen und Ressourcen der Menschen zu stärken und sie in ihren Bildungswegen und Fähigkeiten zu unterstützen. Durch das gegenseitige Engagement füreinander, nicht nur von Menschen verschiedener Lebensalter sondern auch verschiedener Biografien und sozialer sowie kultureller Herkunft, wird nicht nur die gesellschaftliche Teilhabe jedes Einzelnen gestärkt, sondern auch der soziale Zusammenhalt vor Ort. 4. Orte zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements Die Schaffung von Engagementmöglichkeiten und die Vermittlung von Menschen in Engagement ist ein wichtiges Kernstück für die Berliner Mehrgenerationenhäuser. Über viele Projekte und Aktivitäten konnten ehrenamtlich Engagierte gewonnen und kontinuierlich begleitet werden. Die Engagementförderung bezieht dabei viele Akteure im Stadtteil ein. Es ist den Mehrgenerationenhäuser gelungen, Freiwilligenengagement zu einer gemeinsamen Aufgabe von Mehrgenerationenhaus, Bezirksamt und weiteren Partnern zu machen. Viele Menschen werden im Stadtteil in der nahen Umgebung des Mehrgenerationenhauses erreicht, die sonst nur schwer Zugang zum Engagement finden. 5. Orte der Kooperation und sozialräumlichen Vernetzung in der Kommune Die Mehrgenerationenhäuser sind mit ihrem besonderen Profil zu Querschnittsakteuren geworden, die zielgruppenunspezifisch agieren und in der Lage sind, die noch bestehende Versäulung zwischen den einzelnen Zuständigkeiten und Ressorts aufzubrechen. Sie fungieren als Kooperationspartner für alle Unterstützer und Mitwirkenden bei der Umsetzung der einzelnen Handlungsschwerpunkte. Mit ihrer Unabhängigkeit agieren sie ebenso als Netzwerker zwischen den verschiedenen Akteuren in den sozialen Räumen als auch zwischen den Fachressorts der Bezirksverwaltungen. Sie engagieren sich in konkreten Zusammenhängen,

beispielsweise in der Zusammenarbeit mit Schulen, bei der Initi­erung von Bildungsverbünden, der Öffnung von Schui len in den Sozialraum. Sie ermöglichen Kontakte zu Eltern oder Freiwilligenakquise für die Arbeit in Schulen. Mehrgenerationenhausarbeit bedeutet in der Praxis Schnittstelle zu sein für Jugend, Schule, Soziales, Gesundheit, Stadtentwicklung und Job-Center in der jeweiligen Region. 6. Orte mit Angeboten für Ältere sowie Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Viele ältere Menschen möchten sich mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen. Sie wollen mitwirken und mitgestalten und sich engagieren. Mehrgenerationenhäuser sind Orte, wo sie sich einbringen können. Dort können sie eigene Ideen verwirklichen, sich gegenseitig unterstützen und in vielen Fragen rund um das Alter beraten. Ebenso können sie sich als Lese- und Lernpaten, als Leihgroßeltern oder Mentoren engagieren. Und wenn es nicht mehr gut allein geht, bieten die Mehrgenerationenhäuser interessante Unterstützungsangebote, angefangen von der Organisation haushaltsnaher Dienstleistungen bis hin zu Beratung und Austausch für Angehörige von Pflegebedürftigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier in Angeboten für Familien und Angehörige von Menschen, die an Demenz erkrankt sind. 7. Orte für passgenaue Angebote und Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen Viele Menschen, vor allem junge Familien und Ältere, benötigen Hilfe und Entlastung im Alltag. Diese Hilfen können einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität leisten. Berlin steht trotz vieler guter Ansätze in dieser Hinsicht noch am Anfang. Die Mehrgenerationen­ häuser helfen mit, neue Wege zu beschreiten und stellen ihre Ergebnisse und Erfahrungen anderen Einrichtungen zur Verfügung.

Einleitung 5

Jung und alt experimentieren mit Kastanien | Foto: MGH Köpenick

Forderungen für ein Fortbestehen ab 2015
Das aktuelle Aktionsprogramm läuft Ende 2014 aus. Um eine Nachhaltigkeit der Ansätze der Mehrgenerationenhäuser zu gewährleisten, muss sicher gestellt sein, dass die bereits aufgebauten und etablierten Strukturen auch über das Jahr 2014 hinaus begleitet werden können. Die Häuser sind den Bürgerinnen und Bürgern als Anlaufstellen und Orte für die verschiedensten Aktivitäten sowie als Partner von Politik, Verwaltung und weiteren Akteuren anerkannt. Sie haben in den Bezirken sozialraumorientierte Strukturen aufgebaut und Kontakte zu Partnern geschlossen. Die Häuser sind fachlich inhaltlich in den Bezirken angekommen; es gibt jedoch noch keine geeigneten Strukturen für eine regelmäßige Weiterförderung. Zwar versuchen Mehrgenerationenhäuser Mittel auf Spenden- und Sponsoringbasis einzubeziehen und eigene Finanzquellen perspektivisch zu erschließen. Hier wurden auch erste gute Erfahrungen gesammelt, die aber nicht eine ernstzunehmende Quantität und Nachhaltigkeit überführt werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der Berliner Häuser gerade Menschen aus einkommensärmeren Bevölkerungsschichten zu ihren Besucherinnen und Besu-

chern zählen. Wir erachten es als notwendig, langfristige Lösungen anzustreben.

Neun Aspekte für ein Folgeprogramm Mehrgenerationenhäuser
1.	 bestehenden und guten Strukturen sollten in ein FolDie geprogramm des Bundes münden. 2.	 erlin als Metropole braucht nicht weniger MehrgeneB rationenhäuser, sondern mehr: Angesichts der Bevölkerungszahlen in den zwölf Bezirken bedürfte es eines Mehrgenerationenhaus pro Bezirk. Zumindest die Zahl der bestehenden Einrichtungen sollte im Rahmen eines Folgeprogramms gesichert werden. Die 3.	 Förderung der Häuser im Folgeprogramm mit zehn Prozent kommunaler Mittel hat sich bewährt und könnte in dieser Form weitergeführt werden. Das bedeutet, dass der Bund sich auch weiterhin an der Ausstattung der Mehrgenerationenhäuser beteiligt. D 4.	 ie Mehrgenerationenhäuser in Paritätischer Mitgliedschaft haben das Profil im Rahmen des Aktionspro-

Wir fordern, dass die Erfahrungen und Potentiale der Mehrgenerationhäuser für Berlin weiterhin nutzbar bleiben.
Dr. Gabriele Schlimper, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke des Paritätischen Berlin

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»Die Beratungsangebote haben mir schon zweimal sehr geholfen.«
Frau Kleine (46), Besucherin

gramms in beispielhafter und vorbildlicher Weise umgesetzt. Konkrete Angebote sind bedarfsgerecht und greifen die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger auf. 5.	 Viele der Häuser haben ihre Angebote auf Familien mit Kindern und ältere Menschen ausgerichtet. Dies entspricht den aktuellen Entwicklungen im jeweiligen Wirkungsraum. Die besondere Situation in Berlin als Metropole mit häufig junger Bevölkerung in vielen Bezirken sowie einer großen Zahl von Menschen ohne Beschäftigung und älteren Menschen sollte bei den Handlungsschwerpunkten berücksichtigt werden. Die Schwerpunkte sind verstärkt auf generationenübergreifende Tätigkeiten zu konzentrieren und weniger auf generationenspezifische Aspekte. 6.	 einem zukünftigen Programm sollte es den MehrgeneIn rationenhäusern grundsätzlich möglich sein, Handlungsschwerpunkte an den jeweiligen sozialräumlichen Besonderheiten auszurichten. Im Sozialraum einer Großstadt, in dem es bereits vielzählige Angebote für Ältere sowie Pflegebedürftige und ihre Angehörigen gibt, kann ein

Mehrgenerationenhaus sich beispielsweise in höherem Maße auf andere Schwerpunkte konzentrieren. 7.	 Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiges Kernstück der Häuser. Dieses muss erhalten bleiben und weiterhin unterstützt und gefördert werden. 8.	 Wir wünschen uns ein Aktionsprogramm III des Bundesfamilienministeriums. So könnten Mehrgenerationenhäuser im Rahmen der Demographiestrategie der Bundesregierung, die den Begriff »sorgende Gemeinschaft« ausweist, eine tragende Rolle spielen. 9.	 ir fordern abschließend, die MehrgenerationenhäuW ser mit einer institutionellen Förderung auszustatten. Wir versuchen, bei den Berliner Bezirken eine finanzielle, möglichst dauerhafte Beteiligung zu erreichen. Bei der aktuellen Haushaltslage der Kommunen wird dies sicher einiger Anstrengung bedürfen.

Olfa Guizani erhält Unterstützung von Zeinab Nasereddin, Vermittlungscoach im AVA 17 | Foto: Martin Thoma

Einleitung 7

Divan spielt eine wichtige Rolle für die Integrationsarbeit im Klausenerplatzkiez
Von Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf
Inzwischen gibt es verschiedene Mehrgenerationenhäuser in Charlottenburg-Wilmersdorf. Der von Ülker Radziwill (MdA) mitbegründete und 2007 als Nachbarschaftszentrum eröffnete Divan ist seit Anfang 2012 eines davon. Divan ist besonders erfolgreich und spielt eine wichtige Rolle für die Integrationsarbeit in unserem Klausenerplatzkiez. Ich besuche es häufig und habe dort auch bereits meine Bürgersprechstunde veranstaltet. Charlottenburg-Wilmersdorf gilt als Bezirk mit geringen Integrationsproblemen, obwohl auch bei uns viele Ausländerinnen und Ausländer sowie Menschen mit Migrationshintergrund leben – mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Das liegt sicher zum einen daran, dass die Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern sich bei uns auf viele unterschiedliche Kieze im Bezirk verteilen, zum anderen aber auch an der erfolgreichen Arbeit von Einrichtungen wie Divan e.V. Als Mehrgenerationenhaus sorgt Divan nicht nur für die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, sondern auch für das Aufeinandertreffen der verschiedenen Generationen. Das ist deshalb so wichtig, weil es den Enkeln oft leichter fällt, sich in ihrem Kiez zu orientieren als den Großeltern – auch wenn letztere schon lange hier leben. Umgekehrt können die Großeltern oft wertvolle Erfahrungen und Werte ihrer Herkunftskultur weiter geben – an ihre Enkel und an ihre Nachbarinnen und Nachbarn. In der Begegnung und gegenseitigen Durchdringung der verschiedenen Kulturen liegt die große Chance des interkulturellen Zusammenlebens. Oft geht es um Hausaufgabenhilfe oder um einfache Informationen, die nötig sind, um den Alltag zu bewältigen. Im Mehrgenerationenhaus Divan finden Menschen aus der Nachbarschaft und andere Interessierte zusammen um einander zu helfen, sich beraten zu lassen, soziale oder kulturelle Projekte anzubieten, an einer Veranstaltung teilzunehmen oder einfach, um gemeinsam zu feiern. So wird der

Reinhard Naumann

interkulturelle Austausch ganz zwanglos im menschlichen Umgang miteinander praktiziert. Ich wünsche mir, dass Divan seine wertvolle Arbeit für unseren Bezirk noch lange fortsetzen kann.

»In der Begegnung der verschiedenen Kulturen liegt die große Chance des interkulturellen Zusammenlebens.«
Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf

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Wo ist Redi Siraj?
Von Katharina Körting

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Mehrgenerationenhaus Divan e. V.
Nehringstraße 26 | 14059 Berlin www.divan-berlin.de

Der Divan e.V. gehört zu den kleinsten Mehrgenerationenhäusern Deutschlands. Das interkulturelle Nachbarschaftszentrum ist ein Ort der Begegnung, in dem Menschen aus verschiedenen Kulturen, sozialen Schichten und mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammen finden, um einander zu helfen.

gement der Nachbarschaft. Umso wichtiger sind Leute wie Redi Siraj, die es sich zur Aufgabe machen, den benachteiligten Jugendlichen zur Seite zu stehen. Und manchmal ist es wie ein kleines Wunder: Da machen mit Redi sogar die Mathe-Hausaufgaben Spaß! Dem Ost­ frikaner gelingt, was wea der Eltern noch Schule schaffen: auch komplizierte Rechenaufgaben und Formeln verständlich zu erklären.

