Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364745
Path:
ecke

nr. 2 – mai /juni 2019

köpenicker

Zeitung für das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt Erscheint sechsmal im Jahr kostenlos.

Ch. Eckelt

Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung

Schwerpunkt: Bodenwerte, Milieuschutz, Mieterberatung

2 —— E CKE KÖP ENIC KER

E CKE KÖPE NI CKE R—— 3

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——————————————————— I N H A LT
Seite 3 Tag der Städtebauförderung
Seite 4 Der Stadtteilladen und seine Angebote
Seite 5 Bauvorhaben Rungestraße /

Am Köllnischen Park
Schwerpunkt – Seite 6 / 7

Neue Bodenricht­werte in der Luisenstadt
Seite 8 Leser-Ecke /
Runder Tisch Köpenicker Straße
Seite 9 Neues von der TIM
und Vorbereitungen fürs Kiezfest 2019
Seite 10 Kiez-Kolumne: Das Rauchhaus
Aus dem Bezirk Mitte:
• Schwerpunkt – Seite 11

Neue Milieuschutz­gebiete in Bezirk Mitte

Sie halten den »­ Kiezmoment« fest!

• Schwerpunkt – Seite 12 / 13

Dieses Foto – ein Blick von der Brückenstraße auf das Spreeufer
– schickte uns unsere Leserin Ruth Gaebler. Vielen Dank dafür!

• Seite 14 Die neuen City-Toiletten

Haben auch Sie eine tolle Aufnahme im Gebiet gemacht – einen zufälligen
Schnappschuss, eine lustige oder skurrile Situation? Sie haben etwas fotografiert, was sie wundert oder ärgert? Oder einen (Ihren) Lieblingsort, eine ganz
besondere Stimmung, eine ungewöhnliche Perspektive, ein kleines Detail, das
Ihren auf einem Spaziergang aufgefallen ist, einen witzigen Aushang, eine ungewöhnliche Architektur, ein fast vergessenes Denkmal? Oder in Ihrer Schublade
lagern sogar noch sehenswerte historische Aufnahmen aus Moabit?
Teilen Sie Ihren Kiezmoment mit anderen! Egal, ob Gelegenheits-, Hobby- oder
Profi-Fotograf: Senden Sie uns Ihr besonderes Foto aus Ihrem Kiez rund um die
Luisenstadt! Ihrem Blickwinkel sind keine Grenzen gesetzt! Perfektion ist kein
Kriterium. Das aus unserer Sicht interessanteste Bild wird dann an dieser Stelle
unter der Rubrik »Kiezmoment« veröffentlicht.
Sichten Sie also Ihre Bestände, ziehen Sie los mit der Kamera und schicken Sie
uns die Aufnahmen, am besten per E-Mail im jpg-Format an: ecketurm@gmx.net

Seite 16 Pflastersteine / Eckensteher

Wir sind gespannt auf Ihre Bilder!

Christoph Eckelt, eckelt@bildmitte.de

Autoren gesucht!

Die nächste Ausgabe

Sie schreiben gern? Und interessieren
sich für Stadtentwicklung, Lokalgeschichte, Soziales, Gewerbe oder engagierte Menschen? Sie leben in Mitte
oder sind anderweitig vertraut mit dem
Bezirk? Vielleicht haben Sie dann Lust,
für die „Ecken“ zu schreiben. Melden
Sie sich bei uns! Wir freuen uns über
neue Autorinnen und Autoren!

der Ecke Köpenicker erscheint Ende
Juni. Redaktionsschluss: 19. Juni

capa, Anke Fesel, www.capadesign.de
Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH,
www.berliner-zeitungsdruck.de
V.i.S.d.P.: Ulrike Steglich
Für den Inhalt der Zeitung zeichnet nicht der
Herausgeber, sondern die Redaktion verantwortlich.

Die Aufgaben der Mieterberatung
Seite 15 Gebietsplan und Adressen

——
—————————————————— I M P R E S S U M
Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin,

Stadtentwicklungsamt
Redaktion: Christof Schaffelder,

Ulrike Steglich
Redaktionsadresse: »Ecke Köpenicker«,

c /o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstraße 21,
10115 Berlin, Tel (030) 283 31 27,
ecke.koepenicker@gmx.net
Fotoredaktion:
Entwurf und Gestaltung:

Ecken im Web

Sämtliche Ausgaben der »Ecke
­Köpenicker« sind als PDF archiviert
und abrufbar unter:
www.luisenstadt-mitte.de sowie auf der
Website des Bürgervereins Luisenstadt:
www.buergerverein-luisenstadt.de

Elektronischer Versand

Sie möchten auf elektronischem Weg die aktuelle
Zeitung als PDF erhalten? Schreiben Sie uns eine
kurze E-Mail, und wir nehmen Sie in unseren
Mail-Verteiler auf!

»Auf dem Weg
in die Zukunft«
Am 11. Mai findet wieder
der ­bundesweite Tag der
­Städtebauförderung statt
Am Sonnabend, dem 11. Mai findet bundesweit wieder der
Tag der Städtebauförderung statt. Auch im Bezirk Mitte
kann man sich an vielen Orten über aktuelle Fortschritte
der Stadterneuerung informieren und bei vielfältigen Veranstaltungen Projekte in unterschiedlichen Gebieten kennenlernen.
In der Nördlichen Luisenstadt gibt es an diesem Tag einen
Rundgang, der einen Überblick über die Planungen für das
Gebiet verschafft. Denn auch in den kommenden Jahren
werden hier nicht nur private Bauvorhaben realisiert, sondern auch viele komplexere Projekte mit öffentlicher Förderung. Das sind u.a. die öffentliche Erschließung des
Spreeufers, die denkmalgerechte Erneuerung des Köllnischen Parks oder der Neubau der Grundschule in der Adalbertstraße – alles Vorhaben, für die es einen längeren Atem
braucht. Der Rundgang beginnt um 10 Uhr an der St. Michael-Kirche (Michaelkirchplatz 15), dauert ca. zwei Stunden und endet im frisch sanierten Stadtteilladen dialog
101, wo die geplanten Maßnahmen in einer Ausstellung
präsentiert werden. Während des Rundgangs und im Stadtteilladen stehen die Gebietsbetreuer des Büros KoSP zur
Verfügung, um Ihre Fragen ausführlich zu beantworten.
Für die Teilnahme am Rundgang ist keine Anmeldung erforderlich.
Wozu ein »Tag der Städtebauförderung«?

Dies ist jedoch nicht das einzige Projekt in Mitte: Insgesamt werden im Bezirk an 13 Standorten Veranstaltungen
stattfinden, z.B. das Nachbarschaftsfest im Wohngebiet
Karl-Marx-Allee II. Bauabschnitt (Schillingstraße) oder ein
Rundgang zum »Bildungsband« im Aktiven Zentrum Müllerstraße (Wedding), und in Moabit wird mit einer Festtafel die »Rückeroberung der Arminiusstraße« als verkehrsberuhigte Straße mit Aufenthaltsqualität gefeiert. Für Bewohner der Luisenstadt dürften aber auch die Führungen
und eine Freiluftausstellung zur Idee eines Flussbades am
Spreekanal interessant sein.
In Berlin werden in elf Bezirken insgesamt 52 Veranstaltungen angeboten. Über das gesamte Programm kann man
sich auf der Website tag-der-staedtebaufoerderung.berlin.
de umfassend informieren. Zudem wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen eine kleine
Broschüre im handlichen Taschenformat herausgegeben,
in der alle Veranstaltungen aufgeführt sind.
EU, Bund und Länder haben diverse Städtebauförderungsprogramme aufgelegt, um insbesondere Projekte zur Verbesserung des öffentlichen Raums und Investitionen in die
soziale Infrastruktur zu ermöglichen, die sonst aus den

Ch. Eckelt

KIEZMOMENT

Auch im Köllnischen Park macht der Rundgang zum Tag der Städtebauförderung
Station: Treffpunkt ist die St. Michael-Kirche um 10 Uhr.
»normalen« Etats der Kommunen und Gemeinden nicht
finanziert werden könnten. Die Programme heißen u.a.
»Soziale Stadt«, »Städtebaulicher Denkmalschutz«, »Aktive Zentren« oder »Stadtumbau«. In Berlin profitieren derzeit 78 Gebiete mit ca. 1,2 Mio. Menschen von der Städtebauförderung.
Um für die Bürger transparent zu machen, wie und wo genau diese Fördermittel eingesetzt werden, wird seit fünf
Jahren im Mai der »Tag der Stadtförderung« begangen. Auf
vielfältigen Veranstaltungen (Führungen, Rundgänge, Ausstellungen, Besichtigungen, Straßenfeste) bietet sich die
Gelegenheit, unterschiedliche Gebiete mit ihren Projekten
kennenzulernen und darüber ins Gespräch zu kommen.
Bundesweit sind über 550 Städte und Gemeinden beteiligt.

us

Broschüre zur Städtebauförderung in Mitte

Zum Tag der Städtebauförderung erscheint zudem eine
neue Informationsbroschüre des Bezirks Mitte mit dem
­Titel »stadt plan mitte«, die über die aktuellen Fördergebiete informiert. Zudem werden in einigen Autorenbeiträgen besondere Aspekte und Schwerpunkte der Stadtentwicklung erörtert.
Insgesamt wohnen derzeit rund 40 % der Bezirksbevölkerung direkt in mindestens einem dieser Gebiete. Schließt
man ehemalige Fördergebiete sowie die an die Fördergebiete angrenzenden Quartiere mit ein, so kommt weit
mehr als die Hälfte der Mitte-Bewohner in ihrem Wohnumfeld in den Genuss dieser Förderung.
Die Broschüre wird bei den Veranstaltungen zum Tag der
Städtebauförderung und anschließend über einen längeren
Zeitraum hinweg in öffentlichen Einrichtungen des Bezirks erhältlich sein.

