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Full text: Strategie zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements des Sozialamtes Treptow- Köpenick von Berlin

Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin Abteilung Arbeit, Soziales und Gesundheit Amt für Soziales SozL

4. März 2014

Strategie zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements des Sozialamtes Treptow-Köpenick von Berlin

Das Sozialamt Treptow-Köpenick von Berlin hat seit dem Jahr 2007 eine Strategie zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements entwickelt. Die Bevölkerungsstruktur und die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Bezirk Treptow-Köpenick bieten einen wichtigen Rahmen für Bürgerschaftliches Engagement. Der demografische Wandel hat im Bezirk TreptowKöpenick bereits weitgehend stattgefunden, denn von den 245.000 Einwohnern sind schon jetzt fast 30 % im Alter von 60 Jahren und darüber. Ziel des Sozialamtes war und ist es, ein Leitsystem für Bürgerschaftliches Engagement für den Bezirk zu entwickeln, damit Potentiale des Bürgerschaftlichen Engagements genutzt werden können. Gerade im Alter von 60 – 75 Jahren hat sich eine ganz neue Lebensphase entwickelt, die dadurch geprägt ist, dass Menschen relativ gesund, motiviert und auch finanziell weitgehend gut gestellt sind, sodass Bürgerschaftliches Engagement möglich werden kann. Umfragen zeigen, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger sich engagieren würden, wenn sie wüssten, wo und wenn man sie gefragt hätte. Die Strategie zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements besteht aus unterschiedlichen Mosaiksteinen – siehe Anlage. Folgende wesentliche Mosaiksteine des Gesamtsystems sollen hier kurz vorgestellt werden: 1. Organisationseinheit „Bürgerschaftliches Engagement in KIEZKLUB’s“ im Sozialamt Treptow-Köpenick Die Bildung eines eigenen Organisationsbereiches zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements und der KIEZKLUB’s war eine wesentliche Voraussetzung zur Entwicklung der Gesamtstrategie. Das Sozialamt arbeitet Anfang 2014 mit ca. 560 Ehrenamtlichen. Im Bereich der Sozialkommissionen hat das Sozialamt die Verantwortung für 300 Sozialkommissionsmitglieder, die ältere und behinderte Menschen im Bezirk zum Geburtstag und aus anderen Anlässen aufsuchen. Neben der Gratulation stellen die Sozialkommissionsmitglieder dann auch ggf. fest, ob zusätzliche Hilfen aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen notwendig sind. Ist dies der Fall, werden entsprechende Kontakte zu den sozialen Diensten des Sozialamtes oder auch des Gesundheitsamtes hergestellt. Darüber hinaus engagieren sich ca. 200 Seniorinnen und Senioren in den 10 kommunalen KIEZKLUB’s, die generationsübergreifend arbeiten. Jeder KIEZKLUB verfügt über eine Leitungskraft des Sozialamtes, die ihrerseits einen Beirat beruft. Die Mitglieder des Beirates sowie die Nutzer der KIEZKLUB’s entscheiden dann selbst, welche Angebote, Festveranstaltungen etc. in den KIEZKLUB’s realisiert werden sollen. Die Leiterinnen der KIEZKLUB’s sind als Freiwilligenkoordinatoren fortgebildet und bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Hier wird Partizipation tatsächlich vor Ort gelebt. Darüber hinaus arbeiten wir mit ca. 60 ehrenamtlichen Betreuern zusammen.