Auf diesen Mann ist Verlass. Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag kommt Redi Siraj am späten Nachmittag in das Was Heimat in der Fremde bedeutet Mehrgenerationenhaus Divan, um den Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben zu helfen. Besonders in Wir sitzen mit ihm am großen Tisch des Zentrums, um ihn Mathe, Physik und Chemie wäre manch ein Schüler ohne herum Schülerinnen und Schüler mit Mappen und Hefden engagierten Ehrenamtlichen aufgeschmissen. »Wo ist ten und ungelösten Schulaufgaben und genießen den türkiRedi Siraj?«, fragen die Kinder unruhig, wenn er mal ein schen Tee, zwischendurch fragen wir nach seiner Geschichte. paar Minuten später kommt, »ich brauche Redi Siraj, ich Ausfragen lässt er sich nicht so gerne, aber nach einer Weile kapier’ diese Aufgabe sonst nicht …« Seine Ruhe, Geduld erzählt er doch ein wenig von sich. Zum Beispiel, dass er und sein vielfältiges Wissen sind ein lebendiger Schatz, fin- die gutbürgerliche deutsche Küche schätzt und passionierdet auch Elife Caner, die einzige – leider nur halbtags finan- ter Kaffeetrinker ist. Elife Caner weiß das und stellt ihm zierbare – festangestellte Kraft, denn der Divan e.V. gehört seine Tasse hin, sobald er zum Helfen hereinkommt. In seizu den kleinsten Mehrgenerationenhäusern Deutschlands. ner Heimat gibt es auch Kaffee, aber Afrika ist weit weg. Seit Die gesamte Arbeit basiert auf dem bürgerschaftlichen Enga- über 25 Jahren lebt Redi nun in Deutschland, kam schon

»Ich kann hier ohne Druck und ungezwungen in einer netten Umgebung  Deutsch lernen.«
Hilal (66), Teilnehmerin Konversationskurs

Mehrgenerationenhaus Charlottenburg  9

Hausaufgabenhilfe bei Divan | Foto: Michael Janda

»Die Kälte im Winter macht mir schon zu schaffen«, gibt der 52-Jährige zu und nippt an seiner Tasse, »aber der Sommer Wir fragen uns, was »Zuhause« für jemanden wie ihn oder in Berlin ist großartig«. Und, nein, Reisen mag er ohnehin die vielen anderen der Divan-Leute bedeutet: Wo ist eine nicht, er hängt am gewohnten Umfeld – und dazu gehört Mutter daheim, die ihr halbes Leben oder länger in einem auch der Divan. Das Mehrgenerationenhaus im KlausenerOrt außerhalb des Geburtslandes verbracht hat und wei- Platz-Kiez hat der technische Zeichner zufällig entdeckt. Soter verbringt? Wie fühlt sich das an? Redi Siraj jedenfalls ist bald er das erste Mal durch die Tür trat, fühlte er sich in schon lange nicht in Afrika gewesen; er hat seine alte Heimat den einfachen Räumen wohl – und bekam auch sofort zu nicht mehr gesehen, seit er fort musste. Heimweh? Sicher, tun. Seitdem gehört Redi Siraj zum »harten Kern« der Hausaber darüber spricht er nicht so gern – Redi Siraj betrachtet aufgabenbetreuung – einem der Schwerpunkte des Mehr­ die Dinge und seine Lage lieber positiv. Diese optimistische generationenhauses. Kinder und Jugendliche aus verschiedeGrundhaltung trägt ebenso wie seine pädagogische Kompe- nen Kulturen, darunter viele mit türkischen und arabischen tenz dazu bei, dass er im Divan so gut ankommt – im dop- Eltern, aber auch „Biodeutsche“ und andere Nationalitäten pelten Sinne, auch wenn ihm die Sonne bisweilen fehlt. nehmen das kostenlose Angebot gerne in Anspruch. »Ehrlich gesagt wüsste ich manchmal nicht, was wir ohne ihn täten«, seufzt Elife. Redi Siraj spricht tadellos deutsch – er hat es sich selbst beigebracht, gehört zu den Menschen, die nicht zuerst fragen, was sie bekommen, sondern die großzügig ihr Wissen

zu DDR-Zeiten als Student in die Stadt. »Berlin ist mein Schicksal«, erzählt der Nachhilfelehrer lachend. Er sei halt sehr anpassungsfähig.

Teil des harten Kerns der Hausaufgabenbetreuung

»Das Divan ist mein erweitertes Zuhause geworden.«
Redi (52), Nachhilfelehrer

10  Mehrgenerationenhaus Charlottenburg

»Ich hatte keine Ahnung von Physik. Redi hat mir geholfen und jetzt kann ich den Aufbau eines Atoms erklären.«
Ramazan (15), Schüler

und ihre Fähigkeiten teilen in der impliziten Annahme, es werde sich schon irgendwie ausgleichen. Und natürlich helfen ihm umgekehrt die Leute im Divan, wenn er Unterstützung braucht, etwa bei Angelegenheiten mit der Ausländerbehörde. Er, der in vielem »deutscher« ist als so mancher seiner hier geborenen Nachbarn, bedauert, dass Freizügigkeit nur für EU-Bürger gilt – und dass sein Aufenthaltsstatus nach all den Jahren immer noch nicht endgültig geregelt ist.

mit den vielen Ehrenamtlichen aus der Nachbarschaft gestemmt werden kann, jeden Tag aufs Neue. Jede und jeder kann etwas – und jede und jeder darf etwas benötigen. Auf dieser Grundlage funktioniert eine Selbsthilfe- und Willkommenskultur, die Integrationshürden zu Fall bringt, ohne dass man all diese überstrapazierten Begriffe überhaupt zu bemühen braucht.

Hilfe zur Selbsthilfe, Beratung, Erfahrungsaustausch
Ähnlich wie Redi geht es vielen, die regelmäßig in das Mehrgenerationenhaus Divan e.V. kommen, türkischstämmige Frauen, die im Deutsch-Konversationskurs an ihrem Deutsch arbeiten, arabische Männern, die eine Rechtsberatung brauchen, Mütter, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, Großeltern, die sich auf Veranstaltungen informieren oder weiterbilden und viele mehr. Integration und Bildung stehen im Mittelpunkt der Vereinsarbeit, die nur

Gemeinsamer Ausflug bei Divan | Foto: Ursula Leipe

Übersicht 11

Knotenpunkt eines Netzwerkes von Einrichtungen und Initiativen im Stadtteil
Von Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg
Bereits als Stadträtin der Abteilung Familie, Gesundheit, Kultur und Bildung hatte ich in den letzten Jahren mehrfach die Gelegenheit, das Mehrgenerationshaus und Familienzentrum Nachbarschaftshaus Centrum zu besuchen. Das Nachbarschaftshaus Centrum ist für Familien im Wrangelkiez ein lebendiger Ort der Begegnung und des Austausches, unabhängig von Sprache, Alter, Geschlecht, sozialer und kultureller Herkunft mit einem breiten Angebotsspektrum. Trotzdem wurden in den vergangenen Monaten zwei Brandsätze im Garten des Nachbarschaftshauses gelegt. Berührt haben mich dabei die Solidaritätsbekundungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Kooperationspartnern des Nachbarschaftshauses, die ihr Unverständnis und ihren Ärger über das Verhalten der Brandstifter auf Plakaten oder im direkten Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Ausdruck brachten. Das Mehrgenerationenhaus Nachbarschaftshaus Centrum ist wichtiger Knotenpunkt eines Netzwerkes von Einrichtungen und Initiativen im Stadtteil und des Bildungsnetzwerkes Wrangelkiez, von dem wichtige Impulse für die Entwicklung des Stadtteils ausgehen. Der Wrangelkiez befindet sich in einem sozialstrukturellen Umbruch. Viele Familien haben mit den Folgen dieses Wandels, insbesondere den steigenden Mieten, zu kämpfen und fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Das Mehrgenerationenhaus leistet dabei einen wertvollen Beitrag, Eltern zu aktivieren, zu beraten und soziale Netzwerke zu stärken. Diesen Umbruch zu begleiten, Themen und Bedarfe der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aufzuspüren, passende Angebote zu entwickeln, wird auch perspektivisch eine Aufgabe sein, der sich das Nachbarschaftshaus Centrum stellen muss. Als Bezirk werden wir diesen Prozess weiterhin unterstützen.

Monika Herrmann

Um Leistungen nicht einschränken zu müssen, wäre eine Förderung durch das Bundesministerium über das Ende der Bundesförderung in 2014 bedeutungsvoll. Vom Nachbarschaftshaus Centrum wünsche ich mir, dass die Mitarbeiterschaft und die Besucher des Hauses, den aktuellen und perspektivischen Herausforderungen weiterhin mit positivem Blick begegnen.

»Das Mehrgenerationenhaus leistet einen wertvollen Beitrag, Eltern zu aktivieren, zu beraten und soziale Netzwerke zu stärken.«
Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg

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Eine Plattform für gelebte Nachbarschaft
Von Steffen Hensche und Fatma Celik

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Mehrgenerationenhaus Kreuzberg Nachbarschaftshaus Centrum e. V.
Cuvrystraße 13/14 | 10997 Berlin www.nachbarschaftshaus-centrum.de

Das Nachbarschaftshaus Centrum ist das soziale Herz des Wrangelkiezes in Kreuzberg. Unter einem Dach bringt es die vielfältigen Bewohnergruppen des Quartiers zusammen. Es dient als Plattform für Aktionen von Kiezbewohnern, die sich gegen die Verdrängung sozial schwächer Gestellter aus dem Kiez wehren. Die Gegend direkt an der Oberbaumbrücke ist wie viele Innenstadtbezirke einem rasanten Wandel unterworfen, der die eingesessene, migrantisch geprägte Bevölkerung zu verdrängen droht. Das Nachbarschaftshaus Centrum arbeitet eng mit einer engagierten Öffentlichkeit zusammen, die sich diesem Trend entgegenstellt. Zu diesen aktiven Kiezbewohnern gehören auch Heba Choukri und Hermann Solowe. Als die beiden Mitte der 80er Jahre aus Bochum hierher zogen und in einem besetzten Haus am Görlitzer Park eine neue Heimat fanden, war der Kiez noch von der Mauer umgeben und auf der Schlesischen Straße spielten Kinder Fußball.

Ein Kiez im Wandel
Jetzt, fast 30 Jahre später, haben Heba und Hermann drei gemeinsame Kinder und leben immer noch in dem inzwischen selbstverwalteten Haus. Um sie herum hat sich jedoch vieles gewandelt. Durch den Fall der Mauer wurde aus dem Rand des ehemaligen Westberlins ein zentraler Kiez der Hauptstadt. Heute wird in Reiseführern die Gegend um die Schlesische Straße als Partyhochburg gepriesen. Nicht nur am Wochenende stürmen Touristen aus der ganzen Welt die Clubs und Kneipen, die überall entstanden sind. Neue, wohlhabendere Bewohner ziehen in den Kiez; die einst leerstehenden Ladenlokale sind begehrt und die Mieten steigen rasant.

Engagierte Bewohner vernetzen sich
In ihrer kleinen Galerie in der Falckensteinstraße bieten Hermann und Heba an sieben Tagen in der Woche einen Anlaufpunkt für Kiezbewohner, die diesen Verdrängungsprozess nicht einfach akzeptieren wollen und nach alternativen Wegen suchen.

»Mir ist wichtig, dass wir an den Nachmittagen hier im Nachbarschaftshaus Centrum gemeinsam lachen.«
José Ferro (39), Freiwilliger in der Hausaufgabenhilfe

Mehrgenerationenhaus Kreuzberg  13

Freiwillige Unterstützung im Spiel und bei den Hausaufgaben | Foto: Daniela Incoronato

Die beiden haben sich als Multiplikatoren in der engagierten und politisch geprägten Kiezöffentlichkeit etabliert. Angefangen hat es mit einem Emailverteiler, den Heba einrichtete, damit sich Eltern der nahen Grundschule untereinander austauschen können. Daraus entwickelte sich ein enges Netzwerk im Kiez. Mittlerweile reicht die Galerie für die Angebote von Heba und Hermann nicht mehr aus. Das Nachbarschaftshaus Centrum bot sich als Plattform für ihre Aktionen und als Schnittstelle zu Bewohnern an, die sie sonst nicht erreichen.