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E CKE KÖPE NI CKE R—— 5

Willkommen im
neuen »dialog 101«!

Geld aus der Stadtteilkasse!

Ch. Eckelt

Der im März wiedereröffnete Stadtteilladen in der Köpenicker Straße 101 dient als Treffpunkt und Arbeitsort für
lokale Akteure, Vereine sowie Initiativen und bietet Räumlichkeiten für Veranstaltungen oder Ausstellungen zu Themen rund um die Nördliche Luisenstadt.
Bürgersprechstunde des Gebietsbetreuers

Als vom Bezirksamt beauftragter Gebietsbetreuer bietet die
KoSP GmbH jeden Dienstag 14–18 Uhr eine Sprechstunde
für die Bewohner und Nutzer in der Nördlichen Luisenstadt an. Hier können Sie sich mit Fragen rund um das Sanierungsgeschehen an die Mitarbeiter wenden sowie sich
über laufende Maßnahmen im Quartier informieren.

gen (z. B. Lesungen oder Ausstellungen) oder die Realisierung sozialer Projekte. Der Verein KREATIVHAUS e.V. wird
hier auch seinen Näh- und Handarbeitskurs wieder anbieten.

Mieterberatung

Stadtteilladen buchen

Die im Auftrag des Bezirksamts Mitte wöchentlich stattfindende kostenlose Beratung der Mieterberatung Prenzlauer
Berg GmbH richtet sich an Bürgerinnen und Bürger des
Sanierungsgebietes »Nördliche Luisenstadt«, der Erhaltungsgebiete »Luisenstädtischer Kanal mit Umfeld« und
»Köllnischer Park und Umgebung« sowie an Bewohner der
mit öffentlicher Förderung sanierten Altbauten im Bezirk.
Die Sprechstunde findet montags 15–18 Uhr statt, jeden
1. und 3. Montag im Monat mit kostenloser Beratung durch
eine Rechtsanwältin. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich (siehe auch Seite 12+13).

Der Stadtteilladen wird von der KoSP GmbH im Auftrag
des Bezirksamts Mitte verwaltet. Nutzungsinteressenten
wenden sich bitte telefonisch oder per E-Mail an das KoSP
(Kontakt siehe S. 15). Ein Belegungsplan auf der Website
des Fördergebiets Nördliche Luisenstadt (www.luisenstadtmitte.de /akteure) gibt Auskunft über die Verfügbarkeit der
Räume.

Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt

Die Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt trifft
sich jeden 3. Dienstag im Monat um 18.30 Uhr im dialog
101. Als Interessenvertretung der Bürger ist sie ein wichtiges Gremium im Sanierungsgebiet. Die Sitzungen sind öffentlich, jeder, der dreimal teilgenommen hat, wird stimmberechtigtes Mitglied. Die Betroffenenvertretung freut sich
immer über neue Mitstreiter! Für Nachfragen und Kontakt
wenden Sie sich bitte an Volker Hobrack, Telefon 275 47 69
Runder Tisch Köpenicker Straße

Ab sofort finden hier auch wieder die Sitzungen des Runden Tischs statt, moderiert vom Präventionsrat des Bezirks
Mitte. Zur nächsten Sitzung am 7. Mai von 11–13 Uhr sind
alle Interessierten eingeladen (siehe auch S. 9).
Externe Nutzungen

Der 195 Quadratmeter große Laden bietet Raum und Möglichkeiten für vielfältige Aktivitäten und steht auch lokalen
Akteuren, Vereinen und Initiativen aus der Nördlichen
Luisenstadt als Begegnungs- und Veranstaltungsort zur
Verfügung. Die Räume erlauben die Durchführung von Arbeitsgruppentreffen, Besprechungen, oder Seminaren.
Möglich sind auch Beratungsangebote, Kulturveranstaltun­

Neues von der Betroffenenvertretung

Was macht eigentlich die Betroffenenvertretung (BV) Nördliche Luisenstadt und mit welchen Themen beschäftigt sie sich aktuell?
Zum Beispiel mit »Kunst auf Plakatwand«, dem Projekt eines bundesweiten Vereins, der von Mitte August bis Ende Oktober rund um die
Michaelkirche Plakatwände aufstellen will zum Thema »Blumen
­küssen Nachtigallen« (H. Heine). Dabei setzen vom Verein benannte
Künstler mit großformatigen Bildern im öffentlichen Raum ein Gegengewicht zur kommerziellen Plakatwerbung. Außerdem stellte der
Verein Spreeacker e.V. auf der März-Sitzung der BV seine Ideen für
die Entwicklung des Spreeuferwegs vor.
Aktuelle Themen der BV sind aber auch die Entwicklung des Postfuhramt-Areals, das Kunst- und Kreativquartier am Köllnischen Park,
die Grundschule in der Adalbertstraße oder die Neugestaltung der
Rungestraße /Am Köllnischen Park.
Wer mehr über die BV erfahren möchte, dem sei deren sehr gut aufbereitete Website empfohlen. Hier findet man auch Hintergründe und
aktuelle Informationen zum Sanierungs- und Fördergebiet, Stellungnahmen, Protokolle der BV-Sitzungen oder Beratungsadressen. Es
lohnt sich, regelmäßig hinein zu schauen: www.luise-nord.de
us
Nächste Sitzung der BV am 21. 5., 18.30 Uhr, Stadtteilladen dialog 101.
Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel hat seine Anwesenheit
­zugesagt, um sich mit der BV über »Dauerbrenner« wie Spätis, Busparkplätze, A&O-Hostel, Müll auszutauschen.

Geplant: Erneuerung der Rungestraße / ­
Am Köllnischen Park

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—  E C K E D E S M O N AT S

Die Rungestraße und die Straße Am Köllnischen Park sollen mit Mitteln aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz erneuert werden. Das bezirkliche Straßen- und
Grünflächenamt (SGA) hat einen Vorentwurf erarbeitet,
Anfang April wurde bei einer Vor-Ort-Begehung, die ihren
Abschluss im Stadtteilladen fand, allen Interessierten aus
dem Gebiet der Vorentwurf vorgestellt und diskutiert.
Ziel der Straßenmaßnahme ist die Sanierung der Fahrbahnen, Gehwege und der Beleuchtung sowie die Verbesserung
der Querungsmöglichkeiten für Fußgänger an den Kreuzungsbereichen und im Straßenverlauf. Dabei wird der
Straßenraum zugunsten der Fußgänger umgestaltet, indem die Gehwege beidseitig um einen halben Meter verbreitert werden.
Die bisherige Parkaufstellung mit einseitigem Längs- und
einseitigem Querparken wird durch beidseitiges Längsparken ersetzt. Die Fahrbahnen werden asphaltiert, die Parkflächen mit Großsteinpflaster markiert. Die typische Gehweg- und Pflasterungsstruktur mit Ober- und Unterstreifen
sowie mittiger Gehbahn wird wiederhergestellt.
Außerdem sollen Fahrradbügel insbesondere an den Knotenpunkten aufgestellt werden. In der Straße Am Köllnischen Park können einige Straßenbäume neu gepflanzt
werden.

Auf der Standspur

Ch. Eckelt (2)

Angebote und Nutzungsmöglichkeiten
im frisch sanierten Stadtteilladen

Im Rahmen der Stadtteilkoordination stellt der Bezirk in
jeder der zehn Bezirksregionen jeweils 5000 Euro pro Jahr
zur Verfügung. Damit sollen Aktionen des freiwilligen
Enga­gements unterstützt werden, die die Bewohnerschaft
aktiv werden lassen und die Nachbarschaften zu stabilisieren. Auch in diesem Jahr besteht wieder die Möglichkeit,
für kleine Aktionen Mittel bis zu 500 Euro bei der Stadtteilkoordination zu beantragen. Der Beirat zur Vergabe der
Mittel aus der Stadtteilkasse entscheidet über die eingegangenen Beiträge.
Stadtteilkoordination, Kreativhaus e.V., Fischerinsel 3,
10179 Berlin, Ansprechpartner: Dr. Sylvia Euler
Telefon (030) 238 09 13 oder (0176) 21 88 35 54

Man kann nicht behaupten, dass sich in Berlin niemand
für die Probleme interessiert, die der rapide steigende
Fremdenverkehr der Stadt so mit sich bringt. Allerdings
kann man auch nicht gerade sagen, dass die Stadt dabei auf
die Tube drückt und Tempo vorlegt.
Zum Beispiel der Busverkehr: Busparkplätze sind knapp in
der Innenstadt, hier im Bild: die Situation am Märkischen
Museum. Besondere Probleme bereiten in der Nördlichen
Luisenstadt jedoch die Köpenicker Straße und hier vor allem die Situation an der Einmündung der Adalbertstraße.
Bereits im Oktober 2017 hatte die BVV Mitte deshalb das
Bezirksamt ersucht, »geeignete Maßnahmen zu ergreifen,
so dass Reisebusse nicht mehr in zweiter Reihe von dem
AO-Hostel in der Köpenicker Straße parken«.
Im April 2019, also rund 18 Monate später, antwortete das
Bezirksamt: »Die vor dem Hostel zur Verfügung stehende
Parkfläche beträgt in der Breite nur 2,2 Meter. Damit ist
diese Fläche für Reisebusse zu knapp bemessen. Benötigt
werden 2,5 Meter. Die Verbreiterung des Parkstreifens und
die daraus resultierende Einengung der Fahrbahn bedürfen
aber der Zustimmung der zuständigen Verkehrslenkung
Berlin (VLB). Die VLB wurde um Prüfung gebeten, ob eine
Verbreiterung und Verlängerung der Parkstreifen auf 2,50
m auf einer Länge von 80 Metern (5 Buslängen) möglich
ist. Die VLB hat zwischenzeitlich mitgeteilt, dass sie sich
dieser Angelegenheit erst im Anschluss an die vorrangige
Errichtung einer Mittelinsel (Querungshilfe für den Fußverkehr) auf der Köpenicker Straße in Höhe der Adalbertstraße annehmen wird. Ein genauer Termin hierfür steht
noch nicht fest.«

6 —— E CKE KÖP ENIC KER

E CKE KÖPE NI CKE R—— 7

Binnen sieben Jahren
verzehnfacht

ding liegt der Bodenrichtwert für Wohngrundstücke inzwischen um rund ein Drittel darüber, in Moabit um fast die
Hälfte – in der Luisenstadt notiert er dagegen auch unter
Berücksichtigung der Inflation um mehr als das Dreifache
über dem von purer Spekulation angetriebenen Maximalwert der 1990er Jahre.