2 Die Betreuungsbehörde hat den gesetzlichen Auftrag, Ehrenamtliche für Betreuungsaufgaben zu gewinnen, sie fortzubilden und es ist auch Aufgabe des Sozialamtes, sowohl die Ehrenamtlichen aus den Bereichen KIEZKLUB’s, Sozialkommissionen und auch Betreuungsstelle zu beraten, fortzubilden und auch eine öffentliche Anerkennung auszusprechen. Aufgabe der Organisationseinheit Bürgerschaftliches Engagement ist es darüber hinaus, die enge Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER fortzuführen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Organisationseinheit treffen sich regelmäßig mit den Mitarbeitern des Freiwilligenzentrums, um die unterschiedlichen Veranstaltungen, Projekte etc. abzustimmen bzw. in Kooperation gemeinsam durchzuführen. 2. Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER Zentraler Mosaikstein der Strategie zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements ist die Einrichtung und Finanzierung des Freiwilligenzentrums STERNENFISCHER. Aufgabe des Freiwilligenzentrums ist es zum einen, gemeinnützige Organisationen dahingehend zu beraten, wie Ehrenamtliche heute gewonnen werden können, wie die Organisationen auf die Wünsche von freiwillig Engagierten eingehen können und zum anderen, die Beratung und Vermittlung von Bürgerinnen und Bürgern, die sich freiwillig engagieren wollen. Das Freiwilligenzentrum hat diesbezüglich eine Software mit mehr als 340 gemeinnützigen Organisationen aus dem Bezirk aufgebaut, indem die jeweiligen Ansprechpartner und Aufgabengebiete für Ehrenamtliche hinterlegt sind. So ist eine professionelle Beratung sichergestellt. Das Freiwilligenzentrum steht allen Bürgern als Beratungsinstitution zur Verfügung, unterhält auch Kontakte zu Privatunternehmen, führt eigene und zusammen mit dem Sozialamt geplante Veranstaltungen durch, auf die nachgehend noch eingegangen wird. 3. Beirat zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements Im Jahr 2007 wurde der Beirat zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements bei der Stadträtin für Arbeit, Soziales und Gesundheit einberufen. Bürgerschaftliches Engagement betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche und Ziel der Arbeit des Beirates ist es, dieses Thema an alle Bereiche des Bezirkes Treptow-Köpenick heranzutragen und Ideen zur Weiterentwicklung des Bürgerschaftlichen Engagements zu entwickeln. Von daher wurden in den Beirat sowohl Politiker als auch Vertreterinnen und Vertreter des Wirtschaftskreises TreptowKöpenick, der Geschäftsführung der WISTA, der gemeinnützigen Organisationen, der Medien und der Wissenschaft berufen. Zu dem Beirat gehören natürlich auch das Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER sowie das Selbsthilfezentrum Eigeninitiative. In dem Beirat ist beispielsweise auch die Idee für Öffentlichkeitsarbeit und besondere Fachtagungen entstanden. So hat das Sozialamt im Jahr 2011 eine große Tagung mit 280 Besucherinnen und Besuchern zum Thema Bürgerschaftliches Engagement und im Oktober 2013 eine ebenso große Veranstaltung zum Thema Demografischer Wandel durchgeführt. 4. Leitlinien zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements im Bezirk Treptow-Köpenick Für die Entwicklung des Bürgerschaftlichen Engagements ist es von großer Bedeutung, dass nicht nur das Sozialamt, sondern alle Abteilungen des Bezirksamtes Treptow-Köpenick die gleichen Ziele verfolgen. In einem Workshop mit allen Abteilungen des Bezirkes wurden dann die Leitlinien zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements entwickelt und vom Bezirksamt mit Beschluss vom 10. Juni 2011 verabschiedet.

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5.

Freiwilligentag Treptow-Köpenick Das Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER führt in Kooperation mit dem Sozialamt Treptow-Köpenick und vielen anderen Organisationen einmal jährlich den Freiwilligentag Treptow-Köpenick durch. Ziel ist es, mit dieser Veranstaltung das Thema in die Öffentlichkeit zu rücken und Ziel vieler Organisationen ist es, durch einen Aktionstag Ehrenamtliche für den Tag oder auch darüber hinaus für die Organisation zu gewinnen. Zu den Aktionen gehören beispielsweise das Blumenbinden auf einem Marktplatz und die anschließende Verteilung der Blumen in Seniorenpflegeheimen. Die Blumen werden von einem Privatunternehmen gesponsert. Das Blumenbinden und die Verteilung der Blumen erfolgt dann durch Ehrenamtliche/Freiwillige. Eine weitere Aktion ist beispielsweise das Herstellen der sogenannten „Generationsmarmelade“. Hier gehen Freiwillige in eine Pflegeeinrichtung und gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren wird die Marmelade hergestellt. An diesem Freiwilligentag nehmen von Jahr zu Jahr immer mehr gemeinnützige und auch private Organisationen teil.

6.

Marktplatz Treptow-Köpenick Aus der Kultur der Niederlande haben wir das Modell Marktplatz in Treptow-Köpenick übernommen. Die Enquete-Kommission beim Deutschen Bundestag hat vor einigen Jahren darauf hingewiesen, dass es vor allem Aufgabe der Kommune sei, die Rahmenbedingungen für Bürgerschaftliches Engagement zu schaffen. Darüber hinaus wurde das Ziel ausgegeben, dass Zivilgesellschaft, Privatunternehmen, gemeinnützige Organisationen und Verwaltung/Staat zusammengeführt werden sollen. Der Marktplatz ist hierfür eine besonders geeignete Maßnahme. Für 2 Stunden treffen sich gemeinnützige Organisationen und Privatunternehmen, die sich sozial engagieren wollen, um miteinander Geschäfte/Vereinbarungen abzuschließen, ohne dass Geld fließt. Auf gleicher Augenhöhe sollen die gemeinnützigen Organisationen eine Dienstleistung anbieten und dafür eine Unterstützung der Privatunternehmen auf der anderen Seite erhalten. An den Marktplätzen haben in der Vergangenheit jeweils ca. 50 Privatunternehmen und ca. 50 gemeinnützige Organisationen teilgenommen, die innerhalb der 2 Stunden in der Regel zwischen 60 und 100 gegenseitige Geschäfte vereinbart haben. Ziel der Marktplatzmethode ist es, die unterschiedlichen Kulturen von Privatunternehmen, Gemeinnützigen und Ehrenamtlichen zusammenzubringen, ohne dass über Geld, d.h. über Spenden gesprochen werden muss. Wer den Marktplatz erlebt hat, die lebendige Kommunikation, die freudigen Gesichter, wird schnell davon überzeugt, wie einmalig und wichtig diese Methode ist.