Wo Integration einfach geschieht
Zunächst lernte Heba das Haus als Quartiersrätin und Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule kennen und begann sich zu engagieren. Das zentralgelegene Gebäude bietet die Möglichkeit, dass auch große Gruppen zusammen etwas machen können. Auf zwei Etagen befinden sich Sport- und Seminarräume, ein Café, Büros und Rückzugsmöglichkeiten. Hermann übernahm den Töpferkurs und viele aus dem Umfeld der beiden kamen dadurch zum ersten Mal in die

Einrichtung, die zuvor hauptsächlich durch türkische und kurdische Familien genutzt wurde. Im Töpfern fanden die zuvor getrennten Gruppen ein gemeinsames Interesse. Sie lernten sich kennen und schätzen. Mittlerweile kommen Teilnehmer aus der ganzen Welt zu dem Angebot, Integration passiert hier einfach. Hermann baute im Garten des Nachbarschaftshauses einen Lehmofen. Das Nachbarschaftshaus liegt exponiert auf einem grünen Platz, der mit einem Spielplatz und zahlreichen Bänken ein beliebter Treffpunkt ist. Hermann wurde beim Ofenbau von zahlreichen Passanten angesprochen, die sich für seine Arbeit interessierten und so die Einrichtung kennenlernten.

Freiwilliges Engagement
Heba betreut mittlerweile die Freiwilligenberatung im Haus und vermittelt Menschen, die sich engagieren wollen, an Bildungsstätten oder andere soziale Einrichtungen weiter. Die Freiwilligen werden zum Beispiel Lesepaten an Schulen oder unterstützen betreute Wohnungsprojekte. Viele Inter-

»Die Arbeit mit den Kindern macht mir hier sehr viel Spaß.«
Herr Schwankert (70), Ehrenamtlicher

14  Mehrgenerationenhaus Kreuzberg

»Durch das Töpfern bin ich vertraut mit den Leuten und den Räumen hier, der Ort kümmert mich.«
Yana (38), Anwohnerin

essenten engagieren sich auch in der Hausaufgabenbetreuung im Haus. Heba nahm sich vor, die Freiwilligenberatung weiter zu professionalisieren. Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes half sie zwischen Mai 2012 und Oktober 2013, ein nachhaltiges Freiwilligenmanagement im Haus aufzubauen und die Hausaufgabenbetreuung zu erweitern. Mittlerweile kommen Menschen aus ganz Berlin zu dem Beratungsangebot nach Kreuzberg. Heba hat während ihres Freiwilligendienstes neue Einrichtungen gesucht, die Ehrenamtliche aufnehmen. »Sie sollen keine Arbeitsplätze ersetzen, sondern Aufgaben übernehmen, die durch die vorhandenen Mitarbeiter nicht abgedeckt werden«, erläutert Heba. »Ein Problem ist, dass viele kleine Einrichtungen nicht die Möglichkeiten haben, Freiwillige anzulernen.« Viele der Menschen, die durch den Willen zum Engagement in das Nachbarschaftshaus kommen, leben alleine. Sie werden zu regelmäßigen Gästen im Haus, da sie hier eine offene Gemeinschaft erleben. Häufig kommen auch Kinder in das Haus, die auf ihre Eltern warten bis diese von der Arbeit nach Hause kommen. Frauen mit Kopftüchern kommen zum Integrationskurs, Rentner sitzen in dem Café und beobachten das bunte Treiben. Die Einrichtung ist inzwischen ein Treffpunkt für die gesamte Nachbarschaft, die Vielfalt Kreuzbergs wird hier erfahrbar.

Auch die Kinder entdecken das Haus für sich
Auch die drei Töchter von Heba und Hermann nehmen Angebote im Nachbarschaftshaus wahr. Sie haben viel von dem Networking-Talent ihrer Eltern geerbt und bringen viele ihrer Mitschüler mit. Shana, mit sechzehn die Älteste, besucht schon seit mehreren Jahren den Gitarrenunterricht im Haus. Mittlerweile tritt sie bereits selber beim jährlichen Familienfest im Görlitzer Park auf. Die elfjährige Shera beteiligt sich am Töpferkurs ihres Vaters und nimmt die Hausaufgabenunterstützung wahr. Die neunjährige Shima kommt ebenfalls zur Hausaufgabenunterstützung und hat wie die anderen beiden an Workshops und dem jährlichen Lesegartenfest teilgenommen.

Das Haus verbindet die Menschen im Kiez
Mittlerweile kommen die Menschen aus dem Nachbarschaftshaus Centrum auch in die Galerie von Hermann und Heba. Die beiden Einrichtungen profitieren gegenseitig voneinander. Das Nachbarschaftshaus erhält das Engagement einer selbstbewussten Bürgerschaft im Kiez, die wiederum durch das Haus stetig wächst. Es wird zu einer Plattform für Menschen, die sich engagieren wollen oder die Hilfe suchen. »Das Nachbarschaftshaus darf niemals schließen«, betont Heba. »Es ist die Einrichtung, die die Menschen hier im Kiez verbindet.«

Heba bei der Freiwilligenberatung | Foto: Daniela Incoronato

Übersicht 15

Lebendigkeit, Aktivsein und Engagement über jedes Alter hinweg
Von Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte
Der Bezirk Mitte zeichnet sich durch eine einzigartige Vielfalt aus – hier sind klassische Kiezstrukturen neben Internationalität zu finden, Regierungsbauten neben Altbauquartieren. In den Bereichen Bildung, Gesundheit, (Jugend) Arbeitslosigkeit sowie Integration stehen wir vor großen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund stellen Orte der Begegnung ein wichtiges Instrument der sozialen Stabilisierung in den einzelnen Stadtteilen des Bezirks dar. Mehrgenerationenhäuser leisten einen wesentlichen Beitrag mit Blick auf gemeinsame und generationsübergreifende Aktivitäten und ein aktives Miteinander der Generationen, besonders in den Bereichen Integration und Bildung sowie Alter und Pflege. Sie fungieren als Drehscheibe für das freiwillige Engagement im Gebiet, koordinieren Angebote und den Bedarf an ehrenamtlicher Arbeit. Im Bezirk Mitte arbeiten seit 2007 das KREATIVHAUS im Bereich der Fischerinsel und seit 2008 das SOS-Kinderdorf in Berlin-Moabit als Mehrgenerationenhäuser. In diesen Einrichtungen ist bereits beim Betreten eine Atmosphäre der Lebendigkeit, des Aktivseins und des Engagements über jedes Alter hinweg spürbar; Theatergruppen, Familienbegegnungen beim Frühstück, Familienbildungs- und Beratungsangebote sowie Sprachkurse bilden hier nur eine kleine Auswahl. Der Zugang zu den Einrichtungen wird leicht gemacht – keine Schwellen im eigentlichen wie übertragenen Sinne behindern das Mittun und schaffen eine Atmosphäre des Willkommenseins. Mit ihren Schwerpunkten der Unterstützung von Menschen bei ihrer Beschäftigungsfähigkeit, bei der Verbesserung ihrer Bildungschancen und dem Aufzeigen von Wegen, Beschäftigung und Familie zu vereinbaren sind die beiden Mehrgenerationenhäuser wichtige Akteure der Daseinsfürsorge. In einem solch vielfältigen Bezirk wie Mitte sind Orte der Vermittlung von Alltags- und Sozialkompetenzen sowie von

Dr. Christian Hanke

Dienstleistungen – wie beispielsweise einem Einkaufsservice für Ältere – ein entscheidender Beitrag, die Wohn- und Lebensverhältnisse in den Kiezen zu verbessern und ein nachbarschaftliches Miteinander zu gestalten. In diesem Sinne ist eine Regelfinanzierung dieser Mehrgenerationenhäuser durch die Bundesebene ein notwendiger und entscheidender Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Stadtteile. Eindrucksvoll untermauert wird dies dadurch, dass der Bezirk seinen Finanzierungsanteil auch in Zeiten der denkbar schlechtesten bezirklichen Haushaltslage geleistet hat und leistet. Eine enge Verzahnung der Mehrgenerationenhäuser mit den Orten und Einrichtungen der Familien- und Stadtteilzentren ist besonders mit Blick auf die immer knapper werdenden Haushaltsmittel und die möglichen Synergieeffekte aus bezirklicher Sicht in der Zukunft mehr als wünschenswert. An dieser Stelle sei ein ausdrückliches Dankeschön an alle Mitwirkenden und Akteure für und in den Mehrgenerationenhäusern transportiert.

»Eine Regelfinanzierung durch die Bundesebene ist ein notwendiger und entscheidender Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Stadtteile.«
Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte

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Die Zäune abbauen – Straßenspiele im SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit
Von Meike Wolfart

Mehrgenerationenhaus Moabit i SOS-Kinderdorf Familientreff Berlin-Moabit
Waldstraße 23/24 | 10551 Berlin www.sos-kinderdorf.de/kinderdorf-berlin

Mitten in Moabit, einem der am dichtesten besiedelten Bezirke Berlins, gibt es seit 2005 das SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit, seit 2007 ist es ein Mehrgenerationenhaus. Es verbindet neben den klassischen SOS-Kinderdorffamilien viele weitere Angebote unter einem Dach: Familientreff, Angebote für junge Familien und Schwangere im Rahmen der frühen Hilfen und Kita sind hier beheimatet. Ebenso gibt es diverse Angebote der Familienbildung, darunter Kurse für Seniorinnen und Senioren. Auch eine Erziehungsund Familienberatungsstelle ist hier zu Hause. Darüber hinaus bietet das SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit an verschiedenen Schulen im Stadtteil Schulstationen, Hort und Schulsozialarbeit an. Unterstützt durch viele Ehrenamtliche aller Generationen ist das SOS-Kinderdorf ein fester Bestandteil des sozialen Miteinanders im Kiez geworden.

Menschen verschiedener Nationen, Ethnien und religiöser Zugehörigkeit. Moabit zeigt Offenheit, soziales Engagement und integratives Potenzial. Gleichzeitig aber nimmt vor dem Hintergrund wachsender wirtschaftlicher Probleme die Vereinzelung und gegenseitige Abschottung zu. Die hohe Arbeitslosenquote, ein geringes Haushalts-Nettoeinkommen und unterschiedliche soziale Probleme belasten viele Familien im Kiez. Das Mehrgenerationenhaus bietet Raum und Gelegenheit zur Begegnung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mehrgenerationenhauses SOSKinderdorf Berlin-Moabit suchen hier den Dialog mit den in der Nachbarschaft lebenden Menschen und orientieren sich bei der Entwicklung ihrer Angebote und Projekte an deren Bedarfen und Bedürfnissen.

Die Anfänge der Straßenspiele
Von Mai bis Ende September veranstaltet das SOS-Familiencafé auf der verkehrsberuhigten Straße vor dem Haus Straßenspiele. Jeden Sommer kommen täglich bis zu 40 Kinder aus der Nachbarschaft. Sie bauen Holztürme, spielen mit der

Unser Kiez
Schon seit mehreren Jahrzehnten hat Moabit ein buntes, von kultureller Vielfalt geprägtes Gesicht. Hier leben viele

»Meine Kinder und ich finden hier vielfältige Anregungen und Angebote. Es ist gut, dass diese nicht verpflichtend, sondern offen sind.«
Chuan (43), selbständig, zwei Kinder

Mehrgenerationenhaus Moabit  17

»Im Sommer sind wir ganz viel draußen. Die Erwachsenen spielen mit uns. Das find’ ich toll!«
Simon (6), Schüler

Wasserbaustelle oder üben sich mit Laufrad und Inlineskates. Es gibt Indianerzelte, in denen die Kinder lesen können und Tische, an denen die Ehrenamtlichen mit den Kindern malen und basteln. Dabei arbeitet SOS hier Hand in Hand mit den Mitarbeitern der Bethania-Gemeinde, die die Betreuung des angrenzenden Spielplatzes übernommen haben. Die Idee für das Projekt entstand 2009 aus einer Konfliktsituation heraus. Kinder aus der Nachbarschaft waren mehrfach über den Zaun des Kitagartens geklettert und hatten dort einigen Schaden angerichtet. Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des SOS-Kinderdorfes entstand eine Diskussion, wie damit umgegangen werde könne. Elke Geige, ehemalige Mitarbeiterin des Mehrgenerationen­ hauses und Mitbegründerin der Straßenspiele, erinnert sich: »Wir haben viel darüber diskutiert, welche Konsequenzen die Vorkommnisse haben sollten, was pädagogisch sinnvoll wäre. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass es unser Auftrag ist, Kinder zu stützen und ihnen die Möglichkeiten zu bieten, soziales Miteinander und Handeln zu erlernen. Es erschien uns falsch, die Zäune höher zu ziehen. Stattdessen wollten

wir das Haus für die Kinder öffnen: Die Straßenspiele wurden ins Leben gerufen. Damit hatten wir einen Zugang insbesondere zu den Kindern gefunden, die oft ohne elterliche Aufsicht nachmittags auf der Straße spielten.