Der rasante Anstieg der Bodenwerte
in der Luisenstadt

Zuvor jedoch hatte der vom Gutachterausschuss ermittelte
Bodenrichtwert zwanzig Jahre lang nur eine Entwicklungsrichtung gekannt: nach unten. Auf dem Höhepunkt der
Hauptstadteuphorie in den frühen 1990er Jahren stand er
für dieses Gebiet schon einmal bei 4.000 DM pro Quadratmetern: In heutigen Preisen gerechnet, also unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen allgemeinen Preissteigerung, wären das etwa 2.900 Euro. Allerdings sind die
Werte nur bedingt vergleichbar: Denn Mitte der 1990er
war das heutige Sanierungsgebiet noch als Teil eines Gewerbegebiets mit GFZ 3,5 (siehe Glossar) geführt, heute
gilt es als Mischgebiet mit einer GFZ von 2,5.
Goldgräberstimmung schon Anfang der 1990er

Ähnlich schwankte über die Jahre auch die Eingruppierung
des Heinrich-Heine-Viertels und des ehemaligen Mauerstreifens. Um einen langfristigen Überblick zu bekommen,
lohnt sich deshalb der Blick auf die Entwicklung des Bodenwertes im Kreuzberger Teil der Luisenstadt. Dort gibt
es zudem auch Daten aus der Zeit vor dem Mauerfall. Im
Wrangelkiez am Mariannenplatz liegt der aktuelle Bodenrichtwert aktuell zwar »nur« bei 4.000 Euro/qm und bleibt
damit unter den Werten der Luisenstadt im Bezirk Mitte,
wo außerhalb des Sanierungsgebiets (5.000 Euro /qm) inzwischen schon 5.500 Euro /qm (südlich der Köpenicker
Straße, Wohngebiet GFZ 2,5, zeitweise auch Wohngebiet
GFZ 1,2 ) beziehungsweise 6.000 Euro /qm (nördlich der
Köpenicker Straße, Mischgebiet GFZ 2,5) erreicht werden.
Dagegen ist der Wrangelkiez im Beobachtungszeitraum
kontinuierlich als Wohngebiet mit einer GFZ von 2,5 geführt. Die Dynamik auf dem lokalen Wohnungsmarkt tritt
hier somit klarer hervor.
In den 1980er Jahren kletterte der Bodenrichtwert im
Wran­gelkiez in heutigen Preisen gerechnet schon deutlich:
von 412 Euro zu Anfang des Jahres 1981 um fast die Hälfte
auf 605 Euro zu Anfang des Jahres 1989. Auch damals war
schon viel von Wohnungsnot in Westberlin die Rede, weil
Anfang 1988 die Mietpreisbindung im Altbau aufgehoben
worden war. Zudem wurde vor allem in Kreuzberg in den
1980ern viel öffentliches Geld in die Sanierung der Bausubstanz gesteckt. Nach dem Mauerfall jedoch schnellten
die Bodenwerte rapide in die Höhe und erreichten 1993 in
heutigen Preisen gerechnet ca. 1550 Euro /qm, also etwa

Ch. Eckelt

Der Boden, auf dem Berlin gebaut ist, wird immer wertvoller
– und vor allem der unter der Luisenstadt. Im Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt zum Beispiel erhöhte sich der
Bodenrichtwert im vergangenen Jahr von 4.500 auf 5.000
Euro pro Quadratmeter und stieg damit um 11 %. Und in
den Vorjahren war er geradezu explodiert: Seit 2012 hat er
sich glatt verzehnfacht.

das Zweieinhalbfache des Wertes von 1989. Damals herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung in der Stadt.
­Berlin wähnte sich als Nabel der Republik und realisierte
erst Mitte der 1990er allmählich, dass die deutsche Wirtschaft keinesfalls daran dachte, ihre Schaltzentralen wie in
der Vorkriegszeit in die deutsche Hauptstadt zurück zu
verlegen.
Danach ging es lange Zeit nur bergab

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre brachen die Bodenwerte überall in Berlin kräftig ein. Eine Folge davon war
die Berliner Bankenkrise des Jahres 2001, die der Stadt einen riesigen Schuldenberg hinterließ und die Politik zu
Panikaktionen wie dem aus heutiger Sicht kaum noch
nachvollziehbaren Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft
GSW nötigte. Im Wrangelkiez erreichte der Bodenwert
preisbereinigt während des Jahres 2003 wieder das Niveau
vom Ende der 1980er Jahre. Und er verfiel weiter. Im Jahr
2006 landete er bei damals 340 Euro und verharrte auf diesem extrem niedrigen Niveau bis 2010.
Ab 2011 begannen der Bodenwert wieder zu steigen – erst
langsam, ab 2013 kräftiger und ab 2015 explosiv. Den größten Sprung machte er im Jahr 2016, als er sich von 1.100
Euro /qm auf 2.200 Euro / qm glatt verdoppelte und im Jahr
2017, als er erneut um 1.300 Euro / qm zulegte. Im vergangenen Jahr stieg er dann »nur« noch um 500 Euro, also um
mehr als den Wert, auf dem er zuvor ein ganzes Jahrzehnt
lang verharrt hatte, was man aber inzwischen fast schon
mit Erleichterung zur Kenntnis nimmt. Auch in heutigen
Preisen gerechnet, hat er sich in den 2010er Jahren damit
mehr als verzehnfacht.
Extremer Höhenflug überrascht Wirtschaft
und Politik

In anderen Teilen Berlins war die Entwicklung ähnlich: Im
Wedding zum Beispiel hat sich der reale Bodenrichtwert
seit seinem Tiefstand ungefähr versiebenfacht, in Moabit
versechsfacht und in Spandau mehr als vervierfacht. In
Spandau hat er seinen vorläufigen Höchstwert aus der
Haupstadteuphorie gerade erst wieder erreicht, im Wed-

Das wirft natürlich ein Licht darauf, wie die Immobilienmärkte inzwischen die unterschiedlichen Lagen in Berlin
beurteilen und wo sie das Zentrum der Wachstumsdynamik verorten. Über die tieferliegenden Gründe des erneuten Gipfelsturms der Bodenwerte werden sich aber die
künftigen Wirtschaftshistoriker wohl noch viele Jahre Gedanken machen. Denn so richtig erklären kann eigentlich
noch keiner, warum die Stadt sich ab Mitte der 2010er Jahre zum Spitzenreiter der Bundesländer beim Wirtschafts-,
vor allem aber beim Jobwachstum mauserte, während es in
den Jahrzehnten zuvor eigentlich immer nur hart darum
kämpfen musste, nicht ständig Tabellenletzter in diesen
Disziplinen zu sein. Nicht nur die Immobilienmärkte, sondern auch die politischen Eliten der Stadt wurden ja völlig
von dieser Wende überrascht.
Möglicherweise hat es etwas mit der Bankenkrise von 2001
zu tun, die Berlin für die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise von 2008 immunisierte. Auch die Freizügigkeit für osteuropäische EU-Bürger, die in Deutschland ab
2011 bzw. 2014 in Kraft trat, mag eine Rolle spielen. Jedenfalls steigt die Bevölkerungszahl in Berlin seitdem kräftig,
vor allem in der Innenstadt – so wuchs der Bezirk Mitte
zwischen 2012 und 2019 um 50.000 Einwohner bzw. 15 %.
Und nachdem der vorhandene Leerstand abgebaut war,
wirkte sich die starke Nachfrage nach Wohnraum natürlich auf die Bodenrichtwerte aus.