7.

Freiwilligenbörse In den vergangenen 7 Jahren hat das Sozialamt mit mehr als 100 gemeinnützigen und privaten Organisationen einen Sozialtag durchgeführt, bei dem seit dem Jahr 2008 auch eine Freiwilligenbörse integriert worden ist. Ab dem Jahr 2015 soll das eigene Format Freiwilligenbörse installiert werden. Hier soll an einem geeigneten Standort, z.B. im Ratssaal des Rathauses Köpenick, gemeinnützigen Organisationen die Möglichkeit gegeben werden, mit einem Stand zu informieren und Ehrenamtliche, die noch ein Einsatzfeld suchen, erhalten die Möglichkeit, sich vor Ort hierüber zu informieren. In den kommenden Jahren soll dann abwechselnd einmal die Freiwilligenbörse und einmal der Marktplatz durchgeführt werden.

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8.

„Hier bin ich dabei“ Um alle Bürgerinnen und Bürger über die Möglichkeiten des ehrenamtlichen bzw. freiwilligen Engagements zu informieren, hat sich das Sozialamt im Jahr 2013 entschlossen, alle 63-jährigen Bürgerinnen und Bürger des Bezirkes zu 4 Informationsveranstaltungen zum Thema Möglichkeiten des Bürgerschaftlichen Engagements einzuladen. Pro Jahr werden somit ca. 2.500 Personen eingeladen, die auch die Möglichkeit haben, Nachbarn oder Familienangehörige zu den Informationsveranstaltungen mitzubringen. Im Rahmen der 2stündigen Veranstaltung informieren das Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER und der Bereich Bürgerschaftliches Engagement des Sozialamtes über mögliche Einsatzfelder im Bezirk Treptow-Köpenick. Die Resonanz auf die Einladungen ist sehr vielfältig. Zum einen bekommt das Sozialamt die Rückmeldung, dass ehrenamtliches Engagement noch nicht möglich sei, weil die Betroffenen mit der Pflege der Eltern vollkommen ausgelastet sind. Andere verweisen darauf, dass es für Bürgerschaftliches Engagement noch zu früh sei, weil sie noch erwerbstätig sind. Zu den Veranstaltungen selbst kommen in der Regel zwischen 30 und 60 Personen, die sich über die Einsatzmöglichkeiten informieren und ein Teil der Besucher steigt dann auch kurzfristig in das Freiwilligenengagement ein.

9.

Anerkennungskultur Alle Untersuchungen und Berichte zeigen, dass für die Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements die Entwicklung einer nachhaltigen Anerkennungskultur unerlässlich ist. Die Formen der Anerkennungskultur sind sehr unterschiedlich. Im Bezirk Treptow-Köpenick führen wir beispielsweise für die Ehrenamtlichen aus den KIEZKLUB’s oder auch für die Sozialkommissionsmitglieder Dampferfahrten, Tagesausflüge und Festveranstaltungen durch. Selbstverständlich werden auch Ehrennadeln, der Freiwilligenpass und ähnliche Auszeichnungen an die Ehrenamtlichen vergeben. Besonders wichtig ist, dass diese Anerkennung auch durch die politische Leitung ausgesprochen wird. Im Rahmen der Anerkennungskultur wichtig ist auch die Beratung und Fortbildung der freiwillig engagierten Menschen und auch die Zusammenführung der Ehrenamtlichen, damit sie neue soziale Kontakte herstellen können und damit auch ein Erfahrungsaustausch stattfinden kann. Für das Sozialamt gilt das Motto, „Danke sagen für das, was freiwillig geleistet wird, ist in Treptow-Köpenick eine Herzenssache!“.

Meißner Leiter des Amtes für Soziales

Strategie zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements des Sozialamtes TreptowKöpenick von Berlin:
Öffentlichkeitsarbeit Marktplatz Gemeinnützige Organisationen Unternehmen

Freiwilligentag Treptow-Köpenick

Freiwilligenbörse Sozialamt Organisationsbereich: Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum Beirat zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements: - Politik/Wirtschaft - Medien/Wissenschaft - Gemeinnützige Organisationen - Freiwilligenzentrum

„Hier bin ich dabei“ – InfoVeranstaltungen für alle 63-Jährigen des Bezirkes

Leitlinien des Bezirkes zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements

Anerkennungskultur: - Festveranstaltungen - Auszeichnungen von Ehrenamtlichen

Finanzierung des Freiwilligenzentrums STERNENFISCHER

Meißner Leiter des Sozialamtes Treptow-Köpenick, 04. März 2014
        
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