Die Kinder auffangen und stützen
Das Bild bot sich der Belegschaft des Mehrgenerationen­ hauses in der Nachbarschaft häufiger: Kleine Kindergruppen, bei denen oft Grundschulkinder die Aufsicht für ihre zwei- oder dreijährigen Geschwister übernehmen, nicht recht wissend, was sie spielen, wie sie ihre Zeit sinnvoll verbringen können. Durch die Straßenspiele ist ein Angebot entstanden, das diese Kinder auffängt, das ihnen nicht nur die Möglichkeit bietet, ihre motorischen und feinmotorischen Fähigkeiten zu üben, Bücher zu lesen oder vorgelesen zu bekommen. Die Erwachsenen bieten auch Unterstützung, wenn es zu Konflikten zwischen den Kindern kommt. Hier lernen sie soziales Miteinander, wie man Kompromisse eingeht und einander zuhört.

Malen unter freiem Himmel | Foto: Frauke Diehl

18 Übersicht

Straßenspiele vor dem SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit | Foto: Frauke Diehl

gen zu pädagogischen Themen anbieten. Hier kommen Festangestellte mit ehrenamtlichen Helferinnen in einen fachlichen Austausch über einen gelingenden Umgang mit den Kindern.« Außerdem treffen sich alle Beteiligten vor Beginn der Straßenspiele, um schwierige Situationen zu besprechen. So haben die Straßenspiele noch einen weiteren sozialen Effekt: Die Ehrenamtlichen und Honorarkräfte, die meist in der Nachbarschaft des SOS-Kinderdorfes wohnen, können zum einen ihre kommunikativen und pädagogischen Fähigkeiten ausbauen. Zum anderen wächst der Kiez zusammen. Der Kiez wächst zusammen Jung und Alt, Deutsche und Araber, Studierte und Hartz IVDas Projekt wurde von Anfang an auch durch das Engage- Empfänger, kurz: alle Menschen im Kiez kommen miteinment Ehrenamtlicher bereichert. Manchmal kamen diese ander ins Gespräch, knüpfen soziale Netze und übernehmen jedoch an ihre Grenzen: Es entstanden Konfliktsituatio- Verantwortung für ihren Stadtteil und füreinander. nen, die zu überfordern drohten. »Ich erinnere mich, dass ein Junge, der sich ungerecht behandelt fühlte, gegenüber der Ehrenamtlichen handgreiflich wurde«, berichtet Elke Geiger. »Dank der Gelder aus dem Aktionsprogramm h Mehrgenerationen­äuser können wir zum einen Honorarkräfte einstellen, die im Umgang mit Kindern erfahren sind. Wir können den Ehrenamtlichen ebenso Fortbildun-

Das Projekt bietet auch die Chance, Kontakt zu den Eltern der Kinder aufzunehmen, die zunächst nicht zu den Besuchern des Mehrgenerationenhauses gehörten. Einige von ihnen kommen inzwischen regelmäßig mit ihren Kindern ins Café, nutzen für sich und die Kinder die vielfältigen Bildungsangebote, holen sich erzieherische Unterstützung in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle oder bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Familientreffs.

»Ich komme sehr gerne hierher. Der spielerische und fröhliche Kontakt mit den Kindern tut mir gut.«
Roza (68), Ehrenamtliche, zwei Kinder

Mehrgenerationenhaus Moabit  19

Rundumpaket Kindergeburtstag
Von Dorina Thomas und Peter Steiner

i

Mehrgenerationenhaus Mitte KREATIVHAUS e. V.
Fischerinsel 3 | 10179 Berlin www.kreativhaus-berlin.de

Das Mehrgenerationenhaus KREATIVHAUS im Zentrum ein großer Spielplatz bieten viele Möglichkeiten. Eine dader Stadt, in unmittelbarer Nähe des Alexander­ latzes, fir- von – die auch immer mehr genutzt wird – ist das Organisiep miert auch als Familienzentrum Fischerinsel. Der Flachbau, ren von Kindergeburtstagen. umgeben von Kinderspielplätzen und viel Grün, sticht hervor: Direkt am Flussufer gelegen, umrahmt von HochhäuDer Grundgedanke war einfach sern, wirkt das Haus wie eine grüne Oase. Mit Blick auf den Historischen Hafen lädt das KREATIVHAUS dazu ein, Viele Eltern leben mit ihren Kindern in zu kleinen Wohabzuschalten inmitten der Hektik der Stadt, sich hinzuset- nungen, in denen Geburtstagfeiern nur schwer auszurichten zen und den Augenblick zu genießen. sind. Hier springt das KREATIVHAUS mit seinen Angeboten und Räumen ein. Das Geburtstagskind und seine Gäste Entstanden ist die Begegnungsstätte vor über 20 Jahren aus ei- werden ins Reich der Phantasie entführt, in dem Staunen nem Theaterpädagogischen Zentrum. Im Laufe der Zeit wur- und Mitspielen einander abwechseln. den die Angebote ständig erweitert. Heute widmet sich das Das Einzige, wofür sich die Gäste entscheiden müssen, KREATIVHAUS in erster Linie der Förderung von Kunst ist das Thema, unter das die Geburtstagsfeier gestellt werund Kultur sowie der Bildung und Erziehung. Besonders mit den soll. Die Auswahl fällt nicht leicht: von der Märchenden Mitteln von kreativen Spielen und Theater werden die Spiel-Stunde, dem Rittergeburtstag, einem Tag im Zirkus individuellen Stärken jedes Einzelnen entdeckt, bewahrt und bis hin zur Herstellung eines eigenen Trickfilms oder Hörentwickelt und die gegenseitige Akzeptanz gefördert. spiels reicht das Repertoire. Zu den Schwerpunkten des Hauses zählen die vielfältigen Angebote für Kinder. Ansprechend gestaltete Räume sowie

»Die Atmosphäre im KREATIVHAUS ist warm und herzlich. Es gibt viele tolle Angebote für Familien.«
Lisa und Benjamin (35 und 1,5), Stammgäste im Café CoCo

20  Mehrgenerationenhaus Mitte

»Es gefällt mir, zusammen mit Gleichaltrigen Theater zu spielen und Neues zu lernen.«
Michèle (15), Mitglied in der Jugendtheaterklasse PlayOff

Was verbirgt sich hinter den Namen
›	 »Theater aus dem Hut« I n dieser „kleinen Schauspielschule“ dreht sich alles um Hüte. Darstellende Spiele, Schauspielübungen sowie eine Einführung in die »Geheimnisse« des Stegreif-Theaters bereiten auf die »Bretter, die die Welt bedeuten« vor. ›	 »Eins, Zwei, Drei … Manege frei!« H  ier befinden sich die Kinder in der Welt des Zirkus, der Clowns und Akrobaten und gezeigt werden kleine Tricks, wie man sich schnell verwandeln kann: in gefährliche und weniger gefährliche Tiere oder Zweibeiner, die sensationelle Kunststücke vollbringen. Natürlich spielt ein echtes Zirkusorchester dazu. ›	 »Piraten auf der Spur« V  or vielen Jahren war Planken-Paula einmal mit einem raublustigen Grafen befreundet. Eine Schatzkarte zeigt das Versteck gemeinsam eroberter Sachen. Sie braucht die Hilfe der Kinder, den Schatz wieder zu finden und doch noch zu heben. Dafür müssen einige Gefahren bestanden und Rätsel entschlüsselt werden.

›	»Trickfilmstudio« F  limmernde Bilder prägen heute die Sehgewohnheiten vieler Kinder. In dem Trickfilmstudio können die Geburtstagsgäste unter fachkundiger Anleitung mit Hilfe einer digitalen Fotokamera einen kleinen Trickfilm herstellen und dabei selbst mit der Sprache des bewegten Bildes experimentieren. Die Trickfilmbühne bietet vielfältige Möglichkeiten, eine selbst erdachte kleine Geschichte in Bildern zu erzählen. Vorteil hier: Die Kinder haben in Form einer CD ein Andenken an den Kindergeburtstag. Das im KREATIVHAUS integrierte Café CoCo sorgt mit familienfreundlichen Preisen für das leibliche Wohl der feiernden Kinder. Alle Angebote sind für Kids zwischen drei und 13 Jahren konzipiert.

Ritter spielen | Foto: Frank Schikore

Übersicht 21

Geburtstagsständchen mal anders | Foto: Frank Schikore

Stimmen von Eltern nach der Geburtstagsfeier ihres Kindes

Warum haben Sie sich für einen Kindergeburtstag im KREATIVHAUS entschieden? Es ist einfach mal etwas Neues, ein Geburtstag der nicht so schnell vergessen wird, und vor allem werden wir als Eltern entlastet. Wir sind beide berufstätig und hätten nicht die Zeit dazu gehabt, den Geburtstag unserer Tochter mit so Würden Sie wieder ins KREATIVHAUS kommen um einen Kindergeburtstag hier zu feiern? viel Liebe und Kreativität zu gestalten. Ja, absolut. Wir fühlten uns sehr wohl hier im Haus und der Nachmittag und Kindergeburtstag hätte nicht besser Welches Thema haben Sie gewählt? Sofort war klar, dass es ein Trickfilm wird. Unsere Toch- laufen können. Der Empfang war sehr herzlich und wir water bastelt gerne und wir wollten auch etwas haben, was die ren froh, uns um nichts kümmern zu müssen. Gäste und auch unsere Tochter mitnehmen können. Das Ergebnis war fantastisch, auch wenn der Film nicht besonders Haushaltsnahe Dienstleistungen – lang ist, so haben die Kinder die Technik gelernt um einen nicht nur für den Alltag eigenen Trickfilm herzustellen. Neben der Arbeit mit Kindern liegt den Mitarbeiterinnen Was hat Ihnen besonders gut gefallen? und Mitarbeitern des KREATIVHAUSES gleichermaßen Die MitarbeiterInnen, die den Geburtstag unserer Toch- das Wohl aller Gäste am Herzen. Aus diesem Grund ist der ter Leonie gestaltet haben, waren wunderbar. Gemeinsam Bereich Haushaltsnahe Dienstleistungen einer der ausgemit den Kindern haben sie sich eine Geschichte überlegt, prägtesten Schwerpunkte des Hauses. Da gibt es den täglidie dann durch die Hilfe von Knete und viel Liebe zum De- chen Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen bis hin zur Antail umgesetzt wurde. Und wenn die Kinder mal nicht wei- mietung der Räume für Familienfeiern und Geburtstage, ter wussten, so nahmen sich die MitarbeiterInnen die Zeit, aber auch der künstlerischen Ausgestaltung gerade dieser sich mit den Kindern hinzusetzen und zu überlegen, wie Feiern.

man beispielsweise einen Drachen detailgetreu nachformen kann. Es war einfach großartig und den Kindern hat es so viel Spaß gemacht. Insgesamt dauerte die Aktion circa drei Stunden, aber wir glauben, dass die Kinder und vor allem Leonie, unsere Tochter, sich auch gut und gerne noch drei weitere Stunden hätten beschäftigen können.