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—————————————————  G LO S S A R
Bodenrichtwert

Die Bodenrichtwerte für Berlin werden jährlich vom Gutachterausschuss ermittelt und auf einer Bodenwertkarte
veröffentlicht. Sie sollen den Wert des Bodens ohne die
darauf errichtete Bebauung in verschiedenen Lagen wieder­
geben, wobei sich die Werte konkreter Grundstücke im
Einzelfall natürlich unterscheiden können. Die Bodenricht­
werte dienen z.B. als Grundlage von Verkehrswertermittlungen.
Zur Ermittlung der Bodenrichtwerte werden alle Grundstücksverkäufe eines Jahres erfasst und ausgewertet. Dabei
wird der Wert der Gebäude vom Kaufpreis abgezogen. Bei
Mietshäusern wird dabei nach dem Ertragswertverfahren
vorgegangen. Wenn, wie in den vergangenen Jahren der
Fall, die Verkaufspreise von Grundstücken stärker steigen
als die Mieteinkünfte aus den darauf errichteten Gebäuden,
dann steigen die Bodenrichtwerte also umso schneller.
GFZ

Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt das »Maß der baulichen Nutzung« an, also wie dicht ein Grundstück bebaut
werden darf. Eine GFZ von 2,5 zum Beispiel bedeutet, dass
auf einem 1.000 Quadratmeter großen Grundstück maximal 2.500 Quadratmeter Geschossfläche errichtet werden
düfen. Die wiederum berechnet sich nach den Außenmaßen aller Vollgeschosse – also Erdgeschoss und Obergeschossen – inklusive der Außenmauern, Flure und Treppenhäuser, aber ohne Keller. Bei einer GFZ von 2,5 darf
also die Hälfte des Grundstücks mit 5 Vollgeschossen überbaut werden.
Gutachterausschuss

»Stabiles« Betongold?

Die Wucht des Anstiegs der Bodenwerte erklärt sich damit
aber noch nicht. Hier spielen auch die extrem niedrigen
Zinssätze eine große Rolle, die in den 2010er Jahren, vor
allem aber seit 2014 in der Eurozone herrschen. Weil die
Finanzierungskosten niedrig sind und weil viele Anleger
Mühe haben, überhaupt noch eine Rendite bei ihren Finanzanlagen zu erzielen, die nicht gleich wieder von der
Inflation aufgefressen wird, fliehen viele ins vermeintlich
stabile »Betongold«. Aus Berliner Sicht kann man freilich
bezweifeln, dass das wirklich so stabil ist.
Denn die Frage ist jetzt natürlich, ob die Talfahrt der Bodenwerte in den 2020er Jahren aufs Neue beginnt. Dagegen spricht, dass ganz anders als zu Beginn der 1990er, die
Wirtschaft in Berlin tatsächlich nachhaltig wächst. Jobs
werden nicht abgebaut, sondern entstehen in großer Zahl
neu, die Kaufkraft steigt und viele Menschen kommen in
die Stadt, weil sie hier Arbeit finden. Wohnraum ist wieder
knapp und nachgefragt. Auf der anderen Seite vollzieht
sich der neue Wirtschaftsboom bei einem abstrus niedrigen Zinsniveau und steht daher auf wackligen Beinen.
Falls die Zinssätze wieder Normalmaß erreichen, würden
wohl auch die Bodenwerte wieder in den Keller gehen –
diesmal aber nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten
Eurozone. 
cs

Der Gutachterausschuss ist ein vom Land Berlin berufenes
Gremium, das auf Grundlage genauer gesetzlicher Vorschriften jährlich die Bodenrichtwerte ermittelt. Gutachterausschüsse gibt es in allen Bundesländern, allerdings
veröffentlichen nicht alle die Bodenrichtwerte in kostenlos zugänglichen Bodenwertkarten wie Berlin. Hier kann
man sich eine gute Übersicht auf der Website fbinter.stadtberlin.de/boris bzw (für Bodenwerte vor 2002) auf dem
Geoportal des Landes Berlin (FIS-Broker) verschaffen.
Die Entwicklung der Bodenwerte in der Luisenstadt 1981 bis 1991

Wrangelkiez, 1981–1995: zweijährlich, 1995–2019: jährlich, in Preisen von 2019
Quelle: Gutachterausschuss Berlin
4500
4000
3500
3000
2500
2000
1500
1000
500
0
1981

1985

1990

1995

2000

2005

2010

2015

2019

Ch. Eckelt

8 —— E CKE KÖP ENIC KER: TH EMA

Umweltpreis
Berlin-Mitte 2019
Mit der Ausschreibung des Umweltpreises würdigt das Bezirksamt Mitte auch 2019 das Engagement von Bürgern,
Kindern und Jugendlichen sowie Vereinen, Verbänden und
Gewerbetreibenden für Umwelt und Natur.
Gewünscht ist eine große Vielfalt an innovativen Beiträgen
sowie pfiffigen Ideen. Die Einreichungen können sich sowohl auf geplante als auch bereits durchgeführte Projekte
beziehen. Der inhaltlichen Ausrichtung, Umsetzung und
Präsentation sind dabei kaum Grenzen gesetzt.
Teilnehmen können Personen und Gruppen, die in Mitte
wohnen, arbeiten oder lernen.
Das Umwelt- und Naturschutzamt, Schulamt und Jugendamt stellen gemeinsam ein Preisgeld von 3000 € zur Ver­
fügung. Dem hohen Stellenwert der Umweltbildung und
Naturerfahrung wird mit dem Sonderpreis »Schulgärten –
Gärten für die Kleinen der Stadt« Rechnung getragen. Dafür haben der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.
und der Verlag W. Wächter 1000 € bereitgestellt. Der Preis
des Umwelt- und Naturschutzamtes für besonders nachhaltige Projekte wird zum wiederholten Mal mit 500 € ausgelobt.
Die Anmeldung muss bis Montag, den 13. Mai 2019 um
16 Uhr durch Einreichung einer zweiseitigen Kurzpräsentation im Format A4 per Post, Fax oder E-Mail im SchulUmwelt-Zentrum Mitte erfolgen. Auch eine persönliche
Abgabe ist möglich.
Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 29. Mai
2019 um 13 Uhr ebenfalls im Schul-Umwelt-Zentrum statt.
An diesem Tag präsentieren die Teilnehmer ihre Beiträge

E CKE KÖPE NI CKE R—— 9

Bauarbeiten an der Eisfabrik

—————————
————————————————————

LESER-ECKE

Am Kessel- und Maschinenhaus der
alten Eisfabrik haben Bauarbeiten begonnen. Für die Arbeiten im Gebäu­
deinneren liegt auch eine entsprechen­
de Baugenehmigung des Stadtentwick­
lungsamts vor. Eine sanierungsrecht­
liche Genehmigung für die denkmalgerechte Erneuerung stand nach
Aus­­kunft der zuständigen Amtsmitarbeiterin jedoch noch aus. Konflikte
mit dem unmittelbar benachbarten
Teepeeland gab es bislang nicht, dieses
habe einen guten Kontakt zum verantwortlichen Bauleiter.

ab 9 Uhr vor einer unabhängigen Jury. (Der Veranstaltungs­
ort ist nur teilweise barrierefrei. Bei Bedarf bitte mit dem
SUZ in Verbindung setzen.)
Das Ausschreibungsformular ist in allen Bürgerämtern und
Bibliotheken des Bezirks verfügbar und kann auch per EMail oder Post zugesandt werden.
Weitere Informationen: Umweltladen Mitte,
Karl-Marx-Allee 31, 10178 Berlin, Telefon (030) 901 82 20 81,
umweltamt.uwl@ba-mitte.berlin.de
oder
Schul-Umwelt-Zentrum Mitte (SUZ), Scharnweberstraße 159,
13405 Berlin, Telefon (030) 49 87 04 09, info@suz-mitte.de

Abriss des alten Schulgebäudes Adalbertstraße

Viele Anwohner wird es freuen: Endlich haben auf dem Grundstück
Adalbertstraße 53 / Melchiorstraße 18 die Vorbereitungen zum Abriss
begonnen. Zuvor war das eher notdürftig abgesperrte Grundstück
zum Ärger vieler Anwohner zur wilden Müllhalde verkommen.
Nach Abschluss erster vorbereitender Maßnahmen (u.a. einer Schadstoffsanierung) auf dem ca. 11.200 Quadratmeter großen Areal soll
der Abriss des ehemaligen Schulgebäudes und der Turnhalle Ende
Mai beginnen. Mit der Fertigstellung der Abrissmaßnahme wird
­Mitte Dezember des laufenden Jahres gerechnet. Die Gesamtkosten
belaufen sich auf ca. 1.45 Mio. Euro.
Anschließend soll auf dem Areal, wie in der letzten Ausgabe ausführlich berichtet, baldmöglichst eine neue vierzügige Grundschule mit
einem völlig neuen Raumkonzept als Typenbau in modularer Bauweise errichtet werden. Dazu gehört auch eine neue Doppel-Sporthalle.
Der vom Senat angestrebte Eröffnungstermin im Jahr 2022 ist allerdings sehr sportlich kalkuliert. Doch die Zeit drängt: Angesichts des
Mangels an Schulplätzen und des gestiegenen Bedarfs wird die neue
Grundschule mit wesentlich mehr Plätzen dringend benötigt.
us

Betr.: Schule Adalbertstraße

in Ihrer Zeitschrift »ecke köpenicker« fand ich den Bericht
über die geplante Schule interessant. Meine Kinder sind
dort zur Schule gegangen. Ich habe Ostern 1973 in der
Schule Quartier gehabt, wir wurden dort in einem Wochen­
endlehrgang auf die Weltfestspiele eingeschworen. Ich studierte zu dieser Zeit und war in der Ordnungsgruppe der
FDJ. Bis dahin war ich weder in der FDJ noch in der Ordnungsgruppe, aber man verpflichtete uns, oder es drohte
die Exmatrikulation.
Ich schreibe Ihnen aber, weil ich ein altes Foto von der
Ecke Melchiorstraße / Ecke Adalbertstraße habe. Auf der
Straße ist außerdem noch ein elektrisch betriebenes Lastauto der Post zu sehen, vom nahen Postfuhrhof. Als Anlage
schicke ich Ihnen das Foto.
Achim Küster, Michaelkirchplatz 8
Betr.: Runder Tisch Köpenicker

Bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, wie das Bezirksamt mit dem Thema »Runder Tisch« umgeht. Allein
schon die Sitzungszeit zwischen 11 und 13 Uhr sprach deutliche Worte darüber, wie sehr die Beteiligung breiter Bevölkerungskreise gewünscht ist. Nämlich sehr wenig. Hinzu kommen fehlende Information und Kommunikation im
Gebiet, wahrscheinlich kennt kaum jemand diese Einrichtung/en. Dabei sind diese wichtig, schon auf Grund der
Vernetzung zwischen vielen Akteuren im Gebiet und der
Verwaltung. Leute, die sonst nur schriftlich oder nie miteinander Kontakt haben, kommen ins Gespräch.
Meinerseits wurde bereits mehrfach ein »Runder Tisch«
für den Luisenstädtischen Kanal mit dem Engelbecken so-

wie den Michaelkirchplatz vorgeschlagen. Das Bezirksamt
steht dem eher ablehnend gegenüber, interessiert sich
­offenkundig nicht einmal für die Gründe für diesen Vorschlag, mag scheinbar auch nicht darüber sprechen. Die
Themen um dieses Gartendenkmal (sowohl in Mitte als
auch Kreuzberg) sind sehr vielfältig. Viele kümmern sich
dankenswerter Weise, doch vernetzt sind die wenigsten.
Themen werden von verschiedensten Seiten an das Bezirksamt herangetragen und einzeln beantwortet. Informationen via Webseite des Bezirksamts: gleich Null, ebenso fehlen Pressemitteilungen. Hauptquelle für Informationen
sind die schriftlichen Anfragen und Drucksachen der BVV
Mitte. In Kreuzberg findet das Thema Luisenstädtischer
Kanal gar nicht statt, obwohl dort die Situation auch extrem schlecht ist. Seit Monaten warten wir auf das Gutachten, dessen Erstellung in der BVV beschlossen wurde, und
Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität. Nach
wie vor offen sind Maßnahmen gegen Radfahrer, insbesondere rings um das Engelbecken), Vermüllung, Zerstörungen und Verschmutzungen durch Menschen und Hunde
(man sehe sich die Wiesen im Rosengarten und auf dem
Michaelkirchplatz an) und die Fütterung von Wildvögeln.
Ein Nutzungskonzept gibt es nicht. Aufsicht fehlt. Drogenhandel- und Konsum, Sondernutzungen ohne Genehmigung u.s.w. sind immer wieder feststellbar. Wenn es mit der
Situation am Engelbecken so weitergeht, sehe ich schwarz
für dessen Erhalt. Die Verwaltungen beider Bezirke sollten
das Potential der engagierten Anwohner und »Fans« des
Engelbeckens etc. nutzen und endlich mit uns in einen
Dialog treten. Der Runde Tisch wäre dafür eine sehr gute
Gelegenheit. Über Unterstützung bei der Gründung eines
solchen würde ich mich sehr freuen.
Jörg Simon, »Facebookgruppe die Berliner Luisenstadt,
ein Stadtteil von Mitte und Kreuzberg«

Endlich wieder: Runder Tisch Köpenicker Straße

Dass der Runde Tisch Köpenicker Straße in den letzten
Monaten vor sich hin dümpelte und schließlich ganz ausfiel, hatte bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern für
großen Unmut gesorgt. Schließlich ist dies der Ort, wo aktuelle Probleme im Gebiet (Lärm, Müll, Unsicherheit
durch Drogendealer, Belastungen durch Clubs und Touristenströme etc.) aufgenommen und diskutiert werden und
wo nach Lösungen gesucht wird. Und an Problemen im
öffentlichen Raum mangelt es der Nördlichen Luisenstadt
wirklich nicht.
Doch aufgrund personeller Unterbesetzung des Bezirks­
amts waren die regelmäßigen Termine im letzten halben
Jahr gänzlich ausgefallen. Nun kündigte der Bezirk Besserung an. Laut Bürgermeister Stephan von Dassel soll es ab
Mai für alle bereits bestehenden Runden Tische im Bezirk
eine verbindliche Jahresplanung geben und neue könnten
entstehen.
Die nächste Sitzung des Runden Tisches Köpenicker Straße
findet nun am Dienstag, den 7. Mai um 11 Uhr im Stadtteil­
laden »dialog 101« in der Köpenicker Straße 101 statt. Alle
Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, an der Sitzung teilzunehmen!
us

10 —— KI E ZG ESC HIC HTE

Das Rauchhaus mitten in der Luisenstadt
Der Mariannenplatz war blau, so viel Bullen waren da. So beginnt Rio Reisers Rauchhaus-Song der Band »Ton Steine
Scherben«, die von ihren Fans immer nur »Die Scherben«
oder »Scherben« genannt wurde. Das Lied hörte ich zum
ersten Mal ungefähr Mitte der 1980er Jahre, und zwar von
der echten Schallplatte »Keine Macht für Niemand« am
Rangsdorfer See, Kreis Zossen, Bezirk Potsdam, südwestlich der Hauptstadt der DDR. Wir staunten, was an Anarchie in der BRD möglich war, schon dass von »Bullen« gesungen wurde, fanden wir erstaunlich mutig.
Als gerade 16jähriger Schriftsetzerlehrling in Berlin ahnte
ich nicht die Nähe des legendären Rauchhauses zur Berufsschule in der Michaelkirchstraße, nämlich keinen Kilometer entfernt, aber unerreichbar auf der westlichen Seite der
Mauer. Viele halten das Hauptgebäude des Bethanien für
das Rauchhaus, aber tatsächlich ist es nur das nördliche
Nebenhaus am Bethaniendamm.
Inzwischen radle ich als Fahrrad-Guide fast jeden Tag daran vorbei, der Todesstreifen ist jetzt ein Park. Da es kaum
möglich ist, den Touristen die Geschichte dieses Gebäudes
ausführlich zu erzählen (»Zu speziell!«), möchte ich sie
hier anreißen.
Erbaut wurde dieser Teil des Krankenhauses Bethanien am
Mariannenplatz 1A von 1893 bis 1894. Es hatte den Namen
Martha-Maria-Haus und war Schwesternwohnheim und
Lehrstätte für ungefähr 20 Diakonissinnen. Erst 1910 bis
1911 wurde das Gebäude zum Bethaniendamm hin erweitert.
Zum Georg-von-Rauch-Haus oder kurz Rauchhaus wurde
es am 8. Dezember 1971 nach dem Aufruf bei einem Konzert der Scherben an der Technischen Universität. Anlass
der Veranstaltung war die Erschießung Georg von Rauchs
wenige Tage zuvor durch die Polizei. Aufgeklärt wurde die

Bluttat nie. Rauch war ein Stadtguerillero und umherschweifender Hasch-Rebell aus der Wieland-Kommune.
Das Haus sollte abgerissen werden und stand leer. Die
Nacht wurde dramatisch und abenteuerlich. Hunderte versammelten sich am Mariannenplatz, schlüpften durch ein
Loch im Maschendraht, das immer größer wurde.
Der Mariannenplatz war blau, so viel Bullen waren da. Und
Mensch Meier musste heulen. Das war wohl das Tränengas.
Und er fragte irgendeinen: »Sag mal ist hier heut ein Fest?«
»Sowas Ähnliches« sagte einer, »Das Bethanien wird besetzt.«
»Wird auch Zeit«, sagte Mensch Meier, »stand ja lange genug
leer. Ach wie schön wär doch das Leben, gäb es keine Pollies
mehr.« Doch der Einsatzleiter brüllte: »Räumt den Mariannen­
platz, damit meine Knüppelgarde genug Platz zum Knüppeln
hat!«
Die Polizei war wirklich nicht zimperlich und versuchte,
mit Schlagstöcken und Tränengas die Menschenmasse auf
dem Mariannenplatz zu vertreiben. Aber das Rauchhaus
war schon verbarrikadiert und es kam zu Verhandlungen
und zu einem Nutzungsvertrag. Jetzt zog neues Leben ein.
Es wurde als Anlaufstelle für jugendliche Trebegänger
überregional bekannt. Unzählige Jugendliche fanden und
finden hier in Krisensituationen ein vorübergehendes Zuhause. Viele der jungen Berliner, die unsere Stadt so attraktiv machen, kamen als erstes hier unter.
Das Rauchhaus lebt, dort finden Solipartys für die KVU,
Punk- und Electrotrash-Konzerte statt, am 8. Juni das alljährliche Sommerfest mit italienischem Surf’n’Roll der
Banda Veleuo und Stereo Total. Vernetzt ist das Rauchhaus
unter anderem mit Machmayoga, der Spukkommune, dem
Tommy-Haus, der Koepi, natürlich dem New Yorck und
dem Magazin Stressfaktor.
Mit dem Rauchhaus begann die Hausbesetzerbewegung in
Westberlin, von der wiederum nach dem Mauerfall die
Haus­besetzer in Ostberlin angespornt waren. Mit vielen
gallischen Dörfern, also selbstverwalteten Häusern, leisten
sie der Gentrifizierung Widerstand.
Die Leute im besetzten Haus riefen: »Ihr kriegt uns hier nicht
raus! Das ist unser Haus – schmeißt doch endlich Schmidt und
Press und Mosch aus Kreuzberg raus!«
Wer Schmidt und Press und Mosch waren, weiß heute niemand mehr. Aber man kann die Namen durch die derzeitigen größten Bösewichte der Wohnungsspekulation ersetzen, beispielsweise die Deutsche Wohnen, und statt Kreuzberg jeden beliebigen Bezirk einsetzen. Der Song scheint
dann noch aktueller als in der Zeit, als er geschrieben wurde.
Das Rauchhaus ist heute das älteste noch existierende Berliner Hausprojekt in Selbstverwaltung. Seit 1990 lebe ich
in einem ähnlichen Hausprojekt in der Lottumstraße. Wir
schulden dem Rauchhaus viel.
Falko Hennig
Der Autor lädt täglich zum Stadtspaziergang »Ton Steine
Scherben« durch die Luisenstadt ein (Start 15 Uhr,
U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße Ecke Köpenicker),
2h / €12,–, min. 5 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich,
Telefon (0176) 20 21 53 39. http://falko-hennig.blogspot.de
Dem zukünftigen Autor werden 1988 die Haare geschnitten,
dem Jahr, in dem er Rio Reiser in der Werner-SeelenbinderHalle sah.