»Vielfalt! Es gibt so viele verschiedene Angebote, da ist für jeden etwas dabei.«
Bothaina (42), KiezMutter

22  Mehrgenerationenhaus Mitte

Jung und Alt bekommen Namen
Von Frank Balzer, Bezirksbürgermeister Berlin-Reinickendorf

In einer Zeit des demografischen Wandels, veränderter Familienkonzepte und verstärkter Integrationsdiskussionen gewinnen Begegnungsstätten zunehmend an Bedeutung. Mehrgenerationenhäuser – wie das in der Reinickendorfer Auguste-Viktoria-Allee – haben sich im Laufe der Jahre zu Kompetenzzentren für ein generationsübergreifendes Mit­ einander entwickelt. In Reinickendorf leben knapp 245  000 Menschen. Wir haben eine gute Mischung verschiedener Altersstufen, wobei die über 65-Jährigen gegenwärtig und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Jahren die zahlenmäßig stärkste Gruppe bilden. Diese Tatsache muss perspektivisch beachtet und Themen wie Alter und Pflege müssen auch im Mehrgenerationenhaus verstärkt aufgegriffen werden. Für das Miteinander der Generationen gibt es gesamtgesellschaftlich viele Konzepte. Im Kiez wird dieses Miteinander lebendig und Jung und Alt bekommen Namen. Die gegenseitige Akzeptanz, das Verständnis füreinander, Hilfe und Unterstützung, das Weitergeben von Erfahrung und die Vermittlung des Gefühls, nicht allein zu sein – das ist der Reingewinn eines Mehrgenerationenhauses. Darüber hinaus werden der Kiez und auch das Kiezbewusstsein gestärkt. Auf ein gutes Miteinander in einem sauberen und gepflegten Bezirk legen wir in Reinickendorf insgesamt großen Wert und verfügen über ein gutes ehrenamtliches Netzwerk, ohne welches viele Dinge nicht möglich wären. Dies gilt es zwingend zu erhalten.

Frank Balzer

»Es werden der Kiez und auch das Kiezbewusstsein gestärkt
Frank Balzer, Bezirksbürgermeister von Berlin-Reinickendorf

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Auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt
Von Richard Palm

AVA 17 i Interkulturelles FamilienzentrumgGmbH Albatros
Auguste-Viktoria-Allee 17/17a | 13403 Berlin www.albatrosggmbh.de

»Es ist schön, sein eigenes Geld zu verdienen, das ist ganz wichtig«, sagt Olfa und lacht dabei. Sie ist seit einigen Monaten halbtags als Reinigungskraft in einer Kita angestellt und möchte nun sogar ihren Stellenumfang erweitern. Das verdankt sie dem Vermittlungscoachingprojekt im Mehr­ generationenhaus AVA 17 von Albatros gGmbH. Die zierliche Frau stammt aus Tunesien, ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrem Leben und ihrer Familie dort erzählt, die sie nur selten besuchen kann. Sie heiratete nach Europa und wurde in Deutschland Mutter und Hausfrau. Schon bald wollte sie eigenes Geld verdienen, etwas zum Familien­tat beitragen und finanziell von ihrem Mann une abhängig werden. Die Integrationslotsinnen im Mehrgenerationenhaus AVA 17, die sie bereits kannte, und die ihr öfter beim Ausfüllen von Anträgen geholfen hatten, erzählten ihr vom Vermittlungscoaching-Projekt »Neue Wege in Arbeit«.

sinnen, einem weiteren wichtigen Projekt im Mehrgenerationenhaus, angesprochen. Die Integrationslotsinnen sind ältere lebenserfahrene Frauen aus verschiedenen MigrantenCommunities. Sie beraten andere Migranten, meist Frauen, in lebensalltäglichen Fragen, begleiten sie als Sprachmittler zu Behörden und amtlichen Stellen. Die Ratsuchenden, die aus allen Teilen der Welt kommen, fassen Vertrauen, öffnen sich und bewegen sich aus der Isolation heraus. Das Thema Arbeit und Beschäftigung ist für viele von ihnen ein sehr wichtiges Thema. Auch Olfa meldete sich für das Projekt an. »In einer Gruppe mit anderen arabischen und türkischen Frauen hat sie erfahren, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine ist und es anderen Frauen auch so geht wie ihr«, sagt Zeinab Nasereddin, die sie als Coach begleitete.

Was hinter dem Begriff »Beschäftigungsfähigkeit fördern« steckt
Das Projekt ist eines von mehreren im Mehrgenerationenhaus, mit denen die »Beschäftigungsfähigkeit gefördert« wird, ein Hauptinhalt in allen 450 Mehrgenerationenhäu-

Integrationslotsinnen öffneten die Tür
Viele der Teilnehmerinnen werden von den Integrationslot-

»Ein Platz an dem ich mit jüngeren Menschen sprechen kann, wo man mir zuhört und meine Sorgen ernst nimmt.«
Fatma (78), regelmäßige Besucherin

24  Mehrgenerationenhaus Reinickendorf

»Das Haus ist wichtig für die Umgebung, hier wird viel Hilfe angeboten.«
Hannah (55), ehrenamtliche Sprachmittlerin

sern. Beschäftigungsfähigkeit meint, seine sozialen und fachlichen Kompetenzen so einsetzen und an einen sich wandelnden Arbeitsmarkt anpassen zu können, dass eine dauerhafte Arbeitsfähigkeit möglich ist. Um dies zu fördern braucht es einen ganzheitlichen Ansatz und ein lernförderliches Umfeld. Arbeit zu haben stabilisiert die Menschen, gibt ihrem Leben Sinn und Anerkennung und lässt sie an der Gesellschaft teilhaben.

In dem Projekt im Mehrgenerationenhaus waren viele Menschen, oft Frauen aus Migrantenfamilien, ohne Schulabschluss, meist ohne gute deutsche Sprachkenntnisse, die nach der Familienzeit wieder oder auch zum ersten Mal in ihrem Leben nach einer Arbeitsstelle in einem für sie vielfach immer noch fremden Land suchten, berichtet Zeinab Nasereddin. Jede hilft, gleich ob alt oder jung, dass sich Erfolge bei möglichst vielen aus der Gruppe einstellen.

An den Fähigkeiten und Leidenschaften der Menschen ansetzen
Die Methode des Vermittlungscoachings, die im Projekt von ausgebildeten Coachs eingesetzt wird, setzt bei den Fähigkeiten, Interessen und Leidenschaften der Menschen an, nicht bei ihren formalen Qualifikationen. Diese werden in Deutschland bei Migranten oft nicht anerkannt. Die Teilnehmerinnen erstellen Zeichnungen zu ihrer beruflichen Vision, entwickeln Umsetzungsstrategien und unterstützen sich in Gruppen gegenseitig bei der Realisierung.

»Das Schwerste war, meinen Mann zu überzeugen.«
Auch Olfa kam Woche für Woche und arbeitete an ihrem Entschluss für eine berufliche Zukunft in Deutschland. Sie kümmerte sich zusammen mit Zeinab Nasereddin um fehlende Zeugnisse, suchte mit ihr nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten, recherchierte mögliche Stellen und vor allem führte sie zahlreiche Gespräche mit anderen Frauen im Mehrgenerationenhaus. Gern hätte sie mit Menschen gearbeitet, vielleicht eine Ausbildung begonnen; aber ihr Schulab-

Durch Vermittlungscoaching eine Arbeit finden | Foto: Martin Thoma

Übersicht 25

Mit Integrationslotsinnen im Gespräch | Foto: Martin Thoma

schluss in Tunesien liegt schon länger zurück und nun ist ihr Teil Monate harter Arbeitsvorbereitung mit hoher Leistungsgrößter Wunsch, eigenes Geld zu verdienen. »Das Schwerste bereitschaft und viel Einsatz, aber am Ende zählt nur der Arwar, meinen Mann zu überzeugen. Ohne die Geduld und beitsvertrag.« die Unterstützung der Frauen im Mehrgenerationen­aus h hätte ich das nicht geschafft«, sagt Olfa. »Mein Mann und Der erste große Schritt ist ich hatten uns so sehr gestritten, die Polizei war öfter bei getan – der Weg führt weiter uns Zuhause, wir hatten uns schon getrennt, das Jugendamt war bereits eingeschaltet, wir waren in einer immensen Krise. »Neue Wege in Arbeit« schafft Perspektiven für Menschen, Doch die Frauen im Mehrgenerationenhaus gaben mich die auf dem Arbeitsmarkt zu den weniger Privilegierten genicht auf, machten mir immer wieder Mut und halfen mir, hören. Daran arbeiten die Mitarbeiterinnen im Mehrgenediese Arbeitsstelle zu finden. Das Projekt war ganz wichtig rationenhaus und unterstützen die Teilnehmerinnen durch für mich.« Olfa ist stolz auf das Erreichte, dass sie es trotz al- Beratung, Begleitung, zahllose Gespräche und – noch wichler Schwierigkeiten geschafft hat ihr eigenes Geld zu verdie- tiger – durch Zuhören. nen. Auch ihre Familie ist mittlerweile stolz auf sie. Auch Olfa kommt weiterhin gern ins Mehrgenerationenhaus um mit anderen Frauen zu sprechen, von ihrer Familie und ihrer Arbeit zu erzählen. Die Erzieherinnen in der Am Ende zählt nur der Arbeitsvertrag Kindertagesstätte sind mit Olfas Arbeit sehr zufrieden und Manche aus ihrer Gruppe fanden eine Ausbildung, manche sie erhält oft ein Lob. Mit einer arabischsprachigen Erzieheeine Arbeitsstelle, einige müssen noch weiter suchen. »Das rin hat sie sich angefreundet. Ihren Stellenanteil möchte sie liegt vor allem daran, dass sie selbst noch nicht genug vor- gern erhöhen, länger arbeiten. Und vielleicht in einigen Jahbereitet sind eine Arbeit annehmen zu können. Im Vorfeld ren, wenn ihre eigenen Kinder größer sind, doch noch eine einer Arbeitsaufnahme muss soviel geklärt, durchdacht und Ausbildung beginnen. geregelt werden,« sagt Zeinab Nasereddin. »Das bedarf zum

»Ich engagiere mich und kümmere mich um den Garten, das macht mir große Freude.«
Sabine (54), ehrenamtlich Engagierte

26  Mehrgenerationenhaus Reinickendorf

Wie früher in der Großfamilie
Von Norbert Kopp, Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf

Die im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2012 bis 2014 bundesweit insgesamt 450 geförderten Mehrgenerationenhäuser sind für mich ein erfolgversprechender Weg zu einem verantwortungsvollen, generationsübergreifenden Miteinander vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Sie sind wichtige niedrigschwellige Begegnungsorte, sozusagen vor der Haustür, wo sich Jung und Alt unabhängig von Herkunft oder Religion helfend begegnen, voneinander lernen und ihre jeweiligen Erfahrungen einbringen können. Schlagworte wie »auf ’s Abstellgleis geraten«, »Einsamkeit« oder »nicht gebraucht sein« werden in Einrichtungen wie diesen ad absurdum geführt. Denn in den Kiez-Anlaufstellen wie auch bei uns im Bezirk Steglitz-Zehlendorf im »Phoenix« am Teltower Damm 228 bleibt keiner allein und auf sich gestellt. Hier wird in einem Umfeld von Respekt und Toleranz von den haupt- und ehrenamtlich Aktiven lebensnaher Zusammenhalt wie früher in einer Großfamilie geübt; es werden gemeinsam Perspektiven entwickelt, haushaltsnahe Hilfeleistungen initiiert und miteinander Ideen umgesetzt. Mehrgenerationenhäuser wie das bei uns im Bezirk fördern durch die Vielzahl und Vielfalt ihrer Aktivitäten, Angebote und Dienstleistungen das bürgerschaftliche Engagement, welches gerade in Zeiten immer knapper werdender Haushaltskassen von unschätzbarem Wert für eine lebenswerte Gesellschaft ist. Der Leiter des Instituts für Stadtentwicklung, sozialraum­ orientierte Arbeit und Beratung der Universität DuisburgEssen, Professor Wolfgang Hinte, beschrieb dies auf einer Fachtagung so treffend mit den Worten: »Mehrgenerationenhäuser sind der Humus der Zivilgesellschaft« – und dem kann ich an Bedeutung nichts hinzufügen.

Norbert Kopp

In diesem Sinne hoffe ich, dass die Saat eines lebenswerten Umfeldes in einer Gesellschaft des miteinander und füreinander Daseins auch zukünftig wachsen und gedeihen wird!

»Es werden gemeinsam Perspektiven entwickelt, haushaltsnahe Hilfeleistungen initiiert und miteinander Ideen umgesetzt«
Norbert Kopp, Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf

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Partner des Kinder Pflege Netzwerkes
Von Timm Lehmann

i Mehrgenerationenhaus Phoenix

Teltower Damm 228 | 14167 Berlin www.mittelhof.org/mgh-phoenix.html

Es ist Freitagmorgen. Neben der Kita-Gruppe aus der benachbarten Kirchengemeinde, die den Saal des Mehrgenerationenhaus Phoenix in Berlin-Zehlendorf für Bewegungsangebote nutzt, den Senioren, die sich zum Billardspielen im Jugendraum treffen, der jungen Mutter, die die kostenlose Familienrechtsberatung in Anspruch nimmt und der offenen Tai Chi Gruppe, die den Garten besetzt, treffen wir Claudia Groth. Sie kommt zum Netzwerk-Treffen Pflegebedürftige Kinder und ihre Familien in Steglitz-Zehlendorf, das regelmäßig im Phoenix stattfindet. Daran nehmen auch Kolleginnen des Pflegestützpunktes Zehlendorf und der Kontaktstelle PflegeEngagement des Mittelhof e.V. teil. Claudia Groth ist nicht nur Mutter einer schwerst pflegebedürftigen zehnjährigen Tochter, sondern auch Initiatorin des Vereins Kinder Pflege Netzwerk e.V., einer ElternSelbsthilfeorganisation. In den vergangenen Jahren hat sie sich zur Pflegefachkraft, Beraterin, Netzwerkerin und Lobbyistin entwickelt.

Familien mit pflegebedürftigen Kindern werden oft vergessen
Pflege wird in der Regel mit hohem Alter und dem alterungsbedingten körperlichen und geistigen Abbau und seinen Folgen gleichgesetzt. Aber fast 70 000 Familien in Deutschland leben mit pflegebedürftigen Kindern. Nur 30 Prozent von ihnen fühlen sich ausreichend beraten und 80 Prozent empfinden die Bürokratie als Hindernis. Deshalb lernte Claudia Groth, ihre Interessen selbst durchzusetzen. Sie lernte auch, dass es darauf ankommt, vernetzt zu sein, zu wissen wo man was beantragt, die richtigen Ärzte zu kennen und sich auch einmal quer zu stellen. Und dies alles, obwohl sich das Familienleben nach der Geburt von Katharina radikal ändern musste und ein Ende dieser besonderen Belastung nicht absehbar ist.

Brückenbauer rund um Pflege
Das Mehrgenerationenhaus Phoenix ist der passende Partner des Kinder Pflege Netzwerkes. Durch den Schwerpunkt in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit hatte man dort

»Ich liebe es unter Menschen zu sein und ich finde es toll, das hier Groß und Klein zusammen arbeiten.«
Monique Brähmig (17), gibt ehrenamtlich Französisch Nachhilfe und Klavierunterricht und bekommt Nachhilfe in Mathematik

28  Mehrgenerationenhaus Kreuzberg

»Mich interessiert der Kontakt, den ich beim Wandern und Laufen mit Jüngeren und auch mit einigen (noch) Älteren erhalte.«
Dr. Erhard Hoffert (80), Leiter einer Spaziergängergruppe

beim neuen Schwerpunkt Pflege des Folgeprogrammes fenen Eltern ins belebte Nachbarschaftscafé des Phoenix. Es Mehrgenerationenhäuser sofort auch die Familien mit pfle- ist Mittagszeit und sie nehmen den preiswerten Mittagsgebedürftigen oder versorgungsintensiven Kindern im Blick. tisch gern an, um sich weiter auszutauschen oder mit den Phoenix baut Brücken zu den Pflegestützpunkten und der Nutzern der Schreibwerkstatt oder des Kochkurses ins GeKontaktstelle PflegeEngagement, mit denen auch im De- spräch zu kommen. Claudia Groth muss sich allerdings auf menz-Projekt vertrauensvoll und eingespielt zusammen ge- den Weg machen. Ihr Engagement für das Kinder Pflege arbeitet wird. Als Wohnzimmer im Kiez ist Phoenix erste Netzwerk bewegt sich in einem knappen und gut organisierAnlaufstelle. Familien können hier ihren Beratungsbedarf ar- ten Zeitfenster. Den Alltag ihrer Familie bestimmt täglich tikulieren und erhalten Hinweise zu möglichen Unterstüt- und rund um die Uhr die Erkrankung Ihrer Tochter Kathazungsangeboten. Sie profitieren von den kurzen Informati- rina. Deshalb kann sie die vielfältigen Freizeitangebote des onswegen und direkten Kontakten zum Jugendamt. Derzeit Phoenix nicht nutzen. wird gemeinsam mit der Kontaktstelle PflegeEngagement geprüft, ob Freiwillige eine gute Möglichkeit sind, die pflegenInterview mit Claudia Groth, Gründerin den Familien zu entlasten und welche Qualifikation sie für des Kinder Pflege Netzwerkes Berlin diese Aufgabe benötigen. Gemeinsame Aufgabe von Kinder Pflege Netzwerk und Mehrgenerationenhaus ist die Lobbyar- Wo und welche Versorgungslücken sehen Sie in Bezug auf beit – ein Thema, das Claudia Groth sehr am Herzen liegt. pflegebedürftige Kinder und deren Familien? Ich halte es für sehr bedenklich, dass Information und Versorgung davon abhängen, in welchem Bezirk eine FamiDie Erkrankung der Tochter lie wohnt oder bei welcher Kasse sie versichert ist. Und nabestimmt den Alltag türlich sind die einzelnen Menschen entscheidend, die eine Zum Ende des Netzwerktreffens gehen die hauptberufli- Familie beraten oder denen die Familie häufig auch zufällig chen Unterstützerinnen und Unterstützer sowie die betrof- begegnet, beispielsweise im Krankenhaus oder in der Kita.

Claudia Groth, Initiatorin des Vereins Kinder Pflege Netzwerk mit ihrer Tochter Katharina | Foto: Schmelzer

Übersicht 29

Claudia Groth im Gespräch mit Renate Hilla zur Horst vom Paritätischen | Foto: Mittelhof

Ich fordere seit Jahren für pflegebedürftige Kinder und de- lungen ändern und Mit-Menschlichkeit nicht nur eine indiren Familie mehr kurzzeitige stationäre Betreuungs- und viduelle Entscheidung ist. Versorgungsangebote, sogenannte Kurzzeitpflegeplätze. Der Bedarf der Familien in Berlin ist bisher nicht erfasst, diffe- Welche Aufgaben und Funktionen kann ein Mehrgenerarenzierte Angebote fehlen, so für dauerbeatmete Kinder oder tionenhaus für Familien mit pflegebedürftigen Kindern Kinder mit einem sehr hohen allgemeinen Betreuungsbedarf. übernehmen? Ein Mehrgenerationenhaus ist wie ein großer Marktplatz Viele Träger bieten solche Entlastungsmöglichkeiten nicht an, weil sie sich nicht oder nur schwer »rechnen«. Dies al- für sehr unterschiedliche Interessen und Generationen. Ich les führt dazu, dass Familien mit pflegebedürftigen Kindern habe in meiner Vereinstätigkeit schon häufig erlebt, dass sich einen gesetzlichen Anspruch nicht oder nur in sehr begrenz- neue Türen öffnen an Stellen, an denen ich nie damit geter Zahl einlösen können, obwohl er ihnen zusteht. Dabei rechnet hätte. Daher fällt es mir nicht schwer, mir ein Mehrbrauchen diese Familien so dringend regelmäßig Entlastung. generationenhaus als Wundertüte vorzustellen, dass Überraschungen auch für Familien mit »besonderen« Kindern bereithält, etwa in Form von Teilhabe, Inklusion und WisWelche Forderungen haben Sie an die Politik? Manchmal liegt’s gar nicht zuvorderst an der Politik. Ver- senstransfer. waltung kann ganz viel gestalten, wenn sie will und man ihr die notwendigen Spielräume lässt. Die Politik kann natür- Was schätzen Sie am Phoenix besonders? Um beim Bild der Wundertüte zu bleiben, hat es mich lich offen sein für die Wünsche und Nöte der Familien und kann sie transportieren. Die Betroffenen formulieren ihre positiv überrascht, dass sich Phoenix am Netzwerk pflegeForderungen ja nicht, weil ihnen langweilig ist, sondern bedürftige Kinder und ihre Familien im Bezirk Steglitz-Zehweil sie Versorgungslücken tagtäglich am eigenen Leib er- lendorf beteiligt, was ja auf den ersten Blick nicht selbstverfahren. Politik kann auch versuchen, darauf Einfluss zu neh- ständlich ist. Aber ein Mehrgenerationenhaus zeichnet auch men, dass Zuständigkeiten nicht unüberwindbare Barrieren aus, dass es nicht nur für positive Freizeiterlebnisse aller Gebleiben, wenn es darum geht, möglichst schnelle und krea- nerationen zur Verfügung steht, sondern ebenso Raum bietive Lösungen zu finden um Versorgungslücken zu schließen. tet für die Lösung von Problemen im Kiez. Jede und jeder Unser Sozialsystem ist ohne Frage gut, aber es ist hochgradig hat die Wahl, ob sie oder er »nur« Nutznießer eines regionaadministriert und damit viel zu oft sehr weit entfernt von len Angebots zur Begegnung sein möchte oder sich darüber denen, für die es gedacht ist. Politik kann und sollte in die- hinaus auch für die Gesellschaft engagiert. sem Zusammenhang einen Beitrag leisten, dass sich Einstel- www.kinderpflegenetzwerk.de

»Ich möchte die Kommunikation zwischen den Generationen gern fördern und auch selbst für meine Person erlebbar machen«
Winfried Rißleben (71), Mitarbeiter im offenen Treff, beim Nachhilfeunterricht und bei der Hausaufgabenbetreuung

30  Mehrgenerationenhaus Kreuzberg

Anstifter von Bildungsnetzwerken und Nachbarschaftsinitiativen
Interview mit Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg
Hatten Sie bereits Gelegenheit das Mehrgenerationenhaus Kiezoase Schöneberg zu besuchen? Ja, mehrmals. Welche Erinnerung verbinden Sie damit? Ich war beeindruckt, mit welcher Professionalität, aber auch mit welcher Kreativität die »Macher« des Mehrgenerationenhauses an die Aufgaben herangehen und dabei die Bedürfnisse des Kiezes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner in den Vordergrund stellen. Deutlich war erkennbar, dass auch ungewöhnliche Wege gewählt und Wagnisse eingegangen werden. Vor welchen sozialen Herausforderungen steht ihr Bezirk und welchen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen leistet das Mehrgenerationenhaus? Die Region Schöneberg-Nord, Standort des Mehrgenerationenhauses Kiezoase, ist ein dicht besiedelter innerstädtischer Bereich mit einem hohen Anteil von Familien mit Migrationshintergrund, niedrigem Einkommen und Bildungsstatus. Das Bezirksamt und seine Partner in der Region stellen sich den daraus resultierenden Problemen (Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, mangelnde Sprachkompetenz, fehlende Bildungsabschlüsse, Gewalt im häuslichen und öffentlichen Raum) durch eine über Jahre gewachsene enge Zusammenarbeit, zu der das Mehrgenerationenhaus in besonderer Weise beiträgt. Dazu gehören: Frühestmögliche Einbeziehung von Kindern mit ihren Eltern in niedrigschwellige Bildungsangebote, Lernclubs für Schulkinder unter Beteiligung freiwilliger Lernpaten initiieren, nachbarschaftliche Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Herkunft durch vielfältige sozialkulturelle Angebote, Lernund Begegnungsorte für alle Generationen sowie Förderung bürgerschaftlichen Engagements innerhalb und außerhalb des Mehrgenerationenhauses. Darüber hinaus stellt die demografische Entwicklung auch den Bezirk vor wachsende Herausforderungen – hier
Angelika Schöttler

leistet die Kiezoase Schöneberg einen wichtigen Beitrag, in dem sie beispielhaft zeigt, wie etwa das Erfahrungswissen einer wachsenden Zahl älterer Menschen gewinnbringend für Kinder, Jugendliche und ihre Familien eingebracht werden kann und Solidarität gelebt wird. Wie sehen Sie die Einbindung des Mehrgenerationenhauses in die kommunale Daseinsfürsorge? Das Mehrgenerationenhaus Kiezoase Schöneberg ist in seiner sozialräumlichen Ausrichtung ein kieznaher Träger mit einer Mischung von professionellen Hilfen und freiwilligem Engagement in der Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheits- und Sozialhilfe für Menschen aller Altersgruppen und kulturellem Hintergrund. Es ist Akteur und Anstifter von Bildungsnetzwerken, Nachbarschaftsinitiativen und kommunalen Arbeitsgemeinschaften und arbeitet eng mit den bezirklichen Diensten sowohl auf der strategischen wie auch der operativen Ebene zusammen.