Das Dutzend ist voll
Bezirk weitet Milieuschutz aus
Am 7. März 2019 hat das Bezirksamt mit dem den Erlass
einer Erhaltungsverordnung für das Gebiet »Alexanderplatzviertel« das zwölfte Milieuschutzgebiet im Bezirk
Mitte festgesetzt. Somit leben rund 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks in »sozialen Erhaltungsgebieten« – etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung.
»In Milieuschutzgebieten sind Wohnungsmodernisierungen genehmigungspflichtig. Der Eigentümer muss daher
die geplanten Maßnahmen und die Miete nach Modernisierung mit dem Bezirksamt abstimmen. Hierdurch ist gewährleistet, dass Verdrängung durch Modernisierung sehr
stark eingeschränkt werden kann«, erläutert der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit
Ephraim Gothe. Nach der Umwandlungsverordnung vom
3. März 2015 benötigen darüber hinaus auch Umwandlungen in Eigentumswohnungen in Milieuschutzgebieten
eine Genehmigung durch den Bezirk. Die wird kurzfristig
aber nur erteilt, wenn die Wohnungen an die bisherigen
Mieter veräußert werden – für Immobiliengesellschaften,
die als Geschäftsmodell den Kauf von Mietwohnungen mit
anschließender schneller Umwandlung haben, sind Milieu­
schutzgebiete deshalb nicht attraktiv.
Darüber hinaus besteht bei Grundstücksverkäufen ein Vorkaufsrecht des Landes Berlins, von dem es in jüngster Zeit
auch rege Gebrauch macht – zuletzt etwa für die Prinzenallee 36 im Wedding und für die Rathenower Str. 59 in

Moabit. Vorrangiges Ziel dabei ist jedoch der Abschluss
einer »Abwendungsvereinbarung« mit dem neuen Eigentümer, in der er sich zur Einhaltung von besonderen Mieterschutzklauseln verpflichtet. Für die Bewohnerinnen und
Bewohner der bereits länger bestehenden Milieuschutzgebiete sind darüber hinaus spezielle Mieterberatungen eingerichtet (siehe Seiten 12 und 13), für die drei neuesten
Gebiete in Mitte (»Thomasiusstraße«, »Tiergarten-Süd«,
»Alexanderplatzviertel«) soll dies ab Mitte des Jahres 2019
erfolgen.
In ganz Berlin gibt es derzeit 57 Milieuschutzgebiete, die
meisten in Pankow (13), gefolgt von Mitte (12), Friedrichshain-Kreuzberg (9), Tempelhof-Schöneberg (8) und Neukölln (7), aber auch Treptow-Köpenick (3), Lichtenberg (2),
Charlottenburg-Wilmersdorf (2) und Reinickendorf (1) haben schon begonnen, die Gebiete einzurichten. Dabei ist
der Kernbereich der Innenstadt von einem nahezu geschlos­
senen Ring aus Milieuschutzgebieten umgeben. Einige
Ortsteile bestehen dabei schon fast vollständig aus sozialen
Erhaltungsgebieten, so etwa Prenzlauer Berg oder Kreuzberg, wo bereits über 80% der Bevölkerung in einem Milieuschutzgebiet wohnt. So weit sind der Wedding und
Moabit noch nicht. Allerdings war der Bezirk Mitte besonders fleißig in der Festsetzung neuer Gebiete: Alle zwölf
Milieuschutzgebiete sind in den vergangenen drei Jahren
entstanden, während z.B. in Pankow im selben Zeitraum
nur drei neue hinzukamen. Wenig Sinn würde dagegen die
Einrichtung von Milieuschutzgebieten in Wohn­gebieten
haben, in denen kommunale Wohnungsbaugesellschaften
oder Wohnungsbaugenossenschaften dominieren, zum
Beispiel im Brunnenviertel, im Hein­rich-Heine-Viertel
oder im Wohngebiet Karl-Marx-Allee II. Bau­abschnitt.  cs

Milieuschutzgebiete im Bezirk Mitte
Für die Bewohnerinnen und Bewohner

der neuen Milieuschutzgebiete im Bezirk finden im Mai
und im Juni Informationsveranstaltungen statt. Dort
stehen Ansprechpartner aus dem Bezirk und von der
­Mieterberatung bereit, auch Bezirksstadtrat Ephraim
Gothe wird anwesend sein.

Bezirksamt Mitte von Berlin, Fachbereich Stadtplanung, Dezember 2018

»Das ist unser Haus!«

AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 11

Thomasiusstraße (Moabit) und Tiergarten-Süd:

Donnerstag, 23.05., von 18 bis 20 Uhr in der Heilandskirche
in Moabit, Thusnelda-Allee 1
Alexanderplatzviertel:

Montag, 27.05., von 18 bis 20 Uhr in der Stadtwerkstatt, KarlLiebknecht-Straße 11
Reinickendorfer Straße und Humboldthain
Nord-West:

Donnerstag, 06.06., von 18.30 bis 20.30 Uhr
(Ort noch unbekannt)
Kattegatstraße und Soldiner Straße:

blau: seit 2016, rot: seit 2018, rot-gestrichelt: seit März 2019

Donnerstag, 13.06., von 18 bis 20 Uhr in der Nachbarschafts­
etage, Osloer Straße 12

AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 13

Vor allem für die
­Milieuschutzgebiete
Die Mieterberatung ­vermittelt auch
den Kontakt zum Bezirk ­

Ch. Eckelt

Für Mieterinnen und Mieter in Sanierungs- und Milieuschutzgebieten sowie in den städtebaulichen Erhaltungsgebieten der nördlichen Luisenstadt hat der Bezirk besondere
Beratungsangebote eingerichtet. Damit beauftragt ist die
»Mieterberatung Prenzlauer Berg«, die auf langjährige Erfahrungen in diesem Metier zurückblicken kann. Während
die Beraterinnen und Berater im Wedding und in Moabit
viel zu tun haben, ist die Nachfrage aus der Luisenstadt bisher aber noch nicht so groß.

gen von Modernisierungen teilweise an Verordnungsmieten gekoppelt, die sich an den durchschnittlichen Mieten
im Gebiet orientieren. Deshalb versuchen einige Vermieter, leer gezogene Wohnungen möglichst unauffällig zu
modernisieren, die Genehmigung zu umgehen und dann
sehr teuer zu vermieten. »Oft erkennt man das daran, dass
in einer Ecke auf dem Hinterhof plötzlich Baumüllcontainer aufgestellt werden. Wir sind für Hinweise immer dankbar und geben diese an das Bezirksamt weiter.« Auch wenn
Wohnungen zweckentfremdet werden, etwa in dem sie
längere Zeit leer stehen oder als Ferienwohnungen vermietet werden, kann der Bezirk aktiv werden, wobei es keine
Rolle spielt, ob im Milieuschutzgebiet oder außerhalb:
»Das kann man inzwischen auch auf der Website der Senatsverwaltung und Wohnen sehr effektiv melden, die das
dann an die Bezirke umgehend weiterleitet. Wir helfen da
gerne weiter.«
»Gute Zusammenarbeit mit dem Bezirk«

»Das hat wohl damit zu tun, dass der Stadtteilladen, in
dem wir an jedem Montag Nachmittag beraten, gerade renoviert worden ist und wir in unserem Ausweichquartier
schwer zu finden waren«, vermutet Anne Klitzing von der
Mieterberatung. Aber natürlich spielt es auch eine Rolle,
dass die Luisenstadt in Mitte noch kein Milieuschutzgebiet
ist, in dem Wohnungsmodernisierungen und Hausver­
käufe grundsätzlich genehmigungspflichtig sind. Das Sanierungsgebiet, in dem ähnliche Genehmigungsvorbehalte
existieren wie in Milieuschutzgebieten, ist relativ klein
und überschaubar: »Da waren wir bei den Wohnungsmietern in von baulichen Maßnahmen betroffenen Häusern
schon längst«, erzählt uns die Mieterberaterin Andrea
Wallroth.

zunächst aber nicht direkt gegenüber ihren Mietern: Erst
wenn sie sich auf die vom Bezirk vorgeschlagenen Vereinbarungen einlassen ist das der Fall. Die individuellen Rechte der Mieter können zudem nur von ihnen selbst durch­
gesetzt werden. Und da hilft es oft ungemein, wenn sie bei
den Nachbarn auch emotionalen Rückhalt finden und
nicht isoliert vorgehen müssen: »Treten Sie in Kontakt mit
Ihren Nachbarinnen und Nachbarn!«, rät Andrea Wallroth.
Dabei ist es natürlich auch sinnvoll, wenn sich die Mieter
größeren Mieterorganisationen anschließen, alleine schon,
um im Konfliktfall nicht riskieren zu müssen, auf Anwaltsund Gerichtskosten sitzen zu bleiben und um schnell und
zügig erfahrene und qualifizierte Mietrechtsanwältinnen
oder -anwälte zu finden.