»Deutlich war erkennbar, dass auch ungewöhnliche Wege gewählt und Wagnisse eingegangen werden.«
Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg

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»Ich wünsche mir eine kontinuierliche Weiterentwicklung und dauerhafte Finanzierung des Mehrgenerationenhauses«
Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg

Welcher Gewinn entsteht durch das Mehrgenerationenhaus für Ihren Bezirk? Das Mehrgenerationenhaus kann flexibel und zeitnah auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Menschen vor Ort eingehen und gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen suchen und neue Angebotsformen entwickeln, auch experimentell unter Nutzung der vor Ort vorhandenen oder zu erschließenden Ressourcen. Durch die Netzwerkarbeit der Kiezoase werden Initiativen vor Ort und das öffentliche Hilfesystem zum Nutzen der Menschen vor Ort erfolgreich miteinander verknüpft und gestärkt. Wie sehen Sie die weiteren inhaltlichen und zeitlichen Perspektiven nach Ende der Bundesförderung 2014? Das Mehrgenerationenhaus ist angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen an die Kommune eine auf Dauer angelegte Einrichtung, die die Menschen in ihrem Wohnumfeld einbezieht und mit ihnen gemeinsam an der stetigen Verbesserung ihrer sozialen Situation arbeitet. Dazu bedarf es insbesondere auch einer Anlauf- und Begleitperson

für die Förderung des freiwilligen Engagements, die bisher durch das Bundesprogramm gewährleistet wird. Diese Förderung muss über 2014 hinaus gesichert werden. Was wünschen Sie sich vom Mehrgenerationenhaus? Ich wünsche mir eine kontinuierliche Weiterentwicklung und dauerhafte Finanzierung des Mehrgenerationenhauses. Es muss zu einem nicht mehr wegzudenkenden Teil des Kiezes werden, in dem generationenübergreifende Solidarität, nachbarschaftliches Miteinander und ehrenamtliches Engagement aktiv gelebt werden. Es muss wie selbstverständlich als niedrigschwelliger Ort der Begegnung, der Hilfe, der Aktivität wahrgenommen werden. Das Mehrgenerationenhaus Schöneberg ist auf einem guten Weg. Ich wünsche, dass es so weitergeht.

Lernclub Kiezoase | Foto: Kiezoase

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»Pssst, sei mal still, damit ich mich konzentrieren kann!«
Von Monika Fröhlich

Kiezoase Schöneberg i Mehrgenerationenhaus
Karl-Schrader-Strasse 7 – 8 | 10781 Berlin www.pfh-berlin.de

Diesen Satz hört man öfter im Lernclub des Mehrgenerationenhauses Kiezoase in der Steinmetzstraße in BerlinSchöneberg. Hier wollen die Kinder lernen. Im Lernclub treffen sich pro Woche an drei Tagen 50 Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen kulturellen Wurzeln und ihre 13 Lernpatinnen und -paten. Letztere stammen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern – Soziologin, Journalist, Rechtsanwältin, Physiker, Lehrer, Betriebswirt, Historiker, Schriftstellerin sowie Studentinnen und Studenten verschiedener Fachbereiche. Sie alle haben sich vorgenommen, Kinder und Jugendliche auf dem Weg durch das Schulsystem und hinein in den Berufsweg zu unterstützen und zu begleiten. Sie bringen nicht nur ihre beruflichen Erfahrungen und ihren eigenen Bildungsweg mit, sondern auch vielfältige Interessen, insbesondere das Interesse an den kulturellen Wurzeln der Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien. Die meisten Lernpaten kommen selbst aus dem Kiez und wollen sich in ihrer unmittelbaren Umgebung einbringen.

Im Lernclub geht es nicht nur um die Hausaufgaben
Zuallererst setzt die Hilfe bei den täglichen Hausaufgaben an, geht aber weiter zu Klausurvorbereitungen, über Projektarbeiten und die Recherche dazu. Manchmal muss auch Stoff wiederholt werden, um die neuen Aufgaben zu verstehen. Im Lernclub geht es nicht nur um die Hausaufgaben. Es werden auch andere Lernmöglichkeiten angeboten. Ein Bücherschrank steht zur Verfügung, der Lesestoff für alle Klassenstufen und einige Nachschlagewerke enthält. Sowohl die ehrenamtlichen Lernpaten als auch die hauptamtlichen Mitarbeiter sorgen dafür, dass die kleine Bücherei weiter wächst. Zwei Computer stehen zur Recherche bereit. Es ist geplant, Lernspiele anzuschaffen, die zum Einsatz kommen, wenn die Hausaufgaben erledigt sind. Dieser spielerische Zugang zu Zahlen und Wörtern kann den Unterrichtsstoff ergänzen. Ein Materialkoffer wird für verschiedene Klassenstufen angelegt, damit sich das Lernen nicht nur auf die Hausaufgaben konzentriert, sondern zu einer umfassenden Unterstützung wird. Gemeinsame Ausflüge sollen stattfinden.

»Ich möchte etwas für die Gesellschaft tun. Das kann ich hier sehr gut und es gefällt mir hier.«
Jürgen (57), Lernpate

Mehrgenerationenhaus Schöneberg  33

Ehrenamtliche Lernpatin unterstützt Kinder bei ihren schulischen Aufgaben und Problemen | Foto: Kiezoase

Die Lernpaten erhalten Einblick in fremde Kulturen
Und ganz nebenbei bekommen die Kinder und Jugendlichen durch die interessanten Berufe und vielfältigen Interessen und Lebenserfahrungen der Lernpaten den Einblick in andere Lebenswelten, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten. Umgekehrt haben die Lernpaten Interesse an der türkischen und arabischen Kultur – den Wurzeln der Kinder – und gewinnen selbst dabei. So hat sich zwischen einer Lernpatin und einer Mutter ein deutsch-arabisches Sprachtandem entwickelt, von dem beide profitieren. Zwischen anderen Lernpaten sind private Freundschaften gewachsen. Die Lernpaten erzählen von ihrem Engagement und bringen ihrerseits wieder Freunde mit.

sodass diese nun aus eigenem Interesse die Kinder im Lernclub anmelden. Die Erkenntnis, wie wichtig die Bildung ist, bezieht sich nicht nur auf ihre Kinder; das Mehrgenerationenhaus macht auch den Eltern Angebote zur eigenen Fortbildung: Die arabische Vätergruppe trifft sich seit Jahren und organisiert Veranstaltungen im Kiez. Eltern bilden sich zu Bildungsbotschaftern und Gastgebern für den offenen Treff aus und vernetzen sich mit Schulen, sozialen Einrichtungen und ihrer Nachbarschaft, um andere Eltern zu gewinnen und zu unterstützen.

Stärken und Ressourcen der Beteiligten stehen im Vordergrund
Auch die Lernpaten bekommen vom Mehrgenerationenhaus Angebote zur Fortbildung: In regelmäßigen Workshops tauschen sich Lernpaten und Hauptamtliche aus, entwickeln gemeinsam das Konzept des Lernclubs weiter und lernen selbst was Kinder zum Lernen motiviert. Der Early Excellence-Ansatz des Trägers Pestalozzi-Fröbel-Haus fließt auch hier ein. Das bedeutet, dass immer von den Stärken und

Eltern als Bildungsbotschafter
Durch die gute Vernetzung des Mehrgenerationenhauses mit anderen Einrichtungen im Kiez – etwa im Bildungsnetzwerk – gelingt es, die Eltern durch viele Organisationen auf die Bildungsperspektiven ihrer Kinder aufmerksam zu machen,

»Hier bekomme ich eine andere Sichtweise und Meinung zu meinen Hausaufgaben. Ich kann mich gut auf die Schule vorbereiten.«
Nesrin (15), Schülerin

34  Mehrgenerationenhaus Schöneberg

»Ich kann hier entspannen und lerne neue Sachen. Es ist ein guter Ort für mich, an dem ich bekannte Gesichter treffe.«
Gül, (31), Besucherin

Ressourcen der Kinder, Eltern und Lernpaten ausgegangen wird. Dies schafft eine motivierende und wertschätzende Atmosphäre. Und bei der gemeinsamen Zeugnisfeier von Schülern, Lernpaten, Eltern und den Hauptamtlichen spiegeln sich die Erfolge in den Noten wieder – natürlich nicht immer sofort und bei allen Kindern und Jugendlichen, aber eins ist für alle klar: sie bleiben dran.

Deutschlernen. Insgesamt beteiligen sich 33 Lern- und Lesepaten und mehr als 70 Kinder und ihre Familien. Ohne die aktive Werbung für die Lernclubs durch die eigene Freiwilligenvermittlung des Mehrgenerationenhauses wäre es nicht möglich, so viele engagierte und interessierte Lernpatinnen und -paten zu gewinnen, einzubinden und fortzubilden.

Das gemeinsame Lernen zieht weitere Kreise
Das Mehrgenerationenhaus Kiezoase hat zwei weitere Standorte im Schöneberger Norden. Auch in der Kurmärkischen Straße und in der Barbarossastraße entstehen aufgrund der Nachfrage von Eltern weitere Lernclubs. In anderen Einrichtungen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses sind ebenfalls Lernpaten im Einsatz. So unterstützen Freiwillige in einer Schulstation neu zugewanderte Kinder beim

Mit Hilfe geht’s besser | Foto: Kiezoase

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Der demografische Wandel findet auch in unserem Bezirk statt
Von Oliver Igel, Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick
Ich freue mich, dass wir eines von acht berlin- und 450 deutschlandweiten Mehrgenerationenhäusern hier in Treptow-Köpenick beheimaten dürfen. Der demografische Wandel findet auch in unserem Bezirk statt. Deshalb begrüße ich solch eine generationenübergreifende Einrichtung sehr – sie bietet eine gute Möglichkeit, mit den einhergehenden Veränderungen umzugehen. Das Mehrgenerationenhaus hilft uns, Familienfreundlichkeit in unserem Bezirk Treptow-Köpenick zu gewährleisten und zu leben, denn es ermöglicht auf einfache Weise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zudem macht es uns auch als Wohn- und Arbeitsstandort im Südosten Berlins attraktiver. Dafür mein herzlicher Dank an alle Initiatoren und an all die Engagierten, die das Projekt für Jung und Alt so angenehm kreieren und damit einen Ort der Gemeinsamkeit und des Austausches schaffen. In Treptow-Köpenick besteht ein ganz junges Mehrgenerationenhaus, das zum Campus Kiezspindel gehört und im vergangenen Jahr eröffnet wurde. Ich war bei der Eröffnung dabei und konnte in viele fröhliche Gesichter von Jung und Alt sehen. Das zeigt ganz deutlich: Ein solches Angebot wird dankbar angenommen. Alle Mehrgenerationenhäuser, so auch unser Kiez- und Familienzentrum in Köpenick, beziehen interessierte Menschen in die sozialen Prozesse mit ein und stehen allen offen, unabhängig von Alter und Herkunft. Das Mehrgenerationenhaus bietet den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich zu engagieren oder auch Unterstützung zu finden, kann aber auch nur Treffpunkt für eine gemeinsame Zeit sein.

Oliver Igel

Ich hoffe, dass der Zuspruch auch nach 2014 nicht nachlässt und weiterhin ein reger Austausch sowie viele Projekte stattfinden, um Treptow-Köpenick als offenen, toleranten und vielseitigen Bezirk weiter zu festigen.

»Das Mehrgenerationenhaus macht uns als Wohn- und Arbeitsstandort im Südosten Berlins attraktiver.«
Oliver Igel, Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick

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»Ach Omi, das verstehst du nicht«
Von Sebastian Lück

i Mehrgenerationenhaus Köpenick der TJFBG gGmbH
Rudower Strasse 37/39 | 12557 Berlin www.tjfbg.de

Die Termine hatte sich die 65-jährige Frau Walter für das ganze Jahr notiert und kommt nun, seit Eröffnung des Mehrgenerationenhauses Köpenick im Jahr 2012, jeden ersten Montag im Monat zum PC-Seniorinnen- und Seniorenkurs in die Rudower Straße. »Als ich den Aushang zum PC-Kurs im Vorbeigehen sah, blieb ich stehen und las ihn mir interessiert durch. Ich ging zum ersten Mal ins Mehrgenerationenhaus und meldete mich gleich an. So eine Möglichkeit, direkt vor meiner Haustür, dass wollte ich nutzen. Denn allein zu Hause verzweifelte ich schon oft vor meinem Computer, wenn ich nicht stundenlang rumprobierte, ehe etwas gelang.« Frau Walter nutzt nun regelmäßig die Möglichkeiten des Ausprobierens und Lernens, den Computer von Grund auf zu bedienen. »Es fing an mit ganz einfachen Erklärungen und Übungen, zum Beispiel wie ein Computer funktioniert und wie ich Programme installieren kann. Oder was ich mache, wenn sich plötzlich Fenster öffnen und ich auf Fragen antworten soll, die ich nicht beantworten kann. Jetzt helfen mir die Kurs­eiter weil ter und nehmen mir meine Unsicherheiten.«

Meinem Sohn fehlt die Geduld mit mir
Herr Langner, 67, sitzt neben ihr im Kurs und wirft ein: »Ich habe oft meinen Sohn gefragt, ob er mir hier und dort weiterhelfen kann. Aber der ist immer so schnell und ihm fehlt die Geduld mit mir. Hier ist es anders, da kann ich eine Frage auch dreimal stellen, ohne dass die Mitarbeiter gleich genervt sind.« Sinn und Inhalt dieses Angebots des Mehrgenerationenhauses ist die Vermittlung und der Erwerb von Kenntnissen im Umgang mit dem Computer in einer sehr offenen Form. Einmal monatlich wird den Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit gegeben, mit ihren Fragen und Problemen rund um den PC in das Mehrgenerationenhaus zu kommen. Dafür ist ein Team aus hauptamtlichen und freiwilligen Mitarbeitern an ihrer Seite und beantwortet alle einfachen oder auch kniffligen Fragestellungen. So treten zum Beispiel Fragen auf wie: »Ist es möglich meine E-Mails auch im Urlaub zu lesen?« oder: »Ich habe im Urlaub Fotos gemacht. Wie kann ich die an meine Freundin per Computer schicken?« Und sollten mal keine aktuellen Fragen auf den Nägeln brennen, dann werden gemeinsam Grafiken gestaltet, Brief-

»Hier im Mehrgenerationenhaus ist immer etwas los.«
Anna (12), Besucherin

Mehrgenerationenhaus Köpenick  37

»Ich bin gern im Mehrgenerationenhaus und habe hier auch eine Menge neuer Stricktricks gelernt.«
Frau Kramer (68), Besucherin

köpfe entworfen oder Excel-Tabellen für die Haushaltsgeldführung angelegt.

Social Networks – auch ein Thema für ältere Menschen

gen, funktionieren. »Nachdem ich nun besser Bescheid weiß, habe ich zusammen mit einer Freundin eine eigene Seite gestaltet und als ich dies meiner Enkelin zeigte, war sie ganz erstaunt. Das hätte sie mir nicht zugetraut.«

In letzter Zeit bemerken wir vermehrt, dass sich ältere Menschen auch deshalb am PC fit machen möchten, um mit ih- Nun ist der Computer nicht das einzige Thema, was die ren Enkeln mithalten zu können, für die der Umgang mit Nutzerinnen und Nutzer jeden ersten Montag im Monat ins elektronischen Medien selbstverständlich ist. Dann kommt Mehrgenerationenhaus zieht. Sie tauschen sich auch über es schon einmal dazu, dass sogenannte Social Networks zum alle möglichen anderen Dinge des Lebens aus. »Für mich ist Thema werden und über Sinn und Unsinn dieser Kommuni- dieser Termin fest eingeplant. Ich freue mich dann immer, kation sehr aufgeregt diskutiert wird. »Meine Enkelin ist 14 die anderen Teilnehmer zu sehen und zu Beginn bei einer und wenn sie bei mir zu Besuch war, dann guckte sie alle 10 Tasse Kaffee mit ihnen zu reden. Mit zwei Frauen aus dem Minuten auf ihr Handy. Wenn ich sie dann fragte, was sie da Kurs treffe ich mich mittlerweile auch allein und wir gehen macht, dann bekam ich meistens als Antwort: ›Ach Omi, das gemeinsam wandern. So eine Möglichkeit gab es hier in der verstehst du nicht‹«, so Frau Rückert, 68, auch regelmäßige Gegend bis letztes Jahr nicht«, sagt Frau Walter. Sie nutzt Teilnehmerin des PC-Kurses. Also besprechen wir diese The- neben dem PC-Kurs noch regelmäßig den Spielenachmittag men, klären Fragen und zeigen an Beispielen, wie die Pro- am Mittwoch »Ja, das Mehrgenerationenhaus ist für mich gramme, welche die Enkel nun rund um die Uhr beschäfti- ein wichtiger Ort geworden«, meint sie. »Ich treffe immer

Treffen und Reden

Hilfe von der jüngeren Generation im PC-Kurs | Foto: Martin Thoma

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Unterstützung beim Umgang mit dem Computer ist willkommen | Foto: Martin Thoma

jemanden, mit dem ich über Gott und die Welt reden kann und ich habe schon viele nette Leute hier kennen gelernt.«

Der PC-Kurs als Sprungbrett
Auch Herr Schwankert, 70, wurde durch den PC-Kurs auf das Mehrgenerationenhaus (MGH) aufmerksam. »Ich habe durch einen Bekannten, der den PC-Kurs besuchte, von dem Projekt gehört und war auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit.« Also nahm er Kontakt zum MGH auf und fragte nach einer Möglichkeit, ehrenamtlich mitzuarbeiten. »Am Anfang habe ich im Kinderprojekt Villa Vif mitgemacht und wollte sehen, ob das etwas für mich ist. Mir macht die Arbeit mit Kindern viel Spaß. Ich leite jetzt jeden Montag eine Lesewerkstatt für drei bis vier Grundschüler an und begleite dienstags eine feste Gruppe von Kindern der Grundschule bei ihren Hausaufgaben.« So wie Herr Schwankert sind einige Besucher direkt oder indirekt über den PCKurs im Mehrgenerationenhaus »hängengeblieben«. Einige besuchen die Stuhlgymnastik, andere machen im Strickkurs »Wollknäuel« mit und wieder andere versuchen auch im ho-

hen Alter noch, das Gitarre spielen zu lernen. »Das vielfältige Angebot für alle Altersgruppen auf einem Gelände ist schon etwas Besonderes, da man hier nicht nur alte Menschen trifft. Durch die Kinder bleibt man ja auch selber jung, nicht wahr?«, lacht Herr Schwankert und muss gleich wieder los, um seinen Termin als Lesepate in einer Grundschule nicht zu verpassen. So ist der PC-Seniorenkurs nur ein Beispiel, wie Menschen das Angebot des Mehrgenerationenhauses für sich entdecken, Projekte oder Aufgabenfelder finden oder sich auch einfach nur treffen, um gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen.

»Ich komme hierher, um meine Freunde zu treffen und Tischtennis zu spielen.«
Dominique (13), Besucher

Mehrgenerationenhaus Köpenick  39

Berliner Mehrgenerationenhäuser unter Paritätischem Dach
Bezirk Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Charlottenburg-Wilmersdorf Interkulturelles Nachbarschaftszentrum und Mehrgenerationenhaus Divan e.V. Divan e.V. 030 81 70 01-03 Nehringstr. 26 14059 Berlin info@divan-berlin.de www.divan-berlin.de

Bezirk Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Reinickendorf Mehrgenerationenhaus Berlin-Reinickendorf Interkulturelles Familienzentrum AVA 17 Albatros gGmbH 030 32 29 22 18 0 Auguste-Viktoria-Allee 17 13403 Berlin mgh@albatrosggmbh.de www.albatrosggmbh.de

Bezirk Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Friedrichshain-Kreuzberg Mehrgenerationenhaus Kreuzberg Nachbarschaftshaus Centrum e. V Nachbarschaftshaus Centrum e. V. 030 22 50 24-02 / 03 Cuvrystraße 13/14 10997 Berlin mgh@nachbarschaftshaus-centrum.de www.nachbarschaftshaus-centrum.de

Bezirk Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Steglitz-Zehlendorf Mehrgenerationenhaus Phoenix Mittelhof e.V. 030 84 50 92 47 Teltower Damm 228 14167 Berlin mgh@mittelhof.org www.mittelhof.org/mgh-phoenix

Bezirk Bezirk Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Mitte Mehrgenerationenhaus Moabit SOS-Kinderdorf Familientreff Berlin-Moabit SOS-Kinderdorf e. V. 030 33 09 93-0 Waldstraße 23/24 10551 Berlin kd-berlin-moabit@sos-kinderdorf.de www.sos-kinderdorf.de/kinderdorf-berlin

Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Tempelhof-Schöneberg	 Mehrgenerationenhaus Schöneberg Kiezoase Pestalozzi-Fröbel-Haus 030 21 73 01 66 Karl-Schrader-Str. 7/8 10781 Berlin mgh@pfh-berlin.de www.pfh-berlin.de

Bezirk Bezirk Haus

Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Mitte Mehrgenerationenhaus Mitte Theaterpädagogisches Zentrum Familienzentrum Fischerinsel Kreativhaus e. V. Kreativhaus e. V. 030 23 80 91-3 Fischerinsel 3 10179 Berlin kontakt@kreativhaus-tpz.de www.kreativhaus-berlin.de

Haus Träger Telefon Anschrift E-Mail Internet

Treptow-Köpenick Mehrgenerationenhaus Köpenick »Campus Kiezspindel« Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH 030 67 48 94 93 oder 030 65 01 81 60 Rudower Straße 37/39 12557 Berlin campus.kiezspindel@tjfbg.de www.tjfbg.de

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Impressum

Herausgeber Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V. Brandenburgische Str. 80 10713 Berlin Tel 030 860 01-0 Fax 030 860 01-110 info@paritaet-berlin.de www.paritaet-berlin.de www.facebook.com/ParitaetBerlin twitter.com/paritaetBerlin Vorsitzende Prof. Barbara John Geschäftsleitung Oswald Menninger Elke Krüger (stv.) Text- und Bildredaktion Rita Schmid, Verbandskommunikation Wir danken den ehrenamtlichen Paritätischen Fotoreportern Michael Janda und Martin Thoma sowie der Fotoreporterin Gisela Schuster für ihren Einsatz. Weiterer Bildnachweis S. 2: Walter Weber, S. 3: BMFSFJ, S. 4: Gisela Schuster, S. 9: Michael Janda, S. 13: Fatma Celik, S. 17: Krug & Partner Architekten, S. 20: Hans-Joachim Lück, S. 24 und 37: Martin Thoma, S. 28: Phoenix, S. 33: Ole Bader. Die Fotos der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister stellten die jeweiligen Bezirksämter zur Verfügung. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichtet die Redaktion auf eine Genderschreibweise. Die Bezeichnung von Personengruppen bezieht die weibliche Form und die Transgender-Form jeweils ein. Satz und Layout polyform, www.polyform-net.de Druck USE gGmbH, www.u-s-e.org Auflage 3000 Exemplare

Berlin, Januar 2014
        
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