Aktive Hausgemeinschaften stärken die Mieter

»Wir sind für Hinweise immer dankbar«

Im Wedding und in Moabit ist das anders. Da erfährt die
Mieterberatung normalerweise frühzeitig, wenn in einem
Mietshaus im Milieuschutzgebiet Wohnungen modernisiert werden sollen oder gar der Verkauf des gesamten
Hauses angezeigt wurde. »Wir verteilen Informationsschreiben an jede Mietpartei und meistens melden sich die
Mieter dann bei uns«, erklärt Andrea Wallroth. In Fällen in
denen das bezirkliche Vorkaufsrecht geprüft wird, besuchen die Mieterberater auch die Mieter und sammeln Informationen, die der Bezirk für die Bearbeitung der Anträge braucht – etwa über die aktuelle Miethöhe oder den
Ausstattungsgrad der Wohnungen. Je nach Maßnahmeumfang wird zu einer Mieterversammlung eingeladen: »Dabei finden sich oft die Hausgemeinschaften auch zusammen. Man tauscht dann Informationen aus, wer wo wohnt
und was macht und so weiter. Und das ist hilfreich für die
gegenseitige Unterstützung.«
Die Mieterberatung unterstützt diesen Prozess der Gemein­
schaftsbildung, denn aktive Hausgemeinschaften stärken
die Mieter zusätzlich. In den Milieuschutzgebieten ist der
Schutz der Mieter genau gesehen nur eine Nebenwirkung
des gesetzlich vorgegebenen Ziels der »Erhaltung der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung«. Besondere Pflich­
ten haben die Eigentümer dort der Kommune gegenüber,

Durch die Medien gehen dabei in letzter Zeit oft Fälle, in
denen das Land Berlin von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch
macht. Städtische Wohnungsbaugesellschaften oder Wohnungsgenossenschaften treten an Stelle des Bezirks als
Käufer von Mietshäusern in neu abgeschlossene Kaufverträge ein. Auch in Mitte war das bereits mehrfach der Fall.
Die Mieter der betroffenen Häuser feiern das in der Regel
als großen Erfolg, allerdings enden nicht alle Verfahren auf
diese Weise. Das Land Berlin strebt den Vorkauf auch gar
nicht in jedem Fall an, sondern zielt vor allem auf den Abschluss sogenannter »Abwendungsvereinbarungen«, in denen sich die neuen Eigentümer zur Einhaltung verbindlicher Regeln zum Schutz der Mieter verpflichten – etwa den
Verzicht auf Luxusmodernisierungen. Das kann langfristig
aber nur funktionieren, wenn die Mieter in solchen Häusern auch längerfristig den Kontakt zu Bezirk und Mieterberatung halten.
»Im Wedding und in Moabit melden uns viele Mieterinnen
und Mieter auch, wenn andere Wohnungen in ihren Häusern leer stehen und modernisiert werden«, erzählt Anne
Klitzing. Die Mieterberatung leitet die Information dann
an die zuständigen Stellen im Bezirk weiter, der dann
überprüft, ob die Maßnahmen genehmigt sind oder nicht.
In den Milieuschutzgebieten in Mitte sind Genehmigun-

Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bezirks
arbeitet die Mieterberatung sehr gut zusammen. »Wir haben immer einen konstruktiven Informationsaustausch
mit den Mitarbeitern im Stadtentwicklungsamt die sich
mit Milieuschutz befassen. Die hängen sich richtig rein
und suchen nach Lösungen. Die meisten Eigentümer sind
ja auch kompromissbereit und an solchen Lösungen interessiert, Probleme bereiten da vor allem einige wenige,«
meint Andrea Wallroth. »Aber manchmal reicht auch das
größte Engagement nicht, weil die bundesgesetzlichen
Grundlagen leider nicht mehr hergeben.«
So nutzt das Umwandlungsverbot in Milieuschutzgebieten
zum Beispiel nichts, wenn die Mietwohnungen vor der
Festlegung des Gebiets bereits in Eigentumswohnungen
umgewandelt worden waren, ohne dass die Mieter davon
erfuhren. »Spätestens zehn Jahre nach dem erstmaligen
Verkauf der Wohnung nach der Umwandlung läuft der besondere Mieterschutz aus, etwa vor Kündigungen wegen
Eigenbedarf.« Auch in anderen Bereichen kann sich die
erfahrene Mieterberaterin durchaus bessere Regelungen
vorstellen: »Wir würden zum Beispiel auch in Milieuschutzgebieten gerne formelle Sozialplanverfahren durchführen, wie sie gesetzlich bisher nur für Sanierungs- und
Umstrukturierungsgebiete vorgesehen sind.« Dann könnten die persönlichen Situationen der Mieter im Prozess der
Aushandlung von Modernisierungsmaßnahmen mehr berücksichtigt werden.
Im Stadtteilladen in der Köpenicker Straße 101 berät die
Mieterberatung zudem die Mieterinnen und Mieter öffentlich geförderter Wohnungen in alten Sanierungsgebieten,
darunter auch viele aus Wedding und Moabit. »Wenn da
die Förderung ausläuft und wenn die Miete zuvor zusätzlich subventioniert war, weil ein spezieller Einkommensnachweis des Wohnungsamtes vorgelegt werden konnte,
kann es vorkommen, dass die Nettokaltmiete sprunghaft
um fast die Hälfte steigt«, erläutert Andrea Wallroth, die
hier als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Und gerne
würden sie in dem Stadtteilladen, in dem früher die Heinrich-Heine-Bibliothek untergebracht war, auch mehr Mieterinnen und Mieter aus den Altbau- und Mischgebieten
der Nördlichen Luisenstadt informieren. »Wir beraten auch

zu normalen Mieterhöhungen oder bei Betriebskostenabrechnungen«. Aber das hat sich im Gebiet noch nicht ausreichend herumgesprochen. Doch das ist wahrscheinlich
nur eine Frage der Zeit, denn der ökonomische Druck, der
hier auf dem Wohnungsmarkt lastet, ist selbst für BerlinMitte extrem. 
cs

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——————————————————
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M I E T E R B E R AT U N G

– für die städtebaulichen Erhaltungsgebiete und das Sanierungs­
gebiet in der nördlichen Luisenstadt sowie die Mieterinnen und
Mieter von mit Hilfe öffentlicher ­Mittel umfassend sanierter Wohnungen in den ehemaligen ­Sanierungsgebieten des Bezirks Mitte:
Mo 15–18 Uhr, Stadtteilladen »dialog 101«,
Köpenicker Straße 101, 10179 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 25
– für die Milieuschutzgebiete Birkenstraße, Waldstraße, Akives
­Zentrum Turmstraße:
Mo 16–18 Uhr und Do 10–12 Uhr,
Stadtteilladen Krefelder Straße 1a, 10555 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 23
– für die Milieuschutzgebiete Leopoldplatz, Seestraße, Sparrplatz,
Aktives Zentrum Müllerstraße:
Mo 10–12 Uhr und Do 16–18 Uhr,
Vor-Ort-Büro Triftstraße 2, 13353 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 11
– für die Milieuschutzgebiete Humboldthain Nord-West,
­Reinickendorfer Straße, Kattegatstraße, Soldiner Straße:
Mi 10–12 Uhr, QM-Büro Pankstraße, Prinz-Eugen-Straße 1,
13347 Berlin,
Do 16–18 Uhr, QM-Büro Soldiner Straße, ­
Koloniestraße 129, 13359 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 499 08 44-22 /-11

Ch. Eckelt

12 —— AU S DEM BEZIRK MIT TE

14 —— AU S DEM BEZIRK MIT TE

E CKE KÖPE NI CKE R—— 15

Sanierungsgebiet
­Nördliche
Luisenstadt
Märkisches Museum
Köllnischer
Park

Erhaltungsgebiete

Gebäude der
Senatsverwaltung

Heizkraftwerk
Mitte

ehemalige
Eisfabrik

SenUVK / Wall GmbH

Ch. Eckelt

Stadtteilladen
»dialog 101«
Deutsches
Architekturzentrum (DAZ)

Michaelkirchplatz

HeinrichHeine-Platz

Mehr Toiletten im
­öffentlichen Raum

Anfang April wurde die erste der neuen Toilettenanlagen
eröffnet, die künftig in Berlin auf öffentlichen Flächen bereitstehen. Sie ersetzen die alten City-Toiletten und sollen
noch höhere Qualitätsstandards erfüllen. Auf jeden Fall
sind sie barrierefrei zugänglich und reinigen sich nach jedem Gebrauch vollautomatisch. Bis 2022 soll zudem ihre
Anzahl in der Stadt deutlich ausgebaut werden.

ten aber zunächst einmal das Standardmodell mit nur einer Kabine. Unter anderem am Humboldthain im Wedding
und in der Moabiter Ottostraße kann man das schon besichtigen: es hat eine kompakte, quaderförmige Grundform mit einen steinernen äußeren Erscheinungsbild, das
sich ganz gut in das Stadtbild einfügt. Dazu solle es auch
Varianten mit Pissoirs, mehreren Einzelkabinen und sogar
mit Kiosk geben. Insgesamt 190 dieser neuen Toilettenanlagen sollen in einer ersten Phase bis Ende 2020 aufgestellt
werden, davon 32 an neuen Standorten. Später sollen noch
86 zusätzliche Anlagen hinzukommen, unter anderem
auch oberhalb des U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Zusammen mit bereits existierenden Bestandstoiletten anderer Betreiber und städtischen Anlagen wie beispielsweise
den »WC-Centern« am Alexanderplatz soll sich die Gesamt­
zahl der Toilettenanlagen im öffentlichen Raum Berlin bis
2022 auf insgesamt 366 erhöhen.

Am Weddinger Leopoldplatz zum Beispiel soll bis Ende
2020 an der Stelle der City-Toilette hinter der Bushaltestelle an der Ecke Müller- und Nazarethkirchstraße eine neue
Toilettenanlage mit zwei Einzelkabinen sowie zwei kostenfrei nutzbaren Pissoirs aufgestellt werden. Bisher gibt es
dort nur eine Einzelkabine, die zwar nur den Einsatz von
10 Cent erfordert, dafür aber auch ständig belegt ist. Der
soziale Platzdienst, der dreimal in der Woche in dem Bereich aktiv ist, berichtete dem Runden Tisch Leopoldplatz
im April jedenfalls, dass er täglich rund 15 Männer anspricht, die sich trotz City-Toilette in den Hecken erleichtern. Mit der neuen Toilettenanlage wird sich das hoffentlich ändern – allerdings muss u.a. die Untere Denkmalschutzbehörde der Aufstellung noch zustimmen.
Zudem muss die neue Toilettenanlage noch angefertigt
werden. Die Firma Wall GmbH, die im vergangenen Juni
den Zuschlag für die Umsetzung des Toilettenkonzepts erhielt, produziert in ihrem Werk im brandenburgischen Vel-

Die Ausschreibung des neuen Toilettenkonzepts war u.a.
von Behindertenverbänden stark kritisiert worden. Denn
die bisherigen City-Toiletten der Firma Wall GmbH setzten
auch im internationalen Maßstab einen neuen Standard,
weil sie mit Hilfe besonderer Zugangsschlüssel von Behinderten kostenfrei genutzt werden konnten und auch hygienisch meist deutlich attraktiver waren als ihre Vorgänger.
Allerdings wurde ihr Betrieb nach den alten Toilettenverträgen des Landes Berlin von 1993 nicht direkt aus Landesmitteln finanziert, sondern durch Werberechte im öffentlichen Raum abgegolten. Bei den neuen Ausschreibungen
wurde diese Kopplung aufgehoben. Trotz eines verbesserten Angebots an Toiletten und reduzierter Werberechte
erzielt das Land dabei einen klaren Überschuss, der auch
die gleichfalls durch Werberechte finanzierten Kosten für
den Betrieb öffentlicher Brunnen noch übersteigt: selbst
bei 366 Toilettenanlagen noch um knapp 50 Millionen Euro
pro Jahr.
cs

Die Umsetzung des neuen Toiletten­
konzepts beginnt ­

ehemaliges
Postfuhramt

St. MichaelKirche

Engelbecken

Adressen
Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung,
Soziales und Gesundheit: Ephraim Gothe

Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin
(030) 90 18-446 00
ephraim.gothe@ba-mitte.berlin.de
Bezirksamt Mitte von Berlin,
Stadtentwicklungsamt,
Fachbereich Stadtplanung

Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Fachbereichsleitung: Kristina Laduch,
Tel 901 84 58 45
kristina.laduch@ba-mitte.berlin.de

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
und Wohnen

Referat IV C – Stadterneuerung
Württembergische Straße 6, 10707 Berlin
Joachim Hafen (Gebietsbetreuung
Luisenstadt), Tel 901 39 49 19
joachim.hafen@senstadtum.berlin.de

Treffen jeden dritten Dienstag im Monat
um 18.30 Uhr, Ort bitte erfragen
Ansprechpartner: Volker Hobrack,
Tel 275 47 69, volker.hobrack@gmail.com
bzw: bv.luisenord@gmail.com
www.luise-nord.de

Gebietsbetreuung Luisenstadt (Mitte)

Bürgerverein Luisenstadt

Koordinationsbüro für Stadtentwicklung
und Projektmanagement – KoSP GmbH
Schwedter Straße 34 A, 10435 Berlin
Andreas Bachmann, Tel 33 00 28 39,
­bachmann@kosp-berlin.de
Urte Schwedler, Tel 33 00 28 44, ­
schwedler@kosp-berlin.de
www.luisenstadt-mitte.de

Michaelkirchstraße 2, 9. Etage,
10179 Berlin, Tel/ AB 279 54 08
buero@buergerverein-luisenstadt.de
www.buergerverein-luisenstadt.de
Bürozeiten: mittwochs 14–16 Uhr

Sanierungsverwaltungsstelle

Reinhard Hinz (Gruppenleitung)
Tel 901 84 58 53
reinhard.hinz@ba-mitte.berlin.de
Anke Ackermann, Tel 901 84 57 57
anke.ackermann@ba-mitte.berlin.de
Wolf-Dieter Blankenburg, Tel 901 84 57 21
wolf-dieter.blankenburg@ba-mitte.berlin.de

Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt

Betreuung Programm Städtebaulicher
Denkmalschutz beim Bezirksamt

Birgit Nikoleit, Tel 901 84 57 79
birgit.nikoleit@ba-mitte.berlin.de

Mieterberatung für Mieter im Sanierungs­
gebiet und in den Erhaltungsgebieten

Montag, 15–18 Uhr (jeder 1. und 3. Montag
mit Rechtsanwältin)
Stadtteilladen »dialog 101«
Köpenicker Straße 101, 10179 Berlin
Kontakt: Mieterberatung Prenzlauer Berg,
Tel 44 33 81 25
www.mieterberatungpb.de

Ch. Eckelt

BILDECKE

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Ich weiß nicht, ob es anderen ähnlich geht –
aber jedes Mal, wenn ich am WilhelmineGemberg-Weg Nr. 5 vorbei laufe, wo das
Hochtief-Konsortium residiert, zucke ich un­
willkürlich innerlich zusammen. Das massive Gebäude sieht aus wie in Granit gemeißelte Macht. Die glatte dunkelgraue Fassade

ist geprägt von der stupiden Monotonie
schma­ler, hoher Fenster, die wie Schießscharten wirken. Die Eingänge sind – obwohl sie nicht von Lastenfahrzeugen passiert
werden müssen – einschüchternd hoch,
über­menschlich dimensioniert: Hier würden glatt vier Mann aufrecht übereinander
durchpassen.
Ob hier oder bei den DB-Gebäuden am Nord­
bahnhof, ob beim neuen Bundesinnenministerium oder auch dem BND-Areal an der
Chausseestraße: überall im schönen neuen
Berlin trifft man auf diese gebauten Insignien der Macht, die alles und jeden anonymisieren. Hier gibt es keine Persönlichkeiten
mehr, sondern nur noch Masse, keine Transparenz, nur noch Panzerung.

Dass inzwischen gefühlt das halbe Stadtzentrum mit solchen gesichtslosen, steinernen
Quadern vollgestopft ist, verdanken wir
einer­seits dem städtebaulichen Senatsdogma der »Steinernen Stadt« (mit Blockrandschließung, Traufhöhe und »Lochfassade«)
in den 90ern, andererseits geschäftstüchtigen Investoren, die Architekten nur brauchten, um aus den Grundstücken die maximale
Büronutzfläche herauszuschinden. »Inves­to­
renkühlschränke« hat mal ein Student diese
Art Architektur genannt.
Es mag despektierlich sein, aber jedes Mal,
wenn ich am Hochtief-Gebäude vorbeikomme, fällt mir unwillkürlich das Wort »Reichskriegsministerium« ein. So hätte das auch
aussehen können.
us

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Metamorphose

Idyll

Karfreitag am Engelbecken. Ein Schwan lässt
sich, nachdem er ausgiebig die öffentliche
Aufmerksamkeit genossen hat, würdevoll auf
dem kleinen Plateau nieder, neben ein paar
sich sonnenden Schildkröten. Anwesend außerdem: ein Fischreiher, der auf dem etwas
weniger repräsentativen schwimmenden Hüttchen nebenan gelandet ist. Einmal scheint er
wieder starten zu wollen. Dann steht er flügelrudernd ein Weilchen in der Luft, als könne er
sich nicht so recht entscheiden. Die ältere
Dame am Tisch schaut amüsiert zu. Und kommentiert: Jetzt macht er uff Kolibri.

Im Teepeeland am Spreeufer genießt man
die Sonne und die nahezu idyllische Ruhe.
Keine Touristenschwärme, keine Massen wie
am Holzmarkt gegenüber. Wer glaubt, in den
Teepee-Zelten hausten nur chaotische Stadt­
nomaden, irrt gewaltig. Hier wohnt man nicht
nur, hier lebt man. Einer hat ein Vorgärtchen
so liebevoll angelegt, dass jeder Laubenpieper
feuchte Augen kriegt, nebenan hat jemand
fachmännisch einen Taubenschlag gebaut, in
dem nun Täubchen gurren, und im dörflichen
Idyll laufen glückliche Hühner frei herum.

ECKENSTEHER

Monotonie in der
Großstadt

PFLASTERSTEINE

Subito!

An der grauen Wand des Plattenbaus an der
Köpenicker Straße, der vom Investor zu lauter
winzigen, hohe Rendite versprechenden
­Mini-Apartments umgewandelt wurde, fällt
ein Graffiti ins Auge: »Her mit dem schönen
Leben!« Der ohnehin energischen Forderung
hat ein anderer Sprayer zusätzlichen Nachdruck verliehen: »Jetzt!!!«
                            
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